Veranstaltungen
Wie das jüdische Bürgertum Frankfurts die Gründung der Universität förderte: Ausstellung zum 100. Geburtstag
FRANKFURT. Am 18. Oktober 2014 wird die Goethe-Universität Frankfurt 100 Jahre alt. Das Jubiläumsjahr bildet den idealen Rahmen für das studentische Ausstellungsprojekt „36 Stifter für eine Idee – Das Frankfurter jüdische Bürgertum und die Gründung der Universität“. Ganz in der Tradition der Frankfurter Stiftungsuniversität wurden auch die Mittel für diese Ausstellung gestiftet: von Michael C. Wisser, Vorstand der AVECO Holding Aktiengesellschaft und der Ernst-Max-von-Grunelius-Stiftung.
Das Projekt lenkt den Blick auf die ungewöhnliche Gründung der Universität Frankfurt und nimmt das Engagement der 36 jüdischen Stifter der Universität in den Fokus: „Ohne deren außergewöhnliches Engagement vor 1914 könnten wir den 100. Geburtstag der Goethe-Universität heute gar nicht feiern. Vor allem dem Weitblick, der Innovationfreude und der Aufgeschlossenheit dieser 36 jüdischen Stifter ist es zu verdanken, dass die Frankfurter Universität als erste freie, vom Staat unabhängige Hochschule in Deutschland gegründet werden konnte“, bringt es der für das Jubiläum zuständige Vizepräsident, Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, auf den Punkt.
Das Ausstellungsprojekt entstand in dreijähriger Vorarbeit aus der Mitte der universitären Lehre im Rahmen einer Übung am Historischen Seminar unter Leitung von Dr. Torben Giese. Aus zunächst zwölf völlig unterschiedlichen Ausstellungskonzepten entwickelte eine Gruppe von sieben Studierenden in den folgenden Semestern ein Gesamtkonzept: Pascal Ballò, Katharina Busch, Sebastian Haas, Markus Häfner, Lucia Gerharz, Erika Wagner und Alexander Hofmann sind die Namen der studentischen Kuratoren.
Die Ausstellung hebt hervor, dass das liberale und weltoffene Klima an der Goethe-Universität der Gründerjahre sich auch dem besonderen Geist der jüdischen Stifter verdankt. Dafür kam Kapital nicht nur aus Frankfurt, sondern aus der ganzen Welt zusammen – unter den Stiftern der ersten Stunde finden sich auch potente Geldgeber aus New York und London. Sie unterstützten die Gründung der Universität auch deshalb, weil sie einer Hochschule etablieren wollten, die die gesellschaftlichen Herausforderungen der damaligen Zeit in den Blick nahm. Und tatsächlich entstand dank dieses außergewöhnlichen Engagements in einer überaus schwierigen weltpolitischen Situation am Vorabend des Ersten Weltkrieges die erste wirklich freie Universität des Deutschen Reiches.
So war die Frankfurter Universität die einzige und erste Hochschule, an der Menschen jüdischen Glaubens ohne Beschränkung als Professoren lehren durften. Auch gegenüber einer linksliberalen Wirtschaftstheorie öffnete sich die neue Hochschule ganz bewusst, wie zum Beispiel die Berufung von Franz Oppenheimer aus Berlin nach Frankfurt 1919 auf den ersten Lehrstuhl für Soziologie und Nationalökonomie zeigt. Oppenheimer war der akademische Vater des späteren Bundeskanzlers Ludwig Erhard, der wesentliche Impulse für die Entfaltung der sozialen Marktwirtschaft als so genannten dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus von seinem Frankfurter Doktorvater erhielt.
Ohne das besondere Engagement der sieben studentischen Kuratoren wäre diese Schau nicht möglich gewesen. Neben dem Studium hat jeder von ihnen Hunderte zusätzlicher Stunden in die Entwicklung dieser Ausstellung investiert: „Wir möchten helfen, diejenigen Stifterinnen und Stifter der Gesellschaft wieder in Erinnerung zu rufen, die die Gründung der Universität vorangetrieben haben. Damit haben sie letztlich auch uns ermöglicht, ein Studium in Frankfurt zu beginnen“, erläutern die studentischen Kuratoren ihr außergewöhnliches Engagement. „Die Geschichte der Goethe-Universität ist jung, einzigartig und außergewöhnlich, ganz wie ihre Studenten“, erklärt Projektleiter Dr. Torben Giese, Lehrbeauftragter am Historischen Seminar.
Die Ausstellung ist ab dem 10. April 2014, montags bis freitags zwischen 11 und 17 Uhr bei freiem Eintritt im PA-Gebäude der Goethe-Universität zu sehen und wurde von Michael C. Wisser, dem Vorstand der AVECO Holding Aktiengesellschaft und der Ernst-Max-von-Grunelius Stiftung ermöglicht.
Sonstige
Präklinische Arzneimittelforschung steht am 26. und 27. Mai 2014 in Marburg im Fokus – Ministerpräsident Volker Bouffier hat Schirmherrschaft übernommen
FRANKFURT, MARBURG, GIESSEN. Gemeinsame Sache im Dienst der Arzneimittelforschung: Die „House of Pharma“-Frühjahrstagung am 26. und 27. Mai 2014 in Marburg – organisiert von der Philipps-Universität Marburg (UMR), der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) und der TransMIT Gesellschaft für Technologietransfer – zeigt einmal mehr die Bedeutung der präklinischen Wirkstoffforschung für den Pharmastandort Hessen. Ko-Organisatoren der Tagung sind das „House of Pharma & Healthcare“ sowie die Goethe-Universität Frankfurt. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat die Schirmherrschaft übernommen.
Unter dem Motto „Success Stories of Preclinical Research between Academia and Industry” werden international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie ausgewählte Expertinnen und Experten aus der industriellen Anwendungsforschung über aktuelle Projekte berichten und grundsätzliche Probleme, Anforderungen und Aussichten der Wirkstoff- und Arzneimittelforschung diskutieren. Mit Prof. Dr. Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und Prof. Dr. Tom Steitz von der Yale University konnten gleich zwei Nobelpreisträger als Key Speakers gewonnen werden. Der Marburger Pharmazeut Prof. Dr. Gerhard Klebe koordiniert das wissenschaftliche Programm.
Die Vernetzung der hessischen Forschungsstandorte in der Arzneimittelforschung ist der Landesregierung, die den Standort gemeinsam mit den Beteiligten aus der Wissenschaft und der Wirtschaft weiterentwickeln möchte, ein großes Anliegen. Für das im Rahmen der Tagung vorgesehene Gala Dinner mit zahlreichen Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik hat der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein eine „Dinner Speech“ zugesagt.
Die beteiligten Veranstalter und Institutionen laden dazu ein, in Marburg den wissenschaftlichen Austausch zu fördern und die Frühjahrstagung aktiv mitzugestalten. Begleitend zur Konferenz wird eine Industrieausstellung für Laborbedarf und eine Jobmesse für Hochschulabsolventinnen und -absolventen sowie Studierende stattfinden.
Weitere detaillierte Informationen zur wissenschaftlichen Frühjahrskonferenz unter: http://www.house-of-pharma.info/
Wissenschaftlicher Koordinator der Tagung:
Prof. Dr. Gerhard Klebe
Institut für Pharmazeutische Chemie
Philipps-Universität Marburg
Marbacher Weg 6
35032 Marburg
Tel.: +49 (6421) 28-21313
E-Mail: klebe@staff.uni-marburg.de
Gemeinsame Pressemitteilung der Goethe-Universität Frankfurt am Main, der Philipps-Universität Marburg, der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Technischen Hochschule Mittelhessen und der TransMIT GmbH.
Veranstaltungen
Eine Stadtführung durch das mittelalterliche Frankfurt zum Herunterladen
FRANKFURT. Heute ist Frankfurt vor allem durch seine Bankentürme, den Römer und die Buchmesse bekannt. Im späten Mittelalter wurde den Einwohnern und Besuchern der Stadt eine Attraktion ganz anderer Art geboten: Ähnlich wie heute in Oberammergau wurde rund alle sieben Jahre die Leidensgeschichte Christi unter freiem Himmel aufgeführt – gleichzeitig als öffentliches Theaterstück und religiöses Ereignis. Mit einer von Studierenden der Goethe-Universität entwickelten App kann man sich ab Mitte April auf die Spuren der spätmittelalterlichen Passionsfrömmigkeit begeben - und auch auf den Weg ihrer negativen Kehrseite, einem ausgeprägten Antijudaismus.
In Kooperation mit verschiedenen städtischen Institutionen entstand an der Goethe-Universität eine historische Stadtführung, die pünktlich zur Karwoche kostenlos in allen App-Stores heruntergeladen werden kann. An zwölf Stationen erzählen Studierende der Geschichts- und Literaturwissenschaft Geschichten von Gewalt, Verrat und Hinrichtung, aber auch von Tanz, Prozessionen und Wundertaten. Die mittelalterliche Spurensuche beginnt am Römerberg im Jahr 1492 und endet am ehemaligen Galgentor, das heute mitten im Bankenviertel liegt.
Zahlreiche Kunstdenkmäler und historische Stätten zeugen noch heute von der vormodernen Spieltradition und den Aufführungen, an denen sich die ganze Stadt beteiligte. Dazu gehören die Kreuzigungsgruppe von Hans Backoffen im Frankfurter Dom, die Wandbilder von Jörg Ratgeb im ehemaligen Karmeliterkloster, der für die Dominikanerkirche entworfene Altar Hans Holbeins d. Ä. im Städel, die Alte Brücke mit dem goldenen „Briggegiggel“ und das Museum Judengasse. Der Spieltext wurde damals von dem Frankfurter Gerichtsschreiber Johannes Kremer aufgezeichnet, der die Passionsaufführung auf dem Römerberg 1492 geleitet hatte.
Vorgestellt wird die Stadtführungs-App in der Karwoche von den beiden Projektleiterinnen, Dr. Stephanie Dreyfürst (Schreibzentrum) und PD Dr. Regina Toepfer (Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik):
Wann: Dienstag, 15. April 2014, 18 c.t.
Wo: Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend, Casino, Renate-von-Metzler-Saal, Raum 1.801
Die Entwicklung der App wurde finanziert durch die Dr. Marschner-Stiftung, Microsoft, den Förderfonds Lehre und die Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität Frankfurt.
Informationen: Dr. Stephanie Dreyfürst, Schreibzentrum Goethe-Universität, Campus Westend Tel. (069) 798 32845, dreyfuerst@lingua.uni-frankfurt.de
Hochschulpolitische Themen
Goethe-Universität eröffnet als erste hessische und zweite Universität in Deutschland eigenes Büro in Europas Hauptstadt Brüssel
FRANKFURT. Deutsche Universitäten sind in Europas Hauptstadt Brüssel bisher nicht sehr präsent. Während außeruniversitäre Forschungseinrichtungen dort seit vielen Jahren Lobbyarbeit und politische Beratung betreiben, haben sich die Universitäten auf diesem Feld bisher eher zurückgehalten. Ein Manko, findet Vizepräsident Professor Matthias Lutz-Bachmann, der als federführendes Präsidiumsmitglied der Goethe-Universität seit längerer Zeit die Gründung eines eigenen Brüsseler Büros vorbereitet: „Wir müssen als Universität, die seit ihrer Gründung 1914 in besonderem Maße dem Gedanken Europas verpflichtet ist, in Brüssel künftig Flagge zeigen und dürfen das Feld nicht anderen überlassen“, begründet Lutz-Bachmann das Engagement.
Der Goethe-Universität geht es im Brüsseler Kontext jedoch nicht nur um das Einbringen politischer Beratungskompetenz etwa in Fragen der Finanzmarkt- und Gesundheitsforschung, wie dies bereits auf hessischer Ebene mit der Policy Unit des House of Finance geschieht. Es geht auch um besseren Zugang zu dem europäischen Programm Horizont 2020, das Investitionen in Wissenschaft und Forschung in Höhe von über 70 Milliarden € vorsieht. Lutz-Bachmann: „Eine Präsenz in Brüssel hilft uns, mehr dieser Mittel für die Goethe-Universität und damit für das Land Hessen zu mobilisieren. Als eine Universität, die Fragen der gesellschaftlichen Relevanz immer wieder in den Mittelpunkt ihrer Forschung stellt, bietet die thematische Ausrichtung von Horizont 2020 enorme Chancen.“ Denn eine der drei Hauptsäulen des Programms heißt „gesellschaftliche Herausforderungen“. „Das passt sehr gut. Mit unseren drei Exzellenzclustern, verschiedenen Zentren und LOEWE-Schwerpunkten arbeiten wir sehr nah an wichtigen gesellschaftlichen Zukunftsfragen“, sagt Lutz-Bachmann.
Am 8. April 2014 ist es soweit: Dann eröffnet die Goethe-Universität mit einer Feierstunde in der Hessischen Landesvertretung ihre Brüsseler Repräsentanz und setzt vor Vertretern der europäischen Politik und Wirtschaft bei einer Diskussionsveranstaltung gleich einige inhaltliche Schwerpunkte. Auf dem Podium präsent sind mit Prof. Dr. Stefanie Dimmeler, Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Prof. Dr. Harald Schwalbe und Prof. Dr. Bernd Waas führende Forscherpersönlichkeiten der Universität Frankfurt, die gleichzeitig für wichtige europäische Themen stehen: Finanzmarktstabilität und -Regulierung, Volkskrankheiten und Zukunft der Arbeit. Schwalbe und Waas sind gleichzeitig die EU-Beauftragten der Goethe Universität.
Zudem gibt es eine weitere Premiere in Brüssel: Das Universitätspräsidium hält seine turnusmäßigen Sitzung an diesem Dienstag erstmals in Europas Hauptstadt ab.
Veranstaltungen
Goethe-Universität fördert den Einsatz neuer Medien für eine moderne Lehre
FRANKFURT. Der Einsatz neuer Medien zur Unterstützung der Lehre und der Studienbedingungen wird an der Goethe-Universität Frankfurt seit vielen Jahren erfolgreich umgesetzt. Wichtige Säule dieser Entwicklung ist die jährliche eLearning-Förderung, durch die Mittel bereitstehen, um neue, innovative eLearning-Konzepte zu entwickeln und in der Praxis zu erproben. Ziel der Förderung, deren Gesamtvolumen für 2014 120.000 Euro umfasst, ist die Entwicklung und der Einsatz von eLearning-Elementen wie z.B. Online-Übungen und -Betreuungsansätzen, Angeboten zur Unterstützung und Aktivierung von Studierenden in den Selbstlernphasen, die innovative Nutzung von Audio- und Videoaufzeichnungen, kooperative Formen der Wissensproduktion, der Einsatz von TED-Systemen, Wikis, Blogs und ähnliches.
Die Förderung richtet sich an Lehrende und Studierende. Gerade letztere geben oftmals wichtige Impulse für die Verbesserung der Lehre, indem sie kreative Lösungen aus der studentischen Perspektive einbringen und mit Hilfe der Förderung auch umsetzen können. Alle Projekte werden während der Projektlaufzeit beraten und begleitet und online dokumentiert. Im Rahmen von Vernetzungstreffen und auch auf öffentlichen Veranstaltungen stellen die Projekte ihre Ergebnisse regelmäßig vor und tauschen so auch untereinander ihre Erfahrungen und Ergebnisse aus.
Weitere Informationen unter www.studiumdigitale.uni-frankfurt.de