Archiv Pressemitteilungen | 2012 bis 2017

Veranstaltungen

Apr 20 2012
11:17

Überlebender des Holocausts und Professor für Sozialpädagogik wird im Rahmen eines Festaktes an der Goethe-Universität geehrt.

100. Geburtstag von Berthold Simonsohn

FRANKFURT. Berthold Simonsohn, Überlebender von Buchenwald, Theresienstadt, Auschwitz, Dachau und Kaufering, war von 1961 bis zu seinem Tod im Jahre 1978 Professor für Sozialpädagogik, Sonderpädagogik und Jugendrecht an der Goethe-Universität. Um sein wissenschaftliches Werk zu seinem 100. Geburtstag zu ehren, lädt der Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe Universität zu einer Festveranstaltung ein.

Titel: „Zum 100. Geburtstag von Berthold Simonsohn“
am: Dienstag, dem 24. April 2012, um 19.00 Uhr
Ort: Casino Westend, Raum 1.801

Prof. Micha Brumlik spricht über die „politische Situation in den sechziger und siebziger Jahren und den pädagogischen Ansatz von Berthold Simonsohn“; Prof. Wilma Aden-Grossmann widmet sich dem Thema: „Berthold Simonsohns pädagogische Überlegungen zur Jugend-Delinquenz und zur Reform des Jugendstrafrechts; Prof. Helmut Reiser wird über „Berthold Simonsohn und die Entwicklung der Sonderpädagogik in Deutschland“ sprechen.

Informationen: Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität, Tel.: (069) 798-23536

Forschung

Apr 20 2012
11:12

Günter Grass lässt es in seinem Gedicht an Sensibilität und Selbstreflexion vermissen, meint der Frankfurter Sozialpsychologe Prof. Hans-Jürgen Wirth.

Altersstarrsinn eines Großdichters?

FRANKFURT. Mit seinem Gedicht „Was gesagt werden muss“ hat der Schriftsteller und Nobelpreisträger Günter Grass international für Empörung und auch Verwirrung gesorgt. Seit der Veröffentlichung des Gedichtes in drei Zeitungen fragen sich viele Beobachter, wie es dazu kommen konnte, dass Grass in seiner Kritik an der israelischen Außenpolitik sich derart einseitig und emotional äußern konnte. Der Sozialpsychologe Prof. Hans-Jürgen Wirth, der an der Goethe-Universität Frankfurt lehrt, verortet den lyrischen Leitartikel in der jahrelangen Selbstüberhöhung von Grass‘ als Moralisten. „Natürlich kann ich keine verlässliche Diagnose stellen, aber ich habe eine sozialpsychologisch begründete Interpretation: Günter Grass hält sich offenbar für einen der größten lebenden Schriftsteller. Er will beachtet und bewundert werden, auch für seine vermeintliche Weitsicht, die ihn die Probleme der Welt scheinbar klarer sehen lässt als alle anderen. Sein damaliger Eintritt in die Waffen-SS passt nicht zum Bild des großen Moralisten, das er Jahrzehnte mit Inbrunst von sich entworfen hat. Mit seinem wachsenden Weltruhm wurde dieser innere Zwiespalt immer unerträglicher“, so Wirth. Seine Eitelkeit und seine Selbstüberhöhung  hätten ihn immer mehr gegen Selbstkritik immunisiert und so wäre es ihm nach 60 Jahren endlich möglich geworden, seine SS-Mitgliedschaft en passant der Öffentlichkeit mitzuteilen.  Dies sei bei Grass allerdings unter Verzicht auf einen inneren Prozess der Selbstbefragung, auch der Verzweiflung über sich selbst, geschehen.

Bei Grass und ganz ähnlich auch bei Martin Walser zeige sich die Brüchigkeit eines Selbstbildes, das von Unverletztlichkeit und Stärke geprägt gewesen sei, nun aber im Alter von Kränkungen heimgesucht werde. Anstatt sich seiner Vergangenheit reflektiert zu stellen und Trauerarbeit zu leisten, versuche Grass, sich dem drohenden Verlust an öffentlicher Wirkung und Anerkennung verbissen entgegenzustemmen. Zwar hält Wirth den Schriftsteller keineswegs für einen Vertreter einer rechten Ideologie: „Aber in seinem Gedicht spricht er nicht mit der abgeklärten Weisheit eines Nobelpreisträgers, sondern sein Denken ist von den Affekten gesteuert, die der emotionalen Welt eines fanatisierten, draufgängerischen Jugendlichen entstammen.“

Wirth hält die intensive öffentliche Auseinandersetzung mit Grass’ Gedicht für durchaus angemessen, da der Holocaust und das Verhältnis Deutschlands zu seinen jüdischen Bürgern und zu Israel nach wie vor das zentrale Thema der Zeitgeschichte sei. Wenn dieser Themenkomplex berührt werde, so Wirth, sei eine besondere Sensibilität notwendig: „Wer diese Sensibilität aus Unachtsamkeit oder in provokativer Hinsicht nicht aufbringt, muss damit rechnen, in und von der Öffentlichkeit kritisiert zu werden.“

Das komplette Interview mit Prof. Wirth findet können Sie hier lesen.

Informationen: Prof. Hans-Jürgen Wirth, Soziologie und Sozialpsychologie mit dem Schwerpunkt Empirische Bildungsforschung, , Tel.: (069) 798-28477 (Sekretariat); preusch@soz.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Apr 17 2012
09:21

Das Freie Jüdische Lehrhaus: eines der bedeutendsten intellektuellen Zentren in den 1920er Jahren – Vorträge zu den wichtigsten Gelehrten

Ringvorlesung: „Jüdisches Denken in Frankfurt“

FRANKFURT: „Jüdisches Denken in Frankfurt: Das Freie Jüdische Lehrhaus, 1920-1938“ lautet das Thema einer Ringvorlesung, die im Sommersemester von der Martin Buber-Professur für jüdische Religionsphilosophie veranstaltet wird. Sie nimmt die Strahlkraft der wichtigsten Gelehrten, die zeitweise am Lehrhaus gewirkt haben, zum Ausgangspunkt, um ein Panorama des geistigen Lebens zu entwerfen, welches das deutsche Judentums in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg prägte. Zu diesen bedeutenden Persönlichkeiten zählten: Martin Buber, Franz Rosenzweig, Nehemias Anton Nobel, Leo Löwenthal, Siegfried Kracauer, Erich Fromm, Gershom Scholem, Bertha Pappenheim, Margarete Susman, Shmuel J. Agnon, Leo Strauss, Ernst Simon, Nahum N. Glatzer und Abraham J. Heschel.

Renommierte Historiker, Literaturwissenschaftler und Judaisten aus Deutschland, Israel und den USA werden in ihren Vorträgen die geistige und kulturelle Welt erstehen lassen, die vor der Shoah in Frankfurt lebendig war. Indem sie die Erinnerung an diese zerstörte Welt und ihre Wirkungsgeschichte außerhalb Deutschlands bis in die Gegenwart hinein dokumentiert, verweist die Ringvorlesung zugleich auf die Rolle der zahlreichen jüdischen Wissenschaftler in den Anfängen der Goethe-Universität, darunter jene Martin Bubers. Die Reihe versteht sich als Versuch, die Erinnerung an dieses kulturelle Erbe Frankfurts zu bewahren.

Das Freie Jüdische Lehrhaus, das 1920 in Frankfurt gegründet wurde, ist und bleibt ein herausragender Erinnerungsort des deutschen wie des Frankfurter Judentums. Dazu der Initiator der Reihe, Prof. Dr. Christian Wiese: „Der Philosoph Franz Rosenzweig versuchte mit dem Lehrhaus einen Kontext zu schaffen, an dem jene gebildeten Juden seiner Zeit, die ihre spirituelle und intellektuelle Heimat weitgehend außerhalb des Judentums hatten, wieder mit den religiösen Grundlagen ihrer Tradition vertraut zu machen. Mit diesem Modell und durch die zahlreichen bedeutenden Dozenten, die er als Mitstreiter gewann, machte Rosenzweig das Lehrhaus zur wichtigsten Institution der jüdischen Erwachsenenbildung in der Weimarer Zeit und während der Nazi-Zeit.“

Die Frankfurter jüdische Gemeinschaft wurde so zu einem bedeutenden Zentrum jüdischen Denkens. Von dort gingen bedeutsame Impulse für innerjüdische religiöse und politische Identitätsdebatten sowie für Diskussionen über das geistige, kulturelle und politische Verhältnis des deutschen Judentums zu seiner nichtjüdischen Umwelt aus. In den Jahren der Verfolgung wurde das Lehrhaus ein kulturelle Lebens- und Überlebenszentrum der Frankfurter Juden, an dem sich das geistige und kulturelle Leben der diskriminierten jüdischen Bürger und der Gemeinschaft entfalten konnte. Bis zu seiner Schließung 1938 bot es zudem – inmitten der sich abzeichnenden Katastrophe von Vertreibung und Völkermord – einen Raum für den spirituellen Widerstand gegen die Verneinung der Existenzberechtigung des deutschen Judentums.

Die öffentlichen Vorlesungen finden, wenn nicht anders angegeben, auf dem Campus Westend, IG-Farben-Haus, Raum IG 311, um 18 Uhr statt. Die Ringvorlesung wird von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, der Stiftung zur Förderung internationaler Beziehungen der Goethe-Universität, dem International Office der Goethe-Universität und dem Kulturdezernat der Stadt Frankfurt gefördert.

Die Veranstaltungen im Sommersemester im Überblick:

  • 18. April 2012         
    Rosenzweig, the Jewish Bible, and the “Lehrhaus”
    Prof. Dr. Mara Benjamin (St. Olaf College, Northfield, Minnesota)
  • 25. April 2012          
    Jüdische Renaissance in Frankfurt: Rabbiner Nehemias Anton Nobel und sein Kreis
    Dr. Rachel Heuberger (Goethe-Universität, Frankfurt)
  • 2. Mai 2012               
    Josef Horovitz im Kontext: Die jüdische Entdeckung der religiösen Reflexivität für die Islamforschung
    Prof. Dr. Angelika Neuwirth (Freie Universität, Berlin)
  • 9. Mai 2012               
    Wissenschaft als Widerstand: Martin Buber über Bildung und die Bibel
    Prof. Dr. Michael Zank (Boston University)
  • 14. Mai 2012            
    Bertha Pappenheim: Von der Hysterie zur Frauenfrage
    Viola Roggenkamp (Hamburg) (Ort: Campus Westend, IG-Farben-Haus IG 411)
  • 23. Mai 2012            
    The Young Gershom Scholem and Abraham Abulafia
    Prof. Dr. Moshe Idel (The Hebrew University, Jerusalem)
  • 30. Mai 2012            
    Agnon’s German Odyssey: 1912–1924
    Prof. Dr. Dan Laor (Tel Aviv University)
  • 4. Juni 2012             
    The Legacy of the Lehrhaus in the US: Nahum Glatzer and the Transmission of German-Jewish Learning
    Prof. Dr. Judith Glatzer Wechsler (Tufts University, Medford, MA) (Ort: Deutsches Filminstitut, Schaumainkai 41)
    Anmerkung: Vor dem Vortrag wird der Dokumentarfilm „Nahum Glatzer and the German Jewish Tradition“ gezeigt. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Frankfurt statt.
  • 13. Juni 2012                       
    The Young Strauss on Spinoza and Political Zionism
    Prof. Dr. Steven B. Smith (University of Chicago)
  • 20. Juni 2012                       
    Deutschland vor Hitler: Margarete Susman in Frankfurt
    Prof. Dr. Barbara Hahn (Vanderbilt University)
  • 26. Juni 2012                       
    Leo Löwenthal and Jewish Renaissance
    Prof. Dr. Martin Jay (University of California, Berkeley), Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 9
  • 4. Juli 2012               
    Martin Buber: Ein mitteleuropäischer Intellektueller zwischen Dialog- und Lebensphilosophie
    Prof. Dr. Micha Brumlik (Goethe-Universität, Frankfurt)
  • 11. Juli 2012             
    Gottes Leidenschaft gegen das Inhumane: Abraham J. Heschels Deutung der Prophetie
    Prof. Dr. Christian Wiese (Goethe-Universität, Frankfurt)

Informationen: Prof. Dr. Christian Wiese, Martin Buber-Professor für jüdische Religionsphilosophie, Campus Westend, Tel.: (069)798-33342, C.Wiese@em.uni-frankfurt.de, http://www.evtheol.uni-frankfurt.de/buber/Aktuelles/index.html

Forschung

Apr 16 2012
09:20

Untersuchung zur Hypochondrie – Psychologen suchen Betroffene für weitere Studie

Negative Bewertung von Symptomen schürt Angst vor Krankheiten

FRANKFURT. Sich gelegentlich um seine Gesundheit zu sorgen, lässt die Psychologen noch nicht aufhorchen. Bei manchen Menschen geht aber die Angst vor Krankheiten so weit, dass sie sich nahezu jeden Tag damit beschäftigen, ob sie ernsthaft erkrankt sind. Diese besonders ausgeprägte Form der Krankheitsangst bezeichnen die Wissenschaftler als Hypochondrie. Der Diplom-Psychologe Dr. Florian Weck und sein Team haben jetzt in der Fachzeitschrift „Psychosomatics“ Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, in der sie untersuchen, worin sich Menschen mit Krankheitsängsten von anderen Personen unterscheiden.

Wenn Personen mit Krankheitsängsten mit einer Symptombeschreibung wie „Klara hat seit den letzten zwei Wochen starke Kopfschmerzen, die nicht weggehen“ konfrontiert werden, halten sie eine ernsthafte Krankheit wie einen Hirntumor für wahrscheinlicher, als dies die unbelastete Vergleichsgruppe tut. Diese Ergebnisse sind zudem nicht durch eine allgemeine Ängstlichkeit der Teilnehmer erklärbar, da auch Probanden mit anderen Ängsten (z.B. sozialen Ängsten oder Ängsten vor Höhen) die Wahrscheinlichkeit für eine ernsthafte Krankheit nicht so hoch einschätzen wie Personen mit Krankheitsängsten. Interessanterweise fanden sich keine Unterschiede, wenn die Probanden mit weniger gravierenden Einschätzungen konfrontiert wurden. Wurde den Teilnehmern der Studie beispielsweise eine Muskelzerrung als Ursache für ein Engegefühl in der Brust vorgeschlagen, hielten Personen mit ausgeprägten Krankheitsängsten und nicht vorbelastete Probanden diese Möglichkeit für ähnlich wahrscheinlich. Dies zeigt, dass Personen mit Krankheitsängsten nicht generell zu einer Fehlbewertung von Symptomen neigen, sondern nur, wenn es um schwerwiegende Krankheiten geht.

Wie sich bereits in anderen Untersuchungen zeigte, haben die meisten Hypochonder Angst vor gravierenden Krankheiten wie Krebs, Herzerkrankungen oder Multiple Sklerose. Die Betroffenen unternehmen erhebliche Anstrengungen, um ihre Ängste wieder los zu werden. Sie suchen beispielsweise im Internet nach Informationen, um eigene Beschwerden adäquat einschätzen zu können, oder gehen häufiger als andere zum Arzt. Diese Bemühungen führen jedoch in den meisten Fällen dazu, dass sich die Betroffenen noch mehr mit dem Thema Krankheit beschäftigen und Ängste langfristig zunehmen.

Die Frankfurter Forscher interessieren sich in ihrer weiteren Arbeit nun dafür, ob die negativen Bewertungen von Symptomen, wie sie Menschen mit Hypochondrie vornehmen, auch von Personen mit Panikstörung getroffen werden. Dieser Personenkreis leidet plötzlich unter unerwarteten Angstanfällen, die einhergehen mit körperlichen Symptomen wie Herzklopfen, Schwindel, Beklemmungsgefühlen oder Schweißausbrüchen. Häufig treten diese Attacken auch in spezifischen Situationen auf wie in Menschenmengen, in U-Bahnen oder Bussen. Da die Betroffenen in solchen Situationen auch häufig befürchten, dass eine gesundheitliche Gefahr für sie besteht oder sie gar sterben könnten, wäre es möglich, dass bei ihnen ganz ähnliche Bewertungen ablaufen wie bei Menschen mit ausgeprägten Krankheitsängsten. Dies soll jetzt untersucht werden. Deshalb suchen Weck und seine Mitarbeiterin Betroffene, die bereit wären, an einer wissenschaftlichen Untersuchung zu diesem Thema teilzunehmen. Personen, die unter Panikattacken oder ausgeprägten Krankheitsängsten leiden, können sich zur weiteren Information mit der Studienkoordinatorin, Diplom-Psychologin Julia Neng, in Verbindung setzen.

Informationen: Julia Neng und Dr. Florian Weck, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie, Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaften, Campus Bockenheim, Tel.: (069) 798 – 23994, neng@psych.uni-frankfurt.de, weck@psych.uni-frankfurt.de

Literaturangabe: Weck, Neng, Richtberg & Stangier (2012). Dysfunctional beliefs about symptoms and illness in patients with hypochondriasis. Psychosomatics, 53, 148-154; Zusammenfassung unter www.psychosomaticsjournal.com/article/S0033-3182%2811%2900357-4/abstract

Veranstaltungen

Apr 16 2012
08:27

„ÜberLebensKünstlerInnen. Gender, Ökologie, Ökonomie“ – eine Vortragsreihe des Cornelia Goethe Centrums

Nicht länger auf der Verliererseite: Kollektive Frauenprojekte suchen Auswege

FRANKFURT. Frauen stehen weltweit immer noch auf der Verliererseite der wirtschaftlichen Entwicklung: Sieben von zehn Menschen, die permanent an Hunger leiden und nicht mal einen US-Dollar pro Tag zum Leben haben, sind Frauen und Mädchen. In Entwicklungsländern produzieren Frauen 80 Prozent der Grundnahrungsmittel, besitzen aber nur zehn Prozent der Anbauflächen. 70 Prozent der unbezahlten Arbeit weltweit liegt in Frauenhänden. In der Vorlesungsreihe des Cornelia Goethe Centrum „ÜberLebensKünstlerInnen. Gender, Ökologie, Ökonomie“ thematisieren Vertreterinnen der internationalen feministischen Politischen Ökologie lokale und globale Folgen von ökologischen und ökonomischen Ausbeutungsketten.

Außerdem stellen sie in den fünf Vorträge im Sommersemester auch Gegenbewegungen vor: Kollektive Frauenprojekte, die für sauberes Wasser sorgen, Wissenschaftlerinnen und Aktivistinnen, die sich für den Schutz natürlicher und humaner Ressourcen ein, Designerinnen  und Künstlerinnen, die Projekte initiieren, damit Frauen in den Entwicklungsländern sich und ihre Familie ernähren und die Kinder in die Schule schicken können. Dabei geht es vor allem darum, über Versuche und Initiativen zu diskutieren, die sich bemühen, die Ausbeutungsketten aufzubrechen, den Klimawandel zu stoppen, die Biodiversität zu erhalten und ein gutes Leben für mehr Menschen zu ermöglichen. Wissenschaftlerinnen der internationalen feministischen Politischen Ökologie machen seit vielen Jahrzehnten im Rahmen inter- und transdisziplinärer Projekte auf die Folgen der globalen Ausbeutung der Frauen aufmerksam, diskutieren und initiieren Lösungswege.

Die öffentlichen Vorträge an der Goethe-Universität finden jeweils von 18 bis 20 Uhr im AfE-Turm auf dem Campus Bockenheim, 9. Stock, Raum 204 statt. Zum Auftakt spricht am 25. April (Mittwoch) die Diplom-Psychologin und ehemalige Berliner Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Adrienne Goehler, zum Thema „Nachhaltigkeit braucht Entschleunigung braucht Grundeinkommen“. „Mehr, besser, schneller ist nicht mehr“, so die Referentin, deshalb geht es ihr in einer Zeit der radikalen Umbrüche um „das Handlungsfeld Nachhaltigkeit, das Entschleunigung braucht, die am besten durch ein Grundeinkommen herzustellen ist.“ Goehler, die auch Kuratorin des Hauptstadtkulturfonds war, plädiert für neue Handlungsfelder, „die künstlerisches, wissenschaftliches und Bewegungswissen verbinden, um an ihren Rändern andere Politiken herstellen zu können“.

Die Veranstaltungen im Sommersemester im Überblick:

  • 25. April 2012        
    Nachhaltigkeit braucht Entschleunigung braucht Grundeinkommen
    Adrienne Goehler, Berlin
  • 9. Mai 2012             
    Klimawandel, Migration und Überlebenssicherung im Sahel – Der Blick auf Genderdimensionen
    PD Diana Hummel, Frankfurt
  • 30. Mai 2012           
    Die Neuerfindung des Ökonomischen. Beiträge feministisch ökologischer Ökonomik zur Debatte um nachhaltige Entwicklung
    Prof. Sabine Hofmeister, Lüneburg
  • 13. Juni 2012         
    Geschlechterverhältnisse und Nachhaltigkeit in der textilen Kette: Auf den Spuren von Webfehlern im globalen Strickmuster
    Prof. Ines Weller, Bremen
  • 27. Juni 2012         
    SurVivArt. Kunst für das Recht auf ein „Gutes Leben“
    Valia Carvalho, Berlin

Informationen: Prof. Dr. Verena Kuni und Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink, Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse, Campus Bockenheim, Tel: (069) 798-22935 (Kuni), (069) 798-22055 / 22542 (Blättel-Mink), verena@kuni.orgB.Blaettel-Mink@soz.uni-frankfurt.de, Programm unter: www.cgc.uni-frankfurt.de/cgc-lehre-kolloq.shtml