Veranstaltungen
Vortrag im Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften. Im Anschluss Ausstellungseröffnung zu Yto Barrada „Hand-Me-Downs"
FRANKFURT. Über die Geschichte der mittelalterlichen Rhythmen hält Jean Claude Schmitt, Professor für Mittelalterliche Geschichte und Directeur d’études an der École des Hautes Études en Sciences Sociales, Paris, am Mittwoch (24. Oktober) um 18 Uhr im IG-Farben-Haus, Raum 411, Campus Westend, einen öffentlichen Vortrag. Der Wissenschaftler kommt auf Einladung des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität im Rahmen der Mittwochskonferenz.
Der Vortrag wird sich mit der Geschichte der sozialen Rhythmen beschäftigen – wobei der Begriff Rhythmus als übergreifendes Werkzeug Verwendung findet, um alle sozialen und kulturellen Aspekte der mittelalterlichen Gesellschaft zwischen dem 5. und dem 16. Jahrhundert zu analysieren. An den 1985 verstorbenen bekannten französischen Historiker Fernand Braudel anschließend stellt sich Schmitt die Frage: Wie kann der Historiker die Rhythmen in der Geschichte, d. h. in verschiedenen Bereichen des sozialen Lebens, mit den Rhythmen der Geschichte, d. h. des historischen Zeitlaufs, verknüpfen?
In Zusammenhang mit Musik, Tanz und Dichtkunst ist der Begriff des Rhythmus Historikern geläufig; sie haben ihn aber – im Gegensatz zum Zeitbegriff – in ihrer eigenen Disziplin nicht theoretisiert. Es ist das Verdienst von Soziologen sowie Kultur- und Sozialanthropologen wie Emile Durkheim, Marcel Mauss, Georg Simmel oder Pierre Bourdieu, aber auch von Künstlern und Theoretikern moderner Kunst wie Paul Klee, sich mit dem Begriff Rhythmus im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften theoretisch auseinandergesetzt zu haben. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Institut français d’histoire en Allemagne statt.
Im Anschluss an diesen Vortrag wird um 20 Uhr die Ausstellung zu dem Video „Hand-Me-Downs" der marokkanischen Künstlerin Yto Barrada eröffnet; sie findet statt in der Studiengalerie 1.357 im ersten Stock des IG-Farben-Hauses (Raum 1.357). „Hand-Me-Downs“, so erklärt Yto Barrada zu Beginn des Videos, ist eine Bezeichnung für Kleidungsstücke, die innerhalb von Familien weitergereicht und aufgetragen werden. Auf eine ähnliche Weise sollen auch die Erzählungen, die den Kern des Videos ausmachen, verstanden werden.
„Hand-Me-Downs“ behandelt die politischen und sozialen Folgen des Kolonialismus. Dabei geht es nicht um die große Erzählung, sondern um kleine Erzählungen aus dem Alltag der Betroffenen. Insgesamt 15 „weitergereichte“ Geschichten werden von der Künstlerin in neutralen Tonfall vorgetragen. Die Herkunft der Geschichten wird nicht offengelegt, Kontexte sind nur angedeutet. Das Video umkreist Lebenssituationen im Übergang vom Kolonialismus zum Postkolonialismus in Marokko – Brüche in den Identitäten, in den Familien, in den Biografien. Yto Barrada ist 1971 in Paris geboren und in Tanger, Marokko, aufgewachsen. Sie studierte zunächst Geschichtswissenschaft und Politologie an der Sorbonne in Paris, später studierte sie am International Center of Photographie in New York. Yto Barrada lebt in Tanger, wo sie sich in der Kultur- und Sozialarbeit engagiert. Im Jahr 2011 wurde sie als Deutsche Bank Artist of the Year ausgezeichnet.
Die Studiengruppe „Geschichtspolitik, Gedächtniskultur und Bildgebrauch“ hat Inhalte, Kontexte und künstlerische Strategien des 14-minutigen Videos im vergangenen Semester, unterstützt von Lehrenden unterschiedlicher Fachrichtungen, erarbeitet. Dabei stehen Fragen nach dem bildlichen Umgang mit Geschichte und dem Verhandeln von Geschichte und Erinnerung in der aktuellen Videokunst im Mittelpunkt. Der Film ist vom 25. Oktober bis 29. November 2012 montags bis donnerstags zwischen 12 und 17 Uhr in der Studiengalerie 1.357 im I.G.-Farben-Haus zu sehen.
Die Studiengalerie 1.357 ist Teil einer Kooperation des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität und des Städel Museums Frankfurt. Die Studierenden erlernen Grundlagen des Umgangs mit ästhetischen Verfahren geschichtspolitischer Arbeit. Initiiert wurde die Gruppe von Prof. Dr. Bernhard Jussen vom Historischen Seminar und Dr. Martin Engler, Leiter Gegenwartskunst am StädelMuseum.
Informationen: Zum Vortrag: Dr. Falk Müller, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798-32411, falk.mueller@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org
Zur Studiengalerie: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel.: 069/798-32427, jussen@em.uni-frankfurt.de; Dr. Martin Engler, Leiter Gegenwartskunst am Städel Museum, Tel.: 069/605098210, engler@staedelmuseum.de; Dr. Henning Engelke, Kunsthistorisches Institut, Campus Bockenheim, Tel 069/798-23470, engelke@kunst.uni-frankfurt.de; Bild- und Textmaterial:Studiengruppe „Geschichtspolitik, Gedächtniskultur und Bildgebrauch“ unter http://studiengalerie1357.wordpress.com/
Veranstaltungen
Öffentliche Vortragsreihe im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft.“ – Zum Auftakt spricht der Phänomenologe Waldenfels
FRANKFURT. Nie zuvor war der Mensch von einer solch großen Anzahl von Dingen umgeben wie heute. Die Dinge erweisen sich als immer komplexer und ihre Beherrschung verlangt dem Einzelnen und der Gesellschaft außerordentliche Anstrengungen ab. Die öffentliche Vortragsreihe „Vom Eigensinn der Dinge“, die im Wintersemester im Rahmen der seit 1986 an der Goethe-Universität angesiedelten Deutsche Bank-Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ stattfindet, will zeigen, wie wenig die bislang geltenden Vorstellungen vom Wert und Sinn der Dinge ausreichen. Zum Auftakt spricht der Bochumer Philosophie-Professor Bernhard Waldenfels am Donnerstag (25. Oktober um 18.15 Uhr) über „Die Mitwirkung der Dinge in der Erfahrung“.
Für den Phänomenologen Waldenfels sind die Dinge keine bloßen Objekte, sondern in ihnen verkörpern sich Bedeutungen, Erinnerungen und Erwartungen. Sie sind eben stets mehr als bloße Dinge – wie der Wissenschaftler zeigen wird. Außerdem wird er belegen, wie sich unser heutiges Denken im Vergleich zum klassischen verändert hat: Während das klassische Denken dazu neigt, Dinge als Träger von Eigenschaften zu identifizieren, drohen die Dinge heute, ihr Eigengewicht einzubüßen. „Der Mensch ohne Eigenschaften scheint umgeben von Dingen ohne Eigenheiten“, bringt Waldenfels es auf den Punkt. Entsprechend groß sei die Versuchung, aus den technischen, ökonomischen oder administrativen Netzwerken auszubrechen und nach Resten handfester, fühlbarer, auch exotischer Präsenz zu suchen. Moderieren wird diese Veranstaltung der Philosophie-Professor und Vize-Präsident der Goethe-Universität, Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann.
Konzipiert und organisiert wurde diese Vortragsreihe von Ethnologen und Archäologen aus dem Frankfurter Graduiertenkolleg „Wert und Äquivalent“, das eine international zusammengesetzte Gruppe von 20 Doktoranden betreut. „Archäologie und Ethnologie als Wissenschaften der materiellen Kultur haben sich schon immer der Herausforderung durch die Dinge gestellt und versucht, diese genau zu untersuchen und in den gegebenen Kontexten differenziert zu interpretieren", betont der Ethnologe Prof. Dr. Hans Peter Hahn.
Im Konzert mit Fachleuten aus Archäologie und Ethnologie sowie aus Kunstgeschichte, Philosophie und Wissenschaftsgeschichte wird die Vortragsreihe den überraschenden Zusammenhängen nachgehen, die sich aus dem „Eigensinn der Dinge“ ergeben. Die Vorträge werden zeigen, wie wenig die bislang vorgestellten Ordnungen der Dinge ausreichend sind, um die Welt des Materiellen zu verstehen. Der Eigensinn der Dinge wird dabei sowohl als Phänomen einzelner herausragender Objekte wie auch als Frage des Verstehens materieller Kultur insgesamt und damit nach der „conditio humana“ behandelt. Der Archäologe Prof. Dr. Hans-Markus von Kaenel ergänzt: „Im Mittelpunkt der Vorträge stehen Eigenschaften der Dinge selbst, die in den gängigen Theorien zur Welt des Materiellen oftmals übersehen wurden.“
Das Programm im Einzelnen:
Alle Vorträge finden auf dem Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 5, statt. Beginn jeweils 18.15 Uhr.
Informationen: Prof. Dr. Hans Peter Hahn, Institut für Ethnologie, Prof. Dr. Hans-Markus von Kaenel, Institut für Archäologische Wissenschaften, Campus Westend, 069-798 32293, value@em.uni-frankfurt.de, www.value-and-equivalence.de
Veranstaltungen
Amerikanische Islamwissenschaftlerin und Frauenrechtlerin hält Vortrag auf Einladung des Cornelia Goethe Centrums
FRANKFURT. In der Reihe „Geschlechterverhältnisse in den Weltreligionen“ ist die amerikanische Islamwissenschaftlerin und Frauenrechtlerin Amina Wadud am Mittwoch (24. Oktober) zu Gast in der Goethe-Universität. Sie berichtet in ihrem Vortrag „Islam, Gender and Reform“ über die Grundlagen und Herausforderungen eines „Islamischen Feminismus“. Die öffentliche Veranstaltung des Cornelia Goethe Centrums findet von 18 bis 20 Uhr auf dem Campus Bockenheim, AfE-Turm (2. Stock, Raum 238) statt.
Die renommierte Wissenschaftlerin zeigt die unterschiedlichen Ansätze in ihren jeweiligen kulturellen Kontexten auf und verknüpft diese gleichzeitig mit möglichen Strategien, um die Gleichberechtigung der Frau zu erreichen, Islamophobie zu bekämpfen und neues Wissen über den Islam zu produzieren. Der Vortrag ist in englischer Sprache.
Amina Wadud lehrte unter anderem in Harvard und an der Universität von Melbourne. Sie ist Visiting Scholar an der Starr King School in Berkeley und Autorin grundlegender Bücher wie „Qur'an and Woman: Re-Reading the Sacred Text from a Woman's perspective“ und „Inside the Gender Jihad: Women's Reform in Islam".
Informationen: Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhaeltnisse, Tel.(069)798-23625, E-Mail: cgcentrum@soz.uni-frankfurt.de, www.cgc.uni-frankfurt.de
Forschung
Frankfurter Wirtschaftspädagogen untersuchen wirtschaftliche Kompetenz von Lehrkräften und Lehramtsstudierenden / Ausbildung meist mangelhaft
FRANKFURT. Wer die ökonomische Bildung von jungen Menschen verbessern möchte, muss ihre Lehrkräfte entsprechend ausbilden. Dieser Einsicht folgend startet die Abteilung Wirtschaftspädagogik am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main ein auf drei Semester angelegtes Forschungsprojekt zur Förderung der ökonomischen Kompetenz von Lehramtsstudierenden und Lehrkräften an allgemeinbildenden Schulen. Das Projekt wird von der Marga-Coing-Stiftung mit 10.000 Euro gefördert.
„Es gibt viele Studien, die belegen, dass Jugendliche nur sehr wenig über wirtschaftliche Zusammenhänge wissen“, erklärt Prof. Dr. Eveline Wuttke, die das Projekt leitet. Zwar wurden die Lehrpläne an den allgemeinbildenden Schulen in den letzten Jahren angepasst. In Hessen gibt es etwa seit 2002 das Fach „Politik und Wirtschaft“, in dem ökonomische Grundkenntnisse vermittelt werden sollen. Doch in den Studienordnungen findet sich die wirtschaftliche Zielsetzung nur bedingt wieder. So müssen angehende „PoWi“-Lehrerinnen und Lehrer in Hessen hauptsächlich Module aus dem Bereich „soziologische und politikwissenschaftliche Grundlagen“ absolvieren, wirtschaftswissenschaftlich orientierte Veranstaltungen sind freiwillig. „Weder die aktuellen PoWi-Lehrkräfte noch die zukünftigen verfügen somit über systematisch erworbene ökonomische Kenntnisse“, sagt Wuttke. „Ihr Wissen in diesem Gebiet ist eher beliebig und entspringt im besten Falle persönlichen Interessen.“
Mit den Mitteln der Marga-Coing-Stiftung sollen nun drei aufeinander aufbauende Masterarbeiten ein Konzept zur Lehreraus- und -weiterbildung entwickeln. Auf der Grundlage von Lehrplananalysen und Interviews mit Lehrkräften wird zunächst analysiert, über welche wirtschaftswissenschaftlichen Kenntnisse (angehende) Lehrkräfte verfügen sollten. Anschließend wird ein Trainings- und Evaluationskonzept entwickelt und an Studierenden getestet. Am Ende steht die kontrollierte Durchführung des Trainings mit Lehramtsstudierenden und Lehrkräften. Die dabei gewonnen Erfahrungen sowie die Ergebnisse der Erfolgsmessung sollen schließlich in Überlegungen einfließen, wie sich das Training im Rahmen der Studienordnung und der Lehrerweiterbildung verstetigen ließe.
Informationen: Prof. Dr. Eveline Wuttke, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Campus Westend, Tel. (069) 798 34690, wuttke@em.uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Junger niederländischer Autor liest im Casino auf dem Campus Westend der Goethe-Universität
FRANKFURT. Aus seinen beiden auch ins Deutsche übersetzten Romanen „Wie es begann“ und „Morgen sind wir in Pamplona“ liest der niederländische Autor Jan van Mersbergen am Mittwoch (31. Oktober) um 19.30 Uhr. Der 1971 geborene Schriftsteller zählt zu den renommiertesten niederländischen Autoren der jüngeren Generation. Diese öffentliche Veranstaltung findet auf Initiative des Lektorats Niederländisch des Fachbereichs Neuere Philologien auf dem Campus Westend, Casino, Raum 1.802 (1. Stock) statt, der Eintritt ist frei. Die Lesung ist in Niederländisch und in Deutsch.
Jan van Mersbergen hat bereits sechs erfolgreiche Romane veröffentlicht, wobei der letzte „Naar de overkant van de nacht“ (2011) für die drei großen Literaturpreise 2012 nominiert war. „Zo begint het“ („Wie es begann“) und „Morgen zijn we in Pamplona“ („Morgen sind wir in Pamplona“) wurden außer ins Deutsche auch ins Englische und Französische übersetzt, sein letzter Roman erschien sogar auf Spanisch und Türkisch. In „Wie es begann“ schreckt eine Zeitungsmeldung vier Menschen auf, deren Lebensläufe sich sonst nie gekreuzt hätten. In „Morgen sind wir in Pamplona“ geht es um eine Männerfreundschaft, die ihre Intensität aus dem Ungesagten gewinnt, zwei Männer sind auf der Flucht vor sich selbst, vor dem, was ihr Leben ausmacht.
In seinen Romanen behandelt van Mersbergen – wie es scheint – unspektakuläre Themen, aber er versetzt sich so tief in die verschiedenen Charaktere, dass die Geschichte äußerst fesselnd wird. Das Ende ist immer völlig unerwartet. Jan van Mersbergens gelungene Struktur in Kombination mit viel Sinn fürs Detail, Kenntnis über die menschliche Psyche und ihre Tiefen, und eine saubere, fast ätherische Sprache, reißen den Leser mit in die Tiefen einiger faszinierender Persönlichkeiten. Nichts Menschliches scheint ihm fremd zu sein.
Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de
www.uni-frankfurt.de/fb/fb10/IDLD/Niederlaendische_Sprache_Literatur_Kultur/index.html