Archiv Pressemitteilungen | 2012 bis 2017

Forschung

Aug 14 2012
13:39

Forscher der Universitäten Frankfurt am Main und Augsburg entdecken neuen Mechanismus, der für künftige Elektronik-Anwendungen bedeutend sein könnte

Simultanes Auftreten von Ferroelektrizität und Magnetismus in organischem Material

FRANKFURT. Materialien, die verschiedene Arten „ferroischer“ Ordnung kombinieren, sogenannte Multiferroika, könnten ein neues Zeitalter in der Elektronik einläuten,  insbesondere in der elektronischen Schaltungs-, Sensor- und Speichertechnologie. Denn in Multiferroika treten Magnetismus (die Ausrichtung mikroskopischer Magnete) und Ferroelektrizität (die Ausrichtung elektrischer Dipole) simultan auf. In ihrem soeben in Nature Materials erschienenen Beitrag „Multiferroicity in an organic charge-transfer salt that is suggestive of electric-dipole-driven magnetism“ berichten nun die Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Jens Müller und Prof. Dr. Michael Lang (Goethe-Universität Frankfurt) sowie PD Dr. Peter Lunkenheimer und Prof. Dr. Alois Loidl  (Universität Augsburg)  von einer überraschenden Entdeckung: Es ist ihnen gelungen, Multiferroizität erstmals in einem Ladungstransfersalz – in einem organischen (kohlenstoffbasierten) Festkörper also – nachzuweisen und damit eine neue Klasse multiferroischer Materialien zu erschließen.

Überraschend ist diese Entdeckung, weil Ladungstransfersalze an sich schon seit langem bekannt und in der Grundlagenforschung Gegenstand intensiver Untersuchungen sind. Diese Materialien weisen eine erstaunliche Fülle interessanter physikalischer Phänomene auf, so etwa Supraleitung, magnetisch- oder ladungsgeordnete Zustände und Metall-Isolator-Übergänge. Solche Phänomene werden in Frankfurt und Augsburg im Rahmen der DFG-Sonderforschungsbereiche/TRR „Condensed Matter Systems with Variable Many-Body Interactions“ (Sprecher: Prof. Michael Lang) und „From Electronic Correlations to Functionality“ untersucht.

Was die Frankfurter und Augsburger Physiker entdeckt haben ist insofern spektakulär, als in dem untersuchten Material ein neuer Mechanismus auftritt, bei dem die ferroelektrische Ordnung die magnetische überhaupt erst möglich macht: Durch eine zunächst auftretende Ordnung von Elektronen werden konkurrierende magnetische Wechselwirkungen unterdrückt, die zuvor das spontane Ordnen der magnetischen Momente behindert haben. Erst durch diese Unterdrückung wird die antiferromagnetische, also antiparallele Ausrichtung dieser Momente ermöglicht.

Inzwischen arbeiten die Frankfurter und Augsburger Physiker bereits daran, diese neuartigen multiferroischen Eigenschaften in einem organischen Material im Detail zu verstehen und eine mögliche Wechselwirkung zwischen elektrischer und magnetischer Ordnung nachzuweisen. Eine solche Wechselwirkung wäre für mögliche Anwendungen insbesondere in der elektronischen Schaltungs-, Sensor- und Speichertechnologie von hoher Relevanz.

Originalbeitrag: Peter Lunkenheimer, Jens Müller, Stephan Krohns, Florian Schrettle, Alois Loidl, Benedikt Hartmann, Robert Rommel, Mariano de Souza, Chisa Hotta, John A. Schlueter, Michael Lang: “Multiferroicity in an organic charge-transfer salt that is suggestive of electric-dipole-driven magnetism”. http://dx.doi.org/10.1038/NMAT3400

Weitere Informationen: Prof. Dr. Jens Müller, Tel. (069) 798-47274, j.mueller@physik.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Michael Lang, Tel. (069) 798-47241, michael.lang@physik.uni-frankfurt.de; Physikalisches Institut, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Max-von-Laue-Straße 1, 60438 Frankfurt am Main http://www.pi.physik.uni-frankfurt.de/index.html

Personalia/Preise

Aug 13 2012
16:47

Jura-Studentin der Goethe-Universität erkämpfte nach turbulentem Finale in London den dritten Platz im Hammerweitwurf

Goethe-Universität gratuliert Betty Heidler zur Bronze-Medaille

FRANKFURT. Ein dramatischer Abend mit erfreulichem Ausgang: Die Frankfurterin Betty Heidler konnte am Freitag in London olympisches Bronze im Hammerweitwurf gewinnen. „Wir gratulieren Betty Heidler ganz herzlich zu der Bronze-Medaille. Die Goethe-Universität ist stolz auf diese Top-Athletin!“, sagte Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl, und verwies auf die beeindruckende Anzahl von Heidlers sportlichen Erfolgen. Betty Heidler hält den aktuellen Weltrekord im Hammerwurf, wurde 2010 Europameisterin und 2007 Weltmeisterin in ihrer Disziplin.

Die Polizeihauptmeisterin, die Jura an der Goethe-Universität studiert und bei der LG Eintracht Frankfurt trainiert, musste am Freitagabend lange auf das endgültige Ergebnis warten. Durch einen Kampfrichterfehler war ihr stärkster Wurf zunächst nicht berücksichtigt worden. Nach Protesten der Deutschen wurde noch einmal nachgemessen und schließlich stand fest, dass Heidler mit einer Weite von 77,12 Meter auf einem Bronzeplatz lag. Heidlers Medaille bescherte dem deutschen Leichtathletikverband die insgesamt achte Medaille bei den Olympischen Spielen in London.

Forschung

Aug 13 2012
12:41

Nach Artensterben vermehrten sich Schwefelbakterien schlagartig

Vergiftete Ozeane an der Trias-Jura Grenze

FRANKFURT. Das Massensterben von Tieren und Pflanzen vor 200 Millionen Jahren führen Forscher auf massive Vulkanausbrüche zurück. Damals brach der Urkontinent auseinander und der Atlantische Ozean entstand. Die Vulkane setzten riesige Mengen Schwefeldioxid (SO2) und Kohlendioxid (CO2) frei. Diese verursachten eine Reihe von Umweltstörungen, insbesondere globale Erwärmung und einen Sauerstoffmangel in den Ozeanen. Die dramatischen Änderungen in den Ökosystemen der küstennahen Gewässer belegt jetzt der Nachweis grüner Schwefelbakterien, die Wissenschaftler der Goethe-Universität in 200 Millionen Jahre alten Sedimentproben gefunden haben. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Online-Ausgabe von Nature Geoscience publiziert.

Das Artensterben an Land hatte das Team von Dr. Bas van de Schootbrugge vom Institut für Geowissenschaften bereits 2009 untersucht. Tatsächlich führten die Vulkanausbrüche in der nördlichen Hemisphäre zu Waldsterben, worauf sich Farne und andere Pionierpflanzen rasch ausbreiteten. „Die molekularen Überreste der grünen Schwefelbakterien, die wir jetzt in schwarzem Schiefer bei Bohrungen in Norddeutschland und Luxemburg gefunden haben, vermitteln ein düsteres Bild der Küstengewässer unmittelbar nach dem Massensterben“, sagt van de Schootbrugge. Schwefelbakterien gedeihen dort besonders gut, wo reichlich Schwefelwasserstoff vorhanden ist. „Unter diesen Bedingungen vermehrten sich die Bakterien stark. Der Ozean muss im frühen Jura nach faulen Eiern gestunken haben“, erklärt van de Schootbrugge.

Zeitgleich mit der Vermehrung der grünen Schwefel-Bakterien veränderte sich die Zusammensetzung der Algen-Arten. Algen sind die Grundlage der Nahrungskette im Meer. Durch den Sauerstoffmangel verschob sich das Gleichgewicht dramatisch von roten zu grünen Algen-Arten. Das gleichzeitige Auftreten von grünen Schwefelbakterien und grünen Algen ist eine langfristige Folge hoher CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre. Diese führten zu globaler Erwärmung und einer verminderten Wasserzirkulation im Meer. „Die rauen Bedingungen, die nach dem Massensterben in den Küstenregionen herrschten, erklären auch, warum die Lebewesen am Meeresboden so lange brauchten, um sich zu erholen. Beispielsweise gab es im frühen Jura so gut wie keine Korallenriffe. Küstenregionen waren auch damals die hot spots der Biodiversität. Lange, sauerstoffarme Phasen beeinträchtigten ihre Erholung“, so Sylvain Richoz, Leitautor der Studie.

Für unsere Zukunft sind diese Befunde aus der Erdgeschichte insofern relevant, als „Totzonen“– Bereiche, in denen der Ozean keinen Sauerstoff enthält – in letzter Zeit unter dem Einfluss des Menschen zunehmen. Globale Erwärmung und Umweltverschmutzung sind die Hauptursachen. „Besonders beunruhigend ist, dass die Freisetzung großer Mengen CO2 an der Trias-Jura-Grenze so lang anhaltende Effekte auf die Biodiversität der Ozeane hatte“, schließt Sylvain Richoz.

Publikation: Sylvain Richoz, Bas van de Schootbrugge et al.: Hydrogen sulphide poisoning of shallow seas following the end-Triassic extinction, Nature Geoscience, Advanced Online Publication, 12. August 2012, DOI: 10.1038/NGEO1539.

Bilder zum download finden Sie hier.

Bildtexte:
Bild 1: Zyste einer Grünalge der Gattung Tasmanites (60 x 60 Mikrometer). Diese Prasinophyte blühte während der frühen Jurazeit. Foto: Bas van de Schootbrugge.

Bild 2: Zyste einer Grünalge der Gattung Pleurozonaria (50 x 50 Mikrometer). Diese Prasinophyte blühte während der frühen Jurazeit. Foto: Bas van de Schootbrugge.

Bild 3: Zyste einer Rotalge der Gattung Rhaetogonyaulax (40 x 60 Mikrometer). Dinoflagellaten waren häufiger, bevor das Massensterben während der späten Trias einsetzte. Foto: Bas van de Schootbrugge.

Informationen: Dr. Bas van de Schootbrugge, Institut für Geowissenschaften, Facheinheit Paläontologie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40178; van.de.Schootbrugge@em.uni-frankfurt.de; Dr. Sylvain Richoz, Institut für Erdwissenschaften, Bereich Geologie und Paläontologie, Karl-Franzens-Universität Graz, Tel.: +43 (0) 316 380 5581; sylvain.richoz@uni-graz.at

Personalia/Preise

Aug 10 2012
13:43

Aufnahme in die Sektion Humangenetik und Molekulare Medizin

Prof. Amparo Acker-Palmer neues Mitglied der Leopoldina

FRANKFURT. Amparo Acker-Palmer, Leiterin des Instituts für Molekulare und zelluläre Neurobiologie an der Goethe-Universität, ist als neues Mitglied in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina aufgenommen worden. Die Leopoldina, seit 2008 Nationale Akademie der Wissenschaften, wählt zu ihren Mitgliedern herausragende Wissenschaftler aus aller Welt. Sie beraten die Politik und pflegen den Austausch mit ausländischen Akademien und Wissenschaftlern. Die aus Spanien stammende Biologin beschäftigt sich mit Parallelen in der Netzwerkbildung von Nervenzellen und Blutgefäßen. Sie wird in die Sektion Humangenetik und Molekulare Medizin aufgenommen. „Ich freue mich sehr über diese Würdigung meiner wissenschaftlichen Arbeit“, so Acker-Palmer, die 2010 bereits mit dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis ausgezeichnet wurde. Die Mutter zweier Töchter will sich in der Leopoldina auch dafür einsetzten, dass Wissenschaftlerinnen trotz aller Schwierigkeiten Familie und Beruf besser in Einklang bringen können.

Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl gratulierte der Kollegin: „Es ist Anerkennung und Verpflichtung zugleich, als junge Forscherin in die Reihen der besten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Deutschlands aufgenommen zu werden.“ Prof. Amparo Acker-Palmer untersucht EphrinB-Rezeptoren – das sind Schlüsselmoleküle für die Kommunikation von Nervenzellen an den Kontaktstellen, den Synapsen. Zu den herausragenden wissenschaftlichen Erkenntnissen ihrer Arbeitsgruppe gehört die Feststellung, dass es viele Parallelen zwischen der Verknüpfung von Nervenzellen und der Bildung von Gefäß-Netzwerken gibt. Wichtig sind diese Erkenntnisse vor allem für die Bekämpfung von Tumoren, die besonders reich an Blutgefäßen sind.

Ein Bild zum Download finden Sie hier.

Informationen: Prof. Amparo Acker-Palmer, Institut für Molekulare und zelluläre Neurobiologie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42563; Acker-Palmer@bio.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Aug 7 2012
09:47

Informationstag für Eltern von Studieninteressierten und Studierenden

Uni–Kompakt

FRANKFURT. Welchen Anforderungen müssen sich Studierende heute stellen? Welche Studienabschlüsse gibt es? Wie kann ein Studium finanziert werden?

Diese und ähnliche Fragen zu Studienmöglichkeiten und -bedingungen beantwortet die Zentrale Studienberatung der Goethe-Universität im Rahmen des Elterninformationstages „Uni-Kompakt“

am: Samstag, den 11. August 2012, von 10 bis 13 Uhr
Ort: Campus Westend, Foyer IG-Hochhaus (Treffpunkt), Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt.

Die Veranstaltung richtet sich an Eltern, die ihre Kinder aktiv und fundiert bei der Entscheidung zur Studienwahl unterstützen und ihnen mit aktuellen Informationen zur Seite stehen wollen. Sie beinhaltet neben einem Elternseminar zu Themen wie Studienorganisation, Abschlussarten und Zulassungsverfahren eine Führung über den Campus Westend. Um eine Anmeldung wird gebeten unter: www.eltern.uni-frankfurt.de/

Informationen: Elisabeth Kummert, Zentrale Studienberatung, Campus Bockenheim, Tel: (069) 798-28485, kummert@em.uni-frankfurt.de