Veranstaltungen
Der Vortrag „Sonderzug nach Pankow“ versucht Udo Lindenberg zu entschlüsseln
FRANKFURT. Von Beruf Udo Lindenberg, davon kann man nur träumen! Doch diese einzigartige Position ist schon vergeben. An Lindenberg selbst. Seit 40 Jahren rollt der Lindenbergische Sonderzug nun schon durch die Republik. Immer mit von der Partie das Panikorchester, der Udo-Slang mit einer Prise „und so, ne?“ und zahllose Familienmitglieder, wie Rudi Ratlos, Jonny Controletti oder Elli Pyrelli. Am Anfang nicht immer ernst genommen, hat sich Lindenberg zur Jahrhundertinstanz emporgearbeitet, ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und des Jacob-Grimm-Preises für seine Verdienste für die deutsche Sprache.
Doch wer ist der Mann unter dem Hut und hinter der Sonnenbrille? Gibt es einen privaten Udo Lindenberg oder ist es ein Leben ausschließlich für die Kunst? Unter diesen Blickwinkeln zeichnet der Vortrag von Marthe Lisson die Stationen Lindenbergs von der Kindheit bis zu den Anfängen seiner Karriere in den frühen 1970er Jahren und wirft dann einen Blick auf sein politisches Engagement in den 80ern – sei es für die Friedensbewegung oder für eine Verbesserung der deutsch-deutschen Beziehungen.
Marthe Lisson ist Musikwissenschaftlerin und betreut seit 2012 die Frankfurter Bürger-Universität. Sie ist zudem Autorin in den Themenfeldern Musik und Kunst.
Die Veranstaltung ist Teil der vom Soziologen Prof. Tilman Allert konzipierten Vortragsreihe „Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien“. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten deutscher Sozial- und Kulturgeschichte vor.
Sonderzug nach Pankow – Udo Lindenberg
Referentin: Marthe Lisson
Zeit: Montag, 01. Juni 2015, um 19.30 Uhr
Ort: Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt
Der Eintritt ist frei.
Das komplette Programm der Frankfurter Bürger-Uni: www.buerger.uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Frankfurt Lectures des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ am 1. und 2. Juni auf dem Campus Westend der Goethe-Universität
FRANKFURT. Um die Entstehungsbedingungen der ersten Staaten, ihr Wesen und Werden, geht es in den „Frankfurt Lectures“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität in diesem Sommersemester. Prominenter Referent ist James C. Scott von der Yale University. Er widmet sich dem Thema aus politikwissenschaftlicher und ethnologischer Perspektive, wobei auch Verweise auf den Getreideanbau nicht fehlen.
Der verbindende Obertitel seiner zwei Lectures lautet: „The Late-Neolithic Multi-species Re-settlement Camp and the Earliest States“. Die beiden Vorträge in englischer Sprache finden am 1. und 2. Juni im Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend der Goethe-Universität statt. Sie beginnen jeweils um 18.00 Uhr. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich willkommen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
In seiner ersten Vorlesung am Montag, dem 1. Juni, geht Scott der Frage nach, warum Staaten, oder zumindest ihre frühen Vorläufer, erst relativ spät entstanden sind. Denn die zivilisatorischen Voraussetzungen für ihren Aufbau habe es, so Scott, ja schon einige Zeit früher gegeben. Scott weist dem Getreideanbau hier eine zentrale Rolle zu. Der Siegeszug von Hirse, Weizen, Gerste, Reis und Mais habe unsere Kultur, unser Zusammenleben und auch unsere körperliche Verfassung entscheidend verändert. Die Auftaktvorlesung heißt „The Domestication of Fire, Animals, Grain and….Us“.
Die ersten staatsähnlichen Formationen müsse man sich, so Scott, als höchst fragile Gebilde vorstellen. Umgeben waren sie von Menschen, die häufig noch als Jäger und Sammler lebten. Scott nennt sie „raiding and trading barbarians“, plündernde und Handel treibende Barbaren. Doch gerade sie, die für lange Zeit die Entwicklung des Staates behinderten, halfen letztendlich bei seinem Aufbau, indem sie auch als Söldner dienten oder Sklaven bereitstellten. Die zweite und abschließende Lecture am Dienstag, dem 2. Juni, trägt den Titel „The Early State: its Fragility and the Golden Age of ‚Barbarians’“.
James C. Scott ist Ethnologe, Politikwissenschaftler und Inhaber des renommierten Sterling-Lehrstuhls an der Yale University, wo er auch das „Program in Agrarian Studies” leitet. International bekannt wurde er durch seine Studien über die moralische Ökonomie in Bauerngesellschaften und Arbeiten zu Formen offenen und verdeckten Widerstands benachteiligter und unterdrückter Gruppen gegen ökonomische und politische Herrschaftsverhältnisse.
Der bekennende Anarchist hat sich außerdem mit dem Versagen staatlicher Entwicklungsmodelle und dem Scheitern sozialistischer Utopien nach erfolgreichen Revolutionen befasst und Strategien untersucht, mit Hilfe derer sich südostasiatische Lokalgesellschaften staatlicher Einflussnahme entziehen. Scott arbeitet disziplinübergreifend und kulturvergleichend. Er hat wegweisende Beiträge zur politischen und anthropologischen Theorie verfasst und wird in den Sozial- und Geisteswissenschaften kontrovers diskutiert.
James C. Scott ist der mittlerweile achte Frankfurt Lecturer. Im Rahmen seiner Frankfurt Lectures lädt der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ herausragende Forscher ein, in zwei aufeinander folgenden Vorlesungen bestimmte Aspekte der Herausbildung normativer Ordnungen auf eine theoretisch innovative und zeitdiagnostisch prägnante Art und Weise zu bearbeiten.
Zu den bisherigen Vortragenden im Rahmen der Frankfurt Lectures gehören Philip Pettit, der an der Princeton University Philosophie und Politische Theorie lehrt, und R. Jay Wallace, Professor für Philosophie an der University of California, Berkeley. Ebenfalls Frankfurt Lecturer waren Martti Koskenniemi, Völkerrechtler an der Universität Helsinki und Ehrendoktor der Goethe-Universität, sowie Charles Larmore, Professor für Philosophie an der Brown University (Rhode Island, USA). Seine Lectures sind in der Schriftenreihe „Frankfurter Vorlesungen“ unter dem Titel „Vernunft und Subjektivität“ im Suhrkamp Verlag erschienen. Charles Larmore ist zudem Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Exzellenzclusters.
James C. Scott:
The Late-Neolithic Multi-species Re-settlement Camp and the Earliest States
Frankfurt Lectures des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“
Lecture I: The Domestication of Fire, Animals, Grain and….Us
Montag, 1. Juni 2015, 18.00 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 4
Lecture II: The Early State: its Fragility and the Golden Age of „Barbarians“
Dienstag, 2. Juni 2015, 18.00 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 5
Information: Oliver Bertrand, Professur für Ethnologie kolonialer und postkolonialer Ordnungen, Sekretariat Prof. Susanne Schröter, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Tel. (069)798-33062, o.bertrand@em.uni-frankfurt.de, www.normativeorders.net, www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/frankfurt-lectures
Sonstige
Hochschulen und Forschungseinrichtungen können das europaweit einzigartige Online-Angebot in Lizenz erwerben
FRANKFURT. Wie sind Forschungsergebnisse zu dokumentieren? Wie zitiert man richtig? Wie geht man mit Bildquellen um? Antworten auf Fragen zum korrekten Arbeiten gibt der eLearning-Kurs „Gute Wissenschaftliche Praxis in der Promotion“. Die Graduiertenakademie der Goethe-Universität GRADE hat ihn konzipiert, nachdem junge Wissenschaftler und Ombudspersonen großes Interesse an dem Thema zum Ausdruck gebracht hatten. Realisiert hat ihn GRADE gemeinsam mit „studiumdigitale - Zentrale eLearning-Einrichtung der Goethe-Universität“.
„Qualitätssicherung ist ein wichtiges Anliegen der Goethe-Universität. Ich gratuliere der Graduiertenakademie zu diesem in Deutschland einzigartigen eLearning-Kurs und freue mich über das große Interesse der scientific community“, erklärt die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Dr. Birgitta Wolff.
Die Skandale der jüngsten Vergangenheit haben gezeigt, welche gravierenden Folgen wissenschaftliches Fehlverhalten für die Karriere haben kann. Viele Doktoranden fühlen sich aber auch nicht ausreichend informiert und sind verunsichert. „Das Wissen darum, wie man korrekt arbeitet und wie man sich verhalten sollte, wenn man Fehlverhalten anderer beobachtet, wird in der Regel vorausgesetzt“, sagt GRADE-Geschäftsführerin PD Dr. Heike Zimmermann-Timm. „Doktoranden sind bei diesem wichtigen Thema meist sich selbst überlassen. Das wollen wir mit unserem fachübergreifenden Kurs zur ‚Guten Wissenschaftlichen Praxis‘ ändern.“
Die Biologin Prof. Dr. Claudia Büchel und der Linguist Prof. Dr. Thomas Ede Zimmermann, Ombudspersonen der Goethe-Universität, haben überprüft, ob der Kurs den Qualitätsmaßstäben der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) entspricht. „Er gibt Doktoranden einen guten Einstieg in das Thema und damit Sicherheit“, bestätigt Claudia Büchel. Der kompakte, leicht zugängliche Kurs steht wahlweise auf Deutsch oder Englisch zur Verfügung. Neben Informationen zur „Guten Wissenschaftlichen Praxis“ arbeitet er weitere Promotionsthemen auf: Wie man ein Forschungsvorhaben sinnvoll plant und organisiert oder welche juristischen Aspekte, etwa im Arbeits- und Urheberrecht, für Doktoranden relevant sind.
Ab 1. Juli 2015 können interessierte Hochschulen und Forschungseinrichtungen Lizenzen für den eLearning-Kurs erwerben, bei Bedarf mit den eigenen Logos. Technisch wird der GRADE-Kurs von „studiumdigitale – Zentrale eLearning Einrichtung der Goethe-Universität“ betreut.
Die Preise sind nach Anzahl der Lizenzen gestaffelt und können bei GRADE angefragt werden. Weitere Informationen: PD Dr. Heike Zimmermann-Timm, GRADE-Geschäftsführerin, Tel. (069) 798-49401, zimmermann-timm@grade.uni-frankfurt.de
Demoversion: http://www.e-learning-by-grade.de
Veranstaltungen
Literaturarchiv der Goethe-Universität zeigt unbekannte Fotos und Dokumente des berühmten Literaturkritikers
FRANKFURT. Am 2. Juni wäre der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki 95 geworden. Aus diesem Anlass widmet das Literaturarchiv der Goethe-Universität dem 2013 verstorbenen Frankfurter eine Ausstellung. Sein Sohn Andrew Ranicki hat dafür erstmals die Familienalben mit hunderten Fotos geöffnet, die das Leben seiner Eltern von den Jahren in Polen und Großbritannien bis zu Reich-Ranickis Epoche an der Frankfurter Allgemeinen Zeitung abbilden. Die fotografischen Zeugnisse reichen von 1945, als Reich-Ranicki nach Kriegsende das völlig zerstörte Warschauer Getto besuchte, über seine Jahre als Konsul in London, Literaturkritiker in Warschau und Mitarbeiter der ZEIT in Hamburg bis ins letzte Lebensjahr 2013.
In der Ausstellung des Literaturarchivs der Goethe-Universität werden Fotos und Dokumente erstmals öffentlich gezeigt, was in Verbund mit weiteren Institutionen geschieht, an denen Reich-Ranickis Erbe wirkt: Etwa 200 der Familienfotos, reproduziert in Formaten von A 4 bis 100 x 70 cm und von den Kuratoren gemeinsam mit Andrew Ranicki kommentiert, erscheinen in einer Inszenierung, zu der das Historische Museum den Schreibtisch Reich-Ranickis beisteuert, das Jüdische Museum seine Sammlung von Autorenbildern, das Literaturarchiv der Goethe-Universität den Lesesessel aus der Privatwohnung und die Freundin und Nachbarin Eva Demski das Biedermeierensemble, an dem Teofila und Marcel Reich-Ranicki Weihnachten zu feiern pflegten. Zu den privaten Artefakten stoßen Archivalien aus seiner beruflichen und intellektuellen Heimat, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Marcel Reich-Ranicki. Sein Leben in unbekannten Fotos und Dokumenten, kuratiert von Wolfgang Schopf und Uwe Wittstock. 29. Mai bis 30. Juni 2015. Neuere Philologien/Universitätsarchiv der Goethe-Universität, Dantestr. 9, 60325 Frankfurt am Main.
Literaturarchiv der Goethe-Universität
Mo. – Fr. 15–19 Uhr, Sa. – So. 11–20 Uhr
Eintritt frei
Dantestraße 9 , gegenüber von Senckenberg und Institut für Sozialforschung,
Station Bockenheimer Warte der U-Bahnen 4/6/7
BEGLEITPROGRAMM
2. Juni 2015, 19.30 Uhr
Glückwunsch, Marcel
Eva Demski und Petra Roth erinnern sich am 95. Geburtstag von Marcel Reich-Ranicki an den persönlichen Freund und großen Frankfurter
15. Juni 2015, 19.30 Uhr
Joachim Kersten und Jan Philipp Reemtsma lesen aus Marcel Reich-Ranicki und Peter Rühmkorf. Der Briefwechsel
26. Juni 2015, 19.30 Uhr
Marcel Reich-Ranicki
Der Kritiker unter Kollegen
Ein Abend mit: Ina Hartwig, Martin Lüdke und Uwe Wittstock
Die Ausstellungseröffnung ist bereits am 28. Mai um 19 Uhr. Medienvertreter sind herzlich zu dieser Veranstaltung eingeladen. Anmeldungen bitte bei Wolfgang Schopf, (069) 798-22717, w.schopf@lingua.uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Neun fein ausbalancierte Stahlskulpturen von Robert Schad und vier stilisierte menschliche Bronzefiguren des Niederländers Henk Visch
FRANKFURT. Jaume Plensas Großskulptur „Body of Knowledge“ auf dem Campus Westend hat den Sommer über wieder Gesellschaft bekommen: Auf der Wiese vor dem IG-Farben-Haus und auf den Freiflächen zwischen IG-Farben-Haus und Casino sind bis zum 4. Oktober markante Skulpturen des niederländischen Künstlers Henk Visch und des deutschen Bildhauers Robert Schad zu sehen. Die Kunstwerke sind Teil der Ausstellung „Blickachsen 10“, die am 31. Mai (Sonntag) in Bad Homburg eröffnet wird. Von Bad Homburg aus führen symbolische Blickachsen an acht zusätzliche Ausstellungsorte der Region, zum dritten Mal ist auch der Campus Westend der Goethe-Universität dabei. Die Jubiläumsausstellung der „Blickachsen“ zeigt insgesamt fast 80 Großskulpturen von 33 internationalen Künstlern.
Neun der unverwechselbaren, fein ausbalancierten Stahlskulpturen von Robert Schad (Jahrgang 1953) erwarten die Besucher vor dem IG-Farben-Haus auf dem Campus Westend. Weite Schwünge und Bögen kennzeichnen die aus massivem Vierkantstahl hergestellten Liniengeflechte des deutschen Bildhauers.
Vier der jüngsten Bronzen des bekannten niederländischen Künstlers Henk Visch aus dem Jahr 2015 sind auf der Grünfläche zwischen IG-Farben-Haus und dem Casino ausgestellt. Die vier stilisierten menschlichen Figuren sollen die Betrachter dazu anregen, sich mit den bronzenen „Körperskulpturen“ und den durch ihre Haltung und Gestik ausgedrückten Empfindungen in Beziehung zu setzen, sich ihnen in einer gleichsam ursprünglich naiven Haltung zu nähern.
Der Campus Westend mit seiner wunderbaren Parklandschaft ist für den Bad Homburger Initiator und Kurator der Skulpturenbiennale Christian K. Scheffel ein idealer Ort, sich den Herausforderungen von Wissenschaft und zeitgenössischer Kunst gleichermaßen zu stellen. Und anregende Diskussionen über die Skulpturen werden bereits in den Social Media und auf dem Campus geführt.
Die diesjährige Jubiläumsausstellung gestaltete der Kurator Scheffel in enger Kooperation mit dem Antwerpener Middelheimmuseum, einem der Pioniere im Bereich der Skulpturenausstellung im öffentlichen Raum. Neben großen Namen der Bildhauerei wie Arman, Giacomo Manzù, Werner Pokorny, Franz West oder Erwin Wurm gibt die Ausstellung auch einen Einblick in die junge Kulturszene Belgiens. Dabei werden unterschiedlichste Positionen der dreidimensionalen Gegenwartskunst in Beziehung zueinander und zu ihrem Ausstellungsort gesetzt. Auch eigens für die Ausstellung geschaffene Arbeiten sind wieder dabei. Die diesjährige Auswahl der Werke von 33 internationalen Künstlerinnen und Künstlern hat Scheffel zusammen mit Sara Weyns, Direktorin des Middelheimmuseums und dem flämischen Künstler Lieven Segers getroffen.
Seit 2013 gibt es die Stiftung Blickachsen gGmbH, die seit „Blickachsen 9“ die Ausstellungen verantwortet und gemeinsam mit dem Magistrat der Stadt Bad Homburg, der Kur- und Kongreß-GmbH und der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen veranstaltet; Vorsitzender des Kuratoriums ist Stefan Quandt. Der Geschäftsführer der Stiftung, Christian K. Scheffel, dazu: „Die Stiftung wurde mit dem langfristigen Ziel gegründet, durch einen stetigen Ausbau der ‚Blickachsen‘ im öffentlichen Raum jungen und arrivierten Künstlern aus der ganzen Welt eine Plattform zu bieten. Wir wollen den künstlerischen Nachwuchs fördern und gleichzeitig das allgemeine Interesse und Verständnis für die verschiedensten Positionen der dreidimensionalen Kunst steigern.“
Zu den Künstlern und ihren Werken auf dem Campus Westend
Robert Schad (geboren 1953 in Ravensburg)
Er ist bekannt für seine monumentalen Stahlskulpturen. Ausgehend von der Idee körperlicher Bewegungen gestaltet er Linien aus massivem Vierkantstahl, die sich durch den Raum zu bewegen scheinen. Vor dem IG-Farben-Haus werden in diesem Jahr im Rahmen der „Blickachsen 10“ neun seiner Außenraumwerke gezeigt. Schwere, Beständigkeit und Unbeweglichkeit sind Eigenschaften, die mit dem Material Stahl verbunden werden. Schads großformatige Plastiken dagegen vermitteln den Eindruck von Leichtigkeit. Die trotz ihrer Größe filigran anmutenden Stahllinien recken sich in die Höhe, scheinen sich in der Waagerechten auszubalancieren oder sich mäandernd auf und ab zu bewegen. Die gelenkige Erscheinung der Stahlgebilde steht dabei in starkem Kontrast zur tatsächlichen Massivität des Werkstoffs. Als Vorlage für seine Plastiken dient Schad stets der Tanz: Die Skulpturen seien die Tänzer, er selbst übernehme die Rolle eines Choreographen, indem er Körperhaltungen und Bewegungsabläufe in abstrahierter Form einzufangen sucht, gibt der Künstler selbst an. Das Resultat sei die „angehaltene Bewegung eines tänzerischen Ausdrucks“ - sie gilt es in ihrer räumlichen Ausdehnung wahrzunehmen.
Schad, der an der staatlichen Akademie für Bildende Künste in Karlsruhe bei Albrecht von Hancke und Wilhelm Loth studiert hat, erhielt bereits 1980 sein erstes Stipendium für einen Arbeitsaufenthalt in Porto/Portugal, weitere Stipendien folgten. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählen u.a. der Preis für Zeichnung der III. Biennale für zeitgenössische Kunst, Vila Nova de Cerveira/Portugal, (1982), der XXV. Internationale Preis für Zeichnung Joan Miró, Barcelona/Spanien, (1986) sowie der Große Preis der II. Internationalen Biennale für Bildhauerei in Obidos/Portugal (1989–90). Seit 2000 lebt und arbeitet Robert Schad in Larians im Departement Haute-Saône in Frankreich, wo er 2004 seinen eigenen Skulpturenpark eröffnete.
Henk Visch (geboren 1950 in Eindhoven, Niederlande)
Ebenso vielfältig wie seine Tätigkeitsfelder präsentiert sich das künstlerische Schaffen von Henk Visch. Figürliche Plastiken und abstrakte Konstruktionen zählen zu seinem Œuvre, kleinformatige Werke stehen monumentalen, überlebensgroßen Skulpturen gegenüber und das verwendete Material reicht von Holz über Aluminium und Eisen bis hin zu Bronze. Es gibt keine kontinuierliche Entwicklung in seinem Schaffen, vielmehr sind seine Arbeiten Ausdruck einer steten Suche nach der je adäquaten Umsetzung seiner Bildideen. Seine Werke entziehen sich einer eindeutigen Interpretation, sie sind als „Angebote grenzenloser Denkräume“ zu verstehen. Henk Visch bespielte 1988 den niederländischen Pavillon auf der Biennale in Venedig und war Teilnehmer der documenta IX in Kassel. Seit 2005 ist er Professor für Bildhauerei an der Kunstakademie in Münster. Er beschreibt seine Kunst als den geformten Teil seines Lebens, der in der Öffentlichkeit auftritt. Henk Visch ist Bildhauer, Zeichner und Poet, er kuratiert Ausstellungen und schreibt Kunstkritiken.
Visch präsentiert auf den Grünflächen zwischen IG-Farben-Haus und Casino die Plastiken „A sex-driven person, lost in the city“, „Five ladies and a gentleman in the colony club“, „The Architect” und „The Illusionist“. Die vier ausgestellten Arbeiten aus dem Jahr 2015 zeigen menschliche Körper: Die figürlichen Darstellungen sind stehend, sitzend oder in einer turnenden Haltung mit nach unten gebeugtem Oberkörper und hochgerecktem Gesäß wiedergegeben. In seinen „Körperskulpturen“ setzt sich Visch immer mit tradierten Themen figürlicher Darstellungen auseinander. Indem er die Skulpturen zu groß oder zu klein gestaltet, die Köpfe stilisiert und im Verhältnis zum Körper viel zu groß geraten lässt oder einzelne Gliedmaßen sogar ganz fehlen, verhandelt er Fragen der Torsierung und Fragmentierung des menschlichen Körpers.
Fotos zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/55697337
Führungen an allen Standorten der Ausstellung „Blickachsen 10“ für private, Gruppen, Schulklassen, Firmen oder Vereine können über die Stiftung Blickachsen gebucht werden (E-Mail: fuehrungen@blickachsen.de, Tel.: (06172) 2 89 07.
Informationen: Sunita Scheffel, Blickachsen Kommunikation, mobil 0178-47 32 591, presse@blickachsen.de, www.blickachsen.de, Pressefotos unter: http://www.blickachsen.de/root/index.php?page_id=341