Archiv Pressemitteilungen | 2012 bis 2017

Forschung

Aug 2 2012
09:32

Vor 52 Millionen Jahren wuchsen Palmen an den heutigen Eisküsten

Tropische Verhältnisse in der Antarktis

FRANKFURT. Vor dem Hintergrund des aktuellen Klimawandels interessieren sich Klimaforscher besonders für vergangene Warmzeiten, weil sich aus ihnen Erkenntnisse für das zukünftige Klima ableiten lassen. Jetzt hat ein internationales Team mit Wissenschaftlern der Goethe-Universität Frankfurt und des Biodiversität und Klima Forschungszentrums in Bohrkernen erstmalig Klimazeugen aus einer Warmphase vor rund 52 Millionen Jahren zu Tage gefördert – und zwar in einer für die Klimaforschung besonders wichtigen Region: der Antarktis.  Die heute in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichte Studie belegt, dass damals an der Küste der Antarktis ein Regenwald wuchs, wie  er heute nur in den Tropen vorkommt.

Vor rund 52 Millionen Jahren war die Konzentration des Treibhausgases CO2in der Atmosphäre mehr als doppelt so hoch wie heute. „Wenn der derzeitige CO2-Ausstoß durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe ungehindert voranschreitet, werden atmosphärische CO2-Konzentrationen, wie sie damals herrschten, wahrscheinlich in wenigen hundert Jahren erreicht sein“, erläutert Prof. Jörg Pross, Paläoklimatologe an der Goethe-Universität Frankfurt und Mitglied des Biodiversität- und Klima-Forschungszentrums (BiK-F). „Mit der Erforschung früherer, natürlicher Klimaerwärmungen wächst unser Wissen über Mechanismen und Prozesse im Klimasystem. Das trägt enorm dazu bei, dass wir die heutige, vom Menschen verursachte Erderwärmung besser verstehen.“

Aktuelle Klima-Modellierungen weisen darauf hin, dass die zukünftige Klimaerwärmung in den hohen Breiten, also in der Nähe der Pole, besonders drastisch ausfallen wird. Bisher lagen speziell für die Antarktis jedoch kaum Daten aus der erdgeschichtlichen Vergangenheit vor, die zeigen, wie dortige Ökosysteme auf ein Treibhausklima mit hohen atmosphärischen CO2-Konzentrationen reagiert haben.

Die Wissenschaftler um Pross analysierten Sedimentproben aus Bohrkernen vom Meeresgrund , die vor der Küste des antarktischen Wilkes-Landes im Rahmen des Integrated Ocean Drilling Program (IODP) gewonnen wurden und zwischen 53 und 46 Millionen Jahre alt sind. Die Proben enthalten unter anderem Pollen und Sporen, die nachweislich von der Küstenregion der Antarktis stammen. Die Forscher konnten so die dortige Pflanzenwelt rekonstruieren. Demnach war die Küstenregion des Sechsten Kontinents vor 52 Millionen Jahren von einem tropischen bis subtropischen Regenwald bedeckt.

Wo heute der antarktische Eispanzer den Südozean säumt, gediehen damals offenbar extrem frostempfindliche Pflanzen wie Palmen und Vorläufer der heutigen Affenbrotbäume. Die Auswertungen der Wissenschaftler ergeben, dass damals an den antarktischen Küsten selbst im Winter milde 10 Grad Celsius herrschten – trotz dreimonatiger Polarnacht. Im Inneren des Kontinents hingegen war es merklich kühler, hier wuchs ein gemäßigter Regenwald mit Südbuchen und Araukarien, wie er heute in Neuseeland vorkommt. Zusätzliche Belege für extrem milde Temperaturen lieferte die Analyse organischer Verbindungen, die von Bodenbakterien produziert wurden. Diese Mikroorganismen besiedelten damals die küstennahen Böden von Wilkes Land.

Die neuen Befunde in der Antarktis bedeuten auch, dass der Temperaturunterschied zwischen den niederen Breiten und den hohen südlichen Breiten während der Treibhausphase des frühen Eozäns deutlich kleiner war als bisher vermutet. „Die CO2-Gehalte der Atmosphäre, wie sie bisher für den Zeitraum vor 52 Millionen Jahren angenommen werden, reichen alleine nicht aus, um die nahezu tropischen Bedingungen in der Antarktis zu erklären“, so Pross. „Ein weiterer wichtiger Faktor war der Wärmetransport durch warme Meeresströmungen, welche die Antarktis erreichten.“ Als dieser zusammenbrach und die Antarktis-Küste damit unter den Einfluss kühlerer Meeresströmungen geriet, verschwand auch die tropenähnliche Vegetation.

Foto- und Links zu Videomaterial steht als Download zur Verfügung: hier (18MB).

Publikation: Pross, J., Contreras, L., Bijl, P.K., Greenwood, D.R., Bohaty, S.M., Schouten, S., Bendle, J.A., Röhl, U., Tauxe, L., Raine, J.I., Huck, C.E., van de Flierdt, T., Jamieson, S.S.R., Stickley, C.E., van de Schootbrugge, B., Escutia, C., Brinkhuis, H., IODP Expedition 318 Scientists (2012): Persistent near-tropical warmth on the Antarctic continent during the early Eocene epoch. Nature, DOI: 10.1038/nature11300.

Informationen: Prof. Jörg Pross, Paleoenvironmental Dynamics Group, Facheinheit Paläontologie, Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität, und Biodiversität und Klima Forschungszentrum Frankfurt, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40181, joerg.pross@em.uni-frankfurt.de

Personalia/Preise

Aug 1 2012
11:47

Amerikanische Fachgesellschaft verleiht den mit 3.000 Dollar dotierten William C. Rose Award

US-Forschungspreis für Biochemiker Ivan Dikic

FRANKFURT. Prof. Ivan Dikic, Direktor des Instituts für Biochemie II und Wissenschaftlicher Direktor des Buchmann Instituts für Molekulare Lebenswissenschaften der Goethe-Universität, erhält den mit  3.000 US-Dollar dotierten William C. Rose Award 2013. Die Amerikanische Gesellschaft für Biochemie und Molekulare Biologie (ASMBM) vergibt den Preis jährlich für herausragende Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Biochemie und der Molekularbiologie.  Außerdem werden damit Wissenschaftler ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für die Nachwuchsförderung einsetzen. Der Preis wird während der Jahreshauptversammlung des ASMB im Frühjahr 2013 verliehen. Hier wird Dikic seine Arbeit im Rahmen eines Vortrages vorstellen.

Ivan Dikic, geboren 1966 in Zagreb, Kroatien, ist seit 2002 am Fachbereich Medizin der Goethe-Universität. Er konzentriert sich seit mehr als 10 Jahren mit seinen Arbeitsgruppen auf die Ubiquitin-Forschung. Nun wird er von der ASMBM für seine Pionierarbeit um das Verständnis der Ubiquitin Kodierung ausgezeichnet. Die Bindung des kleinen Moleküls Ubiquitin an verschiedene Proteine der Zelle (Ubiquitinierung) tritt in unterschiedlichsten Formen in zahlreichen zellulären Prozessen auf. Bisher konzentrierte sich die Forschung auf die biochemische Charakterisierung der Ketten, Substrate oder Ubiquitin-bindenden Domänen. Unlängst hat die Arbeitsgruppe von Dikic in Kooperation mit Wissenschaftlern des Max Plank Instituts für Molekulare Physiologie in Dortmund auch eine Methode entwickelt, Ubiquitin-Ketten in ihrer physiologischen Umgebung zu studieren. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Molecular Cell berichten die Forscher über die in vivo Anwendung vielseitiger und spezifischer Poly-Ubiquitin Sensoren.

Neben der praktischen Forschung liegt Ivan Dikic die Nachwuchsförderung besonders am Herzen. Er promivierte an der Universität Zagreb, während er unter der Aufsicht von Josef Schlessinger in den USA an der Medizinischen Fakultät der New York Universität forschte. Geprägt von den positiven Erfahrungen betreut er in Frankfurt junge Wissenschaftler während ihres Promotionsstudiums und hilft ihnen beim Start in die selbständige Forschung. Nebenbei fördert er in Kroatien die Ausbildung junger Studenten an dem von ihm gegründeten Labor für Tumorbiologie der Medizinischen Fakultät der Universität Split. Durch Diskussionen in den Medien, öffentliche Vorträge und über interdisziplinäre Kursangebote versucht Ivan Dikic das Verständnis für die Naturwissenschaft in der Öffentlichkeit zu verbessern. Auch für diesen Teil seiner Arbeit, wird Dikic mit dem William C. Rose Award ausgezeichnet.

Ein Bild zum Download finden Sie hier.

Pressemitteilung in Englisch downloaden (PDF)

Informationen: Prof. Ivan Dikic, Institut für Biochemie II und Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften, Universitätsklinikum Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-5652; ivan.dikic@biochem2.de

Personalia/Preise

Jul 30 2012
09:30

Vier Athleten der deutschen Olympiamannschaft studieren in Frankfurt, Hammerwerferin Betty Heidler ist die große Medaillenhoffnung

Olympia 2012: Goethe-Studierende nehmen Medaillen ins Visier

FRANKFURT. Die Spannung steigt: Am 28. Juli starten die Olympischen Sommerspiele 2012 in London. An der Goethe Universität verfolgt man das Großereignis mit besonderem Interesse, sind doch vier Mitglieder des deutschen Teams, darunter drei Leichtathleten, Studierende der Hochschule. Mit Hammerwerferin und Weltrekordhalterin Betty Heidler, Hürdenläuferin Christiane Klopsch, Schwimmer Jan-Philipp Glania und Staffel-Läufer Niklas Zender fahren Top-Athleten nach London. Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl freut sich über die Teilnahme der Goethe-Studierenden an dem größten Sportfest der Welt: „Wir sind stolz, dass sich Studierende unserer Hochschule unter den Augen der Weltöffentlichkeit im sportlichen Wettkampf messen dürfen. Ich drücke unseren Athleten natürlich die Daumen für ihre Wettbewerbe.“

Betty Heidler zählt zu den großen Medaillenhoffnungen der deutschen Olympiamannschaft. Sie hält den aktuellen Weltrekord im Hammerwurf, wurde 2010 Europameisterin und 2007 Weltmeisterin in ihrer Disziplin. Die Polizeihauptmeisterin, die bei der LG Eintracht Frankfurt trainiert, studiert Jura in Frankfurt.

Christiane Klopsch tritt in 400 Meter Hürden an, wurde in ihrer Disziplin unter anderem schon Deutsche Meisterin. Klopsch studiert Germanistik und Kunstgeschichte an der Goethe-Universität.

Jan-Philipp Glanias Studienfach ist die Zahnmedizin. Der Weltklasseschwimmer tritt in London in 100 und 200 Meter Rücken und 4 x 100 Meter Lagen an. Glania ist Deutscher Meister über 200 Meter Rücken und belegt in der aktuellen Weltjahresbestenliste Platz 2.

Der Vierte im Bunde ist Niklas Zender, der in Frankfurt Medizin studiert und wie Betty Heidler bei der LG Eintracht Frankfurt trainiert. Zender tritt in seiner Spezialdisziplin, der 4x400-Meter-Staffel der Männer, an. Bei den Europameisterschaften in Helsinki gewann er mit der Staffel Bronze.

Forschung

Jul 24 2012
12:22

Leserbefragung im Rahmen einer Studie des Instituts für Sportwissenschaften der Goethe-Universität

Was bedeutet uns der Medaillenspiegel?

FRANKFURT. Die Fußball-Euphorie ist kaum verklungen, schon steht das nächste sportliche Großereignis bevor: Ab dem 28. Juli geht es in London um olympische Medaillen, und wieder werden Millionen von Deutschen die Wettkämpfe ihrer Sportlerinnen und Sportlern verfolgen. Das Institut für Sportwissenschaften der Goethe-Universität und das Europäische Institut für Sozioökonomie e.V. führen aus diesem Anlass eine Online-Befragung durch, in der die Einstellungen der Bevölkerung zur Bedeutung des Medaillenspiegels, zur staatlichen Förderung der Athletinnen und Athleten, aber auch zu Doping und anderen Problemen des Leistungssports erhoben werden.

Wie kein anderer Bereich scheint der Sport eine Gelegenheit zu bieten, sich mit dem eigenen Land zu identifizieren und so vielleicht auch sozialen Zusammenhalt stiften zu können - zumindest erhofft sich dies die Politik. Sie erwartet von den olympischen Vertreterinnen und Vertretern des Landes, durch ihre Leistungen das Wir-Gefühl zuhause zu stärken, aber auch ein positives Bild der Bundesrepublik im Ausland zu vermitteln und eine Vorbildfunktion, insbesondere für die jüngere Bevölkerung, zu erfüllen.

Mit diesen Zielen wird begründet, dass der Staat jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag an Fördergeldern für den Leistungssport aufwendet. Entsprechend werden sportpolitische Strategien entworfen, wie mit dem gegebenen Budget der maximale Medaillenertrag zu erzielen ist. Aber lässt sich mit diesem Ziel auch noch der Anspruch vereinbaren, dass der olympische Sport auch sauber, fair und vorbildlich sein soll? Oder bewirkt man, wie Kritiker meinen, gerade das Gegenteil: dopende, rücksichtslose, professionelle Staats-Sportler, mit denen man sich nicht mehr identifizieren kann?

Zu diesen Fragen führen das Institut für Sportwissenschaften der Goethe-Universität, Frankfurt/Main, und das Europäische Institut für Sozioökonomie e.V., Saarbrücken, eine wissenschaftliche Untersuchung durch. Alle Leserinnen und Leser sind herzlich eingeladen, durch ihre Teilnahme die Untersuchung zu unterstützen. Die Daten werden ausschließlich zum Forschungszweck der Studie verwendet und selbstverständlich vertraulich behandelt. Die Befragung findet man unter www.soscisurvey.de/medaillenspiegel.

Informationen: Dr. Jan Haut, Institut für Sportwissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt, Ginnheimer Landstr. 39, 60487 Frankfurt, Tel. (069) 798- 24563, haut@sport.uni-frankfurt.de

Hochschulpolitische Themen

Jul 20 2012
16:04

Goethe-Universität Frankfurt und die Santander Bank unterzeichnen Abkommen für eine Zusammenarbeit. Ziel ist der Aufbau eines „Welcome Centers“ für internationale Wissenschaftler sowie die finanzielle Unterstützung des Instituts für Romanische Sprachen

Goethe-Universität baut mit Unterstützung von Santander „Welcome Center“ für internationale Wissenschaftler

FRANKFURT. Die Santander Bank, eine Zweigniederlassung der Santander Consumer Bank AG, und die Goethe-Universität Frankfurt haben am heutigen Freitag ein Abkommen über eine künftige Zusammenarbeit geschlossen. Ziel der Kooperation ist der Aufbau eines „Welcome Centers“ für internationale Wissenschaftler sowie die Schaffung einer Stelle für Didaktik des Spanischen im Institut für Romanische Sprachen und Literaturen im Fachbereich Neuere Philologien. Außerdem wird Santander jährlich 20 Deutschlandstipendien für Studenten der Goethe-Universität zur Verfügung stellen.

Santander unterstützt diese Projekte über den globalen Unternehmensbereich „Santander Universidades“. Im Rahmen des sozialen Engagements der Bank unterhält „Santander Universidades“ Partnerschaften mit mehr als 1.020 akademischen Institutionen in 17 Ländern weltweit. Die Goethe-Universität Frankfurt ist nach der Universität Heidelberg und der Universität zu Köln die dritte deutsche Universität, die dem Kreis der „Santander Universitäten“ beitritt. Bis zum Ende des Jahres 2013 werden Vereinbarungen mit neun weiteren Top-Universitäten in Deutschland angestrebt.

Das Abkommen wurde von Prof. Dr. Werner Müller-Esterl, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt, und Emilio Botín, Chairman von Banco Santander, unterzeichnet. An der feierlichen Vertragsunterzeichnung nahmen ebenfalls Ulrich Leuschner, Vorstandsvorsitzender der Santander Consumer Bank, sowie Pedro de Elejabeitia, Generalbevollmächtigter der Santander Consumer Bank, zuständig für das Retailgeschäft Santander Bank, teil.

Die Kooperationsvereinbarung sieht den Aufbau eines „Welcome Centers“ für internationale Wissenschaftler vor. An der Goethe-Universität Frankfurt sind jährlich circa 800 Personen aus dem Ausland zu Gast, größtenteils Gastwissenschaftler und neu berufene Professoren. Innerhalb von drei Jahren soll sich das neue „Welcome Center“ als eine feste Anlaufstelle für diese internationalen Gäste etablieren, das den ausländischen Akademikern das Einleben in die Universitätsstadt Frankfurt und speziell den Zugang zur Goethe-Universität erleichtern wird. Ebenfalls fördert die Santander Bank die Einrichtung einer zusätzlichen halben Stelle (E 13, Hochdeputat) für Didaktik des Spanischen im Institut für Romanische Sprachen und Literaturen im Fachbereich Neuere Philologien. Ziel ist es, der gesteigerten Nachfrage in der Lehramtsausbildung im Fach Spanisch Rechnung zu tragen und Umfang sowie Qualität der Lehre in diesem Bereich zu verbessern.

Zusätzlich wird Santander jährlich 20 Deutschlandstipendien zur Verfügung stellen. Das Deutschlandstipendium ist eine Initiative der Bundesregierung. Begabte Studenten erhalten eine Unterstützung von monatlich 300 Euro, die Hälfte des Geldes stellt ein privater Träger – in diesem Fall Santander – zur Verfügung, die andere Hälfte der Bund.

Kontakt: Alicia Santa Maria, Communications, Tel. 02161- 6905749, alicia.santamaria@santander.de

Bildmaterial zur Veranstaltung können Sie hier downloaden (9MB).