Veranstaltungen
Ausstellung „Bei Mentz“ im Fenster zur Stadt erinnert an die legendäre Nordend-Gaststätte - Schauplatz in Henscheids Frankfurt-Roman der frühen 70er Jahre.
FRANKFURT. Frankfurt liest wieder ein Buch: Diesmal ist es Eckhard Henscheids humoristischer Roman „Die Vollidioten“ aus dem Jahre 1972. Das Universitätsarchiv der Goethe-Universität lässt im Rahmen einer Begleitausstellung im Fenster zur Stadt den zentralen Schauplatz des Romans wiederauferstehen: Die Gaststätte Mentz, die bis in die 80er Jahre hinein als Treffpunkt von Intellektuellen und Lebenskünstlern in Frankfurt fungierte, wird anhand von F. K. Waechters Illustrationen, Zeugnissen und Überlieferungen aus dem kulturellen, politischen, sportlichen und gastronomischen Leben Frankfurts im Jahre 1972 rekonstruiert.
Eckhard Henscheid hat im Interview mit dem UniReport den Bezug seines Romans zur Stadt Frankfurt nicht ohne Hintersinn erläutert: „Frankfurt wird im Buch nicht ein einziges Mal nominell genannt – allenfalls vag´ und indirekt über die ‚Frankfurter Eintracht‘. Wenn die Stadt trotzdem unleugbar aus dem Text hervorschimmert, soll es mir recht und lieb sein.“
Ausstellung „Bei Mentz“. Am Tresen der „Vollidioten“. Ausstellung im Rahmen des Jubiläumsprogramms „100 Jahre Goethe-Universität“.
2.-12. April im Fenster zur Stadt, Restaurant Margarete, Braubachstr. 18. Kurator der Ausstellung ist Wolfgang Schopf vom Universitätsarchiv der Goethe-Universität. Eine Finissage mit Versteigerung der Exponate findet dort am 12. April, 17 Uhr, statt.
Weitere Veranstaltungen zu „Frankfurt liest ein Buch“ an der Goethe-Universität:
1972. „Die Vollidioten“ und die Bildungsreform. Archivführung der Goethe-Universität mit Michael Maaser und Wolfgang Schopf. 3. April, 11 Uhr, Universitätsarchiv, Campus Bockenheim, Juridicum, 1. OG.
Hauslesung der Goethe-Universität: „Nachbericht erledigt“. Collage aus Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte der „Vollidioten“, gelesen von Lehrenden der Universität, arrangiert von Wolfgang Schopf. 10. April, 19.30 Uhr, Campus Westend, Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften, 1. OG
Interview mit Eckhard Henscheid (Vorabausdruck aus dem UniReport 2/2014): Download (PDF).
Forschung
Neue Forschergruppe gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft analysiert Entwicklungen von Spätantike bis heute
FRANKFURT. Wie gelangen bestimmte Personen in gesellschaftliche Schlüsselpositionen? Und welches Konfliktpotenzial ist damit verbunden? Von der Spätantike bis zum 20. Jahrhundert wollen Frankfurter Historiker epochenübergreifend vergleichen, wie Personalentscheidungen in der Kirche, der öffentlichen Verwaltung und in Unternehmen getroffen wurden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat dazu die Einrichtung einer DFG-Forschergruppe an der Goethe-Universität bewilligt; ihr Sprecher ist der Historiker Prof. Andreas Fahrmeir.
Im historischen Verlauf hat sich die Art und Weise, wie Personalentscheidungen gefällt werden, erheblich verändert. Bei näherem Hinsehen existiert jedoch eine begrenzte Zahl von Auswahlverfahren wie Zeugung/Geburt, Los, Wahl, Kooptation, Wettbewerb, Beauftragung, die in jeweils epochenspezifischer Weise kombiniert werden. Die Forschung hat Personalentscheidungen bislang zumeist nur einzeln analysiert, nicht aber die ihnen zugrunde liegenden Logiken und Dynamiken ihrer Veränderung im historischen Überblick. Das hat sich die Forschergruppe „Personalentscheidungen bei gesellschaftlichen Schlüsselpositionen“ vorgenommen; mit im Team der Principal Investigator sind die Frankfurter Historiker Hartmut Leppin, Werner Plumpe und Christoph Cornelißen sowie Daniela Rando aus Pavia und Johannes Pahlitzsch aus Mainz. Sie werden unterstützt von sieben jüngeren Wissenschaftlern, die zunächst über drei Jahre aus den Fördermitteln der DFG finanziert werden können.
„Personalentscheidungen sind außerordentlich wichtige Weichenstellungen, die in allen Epochen vorkommen, die aber in allen Epochen jeweils unterschiedlich begründet werden, institutionalisiert sind und durchgeführt werden,“ erläutert Fahrmeir. „Es sind immer Wetten auf die Zukunft mit ungewissem Ausgang: Da Personalentscheidungen letztlich nicht so fallen können, dass jede Unsicherheit über die Qualität ihres Ergebnisses wegfällt, besitzen sie eine enorme potentielle Sprengkraft. Selbst wenn man unterstellt, dass es wirklich besser und weniger gut geeignete Personen für bestimmte Aufgaben gibt, kann man vor Amtsantritt trotzdem nicht wissen, wer sich im konkreten Fall als Unternehmer, Bischof, Heerführer, Amtmann besser bewähren wird. Ist jedoch die Entscheidung einmal gefallen, sind Korrekturen schwierig und meist erst bei der nächsten Auswahl möglich. Dazu Fahrmeier: „Dann kommt es häufig zu Veränderungen – ob im Verfahren, im Kandidatenpool oder bei den Maßstäben, Aufgaben oder Befugnisse.“
Jede Personalentscheidung hat ein zufälliges Moment – Wissenschaftler nennen das „kontingent“ – und muss doch für die "Verlierer" akzeptabel sein. „Wenn es um Schlüsselpositionen geht, ist das Problem besonders akut, da die konkurrierenden Kandidaten in aller Regel über erheblichen Einfluss verfügen“, so Fahrmeir. Eine Folge ist, wie die Historiker bereits herausgearbeitet haben, dass sich gerade scheinbar irrationale Entscheidungsformen lange bewähren können wie Erbfolge in der Monarchie oder auch Losverfahren in vielen frühneuzeitlichen Konstellationen. Der Sprecher der neuen DFG-Forschergruppe ergänzt: „Eine andere Folge ist, dass auch scheinbar rationale Verfahren entweder in der Praxis ein starkes Element der freien Entscheidung bewahren, z. B. bei der Beauftragung von Managern, oder die Unsicherheit, ob sie wirklich richtig sind, auch nicht beseitigen können und daher bisweilen wieder aufgegeben werden: etwa kompetitive Examina für den britischen öffentlichen Dienst, die im 19. Jahrhundert eingeführt, aber im 20. wieder abgeschafft wurden.“
Die Wissenschaftler erwarten, dass sie mit ihrer Forschung in den nächsten Jahren eine Antwort auf die Frage geben kann, warum es offenbar nie möglich ist, eine „endgültige" Form von Personalentscheidungen zu entwickeln, die allen Erwartungen gerecht wird, und warum diese strukturellen Spannungen immer zu graduellem Wandel führen. „Und diese eher geringfügig erscheinenden Veränderungen sind wahrscheinlich in der Summe bedeutender als revolutionäre Zäsuren“, vermutet Fahrmeir.
Neben der Frankfurter DFG-Forschergruppe bewilligte der Senat der DFG in seiner Märzsitzung noch vier weitere. Die Forschungsverbünde sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit bieten, sich aktuellen drängenden Fragen in ihren Fächern zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren. Wie alle DFG-Forschergruppen werden die neuen Einrichtungen orts- und fächerübergreifend arbeiten. In der ersten Förderperiode erhalten sie über einen Zeitraum von drei Jahren insgesamt knapp elf Millionen Euro´, eine Verlängerung kann beantragt werden. Im Ganzen fördert die DFG damit 198 Forschergruppen.
Informationen: Prof. Dr. Andreas Fahrmeir, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel. (069) 798-32626, fahrmeir@em.uni-frankfurt.de
Forschung
Kooperationsprojekt der Verhaltenstherapieambulanz der Goethe-Universität mit der Boston University – Teilnehmer für Studie gesucht
FRANKFURT. Depressive Störungen gehören zu den Hauptursachen gesundheitlicher Beeinträchtigungen und sind eine der häufigsten psychischen Störungen. Viele Betroffene leiden über Jahre hinweg an einer chronischen Depression. Um diese Patienten besser zu versorgen, haben Prof. Dr. Ulrich Stangier, Institut für Psychologie der Goethe-Universität, und Prof. Dr. Stefan Hofmann, Boston University, jetzt ein Kooperationsprojekt vereinbart: In dem Projekt wird die Wirksamkeit von Achtsamkeits-Meditation überprüft, einem Meditationsansatz, bei dem die Teilnehmer lernen, gegenwärtigen Empfindungen mit nicht-wertender Aufmerksamkeit entgegenzutreten. Für die Therapiestudie suchen die Frankfurter Psychologen noch Menschen, die seit mindestens zwei Jahren chronisch depressiv sind.
„Die Achtsamkeits-Meditation ist besonders bei Depressionen hilfreich, da Betroffene häufig zu starkem Grübeln neigen und hierdurch Gefühle von Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit erleben“, so Stangier. In anderen Studien konnte bereits gezeigt werden, dass sich depressive Symptome durch achtsamkeitsbasierte Therapien deutlich reduzieren lassen. Der Frankfurter Psychologe ergänzt: „Wir wollen in unserer Studie diese Prinzipien durch Methoden erweitert, die eine positivere Selbstsicht fördern, da Betroffene oft zu Selbstabwertung neigen.“
Die Therapiestudie beginnt Mitte April 2014. An der Studie können sich Betroffene beteiligen, die Interesse haben, an diesem achtwöchigen Gruppentherapie-Programm teilzunehmen. Der eigentlichen Behandlung geht eine ausführliche Diagnostik voraus. Für den Zeitraum des Gruppenprogramms sollte parallel keine psychotherapeutische Behandlung laufen, und chronische Depression sollte im Vordergrund der Problematik stehen.
Unter einer chronischen Depression verstehen die Experten, dass sich Betroffene über mindestens zwei Jahre durchgängig an mehr als der Hälfte der Tage niedergeschlagen oder antriebslos fühlen. Dazu können häufig Schlaf- und Konzentrationsstörungen, aber auch Gefühle der Hoffnungs- oder Wertlosigkeit auftreten. Trotz psychotherapeutischer und medikamentöser Therapie können die Symptome in einigen Fällen nicht ausreichend gelindert werden.
Informationen: Ansprechpartnerin für Teilnahme an der Studie: MSc cand. Claudia Richter, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie, Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaften, Kontaktaufnahme per Email an meditationsstudie@gmail.com oder auf den Anrufbeantworter mit umgehendem Rückruf. Tel.: (069) 798 25107.
Ansprechpartner für Journalisten: Prof. Stangier, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie, Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaften, Telefon: 069/798-22848; stangier@psych.uni-frankfurt.de
Hochschulpolitische Themen
Findungskommission der Goethe-Universität schlägt für die öffentliche Anhörung Wirtschaftswissenschaftlerin Birgitta Wolff und Neurobiologen Robert Nitsch vor.
FRANKFURT. Die Findungskommission der Goethe-Universität hat in ihrer letzten Sitzung einstimmig entschieden, zwei Kandidaten zur öffentlichen Anhörung nach Frankfurt zu laden: Prof. Birgitta Wolff und Prof. Robert Nitsch. Erst im Anschluss wird der Hochschulrat in Abstimmung mit dem erweiterten Senat entscheiden, wer zur Wahl des künftigen Präsidenten der Goethe-Universität zugelassen wird. Die Anhörung soll am 18. Juni stattfinden, die Wahl wird voraussichtlich am 15. Juli erfolgen. Präsident Prof. Werner Müller-Esterl steht als Kandidat nicht mehr zur Verfügung. Seine Amtszeit endet nach sechs Jahren am 31. Dezember 2014.
Prof. Dr. Birgitta Wolff hat an der Universität Witten/Herdecke, an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und der Harvard University Wirtschaftswissenschaften studiert. Anschließend lehrte sie an der Georgetown University in Washington. Seit 2000 hat sie den Lehrstuhl für Internationales Management an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg inne; zudem war sie seit 2002 Prodekanin und Dekanin der Fakultät. Wolff wurde 2010 zur Kultusministerin und anschließend zur Landesministerin für Wissenschaft und Wirtschaft in Sachsen-Anhalt bestellt. In diesem Zusammenhang ist sie wiederholt zur beliebtesten Wissenschaftsministerin des Jahres gekürt worden; doch uneins mit Ministerpräsident Reiner Haselhoff über dessen geplanten Sparkurs an den Hochschulen schied sie im April 2013 aus dem Kabinett aus und kehrte auf ihre Professur an der Universität zurück.
Prof. Dr. med. Dr. phil. Robert Nitsch hat Medizin und Philosophie in Kiel und Frankfurt studiert. Über lange Zeit war er als Neuroanatom und Prodekan an der Charité in Berlin tätig und leitete dort auch den Exzellenzclusters NeuroCure. Seit 2009 ist Nitsch als Professor an der Universität Mainz tätig und dort Sprecher des Forschungszentrums Neurowissenschaften. Nitsch erforscht zelluläre Mechanismen, die bei der Störung der Netzwerkfunktion des Gehirns eine Rolle spielen. Er ist Sprecher eines 2013 neu eingerichteten Sonderforschungsbereiches der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der über das rhine-main neuroscience network (rmn2) eng mit der Goethe-Universität verbunden ist. Für seine Arbeiten erhielt er 2013 den renommierten und mit 2,5 Millionen Euro dotierten Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC). Nitsch ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften Leopoldina.
Hochschulpolitische Themen
Senat der Goethe-Universität nimmt Stellung zum Beschluss des Ortsbeirats 2, den Grüneburgplatz in Norbert-Wollheim-Platz umzubenennen
FRANKFURT. Der Senat der Goethe Universität hat in seiner heutigen Sitzung die Stadt aufgefordert, im Rahmen eines universitären Gesamtkonzepts am Campus Westend den Bremer Platz zu Horkheimer-Platz und die Lübecker Straße zu Adorno-Straße umzubenennen. Damit reagiert der Senat auf den Beschluss des Ortsbeirates 2, der in der vergangenen Woche beschlossen hatte, den Grüneburgplatz in Norbert Wollheimplatz umzubenennen.
Hier der Wortlaut des Beschlusses:
„Der Senat nimmt den Beschluss des Ortsbeirats 2, den Grüneburgplatz in Norbert-Wollheim-Platz umzubenennen, wohlwollend zur Kenntnis, weist jedoch darauf hin, dass eine Umbenennung nur nach Anhörung der Universität und im Einvernehmen mit ihr möglich ist. Der Senat erwartet zugleich, dass im Rahmen eines Gesamtkonzepts im Festjahr 2014 die Lübecker Straße in Adorno-Straße und der Bremer-Platz in Horkheimer-Platz umbenannt werden.“
„Die Umbenennung im Festjahr 2014 eröffnet der Goethe-Universität die Chance, historische Verantwortung für die eigene Geschichte zu übernehmen und herausragende Wissenschaftler wie Theodor W. Adorno und Max Horkheimer zu ehren, die bis heute Weltgeltung genießen und zugleich für alle Hochschulmitglieder identitätsstiftend sind“, sagt Universitätspräsident Professor Werner Müller-Esterl, der auch den Senatsvorsitz innehat. Als jüdische Gelehrte prägten sie die frühen Jahre der Universität, wurden während des Nationalsozialismus vertrieben und mussten ins Exil gehen. „Mit einer Neubenennung gedenkt die Goethe-Universität nicht nur des dunkelsten Kapitels in ihrer 100-jährigen Geschichte, sondern auch der schwierigen Phase des demokratischen Neubeginns nach 1945, der ohne Überlebende und Rückkehrer wie Adorno und Horkheimer nicht möglich gewesen wäre“, so Müller-Esterl. Max Horkheimer kehrte 1949 aus dem Exil auf seinen Lehrstuhl für Sozialphilosophie zurück, wurde kurz darauf Dekan und war von 1951 bis 1953 Rektor, als noch mehr als die Hälfte aller universitären Gebäude in Schutt und Asche lagen. Beide, Horkheimer wie Adorno, sind Begründer der Frankfurter Schule und ihrer kritischen Theorie, und leisteten einen entscheidenden Beitrag zur öffentlichen Rehabilitierung der Frankfurter Universität.