Veranstaltungen
Im Rahmen der Bürger-Universität spricht Stefan Lukschy über den Humoristen Loriot
FRANKFURT. Kaum ein Humorist hat sich derart in das Kollektivgedächtnis der Deutschen eingebrannt wie Loriot. Mit seinen Texten, Zeichnungen, Sketchen und Fernsehsendungen hat er der Nation und ihren bürgerlichen Verhaltensregeln und Kommunikationsstörungen den Spiegel vorgehalten. Seine Formulierungen – nicht zuletzt „Früher war mehr Lametta“ – haben Eingang in die deutsche Sprache gefunden, die er selbst meisterhaft beherrschte. Seine Erfindungen, wie etwa die Steinlaus, sind deutsches Allgemeingut geworden.
Vicco von Bülow wird 1923 in Brandenburg in eine Offiziersfamilie geboren und tritt selbst in späteren Jahren in die Offizierslaufbahn ein. Er dient drei Jahre an der Ostfront und erreicht den Dienstgrad Oberleutnant. Nach dem Krieg studiert er an der Kunstakademie Hamburg Malerei und Grafik. Schon kurz nach seinem Abschluss erfindet er das sympathische „Knollennasenmännchen“ und arbeitet als Werbegrafiker für den Stern. Seit dieser Zeit benutzt er den Künstlernamen Loriot. Von 1967 bis 1972 ist Loriot Autor und Hauptdarsteller der Fernsehsendung „CARTOON“, seine Moderation von einem Sofa aus wird bald zu einem eigenständigen humoristischen Element. Berühmt wurde auch Loriots Zusammenarbeit mit Evelyn Hamann, sowohl in seiner eigener Fernsehserie „Loriot“, als auch in seinen Filmen „Ödipussi“ und „Pappa ante Portas“.
Die Veranstaltung bildet den Abschluss der diesjährigen Vortragsreihe „Deutsche Biografien – Wie wir wurden, wer wir sind“, die von Prof. Tilman Allert konzipiert wurde. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität stellte damit an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten der deutschen Sozial- und Kulturgeschichte vor. Stellvertretend für eine ganze Nation werden so auch die individuellen Voraussetzungen eines Künstlers wie Vicco von Bülow alias Loriot betrachtet. Der Berliner Regisseur Stefan Lukschy arbeitete schon während seines Studiums als Regieassistent und Co-Regisseur für Loriot. In seinem Vortrag der Frage nach, wie bei Loriot das Gespür für die Zwischenräume des sozialen Miteinanders entstanden ist.
„Sagen Sie jetzt bitte nichts“ – Loriot
Referent: Stefan Lukschy
am: Montag, 08. Juli 2013, um 19.30 Uhr / Eintritt frei
Ort: Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt
Die Veranstaltung ist als Videoaufzeichnung auch über www.buerger.uni-frankfurt.de abrufbar.
Anfahrt: www.stadtbuecherei.frankfurt.de
Das komplette Programm der 9. Frankfurter Bürger-Uni: www.buerger.uni-frankfurt.de
Forschung
Interview in der aktuellen Ausgabe „Forschung Frankfurt“ mit dem Mediziner Prof. Hubert Serve und der Politikwissenschaftlerin Dr. Anja Karnein
FRANKFURT. „Der korrigierte Mensch“ steht im Mittelpunkt der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“. Neben den Beiträgen, die über den Stand der Forschung und neueste Behandlungsmethoden auf dem Gebiet der Zell- und Gentherapie berichten, wagen zwei Frankfurter Wissenschaftler einen Ausblick auf ethische Fragen zum Klonen und zu Eingriffen in die menschliche Keimbahn. Diesen Fragen stellen sich in einem Interview die Politikwissenschaftlerin Dr. Anja Karnein, deren Buch „Zukünftige Personen. Eine Theorie des ungeborenen Lebens von der künstlichen Befruchtung bis zur genetischen Manipulation“ soeben im Suhrkamp Verlag erschienen ist, und der Internist Prof. Hubert Serve, wissenschaftlicher Direktor des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen (UCT) an der Goethe-Universität und stellvertretender Vorsitzender des Frankfurter LOEWE-Zentrums für Zell- und Gentherapie (CGT).
Auch wenn das Gedankenexperiment des Klonens nichts mit der Arbeit der Frankfurter Naturwissenschaftler und Mediziner zu tun hat, so können die Mediziner doch der Frage nicht ausweichen: „Wie viel Methodenentwicklung dürfen wir machen, ohne mitschuldig zu werden, sollten diese Kenntnisse in die falschen Hände geraten?“ Serve zeigt damit ein ethisches Dilemma auf, das in der Gesellschaft breiter diskutiert werden sollte: Die Mediziner forschen mit der klaren Intention, Patienten mit der Gen- und Stammzelltherapie zu helfen. Gleichzeitig bewegen sie sich auf innovativen Gebieten und ermöglichen eventuell weniger gut meinenden Menschen, Dinge zu tun, die sie ethisch fragwürdig finden. Karnein sieht das Hauptproblem darin, dass geklonte Personen möglichweise durch die Gesellschaft diskriminiert werden, und verweist darauf, dass das Klonen – anders als etwa die Atombombe als Resultat der Nuklearforschung – nicht „lebensbedrohlich oder gar gefährlich“ ist: „Wenn die Technik so erfolgreich wäre, dass Klone unversehrt auf die Welt kämen – wie groß wäre denn der Schaden? Es gibt doch heute schon das Phänomen der Zwillinge.“ Bei aller Skepsis führt die Sozialwissenschaftlerin als möglichen guten Grund für das Klonen den Wunsch eines gleichgeschlechtlichen Paares an, ein biologisch verwandtes Kind zu bekommen.
Kritisch betrachten beide Interviewpartner Eingriffe in die Keimbahn – auch dies ist noch Zukunftsmusik. Während Karnein einen solchen Eingriff, der dann auch an die Nachfahren weiter gegeben wird, für erwägenswert hält, wenn Mutter oder Vater unter einer gravierenden, nicht behandelbaren Krankheit leiden und so erreicht werden könne, dass die Krankheit nicht auf das Kind übertragen wird, ist Serves Position eindeutig: „Eingriffe in die Keimbahn sind für mich ein Tabu. Es bedarf eines Auftrags an den Arzt durch den konkreten Patienten, den er mit seinem Leiden vor sich hat, um ärztlich tätig zu werden zu dürfen.“ Dieser notwendige unmittelbare Kontakt könne sich aber nicht auf Patienten in zweiter, dritter oder vierter Generation beziehen.
Die beiden Wissenschaftler diskutieren in diesem Interview unter anderem auch über die Situation schwerkranker Patienten, die sich bereit erklären, an klinischen Prüfungen zu neuen Zell- und Gentherapien teilzunehmen. Ohne die Zustimmung der jeweiligen Ethik-Kommission, in der neben Ärzten auch Juristen, Theologen und Personen des öffentlichen Lebens mitwirken, dürfen solche Behandlungen nicht vorgenommen werden. Zudem spielt das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient eine entscheidende Rolle. Für Serve ist klar: „Die Patienten, die sich an klinischen Prüfungen beteiligen, sind echte Helden. Ohne sie gäbe es keine Entwicklung in der Medizin.“ Karnein findet zwar das Prozedere und insbesondere die Risiko-Abwägung, die einer klinischen Prüfung vorausgehen, sehr plausibel und wichtig. Doch sie sieht auch die Gefahr, dass die Situation Schwerkranker, die sich in einer verzweifelten Situation befinden, ausgenutzt werden könnte: „Die Position solcher Menschen ist äußerst verwundbar, und Einverständniserklärungen, die Patienten in solch einem Stadium geben, sind daher oftmals ethisch bedenklich.“ Ihr Eindruck ist, dass zu oft eine viel zu rationale Sichtweise des Patienten unterstellt werde.
Informationen: Prof. Hubert Serve, Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen (UCT), Campus Niederrad, Universitätsklinikum, Tel. (069) 6301-4634; serve@em.uni-frankfurt.de; Dr. Anja Karnein, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Professur für Politische Theorie und Philosophie (Prof. Rainer Forst), Campus Westend, Tel. (069) 798-31539 ; karnein@em.uni-frankfurt.de
Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ zum Thema „Der korrigierte Mensch“ kostenlos bestellen unter: ott@pvw.uni-frankfurt.de;
PDF im Internet: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe
Veranstaltungen
90 Oberstufenschüler tauchen für eine Woche in geistes-, sozial- und naturwissenschaftliche Forschungsthemen ein.
FRANKFURT. Unter dem Motto „Wissenschaft entdecken! Universität erleben!“ veranstaltet die Goethe-Universität zum zweiten Mal einen Schülercampus für besonders motivierte und leistungsstarke Oberstufenschüler. Der bundesweit ausgeschriebene Sommerkurs besteht aus einer geistes- und sozialwissenschaftlichen sowie einer naturwissenschaftlichen Programmlinie und findet auf den Campi Westend und Riedberg statt. Hiermit laden wir Medienvertreter herzlich zur Abschlussveranstaltung des diesjährigen Schülercampus ein
am 12. Juli (Freitag) um 16:00 Uhr in die Lobby des Gebäudes „Präsidium und Administration“ auf dem Campus Westend, Grüneburgplatz 1.
Die Abschlussveranstaltung gibt einen Einblick in das Programm und die Arbeitsergebnisse des Schülercampus. Bei einem Rundgang durch die Posterpräsentation erhalten Sie die Möglichkeit, mit Schülern, Wissenschaftlern und Initiatoren ins Gespräch zu kommen.
Um Anmeldung wird bis Montag, 8. Juli, gebeten an gilde@em.uni-frankfurt.de.
Gern können Sie sich bereits während der Woche zu ausgewählten Themen einen Eindruck vom Schülercampus verschaffen und auch hier mit Schülern, Wissenschaftlern und Initiatoren zu sprechen. Folgende Themen schlagen wir vor:
Weitere Informationen: Dr. Benjamin Gilde, Stabsstelle Lehre und Qualitätssicherung, Campus Westend, Tel.: (069) 798-12457, gilde@em.uni-frankfurt.de; www.schuelercampus.uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Gedenkveranstaltung in der Universitätsbibliothek. 7. Juli, 10.30 Uhr.
FRANKFURT. Er war und ist wohl einer der bekanntesten und einflussreichsten Vertreter der Kritischen Theorie: Anlässlich des 40. Todestags von Max Horkheimer am 7. Juli 2013 laden das Archivzentrum der Universitätsbibliothek Frankfurt (UB) und das Institut für Sozialforschung (IfS) herzlich zur Veranstaltung „Ein Leben im Spagat. Zum 40. Todestag Max Horkheimers“ alle Interessierte in die UB Frankfurt ein.
Zum Programm: Nach den Grußworten von Berndt Dugall (UB) und Prof. Dr. Axel Honneth (IfS) wird Dr. Rolf Wiggershaus im Lesesaal der Universitätsbibliothek den Festvortrag mit dem Titel „Max Horkheimer – Ein Unternehmer in Sachen kritische Gesellschaftstheorie“ halten. Nach der Mittagspause wird dann das Programm im Institut für Sozialforschung fortgesetzt. Dort wird es um 13.00 Uhr eine Führung durch das 1923 gegründete Institut geben. Den Abschluss bildet eine Vorführung des 1970 entstandenen Film-Portraits: „Max Horkheimer – Portrait eines Philosophen“ von Helmut Gumnior.
Weitere Informationen zur Veranstaltung unter http://www.ub.uni-frankfurt.de/archive/horkheimer_vortrag.html
Forschung
Reprogrammierung als Chance für die regenerative Medizin
FRANKFURT. Stammzellen sind die Jungbrunnen des Körpers. Sie bilden nicht nur die Grundlage für die Regeneration von Organen, sondern sind auch die idealen Kandidaten für eine Genkorrektur bei Menschen mit einer Erbkrankheit. Deshalb erforschen Wissenschaftler weltweit die Mechanismen, die es erlauben, die Zeit für die Zelle zurückzudrehen. In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ berichten zwei Arbeitsgruppen des Loewe-Zentrums für Zell- und Gentherapie (CGT) über den Stand der Forschung.
Während einige Gewebe und Organe des Menschen wie Blut, Leber und Skelettmuskulatur in teilweise beachtlichem Ausmaß regenerieren können, besitzen das Nervensystem oder das Herz nur geringe Selbstheilungskräfte. Verschiedene Tierarten wie der Grünliche Wassermolch sind dagegen in der Lage, Organfunktionen selbst nach starken Gewebsverlusten bis hin zu Amputationen wieder auszugleichen. Die Arbeitsgruppe in der Abteilung „Entwicklung und Umbau des Herzens“ am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim, Partner im CGT, erforscht seit einigen Jahren zelluläre und molekulare Prozesse, die der Herzregeneration zugrunde liegen. Dazu setzt sie beim Molch ein Verfahren ein, bei dem das Herz zunächst in einer Operation mechanisch geschädigt wird. Ähnlich wie bei einem Herzinfarkt beim Menschen stirbt ein Großteil der Muskelzellen ab, und die Pumpleistung des Herzens verschlechtert sich deutlich. Darauf wird aber in kürzester Zeit die körpereigene Selbstheilungsmaschinerie aktiviert.
Doch woher stammen die neu gebildeten Herzmuskelzellen? Anders als zunächst vermutet, rekrutieren sie sich nicht aus Herzstammzellen, sondern entstehen durch das „Zurückspulen“ des Entwicklungsprogrammes: Die noch intakten Herzmuskelzellen durchlaufen eine sogenannte „Dedifferenzierung“ und verlieren ihre spezifischen Eigenschaften. Sie erfüllen nun ähnliche Funktionen wie Stammzellen. Ihre Teilungsaktivität steigt stark an, so dass neue Zellmasse gebildet wird. Schließlich erlangen die Zellen wieder die spezialisierten Funktionen einer Herzmuskelzelle, sie „redifferenzieren“. Wahrscheinlich ist der Verlust der Regenerationsfähigkeit beim Säuger der Preis für seine höhere Spezialisierung und Leistungsfähigkeit. Zwar gibt es auch im Herzen von Erwachsenen ein Reservoir an Herzstammzellen, aber offensichtlich sind diese durch bestimmte Mechanismen mit zunehmendem Alter inaktiv oder haben ihre regenerative Kapazität weitgehend verloren.
Forscher suchen nun nach dem Ursprung der kardialen Stammzellen des Menschen. Wurden Sie im Laufe der Entwicklung abgeschaltet? Wenn ja, was ist der Schalter, und lässt er sich wieder umlegen? Mit der Beantwortung dieser Fragen könnten sich in den nächsten Jahren völlig neue Möglichkeiten zur Therapie von akuten und chronischen Herzerkrankungen eröffnen. Gelänge es, die Regenerationsprozesse beim Menschen zu optimieren, würde aus der Vision eines sich selbst erneuernden Herzens eines Tages vielleicht Realität. Profitieren würden davon Herzpatienten, bei denen die heutige Medizin an ihre Grenzen stößt. Sie könnten mit einer deutlich verbesserten Lebensqualität rechnen.
Eine weitere Vision der Mediziner ist es, embryonale Stammzellen von Patienten mit Gendefekten im Labor zu korrigieren, sie in der Zellkultur zu vermehren oder gar zu Organen auszudifferenzieren und anschließend in den Körper zurück zu transplantieren. Doch wie gewinnt man embryonale Stammzellen von erwachsenen Menschen? Lange glaubte man, dass der Weg von embryonaler Stammzelle zu differenzierten Zellen eine Einbahnstraße ist. Seit den bahnbrechenden Arbeiten von Shin’ya Yamanaka und Kazutoshi Takahashi aus dem Jahr 2006, die im vergangen Jahr mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden, können differenzierte Zellen durch Reprogrammierung in den embryonalen Zustand zurückversetzt werden. Man spricht von induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS).
Zurzeit gibt es in der durch iPS-Zellen getriebenen regenerativen Medizin noch zahlreiche Engpässe. Zum einen ist die effiziente Erzeugung von iPS-Zellen ohne Einführung von permanenten genetischen Veränderungen noch recht problematisch. Ebenso ist es schwierig, die potenziell Tumoren erzeugenden Reprogrammierungsfaktoren anschließend zu entfernen. „Zum anderen sind die bisherigen Gen-Reparaturstrategien suboptimal, weil für eine gezielte Korrektur von Mutationen patientenspezifische Verfahren entwickelt werden müssen, die sehr viel Zeit und Geld in Anspruch nehmen würden“, erklärt Prof. Harald von Melchner, Leiter der Abteilung für Molekulare Hämatologie an der Goethe-Universität. Deswegen sind standardisierte Gen-Reparaturverfahren erforderlich, die auf alle Patienten mit vergleichbaren Erkrankungen anwendbar sind. In neuesten Projekten versucht die Arbeitsgruppe von Melchners, diese beiden Engpässe zu überwinden: Sie wollen die Reprogrammierungsfaktoren zusammen mit einem korrigierten Gen nicht wie bisher zufällig, sondern gezielt und reversibel direkt in das erkrankte Gen einbringen.
Informationen: Prof. Harald von Melchner, Medizinische Klinik II, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-6696, melchner@em.uni-frankfurt.de Dr. Matthias Heil, Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung, Bad Nauheim, Tel.: 06032 705-1705, matthias.heil@mpi-bn.mpg.de http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe
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