Personalia/Preise
Dr. Franceline Delgado Ariza erhielt Preis durch Justizminister Maas
FRANKFURT. Dr. Franceline Delgado Ariza, Rechtswissenschaftlerin an der Goethe-Universität, ist von Bundesjustizminister Heiko Maas für ihre Dissertation mit dem „Fritz Bauer Studienpreis für Menschenrechte und juristische Zeitgeschichte“ geehrt worden. Delgado Ariza hat sich darin mit der Rolle des Strafrechts im Transitionsprozess in ihrer Heimat Kolumbien befasst.
„Die Rolle des Strafrechts in Übergangsprozessen ohne Übergang. Überlegung anhand des Falles Kolumbien“ – so lautet der Titel der Dissertation, für die Dr. Franceline Delgado Ariza jetzt von Bundesjustizminister Heike Maas als eine von drei Nachwuchsjuristen ausgezeichnet wurde. Ihre Arbeit schlägt eine Brücke von Fritz Bauers Anstrengungen, die nationalsozialistischen Verbrechen zu ahnden, zum aktuellen Friedensprozess in Kolumbien und die dortigen Versuche, das vergangene Unrecht rechtlich zu bewältigen.
„Fritz Bauer ist zu seinen Lebzeiten verfolgt, umstritten, gehasst gewesen. Heute aber ist er für die Justiz und für uns Juristen ein Vorbild – und deshalb ist er genau der richtige Namenspatron für diese Auszeichnung“, so Bundesjustizminister Maas. Mit dem Preis wolle man Nachwuchsjuristinnen und -juristen auszeichnen, die sich in ihrer Doktorarbeit mit Fritz Bauer, seinem Werk oder seinen Lebensthemen befasst haben. Der „Fritz Bauer Studienpreis für Menschenrechte und juristische Zeitgeschichte“ wurde dieses Jahr zum zweiten Mal verliehen. Dieser Preis ist mit einem mit einem Preisgeld in Höhe von 5000 € dotiert.
Der Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität hatte die von Prof. Cornelius Prittwitz betreute Arbeit mit der Note summa cum laude bewertet. „Die Arbeit stellt eine bemerkenswerte Darstellung und Analyse der komplexen Friedensbemühungen Kolumbiens dar, die sowohl den zeitgeschichtlichen Kontext als auch die schwierige Rolle des Strafrechts in diesem Transitionsprozess umfasst,“ so Prittwitz.
Fritz Bauer, einstiger Generalstaatsanwalt von Hessen, ist vor allem als Initiator des Auschwitz-Prozesses von 1963 bis 1965 in Frankfurt bekannt. Bauer war selbst Kind jüdischer Eltern, wurde 1930 jüngster Richter Deutschlands, wurde 1933 aus dem Amt vertrieben und überlebte in der Emigration. 1949 kehrte er nach Deutschland zurück, ab 1956 setzte er sich als Generalstaatsanwalt gegen große Widerstände in der Nachkriegsjustiz für die Strafverfolgung der NS-Täter ein.
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Bildtext: Dr. Franceline Ariza erhielt den Preis aus der Hand von Justizminister Maas. (Foto: Prittwitz)
Forschung
Wie Fledermäuse Raum in Zeit übersetzen / Neue Ausgabe von Forschung Frankfurt zum Thema Zeit
FRANKFURT. Es gibt keine eigenen Sinneszellen für die Zeitwahrnehmung, dennoch besitzen wir ein „Zeitgefühl“. Wie dieses im Gehirn entsteht, untersuchen die Neurobiologen Prof. Manfred Kössl und sein kubanischer Kollege Dr. Julio Hechavarria an Fledermäusen. In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ erklären sie, wie Zeitinformation durch Berechnungen neuronaler Netze tief im Gehirn erzeugt wird.
Zeitgefühl entsteht im Gehirn. Das zeigen Verzerrungen der zeitlichen Wahrnehmung, wie sie bei Parkinsonpatienten auftreten können. Medikamente, die in den Dopamin-Stoffwechsel eingreifen, können ebenfalls das Zeitgefühl beschleunigen oder verlangsamen (Dopamin ist ein Botenstoff, über den Nervenzellen kommunizieren). Bei Schizophrenie kann es vorkommen, dass Reize, die gleichzeitig von Augen und Ohren wahrgenommen werden, bei der Verarbeitung im Gehirn zeitlich auseinanderfallen wie in einem schlecht synchronisierten Film. Auch bei Autismus und Aufmerksamkeitsstörungen kann es zu einer Zeitbeschleunigung kommen, so dass die Betroffenen die Zeitdauer unterschätzen.
Fledermäuse übersetzen zeitliche Informationen aus der Echoortung in räumliche Informationen. Umgekehrt reagieren die einzelnen Neuronen aber nur dann sensitiv auf Echos, wenn diese mit einer bestimmten zeitlichen Verzögerung zum Ortungsruf eintreffen. Jedes einzelne Neuron kodiert dabei eine ganz bestimmte räumliche Entfernung. Dabei sind unterschiedliche Neuronen sind auf unterschiedliche Echoverzögerungszeiten abgestimmt und spannen so einen Objekt-Entfernungsraum von etwa null bis drei Meter auf.
In vielen Fledermausarten sind diese Raum-Zeit-Neuronen in Form einer Zeitkarte in der Hirnrinde angeordnet. Schaltkreise, die auf bestimmte Zeitfenster ansprechen, sind dabei zu sogenannten chronotopen Arealen zusammengefasst. Das bedeutet: Nervenzellen, die auf kurze Verzögerungszeiten und damit auf nahe Objekte reagieren, liegen weiter vorne in der Gehirnrinde als solche, die auf entfernte Objekte reagieren.
Besonders große chronotope Areale finden sich bei manchen tropischen Insekten fressenden Arten, aber auch bei Fruchtfressern. Diese benützen die Echoortung zwar nicht zum Fang fliegender Insekten, aber zur generellen Orientierung und Navigation. Sie scannen ihre Umgebung im Detail ab, um Strukturinformation von Früchten im Blattwerk zu erhalten. Diese Tiere, Brillenblattnasenfledermäuse (Carollia perspicillata), untersucht die Arbeitsgruppe von Prof. Kössl an der Goethe-Universität. Betritt man den Haltungsraum, kommt es vor, dass einzelne neugierige Tiere vor der Person auf und ab fliegen und sie systematischen scannen.
„Es ist bemerkenswert, dass diese Tiere den Raum lediglich auf der Basis neuronaler Zeitberechnungen in ihrem Gehirn abbilden“, so Kössl in der aktuellen Ausgabe von Forschung Frankfurt. Im Gegensatz dazu ist die Abbildung der visuellen Umwelt in der Sehrinde bereits durch die Anordnung der Sehsinneszellen im Auge vorgegeben.
Angeborenes oder erworbenes Wissen?
Ursprünglich gingen Kössl und Hechavarria davon aus, dass es für die Entstehung der topografischen Zeitkarte besonders sensitive Perioden der Entwicklung gibt. Das bedeutet: Wenn ein junges Tier erstmalig bestimmte überlebenswichtige Sinnesreize wahrnimmt, werden diese auch im Gehirn durch entsprechende neuronale Strukturen und Vorgänge verankert. Zu ihrem Erstaunen stellten sie fest, dass bereits neugeborene Tiere, die aufgrund unreifer Innenohren noch nicht so gut hören, bereits sehr scharf abgestimmte rezeptive Felder für die Zeitwahrnehmung haben.
Auch die Chronotopie ist bei Neugeborenen bereits angelegt. Dies bedeutet, dass schon während der Embryonalphase, vermutlich genetisch festgelegt, eine funktionsfähige Maschinerie für die Raum-Zeit-Wahrnehmung angelegt wird. Erst Wochen später, wenn das Tier tatsächlich echoortet, erfüllen diese Schaltkreise ihre Funktion. Das zeigt, wie wichtig diese Areale für das Überleben der Art sind.
Information: Prof. Dr. Manfred Kössl, Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaft, Fachbereich 15, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42052, Koessl@bio.uni-frankfurt.de
Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (1/2017) können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.de.
Sonstige
Biographie erscheint als 16. Band in der Reihe „Gründer, Gönner und Gelehrte“ der Goethe-Universität
FRANKFURT. In der Biographienreihe der Goethe-Universität „Gründer, Gönner und Gelehrte“ ist soeben der 16. Band zum Leben und Wirken von Hugo Sinzheimer erschienen. Der Frankfurter Rechtswissenschaftler Prof. Otto Ernst Kempen porträtiert in diesem Band Hugo Sinzheimer (1875–1945) als „Architekten des kollektiven Arbeitsrechts“. In den 1920er Jahren hatte Sinzheimer an der Frankfurter Universität die erste speziell dem Arbeitsrecht gewidmete Professur an einer deutschen Universität inne.
Der Autor der Biographie liefert ein lebhaftes Zeugnis des engagierten Demokraten, derdie Rechtswirklichkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts aktiv mitgestaltet hat:Als Anwalt in Frankfurt vertrat er streikende Arbeitnehmer und Gewerkschaften, als SPD-Mitglied der Nationalversammlung wirkte er an der Weimarer Verfassung mit und setzte seine Vorstellungen des Koalitions- und Tarifrechts weitgehend durch, die bis heute im Grundgesetz und im Tarifrecht Bestand haben.
Hugo Sinzheimer passt als einer der bedeutendsten Arbeitsrechtler in das Profil der jungen Frankfurter Universität, die Wissenschaftspioniere magisch anzog: von Franz Oppenheimer, dem ersten Soziologie-Professor in Deutschland, über den Immunologen Paul Ehrlich, Nobelpreisträger und Vater der Chemotherapie, bis zu dem Röntgenpionier Friedrich Dessauer und vielen mehr. Offensichtlich waren es die liberale Grundhaltung der Stiftungsuniversität und die diskursive Atmosphäre in der Stadt, die außergewöhnliche Akademiker mit zukunftsweisenden Ideen in die Main-Metropole lockten. Noch etwas zeichnete die Vertreter der „Frankfurter Avantgarde“ aus: Sie waren politischengagiert, übten oft einen Beruf neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit aus und setzten sich ein für verbesserte Lebens- und Bildungsbedingungen.Der Rechtsanwalt Sinzheimer lehrte sowohl an der Akademie der Arbeit, die seit ihrer Gründung 1921 mit der Universität Frankfurt verbunden ist, als auch an der Universität – und erhielt den Titel„ordentlicher Honorarprofessor“.
Aufgewachsen in einer Wormser Unternehmerfamilie, entwickelte Sinzheimer früh ein Gespür für ein gerechteres Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Als er sich 1901 in Frankfurt als Anwalt niederließ, vertrat er vor Gericht oft die Interessen von Beschäftigten undGewerkschaften – und dies mit einigem Erfolg. Als Mitbegründer der Akademie der Arbeit engagierte sich Sinzheimer besonders für diese Institution. Dort wie an der Frankfurter Universität lehrte er die neuesten Entwicklungen des Arbeitsrechts und debattierte mit den Studenten und jungen Wissenschaftlern darüber, wie es auf diesem innovativen Feld weitergehen solle. Zu seinen akademischen Schülern zählen u.a. Otto Kahn-Freund und Ernst Fraenkel, die nach ihrer Emigration bedeutende internationale Vertreter des Arbeitsrechts wurden. Sinzheimers Werk Grundzüge des Arbeitsrechts ist auch heute noch eine Fundgrube aktueller Ideen, wie Kempen in derersten Monographie über Sinzheimer herausarbeitet. Wie zahlreiche andere Wissenschaftler der Goethe-Universität musste auch Sinzheimer emigrieren. Er flüchtete mit seiner Familie in die Niederlande. Dort starb er am 16. September 1945, einen Tag bevor er seine Abschiedsvorlesung an der Amsterdamer Universität gehalten hätte.
Der Autor
Prof. Dr. Otto Ernst Kempen (Jahrgang 1942) war Inhaber des Lehrstuhls für Arbeitsrecht, Verfassungsrecht und Politikwissenschaft an der Akademie der Arbeit, und auch lange Jahre Direktor der Akademie. Außerdem lehrte Kempen als Honorarprofessor an der Goethe-Universität. Gleichzeitig leitete er das Seminar für Arbeits-und Sozialrecht des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) und beriet viele Gewerkschaften als Anwalt.
Die Unterstützerin
Diese Sinzheimer-Biographie wurde ermöglicht durch das 2010 gegründete Hugo Sinzheimer Institut für Arbeitsrecht. Dass Institut fühlt sich „dem humanistischen Erbe Hugo Sinzheimers und mithin der Freiheit und Würde der arbeitenden Menschen“ verpflichtet, wie es im Gründungsstatut heißt. Die Kooperation zwischen dem Institut und der Goethe-Universität hat sich sowohl in der Forschung als auch in der Lehre eindrucksvoll entwickelt: Neben vielen Lehrveranstaltungen und wissenschaftlichen Tagungen seien in diesem Zusammenhang auch die jährlich stattfindenden Sinzheimer-Vorlesungen und der jährlich verliehene Hugo Sinzheimer Preis für die besten arbeitsrechtlichen Dissertationen erwähnt.
Die Reihe
In der im Frankfurter SocietätsVerlag publizierten Biographienreihe werden Persönlichkeiten der Gründerjahre der Universität vor und nach 1914 ebenso wie die Generation des Wiederaufbaus nach 1945, aber auch Vordenker und Akteure der bildungsbewegten 1960er und 1970er Jahre porträtiert. Bisher sind bereits 16 bebilderte Bände (Preis: 14,80 Euro pro Band) erschienen. Porträtiert wurden (in der Reihenfolge des Erscheinens): Wilhelm Merton, Otto Stern, Leo Gans und Arthur von Weinberg, Franz Adickes, Fritz Neumark, Friedrich Dessauer, Theodor W. Adorno, Henry Oswalt, Franz Oppenheimer, Leo Frobenius, Ernst Kantorowicz, Max Horkheimer, Moritz Schmidt-Metzler, Heinrich Roessler, Guido von Kaschnitz-Weinberg, Hugo Sinzheimer.Anlass für die Biographienreihe warder 100. Geburtstag der Goethe-Universität im Jahr 2014.
Weitere Biographien sind geplant, so wird im kommenden Jahr ein Band über Kurt Riezler, von 1928 bis 1933 Kurator der Universität Frankfurt, erscheinen, Autor Prof. Notker Hammerstein. Mit Riezler erlebte die Frankfurter Universität eine intellektuelle Blüte. Konsequent förderte er Wissenschaftszweige, die einen Beitrag zum politisch-gesellschaftlichen Diskurs der Weimarer Republik und zur Lösung zeitgenössischer Probleme zu leisten versprachen.
Informationen: Dr. Kerstin Schulmeyer und Ulrike Jaspers, Projektleitung „Gründer, Gönner und Gelehrte“, Campus Westend, Tel. (069) 798-13066, E-Mail: schulmeyer@pvw.uni-frankfurt.de, jaspers@pvw.uni-frankfurt.de; Rezensionsexemplare über Dr. René Heinen, SocietätsVerlag, Tel. (069)-7501-4456, Fax: 069-7501-4511; E-Mail: rene.heinen@fs-medien.de
Forschung
Zwei neue LOEWE-Projekte unter Federführung der Goethe Universität/ Kooperation mit Mainz
FRANKFURT. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst fördert zwei neue LOEWE-Schwerpunkte unter Federführung der Goethe-Universität. An der Finanzierung des Projekts DynaMem (Fördersumme: 4.431.744 Euro), das die Dynamik von Zellmembranen in den Fokus nimmt, beteiligt sich erstmals auch das Land Rheinland-Pfalz. Das Projekt CePTER (Fördersumme: 4.717.429 Euro) zur Epilepsie-Forschung baut auf der bewährten Kooperation zur Hirnforschung zwischen Frankfurt und Mainz im Rhein-Main-Neuro-Network (rmn2) auf, wird aber ausschließlich aus Mitteln der LOEWE-Initiative gefördert. Beide LOEWE-Schwerpunkte stärken den Verbund der Rhein-Main-Universitäten (RMU).
Die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff, sagte: „Die LOEWE-Initiative des Landes Hessen gibt der Wissenschaft neuen Schub und bringt gute Ideen schneller in konkrete Projekte. Schön, dass die Goethe-Universität und ihre Partner auch in dieser Runde wieder so gut abschneiden. Glückwunsch an unsere Forscherinnen und Forscher, die diesen Erfolgt ermöglicht haben.“
Um eine verbesserte Behandlung von Patienten mit Epilepsie geht es in dem Loewe-Schwerpunkt CePTER unter Federführung der Goethe-Universität. Epilepsien gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen des Gehirns. Viele Patienten werden nicht anfallsfrei oder leiden unter den Nebenwirkungen der Therapie. Im Loewe-Schwerpunkt CePTER soll deshalb bei Epilepsie-Patienten aus Frankfurt, Marburg und Mainz nach individuellen Krankheitsursachen auf der strukturellen, molekularen und genetischen Ebene gesucht werden.
Epilepsien haben unterschiedliche Ursachen und Erscheinungsformen. Bisher ist die Behandlung jedoch unspezifisch und man kann nur die Symptome lindern. Dank neuer diagnostischer Methoden, die dem CePTER-Konsortium fachübergreifend in Hessen in einem einzigartigen Umfang zur Verfügung stehen, verbessern sich jetzt die Chancen, die Entstehung der Krankheit zu verstehen.
„Wir erwarten, dass wir anhand unserer Untersuchungen und den darauf basierenden mathematischen Modellen therapeutische Zielstrukturen und Biomarker identifizieren können, die es uns künftig erlauben, Patienten individuell zu behandeln und den Krankheitsprozess nach Möglichkeit zu beeinflussen“, so Prof. Felix Rosenow vom Epilepsie-Zentrum der Goethe-Universität, der wissenschaftliche Koordinator des Projekts. Langfristig streben die Forscher ein besseres Verständnis der Neurophysiologie normaler Hirnfunktionen an sowie der Entstehung weiterer Erkrankungen des Gehirns.
Alles fließt – Dynamik der Zellmembranen
Zellmembranen sind äußerst dynamische Gebilde aus Molekülen, die sich gegeneinander verschieben. So kann die Zelle flexibel auf Umweltbedingungen reagieren und unterschiedlichste Funktionen erfüllen. In dem neuen Loewe-Schwerpunkt DynaMem unter Federführung der Goethe-Universität, wollen Forschergruppen aus Frankfurt und Mainz die fundamentalen biochemischen und molekularen Grundlagen verstehen, die der Dynamik von Membranen zugrunde liegen.
„Aus den Erkenntnissen wollen wir Strategien ableiten, um membrandynamische Prozesse spezifisch zu verändern. Perspektivisch ist dieses Wissen auch für die medizinische Forschung wichtig, denn Membranen verändern sich beim Altern und unter Stress, sie spielen eine Rolle bei der Differenzierung von Zellen und beim programmierten Zelltod. Hier sitzen wichtige Zielmoleküle für Therapeutika“, erklärt Prof. Enrico Schleiff.
In den vergangenen Jahren ist an den Standorten Frankfurt und Mainz eine international herausragende Infrastruktur für die Erforschung biologischer Membranen entstanden, der von der Grundlagenforschung bis in die medizinisch-klinische Forschung reicht. Neben der Goethe-Universität und der Gutenberg-Universität Mainz sind das Frankfurt Max Planck-Institut für Biophysik und das Mainzer Max Plank-Institut für Polymerforschung beteiligt.
Beteiligung an LOEWE-Zentren für Genetische Vielfalt, vernachlässigte Tropenkrankheiten und Uniformisierung von geometrischen Objekten
Beteiligt ist die Goethe-Universität am „LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik“ (Fördersumme: 17.604.781 Euro) unter Federführung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt, am LOEWE-Zentrum DRUID (Fördersumme: 18.794.520 Euro) zur Erforschung vernachlässigter Tropenerkrankungen, das von der Universität Gießen koordiniert wird sowie am Projekt „Uniformisierte Strukturen in Arithmetik und Geometrie“ (Fördersumme: 3.487.958 Euro) unter Federführung der TU Darmstadt.
Die weitgehend unterforschte genomische Vielfalt von Pflanzen und Tieren zu untersuchen, ist das Ziel des LOEWE-Zentrums für Translationale Biodiversitätsgenomik. Die Aufgabe ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn häufig sind gerade entdeckte Arten bereits vom Aussterben bedroht. Bislang hat sich die Wissenschaft bei der Erforschung biologischer Vielfalt vor allem auf Arten und Ökosysteme konzentriert. Mindestens 95 % des Erbguts von Tieren, Pflanzen und Pilzen sowie Unterschiede innerhalb und zwischen den Arten sind bislang unbekannt. Diese Wissenslücke soll das Forschungszentrum mit Hauptsitz schließen. Der Leiter des neuen Zentrums ist Prof. Axel Janke, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Professor am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität an der Goethe-Universität.
Im neuen LOEWE-Zentrum DRUID sollen dringende Fragen zur Identifikation und Charakterisierung potenzieller Zielmoleküle für die Entwicklung von Wirkstoffen, Vakzinen und Diagnostika gegen armutsassoziierte und vernachlässigte Infektionskrankheiten geklärt werden. Mehr als eine Milliarde Menschen in rund 150 Ländern der Welt sind von Dengue-Fieber und Chikungunya, Ebola- und Zika-Virusinfektionen, aber auch Leishmaniose, Trypanosomiasis und Schistosomiasis und anderen gefährlichen Krankheiten betroffen, die durch Viren, Bakterien, Parasiten oder Pilze verursacht werden. Diese sind akut lebensbedrohlich sein oder führen zu schweren chronischen Erkrankungen. Von der Goethe-Universität ist Prof. Volkhard Kempf vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene beteiligt.
Das Konzept der Uniformisierung beruht auf der Idee, ein global kompliziertes geometrisches Objekt durch ein deutlich einfacheres zu ersetzen, ohne die lokale Struktur zu verändern. Es verbindet zentrale Aspekte der Geometrie, Algebra und Zahlentheorie. Ziel des LOEWE-Schwerpunktes „Uniformisierte Strukturen in Arithmetik und Geometrie“ ist es, durch die Verbindung verschiedener Techniken der Uniformisierung neue Einsichten zu arithmetischen und geometrischen Klassifikationsproblemen zu erlangen. Gegenstand der Untersuchungen sind algebraische Varietäten, also Lösungsmengen von Gleichungssystemen, die durch Polynome gegeben sind. Der Schwerpunkt verspricht, theoretische Grundlagen für anwendungsnahe Forschungen, beispielsweise in den Bereichen Kryptographie und IT-Sicherheit oder der Physik, zu liefern. Kryptische Verfahren, die auf Zahlentheorie und algebraischer Geometrie basieren, werden z.B. bei Handytelefonaten und Online-Einkäufen eingesetzt.
Informationen: Prof. Felix Rosenow, Zentrum der Neurologie und Neurochirurgie, Epilepsie-Zentrum Frankfurt Rhein-Main, Universitätsklinikum, Tel.: (069)-6301-84521, rosenow@med.uni-frankfurt.de | Prof. Enrico Schleiff, Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-29287, schleiff@bio.uni-frankfurt.de.
Veranstaltungen
Auf öffentlicher Tagung an der Goethe-Universität wird über Kompetenzorientierung in Schule und Hochschule diskutiert.
FRANKFURT. Kompetent in Kompetenz? Diese Frage steht im Fokus einer öffentlichen Tagung an der Goethe-Universität, die sich kritisch mit dem Kompetenzbegriff im deutschen Bildungssystem auseinandersetzen möchte. Den Festvortrag am 7. Juli um 19.00 Uhr hält der renommierte Philosoph Prof. Konrad Paul Liessmann (Universität Wien) zum Thema: „Für nichts zuständig, zu manchem fähig und zu allem bereit: Kompetenzorientierung als Inkompetenz“. Weitere Vortragende auf der Tagung sind unter anderem der Erziehungswissenschaftler Prof. Andreas Gruschka (Goethe-Universität), der Mathematiker Prof. Hans-Jürgen Bandelt (Universität Hamburg), der Rechtswissenschaftler und Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Prof. Bernhard Kempen (Universität Köln), der Soziologe Prof. Stefan Kühl (Universität Bielefeld) und Matthias Brodkorb, Finanzminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern.
Das komplette Programm steht bereit zum Download unter https://bildung-wissen.eu/wp-content/uploads/2016/01/ffm_in_kompetenztagung.pdf
Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei. Interessierte werden gebeten, sich per E-Mail unter dem Stichwort "Inkompetenzkonferenz" anzumelden: wicht@em.uni-frankfurt.de
Kompetent in Kompetenz? 1. Frankfurter (In-)Kompetenzkonferenz.
7.-8. Juli, Universitätsklinikum Frankfurt, Audimax, Haus 20, Theodor-Stern-Kai 7, Frankfurt.
Veranstalter sind Prof. Dr. Josef Pfeilschifter, Prof. Dr. Guido Pfeifer und Prof. Dr. Hans Peter Klein, die Fachbereiche Medizin und Rechtswissenschaft der Goethe-Universität sowie die Gesellschaft für Wissen und Bildung e.V. (GBW) und die Gesellschaft für Didaktik der Biowissenschaften (gdbw).
Lektüreempfehlung: Interview mit Prof. Hans Peter Klein über sein Buch „Vom Streifenhörnchen zum Nadelstreifen – das deutsche Bildungswesen im Kompetenztaumel“ im UniReport:
http://aktuelles.uni-frankfurt.de/gesellschaft/verkuemmert-das-selbstaendige-denken/