Veranstaltungen
Fachworkshop an der Goethe-Universität bietet Erziehern, Lehrern, Therapeuten und Fachärzten Einblicke in die Forschung zu Spracherwerb und Sprachdiagnostik.
FRANKFURT. Die Sprachentwicklung von Kindern ist ein weites Feld, auf dem sich nicht nur Sprachwissenschaftler, sondern auch Pädagogen und Ärzte tummeln. Die zusätzlichen Herausforderungen durch eine wachsende Zahl an Kindern mit Migrationshintergrund erfordert umso mehr einen Austausch über Fachgrenzen hinweg. Der Fachworkshop „Spracherwerb und Sprachdiagnostik“, der vom Lehrstuhl Deutsch als Zweitsprache, Prof. Dr. Petra Schulz, an der Goethe-Universität ausgerichtet wird, beinhaltet genau diesen Brückenschlag „von der Forschung in die Praxis“.
Zwei Vorträge mit anschließenden Diskussionen stehen auf dem Programm des Workshops: Ein Vortrag wird das vom BMBF geförderte Projekt „cammino – Sprachdiagnostik mehrsprachiger Kinder“ vorstellen. Wie erfassen pädagogische Fachkräfte in Kitas und Schulen, Fach- und Schulärzte den Sprachstand von Kindern, wie gehen sie dabei mit mehrsprachigen Kindern um? Die Referentin Dr. Barbara Geist wird erläutern, was die Befragung erbracht hat.
In einem weiteren Vortrag wird der Referent Alexander Thiel das von der DFG geförderte Projekt CARU präsentieren, in dem untersucht wird, wie 3- bis 6-jährige einsprachig deutsche Kinder Nebensätze erwerben. Die Ergebnisse sollen helfen, den unauffälligen Spracherwerb genauer zu verstehen.
Fachworkshop „Spracherwerb und Sprachdiagnostik – von der Forschung in die Praxis“
Freitag, 28. März 2014, 14.-17.00 Uhr
Ort: Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend der Goethe-Universität, Raum HZ15, Grüneburgplatz 1.
Medienvertreter haben die Möglichkeit, einen Einblick in Forschungsergebnisse und Diskussionen zu erhalten. Wir freuen uns über eine kurze Rückmeldung, ob Sie an den Veranstaltungen teilnehmen möchten – am besten per Mail an: frank@pvw.uni-frankfurt.de.
Mit freundlichen Grüßen
Dirk Frank,
Pressereferent
Forschung
Beitrag zum Verständnis der chemischen Bindung/ Elektronentransport in Bor-haltigen organischen Molekülen ist praxisrelevant
FRANKFURT. Der Nobelpreisträger Linus Pauling hat schon 1931 darauf hingewiesen, dass zwei Wasserstoffatome zusammengehalten werden können, wenn sie sich lediglich ein Elektron teilen (Einelektron-Zweizentrenbindung). Experimentell sind solche Systeme nur schwer zugänglich. Chemikern der Goethe-Universität ist es nun gelungen, eine Verbindung herzustellen, die eine stabile Bor•Bor Einelektron-Zweizentrenbindung enthält. Die in der Angewandten Chemie publizierten Ergebnisse leisten nicht nur einen Beitrag zum fundamentalen Verständnis der chemischen Bindung, sondern sind auch anwendungsrelevant: Bor-haltige organische Moleküle gelten als Materialien der nächsten Generation für Akkumulatoren, Solarzellen und Organische Leuchtdioden (OLEDs).
„Das Konzept der Elektronenpaarbindung, wie sie im elementaren Wasserstoff, H2, vorliegt, ist jedem Naturwissenschaftler geläufig, während Spezies mit Einelektron-Zweizentrenbindung wie das Wasserstoff-Radikalkation allenfalls als Laborkuriositäten wahrgenommen werden“, so Prof. Matthias Wagner vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Goethe-Universität. Das liegt daran, dass die Synthese dieser Systeme und ihre Isolierung bei Raumtemperatur äußerst schwierig sind.
Die Frankfurter Arbeitsgruppen von Prof. Matthias Wagner und Prof. Max Holthausen konnten die Schwierigkeiten überwinden, indem sie sich zu Nutze machten, dass man das Bor•Bor-Fragment - im Gegensatz zum Wasserstoff-Radikalkation - in ein größeres Molekül integrieren kann. Dadurch ist es wie in einem Käfig, abgeschirmt. Boratome nehmen bereitwillig Elektronen auf. Positioniert man daher zwei von ihnen in räumlicher Nähe innerhalb einer starren Molekülarchitektur, so lässt sich anschließend ein Elektron gezielt zwischen die beiden Boratome einbetten, wo es von ihnen festgehalten wird.
Erste Hinweise, dass sich eine Bor•Bor Einelektron-Zweizentrenbindung als Folge der Injektion des Elektrons gebildet hatte, ergab die Röntgenstrukturanalyse am Einkristall. Sie zeigte eine signifikante Verkürzung des Bor-Bor-Abstands. Einen entscheidenden Beitrag zur Identifizierung der Einelektron-Zweizentrenbindung lieferte schließlich die quantenchemische Analyse der Elektronendichte, die das einzelne Elektron als fixierendes Bindeglied zwischen den beiden Bor-Atomen zweifelsfrei kennzeichnet.
Von praktischer Bedeutung sind die Untersuchungen vor allem deshalb, weil Bor-haltige organische Moleküle sich derzeit steigenden Interesses in den Materialwissenschaften erfreuen. Will man sie für Akkumulatoren, Solarzellen oder organische Leuchtdioden einsetzen, spielt der Elektronentransport innerhalb dieser Materialien eine wesentliche Rolle. „Dementsprechend stellt sich auch die Frage, unter welchen Umständen Elektronen zwischen Boratomen eingefangen werden und auf diese Weise den Ladungstransport behindern“, erläutert Max Holthausen.
Publikation: Angew. Chem. Int. Ed. 2014, DOI: 10.1002/anie.201402158, http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ange.201402158/pdf
Bilder-Download: hier (zip).
Informationen: Prof. Matthias Wagner, Institut für Anorganische und Analytische Chemie, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-29156, Matthias.Wagner@chemie.uni-frankfurt.de
Prof. Max Holthausen, Institut für Anorganische und Analytische Chemie, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-29412, Max.Holthausen@chemie.uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Ausstellung „36 Stifter für eine Idee“ sucht Stühle als Brücke in die Vergangenheit!
FRANKFURT. Dass ein Stuhl mehr als eine Sitzgelegenheit sein kann, wird die Ausstellung „36 Stifter für eine Idee“ im Rahmen des Jubiläumsjahres der Goethe-Universität zeigen. Die Schau stellt historische Stifterpersönlichkeiten der Goethe Universität in den Mittelpunkt und wird von Studierenden kuratiert: „Jeder Stuhl wird eine Brücke zu einem der damaligen Stiftern schlagen“, verraten die studentischen Kuratoren Pascal Ballo, Katharina Busch, Lucia Gerharz, Sebastian Haas, Alexander Hofmann, Markus Häfner und Erika Wagner. Und genau dafür suchen sie noch Stühle jeglicher Art. Ob alt, neu, groß oder klein, ganz egal – jeder Stuhl zählt! „Wichtig ist lediglich, dass der Stuhl in irgendeiner Verbindung zur Goethe-Universität steht“, erläutert das Kuratoren-Team weiter.
Projektleiter Dr. Torben Giese: „Mit dieser außergewöhnlichen Idee wird die Tradition des Stiftens an der Goethe-Uni nochmals ganz anders aufgegriffen.“
Ab dem 10. April 2014 werden alle gestifteten Stühle mit dem jeweiligen Namen des Stuhlstifters im PA-Gebäude auf dem Campus Westend (Mo-Fr 11-17 Uhr) zu sehen sein. Nach Ende der Ausstellung werden alle Stühle an Fachschaften oder studentische Initiativen übergeben.
Alle Stiftungswilligen, die gerne mit einem Stuhl zur Ausstellung beitragen möchten, wenden sich bitte an:
Projektmanagerin: Lucia Gerharz, Goethe-Universität – Tel.: 069 / 207 955 47
Projektleitung: Dr. Torben Giese – Tel.: 0176 / 234 909 43 E-Mail: t.gi@gmx.de
Personalia/Preise
Prof. Ernst Stelzer erhielt höchsten Wissenschaftspreis der Deutschen Gesellschaft für Zellbiologie
FRANKFURT. Für seine herausragenden und bahnbrechenden Entwicklungsarbeiten zur modernen Lichtmikroskopie erhält Prof. Ernst Stelzer vom Buchmann Institute for Molecular Life Sciences der Goethe Universität die höchste wissenschaftliche Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Zellbiologie (DGZ), die mit 7.000 Euro dotierte "Carl Zeiss Lecture". Basierend auf den Patenten von Prof. Stelzer zur "Light Sheet Microscopy" hat die Firma Carl Zeiss kürzlich ein neuartiges Fluoreszenzmikroskopiesystem auf den Markt gebracht, das vor allem der Entwicklungsbiologie und der Stammzellforschung enorme Möglichkeiten eröffnet. Die „Carl Zeiss Lecture" würdigt international herausragende Leistungen in der Zellbiologie sowie Methoden der Licht- und Elektronenmikroskopie, die für die Erforschung zellbiologischer Fragestellungen richtungsweisend sind.
Der Preis wurde auf der Internationalen DGZ-Tagung an der Universität Regensburg verliehen. Dr. Richard Ankerhold, verantwortlich für die Geschäftsfelder in den Biowissenschaften bei ZEISS, war am Auswahlprozess beteiligt. Er würdigte Ernst Stelzer als einen großartigen Forscher, dessen Arbeiten zu wegweisenden Methoden in der Zellbiologie geführt haben. Sie kämen heute in fast jedem modernen biomedizinischen Labor zum Einsatz: „Als Pionier der konfokalen Laser Scanning-Mikroskopie (LSM) und anderen bildgebenden Methoden hat er unser heutiges dreidimensionales Verständnis dynamischer zellulärer Zusammenhänge entscheidend beeinflusst“, so Ankerhold.
Die Carl Zeiss Lecture wurde 1990 von ZEISS gestiftet, um die DGZ dabei zu unterstützen, international anerkannte Wissenschaftler zu ihren Jahrestagungen einzuladen. 1993 vereinbarten ZEISS und die DGZ gemeinsam, die Carl Zeiss Lecture in einen Preis umzuwandeln. Die Vorlesung und Preisvergabe finden jährlich während der Eröffnungsveranstaltung der Jahrestagung der DGZ statt. Die Auswahl trifft ein Ausschuss, dem der Präsident der DGZ, der Tagungspräsident, ein Mitglied des Beirates sowie ein Vertreter von ZEISS angehören.
Informationen: Prof. Ernst Stelzer, Buchmann Institute for Molecular Life Sciences der Goethe Universität, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-42547, stelzer@bio.uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Kooperation des Exzellenzclusters „Normative Ordnungen“ beim Luminale-Projekt „Say Say Say“ vom 30. März bis 4. April in Offenbach
FRANKFURT. Kunst trifft Wissenschaft, und beide Partner ergänzen sich mit ihren jeweils eigenen Ausdrucksmitteln. Die Künstlerinnen Anny und Sibel Öztürk kooperieren mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität bei der diesjährigen Luminale, dem internationalen Festival der Lichtkultur im Rhein-Main-Gebiet. Die Luminale findet alle zwei Jahre im Rahmen der Frankfurter Messe „Light + Building“ statt. Allein 35 Lichtprojekte sind jetzt wieder in Offenbach zu sehen, darunter auch die Lichtinstallation von Anny und Sibel Öztürk mit dem Titel „Say Say Say“ an der Fassade des Rathauses. Sie lädt vom 30. März bis zum 4. April zum Anschauen, Nachdenken und Mitmachen ein und korrespondiert mit einem Vortrag des Philosophen Darrel Moellendorf, in dem es um globale Gerechtigkeit und Klimawandel geht. Prof. Moellendorf ist Mitglied des Clusters und spricht am 4. April um 19.00 Uhr im Foyer des Rathauses über „Energie, Armut und die Zukunft“.
„Mach das Licht aus, wenn Du gehst“ steht in großen schwarzen Lettern auf dem weißen Grund eines Leuchtkastens, der die Form einer Sprechblase hat. Er ist Teil der Installation „Say Say Say“ und einer von insgesamt fünf Leuchtkästen in Sprechblasenform unterschiedlicher Größe, die sich um eine Fensteröffnung an der Fassade des Offenbacher Rathauses gruppieren. Die Aufforderung, das Licht zu löschen, bietet Raum für verschiedene Assoziationen: Wenn beispielsweise „der Letzte“ das Licht ausmacht, ist es meistes schon zu spät. Man kann sich aber auch darauf beschränken, nur dann das Licht einzuschalten, wenn man es wirklich braucht – und damit ganz konkret einen Beitrag zur Schonung der Ressourcen leisten. Ohne diese Achtsamkeit könnte es zu ausweglosen Situationen kommen und damit das passieren, was auf einer anderen Sprechblase steht: „Der Rest ist Schweigen“.
Die Sicht der „Normativen Ordnungen“ erläutert dessen Co-Sprecher Prof. Klaus Günther auf der Vernissage am 30. März um 19.30 Uhr im Rathaus Offenbach. Der Forschungsverbund untersucht die weltweiten gesellschaftlichen Umbrüche unter dem Gesichtspunkt der Herausbildung und Geltung von Ordnungsvorstellungen. Die Frage nach „Gerechtigkeit“ ist dabei zentral. Gegenstand der Analysen sind beispielsweise der Kampf um Menschenrechte und Partizipation in verschiedenen Gesellschaften - und eben auch der Klimawandel. „Gegenwärtig ist es eine der wichtigsten Aufgaben der Menschheit, Antworten darauf zu finden, wie wir adäquat auf den menschengemachten Klimawandel reagieren können. Der Klimawandel wirft eine Reihe von zunehmend wichtigen moralischen Problemen auf, denen politisch begegnet werden muss“, so Darrel Moellendorf.
In seinem Vortrag am 4. April wird der politische Philosoph dafür plädieren, den Verbrauch fossiler Brennstoffe erheblich zu reduzieren. Die Menschen müssten lernen, ohne fossile Brennstoffe zu leben. Gleichzeitig aber gebe es viele Menschen, die eigentlich mehr Energie benötigten. So hätten weltweit 1,4 Milliarden Menschen keinen Zugang zu Strom, was ihre Chancen auf Bildung und Gesundheit erheblich beeinträchtige. Darrel Moellendorf: „Wir müssen daher zwei Ziele verfolgen, die auf den ersten Blick schwer miteinander zu vereinbaren sind: Einerseits müssen wir umgehend unsere CO2-Emissionen drastisch senken, andererseits sollte den Entwicklungsländern ermöglicht werden, mehr Energie zu verbrauchen.“
Informationen: Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, rebecca.schmidt@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de, www.normativeorders.net/saysaysay, www.offenbach.de/luminale,