Veranstaltungen
FRANKFURT. Am 03. Juni 2016 wird es am Campus Riedberg der Goethe-Universität wieder spät. Zum elften Mal laden die Studierenden der naturwissenschaftlichen Fachbereiche Schüler, Familien, Studierende und Nachwuchswissenschaftler zur „Night of Science“ ein. Zur Eröffnung um 17 Uhr spricht Dr. Sonja Eser, Expertin für regenerative Kreislaufwirtschaft von der Fachhochschule Salzburg, über „Alltagsgegenstände als Rohstofflager der Zukunft“.
Im Anschluss werden bis zum nächsten Morgen in über 70 Vorträgen alltägliche Themen anschaulich erklärt sowie topaktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse vorgestellt. Bei Laborführungen, Experimentierstationen und Mitmachangeboten können die Besucher in die faszinierende Welt der Forschung eintauchen und sich selbst als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler versuchen.
Angelehnt an das diesjährige internationale Wissenschaftsjahr „Global Understanding“, initiiert von der Internationalen Geographischen Union, liegt ein thematischer Schwerpunkt darin, nachhaltige Lebensweisen und die dauerhafte Nutzung von Ressourcen verständlich und praxisnah erfahrbar zu machen. Zusätzlich gibt es in diesem Jahr das „Geo-Special“als besondere Mitmachstation.
Neben dem Wissensdurst stillt die „Night of Science“ auch den physischen Durst. Das Angebot des Studentenwerks wird erweitert durch zahlreiche studentische Essensstände, Getränkestände, Kuchen und Stickstoffeis. Regionalen Bands sorgen für die musikalische Unterhaltung.
Informationen und Programm: www.nightofscience.de.
Forschung
Der entscheidende Schritt findet in Dunkelheit statt
FRANKFURT. Zugvögel, aber auch Hühner, besitzen in ihrem Auge einen lichtabhängigen Kompass. Er gibt ihnen Informationen über die Richtung des Erdmagnetfelds. Wie dieser Kompass auf molekularer Ebene funktioniert, hat die Arbeitsgruppe von Prof. Roswitha Wiltschko zusammen mit französischen Kollegen herausgefunden.
Vögel haben zu ihrer Orientierung im Erdmagnetfeld zwei Sinnesorgane: Die Stärke des Magnetfeldes messen sie in ihrem Schnabel. Die Richtungsinformation wird im Auge wahrgenommen. Die dort vorhandenen Zapfen, die auf UV-Licht reagieren, enthalten eine Form des Proteins Cryptochrom. Bereits vor fünf Jahren vermutete ein Forscherteam der Goethe-Universität Frankfurt, in dem auch die Arbeitsgruppe von Roswitha und Wolfgang Wiltschko beteiligt war, dass dieses höchstwahrscheinlich für die Orientierung im Magnetfeld zuständig ist.
Im Cryptochrom findet eine zyklische Reaktion statt, die aus einem lichtabhängigen und einem lichtunabhängigen Teil besteht. Insbesondere entstehen in diesem Zyklus zwei Radikalpaare, die aufgrund ihres ungepaarten äußeren Elektrons auf das Magnetfeld der Erde reagieren. Die Frankfurter Arbeitsgruppe hat nun in Kooperation mit der französischen Université Pierre et Marie Curie herausgefunden, welches dieser Radikalpaare entscheidend für die Orientierung im Erdmagnetfeld ist.
In einer Studie mit Rotkehlchen wurden die Vögel wechselweise zwei verschiedenen Bedingungen ausgesetzt: Im Rhythmus von einer Sekunde schalteten die Forscher entweder das Licht oder das Erdmagnetfeld aus. Es zeigte sich, dass die Vögel sich auch unter diesen Bedingungen an den Magnetfeldlinien der Erde orientieren können. Dies lässt darauf schließen, dass das „lichtunabhängige Radikalpaar“ für die Wahrnehmung der Magnetfeldlinien zuständig ist. Licht wird nur benötigt, um den Zyklus in Gang zu halten.
„Das ist der erste Beleg dafür, dass das in Dunkelheit produzierte Radikalpaar entscheidend für den Magnetkompass ist“, sagt Prof. Roswitha Wiltschko. Da Cryptochrome in anderen Organismen ausschließlich der Wahrnehmung von Licht dienen, deutet die Studie auf eine besondere evolutionäre Adaption in Vögeln hin.
Informationen: Prof. Roswitha Wiltschko & Christine Nießner, Institut für Ökologie und Diversität, Prof. Wolfgnag Wiltschko, Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaften; Biologicum, Max-von-Laue-Str., Tel: (069) 798-42119 u.( 06032) 81206; wiltschko@bio.uni-frankfurt.de; c.niessner@bio.uni-frankfurt.de.
Publikation: Wiltschko R, Ahmad M, Nießner C, Gehring D, Wiltschko W. 2016 Light-dependent magnetoreception in birds: the crucial step occurs in the dark. J. R. Soc. Interface 20151010.
http://dx.doi.org/10.1098/rsif.2015.1010
Veranstaltungen
Der niederländische Autor Ernest van der Kwast und die flämische Schriftstellerin Saskia de Coster zu Gast auf dem Campus Westend – Eine Veranstaltung des Lektorats Niederländisch
FRANKFURT. In der Reihe „Auf der Buchmesse 2016 Niederlande & Flandern“ organisiert das Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität die 8. Veranstaltung. Diesmal sind zu Gast: der niederländische Autor Ernest van der Kwast mit seinem Erfolgsroman „De ijsmakers“, im Mai bei btb („Die Eismacher“) erschienen, und die flämische Schriftstellerin Saskia de Coster mit ihrer erfolgreichen Familiengeschichte „Wij en ik“, im März 2016 bei Klett-Cotta („Wir & ich“) herausgekommen. Beide Autoren sind gefeierte Größen in ihren Herkunftsländern. Die zweisprachige Lesung findet statt:
am 3. Juni (Freitag) um 19 Uhr
auf dem Campus Westend, Casinogebäude, Raum 1.801.
Vorgestellt werden zwei Familienromane, aber damit hört jegliche Gemeinsamkeit auch schon auf. Ernest van der Kwast (geb. 1981) beschreibt sinnlich, liebevoll, und passend zur Saison, eine Familie von italienischen Eismachern: Jedes Jahr im Frühling verlassen sie die Berge in Nord-Italien, kreieren voller Hingabe immer neue Eissorten und widmen sich ihren Kunden in ihren Eisdielen in den Niederlanden und Deutschland. Und im Herbst kehren sie wieder zurück in die Heimat. Ein wehmütiger Roman über die Passion des Eismachens, die immerwährende spannende Suche nach neuen Geschmacksrichtungen und die historischen Hintergründe der ersten „gelatieri“, die Eis aus den Bergen holten, um Speiseeis herzustellen. Gleichzeitig wird das Leben zweier Brüder erzählt, von denen sich der eine für die Poesie und der andere für das Eis entscheidet.
Saskia de Coster (geb. 1976), die laut Schriftstellerkollege Tom Lanoye den „widerspenstigsten, bizarrsten und attraktivsten Schreibstil des Landes hat“, malt dahingegen ein bitterböses Porträt einer Familie im bürgerlichen Flandern der beiden letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Der Roman besticht durch die genaue Observation und Beschreibung aller Neurosen, Tics und fixen Ideen der Protagonisten. Manchmal zärtlich, häufiger beklemmend bitter, beschreibt de Coster die Leere und die Aussichtslosigkeit des Lebens einer Kleinfamilie, versteckt hinter den alarmgesicherten Mauern ihrer kleinen Villaburg auf einem Hügel, wo nur neureiche Gleichgesinnte wohnen. Das Leben mit selbstauferlegten Pflichten und Zwängen wird zum eigenen Gefängnis, aus dem sich die einzige wohlbehütete Tochter Sarah durch eine Flucht in die USA zu befreien versucht. Der Roman liest sich auch als Parodie auf den belgischen Baustil.
Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de; www.uni-frankfurt.de/42255016/Veranstaltungsreihe
Veranstaltungen
Fachtagung in Wiesbaden analysiert das Spannungsfeld zwischen Emanzipation und Radikalisierung
FRANKFURT.„Frauen im Islam – zwischen Emanzipation und Radikalisierung “ ist das Leitthema einer zweitägigen medienöffentlichen Tagung mit hochkarätigen Fachleuten, die auf Einladung der Goethe-Universität, des Hessischen Landeskriminalamts und des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam am 2. und 3. Juni 2016 in Wiesbaden stattfindet. In Diskussionen und Vorträgen geht es um Themen wie „Muslimische Frauenrechtsbewegung, Islam und der säkulare Staat“, „Frauenrechte und Islam“, „Muslime und ihre Chancen in unserer Gesellschaft“ oder „Musliminnen und ihre Rechte“.
„Allgemeine Einblicke in die Radikalisierung“ verspricht der Vortrag des ehemaligen Spiegel-Chefredakteurs und Leiter des investigativen Rechercheverbundes von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung, Georg Mascolo. Prof. Susanne Schröter, Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam, referiert zum Thema „Muslimische Frauenrechtsbewegungen, Islam und der säkulare Staat.“ Eine Podiumsdiskussion klärt zum Abschluss: „Was fasziniert Frauen an einer fundamentalistischen Gesellschaftsordnung?“
Eröffnet wird die Tagung vom Hessischen Innenminister Peter Beuth, der Präsidentin der Goethe-Universität Professor Birgitta Wolff, sowie der Präsidentin des Hessischen Landeskriminalamts Sabine Thurau.
Fachtagung „Frauen im Islam – zwischen Emanzipation und Radikalisierung “
Beginn: 2. Juni, 9 Uhr, Ende: 3. Juni, 16 Uhr
Landeshaus Wiesbaden, Kaiser-Friedrich-Ring 75, 65185 Wiesbaden
Medienvertreter sind herzlich eingeladen, an der Tagung teilzunehmen.
Akkreditierung: Hessisches Landeskriminalamt, Herr Max Weiß (Pressesprecher), Telefon: 0611 / 83 – 8119, E-Mail: pressestelle.hlka@polizei.hessen.de
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Olaf Kaltenborn (Goethe-Universität)
Max Weiß (Hessisches Landeskriminalamt)
Forschung
Duft der Pinienwälder kühlte die Atmosphäre/ Publikationen in Nature und Science
FRANKFURT. Die durch den Mensch verursachten Aerosolpartikel wirken der Erwärmung der Erdatmosphäre durch Treibhausgase zwar entgegen. Doch ist dieser Effekt vielleicht kleiner als gedacht, da auch schon in vorindustrieller Zeit durch die Ausdünstungen von Bäumen viele Partikel entstanden. Das folgt aus einer Simulation am internationalen CLOUD-Experiment, an dem Atmosphärenforscher der Goethe-Universität maßgeblich beteiligt waren. Die Ergebnisse erscheinen heute in Form von drei Publikationen in den renommierten Fachzeitschriften „Science“ und „Nature“.
„Diese Ergebnisse sind die wichtigsten, die bisher an der CLOUD-Kammer am CERN erzielt worden sind“, betont der Sprecher des CLOUD-Experiments, Jasper Kirkby, Honorarprofessor an der Goethe-Universität: „Berücksichtigt man in Zukunft die Entstehung und das Wachstum rein organischer Aerosolpartikel bei der Entwicklung von Klimamodellen, dürfte das wesentlich dazu beitragen, den Einfluss menschlichen Handelns auf die Wolken und das Klima besser zu verstehen.“
Prof. Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt an der Goethe-Universität ergänzt: „Wir gehen davon aus, dass der jetzt entdeckte Prozess dazu führt, dass wir die Wolkenbildung in früheren Zeiten neu bewerten müssen, da es mehr Partikel gegeben haben müsste als bisher angenommen. Der Unterschied zum heutigen Zustand würde dann geringer ausfallen als bisher gedacht.“
Das CLOUD-Experiment untersucht, wie sich neue Aerosolpartikel in der Atmosphäre bilden und welchen Einfluss sie auf das Klima haben. Nehmen die Aerosolpartikel zu, wie es durch menschliche Aktivitäten der Fall ist, wird mehr Sonnenlicht reflektiert und die Wolken werden heller, weil sich mehr Wolkentröpfchen bilden. Um diesen kühlenden Effekt durch anthropogene Einflüsse abschätzen zu können, müssten die Aerosolmengen aus der Zeit vor der Industrialisierung bekannt sein. Da diese durch direkte Messung nicht zugänglich sind, werden sie durch zuverlässige Laboruntersuchungen wie dem CLOUD-Experiment simuliert und in Klimamodellierungen berücksichtigt.
In vorindustrieller Zeit trugen vor allem die von Bäumen abgesonderten organischen Verbindungen zur Aeorosolbildung bei. Die Forscher untersuchten alpha-Pinen, eine Substanz, die Pinienwäldern den charakteristischen angenehmen Duft verleiht. Sie gehört zu den wichtigsten biogenen Emissionen. Alpha-Pinen wird in der Atmosphäre durch Ozon schnell oxidiert und in nachfolgenden Reaktionsketten entstehen dabei auch einige extrem schwerflüchtige Substanzen. Sie treten aber nur in sehr geringen Mengen von etwa 1 Molekül pro 1 Billionen Luftmoleküle auf.
Die CLOUD-Experimente zeigen, dass sich aus den extrem schwerflüchtigen organischen Verbindungen sehr effizient neue Partikel bilden. Dieser Prozess läuft unter Atmosphärenbedingungen ab, auch ohne Beteiligung von Schwefelsäure. Bisher ging man davon aus, dass Schwefelsäure an der Partikelbildung in der Atmosphäre nahezu immer beteiligt ist. Schwefelsäure stammt in der Atmosphäre hauptsächlich aus Schwefeldioxid, das aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe stammt.
Weiterhin haben die Forscher herausgefunden, dass Ionen aus der kosmischen Strahlung die Bildung der organischen Partikel erheblich verstärken – um einen Faktor 10-100 im Vergleich zur Partikelbildung ohne Ionen, solange die Konzentrationen der partikelbildenden Gase niedrig sind. „Unsere Untersuchungen zeigen weiterhin, dass diese schwerflüchtigen organischen Substanzen auch in unverschmutzter Umgebung das Wachstum der Partikel dominieren – und zwar über den ganzen Größenbereich von Clustern aus wenigen Molekülen bis hin zu Partikelgrößen von 50-100 Nanometern, die groß genug sind, um als Wolkenkeime dienen zu können“, erklärt Joachim Curtius. Die Wachstumsraten nehmen zu, je größer die Partikel werden, da immer mehr Oxidationsprodukte, auch solche mit höherer Flüchtigkeit, an den größer werdenden Partikeln kondensieren können. Dieser Prozess wird quantitativ mit einem Kondensations-Modell für die verschiedenen organischen Substanzen beschrieben.
Warum ist dies wichtig für unser Verständnis des Klimas? Es könnte sein, dass es sich um einen sehr wichtigen, weil effizienten Mechanismus zur Bildung von organischen Partikeln unter natürlichen Bedingungen handelt. Sobald sich die Partikel gebildet haben, wachsen sie durch die Kondensation von weiteren ähnlichen sauerstoffhaltigen organischen Verbindungen an. Weil die neugebildeten Partikel schnell wachsen, geht ein geringerer Anteil durch Zusammenstöße mit bereits vorhandenen großen Partikeln verloren. So wachsen mehr Partikel bis zu Größen, bei denen sie als Wolkenkeime dienen und das Klima beeinflussen können.
Eine weitere Veröffentlichung, die gleichzeitig in Science erscheint, berichtet von Beobachtungen aus dem Observatorium am Jungfraujoch, in denen die rein organische Nukleation auch in der freien Troposphäre nachgewiesen wurde. Dies belegt die Relevanz der Laboruntersuchungen von CLOUD für die Atmosphäre.
Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/61553580
Bildtext (vlnr): Mario Simon, Martin Heinritzi, Andreas Kürten, Andrea Wagner und Joachim Curtius mit dem von ihnen entwickelten Massenspektrometer. Sie messen damit die stark sauerstoffhaltigen organischen Moleküle und Molekülcluster, die für die Partikelneubildung und das Partikelwachstum in den jetzt durchgeführten CLOUD-Experimenten verantwortlich sind.
Videos: https://cds.cern.ch/record/2155289 | https://cds.cern.ch/record/2154271
Publikationen:
Kirkby, J. et al.: Ion-induced nucleation of pure biogenic particles, in: Nature, doi:10.1038/nature17953
Tröstl, J. et al:The role of low-volatility organic compounds in initial particle growth in the atmosphere, in: Nature, doi:10.1038/nature18271.
Bianchi, F. et al. :New particle formation in the free troposphere: A question of chemistry and timing, in: Science, doi 10.1126/science.aad5456, 2016
Informationen: Prof. Joachim Curtius, Institut für Atmosphäre und Umwelt, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40258, curtius@iau.uni-frankfurt.de.