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Prof. Werner Plumpe stellt im Rahmen der Bürger-Universität einen Alumni der Goethe-Universität vor: Ludwig Erhard
FRANKFURT. Die meisten nennen Theodor W. Adorno, wenn sie an einen prominenten Alumnus der Goethe-Universität denken. Viel seltener dagegen fällt der Name Ludwig Erhards. Dabei hat auch der zweite deutsche Bundeskanzler als Promovend von Franz Oppenheimer, dem ersten deutschen Lehrstuhlinhaber für Soziologie und Nationalökonomie, prägende Jahre an der damals noch jungen Frankfurter Universität verbracht. Jahre, die sein ökonomisches und politisches Denken fundamental verändert haben.
Das von Erhard vertretene Modell der Sozialen Marktwirtschaft geht ganz wesentlich auf Oppenheimers Idee eines Dritten Weges zwischen Kapitalismus und Sozialismus zurück, wie er in einer Lobrede auf seinen akademischen Lehrer 1964 deutlich machte: „Etwas hat mich so tief beeindruckt, dass es für mich unverlierbar ist, nämlich die Auseinandersetzung mit den gesellschaftspolitischen Fragen unserer Zeit. Er (Oppenheimer) erkannte den „Kapitalismus“ als das Prinzip, das zur Ungleichheit führt, das die Ungleichheit geradezu statuiert, obwohl ihm gewiss nichts ferner lag als eine öde Gleichmacherei; auf der anderen Seite verabscheute er den Kommunismus, weil er zwangsläufig zur Unfreiheit führt. Es müsse einen Weg geben, - einen dritten Weg, der eine glückliche Synthese, einen Ausweg bedeutet (…) Solange ich lebe, werde ich Franz Oppenheimer nicht vergessen! Ich werde glücklich sein, wenn die Soziale Marktwirtschaft - so vollkommen oder so unvollkommen sie auch sein mag - weiter zeugen wird auch für das Werk, für den geistigen Ansatz der Gedanken und die Lehre von Franz Oppenheimer.“
Der besondere Impuls, den Erhards Denken in seinen Jahren bei Franz Oppenheimer erfuhr, wird auch Gegenstand des nächsten Vortrags im Rahmen der Frankfurter Bürgeruniversität in der Reihe „Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien“ sein.
Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten deutscher Sozial- und Kulturgeschichte vor. Stellvertretend für eine ganze Nation werden so auch die individuellen Voraussetzungen Ludwig Erhards betrachtet. Werner Plumpe von der Goethe Universität, einer der profiliertesten Experten für Wirtschaft und Sozialgeschichte, geht in seinem Vortrag den Stationen einer Politikerkarriere nach, aber auch den Voraussetzungen, die aus Ludwig Erhard einen liberalen Wirtschaftspolitiker machten.
Referent: Prof. Werner Plumpe, Goethe-Universität Frankfurt
am: Montag, 26. Mai 2014, um 19.30 Uhr,Ort: Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt
Anfahrt: www.stadtbuecherei.frankfurt.de
Eintritt frei
Das komplette Programm der 11. Frankfurter Bürger-Uni: www.buerger.uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Frankfurter Forum für interdisziplinäre Alternsforschung der Goethe-Universität geht an den Start.
FRANKFURT. Aktuell feiern Menschen des geburtenstärksten Jahrgangs in Deutschland ihren 50. Geburtstag. Aber nicht nur die Baby-Boomer-Generation, auch die Älteren von heute stellen andere Anforderungen an das eigene Altern und an die Gesellschaft als frühere Generationen. Unter veränderten Alltagsanforderungen und neuen Technikentwicklungen wollen ältere Menschen mobil bleiben und an Gesellschaft teilhaben. Wichtiger werden daher belastbare Befunde aus einer Forschung, die Älterwerden nicht nur unter medizinischer Perspektive betrachtet.
Das neue „Frankfurter Forum für interdisziplinäre Alternsforschung“ (FFA), das zum 1. August 2014 seine Arbeit aufnimmt, verknüpft lebens-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Perspektiven mit dem Ziel der Förderung und Erhaltung von Lebensqualität.
Anlässlich der Unterzeichnung der Fördervereinbarung über das Frankfurter Forum für interdisziplinäre Alternsforschung (FFA) zwischen der BHF-BANK-Stiftung und der Goethe-Universität Frankfurt möchten wir Ihnen das neue Forum bei einem Mediengespräch
am Montag, den 26. Mai 2014, Beginn: 11:00 Uhr, in der BHF-BANK Stiftung, Bockenheimer Landstr. 10/Eingang Oberlindau 2, Kaffeezimmer, 60323 Frankfurt
vorstellen. Ihre Gesprächspartner:
* Dietmar Schmidt, Vorsitzender der BHF-BANK Stiftung
* Prof. Tanja Brühl, Vizepräsidentin der Goethe-Universität
* Prof. Frank Oswald, Interdisziplinäre Alternswissenschaft, Goethe-Universität
Vorgestellt werden ebenfalls zwei konkrete Projekte, die sich mit den Themen „Emotionale und soziale Robotik“, „Mobilität im Alter“ sowie „Menschenwürde und Persönlichkeitsschutz beschäftigen.
Im Anschluss reichen wir einen kleinen Imbiss, der Gelegenheit zu weiterem Austausch bietet.
Über Ihr Interesse freuen wir uns. Bitte teilen Sie uns mit (ott@pvw.uni-frankfurt.de), ob wir mit Ihrem Kommen rechnen können.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Dirk Frank
Pressereferent
Sonstige
Zwölf Bände in einem Jubiläumsschuber Biografien vermitteln Eindruck von intellektueller und wissenschaftlicher Vielfalt an der Frankfurter Universität
FRANKFURT. Die Goethe-Universität nimmt ihren 100. Geburtstag zum Anlass, sich herausragender Persönlichkeiten in ihrer Geschichte zu erinnern. In der im Frankfurter Societäts-Verlag erscheinenden Biografienreihe „Gründer, Gönner und Gelehrte“ werden Persönlichkeiten der Gründerjahre der Universität vor und nach 1914 ebenso wie die Generation des Wiederaufbaus nach 1945, aber auch Vordenker und Akteure der bildungsbewegten 1960er und 1970er Jahre porträtiert.
Bei der Präsentation des Jubiläumsschubers mit den bisher zwölf erschienenen Bänden erklärte Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl: „Die Biografien vermitteln einen hervorragenden Eindruck von der intellektuellen und wissenschaftlichen Vielfalt, die die Universität in ihrer frühen Phase bis 1933 prägte, aber auch über das Engagement der Remigranten, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg vehement für den Wiederaufbau einer liberalen Universität stark machten“, und er ergänzte: „In den Lebensbildern der Gründer, Gönner und Gelehrten spiegelt sich auch die wechselvolle deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert wider.“
Folgende Bände, die einzeln oder im Schuber im Buchhandel und beim Societäts-Verlag erhältlich sind, liegen vor: Franz Adickes, Oberbürgermeister und Universitätsgründer – Theodor W. Adorno, Philosoph, Musiker, pessimistischer Aufklärer – Friedrich Dessauer, Röntgenpionier, Biophysiker und Demokrat – Leo Frobenius, Afrikaforscher, Ethnologe, Abenteurer – Leo Gans, Arthur von Weinberg, Mäzenatentum und jüdische Emanzipation – Max Horkheimer, Begründer der „Frankfurter Schule“ – Ernst Kantorowicz, Der „ganze Mensch“ und die Geschichtsschreibung – Wilhelm Merton. Ein Weltbürger gründet eine Universität – Fritz Neumark, Finanzpolitiker und Politikberater – Franz Oppenheimer, Ökonom und Soziologe der ersten Stunde – Henry Oswalt, Bildungsbürger und Mäzen – Otto Stern, Physiker, Querdenker, Nobelpreisträger.
Franz Adickes
Franz Adickes (1845–1915), von 1891 bis 1912 Oberbürgermeister von Frankfurt, zählt zu den herausragenden Kommunalpolitikern im Kaiserreich. In seiner Amtszeit vollzog Frankfurt den Aufstieg zur Großstadt. Höhepunkt von Adickes‘ Wirken ist die Gründung der Frankfurter Universität – für deren Einrichtung Bürger der Stadt rund 20 Millionen Mark an privaten Mitteln aufbrachten. Der Frankfurter Historiker Lothar Gall stellt Adickes als Repräsentant des liberalen Bürgertums vor.
Theodor W. Adorno
Theodor W. Adorno (1903–1969) gehört zu den bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Max Horkheimer (1895–1973) gilt er als Begründer der „Kritischen Theorie“. Der Musikkritiker Gerhard R. Koch stellt in seiner Biografie auch den Komponist Adorno und seine kreative (musik-)ästhetische Reflexion aus dem Geist der Moderne vor. Das „Achtundsechziger“-Idol beharrte auf der Theorie gegenüber Polit-Aktionismus und wurde im Konflikt mit den linken Studenten zwischen subjektiv revolutionärem Denken und kollektivem Umsturzverlangen zerrissen.
Friedrich Dessauer
Die Röntgenstrahlen waren die aufregendste Entdeckung seiner Jugend. Wie Physikerin und Wissenschaftsjournalistin Anne Hardy schildert, erkannte Friedrich Dessauer (1881–1963) den Wert der Röntgenstrahlen für die medizinische Diagnostik, als er an das Krankenbett seines Bruders gerufen wurde und die Ärzte eine tödliche Krankheit diagnostizierten. Er brach sein Studium ab und gründete noch minderjährig eine Firma für Röntgenapparate. Erst mit 34 Jahren holte er seine Promotion nach und gründete bald darauf an der Universität Frankfurt ein Institut, aus dem das heutige Max-Planck-Institut für Biophysik hervorgegangen ist. Sein politisches Engagement als Reichstagsabgeordneter der katholischen Zentrumspartei zwangen ihn 1934 ins Exil nach Istanbul. Erst 1953 kehrte er nach Frankfurt zurück.
Leo Frobenius
Leo Frobenius (1873-1938) war eine schillernde und doch faszinierende Persönlichkeit: Abenteurer und Afrika-Entdecker, Ethnologe und Kulturphilosoph, Monarchist und Ideenspender für ein neues Afrika-Bild. Der Autodidakt war getrieben von der Vorstellung, sich mit aller Kraft gegen Modernisierung und Rationalisierung stemmen zu müssen. Und in Afrika schien er all das in den Mythen, Masken und Malereien zu finden, was in Europa an Wert verlor. Der Autor und Ethnologe Bernhard Streck kommt zu der Einschätzung: Trotz aller Verständnisprobleme, die sich heute auftun, hat Frobenius seinen Platz in der Ahnengalerie der ersten Bürgeruniversität Deutschlands verdient.
Leo Gans, Arthur von Weinberg
Leo Gans (1843–1935) und Arthur von Weinberg (1860–1943), Ehrenbürger der Stadt Frankfurt, geniale Erfinder und mit Cassella erfolgreiche Unternehmer, entstammten einer der ältesten jüdischen Familien Frankfurts. Als Naturwissenschaftler und Mäzene sorgten sie dafür, dass der Physikalische Verein und die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft als selbstständige Einrichtungen in die neue Universität integriert wurden. Die Historikerin Monika Groening zeigt, wie ihre Lebenswege von den Veränderungen während des Kaiserreichs und des Nazi-Terrorregimes geprägt wurden.
Max Horkheimer
Bereits in den 1920er Jahren war Max Horkheimer (1895-1973) als Philosophie-Professor und als Direktor des Instituts für Sozialforschung einer der führenden Köpfe der „geistigen Linken“. 1933 gehörte er wie sein enger Vertrauter Theodor W. Adorno (1903–1969) und einige Mitarbeiter zu den ersten Opfern der „Säuberung“ der Universität und mussten ins US-Exil emigrieren. 1950 kehrten Horkheimer und viele andere Wissenschaftlern nach Frankfurt zurück und entwickelten das Institut für Sozialforschung zu einem intellektuell-moralischen Zentrum für die junge Bundesrepublik. Die „Frankfurter Schule“ einer kritischen Gesellschaftstheorie fand weltweit Beachtung, wie Rolf Wiggershaus, ausgewiesener Kenner, eindrucksvoll darlegt.
Ernst H. Kantorowicz
Wie kaum ein anderer steht Ernst H. Kantorowicz (1895-1963), der von 1930 bis 1935 eine Professur für mittelalterliche Geschichte an der Frankfurter Universität innehatte, für die Ambivalenzen im „Zeitalter der Extreme“. Der jüdische Gelehrte und „Jünger“ des Dichters Stefan George war ein bekennender Deutschnationaler. Mit seiner vielbeachteten Biografie Kaiser Friedrichs II. schrieb er ein Generationenbuch, dem auch Nationalsozialisten die Anerkennung nicht versagten. Dennoch musste auch er 1938 aus Deutschland fliehen. Er emigrierte in die USA. Der Historiker Janus Gudian zeichnet Kantorowicz‘ Leben detailliert nach und setzt dabei Vita und Werk in Beziehung.
Wilhelm Merton
Wilhelm Merton (1848–1916), geboren als William Moses, Jude, Großhändler, Konzernlenker mit globalen Ambitionen und weltweitem Einfluss, Mäzen und Philanthrop, Sozialreformer, Konvertit sowie Großbürger mit liberaler Gesinnung ist eine der beeindruckenden Persönlichkeiten Frankfurts in Wilhelminischer Zeit. Wie der Historiker Ralf Roth beschreibt, war Merton nicht nur maßgeblich an der Gründung der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften und der Frankfurter Universität beteiligt, sondern setzte auch deren Öffnung zu den modernen Sozialwissenschaften durch.
Fritz Neumark
Der Nationalökonom Fritz Neumark (1900–1991) gehört zu den einflussreichsten deutschen Finanzwissenschaftlern der Nachkriegszeit. Der Wirtschaftswissenschaftler Heinz Grossekettler beschreibt, wie Neumark als Wissenschaftler und Politikberater Grundsätze für eine moderne Finanzpolitik entwickelte, welche die Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik maßgeblich beeinflussten. Neumark gehörte zu den Remigranten, die in den 1950er Jahren das intellektuelle Klima an der Goethe-Universität bestimmten. Wie viele seiner Kollegen hatte er wegen seiner jüdischen Herkunft 1933 die Universität verlassen müssen.
Franz Oppenheimer
Franz Oppenheimer (1864–1943), Deutschlands erster Soziologie-Professor, hatte einen außergewöhnlichen Lebensweg: Nach dem Medizinstudium setzte sich der Sohn eines jüdischen Predigers bald mit sozialen und ökonomischen Fragen auseinander. 1919 stiftete Karl Kotzenberg (1866–1940) extra für ihn einen Lehrstuhl für Soziologie und Theoretische Nationalökonomie an der Frankfurter Universität. Seine zehn Frankfurter Jahre waren produktiv, aber auch konfliktreich, wie der Wirtschaftswissenschaftler Volker Caspari und der Soziologe Klaus Lichtblau beschreiben. Oppenheimer stritt für seine Vorstellungen eines „liberalen Sozialismus“. Einige seiner Ideen setzte sein berühmtester Schüler, Ludwig Erhard (1897–1977), mit der Sozialen Marktwirtschaft um.
Henry Oswalt
Der Geheime Justizrat Dr. Henry Oswalt (1849–1934) war eine der Gründerpersönlichkeiten der Frankfurter Universität. Wie die beiden Historiker Birgit Wörner und Roman Köster darlegen, unterstützte der aus dem jüdischen Bürgertum stammende Notar und Rechtsanwalt mit seinem fachmännischen Rat Oberbürgermeister Franz Adickes (1845–1915) und den Industriellen Wilhelm Merton (1848–1916) bei der Gründung der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften und ihrer späteren Umwandlung zur Universität. Mit Hilfe der „Oswalt-Stiftung“ konnte 1921 der erste Lehrstuhl für Röntgenphysik in Deutschland für Dessauer eingerichtet werden.
Otto Stern
Der Quantenphysiker Otto Stern (1888–1969) begründete den frühen Weltruhm in der Frankfurter Physik. Der Mitarbeiter Einsteins und geniale Experimentator wurde gleich 1914 nach Frankfurt berufen. Der Physiker Horst Schmidt-Böcking und die Wissenschaftshistorikerin Karin Reich beschreiben, wie Stern die Molekularstrahlmethode – den Weg zur Entschlüsselung des inneren Bauplans des Atoms – entwickelte und damit die Grundlagen der modernen Quantenphysik legte. 1933 als Jude aus Deutschland vertrieben, wird er 1943 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Kernspintomographie, Laser u.a. wären ohne Stern nicht denkbar.
Informationen: Dr. Kerstin Schulmeyer, Ulrike Jaspers, Projektkoordination, Campus Westend, schulmeyer@pvw.uni-frankfurt, jaspers@pvw.uni-frankfurt.de , Tel. (069) 798 13066.
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Eröffnung Historisches Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg
Sehr geehrte Damen und Herren,
das Historische Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften öffnet am 23. Mai offiziell seine Pforten. Es versteht sich als Ideenlabor der Geschichtswissenschaft, als produktiver Rückzugsort für Historiker von internationalem Ansehen. Doch es ist vor allem auch Ort der gesellschaftlichen Diskussion, an dem Fachleute und Öffentlichkeit, die Bürger Bad Homburgs und des Rhein-Main-Gebiets, zum lebendigen Austausch zusammenkommen.
Das zunächst auf fünf Jahre angelegte Programm ist ein Schulterschluss von Forschungskolleg Humanwissenschaften und Historischem Seminar der Goethe-Universität. Unter der Federführung von jeweils ein bis zwei Frankfurter Professorinnen oder Professoren widmet sich jedes der Jahre einer anderen historischen Fragestellung und Zeit: 2014 ist dies das Thema „Welt um 1914“ unter der Regie von Prof. Andreas Fahrmeir, wissenschaftlicher Koordinator des Historischen Kollegs. Die weiteren Programmverantwortlichen sind Wirtschaftshistoriker Prof. Werner Plumpe, Frühneuzeithistorikerin Prof. Luise Schorn-Schütte, Prof. Christoph Cornelißen, Lehrstuhlinhaber für Neueste Geschichte, Rechtshistoriker Prof. Thomas Duve und Althistoriker Prof. Hartmut Leppin. In jedem Jahr lädt das Historische Kolleg bis zu zehn thematisch einschlägige Gastwissenschaftler für einen Zeitraum von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten ein, um in den Kollegsgebäuden Am Wingertsberg zu forschen und mit der Öffentlichkeit in den Dialog zu treten.
Ermöglicht wurde die Einrichtung des Historischen Kollegs durch die Dagmar-Westberg-Stiftung und die finanzielle Unterstützung der Stadt Bad Homburg sowie des Unternehmers Stefan Quandt.
Den offiziellen Auftakt des Historischen Kollegs bildet eine Podiumsdiskussion zum Thema „Europa 1914. Der Weg ins Unbekannte“. Renommierte Weltkriegsexpertinnen und -experten, unter ihnen mit Christopher Clark und Gustavo Corni zwei der ersten Gastwissenschaftler des Historischen Kollegs, erörtern dabei weniger die Frage nach der Kriegsschuld der politischen Eliten als vielmehr die Stimmungslagen in der Bevölkerung. Christopher Clark ist auch Gast des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität. Die Podiumsdiskussion ist zugleich der Abschluss der gleichnamigen internationalen Tagung unter Leitung von Prof. Christoph Cornelißen. Sie ist der Frage gewidmet, wie die Bürger verschiedener Länder im Sommer 1914 den Weg in den Krieg erlebten, und beleuchtet die sozialen, kulturellen sowie politischen Leitbilder dieser Zeit. Das Historische Kolleg ist einer der Förderer dieser Tagung.
Vor der Podiumsdiskussion, die um 16.00 Uhr beginnt und im Konferenzraum des Forschungskollegs stattfindet, laden wir Sie ganz herzlich zu einem Mediengespräch ein. Dieses findet statt
am Freitag, den 23. Mai, um 14:30 Uhr,
in der Bibliothek des Forschungskollegs Humanwissenschaften,
Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg.
Ihre Gesprächspartner sind:
* Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, Direktor Forschungskolleg Humanwissenschaften, Vizepräsident Goethe-Universität Frankfurt
* Prof. Dr. Andreas Fahrmeir, Wissenschaftlicher Koordinator Historisches Kolleg, Programmverantwortlicher 2014,
* Ellinor Schweighöfer M.A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin Historisches Kolleg,
* sowie einige der Programmverantwortlichen für die Jahre 2015-2018.
Mit freundlichen Grüßen,
Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann
Prof. Dr. Andreas Fahrmeir
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Internationale Konferenz der Goethe-Universität thematisiert am 22. und 23. Mai auch den gewandelten Blick auf die historischen Ereignisse vor dem Kriegsausbruch
FRANKFURT. Wie erlebten die „einfachen Menschen“ und die Familien im Sommer 1914 den Weg der europäischen Mächte in den Ersten Weltkrieg? Welche Hoffnungen auf Frieden gab es trotz drohender Vorzeichen? Und war die öffentliche Stimmung in Deutschland bei Ausbruch des Waffengangs wirklich von so großer Euphorie geprägt? Auch um diese Fragen geht es auf der internationalen Tagung „Europa 1914 – Der Weg ins Unbekannte“ am 22. und 23. Mai. Veranstalter ist der Lehrstuhl für Neueste Geschichte an der Goethe-Universität. Zu den Kooperationspartnern gehört der Frankfurter Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“.
Ziel der Tagung ist es, aktuelle Forschungen zur Vorkriegszeit und zum Sommer 1914 zusammenzuführen. Auf dieser Grundlage sollen die kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Ursachen und Bedingungen für den Kriegsausbruch diskutiert werden. Zu den Teilnehmern zählen neben Christopher Clark aus Cambridge, Autor des Bestsellers „Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog“, auch weitere prominente Historiker aus verschiedenen Ländern – unter ihnen Gerd Krumeich (Freiburg) und Frédéric Rousseau (Montpellier). Ort des ersten Konferenztages am 22. Mai ist das Gebäude des Exzellenzclusters auf dem Frankfurter Campus Westend. Der zweite Teil findet am 23. Mai im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg satt. Hier mündet die Tagung auch in die abschließende Podiumsdiskussion. Für beide Tage und die Podiumsdiskussion ist eine vorherige Anmeldung erforderlich.
Die wissenschaftliche Leitung der Tagung haben Christoph Cornelißen, Professor für Neueste Geschichte, und seine Mitarbeiter Silke Fehlemann und Nils Löffelbein. Cornelißen ist gleichzeitig neues assoziiertes Mitglied des Clusters, der damit der Zeitgeschichte als einem besonders dynamischen Forschungsfeld der Geschichtswissenschaft eine erhöhte Aufmerksamkeit schenkt. Cornelißen wird in seinem Eröffnungsvortrag „Der Weg ins Unbekannte. Historiker-Kontroversen 1914 – 2014“ auch den Umstand thematisieren, dass Historiker ihre Vorstellungen vom Weg der europäischen Gesellschaften in den Ersten Weltkrieg schon mehrmals korrigieren mussten. „Anhand der Geschichtsschreibung zum Ersten Weltkrieg kann man die Konjunkturen sich wandelnder politischer Leitvorstellungen beschreiben“, so Cornelißen. „Die Thesen Christopher Clarks zur gemeinsamen Verantwortung der europäischen Mächte sind nicht zuletzt Zeichen einer veränderten Stellung Deutschlands in der internationalen Politik. Gleichzeitig sind sie Ausdruck veränderter Ansprüche der europäischen Öffentlichkeit.“
Die Tagung gliedert sich in drei aufeinanderfolgende Sektionen: „Kriegserwartungen“, „Friedenshoffnungen“, Mobilisierungen“.
Zu den Themen der ersten Sektion gehören die Kulturgeschichte des Militärs und dessen Kriegsvorstellungen. Außerdem zeigt der Mitorganisator Nils Löffelbein, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neueste Geschichte, in einem Vortrag, „dass es in den Vorkriegsgesellschaften bestenfalls vage Vorstellungen vom Verlauf und den Auswirkungen eines großen europäischen Krieges gab.“ In der zweiten Sektion geht es um die durchaus einflussreichen und weitgespannten Friedenshoffnungen, die den Beginn des Ersten Weltkriegs in ganz Europa begleiteten. In diesem Zusammenhang wird sowohl der sozialistische als auch den bürgerlichen Pazifismus beleuchtet.
Die dritte Sektion nimmt die verschiedenen Formen gesellschaftlicher Mobilisierungen in den Blick. „Wir wollen zeigen, dass der Krieg nicht nur an der Front stattfand, sondern auch die Zivilbevölkerungen, vor allem die Familien in vielfältiger Weise betroffen waren, von den Eltern der Soldaten bis zum Kleinkind. Abschiede waren die gemeinsame Erfahrung vieler europäischer Familien und wurden doch ganz unterschiedlich erlebt, praktiziert und erzählt“, so die Historikerin Silke Fehlemann, die ebenfalls zum Frankfurter Organisationsteam gehört.
Zum Ausklang der Konferenz steht der politische Weg in den Krieg im Vordergrund. Mit diesem Themenschwerpunkt wird auf die abschließende Podiumsdiskussion am 23. Mai ab 16.00 Uhr übergeleitet. Die Diskutanten sind neben Christopher Clark, Gerd Krumeich und Frédéric Rousseau auch Annika Mombauer (Milton Keynes, UK) und Gustavo Corni (Trient). Die Moderation hat Andreas Fahrmeir, Professor für Neuere Geschichte an der Goethe-Universität. Im Fokus sollen vor allem die Stimmungslagen und Leitbilder in der Bevölkerung stehen und weniger die Frage nach der Kriegsschuld der politischen Eliten.
Die Tagung „Europa 1914 – Der Weg ins Unbekannte“ wird gefördert von der Ludwig Quidde-Stiftung und dem Institut français d’histoire en Allemagne.
Eine weitere Gelegenheit, den prominenten Tagungsteilnehmer Christopher Clark zu erleben, besteht am 29. Mai auf dem Frankfurter Campus Westend. Dann hält er im Rahmen des Jubiläumsprogramms „100 Jahre Goethe-Universität“ einen vom Cluster ausgerichteten öffentlichen Vortrag zum Thema „Das Wilhelminische Deutschland und die Universität Frankfurt: Der Kontext der Kriegsjahre“.
Programm:
www.normativeorders.net/europa-1914
Anmeldung:
Anmeldung für die Vorträge der Tagung bitte beim Sekretariat des Lehrstuhls für Neueste Geschichte unter: m.konze@em.uni-frankfurt.de
Anmeldung für die Podiumsdiskussion im Forschungskolleg Humanwissenschaften bitte unter: schweighöfer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Informationen:
Lehrstuhl für Neueste Geschichte, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, Dr. Silke Fehlemann, Tel.: 069/798-32585, fehlemann@em.uni-frankfurt.de,