Veranstaltungen
Kommunikationstraining für Eltern mit hochbegabten Kindern bei der Beratungsstelle MAINKIND vom 21.-23. Februar
FRANKFURT. Vom 21. bis 23. Februar bietet die Beratungsstelle MAINKIND in ihren Räumlichkeiten an der Goethe-Universität ein besonderes Elterntraining an: „Klikk – Kommunikations- und Lösungsstrategien für die Interaktion mit klugen Kindern“. Der Diplom-Psychologe Dr. Dietrich Arnold wird Eltern mit Hilfe von Gruppenarbeiten und Diskussionen, Kommunikations- und Lösungsstrategien für die Beziehungsarbeit mit ihren hochbegabten Kindern aufzeigen.
Die Mitarbeiter der Beratungsstelle MAINKIND haben immer wieder die Rückmeldung von Eltern erhalten, dass diese sich verunsichert im Umgang mit ihren Kindern fühlen und dass sie keine Ansprechpartner im Alltag hätten. Im Klikk-Kommunikationstraining erhalten Eltern Antworten auf wiederkehrende Fragen; das Training verhilft somit zu mehr Sicherheit in der Beziehung zu ihren Kindern. Hochbegabte Kinder stellen an sich und auch an ihre Umwelt besondere Anforderungen, dazu benötigen sie starke Eltern an ihrer Seite. Das Training verhilft zur Wiederentdeckung vorhandener und Entdeckung neuer Kompetenzen, die den familiären Alltag von Familien mit hochbegabten Kindern bereichern können.
Dietrich Arnold entwickelte das Klikk-Elterntraining 2006 bis 2008 gemeinsam mit Prof. Dr. Franzis Preckel, Inhaberin des Lehrstuhls für Hochbegabtenforschung und -förderung an der Universität Trier. Klikk wurde viele Jahre erfolgreich an der Ludwig-Maximilians Universität, München angeboten, und viele bayerische Eltern nutzten das Angebot. Die Karg-Stiftung unterstützte sowohl die Erarbeitung der Kursangebote als auch die wissenschaftliche Auswertung. Darüber hinaus wurden die Erfahrungen aus dem Klikk-Projekt in dem Elternhandbuch "Hochbegabte Kinder klug begleiten" (Beltz 2011) kommuniziert.
Bei Interesse wenden Sie sich bitte an: mainkind@paed.psych.uni-frankfurt.de (oder tel. unter 069/798-22440). Der Unkostenbeitrag beträgt: 250 Euro; Elternpaare zahlen 400 Euro.
Die Beratungsstelle MAINKIND ist eine Einrichtung der Goethe-Universität Frankfurt, die durch die Karg-Stiftung (www.karg-stiftung.de), das IDeA Zentrum Frankfurt und die Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL) gefördert wird.
Personalia/Preise
Der Belgier forscht im Spannungsverhältnis von Moral, Recht und Wirtschaft der Frühen Neuzeit
Der 30-jährige Wim Decock, Nachwuchsgruppenleiter im Frankfurter LOEWE-Schwerpunkt „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“ und am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, erhält den mit 20.000 Euro dotierten Heinz-Maier-Leibnitz-Preis. Der gebürtige Belgier, der neben seiner flämischen Muttersprach Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Altgriechisch und Latein beherrscht, forscht im Spannungsverhältnis von Moral, Recht und Wirtschaft der Frühen Neuzeit. In diesem Jahr wurden insgesamt zehn hervorragende junge Forscherinnen und Forscher mit diesem seit 1977 jährlich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vergebenen Preis ausgezeichnet.
Die Nachricht kam für Wim Decock heute völlig überraschend. „Ich hatte das nicht erwartet, denn wenn man sich die Liste der Preisträger aus den vorigen Jahren anschaut, sind das oft Naturwissenschaftler, etwa aus der Medizin oder Physik.“ Umso mehr freut sich der promovierte Rechtshistoriker, dass seine Forschungsarbeiten zur Rolle von kirchlicher Gerichtsbarkeit und den Zusammenhängen zwischen Theologie, Finanzen und Handel im 16. und 17. Jahrhundert Beachtung und Anerkennung finden.
Für die etablierten Wissenschaftler aus der Rechtsgeschichte war Decock ein heißer Kandidat für diesen hoch angesehenen Preis: Denn der Belgier gehört im europäischen, wenn nicht im weltweiten Vergleich zur absoluten Spitze der rechtshistorischen Nachwuchswissenschaftler. Decock ist sehr vielseitig ausgerichtet: Nach dem Abitur studierte er die seltene Kombination von Klassischer Philologie und Wirtschaftswissenschaften an der traditionsreichen Universität Löwen. Nachdem er sich mit seinen ersten wissenschaftlichen Schriften in die Grenzzone zwischen Philosophie, Theologie, Geschichte und Recht begeben hatte, entschloss er sich noch das Jurastudium anzuschließen. Seine exzellenten Studienabschlüsse ebneten ihm den Weg für eine international ausgerichtete Forscherkarriere. Mit dem sehr renommierten Marie-Curie-Programm „Early stage training“ kam Decock bereits 2006/2007 für ein Studienjahr nach Frankfurt.
Seit August 2012 leitet Wim Decock die Nachwuchsgruppe „Kanonistik, Moraltheologie und Konfliktlösung in der Frühen Neuzeit”, sie gehört zu dem vom Land Hessen finanzierten LOEWE-Verbundprojekts “Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung”, in dem die Rechtshistoriker der Goethe-Universität und des Frankfurter Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte gemeinsam mit anderen Partnern der Region zusammenarbeiten.
Gefragt nach der Relevanz seiner Forschung zur Lösung aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen antwortet Wim Decock: „Ich versuche die Grundprinzipien unserer heutigen Verständnisses von Schulden, Märkten und Finanzen besser zu verstehen, indem ich die historische Wurzeln untersuche.”
Am 12. Mai 2014 findet die Preisverleihung der Heinz-Maier-Leibnitz Preise in Berlin statt. Wim Decock und seine Frau, die vor Jahren als Erasmus-Studentin in Berlin lebte, freuen sich schon auf die Wiederbegegnung mit der Hauptstadt und ihren Freunden dort.
Die Rechtsgeschichte in Frankfurt ist international führend: Neben dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, eine der weltweit führenden außeruniversitären Forschungseinrichtungen zur Rechtsgeschichte und inzwischen auch auf dem Campus Westend etabliert, existiert an der Goethe-Universität das größte rechtshistorische Institut aller deutschen Universitäten.
Bild zum Download: hier.
Veranstaltungen
Am 6. März: Die lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten auf dem Campus Westend – Erstmalig sind auch Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler dabei
Zum vierten Mal findet dieses Jahr bundesweit am ersten Donnerstag im März eine „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten” statt. Die Studierenden der Goethe-Universität bekommen am 6. März die Gelegenheit, im Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften und in der Bibliothek Recht und Wirtschaft (Campus Westend) die ganze Nacht über nachzudenken und zu schreiben. In der Gemeinschaft mit anderen Schreibwilligen geht es darum, die eigenen Texte ein gutes Stück voranzubringen.
Tatkräftig unterstützt werden die nächtlichen Schreiber von den studentischen Schreibtutorinnen und -tutoren des Schreibzentrums, die die ganze Nacht lang Fragen zum Zeitmanagement, Zitieren oder zur Argumentation in wissenschaftlichen Texten beantworten werden. Zum ersten Mal können auch die Studierenden der Rechtswissenschaft in ihrer Bibliothek auf dem Campus Westend mitmachen.
Ariane Willumeit, 23 Jahre alt und seit Oktober studentische Tutorin am Schreibzentrum, freut sich schon auf die Nachtschicht: „Das wird meine erste ‚Lange Nacht‘ als Schreibtutorin. Ich bin gespannt, wie viele bis zum Morgen durchhalten. Eine ganze Bibliothek mit Mondschein-Schreibern stelle ich mir spannend vor.” Die konzentrierte Arbeitsatmosphäre in der Bibliothek findet Ariane sehr anregend, und wie der Rest des Tutorenteams hat auch sie schon Pläne geschmiedet, wie sie sich die ganze Nacht wach halten will: „Kaffee zum Wachbleiben, Kekse zum Durchhalten und hoffentlich viel zu tun. Außerdem wird eine meiner Kolleginnen gegen 23 Uhr einen Schreibtisch-Yoga-Workshop geben –auch eine tolle Methode, um frische Energie zu tanken.”
Für den zu erwartenden Ansturm sind die Tutoren gut gerüstet, und auf die Schreibwilligen warten neben der Möglichkeit zu einer individuellen Schreibberatung oder Kurzworkshops auch Kaffee in ausreichenden Mengen sowie ein kleines Büffet. Sich anmelden und mitmachen können alle Studierenden und Promovierenden der Goethe-Universität, die an einer aktuellen Schreibaufgabe sitzen.
Informationen: Schreibzentrum, Campus Westend, Tel. (069) 798. 32845
Programm Kurzworkshops: http://schreibzentrum.uni-frankfurt.de, Anmeldung für das Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften bis zum 5.März unter schreibzentrum@dlist.uni-frankfurt.de und für die Bibliothek der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften bis zum 28. Februar mentoring@jura.uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Kooperation zwischen Historischem Seminar der Goethe-Universität und Forschungskolleg Humanwissenschaften/Historiker und Bestseller-Autor Christopher Clark erster Fellow
Gemeinsam mit dem Historischen Seminar der Goethe-Universität eröffnet das Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg eine neue Programmlinie. Im kommenden Sommersemester nimmt das „Historische Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften“ seine wissenschaftliche Arbeit auf. Zu den ersten Fellows im Mai 2014 gehört Christopher Clark, Professor für Neuere Europäische Geschichte in Cambridge und Autor des Bestsellers „Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog“. Das Thema zum Auftakt des zunächst auf fünf Jahre angelegten Historischen Kollegs lautet „Die Welt um 1914“. Finanziell unterstützt wird das erste Jahr von der Stadt Bad Homburg. Zum Kreis der Förderer des Historischen Kollegs gehören als Hauptsponsorin die Frankfurter Mäzenin Dagmar Westberg sowie der Bad Homburger Unternehmer Stefan Quandt.
„Wir freuen uns sehr über die private und auch öffentliche Unterstützung, ohne die solch ein Vorhaben kaum zu realisieren wäre“, sagte Prof. Matthias Lutz-Bachmann, Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften und Vize-Präsident der Goethe-Universität, bei einem Mediengespräch am Montag (17.2.) im Beisein von Dagmar Westberg, Stefan Quandt und Oberbürgermeister Michael Korwisi. Die Mäzenin engagiert sich bereits auf vielfältige Weise für die Universität. Das Historische Kolleg fördert sie nun mit einem höheren fünfstelligen Betrag pro Jahr - für fünf Jahre. Mit einer Zuwendung von insgesamt 100.000 Euro für die Gesamtlaufzeit unterstützt der Unternehmer Stefan Quandt das Projekt. Eine weitere namhafte Summe kommt von der Stadt Bad Homburg. Sie fördert insbesondere die Startphase mit 50.000 Euro. „Das Jahr 1914 hat für unsere Stadt, die zuvor zu den wenigen, exklusiven Treffpunkten des europäischen Adels zählte, gravierende, bis heute aber kaum erforschte Folgen gehabt“, nannte Korwisi einen der Gründe, die Forschungseinrichtung zu unterstützen. „Auch hierbei handelt es sich um die Fortsetzung einer bewährten Zusammenarbeit“, wie Lutz-Bachmann betonte. Die Stadt gehört – wie auch die Werner Reimers Stiftung und der Hochtaunuskreis – zu den Kooperationspartnern der Goethe-Universität am Forschungskolleg.
Das Forschungskolleg Humanwissenschaften ist ein Institute for Advanced Studies der Goethe-Universität mit Gastwissenschaftlern aus aller Welt, die für einen gewissen Zeitraum in Bad Homburg leben und arbeiten. Themenstellungen und Projekte stehen in enger Verbindung mit Schwerpunkten der Universität. Die Werner Reimers Stiftung, Gründungspartner des Forschungskollegs Humanwissenschaften, feierte im letzten Jahr ihr 50jähriges Bestehen und den 125. Geburtstag ihres Stifters und machte sich seit den frühen siebziger Jahren einen Namen durch die Förderung geisteswissenschaftlicher Tagungen. Hier traf sich die legendäre Forschergruppe „Poetik und Hermeneutik“ ebenso wie die Studiengruppe „Theorie der Geschichte“ und der Arbeitskreis „Moderne Sozialgeschichte“.
„Das Historische Kolleg ist eine großartige Chance, an einem Ort, der eine große Tradition historischer Debatten hat, die Kultur des internationalen Austausches über historische Kernfragen fortzusetzen, indem es Freiräume für Diskussionen in ganz unterschiedlichen Formaten bietet“, so Prof. Andreas Fahrmeir vom Historischen Seminar der Goethe-Universität, der als wissenschaftlicher Koordinator des neuen Projekts fungiert. Pro Jahr sollen bis zu zehn Fellows auf Einladung des Forschungskollegs die neue Programmlinie mit Leben füllen. Im aktuellen Auftaktjahr werden ab Mai zunächst drei renommierte Gastwissenschaftler erwartet. Neben Prof. Christopher Clark sind dies der an der Université de Montréal lehrende deutsche Historiker Prof. Till van Rahden, zu dessen Schwerpunkten die deutsche und europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts gehört, und Prof. Gustavo Corni, der an der Universität Trient Zeitgeschichte lehrt. Sie bleiben für einen Zeitraum von zwei Wochen bis zu drei Monaten.
Das Historische Kolleg soll zum einen ein Ort des persönlichen kommunikativen Austausches und der Entwicklung neuer Fragestellungen zu Themen der Geschichtswissenschaft sein. Als Themen der nächsten Jahre stehen „Varianten des Kapitalismus – Der atlantische Raum und Asien“ unter der Federführung des Wirtschaftshistorikers Werner Plumpe auf dem Programm. Die Geschichtsprofessoren Luise Schorn-Schütte und Christoph Cornelißen werden jeweils Gastwissenschaftler zu ihren Forschungsthemen einladen, die von der Reformation bis zur Revolution 1918 reichen. Die Einbettung des Historischen Kollegs in den Kontext des Forschungskollegs Humanwissenschaften sorgt für einen kontinuierlichen interdisziplinären Austausch. Die Fellows, gleich welcher Disziplin, bleiben jedoch nicht nur unter sich. Auch die Angehörigen des Historischen Kollegs werden, so sieht es das Profil des neuen Projekts vor, wiederum in zwei weitere Richtungen wirken: Geplant sind auf der einen Seite Gastvorlesungen an der Goethe-Universität und Kolloquien für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Auf der anderen Seite steht der Dialog mit der Gesellschaft, vor allem in Form von öffentlichen Vorträgen und Diskussionen am Forschungskolleg.
Im Jahr des 100-jährigen Bestehens der Goethe-Universität hat das Forschungskolleg Humanwissenschaften übrigens auch ein eigenes kleines Jubiläum – und das fast zeitgleich mit der Eröffnung seines Historischen Kollegs. Im Frühjahr vor fünf Jahren nahm die Einrichtung ihren wissenschaftlichen Betrieb auf. Der allererste Fellow kommt jetzt wieder. Es war Christopher Clark.
Informationen: Ingrid Rudolph, Geschäftsführerin des Forschungskollegs, Tel.: 06172-13977-10, i.rudolph@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Forschung
Symposium zum 140. Geburtstag des bekannten Afrikaforschers auf dem Campus Westend
Der bekannte deutsche Ethnologe Leo Frobenius(1873-1938), der in den 1920er und 1930er Jahren in Frankfurt gewirkt hat, wurde vor 140 Jahren geboren, die Goethe-Universität feiert in diesem Jahr ihren 100. Geburtstags. Diese beiden Jubiläen machen die Goethe-Universität zum geeigneten Ort für ein interdisziplinäres deutsch-französisches Symposium, das Frobenius’ Rolle bei der Herausbildung ethnographischer und ethnologischer Wissensbestände über Afrika untersucht. Am Mittwoch (19. Februar) und Donnerstag (20. Februar) treffen sich deutsche und französische Wissenschaftler, neben Ethnologen auch Germanisten, Historiker und Kunsthistoriker, im Casino auf dem Campus Westend – ihr Thema: „Leo Frobenius: eine ‚histoire croisée“ der Entstehung und Aneignung von ethnologischem Wissen in Deutschland und Frankreich“.
Das Symposium wird veranstaltet vom Frobenius-Institut und dem in Frankfurt ansässigen Institut français d’histoire en Allemagne. Die Tagung nimmt die vielfältigen historischen Ungleichzeitigkeiten in den Blick, welche die jeweiligen nationalen Ausprägungen der Ethnologien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kennzeichneten. Dazu der Organisator des Symposiums Dr. Richard Kuba: „Diese Epoche war geprägt von großen Entdeckungsreisen – Frobenius unternahm zwischen 1904 und 1935 allein zwölf, teilweise mehrjährige Expeditionen nach Afrika. Gleichzeitig bildete sich in dieser Zeit ein theoretisch und methodisch fundierter und inhaltlich informierter Kanon heraus. Afrika war gleichzeitig Kolonialgebiet und kulturelle Inspiration. Das ethnologische Objekt war sowohl Beleg von ‚Primitivität‘ als auch Befruchter der künstlerischen Moderne.“ Die Tagung beschäftigt sich auch mit der komplexen Frage, wie sich die, von ihren nationalen Traditionen und politischen Interessen geprägte europäische Kolonialherrschaft mit den jeweiligen afrikanischen Gesellschaften verband. Wie verhält es sich beispielsweise, wenn der deutsche Ethnologe Frobenius das Aufeinandertreffen des französischen zivilisatorischen Anspruchs mit afrikanischen Kulturen in Französisch-Westafrika durch ein spezifisch deutsches Prisma wahrnimmt?
Als einer der frühesten Ethnographen „im Feld“ hat Frobenius nicht nur bedeutende Sammlungen ethnographischer Gegenständen für deutsche Völkerkundemuseen und für seine private Stiftung „Afrika-Archiv“, später „Institut für Kulturmorphologie“, beschafft, er hat auch zahlreiche afrikanische Volksdichtungen aufgenommen, eine umfangreiche visuelle Dokumentation der bereisten Gebiete angelegt und eine weltweit einzigartige Sammlung von Felsbildkopien geschaffen, die sich noch heute – wie viele andere Objekte – im Besitz des Frobenius-Instituts befinden. Während der Kolonialzeit zeugten diese Sammlungen vom Reichtum und der Vitalität der afrikanischen Kulturen. Mit seinen Schriften und Ausstellungen hat Frobenius maßgeblich dazu beigetragen, in Deutschland einen wissenschaftlichen Diskurs über Afrika zu begründen, darüber hinaus hat er u.a. die Dichter und Theoretiker der „Négritude“, wie etwa Leopold Sédar Senghor entscheidend beeinflusst.
Im Deutschland und Frankreich der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben sich wissenschaftliche Traditionen und institutionelle Kontexte zum Teil sehr unterschiedlich entwickelt. Gerade in der Ethnologie gibt es jedoch auch Verbindungslinien zwischen den jeweiligen nationalen Traditionen, die eine Untersuchung ihrer Verflechtungsgeschichte („histoire croisée“) für die Wissenschaftler lohnenswert erscheinen lassen. Dazu Kuba: „Verschiedene ethnologische Themenfelder haben sich in ihrer jeweiligen nationalen Ausprägung parallel, antagonistisch oder sich gegenseitig beeinflussend, im Sinne einer ‚histoire croisée‘ entwickelt.“ Die Vorträge des Symposiums setzen sich auch mit der Frage auseinander, wie ethnologisches Wissen in Deutschland, Frankreich und später auch über eine Rückspiegelung in afrikanischen Ländern generiert, verbreitet und rezipiert wurde. Ein wichtiger Aspekt der Herausbildung der Ethnologie als Fach in Deutschland und Frankreich war das jeweilige Verhältnis zu den Nachbardisziplinen wie etwa zur Kunstgeschichte, zu den prähistorischen Wissenschaften, zur Kulturgeschichte oder zur Entdeckung und Rezeption afrikanischer Poesie. Weiter interdisziplinäre deutsch-französische Treffen zu diesen Themen sind bereits geplant.
Informationen: Dr. Richard Kuba, Frobenius-Institut, Campus Westend, Tel. (069) 798-33056, Kuba@em.uni-frankfurt.de