Veranstaltungen
FRANKFURT. Geselliger Abschluss des Semesters: Das Goethe Welcome Centre und die “Stiftung zur Förderung der internationalen wissenschaftlichen
Beziehungen“ laden die internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität zum diesjährigen Sommerfest ein.
Das Sommerfest findet statt
am Samstag, den 12. Juli, 18.00-22.00 Uhr,
im Garten des Gästehauses, Ditmarstr. 4.
Wir würden uns freuen, Sie dort begrüßen zu können. Im Rahmen des Sommerfestes ergibt sich die Gelegenheit, mit den Professoren, Doktoranden und Studierenden, die mit ihren Biographien und Forschungsschwerpunkten die Internationalität der Goethe-Universität prägen, ins Gespräch zu kommen
Bitte teilen Sie uns mit (ott@pvw.uni-frankfurt.de), ob wir mit Ihrem Kommen rechnen können.
Weitere Informationen: Isabelle de Porras, Goethe Welcome Centre, Goethe Universitität Frankfurt, Tel. (069)-798-17193, porras@em.uni-frankfurt.de, www2.uni-frankfurt.de/45729918/Welcome
Forschung
Goethe-Universität rekonstruiert Urexperiment zur Molekularstrahlmethode
FRANKFURT. Die vielleicht wichtigste Methode zur Untersuchung der Welt der Atome und Moleküle in Physik ist die so genannte „Molekularstrahlmethode“, kurz MSM, auf der auch Technologien wie Laser und Kernspintomographie beruhen. Die Grundlagen dafür legte Otto Stern 1919 in Frankfurt, wofür er 1943 den Nobelpreis für Physik erhielt. Zusammen mit Walter Gerlach hatte Stern erstmals nachweisen können, dass Atome ein magnetisches Moment haben. 1922 führten die beiden Wissenschaftler das berühmte Stern-Gerlach-Experiment aus, das die Richtungsquantelung im Magnetfeld nachweist.
Das Urexperiment zur MSM, das 1919 von dem jungen Feinmechaniker Adolf Schmidt erbaut wurde, ist nun am Institut für Kernphysik der Goethe-Universität Frankfurt rekonstruiert worden. Das Original war zwar verloren, lediglich Teile des ursprünglichen Versuchsaufbaus konnten in Frankfurt und Berkley/USA gefunden werden, nämlich ein Satz Pumpen und ein Mikroskop. Darauf aufbauend, stellten der ehemalige Werkstattmeister Erich Zanger und seine Mitarbeiter die historische Apparatur wieder her, und zwar in fünf Kopien. Der Kauf aller dafür notwendigen Materialien wurde durch die Firma Roentdek GmbH aus Kelkheim ermöglicht.
„Die Apparatur erlaubte es erstmals, die Eigenschaften eines einzelnen Atoms in kontrolliertem Zustand zu messen“, erklärt Prof. Horst Schmidt-Böcking vom Institut für Kernphysik an der Goethe-Universität. In einem Vakuum hat Otto Silbermoleküle verdampft und in eine bestimmte Richtung gelenkt und Stern mit dieser Apparatur ihre Geschwindigkeit gemessen. „Das war ein riesiger Durchbruch für die Physik“, so Schmidt-Böcking. Die Molekularstrahlmethode sei eine wichtige Grundlage zur Erforschung der gesamten Quantenwelt gewesen.
Es ist geplant, mit der rekonstruierten Apparatur das Experiment des ersten Molekularstrahls von bekannter Geschwindigkeit und Richtung zu wiederholen. Wenn der Umbau der Gebäude an der Robert-Mayer-Straße 2 durch die Senckenbergsche Stiftung abgeschlossen ist, soll das MSM-Urexperiment dauerhaft an der historischen Stelle in den Räumen des Physikalischen Vereins ausgestellt werden, die schon im Juni von der Europäischen Physikalischen Gesellschaft als „Historic Site“ der Wissenschaft ausgezeichnet worden war. Die Originalteile aus Otto Sterns Zeit werden gemeinsam mit einer der Rekonstruktionen auch bei der Jubiläumsausstellung der Universität „Ich sehe wunderbare Dinge“ zu sehen sein, die vom 19. Oktober an im Museum Giersch in Frankfurt stattfindet.
Informationen: Prof. Horst Schmidt-Böcking, Institut für Kernphysik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-47002, hsb@atom.uni-frankfurt.de.
Personalia/Preise
Bundespräsident ehrt Hüseyin Sıtkı vom International Office der Goethe-Universität
FRANKFURT. Für sein vielfältiges Engagement für ein besseres Miteinander der Kulturen erhält Hüseyin Sıtkı, im Hauptberuf Berater beim International Office der Goethe-Universität Frankfurt, das Bundesverdienstkreuz am Bande. Sıtkı gehört zu dem Personenkreis, der den Orden am Donnerstag, 10. Juli, im Rahmen einer Festveranstaltung im Schloss Bellevue von Bundespräsident Joachim Gauck persönlich überreicht bekommt. Seit langem setzt sich Sıtkı für Menschen mit Migrationshintergrund ein; das Türkische Filmfestival in Frankfurt, das dieses Jahr zum 14. Mal stattfindet, geht auf seine Initiative zurück.
Die Ehrung habe ihn vollkommen überrascht, erzählt der 52-Jährige. „Ich kam am 15. April spät von einer Sitzung heim, habe die Post ausgeleert und eigentlich gar nicht richtig draufgeschaut.“ Als er den Umschlag mit dem Stempel von Schloss Bellevue dann doch geöffnet hat, war die Freude groß: „Das ist natürlich eine große Ehre für mich“, sagt Sıtkı. Dabei ist dies bei weitem nicht die erste Ehrung, die ihm zuteilwird. Auch den Integrationspreis der Stadt Frankfurt und den Ehrenbrief des Landes Hessen hat er schon erhalten. Und ins Schloss Bellevue war er auch schon zweimal eingeladen – zum Sommerempfang zunächst bei Bundespräsident Christian Wulf, dann bei seinem Nachfolger Joachim Gauck.
Sıtkı, der im International Office Studierende berät, ist seit seiner Ankunft in Deutschland mit 18 Jahren ehrenamtlich engagiert. Sein Thema waren zunächst vor allem Jugendliche und Migranten. Gleich nach dem Abitur in der Türkei war er zum Studieren in die Bundesrepublik gekommen. „Ich war schon immer politisch interessiert. Am Anfang lag mein Fokus auf den Verhältnissen in der Türkei, aber ich merkte schnell, wir müssen was machen, um hier Fuß zu fassen, um bessere Rahmenbedingungen zu bekommen.“ 1981 gründete er den ersten deutsch-türkischen Jugendverein, der Jugendlichen unterschiedlichste Angebote machte: Tanzkurse, Musik, Hausaufgabenhilfe, Theater.
Vor 14 Jahren dann begann er sein – aus heutiger Sicht gesehen – Hauptwerk, das Türkische Filmfestival Frankfurt, für das er einen weiteren Verein gründete. „Transfer zwischen den Kulturen e.V.“ fungiert bis heute als Veranstalter des Festivals, das mit den Jahren zur festen Größe im Frankfurter Kulturleben geworden ist. „Ich meine, dass man mehr Menschen durch die Überzeugungskraft des Films gewinnen kann als durch irgendetwas anderes“, erklärt Sıtkı seine Initiative. Gezeigt werden Kurz-, Dokumentar- und Spielfilme aus der Türkei sowie Filme aus Deutschland von türkischstämmigen Regisseuren, aber es gibt auch ein Forum für europäischen Film, das jeweils unter einem bestimmten Motto steht. Es gibt Podiumsdiskussionen, Workshops, Ausstellungen, Projekte an Schulen, ja seit vorigem Jahr sogar eine Veranstaltung im Gefängnis in Preungesheim. Inzwischen ist das Filmfestival das drittgrößte im Rhein-Main-Gebiet, das zweitgrößte türkische Filmfestival in ganz Deutschland.
Forschung
Erster alternativer Drogen- und Suchtbericht unter Beteiligung von Bernd Werse von der Frankfurter Goethe-Universität
FRANKFURT. Wenige Tage vor der Veröffentlichung des alljährlichen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung am kommenden Montag haben Nichtregierungsorganisationen und Wissenschaftler heute in Berlin den ersten „Alternativen Drogen- und Suchtbericht“ vorgestellt. Namhafte Experten, darunter der Wissenschaftler Bernd Werse vom Centre for Drug Research der Goethe-Universität Frankfurt, beklagen darin, dass wissenschaftliche Erkenntnisse über Prävention und Drogenhilfe bislang nicht ausreichend in die Drogenpolitik einfließen würden. Schlimmer noch: „Repression und Strafverfolgung schaffen nur die Illusion, die Probleme im Griff zu haben und richten in Wirklichkeit viel Schaden an“, so Werse. Dabei gebe es in der Wissenschaft längst einen Konsens darüber, wie man mit der Drogenproblematik umgehen sollte, ohne dass das Instrumentarium hierfür besonders aufwändig wäre. Von nun an wolle man sich einmal im Jahr an die Öffentlichkeit wenden. Damit wolle erreichen, dass vorhandenes Wissen über Prävention und Drogenhilfe in eine dauerhaft erfolgreiche Drogenpolitik übersetzt würden.
Zu restriktive Regeln hinsichtlich der illegalen Drogen einerseits, zu laxe Regeln hinsichtlich der legalen Drogen andererseits – auf diesen Nenner lässt sich die Kritik der Experten an der gegenwärtigen deutschen Drogenpolitik bringen. Es bestehe ein großer Unmut und eine Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Situation, fasst Bernd Werse die Motivation der Berichtenden zusammen. „Es wird Zeit, den Reformstau in der deutschen Drogenpolitik aufzulösen. Der jahrzehntelange Kampf gegen Drogen zeigt: Das Strafrecht ist nicht geeignet, um Gesundheitspolitik zu betreiben“, so Werse. Eine restriktive Drogenpolitik trage zur Kriminalisierung der Suchtkranken bei. In Kombination mit einer liberaleren Drogenpolitik wie der der Stadt Frankfurt entstünden paradoxe Szenarien: Auf dem Weg zu den Drogenräumen, die die Stadt für Suchtkranke zur Verfügung stellt, könnten diese schon wegen geringer Mengen verhaftet werden. Allerdings gibt es in zehn von 16 Bundesländern solche Räume überhaupt nicht. Der Alternative Drogenbericht fordert eine Entkriminalisierung von Drogen für den Eigenbedarf, kontrollierte Abgabestellen für Cannabis und Verbesserungen bei der Substitutionsbehandlung für Heroinabhängige.
Andererseits verzichte die Politik auf simple Mittel im Umgang mit legalen Drogen, kritisiert der Bericht – zum Beispiel auf ein Verbot von Werbung für Alkohol und Tabak. Denkbar sei auch, die Steuern auf legale Drogen zu erhöhen und deren Zugänglichkeit zu erschweren. Auch beim wohl harmloseren Thema E-Zigaretten gebe es bislang kaum Regelungen, zudem fehlten Studien zur Schädlichkeit des elektrischen Rauchersatzes. Insgesamt herrsche in der Politik oft großes Unwissen vor, weil man die Ausgaben für entsprechende Studien scheue, meint der Frankfurter Drogenexperte Werse. So wisse man nach wie vor zu wenig über die tatsächliche Verbreitung von Crystal Meth, Verlautbarungen aus der Politik gingen oft an der Realität vorbei.
Die Initiative zum „Alternativen Drogen- und Suchtbericht“ ging von der Deutschen AIDS-Hilfe sowie der Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik aus. Der 200-seitige Bericht umfasst insgesamt 50 Beiträge, die von Bernd Werse fachkundig lektoriert wurden.
Das von Werse geleitete Forschungsbüro „Centre for Drug Research“ wurde 2002 am Institut für Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt eingerichtet. Es führt regelmäßig Studien zu Drogenkonsum und –handel durch, u.a. eine repräsentative Schülerbefragung, die durch die Stadt Frankfurt finanziert wird.
Weitere Informationen: Dr. Bernd Werse, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung, Centre for Drug Research, Telefon 069-798-36386, E-Mail werse@em.uni-frankfurt.de
Forschung
Frankfurter Historische Geisteswissenschaften überzeugen mit modellhafter Plattform für Innovation in Forschung und Lehre
FRANKFURT. Eine internationale Gutachtergruppe hat im Auftrag der Volkswagen Stiftung die Kooperationsstruktur der historischen Geisteswissenschaften an der Frankfurter Goethe-Universität als originell, innovativ und beispielgebend beurteilt. Auf dieser Grundlage wird dem Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften (FzHG) im Rahmen der Förderinitiative „Hochschule der Zukunft“ eine Unterstützung für seine außergewöhnliche Initiative zugesprochen. Diese Entscheidung hat das Kuratorium der VolkswagenStiftung am vergangenen Freitag getroffen. Insgesamt werden 826.000 € zur Verfügung gestellt.
„Das 2010 gegründete Forschungszentrum erhält damit die Chance, seine in den vergangenen Jahren nach dem Vorbild der Humanities Centres anglo-amerikanischer Universitäten entwickelten Formate fachübergreifender Zusammenarbeit in Forschung und Lehre noch breiter zu öffnen und modellhaft weiterzuentwickeln“, freuen sich der für den Antrag zuständige Vizepräsident der Goethe-Universität, Prof. Matthias Lutz-Bachmann, und der Sprecher des Leitungsgremiums des FzHG, Prof. Bernhard Jussen.
Die ambitionierte Zielsetzung des FzHG besteht einerseits darin, eine interdisziplinäre Kommunikationsplattform zu schaffen, die ein Klima der intellektuellen Spannung erzeugt und auf diese Weise die Entstehung innovativer Forschungsfragen und –zugänge unterstützt. Andererseits soll das FZhG Schwächen der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge kompensieren, indem es Studierenden Raum für Interdisziplinarität und langfristige thematische Konstanz eröffnet sowie eine dezidierte Forschungsorientierung von Master- und Promotionsprogrammen sicherstellt. Der Aufbau des Zentrums orientiert sich grundsätzlich an ähnlichen Strukturen anglo-amerikanischer Universitäten; allerdings strebt das FzHG an, seine Aktivitäten noch besser in den Universitätsalltag zu integrieren. Für die historisch arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität verbinden sich mit der Einrichtung des Forschungszentrums die Vorteile einer Universität mit denen eines Forschungsinstituts.
Die Zielgruppe des FzHG erstreckt sich vom fortgeschrittenen Studierenden bis hin zur Professorin/zum Professor. Das Zentrum zählt derzeit rund 160 Mitglieder, darunter rund 60 Professorinnen und Professoren, 50 Postdocs und 50 Doktorandinnen und Doktoranden.
Das Forschungszentrum organisiert sein intellektuelles Leben um die Mittwochskonferenzen und die „Lunch Papers“. Die thematisch-methodische Arbeit findet in sieben, den aktuellen Stand der kollektiven Interessen spiegelnden Forschungsfeldern statt. Dreh- und Angelpunkt der Kooperationsstruktur ist die Position eines Forschungsdirektors, der von einer kleinen Geschäftsstelle unterstützt wird. Ferner stehen Mittel für Konferenzen und Workshops - insbesondere auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs - bereit, um die Sichtbarkeit der Frankfurter Forschung und ihre Vernetzung mit nationalen und internationalen Institutionen zu gewährleisten.
Weitere Informationen: Dr. Ute Lanzendorf, Referentin für Hochschulentwicklung, Goethe-Universität Frankfurt, Tel. (069) 798-13050, lanzendorf@pvw.uni-frankfurt.de