Archiv Pressemitteilungen | 2012 bis 2017

 

Jan 27 2012

Lichtenberg-Professor Martin Grininger verstärkt den Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe

Der Herr der Mega-Moleküle

FRANKFURT. Martin Grininger arbeitet mit großen Molekülen. Wie groß, kann man sich erst vorstellen, wenn er an das Computer-Modell so weit heran zoomt, dass man einzelne Aminosäuren erkennt. Das Molekül, eine Fettsäuresynthase, kennt er im Schlaf, denn er hat seine Struktur in den vergangenen Jahren entschlüsselt. Dass der amerikanische Biochemiker und Nobelpreisträger des Jahres 2009, Thomas Steitz, und ein ehemaliger Mitarbeiter von Steitz, Nenad Ban, dabei etwas schneller waren, sieht er sportlich. Schließlich war er als Nachwuchswissenschaftler noch weniger erfahren. Seine detaillierten Kenntnisse kann er nun für ein neues Forschungsprogramm nutzen. Die Volkswagenstiftung hat ihm eine Lichtenberg-Professur bewilligt, die in den kommenden 5 Jahren mit 1,5 Millionen Euro ausgestattet ist.

Martin Grininger, geboren 1976 in Linz, hat sein Studium in Österreich begonnen, den größten Teil seiner Studienzeit aber in München verbracht. Nach seinem Chemie-Studium wandte er sich während der Doktorarbeit am Max-Planck-Institut für Biochemie der Strukturbiologie und Biochemie zu. Am Institut von Prof. Dieter Oesterhelt war er Projektleiter der Gruppe „Biologische Chemie“. Vor kurzem ist er nun in das neue Gebäude des Exzellenzclusters „Makromolekulare Komplexe“, kurz CEF, eingezogen und fühlt sich dort schon wohl. „Dass ich das CEF in meinem Antrag als Institution für mein Forschungsvorhaben wählte, hat die Gutachter überzeugt“, sagt Grininger. „Frankfurt ist die ideale wissenschaftliche Umgebung für mein Projekt“.

Grininger hat sich vorgenommen, große multifunktionelle Proteine wie die Fettsäuresynthase chemisch zu verändern, so dass sie Aufgaben erledigen, für die sie die Natur nicht vorgesehen hat. Das ist nicht einfach, denn es handelt sich um komplizierte molekulare Maschinen, die fast so groß sind wie das Ribosom – ein Komplex aus Proteinen und Nucleinsäuren, der Proteine aus Aminosäuren herstellt. Die molekularen Maschinen, die Grininger nun untersuchen will, heißen Polyketidsynthasen, weil sie Polyketide herstellen. Diese sind wegen ihrer hohen Bioaktivität besonders für die pharmazeutische Forschung interessant. Ein bekanntes Beispiel ist das Antibiotikum Erythromycin, aber auch der bei Krebs eingesetzte Wirkstoff Epothilon, der die Zellteilung hemmt.

Antibiotika wie Erythromycin im Labor herzustellen, ist aufwändig: Man benötigt viele Reaktionsschritte, verwendet teilweise giftige Katalysatoren, die wieder entfernt werden müssen, und arbeitet bei hohen Temperaturen. Wenn man Polyketidsynthasen dazu bringen könnte, das gleiche Ergebnis in wässriger Lösung und bei Raumtemperatur zu erzielen, wäre dies wesentlich effizienter und umweltschonender. Außerdem könnte man die molekulare Maschine durch chemische Modifikationen dazu bringen, auch Varianten des Wirkstoffs zu produzieren, was wichtig ist, wenn Resistenzen auftreten. Doch dies ist ein Fernziel, wie Grininger betont. Zunächst muss er herausfinden, mit welchen „Werkzeugen“ er die Nano-Maschine verändern kann und wie sich dadurch sowohl ihre Produkte als auch ihre Leistungsfähigkeit verändern. Das ist ein Puzzle mit vielen Teilen.

Bildmaterial zum Download finden Sie in der rechten Spalte.

Informationen: Prof. Martin Grininger, Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42705, grininger@chemie.uni-frankfurt.de.

 

Jan 27 2012

Podiumsdiskussion über systembiologische Ansätze in der Medizin am 1. Februar 2012 am Forschungskolleg Humanwissenschaften

Personalisierte Medizin: Gefahr des gläsernen Menschen?

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Um medizinische Chancen und rechtliche Risiken der so genannten personalisierten Medizin geht es bei einer Podiumsdiskussion am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität. Die personalisierte Medizin befasst sich mit den grundlegenden Mechanismen, wie chronische Erkrankungen bei einzelnen Patienten entstehen und wie man sie früher erkennen und behandeln kann. Doch die schiere Menge und der mögliche Missbrauch der dazu gesammelten Daten legen auch eine erhöhte Wachsamkeit gegenüber unerwünschten „Nebenwirkungen“ nahe. Die Diskussion mit ausgewiesenen Experten der Medizin und Rechtswissenschaft hat das

Thema: Systembiologische Ansätze in der medizinischen Forschung: Personalisierte Medizin – Gefahr des gläsernen Menschen?
am: Mittwoch, dem 1. Februar 2012, um 18.30 Uhr
Ort: Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe

Die Fortschritte in der medizinischen Forschung gehen Hand in Hand mit einer rasant steigenden Verarbeitungsgeschwindigkeit enormer Informationsmengen. Immer wichtiger ist es, die neuen Erkenntnisse über biologische Systeme in die medizinische Praxis umzusetzen und so die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Dabei kommt es zu neuen Verwendungen personenbezogener Daten: Das menschliche Genom wurde bereits entschlüsselt, Medikamententherapien können zunehmend für einzelne Patientengruppen maßgeschneidert angepasst werden. Die personalisierte Medizin auf der Grundlage genetischer Informationen ist so einerseits zum großen Hoffnungsträger geworden, der individuelle Therapieansätze vorantreibt. Andererseits sind insbesondere die benutzten genetischen Daten hoch sensibel. Für die Betroffenen gestaltet sich die Kontrolle der Verwendung ihrer Daten schwieriger.

Welche Möglichkeiten bietet die personalisierte Medizin und wo liegen ihre Grenzen? Welche gesellschaftlichen Konsequenzen bringen fortschreitende Analysemöglichkeiten komplexer Systeme wie des menschlichen Organismus mit sich? Bei der Veranstaltung, initiiert durch das Forschungskolleg Humanwissenschaften und die Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS), setzen sich die Diskutanten mit diesen Fragen auseinander. Nach einer Begrüßung durch Dr. Susanne Schultz-Hector, Vorstandsmitglied der EKFS, und Prof. Spiros Simitis, Wissenschaftlicher Direktor des Kollegs, hält Prof. Rudi Balling einen einleitenden Vortrag. Der Direktor des Zentrums für Systembiologie der Universität Luxemburg gibt dabei Einblicke in die Biomedizin und ihre Anwendungen in der personalisierten Medizin.

Die weiteren Experten auf dem Podium sind neben dem Juristen Spiros Simitis, der auch lange Jahre Datenschutzbeauftragter des Landes Hessen war, Prof. Josef Pfeilschifter, Dekan des Fachbereichs Medizin der Goethe-Universität und Direktor des Pharmazentrums des Universitätsklinikums, sowie Prof. Klaus Günther, Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität und Co-Sprecher des Frankfurter Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“.

Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich willkommen. Um eine kurze Anmeldung wird gebeten.

Anmeldung: Andreas Reichhardt, Tel: (06172) 13977-16, Fax: (06172) 13977-39, a.reichhardt@forschungskolleg-humanwissenschaften.de, www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Informationen: Dr. Susanne Schultz-Hector, Tel.: (06172) 897510, kontakt@ekfs.de, Bernd Frye, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel: (06172) 13977-14, frye@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

 

Jan 26 2012

Studierendenhaus kann fristgerecht auf dem Campus Westend realisiert werden

Letzte Hürde genommen

FRANKFURT. Es ist ein Gebäude mit hoher Symbolkraft für die Studierenden in Frankfurt, aber auch für die Verfasste Studierendenschaft in Deutschland insgesamt: das Studierendenhaus an der Goethe-Universität. Als Symbol für den Wiederaufstieg einer demokratischen Studierendenschaft in Deutschland war es nach dem Zusammenbruch von Nazi-Deutschland mit Unterstützung der Amerikaner errichtet und vom damaligen Rektor, Max Horkheimer, 1953 eröffnet worden. Danach gab es viele Hochschulen, die diesem Beispiel nacheiferten und ebenfalls Studierendenhäuser errichteten.

Mit dem Umzug der Hochschule von Bockenheim ins Westend soll nun bis 2014 für knapp 13 Mio. Euro ein neues Studierendenhaus errichtet werden, 11 Mio. davon aus Mitteln des Landes Hessen. Das Besondere dabei: Die Studierenden setzen wichtige Akzente bei der selbstbestimmten Ausgestaltung des Hauses und nehmen dafür insgesamt 1,8 Mio. Euro aus Mitteln der Studierendenschaft in die Hand: Neben einer Fahrradwerkstatt und einem Dachgarten soll ein Multifunktionssaal für studentische Veranstaltungen aller Art, wie z.B. Kino und Konzerte, entstehen. Zudem legen die Studierenden großen Wert auf die ökologische Ausgestaltung ihres Gebäudes. Gerade haben die Vorsitzende des Allgemeine Studierendenausschusses und der Präsident der Goethe-Universität mit ihren Unterschriften unter eine entsprechende vertragliche Regelung den Weg freigemacht für den Neubau auf dem Campus Westend.

Im März oder April 2012 könnte ein internationaler Architektenwettbewerb für das Haus ausgeschrieben und Anfang 2013 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Bauzeit dürfte etwa 18 Monate betragen, so dass eine Fertigstellung bis 2014 möglich ist. Das Gelände für das knapp 4000 Quadratmeter umfassende Gebäude im Norden des Campus in unmittelbarer Nähe der Studierendenwohnheime ist bereits festgelegt.

Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl dankte dem Land Hessen für seinen Beitrag und betonte, dies sei ein guter Tag für die Studierenden der Goethe-Universität. Das Präsidium habe sich seit langem dafür eingesetzt, dass die studentische Tradition eines selbstverwalteten Gebäudes auf dem Campus Westend fortgeführt werden könne. Bemerkenswert sei, dass sich die Studierenden mit einem hohen Eigenanteil an der Ausgestaltung des Gebäudes beteiligten. Dies gewährleiste eine Realisierung, die sich eng an Nutzerbedürfnissen orientiere.

Auch die Vorsitzende des AStA, Claudia Tinaui, brachte Ihre Freude über die gelungene Einigung zum Ausdruck: „Die Anstrengungen der letzten Monate haben sich gelohnt. 2014 werden wir das neue Haus auf dem Campus Westend beziehen können. Damit ist die Verfasste Studierendenschaft endlich am neuen Campus präsent mit einem in Eigenregie betrieben Haus, welches viel Raum für studentische Projekte und Kultur bietet.“

Kontakt: Michael Grundmann, 0178/4867660

Informationen: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter Marketing und Kommunikation, Campus Bockenheim, Tel: (069) 798-23935, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 26 2012

Frankfurter Uniklinik nimmt Routinebetrieb auf

Neue Technik verbessert frühe Alzheimer-Diagnose

FRANKFURT. Eine Chance die Gehirnerkrankung frühzeitig zu diagnostizieren, bieten die Alzheimer-typischen Schädigungen der Zellen im Gehirn. Die Schrumpfung des Gehirns mit Hilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) lässt sich zwar als Bild erfassen, doch sind die damit verbundenen Veränderungen – für das Auge - erst in einem späten Stadium der Krankheit sichtbar. Das führte bisher dazu, dass die Alzheimer-Erkrankung oft erst dann festgestellt werden konnte, wenn die Symptome der Krankheit schon weit fortgeschritten und die therapeutischen Möglichkeiten begrenzt sind. Dank der automatisierten Hippokampusvolumetrie, einer speziellen Computertechnik, ist es nun möglich das Volumen und die Verteilung der Hirnsubstanz auf der Basis der MRT-Daten präzise zu vermessen. Von besonderem Interesse für die Alzheimer-Diagnose ist die Vermessung des Hippokampus - die Hirnregion, die neue Informationen in das Langzeitgedächtnis überträgt – und bei der schon die kleinsten Volumenveränderungen auf einen Beginn der Demenz hindeuten. Da die Analyse technisch sehr aufwendig ist, wurde sie bisher weltweit nur in einigen Forschungszentren und im Rahmen von wissenschaftlichen Studien eingesetzt. Nach einer einjährigen Pilotphase unter der Leitung des international anerkannten Alzheimer-Forschers Professor Dr. Harald Hampel, ist die neue Technik jetzt auch als Anwendung in der allgemeinen Versorgung der Patienten an der Frankfurter Uniklinik möglich.

Zitat Professor Dr. Hampel, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie: „Durch den Betrieb eines spezialisierten Referenzzentrums erhoffen wir uns eine weitere Steigerung unserer Diagnosequalität gerade im Frühstadium der Alzheimer-Erkrankung“.

Betroffene, die sich für diese neue Untersuchungsmethode interessieren, wenden sich bitte an die Gedächtnissprechstunde, 069-6301-7634. Anfragen zu wissenschaftlichen Studien über das zentrale Studientelefon: 069-6301-7634

Information: Prof. Dr. Harald Hampel , Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt, 069 63 01 - 63 73, harald.hampel@med.uni-frankfurt.de, www.psychiatrie.uni-frankfurt.de

 

Jan 25 2012

Podiumsdiskussion im Frankfurter Kunstverein am 4. Februar mit Bürgerrechtler Joachim Gauck und Rechtsprofessor Klaus Günther

Frankfurter Stadtgespräch: Demokratie in der Krise?

FRANKFURT. Die gegenwärtigen Krisen setzen auch die Demokratie unter Druck. Sachzwänge und Sachverständige scheinen das Regierungshandeln zu bestimmen. Doch wie steht es dabei um die Legitimation der weitreichenden politischen Entscheidungen? Welche Bedeutung hat die Demokratie gerade in der Krise? Und nicht zuletzt: Wer heute von der Zukunft unserer Demokratie spricht, darf auch nicht über Europa schweigen – dem Ort, an dem zahlreiche Zukunftsentscheidungen getroffen werden. Das nächste Frankfurter Stadtgespräch, veranstaltet vom Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität und dem Frankfurter Kunstverein, widmet sich dem

Thema: „Demokratie in der Krise? – Welche Einmischungen die aktuellen Umbrüche erfordern“
am: Samstag, dem 4. Februar 2012, um 17.00 Uhr
Ort: Frankfurter Kunstverein, Steinernes Haus am Römerberg, Markt 44, 60311 Frankfurt

Beim nunmehr 8. Frankfurter Stadtgespräch diskutieren zwei Persönlichkeiten, die auf der Suche nach Einschätzungen und Antworten weiterhelfen können: Joachim Gauck, prominenter Bürgerrechtler und ehemaliger Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde, kandidierte 2010 für das Amt des Bundespräsidenten. Klaus Günther ist Co-Sprecher des Exzellenzclusters und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität. Die Moderation hat Thomas Biebricher, ebenfalls Mitglied des Clusters. Der Politikwissenschaftler befasst sich in seinem aktuellen Forschungsprojekt mit der normativen Dimension neoliberalen Denkens. Der Eintritt zum Frankfurter Stadtgespräch ist frei.

Das Stadtgespräch mit Joachim Gauck und Klaus Günther gehört zum wissenschaftlichen Rahmenprogramm der Ausstellung „Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen“, einem Gemeinschaftsprojekt des Clusters mit dem Frankfurter Kunstverein vom 20. Januar bis 25. März 2012.

Informationen: Peter Siller, Exzellenzcluster ‚Die Herausbildung normativer Ordnungen’, Tel: (069) 798-25290, peter.siller@normativeorders.net, www.normativeorders.net/frankfurter-stadtgespraech, www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/ausstellungsprojekt