Personalia/Preise
Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl verabschiedet sich und übergibt sein Amt an seine Nachfolgerin Prof. Birgitta Wolff
FRANKFURT. Universitätspräsident Professor Werner Müller-Esterl übergab heute (13. Dezember) bei einem Festakt im Casino auf dem Campus Westend der Goethe-Universität den Stab an die designierte Nachfolgerin, Professor Birgitta Wolff, die am 15. Juli gewählt worden war. Wolff tritt ihr Amt zum Jahresbeginn 2015 an.
In Anwesenheit von 400 Gästen betonte Werner Müller-Esterl, das Amt habe ihm viel Freude bereitet und mannigfaltig neue Einblicke gewährt; es sei aber auch eine große Herausforderung gewesen. So sei ihm die Aufgabe zugefallen, die neu geschaffene Stiftungsuniversität mit Leben auszufüllen. „Ich habe diesen Auftrag angenommen und die Chancen ergriffen, die uns der neue Status der Universität bietet.“ Es sei gelungen, die Forschungsleistung und die wissenschaftliche Reputation der Frankfurter Universität zu steigern. Gleichzeitig galt es, den enormen Aufwuchs an Studierenden zu bewältigen und die Lehrqualität weiter zu verbessern. So gesehen habe die Goethe-Universität in seiner Amtszeit ihren Weg selbstbewusst und verantwortungsvoll fortgesetzt. Anerkennung gab es für wichtige Wegbegleiter, vor allem aber auch für die Regierung in Wiesbaden: „Wir sind dem Land dankbar für die gewährte Autonomie, aber auch für seine großen Anstrengungen zur baulichen Entwicklung der Universität“. Am Ende überreichte der Präsident den Stab an seine Nachfolgerin Birgitta Wolff und sagte: „Ich wünsche Ihnen eine glückliche Hand bei der Führung dieser großartigen Universität.“
Birgitta Wolff hob hervor: „Gerade für Forschung und Lehre gilt: wer sich nicht immer weiter verbessert, stagniert. Deshalb werden die weitere Entwicklung unserer Forschung, die Verbesserung der Studienbedingungen angesichts exorbitant gestiegener Studierendenzahlen und das GEMEINSAME Nachdenken über diese Verbesserungen die ersten Schwerpunkte meiner Arbeit sein. Ich möchte auch das WIR der Universität stärken. Meine persönlichen Ideen werde ich über von mir vorgeschlagene Kommunikationsformate mit der universitären Willensbildung und Strategiefindung verbinden. Ich spüre zu so einem gemeinsamen Prozess eine große Bereitschaft in der Universitätsgemeinschaft.“
„Nach einer erfolgreichen Amtszeit von Prof. Müller-Esterl sind wir gespannt, welche Akzente in der Weiterentwicklung von Hessens größter Universität Sie künftig setzen wollen, sehr verehrte Frau Präsidentin Wolff“, sagte der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein. „Die Stiftungsuniversität hat sich mit Unterstützung des Landes Hessen als Hauptgeldgeber zu einer anerkannten Hochschule in Deutschland entwickelt. Mit Hilfe der mehr als 330 Millionen Euro, die die Landesregierung allein in diesem Jahr für die Goethe-Universität zur Verfügung stellt sowie den vielen zusätzlichen Millionen aus unserem Forschungsförderungsprogramm LOEWE und insbesondere dem Hochschulbauprogramm HEUREKA aus den vergangenen Jahren, hat die Stiftungsuniversität institutionell und baulich einen großen Schritt gemacht. Auf diese gemeinsame Leistung sind wir stolz. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass die Universität mit Frau Wolff eine Präsidentin gefunden hat, die das Vermögen besitzt, die Tradition dieser Universität - gemeinsam mit der Landesregierung - weiter zu entwickeln. Ich wünsche der neuen Präsidentin für ihre neue Aufgabe eine glückliche Hand.“
Der Staatsminister bei der Bundeskanzlerin, Dr. Helge Braun, lobte: „Die Goethe-Universität hat in den letzten Jahren immer wieder mit bundesweit beachteten Initiativen auf sich aufmerksam gemacht: Führend bei der Einwerbung von Deutschlandstipendien, als Stiftungsuni stark im Einwerben privater Mittel und Forschungsdrittmitteln, maßgeblich beteiligt an der Entwicklung von German U15, Initiator des Frankfurter Manifests für eine bessere Kooperation von Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Daran lässt sich nun unter neuer Leitung gut anknüpfen. Frau Wolff ist als ehemalige Ministerin ein politisches Schwergewicht. Wir freuen uns auf weitere hochschulpolitische Impulse mit bundesweiter Ausstrahlung aus Frankfurt.“
Der Frankfurter Oberbürgermeister, Peter Feldmann, sagte: „Als Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt habe ich Herrn Müller-Esterl als ausgesprochen verlässlichen und inspirierenden Gesprächspartner kennen gelernt. Gemeinsam haben wir in wenigen Jahren viel erreicht und das Band zwischen Stadt und Universität noch enger geknüpft – insbesondere im Jubiläumsjahr der Goethe-Universität. Für diese Offenheit und Zuwendung möchte ich mich im Namen der Stadt Frankfurt bei Ihnen persönlich bedanken. Ich wünsche mir, dass wir den daraus entstandenen Schwung in Zukunft für viele weitere Projekte nutzen können. Die Entwicklung Frankfurts kann – Stichwort Bürgeruniversität – noch stärker von der enormen wissenschaftlichen Expertise der Goethe-Universität profitieren. Dafür freue ich mich auf die künftige Zusammenarbeit mit Frau Wolff.
Der Vorsitzende des Hochschulrates, Dr. Rolf-E. Breuer, hob hervor, dass die Goethe-Universität in den letzten Jahren einen enormen Sprung nach vorn gemacht habe. „Die Goethe-Universität ist heute wieder im In- und Ausland als eine der forschungsstärksten deutschen Hochschulen geachtet. Sie ist zum Magneten für Wissenschaftler aus aller Welt geworden. Ich wünsche mir, dass diese Anziehungskraft künftig noch weiter wächst. Ich danke Herrn Prof. Müller-Esterl persönlich und im Namen des Hochschulrats für die hervorragende Zusammenarbeit, seine erfolgreiche Amtsführung und wünsche zugleich seiner Nachfolgerin, Frau Professor Wolff, für die bevorstehende Amtszeit alles erdenklich Gute. Mit ihr hat die Goethe-Universität eine exzellente Wahl im Hinblick auf eine erfolgreiche Zukunft getroffen.“
Veranstaltungen
Kunstbeirat des Landes Hessen und Goethe-Universität wählen zwei Kunstobjekte für den Campus Westend aus
FRANKFURT.Ein riesiger Fingerabdruck, der zum Verweilen einlädt. Ein überdimensionaler Hippocampus („Seepferdchen“), der metallisch glänzt: Diese beiden Objekte werden schon bald einen künstlerischen Akzent auf dem Campus Westend der Goethe-Universität setzen. Am Donnerstag hat das Preisgericht die Ergebnisse zweier Auslobungen zum Landesprogramm „Kunst am Bau“ bekannt gegeben.
Nachdem die bauliche Entwicklung der beiden Universitätsstandorte Campus Westend und Campus Riedberg weit fortgeschritten ist, stellt das Land im Zuge der Errichtung der einzelnen Neubauten Mittel in Höhe von rund einem Prozent der Baukosten für „Kunst am Bau“ zur Verfügung. Damit können Kunstobjekte für die beiden Campi angekauft werden.
Seit September liefen die beiden Wettbewerbe, zu denen namhafte deutsche und internationale Künstler eingeladen worden waren. Mit Vorgaben hielt man sich bei den Ausschreibungen zurück: Die Entwürfe sollten einen Bezug zur Universität, zu ihrer Umgebung und zur Geschichte, aber auch zu ihrer Diversität und Internationalität aufweisen, so der Ausschreibungstext. Acht Künstler beteiligten sich mit ambitionierten Entwürfen und Konzepten.
Das Preisgericht bestand aus dem Kunstbeirat des Landes Hessen, dem Universitätspräsidenten Prof. Werner Müller-Esterl, dem Leiter des universitären Immobilienmanagements, Dr. Albrecht Fester, sowie Kunstsachverständigen mit beratender Funktion. Für den Campus Westend konnten sich die Jury-Mitglieder auf den Entwurf der US-amerikanischen Künstlerin Pae White einigen, und auch das Konzept des argentinischen Künstlerpaares Dolores Zinny und Juan Maidagan fand gestern (Donnerstag) einhellige Zustimmung.
White, Jahrgang 1963, wurde Mitte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts mit ihren schwerelos anmutenden Mobiles bekannt. In ihren Arbeiten entwickelte sie Dialoge zwischen bildender Architektur und Design. Das für die Frankfurter Universität ausgedachte Objekt trägt den den Titel „FingerPlinth“ („Finger-Sockel“). Es stellt einen überdimensionalen Fingerabdruck dar, dessen Linien als Sockel unterschiedlicher Höhe ausgebildet sind und somit an ein Labyrinth oder an ein Amphitheater erinnern.
Das oval geformte Kunstwerk, das zwischen den Gebäuden der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und dem House of Finance entstehen soll, wird eine Fläche von rund 1500 Quadratmetern in Anspruch nehmen. Die „Fingerabdrucklinien“ werden nach Whites Konzept aus texanischem Hartkalkstein geschaffen, die aus einem Kiesbett ragen. Manche Sockel ähneln Pflastersteinen, andere „wachsen“ deutlich aus dem Grundniveau heraus. Das Ganze ist von einer goldschimmernden Bahn durchzogen – eine Anspielung auf das nahe gelegene Gebäude des House of Finance. „FingerPlinth“ füge sich ein in das Verhältnis zwischen Mensch und Welt, erklärt die Künstlerin ihr Konzept. Damit passe es gut auf den Campus, auf dem etwa die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, die Geistes- und Sozialwissenschaften sowie die Psychologie zu Hause sind. Es soll ein Objekt mit Funktion sein: FingerPlinth bietet Raum zum Sitzen und Nachdenken, für Bewegung und für zufällige Begegnungen.
Der zweite Siegerentwurf stammt von Dolores Zinny und Juan Maidagan. Beide Künstler stammen aus Argentinien und leben seit 2002 in Berlin. Die Auseinandersetzung mit Architektur und den politischen, psychischen und poetischen Prägungen eines Ortes ist seit jeher in ihrer Kunst spürbar. Ebenso in ihrem Entwurf für den Campus Westend: Die Jury-Mitglieder waren sich in der Diskussion einig, dass Zinny/Maidagans „Hippocampus“ besonders gut ins Umfeld des Poelzig-Baus („IG-Farben-Haus“) am Campus Westend passt. Auch inhaltlich: Steht der Hippocampus, eine Struktur im Mittelhirn, doch für das episodische Gedächtnis, für die Reflektion der Vergangenheit und für die Imagination zukünftiger Ereignisse. Der Entwurf, der in seiner Realisierung fünf Meter hoch sein soll, zeigt eine spiralförmig auseinandergezogene und abstrahierte Version der Hippocampus-Form. Der Bronzeguss mit einer inwendigen Konstruktion aus Edelstahl soll auf einem Betonfundament mit grünen Glas-Einschlüssen stehen. Die Jury kam überein, dass der richtige Standort neben dem Wasserbassin hinter dem IG-Farben-Gebäude wäre.
Zu keinem Ergebnis kamen die Jurymitglieder hinsichtlich eines Kunstwerks für den Campus Riedberg. Die dafür eingereichten Vorschläge erschienen in ihrem Bezug auf den geplanten Standort weniger überzeugend. Nach ausführlicher Würdigung und Diskussion votierte das Preisgericht dafür, die Aufgabe neu auszuloben.
„Ich freue mich, dass wir aus einem hochwertigen Bewerberfeld zwei herausragende Künstler für die neuen Objekte an unserem Standort Westend gewinnen konnten“, sagte Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl nach der Entscheidung. „Gerade Pae Whites ‚FingerPlinth‘ hat mir auf Anhieb gefallen. Der riesige Fingerabdruck ist nicht nur originell und sinnfällig, sondern kann sich auch zu einem Forum der Begegnung am Übergang zwischen Campus Westend und Grüneburgpark entwickeln. ‚Kunst am Bau‘-Maßnahmen helfen uns, künstlerische Akzente zu setzen und damit die Anziehungskraft unserer Universitätscampi weiter zu steigern“, so der Präsident.Dass es für den Campus Riedberg noch kein Projekt gibt, bedauerte der Präsident. „Man sollte eine solche Entscheidung aber nicht herbeizwingen. Ich bin zuversichtlich, dass wir bei einer Neuausschreibung ein anspruchsvolles Werk für unsere ‚Science City‘ finden werden.“
Veranstaltungen
Oberbürgermeister, Universitätspräsident und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft enthüllen erste beiden Plaketten des Wissenschaftsstadtplans im Frankfurter Westend
FRANKFURT. Der Wissenschaftsstadtplan soll Frankfurts Ruf als Wissenschaftsstadt stärker in den Fokus rücken. Zu Ihrem Jubiläum hat die Goethe-Universität mit Unterstützung der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und der Stadtspitze daher ein besonderes Projekt auf den Weg gebracht: Mit dem Wissenschaftsstadtplan sollen im Lauf der nächsten ein bis zwei Jahre insgesamt 50 prominente Forscherinnen und Forscher mit Bezug zur Goethe-Universität im Frankfurter Stadtbild präsenter werden. Allein 19 Nobelpreisträger haben an der Goethe Universität studiert, gelehrt oder geforscht. An ihren früheren Wohnorten und denen weiterer Meisterdenker sollen dafür eigens angefertigte Plaketten angebracht werden, auf denen neben einem Bild kurze biografische Texte in Deutsch und Englisch angeboten werden. Ergänzt werden die Plaketten durch eine eigene Webpräsenz mit einem Stadtplan, auf dem die einzelnen Wohnorte verzeichnet sind. Hier sind auch umfassenderes Textmaterial und weitere Hintergründe zu den einzelnen Persönlichkeiten hinterlegt. In Zukunft sind zudem Führungen für Gäste und auch Einheimische geplant.
Zur Enthüllung der ersten beiden Tafeln des Wissenschaftsstadtplans in der Beethovenstraße im Frankfurter Westend möchten wir Sie als Vertreter der Medien
am Dienstag, den 16. Dezember, 13:00 Uhr,
Ort: Beethovenstraße 33, 60325 Frankfurt a.M.
herzlich einladen. Neben Oberbürgermeister Peter Feldmann und Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl nimmt auch der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Dr. Roland Kaehlbrandt, an der Enthüllung teil.
Der Medientermin findet im Außenbereich des Anwesens in der Beethovenstraße 33 statt, in dem in den 1920er Jahren der Nobelpreisträger Max von Laue gewohnt hatte; im Anschluss[SH1] wird dann in der Bockenheimer Landstraße 95 eine weitere Plakette zu Ehren von Erwin Madelung enthüllt, der als Professor für Theoretische Physik von 1921 bis 1949 an der Goethe-Universität lehrte. Er forschte vor allem zur Atomphysik und zur Quantenmechanik. Nach ihm wurde die von ihm abgeleitete Madelung-Konstante für Ionengitter benannt.
Bitte teilen Sie uns mit, ob Sie an dem Termin teilnehmen wollen (Frau Ott, E-Mail: ott@pvw.uni-frankfurt.de)
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Olaf Kaltenborn
Pressesprecher
Veranstaltungen
Veranstaltung am Montag, den 15. Dezember, bringt im Frankfurter Dominikanerkloster prominente Vertreter der Finanzwirtschaft aufs Podium
FRANKFURT. Als Rainer Voss im Jahr 2013 zum einsamen Helden eines sehenswerten und vielfach preisgekrönten Dokumentarfilms „Der Banker - Master of the Universe“ von Marc Bauder wurde, hatte er seine Karriere als einer der führenden deutschen Investmentbanker bereits hinter sich. Schonungslos entlarvt der Ex-Banker in diesem Film die Methoden und Rollenmodelle eines Systems, das völlig die Bodenhaftung verloren hatte. (Link zum Film: https://www.youtube.com/watch?v=g6S0s1YQmzs)
Am Montag, den 15. Dezember, 19.30 Uhr, besteht bei der Bürgeruniversität der Goethe-Universität im Frankfurter Dominikanerkloster unter dem Titel „Lektionen gelernt? Dimensionen der Finanzkrise“ Gelegenheit, Rainer Voss als Teilnehmer des Podiums persönlich kennen zu lernen. Voss diskutiert mit weiteren prominenten Vertretern der Finanzwirtschaft
u.a. über die Frage, ob inzwischen genügend Vorkehrungen getroffen wurden, um Finanzkrisen wie 2008 wirkungsvoll zu verhindern.
Im Wintersemester 2012 hatte die Goethe-Universität ein ganzes Wintersemester lang das Thema Finanzmarktkrise an sechs Abenden in den Mittelpunkt der damaligen Bürgeruniversität gestellt. Insofern kann der bevorstehende Abend am 15. Dezember auch als eine Wiederauflage der damaligen Diskussionen angesehen werden, die von insgesamt über 2.500 Menschen verfolgt und mitgestaltet worden waren. In die zum Teil leidenschaftlich geführten Debatten hatten sich im Umfeld der Occupy-Besetzung vor dem Hauptgebäude der Europäischen Zentralbank auch hunderte Frankfurter Bürger mit eigenen Beiträgen eingebracht.
Frankfurter Bürgeruniversität: „Lektionen gelernt? Dimensionen der Finanzkrise“, Dominikanerkloster, Kurt-Schumacher-Str. 23, 60311 Frankfurt am Main, Beginn: 19:30 Uhr, Eintritt frei
Personalia/Preise
Der Frankfurter Althistoriker erhält Spitzenauszeichnung der Deutschen Forschungsgemeinschaft
FRANKFURT. Der Frankfurter Althistoriker Prof. Hartmut Leppin erhält den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2015, das gab der Hauptschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) am Nachmittag in Bonn bekannt. Prof. Werner Müller-Esterl, Präsident der Universität Frankfurt, gratulierte dem Forscher, der zusammen mit acht Wissenschaftlern ausgewählt wurde. Müller-Esterl bezeichnete den Preis als „Auszeichnung für einen Wissenschaftler, der mit seiner Forschung zur Geschichte der Antike entscheidend zur Profilierung der Geschichtswissenschaften an der Goethe-Universität beigetragen hat. Der Preis ist das ‚i-Tüpfelchen‘ auf dem Jubiläumsjahr der Goethe-Universität.“ Durch seine vielfältigen Publikationen und sein Engagement in international sichtbaren Verbundforschungsprojekten habe sich Leppin ein herausragendes internationales Renommee erworben. „Mit Leppin hat die Goethe-Universität allein seit 2010 fünf Leibniz-Preisträger hervorgebracht. Dies zeigt die enorme Forschungsstärke unserer Hochschule“, freut sich Müller-Esterl. „Und es ist bereits der vierte Preis, der in die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften geht.“
Der 50-jährige Historiker hat seit 2001 die Professur für Alte Geschichte an der Goethe-Universität inne, der er trotz ehrenvoller Rufe nach Hannover, Köln und an die Humboldt-Universität Berlin treu geblieben ist. Seine Forschungsgebiete bilden die politische Ideengeschichte des Klassischen Griechenlands sowie die Geschichte des Christentums in der Antike. In vielen seiner wissenschaftlichen Veröffentlichungen überspringt er die Epochengrenzen zwischen Altertum und Mittelalter. Seine Forschung umfasst eine Zeitspanne von 600 Jahren – von Christi Geburt bis zum Beginn des Islam.
Leppin sucht den Dialog nicht nur mit Kollegen in den Geschichtswissenschaften, er ist auch bestens mit Geistes- und Sozialwissenschaftlern vernetzt. Davon zeugt der jüngste Erfolg mit der DFG-Bewilligung des Sonderforschungsbereiche „Schwächediskurse und Ressourcenregime“, dessen Sprecher Leppin ist. Außerdem engagiert sich der Althistoriker als Principal Investigator in dem Frankfurter Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Zudem ist er beteiligt am Graduiertenkolleg zu dem Thema „Theologie als Wissenschaft“. Ferner gehört er zu den Trägern des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften an der Goethe-Universität. Dieses Zentrum bezeichnete die VolkswagenStiftung als „originell, innovativ und beispielgebend“ und stellte für die Zentrumsarbeit über 820.000 Euro zur Verfügung.
Besondere Aufmerksamkeit erweckte Leppins im C.H. Beck Verlag 2011 erschienene, auch von Nicht-Historikern sehr geschätzte Monografie „Das Erbe der Antike“. Darin erläutert Leppin anschaulich, dass das heutige Europa seinen Ursprung im antiken Mittelmeerraum hat. Er illustriert die Geschichte der Antike entlang dreier Begriffe: Freiheit, Reich und wahrer Glaube. Damit deckt er wesentliche Epochen ab: mit „Freiheit“ das klassische Griechenland in der Zeit der attischen Demokratie, mit dem „Reich“ das Römische Reich und schließlich mit „wahrer Glaube“ das spätantike Reich.
Derzeit widmet sich Leppin hauptsächlich seiner Forschung zu „Christianisierungen im Römischen Reich“. Diese Arbeit wird im Rahmen eines Koselleck-Projekts von der Deutschen Forschungsgemeinschaft über fünf Jahre mit 500.000 Euro gefördert. Anders als zur Hellenisierung oder Romanisierung wurde zur Christianisierung bisher wenig geforscht wird. Diese Lücke soll das Projekt schließen, indem es die für die weitere europäische und außereuropäische Geschichte fundamentalen Prozesse in der Kaiserzeit und Spätantike theoretisch und empirisch untersucht. Christianisierung verlief in verschiedenen Regionen und Bereichen wie kaiserliche Selbstdarstellung und Verwendung christlicher Zeichen in der Kunst unterschiedlich schnell und intensiv. Deshalb spricht Leppin auch im Titel bewusst von Christianisierungen. Kurz vor dem Erscheinen ist das von Leppin herausgegebene Buch „Antike Mythologie in christlichen Kontexten der Spätantike, das im de Gruyter Verlag herauskommen wird. Dieses umfassende Projekt verbindet sich gut mit Leppins Forschungen im Rahmen des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Dort beschäftigt er sich mit kaiserlicher Politik und Räumen der Religionen im 3. Jahrhundert. Die Frage, in welchem Umfang das christliche Reich religiöse und kulturelle Vielfalt zuließ oder begrenzte, will Leppin nun mit der Förderung durch den Leibniz-Preis vertiefen. So möchte der Althistoriker eine Brücke zur Erforschung des frühen Islam schlagen und einen Beitrag zu der Frage leisten, wie sich die Ausbreitung drei monotheistischen Religionen historisch ausgewirkt hat.
Zur Biografie des Leibniz-Preisträger: Leppin studierte Geschichte, Latein, Griechisch und Erziehungswissenschaften in Marburg, Heidelberg und Pavia. 1988 erfolgte das Erste Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien in Geschichte und Latein, 1990 wurde er in Marburg mit einer Studie über römische Bühnenkünstler promoviert, 1995 folgte die Habilitation an der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit über die griechischen Kirchenhistoriker des 5. Jahrhunderts n. Chr. Seit 2001 lehrt er an der Goethe-Universität. Er ist Vertrauensdozent der Studienstiftung des deutschen Volkes und Fachkollegiat der DFG. Ferner ist Leppin als Beirat und Mitherausgeber für verschiedene Publikationen tätig: Antike Welt, Centro Ricerche e Documentazione sull’antichità classica, Handwörterbuch der antiken Sklaverei, Historische Zeitschrift, Millennium sowie Reallexikon für Antike und Christentum.
Mit Hartmut Leppin wird bereits der 16 Wissenschaftler der Goethe-Universität ausgezeichnet: 1986 hielten sowohl der Philosoph Jürgen Habermas als auch der spätere Nobelpreisträger und Biochemiker Hartmut Michel den begehrten Preis. Es folgten der Historiker Lothar Gall (1988), der Physiker Reinhard Stock (1989), der Rechtshistoriker Michael Stolleis (1991), der Mathematiker Claus-Peter Schnorr (1993), der Physiker Theo Geisel (1994), der Chemiker Christian Griesinger (1998), der Paläontologe Volker Mosbrugger (1999), die Biologin Stefanie Dimmeler (2005), der Historiker Bernhard Jussen (2007), der Wirtschaftswissenschaftler Roman Inderst (2010), der Philosoph Rainer Forst (2012) der Biochemiker Ivan Dikic (2013) und der Rechtswissenschaftler Armin von Bogdandy (2014).
Weitere Informationen: Prof. Hartmut Leppin, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel: (069) 798-32456, h.leppin@em.uni-frankfurt.de
Link zum Foto des Preisträgers: www.muk.uni-frankfurt.de/53398420