Forschung
Erste Atmosphärenmessungen mit neuem Forschungsflugzeug
FRANKFURT. Über den Wolken, dort, wo Flugreisende eine fantastische Fernsicht genießen, ist eine für das Klimageschehen besonders wichtige Region der Atmosphäre: die Tropopause. Darunter liegt die Troposphäre, die das Wetter bestimmt, und darüber die Stratosphäre mit ihrer schützenden Ozonschicht. Der Luftaustausch zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Regionen hat einen großen Einfluss auf die Wärmebilanz und die Bodentemperaturen der Erde. Erste Atmosphärenmessungen des Forschungsflugzeugs HALO, die von der Goethe-Universität koordiniert werden, widmen sich der Untersuchung dieser Region.
Bisher waren Messungen in der Tropopause schwierig, weil sich die Lage dieser Grenzschicht vom Äquator bis zu den Polen in der Höhe ändert. Mit HALO (High Altitude and Long Range Research Aircraft) konnten Atmosphärenforscher nun erstmals mit einem einzigen Flug Messungen von den mittleren Breiten bis in die Subtropen ausführen. Das Flugzeug erreicht eine Gipfelhöhe von über 15 Kilometern und kann eine vergleichsweise große Nutzlast wissenschaftlicher Instrumente von circa zwei Tonnen tragen. Kurz nach der Übergabe von HALO am 20. August durch die Bundesministerin für Bildung und Forschung begann die von der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Messkampagne TACTS (Transport and Composition in the Upper Troposphere/Lowermost Stratosphere). Bislang konnten vier erfolgreiche Messflüge im Tropopausenbereich durchgeführt werden.
Was die Wissenschaftler interessiert, ist der Austausch von Luft zwischen der feuchten Troposphäre und der trockenen und ozonreichen Stratosphäre, denn er beeinflusst die chemische Zusammensetzung in der Tropopause. „Die starken chemischen Unterschiede, gepaart mit einer Änderung des Temperaturverlaufs, führen dazu, dass Änderungen in der Tropopause einen großen Einfluss auf die Strahlung in der Atmosphäre haben“, so Prof. Andreas Engel, der mit Dr. Harald Bönisch vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe Universität die TACTS-Mission koordiniert.
Die Wissenschaftler haben eine Messausrüstung zusammengestellt, die es erlaubt, die wichtigsten atmosphärischen Gase in der Tropopause zu messen. Darunter ist auch ein neues Messgerät, das in der Arbeitsgruppe von Engel entwickelt wurde. Es liefert hochpräzise Daten von Spurengasen (Tracern), die sich zur Rekonstruktion von Transportprozessen und –zeiten eignen. „So erhalten wir einen wichtigen Puzzlestein, der es uns erlaubt, die komplexen atmosphärischen Prozesse zu verstehen“, erläutert Bönisch.
Die ersten Ergebnisse lassen vermuten, dass der Luftaustausch zwischen der oberen tropischen Troposphäre und dem untersten Teil der Stratosphäre während der Sommermonate besonders effektiv ist. In dieser Zeit sind die starken subtropischen Strahlströme relativ schwach ausgeprägt und stören deshalb, so die Vermutung der Wissenschaftler, den Luftaustausch wesentlich weniger als in anderen Jahreszeiten. Genauere Erkenntnisse über die Prozesse soll ein Vergleich der Messungen mit Modellrechnungen und meteorologischen Daten ergeben. Dadurch soll letztendlich eine präzisere Darstellung der wichtigen Tropopausenregion in Klimamodellen erreicht werden, um zukünftige Klimaänderungen besser vorhersagen zu können.
HALO ist eine Gemeinschaftsinitiative deutscher Umwelt- und Klimaforschungseinrichtungen. Gefördert durch Zuwendungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Max-Planck-Gesellschaft, des Freistaates Bayern, des Forschungszentrums Jülich (FZJ), des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)) und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und betrieben durch das DLR.An der TACTS Mission unter Federführung der Goethe Universitätsind mehrere deutsche Universitäten beteiligt (die Universitäten in Wuppertal, Heidelberg und Mainz), sowie das FZJ, das KIT, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) und das DLR.
Informationen: Prof. Andreas Engel, Institut für Atmosphäre und Umwelt, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40259; an.engel@iau.uni-frankfurt.de.
Hochschulpolitische Themen
Nachwuchswissenschaftler können im Rahmen des Programms GO-IN ihr Profil als Forscher stärken
FRANKFURT. Das GO-IN-Programm ist ein neues internationales Postdoc-Fellowship-Programm an der Goethe Universität, das talentierten Nachwuchswissenschaftlern aus aller Welt ermöglichen soll, an der Goethe-Universität ihre eigenständigen Forschungsprojekte umzusetzen.
Das Programm wird bis 2017 voraussichtlich jährlich ausgeschrieben. Die ersten Fellows starten April 2013 und werden an einem von sieben herausragenden Forschungsschwerpunkten der Goethe Universität wie beispielsweise den Exzellenzclustern Normative Ordnungen oder Makromolekulare Komplexe angesiedelt. Die Fellows erhalten neben der Möglichkeit, ein eigenständiges Forschungsprojekt über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren umzusetzen, Unterstützung durch ein umfassendes Mentoring-Programm.
Mit seinem Fokus auf Internationalität und Karriereentwicklung ist das Programm ein wichtiger Bestandteil der Strategie zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses an der Goethe-Universität
GO-IN ist ein aus dem 7. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Kommission mitfinanziertes COFUND-Projekt (Co-Funding of Regional, National and International Programmes), für das 1,4 Millionen Euro eingeworben werden konnten. Die Goethe Universität ist damit eine von nur vier Universitäten in Deutschland, die ein Vorhaben in diesem Förderprogramm einwerben könnten.
Weitere Informationen:
Tanja Hagedorn, Koordinatorin Goethe International Postdoc Programme (GO-IN), Tel. (069)-798-22130, goin@uni-frankfurt.de, www.uni-frankfurt.de/research/go-in
Veranstaltungen
Innovationsforum an der Goethe-Universität: Top-Manager diskutieren mit Wirtschaft und Studierenden über kreativen Unternehmergeist
FRANKFURT. Ein Abend mit vielen Geistesblitzen und Inspirationen: Das 1. Innovationsforum von Goethe-Universität und Handelsblatt auf dem Campus Westend übertraf mit 700 Vertretern aus Wirtschaft und Hochschule alle Erwartungen. Ein hochkarätig besetztes Podium von Vorstandsvorsitzenden diskutierte über die Bedeutung von neuen Ideen für beruflichen und ökonomischen Erfolg. „Für die Goethe-Universität gehören Patentieren und Publizieren ganz eng zusammen“, betonte Uni-Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz in seiner Begrüßung. Die Makroökonomin Prof. Nicola Fuchs-Schündeln stellte in ihrem Eingangsstatement die Bedeutung von gut ausgebildeten und motivierten Mitarbeitern für wirtschaftlich prosperierende Unternehmen und Regionen heraus: „Der Kampf um die besten Köpfe wird immer wichtiger.“
In einem Live-Talk sprach danach Gabor Steingart, Chefredakteur des Handelsblatt, auf ebenso erhellende wie unterhaltsame Weise mit vier Vorstandsvorsitzenden bedeutender deutscher Unternehmen. René Obermann, Deutsche Telekom AG, Prof. Dr. Martin Winterkorn, Volkswagen AG, Dr. Marijn Dekkers, Bayer AG, und Roland Boekhourt, ING-DiBa AG, gewährten erstaunliche Einblicke in ihre Bildungsbiographien und formulierten gemeinsam mit dem Publikum Voraussetzungen für ein innovationsfreundliches Klima in Studium und Beruf. „Der Erfolg eines Unternehmens wie VW beruht vor allem auf den Ideen und dem Erfindungsreichtum seiner Mitarbeiter“, betonte Martin Winterkorn. „Wir prämieren im Rahmen eines Ideenmanagements kreative Vorschläge. Wenn man ein Mindestmaß an Disziplin und Selbstreflexion beherzigt, darf man auch mal ‚spinnen‘“, so René Obermann. Neugierde müsse bereits in den Schulen gefördert werden, so die Diskutanten. In Deutschland sei das Scheitern einer Geschäftsidee zu negativ besetzt. Risikobereitschaft sei aber eine Voraussetzung dafür, dass in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland Innovationen stärker umgesetzt werden könnten.
Verbunden war die von Dr. Friederike Lohse von der Freundesvereinigung initiierte Veranstaltung zugleich mit einem Spendenaufruf: Unibator, das Gründerzentrum an der Goethe-Universität, bietet Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Alumni Unterstützung auf dem Weg zum eigenen Unternehmen. Im Rahmen eines Mentoren-Programms begleiten Professoren der Goethe-Universität die Projektteams bei der Entwicklung ihrer Vorhaben. Der Goethe-UniBator ist damit eine Brücke zwischen Forschung und Wirtschaft und ermöglicht innovativen Ideen den erfolgreichen Markteintritt.
Weitere Informationen: Goethe-Unibator, www.goetheunibator.de
Veranstaltungen
Öffentlicher Vortrag im Rahmen der ersten europäischen mineralogischen Konferenz an der Goethe-Universität. 3. September, 20.00 Uhr, Campus Westend
FRANKFURT. Vom 2.-6. September findet auf dem Campus Westend die erste europäische mineralogische Konferenz statt, an der über 700 Wissenschaftler aus 40 Ländern teilnehmen werden.
Die Themen befassen sich mit dem Ursprung und der Weiterentwicklung des Sonnensystems und seiner Planeten, den Veränderungen des Planeten Erde seit seiner Entstehung vor 4,55 Mrd. Jahren durch Erosion, Vulkanismus, Subduktion und Metamorphose. Weitere Themenbereiche haben aktuelle Relevanz bedingt durch die fortschreitende Technisierung und den Bevölkerungszuwachs auf unserem Planeten. Diese betreffen die Eigenschaften von Mineralen und Werkstoffen, das Verständnis von Lagerstättenbildung zur Erschließung neuer Rohstoffquellen, den Umgang mit dem Zivilisationsmüll und die Wechselwirkung von organischer und anorganischer Materie.
Den öffentlichen Vortrag “Diamonds are forever - but when and where are they formed?” wird Prof. Thomas Stachel, der „Diamond chair of Canada“, halten. Stachel ist ein ehemaliges Mitglied der Goethe-Universität, der bei Prof. Brey habilitierte. Er erhielt vor einigen Jahren einen Ruf nach Edmonton, Alberta/Kanada.
Der Vortrag „Diamonds are forever – but when and where are they formed?“ findet statt
am: Montag, dem 3. September 2012, 20.00 Uhr,
Ort: Campus Westend, Audimax.
Weitere Informationen zur First European Mineralogical Conference (emc2012): http://emc2012.uni-frankfurt.de/
Kontakt: Prof. Gerhard Brey, Dr. Heidi Höfer, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Geowissenschaften – Mineralogie, Altenhöferallee 1, 60438 Frankfurt am Main, Tel. (069)-798 40 122, info-emc2012@uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Institut für Bienenkunde in Oberursel feiert sein 75jähriges Bestehen
FRANKFURT. Seit 75 Jahren forschen Wissenschaftler des Institutes am Nordrand Oberursels an der Biologie der Honigbiene. Zur 75-Jahr-Feier an das Institut am Freitagnachmittag kamen etwa 200 geladene Gäste und informierten sich über die Forschungsaktivitäten gestern und heute. Ganz im Zeichen der Forschung und der Bienenbiologie stand die Feier am Institut für Bienenkunde. Die zahlreichen Gäste verschafften sich anhand von Mitmachexperimenten rund um‘s Bienenlernen einen Eindruck von den Verhaltensleistungen der Honigbienen. So nahe kommen die Besucher den Bienen selten. Sicher hinter Glas lässt sich die Königin gefahrlos bei der Eiablage im Beobachtungsvolk bestaunen. Auch wie Bienen im Labyrinth zielsicher zur Honigbelohnung finden, konnten die Gäste bei einer Demonstration im Bienengarten des Instituts für Bienenkunde in Oberursel live beobachten.
Die Doktoranden und Bachelorstudierenden gaben anschauliche Einblicke in ihre Projekte und die Besucher wurden gleich als Experimentatoren eingebunden. Wie mit einem Mini-Chip versehene Sammlerinnen am Stockeingang automatisch registriert werden, wie Bienen zurück in ihren Stock finden oder welche Navigationsleistungen es ihnen ermöglichen, sich in einem Labyrinth zurecht zu finden: das waren einige der Stationen im Bienengarten des Instituts im Karl-von-Frisch-Weg in Oberursel.
Zuvor hoben Prof. Dr. Klaus Ring, Präsident der Polytechnischen Gesellschaft Frankfurt am Main und Prof. Dr. Rainer Klump, Vizepräsident der Goethe-Universität, die hohe Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Universität und Polytechnischer Gesellschaft hervor. Das Institut wird von beiden Institutionen gemeinsam getragen und ist ein erfahrbarer Ort langjähriger Kooperation. In ihrem Grußwort ging Frau Prof. Dr. Anna Starzinski-Powitz auf die besondere Stellung des Instituts für den Fachbereich Biowissenschaften ein. Auch die Oberurseler Sicht kam nicht zu kurz. Stadtverordnetenvorsteher Dr. Christoph Müllerleine betonte die enge Bindung der Oberurseler Bürger an „ihr“ Institut.
Als das Institut für Bienenkunde 1937 von der Polytechnischen Gesellschaft gegründet wurde, drohte die Bienenhaltung in Deutschland zusammenzubrechen. Es war ein Gebot der Stunde, ein modernes Forschungsinstitut zu errichten. Heute, 75 Jahre später, ist die Arbeit am Institut nach wie vor brennend aktuell: Die parasitische Milbe Varroa destructor bedroht Bienenvölker weltweit und die Entwicklung innovativer Bekämpfungsmittel ist eine der Aufgaben des Teams um den Neurowissenschaftler und Leiter des Instituts, Prof. Bernd Grünewald.
Bienen haben eine enorme wirtschaftliche Bedeutung nicht nur als Honigproduzenten sondern auch als Bestäuber der meisten Obst- und Gemüsesorten. Daher ist die Forschung über die Bienen immer auch eine Forschung für den Menschen.
Das Institut blickt auf eine 75jährige, erfolgreiche Forschungstradition zurück. Hugo Gontarski, dem ersten Leiter, ist es zu verdanken, dass das Institut auch in den schwierigen Nachkriegsjahren erfolgreich Forschung betreiben konnte. Gontarski untersuchte besonders die Nosemose, eine Darmkrankheit der Bienen, er erforschte die Honigchemie, die Ernährungsphysiologie und die Anatomie von Bienen.
Eine neue Phase wurde 1963 eingeleitet, als das Bieneninstitut vertraglich an die Universität Frankfurt gebunden wurde. Prof. Friedrich Ruttner wurde 1964 neuer Institutsleiter und gleichzeitig Professor für Zoologie am Fachbereich Biologie der Goethe-Universität. Ruttner gilt als der Begründer der modernen Bienengeographie. Schon bald existierte in Oberursel die weltweit bedeutendste wissenschaftliche Sammlung von Bienenarten und -unterarten, die heute mehr als 3000 wertvolle Präparate umfasst. Unter seiner Leitung wurde das Oberurseler Institut zu einem der weltweit führenden Bieneninstitute in Paarungsverhalten, Genetik, Taxonomie und Biogeographie der Honigbienen. Seine Zuchtansätze und die Einführung der künstlichen Besamung beeinflussten die Bienenzucht in Deutschland nachhaltig.
Prof. Nikolaus Koeniger leitete von 1981 bis 2007 das Institut. Koeniger arbeitete zunächst über Alarmstoffe und Brutpheromone, entdeckte eine neue Milbenart der Riesenhonigbiene und beschrieb eine neue asiatische Honigbienenart. Während seiner Zeit wurden in Oberursel außerdem wichtige neue Erkenntnisse über die Paarungsbiologie der Honigbienen gewonnen.
Das Jahr 2007 markierte einen weiteren Wendepunkt in der Geschichte des Instituts. Zwischen der Polytechnischen Gesellschaft und der Goethe-Universität wurde ein neuer Kooperationsvertrag geschlossen. Seit 2008 ist der Neurobiologe Prof. Bernd Grünewald als Leiter des Instituts für Bienenkunde gleichzeitig erster Stiftungsprofessor der Polytechnischen Gesellschaft an der Goethe-Universität. Am neuerbauten Biologicum auf dem Campus Riedberg stehen der Arbeitsgruppe seit 2011 neue Laborräume zur Verfügung. Das erleichtert den wissenschaftlichen Austausch mit Fachkollegen und Studenten erheblich. Neben Therapieansätzen gegen Bienenkrankheiten wird heute am Institut für Bienenkunde überwiegend über die Mechanismen geforscht, die Lernen und Gedächtnis bei Bienen zugrunde liegen. Die Lernleistungen von Bienen sind enorm: sie merken sich Ort und Beschaffenheit von Futterquellen und navigieren zielsicher in einem Radius von 5 km um ihren Stock. „Dabei passt ihr Gehirn locker in einen Stecknadelkopf und enthält gerade einmal 1 Million Nervenzellen“, sagt Grünewald, „so viele Nervenzellen hat ein Mensch in einem Auge“.
Weitere Informationen: Prof. Dr. Bernd Grünewald, Institut für Bienenkunde, Polytechnische Gesellschaft, FB Biowissenschaften - Zellbiologie und Neurowissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Karl-von-Frisch-Weg 2,61440 Oberursel, Tel. 6171-21278, b.gruenewald@bio.uni-frankfurt.de, www.institut-fuer-bienenkunde.de