Archiv Pressemitteilungen | 2012 bis 2017

 

Jan 19 2012

Goethe-Universität und ihre Partner punkten in der vierten Staffel der LOEWE-Initiative erneut mit starken Projekten

Millionen für exzellente, praxisnahe Forschung

FRANKFURT. Exzellente, praxisnahe Forschung: Sie steht im Mittelpunkt der Veranstaltung, zu der das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) und die Goethe-Universität einladen. Im Rahmen der Festveranstaltung stellen Wissenschaftler der Goethe-Universität und ihre Kooperationspartner die Projekte vor, die im hessischen Forschungsförderungsprogramm (LOEWE) gepunktet haben und mit Fördersummen in Millionenhöhe bedachten wurden.

Die Veranstaltung weicht von der üblichen Dramaturgie mit einzelnen Grußworten und Vorträgen ab. Stattdessen wird in moderierter Form die Relevanz der einzelnen Projekte im Gespräch erschlossen. Sie findet statt am

Donnerstag, den 19. Januar 2012, 17.00-19.30 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend, Festsaal des Casinos, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt a.M.

Nach einem moderierten Dialog zwischen der hessischen Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann und Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl über die grundsätzliche Bedeutung der LOEWE-Initiative schließen sich Gespräche mit den Machern der prämierten Projekte an. Im Anschluss steht ein Empfang auf dem Programm.

Zwei praxisnahe Projekte („Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“, „Anwendungsorientierte Arzneimittelforschung“) werden bei dieser Gelegenheit neu in die Förderung aufgenommen, drei bereits bestehende Zentren für jeweils drei weitere Jahre verlängert.

Medienvertreter sind herzlich zu der Veranstaltung eingeladen.

 

Jan 19 2012

Anglist wird für sein kulturelles Engagement ausgezeichnet

Bundesverdienstkreuz für Prof. Klaus Reichert

FRANKFURT. Der Anglist Klaus Reichert, Emeritus der Goethe-Universität, wird am 19. Januar in Darmstadt mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet. „Er zählt zu den wichtigsten und renommiertesten Repräsentanten des deutschen Universitäts- und Literaturbetriebs und hat einen Einfluss auf das kulturelle Leben ausgeübt, der über seinen wissenschaft¬lichen Beruf weit hinausgeht“, so die Begründung des Bundespräsidialamts.

Klaus Reichert, geboren 1938 in Fulda, studierte nach dem Abitur Philosophie, Germanistik und Anglistik in Marburg, Gießen, Frankfurt, London und Berlin. Diese interdisziplinäre Ausrichtung behielt er im Laufe seiner wissenschaftlichen Karriere bei. Von 1975 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2003 war er ordentlicher Professor für Anglistik und Amerikanistik an der Goethe-Universität. 1993 gründete er dort das „Zentrum zur Erforschung der Frühen Neuzeit“, das er bis 2006 als geschäftsführender Direktor leitete. Von 2002 bis 2011 amtierte er als Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

Reicherts Forschungsschwerpunkte sind Literatur- und Wissenschaftsgeschichte der Frühen Neuzeit, Übersetzungstheorie und -geschichte, die Literatur der Renaissance und die Literatur der klassischen Moderne. Zu Shakespeare veröffentlichte er die Bücher „Fortuna oder die Beständigkeit des Wechsels“ und „Der fremde Shakespeare“. Die Autoren der klassischen Moderne wie James Joyce, Gertrude Stein, Paul Celan oder Wolfgang Hildesheimer interpretiert Reichert in „Lesenlernen. Das Menschenrecht auf Poesie“. Besonders intensiv beschäftigte er sich mit Joyce, der ihn auch zu grundlegenden Überlegungen zur Geschichte, Theorie und Praxis des Übersetzens anregte („Die unendliche Aufgabe“ und „Weltalltag der Epoche“). Im deutschen Sprachraum gilt er als der herausragende Wissenschaftler auf diesem Gebiet.

Darüber hinaus veröffentlichte Klaus Reichert mehrere Gedichtbände und zwei Reisetagebücher („Wüstentage. Journal einer Reise“ und „Türkische Tagebücher. Reisen in ein unentdecktes Land“). Prof. Reichert wurde für sein wissenschaftliches Werk mehrfach ausgezeichnet. Er erhielt den Wieland-Preis für Übersetzung (1983), den Hessischen Kulturpreis (1996), das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse (2006) sowie denPreis der Kritik (2008).

Informationen: Prof. Klaus Reichert, mnreichert(at)aol.com

 

Jan 19 2012

Mittwochskonferenz mit Filmwissenschaftler Prof. Vinzenz Hediger

Ein Medium ohne Geschichte. Zur Historik des Films

FRANKFURT. Im Rahmen der Mittwochskonferenzen des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften an der Goethe-Universität hält der Filmwissenschaftler Prof. Vinzenz Hediger einen öffentlichen Vortrag

am: Mittwoch (25. Januar 2012) um 18 Uhr
Ort: IG-Farben-Haus, Raum 411, Campus Westend, Grüneburgplatz 1
Thema: „Ein Medium ohne Geschichte. Zur Historik des Films“

„Die Frage ist nicht, ob Film eine Kunst sein kann, die Frage ist, was Kunst (noch) ist, wenn es den Film gibt.“ So könnte eine Bestimmung der Problematik lauten, die Walter Benjamin in seinem Kunstwerkaufsatz behandelt. In seinem Vortrag wendet Vinzenz Hediger diese Frage auf die „Geschichte“ an und fragt, was Geschichte ist, wenn es den Film und andere technische Medien der Speicherung von Zeit gibt. Denn der Film beinhaltet, wie etwa der französische Historiker Pierre Sorlin argumentiert, eine tendenziell a-historische Logik der Wiederholung. Im Vortrag steht demnach weniger die Darstellung von Geschichte im Film im Zentrum als die Frage nach der Form der historischen Erfahrung unter den Bedingungen des Films. An Filmbespielen zur Sprache kommen sollen unter anderem Griffiths „Birth of a Nation“, Esfir Shubs „Der Fall des Hauses Romanov“ und Alexander Sokurovs „Moloch“.

Vinzenz Hediger ist seit dem Sommersemester 2011 Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Informationen: Prof. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Campus Westend, Tel: (069) 798-32079, hediger@tfm.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org.

 

Jan 18 2012

Humboldt-Preisträger Shmuel Feiner erforscht die jüdische Aufklärung

Israelischer Historiker zu Gast an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Der renommierte israelische Historiker Shmuel Feiner ist Spezialist für die deutsch-jüdische Geistes- und Kulturgeschichte der Neuzeit. Ein Forschungspreis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, die Kooperationen zwischen exzellenten deutschen und ausländischen Wissenschaftlern fördert, ermöglicht ihm in diesem Jahr Forschungsaufenthalte an den Universitäten in Frankfurt und Düsseldorf. Seit Jahresbeginn ist er Gast der Martin Buber-Professur für jüdische Religionsphilosophie an der Goethe-Universität. Mit einer öffentlichen Vorlesung stellt er sich einem interessierten Publikum vor

am 19. Januar 2012 um 17 Uhr ct.
Ort: Campus Westend, Nebengebäude 1.741a
Thema: “No Fanatic is Easily Capable of Making my Cool Blood Boil!”: What Made Moses Mendelssohn Angry?

Shmuel Feiner ist Professor für moderne jüdische Geschichte an der Bar Ilan University, Ramat Gan. Er leitet außerdem das Jerusalemer Leo Baeck Institut, eine Dokumentations- und Forschungsstätte für die Geschichte und Kultur des deutschsprachigen Judentums. Er war bereits im vergangenen Jahr in Frankfurt, als er gemeinsam mit Christian Wiese, Martin Buber-Professor für jüdische Religionsphilosophie, eine hochkarätige internationale Konferenz zur jüdischen Aufklärung veranstaltete. In diesem Jahr wird er seine Forschungen zum komplexen Prozess der Säkularisierung des modernen Judentums fortsetzen. Erste Ergebnisse dieses umfassenden Forschungsprojekts hat er 2011 in seinem bedeutenden Werk „The Origins of Jewish Secularization in Eighteenth Century Europe“ vorgelegt, für das er jüngst mit einem israelischen Historikerpreis ausgezeichnet wurde.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung zeichnet Shmuel Feiner aus für seinen herausragenden Beitrag zur Interpretation der jüdischen Geistes-, Kultur- und Sozialgeschichte der Frühen Neuzeit und der Moderne. Vor allem mit seinen – auch in deutscher Sprache erschienenen – Arbeiten zur jüdischen Aufklärung in Europa hat er Entscheidendes zum Verständnis der Begegnung von Judentum und Moderne geleistet. Sein Buch „Die jüdische Aufklärung“ (2007) deutet die Haskala als jüdische Variante der europäischen Aufklärung und untersucht die Folgen dieser Bewegung für die kulturelle Integration des europäischen Judentums und die Herausbildung unterschiedlicher, einander vielfach widerstreitender jüdischer Identitäten im 18. und 19. Jahrhundert.

Shmuel Feiners 2009 veröffentlichte Biographie Moses Mendelssohns bietet ein spannendes Portrait eines der bedeutendsten Philosophen der Aufklärungsepoche, der als Vorkämpfer der bürgerlichen Gleichberechtigung der jüdischen Minderheit wirkte und als Jude zugleich auch schmerzhafte Erfahrungen der Zurückweisung und Diskriminierung durch zeitgenössische nichtjüdische Intellektuelle machte.

Als Humboldt-Preisträger wird Shmuel Feiner auch am Institut für Jüdische Studien an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zu Gast sein, wo vom 24-26. Juni 2012 zu seinen Ehren eine Konferenz zur jüdischen Geschichte und Kultur im 18. Jahrhundert stattfinden wird. Sie wird von Prof. Marion Aptroot (Düsseldorf) und Prof. Christian Wiese in Kooperation mit dem Leipziger Simon Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur organisiert.

Informationen: Prof. Christian Wiese, Martin Buber-Professor für jüdische Religionsphilosophie, Campus Westend, Tel.: (069)798-33342, C.Wiese@em.uni-frankfurt.de.

 

Jan 18 2012

Methan-bildende Archaeen als Bindeglied der Evolution der zellulären Bioenergetik

Biologischer Nanomotor mit Hybridantrieb entdeckt

FRANKFURT. Methanbildende Archaeen gehören zu den ursprünglichsten Lebensformen auf der Erde. In den Tiefen der Ozeane gewinnen diese Mikroorganismen Energie für ihren Stoffwechsel, indem sie aus Kohlendioxid und Wasser Methan herstellen. Energetisch gesehen ist dies am Limit dessen, was überhaupt Leben erlaubt. Wie die Methanbildung mit der Synthese der zellulären Energiewährung Adenosintriphosphat (ATP) einhergeht, haben jetzt Mikrobiologen der Goethe-Universität zusammen mit Kollegen vom Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt geklärt.

Wie die Forscher in der Fachzeitschrift PNAS berichten, nutzt das Archaeon Methanosarcina acetivorans die bei der Methanbildung freiwerdende Energie, um Natriumionen und Protonen aus dem Zellinneren zu pumpen. Damit wird über der Membran ein elektrochemischer Gradient erzeugt, ähnlich dem Aufladen einer Batterie. ATP-Synthasen nutzen nun diesen „Batteriestrom“ zur Synthese von ATP. Dazu verfügen sie über eine membrangebundene Turbine. Angetrieben wird sie durch Ionen, die in das Cytoplasma zurückfließenden, ähnlich einer Turbine, die „Wasserkraft“ in elektrischen Strom umwandelt.

Während bisher nur Turbinen bekannt waren, die entweder durch Natriumionen oder Protonen angetrieben werden, hat die ATP-Synthase aus M. acetivorans eine Turbine, die das Ladungsgefälle der Natriumionen und Protonen gleichzeitig nutzt. „Die ursprünglichsten Lebensformen nutzen wahrscheinlich exklusiv Natriumionen für die Energiekonservierung. Moderne Lebensformen sind dann komplett auf Protonen umgestiegen“, erläutert Prof. Volker Müller von der Abteilung Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik der Goethe-Universität. „Da M. acetivorans bisher das einzige bekannte Lebewesen ist, das beide Ionengradienten nutzen kann, liegt es nahe, es als Bindeglied der Evolution anzusehen“.

Die Idee zu dieser Untersuchung entstammt der Klimaforschung. „Meine Doktorandin Katharina Schlegel wollte im Rahmen eines Projektes am Forschungszentrum Biodiversität und Klima (BiK-F) erforschen, wie sich methanbildende Archaeen an trockene und salzhaltige Standorte anpassen. Als sich herausstellte, dass wir einem neuen Motor auf der Spur sind, haben wir die biochemischen und molekularen Untersuchungen im Rahmen des Sonderforschungsbereichs ‚Transport und Kommunikation über biologische Membranen‘ weitergeführt und die Zusammenarbeit mit den Biophysikern gesucht“, erklärt Müller, der zugleich Projektleiter des Sonderforschungsbereichs (SFBs) ist.

Mit dem Max Planck-Institut für Biophysik besteht seit Jahren eine enge Kooperation über diesen SFB sowie über den Exzellenzcluster „Makromolekulare Komplexe“. „Eine so enge Verzahnung von angewandter Forschung und Grundlagenforschung, und eine thematische Spannweite von der Klimaforschung zum strukturbasierten Modell der Ionenspezifität eines membrangebundenen Nanomotors, ist so nur in Frankfurt möglich ist“, freut sich Prof. Müller über den gemeinsamen Erfolg.

Publikation:
Schlegel, K., Leone, V., Faraldo-Gomez, J.D., Müller, V. (2012) Promiscous arachael ATP synthase concurrently coupled to Na+ and H+ translocation. Proc. Natl. Acad. Sci. USA, doi;10.1073/pnas.1115796109

Eine Abbildung zum Download finden Sie im Downloadbereich in der rechten Spalte.

Bildtext:
Ein biologischer Nanomotor mit Hybridantrieb in dem methanildenden Archaeon Methanosarcina acetivorans. Der Mikroorganismus frisst Essigsäure (Acetat) und bildet daraus als Methan und Kohlendioxid. Die Energie, die dabei frei wird, nutzt das Archaeon, um Natriumionen und Protonen über die Cytoplasmamembran zu pumpen. Dadurch wird ein elektrochemisches Gefälle erzeugt, das die ATP-Synthase antreibt.

Informationen: Prof. Volker Müller, Abteilung Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29507, VMueller@bio.uni-frankfurt.de.