Archiv Pressemitteilungen | 2012 bis 2017

Forschung

Jul 17 2013
12:20

VolkswagenStiftung unterstützt Forschungsvorhaben am Interdisziplinären Zentrum für Ostasienstudien mit 1,37 Mio. Euro

Vom Schwachen zum Schutzwürdigen – Verwobene Modernitäten in Ostasien

FRANKFURT. Jenseits wirtschaftlicher Liberalisierungsschritte wird in Japan und China immer stärker öffentlich darüber diskutiert, wie schwache Gruppen und Interessen geschützt werden können. Worin unterscheiden sich diese Diskurse in Ostasien von denen in der westlichen Welt, wo sind Ähnlichkeiten auszumachen? Das werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Interdisziplinären Zentrum für Ostasienstudien (IZO) der Goethe-Universität in den nächsten drei Jahren genauer erforschen. Die VolkswagenStiftung unterstützt ihr Forschungsvorhaben in der Initiative „Schlüsselthemen für Wissenschaft und Gesellschaft“ mit 1,37 Mio. Euro. Diese freudige Nachricht traf jetzt in Frankfurt ein.

„Unsere Forschung soll einen innovativen Beitrag zum Dialog zwischen den Regionalstudien und den verschiedenen Disziplinen leisten“, so der Sinologe Prof. Iwo Amelung, der gemeinsam mit dem auf japanisches Recht spezialisierten Rechtswissenschaftler Prof. Moritz Bälz, der Politikwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Area Studies China/Ostasien, Prof. Heike Holbig, und Prof. Cornelia Storz, ausgewiesen für Institutionen- und Innovationsökonomik in Ostasien und Japan, den nun erfolgreichen Antrag gestellt hat. „Wir wollen nicht nur unser Verständnis für die Entstehung von nicht-westlichen Weltbildern und ihre Rückwirkungen auf die Weltbilder des Westens hinterfragen, uns interessiert auch, wie sich neue Positionen zum Schutz des Schwachen in einer globalisierten Welt entfalten“, ergänzt Holbig. Die Ergebnisse der verschiedenen Projekte werden die Wissenschaftler in Publikationen und Vortragsreihen, zu der ebenso Forscher aus Ostasien eingeladen werden, einer breiten interessierten Öffentlichkeit präsentieren.

Die Frankfurter Forscher haben ein spannendes Phänomen ausgemacht: Weg vom Dogma eines Primats von Modernisierung und ausschließlicher Fokussierung auf Wachstum wird in Japan und China neu über das Gemeinwohl und damit über den Schutz des Schwachen in der Gesellschaft verhandelt – ähnlich wie im Westen, aber mit regionalen Unterschieden. Denn diese Debatten nehmen Anleihen nicht nur bei westlich geprägten Diskursen, sondern auch bei den reichhaltigen ostasiatischen Traditionen von Barmherzigkeit und Philanthropie. „Systematisch zu vergleichen, wie China und Japan schwache Gruppen und Interessen schützen, ermöglicht zugleich Besonderheiten der Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft in diesen beiden Ländern herauszuarbeiten“, so Bälz.

Vier Themen werden in Fallstudien jeweils in China und in Japan untersucht, was einen späteren Vergleich zwischen diesen beiden Ländern ermöglicht: Dabei geht es um Forderungen nach dem Schutz von Katastrophenopfern, nach respektablen Arbeitsbedingungen für Beschäftigte, nach Erhalt des kulturellen Erbes und nach dem Schutz von Tieren. Die Fallstudien übernehmen Doktoranden, die von jeweils zwei der Professoren mit unterschiedlicher Länderexpertise und disziplinärer Ausrichtung betreut werden. „Eingebettet sind diese Fallstudien in einen gemeinsamen Rahmen, den vier konzeptionellen Hintergrund-Studien schaffen. Diese sind interdisziplinär ausgerichtet und umfassen Politikwissenschaft, Recht, Wirtschaftswissenschaften und Sprach- und Kulturwissenschaften“, erklärt Storz.

Die Studien werden sich eine Untersuchung der historischen Bedingungen zu Nutze machen, an der ein Postdoc-Forscher arbeitet. Er beschäftigt sich besonders damit, wie sich philanthropische Vorstellungen und Praktiken in Ostasien während des späten 19. und  frühen 20. Jahrhunderts unter dem Einfluss sozialdarwinistischer Vorstellungen verändert haben. Im Fokus steht auch, wie die Moderne in den westlichen und den ostasiatischen Kulturen sich gegenseitig bedingt hat. Die indische, in Genf lehrende Anthropologin Shalini Randeria bezeichnet dies als „verwobene Moderne“, die gekennzeichnet ist durch interaktive Prozesse von Übersetzung, Modifikation und Aneignung von westlichen Konzepten und der Einbeziehung von vermeintlichen und tatsächlichen Traditionen in Ostasien.

Aus den Fördermitteln der VolkswagenStiftung werden unter anderem Stellen für acht Doktoranden und einen Post-Doc finanziert sowie Kosten für Reise und längere Auslandsaufenthalte der beteiligten Wissenschaftler in China und Japan. Der Titel des Forschungsvorhabens lautet „Protecting the Weak. Entangled processes of framing, mobilization and institutionalization in East Asia“.

Zum Interdisziplinären Zentrum für Ostasienstudien (IZO): Das Zentrum ist eine fächerübergreifende wissenschaftliche Einrichtung der Goethe-Universität. Das Zentrum bündelt die ostasienbezogenen Aktivitäten der Sprach- und Kulturwissenschaften, Gesellschafts-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Forschung und Lehre und fördert das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung der Region Ostasien in einer zunehmend komplexen, globalisierten und vernetzten Welt. Darüber hinaus verbindet das IZO wissenschaftliche Theoriebildung und aus der Forschung gewonnene Erkenntnisse mit praktischer Erfahrung, insbesondere durch Kooperationen und den Austausch mit Institutionen und Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft und Politik. Gegründet 2008 als interdisziplinäres Kompetenzzentrum für Ost- und Südostasien, ist es im Zuge der vom Land Hessen geförderten Zentrenbildung kleinerer geistes- und regionalwissenschaftlicher Fächer an hessischen Hochschulstandorten entstanden.

Informationen: Prof. Iwo Amelung, Interdisziplinäres Zentrum für Ostasienstudien, Campus Bockenheim,  Tel. (069) 798-22897, Amelung@em.uni-frankfurt.de

Personalia/Preise

Jul 16 2013
11:30

Dr. Till Jahnke wird für seine Beiträge zur Atom- und Molekülphysik geehrt/Mögliche Anwendung in der Strahlentherapie

Internationaler Physikpreis für Frankfurter Forscher

FRANKFURT.  Die oberste Internationale Fachgesellschaft für Physiker IUPAP verleiht Dr. Till Jahnke vom Institut für Kernphysik der Goethe-Universität den mit 1000 Euro dotierten Nachwuchsforscherpreis für seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Atom- und Molekülphysik. Jahnke wird den Preis am 29. Juli auf der Jahreskonferenz der IUPAP in Lanzhou, China, entgegen nehmen.

Till Jahnke, 36, erregte bereits während seiner Doktorarbeit Aufsehen in Fachkreisen, als er im Oktober 2004 in den Physical Review Letters, der weltweit angesehensten physikalischen Fachzeitschrift, über den experimentellen Nachweis eines zuvor theoretisch vorhergesagten Effekts berichtete. Damals untersuchte er eng benachbarte Atome (Dimere): Wird eines der Atome mit hochenergetischen Synchrotronstrahlen angeregt, kann es seine überschüssige Energie in einer Art interatomarem Stress-Abbau an das Nachbar-Atom abgeben. Dies geschieht durch einen extrem schnellen Zerfallsprozess, „Interatomic Coulombic Decay“ (ICD) genannt.

Diesen Effekt konnte er im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts auch an Wassermolekülen erforschen – und stieß dabei auf medizinisch relevante Erkenntnisse. Denn die Forschung der letzten Jahre hat gezeigt, dass das Erbmolekül DNA nicht nur durch energiereiche Röntgenstrahlen geschädigt wird, sondern auch durch niederenergetische Elektronen, die im Körper erst infolge der Bestrahlung entstehen. Jahnke entdeckte einen Prozess, bei dem solche Sekundär-Elektronen frei werden:„Durch ICD treten bis zu 100 Mal mehr niederenergetische und für die Strahlentherapie relevante Elektronen auf“, hat Jahnke herausgefunden. Dies ist nicht nur wichtig für die Einschätzung von Strahlenschäden, sondern auch für die Dosierung bei der Strahlentherapie für Tumoren.

In den letzten Jahren konnte der Aspekt einer möglichen Strahlentherapie durch eine Idee der Gruppe von Prof. Lorenz Cederbaum der Universität Heidelberg ausgebaut werden. Mit einer bestimmten Unterart des ICD-Prozesses ist es möglich, in einem großen Komplex aus vielen Atomen ein beliebiges Atom direkt zu adressieren. In der Umgebung genau dieses einen Atoms entsteht dann ein ICD-Elektron, das Zellen schädigen kann. Eine zukünftige Anwendung könnte so aussehen, dass erkrankte Zellen mit bestimmten Substanzen markiert werden. Danach kann an diesen Markeratomen ICD durch Röntgenstrahlung ausgelöst und so die erkrankte Zelle gezielt beschädigt werden, während der restliche Körper nur wenig belastet wird. „Man kann sich dies so vorstellen, als platziere man kleine Bomben direkt an kranken Zellen, die dann durch Bestrahlung gezündet werden“, erklärt Jahnke. „Wir konnten nun in einem Experiment zeigen, dass der Prozess in einem einfachen Modellsystem wie geplant und mit einer unglaublich hohen Effizienz abläuft. Der Weg zur klinischen Anwendung ist allerdings noch sehr lang.“

Möglich wurden seine Experimente dank einer unter Frankfurter Federführung entwickelten spektroskopischen Methode, COLTRIMS genannt (Cold Target Recoil Ion Momentum Spectroscopy). Sie wird inzwischen international für unterschiedlichste Fragestellungen verwendet und ist mehrfach ausgezeichnet worden. Ausgangspunkt jeder Untersuchung ist die Anregung inner-atomarer Prozesse, die charakteristische Reaktionen auslösen und damit über die elektronische Struktur und Dynamik der Studienobjekte Auskunft geben. Das Besondere an dieser Methode ist, dass alle geladenen Teilchen im Detektor registriert werden. Aus der Messung der Flugzeit und des Auftrefforts lässt sich die gesamte Reaktion in voll-3D rekonstruieren.

Das „atomare Fußballspiel“ als Film

Kürzlich erweiterten Jahnke und die Frankfurter Arbeitsgruppe die Methode, so dass auch der zeitliche Ablauf rekonstruiert werden kann. „Wir können damit so etwas wie einen Film von einem atomaren oder molekularen Prozess drehen. Nehmen wir zum Vergleich ein Fußballspiel: die typischerweise eingesetzte Technik erlaubt es, ein einziges Standbild des gesamten Spiels aufzunehmen. Man erhält quasi nur eine Information über das Endergebnis. Mit der COLTRIMS-Technik waren wir nun in der Lage, zusätzlich einzelne Schnappschüsse zu machen und Informationen darüber zu erhalten, wo Spieler und Ball als nächstes hinlaufen werden. Unsere letzten Erweiterungen der Methode erlaubten es uns tatsächlich, dem Verlauf des Spieles inklusive aller Flanken und Doppelpässe direkt zu folgen.“, so Jahnke.

Für Jahnke ist der IUPAP-Preis nicht die erste Anerkennung. 2006 zeichnete die Vereinigung der Freunde und Förderer der Goethe-Universität seine Dissertation als eine der besten in den Naturwissenschaften aus. 2010 folgte der mit 10.000 Euro dotierte Röntgenpreis der Justus Liebig Universität Gießen. Jahnke hat inzwischen zahlreiche Angebote international angesehener Arbeitsgruppen aus Japan und den Vereinigten Staaten erhalten, ist Frankfurt aber treu geblieben. „Dass ich so gern hier bin, liegt definitiv an der Arbeitsgruppe und meinen beiden Mentoren Reinhard Dörner und Horst Schmidt-Böcking.“ erklärt er. „Die Bedingungen, die ich in Frankfurt für meine Forschung habe, sind außerdem phänomenal.“ Da er bereits als junger Nachwuchswissenschaftler zu den großen Synchrotronquellen in Berlin, Hamburg, Berkeley und in Japan reiste, und seither in ganz Europa, Amerika und Australien Forschungsaufenthalte absolvierte, kann er das internationale Feld gut beurteilen.

Ein Foto von Till Jahnke finden Sie hier.

Bildtext: Dr. Till Jahnke erhält den Nachwuchsforscherpreis für Atom- und Molekülphysik der obersten Internationale Fachgesellschaft für Physiker IUPAP.

Informationen: Dr. Till Jahnke, Institut für Kernphysik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-47025; jahnke@atom.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jul 16 2013
10:39

Stefanie Zweig präsentiert ihr Buch „Nirgendwo war Heimat – Mein Leben zwischen zwei Kontinenten“ an der Goethe-Universität. 18. Juli, 18 Uhr, Campus Westend

Lebenserinnerungen

FRANKFURT. Am 18. Juli stellt die Bestsellerautorin Stefanie Zweig ihren Roman „Nirgendwo war Heimat – Mein Leben zwischen zwei Kontinenten“, das 2012 erschienen ist, an der Goethe-Universität Frankfurt vor. Die Veranstaltung findet um 18 Uhr im IG-Hochhaus Raum IG 411 auf dem Campus Westend statt. Der Buchvortrag ist Teil der 5. Frankfurter Goethe-Vorlesungen zum Thema „Jüdisch-christliche Literaturkontakte vom Mittelalter bis in die Gegenwart“, die vom Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik sowie dem Seminar für Judaistik organisiert werden.

Stefanie Zweig erzählt in ihrem neuesten Roman von ihren Kindheits- und Jugenderinnerungen. 1938 floh ihr Vater aus Oberschlesien vor den Nationalsozialisten nach Afrika, um eine neue Heimat für seine jüdische Familie zu finden. Ein halbes Jahr später gelang es ihm in letzter Minute seine Frau und seine fünfjährige Tochter Stefanie nach Kenia zu holen. In ihrem Buch beschreibt Stefanie Zweig ihre ereignisreiche Kindheit, die sie auf einer Farm in Afrika verbrachte. Gleichzeitig erinnert sie sich aber auch an die Sorgen um ihre Großeltern und Tanten, die nicht rechtzeitig aus Deutschland fliehen konnten und die sie nie wieder gesehen hat. 1947 kehrte die Familie auf Wunsch des Vaters nach Deutschland zurück, aber Stefanie Zweigs Herz blieb in Afrika.

Die 80-jährige Autorin verknüpft in ihrem neuesten Roman geschickt ihre eigenen Erinnerungen mit politischen und kulturellen Ereignissen der Zeit. Damit hat sie es auch früher schon wochenlang auf die Bestsellerlisten geschafft. Stefanie Zweig schrieb bereits mehrere autobiografische Romane über die Flucht ihrer jüdischen Familie nach Afrika und ihre Rückkehr nach Deutschland, wo die Familie in einem Haus in der Frankfurter Rothschildallee lebte. Die Bücher erreichten eine Gesamtauflage von über sieben Millionen Exemplaren und wurden in fünfzehn Sprachen übersetzt.

Ansprechpartner:  PD Dr. Regina Toepfer, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Tel.: (069) 798- 32680, R.Toepfer@lingua.uni-frankfurt.de; Jun.-Prof. Dr. Rebekka Voß, Seminar für Judaistik, Tel.: (069) 798- 22796, Voss@em.uni-frankfurt.de

Personalia/Preise

Jul 16 2013
10:22

Verleihung des 1822-Preises 2013. 18. Juli, 17 Uhr, Campus Westend

Preis für exzellente Lehre

FRANKFURT. Am Donnerstag, den 18. Juli 2013, wird der diesjährige 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre verliehen. Es werden insgesamt drei Preise vergeben, die mit 15.000 €, 10.000 € und 5.000 € dotiert sind. Ausgezeichnet werden Professorinnen und Professoren sowie wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für herausragendes Engagement in der Lehre sowie für die Entwicklung neuer Lehrangebote oder Lehrformate. Die Kandidaten für den Preis werden von den Studierenden vorgeschlagen, die Auswahl trifft eine Senatskommission gemeinsam mit einem Vertreter der Stiftung der Frankfurter Sparkasse.

Die Preisverleihung findet in Anwesenheit des Stellvertretenden Vorsitzenden der Stiftung der Frankfurter Sparkasse sowie des Präsidenten und des Vizepräsidenten der Goethe-Universität statt am:

Donnerstag, 18. Juli 2013, 17.00 Uhr,
in der Lobby des PA Gebäudes (PA 0.P01),
Campus Westend der Goethe-Universität.

Im Anschluss an die Preisverleihung gibt es Gelegenheit, mit den Preisträgern zu sprechen.

Forschung

Jul 15 2013
11:30

Gemeinsames Vorgehen bei Infektionen

Neue „Sprache“ von Bakterien entdeckt

FRANKFURT.  Bakterien leben nicht isoliert, sondern in Gemeinschaft mit anderen Bakterien. Sie kommunizieren miteinander über chemische Prozesse und können sich dadurch in der Gruppe „absprechen“, beispielsweise um bei Infektionen gemeinsam vorzugehen. Wissenschaftler der Goethe-Universität und der Ludwig-Maximilians-Universität München haben nun erstmals einen bislang unbekannten bakteriellen Kommunikationsweg entdeckt, der auch von medizinischem Interesse ist. In der online-Ausgabe der Zeitschrift Nature Chemical Biology berichten die Wissenschaftler über die Entdeckung eines neuen Signalmoleküls.

Verschiedene Bakterien kommunizieren auf unterschiedliche Weise. Am besten erforscht ist bislang die Kommunikation über N-Acylhomoserinlaktone (AHLs). Diese Signalmoleküle werden durch das Enzym LuxI-Synthase produziert und von dem dazu passenden LuxR-Rezeptor erkannt. Daraufhin verändert sich die Expression verschiedener Gene, so dass die Bakterien bestimmte Eigenschaften wie  Virulenz ausbilden. Rätselhaft war bisher, dass viele Bakterien zwar den LuxR-Rezeptor besitzen, aber keine LuxI-Synthase. Die Kommunikation über diese als LuxR-Solos bezeichneten Rezeptoren konnten Prof. Helge Bode von der Goethe-Universität  und Privatdozent Dr. Ralf Heermann von der Ludwig-Maximilians-Universität in München nun erstmals aufklären.

Die Forscher haben das Bakterium Photorhabdus luminescens untersucht, einen für Insekten tödlichen Krankheitserreger. „Wir haben ein neues Signalmolekül entdeckt, das auch biochemisch neuartig produziert wird“, sagt Helge Bode, Merck-Stiftungsprofessor für Molekulare Biotechnologie an der Goethe-Universität Frankfurt. Der LuxR-Rezeptor erkennt in diesem Fall nicht AHLs, sondern andere Signalmoleküle, die alpha-Pyrone. Zusätzlich entdeckten die Forscher das dazu gehörige Enzym, die Pyron-Synthase (PpyS). Durch diese Kommunikation über die LuxR-Solos erkennen sich die Bakterien und bilden einen Oberflächenfaktor, der sie miteinander verklumpen lässt. Das schützt sie vermutlich bei der Infektion von Insektenlarven vor deren Immunsystem. Schließlich töten sie ihre Opfer durch die Produktion verschiedener Gifte. „Photorhabdus luminescens ist ein guter Modellorganismus, da er viele Verwandte bei menschlichen Krankheitserregern hat, darunter Kolibakterien wie EHEC und der Pest-Erreger“, sagt Ralf Heermann von der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Die Kommunikationswege von Bakterien sind ein möglicher Angriffspunkt für neue Medikamente. „Wenn Krankheitserreger nicht mehr wie bisher durch Antibiotika abgetötet, sondern an der Bildung krankmachender Eigenschaften wie Giften gehindert werden könnten, würde das die Gefahr von Resistenzbildungen erheblich mindern“, so Bode.

Publikation: Alexander O. Brachmann, Sophie Brameyer, Darko Kresovic, Ivana Hitkova, Yannick Kopp, Christian Manske, Karin Schubert, Helge B. Bode, and Ralf Heermann: Pyrones as bacterial signaling molecules, in: Nature Chemical Biology, DOI: 10.1038/nchembio.1295

Ein Bild zum Download finden Sie hier.

Bildtext: Ein neu entdeckter Signalweg für die Kommunikation zwischen Bakterien der Gattung Photorhabdus luminescens über den Naturstoff Photopyron bewirkt, dass die Bakterine einander erkennen und bei einer Infektion miteinander verklumpen. Vermutlich schützt sie das vor dem Immunsystem ihres Wirts.

Informationen: Prof. Helge Bode, Merck-Stiftungsprofessor für Molekulare Biotechnologie, Institut für Molekulare Biowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29557; H.Bode@bio.uni-frankfurt.de