Archiv Pressemitteilungen | 2012 bis 2017

Veranstaltungen

Feb 16 2015
13:55

Auftaktveranstaltung zur Kooperation der Goethe-Universität mit dem Frauennetzwerk „Frauen mit Format“

Auch Frauen brauchen Netzwerke

Nachtrag vom 6. März 2015

„Machtfaktor Netzwerk – warum Frauen starke Beziehungsgeflechte brauchen“

Diese Frage stand im Zentrum einer gut besuchten Podiumsdiskussion am Donnerstagabend am Campus Westend. Einen Tag vor der Quotenabstimmung im Bundestag diskutierten GU-Präsidentin Prof. Birgitta Wolff, Prof. Ann-Kristin Achleitner von der TU München und Gisbert Rühl, Vorstandsvorsitzender des Stahlkonzerns Klöckner darüber, warum Frauen es trotz ebenbürtiger Qualifikation immer noch schwer haben, an die Spitze zu kommen. Moderiert wurde die Veranstaltung, die den Auftakt einer neuen Kooperation zwischen der Goethe-Universität und dem Wirtschaftsnetzwerk „Frauen mit Format“ bildete, vom langjährigen Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert.

 

 


Einladung zum Medientermin

FRANKFURT. „Machtfaktor Netzwerk: Warum Frauen ein starkes Beziehungsgeflecht brauchen“ – unter diesem Motto steht eine Podiumsdiskussion am Donnerstag, 5. März, um 19 Uhr in der Lobby des Präsidialgebäudes auf dem Campus Westend (Adresse: Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main). Die Veranstaltung mit Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff, Wirtschaftsprofessorin Ann-Kristin Achleitner und Konzernmanager Gisbert Rühl bildet den Auftakt einer Kooperation zwischen der Goethe-Universität und dem Frauennetzwerk „Frauen mit Format“ (FmF). Moderiert wird die Diskussion vor geladenen Gästen vom früheren Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert. Medienvertreter sind herzlich eingeladen.

„Mehr Frauen in Aufsichtsräten“ – dieses Ziel will die Bundesregierung mit einer Quote für die größten aktiennotierten Unternehmen erreichen. Das Frauennetzwerk „Frauen mit Format“ setzt zudem auf Vernetzung: Vor drei Jahren von Astrid von der Malsburg und Gleichgesinnten gegründet, soll es Kontakte zwischen Frauen in verantwortlichen Positionen schaffen. Dreimal jährlich trifft sich der Verbund zum Mittagessen in einem Unternehmen, es gibt einen Vortrag, die Frauen kommen ins Gespräch – dabei entstehen wichtige Kontakte und neue Ideen. Bei einem solchen Treffen im Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg war auch die Politikwissenschaftlerin und Vizepräsidentin der Goethe-Universität Prof. Tanja Brühl dabei – hier entstand die Idee einer Kooperation. Eine Verbindung zwischen FmF und Goethe-Universität könnte Studentinnen, Absolventinnen und Professorinnen zugutekommen, so der Gedanke. „Neben der Qualifikation spielen beim beruflichen Fortkommen auch Netzwerke eine Rolle. Auch für Frauen“, ist Tanja Brühl überzeugt. Damit die Querverbindung zwischen Hochschule und Wirtschaft gut gelingt, wurde im PEG-Gebäude am Campus Westend zunächst für einen befristeten Zeitraum ein Koordinationsbüro eingerichtet.

Das FmF-Büro versteht sich als Kontaktstelle, entsprechende Links und Anzeigen soll es auch auf der Homepage geben. „Ich wünsche mir zum Beispiel eine Praktikumsbörse für gute Studentinnen. Wenn junge Frauen erleben, dass z.B. in einer großen, internationalen Anwaltskanzlei auch Mütter erfolgreich arbeiten, macht das Mut für den eigenen Weg“, sagt Vizepräsidentin Brühl. Das FmF-Team plant neben differenzierten Veranstaltungen für berufstätige Frauen und Wissenschaftlerinnen auch ein Mentoringprogramm. Ein vertrauensvoller Erfahrungsaustausch sei wesentlicher Bestandteil jedes guten Netzwerkes, von dem sowohl Mentorinnen als auch Mentees profitierten, so Adrienne von Hochberg. Eine stärkere Vernetzung zwischen Hochschule und Wirtschaft könnte neue Zukunftsoptionen deutlich machen. Und nicht zuletzt könnten für Doktorarbeiten und Forschungsprojekte neue Partner gewonnen werden.

Es sei erschreckend, dass einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge die Zahl der weiblichen Führungskräfte in großen Unternehmen sogar rückläufig sei, sagt FmF-Gründerin Astrid von der Malsburg: „Es macht sich eine Abwehrhaltung breit, und je isolierter sich die Frauen fühlen, desto mehr geben sie ihre Karrieren auf und treten in die zweite Reihe.“ Deshalb seien Netzwerke so wichtig. Und auch die Quote sei zu begrüßen: „Die Köpfe müssen zum Umdenken leider gezwungen werden“, sagt von der Malsburg, die früher Reden für Helmut Kohl geschrieben hat und früher der Quote mit Skepsis begegnet ist. „Während von Männern erwartet wird, dass sie Herausforderungen annehmen, müssen Frauen erst mal beweisen, dass sie es können“, erklärt Adrienne von Hochberg, die als Partnerin das neue Büro am Campus Westend mit aufbaut, warum es bis zur Chancengleichheit noch ein langer Weg ist.

Das Startsignal für die Kooperation gibt die Podiumsdiskussion am 5. März in der Lobby des Präsidialgebäudes am Campus Westend. Mit Unipräsidentin Wolff diskutieren Ann-Kristin Achleitner, Professorin für Betriebswirtschaftlehre an der TU München, und Gisbert Rühl, Vorstandsvorsitzender des Duisburger Stahlkonzerns Klöckner. Anmeldung nach Möglichkeit bis 20. Februar unter fmf@em.uni-frankfurt.de.

Einladung zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/54226031

Veranstaltungen

Feb 16 2015
10:55

Am 5./6. März können sich Studierende wieder bis zum Morgengrauen mit ihren aufgeschobenen Hausarbeiten beschäftigen – und dabei sachkundig beraten lassen

Lange Nacht mit Notebooks und Schreibtisch-Yoga

FRANKFURT. Das Schreibzentrum der Goethe-Universität veranstaltet vom 5. auf den 6. März zum fünften Mal die „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“. „Da haben Schreibblockaden und Aufschieberitis keine Chance!“, so Dr. Stephanie Dreyfürst, gemeinsam mit Dr. Nadja Sennewald Leiterin des Schreibzentrums. Falls Studierende mal beim Schreiben stecken bleiben: Die Schreibtutorinnen und -tutoren wissen, wie sie damit am besten umgehen können.  „Besonders gut hilft zum Beispiel das Freewriting, eine Brainstorming-Methode“, ergänzt Dr. Sennewald.

Um 20 Uhr ist Einlass im Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften, IG-Farben-Haus, Campus Westend. Bis zum Morgengrauen beantworten die Tutoren des Schreibzentrums Fragen und bieten adhoc Schreibberatungen an. Auch einstündige Kurzworkshops zu Zeitmanagement, Argumentationsstrukturen und Schreibtisch-Yoga gehören zum nächtlichen Programm. Für Marco Linguri, 24, Schreibtutor am Schreibzentrum, ist die „Lange Nacht“ das Highlight des Semesters: „Draußen ist es dunkel, still, alles schläft, nichts lenkt einen ab. Und innen – eine ganze Bibliothek voll mit nächtlichen Schreibern!“ Diese konzentrierte Atmosphäre überträgt sich auch auf die Schreibenden, die sonst Schwierigkeiten beim Durchhalten haben. Auch für den nötigen Kaffee in den Schreibpausen ist gesorgt.

Wer sich mit Kommilitonen in anderen deutschen Unis austauschen möchte, kann dies unter dem Hashtag #lndah tun. Denn die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten findet bundesweit am 5. und 6. März statt.

Zur Teilnahme an der „Langen Nacht“ sind alle Studierenden und Promovierende der Goethe- Universität eingeladen; Netbooks und Nervennahrung nicht vergessen!

Anmeldung: bis zum 4. März 18 Uhr unter schreibzentrum@dlist.uni-frankfurt.de (Name, Studienfach, Semester)

Weitere Informationen: http://schreibzentrum.uni-frankfurt.de; https://schreibnacht.wordpress.com/

Veranstaltungen

Feb 16 2015
10:51

Dialog zwischen Wissenschaftlern und Praktikern bei „Interdisziplinärer, psychoanalytischer Forschungskonferenz“ auf dem Campus Westend

Traumata bei Risikokindern erkennen und behandeln

FRANKFURT. Verwahrlosung, Gewalt und sexueller Missbrauch gehören zu den Alltagserfahrungen nicht weniger Kinder in Deutschland – das beschäftigt zunehmend auch die Wissenschaft. „Annäherungen an ‚Risikokinder‘ – Psychoanalytische und interdisziplinäre Forschung zu traumatisierten Kindern“ ist das Thema, zu dem sich Forscher und Praktiker bei der interdisziplinären psychoanalytischen Forschungskonferenz vom 27. Februar (Freitag) bis 1. März (Sonntag) an der Goethe-Universität austauschen.

Kinder verbergen ihr Trauma nicht selten hinter auffälligem und störendem Verhalten. Hier setzen Psychoanalytiker wie die Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts, Prof. Marianne Leuzinger-Bohleber, mit ihrer Diagnose an: „Ein solches Verhalten sehen wir nicht primär als Fehlverhalten, sondern als Ausdruck eines verborgenen unbewussten, sinnvollen psychischen Geschehens.“ Die Mitorganisatorin der Tagung ergänzt: „Daher gilt es zunächst, das auffällige Verhalten des Kindes zu entschlüsseln, hinter dem oft traumatische Erfahrungen stecken.“ Wie solche Traumatisierungen erkannt  und behandelt werden können, damit wollen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler u.a. bei ihrer Tagung beschäftigen.

Traumatisierte „Risiko-Kinder“ stellen eine besondere Herausforderung für Psychotherapeuten, Erziehungswissenschaftler, Lehrer und Erzieher. Sie werden immer häufiger mit Kindern konfrontiert, die häusliche Gewalt erlebt haben, aber auch mit traumatisierten Kindern aus Flüchtlings- und Migrantenfamilien. „Die Psychoanalyse kann aus Jahrzehnte langer Erfahrung mit Trauma-Patienten auch einiges zur aktuellen Debatte beitragen. Als eine der ersten wissenschaftlichen Disziplinen hat sie die Kurz- und Langzeitfolgen von schweren Traumatisierungen auf Kinder und ihre Entwicklung untersucht“, erläutert die Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts. Inzwischen wurde dieses Thema auch in vielen anderen Disziplinen erforscht, u.a. in den Neurowissenschaften, der Cognitive Science, der empirischen Entwicklungsforschung und der Pädagogik. Der Dialog zwischen diesen Disziplinen und der Praxis soll bei der international besetzten Frankfurter Tagung intensiviert werden. Ausgerichtet wird sie von Vertretern des Sigmund-Freud-Instituts, des interdisziplinären Forschungszentrums „Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk“ (IDeA) und den Universitäten Stockholm, Kassel und Frankfurt.

„Elterliche Gewalt, der plötzliche Tod eines Elternteils oder lebensbedrohliche Kriegserlebnisse können wie ein verschlingendes Energiezentrum auf Kinder wirken und ihren empathischen Schutzschild komplett zerstören. Deshalb ist es so wichtig, dass wir solche gravierenden traumatischen Erfahrungen erkennen und behandeln können“, unterstreicht Leuzinger-Bohleber. Je früher traumatisierte Kinder und ihre Eltern die Möglichkeit erhalten, in einer geschützten professionellen Beziehung über das Erlebte zu sprechen, desto eher können die Kurz- und Langzeitfolgen eingedämmt werden. Dabei spielt die Art des Traumas, der familiäre, institutionelle und gesellschaftliche Kontext eine entscheidende Rolle, denn Traumatisierungen betreffen zwar immer Individuen, verweisen aber – wie die Terroranschläge in Paris leider einmal mehr drastisch vor Augen geführt haben – immer auch auf gesellschaftliche Zusammenhänge.

Öffentlicher Vortrag zu „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“

Diese komplexen Zusammenhänge illustrieren die beiden Psychoanalytiker Ralf Zwiebel und Andreas Hamburger exemplarisch in dem öffentlichen Vortrag, der am Freitag (27. Februar) um 20 Uhr im Nebengebäude des IG-Farben-Hauses, Campus Westend, stattfindet. Anschauungsmaterial bietet dabei der Film „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“ von Michael Haneke. Sadistische Erziehungsmethoden, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland sehr verbreitet waren, führten zu schweren Bindungstraumata der Kinder – so der englische Psychoanalytiker Peter Fonagy, hatten aber auch gravierende soziale und gesellschaftliche Folgen. Der Film wirft einen kritischen Blick auf den sittenstrengen Protestantismus und seine traumatisierenden Folgen für die individuellen Entwicklungen, die den Übergang vom Wilhelmismus zum Nationalsozialismus begünstigten.

Diese Tagung führt die Tradition der Joseph Sandler Research Conferences weiter, die in den vergangenen sieben Jahren jeweils am ersten März-Wochenende in Frankfurt stattfanden. Sandler und seine Frau hatten die Psychoanalyse in den 1990er Jahren stärker für den Dialog mit den anderen Wissenschaften geöffnet und deshalb diese einmal im Jahr ausgerichtete Konferenz ins Leben gerufen.

Informationen: Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber, Sigmund-Freud-Institut, Tel. (069) 971204-0; m.leuzinger-bohleber@sigmund-freud-institut.de; www.sigmund-freud-institut.de; Registration für die Tagung: Otgon Kröhan, tagung@sfi-frankfurt.de

Veranstaltungen

Feb 12 2015
13:52

Klimagerechtigkeit im Fokus von Wissenschaft und Kunst

Einladung zum Medientermin

Sehr geehrte Damen und Herren,

gemeinsam laden das Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg, die Universität Frankfurt und die Stadt Bad Homburg v.d.Höhe ein zum Pressegespräch für

Dienstag, 17. Februar 2015, 9:30 Uhr,
in die Bibliothek des Forschungskollegs Humanwissenschaften
Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg.

Zum Thema „Klimagerechtigkeit im Fokus von Wissenschaft und Kunst“ sind Ihre Gesprächspartner 

  • Michael Korwisi, Oberbürgermeister der Stadt Bad Homburg v.d.Höhe,
  • Ingrid Rudolph, Geschäftsführerin des Forschungskollegs Humanwissenschaften,
  • Dr. Julia Schultz, Wissenschaftlerin und Koordinatorin der Veranstaltungen und
  • Linde Storm, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität.

Wir informieren Sie in unserem Gespräch über zwei Veranstaltungen zum Thema Klimagerechtigkeit: die Fotoausstellung „The Human Face of Climate Change“ und die Podiumsdiskussion „Klimawandel und Gerechtigkeit“, veranstaltet vom Forschungskolleg Humanwissenschaften und dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt.

Ausführliche Informationen zu beiden Veranstaltungen erhalten Sie während des Pressegesprächs. Wir bitten Sie, die Termine bereits jetzt vorzumerken. Die Ausstellung eröffnet am Donnerstag, 19. Februar 2015, um 16:30 Uhr im Foyer des Forschungskollegs Humanwissenschaften. Sie wird anschließend bis 15. Mai 2015 zu sehen sein. Die Podiumsdiskussion „Klimawandel und Gerechtigkeit“ mit Darrel Moellendorf, Konrad Ott, Hermann E. Ott und Julia Schultz findet am Montag, 23. Februar 2015, im Tagungsraum des Forschungskollegs Humanwissenschaften statt. Beginn ist um 19:00 Uhr.

Über Ihr Kommen und eine anschließende Berichterstattung würden wir uns sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Möring , Stadt Bad Homburg v. d. Höhe
Dr. Olaf Kaltenborn, Goethe-Universität Frankfurt am Main

Forschung

Feb 12 2015
11:50

Frankfurter Intensivmediziner Kai Zacharowski arbeitet an gemeinsamem Curriculum für Europa

Grenzübergreifende Intensivmedizin

FRANKFURT. Wer im Urlaub schwer erkrankt oder einen Unfall hat, möchte genauso gut behandelt werden wie zu Hause in Deutschland. Eine gute Ausbildung der Ärzte kann gerade in der Intensivmedizin lebenswichtig für den Patienten sein. Um europaweit einheitliche Standards für die Intensivmedizin bemüht sich eine Kommission bei der Europäischen Union unter Leitung von Prof. Kai Zacharowski, dem Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie an der Goethe-Universität. Diese Kommission mit dem etwas sperrigen Namen Multiple Joint Committee Intensive Care Medicine (MJC ICM) hat Rahmenrichtlinien formuliert, die die Mitgliedsstaaten nun ratifizieren sollen. Dabei wird es wohl nicht ohne Kompromisse abgehen.

„In Vielfalt geeint“ – das Motto der Europäischen Union verweist auf die Vorteile der unterschiedlichen Kulturen auf unserem Subkontinent. Im Bereich der Medizin kann diese Vielfalt auch zum Nachteil des Patienten werden. Besonders uneinheitlich sind die Regelungen im Bereich der Intensivmedizin. Absolvieren Mediziner hierzulande zunächst ihre Facharztausbildung, bevor sie zum Intensivmediziner weitergebildet werden können, ist die Intensivmedizin beispielsweise in Spanien eine Facharztausbildung direkt im Anschluss an das Studium. Kein Wunder, dass ein Wechsel innerhalb Europas für Intensivmediziner unter Umständen schwierig ist.

„Junge Ärzte wollen sich nicht für ihr ganzes Berufsleben auf den Bereich Intensivmedizin festlegen“, begründet Kai Zacharowski die Organisation der Ausbildung in Deutschland. Schichtdienste und die hohe psychische Belastung legten nahe, dass man sich nicht zu früh auf die Intensivmedizin festlegen solle, so der Professor, der Deutschland auch in der Union Européenne des Médicins Spécialistes (UEmS) vertritt. Hierzulande sei undenkbar, die Ausbildungszeit von insgesamt sieben Jahren zu verkürzen: „Nach drei Jahren können wir einen jungen Kollegen noch nicht eigenständig arbeiten lassen.“ Letztlich bleibe die Dauer der Ausbildung aber Sache der einzelnen Staaten. Bei den Inhalten jedoch sollte es einheitliche Standards geben. Richtlinien für die medizinischen Berufe sind national festgelegt, bei den Gesundheitsministerien oder – wie im Falle Deutschlands – bei Standesorganisationen wie der Bundesärztekammer. Für Fächer wie die Herzchirurgie, die Anästhesie oder die Neurochirurgie gibt es bereits verbindliche europaweite Rahmenbedingungen. Nun solle es auch für die Intensivmedizin einen neuen europäischen Rahmen geben, der in Abstimmung der nationalen Standesorganisationen erarbeitet wurde.

„Die Intensivmedizin hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert“, sagt Zacharowski: „Heute können wir Menschen zurückholen, die vor zehn Jahren auf jeden Fall gestorben wären.“ Daraus ergeben sich neue Herausforderungen für die Intensivmedizin und -pflege. Ein Mediziner auf der Intensivstation muss das ganze Spektrum souverän beherrschen, das bei der Arbeit mit kritisch kranken Menschen gebraucht wird: das Ersetzen von Organfunktionen, die Dialyse, die Beatmung, das Erkennen und Behandeln von Blutvergiftungen, den richtigen Einsatz von Antibiotika, das Management von Bluttransfusionen – und nicht zuletzt den Umgang mit Angehörigen.

Das gemeinsam erarbeitete Papier hat Zacharowski Ende 2014 der Europäischen Kommission vorgestellt. Nun müssen die verschiedenen nationalen Instanzen darüber befinden. Zacharowski rechnet mit einem Abschluss bis Ende 2015, bis dahin wird er aber noch so manches Gespräch führen müssen. Einzelne Länder wie Großbritannien hätten bereits grünes Licht signalisiert, berichtet Zacharowski. Dennoch müsse man sich auf Kompromisse einstellen, denn eine umfangreichere Ausbildung bedeute auch höhere Kosten. Fest stehe jedoch: Wenn Europa näher zusammenrücken soll, ist ein einheitliches Training unverzichtbar.

Information: Prof. Dr. Dr. Kai Zacharowski, Direktion.Anaesthesie@kgu.de