Struktur einer Entscheidungszentrale in der Immunabwehr aufgeklärt/ Publikation in Nature
So wie wir aus der Informationsflut in sozialen Medien das für uns Wichtige herausfiltern, arbeiten auch Körperzellen. Im ständigen Kampf gegen Parasiten, Viren oder Krebs selektieren sie Informationen für das Immunsystem. Das geschieht durch eine hochkomplexe molekulare Maschinerie, deren Arbeitsweise Biochemiker der Goethe-Universität und des Max-Planck-Instituts für Biophysik zusammen mit Forschern der Universität Halle aufgeklärt haben.
Status-Updates aus dem Inneren der Zelle erhält das Immunsystem an deren Oberfläche. Dort präsentieren bestimmte Proteine, sogenannte MHC I-Moleküle, die Information in Form kleiner Proteinbruchstücke. Krebszellen oder von Viren infizierte Zellen werden so im Idealfall schnell erkannt und eliminiert. Viren und Tumore können das Immunsystem aber auch austricksen. Außerdem kann eine missverständliche Nachricht zu Autoimmunerkrankungen oder chronischen Entzündungen führen.
Deshalb ist es besonders wichtig zu verstehen, wie die hochkomplexe molekulare Maschine im Zellinneren die relevanten Proteinbruchstücke selektiert und das Beladen der MHC I-Moleküle koordiniert. In der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Nature geben nun die Forscher aus Frankfurt und Halle erstmals Einblicke in die Arbeitsweise und die molekulare Architektur des sogenannten MHC I-Peptidbeladungskomplexes.
„Um diesen äußerst fragilen Komplex für Strukturanalysen aufzubereiten, mussten wir alle Register der Biochemie ziehen“, erklärt Dr. Simon Trowitzsch vom Institut für Biochemie der Goethe-Universität. „So entwickelten wir zunächst einen viralen, molekularen Köder, um den MHC I-Peptidbeladungskomplex aus dem endoplasmatischen Retikulum isolieren zu können.“
„Dank der bahnbrechenden Verbesserungen in der Kryo-Elektronenmikroskopie, die kürzlich mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, konnten wir den MHC I-Peptidbeladungskomplex unmittelbar betrachten und dessen genaue molekulare Struktur bestimmen. Sie ist ungefähr hunderttausend Mal kleiner als ein Stecknadelkopf“, berichtet Dr. Arne Möller vom Max-Planck-Institut für Biophysik.
Aus der erhaltenen Struktur lässt sich ableiten, wie die Zelle es schafft, für das Immunsystem relevante Informationen zu generieren. Hierfür müssen Transportproteine in der Membran, Faltungsenzyme und MHC I-Moleküle präzise in einem Komplex zusammenarbeiten.
„Die Arbeit zeigt, wie der MHC I-Peptidbeladungskomplex nur solche Informationsfragmente herausfiltert, die auch von Effektor-Zellen des Immunsystems gelesen werden können. Diese Arbeit löst ein jahrzehntealtes Puzzle und erlaubt uns nun, den Prozess der Antigen-Selektion präziser zu beschreiben und Immuntherapien weiter zu verbessern,“ schlussfolgert Prof. Robert Tampé vom Institut für Biochemie.
Publikation: Andreas Blees, Dovilė Janulienė, Tommy Hofmann, Nicole Koller, Carla Schmidt, Simon Trowitzsch, Arne Moeller & Robert Tampé: Structure of the human MHC-I peptide-loading complex, NATURE (Nov 6, 2017, First Release) doi:10.1038/nature24627
Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69093715
Bildtext: Struktur des MHC I-Peptidbeladungskomplexes in der Membran des endoplasmatischen Retikulums.
Bildrechte: Arne Möller (MPI für Biophysik), Simon Trowitzsch und Robert Tampé (Goethe-Universität)
Information: Prof. Dr. Robert Tampé und Dr. Simon Trowitzsch, Institut für Biochemie, Fachbereich 14, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798- 29273, tampe@em.uni-frankfurt.de, Trowitzsch@biochem.uni-frankfurt.de; Dr. Arne Möller, Max-Planck-Institut für Biophysik, Tel.: (o69) 63033057, arne.moeller@biophys.mpg.de.
Jungautorinnen Lize Spit und Niña Weijers zu Gast an der Goethe-Universität
FRANKFURT. Zwei äußerst erfolgreiche Jungautorinnen lesen demnächst an der Goethe-Universität: Lize Spit (geb. 1988) aus Flandern und Niña Weijers (geb. 1987) aus den Niederlanden.
Jung, begabt, erfolgreich: Lize Spit und Niña Weijers haben einiges gemeinsam. Auch das Sujet und die Sprache. Mit ihren Debütromanen, in deren Zentrum junge Frauen stehen, eroberten die 29-Jährige aus Flandern und die 30-Jährige aus den Niederlanden die Bestsellerlisten in beiden Ländern und räumten sämtliche Preise ab, die für Debütwerke zu bekommen sind. Auch für die wichtigsten sonstigen Literaturpreise waren sie nominiert, die Rechte an ihren Texten wurden vielfach ins Ausland verkauft.
Nun sind Lize Spit und Niña Weijers zu Gast an der Goethe-Universität. Die Lesungen in Niederländisch und Deutsch finden statt
am Donnerstag, 9. November (Lize Spit) im Renate-von-Metzler-Saal im Casinogebäude auf dem Campus Westend und am Donnerstag, 30. November (Niña Weijers) im IG-Farben-Bau auf dem Campus Westend Raum 1.411 (1. Stock), Beginn jeweils 19 Uhr.
Lize Spits Roman „Het smelt” von 2016 („Und es schmilzt“, 2017, Fischer Verlag) verkaufte sich in niederländischer Sprache mehr als 160.000 Mal, Niña Weijers Buch „De consequenties“ von 2014 (dt. „Die Konsequenzen“, 2016, Suhrkamp) erlebte bereits 16 Auflagen. Inhaltlich zeigen die beiden Romane allerdings kaum Ähnlichkeiten.
Spits 500 Seiten starker Roman „Und es schmilzt“ erzählt die düstere Geschichte der jungen Eva, die in einem kleinen Dorf aufgewachsen ist und dort Ungeheuerliches und Unsagbares erlebt hat. Während einer erzähltechnisch raffiniert eingebauten Rückfahrt zu dem Dorf und zu ihrer Vergangenheit baut die Autorin die Spannung bis zu einem fast unerträglichen, aber unvermeidlichen Höhepunkt auf. Der Lebensweg der jungen bildenden Künstlerin Minnie Panis steht im Mittelpunkt von Niña Weijers Roman „Die Konsequenzen“. Die Protagonistin geht in ihren, an die Arbeiten der Performance-Künstlerin Marina Abramović angelehnten Projekten, sehr weit, fast zu weit.
Information: Laurette Artois, Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Fachbereich 10, Telefon 069 79832851, E-Mail artois@lingua.uni-frankfurt.de; Internet http://www.uni-frankfurt.de/41138070/niederlaendisch
10 Jahre nach Eröffnung: Renovierte NS-Gedenkstätte wird am 5. November in Anwesenheit von Oberbürgermeister Peter Feldmann wiedereröffnet
FRANKFURT. Vor fast 10 Jahren, im November 2008, wurde auf dem Campus Westend der Goethe-Universität eine NS-Gedenkstätte eingeweiht: das Norbert Wollheim-Memorial. Gewidmet ist sie Norbert Wollheim und mit ihm stellvertretend allen ehemaligen Zwangsarbeitern der I.G. Farben AG, deren Verwaltungsgebäude mitsamt Gelände seit dem Abzug der amerikanischen Truppen aus Frankfurt von der Goethe-Universität als Campus Westend genutzt wird.
Nach der Einweihung des Memorials vor rund zehn Jahren waren verschiedene baulich-technische Instandsetzungsmaßnahmen erforderlich. Nicht nur Materialmüdigkeit, Verschmutzungen und – wenige – Fälle von Vandalismus, sondern auch der informationstechnologische Fortschritt sowie neuere Sicherheitserfordernisse hatten das Präsidium der Universität Anfang dieses Jahres veranlasst, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen.
Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff sagte: „Norbert Wollheim gibt durch sein persönliches Schicksal als Zwangsarbeiter der I.G. Farben und sein entschiedenes und erfolgreiches Drängen auf Wiedergutmachung dem Holocaust ein Gesicht. Das Wollheim-Memorial erinnert uns daran, dass wir nie aufhören dürfen, Unmenschlichkeit, Diskriminierung, Rassismus und Verfolgung entschieden entgegenzutreten.“
Oberbürgermeister Peter Feldmann ging in seinem Grußwort auf die jüdische Tradition Frankfurts ein: „Unsere Goethe-Universität, deren 100-jähriges Jubiläum wir gefeiert haben, zeigt wie keine andere Einrichtung unserer Stadt bereits in ihrer Gründungsgeschichte die gewaltige Bedeutung jüdischer Mäzene und jüdischer Wissenschaftlicher für unser Frankfurt. Paul Ehrlich und Franziska Speyer, Wilhelm Merton und Ludwig Edinger, Felix Weil und Max Horkheimer sind nur einige wenige der Persönlichkeiten, die innerhalb kurzer Zeit Frankfurts Uni zu einer der führenden Universitäten in Deutschland machten.“ Umso wichtiger sei ein klares Bewusstsein über die Nazi-Zeit: „I.G. Farben war ein großer und fester Bestandteil der Ausbeutung und der Vernichtung jüdischen Lebens. Eines dieser Opfer war Norbert Wollheim. Er war Überlebender des Konzentrationslagers Buna/Monowitz und musste für die I.G. Farben Zwangsarbeit auf der Baustelle in Auschwitz leisten.“ Weiter sagte Feldmann: „Der Einsatz für das Erinnern gilt natürlich den Überlebenden und den Opfern der Nazi-Barbarei sowie Ihren Nachkommen. Aber dieses Erinnern gilt zugleich uns allen, um uns immer wieder ins Gedächtnis zu rufen: Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus bringen nur Leid, Zerstörung und Tod.“
Für die Instandsetzung konnte die Universität auf Mittel aus dem Johanna Quandt-Jubiläumsfonds zurückgreifen sowie auf großzügige Spenden der Sanofi Deutschland GmbH, der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie und des Fördervereins Fritz Bauer Institut e. V. „Die Universität dankt allen Spendern für ihre wichtige Unterstützung, ohne die die notwendigen baulich-technischen Maßnahmen nicht hätten umgesetzt werden können“, betont Vizepräsident Manfred Schubert-Zsilavecz.
Koordiniert vom Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, waren an der Instandsetzung mehrere Einrichtungen der Universität beteiligt – beispielsweise das Fritz Bauer Institut, das Immobilienmanagement sowie das Hochschulrechenzentrum. Im Zuge der Instandsetzung entwickelte das Forschungszentrum auch einen Gedenkplan für den Campus Westend. Ab dem 5. November 2017 können sich alle Geschichtsinteressierten über die gedenkrelevanten Orte des Campus Westend informieren – auch online unter: www.uni-frankfurt.de/gedenkplan. „Der Gedenkplan wird insbesondere dem Wollheim-Memorial eine große Sichtbarkeit verleihen und das Gedenkstätten-Konzept besser veranschaulichen“, freut sich Steffen Bruendel, Historiker und Direktor des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften.
Sybille Steinbacher, Direktorin des Fritz Bauer-Instituts und Professorin zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust an der Goethe-Universität, sagte: „Der Prozess, den Norbert Wollheim Anfang der fünfziger Jahre gegen die I.G. Farben angestrengt hat, war eine Sensation. Zum einen, weil das Landgericht Frankfurt, später auch das Oberlandesgericht die Entschädigungspflicht des IG-Konzerns gegenüber ehemaligen Zwangsarbeitern grundsätzlich festgestellt haben, zum anderen, weil die Mitverantwortung des Unternehmens für die Ausbeutung der Häftlinge und für die Verbrechen von Auschwitz konstatiert wurde. Wollheim, der als Häftling Nummer 107984 Zwangsarbeit für die I.G. Farben hatte leisten müssen und dessen gesamte Familie in Auschwitz ermordet wurde, kommt das Verdienst zu, den Blick der Öffentlichkeit auf die verheerende Rolle der Industrie im NS-Staat gelenkt zu haben. An ihn und seine Leistungen zu erinnern, ist wichtig.“
Am 5. November 2017, um 11:00 Uhr, begeht die Goethe-Universität feierlich das zehnjährige Bestehen der Wollheim-Gedenkstätte im Rahmen einer Matineeveranstaltung in der Eisenhower-Rotunde des I.G. Farben-Gebäudes.
Eduardo Viveiros de Castro bei Kantorowicz Lecture
FRANKFURT. Der Mensch – ein Wesen mit herausragender Stellung? Mit dieser Annahme abrechnen will der brasilianische Ethnologe Eduardo Viveiros de Castro in seiner Vorlesung am 15. November in der Goethe-Universität. Die Vorlesung findet im Rahmen der Kantorowicz Lecture statt.
„Against the Ontological Exceptional Position of ‚Our Species‘” (Wider die ontologische Ausnahmestellung ‚unserer Spezies‘) – so lautet der Titel von Eduardo Viveiros de Castros Vortrag, der am
Mittwoch, 15. November, um 18:15 Uhr im Casino, Raum 1.801 (Campus Westend)
stattfindet.
In seiner Kantorowicz-Lecture setzt sich Prof. Eduardo Viveiros de Castro mit einem zentralen Element der politischen Sprache der westlichen Linken auseinander: Der Vorstellung, dass dem Menschen im Verhältnis zur Tier- und Dingwelt eine herausgehobene Stellung zukommt. Diese Vorstellung ist so selbstverständlich, dass sie in der Regel unhinterfragt als Ausgangspunkt politischen Denkens und Handelns akzeptiert wird. Anschließend an seine Arbeiten zu den Wissenssystemen der Indigenen im Amazonas-Gebiet, in deren Sprache Menschen, Tiere und Dinge in ein anderes, gleichwertigeres Verhältnis gesetzt werden, wirft Viveiros de Castro die Frage auf, auf welche Begriffe ein politisches Denken kommen kann, das sich dieser westlich-europäischen Selbstverständlichkeit entledigt.
Eduardo Viveiros de Castro ist Professor für Anthropologie und Direktor des brasilianischen Nationalmuseums der Bundesuniversität in Rio de Janeiro.
Einmal pro Jahr findet die Kantorowicz Lecture in Political Language statt. Gewidmet ist sie Ernst Kantorowicz, der zu den herausragenden Forscherpersönlichkeiten der Frankfurter Universitätsgeschichte gehört. Er musste die Universität 1934 zwangsweise verlassen und wurde später am Institute for Advanced Study in Princeton zu einem der international einflussreichsten Geisteswissenschaftler, dessen Arbeiten bis heute zu den meistzitierten gehören. Die 2011 ins Leben gerufene Vortragsreihe konzentriert sich auf das Thema der „politischen Sprache“. Stets sprechen renommierte Gäste aus dem In- und Ausland, wie beispielsweise der Philosoph und Historiker Quentin Skinner (2011), der Komponist, Regisseur und Kunsttheoretiker Heiner Goebbels (2015) oder die amerikanische Soziologin Joan W. Scott. Veranstalter sind das Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität und der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“.
Die diesjährige Kantorowicz-Lecture 2017 steht im Zusammenhang mit dem Campus-Projekt „Tropical Underground. Revolutionen von Anthropologie und Kino“ (www.tropical-underground.de), in dessen Rahmen am 17. November um 19 Uhr im Weltkulturen Museum am Schaumainkai 37 auch die Ausstellung „Variationen des wilden Körpers“ mit fotografischen Arbeiten von Eduardo Viveiros de Castro eröffnet wird.
Ebenfalls zum „Tropical Underground“-Projekt gehört die aktuelle Lecture & Film-Reihe, auch dieses Mal veranstaltet vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität, dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und dem Kino des Deutschen Filmmuseums. Die Reihe, bei der nach einem einleitenden Vortrag jeweils ein Film auf dem Programm steht, umfasst bis zum Sommersemester insgesamt 16 Termine. Der Fokus liegt auf Filmen der späten 1960er und 1970er Jahre, die für die brasilianische Gegenkultur dieser Zeit prägend waren.
Information: Dr. Steffen Bruendel, Forschungsdirektor und Geschäftsführer des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften, 069/798-32344 (Sekretariat), fzhg@em.uni-frankfurt.de ; www.fzhg.org; www.normativeorders.net/de/; Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Ko-Sprecher des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften, Kurator „Tropical Underground“, hediger@tfm.uni-frankfurt.de
Öffentliche Vortragsreihe der Goethe-Uni im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“
FRANKFURT. Weltweit sind Menschen auf der Flucht. Folglich treffen immer mehr Sprachen, kulturelle und historische Hintergründe, Religionen und individuelle Lebensgeschichten aufeinander und bereichern sich, gleichzeitig entstehen für die Gesellschaft neuartige Herausforderungen – so auch in Deutschland. Die Vortragsreihe „Gesellschaft in Bewegung: Interdisziplinäre Perspektiven auf Flucht und Migration“ nimmt die gesellschaftspolitischen, psychologischen sowie bildungswissenschaftlichen Problematiken von Fluchtmigration und die damit verbundenen Anforderungen in den Blick. Veranstaltet wird die Reihe von den Fachbereichen Erziehungswissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und Psychologie sowie der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung an der Goethe-Universität und durch die Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG finanziert.
Den Auftakt der Reihe bildet der Vortrag „(Kinder-)Armut und Fluchtmigration. Herausforderungen für Schule und Gesellschaft“ des Armutsforschers Prof. Christoph Butterwegge
am 08. November (Mittwoch) um 18 Uhr
im Anbau Casino Saal West, Campus Westend.
Die Moderation übernehmen Prof. Holger Horz und Prof. Tim Engartner von der Goethe-Universität.
Auf Grund der Fluchtmigration der letzten Jahre dürfte sowohl die absolute als auch die relative Armut zunehmen. Es besteht die Gefahr einer dauerhaften ethnischen Unterschichtung der Gesellschaft, vor allem dann, wenn Geflüchtete sozial ausgegrenzt, in Wohnsilos am Rande der Städte gedrängt und diskriminiert werden. Um die Hauptgefahr der Ghettoisierung von Flüchtlingen und der Kriminalisierung von Migranten zu bannen, ist eine inklusive Sozial-, Bildungs-, Gesundheits-, Stadtentwicklungs- und Wohnungsbaupolitik notwendig.
Christoph Butterwegge ist Politikwissenschaftler und Armutsforscher. Er war von 1998 bis 2016 Professor für Politikwissenschaft am Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln und ist Mitglied der Forschungsstelle für interkulturelle Studien. Zuletzt ist sein Buch „Armut“ (PapyRossa Verlag, Köln 2017) erschienen.
Aus pädagogischer und psychologischer Sicht werden viele langfristige Anforderungen auf uns zukommen: Welche sozial- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen werden benötigt, damit Migranten nicht dauerhaft in Armut leben müssen? Wie gestalten sich die Bildungsbedingungen für geflüchtete Kinder und Jugendliche in Deutschland langfristig? Mit welchen therapeutischen Handlungsweisen kann den besonderen psychischen Problemen und Belastungen geflüchteter Menschen angemessen begegnet werden? Antworten auf diese und weitere Fragen, versuchen international renommierte Wissenschaftler an insgesamt sechs Abenden zu geben.
Termine und Themen im Überblick:
15. November 2017
Why the economic, social and cultural benefits of immigration are much greater than commonly thought
Philippe Legrain, Senior Visiting Fellow am London School of Economics’ European Institute
Moderation: Prof. Rolf van Dick, Goethe-Universität
24. Januar 2018
Im Jahrhundert der Migration. Psychische Funktionstüchtigkeit als Schlüssel für gelingende Gesellschaften
Thomas Elbert, Professor für Klinische Psychologie und Verhaltensneurowissenschaften an der Universität Konstanz
Moderation: Prof. Ulrich Stangier, Goethe-Universität
31. Januar 2018
Trauma in a cross-cultural perspective
Devon Hinton, Professor der Psychiatrie am Massachusetts General Hospital und am Department of Global Health and Social Medicine der Harvard Medical School
Moderation: Prof. Ulrich Stangier, Goethe-Universität
07. Februar 2018
Migration im Verlauf der Schulbiografie. Die Situation migrierter Kinder, Jugendlicher sowie junger Erwachsender im deutschen Bildungssystem und Möglichkeiten der Professionalisierung im Lehramt
Mona Massumi, Lehrerin und Mitarbeiterin im Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln
Moderation: Prof. Isabell Diehm, Goethe-Universität
14. Februar 2018
Let’s Talk about Difference. Enpowering First-generation College Students to Succeed
Nicole M. Stephens, Professorin für Management und Organisation an der Kellogg School of Management
Moderation: Prof. Tanja Brühl, Prof. Rolf van Dick, beide Goethe-Universität
Beginn jeweils um 18 Uhr. Für die Vorträge in englischer Sprache werden Zusammenfassungen in deutscher Sprache bereit gelegt.
Alle Veranstaltungen finden im Anbau Casino Saal West, Campus Westend, statt.
Programm im Internet: www.abl.uni-frankfurt.de/vortragsreihe
Informationen: Ute Kandetzki, Geschäftsführerin Goethe-Lehrerakademie, Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 22650, E-Mail: vortragsreihe@abl-uni-frankfurt.de