Archiv Pressemitteilungen | 2012 bis 2017

Forschung

Apr 14 2016
12:31

Wer leicht zwischen Aufgaben wechselt, ist oft anfälliger für Ablenkungen

Variable Gehirnaktivität: Hilfreich oder nicht?

FRANKFURT.Unser Gehirn kann auf denselben Reiz sehr unterschiedlich reagieren: Mal steigt die Gehirnaktivität stark an, ein anderes Mal nur wenig. Menschen, bei denen diese Schwankungen stärker ausgeprägt sind (die also eine variablere Hirnaktivität aufweisen), zeigen kürzere Reaktionszeiten und bessere Leistungen. Psychologen der Goethe-Universität haben nun festgestellt, dass diese Menschen sich aber auch leichter ablenken lassen.

Wie die Wissenschaftler um Prof. Christian Fiebach von der Abteilung Neurokognitive Psychologie im Journal of Neuroscience berichten, erfassten sie die Gehirnaktivität mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT). Sie baten ihre Probanden, im fMRT-Scanner eine Aufgabe zu bearbeiten, die zum einen erfordert, flexibel von einer Anforderung zur anderen zu wechseln, in der die Probanden manchmal aber auch stabil bei einer Aufgabe bleiben müssen und irrelevante Reize ignorieren sollen. Im Alltag begegnen uns diese wiederstreitenden Anforderungen an kognitive Stabilität und Flexibilität häufig, zum Beispiel wenn wir versuchen, in einem vollen Zug die Gespräche von Mitreisenden zu ignorieren um uns auf ein Buch zu konzentrieren (=Stabilität), jedoch bei Ankündigung des Schaffners durchaus wechseln können und zum Beispiel die Fahrkarte aus der Tasche holen (=Flexibilität).

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Variabilität der Hirnaktivität zum einen hilfreich ist: Personen mit einer variableren Hirnaktivität machten weniger Fehler, und zwar unabhängig von den genauen Anforderungen. Jedoch führt Variabilität speziell in einer Region im linken Frontalhirn auch dazu, dass man irrelevante Reize nicht so effizient ausblenden kann“, erklärt Dr. Diana Armbruster-Genç, die Erstautorin der Studie. Dieser Befund ist deshalb für Kognitionsforscher interessant, weil sie vermuten, dass besagte Hirnregion den Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben koordiniert. Diese Vermutung wird durch die Frankfurter Studie untermauert, denn sie zeigt, dass spontane Fluktuationen in der Aktivierung dieser Region für die Leistung beim Wechsel von Aufgaben oder aber deren Beibehaltung von Bedeutung sind.

„Wir stehen noch am Beginn einer hochinteressanten Forschung, die es uns hoffentlich ermöglichen wird, die Dynamik der Prozesse im Gehirn besser zu verstehen“, kommentiert Prof. Christian Fiebach die Bedeutung der Studie. Inwiefern die Variabilität der Gehirnaktivität unter Umständen beeinflusst werden kann, muss noch untersucht werden.

Ein Bild zum Download finden Sie hier.

Bildtext: Das Bild zeigt fMRT-Aufnahmen von Hirnarealen, in denen ein variableres Aktivierungsmuster zu einer besseren Leistung führt. Bild: D. Armbruster-Genç

Publikation: Armbruster-Genç, D.J., Ueltzhöffer, K., Fiebach, C.J.: Brain Signal Variability Differentially Affects Cognitive Flexibility and Cognitive Stability, Journal of Neuroscience. 2016 Apr 6;36(14):3978-87.

Informationen: Prof. Christian Fiebach, Abteilung Neurokognitive Psychologie, Campus Westend, Tel,: (069) 798 35334, Fiebach@psych.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Apr 13 2016
14:55

Die Ringvorlesung „Modelling Transformation“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ beginnt am 20. April 2016

Lässt sich Wandel auch voraussagen?

FRANKFURT. Die Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität widmet sich in diesen Sommersemester dem Thema „Modelling Transformation“. Die fünfteilige Reihe, die der Cluster in Kooperation mit dem Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften und dem Sonderforschungsbereich „Schwächediskurse und Ressourcenregime“ durchführt, erörtert Modellierungen von Transformation aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven. Im Zentrum der Beiträge stehen eine Positionsbestimmung zeitgenössischen historischen Denkens und die Frage nach einer historisch begründeten Prognostik. Der Auftaktvortrag von Wolfgang Knöbl, Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung, am 20. April um 18.15 Uhr im Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend trägt den Titel „Was ist ein sozialer Prozess?“.

Historische Geisteswissenschaften befassen sich zwar fortwährend mit Phänomenen des Wandels, doch erstaunlich unterentwickelt ist die Diskussion darüber, wie das Phänomen „Wandel“ in den Geisteswissenschaften überhaupt zu denken ist. Mit welchen Deutungsmodellen erfassen wir Prozesse der Veränderung? Wie steuern unsere erkenntnistheoretischen Grundannahmen die Deutung von Wandel? Natürlich bieten historische Arbeiten andauernd vielfältige Erklärungen dafür an, warum (seltener: wie) die eine historische Formation zu einer anderen historischen Formation wurde. Aber die Deutungsmuster – die erkenntnistheoretischen, methodischen, nicht selten auch politischen Grundlagen dieser Erklärungen – bleiben meist implizit. Das ist umso erstaunlicher, als gerade hier der Brückenschlag zwischen empirischer Forschung und theoretischen Ansätzen gelingen könnte. Die aktuelle Ringvorlesung will dazu einen Beitrag leisten.

Im Mittelpunkt des ersten Vortrags am 20. April steht der Prozessbegriff, der in verschiedenen Ausprägungen schon seit der Gründungsphase der Sozialwissenschaften zu deren begrifflichen Handwerkszeug gehört. In seinem Vortrag versucht Wolfgang Knöbl, der im April 2015 die Leitung des Hamburger Instituts für Sozialforschung übernommen hat, anhand der Analyse vergangener und gegenwärtiger historischer wie soziologischer Diskussionen um den Prozessbegriff unterschiedliche theoretische Herangehensweisen zu typisieren und auch deren Stärken und Schwächen zu benennen. In der dann folgenden Vorlesung von Rudolf Stichweh, Professor für Theorie der modernen Gesellschaft an der Universität Bonn, geht es am 4. Mai um „Soziokulturelle Evolution und soziale Differenzierung: Das Studium der Gesellschaftsgeschichte und die beiden Soziologien der Transformation“. Stichweh sieht die Differenzierungs- und die Evolutionstheorie aufeinander angewiesen. Sein Vortrag demonstriert dies in einer elementaren Rekonstruktion der Gesellschaftsgeschichte.

Eva Geulen, die am 1. Juni referiert, lehrte bin zum vergangenen Jahr Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Goethe-Universität, bevor sie an die Berliner Humboldt-Universität wechselte. Bei der Ringvorlesung beschäftigt sie sich mit der „Reihenbildung nach Goethe“. Dieser hatte in seiner Morphologie und anrainenden Schriften mit der Reihe als Modellierung von Formenwandel in der Zeit experimentiert. Im 20. Jahrhundert wurde dieses protostrukturalistische Verfahren in verschiedenen Disziplinen wieder aufgenommen. Ihrer kritischen Sichtung gilt der Vortrag.

Der vierte und der abschließende fünfte Beitrag finden auf Englisch statt. Andrew Abbott, Soziologe an der University of Chicago, spricht am 15. Juni in seinem Vortrag „Processual Social Theory“ über die Grundlagen einer prozessualen Theorie des gesellschaftlichen Lebens. Er skizziert dabei eine Sozialontologie, in der sowohl Personen als auch soziale Gruppen als Entwicklungslinien, definiert über Ereignisse im Laufe der Zeit, hervorgebracht werden. Lorraine Daston schließlich analysiert am 29. Juni die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufkommende Ansicht, wonach die Ursprünge der modernen Welt auf die wissenschaftliche Revolution zurückzuführen seien und nicht auf die religiöse Reformation oder politische und industrielle Revolutionen. Die Referentin ist Direktorin am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. Ihr Frankfurter Vortrag heißt „The Strange Modernity of Modern Science“.

Organisiert wird die Ringvorlesung von einem Team um die Clustermitglieder und Professoren Bernhard Jussen (auch Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften) und Hartmut Leppin (auch SFB „Schwächediskurse und Ressourcenregime“). Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich willkommen. Alle Vorträge finden im Hörsaalzentrum (Raum HZ 10) auf dem Campus Westend statt. Beginn ist jeweils um 18.15 Uhr. Die Termine im Überblick:

20. April 2016
Prof. Dr. Wolfgang Knöbl (Hamburger Institut für Sozialforschung): Was ist ein sozialer Prozess?

4. Mai 2016
Prof. Dr. Rudolf Stichweh (Universität Bonn): Soziokulturelle Evolution und soziale Differenzierung: Das Studium der Gesellschaftsgeschichte und die beiden Soziologien der Transformation

1. Juni 2016
Prof. Dr. Eva Geulen (Humboldt-Universität zu Berlin): Reihenbildung nach Goethe

15. Juni 2016
Prof. Dr.Andrew Abbott (University of Chicago): Processual Social Theory

29. Juni 2016
Prof. Dr. Lorraine Daston (Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin): The Strange Modernity of Modern Science

Information: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Tel.: 069/798-32424 (Sekretariat), jussen@em.uni-frankfurt.de; Dr. Steffen Bruendel, Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, Tel. (069) 798-32344 (Sekretariat), fzhg@em.uni-frankfurt.de

www.normativeorders.net, www.fzhg.org, www.sfb1095.net

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/ringvorlesungen

Veranstaltungen

Apr 12 2016
12:39

Auftaktveranstaltung an der Goethe-Universität für hessische Haupt- und Realschullehrkräfte im bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht

Medien-Einladung / Weiterbildung Islamische Religion

FRANKFURT.Am Donnerstag, dem 14. April, findet an der Goethe-Universität die universitätsöffentliche Auftaktveranstaltung des ersten Lehrerweiterbildungskurses „Islamische Religion“ für den Sekundarbereich I statt. 15 hessische Haupt- und Realschullehrer muslimischen Glaubens kommen erstmalig zusammen, um in den folgenden zwei Jahren berufsbegleitend eine zusätzliche Lehrbefähigung für das Fach „Islamische Religion“ zu erwerben. Die 2014 erstmalig besetzte Professur für Islamische Religionspädagogik an der Goethe-Universität hatte in den vergangenen Monaten in Abstimmung mit den beiden in Hessen als Kooperationspartner für den islamischen Religionsunterricht anerkannten Religionsgemeinschaften Ahmadiyya Muslim Jamaat K. d. ö. R. und DITIB Hessen Landesverband e. V. und dem Hessischen Kultusministerium ein Curriculum für den Weiterbildungskurs ausgearbeitet. Dieses Curriculum stellt ein bundesweites Novum dar und wird kurz erläutert werden. Der Hessische Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz und Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff werden die Gäste begrüßen. Auch die Vertreter der beiden Religionsgemeinschaften sowie der Direktor der Akademie für Bildungsforschung und  Lehrerbildung der Goethe-Universität werden Grußworte beitragen.

Mit Durchführungsbeginn des ersten Weiterbildungskurses „Islamische Religion“ für die Sekundarstufe I setzt die Goethe-Universität auch den zweiten Teil des Aufbauprojekts „Islamische Studien“ – die Lehreraus- und -weiterbildung – um. Bereits seit Ende 2011 fördert das BMBF zum einen den Aufbau eines Instituts für Islamisch-theologische Studien an der Goethe-Universität Frankfurt. An diesem Institut bieten heute drei Professoren eine stark nachgefragte Bachelor- und Masterausbildung an. Ergänzend finanziert auch das Land Hessen den Aufbau von Lehramtsstudiengängen und Weiterbildungsprogrammen für Lehrkräfte, die bereits im Schuldienst stehen. Zunächst waren an der Justus-Liebig-Universität Gießen derartige Angebote für angehende Grundschullehrer und für hessische Lehrkräfte im bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht geschaffen worden. In Frankfurt beginnen nun 2016 und 2017 sukzessive Angebote für den Sekundarbereich I (Klassenstufen 5 – 10) und den Sekundarbereich II (ab Klasse 11) (Weiterbildungskurse sowie auch reguläre Lehramtsstudiengänge).

Damit verfügt die Goethe-Universität heute sowohl über moderne theologische Lehrangebote als auch über breite Islam-bezogene Forschungskompetenz. Die am Zentrum für Islamische Studien entwickelte Expertise in Islamischer Theologie und Religionspädagogik ist mit der Islam-bezogenen sozialwissenschaftlichen Forschung, etwa am Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam und der bildungswissenschaftlichen Heterogenitätsforschung am Erziehungswissenschaften, in einem interdisziplinären Verbund integriert.

Auftaktveranstaltung des ersten Lehrerweiterbildungskurses „Islamische Religion“ für den Sekundarbereich I. 14. April, 15.00 Uhr, Campus Bockenheim, Juridicum, Raum 1001, 10. OG. Senckenberganlage 31, Frankfurt am Main

 Grußworte: Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff; Hessischer Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz, Abdullah Uwe Wagishauser - Vorsitzender der Ahmadiyya Muslim Jamaat, K. d. ö. R., Salih Özkan - Vorsitzender des DITIB Landesverbandes Hessen e. V. ; Prof. Holger Horz - Direktor der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL)
Vorstellung des Weiterbildungskurses: Prof. Dr. Harry Harun Behr, Goethe-Universität.

Ab 15.45 Uhr: Imbiss und Austausch

Medienvertreter sind herzlich eingeladen, an der Auftaktveranstaltung teilzunehmen. 

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Harry Harun Behr, Professur für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Islamische Religionspädagogik und Fachdidaktik des Islamischen Religionsunterrichts, Institut für Pädagogik der Sekundarstufe. Goethe-Universität Frankfurt am Main. Tel. (069) 798 36306; hb@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Apr 12 2016
09:04

Ausstellung: „Plätze in Deutschland 1950 und heute“

Einladung zu Medientermin und Ausstellung / Wie gestalten wir die Zukunft unserer Städte?

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Deutsche Institut für Stadtbaukunst zeigt im IG-Farben-Haus der Goethe-Universität die Ausstellung „Plätze in Deutschland 1950 und heute“. Die Schau macht deutlich, wie unter dem Diktat ideologisch-funktionaler Planungsparadigmen gut erhaltene Straßen und Plätze in den Nachkriegsjahrzehnten zerstört wurden und somit als öffentlicher Raum für die Bürger verloren gingen. Dabei werden die städtischen Situationen der 50er Jahren denen der Gegenwart gegenübergestellt. Entstanden ist die Ausstellung im Zuge einer dreijährigen „Wanderschaft“ durch Deutschland. Mit jeder Station wurde diese um ein lokales Bildpaar ergänzt. Die Ausstellung appelliert an die Betrachter, sich den öffentlichen Raum für das gesellschaftliche Leben wieder zurückzuerobern, so die Ausstellungsmacher.

Ausstellungseröffnung und Podiumsdiskussion: Dienstag, den 12. April 2016, 18.30 Uhr, Foyer IG-Farben-Hauses, Goethe-Universität, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main

Es sprechen und diskutieren: Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz (Goethe-Universität), Bürgermeister Olaf Cunitz (Stadt Frankfurt am Main), Dr. Rolf-E. Breuer, Christoph Siegl (Open Urban Institute), Prof. Dr. Harald Bodenschatz (Center for Metropolitan Studies), Johnny Klinke (Tigerpalast), Prof. Christoph Mäckler (Deutsches Institut für Stadtbaukunst)

Moderation: Dr. Matthias Alexander (FAZ)

Hinweis für Medienvertreter:

Der Architekt Prof. Christoph Mäckler führt um 17.30 Uhr zu einer Vorbesichtigung durch die Ausstellung. Dazu laden wir Sie herzlich ein. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit unabhängig vom Veranstaltungstermin zusammen mit Christoph Mäckler beispielsweise den Frankfurter Bahnhofsplatz zu besuchen, einen der Plätze der Ausstellung. Über Ihr Interesse freuen wir uns auch im Namen der Ausstellungsmacher.

Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.stadtbaukunst.tu-dortmund.de/cms/de/Aktuell/ 

Herzliche Grüße
Dr. Olaf Kaltenborn
Pressesprecher

Hochschulpolitische Themen

Apr 8 2016
13:15

Ohne Auflagen systemakkreditiert: Künftig kann die Goethe-Universität über die Ein- und Weiterführung von Studiengängen selbstständig entscheiden.

Selbstbestimmung und Eigenverantwortung in Studium und Lehre

FRANKFURT. Als erste hessische Universität und eine der wenigen deutschen Volluniversitäten hat die Goethe-Universität das Systemakkreditierungsverfahren erfolgreich durchlaufen und wurde ohne Auflagen systemakkreditiert. Das bedeutet, dass sie fortan eigenverantwortlich, d.h. unabhängig von externen Akkreditierungsagenturen, über die Ein- und Weiterführung von Studiengängen entscheiden kann. Die Präsidentin der Goethe-Universität Prof. Dr. Birgitta Wolff freut sich und betonte den Mehrwert der Systemakkreditierung: „Die Universität kann nun erst recht gezielt mit eigenem Know-how und eigenen Ideen auch in der Lehre weiterarbeiten.“ Der ausstehenden rechtlichen Neujustierung des Akkreditierungssystems im Zuge des Urteils des Bundesverfassungsgerichts sieht die Präsidentin gelassen entgegen: „Das Urteil zeigt, dass die bisherigen rechtlichen Grundlagen der Akkreditierungspraxis Lücken aufweisen, die nunmehr gefüllt werden müssen. Da die Goethe-Universität auf diesem Feld zukünftig eigenverantwortlich agiert, ist sie von diesem Urteil wenig berührt. Die Diskussionen um die externe Akkreditierung bestätigen uns in unserer Entscheidung für die Systemakkreditierung.“

Mit der Systemakkreditierung wird der Goethe-Universität bescheinigt, dass ihr Qualitätssicherungssystem in Studium und Lehre die Qualitätsziele und -standards ihrer Studiengänge gewährleisten und weiterentwickeln kann. Die Systemakkreditierung ist befristet auf sechs Jahre bis 2022; durchgeführt wurde sie von der Akkreditierungsagentur ACQUIN. Die Goethe-Universität hat seit 2012 im Rahmen einer Zielvereinbarung mit dem Land Hessen ihr Qualitätssicherungssystem in Studium und Lehre systematisch ausgebaut. Sie folgt dabei einem Qualitätsverständnis, das dem Dialog und der Beteiligung aller relevanten Akteure, vor allem auch der Studierenden, großen Stellenwert zumisst und zugleich den Fachbereichen ein hohes Maß an Selbstverantwortung zuweist. Der Weg hin zur Systemakkreditierung dauerte über drei Jahre  und wurde von einem großen inneruniversitären Diskussionsprozess über Studium und Lehre begleitet. Dass die Goethe-Universität schließlich ohne Auflagen akkreditiert wurde, zeigt, dass sich diese partizipativen Kommunikationsstrukturen nach innen ausgezahlt haben und das neue Qualitätssicherungssystem von allen Gruppen der Universität getragen wird. Insgesamt hat die Systemakkreditierung die Sichtbarkeit von Studium und Lehre  erhöht.


Die Qualitätssicherung der Goethe-Universität basiert auf der Verzahnung quantitativer und qualitativer Evaluationsinstrumente. Exemplarisch lässt sich dieses durch Eigenverantwortung und Dialog geprägte System an der universitätsinternen Akkreditierung darstellen, die die Bachelor- und Masterstudiengänge alle sechs Jahre durchlaufen und bei der in der Regel durch Vor-Ort-Begehungen externe Expertise einfließt. Die externen Gutachten bilden neben internen Richtlinien die Entscheidungsgrundlage für die hochschulinterne Akkreditierungskommission. Der Kommission gehören Vertreterinnen und Vertreter aller Fachkulturen und Statusgruppen an. Sie hat seit ihrer Konstituierung in den letzten zwei Jahren mehr als 40 Studiengänge erfolgreich intern akkreditiert. Bei ihren Entscheidungen spielten Aspekte der Transparenz, Prüfungsvielfalt und Studierbarkeit eine wesentliche Rolle, so dass nach über zwei Jahren Kommissionsarbeit sich erste Richtlinien herauskristallisiert haben.

Dass gerade das „institutionelle Wissen“ ein Vorzug gegenüber den externen Programmakkreditierungen ist, hob die für die Systemakkreditierung verantwortliche Vizepräsidentin Prof. Dr. Tanja Brühl hervor: „Die Mitglieder der Akkreditierungskommission können im Wissen um die konkreten Bedingungen der Fachbereiche fundiertere und konsequentere Entscheidungen treffen, als es in der Vergangenheit möglich war.“ Und nicht zuletzt das Ringen um unterschiedliche Standpunkte habe, so der Vorsitzende der Akkreditierungskommission Prof. Dr. Jörg Soppa, eine „oft diskursive, aber immer produktive Qualitätskultur“ sowohl in der Kommission als auch insgesamt an der Goethe-Universität entstehen lassen. In den kommenden Jahren soll die inhaltliche Ausgestaltung der Qualitätskultur im Fokus stehen und das Qualitätssicherungssystem noch stärker als in der Vergangenheit an die Herausforderungen einer heterogenen Volluniversität angepasst werden.

Weitere Informationen:

Dr. Kerstin Schulmeyer-Ahl, Leiterin Abteilung Lehre und Qualitätssicherung, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069) 798 12341; E-Mail: schulmeyer@pvw.uni-frankfurt.de; www.luq.uni-frankfurt.de, Dr. Cornelius Lehnguth, Abteilung Lehre und Qualitätssicherung, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (o69) 798 12486; lehnguth@pvw.uni-frankfurt.de