Sonstige
Einzigartiger Zugang zu Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder an der Goethe-Universität Frankfurt
FRANKFURT. Staatsminister Axel Wintermeyer, Chef der Hessischen Staatskanzlei, wird am 6. November ein neues Forschungsdatenzentrum im House of Finance der Goethe-Universität eröffnen, das Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern direkten Zugang zu Daten des Statistischen Bundesamtes und der Statistischen Ämter der Länder ermöglicht. Das Datenzentrum wird in Kooperation mit dem LOEWE-Zentrum SAFE betrieben.
Eröffnung des Forschungsdatenzentrums im House of Finance 6. November, 14-15.30 Uhr. Raum E.01, House of Finance, Campus Westend, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main.
Forschungsdatenzentren haben die Aufgabe, der Wissenschaft Zugang zum umfangreichen Datenangebot der amtlichen Statistik zu ermöglichen. Das Zentrum im House of Finance bietet Zugang sowohl zu den Mikrodaten des Statistischen Bundesamtes als auch der Statistischen Ämter der Länder. An den Arbeitsplätzen haben Forscherinnen und Forscher von Hochschulen und unabhängigen wissenschaftlichen Einrichtungen die Möglichkeit, selbstständig eigene Auswertungen auf der Grundlage von faktisch anonymen Einzeldaten durchzuführen. Die abgesicherten PC-Arbeitsplätze werden von Mitarbeitern der Ämter vor Ort betreut.
Weitere Informationen zum Forschungsdatenzentrum: http://safe-frankfurt.de/fileadmin/user_upload/editor_common/Events/Flyer-FDZ-Standort_HoF_091014.pdf
Kontakt für Presseanfragen: Dr. Muriel Büsser, Head of Communication, LOEWE-Zentrum SAFE. Tel. (069) 798 34006; buesser@safe.uni-frankfurt.de
Forschung
Struktur der ABC-Transporter dank wegweisender Strukturanalyse aufgeklärt/Publikation in Nature
FRANKFURT. ABC-Transporter sind in die Zellmembranen eingebettete Proteine, die eine beinahe unbegrenzte Vielfalt toxischer, aber auch lebenswichtiger Substanzen über zelluläre Barrieren schleusen. Sie spielen unter anderem eine Rolle bei der Bildung von Antibiotika-Resistenzen. Die Struktur dieser Transporter im Detail aufzuklären, ist nun einer Forschergruppe der Goethe-Universität gemeinsam mit amerikanischen Kollegen gelungen.
„ABC-Transporter lösen einerseits Erkrankungen wie die Mukoviszidose aus, und sind andererseits dafür verantwortlich, dass das Immunsystem infizierte Zellen oder Krebszellen erkennt“, erklärt Prof. Robert Tampé vom Institut für Biochemie der Goethe-Universität. Die beträchtliche medizinische, industrielle und ökonomische Bedeutung der ABC-Transporter basiert weiterhin darauf, dass sie Bakterien und andere Krankheitserreger gegen Antibiotika resistent machen. Ebenso können sie Krebszellen helfen, sich gegen Zytostatika zu wehren und entscheiden so über den Erfolg einer Chemotherapie.
Erstmalig ist es der Gruppe von Robert Tampé in Zusammenarbeit mit Kollegen der University of California in San Francisco gelungen, die Struktur eines asymmetrischen ABC-Transportkomplexes mithilfe der Kryo-Elektronenmikroskopie in hoher Auflösung zu ermitteln. „Über einen Zeitraum von fünf Jahren sind uns eine Reihe bahnbrechender methodischer Entwicklungen gelungen. Sie haben uns Einblicke ermöglicht, die zuvor nicht vorstellbar waren“, so Tampé.
Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Nature berichten, ist es ihnen gelungen, einzelne eingefrorene ABC-Transportkomplexe mit bisher unerreichter Subnanometer-Präzision zu untersuchen. Sie verwendeten dazu eine neu entwickelte Einzelelektronenkamera, neue Bildgebungsverfahren, spezifische Antikörperfragmenten, um die Struktur und Konformation der dynamischen Transportmaschine zu lösen.
„Die Kombination physikalischer, biotechnologischer, biochemischer und strukturbiologischer Methoden hat zu einem Quantensprung in der Strukturaufklärung von makromolekularen Komplexen geführt“, so Tampé. Die Methode ermögliche die gezielte Entwicklung richtungweisender Therapieansätze.
Publikation: JungMin Kim et al.: Subnanometre-resolution electron cryomicroscopy structure of a heterodimeric ABC exporter, nature 2.11.2014, doi:10.1038/nature13872
Information: Prof. Robert Tampé, Institut für Biochemie, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-29475, tampe@em.uni-frankfurt.de; www.biochem.uni-frankfurt.de/
Veranstaltungen
Erstes evaluiertes Anti-Stress-Programm für Studenten soll Auftakt für weitere Angebote sein
FRANKFURT. Die Techniker Krankenkasse startet am 3. November gemeinsam mit der Goethe-Universität in Frankfurt das Projekt "TK-MentalStrategien". Das erste evidenzbasierte Stresstraining für Studierende in Deutschland ist ein Pilotprojekt, das bundesweit an neun Hochschulen laufen wird. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat das spezielle Training entwickelt und die positiven Effekte in einer Studie nachgewiesen. Vor diesem Hintergrund hat sich die TK entschieden, das Programm ab dem Wintersemester 2014 mit einer Pilotphase bundesweit an ausgewählten Hochschulen in die Praxis umzusetzen.
Gesundheitsangebote an Hochschulen zielen überwiegend darauf ab, die Studierenden über den Hochschulsport in Bewegung zu bringen. Individuelle Konzepte zur Stressbewältigung und zur mentalen Unterstützung des Studiums kommen bisher noch viel zu kurz. "Immer wieder erleben wir, dass Absolventen mit Top-Zeugnissen aus der Uni in ein Unternehmen kommen, nach wenigen Monaten im Beruf in ein Leistungstief geraten und dafür kein Rüstzeug haben. Als Krankenkasse wollen wir unserem gesetzlichen Auftrag zur Prävention gerade im Feld der psychischen Gesundheit noch stärker nachkommen", sagt Thomas Holm, Leiter des TK-Gesundheitsmanagements in Hamburg, "deshalb gehe ich fest davon aus, dass wir das Angebot in Frankfurt nach der Pilotphase ausbauen werden."
Das Training TK-MentalStrategien an der Goethe-Universität vermittelt innerhalb von sieben Einheiten den Studenten, wie Stress entsteht und wie er sich auswirkt, wie sie persönliche Stressfaktoren im Hochschulalltag erkennen und bewältigen und wie bedeutend dabei persönliche Ziele sowie Denk- und Verhaltensmuster sind. Dazu erfahren die Studenten, wie sie ihre persönlichen Ressourcen erkennen und stärken. Verschiedene Entspannungstechniken stehen außerdem auf dem Plan, ebenso wie Techniken für ein besseres Lern- und Zeitmanagement. Am Ende erhalten sie ein Zertifikat über die erworbenen Fertigkeiten. "Innerhalb von zwei Tagen war das Seminar ausgebucht", sagt Professor Winfried Banzer, Leiter der Abteilung Sportmedizin an der Goethe Universität, "die TK hat erkannt, wie wichtig das Thema ist und wir sehen jeden Tag, wie nötig unsere Studenten diese Unterstützung haben. Deshalb freuen wir uns sehr, dass wir den Studenten gemeinsam weiterhelfen können."
Weitere Informationen: Yvonne Wagner, Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Techniker Krankenkasse, Landesvertretung Hessen. Stiftstraße 30, 60313 Frankfurt am Main. Tel (069) 96 21 91-41, mailto:yvonne.wagner@tk.de; http://www.tk.de/lv-hessen
Veranstaltungen
Vortrag der renommierten Arabistik-Professorin Angelika Neuwirth –im Begleitprogramm: Ausstellung „Arabische Kalligraphie“
FRANKFURT. Der Koran wird heute in Ost und West unterschiedlich gelesen: auf islamischer Seite zumeist traditionsgebunden und als Medium der Kommunikation zwischen Gott und Mensch und auf westlicher Seite historisch. Über diese unterschiedlichen Betrachtungsweisen und darüber, wie sich diese auf die Etablierung der islamischen Theologie an deutschen Universitäten auswirken, wird die bekannte Arabistin Prof. Angelika Neuwirth von der Freien Universität Berlin am Montag (3. November) an der Goethe-Universität sprechen. Der Vortrag der Seniorprofessorin für Arabistik gehört zu der öffentlichen Vorlesungsreihe „Der Koran – Ein Text im Dialog zwischen Osten und Westen“, die im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG im Wintersemester vom Zentrum für Islamische Studien der Goethe-Universität veranstaltet wird.
Vor dem Vortrag, der um 18.45 Uhr beginnt, findet ab 18.00 Uhr im Foyer vor dem Renate-von-Metzler-Saal im 1. Stock des Casinos die Ausstellung „Arabische Kalligraphie“ statt. Gezeigt werden Werke des irakischen Kalligraphen Adel Ibrahim al Sudany, der zunächst Physik und irakische Kalligraphie in Bagdad und dann in Frankfurt Webdesign, Werbe- und Mediengestaltung studiert hat. Er ist als Grafiker und Kalligraph tätig und unterrichtet arabische Kalligraphie am Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam der Goethe-Universität. Seine Werke wurden mehrfach ausgestellt.
Die renommierte, vielfach ausgezeichnete Wissenschaftlerin Angelika Neuwirth wird in ihrem Vortrag darauf eingehen, dass sich die komplexe Gestalt des Korans einem ungewöhnlichen historischen Ereignis, nämlich der Offenbarung des Gotteswortes zu Muhammad zwischen 610 und 632, verdankt: Dieses war die „Zwillingsgeburt“ einer Gemeinde und einer heiligen Schrift. Daher ist der Koran nicht nur Text, er hat auch eine transzendente Dimension. Darüber hinaus ist der Koran als Dokument eines historisch beispiellosen Erfolges zumindest latent auch eine politische Schrift. Wie können heutige Koranleser diesen Dimensionen gerecht werden? Diese Frage tangiert eine zentrale Aufgabe der neuen Islamischen Theologie, die nicht nur der islamischen Religionskultur von Nutzen sein soll, sondern auch der christlichen bzw. säkularen Kultur neue Erkenntnisse eröffnen soll. Die erfahrene Professorin wird auch erläutern, warum die Etablierung der islamischen Theologie, wie sie auch an der Goethe-Universität betrieben wird, eine epochale Aufgabe ist.
Angelika Neuwirth befasst sich seit Jahrzehnten mit klassischer und moderner arabischer Literatur, insbesondere mit dem Koran. Seit 2007 leitet sie das Forschungsprojekt „Corpus Coranicum“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Sie ist am Sonderforschungsbereich 980 der Freien Universität mit einem Forschungsprojekt „Von Logos zu Kalam. Figurationen und Transformation von Wissen in der Spätantike“ beteiligt und ist Mitglied mehrerer in- und ausländischer Akademien. Ihre Arbeit ist mehrfach durch internationale Ehrendoktorwürden ausgezeichnet worden. Ihre neueren Publikationen sind u. a.: Der Koran als Text der Spätantike, Berlin (Suhrkamp) 2010; Der Koran I: Frühmekkanische Suren, Berlin (Suhrkamp) 2011; Koranforschung als politische Philologie?, Berlin (De Gruyter) 2014.
Weitere Vorträge in der Reihe „Der Koran – Ein Text im Dialog zwischen Osten und Westen“ auf einen Blick:
Die Veranstaltungen finden jeweils montags um 18 Uhr c.t. im Renate von Metzler-Saal, Casino, Campus Westend statt.
17. November 2014
Ahmad Milad Karimi, Universität Münster
Der Koran als Kunstwerk? Zur Ästhetik der Offenbarung im Islam
(Mit Koranrezitation von Burak Mercan, Goethe-Universität)
1. Dezember 2014
Podiumsdiskussion
Fair Trade? Korankonformes Business in Zeiten globaler Finanzwirtschaft
Moderation : Mark Chalil Bodenstein, Goethe-Universität
Wirtschaftstheoretisches Statement : Volker Nienhaus, Universität Marburg
Islamwissenschaftliches Statement : Rüdiger Lohlker, Universität Wien
15. Dezember 2014
Armina Omerika, Goethe-Universität
Koran-Übersetzung als Politikum. Die Übertragung (1895) von Mihajlo Mico Ljubibratic
12. Januar 2015
Nicolai Sinai, Universität Oxford
Wie viel Kritik verträgt der Koran? Zum gegenwärtigen Stand der historisch-kritischen Koranforschung
26. Januar 2015
Stefan Wild, Universität Bonn
Viele Wege zum Text? Gespräche zwischen muslimischen Gelehrten und Orientalisten
9. Februar 2015
Podiumsdiskussion
Den Text verstehen. Zeitgenössische Koranhermeneutik in der islamischen Welt
Moderation: Bekim Agai, Goethe-Universität
Sunnitische Zugänge: Rotraud Wielandt, Universität Bamberg
Schiitische Zugänge: Katajun Amirpur, Universität Hamburg
Informationen: Prof. Dr. Bekim Agai, Zentrum für Islamische Studien, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 32751, agai@em.uni-frankfurt.de, www.islamischestudien.uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Vortrag von Utz Thimm über belgische Kriegsgefangene in Gießen – Lesung von Stefan Hertmans aus „Der Himmel meines Großvaters“
FRANKFURT. Mit zwei weiteren Veranstaltungen setzt das Lektorat Niederländisch an der Goethe-Universität seine Reihe „In Flanders Fields. 100 Jahre später: 1914-2014. Der Erste Weltkrieg in Flandern“ fort: Am Donnerstag (6. November) hält Utz Thimm, freier Journalist aus Gießen und Initiator der dortigen Ausstellung „Gefangen im Krieg“, einen Vortrag über die belgischen Kriegsgefangenen des Ersten Weltkriegs im Lager Gießen. Am 12. November (Mittwoch) liest der belgische Autor Stefan Hertmans aus seinem Buch „Der Himmel meines Großvaters“ (Hanser), (Original: „Oorlog en terpentijn“). Beide Veranstaltungen beginnen um 19 Uhr, im Casino (Raum 1.802), Campus Westend.
Zu dem Vortrag von Utz Thimm: Im Ersten Weltkrieg ließ das Preußische Kriegsministerium in Gießen ein Kriegsgefangenenlager bauen, in dem – Außenkommandos eingerechnet – bis zu 26.000 Menschen gefangen gehalten wurden. Die meisten waren Franzosen, die zweitgrößte Gruppe Briten, aber unter ihnen befanden sich auch rund 900 Belgier. Die Gefangenen wurden – genauso wie deutsche Kriegsgefangene im feindlichen Ausland – umfangreich mit Lebensmitteln, Kleidung und Medikamenten vor allem über die Schweiz beliefert. Die Verteilung der Pakete und der weitere Versand in die Außenkommandos lagen in Händen der Kriegsgefangenen, dazu bildeten die belgischen Gefangenen einen „Hilfsausschuss“. Die dabei entstandenen Akten nahmen sie bei Kriegsende in die Heimat mit. Sie wurden im Belgischen Staatsarchiv in Brüssel deponiert und bilden – soweit bekannt – den einzigen Aktenbestand, der aus Perspektive der Gefangenen Einblick in ihr Leben in Gießen gibt.
Die zweisprachige Veranstaltung am 12.November steht unter dem Titel „Mehr als bloß ein Roman über den Krieg: die Biografie einer Seele“. Dem belgischen Autor Stefan Hertmans ist mit dem Roman „Der Himmel meines Großvaters“ eine „tour de force“ gelungen: basierend auf den Erinnerungsheften seines Großvaters hat er einen einfühlsamen, poetischen Roman konstruiert, der uns einerseits das Bild einer streng katholischen, sehr armen und harten, jedoch glücklichen Jugend um die Jahrhundertwende in der Stadt Gent, andererseits auch ein realistisches Bild der Hölle des Ersten Weltkriegs und außerdem noch eine rührende Liebesgeschichte bietet. Empfindlich wie sein Groß- und Urgroßvater, die beide leidenschaftlich Maler waren, wechselt Hertmans poetische mit realistischen Tönen und Farben ab. Und es entsteht eine Familiengeschichte, eine Kriegsgeschichte und die Geschichte der flämischen Emanzipation in einem und zwar so, dass es keinen Leser unberührt lässt. Das Buch ist eine Hommage an den Großvater des Schriftstellers.
Im Anschluss an die zweisprachige Lesung gibt es Gelegenheit zur Diskussion; außerdem werden am Büchertisch deutsche und niederländische Bücher angeboten. Mit dieser Reihe schließt das Lektorat Niederländisch an die Ringvorlesung des Sommersemesters an.
Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch,
Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de; http://www2.uni-frankfurt.de/42255016/Veranstaltungsreihe