Archiv Pressemitteilungen | 2012 bis 2017

Forschung

Dez 14 2015
10:38

Über die Funktion der Inneren Uhr und die Zusammenhänge von Licht und seelischen Erkrankungen

Warnleuchte: Warum die Nutzung von Smartphone und Laptops am Abend für ADHS-Patienten riskant ist

FRANKFURT.Unsere biologische Uhr muss täglich neu gestellt werden, um den  inneren Rhythmus von ungefähr 24 Stunden mit dem Rhythmus der Außenwelt zu synchronisieren. Licht spielt in diesem komplexen Prozess eine besondere Rolle. Ist die Innere Uhr falsch getaktet, kann dies gravierende Folgen haben: Schlaf- und Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmungen, aber auch Veränderungen des Immunsystems sowie vermehrter Konsum von Genussmitteln. Über die Funktion der Inneren Uhr berichtet in der soeben erschienenen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins der Goethe-Universität „Forschung Frankfurt“ der Neurobiologe Prof. Dr. Horst-Werner Korf, während sich die Psychiater Prof. Andreas Reif und Dr. Christine Reif-Leonhard in ihrem Beitrag mit den Zusammenhängen zwischen Licht und seelischen Erkrankungen beschäftigen.

Lichtreize, welche die Innere Uhr takten, werden in erster Linie von circadianen Photorezeptoren wahrgenommen, die den Sehfarbstoff Melanopsin enthalten und erst vor 20 Jahren entdeckt wurden. Während die klassischen Photorezeptoren der Netzhaut, die Stäbchen und Zapfen,   uns die Orientierung im Raum ermöglichen, dienen die circadianen Photorezeptoren der Orientierung in der Zeit. Sie liegen in der Tiefe der Netzhaut und vermitteln Informationen über die Umgebungshelligkeit an die Hauptuhr im Gehirn, die in den „bilateral angeordneten suprachiasmatischen Kernen“, kurz „SCN“, verortet ist. Hier tickt ein molekulares Uhrwerk: „Im Zentrum steht ein Ensemble von Uhrengenen, die in sogenannten transkriptional-translationalen Rückkopplungsschleifen interagieren. Ihre Proteinprodukte sind hemmende oder aktivierende Transkriptionsfaktoren, die Gene an- oder abschalten“, erläutert Korf, Direktor der Dr. Senckenbergischen Anatomie und des Chronomedizinschen Instituts. Inzwischen konnten mehr als 3000 Gene identifiziert werden, die unter Kontrolle dieses Uhrwerks stehen.

Besonders sensibel reagieren die circadianen Photorezeptoren übrigens auf das Licht im blauen Bereich des sichtbaren Spektrums. „Deshalb können Menschen, die spät am Abend vor Smartphone, Tablet oder Laptop sitzen, häufig schlecht schlafen“, ergänzt der Neurobiologe. Besonders nachteilige Folgen zeigt der Gebrauch dieser Geräte am Abend bei Menschen, die unter dem Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) leiden. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Patienten eine genetische Veranlagung zu einer leicht veränderten molekularen Uhr haben. „Wird diese dann noch zusätzlich durch Beleuchtungsmuster – wie das blaue Licht – desynchronisiert, führt dies über noch unbekannte Mechanismen zur Erkrankung,“ so Andreas Reif, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Uni-Klinikums. „Deshalb gilt: bei ADHS haben iPhone & Co nachts Pause!“

Licht ist gut für die Seele, dies ist die gängige Auffassung; doch ganz so einfach ist es nicht, wie schon das ADHS-Beispiel zeigt. Saisonale Stimmungsschwankungen werden häufig als „Winterdepression“ bezeichnet. Zwar lässt sich ein eindeutiges Nord-Süd-Gefälle erkennen: So leiden fast 10 Prozent der in Alaska Lebenden an dieser Depression, in Florida sind es dagegen nur 1,5 Prozent. Aber vielleicht hatten die Menschen, die im Norden leben, deshalb eine höhere Anfälligkeit, weil ihr genetisches Risiko für Stimmungserkrankungen in einer Region mit geringerer Sonnenscheindauer eher zur Ausprägung kommen kann. So haben der Dresdner Psychiater Prof. Michael Bauer und sein Team in diesem Jahr herausgefunden, dass auch weniger Sonnenscheindauer am Geburtsort zu einer früheren Ersterkrankung bei bipolar affektiven Störungen (früher „manisch-depressive Erkrankung“) führen kann. Weitere Untersuchungen, an denen auch das Team von Prof. Reif beteiligt war, belegen die These, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Ersterkrankungsalter bei bipolaren Störungen und der regionalen Sonneneinstrahlung gibt.

Die aufhellende Wirkung des Lichts zeigt bei saisonaler Depression gute Wirkung: Als „therapeutisches Licht“ wird eine helle Lichtquelle (10.000 Lux) circa 30 Minuten bei offenen Augen angewendet. „Auch bei nichtsaisonaler Depression zeigt die ‚Bright Light Therapy‘ eine gute Wirkung. Allerdings gibt es hier noch zu wenige Studien“, sagt die Psychiaterin und Neurologin Dr. Christine Reif-Leonhard. Unter Frankfurter Leitung startet im nächsten Jahr ein internationales Forschungskonsortium, um den therapeutischen Effekt von Licht bei ADHS weiter zu untersuchen.

Informationen: Prof. Dr. Horst-Werner Korf, Dr. Senckenbergischen Anatomie und Dr. Senckenbergisches Chronomedizinschen Institut, Fachbereich Medizin, Tel. 069/6301 6040, Korf@em.uni-frankfurt.de; Prof. Andreas Reif und Dr. Christine Reif-Leonhard, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Universitätsklinikum, Campus Niederrad, Tel. 069/6301-5222, andreas.reif@kgu.de, christine.reif-leonhard@kgu.de

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“, die sich mit ganz unterschiedlichen Facetten des Lichts beschäftigt, können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Hochschulpolitische Themen

Dez 11 2015
13:00

Goethe-Universität Frankfurt, TU Darmstadt und Johannes Gutenberg-Universität Mainz rücken noch enger zusammen.

RMU - Allianz der Rhein-Main-Universitäten

MAINZ/FRANKFURT/DARMSTADT. Die Präsidenten der Technischen Universität Darmstadt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie die Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt haben eine länderübergreifende Rahmenvereinbarung zur noch  intensiveren Zusammenarbeit unterzeichnet. In dieser strategischen Allianz mit rund 107.400 Studierenden, 1.440 Professuren und aktuell mehr als 70 Kooperationen werden die drei Rhein-Main-Universitäten ihre bereits bestehende Zusammenarbeit in Forschung, Lehre, wissenschaftlicher Weiterbildung und der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses weiter ausbauen und nachhaltig etablieren. Die Landesregierungen in Hessen und Rheinland-Pfalz unterstützen das Vorhaben.

Mit dem nun abgeschlossenen trilateralen Abkommen wollen die drei Rhein-Main-Universitäten ihre Stärken gezielt bündeln, die komplementären Profile gemeinsam weiterentwickeln und die Studienmöglichkeiten für ihre Studierenden erweitern. Als zentrale wissenschaftliche Akteure wollen sie die Entwicklung der Wissenschaftsregion Rhein-Main insgesamt befördern und deren internationale Sichtbarkeit und Attraktivität stärken. Das Rhein-Main-Gebiet positioniert sich mit den Rhein-Main-Universitäten als leistungsstarker Wissenschaftsstandort: Nach den Zahlen des jüngsten
Förderatlas der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gehören die drei Rhein-Main-Universitäten gemeinsam hinsichtlich ihrer Drittmitteleinwerbung in den zentralen Wissenschaftsbereichen sowie hinsichtlich der gesamten Drittmitteleinwerbung von über 450 Millionen Euro pro Jahr zu den fünf führenden Wissenschaftsregionen Deutschlands. Mit 31 ERC-Förderungen – den höchstdotierten Förderpreisen der EU – hat der Europäische Forschungsrat (ERC) von 2007 bis 2013 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Darmstadt, Frankfurt und Mainz ausgezeichnet.

Vier Exzellenzcluster, drei Exzellenzgraduiertenschulen und 27 Sonderforschungsbereiche der DFG belegen eindrucksvoll die Forschungsleistung der drei Universitäten. Hierbei spielt die enge Zusammenarbeit mit den 20 Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Leibniz-Gemeinschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft sowie der Akademien in der Rhein-Main-Region eine wichtige Rolle.

Dazu der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein: „Mit dieser Kooperation über Ländergrenzen hinweg heben wir eine wissenschaftspolitische Innovation aus der Taufe. Die angestrebte Zusammenarbeit in Lehre, Studium, Forschung, Administration sowie Strukturentwicklung halte ich für ausgesprochen gelungen und danke den drei Universitäten für ihre Initiative. Dank der neuen Kooperation geben wir der positiven Entwicklung der Wissenschaftsregion Rhein-Main einen weiteren Schub.“

Die rheinland-pfälzische Landesregierung begrüßt die Initiative der drei Universitäten ebenfalls ausdrücklich. „Die verstärkte Kooperation bietet hervorragende Chancen, einen noch leistungsfähigeren Bildungs-, Innovations- und Forschungsraum zu schaffen. Dadurch wird das Rhein-Main-Gebiet, das als wirtschaftliches Zentrum bereits zu den Global Playern zählt, national und international auch als Wissenschaftsregion noch stärker sichtbar und es kann leichter gelingen, noch mehr kluge Köpfe hierher zu holen und hier zu halten“, betont die rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerin Vera Reiß.


Über 70 Projekte und fächerspezifische Verbünde

Bereits im Jahr 2004 wurde die erste Rahmenvereinbarung zwischen den Universitäten Frankfurt und Mainz unterschrieben; seither sind auch jeweils bilaterale Abkommen mit der TU Darmstadt abgeschlossen worden. Die drei Universitäten haben inzwischen in mehr als 70 Projekten und fächerspezifischen Verbünden reichlich Kooperationserfahrung gesammelt. Es gibt gemeinsam getragene Exzellenzcluster, Sonderforschungsbereiche, Studiengänge, Akademienprojekte und Graduiertenkollegs, die kooperierenden Fächer reichen von Politikwissenschaft bis Kernphysik und von Neurobiologie bis Informatik. Die bearbeiteten Themen kommen aus dem gesamten Spektrum der Disziplinen der Rhein-Main-Universitäten – von der Medizin über die Naturwissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften bis zu den Ingenieurwissenschaften.

TU-Präsident Professor Hans Jürgen Prömel: „Hier schließen sich Partner zusammen, die sich bereits gut kennen und zueinander passen – international renommierte Forschungsuniversitäten in  der Region Rhein-Main, einander ergänzende Fächerspektren, erfolgreich entwickelte Kooperationen. Die neue Rahmenvereinbarung eröffnet viele neue Chancen, um für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie die Studierenden einen Zusatznutzen zu schaffen.“ TU-Präsident Prömel hebt auch weitere gemeinsame Chancen und Potenziale für zukunftsträchtige Forschungsfelder hervor: „Wir können als Rhein-Main-Universitäten die großen wissenschaftlichen Herausforderungen  gezielter angehen, indem wir unsere spezifischen Stärken etwa in der Medizin und den Ingenieurwissenschaften oder in der Informatik und den Geisteswissenschaften intelligent zusammenführen.“


Geografische Lage als Standortvorteil

In der geografischen Lage der Rhein-Main-Universitäten sieht der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Univ.-Prof. Dr. Georg Krausch, einen entscheidenden Standortvorteil: „Die strategische Partnerschaft der drei Universitäten profitiert erheblich von der räumlichen Nähe der Universitätscampi und der außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie von der sehr gut ausgebauten Verkehrsinfrastruktur der Region Rhein-Main. Kurze
Wege von einer guten halben Stunde per Auto oder S-Bahn zwischen den jeweiligen Universitäten erleichtern den Austausch von Wissen inmitten einer der bedeutendsten deutschen Metropolregionen – und das über Ländergrenzen hinweg. Damit herrschen in der Rhein-Main-Region mindestens vergleichbare Standortbedingungen wie in manchen Großstädten, in denen mehrere Universitäten und außeruniversitäre Einrichtungen zwar in einer Stadt, aber oft in signifikanter räumlicher Entfernung zueinander angesiedelt sind.“


Die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff, sagt: „Die drei Universitäten können viel voneinander lernen und unterm Strich gemeinsam mehr erreichen als jeweils einzeln. Wir haben aber nicht nur ein natürliches Interesse an einer noch engeren Kooperation untereinander, sondern laden auch potentielle Partner aus Wissenschaft und Gesellschaft zur projektbezogenen Zusammenarbeit ein. So lassen sich die Stärken unserer Allianz noch beträchtlich erweitern.“


Mit dem trilateralen Abkommen bekräftigen die Universitäten, dass sie im Rahmen von nationalen wie internationalen Förderprogrammen gemeinsame Forschungsprojekte und strategische Verbünde beantragen  werden. Für den wissenschaftlichen Nachwuchs wollen die Partneruniversitäten gemeinsame Bewerbungen um drittmittelgeförderte Graduiertenprogramme voranbringen und die Vernetzungsmöglichkeiten verbessern.

Von Vorteil ist die Rahmenvereinbarung auch für die Studierenden der drei Universitäten: Sie können die Infrastruktur – etwa die Bibliotheken – aller Universitäten nutzen; der Erwerb eines Teils der Studien- und Prüfungsleistungen an einer der anderen Universitäten soll leichter werden. Weitere gemeinsame Studiengänge der Rhein-Main-Universitäten sind geplant. Lehrende einer Universität haben die Möglichkeit, auch an einer weiteren Rhein-Main-Partneruniversität zu lehren und Prüfungen abzunehmen. Die Beschäftigten der Universitäten sollen die jeweiligen Weiterbildungsangebote verstärkt wechselseitig nutzen können.

Um die strategische Entwicklung der Partnerschaft zu befördern, haben die Präsidentin und die Präsidenten einen Initiativfonds aufgesetzt, mit dem sie neue Kooperationen gezielt anstoßen wollen. Zugleich ermuntern sie Fachbereiche und Einrichtungen ihrer Universitäten, weitere Felder der Zusammenarbeit  zu erschließen. 

 

Weitere Informationen:

 

Daten und Fakten: http://www.uni-mainz.de/downloads_presse/RMU_daten_fakten.jpg
Geografische Lage: http://www.uni-mainz.de/downloads_presse/RMU_geografische_lage.jpg

 

Ansprechpartner

Jörg Feuck, Leiter Corporate Communications. Technische Universität Darmstadt, Karolinenplatz 5,64289 Darmstadt. Telefon +49 (0)6151 16-20018; E-Mail: feuck@pvw.tu-darmstadt.de


Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter Marketing und Kommunikation, Pressesprecher des Präsidiums. Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main. Telefon +49 (0)69 798 13035; E-Mail: kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de


Petra Giegerich, Leiterin Kommunikation und Presse. Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 55099 Mainz. Telefon +49 (0)6131 39-20047;
E-Mail: petra.giegerich@uni-mainz.de

Personalia/Preise

Dez 11 2015
10:18

Tandem-Projekt zum „Forschenden Lernen“ ausgezeichnet

Guter Unterricht ist, wenn Theorie und Praxis sich verbinden

FRANKFURT. Ein sicheres Rezept für guten Unterricht – das würden viele Lehrende in spe sich wünschen. Doch die Arbeit mit Schülern ist ein komplexes Geschehen, dessen Mechanismen derjenige besser versteht, der sich in wissenschaftlichen Theorien auskennt. Theorie und Praxis stärker miteinander zu verkoppeln, das hat sich ein gemeinsames Vorhaben der Goethe-Universität und der Universität Bremen zum Ziel gesetzt. Das „Tandem-Projekt“ der Fachdidaktik-Professorinnen Daniela Elsner (Frankfurt) und Sabine Doff (Bremen) sind vom Deutschen Stifterverband mit einem Tandem-Fellowship ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert.

„Interuniversitäres Gesamtcurriculum ‚Forschendes Lernen‘ im Lehramt Englisch“ – so lautet der Titelt des Projekts der beiden Englisch-Didaktikerinnen, das sich in den nächsten drei Jahren mit der Frage beschäftigen soll, wie Forschendes Lernen künftig stärker in der Universität verankert werden kann. „Beim Forschenden Lernen geht es darum, dass die Studierenden in den Lehramtsfächern eine fragende Haltung entwickeln“, erklärt Daniela Elsner. Es gehe eben nicht darum, ein allgemeingültiges Unterrichtsrezept zu vermitteln. Künftige Lehrer müssten wissen, warum in bestimmten Situationen bestimmte Konzepte besser funktionieren und andere nicht. „Am besten begreift man Theorien, wenn man sie sich selbst erarbeitet hat“, ist Elsner überzeugt. Bislang seien Theorie und Praxis der Lehrerausbildung oft nicht ausreichend miteinander verkoppelt.

Daniela Elsners Studenten befassten sich zum Beispiel jüngst damit, wie man Eltern den Einsatz von Comics und Graphic Novels im Englischunterricht schmackhaft machen kann. „Die Argumente, die eher intuitiv geäußert wurden, haben die ‚Eltern‘ nicht überzeugt. Erst als die ‚Lehrer‘ evidenzbasierte Argumente aus der Forschung brachten, ergab sich ein Umdenken.“ In einem anderen Projekt lernen Studierende im realen bilingualen Unterricht, wie das aus der Theorie bekannte „Scaffolding“ – also die Unterstützung des Lernprozesses durch Hilfestellungen wie Umformulierungen oder Bilder – von Lehrern praktisch umgesetzt wird.

In das Tandem-Projekt mit Bremen sollen auch die Studierenden einbezogen werden: Es soll gemeinsame Projekte geben, ein Symposion im Mai, ein Onlinetutorial ist geplant. Letztlich sollen davon aber nicht nur die Englischdidaktiker profitieren: Das Curriculum, das Orientierung geben soll, an welcher Stelle im Studium das Forschende Lernen besonders wichtig ist, sollte auch für andere Fachbereiche fruchtbar werden. Dafür, so Elsner, sei man auch im Gespräch mit den Erziehungswissenschaften.    

Prof. Daniela Elsner (44) wechselte 2010 von der Universität Vechta an die Goethe-Universität. Sie leitet die Abteilung Didaktik und Sprachlehrforschung am Institut für England- und Amerikastudien. Zudem ist sie stellvertretende Direktorin in der ABL (Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung der Goethe Universität). Schwerpunkt ihrer Forschung ist die Mehrsprachigkeitsdidaktik. Bereits 2014 erhielt Elsner für ihre innovative Lehre den Ars legendi-Preis von Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Stifterverband. Ein Jahr lang war sie im Lehren-Projekt des Stifterverbandes involviert, das sich mit Qualitätsverbesserungen in der Lehre befasst. Hier hat sich die Kooperation mit Bremen bereits angebahnt.

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft setzt sich für bessere Bildung, effiziente Wissenschaft und smarte Innovationen in Deutschland ein. Mitglied können sowohl Unternehmen, Stiftungen und Organisationen als auch Privatpersonen werden. Der Mitgliedsbeitrag für Unternehmen und Institutionen beträgt jährlich mindestens 1.000 Euro. Privatpersonen sind mit mindestens 200 Euro im Jahr dabei.

Sonstige

Dez 10 2015
11:40

Neue Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ zum Jahr des Lichts erschienen

Viel sehen mit wenig Licht

FRANKFURT. Sternenlicht, Sonnenlicht, Laserlicht. Photosynthese, Biorhythmus, Winterblues. Lichtquellen und ihre Wirkung auf Lebewesen sind nahe liegende Assoziationen zum ausklingenden Jahr des Lichts. Doch der Blick in die Labore der Goethe-Universität zeigt: Forscher nutzen Licht inzwischen als filigranes Werkzeug, um Organismen bis auf die Ebene von Zellen und Molekülen zu erkunden. Die aktuelle Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ beleuchtet einen inoffiziellen Forschungsschwerpunkt der Goethe-Universität.

Die Devise: „Viel hilft viel“ ist nicht immer richtig – in der modernen Lichtmikroskopie ist das Gegenteil der Fall. Denn biologische Proben reagieren auf zu viel Licht wie auf einen starken Sonnenbrand. Prof. Ernst Stelzer vom Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften hat eine besonders schonende, scheibenweise Beleuchtung entwickelt, mit der man sogar Wurzeln und tierischen Embryonen in 3-D beim Wachsen zusehen kann: Die Lichtscheiben-Fluoreszenzmikroskopie (LSFM). Die Fachzeitschrift „Nature Methods“ wählte die LSFM zur Methode des Jahres 2014 und unterstrich damit ihr großes Potenzial für die moderne Zell- und Entwicklungsbiologie.

Eine Revolution in der zellbiologischen Forschung löste auch die hochauflösende Fluoreszenzmikroskopie aus, für die der Göttinger Physiker Stefan Hell zusammen mit Eric Betzig (Janelia), WE Moerner (Stanford) 2014 den Nobelpreis erhielt. Mit dieser Methode kann man die Beugungsgrenze des Lichts clever umgehen. Dazu heftet man fluoreszierende Farbstoffe an die Zielmoleküle – beispielsweise ein spezifisches Protein – und beleuchtet diese nacheinander. Das geschieht entweder nach einem stochhastischen Verfahren oder durch ein geeignetes Lichtmuster. Die Gruppe von Prof. Mike Heilemann vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie erzeugt damit Bilder, die dem Pointillismus in der Malerei ähneln.

Um das komplizierte Geschehen in der Zelle entschlüsseln zu können, nutzt die Gruppe von Prof. Alexander Heckel vom Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie lichtaktivierbare Moleküle als „Schalter“. Ein Beispiel sind Moleküle, welche die Basenpaarung von DNA und RNA beeinflussen. In der Leiterstruktur der DNA manipulieren die Wissenschaftler beispielsweise gezielt eine Sprosse, so dass die DNA unbrauchbar wird. Das dort eingebaute Molekül ist aber lichtempfindlich und kann mit Licht einer bestimmten Wellenlänge abgespalten werden. So wird die biologische Funktion zu einem gewünschten Zeitpunkt wiederhergestellt. Damit lässt sich detailgenau untersuchen, welche Rolle ein bestimmter Genbereich für die Funktion eines Organismus besitzt. 

Weitere Themen:

  • Astronomie: Das Licht – Nachrichtendienst der Sterne
  • Atmosphärenforschung: Photonen spalten FCKW – aber nur langsam
  • Organische Leuchtdioden: Die Tapete als Heimkino?
  • Optogentik: Licht steuert Nervenzellen mit höchster Präzision
  • Photosynthese verstehen, Photovoltaik verbessern
  • Photosynthese: Wie Kieselalgen sich an schwankende Lichtintensitäten anpassen
  • Licht und Psyche: Über die komplexen Zusammenhänge zwischen Licht und seelischen Erkrankungen
  • „Finsteres Mittelalter“– Über die ungebrochene Wirkkraft eines rhetorischen Bildes
  • Im Schatten das Verlangen: Der Film als Kunst des Lichts
  • „Unter freiem Himmel“: Impressionismus und Tageslicht

Informationen: Dr. Anne Hardy und Ulrike Jaspers, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung Marketing und Kommunikation, Campus Westend, Tel.: (069) 798-12498, -13066; hardy@pvw.uni-frankfurt.de, jaspers@pvw.uni-frankfurt.de.

Forschung Frankfurt im Web: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/

Journalisten können Forschung Frankfurt kostenlos bestellen bei Helga Ott: ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Personalia/Preise

Dez 9 2015
15:23

Französische Ökonomin von der Harvard University wird im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften lehren.

Pascaline Dupas zur zehnten Raymond-Barre-Stiftungsgastprofessorin ernannt

FRANKFURT. Pascaline Dupas von der Stanford University ist vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität zur zehnten Raymond-Barre-Stiftungsgastprofessorin ernannt worden. Dank der Förderung durch die Aventis Foundation kann der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften gemeinsam mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft seit 2006 jährlich einen renommierten französischsprachigen Wirtschaftswissenschaftler zu Vorlesungen und Seminaren auf den Frankfurter Campus einladen. Studierende und Lehrende erhalten dabei die Möglichkeit, Einblicke in aktuelle, richtungsweisende Forschungsarbeiten zu erhalten und gleichzeitig ihre Kenntnisse in der französischen Fachsprache anzuwenden.

Pascaline Dupas hat an der Ecole Normale Supérieure – Ulm und an der Paris-Jourdan Science Économiques – DELTA studiert, wo sie im Jahre 2006 ihren PhD-Abschluss in Volkswirtschaftslehre erzielte. Nach Stationen am Dartmouth College und der University of California in Los Angeles ist sie seit 2011 Professorin der Stanford University. Unter anderem ist Pascaline Dupas Mitglied des National Bureau of Economic Research (NBER) und des Centre for Economic Policy Research (CEPR).

Die wissenschaftlichen Arbeiten von Pascaline Dupas umfassen vielfältige Themenstellungen im Bereich der Entwicklungsökonomie, wobei sie unter anderem die Rolle von Gesundheitssystemen, Governmentstrukturen, Bildungspolitik und individuellem Sparverhalten für die ökonomische Entwicklung analysiert. Die Arbeiten von Pascaline Dupas wurden in einer Reihe namhafter internationaler Zeitschriften wie American Economic Review, Journal of Public Economics, American Economic Journal, Econometrica, Journal of Development Economics, Journal of Econometrics publiziert. 2015 wurde sie von der Tageszeitung Le Monde zur besten jungen Ökonomin Frankreichs gewählt.

Pascaline Dupas wird vom 15. bis zum 17. Dezember 2015 in Frankfurt sein, um an einem Workshop zur Entwicklungsökonomie teilzunehmen und um mit Professorinnen und Professoren und Studierenden in Master und Doktorprogrammen der Goethe Universität in den Austausch zu treten. Unter anderem trägt sie hier auch zu ihren aktuellen Forschungsarbeiten mit einem Artikel über die Wirkung dezentral verteilter Subventionen auf die Armut in Mali vor.  

Weiterhin wird Pascaline Dupas zu einer zweiten Seminarrunde im Februar 2016 an der Goethe-Universität sein. Im Rahmen dieses Aufenthaltes wird sie ein Blockseminar mit dem Titel „Development Economics“ in englischer Sprache für die Studierenden des Fachbereichs anbieten, und einen Vortrag für die Bürgergesellschaft in Kooperation zwischen der deutsch-Französischen Gesellschaft und der Goethe-Universität halten.

Mit der Förderung des Projekts der Raymond-Barre-Stiftungsgastprofessur kann die Goethe-Universität in ihrer erfolgreichen Zusammenarbeit mit Sanofi und der Aventis Foundation bereits auf eine langjährige Tradition verweisen. Die Aventis Foundation dient als gemeinnützige Stiftung der Förderung von Kultur, gesellschaftlichen Projekten mit dem Schwerpunkt Gesundheitswesen sowie Wissenschaft, Forschung und Lehre. Sie wurde 1996 als Hoechst Foundation gegründet und ist mit einem Stiftungskapital von 50 Mio. Euro ausgestattet. Im Jahr 2000 wurde die Stiftung in Aventis Foundation umbenannt. Ihr Sitz ist Frankfurt am Main.

Seit der erfolgreichen Einrichtung der Raymond-Barre-Stiftungsprofessur im Jahre 2006 haben folgende namhafte französischsprachige Gastprofessoren den Fachbereich Wirtschaftswissenschaften besucht: Patrick Messerlin (Sciences Po), Etienne Wasmer (Sciences Po), Bruno Bias (Toulouse School of Economics), Olivier de La Grandville (Université de Genève), Roland Benabou (Princeton University), Thierry Verdier (EHESS, Paris), Patrick Rey (Toulouse School of Economics), Jean-Charles Rochet (Universität Zürich) und Emmanuelle Auriol (Ecole d´Economie de Toulouse).

 

Weitere Informationen:  Prof. Guido Friebel, PhD, gfriebel@wiwi.uni-frankfurt.de