Forschung
Für Multizentrische Therapieforschungsstudie werden noch Patienten gesucht
FRANKFURT. Soziale Phobie ist einer der häufigsten psychischen Erkrankungen im Jugendalter. Bisher gibt es nur wenige gut untersuchte Therapieverfahren. Aus diesem Grund wird im Rahmen einer großangelegten multizentrischen Therapieforschungsstudie an den Universitäten Heidelberg, Göttingen, München und an der Goethe-Universität Frankfurt ein Wirksamkeitsvergleich zweier Therapieverfahren für das Jugendalter durchgeführt: Das Ziel dieser Vergleichsstudie ist es, herauszufinden, ob für bestimmte Personen mit Sozialer Phobie das eine Verfahren mehr geeignet ist als das andere. Aktuell werden für die großangelegte multizentrische Therapieforschungsstudie noch Patienten gesucht.
Menschen mit einer sozialen Phobie fürchten besonders, dass sie ein demütigendes oder peinliches Verhalten zeigen könnten. Bei einer Konfrontation mit der gefürchteten Situation erleben sie starke Angstreaktionen mit Zittern, Schwitzen und Herzklopfen. Entweder versuchen sie solche Situationen zu meiden oder durchleben sie nur unter erheblicher Belastung. Als Risikofaktoren für die Entwicklung einer sozialen Phobie zählen einerseits genetische Faktoren und Merkmale der Person (Schüchternheit, im Verhalten gehemmter). Die Umgebung spielt jedoch ebenfalls eine Rolle. Insbesondere unangenehme – oder auch traumatisierende – soziale Erfahrungen werden von jedem zweiten Betroffenen berichtet.
Untersuchungen haben gezeigt, dass Jugendliche mit diesen extremen Ängsten ein höheres Risiko dafür zeigen, die Schule früher abzubrechen oder unter ihrem Leistungsniveau zu bleiben. Weiten sich die Ängste noch auf andere Bereiche z.B. in Bezug auf das andere Geschlecht oder auch allgemein auf Gleichaltrige aus, haben die Jugendliche Schwierigkeiten, Freundschaften aufzubauen und erlernen wichtige soziale Rollen nicht. Dies für häufig zu Einsamkeit und Isolation, was häufig zu einer Chronifizierung der Krankheit führt. Ein weiteres Problem ist das hohe Risiko, andere psychische Störungen zu entwickeln – am häufigsten im Jugendalter sind depressive Erkrankungen.
Die Behandlung im Rahmen der Therapieforschungsstudie ist als Einzeltherapie angelegt und umfasst, nach einer Phase der Eingangsdiagnostik, 25 Therapiesitzungen mit dem kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlungskonzept oder dem psychodynamischen Kurzzeittherapiekonzept. In der kognitiven Verhaltenstherapie geht es darum, problematische Gedanken und Verhaltensweisen zu erkennen und aktiv Veränderungen anzustreben, die es mit der Zeit wieder ermöglichen, soziale Situationen gelassener aufzusuchen. In der Theorie der psychodynamischen Psychotherapie entstehen psychische Probleme als Folge ungelöster Konflikte in der Beziehung mit wichtigen anderen Personen. Diese Konflikte sollen in der Therapie verstanden werden und der Umgang mit den sozialen Situationen und die Beziehungen zu anderen verändert werden.
In einer Pilotstudie zur kognitiven Verhaltenstherapie zeigte dieses Behandlungskonzept gute Erfolge in der Behandlung von sozialen Ängsten. Drei Monate nach der Therapie erfüllten nur noch 35% der Patienten die Diagnose einer sozialen Phobie. Insgesamt profitierten alle Patienten von der Behandlung. Die Angst vor sozialen Situationen und die Vermeidung von sozialen Interaktionen ging bei allen Teilnehmern deutlich zurück, so dass die Jugendlichen wieder in der Lage waren soziale Kontakte zu knüpfen und an sozialen Aktivitäten teilzunehmen.
Kontakt und Informationen: Aktuell werden für die großangelegte multizentrische Therapieforschungsstudie noch Patienten gesucht. Interessenten können sich melden unter: MSc. Jihong Lin, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie, Campus Bockenheim, Tel: (069) 798-23981, lin@psych.uni-frankfurt.de
Hochschulpolitische Themen
Beim weltweit erhobenen Ranking liegt die Goethe-Universität in sechs Bereichen unter den besten 100. In Philosophie belegt sie sogar Platz 47
FRANKFURT. Erfreuliches Abschneiden in einem der renommiertesten Universitäts-Ranking: Im QS-Ranking 2013 konnte sich die Goethe-Universität gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessern. In den Bereichen Philosophie, Physik/Astronomie, Wirtschaftswissenschaften, Politik/International Studies und Soziologie steigerte sie sich oder wurde erstmals unter den Besten 200 weltweit gerankt. Im Bereich Philosophie erreichte die Goethe-Universität einen hervorragenden Platz 47. Auf den Plätzen 51-100 liegt sie in den Fächern Pharmazie, Wirtschaftswissenschaften, Recht, Politik/International Studies und Soziologie.
„Wir freuen uns über das gute Abschneiden bei einem der wichtigsten Universitäts-Ranking. Die Goethe-Universität kann ihren Platz unter den deutschen Spitzenunis behaupten“, sagt Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl.
Beim QS-Ranking wurden weltweit fast 3.000 Universitäten auf der Basis von acht Indikatoren verglichen. Schwerpunkte der Wertung waren dabei neben Forschung auch Publikationen und Nobelpreise.
Veranstaltungen
Koen Peeters liest aus seinem Roman: Ein poetisches Mosaik – geprägt von der Liebe zum Land und dem Verdruss über das Schicksal seiner Bewohner
FRANKFURT. Der flämische Autor Koen Peeters liest am Mittwoch (15.5.) um 20.30 Uhr aus seinem einen poetischen Roman „Duizend heuvels“ (deutsch: „Tausend Hügel“) über den Genozid von 1994 in der belgischen und davor deutschen Kolonie Ruanda. Die öffentliche Lesung auf Niederländisch findet im Casino (Raum 1.812) auf dem Campus Westend statt, eine englische Übersetzung liegt für die Zuhörer bereit. Die Veranstaltung wird organisiert vom Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität.
Der 54-jährige, flämische Autor und Anthropologe Koen Peeters hatte bereits zehn Romane veröffentlicht, bevor ihm mit „Duizend heuvels“ etwas Außerordentliches gelang: Statt einer Ansammlung von Gräueltaten hat Peeters ein poetisches Mosaik aus verschiedenen literarischen Gattungen zusammengestellt, das die Liebe des Autors für das Land der „Tausend Hügel“ und sein Verdruss über das Schicksal seiner Bewohner zeigt. „Jeder Mensch sollte ein Land adoptieren“, sagt er in einem Interview. Er hat Ruanda adoptiert. Die Leser erfahren einiges über das Handwerk in dem Land und viel über die schwierige Sprache (das Kiniyarwanda), ihre vielen Redewendungen, den Aufbau des Königshauses, bevor die Europäer kamen und die Bevölkerung in Hutu und Tutsi einteilten. Historische Persönlichkeiten wie Alexis Kagame (1912-1981), ein einheimischer Priester, Ethnologe und Linguist oder der belgische Anthropologe und Architekt, Lode van Pee, der das Nationalmuseum in Butare gebaut hat, tauchen auf neben erfundenen Personen wie der kleine Junge Louis, der im Traum Kinyarwanda lernt.
Erst nachdem der Leser tiefe Einblicke in Land und Leute erhalten hat, wird er nach und nach mit dem Genozid oder 800.000 Toten innerhalb von 100 Tagen konfrontiert. Behutsam, damit die Geschichte nicht zu schwer wird, switcht Peeters dauernd zwischen Traum und Wirklichkeit, Gegenwart und Vergangenheit, Ruanda und dem Brüssel der ruandischen Taxifahrer im Exil, und er wechselt ab mit Auszügen aus den vielen Interviews, die er mit Augenzeugen geführt hat und die am Ende des Buches aufgelistet sind. Die Vorgehensweise erinnert ein wenig an David Van Reybroucks monumentale Geschichte Kongos. Aber Peeters‘ „Tausend Hügel“ ist die kleinere, poetische Variante von Van Reybroucks Geschichtsepos, dafür aber nicht weniger aufschlussreich oder lesenswert.
Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de; www.uni-frankfurt.de/fb/fb10/IDLD/Niederlaendische_Sprache_Literatur_Kultur/index.html
Veranstaltungen
„Kantorowicz Lectures in Political Language“: Prof. Stephen Greenblatt spricht im Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften
FRANKFURT. Die „Kantorowicz Lectures in Political Language“, die das Frankfurter Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften in diesem Jahr mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen veranstaltet, werden mit einem öffentlichen Vortrag von Stephen Greenblatt, Professor of English and American Literature an der Harvard Universität, Cambridge, MA., fortgesetzt:
am: Mittwoch, dem 15. Mai, um 18 Uhr,
Ort: Casino, Raum 1.801, Campus Westend, Grüneburgplatz 1
Thema Lucretius and the Toleration of Intolerable Ideas
Für alle, auch die tolerantesten Denker des Mittelalters und der Renaissance, hört die Toleranz beim Materialismus auf. Selbst für Autoren wie John Locke waren materialistische Ideen – das Leugnen Gottes, der Schöpfung und des Endgerichts – absolut nicht akzeptabel. Nur in sehr kleinen Enklaven und nur bemäntelt oder verkleidet wurden diese untolerierbaren Ideen geduldet; und nur deshalb wissen wir heute noch davon.
Stephen Greenblatt sucht nach den Überlebenswegen des nicht tolerierbaren Denkens und findet die Antwort insbesondere in der Kunst. Seit der Wiederentdeckung von Lukrez’ berühmtem Gedicht „Von der Natur der Dinge“ im Jahr 1417 scheint in vielen Kunstwerken – bei Botticelli, Spenser oder Montaigne – das Interesse am antiken materialistischen Denken auf. So entwickelte sich eine Parallelexistenz im Ästhetischen, die half, dieses Denken in die Moderne zu retten.
Greenblatt wurde für sein Buch „The Swerve. How the World Became Modern“ (deutsch: „Die Wende. Wie die Renaissance begann“) 2011 in der Sparte Nonfiction mit dem National Book Prize Award und 2012 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. In diesem Buch führt er die Leser an diese Zeitenwende zwischen dem Ende des Mittelalters und dem Beginn der Renaissance. Er folgt den Spuren von Lukrez' antiken Text, der das Denken der Menschen radikal veränderte und die damalige Welt in ihren Grundfesten erschütterte. Denn der antike Text mit seinen unerhörten Gedanken über die Natur der Dinge eröffnet den Menschen des ausgehenden Mittelalters neue Horizonte, befeuert die beginnende Renaissance und bildet die Basis unserer modernen Weltsicht.
Informationen: Dr. Falk Müller, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798-32411, falk.mueller@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org; Prof. Bernhard Jussen, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel.: 069/798-32427, E-Mail: jussen@em.uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Frankfurter Bürger-Universität schaut Vincent Klink in den Kochtopf
FRANKFURT. Vincent Klink gilt als Intellektueller unter Deutschlands Sterneköchen. Klink, 64, schreibt Bücher, vertreibt eine Küchenzeitschrift, macht die Kochsendung "ARD Buffet" - und serviert in seinem Stuttgarter Restaurant „Lebensmittel für Hirn und Wanst“.
Sein Werdegang ist Teil der vom Soziologen Prof. Tilman Allert erdachten Vortragsreihe: „Deutsche Biografien - Wie wir wurden, wer wir sind“. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten deutscher Sozial- und Kulturgeschichte vor.
Stellvertretend für eine ganze Nation werden so auch die individuellen Voraussetzungen Vincent Klinks, als einer der wichtigsten kulinarischen Erzieher der Deutschen. Dabei erscheint der Koch als eine der zentralen Figuren der Kultivierung des deutschen Lebensstils.
Den Vortrag über Klink wird der Historiker und Leiter des Archivs der Goethe-Universität halten, Dr. Michael Maaser, der zudem auch Vorstandsmitglied der Deutschen Akademie für Kulinaristik ist. Die Akademie ist eine Gemeinschaft und ein Netzwerk aus Köchen, Gastronomen, Erzeugern und Wissenschaftlern, die sich regelmäßig über Ess- und Trinkkultur sowie Gastlichkeit austauschen. In diesem Zusammenhang konnte sich Maaser bereits intensiv mit dem kulinarischen Schaffen Klinks beschäftigen.
„Häuptling eigener Herd“ – Vincent Klink
Referent: Dr. Michael Maaser
am: Montag, 6. Mai 2013, um 19.30 Uhr,
Ort: Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt
Die Veranstaltung wird zusätzlich auch als Live-Stream angeboten und ist über www.buerger.uni-frankfurt.de abrufbar.
Weitere Vorträge:
27. Mai 2013
Melanie Mühl
Frank Elstner
Der Chronist des Samstagabends
10. Juni 2013
Prof. Tilman Allert
Alice Schwarzer
Kampf gegen die weibliche Ohnmacht
24. Juni 2013
Prof. Regine Prange
Gerhard Richter
„Meine Bilder sind klüger als ich“
8. Juli 2013
Stefan Lukschy
Loriot
„Sagen Sie jetzt bitte nichts“
Beginn jeweils um 19.30 Uhr/ Eintritt frei
Anfahrt: www.stadtbuecherei.frankfurt.de
Das komplette Programm der 9. Frankfurter Bürger-Uni: www.buerger.uni-frankfurt.de