Archiv Pressemitteilungen | 2012 bis 2017

Personalia/Preise

Sep 10 2013
17:25

Im Rahmen des 2. Innovationsforums an der Goethe-Universität wurden junge Unternehmen für ihre Geschäftsideen ausgezeichnet

Forschung, Innovation und Unternehmergeist

FRANKFURT. Mit einem Preisgeld von insgesamt 17.000 Euro wurden innovative Gründer und Projekte des Goethe-Unibators ausgezeichnet. Die Preise wurden anlässlich der Veranstaltung Innovationsforum 2013 auf dem Campus Westend überreicht. Den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis erhielten Ines Weimer und Erik Ohl. Ihr Portal Musicfox (http://www.musicfox.com/) vermarktet höchst erfolgreich gemafreie Musik im Internet. Den mit 5.000 Euro prämierten zweiten Preis sicherten sich Samuel Ju und Klaus Kröner mit ihrem Projekt Repetico (www.repetico.de). Repetico ist eine kollaborative Online-Lernkartei, mit der man Lerninhalte jeder Art online und mobil in wissenschaftlich erprobten Zeitabständen effizient wiederholen kann. Den dritten Preis (2.000 Euro) bekamen Sascha Heising und Heiko Störkel. Ihr Unternehmen GeoMon (http://www.geomon.info) produziert, analysiert und bewertet zeitlich und räumlich hochauflösende Geodaten, die dem Kunden als Datei, Kartendruck oder Web-GIS-Anwendung zugänglich gemacht werden.

Der Goethe-Innovations-Preis wurde 2012 im Rahmen des Innovationsforums an der Goethe-Universität ins Leben gerufen.  Im Bemühen, Forschung, Innovation und Unternehmergeist an der Goethe-Universität zu fördern und weiter voranzubringen, wird der Goethe-Innovations-Preis in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Unibator und der Vereinigung der Freunde und Förderer der Goethe-Universität jährlich ausgelobt. Bewerben können sich Mitglieder (Studierende, Mitarbeiter und Alumni) der Goethe-Universität, die an einer Geschäftsidee arbeiten und eine akademische Ausgründung planen. Juroren aus Universität, Wirtschaft und Politik bewerten die Geschäftsidee der Bewerber nach Kriterien wie Originalität, Marktpotential, betriebswirtschaftlichem und technischem Know-how und Risiken.

Weitere Informationen:
http://www.goetheunibator.de/index.php/de/goethe-innovationspreis.html

Forschung

Sep 10 2013
11:14

Teilchen können gleichzeitig an mehreren Orten sein

Wo Einstein irrte

FRANKFURT. Quantenphysikalische Teilchen können an mehreren Orten gleichzeitig sein und hinterlassen dabei sogar Spuren. Das haben Physiker der Goethe-Universität in einem verblüffenden Experiment nachgewiesen, das Albert Einstein vor mehr als 80 Jahren anregte, um die Anhänger der Quantenmechanik herauszufordern. Damals konnte sein wichtigster Kontrahent, der Physiker Niels Bohr, ihm lediglich Argumente entgegensetzten. Jetzt geben die neuen Experimente dem Dänen Recht.

Einstein hat Zeit seines Lebens die quantenphysikalische Aussage bekämpft, dass Teilchen – solange man sie nicht beobachtet – an mehreren Orten gleichzeitig sein können. Sein wichtigstes Gegenargument war: Die geisterhaften Teilchen müssten durch Zusammenstöße mit anderen Teilchen entlang ihrer Bahn eine sichtbare Spur hinterlassen. Eben diese Spur hat Dr.Lothar Schmidtin der Arbeitsgruppe von Prof. Reinhard Dörner am Institut für Kernphysik der Goethe-Universität nun gemessen. „Unseres Experiment ist ein später Triumph für Niels Bohr und damit eine weitere Bestätigung der Grundlagen unseres heutigen physikalischen Weltbildes“, so Schmidt.

Das klassische Experiment, das auch heutigen Physikstudenten noch Kopfzerbrechen bereitet, ist die Streuung quantenphysikalischer Teilchen am Doppelspalt. Solange es unbeobachtet ist, scheint jedes einzelne Teilchen durch beide Schlitze des Spalts zu gehen. Es bildet – ähnlich wie Wasserwellen – ein Interferenzmuster hinter dem Spalt. Dieses verschwindet aber, sobald man eine Information über den Weg des Teilchens zu gewinnen versucht, etwa durch die Wechselwirkung mit einem Lichtteilchen.

Einstein argumentierte, man müsse gar nicht nachsehen, wo das Teilchen ist, denn es verrate seinen Ort indirekt, indem es beim Passieren des Spalts einen Impuls überträgt: Ginge es durch den linken Schlitz, erfahre das Beugungsgitter einen minimalen Stoß nach links, und entsprechend nach rechts, wenn es durch den rechten Spalt geht. Bohr konterte, auch das Beugungsgitter verhalte sich wie ein quantenmechanisches System, das heißt, es müsse gleichzeitige in beide Richtungen abgelenkt werden.

Dass diese verrückt klingende Vermutung tatsächlich richtig ist, haben Dörner und seine Mitarbeiter jetzt durch die Streuung von Helium-Atomen an einem „Doppelspalt“ aus Wasserstoff-Deuterium-Molekülen nachgewiesen. Das Ergebnis stimmt mit den Vorhersagen von Kollegen aus Paris, die hierzu ein quantenmechanisches Modell entwickelt haben, überein – mit den Modellen der klassischen Physik lassen sich die gemessenen Ergebnisse nämlich nicht beschreiben.

Wie die Forscher gemeinsam in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ mitteilen, bewirkt bei ihrem Experiment der Impulsübertrag bei der Streuung eine Rotation des Moleküls. In welche Richtung es rotiert, können die Physiker indirekt schließen. Sie betrachten Prozesse, bei denen der molekulare „Doppelspalt“ durch den Stoß in einen angeregten Zustand übergeht und dann auseinander bricht. Aus den Bruchstücken können sie den Drehsinn rekonstruieren. „Da wir bei dieser Versuchsanordnung nicht beobachten, durch welches Loch das Teilchen gegangen ist, passiert genau das, was Bohr vorhergesagt hat: D er Doppelspalt rotiert gleichzeitig mit und gegen den Uhrzeigersinn“, erklärt Schmidt. 

Ein Bild finden Sie hier.

Bildtext: Das Doppelspaltexperiment an einem Wasserstoff-Deuterium-Molekül zeigt: Wenn man Atome bei der Streuung am Doppelspalt nicht beobachtet, gehen sie durch beide „Schlitze“ gleichzeitig. Das lässt sich daraus schließen, dass das Molekül gleichzeitig in eine Rechts- und eine Linksrotation versetzt wird. Die unterschiedlichen Massen der „Schlitze“ führen zu einer Krümmung der Interferenzstreifen.

Publikation:

L. Ph. H. Schmidt, J. Lower, T. Jahnke, S. Schößler, M. Schöffler, A. Menssen, C. Lévêque, N. Sisourat, R. Taïeb, H. Schmidt-Böcking, R. Dörner: Momentum transfer to a free floating double slit: Realization of a thought experiment from the Einstein-Bohr debates, in: Physical Review Letters, Bd. 111, S. 102003 (2013), DOI: 10.1103/PhysRevLett.111.103201.

Informationen: Prof. Reinhard Dörner, Institut für Kernphysik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-47003; doerner@atom.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Sep 5 2013
13:13

11. Frankfurter Kinder-Uni vom 16. bis 20. September: Nachmittags sind alle Kinder zwischen 8 und 12 Jahren ohne Anmeldung willkommen –Vorlesungen auch über Live-Stream abrufbar

Hörsaal auf für neugierige Kinder!

FRANKFURT. Bereits zum 11. Mal lädt die Frankfurter Kinder-Uni Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren in der Woche vom 16. bis 20. September auf dem Campus Westend ein. Neben Oberbürgermeister Peter Feldmann, der wieder mit Schülerinnen und Schülern diskutiert, berichten fünf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in täglich drei Vorlesungen in altersgerechter Form über ihr Forschungsgebiet. Ziel ist es, auf Wissenschaft neugierig zu machen und Kindern aller Schulformen einen ersten Eindruck vom Uni-Leben im Hörsaal und in der Mensa zu vermitteln. Die beiden Vormittagsvorlesungen sind für Schulklassen reserviert, das Anmeldeverfahren ist bereits abgeschlossen. Nachmittags um 16 Uhr sind alle Kinder dieser Altersgruppe allein oder in Begleitung Erwachsener zur Teilnahme ohne Anmeldung eingeladen.

Zum Auftakt am Montag (16. September) berichtet die Astrophysikerin Dr. Kerstin Sonnabend in ihrer Vorlesung „Rumpelstilzchen im Weltall? Wie Sterne Gold machen“ über das brodelnde Innere der Sterne. Sie erklärt, wie in diesen Glutöfen neue Elemente entstehen – nicht nur der Sternenstaub, der als Kohlenstoff in unseren Körper eingebaut ist, sondern auch Gold.

Reiche Kinder sind nicht unbedingt glücklicher als Arme. Die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Sabine Andresen fragt deshalb in ihrer Vorlesung am Dienstag (17. September) „Ich bin glücklich – und Du?“ was für Kinder in der Welt ein glückliches Leben bedeutet. Dabei diskutiert sie mit ihren jungen Zuhörern auch, wie man Glück überhaupt messen kann.

Ins Reich der Zellen lädt am Mittwoch (18. September) der Biochemiker Prof. Robert Ernst ein. Er gehört zu den jüngsten Professoren der Goethe-Universität und nähert sich seinem Thema mit viel Kreativität: In seiner Vorstellung gleicht die Zelle einer Stadt mit Stadtmauer, Postamt, Heizkraftwerk, Müllverbrennungsanlage, U-Bahnen und Telefonkabeln.

Oberbürgermeister Peter Feldmann kommt am Donnerstag (19. September) wieder zur Kinder-Uni. Er besucht die Vorlesung „Gibt es Kinder ohne Rechte?“ und diskutiert anschließend mit einigen Schülerinnen und Schüler über ihre Lebenssituation in Frankfurt und über Kinderrechte. Der Rechtswissenschaftler Dr. Felix Hanschmann erläutert in seiner Vorlesung die Schwierigkeiten von Flüchtlings-Kindern am Beispiel des Jungen Mobido, der eine beschwerliche Reise von Mali nach Frankfurt antritt.

Aufregend wird es noch einmal am Freitag (20. September), wenn der Ethnologe Dr. Markus Linder fragt: „Ließen die Indianer ihre Feinde am Totempfahl büßen?“. Lindner zeigt, dass das Indianer-Bild, das Zeichentrickserien wie Yakari vermitteln, zu einfach ist. Sein Forschungsgebiet sind nicht nur die Indianer früherer Zeiten, sondern auch das Leben ihrer Nachfahren in der modernen Welt.

Auch in diesem Jahr rechnen die Organisatorinnen wieder mit mehr als 13.000 Kindern bei den 15 Vorlesungen. Besonders viele Anmeldungen von Schulklassen gab es zu den Vormittagsvorlesungen am Montag und Freitag. Ohne Voranmeldung können alle interessierten Acht- bis Zwölfjährigen nachmittags um 16 Uhr zur Kinder-Uni kommen, lediglich Gruppen ab fünf Personen wie Horte, KiTas oder Schul-AGs sollten sich im Voraus anmelden. Da der Audimax im Hörsaalzentrum groß genug ist, können Eltern, Großeltern und Freunde ihre Kinder am Nachmittag gern begleiten. Der Hörsaal wird etwa 20 Minuten vor Veranstaltungsbeginn geöffnet.

Besonders eifrige Besucher der Kinder-Uni, die an drei oder mehr Vorlesungen teilgenommen haben, können an der Verlosung teilnehmen und einen von vielen tollen Preisen gewinnen – unter anderem: GEOlino-Abonnements, Kinder-Uni-Bücher und –Hör-CDs, Theaterkarten für das Schauspiel Frankfurt und Kinder-Uni-T-Shirts. Wer vom vielen Denken hungrig geworden ist, kann sich in der Mensa (dieses Mal im Festsaal des Casinos), den Cafeterien des Studentenwerks oder im Bistrorante ‚Sturm und Drang’ im Erdgeschoss des Hörsaalgebäudes stärken. In den Betrieben des Studentenwerks Frankfurt bekommen die Schüler gegen Vorlage ihres „Studentenausweises“ ein Kinder-Menü oder einen Snack und ein Getränk für zwei Euro.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben auch in diesem Jahr zu jeder Vorlesung ein kleines Quiz zusammengestellt. Unter den Teilnehmern, die richtig angekreuzt haben, werden Buchpreise verlost, die von verschiedenen Verlagen großzügig zur Verfügung gestellt wurden. Auf der Homepage der Kinder-Uni (www.kinderuni.uni-frankfurt.de) sind die Quizfragen und später die korrekten Antworten einsehbar. Für Kinder, die keine Möglichkeit haben, die Kinder-Uni zu besuchen, gibt es einen Link zum Live-Stream.

Die 11. Frankfurter Kinder-Uni unterstützen folgende Partner: GEOlino, Studentenwerk Frankfurt am Main, Bistrorante „Sturm und Drang“, Frankfurter Rundschau, Buchhandlung Eselsohr und Schauspiel Frankfurt sowie zahlreiche Verlage, deren Logo auf der Homepage der Kinder-Uni aufgeführt sind.

Informationen: Ulrike Jaspers, Referentin für Wissenschaftskommunikation,
Campus Westend, Tel: (069) 798-13066, jaspers@pvw.uni-frankfurt.de

www.kinderuni.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Sep 5 2013
10:01

Oskar Negt hält Vortrag im Institut für Sozialforschung – Sein Vorlass ist jetzt über das Archivzentrum der Universitätsbibliothek online verfügbar

„Mein Verhältnis zur Frankfurter Schule“

FRANKFURT. „Mein Verhältnis zur Frankfurter Schule“ betitelt der Sozialphilosoph Prof. Oskar Negt seinen öffentlichen Vortrag, den er am 12. September (Donnerstag) um 19.15 Uhr im Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität, Senckenberganlage 26, hält. Der 1934 geborene Wissenschaftler gilt heute als einer der herausragenden Vertreter der zweiten Generation der Frankfurter Schule, der die Zeit der 1960er und 1970er Jahre maßgeblich mitprägte. Eine Episode aus dem Jahr 1960 wird der Doktorand Adornos nicht unerwähnt lassen: Statt der in der DDR bestelltem Marx-Engels-Ausgabe bekam Negt Post vom Amtsgericht Frankfurt, es sei ein Paket mit staatsgefährdendem Propaganda-Material für ihn eingetroffen.

Der Briefwechsel zwischen Negt und dem Amtsgericht ist das erste Dokument seines Vorlasses, den der Sozialphilosoph 2010 an das Archivzentrum der Frankfurter Universitätsbibliothek übergeben hat und dessen Erschließung nun online zugänglich ist – dies ist auch der Anlass für Negts Vortrag an seiner alten Wirkungsstätte. Es handelt sich um insgesamt 91 Archiveinheiten zu rund 10.000 Seiten für die Jahre von 1960 bis 2010.

Und hier ein Auszug aus dem Brief des Amtsgerichts Frankfurt: „Es wird Ihnen mitgeteilt, dass ein an Sie gerichtetes Paket aus der Sozialistischen Besatzungszone, in welchem sich staatsgefährdendes Propagandamaterial befand, auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen von dem Amtsgericht in Rothenburg beschlagnahmt worden ist.“ Negt wartete damals tatsächlich dringend auf eine Büchersendung mit Bänden der Marx-Engels-Werke aus Ost-Berlin und sah sich veranlasst, das Amtsgericht aufzuklären: „Auf Grund des innerdeutschen Handels sind alle Bücher, die im Dietz- und Aufbauverlag erschienen sind, im westdeutschen Buchhandel erhältlich. Ich folgere daraus, dass sie deshalb nicht staatsgefährdend sein können.“ Und weiter betonte er, dass es keine westdeutsche Gesamtausgabe von Marx gebe, weshalb man gezwungen sei, sich auf die ostdeutsche Edition zu stützen. Was aus heutiger Sicht eine Lappalie ist, war für Negt ein echtes Problem. Die akademische Auseinandersetzung mit dem Marxismus wurde in der Adenauer-Ära und Zeiten des Kalten Krieges auch juristisch unter die Lupe genommen.

Negt, der bei Theodor Adorno promovierte, war Assistent von Jürgen Habermas, befreundet mit Ernst Bloch und stand Herbert Marcuse sehr nahe. Gleichzeitig war er für die Studierenden eine der Symbolfiguren der 68er-Bewegung und zeitlebens dem gewerkschaftlichen Milieu eng verbunden. Im Jahre 1970 folgte er dem Ruf der Universität Hannover, wo er bis zur Emeritierung 2002 lehrte.

Diesen Vortrag organisieren und veranstalten gemeinsam das Archivzentrum der Universitätsbibliothek J.C. Senckenberg und das Institut für Sozialforschung(IfS). Der Vorlass von Oskar Negt ist über die Webseite des Archivzentrums in der online-Datenbank HADIS (Hessisches Archiv-Dokumentations- und Informationssystem) zugänglich. Die originalen Unterlagen zu Oskar Negt und zur Frankfurter Schule können im Archivzentrum montags bis freitags von 9.30 bis 16.30 Uhr nach Voranmeldung und im Rahmen der Benutzungsordnung eingehend studiert werden. Desweiteren befinden sich im Archivzentrum die Vor- und Nachlässe anderer Wissenschaftler der Frankfurter Schule; dazu gehören u.a.:  Max Horkheimer, Herbert Marcuse, Leo Löwenthal, Ludwig von Friedeburg und Jürgen Habermas.

Fotos zum Download: http://service.ub.uni-frankfurt.de/auftrag/20130904_negt/ 
© Copyright Oskar Negt

Informationen: Dr. Mathias Jehn, Archivzentrums der Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Tel. (069) 798 39007; E-Mail: m.jehn@ub.uni-frankfurt.de; Dr. Sidonia Blättler, Institut für Sozialforschung (IfS), Tel.: (069) 75618316; E-Mail: blaettler@em.uni-frankfurt.de, Campus Bockenheim

Sonstige

Sep 5 2013
09:55

Digitalisierungsprojekt gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft vor dem Abschluss

Seltene deutschsprachige botanische Zeitschriften von 1753 bis 1914 online

FRANKFURT. Über 100 seltene deutschsprachige botanische Zeitschriften aus dem Zeitraum 1753 bis 1914 sind ab sofort online zugänglich über die Digitalen Sammlungen der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt. Bis Anfang Oktober sollen es sogar mehr als 180 sein. Damit eröffnet sich für Experten, Liebhaber und Interessierte weltweit ein neuer Schatz, der auch über die Virtuelle Fachbibliothek Biologie (vifabio) recherchier- und erreichbar ist. Hierfür wurden insbesondere Zeitschriften und Schriften wissenschaftlicher Gesellschaften erfasst und einer Texterkennung unterzogen.

Digitalisiert wurden überwiegend Werke mit wissenschaftlich relevanten Inhalten, die bisher nicht Ziel großangelegter Digitalisierungskampagnen waren. „Vor allem für Experten der systematischen Botanik sind die jetzt weltweit zugänglichen historischen Zeitschriften bedeutend,“ sagt Dr. Judith Dähne, Projektkoordinatorin an der Universitätsbibliothek Frankfurt. „Für sie erleichtert sich der Zugriff auf die häufig verstreut vorliegenden und schlecht zugänglichen Zeitschriften durch die Digitalisierung erheblich.“ so Dähne weiter. 

Das 2011 begonnene zweijährige Projekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Vorrangig wurden die Bestände der beiden Projektpartner Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg (Goethe-Universität Frankfurt a. M.) und Bibliothek des Botanischen Gartens und Botanischen Museums Berlin-Dahlem (Freie Universität Berlin) digitalisiert. 26 weitere Bibliotheken aus ganz Deutschland trugen dazu bei, die seltenen Zeitschriften möglichst vollständig zu digitalisieren. Das Projekt wurde inhaltlich mit anderen internationalen Digitalisierungsprojekten abgestimmt.

 „Die Vergabe von wissenschaftlichen Namen von Pflanzen, Algen und Pilzen wird durch den Internationalen Code für Nomenklatur geregelt“, ergänzt Prof. Dr. H. Walter Lack, Abteilungsleiter Wissenskommunikation am Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin. „Der Code legt verbindlich fest, dass die Erstveröffentlichung eines wissenschaftlichen Namens bei jeder wissenschaftlichen Arbeit taxonomischen Inhalts konsultiert werden muss – und zwar unabhängig davon, wo und wann sie veröffentlicht wurde! Somit ist die Digitalisierung von historischen Zeitschriften wichtig für einen barrierefreien Zugang von Erstveröffentlichungen und älteren wissenschaftlichen Ergebnissen", betont Lack weiter.

Die nur in wenigen Exemplaren im Original vorhandenen Titel standen bisher meist nur einer regionalen Leserschaft zur Verfügung. Dank des Projektes können jetzt beispielsweise Botaniker in Brasilien oder Venezuela auf wissenschaftlich relevante Veröffentlichungen über südamerikanische Pflanzen schnell und kostenfrei zugreifen. Zwei Beispiele unterstreichen die Bedeutung des Digitalisierungsprojektes:

Erstbeschreibung von Lorbeergewächsen aus Brasilien

Die Zeitschrift ‚Arbeiten aus dem Königl. Botanischen Garten zu Breslau‘ [das heutige polnische Wrocław] erschien im Jahre 1892 mit nur einer einzigen Ausgabe. In Deutschland sind nur neun Exemplare bekannt. In diesem Heft beschrieb der deutsche Botaniker Carl Mez mehrere Lorbeergewächsarten, die er als neu für die Wissenschaft betrachtete. Eine davon war Hufenlandia taubertiana aus Minas Gerais in Brasilien. Diese Art wird bis heute von Spezialisten als korrekt anerkannt. Experten für Lorbeergewächse müssen damit auch heute die Erstveröffentlichung dieser Art für ihre Forschungen konsultieren. Digitalisiert wurde das in der Bibliothek des Botanischen Gartens und Botanischen Museum Berlin-Dahlem aufbewahrte Exemplar der seltenen Zeitschrift.

Erste Abbildung einer südamerikanischen Kapuzinerkressen-Art

Die heute in Kultur weit verbreitete und beliebte Kapuzinerkressen-Art Tropaeolum moritzianum wurde erstmals gesammelt in der Umgebung von Caracas und ist heute an Wildstandorten von Guatemala bis Kolumbien und Venezuela bekannt. Die erste Abbildung dieser Art erschien als kolorierte Lithographie in dem relativ seltenen Werk ‚Icones plantarum rariorum horti Regii Botanici Berolinensis‘ [Abbildungen seltenerer Pflanzen des Königlichen Botanischen Gartens in Berlin], das 1840 bis 1844 in Berlin erschien. Die Abbildung dieser Kapuzinerkresse ist für die Interpretation der in Textform verfassten Erstbeschreibung dieser Art noch heute relevant. Digitalisiert wurde das Exemplar der Universitätsbibliothek J.C.Senckenberg, Frankfurt am Main.

Weitere Informationen:

http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/botanik – zum Digitalisierungsprojekt
www.vifabio.de/digital-collections/botany/ –  zum Fachportal vifabio

Pressebilder:

www.bgbm.org/bgbm/pr/archiv/pressimages/press_images.HTM#Zeitschriften

Pressekontakt:

Dr. Judith Dähne, Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, Koordinatorin Digitalisierungsprojekt Botanische Zeitschriften (Sondersammelgebiet Biologie)
Bockenheimer Landstr. 134-138, 60325 Frankfurt am Main
Tel.: 069 / 798-39217 /42625
E-Mail: j.daehne@ub.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. H. Walter Lack, Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem, Freie Universität Berlin, Abteilungsleitung Wissenskommunikation
Königin-Luise-Str. 6-8, 14195 Berlin
Tel.: 030 / 838 50 136
E-Mail: h.w.lack@bgbm.org