Archiv Pressemitteilungen | 2012 bis 2017

Forschung

Apr 10 2012
14:37

Frankfurter Mineralogen suchen Spuren von Leben

Gesteinsproben vom Mars eingetroffen

FRANKFURT. Ein mit Spannung erwartetes Päckchen mit Gesteinsbruchstücken des Planeten Mars ist an der Goethe-Universität eingetroffen. Bestellt hat es der Mineraloge Prof. Frank Brenker, der sich mit einem internationalen Team auf die Untersuchung extraterrestrischer Proben spezialisiert hat. Durch sein nanoanalytisches Labor gingen bereits Proben des Kometen Wild 2 und Sternenstaub, der während einer Mission der NASA aufgesammelt wurde. Das nun eingetroffene Basalt-ähnliche Material verspricht direkte Einblicke in die vulkanische Aktivität unseres Nachbarplaneten. Daneben wollen die Forscher weitere Hinweise für frühe Lebensformen auf dem Mars suchen.

Die Probe stammt aus einem der wichtigsten Meteoritenfälle dieses Jahrhunderts. Am 18. Juli 2011 wurde er in Marokko in der Nähe von Tissint als Feuerball am Himmel gesichtet. Kurze Zeit später wurden die ersten Bruchstücke des Meteoriten auf der Erde entdeckt, aufgesammelt und gut verpackt. Solche Ereignisse treten etwa alle zwei Monate auf und stellen zunächst nichts Besonderes dar. Als aber Mitte Januar 2012 die vorläufigen Messergebnisse zur Charakterisierung des Meteoritenfalls veröffentlicht wurden, war die Sensation perfekt. Aus dem Verhältnis der unterschiedlich schweren Isotope des Sauerstoffs ließ sich eindeutig schließen, dass die Steine vom Mars stammten.

„Seit der Aufzeichnung von Meteoritenfällen ist dies erst der fünfte Fall, in dem Gesteinsmaterial vom Mars nach Millionen von Jahren im Weltall seinen Weg zufällig zur Erde findet, beim Fall zur Erde beobachtet wurde und danach direkt aufgesammelt werden konnte“, erklärt Prof. Frank Brenker den außerordentlichen Glücksfall. „Zudem ist in keinem der bisherigen Fälle direkt nach dem Fund ein möglicher Ursprung vom Mars überhaupt in Erwägung gezogen worden, noch wäre es damals möglich gewesen, einen Beweis für diese Annahme zu erbringen.“

Da die Proben kaum durch Verwitterungs- und Alterationsprozesse auf der Erde verunreinigt sind, wird die Suche nach den Bausteinen des Lebens erheblich begünstigt. Somit ergibt sich ein weitgehend ungestörter Blick auf die Mars-Oberfläche. Im Vordergrund wird hierbei die Suche nach komplexen Kohlenwasserstoffverbindungen und Spuren von Wasseraktivität stehen, die auf frühe Lebensformen auf dem Mars hinweisen könnten.

Nur fünf Universitäten weltweit haben sich bisher eines der begehrten Bruchstücke des Marsgesteins gesichert. Drei davon sind in den Vereinigten Staaten (University of Washington, Arizona State University, University of New Mexico) und eines in Kanada (University of Alberta). Dass die Goethe-Universität ebenfalls dazu gehört, verdankt sie der großzügigen, unbürokratischen und schnellen finanziellen Unterstützung der Vereinigung der Freunde und Förderer der Goethe-Universität.

Ein Bild zum Download finden Sie hier.

Bildtext: „Fast wie auf der Erde sieht dieser Rand eines Einschlagkraters auf dem Mars aus. So ähnlich mag der Ursprungsort der Gesteinsprobe ausgesehen habe, die im Juli 2011 als Meteorit auf die Erde fiel und nun von Mineralogen der Goethe-Universität untersucht wird.“ Bildrechte: NASA.

Informationen: Prof. Frank Brenker, Institut für Geowissenschaften, Facheinheit Mineralogie, Campus Riedberg, Tel: (069) 798- 40134, f.brenker@em.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Apr 10 2012
14:32

Der tunesische Philosoph Ali-Ridha Chennoufi spricht am 18. April 2012 am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität

Parole „Hau ab!“ – Vortrag zur „Arabellion“ im Maghreb

FRANKFURT/BAD HOMBURG. „Dégage!“ – Hau ab! – lautete das Motto der Revolution in Tunesien. Gemeint war der Diktator Ben Ali mit seinem korruptem Regime. Ben Alis Flucht am 14. Januar 2011 gilt als Meilenstein des beginnenden „Arabischen Frühlings“, in dessen Verlauf rund einen Monat später der ägyptische Machthaber Husni Mubarak gestürzt wurde. Im Nordwesten Afrikas, dem Maghreb, wurde im Oktober 2011 der libysche Diktator Gaddafi getötet, und im November 2011 ließ der marokkanische König Mohammed VI. nach einer Verfassungsänderung Parlamentswahlen durchführen. Vor allem die noch anhaltenden Umbrüche in den drei Maghreb-Ländern thematisiert der tunesische Philosophieprofessor Ali-Ridha Chennoufi, zurzeit Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, in seinem öffentlichen Vortrag mit dem

Titel: „Arabellion: Tunesien, Libyen, Marokko“
am: Mittwoch, dem 18. April 2012, um 19.00 Uhr
Ort: Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe

Ali-Ridha Chennoufi ist Professor für Politische Philosophie an der Universität Tunis. Nach der Tunesischen Revolution wurde er 2011 zum Direktor des Instituts für Philosophie an der Universität gewählt. Sein wissenschaftliches Interesse gilt vor allem der Philosophie von Jürgen Habermas. Die jüngsten politischen Umbrüche in Tunesien und Nordafrika hat er bereits in zahlreichen Zeitungsartikeln kommentiert und analysiert. In Bad Homburg wird er auf Deutsch referieren. Die Einführung und Moderation übernimmt der Frankfurter Rechtsprofessor Klaus Günther, Mitglied des Direktoriums am Forschungskolleg und Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität.

In seinem Vortrag untersucht Ali-Ridha Chennoufi die Demokratisierungsprozesse in Nordafrika, die durch die „Jasminrevolution“ in Tunesien, die gewaltsame Revolution in Libyen und die vom Monarchen initiierte Verfassungsänderung in Marokko vorangetrieben wurden. Wer sind die jeweiligen Akteure des Umbruchs und worin bestehen ihre Motive? Welche Rolle spielen die in den demokratischen Wahlen erfolgreichen islamistischen Parteien? Welche Interessen verfolgen ausländische Mächte in der Region? Chennoufi will diese Leitfragen zunächst kurz einzeln für die drei Länder und ihre spezifischen Gegebenheiten erörtern, um in einem nächsten Schritt Unterschiede und Gemeinsamkeiten herauszustellen.

In Tunesien und Marokko gab es bereits freie Wahlen, bei denen jeweils islamistische Parteien die relativ meisten Stimmen gewonnen haben. In Libyen werden diesen Parteien gute Chancen eingeräumt. Durch diese Entwicklungen, so Chennoufi, sei besonders in Europa, aber auch bei vielen Intellektuellen in den betroffenen Ländern selbst, der Eindruck entstanden, dass die Revolution gescheitert sei, weil sie nicht demokratische, sondern islamistische Parteien an die Macht gebracht habe. So gebe es an der Pariser Sorbonne Kolloquien zur „Islamisierung der Revolution“ und in deutschen Zeitungen lese man Artikel mit Titeln wie „Arabellion: Düstere Perspektiven“.

„Ich halte solche Einschätzungen für unangemessen und falsch“, sagt Chennoufi, der sich in Tunesien für eine effektivere Kooperation der demokratischen Parteien der Mitte engagiert. Zudem ist er an der Konzeption einer neuen tunesischen Verfassung beteiligt. In seinem Vortrag will er aus der Perspektive eines Beteiligten sprechen, ohne die Perspektive eines Beobachters ganz aufzugeben.

Die drei Maghreb-Länder befänden sich, so Chennoufi, nach wie vor in einer Übergangsphase. Eine zentrale Frage sei zweifelsohne, ob der politische Islam fähig sein werde, sich an eine Welt mit demokratischer Staatsführung anzupassen oder ob er eine religiöse Diktatur anstrebe. Chennoufi will nachzeichnen, wie jedes Volk die Abschaffung der Diktaturen in Gang gesetzt hat und welche Schritte der Demokratisierung von innen heraus bisher durchgeführt worden sind. Dem politischen Philosophen geht es auch um die Bedingungen eines vernünftigen und realistischen Bruchs mit der autokratischen Vergangenheit und die Erörterung tragfähiger Perspektiven. In diesem Zusammenhang will er auch über die Rolle sprechen, die beispielsweise Deutschland bei der Errichtung eines anti-autokratischen Systems einnehmen kann.

Die interessierte Öffentlichkeit ist bei dem Vortrag von Professor Chennoufi herzlich willkommen. Um eine vorherige Anmeldung wird gebeten.

Anmeldung: Andreas Reichhardt, Tel: (06172) 13977-16, Fax: (06172) 13977-39, a.reichhardt@forschungskolleg-humanwissenschaften.de, www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Informationen: Bernd Frye, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel: (06172) 13977-14, frye@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Veranstaltungen

Apr 10 2012
13:03

Interdisziplinäre Vortragsreihe der Universitäten Frankfurt und Marburg

Medienkultur und Bildung im Zeitalter digitaler Netzwerke

FRANKFURT. „Was heißt Bildung unter den Bedingungen digitaler Medien? Was müssen wir über die Genese und die Funktionslogik der Medienkultur wissen, um noch als gebildet gelten zu können?” Diesen Fragen geht die Veranstaltungsreihe „Zur Zukunft der ästhetischen Erziehung. Medienkultur und Bildung im Zeitalter digitaler Netzwerke” in acht Vorträgen nach, die im Sommersemester 2012 von der Goethe-Universität Frankfurt und der Philipps-Universität Marburg im Rahmen der Hessischen Film- und Medienakademie stattfindet.

Die Reihe will neue Perspektiven der ästhetischen Erziehung und der Bildung unter Medienbedingungen jenseits der Medienphobie, aber auch jenseits einer unkritischen Medieneuphorie entwerfen. Die Veranstaltung ist interdisziplinär angelegt und richtet sich an ein breites Publikum, der Eintritt ist frei. Zu Wort kommen namhafte Vertreter der Filmwissenschaft, Medienwissenschaft, Philosophie und Medienpädagogik aus Europa und den USA.

Die Veranstaltungen im Wintersemester 2011/12 im Überblick (Informationen zu den begleitenden ebenfalls öffentlichen Workshops unter www.medien-bildung.eu):

  • 18. April 2012, 18 Uhr                
    The End of the Virtual: Digital Methods
    Prof. Richard Rogers, University of Amsterdam
    Campus Bockenheim H IV, Goethe-Universität
  • 02. Mai 2012, 18 Uhr                   
    Spreadable Media: Creating Meaning and Value in a Networked Culture
    Prof. Henry Jenkins, University of Southern California, Los Angeles
    Philipps-Universität Marburg, Hülsenhaus, Konzertsaal, Biegenstraße 14
  • 09. Mai 2012, 18 Uhr                   
    Schlummert ein ihr matten Augen… Zu einer möglichen Assoziation von Todestrieb und ästhetischer Erziehung
    Prof. Dr. Marc Ries, Hochschule für Gestaltung, Offenbach
    Goethe Universität Frankfurt, Casino R. 1801, Campus Westend
  • 16. Mai 2012, 18 Uhr                   
    Media Education: Starting Young
    Cary Bazalgette, Institute of Education, London
    Philipps-Universität Marburg, Biegenstraße 14, HSG-116
  • 30. Mai 2012, 18 Uhr                   
    Medienästhetische Aspekte einer auf die Zukunft gerichteten Medienbildung
    Prof. Dr. Stefan Aufenanger, Gutenberg-Universität, Mainz
    Goethe-Universität Frankfurt, Casino Raum 1801, Campus Westend
  • 13. Juni 2012, 18 Uhr                  
    Emulsion und Pixel – Für mediale Transparenz in der Filmvermittlung Menschen als Medien
    Dr. Volker Pantenburg, Bauhaus-Universität Weimar, Stefanie Schlüter, Freie Universität Berlin
    Philipps-Universität Marburg, Biegenstraße 14, HSG 116
  • 27. Juni 2012, 18 Uhr                  
    Bilder medialer Bildung
    Prof. Dr. Martin Seel, Goethe-Universität, Frankfurt
    Goethe-Universität Frankfurt, Campus Bockenheim, Hörsaal-Gebäude, Raum H14
  • 11. Juli 2012, 18 Uhr                   
    Kunst – Experiment – Leben
    Prof. Dr. Christoph Menke, Goethe-Universität, Frankfurt
    Marburg Philipps-Universität,Biegenstraße 14, HSG 116

Informationen: Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Imme Klages M.A, Institut Theater, Film, Medien, Campus Westend, Tel: (069) 798-32083, info.filmwissenschaft@tfm.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Malte Hagener, Institut für Medienwissenschaften, Philipps-Universität Marburg, Tel: (06421) 28-24991 hagener@staff.uni-marburg.de; Anja Henningsmeyer, Hessische Film- und Medienakademie (hFMA), Tel. (069) 66 77 96 911, office@hfmakademie.de; www.medien-bildung.eu

Veranstaltungen

Apr 5 2012
13:20

Frankfurter Bürger-Universität bietet im Sommersemester über 100 Veranstaltungen

„Wie wir wurden, was wir sind“


FRANKFURT. Im Sommersemester 2012 lädt die Frankfurter Bürger-Universität zum siebten Mal dazu ein, bei mehr als 100 Veranstaltungen Themen und wichtige Akteure der Hochschule genauer kennen zu lernen. Vom 11. April bis zum 15. September 2012 locken populärwissenschaftliche Vorlesungen, Führungen, Ausstellungen und Konzerte. Im Mittelpunkt steht dabei wieder eine eigens konzipierte Vortragsreihe außerhalb der universitären Mauern; ihr Gastgeber ist zum zweiten Mal seit dem Beginn der Bürgeruniversität 2008 die Stadtbücherei Frankfurt. Mit der Reihe Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien, die vom Soziologen Prof. Tilman Allert konzipiert wurde, geht zum ersten Mal eine Hauptreihe der Bürgeruniversität aufgrund der großen Nachfrage in die zweite Runde.

„Biografien als verdichteter Ausdruck des privaten Lebens erzählen davon, wie Zeitgeist, überindividuelle Schicksalslagen und Weltbild ineinander greifen, sie repräsentieren insofern exemplarische Verläufe einer Mentalitätsgeschichte des Landes“, so Prof. Tilman Allert über seine Vortragsreihe, die am Beispiel prominenter Lebensgeschichten Stationen der deutschen Sozial- und Kulturgeschichte entwerfe. So widmen sich die von unterschiedlichen Referenten gestalteten Abende, Persönlichkeiten wie der Tänzerin und Choreographin Pina Bausch, dem Sänger Herbert Grönemeyer und dem Dirigenten und Operndirektor Michael Gielen. Dank einer Kooperation mit der renommierten Frankfurter Poetikvorlesung kann das Publikum den Autor und Filmemacher Alexander Kluge gleich zwei Mal erleben: Im Rahmen der Allert´schen Biografienreihe sowie live als Inhaber der Inhaber der Stiftungsgastdozentur Poetik 2012

Die zweite große Vorlesungsreihe im Programm der Frankfurter Bürgeruniversität, widmet sich dem 200. Jubiläum der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: Märchen – (k) ein romantischer Mythos?  Die vom Institut für Jugendbuchforschung ausgerichtete Bürgervorlesung zum Brüder-Grimm-Jubiläumsjahr 2012 will einen Beitrag leisten zur „Entzauberung“ der immer noch weit verbreiteten Märchenklischees, aber die Grimmschen Märchen auch als „eines der großen literarischen Kunstwerke deutscher Sprache würdigen“, erklärt Prof. Hans-Heino Ewers, Direktor des Instituts für Jugendbuchforschung. Er verantwortet die Reihe zusammen mit Dr. Claudia Pecher. So seien die meisten Märchen erst durch die Bearbeitung der Brüder Grimm kindertauglich geworden, so Ewers.

Die Schirmherrschaft der Bürger-Universität übernimmt in diesem Semester erneut Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth. Ihr hat es besonders die Grimm-Reihe angetan: „Märchen berichten von verzauberten Welten. Zumindest stellen wir uns das als erfahrene Leser der Brüder Grimm so vor. Aber ist das wirklich so?“ Im Rahmen der Frankfurter Bürgeruniversität ließen sich, so Roth, wieder interessante Einsichten erwarten, „so wie die Bürgeruniversität ihre zahlreichen Anhänger auch in der Vergangenheit sicherlich nicht enttäuscht hat“.

Wie üblich werden alle Veranstaltungen in einem Programmheft zusammengefasst, das an zahlreichen Stellen Frankfurts kostenlos ausliegt, aber auch direkt über die Universität bezogen werden kann. „Neben den beiden großen Reihen stellt es noch viele weitere Veranstaltungen vor“, erläutert der Leiter der Abteilung Marketing und Kommunikation, Dr. Olaf Kaltenborn, „beispielsweise die Vorträge der Filmwissenschaft, des Fachbereichs Chemie und die vom Cornelia Goethe Centrum veranstaltete Reihe “Gender-Ökologie-Ökonomie“. Kulturelle Highlights versprächen unter anderem die Konzerte der Frankfurter Universitätsmusik und Skyline Symphony zu werden, außerdem die von Studierenden konzipierte Ausstellung „Phantastische Flugreisen im Kinderbuch“ im Frankfurter Struwwelpeter-Museum.

Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien

Folgt man dem Urteil der Zeithistoriker, so leben wir in einer ‚Epoche nach dem Boom‘, das Land wird spätestens durch die Turbulenzen der Finanzmärkte aus dem paradiesischen Zustand eines Nachkriegswohlstands gerissen. Politisch hat sich Deutschland seit der Vereinigung von der jahrzehntelang erzwungenen „Machtvergessenheit“ befreit, aber wie sich die historischen Erfahrungen der Nation in den Generationenbeziehungen widerspiegeln, bleibt eine offene Frage für ein Gegenwartsverständnis.

Dabei hat es eine Reihe von Deutungen gegeben, die ihrerseits schon Geschichte geworden sind: Die Deutschen als eine nivellierte Mittelstandsgesellschaft, eine Risikogesellschaft oder eine Wissensgesellschaft bieten Formeln, die Dringlichkeiten, Anpassungserfordernisse und Zustandsbeschreibungen in einem enthalten. Allerdings werden die Spuren, die der historisch soziale Erfahrungsraum im Erlebniszusammenhang der Person hinterlässt, erst im Profil einer individuellen Biografie anschaulich. Wie wir wurden, wer wir sind‘ stellt bekannte Biografien aus unterschiedlichsten Bereichen vor und zwar aus einer dreifachen Perspektive, die berücksichtigt, dass die Familiengeschichte, das soziokulturelle Milieu der Herkunft sowie die im Beruf zum Ausdruck gebrachte Verortung eigener Interessen und Begabungen in einem dynamischen Zusammenhang zu begreifen sind.

Die Vortragsreihe entwirft am Beispiel von exemplarischen Lebensgeschichten Stationen der deutschen Sozial- und Kulturgeschichte. Die Termine:

  • 14. Mai 2012
    Eröffnung der Reihe durch den Universitäts-Vizepräsidenten Prof. Matthias Lutz Bachmann und dem Kurator der Reihe, dem Soziologen Prof. Tilman Allert.
  • Pina Bausch – „Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren“
    Referent: Prof. Tilman Allert lehrt Soziologie und Sozialpsychologie mit dem Schwerpunkt Bildungssoziologie an der Goethe-Universität.

 

  • 22. Mai 2012                      
    Alfred Herrhausen – Leben und Werk eines Bankiers
    Referentin: Dr. Friederike Sattler, Mitarbeiterin der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und arbeitet derzeit an einer Biografie Alfred Herrhausens.

 

  • 4. Juni 2012
    Alexander Kluge – Ein Archivar der Lebensläufe
    Der Referent: Wolfgang Schopf betreut literarische Sammlungen der Goethe-Universität und betreut aktuell die Begleitausstellung zu Alexander Kluges Poetikdozentur.

 

  • 11. Juni 2011
    Michael Gielen - Die Partitur als heiliger Text

    Der Referent: Dr. Ferdinand Zehentreiter lehrt Soziologie an der Goethe-Universität und Musikwissenschaft an der Musikhochschule Frankfurt.

 

  • 18. Juni 2011                     
    Jil Sander - Die neue Sprache der Eleganz
    Der Referent: Prof. Tilman Allert

 

  • 25. Juni 2011                     
    Herbert Grönemeyer – Dieter Bartetzko
    Der Referent: Dieter Bartetzko, Feuilleton - Mitarbeiter der FAZ.

 Zentralbibliothek der Stadtbücherei Frankfurt, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt. Beginn jeweils 19.30 Uhr. Eintritt frei

Vorlesungsreihe anlässlich des 200. Geburtstags der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: Märchen – (k)ein romantischer Mythos?

  •  11. April 2012                    
    Märchen – (k)ein romantischer Mythos? Zur Umdeutung einer Gattung durch die Brüder Grimm.
    Referent: Prof. Hans-Heino Ewers, Direktor am Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität.

 

  • 18. April 2012                    
    „Nicht selten ist der Ausdruck nach des Landes Art, keck, frei und unverhüllt.“Giambattista Basiles Pentamerone und die Brüder Grimm.
    Referent: Prof. Alfred Messerli (Zürich)

 

  • 25. April 2012                    
    Das blaue Wunder. Geschlechterverhältnisse in Eduard Mörikes Historie von der schönen Lau.
    Referent: Prof. Andreas Krass(Goethe-Universität)

 

  • 2. Mai 2011
    Die Bilderwelt der Brüder Grimm. Ludwig Emil Grimm und die Anfänge der deutschen Märchenillustration.
    Referentin: Dr. Regina Freyberger, (München)

 

  • 9. Mai 2012 
    Wie es ist, ein Buch zu sein. Die „Kinder- und Hausmärchen, gesammelt durch die Brüder Grimm“ zwischen Poetik, Identitätsfindung und Selbstbezug
    Referent: Dr. Jens Emil Sennewald(Paris)

 

  • 16. Mai 2012                       
    „Ein Grundton von Religion“ in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: Historisches Substrat oder Signum einer romantischen Gattung?
    Referentin: Dr. Claudia Maria Pecher(Goethe-Universität)

 

  • 23. Mai 2012
    Zur „Mythologisierung“ der Grimm’schen Märchensammlung in der portugiesischen Spätromantik.
    Referentin: Prof. Dr. Maria Teresa Cortez (Portugal)

 

  • 30. Mai 2012
    Dämonische Gestalten in europäischen Zaubermärchen.
    Referentin: Dr. Barbara Gobrecht (Schweiz)

 

  • 6. Juni 2012                       
    „Das Buch, das wir sind“? Zur jüdischen Rezeption der Grimm’schen Kinder- und Hausmärchen
    Referentin: Prof. Dr. Gabriele von Glasenapp(Köln)

 

  • 13. Juni 2012
    Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm im Land Perraults: Übersetzungen und französische Sammlungen im 19. und 20. Jahrhundert.
    Referentin: Dr. Natacha Rimasson-Fertin,( Frankreich)

 

  • 20. Juni 2012
    Grimms Volksmärchen und Puschkins Kunstmärchen: Gattungswechsel oder kulturelle Transformation?
    Referentin: Dr. Olena Kuprina (Regensburg)

 

  • 27. Juni 2012
    Neue polnische Übersetzung der Kinder- und Hausmärchen – zwischen Tradition und Treue?
    Referentin: Dr. habil. Eliza Pieciul-Karmińska(Polen)

 

  • 4. Juli 2012
    „Restaurationen und Ipsefacten“. Divergierende Konzeptionen des ‚romantischen‘ Märchens bei Clemens Brentano und den Brüdern Grimm
    Referent: PD Dr. Wolfgang Bunzel (Frankfurt a. M.)

Campus Westend, Hörsaal HZ 6, Hörsaalzentrum, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main. Beginn jeweils 18.30 Uhr. Eintritt frei

Die Vorlesungsreihe Märchen – (k)ein romantischer Mythos? findet statt in Kooperation mit dem Freundeskreis des Instituts für Jugendbuchforschung und der Märchenstiftung Walter Kahn.

Mehr Informationen: www.buerger.uni-frankfurt.de

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Forschung

Apr 4 2012
12:21

Blaupause des anaeroben Essigsäure-Stoffwechsels offengelegt

Genomsequenz gibt Einblicke in die Entstehung des Lebens

FRANKFURT. Im Anfang mag die Erde wüst ausgesehen haben, aber leer war sie nicht. In der an Kohlendioxid (CO2) und Wasserstoff reichen Ur-Atmosphäre lernten Bakterien, Energie zu gewinnen, indem sie die beiden Gase zu Essigsäure verstoffwechselten. Davon zeugen heute noch Überlebenskünstler unter extremen Bedingungen wie Acetobacterium woodii, ein beliebter Modelorganismus, wenn es um die Evolution der zellulären Bioenergetik geht. Der Frankfurter Mikrobiologe Prof. Volker Müller hat nun zusammen mit Kollegen aus Göttingen, Marburg und Greifswald das Genom von A. woodii entschlüsselt und die Blaupause des Lebens offengelegt.

„Für Mikrobiologen ist A. woodii ist eine wahre Schatztruhe, in der wir immer wieder neue biochemische Prinzipien entdecken“, erklärt Müller. Was ihn uns seine Kollegen besonders interessiert: Wie synthetisieren acetogene Bakterien wie A. woodii die zelluläre Energiewährung ATP? Den ersten Teil des Rätsels entschlüsselte seine Arbeitsgruppe vor zwei Jahren, als sie ein neues Kraftwerk (Rnf-Komplex) in diesen Bakterien fand.  Es wird mit Elektronen aus einem reduzierten Eisen-Schwefel-Protein (Ferredoxin) „gefüttert“. Durch die Genomanalyse wollten Müller und seine Kollegen herausfinden, ob es weitere Kraftwerke gibt und woher das reduzierte Ferredoxin stammt.

Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe von „PLoS ONE“ berichten, war ihr erster überraschender Befund, dass A. woodii tatsächlich Energie nur über den Rnf-Komplex konserviert. Das geschieht, indem durch den Transport von Natrium-Ionen eine elektrische Spannung über der Membran aufgebaut wird, so dass eine ATP-erzeugende Maschine, die ATP-Synthase, angetrieben wird. Man würde erwarten, dass der Stoffwechselsweg darauf ausgerichtet ist, möglichst viel reduziertes Ferredoxin zu erzeugen, um dadurch auch die Ausbeute an ATP zu erhöhen. Thermodynamisch ist diese Reaktion mit Wasserstoff oder NADH2 als Reduktionsmittel aber ungünstig und daher höchst unwahrscheinlich. Die Analyse des Genoms löste nun das Rätsel:  A. woodii enthält Gene, die für lösliche Wasserstoff-aktivierende Enzyme kodieren. Sie überwinden die Energiebarriere wahrscheinlich über den Prozeß der sogenannten „Elektronen-Bifurkation“. Dazu wird ein Elektron aus dem Wasserstoff zunächst energetisch „bergab“ auf einen Akzeptor (NAD+) übertragen. Die dabei freiwerdende Energie wird genutzt, um ein weiteres Elektron „bergauf“ auf Ferredoxin zu übertragen, ähnlich wie bei einem Wasserrad.

„Wir konnten zum ersten Mal zeigen, wie in diesem Stoffwechselweg Energie konserviert wird: Mit Ferredoxin als zentralem Spieler, das von Elektronen-bifurkierenden löslichen Enzymen reduziert und durch den Rnf-Komplex oxidiert wird.  Natriumionen sind das Salz in dieser Suppe und essentiell für die ATP-Synthese“, erklärt Müller das zentrale Ergebnis seiner Arbeit. Die bei der CO2-Reduktion zu Essigsäure freiwerdende Energie ist extrem gering und A. woodii ein exzellentes Model für Leben unter extremer Energielimitierung. „Unsere Analysen haben ergeben, dass pro Mol gebildetem Acetat nicht mehr als 0.75 Mol ATP gebildet werden. Dies ist nur circa 2 Prozent dessen, was aerobe Bakterien oder Mitochondrien produzieren“, rechnet Müller vor. Das ist wenig, aber ausreichend für einen ersten Prozeß der Energiekonservierung auf unserem Planeten.

Publikation:  Poehlein, A., Schmidt, S., Kaster, A.-K., Goenrich, M., Vollmers, J., Thürmer, A., Bertsch, J., Schuchmann, K., Voigt, B., Hecker, M., Daniel, R., Thauer, R.K., Gottschalk, G., Müller, V. (2012). An ancient pathway combining carbon dioxide fixation with the generation and utilization of a sodium ion gradient for ATP synthesis.

PLoS ONE, http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0033439

Informationen: Prof. Volker Müller, Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29507; VMueller@bio.uni-frankfurt.de.