Archiv Pressemitteilungen | 2012 bis 2017

Forschung

Mai 12 2014
11:49

Etherlipide künftig nicht mehr aus Haifischlebern gewinnen

Ungewöhnliche Fette aus Bodenbakterien

FRANKFURT. Bakterien können ungewöhnliche Lipide (Fette) bilden, die auch in höheren Lebewesen vorkommen. Wie sie das machen, hat eine Gruppe von Biotechnologen an der Goethe-Universität am Beispiel der Etherlipide aus Bodenbakterien aufgeklärt. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Chemical Biology“ berichten sie, dass diese Lipide eine wichtige Rolle bei der Kommunikation der Bakterien spielen. Die Aufklärung der Biosynthese eröffnet zudem Wege zu ihrer biotechnologischen Herstellung. Bisher werden sie zu großen Teilen aus der Leber von Haien gewonnen.

Lipide oder allgemein Fette und Öle werden nicht nur beim Kochen benötigt, sie sind auch wichtige Inhaltsstoffe von Salben oder Kosmetika. Daneben kommen sie in praktisch allen Zellen vor, egal ob es sich um dabei um menschliche, tierische, pflanzliche oder bakterielle Zellen handelt. Sie dienen als Energiespeicher, halten die Zellmembran flexibel und fungieren teilweise auch als Signalmoleküle.

Eine ungewöhnliche Klasse von Lipiden sind die Etherlipide, die im Menschen eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung spielen. Auch Bakterien können diese Lipide herstellen, aber erst kürzlich ist es der Arbeitsgruppe von Prof. Helge Bode gelungen, Etherlipide aus Myxobakterien zu beschreiben, die Gene für ihre Bildung zu finden und die verantwortlichen Enzyme zu charakterisieren.

Myxobakterien kommen überall im Boden vor. Sie können Fruchtkörper mit bis zu 0,3 Millimeter Höhe aufbauen, ähnlich denen von Pilzen. Damit stellen diese Bakterien ein einfaches Modell für Vielzeller dar. „Wollten Menschen die Baukünste der Myxobakterien nachahmen, müssten sie nur mit Spucke, ein paar Seilen und Muskelkraft eine menschliche Pyramide von 200 Metern Höhe aufbauen“, erklärt Bode. Offenbar helfen den Bakterien Etherlipide bei der Kommunikation und damit auch der Koordination des „Turmbaus“, wie Wolfram Lorenzen, Tilman Ahrendt, Kenan Bozhüyük aus der Arbeitsgruppe von Bode berichten.

Bode, der Merck-Stiftungsprofessur für Molekulare Biotechnologie an der Goethe-Universität ist, verfolgt mit seiner Arbeit auch praktische Ziele. Gelingt es, Etherlipide künftig in großen Mengen auf biotechnologischem Weg in Bakterien herzustellen, wäre dies eine „Hai-freundlichere“ und somit nachhaltigere Methode, sie für die kosmetische und pharmazeutische Industrie verfügbar zu machen.

Publikation: Wolfram Lorenzen, Tilman Ahrendt, Kenan AJ Bozhüyük und Helge B Bode: A multifunctional enzyme is involved in bacterial ether lipid biosynthesis, in: Nature Chemical Biology, online-Publikation: 11. Mai 2014, doi: 10.1038/nchembio.1526

Ein Bild zum Download finden Sie: hier.

Bildtext: Fruchtkörper des Myxobakteriums Stigmatella aurantiaca auf einer Agarplatte.

Copyright: Dr. Roland Garcia und Prof. Dr. Rolf Müller, Helmholtz Institut für Pharmazeutische Forschung, Saarbrücken.

Informationen: Prof. Dr. Helge B. Bode, Merck-Stiftungsprofessur für Molekulare Biotechnologie, Institut für Molekulare Biowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798- 29557, h.bode@bio.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Mai 12 2014
11:28

Neu in der Biographienreihe der Goethe-Universität: Fritz Neumark – Friedrich Dessauer – Henry Oswalt – Franz Oppenheimer – Max Horkheimer – Ernst Kantorowicz – Leo Frobenius

Zwölf Porträts von Gründern, Gönnern und Gelehrten jetzt im Jubiläumsschuber

EINLADUNG ZUR PRÄSENTATION WEITERER BIOGRAPHIEN-BÄNDE

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Goethe-Universität nimmt ihren 100. Geburtstag zum Anlass, sich herausragender Persönlichkeiten in ihrer Geschichte zu erinnern. In der im Frankfurter Societäts-Verlag erscheinenden Biographienreihe „Gründer, Gönner und Gelehrte“ werden Persönlichkeiten der Gründerjahre der Universität vor und nach 1914 ebenso wie die Generation des Wiederaufbaus nach 1945, aber auch Vordenker und Akteure der bildungsbewegten 1960er und 1970er Jahre porträtiert.

Nun sind seit der letzten Präsentation vor einem Jahr sieben weitere Bände erschienen – und zwar zu: Fritz Neumark, Finanzpolitiker und Politikberater – Friedrich Dessauer, Röntgenpionier, Biophysiker und Demokrat – Henry Oswalt, Bildungsbürger und Mäzen – Franz Oppenheimer, Ökonom und Soziologe der ersten Stunde – Max Horkheimer, Begründer der „Frankfurter Schule“ – Ernst Kantorowicz, Historiker und Anhänger Stefan Georges – Leo Frobenius, Afrikaforscher, Ethnologe, Abenteurer. Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl möchte die Gelegenheit nutzen, Ihnen den Jubiläumsschuber mit den zwölf bisher erschienenen Bänden vorzustellen und Sie zu einer Diskussion mit den Autoren der neueren Bände einzuladen. Diese sieben Biographien geben einen hervorragenden Eindruck von der intellektuellen und wissenschaftlichen Vielfalt, die die Universität in ihrer frühen Phase bis 1933 prägte, aber auch über das Engagement der Remigranten, die sich nach dem Zweiten Krieg vehement für den Wiederaufbau einer liberalen Universität stark machten. In ihren Lebensbildern spiegelt sich zugleich die wechselvolle deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert.

Dieses Treffen bietet die Chance zum Gespräch zwischen Historikern, Autoren, Förderern, Journalisten, Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats und Vertretern des Societäts-Verlags. Wir laden Sie herzlich ein zu der Diskussion bei einem zweiten Frühstück

am:     Mittwoch, den 21. Mai 2014, um 11.00 Uhr
Ort:     Campus Westend, Casino, erster Stock, Raum 1.802, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main

Bitte teilen Sie uns bis 15. Mai (Donnerstag) mit, ob wir mit Ihrer Teilnahme rechnen dürfen. Mails bitte an: susanne.schwarz@em.uni-frankfurt.de

Mit besten Grüßen
Ulrike Jaspers
Referentin für Wissenschaftskommunikation

Dr. Kerstin Schulmeyer-Ahl
Koordinatorin des Projektes „Biographienreihe – Gründer, Gönner und Gelehrte“

Veranstaltungen

Mai 9 2014
16:14

Eröffnungsfeier im PEG-Gebäude auf dem Campus Westend

Virtuelle Ausstellung: Frankfurter Literaturwissenschaftler, 1914-1945

FRANKFURT. Wer waren die Literaturwissenschaftler, die bei der Gründung 1914 an die Universität Frankfurt berufen wurden, die das akademische Leben der Stadt Frankfurt in der Weimarer Republik mitprägten, die nach 1933 in Frankfurt weiterhin Literaturwissenschaft betrieben oder die vertrieben wurden? Eine virtuelle Ausstellung von Studierenden der Goethe-Universität gibt darüber Auskunft; eröffnet wird sie am Mittwoch (14. Mai) um 19 Uhr im PEG-Gebäude (Raum 1.G 135) auf dem Campus Westend.

Das interdisziplinäre Lehrforschungsseminar am Fachbereich Neuere Philologien hat sich anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Universität mit deren eigener Geschichte und einigen herausragenden Köpfen beschäftigt. Die Studierenden rekonstruierten im Rahmen des Seminars einzelne Forscherbiografien z.B. mithilfe des Universitätsarchivs, der Bestände der Universitätsbibliothek oder digital zur Verfügung stehender Medien und erstellten insgesamt 20 detaillierte Porträts, in denen u.a. einzelne Aspekte der intellektuellen Biografien in kürzeren Essays beleuchtet werden. Die Ergebnisse präsentiert nun die virtuelle Ausstellung „Frankfurter Literaturwissenschaftler, 1914-1945“. Sie wurde von Studierenden der Romanistik, Germanistik und Anglistik, moderiert von Dr. Frank Estelmann und Privatdozent Dr. Bernd Zegowitz, in der Zeit zwischen April 2013 und Februar 2014 erarbeitet.

Die Ausstellung zeigt erstmals einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Literaturwissenschaften in Frankfurt und macht dabei eine Reihe von wenig bekannten Querverbindungen sichtbar: So hatte beispielsweise die Literatursoziologie mit Leo Löwenthal einen ihrer entscheidenden Ursprünge an der Universität Frankfurt. Löwenthal ist eher bekannt als Mitarbeiter am Institut für Sozialforschung, doch er war gleichermaßen Literaturwissenschaftler und Soziologe, auch er musste 1933 in die USA emigrieren, wo er ab 1955 an der Universität in Berkeley als Soziologe forschte und lehrte. Die Ausstellung setzt sich zusammen aus detaillierten Porträts einzelner Wissenschaftler der Universität Frankfurt wie Löwenthal, Max Kommerell, der als Begründer der Komparatistik, der vergleichenden Literaturwissenschaften, gilt, Matthias Friedwagner, der institutionell die Grundlagen für eine moderne Romanistik an der Universität Frankfurt legte, oder Julius Petersen. Petersen startete seine Professoren-Karriere während des Ersten Weltkriegs unter schwierigsten Bedingungen, musste auch zum Fronteinsatz und wurde erst in den 1920er Jahren in Berlin zu einem der wichtigsten Germanisten seiner Zeit.

Das Lehrforschungsseminar wurde gefördert durch Mittel aus dem Programm „Starker Start ins Studium“, die Ausstellung aus den zentralen Mitteln für das Jubiläum.

Die virtuelle Ausstellung ist vom 19. Mai 2014 an zu sehen unter: http://use.uni-frankfurt.de/literaturwissenschaftler/

Informationen: PD Dr. Bernd Zegowitz, Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik, Fachbereich Neuere Philologien, zegowitz@lingua.uni-frankfurt.de. Tel.: 069/798-32693

Personalia/Preise

Mai 9 2014
16:13

Wirtschaftsstudent gewinnt Preis für innovatives Start-up. Unterstützung vom Gründerzentrum Goethe-Unibator.

Frankfurter Gründerpreis für Studierenden der Goethe-Universität

FRANKFURT. Sven Junglas, Student der Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität, hat beim diesjährigen Frankfurter Gründerpreis den ersten Platz gewonnen. Mit seinem Start-up „MeinUnternehmensfilm“ (www.meinunternehmensfilm.de), das Erklärvideos für Unternehmen produziert, konnte er die Juroren überzeugen. 40 Unternehmen hatten sich in diesem Jahr um den Frankfurter Gründerpreis beworben. Der erste Platz ist mit 12.500 Euro dotiert.

Junglas wurde von einem Team des Goethe-Unibator, dem Gründerzentrum an der Universität, bei der Entwicklung des Start-up unterstützt. Die Idee: Auch kleinere Unternehmen können sich mit einem erschwinglichen, aber hochwertigen Erklärvideo  präsentieren. 2013 konnte Junglas den ersten Kunden gewinnen und erreichte noch im selben Jahr die Gewinnzone.

Zum Frankfurter Gründerpreis: Der Gründerwettbewerb der Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH will durch die Auszeichnung erfolgreicher Gründungen Mut zur Selbständigkeit machen und junge Unternehmen in Frankfurt am Main unterstützen. Prämiert werden drei herausragende Existenzgründungen. Der Wettbewerb ist offen für Frankfurter Unternehmen, die im Jahr 2013 gegründet wurden oder ihre Geschäftstätigkeit (Marketing mit Verkauf an die Kunden) aufgenommen haben.

Informationen zum Goethe-Unibator: www.goetheunibator.de

Hochschulpolitische Themen

Mai 9 2014
12:01

John B. Emerson traf sich mit Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl zum Meinungsaustausch und stellte sich Fragen von Studierenden und Professoren

Amerikanischer Botschafter besucht Goethe-Universität

FRANKFURT. Als John B. Emerson, der amerikanische Botschafter mit deutschen Wurzeln, den Eisenhower-Raum der Frankfurter Goethe-Universität betrat, wurde es plötzlich ganz still. Der höchste Repräsentant der amerikanischen Regierung in Deutschland hatte sich bewusst die Goethe-Universität anlässlich des 69. Jahrestages des Weltkriegsendes für eine Diskussionsveranstaltung mit Studierenden und Lehrenden ausgesucht (8. Mai 2014). Zurückgekehrt vom Treffen zwischen US-Präsident Barack Obama und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel konnte er noch frische Eindrücke der hochrangigen Begegnung beisteuern.

In einem 20-minütigen Impulsreferat beschwor er nicht nur die deutsch-amerikanische Wertegemeinschaft, sondern schlug durchaus auch selbstkritische Töne an: „Wir teilen dieselben Werte.“ Aber es gebe neben vielen Übereinstimmungen derzeit zwischen den USA, Deutschland und Europa auch eine ganze Reihe diskussionswürdiger Punkte. Zu den transatlantischen Problemzonen zählt Emerson, dessen Vater u.a. beim Frankfurter Religionsphilosophen und Theologen Paul Tillich studierte, vor allem die NSA-Krise, unterschiedliche Auffassungen beim Klimawandel, die Waffen-Liebe der Amerikaner und die deutsche Verwunderung über die regelmäßig wiederkehrenden Haushaltskrisen durch die Selbstblockade des politischen Systems (Government Shutdown). Emerson hob die gestiegene Bedeutung Deutschlands in Europa und der Welt hervor. Mit Blick auf das Ende des Zweiten Weltkrieges von 69 Jahren sagte er: „Es ist großartig zu sehen, wo wir von 69 Jahren waren und wo wir heute angekommen sind.“ Auf die Frage eines Studenten aus dem Publikum, wie man den studentischen Austausch aus den USA nach Deutschland noch intensivieren könne, versprach Emerson, sich verstärkt für dieses Anliegen einzusetzen. Zuvor hatte sich Emerson mit Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl zu einem 90-minütigen Meinungsaustausch getroffen.