Veranstaltungen
Im Rahmen der Bürger-Universität spricht Prof. Regine Prange über Gerhard Richter
FRANKFURT. Er wird der „Picasso des 21. Jahrhunderts“ genannt, er gilt als der international erfolgreichste Maler der Gegenwart, seine Bilder bringen auf Auktionen Millionenbeträge ein, die für einen lebenden Künstler sonst nicht gezahlt werden. Dem Künstler hinter diesen Superlativen – Gerhard Richter – widmet sich Prof. Regine Prange in ihrem Vortrag im Rahmen der Frankfurter Bürger-Universität. Dem Künstler, der die Preisentwicklung der eigenen Bilder als „genauso absurd wie die Bankenkrise: unverständlich, albern, unangenehm“ kommentiert.
Richters Karriere beginnt im Jahr des Mauerbaus 1961, nachdem er nach Westdeutschland ausreiste und sein Studium an der Akademie in Düsseldorf fortsetzte. Berühmt machten ihn seine fotorealistischen Naturdarstellungen, besonders aber seine unscharfen Foto-Bilder, die auf Bildern aus Illustrierten oder Fotografien basieren. Seine Sujets sind familiärer wie politischer Art und nicht selten ist er zum Chronisten der deutschen Geschichte geworden. Etwa mit seinem Zyklus 18. Oktober 1977, der das Ergebnis seiner intensiven Beschäftigung mit der linksradikalen terroristischen Vereinigung Rote Armee Fraktion ist. Aber auch der abstrakten Malerei hat sich Richter intensiv gewidmet
Die Veranstaltung ist Teil der vom Soziologen Prof. Tilman Allert konzipierten Vortragsreihe: „Deutsche Biografien – Wie wir wurden, wer wir sind“. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten deutscher Sozial- und Kulturgeschichte vor. Stellvertretend für eine ganze Nation werden so auch die individuellen Voraussetzungen Gerhard Richters betrachtet. Prof. Regine Prange vom kunstgeschichtlichen Institut der Goethe-Universität geht in ihrem Vortrag der Frage nach, inwiefern Richters Bilder die Malerei als eine Form des Denkens einsetzen.
„Meine Bilder sind klüger als ich“ – Gerhard Richter
Referentin: Prof. Regine Prange
am: Montag, 24. Juni 2013, um 19.30 Uhr,
Ort: Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt
Die Veranstaltung ist als Videoaufzeichnung auch über www.buerger.uni-frankfurt.de abrufbar.
Weitere Vorträge:
8. Juli 2013
Stefan Lukschy
Loriot
„Sagen Sie jetzt bitte nichts“
Beginn jeweils um 19.30 Uhr / Eintritt frei
Anfahrt: www.stadtbuecherei.frankfurt.de
Das komplette Programm der 9. Frankfurter Bürger-Uni: www.buerger.uni-frankfurt.de
Sonstige
Beschäftigte und Studierende der Goethe-Universität konnten nach Durchsuchung der Gebäude ihre Arbeit fortsetzen
FRANKFURT. Gegen die Goethe-Universität hat es heute (19. Juni) per E-Mail eine Bombendrohung für einen bestimmten Bereich des Campus Westend gegeben. Polizeiliche Ermittlungen wurden aufgenommen. Es liegen noch keine Hinweise dafür vor, wer die Drohung ausgesprochen hat.
Zum Schutz der Beschäftigten und der Studierenden hatte das Präsidium gegen 11 Uhr die Gebäude PEG und PA auf dem Campus Westend räumen lassen. Nach einer polizeilichen Durchsuchung aller Räume konnte der Universitätsbetrieb in den betroffenen Häusern gegen 13.30 Uhr wieder in vollem Umfang aufgenommen werden. Eine parallel stattfindende Veranstaltung konnte kurzfristig in ein anderes Gebäude verlegt werden und dort störungsfrei weitergeführt werden.
Universitäts-Präsident Prof. Werner Müller-Esterl dankte den Einsatzkräften von Polizei und Feuerwehr sowie den Beschäftigten und Studierenden für ihr besonnenes Vorgehen und Verhalten.
Personalia/Preise
„For Women in Science“-Programm zeichnet Frankfurter Biochemikerin aus
FRANKFURT. Elina Nürenberg, Doktorandin am Institut für Biochemie der Goethe-Universität, erhält den mit 20.000 Euro dotierten „For Women in Science“-Förderpreis. Das von der deutschen UNESCO-Kommission, der Christiane-Nüsslein-Volhard-Stiftung und L’Oréal geförderte Programm unterstützt jährlich drei junge, vielversprechende Nachwuchsforscherinnen, die gleichzeitig Mütter sind. Das Preisgeld soll dazu beitragen, dass sie ihre vielversprechende Karriere auch nach der Familiengründung fortsetzen können. Die Preisverleihung findet statt am 20. Juni 2013 in Berlin im Rahmen einer Fachtagung des Nationalen Pakts für Frauen in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik), gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Elina Nürenberg, deren Sohn bereits während ihres Studiums der Chemischen Biologie an der Technischen Universität Dortmund zur Welt kam, freut sich über das Preisgeld, das für Kinderbetreuung oder eine Entlastung im Haushalt verwendet werden soll. „Jetzt kann ich ohne schlechtes Gewissen länger arbeiten, weil ich weiß, dass ich die Zeit am Abend ganz meiner Familie widmen kann und nicht noch den Haushalt machen muss“, sagt sie. Ein Teil des Geldes steht auch für Coaching zur Verfügung, aber die Angebote der Graduiertenschule GRADE decken diesen Bereich für Nürenberg bereits gut ab. Ein weiterer Teil der Fördersumme soll auch in Projekte fließen, die die dauerhafte Vereinbarkeit von Beruf und Familie sichern. Dazu Nürenberg: „Ich denke, dass die Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen die sinnvollste Verwendung für das Geld ist.“
Die Forscherin ist in Riga geboren und wanderte mit acht Jahren nach Deutschland aus. Seit 2012 arbeitet die 27Jährige an ihrer Promotion am Institut für Biochemie von Prof. Robert Tampé. Dort erforscht sie die Synthese von Proteinen in der Zelle. Zentral für diesen Prozess ist das Ribosom. Es gleicht einer gigantischen makromolekularen Fabrik, die aus zwei Untereinheiten besteht. Sobald ein Protein fertiggestellt und vom Ribosom entlassen wurde, müssen die Untereinheiten getrennt werden – dieser Schritt heißt Ribosom-Recycling. Erst vor etwa fünf Jahren fand man heraus, dass das Protein ABCE1 für die Spaltung des Ribosoms verantwortlich ist. In der Arbeitsgruppe von Prof. Tampé sind bereits wichtige Funktionen von ABCE1 und dem Ribosom Recycling Prozess untersucht worden. Das Wissen über die Funktionsweise dieses Proteins auf molekularer Ebene soll dazu beitragen, die Proteinbiosynthese und damit die Funktion der Zelle besser zu verstehen.
Weitere Preisträgerinnen sind die Biochemikerin Simone Anderko von der Universität des Saarlandes und die Ärztin Rebecca Böhme von der Charité Berlin.
Bei Bildanfragen melden Sie sich bitte bei Frau Dr. Anne Hardy (hardy@pvw.uni-frankfurt.de).
Informationen: Elina Nürenberg, Institut für Biochemie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29471; nuerenberg@stud.uni-frankfurt.de www.fwis-programm.de/
Sonstige
Goethe-Universität und Unternehmen aus der Region haben Energieverbrauch reduziert
FRANKFURT. Im Jahr 2010 hatten sich die Goethe-Universität und neun weitere Unternehmen sowie die Stadt Frankfurt zum „Lernenden Energie Effizienz Netzwerk Rhein Main“, kurz LEEN, zusammengeschlossen und sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Innerhalb der dreijährigen Laufzeit wollten sie für die am Projekt teilnehmenden Gebäude Energieverbrauch und CO2-Emmission gemeinschaftlich um sieben Prozent reduzieren. Aufgrund der intensiven Maßnahmenumsetzung konnte dieses Ziel jetzt sogar noch übertroffen werden.
Mit einer Energieeffizienzverbesserung von 10,5% und einer Verringerung der spezifischen CO2-Emissionen um 9,8% liegt das Netzwerk laut Auskunft des Projektträgers Arqum auch über dem Durchschnitt des Effizienzfortschritts der deutschen Industrie. Dafür wurden die Goethe-Universität zusammen mit den weiteren Netzwerkteilnehmern am 18. Juni durch Rosemarie Heilig, Dezernentin für Umwelt, Gesundheit und Personal der Stadt Frankfurt, ausgezeichnet. Bei der Abschlussveranstaltung am Campus Westend unterstrich Kanzler Holger Gottschalk die Bedeutung des Energiemanagement – sowohl unter wirtschaftlichen wie ökologischen Aspekten. Zudem habe die Universität bezüglich der Entwicklung von Strategien zur Nachhaltigkeit eine gesellschaftliche Verantwortung.
Im Rahmen des Netzwerkes hat das Immobilienmanagement der Goethe-Universität das Gebäude der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften einem umfangreichen Energiecheck unterzogen und entsprechende Maßnahmen zur Effizienzsteigerung umgesetzt. In der Summe werden dadurch knapp 182,7 t CO2 sowie rund 65.000 Euro pro Jahr eingespart.
Veranstaltungen
Erstmals Studienfach „islamische Theologie“ in Deutschland Festakt mit dem stellv. Ministerpräsidenten Jörg-Uwe Hahn
FRANKFURT. Die Goethe-Universität betritt mit ihrem Zentrum für Islamische Studien, das heute (19.6.) offiziell mit einem Festakt eröffnet wird, erneut wissenschaftliches Neuland. Im Mittelpunkt der dort gelehrten „Islamischen Studien“ steht die Begründung eines nicht nur in Deutschland neuen Fachs, einer „Theologie des Islam“ im Sinne der historisch-kritischen Wissenschaft. „Die Gründung des Zentrums erfolgt in bester Tradition der Goethe-Universität, die seit ihrer Eröffnung 1914 immer wieder ein hohes Maß an Innovationskraft bei der Gründung neuer Fächer und Bahnung unkonventioneller Wege in der Wissenschaft gezeigt hat“, erklärte der federführende Vizepräsident Prof. Matthias Lutz Bachmann heute anlässlich einer Pressekonferenz in Frankfurt. So entstanden an der Goethe-Universität zum Beispiel die ersten Fakultäten für Natur- sowie Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und der erste Lehrstuhl für Soziologie.
Der Aufbau des Zentrums erfolgt mit Mitteln des Bundes. Die Goethe-Universität hatte sich, unterstützt von der Justus Liebig-Universität Gießen, 2011 in einem Wettbewerb um die besten Konzepte durchsetzen können. In den nächsten Jahren werden daher rund vier Millionen Euro nach Frankfurt fließen. Dieses Geld wird dafür genutzt, weitere Professuren einzurichten, um dem neuen Fach damit nationale und internationale Strahlkraft zu geben und eine entsprechende Ausbildung für Lehrkräfte an Sekundarschulen (L2/L3) aufzubauen, während in Gießen die Lehrerausbildung für die Grundschule (L1) stattfindet.
Lutz-Bachmann, der die Gründung des Zentrums in den letzten Jahren zusammen mit dem Theologen Prof. Ömer Özsoy erfolgreich vorangetrieben hat, sprach von einem glücklichen Tag für das neue Fach Islamische Studien in Deutschland. „An der Frankfurter Goethe-Universität verfügen wir bundesweit mit Abstand über die größte Expertise und mit zehn Jahren längste Erfahrung beim Aufbau der Islamischen Studien.“ Ziel sei es nicht nur, künftig Religionslehrer auszubilden, sondern insbesondere ein Fach zu etablieren, das es so bisher nirgends in Deutschland gibt. Dies sei durchaus auch als ein Experiment zu sehen, das in seinen Auswirkungen vergleichbar sei mit der Stellung der evangelischen und katholischen Theologie an Universitäten. Dass religiöse Bekenntnisse sich mit wissenschaftlichen Methoden konfrontierten und auf sich selbst kritisch reflektieren, sei als großer Fortschritt zu sehen. Er gehe davon aus, dass das Zentrum für Islamische Studien durch weitere Berufungen bald zu einem national und international geachteten Ort heranwachsen werde.
Der federführende Hessische Minister für Justiz, Integration und Europa und stellvertretende Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn, der die Frankfurter Bewerbung seinerzeit unterstützt hatte, brachte seine Freude über die Fortschritte beim Aufbau des Zentrums zum Ausdruck: „In Frankfurt und Gießen leisten Sie wichtige Beiträge für die Integration und ein besseres Verständnis des Islams in Deutschland. Ich wünsche mir, dass Sie in diesen Anstrengungen nicht nachlassen“, so der Integrationsminister. „Ein solches Zentrum ist gerade in einer so internationalen Großstadt wie Frankfurt mit einem hohen Anteil von Migranten sehr gut aufgehoben. Wir brauchen neue Wege, um die Herausforderungen der Integration erfolgreich meistern zu können. Wir wollen den Islam herausholen aus den Hinterhöfen, in die Öffentlichkeit. Dazu gehört auf der Basis einer hochschulgebundenen Islamischen Theologie auch der Aufbau eines bekenntnisorientierten Unterrichts in den Schulen, den wir zu Beginn des kommenden Schuljahres auf den Weg gebracht haben.“
Schon heute verfügt die Goethe-Universität mit rund 300 eingeschriebenen Studierenden über den mit Abstand erfolgreichsten Bachelor-Studiengang für Islamische Studien in Deutschland. Dieser wird nicht nur von Studierenden muslimischen Glaubens genutzt, sondern auch von anderen, die sich z.B. im Rahmen eines Studiums der Kulturwissenschaften in Islamischen Studien vertiefen wollen. Der Studiengang ist im Fachbereich 9 (Sprach- und Kulturwissenschaften) angesiedelt. Ein Masterstudiengang Islamische Studien nimmt im kommenden Wintersemester 2013/14 erste Studierende auf.