Personalia/Preise
17.000 Euro an Preisgeldern für drei wegweisende Unternehmensgründungen von Studierenden und Absolventen
FRANKFURT. 500 Gäste des Goethe-Innovationsforums, einer gemeinsame Veranstaltung von Goethe-Universität und Handelsblatt, wurden am vergangenen Donnerstag Zeugen von drei bemerkenswerten Unternehmenspräsentationen: Mit „Roomhero“, „Mein Unternehmensfilm“ sowie „Artgenika“ stufte die Jury des Goethe-Innovationspreises drei Startups der Goethe-Universität als so zukunftsträchtig ein, dass sie ihnen Preisgelder im Gesamtwert von 17.000 € zusprach. Der erste Preis von 10.000 € ging an Roomhero, ein Unternehmen, das durch eine intelligente, interaktive, webbasierte Netz-Plattform Privatleute und Unternehmen auf neuartige Weise bei Einrichtungsfragen unterstützt.
Dr. Friederike Lohse, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Freunde und Förderer der Goethe-Universität, hat das Goethe-Innovationsforum 2012 ins Leben gerufen. Seitdem stiften die „Freunde“ auch das Preisgeld. Für den Goethe-Innovations-Preis können sich Startups bewerben, bei denen Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter aus der Goethe-Universität dem Gründungsteam angehören und in den Goethe-Unibator aufgenommen wurden.
Mit den Vorstandsvorsitzenden von BASF, Porsche, BP Europa, Zeiss sowie Bosch und Siemens Hausgeräte waren im dritten Jahr des Goethe-Innovationsforums erneut herausragende Vertreter der deutschen Wirtschaft an die Universität Frankfurt gekommen. Nach einem Impulsvortrag von Dr. Karsten Ottenberg, Chef der Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH, diskutierten die vier übrigen Unternehmenslenker unter Leitung von Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart im Festsaal des Casinos 90 Minuten über die Bedeutung von Innovationen für die deutsche Wirtschaft, ihr Unternehmen und für sie persönlich.
Informationen zu den Teams:
Das Technologie-Startup Roomhero löst auf innovative Weise das Problem derjenigen, die nicht wissen, wie sie ihre Wohnung, ihr Haus oder ihren Arbeitsplatz einrichten sollen, oder keine Zeit beziehungsweise Lust haben, sich mit dem Einrichtungsprozess zu beschäftigen. Dies bekommt der Kunde dank einer von Roomhero entwickelten Augmented Reality Software als 3-D-Echtzeit-Simulation zugeschickt und kann entweder das Gesamtpaket oder einzelne Elemente daraus direkt und bequem online bestellen. Dabei ist der Einrichtungsservice von Roomhero für den Kunden kostenlos.
MeinUnternehmensfilm produziert Erklärvideos und Imagefilme. Das Unternehmen betont, es habe den Markt für solche Filme sowohl qualitativ als auch preislich „revolutioniert“. Filme seien damit erschwinglicher denn je. Jeder könne so von den zahlreichen Vorteilen der eigenen Bewegtbildpräsenz profitieren, komplexe Themen einfach auf den Punkt bringen und in maximal 2 Minuten Zuschauer und Kunden erreichen.
Artgenika
ArtGenika ist ein modernes Bioanalytikunternehmen, das sich auf innovative Dienstleistungen spezialisiert und spezifische Analyse-PCR-Kits für die Qualifizierung und Quantifizierung der spezifischen DNA-Fragmente im Marktbereich Medizin und Lebensmittelsicherheit produziert Durch die innovative Technologie bietet das im Rahmen des Wettbewerbs EXIST geförderte Unternehmen seinen Kunden mehrfache Zeit- und Kostenersparnis im Bereich PCR-basierte Diagnostik von Krankheitserregern. Die Polymerase-Kettenreaktion (englisch Polymerase Chain Reaction, PCR) ist eine Methode, um die Erbsubstanz DNA in vitro zu vervielfältigen.
Über den Goethe-Unibator
Mit dem Goethe-Unibator fördert die Goethe-Universität Frankfurt seit 2001 Studierende, Mitarbeiter und Alumni bei der Gründung eigener Unternehmen. Damit werden Startups in der frühen Phase bei der Entwicklung marktreifer Produkte und Dienstleistungen sowie beim Unternehmenswachstum unterstützt. So bildet der Goethe-Unibator eine tragfähige Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Er hilft, eine lebendige Gründungskultur an der Universität Frankfurt zu etablieren und zu stärken.
Ein Bild zum Download gibt es hier.
Veranstaltungen
Beim Jahrestreffen des europäischen Netzwerks „European Network on Regional Labour Market Monitoring“ diskutieren 120 Wissenschaftler und Experten aus 20 europäischen Region über klugen Konzepte
FRANKFURT. Was haben der Werra-Meissner-Kreis, die Wielkopolska und die Aquitaine gemeinsam? Alle drei europäischen Regionen suchen nach klugen Konzepten, um junge Menschen in der Region zu halten und so dem demografischen Wandel zu begegnen. Vom 22. bis 24. September treffen sich auf dem Campus Westend an der Goethe-Universität 120 Wissenschaftler und Experten aus 20 europäischen Regionen. Sie kooperieren seit fast zehn Jahren in dem europäischen Netzwerk „European Network on Regional Labour Market Monitoring“, um über Fragen nachhaltiger Wirtschaft und nachhaltiger Beschäftigung zu diskutieren.
Das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) hat zusammen mit dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration zu diesem Jahrestreffen nach Frankfurt eingeladen. Dazu erklärt Stefan Grüttner, hessischer Minister für Soziales und Integration: „Wir brauchen innovative Lösungen, um mit dem Fachkräftebedarf adäquat umzugehen. In Hessen können wir von den europäischen Erfahrungen lernen, wie auch im Gegenzug einige hessische Ansätze gute Beispiele für andere Regionen in Europa sein können.“ Für die Geschäftsführerin des IWAK, Dr. Christa Larsen, ist dieses Meeting „eine einmalige Chance, um Ideen zu bekommen, wie man die eigenen Herausforderungen angehen kann“.
Abwanderungsprozesse aus dem ländlichen Raum sind nichts Neues, doch jetzt steigen durch den Geburtenrückgang in den ländlichen Regionen die Herausforderungen deutlich. „Es muss gelingen, den Abwanderungstrend zu stoppen, damit die lokale Wirtschaft eine Zukunft hat“, prognostiziert Larsen. Es fehlen Auszubildende für Handwerksbetriebe sowie Facharbeiter für die kleinen und mittelständischen Firmen. „Hier kann eine nachhaltige Bindung von Arbeitskräften an die Region helfen“, ergänzt Grüttner. Wenn beispielsweise junge Menschen durch ihre Familien oder Ausbildungsstätten einen persönlichen Bezug zur Region haben, dann kann man sie auch als Fachkräfte gewinnen. Was können Kommunen und Betriebe dafür tun, jungen Menschen das Leben in diesen Regionen schmackhaft zu machen? Dazu Larsen: „Es gibt bereits viele gute Erfahrungen beispielsweise aus dem spanischen Baskenland, aus Ostpolen oder aus Brandenburg. Diese zeigen, dass Unternehmen in ländlichen Regionen dann für Arbeitskräfte attraktiv sind, wenn dort auch gute, d.h. nachhaltige Beschäftigungsbedingungen geboten werden. Seien dies flexible Arbeitszeiten für junge Mütter, lebenslanges Lernen im Betrieb oder solide Maßnahmen für Gesundheit am Arbeitsplatz, aber auch ein familienfreundliches Umfeld.“
Nachhaltige Beschäftigungssicherung läuft in vielen europäischen Ländern unter dem Label „grüne Beschäftigung“. Experten aus Dänemark und Frankreich, aber auch verschiedenen italienischen Regionen werden bei dem Netzwerk-Treffen darlegen, wie Beschäftigung in den grünen Wirtschaftssektoren geschaffen werden kann. Dazu Sigrid Rand, Koordinatorin des Europäischen Netzwerkes an der Goethe Universität: „Gerade diese grünen Wirtschaftssektoren sind für viele hessische Regionen wichtige Beschäftigungsmotoren: Große Potenziale haben hier die Handwerker, die Wärmedämmung installieren, oder Stadtwerke, die neue Wege der Energieversorgung gehen.“
MEDIEN-Einladung:
Um diese Themen zu vertiefen, stehen Ihnen folgende Experten am 23. September (Dienstag) um 14 Uhr zur Verfügung (Casino-Gebäude, Raum 1.801).
Bei Interesse melden Sie sich bitte bis 19. September bei: Sigrid Rand, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), E-Mail: s.rand@em.uni-frankfurt.de; Tel. (069) 798 25474.
Informationen: Dr. Christa Larsen, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), c.larsen@em.uni-frankfurt.de; Tel. (069) 798 22152, Sigrid Rand, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), s.rand@em.uni-frankfurt.de; Tel. (069) 798 25474; www.regionallabourmarketmonitoring.net; www.iwak-frankfurt.de
Forschung
Merz-Stiftungsgastprofessor Jan Buitelaar erforscht Überlappungen und Unterschiede
FRANKFURT. Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) und Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ADHS) treten bei Kindern und Jugendlichen oft gemeinsam auf. Der diesjährige Friedrich Merz-Stiftungsprofessor Jan Buitelaar aus Nijmegen ist ein Experte auf diesem Gebiet. Anlässlich seines Besuchs lädt die Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Goethe-Universität am 17. September zu einem klinisch orientierten Symposium ein. Es richtet sich an niedergelassene Ärzte, Psychotherapeuten, Lehrer, Pädagogen und Eltern, die Kinder und Jugendliche mit ASS, ADHS und Angststörungen betreuen.
Jan Buitelaar ist Professor für Psychiatrie und Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Radboud University in Nijmegen (Niederlande). Er hat im Rahmen zahlreicher Studien zu klinischen Aspekten sowie neurobiologischen und neuropsychologischen Grundlagen von ASS und ADHS die Vermutung aufgestellt, dass die genetischen Faktoren beider Erkrankungen überlappen. Während seines Aufenthalts an der Goethe-Universität wird er über eine neue und zuverlässige Möglichkeit der Klassifikation der Krankheitsbilder berichten, die sich an der Geschwindigkeit und Genauigkeit der Sprache orientiert.
Ein Höhepunkt der Merz-Stiftungsprofessur ist das wissenschaftliche Symposium am 19. September, zu dem international renommierte Sprecherinnen und Sprecher erwartet werden. Das Symposium beleuchtet neue Aspekte der Klassifikation, der Krankheitsentstehung und des Verlaufs der drei Krankheitsbilder aus der Sicht der Grundlagenwissenschaften. Julio Licinio aus Adelaide, Australien, ist der Editor der renommierten Zeitschrift „Molecular Psychiatry“. Er spricht über ein neues Klassifikationssystem für psychische Störungen.
Kerstin Konrad, Aachen, Liz Pellicano, London, und Edmund Sonuga-Barke, Southampton, entwickeln neue therapeutische Ansätze. Sie basieren auf grundlagenwissenschaftlichen Befunden zur Entwicklung bei akuten Belastungsreaktionen (Acute Stress Disorder, ASD) der Neuropsychologie bei ADHS sowie der allgemeinen Gehirnentwicklung im Jugendalter. Joseph Buxbaum, New York, berichtet über die neuesten Befunde zur Genetik von ASD, und Thalia Eley, London, sowie Peter Zwanziger, Wasserburg, greifen das wichtige Thema der Angststörungen im Kindesalter auf, die eine große Überlappung mit ASD und ADHS zeigen.
Medienvertreter haben die Möglichkeit, während der Mittagspause des Symposiums am 19. September zwischen 13 und 14 Uhr Interviews mit Prof. Buitelaar und weiteren internationalen Experten zu führen. Um eine vorherige Anmeldung per E-Mail an Natascha van Alphen (natascha.alphen@kgu.de) wird gebeten. Ort: Hörsaalzentrum Campus Westend (Symposium in HS 6)
Leitgedanke der 1987 gestifteten Friedrich Merz-Stiftungsgastprofessur ist die Förderung internationaler wissenschaftlicher Beziehungen der Goethe-Universität in den Bereichen Medizin und Pharmazie.
Informationen: Natascha van Alphen, Assistentin von Prof. Christine Freitag, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Campus Niederrad, Tel: (069) 6301-7085, natascha.alphen@kgu.de.
Veranstaltungen
Kooperation von Frobenius-Institut und Institut français d’histoire en Allemagne mit dem historischen museum frankfurt
FRANKFURT. „Feldforschung“ der besonderen Art betrieb der später in Frankfurt arbeitende Ethnologe Leo Frobenius im Ersten Weltkrieg: Er beschäftigte sich intensiv mit afrikanischen Kriegsgefangenen, die für die Kolonialmacht Frankreich im Ersten Weltkrieg kämpfen mussten. Er ließ Porträtfotos von ihnen anfertigen, die ab 11. September (Donnerstag) bis zum 15. Februar 2015 im Historischen Museum (Fahrtor 2) zu sehen sein werden, und notierte Märchen und Erzählungen, die die Gefangenen ihm vortrugen. Die Ambivalenz seines Tuns und die spezielle Form der Kriegspropaganda dokumentieren u.a. sein 1916 erschienenes Buch „Der Völkerzirkus unserer Feinde“.
Das Konvolut von 15 Porträts afrikanischer Kriegsgefangener auf fotografischen Glasplatten hatte Peter Steigerwald, Fotograf und Dokumentar des Frobenius-Instituts an der Goethe-Universität, bereits vor über zehn Jahren entdeckt; Pläne für eine Ausstellung ließen sich aber erst jetzt realisieren. 2014 war – mit dem Rückblick auf den Beginn des Ersten Weltkriegs und dem 100-jährigen Jubiläum der Goethe-Universität – die Zeit reif für die Ausstellung „Gefangene Bilder. Wissenschaft und Propaganda im Ersten Weltkrieg“ im Historischen Museum und gleichzeitig für die wissenschaftliche Aufarbeitung dieses spektakulären Fundes. Aus einer intensiven deutsch-französischen Kooperation ist die Ausstellung entstanden: Neben dem Frobenius-Institut beteiligt sich auch das Institut français d’histoire en Allemagne an der Goethe-Universität.
Die fünfzehn Fotografien stehen im Zentrum der Ausstellung; daneben werden auch Film- und Tonaufnahmen wie auch die Gipsabgüsse von menschlichen Körperteilen aus den Kriegsgefangenenlagern gezeigt. Ergänzt wird dieses Material durch Publikationen aus der Kriegs- und Nachkriegszeit, Plakaten, Postkarten sowie Akten der Wissenschaftler aus Berlin, Wien und Rumänien. Eine Begleitpublikation (Michael Imhof Verlag) stellt die Fotografien vor und zeichnet in mehreren Aufsätzen ein Bild der Umstände ihrer Entstehung und der späteren Verwendung. Eingebettet ist dies in die Geschichte der Ethnologie und der Erforschung der menschlichen Natur und Kultur in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in Frankfurt und anderswo.
Unter den acht Millionen Soldaten, die für Frankreich in den Ersten Weltkrieg zogen, waren fast 500.000 Männer aus den französischen Kolonien. Oft wurden sie unter Zwang für die „Tirailleurs sénégalais“ („Senegalschützen“, auch wenn sie aus anderen Teilen Westafrikas stammten) rekrutiert. Die meisten mussten an der europäischen Westfront kämpfen. Dieser Einsatz und auch die Zwangsbeteiligung englischer Kolonialsoldaten gibt dem Terminus Weltkrieg erst seine wirklich globale Bedeutung. Dazu Prof.Pierre Monnet, Leiter des Institut français d’histoire en Allemagne: „Den außereuropäischen Teilnehmern des ‚Großen Krieges‘; von denen wenige Spuren in den Archiven sowie im kollektiven Gedächtnis geblieben sind, versucht die Ausstellung eine Stimme zu geben. Die Materialien sind aus einem rassistischen und kolonialistischen Blickwinkel heraus entstanden. Dieses so geschaffene Bild wirkt bis in die Gegenwart fort und stellt somit einen der Ursprünge des alltäglichen Rassismus dar.“ Der korrekte Umgang mit solch sensiblen Sammlungen sei eine Herausforderung für Museen und Universitäten, betont Monnet.
Die Ausstellung im Historischen Museum gab nun auch Anlass, sich mit der Rolle von Leo Frobenius (1873–1938) während des Ersten Weltkriegs näher zu befassen. Frobenius war erst Mitte der 1920er Jahre mit seinem von Mäzenen finanzierten Institut für Kulturmorphologie nach Frankfurt gekommen, er hatte einen Lehrauftrag an der Universität und war ab 1934 Direktor des „Völkermuseums“. Der Autodidakt war ein Außenseiter des akademischen Betriebs, fand aber nicht nur an der Frankfurter Universität zahlreiche Unterstützer. Frobenius‘ Ambivalenzen, die sein ganzes Leben und Werk durchzieht, werden auch in der Ausstellung gespiegelt: „Wie in einem Prisma lässt sich an Frobenius‘ Person das Engagement der ethnologischen Wissenschaft für das Kriegsgeschehen studieren. Gleichzeitig sind aber Frobenius‘ Aktivitäten einzigartig und nicht repräsentativ für die Ethnologen seiner Zeit“, betont Dr. Richard Kuba, der die wissenschaftliche Betreuung des Projekts am Frobenius-Institut innehat.
Frobenius, der als Sohn eine Festungsbaumeisters dem Militär nahe stand und ein glühender Verehrer der Monarchie war, wurde als „Bevollmächtigter des Königlich-Preußischen Kriegsministers“ zum Leiter des Kriegsgefangenen-Lagers im rumänischen Slobozia berufen. Dorthin waren die gefangenen Kolonialsoldaten vom „Mohammedanerlager“ in Wünsdorf bei Berlin gebracht worden, u.a. mit Rücksicht auf die osmanischen Bündnispartner – denn die Heeresleitung hoffte, dass bei dem wärmeren Klima in Rumänien weniger Gefangene sterben würden als in der kalten Berliner Region. Dazu schrieb Frobenius, der sich auch für eine bessere Versorgung der Afrikaner einsetzte, aus Rumänien: „In Wünsdorf hatten wir 9 Kranke pro Tag und Tausend. Hier haben wir nur ½ Krankheitsfall pro 100 und Tag.“ Überprüfen lassen sich diese Zahlen allerdings nicht.
Frobenius verfolgte in diesen Jahren zunächst seine eigenen Forschungsinteressen, ließ sich aber auch für die Propaganda der Mittelmächte einsetzen. Im Gegensatz zu anderen Ethnologen interessierte sich Frobenius bei seinen Recherchen nicht so sehr für die Erforschung der „rassetypischen Merkmale“, ihm ging es mehr um das kulturelle Afrika, die Erzählungen und Märchen, die in sein nach dem Krieg erschienenes dreibändiges Werk „Volksmärchen der Kabylen“ Eingang fanden – „ohne dass der Herausgeber seine Quelle vor der eigenen Haustür in der Mark Brandenburg offengelegt hätte“, so Kuba. In diesen Erzählungen schien der Anti-Modernist Frobenius viel Mythisches zu finden, während er gleichzeitig in Europa den Wert von Mythen schwinden sah. Auch die Beschreibungen der Kolonialsoldaten, die Frobenius nach dem Krieg für das Werk „Deutschlands Gegner im Weltkriege“ verfasste, heben sich – so Kuba – „trotz seines paternalistischen Stils wohltuend von denen seiner Mitautoren ab“. Frobenius zeige sogar des Öfteren Sympathie für die jeweiligen Völker. Kuba nennt ein paar Beispiele: „So glänzen die ‚Kru-Neger‘ durch ‚auffallende Arbeitsfreudigkeit‘, die Mandara aus dem Tschadseegebiet sind Träger einer tiefinnerlichen Religiösität‘, die Bobo vom oberen Volta zeigen sich ‚ebenso religiös wie arbeitsam‘.“
Den Wissenschaftlern des Frobenius-Instituts und des Institut français d’histoire en Allemagne liegt es gemeinsam mit dem Kurator Benedikt Burkard vom Historischen Museum, daran deutlich zu machen, dass sich Wissenschaftler und Intellektuelle auf beiden Seiten der Frontlinien an dem „Krieg der Federn“ („guerre des plumes“) aktiv beteiligt haben. Frobenius nutzte beispielsweise seine Stellung als renommierter Ethnologe, um die Kolonialmächte Frankreich und besonders England (den „Völkerdompteur“) dafür zu verurteilen, die Kolonialvölker für die eigenen Kriegsziele einzusetzen – „die farbige Bevölkerung nur als Kanonenfutter zu benutzen“.
Informationen: Dr. Richard Kuba, Frobenius-Institut, Campus Westend, Tel. (069) 798- 33056, kuba@em.uni-frankfurt.de, http://www.frobenius-institut.de; Prof. Dr. Pierre Monnet, Institut français d’histoire en Allemagne, Campus Westend, Tel: (069)798 31 900, ifha@institutfrancais.de , www.institutfrancais.de/frankfurt ; Corinna Engel, Museumskommunikation, historisches museum frankfurt, Tel. (069) 212 37776, corinna.engel@stadt-frankfurt.de, www.historisches-museum.frankfurt.de
Forschung
Frankfurter Wissenschaftler hat über Fachwissen der Lehrenden geforscht
FRANKFURT. Spätestens seit den ersten PISA-Ergebnissen ist bekannt: Die Lesekompetenz deutscher Schüler lässt zu wünschen übrig. Doch was tun Lehrer, damit Mädchen und Jungen zu kundigen Lesern werden? Denn auch in der digitalisierten Welt ist das geistige Verarbeiten von Geschriebenem nach wie vor Schlüsselkompetenz Nummer 1. Der Frankfurter Deutschdidaktiker Daniel Scherf hat untersucht, auf welches Wissen Lehrer im Leseförder-Unterricht zurückgreifen. Seine Erkenntnis: Zwischen universitärer Theoriebildung und schulischer Praxis bestehen deutliche Unterschiede. Scherfs Arbeit wurde jetzt in Basel mit dem Förderpreis Deutschdidaktik ausgezeichnet.
Klassenbibliothek und Lesekisten gehören schon seit den 80er Jahren zur Grundausstattung an Schulen – als Hilfsmittel, um Kinder zum Lesen zu motivieren. Nach PISA habe sich dann das, was unter Leseförderung verstanden wird, geändert, sagt Dr. Daniel Scherf, der derzeit als abgeordneter Gymnasiallehrer am Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik an der Goethe-Universität Frankfurt arbeitet. Man habe erkannt, dass es weniger um die Animation zum Lesen gehen müsse als vielmehr auch darum, die Ausdauer beim Lesen sowie das ‚Lesen-Können’ zu fördern. „Leseförderung ist etwas anderes bzw. mehr als nur das Schaffen von schönen Lesegelegenheiten“, so Scherf. Nach Auffassung der universitären Deutschdidaktik muss die richtige Fördermethode je nach Schüler individuell gewählt werden. Wenn ein Schüler z. B. einen Text nicht versteht, muss er Strategien an die Hand bekommen, wie er die Lektüre in den Griff bekommen kann.
Was wissen Lehrer nun bezüglich Leseförderung? – mit dieser Frage hat sich Daniel Scherf in seiner Doktorarbeit mit dem Titel „Leseförderung aus Lehrersicht“ befasst, die nun prämiert wurde. Dafür hat er an hessischen Gesamtschulen 24 Einzelinterviews mit Lehrern geführt sowie fünf Gruppengespräche mit Teilkollegien. Er wollte hiermit u. a. herausfinden, wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse in der schulischen Realität wahrgenommen und umgesetzt werden. Dabei habe er nicht nur Kenntnisse über bestimmte Leseförderkonzepte abgefragt, sondern auch Kenntnisse, die aus dem nichtwissenschaftlichen Bereich stammen oder die sich aus persönlichen Erfahrungen herleiten. Gerade in Gruppengesprächen sei deutlich geworden, dass Lehrer bestimmte Konzepte wie das Lesestrategietraining oft zwar kennen, es jedoch aus einem Bauchgefühl heraus ablehnten. Auch der Einfluss des schulischen Umfelds sei hier besonders deutlich geworden.
Aus dem gesammelten Material habe er das Lehrerwissen zum Thema Leseförderung dann extrapoliert und sei zu überraschenden Ergebnissen gekommen. So gehe die Deutschdidaktik zum Beispiel davon aus, dass Leseförderung fächerübergreifend stattfinden müsse. Nach Scherf habe Leseförderung aber just dort besonders gut funktioniert, wo sich vor allem die Deutschlehrer dafür zuständig fühlen. „Insofern ist das Konzept der Fachdidaktik, Leseförderung fächerübergreifend zu denken, zwar theoretisch nachvollziehbar, in seiner schulischen Wirkung jedoch fragwürdig“, so Scherf.
Die Lehrer selbst will Scherf nicht kritisieren. Insgesamt habe er festgestellt, dass an Schulen sehr viel über das Thema nachgedacht werde. Bei vielen Lehrern resultiere das Wissen um Leseförderung jedoch aus der Unterrichtserfahrung, aus dem Umgang mit eigenen Kindern und vielen anderen Dingen. „Das ist alles andere als Fachwissen“, sagt Scherf. Einen wissenschaftlichen Hintergrund halte er jedoch für sehr wichtig. Manche Methoden, die Kinder zum Lesen animieren sollten, wirkten nur auf leseaffine Schüler positiv. Je nach Begleitung durch den Lehrer könnten z.B. Vielleseverfahren wie „Antolin“ leseschwache Schüler insofern sogar in der Annahme bestärken, Lesen sei „nur etwas für die anderen“.
Daniel Scherf wurde in Augsburg bei Professor Dr. Klaus Maiwald promoviert und forscht seit einem Jahr am Lehrstuhl von Cornelia Rosebrock im Bereich der fachdidaktischen Leseforschung. Beim Symposion Deutschdidaktik, das von 7. Bis 11. September unter internationaler Beteiligung in Basel stattfindet, hat er den Förderpreis Deutschdidaktik erhalten.
Ein Bild zum Download finden Sie hier.
Informationen: Dr. Daniel Scherf, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universität Frankfurt, Tel: 069 798-32554, E-Mail: Scherf@em.uni-frankfurt.de