Forschung
Rolf Wiggershaus im Gespräch mit Frankfurter Professoren – Beitrag in der soeben erschienenen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“
FRANKFURT. Polit-Consultants, Kommissionspezialisten, Lebensberater – wo aber sind die freien Intellektuellen, die als moralische Instanz in einer immer komplexer werdenden Welt Orientierung geben? Haben die Welterklärer mit ihrem „avantgardistischen Spürsinn für Relevanzen“ ausgedient? Um auf solche Fragen konkrete Antworten geben zu können, hat der Philosoph und Schriftsteller Rolf Wiggershaus unter anderem mit dem Frankfurter Rechtswissenschaftler Prof. Klaus Günther sowie mit den Philosophie-Professoren Axel Honneth und Rainer Forst gesprochen. Sein Beitrag ist in der soeben erschienenen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ 2/2014 veröffentlicht.
Die befragten Frankfurter Professoren waren sich darin einig, dass Wissenschaftler-Intellektuelle dann intervenieren sollten, wenn das Tagesgeschehen entgleist und andere noch beim „business as usual“ sind. Die Professoren-Intellektuellen von heute haben es aber nicht so leicht: Sie müssen zuerst einmal auf ihren Ruf als exzeptionelle Wissenschaftler bedacht sein und ihre herausragende Professionalität zur Basis ihres Handelns machen. Ansonsten werden sie schnell zu Medien-Intellektuellen, die – abgekoppelt von professionellen Leistungen – nur von ihrer Medienprominenz und ihrem Unterhaltungswert zehren.
Der Frankfurter Sozialphilosoph Jürgen Habermas hatte 2006 bei der Entgegennahme des Bruno Kreisky-Preises dargelegt, wofür Intellektuelle nach wie vor unerlässlich sind. Seine Wendung vom „avantgardistischen Spürsinn für Relevanzen“ zielte auf die Kombination des Gespürs für einen gefährlichen Mentalitätswandel mit einem Sinn für das, was fehlt. Doch es reicht nicht, einerseits ausgewiesener Wissenschaftler mit ausgezeichnetem Ruf zu sein, andererseits sich öffentlich engagierender Bürger. Wissenschaftliches Tun und intellektuelle Intervention müssen eng miteinander verbunden sein – ein Balanceakt zwischen fortschreitender wissenschaftlicher Spezialisierung und einem Überfluss an öffentlich präsentierten Problemdiagnosen und Verbesserungsvorschlägen. Klaus Günther plädiert dafür, sich auf intellektuelle Interventionen in solchen Bereichen einzulassen, in denen man sich als Wissenschaftler zuhause fühle. Was natürlich auch bedeute, in dieser Richtung weiter zu forschen, so dass die Rolle des Wissenschaftlers und des öffentlichen Intellektuellen sich ergänzten.
Für eine aussichtsreiche Intervention müssen bestimmte Bedingungen gegeben sein. Dabei kommt es auch auf den richtigen Umgang mit den Medien an. In einer Situation unregulierter Konkurrenz brillieren Medien-Intellektuelle oft mit einem Feuerwerk von Behauptungen, Begründungen und Forderungen ohne erkennbare Logik und Richtung; dagegen können Intellektuelle, die nachdenkliche Feststellungen, interessante Argumente und unkonventionelle Alternativen ins Feld führen, gelegentlich schwerfällig und weltfremd wirken. „Die größte Autonomie und Selbstbestimmung über das eigene Wort und den eigenen Auftritt hat man in der Presse“, so Axel Honneth. Im Fernsehen dagegen „verfügt man nicht mehr über sich und setzt eine Art Verfremdungseffekt ein“. So ist es denn kein Wunder, dass Wiggershaus zu dem Schluss kommt: „Intellektuelle, die Relevantes zu sagen haben, achten darauf, wo sie unter welchen Bedingungen intervenieren können. Talkshows halten sie nicht für die ultimative Arena öffentlichkeitswirksamer Auftritte und setzen auf viele Wege zur Einflussnahme auf die Gestaltung unserer Lebensform.“
In seinem Beitrag stellt Wiggershaus auch zwei Künstler-Intellektuelle mit exemplarischen „Interventionen“ vor: Theodor W. Adorno und Fatih Akin. Adorno wäre wohl am liebsten Komponist und Pianist geworden. Talent und Zeitläufe bewirkten, dass er Professor für Philosophie und Soziologie wurde. Doch das war er nie nur. Stets blieb er ein leidenschaftlicher Verfechter avantgardistische Kunst und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung als „geschichtsphilosophische Sonnenuhr“. Er schätzte die Auseinandersetzung mit Kritikern moderner Kunst, denn so konnte er der kulturindustriellen Neutralisierung von Kunst entgegenwirken. Eine Probe seiner Fähigkeit zu „Eingriffen“ gab er, kaum aus dem US-amerikanischen Exil nach Deutschland zurückgekehrt, 1950 beim ersten „Darmstädter Gespräch“.
Gesellschaftliche Bedeutung und Verantwortung hat ein Künstler auch für den Hamburger Filmemacher Fatih Akin, Sohn türkischer Einwanderer. 2007 wurde Hrant Dink, Mitbegründer und Chefredakteur der türkisch-armenischen Wochenzeitung „Agos“, in Istanbul auf offener Straße erschossen. Akin wollte einen Film über das Leben des von ihm verehrten Intellektuellen machen, doch kein türkischer Schauspieler war bereit, die Rolle des Ermordeten zu übernehmen. So entstand stattdessen „The Cut“ - ein Spielfilm, der mit den Mitteln des Hollywood-Kinos dem Verdrängten den Weg ins Bewusstsein gerade auch eines türkischen und türkischstämmigen Publikums zu bahnen sucht. „Es ist nur ein Film“, meinte Akin in einem Interview mit „Agos“, und für den sei die türkische Gesellschaft, als deren Teil er sich fühle, nun reif.
Informationen: Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kann kostenlos bestellt werden: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.
Forschung
Sozialpsychologen der Goethe-Universität warnen vor Bewegungen wie „Pegida“ in Frankfurt.
FRANKFURT. Die Abteilung für Sozialpsychologie in Frankfurt sieht aktuelle Bewegungen wie „Pegida“ mit großer Besorgnis. „Jetzt bestätigt sich, was wir – gemeinsam mit vielen Kolleginnen und Kollegen in der Wissenschaft – bereits seit über 20 Jahren sagen: Fremdenfeindlichkeit ist kein Problem von einigen wenigen Rechtsextremen, sondern Fremdenfeindlichkeit ist ein Problem in der Mitte unserer Gesellschaft“, so die Wissenschaftler. Bereits Anfang der 1990er Jahre, als die Anschläge von Rostock, Hoyerswerda, Solingen oder Mölln mit vielen Toten Deutschland erschütterten, hätte die Politik eine stereotype Reaktion gezeigt: Die Ursache sei an den extremen rechten Rändern zu suchen und Deutschland an sich ein ausländerfreundliches Land. Die Psychologen um Prof. Rolf van Dick halten dagegen: „Seitdem hat Deutschland zwar ein verbessertes Zuwanderungsgesetz – aber auch mindestens 60 Tote (nach offiziellen Statistiken, nach inoffiziellen sind es eher 200) zu beklagen.“ Alle Meinungsumfragen zeigten, dass es in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern einen verhältnismäßig großen Anteil fremdenfeindlicher Einstellungen gibt. Und viele Studien belegten, dass Menschen mit anderer Hautfarbe, mit Akzent oder nicht-deutschem Namen systematisch diskriminiert werden. Sie bekämen weniger schnell eine Wohnung, einen Job oder auch nur eine einfache Hilfeleistung wie eine Wegauskunft!
Die aktuellen Bewegungen bestätigten außerdem eine weitere wissenschaftliche Theorie: „Ausländerfeindlichkeit ist dort besonders groß, wo es an persönlichen Erfahrungen mit Ausländern fehlt! Es ist also kein Zufall, dass sich die großen Massen in erster Linie in Städten sammeln, in denen der Ausländeranteil gering ist. Wo man persönliche Erfahrungen mit Ausländern macht, sieht man sie als Personen wie ‚Du und Ich‘ und hat weniger Angst vor der Überfremdung“, so die Wissenschaftler. Frankfurt, eine der vielfältigsten Städte Deutschlands, habe wenig Probleme mit Fremdenfeindlichkeit bzw. fremdenfeindlicher Gewalt. Dies sei erst kürzlich durch den Verfassungsschutzbericht und eine repräsentative Umfrage des hessischen Sozialministeriums bestätigt worden, nach der drei Viertel der Befragten ausländische Mitbürger als eine Bereicherung empfänden.
„Wir warnen daher vor Fragida und wir distanzieren uns von jeder Art der pauschalen Verunglimpfung von Ausländern. Aussagen, wie ‚drei Viertel aller Asylanträge werden abgelehnt‘, wie man sie derzeit stereotyp von einigen Politikern der CSU hört, sind nicht hilfreich, sondern tragen zu einer Verschlechterung des Klimas bei!“ Die in Deutschland lebenden Ausländer zahlten in die Sozialsysteme wesentlich mehr Geld ein, als sie daraus bezögen und ohne systematische Zuwanderung würden die Beschäftigtenquoten in den nächsten Jahrzehnten dramatisch sinken. „Die Ausländer, insbesondere die Flüchtlinge sind auf unsere Solidarität angewiesen. Sie brauchen uns! Und wir brauchen Zuwanderung und die vielbeschworene Willkommenskultur müssen wir erst schaffen und wir dürfen sie uns nicht von selbsternannten Meinungsführern kaputtmachen lassen.“
Für die Abteilung für Sozialpsychologie an der Goethe-Universität: Prof. Dr. Rolf van Dick; Anna Lisa Aydin; Dr. Alina Hernandez-Bark; Dr. Diana Boer; Stephan Braun; Miriam Krüger; Kai Trumpold.
Weitere Informationen: Abteilung für Sozialpsychologie, Anna Lisa Aydin, Tel. (069) 798-35292; aydin@psych.uni-frankfurt.de; www.psychologie.uni-frankfurt.de/50765066/sozial
Forschung
Mediziner Reinier Boon erhält EU-Förderung über 1,5 Millionen Euro
FRANKFURT. Mit zunehmender Lebenserwartung steigt in Europa auch die Zahl der altersbedingten Herzinfarkte und Schlaganfälle. Eine Schlüsselfunktion bei allen Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat das endotheliale Gewebe. Es kleidet die Blutgefäße aus und sorgt damit für eine reibungslose Durchblutung. Warum diese Funktion mit dem Alter nachlässt, ist bisher nur ansatzweise erforscht. Der Mediziner Reinier Boon vermutet, dass eine bestimmte, erst kürzlich entdeckte Variante der Ribonukleinsäure (RNA) dafür verantwortlich ist. Mithilfe eines gerade erst gewährten ERC-Starting Grants des Europäischen Forschungsrats (ERC) über 1,5 Millionen Euro, will er diese Hypothese in den kommenden fünf Jahren überprüfen und neue Angriffspunkte für Medikamente finden.
„Es war eine große Überraschung, als man vor einigen Jahren entdeckte, dass nur etwa zwei Prozent der RNA als Blaupause für Proteine dienen“, erklärt Reinier Boon vom Institut für Kardiovaskuläre Regeneration der Goethe-Universität. Inzwischen hat man die nicht-kodierenden RNAs als wichtige Regulatoren zellulärer Funktionen erkannt. Zu den kürzlich entdeckten Mitgliedern dieser Gruppe gehören lange, nicht kodierende RNAs (lncRNAs). „Wir wissen nicht, ob lncRNAs zum Altern kardiovaskulärer Systeme beitragen, aber unsere Voruntersuchungen zeigen, dass sie in von Endothelzellen exprimiert werden und während des Alterns an- oder abgeschaltet werden. Wir wollen herausfinden, welche Rolle sie spielen“, so Boon.
Reinier Boon, geboren 1981 in den Niederlanden, studierte in Amsterdam Medizinische Biologie. 2008 kam er als Postdoktorand an das Institut für Kardiovaskuläre Regeneration der Goethe-Universität, seit 2011 ist er dort Gruppenleiter. Bereits während seiner Doktorarbeit spezialisierte er sich auf die Erforschung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Mit dem 2007 erstmals ausgeschriebenen Programm will die Europäische Union europaweit kreative Wissenschaftler und zukunftsweisende Projekte fördern. Alleiniges Auswahlkriterium ist dabei die wissenschaftliche Exzellenz des Forschungsvorhabens.
Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/53480460
Informationen: Dr. Reinier Boon, Institut für Kardiovaskuläre Regeneration, Campus Niederrad, Tel.: (069)-6301-7357, boon@med.uni-frankfurt.de.
Hochschulpolitische Themen
Nach einstimmiger Wahl tritt der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft und frühere DFG-Präsident sein am Amt 1. Januar 2015 an
FRANKFURT. Matthias Kleiner ist neuer Vorsitzender des Hochschulrates der Goethe-Universität Frankfurt. Das Gremium wählte den Präsidenten der Leibniz-Gemeinschaft am Dienstag einstimmig. Kleiner folgt auf den ehemaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Dr. Rolf-E. Breuer, der nach zehn Jahren Amtszeit aus Altersgründen nicht mehr kandidierte. Als Gründungsmitglied des Hochschulrats war Breuer mehr als 13 Jahre für die Goethe-Universität tätig.
In einer Stellungnahme nach seiner Wahl sagte Kleiner am Mittwoch, er freue sich sehr über das Vertrauen der Mitglieder des Hochschulrats und wolle versuchen, dieses zu rechtfertigen. Das Forschungsprofil der Goethe-Universität habe in den letzten Jahren - auch dank hoher Einwerbungen an Drittmitteln und engen Kooperationen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen - stark an Qualität und Relevanz gewonnen. „Mit der Goethe-Universität ihren außeruniversitären Einrichtungen ist die Region Rhein-Main bereits heute eine der führenden Forschungsregionen Deutschlands. Mit diesem Pfund müssen wir künftig noch stärker wuchern.“ Ihm sei es ein Herzensanliegen, im Zusammenspiel mit dem Präsidium, der Stadt und dem Land die führende Rolle der Goethe-Universität in diesem Netzwerk weiter zu stärken.
Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl sagte: „Ich kenne den Forschungs- und Wissenschaftsmanager Matthias Kleiner seit vielen Jahren und bin enorm froh, dass er diese Position übernimmt. Für den Vorsitz des Hochschulrats ist er eine Idealbesetzung. Er steht für eine moderne Wissenschaft und Forschung! Unter den deutschen Wissenschaftsmanagern genießt er einen herausragenden Ruf; auch politisch ist er bestens verdrahtet. Ich bin mir sicher, dass das neue Präsidium und der Senat von seinem Rat enorm profitieren werden. Er wird der Goethe-Universität auf dem Weg zu einer international anerkannten Forschungs- und Lehrstätte ein wertvoller Begleiter sein “
Biografisches: Matthias Kleiner (Jahrgang 1955) ist seit 1. Juli 2014 Präsident der Leibniz-Gemeinschaft. Von 2007 bis 2012 war er Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Kleiner wuchs in Dortmund auf, wo er von 1976 bis 1982 Maschinenbau studierte. 1987 wurde er mit der Arbeit Mehrprozessor Steuerungen in der Umformtechnik zum Dr.-Ing. promoviert und habilitierte sich 1991 im Fach Umformtechnik mit dem Thema Prozesssimulation in der Umformtechnik. 1994 bis 1998 war er Mitglied im Gründungsrektorat der Technischen Universität Cottbus. Seit 2004 ist er geschäftsführender Institutsleiter des Instituts für Umformtechnik und Leichtbau in Dortmund. Kleiner ist Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech). Seit 2006 ist er weiterhin Mitglied der Leopoldina. Seit dem 1. Juli 2014 ist er Präsident der Leibniz-Gemeinschaft. Kleiner wurde mit mehreren Forschungspreisen ausgezeichnet, unter anderem erhielt er 1997 den Leibniz-Preis. 2010 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Im März 2011 berief Bundeskanzlerin Merkel Kleiner in die Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung. Kleiner leitet diese Kommission zusammen mit Klaus Töpfer. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.
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Bildnachweis: David Ausserhofer
Personalia/Preise
Ehemaliger Vorstandssprecher der Deutschen Bank stand zehn Jahre lang an der Spitze des Hochschulrats der Goethe-Universität
FRANKFURT. Nach knapp zehn Jahren gibt Dr. Rolf-E. Breuer den Vorsitz des Hochschulrats der Goethe-Universität ab. Das gab er bei der Sitzung des Hochschulrats am 16. Dezember bekannt. Insgesamt gehörte Breuer dem Gremium über 13 Jahre an. Nach seiner einstimmigen Wahl ist der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Prof. Matthias Kleiner, designierter Nachfolger Breuers.
Breuer hat in seiner Funktion wesentliche Weichenstellungen der Goethe-Universität mit beeinflusst und -gestaltet. Stets ist er innerhalb und außerhalb der Universität als entschiedener Befürworter von mehr Hochschulfreiheit aufgetreten. Zudem setzte er sich für professionellere Führungsstrukturen sowie eine leistungs- und parametergesteuerte Hochschulentwicklung ein. Nicht zuletzt engagierte er sich auch für ein besseres Verhältnis zwischen Stadt und Universität und war damit auch ein Impulsgeber für die Bürgeruniversität.
Auch an der wohl größten Weichenstellung der letzten Jahrzehnte, der Umwandlung der Goethe-Universität in eine Stiftung des öffentlichen Rechts, war der Hochschulrat maßgeblich beteiligt. Auch Breuers beharrlicher Überzeugungsarbeit im Hochschulrat und darüber hinaus ist es zu verdanken, dass die Umwandlung in den Jahren zwischen 2006 und 2007 innerhalb eines sehr kurzen Zeitfensters gelang und heute in Deutschland als Erfolgsmodell gilt. Ganz wesentlich war die Entwicklung geeigneter Steuerungsinstrumente, wie sie für eine Hochschule dieser Größe unabdingbar sind.
„Das Amt des Hochschulratsvorsitzenden der Goethe-Universität hat mir viel Freude bereitet, aber auch mehr Arbeit als ich erwartet hatte“, sagte Breuer. „Es hat mir überaus interessante Einblicke in die Innenwelt einer großen und bedeutenden deutschen Universität ermöglicht, für die ich dankbar bin. Ich hoffe, dass ich einen Beitrag leisten konnte, die wichtigen Weichenstellungen seit dem Jahr 2001 für die Goethe-Universität in die richtigen Bahnen zu lenken. Dies war sicherlich nicht immer einfach. Ich erinnere mich noch sehr genau an das intensive Ringen mit den Gremien der Universität um das Projekt der Stiftungsuniversität. Dass die Umwandlung am Ende weitgehend reibungslos geklappt hat, ist auch Ausdruck einer großen Prozessdisziplin, Zielorientierung und Leidenschaft für die richtige Sache. Das hat auch das positive Bild der Goethe-Universität in der Öffentlichkeit beflügelt.“
Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl, dessen Amtszeit ebenfalls Ende des Jahres ausläuft, würdigte Breuer „als großen Freund und zuverlässigen Partner der Goethe-Universität. Aus der Welt der Finanzwirtschaft kommend hat Herr Dr. Breuer viel Sympathie für die Belange und Eigenwilligkeiten der Goethe- Universität entwickelt. Gleichzeitig ist er beharrlich für eine Modernisierung unserer Universität eingetreten. Als Vizepräsident und später als Präsident habe ich ihn als stets verlässlichen und offenen Gesprächspartner mit scharfem Urteilsvermögen und Realitätssinn kennengelernt; mit ihm konnten wichtige Weichenstellungen vorbereitet und umgesetzt werden. Das Präsidium und die Mitglieder der Universität sind Dr. Breuer für sein außerordentliches Engagement zu großem Dank verpflichtet. Er hat sich um die Belange der Goethe-Universität verdient gemacht.“
Der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein hob die besondere Rolle des Hochschulrats der Goethe-Universität hervor: „Ich danke Dr. Rolf Breuer herzlich für sein mehr als dreizehnjähriges Engagement im Hochschulrat der Goethe-Universität. Fast zehn Jahre davon hat er in seiner Funktion als Vorsitzender, die Goethe-Universität zielgerichtet vorangebracht. Er hat einen entscheidenden Anteil an der beeindruckenden Entwicklung der Goethe-Universität geleistet. Dr. Rolf Breuer war stets ein verlässlicher und hochgeschätzter Ansprechpartner für die Landesregierung. Er hatte immer das Beste für die Universität im Blick.“
Aufgrund des seit 2008 bestehenden Autonomiestatus verfügt der Hochschulrat der Goethe-Universität über eine vergleichsweise starke Stellung. Als autonome Stiftungsuniversität verfügt die Goethe-Universität über viele eigene Gestaltungsmöglichkeiten: Sie ist Eigentümerin ihrer Liegenschaften, nimmt Berufungen in Eigenregie vor, kann Studiengänge nach Bedarf einrichten oder schließen und übernimmt in bestimmten Fällen auch die Bauherreneigenschaft. Dem Hochschulrat wurden wesentliche Aufsichtsaufgaben übertragen, die vor 2008 das Land Hessen innehatte.
In der Selbstdarstellung des Gremiums heißt es: „Der Hochschulrat betrachtet die Umwandlung zur Stiftungsuniversität als einen Meilenstein auf dem Wege zu einer führenden Position in Forschung und Lehre. Er unterstützt das Präsidium in seinen Initiativen, im Wettbewerb um die besten Wissenschaftler und Studenten den neu gewonnenen Freiraum optimal zu nutzen. Im Dialog mit den übrigen Organen der Universität und den Vertretern des Landes als des nach wie vor bedeutendsten Finanziers bringt er die Außensicht neutraler Dritter ein und wirkt als Impulsgeber. Nicht zuletzt macht er sich die Integration der Stiftungsuniversität in die Bürgerschaft der Stadt und der Region zu eigen und unterstützt die Entwicklung eines eigenen Hochschulprofils.“
Bild zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/53470275