Personalia/Preise
Prof. Julika Griem auf der Jahresversammlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Vizepräsidentin gewählt.
FRANKFURT. Die Mitgliederversammlung der DFG hat am 6. Juli auf ihrer Sitzung im Rahmen der DFG-Jahresversammlung in Mainz die Literaturwissenschaftlerin Prof. Julika Griem in das Präsidium der größten Forschungsförderorganisation und zentralen Selbstverwaltungsorganisation für die Wissenschaft in Deutschland gewählt. Gemeinsam mit dem Präsidenten entwickelt das Präsidium die strategisch-konzeptionelle Ausrichtung der DFG. Griem folgt auf den Münsteraner Althistoriker Prof. Peter Funke.
Die Professorin für Anglistische Literaturwissenschaft an der Goethe-Universität engagiert sich seit 2012 als Mitglied im Auswahlausschuss des Heinz Maier-Leibnitz-Preises der DFG und seit 2015 als DFG-Fachkollegiatin für die Literaturwissenschaft. In der Strategiekommission des Wissenschaftsrates und der Gemeinsamen Kommission sowie dem Bewilligungsausschuss zur Exzellenzinitiative der DFG ist Griem seit 2014 Mitglied. Seit März 2016 leitet sie das von der VolkswagenStiftung geförderte Promotionskolleg „Schreibszene Frankfurt“ an der Goethe-Universität.
Weitere Informationen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG, Tel. (228) 885-2109, presse@dfg.de.
Pressemitteilung zum neuen DFG-Präsidium: http://dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/2016/pressemitteilung_nr_30/index.html
Personalia/Preise
Sportmediziner berät zu Bewegung und Sport bei Zuckerkrankheit
FRANKFURT.Prof. Winfried Banzer, Leiter der Abteilung Sportmedizin an der Goethe-Universität, ist vom Robert Koch-Institut in den neuen wissenschaftlichen Beirat der „Nationalen Diabetes-Surveillance“ berufen worden. Ziel dieser Einrichtung ist es, die Entwicklung von Diabetes in Deutschland in Bezug auf Krankheitsgeschehen, Folgen, Risikoentwicklung, Versorgungssituation und Präventionspotential zu überwachen.
„Ich freue mich über den Ruf in den wissenschaftlichen Beirat und die Initiative des Robert Koch-Institutes“, so der Sportmediziner. „In Deutschland ist schätzungsweise jeder 13. Bürger an Diabetes erkrankt. Doch viele wissen nicht, dass sie durch Bewegung und Sport einen positiven Effekt auf Diabetes erzielen können.“
Banzer bringt seine langjährige Beratungskompetenz und Erfahrung aus anderen Gesundheitskommissionen ein. Er ist im „Steering Committee of the European Network for the promotion of health enhancing physical activit“ (HEPA/WHO), Vorstand der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V., Mitglied der Gesundheitskommission des Deutschen Olympischen Sportbundes sowie Gesundheitsbeauftragter des Landessportbundes Hessen.
Der wissenschaftliche Beirat setzt sich aus 20 Vertreterinnen und Vertretern der Bereiche Epidemiologie, Versorgungsforschung, Gesundheitsberichterstattung, Qualitätssicherung, Gesundheitsförderung, Öffentlichkeitsarbeit und Patientenselbsthilfe zusammen. Das Robert Koch-Institut ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und –prävention. Der Präsident des Robert Koch-Institutes beruft den wissenschaftlichen Beirat im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Gesundheit für maximal vier Jahre ein. Die konstituierende Beiratssitzung wird am 21. September 2016 am Robert Koch-Institut in Berlin stattfinden.
Informationen: Prof. Dr. Dr. Winfried Banzer, Institut für Sportwissenschaften, Campus Ginnheim, Tel.: (069) 798- 24543, winfried.banzer@sport.uni-frankfurt.de.
Forschung
Über das Verhältnis von käuflichen Dingen und religiösen Praktiken – Beitrag in der soeben erschienenen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“
FRANKFURT.Apples iPhone wurde bei seiner Markteinführung in den USA „Jesus-Phone“ genannt, sein spiritueller Vater Steve Jobs galt sogar als „iGod“, die Flagship-Stores dieser und anderer Firmen laden als „Tempel des Konsums“ zur käuflichen Einkehr ein. Der Tanz um das goldene Kalb scheint ein grundlegendes Bewegungsmuster unserer Zeit zu sein. Und ist es wirklich so, dass der Konsum eine „Ersatzreligion“ ist und das Shoppen eine „quasi-religiöse“ Handlung? Diesen Fragen geht der Journalist Bernd Frye in seinem Beitrag für die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ nach. Anregungen und Anschauungsmaterial lieferte ihm dabei auch das Forschungsprojekt „Konsumästhetik – Formen des Umgangs mit käuflichen Dingen“ unter maßgeblicher Beteiligung der Goethe-Universität.
Gegen Ende ihrer Laufzeit präsentierten sich die Forschungen zur Konsumästhetik im Frühjahr und Sommer vergangenen Jahres der Öffentlichkeit mit einer Ausstellung im Museum Angewandte Kunst. Sie hieß „Hamster – Hipster – Handy“ und stellte das Smartphone pars pro toto für den Umgang mit käuflichen Dingen in den Mittelpunkt. „Das Handy ist ein Schlüsselobjekt des 21. Jahrhunderts. Es ist sowohl ein Kultur- als auch ein Kultgegenstand“, sagt Birgit Richard, Professorin für Neue Medien am Institut für Kunstpädagogik der Goethe-Universität und eine der Kuratorinnen der Ausstellung mit dem Untertitel „Im Bann des Mobiltelefons“. Das Smartphone präsentiere sich als ein „verehrter Gegenstand, eine Reliquie, der Mensch huldigt dem ‚heiligen’ Leuchten des Displays“, heißt es auch im Ausstellungskatalog. Das wissenschaftliche Projekt, das in Einzelaspekten noch fortgeführt wird, galt nicht explizit dem Verhältnis von Konsum und Religion. Es ist aber verblüffend, wie viele Bezüge zutage traten.
Heinz Drügh, Professor für Neuere Deutsche Literatur und Ästhetik an der Goethe-Universität, leitete ein Teilprojekt des interdisziplinären Forschungsverbunds. Dabei ging es um „Künstlerische Verhandlungsformen des Konsums“, also auch um die Frage, wie käufliche Dinge und der Umgang mit ihnen als Motiv von der Kunst aufgenommen, dargestellt und gedeutet werden. Als Ertrag seiner Forschungen erschien Ende vergangenen Jahres die Studie „Ästhetik des Supermarkts“, die auch grundlegende Einblicke in die geistes- und kulturwissenschaftliche Beschäftigung mit unserem Verhältnis zu käuflichen Dingen gibt. Drügh zeigt, wie schon in Zolas Warenhaus-Roman „Das Paradies der Damen“ das religiöse Sprachregister bemüht wurde – und übrigens auch das erotische. Zola beschrieb schon vor 130 Jahren: die ersten Warenhäuser erinnerten an „Kathedralen“, in denen auf „Altären“ die Waren, zum Beispiel der „Kult des Weiß“ der Damenwäsche, feilgeboten wurden. Für unser Verhältnis zu den Waren und dessen kultische Konnotationen sieht er unter anderem bei dem US-amerikanischen Kulturanthropologen Igor Kopytoff aufschlussreiche Erklärungsansätze.
So spricht Kopytoff von Techniken und Praktiken der „Singularisierung“, mit denen massenhaft hergestellte Objekte wieder als etwas Besonders ausgezeichnet werden. Bei indigenen Völkern, so Kopytoff, sei es den Schamanen vorbehalten, eigentlich alltäglichen Dingen Eigenschaften des Heiligen oder transzendente Bezüge zu verleihen. „Bedeutung hat, was individuell als sinnvoll und tragfähig erlebt wird. Der Glaube kann Berge versetzen – das gilt sicher heute auch für eine Marke“, sagt auch der Würzburger Theologie-Professor Hans-Georg Ziebertz, der sich gleichzeitig überzeugt zeigt, dass „zwischen Markenerlösung und Erlösung durch den Zuspruch Gottes langfristig ein qualitativer Unterschied bemerkbar“ sei. Trotz mancher struktureller Übereinstimmungen zwischen Konsum und Religion spricht sich Wolfgang Ullrich, der von Seiten der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe an dem Konsumästhetik-Projekt beteiligt war, dagegen aus, den Konsum als Ersatzreligion zu bezeichnen. Die Bedeutung der Vokabel sei „diffus“, und im Umgang mit dem Warenpluralismus könne auch eine eigene Kulturtechnik erkannt werden.
Und noch eine weitere These scheint bei näherer Betrachtung Schwachpunkte zu zeigen – nämlich die, dass Konsumhandlungen „quasi-religiöse“ Handlungen seien und Menschen in ihnen neue identitäts- und gemeinschaftsstiftende Inhalte suchten, weil Sozialformen wie die Kirche vermeintlich an Bedeutung verloren hätten. Als ausgemacht könne zwar gelten, dass „der Konsum über die notwendige Versorgung hinaus eine veränderte Rolle spielt“, sagt der Jesuit Michael Sievernich, emeritierter Professor für Pastoraltheologie an der Universität Mainz und ehemaliger Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Da aber „der Zusammenhang, gar ein kausaler, kaum empirisch herzustellen“ sei, bleibe der interpretatorische Zugriff ambivalent, zumal wenn er auf eine Kategorie des Quasi-Religiösen zurückgreife, die noch klärungsbedürftiger sei als das Religiöse selbst.
In der neuen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ gibt es zudem ein ausführliches Interview mit Michael Sievernich. Hier lautet das Thema „Von ‚Glaubens-Shoppern‘ und ‚Religions-Komponisten’ - Der moderne Mensch und seine spirituelle Suche“.
Informationen: Prof. Dr. Birgit Richard, Professur für Neue Medien am Institut für Kunstpädagogik, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 28406, E-Mail: PROFRICHAR@aol.com; Prof. Dr. Heinz Drügh, Professur für Neuere Deutsche Literatur und Ästhetik, Tel. (069) 798 32860, E-Mail: Druegh@lingua.uni-frankfurt.de; Bernd Frye, Tel. 0177-7222719, E-Mail: bernd.frye@me.com
Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht die Ausgabe „Gott und die Welt“ unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.
Veranstaltungen
Fünf Projekte rund um das Thema Mobilität
FRANKFURT.„Mobilität - bewegt kluge Köpfe“ ist das Thema des neuen Projekts „GoetheLab“, das Oberstufenschülern in der Woche vom 11.-14. Juli 2016 die Gelegenheit gibt, ein Thema aus verschiedenen fachlichen Perspektiven zu erschließen. Für die interdisziplinäre Schülerlaborwoche kooperieren Naturwissenschaften (Chemie, Physik und Biologie) mit Gesellschaftswissenschaften (Geographie und Soziologie), Kunst und Sportwissenschaft.
Nach einer gemeinsamen Einführung teilen sich die Schüler in den folgenden Tagen in Gruppen auf und beschäftigen sich jeweils einen Tag lang mit einer speziellen Fragestellung und Thematik. Fünf verschiedene Teilprojekte werden angeboten: „Biomechanik – Wie bewegt sich der Mensch?“, „Stadtgrün – wohin geht’s?“, „E-Mobilität – Autos an die Steckdose“, „Biotreibstoffe – Vom Feld in den Tank“, „Datenmobilität und Crowdsourcing - (Geo)Informatik und Gesellschaft in fachübergreifender Perspektive“.
Ziel des GoetheLab ist es, die Schüler an die Arbeits- und Herangehensweisen verschiedener Disziplinen heranzuführen und ihnen somit von Anfang an die Idee moderner Wissenschaftsorganisation zu vermitteln. Die Oberstufenschüler haben während dieser Woche zudem Gelegenheit, das Universitätsleben kennenzulernen.
Die Begrüßungsveranstaltung findet am Montag von 10 bis 15 Uhr auf dem Campus Riedberg statt. Die weiteren Labortage finden am Campus Riedberg sowie auf dem Campus Westend zwischen 9 und 16 Uhr statt.
Pressevertreter sind herzlich eingeladen, das GoetheLab während der interdisziplinären Schülerlaborwoche kennenzulernen. Um Anmeldung wird gebeten bei Tamara Postelt unter postelt@em.uni-frankfurt.de.
Informationen: Tamara Postelt, Institut für Humangeographie, Geographiedidaktik,
Campus Westend, Tel. (069) 798 35150, postelt@em.uni-frankfurt.de
Nicola Felka, Didaktik der Biowissenschaften, Campus, Tel.: (069) 798 42274, felka@bio.uni-frankfurt.de
Forschung
Ausbreitung von Pflanzen und Tieren zwischen Indien und Eurasien
FRANKFURT.Die heutige Artenvielfalt ist insbesondere das Ergebnis des Austauschs von Tier- und Pflanzenarten zwischen Regionen, die zuvor in der Erdgeschichte lange voneinander isoliert waren. So wanderten Arten zwischen Nord- und Südamerika, als sich der Isthmus von Panama im Neogen schloss. Doch wie verläuft eine solche Einwanderung von Arten über Jahrmillionen hinweg in ihr neues Territorium? Ein Forscherteam der Goethe Universität hat die zeitliche Dynamik dieses Prozesses am Beispiel des Artenaustausch zwischen Indien und Südostasien erstmals untersucht.
Der Artenaustausch begann vor ungefähr 55 bis 35 Millionen Jahren, als der indische Subkontinent mit Eurasien zusammenstieß. Das Team um Privatdozent Dr. Sebastian Klaus hat die Wanderung von Pflanzen, Fischen, Amphibien, Gliederfüßern, Reptilien, Vögeln und Säugetieren auf beiden Kontinenten über einen Zeitraum von 70 Millionen Jahren auf beiden Kontinenten anhand von Stammbäumen der Tier- und Pflanzenarten rekonstruiert. Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe von „Nature Communications“ berichten, war der Artenaustausch kein kontinuierlicher Prozess, sondern durch Phasen von beschleunigtem, stagnierendem oder abnehmendem Artenaustausch bestimmt.
„Sehr wahrscheinlich spielte das Klima hier eine entscheidende Rolle“, vermutet Sebastian Klaus von der Abteilung Ökologie und Evolution. „Vor 15 Millionen Jahren kam es zu einem massiven Zustrom asiatischer Arten auf den indischen Subkontinent, als sich ein Regenwaldgürtel von Südostasien nach Nordindien ausbreitete. In den letzten zehn Millionen Jahren nahm der Austausch dann stetig ab, weil das Klima in Nordindien immer trockener wurde.“
Publikation: Sebastian Klaus, Robert J. Morley, Martin Plath, Ya-Ping Zhang & Jia-Tang Li (2016) Biotic interchange between the Indian subcontinent and mainland Asia through time. Nature Communications 7:12132 (DOI: 10.1038/ncomms12132)
Informationen: Privatdozent Dr. Sebastian Klaus, Abteilung Ökologie und Evolution, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42173, klaus@bio.uni-frankfurt.de.