Veranstaltungen
Internationales Symposium an der Goethe-Universität zur Entstehung einer Globalen Erziehungsindustrie (GEI)
FRANKFURT. Seit einiger Zeit lässt sich weltweit ein gesteigertes Interesse von Unternehmen, Stiftungen und anderen Investoren am Erziehungssektor erkennen. Im Schatten dieser Entwicklungen ebenso wie von übergreifenden globalen Trends wie Ökonomisierung, Kommodifizierung und Digitalisierung haben sich mittlerweile global agierende Player herausgebildet ebenso wie eine global agierende Erziehungsindustrie (GEI). Damit einher geht die Neuausrichtung des Bildungssektors als ein von privaten Unternehmen gemanagter Bereich.
Das internationale Symposium „Economization, Commodification, Digitalization: The Emergence of a Global Education Industry“ an der Goethe-Universität widmet sich diesen neuen Phänomenen und Entwicklungen und nimmt dabei in den Blick, wie weitgehend sich eine globale Bildungsindustrie bereits ausdehnen konnte, wie sie operiert, und welchen Einfluss sie auf die öffentliche Erziehung auf allen Stufen nimmt.
Internationales Symposium: “Economization, Commodification, Digitalization: The Emergence of a Global Education Industry”, 16./17. Februar 2017, Goethe-Universität, Campus Westend, Eisenhower Saal, Raum IG 1.314.
Das Symposium wird gemeinsam von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Goethe-Universität Frankfurt am Main, dem Teachers College der Columbia University New York, der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie dem internationalen Netzwerk für Bildungspolitik NORRAG mit Sitz in Genf organisiert.
Einen besonderen thematischen Höhepunkt stellt die Keynote-Präsentation des Soziologen und Professors für Erziehungswissenschaft am IOE University College London, Stephen J. Ball, dar. Am Beispiel der Michael and Susan Dell Foundation (MSDF), deren Stiftungsaktivitäten und Investitionen im Bildungssektor in Indien wird Stephan J. Ball das komplexe, zugleich noch recht unklare Zusammen- bzw. Wechselspiel von Philanthropie, Unterstützung, Beratung und Geschäftsinteressen ausleuchten. Einer genaueren sozialwissenschaftlichen Analyse unterzogen werden Prozesse, in denen sich pädagogisch-technologische Innovation (EdTech) im Klassenzimmer und Schulsystem mit Bildungsreformbewegungen verbinden, was schließlich neue profitable Geschäftsbereiche zu eröffnen vermag (16. Februar, 16.00 Uhr, Hörsaal 8, Hörsaalzentrum Campus Westend).
Das Symposium bietet die einmalige Gelegenheit, Entwicklungen, Probleme und Herausforderungen in diesem Kontext mit international renommierten Fachleuten in den Blick zu nehmen. Nähere Informationen hierzu auf der Homepage www.symposium-gei.eu.
Medienvertreter sind herzlich eingeladen, sich einen Eindruck von Themen und Diskussionen zu verschaffen und ins Gespräch mit der Wissenschaft zu kommen.
Kontakt: Professorin Dr. Isabell Diehm & Professorin Dr. Christiane Thompson, Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt am Main. Tel. (069) 798 36250; E-Mail: i.diehm@em.uni-frankfurt.de; c.thompson@em.uni-frankfurt.de
Hochschulpolitische Themen
Vorläufige Ergebnisse der Senatswahl liegen vor: Sitzverteilung bleibt gleich
FRANKFURT. Keine Überraschungen bei der Senatswahl 2016/17 an der Goethe-Universität: Die Sitzverteilung im Senat, zentrales Gremium der Universität und Vertretung aller Statusgruppen, entspricht laut vorläufigem Wahlergebnis der Senatswahl 2014/15. Aufgerufen zur Wahl waren Professorinnen und Professoren, Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Studierenden sowie die Administrativ-technischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Insgesamt ist in allen Statusgruppen ein leichter Rückgang bei der Wahlbeteiligung zu verzeichnen.
In der Wählergruppe I waren 574 Professoren wahlberechtigt, die Wahlbeteiligung lag bei 73,87 Prozent (2014/15: 75,04 %). Drei Sitze konnten jeweils die Listen UNIVERSITAS und RATIO gewinnen. LH, Liste Hochschulentwicklung kommt auf zwei Sitze, die Demokratische Liste auf einen Sitz.
In der Wählergruppe II der Wissenschaftlichen Mitarbeiter gaben von 3765 Wahlberechtigten 896 ihre Stimme ab. Dies entspricht einer Wahlbeteiligung von 23,8 Prozent (2014/15: 25,6%). Wie bisher sind die UNABHÄNGIGE Liste, GEW/verdi und die DEMOKRATISCHE INITIATIVE jeweils mit einem Sitz im Senat vertreten.
In der Wählergruppe III – Studierende waren 46.963 zur Wahl aufgerufen, 5216 gaben ihre Stimme ab. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 11,11 Prozent (2014/15: 12,85 %). Jeweils mit einem Sitz im Senat vertreten sind wieder Bündnis 90/Die Grünen Hochschulgruppe, Jusos und attac für eine demokratische Uni sowie der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS)/Liberale Hochschulgruppe (LHG).
Von den 2036 Wahlberechtigten der Wählergruppe IV – Administrativ-technische Mitarbeiterinen u. Mitarbeiter gaben 797 ihre Stimme ab (39,15 %, 2014/15: 38,2%). Die „Freie Liste“ und Senatsliste verdi sind wie bisher jeweils mit einem Sitz im Senat vertreten.
Der Senat, das „Parlament“ der Universität, ist das zentrale Gremium und Vertretung aller Statusgruppen. Ihm gehören neun Professoren, drei wissenschaftliche Mitarbeiter, drei Studierende und zwei administrativ-technische Mitarbeiter an. Die Mitglieder des Präsidiums gehören dem Senat mit beratender Stimme an. Der Präsident bzw. die Präsidentin hat den Vorsitz im Senat. Das Recht zur beratenden Teilnahme an den Sitzungen des Senats haben die Dekaninnen und Dekane, der Vorsitzende des Hochschulrats, die Vorsitzenden des AStA, der Vorsitzende des Stiftungskuratoriums, die Frauenbeauftragte, die Vorsitzende des Personalrats und die Vertreterin der Schwerbehinderten.
Sonstige
Werkstattgebäude am Campus Riedberg beherbergt nun interdisziplinäre Angebote
FRANKFURT. Heute hat die Goethe-Universität das neue zentraleSchülerlabor GoetheLab Zentrum im Werkstattgebäude am Campus Riedberg eröffnet. In den fünf eigens umgebauten Räumen können Schulklassen das wissenschaftliche Experimentieren aus nächster Nähe kennenlernen und über Zusammenhänge diskutieren.
„Die Goethe-Universität und ihre Partner beschreiten heute neue Wege, setzen eine Tradition auf neue Weise fort: Im zentralen Schülerlabor kann Wissenschaft künftig über Fächergrenzen hinweg vermittelt werden. So können wir schon früh Begeisterung für die Wissenschaft und für das dringend notwendige vernetzte Denken streuen.“ Mit diesen Worten eröffnete Vizepräsident Enrico Schleiff im Beisein von Vertretern von Schulen, Schulverwaltung und Kultusministerium, Förderern und Wissenschaftlern das neue GoetheLab Zentrum.
In den zuvor vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung genutzten Räumen wurden vier Fachräume für die Fächer Physik, Strahlenphysik, Biologie und Chemie sowie ein Seminarraum eingerichtet. Die Räumlichkeiten wurden gleich am Eröffnungstag von einer Klasse in Betrieb genommen: Zwölftklässler von der Schule am Ried in Enkheim versuchten, einen Kriminalfall mit Experimenten aus der Physik und der Chemie zu lösen. Da wurden Fliesen mit Hilfe von Luminol und Wasserstoffperoxid auf Blutspuren untersucht, Projektile mit einem selbst nachgebauten Mikroskop miteinander verglichen, Fußspuren berechnet. „Das Experimentieren hier macht viel Spaß“, sagt die 16-jährige Lili. Man habe ganz andere Möglichkeiten als in der Schule und könne erfahren, wie es an der Uni zugeht. Wie wichtig das ist, weiß Lilis Lehrer Florian Heidenreich noch aus der eigenen Schulzeit: Er war als Schüler selbst mit dem Leistungskurs Physik an der Goethe-Uni. Mit dem heutigen Angebot sei dies aber nicht vergleichbar gewesen. „Hier lernen die Schüler: Physik ist nicht nur theoretisch, sondern kommt eigentlich überall vor“, so der Physiklehrer.
Schülerlabore gibt es an der Goethe-Universität tatsächlich schon seit vielen Jahren. Doch hing das Angebot früher vom Engagement einzelner Professoren ab, wurde das Ganze vor dem Hintergrund der Bildungsstudien PISA und TIMSS wie an vielen anderen Universitäten vor rund zehn Jahren institutionalisiert. Schülerlabore in Disziplinen wie Physik, Chemie, Biologie und Neurowissenschaften entstanden, regelmäßig nehmen mehr als 8000 Schüler jährlich diese Angebote wahr, experimentieren unter fachlicher Anleitung und lernen dabei die Welt der Wissenschaften und verschiedene Institute kennen. Doch nicht nur die Schüler profitieren davon, wie Prof. Arnim Lühken, Leiter des GoetheLabs, bei der Eröffnung erklärte: „Hier haben die Studierenden der Lehramtsstudiengänge früh Kontakt zu denjenigen, mit denen sie später arbeiten werden.“ Der Erfolg der Labore werde auch evaluiert und fachdidaktisch erforscht, die jeweiligen Fachdidaktiken kümmern sich um die Weiterentwicklung der Aufgaben. „Es geht nicht darum, busseweise Schüler durch die Labore zu schleusen. Sondern wir haben ein Ziel: Motivation zu wecken und Fähigkeiten zu schulen“, so Prof. Lühken.
Die Labore an den Fachbereichen wird es größtenteils auch weiterhin geben. Die zentralen Räumlichkeiten sollen vor allem für interdisziplinäre Projekte genutzt werden. Das Konzept hierfür entstand 2014, es soll Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften miteinander vernetzen in Projekten, zum Beispiel zum Klimawandel oder zur Elektromobilität. Nun gibt es dafür auch die Räume.
Der Umbau der vier Räume in der Werkstattzentrale am Campus Riedberg wurde möglich durch die großzügige Spende eines ehemaligen Studenten der Informatik. Der mittlerweile 27-jährige Gönner Yi Shi, der in China ein erfolgreiches Internetunternehmen aufgebaut hat, wollte seiner Alma Mater etwas zurückgeben und spendete 300.000 Euro. Dr. Sönke Bästlein von der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität lobte die philantropische Strategie des Spenders, jungen Menschen den Zugang zur Universität zu erleichtern. Yi Shis Lebensmotto „play hard, work harder“ passe ebenfalls gut ins Umfeld der Universität.
Die Grundlage für das GoetheLab wurde durch den Aufbau der Schülerlabore in den vergangenen Jahren geschaffen, der ohne Partner nicht machbar gewesen wäre. Die Goethe-Universität dankt herzlich allen Spendern und Sponsoren: Adolf Messer Stiftung, Frankfurter Förderverein für physikalische Grundlagenforschung e. V., Stiftung Flughafen Frankfurt/Main für die Region, Gemeinnützige Hertie-Stiftung, Goethe Schüler Labor Förderverein e. V., GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH, Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität, Stiftung Polytechnische Gesellschaft.
Bilder und Bildunterschriften zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/65324888
Information: Dr. Edith Nitsche, Institut für Didaktik der Chemie, Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie, Campus Riedberg, Telefon 069 798-29588, E-Mail nitsche@chemie.uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Frankfurter Jura-Studenten verhandeln im „Moot Court“ im Landgericht eine echte Wirtschaftsstrafsache
FRANKFURT. Es geht um Immobilienbetrug: Beim zweiten Frankfurter Wirtschaftsstrafrechts-„Moot Court“ haben Jura-Studentinnen und -Studenten am 13. Februar Gelegenheit, einen Gerichtsprozess unter realen Bedingungen zu gestalten und zu erleben. Der Ausgang ist offen, die Öffentlichkeit willkommen.
Ein realer Fall, ein reales Gericht, reale Richter: Kein Wunder ist die Teilnahme an diesem Moot Court so begehrt, dass es eigens ein Bewerbungsverfahren für die Studierenden geben muss. Nach wochenlanger Vorbereitung stellt die Gerichtsverhandlung
am Montag, 13. Februar, ab 9 Uhr in Saal E II des Landgerichts Frankfurt Gerichtsstraße 2, 60313 Frankfurt am Main (Eingang über Konrad-Adenauer-Straße)
den Höhepunkt der Veranstaltung dar, die der Lehrstuhl Prof. Matthias Jahn zum zweiten Mal anbietet und die von der Wirtschaftsrechtlichen Vereinigung e.V. (WisteV) mitorganisiert und gefördert wird.
Neu bei der zweiten Auflage ist, dass auch eine simulierte Durchsuchungssituation in den Ablauf integriert wurde. Dem (späteren) Angeklagten wird zur Last gelegt, die Zwangsvollstreckung in einer Villa an der Kennedyallee durch falsche Erklärungen gegenüber öffentlichen Stellen verhindert zu haben. So habe er den Zugriff der Gläubiger verhindern und die hochpreisige Immobilie dem Eigentümer erhalten wollen. Da ist entschlossenes Handeln geboten.
Die Studierenden waren in zwei Gruppen aufgeteilt: Die eine Gruppe bereitete die Anklage vor, die andere fungierte als Verteidiger. Unterstützt wurden sie dabei von zwei erfahrenen Rechtsanwälten. Die „Staatsanwaltschaft“ musste nun selbständig eine so genannte „Mock Dawn Raid“ durchführen, um belastendes Material zu finden. Ein Seminarraum war zuvor entsprechend „präpariert“. Alles musste – wie im richtigen Leben – sehr schnell gehen. Schließlich der Delinquent wartet nicht, bis genügend Indizien gegen ihn vorliegen. Dabei galt es, die Regeln des Strafprozesses einzuhalten. Denn auf Fehler der Staatsanwaltschaft lauerte die Verteidigung geradezu. Es ging in den Auseinandersetzungen u.a. darum, inwieweit die Staatsanwaltschaft berechtigt ist, Verteidigerunterlagen, Kontoauszüge und Tagebücher zu beschlagnahmen. Das mussten die Studierenden während der Durchsuchung abwägen.
Die Anklageschrift wird nun vor einem Richter verhandelt, der dem 2. Senat des Bundesgerichtshofs angehört: Prof. Christoph Krehl, der zudem an der Goethe-Universität als Honorarprofessor lehrt, ist auch beim zweiten Mal mit dabei. Als Beisitzer treten auf: der bekannte Strafverteidiger Prof. Jürgen Taschke und Dr. Rudolf Kriszeleit, früher Staatsanwalt und hessischer Justizstaatssekretär.
Die Verhandlung findet zweimal in unterschiedlicher Besetzung auf Seite der Studierenden statt. Der Ausgang ist jeweils offen: Bei der Erstauflage kam es einmal zur Verurteilung, einmal zum Freispruch des Angeklagten. So lernen die Studierenden, dass vor Gericht außer juristischem Sachverstand auch Fähigkeiten wie strategisches Denken und Reaktionsvermögen gebraucht werden.
Informationen: Heike Brehler, Lehrstuhl Prof. Dr. Matthias Jahn, Fachbereich Rechtswissenschaft, Campus Westend, Telefon 069 798-34336, E-Mail: sekretariat-jahn@jura.uni-frankfurt.de
Forschung
Ergebnisse ihrer Well-being-Studie zu den Großräumen Frankfurt und Stuttgart wollen IWAK-Wissenschaftler auf kommunaler Ebene diskutieren
FRANKFURT. Inzwischen gibt es viele internationale Studien, die die Lebensqualität in einzelnen Staaten vergleichen. Doch Wohlstandsmessungen, die Unterschiede im regionalen Bereich unter die Lupe nehmen, sind eher selten. Jetzt hat das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) an der Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (GEWAK) eine Studie vorgelegt, die untersucht, wie sich das Well-being in den beiden Metropolregionen FrankfurtRheinMain und Stuttgart zwischen 2000 und 2011 verändert hat.
Ein wichtiges Ergebnis: Im Rhein-Main-Gebiet sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Städten und Kreisen wesentlich größer als rund um Stuttgart – und das hat sich auch in fast zehn Jahren nicht deutlich verändert. „Das lässt darauf schließen, dass die Lebensqualität innerhalbder Region Stuttgart erheblich geringeren Unterschieden unterliegt als in Rhein-Main“, so Prof. Alfons Schmid, der sowohl im Leitungsgremium des IWAK als der GEWAK ist (www.iwak-frankfurt.de/wp-content/uploads/2016/06/RegionalesWell-being.pdf). Und eine weitere Erkenntnis, die nicht so verblüffend erscheint:Das Einkommen hat die relativ größte Bedeutung, auch wenn weitere Well-being-Indikatoren einbezogen werden.
Für die Akteure in den beiden Regionen, ob in den Verwaltungen oder der Politik, birgt die Detailanalyse des umfangreichen Zahlenwerks eine Menge bisher noch unbekannter Indizien, wie die Lebensqualität in ihrem Umkreis einzuschätzen ist und wo es Handlungsbedarf gibt. In den kommenden Wochen und Monaten will Schmid auf der Grundlage der Einzeldaten mit Verantwortlichen in Städten und Kreise der Rhein-Main-Region Gespräche führen und mit ihnen darüber diskutieren, wo Defizite erkennbar sind und wie diese gemildert werden können. Im Gepäck wird er die „Indikatorenauswahl zur Messung von regionalem Well-being“ und die konkreten Zahlen für die jeweilige Kommune haben. „Die konkrete Umsetzung unserer Studie in kommunalpolitische Handlungsoptionen liegt mir besonders am Herzen, die möchte ich anstoßen. Daraus kann sich durchaus ein langwieriger diskursiver Prozess entwickeln, der in den einzelnen Kreisen und Städten auf verschiedenen Ebenen geführt werden sollte“, so der Wirtschaftswissenschaftler Schmid, Mitbegründer des IWAK, das sich seit Jahrzehnten an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politikberatung etabliert hat.
Es gibt eine Reihe von Begriffen, die als Maß für gesellschaftlichen Wohlstand, verwandt werden: Well-being oder Lebensqualität, Wohlfahrt oder Wohlbefinden. Gemeinsam ist all den wissenschaftlichen Ansätzen, die einen dieser Begriffe wählen, der Versuch, von einer rein ökonomischen Messung orientiert am Bruttoinlandsprodukt wegzukommen und Wohlstand ganzheitlich nach objektiven Lebensbedingungen zu betrachten. Genutzt werden ausschließlich offiziell zur Verfügung stehende Daten, die beispielsweise von den Statistischen Ämtern oder der Bundesanstalt für Arbeit kommen. Befragungen von Einzelpersonen gehören nicht zum Untersuchungsdesign dieser Studie.
Das Team um Schmid hat – vergleichbar mit nationalen Untersuchungen – drei Oberkategorien gewählt, um Well-being zu messen: materieller Wohlstand, Soziales/Teilhabe und Ökologie. „Nun haben wir die zehn Unterkategorien nicht gleich gewichtet“, sagt Schmid. Vielmehr nutzten die Wissenschaftler des IWAK in enger Kooperation mit Prof. Horst Entorf vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität ein statistisch-ökometrisches Verfahren (Structural Equation Modelling), das die unterschiedliche Bedeutung der Kategorien berücksichtigt und in dieser Studie erstmalig auf kleinräumiger Ebene angewandt wurde. So hat u.a. das Einkommen einen Gewichtungsfaktor von 1, die Lebenserwartung von 0,9, der Anteil Harz-IV-Bezieher von minus 0,6, die Feinstaubbelastung von minus 0,3.
Innerhalb der Region Frankfurt sind die Unterschiede beim Well-being zwischen den einzelnen Städten und Kreisen wesentlich größer als im Stuttgarter Raum – und das hat sich auch in fast zehn Jahren nicht deutlich verändert. So betrug der Unterschied zwischen dem Kreis mit dem höchsten Gesamtindex und dem Kreis mit dem niedrigsten Index 2011 64 Punkte, in der Region Stuttgart lag er dagegen bei 24 Punkten. „Das lässt den Schluss zu, dass die Lebensverhältnisse in der Region Stuttgart deutlich ausgeglichener sind“, erklärt Schmid.
Beim Vergleich zwischen den beiden ausgewählten Regionen lag das objektive Well-being in Stuttgart durchgehend über dem in Frankfurt, wenn auch der Unterschied nicht sehr gravierend war. Die Entwicklungstrends in den zwei Regionen sind relativ ähnlich: Der Well-being-Index stieg in Frankfurt zwischen 2000 und 2011 von 31 auf 61, in Stuttgart von 39 auf 69. Bei den Einzelindikatoren bestehen teilweise geringe, teilweise größere Differenzen: So betrug das verfügbare Einkommen 2011 in der Region Frankfurt 21.099 Euro, in der Region Stuttgart 22.666 Euro, die Verschuldung pro Kopf betrug 2009 in Frankfurt 1.750 Euro, in Stuttgart 415 Euro, die Sekundarabschluss-II-Quote 2011 in der Region Frankfurt 35%, in Stuttgart 29%, der Anteil der Erholungsflächen 2011 in Frankfurt 41,5%, in Stuttgart 37,5%.
Informationen: Prof. Dr. Alfons Schmid, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), Tel. (069) 798-28229, E-Mail: alfons.schmid@em.uni-frankfurt.de
Die Studie zum Herunterladen:
www.iwak-frankfurt.de/wp-content/uploads/2016/06/RegionalesWell-being.pdf