Archiv Pressemitteilungen | 2012 bis 2017

Forschung

Mai 18 2015
16:42

Forschungsprojekt untersucht individuelle Sichtweisen auf erfüllende Arbeit

Auf der Suche nach sinnvoller Arbeit

FRANKFURT. Wenn gegenwärtig Arbeit in Feuilletons oder Wirtschaftsmagazinen zum Thema wird, steht häufig die Suche nach einer sinnvollen Arbeit im Zentrum. So finden sich regelmäßig Berichte über Berufswechslerinnen und Berufswechsler, die ihren nine-to-five Job aufgegeben haben, um sich einer aus ihrer Sicht sinnvolleren Tätigkeit zuzuwenden. Weiterhin wird auf die Ansprüche der Generation Y eingegangen, die verstärkt nach dem Y („Why“), dem „Warum“ der Arbeit, fragt. In all diesen Beiträgen lässt sich ein einheitliches Verständnis davon, was unter einer sinnvollen Arbeit verstanden wird, nur schwerlich ausmachen: Ob Wünsche nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder nach einer Tätigkeit, die auf das Gemeinwohl zielt; all solche Fragen werden im Kontext beruflicher Sinnsuche und der Suche nach sinnvoller Arbeit subsumiert.

Das Forschungsprojekt „Gesellschaftliche Vorstellungen sinnvoller Arbeit und individuelles Sinnerleben in der Arbeitswelt“, kurz: Sinnarbeit, greift daher die Frage auf, was Beschäftigte unter einer sinnvollen Arbeit verstehen, und wie sie selbst ihre Arbeit zu einer für sie bedeutsamen Arbeit machen. Neben Interviews, die mit Beschäftigten aus verschiedenen Berufsfeldern geführt werden, um individuelle Prozesse der Sinnzuschreibung verstehen zu können, soll über eine Online-Befragung ein Eindruck davon gewonnen werden, welche Ansprüche Beschäftigte aus ganz verschiedenen Bereichen der Arbeitswelt an Arbeit im Allgemeinen haben und wie sie ihre Arbeit erleben. Anders als in anderen Erhebungen geht es dabei weniger darum, allgemeine Einschätzungen der Arbeitszufriedenheit einzuholen. Es geht um die Bedeutungen, die der Arbeit zugeschrieben werden, um die Fragen, über die wir im Zusammenhang mit unserer Arbeit nachdenken und um die ganz eigenen Perspektiven, aus denen wir auf Arbeit schauen. Jeder hat eine eigene Vorstellung davon, was sie oder ihn an der Arbeit glücklich macht und auch davon, wie die Arbeitswelt gestaltet sein sollte. Diese individuellen Sichtweisen sollen mit dem Online-Fragebogen eingefangen werden.

Jeder, der bzw. die aktuell in einem Beschäftigungsverhältnis steht oder in der Vergangenheit erwerbstätig war, kann an der Studie teilnehmen. Im Fokus steht die individuelle Sicht auf die eigene Tätigkeit und die moderne Arbeitsgesellschaft. Die Teilnahme dauert etwa 15 Minuten.

Direkt zum Fragebogen: http://ww2.unipark.de/uc/sinnundarbeit oder über die Website des Projekts: www.sinn-arbeit.de.

Das Projekt „Sinnarbeit“ wird am Institut für Soziologie, dem Lehrstuhl für Arbeitssoziologie des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt durchgeführt und für zwei Jahre von der DFG gefördert. Die Projektleitung haben Prof. Heather Hofmeister, PhD. und Dr. Friedericke Hardering inne. Dr. Mascha Will-Zocholl ist für die Durchführung der Online-Befragung verantwortlich.

Weitere Informationen: Dr. Mascha Will-Zocholl, Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt; Tel. (069) 798-36511; m.will-zocholl@soz.uni-frankfurt.de 

Veranstaltungen

Mai 15 2015
14:14

Bestseller-Autorin Julia Friedrichs zu Gast im Soziologischen Forschungskolloquium – Öffentliche Lesung mit Diskussion mit Prof. Dr. Sighard Neckel

„Wir Erben – Was Geld mit den Menschen macht“

FRANKFURT. Julia Friedrichs, die Bestseller-Autorin des viel diskutierten Buchs „Wir Erben – Was Geld mit den Menschen macht“ kommt am Mittwoch (20. Mai) zu einer öffentlichen Lesung mit anschließender Diskussion auf den Campus Westend. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im neuen Seminarhaus, Raum 4.101. Prof. Dr. Sighard Neckel hat die 36-jährige Journalistin in sein Soziologisches Forschungskolloquium eingeladen, das an diesem Tag auch für interessierte Bürger geöffnet ist.

„Die Erbengesellschaft ist ein soziologisches Thema von großer Aktualität und einiger Brisanz“, so Neckel, der sich im Kontext seiner Forschungen zur „Refeudalisierung“ der modernen Gesellschaft auch mit dieser Thematik auseinandergesetzt hat. Noch nie wurde in Deutschland so viel Vermögen vererbt wie heute. Julia Friedrichs fordert eine neue Debatte über das Erben. Was bedeutet es, wenn im nächsten Jahrzehnt drei Billionen Euro in Deutschland vererbt werden? Was macht das Geld mit den Erben? Wie verändert eine Generation von Erben die überalterte Gesellschaft? Haben die Erben den Sozialvertrag längst aufgekündigt? Die Autorin hat versucht mit diversen Erben aus verschiedenen Dynastien zu sprechen – eine häufige Reaktion „Ich würde ja gern sprechen, aber ich kann nicht.“ Es war nicht so einfach, in dieser „unsichtbaren Parallelgesellschaft“, wie eine Bosch-Erbin ihr eigenes Milieu nennt, zu recherchieren; doch einige Gespräche hat Julia Friedrichs führen können.

Sie hat festgestellt, dass Erben ein Tabuthema ist: Es gibt zwar gutes statistisches Material über Armut in Deutschland, wenig aber über Reichtum, was nicht zuletzt daran liegt, dass Reiche meist diskret sind und es nicht mögen, wenn über sie gesprochen wird. In einem Vorabdruck des Buchs im Zeit-Magazin (18.März 2015 – „Erben – Eine Klasse für sich“) schreibt Friedrichs: „Bislang war man davon ausgegangen, dass die reichsten zehn Prozent rund 60 Prozent des Privatvermögens besitzen. Zu dieser Gruppe gehört man laut Sozio-oekonomischem Panel, wenn auf jede Person im Haushalt, die über 17 Jahre alt ist, ein Nettovermögen von mindestens 215.00 Euro entfällt. Im Februar präsentierte ein Forscherteam des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung eine Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, wonach die Ballung noch massiver sein könnte: Sie vermuten zwischen 63 und 74 Prozent des Privatvermögens bei den reichsten zehn Prozent.“ Jährlich werden etwa 250 Milliarden Euro vererbt – fast so viel wie der gesamte Bundeshalt (2015 knapp 300 Milliarden Euro).

Auch wenn Friedrichs Buch von Rezensenten teilweise sehr kritisch besprochen wird, so hat es doch eine breite gesellschaftliche Debatte angeregt, die auch im Anschluss an ihre Lesung an der Goethe-Universität geführt werden soll: Sieht die Politik dem Phänomen der Erbungerechtigkeit tatenlos oder gar unterstützend zu, anstatt das sozialstaatliche Gerechtigkeitsversprechen zu verteidigen?

Informationen: Prof. Dr. Sighard Neckel, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Institut für Soziologie, Tel. (069) 798-36593, neckel@soz.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mai 15 2015
14:12

Lucy Liefmann: Stolperstein erinnert an die erste promovierte Frau im Fachbereich Jura in Frankfurt

Ein Leben für die Fürsorge

FRANKFURT. Sie war die erste Frau, die an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Frankfurter Universität – heute Fachbereich Rechtswissenschaft – promoviert wurde: Lucy Liefmann wird am kommenden Sonntag mit einem „Stolperstein“ gewürdigt. Um 12.30 Uhr findet vor dem Haus an der Melemstraße 8 im Nordend die Verlegung des Gedenksteins durch den Künstler Gunther Demnig statt; für den Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität spricht Studiendekan Professor Guido Pfeifer vom Institut für Rechtsgeschichte.

Lucy Liefmann wuchs in Frankfurt als Kind des britischen Staatsbürgers Leo Liefmann und seiner Frau Auguste auf. Sie absolvierte die Elisabethenschule und das angeschlossene Lehrerinnenseminar und arbeitete dann als Lehrerin. 1912 bestand sie als Externe die Abiturprüfung an der Musterschule und nahm ein Jurastudium in Heidelberg auf. 1914 wechselte sie an die frisch gegründete Frankfurter Universität. Als erste Frau der rechtswissenschaftlichen Fakultät wurde sie 1918 promoviert. Ihre Dissertation befasste sich mit dem Thema „Die Unterhaltspflicht des ausserehelichen Vaters nach kontinentalen Rechten“.

Ihr Berufsleben widmete Lucy Liefmann vor allem dem sozialen Bereich. 1920 wurde sie wissenschaftliche Assistentin im Wohlfahrtsamt, zuständig für das Fürsorgearchiv und die Redaktion der Frankfurter Wohlfahrtsblätter, die sie auch fortführte, als während der Inflation keine städtischen Gelder dafür flossen. Ihre Beiträge thematisierten fürsorgerechtliche Fragen aus den Bereichen Jugendbewegung, Schwerbeschädigte, Erziehung, Altenheime, Kinderschutz, Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten und Erzieherinnenausbildung. Sie widmete sich der Ausbildung der ehrenamtlichen Armen- und Waisenpfleger in Frankfurt und übernahm die Geschäftsführung des eigens hierfür gegründeten Verbandes. Als Jüdin und Sozialdemokratin wurde Lucy Liefmann 1933 entlassen, jahrelang kämpfte sie vergeblich um eine angemessene Rente. Ihre Eltern nahmen sich 1940 und 1941 das Leben. Nachdem sie monatelang an einer schweren Sturzverletzung laboriert hatte, starb auch Lucy Liefmann im Januar 1942 – vermutlich wie die Eltern von eigener Hand. Das Haus an der Melemstraße 8 war vermutlich ihr letzter frei gewählter Wohnort. Dort soll auf Initiative der Historiker Hanna und Dieter Eckhardt hin ein Stolperstein an Lucy Liefmann erinnern.

Die Aktion „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig läuft seit den 90er Jahren. Mit den im Boden verlegten quadratischen Gedenktafeln will Demnig  an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die mit einer Messingtafel ausgestatteten Steine werden nach Möglichkeit vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in den Straßenbelag eingelassen. Im Januar 2015 waren es bereits 50.000 Steine, die nicht nur in Deutschland, sondern auch in 18 weiteren europäischen Ländern verlegt worden waren. Damit sind die Stolpersteine das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Allerdings gibt es auch Kritiker: So wurden in München bislang keine Tafeln angebracht, weil Charlotte Knobloch und die Jüdische Gemeinde in München sich dagegen ausgesprochen haben mit der Begründung, dass die Namen der Opfer mit Füßen getreten würden.

Weitere Informationen finden sich in der virtuellen Literaturvitrine des Fachbereichs Rechtswissenschaft – unter anderem ein Zeitplan für die Stolpersteinverlegung, Lucy Liefmanns Dissertation in der Universitätsbibliothek Frankfurt, Unterlagen im Universitätsarchiv. Unter www.frankfurter-personenlexikon.de ist darüber hinaus seit kurzem ein biographischer Beitrag von Hanna Eckhardt über Lucy Liefmann eingetragen.

http://www.stolpersteine-frankfurt.de/aktuell.html

Weitere Informationen: Professor Dr. Guido Pfeifer, Telefon (069) 798-34327, pfeifer@jur.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mai 15 2015
14:11

Benefiz-Konzert der drei Ehrensenatorinnen der Goethe-Uni erbringt fast 200.000 Euro an Spenden

Ein Herz für ausländische Studierende

FRANKFURT. Nach dem Benefizkonzert der drei Ehrensenatorinnen der Goethe-Universität zugunsten internationaler Studierender am 7. Mai ziehen die Organisatoren eine eindrucksvolle Bilanz: Auf den Spendenaufruf von Renate von Metzler, Karin Giersch und Johanna Quandt kamen im Laufe des Abends fast 200.000 Euro zusammen – deutlich mehr als ursprünglich erwartet. Besonders freigebig waren die beiden Ehrensenatoren Josef Buchmann und Carlo Giersch sowie Friederich von Metzler und die Crespo Foundation.

Insgesamt verfolgten die berauschende Chopin-Interpretation der jungen Pianistin Olga Scheps im Festsaal des Uni-Casinos am Campus Westend 550 Gäste; die Gesamtzahl der Spender beläuft sich auf etwa 250 Personen oder Paare. Begleitet wurde Olga Scheps vom Stuttgarter Kammerorchester, das in den letzten Jahren bei Benefizkonzerten der Ehrensenatorinnen schon mehrfach zu Gast war und vor dem Chopin-Klavierkonzert mit einem Mozart-Divertimento glänzte.

Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff erklärt: „Die internationalen Studierenden haben es - das gilt für jede deutsche Uni - schwerer als ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen mit deutschem Pass. Oft berichten sie, dass die neue Lehr- und Lernkultur ungewohnt ist. Ihre Erfolgsquote liegt deutlich unter derjenigen inländischer Studierender. Ich danke  allen Spendern, dass sie ein so großes Herz zeigen für unsere internationalen Studierenden. Damit verhelfen sie ihnen zu mehr Erfolg im Studium. Mehr erfolgreiche und zufriedene Absolventen und Absolventinnen hervorzubringen statt weiter steigender Erstsemesterzahlen ist ein wichtiges Ziel der Goethe-Uni für die nächsten Jahre. Für jede Unterstützung zur Erreichung dieses wichtigen Zieles sind wir sehr dankbar.“

Mit den gespendeten Mitteln sollen die Angebote für ausländische Studierende der Goethe-Universität verbessert werden. Geplant sind u.a. mehr Stipendien für begabte ausländische Studierende und Doktoranden, Deutsch-Intensiv-Kurse für Master-Studierende, kostenlose Exkursionen sowie eine Ausweitung der Sprechstunden des Internationalen Studientreffs (IST) und ein Online-Veranstaltungskalender, der auf einen Klick alle Veranstaltungen universitärer und universitätsnaher Institutionen bereithält.

Veranstaltungen

Mai 15 2015
14:08

Neues Veranstaltungsformat des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Stadt Offenbach startet am 21. Mai.

Goethe Lectures Offenbach: Burnout als Beginn

FRANKFURT/OFFENBACH. Am Donnerstag, dem 21. Mai 2015, startet die Veranstaltungsreihe „Goethe Lectures Offenbach“ mit ihrem ersten Vortrag. Das neue Format ist eine Kooperation des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe Universität Frankfurt am Main mit der Stadt Offenbach am Main. Federführend auf Seiten Offenbachs sind die städtische Wirtschaftsförderung, die einen deutlichen Fokus auf die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft legt, und das Klingspor-Museum, das sich mit seinen Schwerpunkten Schriftkunst und Typografie auch überregional einen Namen gemacht hat und ein Ort des Wissensaustausches darstellt.

Ziel der Partnerschaft der Institutionen, der bereits zwei erfolgreiche Kooperationsprojekte in Offenbach vorausgegangen sind, ist der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft mit einem Fokus auf die Region Frankfurt Rhein-Main. Die Veranstaltungen, insgesamt stehen in diesem Jahr zunächst vier auf dem Programm, finden jeweils im Klingspor-Museum statt.

Das erste Kooperationsprojekt zwischen dem Frankfurter Exzellenzcluster und der Stadt Offenbach datiert aus dem Sommer 2013. Dabei gab Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität, unter dem Titel „Wie die Schrift dem Recht zu seinem Recht verhalf“ auch einen Einblick in gegenwärtige rechtstheoretische Diskussionen. Im Frühling 2014 war der Forschungsverbund Kooperationspartner der Lichtinstallation „Say Say Say“ von Anny und Sibel Öztürk an der Fassade des Offenbacher Rathauses. Im Rahmenprogramm sprach Darrel Moellendorf, Mitglied des Exzellenzclusters und Professor für Internationale Politische Theorie an der Goethe-Universität, bei seinem Vortrag „Energie, Armut und die Zukunft“ über globale Gerechtigkeit und Klimawandel.

„Immer mehr Bürgerinnen und Bürger interessieren sich für aktuelle Erkenntnisse in der Forschung und in der Wissenslandschaft. Deshalb war ich sofort begeistert über die erneute Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Exzellenzcluster“, sagt Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider. Die „Goethe Lectures Offenbach“ stellten ein herausragendes Beispiel für die Übermittlung von wissenschaftlichen Themen und Fragestellungen in die Bürgerschaft dar. „Dass wir dem Exzellenzcluster hierfür nun ein Podium außerhalb Frankfurts bei uns in Offenbach bieten können, freut mich und zeigt deutlich, dass Offenbach als interessanter und kreativer Standort in der Region und darüber hinaus wahrgenommen wird.“

„Es ist schön, dass die Geistes- und Sozialwissenschaften der Goethe-Universität so intensiv an gesellschaftlich relevanten Fragen arbeiten und dabei die Regionalgesellschaft aktiv mit einbinden“, sagt Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff. „Für die Goethe-Universität und den Exzellenzcluster ‚Die Herausbildung normativer Ordnungen‘ sind regionale Kooperationen, wie jetzt die ‚Goethe Lectures Offenbach‘, ein wichtiges Resonanzfeld.“

Auftaktredner ist Sighard Neckel, Mitglied des Exzellenzclusters und Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Soziale Ungleichheit an der Goethe-Universität. Er widmet sich am 21. Mai um 19.00 Uhr dem Thema „Burnout. Das gesellschaftliche Leid der Erschöpfung“. Burnout, so Neckel, tritt als ein subjektives Leid auf, in dem sich über individuelle Notlagen hinaus gesellschaftliche Probleme insbesondere des modernen Berufslebens dokumentieren. Als ein meist arbeitsbedingtes Erschöpfungssyndrom sind die Ursachen von Burnout in den Belastungsfaktoren eines gesellschaftlichen Wandels zu sehen, der vom Einzelnen hohe berufliche Einsatzbereitschaft, starke Identifikation mit der Arbeit, Eigenverantwortung und Selbststeuerung bei der Lebensbewältigung erwartet.

Ausgehend von der soziologischen Betrachtungsweise von subjektivem als sozialem Leid wird im Vortrag die Wettbewerbsgesellschaft der Gegenwart als eine Sozialordnung analysiert, die Erschöpfungssyndrome dadurch hervorbringt, dass sie die Individuen in eine permanente Sorge um die eigene Leistungsfähigkeit zwingt. Als subjektives Phänomen einer Krise des ökonomischen Wachstumsregimes kann Burnout aber auch als Beginn eines sozialen Wandels verstanden werden. Die öffentliche Debatte um Burnout trägt zur Herausbildung einer neuen Rechtfertigungsordnung des Kapitalismus bei, die unter dem Leitbegriff der „Nachhaltigkeit“ verspricht, schonender auch mit subjektiven Ressourcen umzugehen.

Sighard Neckel ist auch Mitglied des Kollegiums des Frankfurter Instituts für Sozialforschung. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ungleichheitsforschung, die Wirtschaftssoziologie, die Emotions- und Kulturforschung sowie die Gesellschaftsanalyse des Finanzmarktkapitalismus. Zum Thema "Burnout" erschien zuletzt gemeinsam mit Greta Wagner "Leistung und Erschöpfung. Burnout in der Wettbewerbsgesellschaft" (Suhrkamp, Berlin 2013).

Die weiteren Termine (jeweils um 19.00 Uhr im Klingspor-Museum, Herrnstraße 80, 63065 Offenbach; der Eintritt ist frei):

23. Juni 2015: „Wer hat die Macht im Internet?“
Dr. Matthias C. Kettemann, Postdoktorand des Exzellenzclusters, Rechtswissenschaftler mit den Schwerpunkten (u.a.) Menschenrechtliche Implikationen der Informationsgesellschaft

12. Oktober 2015: „Schriftentstehung in Ägypten und Mesopotamien“
Prof. Dr. Annette Imhausen, Mitglied des Exzellenzclusters, Professorin für Wissenschaftsgeschichte der vormodernen Welt an der Goethe-Universität

26. November 2015: „Banken und Menschenrechte – Zwischen Anspruch und Wirklichkeit“
Dr. Manuel Wörsdörfer, Postdoktorand des Exzellenzclusters, Wirtschaftswissenschaftler mit den Schwerpunkten (u.a.) Wirtschafts- und Unternehmensethik

Weitere Informationen:

Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de

Ria Baumann, Wirtschaftsförderung Stadt Offenbach, Tel.: 069 80652392, kreativwirtschaft@offenbach.de, www.offenbach.de/wirtschaft