Veranstaltungen
Großer wissenschaftlicher Kongress zur islamisch-theologischen Forschung an der Goethe-Universität. 1.-5. September, Campus Westend
FRANKFURT. Anfang September wird Frankfurt zum Mittelpunkt der Islamischen Theologie in Deutschland. Das "Zentrum für Islamische Studien" an der Goethe-Universität Frankfurt richtet den bislang größten wissenschaftlichen Kongress zum Thema in Deutschland aus. Zu den Kooperationspartnern gehört der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Die Veranstalter erhoffen sich wichtige Impulse für die islamisch-theologische Forschung.
Vom 1. bis zum 5. September werden internationale Fachwissenschaftler verschiedener Disziplinen zu dem Kongress „Horizonte der Islamischen Theologie“ auf den Campus Westend kommen. Erwartet werden mehr als 150 Referenten in mehr als 30 Panels. Die thematische Bandbreite des Kongresses umfasst die Disziplinen der Islamischen Theologie und relevante Forschungsbereiche angrenzender Wissenschaften. Paneltitel von „Neue Wege in der Koranauslegung“ und „Wörtliche Auslegung islamischer Texte“ über „Bioethik“ und „Feministische Theologie“ bis hin zu „Neue Erkenntnisse zur arabischen Syntax“ zeugen von der breiten Themenpalette des Kongresses. Dabei werden international bekannte Persönlichkeiten wie der südafrikanische muslimische Theologe und Anti-Apartheids-Aktivist Farid Esack und der iranische Philosoph und Vordenker Abdolkarim Soroush als Referenten erwartet. Aus Deutschland kommen unter anderem der Frankfurter Theologe und Koranwissenschaftler Ömer Özsoy, die Frankfurter Ethnologin Susanne Schröter vom Exzellenzcluster sowie der Münsteraner Religionspädagoge Mouhanad Khorchide und Hanna Liss, Expertin für jüdische Bibelauslegung aus Heidelberg.
Der Kongress richtet sich nicht alleine an muslimische Theologinnnen und Theologen, sondern auch an andere mit dem Islam befassten Disziplinen, an christliche und jüdische Theologien, Sprach- und Rechtswissenschaften sowie an die interessierte Öffentlichkeit. Das Zentrum für Islamische Studien freut sich insbesondere über die vielen Anmeldungen von jungen Nachwuchswissenschaftlern. Zur Eröffnung werden Vertreter des zuständigen Bundes- und Landesministeriums die Teilnehmer begrüßen. Auch der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt, Peter Feldmann, würdigt den Kongress mit einem Empfang im Kaisersaal des Römer-Rathauses, bei dem auch die renommierte Arabistin und Koranforscherin Angelika Neuwirth sprechen wird.
Nachdem schon 2010 der bundesweit erste volltheologische Studiengang „Islamische Studien“ an der Goethe-Universität eingerichtet wurde, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung seit 2011 neben Frankfurt/Gießen auch die drei weiteren Zentren Tübingen, Münster/Osnabrück und Erlangen. Ziel ist der Aufbau einer akademischen islamischen Theologie, die den Glauben kritisch reflektiert, sich mit den islamischen Quellentexten wissenschaftlich auseinandersetzt und dem Leitbild der ergebnisoffenen Forschung verpflichtet ist. Dies geschieht am Standort Frankfurt durch die interdisziplinäre Bündelung der Expertise von Theologen und angrenzenden Wissenschaften.
Zu den Kooperationspartnern gehören der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, die Stiftung Mercator mit dem "Graduiertenkolleg Islamische Theologie" und das DFG-Graduiertenkolleg "Theologie als Wissenschaft.
Das vollständige Programm sowie Informationen zur Anmeldung sind auf der Internetseite www.kongress-islam.uni-frankfurt.de zu finden.
Personalia/Preise
Professoren der Goethe-Universität als Experten gefragt
FRANKFURT. Wissenschaftler der Goethe-Universität sind bundesweit und auch auf europäischer Ebene beratend aktiv und haben auf diese Weise Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen. So sind bei der Bundesregierung zahlreiche Professoren und Professorinnen aus Frankfurt mit ihrem Fachwissen und ihrer Meinung gefragt, EU-Behörden verlassen sich auf deren Expertise.
Muss die deutsche Osteuropapolitik neu konzipiert werden? Wie kann die Ukraine-Krise beendet werden? Mit diesen sehr aktuellen Fragen befasst sich Peter Lindner, Professor für Humangeographie mit Schwerpunkt Transformationsforschung/Russland, zusammen mit 25 anderen Kollegen aus unterschiedlichen Fachbereichen. Zusammen bilden sie die Expertengruppe Osteuropa (EGOP), die im Auftrag des Auswärtigen Amtes Empfehlungen für die mittelfristige Ausrichtung der deutschen Osteuropapolitik erarbeitet. Die Gruppe ist für ein Jahr einberufen, wird aber voraussichtlich noch länger bestehen. „Es ist eine tolle Sache, wenn man seine wissenschaftliche Arbeit für die politische Praxis fruchtbar machen kann“, findet Lindner. Umgekehrt fließe auch die Erfahrung aus Berlin in die Lehre ein: „Das ändert schon ein wenig die Perspektive“, so der 45-Jährige.
Die Verbindung von Wissenschaft und Praxis nennt auch Prof. Rainer Hofmann, der am Main Öffentliches Recht, Völker- und Europarecht lehrt, als Motivation für seinen Einsatz im Auftrag des Auswärtigen Amtes. Schon seit 2001 ist Hofmann Mitglied des Völkerrechtlichen Beirats des Auswärtigen Amtes, einem derzeit fünfköpfigen Gremium, das sich dreimal im Jahr zusammenfindet. Was genau dabei verhandelt wird, ist streng vertraulich. Es sei jedoch klar, so Hofmann, dass die Erörterungen, die im Beirat stattfinden, unter Umständen auf die wissenschaftliche Arbeit zurückstrahlten. Umgekehrt lege das Auswärtige Amt „ausdrücklich großen Wert auf unsere Unabhängigkeit und auch Kritik an (vorläufigen) Positionen des Auswärtigen Amtes“.
Geldmarktexperte Prof. Volker Wieland ist wohl einer der bekanntesten Frankfurter Wissenschaftler auf dem politischen Parkett: Seit Frühjahr 2013 gehört der 48-jährige Volkswirtschaftler zu den so genannten Fünf Wirtschaftsweisen, die die Bundesregierung beraten. Der „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ erstellt jährlich ein Gutachten, zu dem die Bundesregierung Stellung bezieht. Zudem gibt er Prognosen ab und weist auf Fehlentwicklungen hin. Wieland ist zudem Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesministeriums für Finanzen, in dem gleich drei weitere Professoren der Goethe-Universität vertreten sind: Prof. Nicola Fuchs-Schündeln, in Frankfurt zuständig für Makroökonomie und Entwicklung, Prof. Jan Pieter Krahnen, Experte für Kreditwirtschaft und Finanzierung sowie der Finanzwissenschaftler Alfons Weichenrieder. Der Wissenschaftliche Beirat existiert seit 1952 und versteht sich als „wissenschaftliches Gewissen“ der Politik, das sich in seinen Gutachten mit wichtigen Zukunftsfragen beschäftigt.
Prof. Andreas Hackethal wiederum, Stiftungsprofessor für Personal Finance, gehört der Börsensachverständigenkommission an, die die Bundesregierung in Fragen der Kapitalmarktpolitik berät. Theodor Baums, Professor für Wirtschaftsrecht, ist Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex. Dieser Kodex wurde auf Initiative der Bundesministerin der Justiz seit 2001 erarbeitet. Er soll die in Deutschland geltenden Regeln für Unternehmensleitung und –überwachung für nationale wie internationale Investoren transparent machen und so das Vertrauen in die Unternehmensführung deutscher Gesellschaften stärken.
Drei Frankfurter sind bei der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA in Paris in unterschiedlichen Gremien aktiv: Prof. Hans-Joachim Böcking, Fachmann für Wirtschaftsprüfung und Corporate Governance, gehört der Kommission „Corporate Reporting“ an, Professor Peter Gomber, Spezialist für e-Finance, ist Mitglied der Kommission „Secondary Markets“ und sein Kollege Jan Pieter Krahnen dem ökonomischen Beirat der Kommission „Economic and Markets Analysis“. Prof. Helmut Gründl ist im Wissenschaftlichen Beirat der EIOPA in Frankfurt, der Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung. ESMA und EIOPA sind Teil des europäischen Finanzaufsichtssystems.
Prof. Matthias Jahn, Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Rechtstheorie, befasst sich in einer Expertenkommission des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz mit der Reform des Strafverfahrens. Damit soll zunächst die Forderung aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt werden, die bestehenden Regelungen zu überprüfen. Ein zweiter Grund ist ein Urteil des Bundesverfassungsgericht zur Verständigung im Strafprozess („Deal“), das eine Neuregelung nahelegt. Bis April 2015 soll die 30-köpfige Kommission konkrete Gesetzesvorschläge machen. „Das ist zwar auf Kante genäht, für mich aber zeitlich gut zu bewältigen: Schließlich greift man auf die Erfahrungen seines ganzen Juristenlebens zurück“, sagt der 45-Jährige, der die bundesweit einzige Forschungsstelle für Recht und Praxis in der Strafverteidigung innehat. Für die Lehre sei die Tätigkeit von großem Wert: Es sichere die Aufmerksamkeit der Studenten, wenn der Bezug zur Realität spürbar sei.
Roman Inderst, Professor für Finanzen und Ökonomie, ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. In der Arbeitsgemeinschaft „Sicherer Rechtsrahmen für Cloud Computing“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie engagiert sich Prof. Indra Spiecker genannt Döhmann, Professorin für Öffentliches Recht.
Auch die Vertreter anderer Fachbereiche sind in wichtigen Beraterpositionen aktiv. Prominentester Kopf aus der Medizin ist der Allgemeinmediziner Prof. Ferdinand Gerlach: Er führt als Vorsitzender den Sachverständigenrat der Bundesregierung zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen an, umgangssprachlich bekannt als „die sieben Gesundheitsweisen“. Diese Experten sollen in Gutachten und Empfehlungen „Prioritäten für den Abbau von Versorgungsdefiziten und bestehenden Überversorgungen“ sowie Wege zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens aufzeigen. Gerlach ist zudem als Experte und Gutachter für die Bundesministerien für Bildung und Forschung und für Gesundheit tätig, für Bund-Länder-Kommissionen der Gesundheitsministerkonferenz, für die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung.
Prof. Stefan Zeuzem, Direktor der Medizinischen Klinik I, und Prof. Simone Fulda, Direktorin des Instituts für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie, sind Mitglieder der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrates. Als solche beraten sie die Bundesregierung und die Landesregierungen bei der Entwicklung von Hochschulen und Forschung. Die Aufgabe sei vielfältig und spannend, meint Zeuzem. „Mein besonderes Interesse gilt natürlich der Hochschulmedizin sowie den Fragen der klinischen Forschung in Deutschland.“ Simone Fulda reizt an der Aufgabe, zur inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Wissenschaft im interdisziplinären Diskurs beitragen zu können.
Andrea Meurer, Ärztliche Direktorin der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim, ist seit März dieses Jahres Mitglied des Sachverständigenbeirats Versorgungsmedizin des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Zusammen mit 16 weiteren Mitgliedern ist sie dafür zuständig, den Kriterienkatalog
weiterzuentwickeln, nach dem der Grad einer Behinderung oder Schädigung bemessen werden kann. Auf europäischer Ebene engagiert sich Prof. Kai Zacharowski, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie: Er vertritt Deutschland in der Union Européenne des Médicins Spécialistes (UEmS) und ist seit 2014 Präsident der Multiple joint committee intensive care medicine (MJC IMC) der Europäischen Union und als solcher verantwortlich für ein gemeinsames Curriculum für Intensivmedizin in Europa. „Ein Arzt aus Portugal kann dann auch in Schweden in der Intensivmedizin arbeiten und einer aus Bulgarien in Deutschland“, so Zacharowski.
Professor Manfred Niekisch, Leiter des Frankfurter Zoo und Professor am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, gehört dem Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung an. Zudem ist er Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat Waldpolitik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Soziologie-Professorin Brigitte Geißel, die sich mit Deutschland im europäischen Kontext befasst, ist Mitglied der Sachverständigenkommission „Zweiter Engagementbericht der Bundesregierung: Demographischer Wandel und bürgerschaftliches Engagement“, der im kommenden Jahr vorgelegt werden soll. Hans Peter Klein, Professor für Didaktik der Biowissenschaften, ist für das Bundesbildungs- und –forschungsministerium gutachterlich tätig. Cornelia Rosebrock, Professorin für Deutsche Literatur und ihre Didaktik, berät seit 2007 das Institut für Qualitätssicherung im Bildungswesen (IQB) in Berlin, eine Institution der Kultusministerkonferenz (KMK). Ihr Gebiet ist dabei die fachdidaktische Beratung bei der empirischen Überprüfung der Bildungsstandards der Länder und des Bundes.
Julika Griem, Professorin für Anglistische Literaturwissenschaft, ist seit wenigen Wochen Mitglied der Strategiekommission des Wissenschaftsrates. Der Wissenschaftsrat ist eines der wichtigsten wissenschaftspolitischen Beratungsgremien in Deutschland. Er berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Wissenschaft, der Forschung und des Hochschulbereichs. Julika Griem soll zusammen mit elf anderen Wissenschaftlern einen der Berichte erstellen, auf deren Grundlage über den Fortgang der Exzellenz-Initiative nach 2017 entschieden wird. „Das ist eine sehr zeitaufwändige Sache“, sagt Griem. Aber gerade für Geisteswissenschaftler sei ein solches Engagement wichtig: „So können wir sichtbar werden.“
Auch Jura-Professorin Indra Spiecker ist für den Wissenschaftsrat aktiv. Sie gehört dem Wissenschaftlichen Beirat der Arbeitsgruppe „Kerndatensatz Forschung“ an. Der Kerndatensatz ist ein Angebot an Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, um sie bei der informationstechnischen Erfassung ihrer Forschungsaktivitäten zu unterstützen. Er stellt einen Standard zur Eigenverwaltung dieser Daten bereit, eine zentrale Datensammlung erfolgt nicht.
Einer von zwölf Gutachtern für den Qualitätspakt Lehre des Bundes und der Länder ist Professor Manfred Schubert-Zsilavecz vom Institut für Pharmazeutische Chemie. Der Physiker Prof. René Reifarth ist Fachgutachter für den Europäischen Forschungsrat, und sein Kollege Prof. Werner Mäntele (Biophysik) ist für Forschungsministerien in verschiedenen Ländern Lateinamerikas beim Aufbau von Exzellenzzentren, Forschungsverbünden und Studiengängen gutachterlich tätig.
Forschung
Suche nach Interstellaren Staubkörnern erfolgreich - starke Beteiligung deutscher Arbeitsgruppen
BERKLEY/FRANKFURT/HEIDELBERG/MAINZ. Der Interstellare Raum ist in der Vorstellung der meisten Menschen völlig leer. Tatsächlich enthält er aber einige Prozent der gesamten verfügbaren Masse der Galaxie. Diese so genannte interstellare Materie ist zudem extrem wichtig, da aus ihr neue Sterne und Planetensysteme entstehen. Sie enthält die Grundbausteine aller uns bekannten Himmelskörper einschließlich der Erde.
Der größte Teil dieser Materie besteht aus den Gasen Wasserstoff und Helium, nur ein Hundertstel davon ist Staub. Dieser enthält alle schweren Elemente, die die Baustoffe für die erdähnlichen Planeten liefern und damit auch als Grundlage für Leben gelten. Von dieser nicht aus unserem eigenen Sonnensystem stammenden Urmaterie wurden nun erstmals Proben von einer Raumsonde zur Erde zurückgebracht und in den am besten hierfür geeigneten Laboratorien der Welt untersucht.
Bekannt wurde die Stardust-Mission durch ihren spektakulären Flug durch den Schweif des Kometen Wild 2. An der Untersuchung der Proben hatten einige der deutschen Wissenschaftler bereits mitgewirkt. Die Raumsonde sammelte aber auch monatelang Staubpartikel aus dem Interstellaren Raum mit einer etwa einen halben Quadratmeter großen Auffangvorrichtung. Die winzigen, unvorstellbar schnell fliegenden Körner, die sich wahrscheinlich um sterbende Sterne und während Supernovae gebildet haben, wurden dabei in einem transparenten Glasschaum eingefangen. Nach der erfolgreichen Rückkehr der Proben begann die umfangreiche und aufwendige Suche nach den Mikropartikeln.
„Der Aufwand, diese Partikel im Glasschaum zu entdecken war so groß, dass man die ganze Welt um Mithilfe bat“, sagt Frank Brenker. Insgesamt beteiligten sich über 34.000 Laien an der Suche und investierten hierfür große Teile ihrer Freizeit. Die große Anzahl freiwilliger Helfer zeigt, dass die Untersuchungen auf großes gesellschaftliches Interesse stoßen. „Es ist das erste mal überhaupt, dass Material untersucht wird, welches nicht aus unserem eigenen Sonnensystem stammt. Es ist quasi unser Kontakt mit anderen Bereichen unserer Galaxie“, erklärt Brenker. „Hier gibt es offensichtlich ein großes Bedürfnis nach wissenschaftlichen Antworten.“
Vielversprechende Einschlagspuren des Auffangbehälters der Stardust-Raumsonde, an deren Ende sich die winzigen Teilchen befanden, wurden von der Arbeitsgruppe von Prof. Frank Brenker (Goethe-Universität Frankfurt) mittels hochempfindlicher nano-Synchrotron-Röntgenfluoreszenz am ESRF in Grenoble untersucht. Die Messungen führten schließlich zur Identifizierung der ersten Kandidaten für Körner mit interstellarem Ursprung.
Weitere Einschlagsspuren wurden am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz mittels hochauflösender Sekundärionenmassenspektrometrie von der Arbeitsgruppe von Dr. Peter Hoppe studiert. Um vielversprechende Einschlagspuren überhaupt zu identifizieren und von ihnen auf die Einschlagsgeschwindigkeit und andere Eigenschaften der einschlagenden Teilchen (beispielsweise Masse, Porosität, chemische Zusammensetzung) rückschließen zu können, wurden Kollektoren in Heidelberg in Kooperation mit der Universität Stuttgart (Dr. Ralf Srama) mittels eines weltweit einzigartigen Staubbeschleunigers beschossen, um den Einschlagprozess zu simulieren und zu kalibrieren.
Die Ergebnisse des internationalen Konsortiums wurden nun im Wissenschaftsmagazin SCIENCE (Westphal et al. 2014) veröffentlicht. Bislang konnten wenige größere (Mikrometer große) Teilchen untersucht werden. Zwei Teilchen mit den schönen Namen Orion und Hylabrook wurden im Aerogel unzerstört eingefangen, ein weiteres hinterließ nur eine Einschlagspur, vier Teilchen erzeugten Einschläge auf Folien zwischen den Aerogel-Feldern.
Die untersuchten interstellaren Teilchen sind entgegen den gängigen Vorstellungen und Modellen nicht vollständig amorph, haben einen eher niedrigen Kohlenstoffanteil und stellen auch keinen direkten Hochtemperaturkondensate dar. Die Elementzusammensetzung entspricht in Teilen dem kosmischen Durchschnitt, es gibt aber wichtige Abweichungen, etwa Defizite des Elements Kalzium oder Überschüsse des Elements Aluminium. Somit weichen diese Teilchen deutlich von Durchschnittseigenschaften ab, die von astronomischen Beobachtungen und Modellierungen bisher abgeleitet wurden.
Informationen: Prof. Frank Brenker, Institut für Geowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-40134, f.brenker@em.uni-frankfurt.de.
Ein Bild kann bei Bedarf kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.
Bildunterschrift: Pferdekopfnebel in Infrarot. Deutlich zu erkennen ist die Staubreiche Region des Interstellaren Mediums die auch als Geburtsstätte neuer Sterne und Sonnensysteme dient.
Image credit: NASA, ESA, und das Hubble Heritage Team (STScI/AURA)
Veranstaltungen
Festveranstaltung mit Vortrag von Prof. Martin Jay, einer der bedeutendsten Historiker der Kritischen Theorie
FRANKFURT. Ab 20. August können Wissenschaftler und Interessenten aus der ganzen Welt digital auf Horkheimers Nachlass zugreifen: Das Archivzentrum der Frankfurter Universitätsbibliothek schaltet am kommenden Mittwoch den Internet-Zugriff auf einen Großteil der insgesamt 250.000 Dokument-Seiten aus seinem Nachlass frei (http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/horkheimer). Auch alle 16.000 Bände aus Horkheimers Privatbibliothek lassen sich über den virtuellen Katalog (Opac) der Uni-Bibliothek mit der Provenienzangabe „Max Horkheimer“ mühelos zusammenführen.
Aus diesem Anlass findet am Dienstag (19. August) um 18.30 Uhr eine öffentliche Festveranstaltung im Lesesaal der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Campus Bockenheim, statt. Prof. Martin Jay, einer der bedeutendsten Historiker der Kritischen Theorie in den USA, spricht zum Thema „The Hope that Earthly Horror Does not Possess the Last Word: Max Horkheimer and The Dialectical Imagination“. Im deutschsprachigen Raum ist Jay vor allem durch sein Werk „Dialektische Phantasie“ über die Geschichte der Frankfurter Schule bekannt. In die Geschichte des Horkheimer-Nachlasses und seiner Digitalisierung führen außerdem der frühere Bearbeiter, Prof. Gunzelin Schmidt Noerr (Hochschule Niederrhein) und der heutige Verantwortliche für den Nachlass, Dr. Mathias Jehn (Archivzentrum der Universitätsbibliothek), ein.
„Unter den mehrere tausend Briefen sind auch viele, die bislang noch nie veröffentlicht wurden – so Korrespondenzen mit anderen bedeutenden Vertretern der Kritischen Theorie während der Emigration“, erläutert Jehn. Das internationale Interesse an der Frankfurter Schule und ihren Hauptprotagonisten ist seit Jahren ungebrochen, insbesondere für diese Wissenschaftler ist die Nutzung des digitalen Archivs ein enormer Gewinn. „Die Digitalisierung, die wir mit einem Team von sechs Personen vor drei Jahren begonnen haben und nun abschließen konnten, war auch aus konservatorischen Gründen notwendig. Denn aufgrund des fortgeschrittenen Papierzerfalls, insbesondere für den Zeitraum von 1920 bis 1950, sind große Teile der Originale unmittelbar für die Benutzung gesperrt“, so der Leiter des Archivzentrums.
Online zugänglich sind mehrere tausend Seiten digitalisierter Korrespondenzen von Max Horkheimer mit Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Jürgen Habermas, Siegfried Kracauer und anderen Vertretern der Kritischen Theorie sowie sämtliche Manuskript- und Entwurfsseiten Max Horkheimers beginnend mit seinen frühen Schriften in der Studentenzeit in den 1920er Jahren bis hin zu den späten Vorträgen und Interviews in den 1970er Jahren. Zwei Kostproben aus den Tausenden von Dokumenten, die dem Leiter des Archivzentrum besonders in Erinnerung geblieben sind: Zunächst die ersten beiden Sätzen aus den unter Mitwirkung von Gretel Adorno nach 1939 entstandenen „Philosophischen Fragmenten“, die Horkheimer und Adorno später 1947 als „Dialektik der Aufklärung“ herausgegeben haben:„Seit jeher hat Aufklärung im umfassendsten Sinn fortschreitendsten Denkens das Ziel verfolgt, von den Menschen die Furcht zu nehmen und sie als Herren einzusetzen. Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils….“. Wenn die beiden Begründer Frankfurter Schule sich Briefe schrieben, dann oft mit ironisch witzigem Unterton – hier Adorno an Horkheimer: „Max, meinem Titel Großes Rindvieh mache ich wirklich Ehre.“ Und unterschreibt mit „alles erdenkliche Liebe, wie immer Dein G.R.“.
Der Philosoph Max Horkheimer (1895-1973) gilt zusammen mit Theodor W. Adorno (1903-1969) als Begründer der Frankfurter Schule und ihrer Kritischen Theorie; Horkheimer war Direktor des Instituts für Sozialforschung, Professor an der Goethe-Universität und nach seiner Rückkehr aus dem US-amerikanischen Exil von 1951 bis 1953 auch Rektor der Universität. Sein herausragendes wissenschaftliches Erbe ging nach seinem Tod 1973 an die damalige Stadt- und Universitätsbibliothek.
Informationen: Dr. Mathias Jehn, Archivzentrum der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Campus Bockenheim, m.jehn@ub.uni-frankfurt.de, Tel. (069) 798-39007, http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/horkheimer, http://www.ub.uni-frankfurt.de/archive/horkheimer_digital.html
Veranstaltungen
67 Studierende aus 24 Nationen zu Gast an der Goethe-Universität
FRANKFURT. Die Goethe-Universität organisiert die erste Frankfurt Summer School (21.07.-15.08.) im Rahmen des DAAD-Programms „Strategische Partnerschaften“. Dieses neue Kurzprogramm ist ein wichtiger Bestandteil der Internationalisierung der Goethe-Universität. Dieses Jahr nehmen 67 Studierende aus 24 Nationen an der Summer School teil. Ungefähr 40% der Teilnehmer studieren an den Partneruniversitäten der Goethe-Uni in Toronto, Tel Aviv, Birmingham und der Charles University in Prague. Diese Städte sind zugleich auch Städtepartnerschaften von Frankfurt.
Welche Erfahrungen machen die Studierenden in Frankfurt, wie erleben sie die Goethe-Universität? Medienvertreter haben die Möglichkeit, den Studierenden diese oder andere Fragen zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich am
Donnerstag und Freitag, jeweils ab 15.00 Uhr, auf dem Campus Westend, oder bei der Abschlussfeier der Frankfurt Summer School. Diese findet am 15.8. um 18.00 Uhr im Gästehaus der Goethe-Universität, Ditmarstraße 4, statt.
Bitte teilen Sie uns doch mit, ob Sie einen der angebotenen Termine wahrnehmen können: presse@pvw.uni-frankfurt.de
Zum Programm der ersten Frankfurt Summer School:
Die Teilnehmer erhalten im Rahmen der drei Sparten Psychology, Legal Studies und Natural and Life Sciences die Gelegenheit, sich in englischer Sprache mit spannenden Themen aus der Forschung auseinanderzusetzen:
Neben dem Seminarprogramm bietet die Summer School auch Deutschkurse und ein umfangreiches Kulturprogramm an (u.a. Berlin, Straßburg, Heidelberg, Flussfahrt auf dem Rhein und verschiedene Aktivitäten in Frankfurt).
Mehr Informationen unter http://summerschool.uni-frankfurt.de/