Veranstaltungen
Weihnachtsvorlesung der Professoren Theo Dingermann und Dieter Steinhilber handelt von der Sucht einer Pop-Ikone
FRANKFURT. Die Pharmazeuten Prof. Theo Dingermann und Prof. Dieter Steinhilber laden auch in diesem Jahr alle Interessierten zu ihrer Weihnachtsvorlesung auf den Campus Riedberg ein. In ihrem Vortrag geht es wieder um eine Ikone der Popmusik - um die 2011 im Alter von gerade einmal 27 Jahren verstorbene britische Sängerin Amy Winehouse. Nach den Vorträgen zur Suchterkrankung von Joe Cocker und der Schlafmittelsucht von Michael Jackson geht es in diesem Jahr um eine Sucht, die durch ein legales Genussmittel verursacht wird - das jedoch verheerend wirkt, wenn die Sucht-relevanten Prozesse wie bei der Sängerin Amy Winehouse einmal ins Rollen kommen.
Dingermann und Steinhilber werden über die physiologischen Veränderungen im Gehirn der Betroffenen unterrichten und deutlich machen, dass diese Prozesse unumkehrbar sind. „Das Gehirn hat keine Löschtaste“ ist dabei eine der zentralen Aussagen. Was über das dopaminerge Belohnungssystem einmal erlernt wurde, ist festgeschrieben in neuronalen, anatomischen Veränderungen, die teils mit bloßem Auge erkennbar sind. Daher bedarf es zu pharmakologischen Ansätzen im Rahmen einer Entwöhnung ganz neuer Strategien. Drogentherapien zielen heute auch darauf ab, zu lernen, das Erlernte zu „überschreiben“. Dies wird mit dem Begriff „Extinktionslernen“ überschrieben, ein langer, mühsamer Prozess, den viele nicht zu beenden in der Lage sind.
Weihnachtsvorlesung von Prof. Dr. Theo Dingermann u. Prof. Dr. Dieter Steinhilber:
„Amy Winehouse: Wenn Alkohol zum (tödlichen) Problem wird“.
Dienstag, 16. Dezember, 11 Uhr (c.t.), Biozentrum, Hörsaal B1, Campus Riedberg.
Weitere Informationen: Dr. Ilse Zündorf, Institut für Pharmazeutische Biologie
Goethe-Universität Frankfurt a.M., Max-von-Laue-Str. 9, 60438 Frankfurt, Tel. (069) 79829648, zuendorf@em.uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Jubiläums-Ausstellung zum Bockenheimer Kramer-Bau. Eröffnung am 16. Dezember
FRANKFURT. Vor genau fünfzig Jahren wurde das zentrale Bibliotheksgebäude für die Universität am Campus Bockenheim fertiggestellt. Die Ausstellung zeigt das für diese Zeit neuartige Konzept und die technischen Innovationen des Gebäudes. Zeitgenössische Fotografien und Baupläne werden durch Zitate der 'Bauherren' Bibliotheksdirektor Clemens Köttelwesch und Ferdinand Kramer, Baudirektor der Universität, ergänzt. Exponate machen den Bibliotheksalltag der 1960er Jahre wieder erlebbar.
Die Ausstellung wird gezeigt in der Bibliothek Kunstgeschichte/Städelbibliothek und Islamische Studien, Senckenberganlage 31. Sie wird eröffnet am 16. Dezember um 17.00 Uhr und ist bis zum 13. Februar 2015 zu sehen (Mo-Do 10.00-20.00 Uhr, Fr 10.00-17.00 Uhr).
Forschung
Das Frankfurter Reaktionsmikroskop COLTRIMS liefert neue Erkenntnisse – Aktuelle Veröffentlichung in der renommierten Fachzeitschrift „nature communications“
FRANKFURT. Wieder einmal haben Frankfurter Physiker dazu beigetragen, eine Streitfrage der theoretischen Physik zu entscheiden. Zwar ist in der Wissenschaft längst bekannt, dass Helium entgegen der alten Lehrmeinung Moleküle aus zwei, drei oder sogar mehr Helium-Atomen bildet. Wie das aus drei Atomen bestehende He3 allerding genau aussieht, war unter Theoretikern rund 20 Jahre umstritten. Neben der intuitiven Annahme, dass die drei identischen Bestandteile ein gleichseitiges Dreieck bilden, existierte auch die Hypothese, dass die drei Atome linear, also in einer Reihe angeordnet sind. Wie die Wissenschaftler um Prof. Dr. Reinhard Dörner und seinen Doktoranden Jörg Voigtsberger in der heute erschienenen renommierten Fachzeitschrift „nature communications“ berichten, konnten sie mit dem in Frankfurt entwickelten Reaktionsmikroskop COLTRIMS zeigen, dass die Wahrheit dazwischen liegt.
„Die Natur zieht sich hier ziemlich elegant aus der Affäre: Wir haben Helium unter unserem Reaktionsmikroskop angeschaut, und dabei zeigte sich, dass He3 wie eine Wolke ist“, sagt Voigtsberger, aus dessen Dissertation die Resultate der Veröffentlichung stammen. „Egal ob linear oder dreieckig oder eine andere Konfiguration: Alle sind gleich wahrscheinlich, wie das für die Quantenmechanik typisch ist.“ Die Ergebnisse von Voigtsberger und seinen Kollegen machen außerdem Schluss mit einer aus der Schulzeit übernommenen Vorstellung: Das He3-Molekül besteht nicht aus eine festen Struktur, so wie etwa das Wasserstoffmolekül H2 und das Kohlendioxid-Molekül CO2, bei denen die einzelnen Atome quasi direkt aneinander stoßen. Im Gegensatz dazu ist He3 wie eine Wolke – der Abstand zwischen den Atomen ist ungefähr zehnmal so groß wie der Atom-Radius.
Schließlich berichten Voigtsberger und Dörner, dass sich eine Variante der Moleküls He3 ungewöhnlich verhält: Normale Helium-Atome bestehen aus zwei Protonen und zwei Neutronen. Wenn man eines der drei Helium-Atome durch das leichtere Isotop ersetzt, das nur aus zwei Protonen und einem Neutron besteht, dann ist das Molekül im sogenannten Quantenhalo-Zustand: Das leichtere Isotop ist weiter von den beiden anderen Atomen entfernt, als es nach der klassischen Physik dürfte. „Das kann man sich vorstellen wie Tischtennisbälle in einer Suppenschüssel“, erläutert Dörner. „Normale Atome sammeln sich am Boden der Schüssel, in einen Minimum des Potenzials. Wenn sie den Potenzialberg, also die Wand der Schüssel überwunden haben, sind sie völlig vom Molekül getrennt. Das leichtere Helium-Isotop befindet sich also gewissermaßen außerhalb der Schüssel, aber durch den quantenmechanischen Tunneleffekt ‚merkt‘ es immer noch etwas von den Atomen in der Schüssel und kann nicht einfach wegfliegen.“
Das Reaktionsmikroskop COLTRIMS, mit dessen Hilfe die Experimente an den Helium-Molekülen gemacht wurden, hat seine Vielseitigkeit schon mehrfach bewiesen: So konnten Mitglieder der Arbeitsgruppe Dörner im Jahr 2013 schon einmal einen Disput der theoretischen Physik entscheiden. COLTRIMS-Experimente bewiesen damals, dass vor rund 80 Jahren der Standpunkt des dänischen Physikers Niels Bohr in der „Einstein-Bohr-Debatte“ korrekt gewesen war, und kurz zuvor hatten weitere Physiker aus der AG Atomphysik COLTRIMS dazu verwendet, die Zerstörung eines Moleküls durch einen starken Laserpuls zu „filmen“ – diese Reaktion läuft so schnell ab, dass sie von keiner normalen Kamera erfasst werden kann.
Veröffentlichung: J. Voigtsberger et al., Imaging the structure of the trimer systems 4He3 und 3He4He2 in: Nature communications, 5:5765, DOI: 10.1038/ncomms6765
Informationen: Prof. Dr. Reinhard Doerner, Institut für Kernphysik, Campus Riedberg, Telefon (069) 798-47003, doerner@atom.uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Am 8. Dezember empfing das Goethe-Schülerlabor Physik seine/n 1000. Besucher/in
FRANKFURT. Im Goethe-Schülerlabor Physik können Schülerinnen und Schüler selbstständig spannende Experimente durchführen und so ihr Wissen aus dem Schulunterricht vertiefen und erweitern. Auch Messungen und Simulationen mit dem Computer sind Teil des Angebots. Bereits 11 Monate nach der Einweihung heißt das Schülerlabor am Campus Riedberg nun seine/n 1000. Besucher/in mit einem kleinen Geschenk willkommen.
Nicht nur Schüler und Lehrer sind von dem breiten Themenangebot des Schülerlabors begeistert. Auch Referendare in der Ausbildung finden hier Inspirationen für einen spannenden Physik-Unterricht. Zurzeit bietet das Goethe-Schülerlabor Physik vor allem Themen für die Sekundarstufen I und II an, zum Beispiel das „Schülerlabor Kriminalistik“. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler den „Mord im Museum“ mit Hilfe kriminaltechnischer Untersuchungen lösen. Für Grundschulkinder wird das “Schülerlabor Grundverständnis Magnetismus“ angeboten, weitere Themen sollen nächstes Jahr folgen.
Gefördert wird der Auf- und Ausbau des Goethe-Schülerlabors Physik von der Adolf Messer Stiftung.
Aktuelle Angebote des Schülerlabors: http://www.uni-frankfurt.de/49209600/Schuelerlabor
Informationen: Prof. Thomas Wilhelm, Institut für Didaktik der Physik, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-47845; wilhelm@physik.uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Frankfurter Islamwissenschaftlerin Dr. Armina Omerika beleuchtet die Diskussionen in Bosnien
FRANKFURT. Die Übersetzung des Korans aus dem Arabischen in eine andere Sprache kann ein Politikum sein. Dies wird die Islamwissenschaftlerin Dr. Armina Omerika von der Goethe-Universität in ihrem Vortrag am Montag (15. Dezember) am Beispiel der Übertragungen des Korans ins Bosnische/Serbische/Kroatische näher beleuchten.
Die Veranstaltung gehört zu der Vorlesungsreihe „Der Koran – Ein Text im Dialog zwischen Osten und Westen“. Sie wird im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG im Wintersemester vom Zentrum für Islamische Studien der Goethe-Universität veranstaltet und wendet sich insbesondere an die Bürger im Rhein-Main-Gebiet. Die Vorlesung beginnt um 18 Uhr im Renate von Metzler-Saal, Casino, Campus Westend.
Trotz der jahrhundertelangen Präsenz des Islam und der Einbindung weiter Teile Südosteuropas in die staatlichen Strukturen des Osmanischen Reiches erfolgte die erste direkte Übertragung des Korans aus dem Arabischen in die Sprache einer der größten muslimischen Bevölkerungsgruppe der Region, der Bosniaken, erst im Jahre 1977 durch den Gelehrten Besim Korkut. Korkuts Übersetzung waren andere vorausgegangen, die allerdings auf Umwegen über andere Sprachen erfolgt waren, etwa über das Französische oder das Türkische. Die Übertragungsakte lösten zum Teil heftige innermuslimische Polemiken über die generelle Übersetzbarkeit des Korans und damit auch über den exegetischen Zugang zum koranischen Text aus.
Anhand von drei Koran-Übersetzungen ins Bosnische/Serbische/Kroatische (Ljubibratić 1895; Pandža/Čaušević 1937 und Korkut 1977) und der Darstellung der sie begleitenden Debatten wird die Wissenschaftlerin zeigen, dass die Frage der Koran-Übersetzungen in einem engen Zusammenhang mit der Neubewertung der islamischen theologischen Traditionen durch die Muslime des Westbalkans stand. Dabei spielten die Bedingungen der Moderne eine entscheidende Rolle. So wurden beispielsweise nicht nur die lexikalischen und grammatikalischen Entscheidungen der Übersetzer kritisiert, sondern auch die bei der Übersetzung zu Hilfe genommenen arabisch-sprachigen Korankommentare und deren theologischen Grundannahmen.
Darüber hinaus standen die Koran-Übersetzungen, ihre Motivationen und auch die ausgelösten Debatten in einem engen Zusammenhang mit den sprach-, wissenschafts- und religionspolitischen Entwicklungen. Sie waren auch nicht frei von vorherrschenden (national)staatlichen Ideologien der jeweiligen Zeit. „Es sind diese Wechselwirkungen, die aus den Übersetzungen des Offenbarungstextes über rein theologische Implikationen hinaus auch ein Politikum machten“, betont Armina Omerika.
Die Frankfurter Islamwissenschaftlerin wurde 1976 in Mülheim an der Ruhr geboren, besuchte die Grundschule in Mostar, Bosnien und Herzegowina, Abitur machte sie 1996 in Mülheim. Armina Omerika studierte Islamwissenschaften, Film- und Fernsehwissenschaften und Anglistik an der Ruhr-Universität Bochum und an der John Moores University Liverpool. Sie promovierte 2009 in Islamwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum zum Thema „Jungmuslime in Bosnien und Herzegowina, 1941-1983“. Es folgten Lehr- und Forschungstätigkeiten in Islam- und Geschichtswissenschaften an den Universitäten Bochum, Erfurt, Basel, Frankfurt und an der St. Lawrence University, Canton/NY (USA). Seit Mai 2013 ist sie Leiterin der Postdoc-Gruppe „Wissens- und Methodentransfer in den Islamischen Studien“ am Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam an der Goethe-Universität Frankfurt. Im Sommersemester 2014 hatte sie eine Vertretungsprofessur Islamische Studien/Islamische Theologie an der Universität Hamburg inne.
Sie hat zahlreiche Publikationen zum Themenfeld „Islam auf dem Balkan“ veröffentlicht, u.a. „Muslimische Stimmen aus Bosnien und Herzegowina. Die Entwicklung einer modernen islamischen Denktradition“ (Herder Verlag 2013); „Islam in Bosnien und Herzegowina im 20. Jahrhundert und das Netzwerk der Jungmuslime“ (Harrassowitz Verlag 2014). Armina Omerika war Stipendiatin der Volkswagen-Stiftung und der Gerda-Henkel-Stiftung und von 2010 bis 2012 Mitglied des Plenums der Deutschen Islam Konferenz.
Weitere Vorträge in der Reihe „Der Koran – Ein Text im Dialog zwischen Osten und Westen“ auf einen Blick:
Die Veranstaltungen finden jeweils montags um 18 Uhr im Renate von Metzler-Saal, Casino, Campus Westend statt.
12. Januar 2015
Nicolai Sinai, Universität Oxford
Wie viel Kritik verträgt der Koran? Zum gegenwärtigen Stand der historisch-kritischen Koranforschung
26. Januar 2015
Stefan Wild, Universität Bonn
Viele Wege zum Text? Gespräche zwischen muslimischen Gelehrten und Orientalisten
9. Februar 2015
Podiumsdiskussion
Den Text verstehen. Zeitgenössische Koranhermeneutik in der islamischen Welt
Moderation: Bekim Agai, Goethe-Universität
Sunnitische Zugänge: Rotraud Wielandt, Universität Bamberg
Schiitische Zugänge: Katajun Amirpur, Universität Hamburg
Informationen: Prof. Dr. Bekim Agai, Zentrum für Islamische Studien, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 32751, agai@em.uni-frankfurt.de, www.islamischestudien.uni-frankfurt.de