Forschung
Vier Wissenschaftler setzen sich mit der Bedeutung der Religion in der heutigen Zeit auseinander – Beitrag von Rolf Wiggershaus in der neuen Ausgabe von Forschung Frankfurt
FRANKFURT.In einem Aphorismus Friedrich Nietzsches ruft ein „Gottsucher“ aus: „Was sind denn diese Kirchen noch, wenn sie nicht die Grüfte und Grabmäler Gottes sind?“ Das war vor mehr als 130 Jahren. Heute leben wir in einer säkularen Gesellschaft mit immer weniger Kirchenmitgliedern, doch noch immer gibt es viele Anlässe, bei denen Gottesdienste zum großen öffentlichen Ereignis werden und als besonders angemessener Ausdruck kollektiver Gefühle und Stimmungen empfunden werden. Religion und Gesellschaft – das gehört offenbar zusammen. Welche Bedeutung hat Religion und welche Rolle spielt sie in der Gesellschaft? Darüber sprach der Philosoph Dr. Rolf Wiggershaus, der seit Jahren u.a. als Dozent an der Universität des 3. Lebensalters der Goethe-Universität tätig ist, mit vier Professoren eben dieser Universität: mit dem Religionsphilosophen Thomas M. Schmidt und dem katholischen Theologen Knut Wenzel sowie mit den Soziologen Ferdinand Sutterlüty und Richard Traunmüller.
Gefragt nach einer Definition von Religion, gibt keiner der vier Experten traditionelle Antworten wie das Versprechen einer jenseitigen Gerechtigkeit als Ausgleich für diesseitige Ungerechtigkeit. Ihre Definitionen fallen allgemeiner aus. Religion sei „die Spezialistin für Transzendenz“, schaffe „Distanz zur empirischen Welt“, sei eine „Antwort der Gesellschaft“ auf die Frage nach dem „Sinn des Ganzen“, gebe sich „nicht mit der Immanenz des Hier und Jetzt zufrieden“.
Was bedeutet das für die Gesellschaft? Zum Hier und Jetzt gehören Einwanderung und Migration, zunehmender religiöser Pluralismus und stärkere Sichtbarkeit religiöser Minderheiten, eine wachsende Zahl Konfessionsloser und eine Zunahme religiöser Konflikte. „Momentan“, so der Soziologe Richard Traunmüller, „scheint die dominante Lesart zu sein, dass man sagt: Religion ist ein Konflikterzeuger oder Konfliktverstärker.“ Aber zunächst einmal gelte es festzustellen: Religion hat eine „unglaubliche Katalysatoreigenschaft“. Das bedeute nicht, dass Unterschiede religiöser Art besonders konfliktträchtig sind. Schon kleinste Unterschiede wie das Tragen von T-Shirts unterschiedlicher Farbe können eine extreme Konfliktdynamik in Gang setzen. Für die Verstärkung solcher Prozesse allerdings lässt sich die spezifische Katalysatoreigenschaft von Religion leicht instrumentalisieren. Traumüller betont aber auch, dass religiöse Überzeugungen Menschen ebenso zu ungewöhnlichen Taten positiver Art motivieren können, etwa zum Aufstand gegen repressive Regime oder zum Einsatz für Schwächere.
Genau hinsehen muss man auch beim Thema “religiöse Vielfalt“. Ob sie den sozialen Zusammenhalt gefährdet oder den Sinn für Religionsfreiheit stärkt – das hängt unter anderem von der Zahl religiöser Gemeinschaften und den Größen- und Machtverhältnissen zwischen ihnen ab. Traunmüller hat unter anderem den Religionsmonitor 2013 der Bertelsmann-Stiftung für 13 europäische und außereuropäische Länder ausgewertet. Danach waren gerade bei Einwanderern und Angehörigen religiöser Minderheiten interreligiöse Kontakte besonders ausgeprägt und ergab sich gerade für Deutschland wenig Grund zur Furcht vor religiösen Parallelgesellschaften.
Die Zunahme religiöser Diversität bedeutet in säkularen Gesellschaften auch eine Zunahme von Ungläubigen. Alexis de Tocqueville meinte Mitte des 19. Jahrhunderts in seiner Studie “Über die Demokratie in Amerika“, irgendein Glaube, und sei es die Seelenwanderungslehre, schütze besser vor einer Verrohung der Bürger als gar keiner. Besser, jemand glaubt, die Seele werde sich in ein Schwein verwandeln, als dass er überhaupt nicht an eine Seele glaubt. Noch heute gilt in den USA die Zugehörigkeit zu irgendeiner Religionsgemeinschaft als Beweis einer gewissen Grundmoralität. Auch da gilt es wieder, genau hinzusehen: Wie Menschen sich moralisch verhalten, so Traunmüller, hängt von dem Umfeld ab, in dem sie sich bewegen. Außerhalb eines katholischen Milieus wird ein Katholik sich anders verhalten als innerhalb. In einer pluralen Gesellschaft, in der es Religiöse mit Angehörigen anderer Religionen und mit Nicht-Religiösen zu tun haben, dürften letztere nicht weniger Vertrauen verdienen als Gläubige, wenn es um die moralische Qualifikation für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt geht.
Der katholische Theologe Knut Wenzel befürwortet einen Säkularisierungsprozess, der nicht von Religion befreit, sondern zur Freiheit führt, „sich religiös oder nicht-religiös bestimmen zu können“. Er plädiert für eine Neudefinition des Verhältnisses von Moderne und Religion. „Die Religion kann das, was in der Dynamik der Modernisierung zu kurz kommt, thematisieren und so als Diskursbegleiterin der Moderne für eine prinzipielle Offenheit sorgen.“ Er erläutert das durch ein Beispiel: das Obdachlosenprojekt der Kapuziner am Liebfrauenberg gleich neben der Frankfurter Zeil – eine, wie er sagt, „schöne Alteritätsunterbrechung einer sonst selbstvergessenen konsumistischen Welt“.
Skeptischer im Hinblick auf ein Zusammenspiel von Religion und Moderne ist der Soziologe Ferdinand Sutterlüty. Man könne eine ganze Geschichte der Religion schreiben, wonach sie sowohl die „Mutter der sozialen Resignation“ wie die „Mutter des sozialen Protestes“ sei. Gegenwärtig machten Kirchen sich zumindest in Europa kaum noch mit einer eigenen gesellschaftspolitischen Position bemerkbar. „Was wollen Sie in einer modernen Gesellschaft mit so unterschiedlichen Sphären, sozialen Gruppierungen und Konfliktlagen mit christlicher Nächstenliebe anfangen? Religiöse Gemeinschaften müssten erst einmal fähig werden, entsprechende Differenzierungen vorzunehmen.“
Der Interviewer der vier Professoren, Dr. Rolf Wiggershaus, gab seinem Beitrag den Zitat-Titel „…eigentlich erstaunlich, wie wenig die Religionen aus ihrer Distanz zur existierenden Gesellschaft machen“. Dieses Erstaunen bemerkte Wiggershaus bei allen vier Professoren.
Informationen: Dr. Rolf Wiggershaus, Tel. (06173) 6 77 31, E-Mail: wiggersh.r@t-online.de Prof. Dr. Thomas M. Schmidt, Fachbereich Katholische Theologie, Tel. (069) 798-33270, E-Mail: t.schmidt@em.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Knut Wenzel, Fachbereich Katholische Theologie, Tel. (069) 798-33325, E-Mail: k.wenzel@em.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Ferdinand Sutterlüty, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Tel. (069) 798-36577, E-Mail: sutterluety@em.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Richard Traunmüller, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Tel. (069) 798-36680, E-Mail: traunmueller@soz.uni-frankfurt.de
Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht die Ausgabe „Gott und die Welt“ unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.
Personalia/Preise
Zum 15. Mal wird der 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre verliehen – Die Preisträger: der Informatiker Dr. Karsten Tolle, der Neurobiologe Prof. Dr. Bernd Grünewald, die Linguistin Dr. Irene Corvacho
FRANKFURT.„Der 1822-Universitätspreis hat der Hochschullehre zu stärkerer Sichtbarkeit verholfen; engagierte Lehrende bekommen heute wesentlich mehr Anerkennung – nicht nur von den Studierenden, auch von ihren Kolleginnen und Kollegen“, so die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Dr. Birgitta Wolff bei der Verleihung des Preises, der heute bereits zum 15. Mal vergeben wird. Er hat wesentlich dazu beigetragen hat, dass der Lehre mehr Gesicht und Gewicht verliehen wird. Ausgezeichnet werden heute: der Informatiker Dr. Karsten Tolle (1. Preis: 15.000 Euro), der Neurobiologe Prof. Dr. Bernd Grünewald (2. Preis: 10.000 Euro) und die Linguistin Dr. Irene Corvacho (3. Preis: 5.000 Euro).
Der 1822-Preis rückt die Qualität der Lehre, die Lehrenden, ihre Interaktion mit den Studierenden in den Blick – und „damit das Lehren undLernen, das sich normalerweise hinter verschlossenen Seminartüren vollzieht“, ergänzt die Universitätspräsidentin. Als entscheidende Voraussetzungen für gelingende Lehre bezeichnet sie: Persönlichkeit und Engagement, Kreativität und didaktisches Geschick, persönliche Reflexion über Lehre und Lernen – und eben auch ausreichend Zeit für die Vorbereitung.
Auch wenn die Reputation der Lehre in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat, so bleibt doch eine Diskrepanz zwischen dem Ansehen von Lehre und Forschung. Denn immer noch steht die Forschungsleistung an erster Stelle, wenn es um die wissenschaftliche Karriere geht. „Engagement in der Forschung darf nicht gegen Engagement in der Lehre ausgespielt werden“, warnt Prof. Karin Donhauser von der Humboldt-Universität zu Berlin auch mit Blick auf die nächste Runde der Exzellenzinitiative. Die zweimalige Juryvorsitzende des „Qualitätspakts Lehre“ von Bund und Ländern setzt auf konsequente Vernetzung derjenigen, die sich umfassend mit wissenschaftlicher Lehre auseinandersetzen: „ „Systematische Vernetzung bringt mehr als die Einrichtung neuer Gremien“, ist Karin Donhauser überzeugt.
Es zeichnet sich ein langsamer Wandel in der Wertschätzung der Lehre ab, wie die für Lehre verantwortliche Vizepräsidentin, Prof. Dr. Tanja Brühl, beobachtet. Sie hat den 1822-Preis bereits 2008 bekommen, damals war die Politikwissenschaftlerin noch Juniorprofessorin: „Der Preis bedeutete Rückenwind für meine Karriere als Hochschullehrerin, war Anerkennung und Ansporn zugleich“, erinnert sich Brühl. „Der Lehrpreis hat mich ermutigt, mit neuen Lehrformen und -formaten zu experimentieren. Neues zu wagen und die eigene Lehre fortwährend zu reflektieren und zu professionalisieren – das ist es, was in meinen Augen gute Lehrende ausmacht.“
Bei der Vergabe des 1822-Preises spielen die Studierenden eine zentrale Rolle. Dazu Dr. Kerstin Schulmeyer-Ahl, Leiterin der Abteilung Lehre und Qualitätssicherung, an die Studierenden ihre Verschläge senden: „Dass die Studierenden so rege von ihrem Vorschlagsrecht Gebrauch machen, zeugt von der Wertschätzung, die sie guter Lehre und engagierten Dozenten entgegenbringen.“ Gute Lehre ist nicht ohne die Studierenden zu realisieren, hat Schulmeyer-Ahl in den vergangenen Jahren immer wieder beobachten können, und sie fügt hinzu: „Die Perspektive der Studierenden, ihre Erwartungen, vor allem aber ihr Wissen um die konkrete Studiensituation in den einzelnen Fächern ist für die Weiterentwicklung von Lehrformaten und Studiengängen unabdingbar.“
Der von der Stiftung der Frankfurter Sparkasse und der Goethe-Universität ausgelobte „1822-Universitätspreis für exzellente Lehre“ wird seit 2002 jährlich vergeben und ist insgesamt mit 30.000 Euro dotiert. „Die Stiftung der Frankfurter Sparkasse fördert das Preisgeld für den ersten und den dritten Platz. Exzellente Lehre ist die Voraussetzung, um engagierte und qualifizierte Fachkräfte für unsere Region zu gewinnen. Diese wichtige Aufgabe der Lehre wollen wir unterstützen“, betont Robert Restani, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse. In diesem Jahr lagen der Jury Nominierungen aus nahezu allen Fachbereichen der Universität vor. Aus diesen wählte eine Kommission, bestehend aus Studierenden, Professoren und Mitarbeitern der Universität sowie eines Vertreters der Stiftung der Frankfurter Sparkasse, die Preisträger aus.
Die Preisträger 2016
Dr. Karsten Tolle, Informatiker
Dr. Karsten Tolle, geboren 1971 in Hannover, ist seit dem Jahr 2000 als Akademischer Rat am Institut für Informatik beschäftigt. Sein thematischer Schwerpunkt in Forschung und Lehre ist die praktische Informatik, insbesondere das Thema Datenbanken, das er auch in sehr großen Lehrveranstaltungen lebendig und anregend zu vermitteln weiß.
Karsten Tolle begegnet den meisten Studierenden erstmals im zweiten Semester in der Vorlesung „Grundlagen der Programmierung 2“, die er – abweichend vom klassischen Vortragsstil – in Dialogform hält. Die Studierenden erleben ihn als zugewandten Dozenten, der ihre Fragen ernst nimmt und ihnen die erforderliche Zeit widmet, wie sie in ihrem Nominierungsvorschlag erläutern. Sein Vortrag zeichne sich gleichermaßen durch fachliche wie durch didaktische Kompetenz aus. Eine Studentin schreibt, Karsten Tolle habe sie als „roter Faden der Motivation“ durch ihr Studium begleitet.
Sein Fachwissen bringt Dr. Tolle auch in anderen Zusammenhängen ein: So hat er ein System zur automatisierten Bewertung von Programmieraufgaben mitentwickelt, das im Wintersemester 2015/16 erstmals eingesetzt wurde. Nach Ansicht von Studiendekan Prof. Dr. Ulrich Meyer zeigten sich Tolles Fähigkeiten hier in zweifacher Hinsicht: „Statt den einfachen Weg zu gehen und bestehende Konzepte zu übernehmen, hat Herr Tolle Neuland betreten – und das Risiko hat sich ausgezahlt.“ Die üblichen Reibungsverluste bei der Einführung einer neuen Software habe er in Abstimmung mit den Studierenden zur allseitigen Zufriedenheit gelöst.
Prof. Dr. Bernd Grünewald, Neurobiologe
Prof. Dr. Bernd Grünewald hat eine von der Polytechnischen Gesellschaft gestiftete Professur an der Goethe-Universität inne: Er ist Professor für Neurobiologie am Fachbereich Biowissenschaften und gleichzeitig Leiter des Instituts für Bienenkunde in Oberursel, ein von der Polytechnischen Gesellschaft gefördertes Institut.
In Remscheid geboren, studierte Grünewald Biologie in Regensburg, wo er sich bereits auf die Neurobiologie der Insekten konzentrierte. Nach Stationen in Berlin und Arizona kam er 2007 an die Goethe-Universität. Trotz der großen Studierendenzahlen in den Biowissenschaften (ca. 1300) gelingt es ihm, persönliche Kontakte zu den Studierenden zu pflegen und sie für sein Fach zu begeistern. Als Studiendekan hat er es verstanden, die Studierenden aktiv in den Prozess der Reakkreditierung der Studiengänge einzubinden. Auf ihre Bitten hin hat er sogar sein Amt als Studiendekan um eine halbe Amtszeit verlängert.
Eine besondere Rolle in Grünewalds Lehre spielt das forschende Lernen: Er legt viel Wert darauf, dass sich seine Studierenden nicht nur abstraktes Wissen aneignen; vielmehr möchte er sie zu unabhängigem Denken und eigenständiger Erkenntnis führen. So gibt er ihnen – wo es möglich ist – auch Gelegenheit, frühzeitig eigene Forschungsfragen aufzugreifen und in Versuche umzusetzen.
Dr. Irene Corvacho del Toro, Linguistin
Dr. Irene Corvacho arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Psycholinguistik. 1973 in Kolumbien geboren, lernte sie als erste Fremdsprache Deutsch, besuchte die Deutsche Schule in Barranquilla. Später ging sie zum Studium der Sprachlehrforschung und Anglistik nach Hamburg.
Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Orthographie: Im Streit um „die richtige“ Unterrichtsmethode nimmt die Zahl der Kinder mit Rechtschreibschwierigkeiten eher zu als ab. Oft fehlt es bei den Lehrkräften an theoretischem Wissen über die eigene Sprache, hat Corvacho schon in ihrer Doktorarbeit herausgefunden. An der Goethe-Universität hat sie deshalb eine neue Unterrichtsform entwickelt, die den Studierenden helfen soll, sich besser auf ihre spätere Tätigkeit als Lehrer vorzubereiten: Die Vermittlung von linguistischem Fachwissen geht Hand in Hand mit der Vermittlung der didaktisch-pädagogischen Instrumente.
Ein besonders erfolgreiches, aber für die Studierenden arbeitsintensives Hauptseminar trägt den Titel „Individuelle Förderung der Rechtschreibentwicklung bis Klasse 9“. Hier ist viel Eigeninitiative gefragt: Die Studierenden suchen sich jeweils ein Kind, das Schwierigkeiten in der Rechtschreibung hat. In enger Abstimmung mit Eltern und Schule werden die Schülerinnen und Schüler begleitet; im Seminar werden die spezifischen Probleme der Kinder analysiert und Lösungsansätze gesucht. Auf diese Weise haben die Lehramtsstudentinnen und -studenten immer wieder Erfolgserlebnisse: Die meisten der Schüler konnten sich in der Schule deutlich verbessern, bei einem Kind wurde sogar die Übertrittsempfehlung geändert: Es konnte auf die Realschule statt auf die Hauptschule wechseln.
In diesem Jahr lagen der Jury 25 Nominierungen aus nahezu allen Fachbereichen der Universität vor. Aus diesen wählte eine Kommission, bestehend aus Studierenden, Professoren und Mitarbeitern der Universität sowie eines Vertreters der Stiftung der Frankfurter Sparkasse, die Preisträger aus.
Der Band zum Preis „Was braucht gute Lehre? – Personen, Projekte, Positionen“
Pünktlich zum kleinen Jubiläum, der 15. Vergabe des 1822-Universitätspreises, ist dieser Band erschienen. Die 36 Preisträgerinnen und Preisträger aus 15 Jahren, die hier ebenso wie ihre Lehrprojekte vorgestellt werden, repräsentieren einen breiten Querschnitt durch die Goethe-Universität: vom jungen Nachwuchswissenschaftler zur Vizepräsidentin, vom selbständigen Wissenschaftscoach zum Sprecher eines Exzellenzclusters, von der Judaistin zum Neurobiologen. Die Gruppe der Preisträger ist bunt und sie zeigt, dass gute Lehre durchaus mit Forschungsstärke oder der Übernahme hochschulpolitischer Verantwortung einhergehen kann. Der Band vermittelt Erkenntnisse der aktuellen Lehr- und Lernforschung wie der hochschulpolitischen Diskussion.
Lehre ist immer auch ein Experiment, das Kreativität erfordert. Dieses Element greift der Band auf, indem er mit Textformaten und Visualisierungen spielt. In Porträts und Projektskizzen informieren Journalistinnen über die Preisträger, in Interviews antworten diese auf Fragen rund um Studium und Lehre. Dabei zeigt sich: Exzellente akademische Lehre folgt nicht automatisch aus guter Forschung – auch wenn sie zweifelsohne auf dieser basiert. Exzellente Lehre ist voraussetzungsreich: Sie erfordert Theorien und Konzepte, didaktisches Wissen und (Selbst-)Reflexion und nicht zuletzt hinreichend Vorbereitungszeit.
Informationen: Dr. Kerstin Schulmeyer-Ahl, Tel.: (069) 798-12431, E-Mail: schulmeyer@pvw.uni-frankfurt.de, Nina Eger, Abteilung Lehre und Qualitätssicherung, Präsidialbereich, Campus Westend, Tel.: (069) 798-12455, E-Mail: eger@pvw.uni-frankfurt.de
Fotos der Preisträger können abgerufen werden bei Helga Ott: ott@pvw.uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Eröffnung mit Podiumsdiskussion und Experimentierstationen
FRANKFURT.„The Big Bang Theory“ steht im Mittelpunkt, wenn das „Centre for Dialogue at Campus Riedberg“ seine Arbeit mit einer öffentlichen Veranstaltung aufnimmt. Das Zentrum ist der neuen katholischen Kirche St. Edith Stein angegliedert. Am kommenden Samstag, dem 9. Juli, wird es eröffnet.
Zum Auftakt diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität aus Natur- und Geisteswissenschaften mit hr-Moderator Thomas Ranft über ihre Lebenswelt als Forscherinnen und Forscher, über Physik und über das Verhältnis von Religion und Wissenschaft. Den Spaß an der Wissenschaft vermittelt ein buntes Rahmenprogramm mit Experimentierstationen aus Physik und Chemie, zu dem Familien und Interessierte herzlich eingeladen sind.
Das Centre for Dialogue, das zusammen mit der Katholische Kirche St. Edith Stein in einem neu errichteten Gebäude direkt an der U-Bahnstation „Riedberg“ und so in unmittelbarer Nähe zu den naturwissenschaftlichen Fachbereichen der Goethe-Universität liegt, wird dem Gespräch von Glauben und Naturwissenschaften dienen. Ein Hauptaugenmerk wird auf all jenen Erkenntnissen und Ergebnissen der „sciences“ liegen, die unser Leben, unser Denken und unsere Einstellungen nachhaltig verändern werden.
Neben dem Diskurs werden aber auch die Möglichkeit zur persönlichen Begegnung und spirituelle Angebote eine wichtige Rolle spielen. Unterstützung erfährt das neu eingerichtete Centre for Dialogue hierbei von einem Kuratorium, dem namhafte Professoren angehören.
Was? Auftaktveranstaltung „Centre for Dialogue at Campus Riedberg“
Wann? 09.07.2016 ab 14 Uhr, Podiumsdiskussion ab 16 Uhr,
Wo? Centre for Dialogue at Campus Riedberg/Katholische Kirche St. Edith Stein, Zur Kalbacher Höhe 56, 60438 Frankfurt-Riedberg.
Informationen: Prof. Harald Schwalbe, Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29737, schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de; Dr. Dirk Preuß, Katholische Hochschulgemeinde, Tel: (069) – 78 80 87- 22, preuss@khg-frankfurt.de. www.cfd-frankfurt.de
Sonstige
House of Pharma & Healthcare befürwortet im Falle eines Brexit
FRANKFURT.„Frankfurt wäre als neuer Standort der Europäischen Arzneimittel-Agentur hervorragend geeignet!“´ Darauf hat aus aktuellem Anlass Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Präsident des House of Pharma & Healthcare und Vizepräsident der Goethe-Universität, hingewiesen. Wenn nämlich der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union tatsächlich vollzogen wird, dann muss sich die European Medical Agency (EMA), die in London angesiedelt ist, einen neuen Hauptsitz in einem anderen EU-Mitgliedsland suchen. „Wegen ihrer engen Verflechtung mit den Arzneimittelhörden aller EU-Staaten kommt dafür nur ein internationaler Verkehrsknotenpunkt mit einem Flughafen wie Frankfurt in Frage“, sagte Schubert-Zsilavecz. Überdies verfügten das Rhein-Main-Gebiet und Mittelhessen über eine außergewöhnliche Tradition und Präsenz in der universitären und industriellen Arzneimittelforschung. „In einer der führenden Pharma- und Biotechregionen Deutschlands würde die EMA hier das Umfeld und die Expertise finden, die sie braucht“, betonte Prof. Jochen Maas, Vizepräsident des House of Pharma & Healthcare. Zudem sei mit dem Paul-Ehrlich-Institut in der Nähe von Frankfurt eine Arzneimittelbehörde von zukunftsweisender Bedeutung ansässig, deren Kompetenz die EMA schon heute nutze.
Die EMA ist die zentrale Behörde für die Zulassung und Überwachung von Arzneimitteln in Europa. Sie wurde 1995 gegründet und hat der Europäischen Kommission in den ersten zwei Jahrzehnten ihrer Tätigkeit insgesamt 975 Human- und 188 Tierarzneimittel zur Zulassung empfohlen. Mit ihren rund 850 Beschäftigten arbeitet die EMA in einem dicht geknüpften regulatorischen Netzwerk kontinuierlich mit den nationalen Zulassungsbehörden innerhalb der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums zusammen. In Deutschland sind dies das Bonner Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArm) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen. Während das BfArm für alle herkömmlichen Arzneimittel zuständig ist, zeichnet das PEI für die Prüfung und Bewertung aller Impfstoffe und biomedizinischen Arzneimittel verantwortlich. Diese Biologika genannten Arzneimittel haben in den vergangenen beiden Jahrzehnten zu bemerkenswerten Erfolgen bei der Behandlung von Rheuma, Autoimmunerkrankungen und bestimmten Krebsarten geführt. Sie entwickeln sich immer mehr zu Motoren des medizinischen Fortschritts. Mit ihrer zunehmenden Bedeutung wächst auch der Kompetenzbereich des PEI, der in Zukunft auch Zell- und Gentherapien umfassen wird.
Das House of Pharma& Healthcare (http://www.houseofpharma.de) verfolgt das Ziel, den Pharma-Kompetenzcluster Hessen weiterzuentwickeln und die Innovationslücke in der Arzneimittelentwicklung zu schließen.Zu diesem Zweck fördert es die Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren der Gesundheits- und Pharmabranche in Deutschland und bietet ihnen eineneutrale Diskussionsplattform. Es wird geleitet von Professor Manfred Schubert-Zsilavecz (Goethe-Universität) und Professor Jochen Maas (Sanofi).
Informationen: Joachim Pietzsch, Pressestelle des House of Pharma & Healthcare e.V., Telefon: (069) 36007188, presse@houseofpharma.de
Veranstaltungen
Filmreihe „1916 – die Großschlachten in Filmbildern“ – Gemeinsames Projekt des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Uni und des Deutschen Filminstituts
FRANKFURT.Die Großschlachten des Ersten Weltkrieges jähren sich in diesem Jahr zum 100. Mal. Aus diesem Anlass veranstaltet das Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität gemeinsam mit dem Deutschen Filminstitut eine Filmreihe, deren zweiter Abend sich der Schlacht an der Somme widmet.
Die Schlacht an der Somme begann am 1. Juli 1916; fast auf den Tag genau 100 Jahre danach zeigt das Kino des Deutschen Filmmuseums den Film „The Battle of the Somme“ (Großbritannien 1916, Regie Geoffrey Malins) in seiner restaurierten Fassung:
am Dienstag, 5. Juli, um 20 Uhr
im Kino des Deutschen Filmmuseums, Schaumainkai 41.
Der Eintritt ist frei, da die Kinovorführung von der First World War Centenary Partnership des Imperial War Museums unterstützt wird.
Im Begleitprogramm zum Hauptfilm wird der Kurzfilm „Sur le front de la Somme“ (Frankreich 1916) gezeigt. Zwei kurze Fachvorträge informieren außerdem über die historische und filmhistorische Einordnung und Besonderheiten des gezeigten Filmmaterials. Die historische Einführung übernimmt Prof. Monika Dommann, Historisches Seminar der Universität Zürich, während die Frankfurter Publizistin und Filmkritikerin Marli Feldvoß sich den filmhistorischen Zusammenhängen widmet.
Informationen: Janneke Rauscher, Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, Tel: (069) 798 32114, E-Mail: J.Rauscher@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org