Sonstige
Erneute Ehrung für „academic experience worldwide“ / Preis der Bundeszentrale für politische Bildung für Studierende der Goethe-Uni
FRANKFURT. Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind, gelten zunächst vor allem als hilfsbedürftig. Der Verein „academic experience Worldwide“ versucht, eine andere Perspektive ins Spiel zu bringen und den Blick auf die Ressourcen und die Menschlichkeit der Ankommenden zu lenken. Für den neuartigen Ansatz erhält der Verein den Preis „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ der Bundeszentrale für politische Bildung.
Für die Initiatorinnen Merle Becker und Melusine Reimers, die beide an der Goethe-Universität studiert haben bzw. noch studieren, ist es nicht die erste Ehrung: 2015 waren sie bereits mit dem Frankfurter Bürgerpreis ausgezeichnet worden. „Die Goethe-Universität gratuliert zu diesem neuerlich wichtigen Preis und ist stolz auf die Preisträgerinnen“, sagt Vizepräsidentin und Politologie-Professorin Tanja Brühl. Die Auszeichnung sei mehr als verdient: In unzähligen Arbeitsstunden hätten Merle Becker und Melusine Reimers dazu beigetragen, die Situation nicht nur für die Geflüchteten zu verbessern.
Die Initiative will gleich drei Problemlagen lösen: Flüchtlinge leiden unter mangelnder Integration und darunter, dass sie von der Gesellschaft nicht als Menschen wahrgenommen werden. Studierenden fehlt es oft an Orientierung in ihrer akademischen Ausbildung. Und die Wirtschaft sucht dringend nach qualifizierten Fachkräften. Das so genannte Tandem-Projekt, das sich Merle Becker und Melusine Reimers ausgedacht haben, soll Abhilfe schaffen, indem Studierende in Deutschland mit Akademikern aus z.B. Syrien jeweils Zweierteams bilden. So können beide Seiten auf Augenhöhe voneinander lernen – fachlich oder sprachlich-kulturell –, und am Ende steht im Idealfall der erfolgreiche Start ins Arbeitsleben. Weitere Angebote sind u.a. eine offene Sprechstunde für Asylsuchende, Diskussionsveranstaltungen und Coaching-Sessions. aeWorldwide betreibt zudem eigene Forschung und ist im Bereich Politikberatung und Public Affairs aktiv. Wichtig sei auch eine intensive Medienarbeit, so Merle Becker. „Wir wollen, dass die Geflüchteten wieder als Menschen wahrgenommen werden und ihre individuellen Geschichten gesehen werden“, sagt Becker, die gerade ihre Masterarbeit in Friedens- und Konfliktforschung schreibt. Deren Thema: Neokoloniale Narrative im Urteil des Hamburger Prozesses gegen somalische Piraten.
„academic experience Worldwide“, das ausschließlich ehrenamtlich getragen wird, hat sich rasch verbreitet: In Berlin, Gießen, Heidelberg, Köln/Düsseldorf, München und Pforzheim gibt es bereits Ableger oder werden gerade welche gegründet. Mit einem so großen Erfolg hatten die beiden jungen Frauen zu Beginn nicht gerechnet. „Wir stießen überall an Grenzen und auf taube Ohren“, erinnert sich Merle Becker. Inzwischen aber hat sich das Konzept bewährt und wurde anerkannt – und bereits vielfach kopiert. „Schade, dass so viele Menschen die gleichen Ziele haben, aber nicht kooperieren“, beschreibt sie ihre eigene „Entnaivisierung“. Doch die Erfolge überstrahlen alles: Wenn sich unter den Tandems echte Freundschaften bilden oder wenn Asylsuchende als Dozenten an einer Uni unterkommen etwa. Auch die Goethe-Universität habe aeWorldwide viel zu verdanken, sagt Vizepräsidentin Brühl: „Ohne aeWorldwide gäbe es das Academic Welcome Program sicher nicht in der heutigen Form. Der Ansatz, auf Augenhöhe miteinander zu arbeiten, entspricht auch dem Ansatz der Goethe-Uni“, so Tanja Brühl.
Der Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ der Bundeszentrale für politische Bildung würdigt das Engagement von Einzelpersonen und Gruppen, die das Grundgesetz auf kreative Weise mit Leben füllen. Die offizielle Preisverleihung findet am 23. Mai 2016 in Berlin statt, an dem das Grundgesetz 67. Geburtstag feiert.
Bild zum Download: www.uni-frankfurt.de/59431335
Bildunterschrift: Jeder kann vom anderen etwas lernen: Begegnungen auf Augenhöhe stehen bei aeWorldwide im Fokus. Der Verein bekommt im Mai von der Bundeszentrale für politische Bildung den Preis „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ verliehen. (Foto: Annette Etges)
Forschung
Forscher wollen von Pflanzen und Bakterien lernen, wie sie Solarzellen verbessern können
FRANKFURT. Dass man die großen biochemischen Systeme, mit denen Pflanzen Photosynthese betreiben, heute versteht, ist maßgeblich der genauen Aufklärung ihrer Struktur zu verdanken. Die dafür wichtigsten experimentellen Methoden sind an der Goethe-Universität und den Frankfurter Max-Planck-Instituten vertreten. 1988 erhielt Prof. Hartmut Michel für die Aufklärung des photosynthetischen Reaktionszentrums von Purpurbakterien den Nobelpreis für Chemie. In der neuen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“ berichten Physiker und Biologen über aktuelle Forschung und mögliche Anwendungen für die Solartechnologie.
Die Evolution hat über viele Millionen Jahre das Konzept der Photosynthese optimiert und an verschiedene Organismen und deren spezifische Lebensbedingungen angepasst. Die auf dem Blattgrün Chlorophyll basierenden Systeme zeichnen sich durch eine herausragende Quantenausbeute von nahezu 100 Prozent aus. Bei den Retinal-basierten Systemen, die den lichtemfpindlichen Rezeptoren im Auge verwandt sind, ist die Ausbeute mit etwa 60 Prozent etwas geringer, dafür sind Retinale aber mit ihrem Bauprinzip universell einsetzbar. Der typische Wirkungsgrad einer kommerziellen Solarzelle auf Siliziumbasis beträgt dagegen nur circa 20 Prozent.
Licht trennt Ladungen
Alle künstlichen Photovoltaik- oder biologischen Photosynthese-Systeme wandeln Licht in elektrische Energie um: Ein absorbiertes Photon transportiert einen Ladungsträger (Elektron oder Proton) und trägt damit zum Aufbau eines elektrochemischen Potenzials über die Zellmembran bei. In der künstlichen Photovoltaik kann die entstehende Spannung direkt benutzt werden, um beispielsweise ein elektrisches Gerät zu betreiben, während sie bei biologischen Organismen zur Synthese energiereicher biochemischer Verbindungen genutzt wird. Die Echtzeitbeobachtung dieser ultraschnellen, lichtinduzierten Ladungstrennung und das daraus resultierende molekulare Verständnis der Photoreaktionen in natürlichen Systemen ist ein zentrales Forschungsthema der Arbeitsgruppe von Prof. Josef Wachtveitl.
Die eigentliche Umwandlung der Lichtenergie in elektrische Energie geschieht im Reaktionszentrum. Es ist meist von ausgedehnten Antennenkomplexen umgeben, die lichtempfindliche Farbstoffe (Chromophore) enthalten. Ihre Aufgabe ist es, Licht möglichst effektiv zu absorbieren und die elektronische Anregungsenergie schnell zum Reaktionszentrum weiterzuleiten, bevor sie in Form von Fluoreszenz oder als Wärme verloren geht. Tatsächlich geschehen die Energietransferschritte ultraschnell, und zwar in wenigen Pikosekunden (das entspricht der Dauer von wenigen Molekülschwingungen).
Die eigentliche Ladungstrennung geschieht in der Zellmembran in einem mehrstufigen Prozess. Dessen Einzelschritte sind in den letzten 30 Jahren durch verschiedene experimentelle Methoden aufgeklärt worden, wobei die von der Arbeitsgruppe Wachtveitl verwendete Anreg-Abtast-Spektroskopie mit ultrakurzen Lichtimpulsen im Zeitbereich weniger Femtosekunden (das entspricht dem Zeitbereich von Elektronenbewegungen im Atom) eine zentrale Stellung einnimmt.
Alternativen zur siliziumbasierten Solarzelle
Die kommerzielle Nutzung der Ladungstrennung nach Lichtabsorption wird derzeit durch die klassischen kristallinen Halbleitersolarzellen oder Dünnschichtsolarzellen dominiert. Parallel dazu werden vielversprechende neue Konzepte zur künstlichen Photosynthese erforscht, die auf der Kombination von nanokristallinen Materialien mit Farbstoffmolekülen basieren. Hier ist das vielleicht bekannteste Beispiel die Grätzelzelle. Diese photochemische Photovoltaikzelle besteht aus einem gesinterten, porösen Film aus Titandioxid, an dem Chromophore angelagert sind, und einem Elektrolyt. Nach Lichtabsorption wird ein Elektron vom angeregten Chromophor zur TiO2-Schicht transferiert, sodass sich ein elektrisches Potenzial zwischen den beiden Elektroden aufbaut. Der Elektrolyt gleicht die Ladung des ionisierten Chromophors wieder aus, womit der Stromkreis geschlossen ist.
Die Grätzelzelle orientiert sich an der Photosynthese. Aber obwohl der primäre Elektrontransfer sogar noch schneller ist als in der Natur, gilt es, den Wirkungsgrad und die Langzeitstabilität noch zu verbessern. „Basierend auf diesem Konzept können die Materialien variiert werden“, erklärt Prof. Josef Wachtveitl vom Institut für Physikalische Chemie der Goethe-Universität. Insbesondere ist es möglich, die Chromophore durch Halbleiternanopartikel zu ersetzen, die sehr stabil gegen Photodegradation sind. „In unserer Gruppe werden aktuell Quantenpunkte auf ihre Eignung für diesen Einsatz getestet“, fügt Wachtveitl hinzu.
Ebenfalls in der aktuellen Ausgabe von Forschung Frankfurt:
Prof. Claudia Büchel: Photosynthese zwischen Überfluss und Mangel. Wie Kieselalgen sich Lichtintensitäten anpassen.
Kieselalgen können auf hocheffiziente Weise Energie aus dem Sonnenlicht gewinnen. So überleben sie selbst lange Dunkelphasen im Meer. Doch wie schützen sie sich vor zu viel Strahlung, wenn Wind und Strömung sie in seichtes Wasser oder an die Oberfläche treiben? Dahinter steckt ein cleverer Regulations-Mechanismus.
Informationen: Prof. Josef Wachtveitl, Institut für Physikalische Chemie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29351; wveitl@theochem.uni-frankfurt.de.
Forschung Frankfurt im Web: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/
Journalisten können Forschung Frankfurt kostenlos bestellen bei Helga Ott: ott@pvw.uni-frankfurt.de.
Sonstige
Adolf Messer Stiftung unterstützt Finanzierung eines „Common Room“ auf dem Campus Riedberg mit 100.000 Euro
FRANKFURT. Jahrelang waren Studierende des Campus Riedberg auf der Suche nach einem Raum, in dem sie sich über Disziplingrenzen hinweg begegnen und miteinander ins Gespräch kommen können; ein Raum für Projektarbeit und neue Ideen. Jetzt ist diese Idee dank eines 100.000 € starken Engagements der Adolf Messer Stiftung Realität geworden.
Am gestrigen Donnerstagabend wurde die Adolf Messer Stiftung Lounge, wie der Raum im Riedberg-Biozentrum nun heißt, in Anwesenheit des Vorsitzenden des Stiftungsrates, Herrn Dr. von Harbou, des Ehrensenators Stefan Messer und der Präsidentin der Goethe-Universität sowie Studierenden der Naturwissenschaften feierlich eröffnet.
Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff sagte: „Das ist ein wunderbares Weihnachtsgeschenk für unsere Studierenden auf dem Riedberg, über das wir uns alle sehr freuen.“
Die Adolf Messer Stiftung unterstützt die Goethe-Universität seit vielen Jahren auf besonders großzügige Weise. Insgesamt hat die Adolf Messer Stiftung die Goethe-Universität seit 1994 mit mehr als 6 Mio. Euro gefördert. Ehrensenator Stefan Messer begründet die Motivation der Stiftung so: „Es ist ein gutes Gefühl, Bildung und Forschung zu fördern. Die Entwicklung der Goethe-Universität beeindruckt mich in den letzten Jahren sehr. Sie setzt unser Stiftungsmotto – Tradition bewahren, Zukunft fördern – in idealer Weise um. Denn wir möchten Innovationskraft, wissenschaftliche Neugier und Pioniergeist honorieren – Stärken, die auch ihren Namensgeber auszeichneten.“
Zu den Aktivitäten gehören seit 1994 die jährliche Verleihung des mit 25.000 Euro dotierten Adolf Messer-Stiftungspreises für zukunftsweisende Projekte der Grundlagenforschung in Naturwissenschaften und Medizin sowie die nachhaltige Förderung des Fachbereichs Medizin und des Goethe-Schülerlabors für Physik. Seit 2013 ist Stefan Messer Ehrensenator der Goethe-Universität, die höchste Auszeichnung, die die Universität an verdiente Stifter vergibt.
Sonstige
Über die Rolle der Beleuchtung im Film – Beitrag in der soeben erschienenen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“
FRANKFURT. Viel hat sich nicht geändert seit den Kindertagen des Kinos – zumindest was die Grundregeln der Beleuchtung angeht: Schon als die Bilder laufen lernten, wussten die Macher, Licht als Stilmittel einzusetzen. Welche Wirkungen mit Hilfe der Beleuchtungstechnik bis heute erzeugt werden, ist zu lesen im Beitrag des Frankfurter Filmwissenschaftlers Prof. Dr. Vinzenz Hediger, der in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins der Goethe-Universität „Forschung Frankfurt“ (2/2015) erschienen ist. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen befassen sich darin mit dem Thema „Licht“.
Ein Spiel von Licht und Schatten, projiziert auf eine zweidimensionale Fläche, an deren Rändern die Welt nicht abbricht, sondern ins Unendliche weitergeht: So könnte man das Medium Film beschreiben, als Dramatisierung der Übergänge vom Licht zum Schatten. Zwar hat der Film die Realität zum Gegenstand, er bedient sich jedoch verschiedener Techniken, um gewünschte Wirkungen zu erzielen – allen voran der Beleuchtungstechnik. Wie er das tut, stellt Vinzenz Hediger auf erhellende Weise dar.
Ähnlich wie bei der Musik nimmt der Zuschauer auch die Wirkung nicht bewusst wahr. Schon seit den frühen Tagen des Films besteht die Standard-Konfiguration bei der Ausleuchtung aus drei Lichtquellen, um das Gesicht der Schauspieler entsprechend sicht- und wahrnehmbar zu machen: Die Hauptquelle, das „fill light“, strahlt von vorn und stellt eine Grundhelligkeit her, das „back light“ strahlt den Schauspieler von hinten an und erzeugt eine Art Lichtkranz. Je bedeutender die Rolle, desto intensiver strahlt dieses Licht. Von ähnlicher Bedeutung ist das „key light“, das einen Lichtglanz in die Pupille des Schauspielers setzt. Gut belegen lässt sich die unterschiedliche Beleuchtung von Haupt- und Nebendarstellung anhand des Filmklassikers „Casablanca‘“. Darüber hinaus herrschen in unterschiedlichen Filmgenres verschiedene Beleuchtungsstile vor: Eine hohe Grundhelligkeit und ein geringer Schattenwurf unterstreichen die heitere Grundstimmung von Komödien und Märchenfilmen, im Gegenzug verstärkt eine Beleuchtungstechnik, die auf dunkle Töne setzt und Plastizität durch Schatten erreicht, eine eher düstere Grundstimmung wie in Kriminalfilmen oder Tragödien.
Vinzenz Hediger (46) ist seit 2011 Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität. Er hat in Zürich Philosophie, Amerikanistik und Filmwissenschaft studiert und neben seinem Studium als Filmkritiker und Medienjournalist gearbeitet. Vor seiner Berufung nach Frankfurt hatte er den Krupp-Stiftungslehrstuhl für Theorie und Geschichte bilddokumentarischer Foren an der Ruhr-Universität Bochum inne. Zuletzt von ihm erschienen: „Essays zur Filmphilosophie“ (München: Fink; gemeinsam mit Lorenz Engell, Oliver Fahle und Christiane Voss).
Informationen: Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-32079, E-Mail: hediger@tfm.uni-frankfurt.de
Mit der Bedeutung des Lichts im Theater beschäftigen sich zwei weitere Beiträge in „Forschung Frankfurt“ 2/2015:
* Bernd Zegowitz: „Die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht“ – Licht und Schatten im (Musik-)Theater der Vormoderne
* Mayte Zimmermann: Ist es das Licht, das gefangen hält? Vom übersehenen Theaterlicht
Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.
Forschung
Zentrale Organisationseinheit im Unternehmen verbessert den Erfolg / Externe Berater keine große Hilfe
FRANKFURT. Die Mehrheit aller Unternehmensübernahmen und -fusionen scheitert. Dies erklärt Prof. Dr. Lars Schweizer in einem Interview im aktuellen Newsletter des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität. Exakte Zahlen ließen sich zwar schwer ermitteln, es sei jedoch im Durchschnitt davon auszugehen, dass mindestens jede zweite Übernahme scheitere. Je nach Herangehensweise einer Messung zeigten sich sogar Misserfolgsquoten von bis zu 70 Prozent. Etwas besser würden kleinere Unternehmen abschneiden, bei denen die Transaktion in der Regel weniger komplex sei. Grenzüberschreitende Übernahmen seien dagegen grundsätzlich problematisch, was Schweizer auf die größere Distanz und die kulturellen Unterschiede zurückführt.
Schweizer hat in einer aktuellen Publikation untersucht, wie Unternehmen bei M&A-Aktivitäten („Mergers & Acquisitions“) erfolgreicher sein können. Danach zeigt sich, dass Unternehmen, in denen ein zentral aufgehängtes internes Team den Übernahmeprozess von Anfang bis Ende begleitet, erfolgreicher sind als solche, wo sich mehrere Abteilungen die Arbeit teilten. Letzteres sei jedoch noch recht weit verbreitet. „Oft entwickeln die einen die Strategie, die anderen nehmen die Bewertung vor, wieder andere kümmern sich um die Integration. Da gehen viele Informationen an den Schnittstellen verloren und zudem wird der nächste Schritt oft nicht mitgedacht“, so Schweizer.
Keine große Hilfe sind nach seinen Ergebnissen externe M&A-Berater. Diese könnten Übernahmeprozesse zwar durchaus managen, ihnen fehle aber in der Regel das interne Know-How, um die Transaktion langfristig erfolgreich umzusetzen. Meist seien die Berater in der Integrationsphase auch gar nicht mehr beteiligt. „Daher heißt es gerne, dass M&A in der Beratersprache für ‚Machen und Abhauen‘ steht, während es für das Unternehmen heißt: ‚Machen und Ausbaden‘.“
Link zum Interview: http://www.wiwi.uni-frankfurt.de/de/forschung/forschung-aktuell/details/article/machen-und-ausbaden.html
Informationen: Prof. Dr. Lars Schweizer, E-Mail: l.schweizer@em.uni-frankfurt.de, Tel: 069 798 34832