Personalia/Preise
Ausgezeichnete Beiträge über Qualitätssicherung in der Wissenschaft, Umgang mit Drittmitteln sowie eine Milieustudie über Abendschule

Auf dem Foto: Dr. Gerald Wagner (links) von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Bernd Kramer von duz.
FRANKFURT. Die Entscheidung ist gefallen. Die Gewinner des Goethe-Medienpreises für wissenschafts- und hochschulpolitischen Journalismus von FAZIT-Stiftung und Goethe-Universität stehen fest. Die Jury hat zusammen mit der Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Dr. Birgitta Wolff, am 23. Februar anlässlich einer Festveranstaltung in Frankfurt
Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Prof. Dr. Bernhard Kempen, bezeichnete den Beitrag des 1. Preisträgers Dr. Gerald Wagner als „eine eindringliche Milieustudie, die zu einem Lehrstück über Bildung wird. (…) Bildung setzt Freiräume zur Persönlichkeitsentwicklung voraus, damit sich Selbständigkeit und Kreativität entfalten können. Bildung nimmt dagegen Schaden, wenn sie unter Verwertungsdruck steht und nur noch nach Nützlichkeitserwägungen beurteilt wird. (…) Das alles kann und wird auch Gültigkeit für die Hochschulen beanspruchen, die in erster Linie der Persönlichkeitsbildung der Lehrenden und Lernenden dienen sollen, in Zeiten der Ökonomisierung jedoch zu Wirtschaftsbetrieben und Ausbildungsfabriken degradiert sind. Insofern ist es durchaus folgerichtig, dass sich die Jury darauf verständigt hat, einen im Kern bildungspolitischen Grundsatzartikel mit weit reichenden hochschul- und wissenschaftspolitischen Implikationen auszuzeichnen. (…) Indem er anhand eines Berliner Abendgymnasiums das politische Schlagwort vom „Aufstieg durch Bildung“ zum Thema macht, hat der Autor markante Entwicklungen und Herausforderungen im Bereich von Wissenschafts- und Hochschulpolitik einem breiten Publikum vermittelt.“
„Wer wissenschaftlich forscht, braucht den Segen anderer Forscher des Fachgebiets, um die Ergebnisse publizieren zu können. Peer Review heißt das Verfahren“, heißt es im Radiofeature „Der eine macht, der andere wacht – Peer Review als Qualitätssicherungsverfahren in der Wissenschaft“ von Florian Felix Weyh. Der ehemalige Generalsekretär der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und Jury-Mitglied Prof. Dr. Reinhard Grunwald hob in seiner Laudatio hervor: „Mit dem Peer Review ist es wohl wie mit der Demokratie: nicht ohne Schwächen, aber das Beste, was derzeit zur Verfügung steht. Die Jury war sich einig: Nach Form und Inhalt ist diese Arbeit geradezu ein Musterbeispiel für ein Radiofeature: spannend, lehrreich, ebenso faktenreich wie farbig und unterhaltsam, bestens geeignet, die Aufmerksamkeit eines breiten Publikums für wichtige Themen der Wissenschaft zu gewinnen.“
Die Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD, Prof. Dr. Margret Wintermantel erklärte in ihrer Laudatio zu Bernd Kramers Beitrag „Bestellte Wahrheiten“: „Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht der Forschungsstandort Deutschland eine enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft. Der Beitrag von Bernd Kramer wurde ausgezeichnet, weil er zeigt, wie schwierig die Gratwanderung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist, wenn sie für ihre Forschung Drittmittel aus Unternehmen akquirieren. Er stellt dabei heraus, welche Verantwortung Forscherinnen und Forscher für einen moralisch integeren Umgang mit Drittmitteln übernehmen, denn letztendlich geht nicht nur um die Glaubwürdigkeit ihrer eigenen Forschung. Es geht um die Integrität von Wissenschaft und die internationale Reputation des deutschen Wissenschaftssystem.“
Der Goethe-Medienpreis für Wissenschaft-und politischen Journalismus wird seit 2008 alle zwei Jahre verliehen und ist der einzige Preis seiner Art im deutschsprachigen Raum. Prämiert wird exzellenter Journalismus, der wissenschafts- und hochschulpolitische Entwicklungen und Themen in besonders hintergründiger und anschaulicher Weise aufgreift und damit einem großen Publikum zugänglich macht. Die Bewertung übernimmt eine mit herausragenden Fachleuten besetzte Jury. Bewerben können sich Print-, Online- und Hörfunkjournalisten. Die nächste Ausschreibungsrunde startet im April 2016.
Die Jury besteht aus folgenden Personen:
Sonstige
„Oft werden die einfachsten Regeln nicht beachtet“, kritisiert Prof. Ferdinand Gerlach, Prof. für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität
FRANKFURT. Krankenhäuser mit Aufnahmestopps, überall hustende und niesende Menschen – die Influenzaviren haben Deutschland derzeit fest im Griff – Experten sprechen bereits von der stärksten Grippewelle der letzten Jahre. Und der Höhepunkt soll noch nicht erreicht sein. Wer noch nicht krank ist, fragt sich, wie er sich wirkungsvoll schützen kann. Bei wem die Viren bereits zugeschlagen haben, fragt sich, wie er möglichst rasch wieder gesund wird.
"Die drei wichtigsten Regeln müssen lauten: Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen", erklärt Prof. Ferdinand M. Gerlach, Professor für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universitätt, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin und Vorsitzender des Sachverständigenrats Gesundheit der Bundesregierung. „Das gilt für Kinder wie für Eltern gleichermaßen. Auch wenn wir nicht jeden Infekt vermeiden können, so können wir uns doch vor einigen schützen.“ Der Gesundheitsexperte nennt neben Händewaschen folgende Grundregeln, die das Ansteckungsrisiko vermindern:
Berühren sie so wenig wie möglich Ihre Augen, Ihren Mund oder die Nase mit den eigenen Händen.
Gerlach: „Es sind die einfachen Regeln, die – oft sogar von Beschäftigten im Gesundheitswesen selbst – nicht beachtet werden. Dadurch steigt das Risiko, dass sich Viren – wie gerade jetzt wieder – sprunghaft ausbreiten. Dabei könne jeder durch sein eigenes Verhalten dazu beitragen, dass dieses Risiko sinkt.
Veranstaltungen
Podiumsdiskussion „Klimawandel und Gerechtigkeit“ am Forschungskolleg Humanwissenschaften am 23.2.2015 in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“
FRANKFURT/BAD HOMBURG. „Das Problem des Klimawandels ist von globaler Reichweite. Wir lösen es durch internationale Kooperation oder gar nicht“, so Darrel Moellendorf, Professor für Internationale Politische Theorie am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität. Die bisherigen Abkommen seien zwar unzureichend. Eine Alternative zu Verhandlungen, die auch die Rechte ärmerer Länder und zukünftiger Generationen berücksichtigen, gebe es jedoch nicht. Wie realistisch ist aber eine solche Konsensfindung überhaupt noch? Vor allem auch dieser Frage widmet sich eine Podiumsdiskussion mit Moellendorf und weiteren Experten zum Thema „Klimawandel und Gerechtigkeit“ am Montag, dem 23. Februar, am Forschungskolleg Humanwissenschaften.
Die öffentliche Veranstaltung beginnt um 19.00 Uhr im Tagungsraum des Kolleggebäudes (Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg). Um Anmeldung wird gebeten. Veranstalter sind das Forschungskolleg der Goethe-Universität und der Frankfurter Exzellenzcluster, an den Moellendorf vor rund eineinhalb Jahren von der San Diego State University gewechselt ist. Zuvor war der Philosoph eine Zeitlang Gastwissenschaftler am Bad Homburger Kolleg. Bei diesem Fellowaufenthalt entstanden wesentliche Teile seiner Monographie „The Moral Challenge of Dangerous Climate Change: Values, Poverty, and Policy“ (Cambridge 2014). Eine moralische Herausforderung sieht Moellendorf darin, dass sich eine globale Klimapolitik nicht darauf beschränken dürfe, allein den Klimawandel begrenzen zu wollen; sie müsse zugleich die Bekämpfung der Armut im Blick behalten.
„Ärmere Länder haben einen begründeten Anspruch auf die Steigerung ihres Energieverbrauchs, um der Armut zu entkommen“, sagt Moellendorf und plädiert für eine ausgleichende Gerechtigkeit, bei der reichere Staaten – deren Wohlstand nicht zuletzt mit einer langen Phase der CO2-Prodution verbunden ist – soziale Verantwortung übernehmen. Um auch die Lebenschancen zukünftiger Generationen zu berücksichtigen, sollten die CO2-Emissionen bald stark reduziert und letztendlich gestoppt werden. Moellendorf verweist auf einen Beschluss der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) wonach die Erderwärmung höchstens auf zwei Grad Celsius steigen solle. Nach aktuellen Schätzungen wäre die Zwei-Grad-Erwärmung nach dem Ausstoß von insgesamt einer Billion Tonnen CO2 erreicht. Bisher, vom Beginn der Industrialisierung bis heute, sind etwa 585 Millionen Tonnen in die Atmosphäre gelangt. Bei der gegenwärtigen Emissionsrate würde die billionste Tonne in den ersten Monaten des Jahres 2039 ausgestoßen werden.
Das so genannte „Zwei-Grad-Ziel“ wurde auf dem Weltklimagipfel 2010 offiziell beschlossen. Der kommende Klimagipfel im Dezember 2015 in Paris hat den Anspruch, einen umfassenden Plan zur Schadensminimierung zu verabschieden, der 2020 in Kraft treten soll. Bisher hätte „der Prozess multilateraler internationaler Verhandlungen noch keine hinreichenden Erfolge gezeitigt“, so Moellendorf. Trotzdem sieht er in jüngsten Entwicklungen einen „gewissen Grund zur Hoffnung“. Das Klimaschutzabkommen zwischen China und den USA vom November vergangenen Jahres sei schon deshalb ein Fortschritt, weil es zeige, dass „die zwei größten Emittenten in der Lage sind, sich auf etwas zu einigen“. Ähnlich ermutigend sei die Ankündigung der EU-Staaten zu einer weiteren Emissionsreduktion.
Für den Fall, dass es keine umfassenden und belastbaren Vereinbarungen gebe, hält Moellendorf es für unvermeidlich, dass sich die öffentliche Debatte verstärkt „Vorschlägen zuwenden wird, die noch mehr Besorgnis erregen“. Gemeint ist das so genannte Geo- oder Climate-Engineering, großräumige Eingriffe in die chemischen und biochemischen Kreisläufe der Erde, um sie künstlich abzukühlen. Was wiederum davon zu halten ist, soll ebenfalls bei dem Podiumsgespräch erörtert werden.
Darrel Moellendorf diskutiert in Bad Homburg mit Prof. Konrad Ott, Professor für Philosophie und Ethik der Umwelt an der Christian-Albrechts-Universität Kiel, der von 2000 bis 2008 dem Sachverständigenrat für Umweltfragen angehörte. Hinzu kommt Dr. Hermann E. Ott, Senior Advisor am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und bis 2013 Bundestagsabgeordneter und Mitglied der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“. Die Moderation hat die Klimawissenschaftlerin Dr. Julia Schulz, ehemals Mitarbeiterin des Wuppertal Instituts und des Klimaschutzrates Berlin. Die Einführung und Begrüßung übernehmen Michael Korwisi, Oberbürgermeister der Stadt Bad Homburg, und Prof. Matthias Lutz-Bachmann, Frankfurter Professor für Philosophie und Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften.
Ebenfalls zum Thema Klimawandel ist noch bis zum 15. Mai im Foyer des Forschungskollegs die Fotoausstellung „The Human Face of Climate Change“ des Schweizer Künstlerpaares Mathias Braschler und Monika Fischer zu sehen.
Information: Prof. Darrel Moellendorf, Professur für Internationale Politische Theorie, Sekretariat, Ellen Nieß, Exzellenzcluster Normative Orders, Campus Westend, Tel. (069) 798-31521, ellen.niess@normativeorders.net, www.normativeorders.net
Anmeldung: Um Anmeldung zu der Veranstaltung unter info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de wird gebeten.
Veranstaltungen
Einzige deutschsprachige Auszeichnung für hochschul- und wissenschaftspolitischen Journalismus wird zum vierten Mal verliehen
FRANKFURT. Der Goethe-Medienpreis für wissenschafts- und hochschulpolitischen Journalismus prämiert seit 2008 im Abstand von zwei Jahren herausragenden Journalismus, der sich kritisch und analytisch mit Themen aus Hochschul- und Wissenschaftspolitik auseinandersetzt.
Bei einer Feierstunde am Montag, den 23. Februar 2015, 15 Uhr, im Raum 1.314 im IG Farben-Haus (Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt) werden die drei Preisträger der Ausschreibungsrunde 2014 öffentlich bekannt gegeben und ihre Arbeiten gewürdigt. Als Medienvertreter laden wir Sie ein, an der Feierstunde teilzunehmen.
Es sprechen:
sowie als Mitglieder der Jury und Laudatoren:
Über Ihr Kommen freuen wir uns. Anmeldungen bitte an Helga Ott, E-Mail: ott@pvw.uni-frankfurt.de
Die nächste Ausschreibungsrunde für den Goethe-Medienpreis beginnt im April 2016.
Herzliche Grüße
Dr. Olaf Kaltenborn
Pressesprecher
Goethe-Universität Frankfurt
Veranstaltungen
Fotoausstellung und Podiumsdiskussion des Forschungskollegs Humanwissenschaften und des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt
FRANKFURT / BAD HOMBURG V.D.HÖHE. Je länger die Menschheit wartet, um so aufwendiger und teurer wird ein effektiver Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Dabei ist vor allem die Frage offen, wie die Kosten und die Lasten von Klimaschutz aufgeteilt werden sollen. Solange diese Frage nicht zufriedenstellend beantwortet ist, wird es kein international verbindliches Klimaschutzabkommen geben. Und: Ist ein solches Abkommen nach mehr als 20 Jahren internationaler Klimaschutzverhandlungen überhaupt noch realistisch? Mittlerweile werden immer mehr Stimmen laut, die stattdessen von Vorreiterallianzen außerhalb des internationalen Klimaregimes sprechen. Aber wie sollten solche Allianzen aussehen? Welchen Eintrittspreis, welche Vorteile sollten sie haben? Diese und weitere Fragen rund um das Thema „Klimawandel und Gerechtigkeit“ stehen im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion am 23. Februar 2015, 19:00 Uhr, im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe Universität am Wingertsberg 4 in Bad Homburg.
Eingerahmt wird diese Diskussionsveranstaltung von einer Fotoausstellung des international renommierten Künstlerpaares Mathias Braschler und Monika Fischer mit dem Titel The Human Face of Climate Change. Sie wird am Donnerstag, 19. Februar 2015, 16:30 Uhr, ebenfalls im Forschungskolleg Humanwissenschaften eröffnet.
Die in der Schweiz und New York lebenden Künstler, unter anderem mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet, haben acht Monate lang 16 Länder auf allen Kontinenten bereist und Menschen portraitiert, denen der Klimawandel die Lebensgrundlage entzogen hat. Die Fotos sind keine weitere harte Dokumentation einer Katastrophe und ihrer Opfer. Vielmehr lichten die Fotografen Menschen vor ihrem Lebensumfeld ab und belassen ihnen dabei frontal und leicht von unten fotografiert ihre Würde. In ihrer Schlichtheit und Schärfe sind die Werke eindrücklich und berührend.
Beide Veranstaltungen sind öffentlich. Die Werke der Fotoausstellung werden bis zum 15. Mai 2015 von Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 16 Uhr und auf Anfrage zu sehen sein. Privatpersonen und Schüler können sich für eine der thematischen Führungen durch die Ausstellung anmelden, die noch bekannt gegeben werden.
Die Teilnehmer des Diskussionsabends:
Koordination und Moderation:
Dr. Julia Schultz, Klimawissenschaftlerin aus Bad Homburg und ehemals Mitarbeiterin des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie sowie des Klimaschutzrates Berlin.
Einführung und Begrüßung:
Michael Korwisi, Oberbürgermeister der Stadt Bad Homburg,
Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, Frankfurter Professor für Philosophie und Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt in Bad Homburg.
Anmeldung: Wir bitten um Anmeldung zu den Veranstaltungen unter info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.
Weitere Information: Ingrid Rudolph, Geschäftsführerin, Forschungskolleg Humanwissenschaften, Telefon 06172-13977-10, sowie unter www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de und www.normativeorders.net
Die öffentliche Podiumsdiskussion und Fotoausstellung werden vom Forschungskolleg Humanwissenschaften in Zusammenarbeit mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe Universität Frankfurt durchgeführt. Die Veranstalter danken der Stadt Bad Homburg, den Stadtwerken Bad Homburg und dem Verein POWER für die Förderung.