​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Jan 21 2022
11:07

ZOOM-Veranstaltung aus der Reihe „Kontrovers: Aus dem FGZ“ mit Daniela Grunow und Andreas Zick. 

Neue Konfliktlinien: Polarisiert sich Deutschland?

FRANKFURT. Der Frankfurter Standort des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) lädt ein zum ersten Termin im neuen Jahr der Reihe „Kontrovers: Aus dem FGZ“ aus dem Frankfurter Transferprojekt „Frankfurt streitet!“. Am 27. Januar um 16.30 Uhr diskutieren Prof. Dr. Daniela Grunow und Prof. Dr. Andreas Zick über „Neue Konfliktlinien: Polarisiert sich Deutschland?“.

Zum Hintergrund: Die in Politik und Öffentlichkeit artikulierte Sorge um eine gesellschaftliche Polarisierung umfasst verschiedene Annahmen: Politische Streitfragen zu Pandemiebekämpfung, Klima-, Gender- und Migrationspolitik würden zunehmend verhärtet geführt, Meinungen und Einstellungen, Gruppen und Parteien stünden sich dabei unversöhnlich bis feindschaftlich gegenüber und radikalisierten sich. Wechselseitiges Vertrauen und Kompromissbereitschaft gingen verloren und Konflikte würden immer häufiger gewaltsam ausgetragen. Das „Auseinanderdriften der Gesellschaft“ wird darüber hinaus in einer unüberbrückbar werdenden Kluft zwischen Arm und Reich, regional ungleichen Lebensverhältnissen sowie fehlenden Bildungs- und Aufstiegschancen diagnostiziert.

Im Format „Kontrovers: Aus dem FGZ“ sollen diese Thesen wissenschaftlich eingeordnet und diskutieren werden: Haben wir es überhaupt mit einer Polarisierung der Lager und politischen Einstellungen in Deutschland zu tun oder ist diese Sichtweise verzerrt? Lassen sich neue kulturelle und sozioökonomische Konfliktlinien und gesellschaftliche Spaltungstendenzen erkennen? Welche Daten sprechen dafür, welche dagegen? Und schließlich: Wie viele dieser Gegensätze kann und muss eine plurale Demokratie aushalten?

Mit der Diskussion dieser und weiterer Fragen zwischen Prof. Dr. Daniela Grunow (Professorin für Soziologie, FGZ Frankfurt/Goethe-Universität) und Prof. Dr. Andreas Zick (Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung, FGZ Bielefeld/Universität Bielefeld), moderiert von Heike List (Wissenschaftliche Referentin der Geschäftsführung, FGZ), startet die Reihe „Kontrovers: Aus dem FGZ“ ins Jahr 2022.

Die Veranstaltung findet online via Zoom statt. Wir bitten um eine Anmeldung an veranstaltungen-fgz@uni-frankfurt.de. Die Login-Daten werden nach Anmeldung übermittelt.

Daniela Grunow ist Direktorin des Institute for Empirical-Analytical Research (InFER) und Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt „Quantitative Analysen gesellschaftlichen Wandels“ am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität sowie Sprecherin der Forschungsgruppe „Reconfiguration and Internalization of Social Structure“ (RISS). Am FGZ-Standort Frankfurt ist sie stellvertretende Sprecherin und leitet zwei Teilprojekte, darunter „Wertkonflikte, Arbeitsteilung und gesellschaftlicher Zusammenhalt im Geschlechterverhältnis“. Ihre Forschung und Lehre konzentrieren sich auf die Wechselwirkungen von Arbeitsmarkt, Hausarbeit und Geschlechterbeziehungen in verschiedenen Wohlfahrtsstaaten sowie auf Aspekte sozialer Integration und Kohäsion. Zur Erforschung dieser Themen verwendet sie unterschiedliche empirische Methoden; speziell Methoden zur Analyse von Längsschnittdaten.

Andreas Zick ist Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung und Professor für Sozialisation und Konfliktforschung an der Universität Bielefeld sowie Sprecher des Standorts Bielefeld des FGZ. Am FGZ-Standort Bielefeld leitet er vier Forschungsprojekte, darunter das Projekt „Zusammenhalt in und durch Nachbarschaften – Stadtteilstudien und Regionalpanel NRW und Niedersachsen“. Seine Forschungsschwerpunkte liegen bei Intergruppenkonflikten, Vorurteilen und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, Radikalisierung und Extremismus sowie Migrations- und Integrationsprozessen. Er engagiert sich zudem langjährig in der medialen und öffentlichen Vermittlung seiner Forschungsergebnisse zu Ursachen, Formen und Folgen innergesellschaftlicher Konflikte, Diskriminierung und Gewalt.

Heike List ist Wissenschaftliche Referentin der Geschäftsführung des FGZ. An der Goethe-Universität arbeitete sie zuvor in der Geschäftsstelle des Exzellenzclusters „Normative Orders“ und als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im EU-Verbundprojekt „Reconstituting Democracy in Europe“ (RECON) am Lehrstuhl für politische Theorie und Philosophie in der Lehre und Forschung u.a. zu normativen Ordnungsstrukturen der EU und dem Spannungsverhältnis von nationaler Vielfalt und Demokratie.

Kontakt:
Yvonne Blum, Referentin für Wissenstransfer. Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Geschäftsstelle Frankfurt. Goethe-Universität Frankfurt am Main. Telefon: +49 (0)69 798 31550; yvonne.blum@em.uni-frankfurt.de; www.fgz-risc.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 20 2022
10:32

Archäologen und Archäobotaniker der Goethe-Universität rekonstruieren die Wurzeln der westafrikanischen Küche

Schon vor 3500 Jahren kam Blattgemüse auf den Tisch

Blattgemüse gehört in Westafrika als Beilage zu vielen Gerichten wie dem gestampften Yams im Süden der Region. In Zusammenarbeit mit Chemikern der Universität Bristol ist Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Goethe-Universität nun der Nachweis gelungen, dass die Ursprünge solcher Gerichte 3500 Jahre zurückreichen.

FRANKFURT. Mehr als 450 Töpfe aus prähistorischer Zeit wurden untersucht, 66 von ihnen enthielten Reste von Lipiden, also wasserunlöslichen Substanzen. Im Auftrag des Nok-Forschungsteams der Goethe-Universität extrahierten Chemiker der Universität Bristol Lipidprofile, die Aufschluss über die verwendeten Pflanzen geben sollten. Die Ergebnisse sind jetzt in der Zeitschrift „Archaeological and Anthropologial Sciences“ veröffentlicht worden: Mehr als ein Drittel der 66 Lipidprofile zeigten sehr unterschiedliche und komplexe Verteilungsmuster – ein Hinweis darauf, dass hier verschiedene Pflanzen und Pflanzenteile verarbeitet wurden.

Blattgemüse gehört heute in Westafrika als Beilage zu vielen Gerichten. Gekocht werden Blätter von Bäumen wie beispielsweise dem Baobab (Adansonia digitata) oder die bitter schmeckenden Blätter eines strauchigen Korbblütlers (Vernonia amygdalina). Diese Blattsoßen werden mit Gewürzen, Gemüse, auch Fisch oder Fleisch, angereichert und komplettieren die stärkehaltige Grundlage von Speisen wie dem gestampften Yams im Süden Westafrikas oder dem festen Brei aus Perlhirse in den trockeneren Savannen im Norden. Mit vereinter Expertise haben Archäologie und Archäobotanik der Goethe-Universität und chemische Wissenschaften der Universität Bristol nachgewiesen, dass die Ursprünge solcher Gerichte in Westafrika 3500 Jahre zurückreichen.

Die Untersuchungen sind Teil eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts unter Leitung von Prof. Peter Breunig und Prof. Katharina Neumann, das im Dezember 2021 seinen Abschluss fand. Mehr als zwölf Jahre lang haben Archäologen und Archäobotaniker der Goethe-Universität die Nok-Kultur Zentralnigerias untersucht, die bekannt ist für ihre großformatigen Terrakotta-Figuren und für frühe Eisenproduktion in Westafrika im ersten Jahrtausend v. Chr. – wobei die Wurzeln der Nok-Kultur bis in die Mitte des 2. Jahrtausends zurückreichen. Im Fokus der Forschung stand vor allem der gesellschaftliche Kontext, in dem die Skulpturen geschaffen worden waren, also auch Wirtschaft und Ernährung. Anhand verkohlter Pflanzenreste aus Zentralnigeria konnte nachgewiesen werden, dass die Nok-Leute Perlhirse kultivierten. Ob sie aber auch andere stärkehaltige Pflanzen wie Yams nutzten und welche Gerichte sie aus der Perlhirse zubereiteten, lag bislang im Dunkeln.

„Verkohlte Pflanzenreste wie Samen und Nussschalen, die verkohlt in den archäologischen Sedimenten erhalten geblieben sind, spiegeln nur einen Teil dessen wider, was die Menschen damals gegessen haben", erklärt Prof. Katharina Neumann. Von den chemischen Analysen habe man sich zusätzliche Erkenntnisse über die Nahrungszubereitung erhofft. Und tatsächlich konnten die Forscher aus Bristol mit Hilfe von Lipid-Biomarkern und Analysen stabiler Isotope an mehr als 450 prähistorischen Töpfen zeigen, dass verschiedene Pflanzenarten zur Herstellung von Speisen verwendet wurden.

Dr. Julie Dunne von der Abteilung für organische Geochemie der Universität Bristol sagt: „Diese ungewöhnlichen und hochkomplexen pflanzlichen Lipidprofile sind die vielfältigsten, die bisher (weltweit) in archäologischer Keramik gefunden wurden.“ Es scheint mindestens sieben verschiedene Lipidprofile in den Gefäßen zu geben, was ein deutliches Indiz für die Verarbeitung verschiedener Pflanzenarten und -organe in diesen Gefäßen ist, darunter möglicherweise auch von unterirdischen Speicherorganen (Knollen) wie etwa Yams.

Seit Beginn des Projekts suchten die Archäobotanikerinnen im Projekt Belege für die frühe Nutzung von Yams, liegt die Nok-Region doch im „Yamsgürtel“ Westafrikas, also in dem Bereich des Kontinents, in dem Yams heute kultiviert wird. Verkohlte Reste helfen hier nicht weiter, denn das weiche Gewebe der Knollen ist oft schlecht erhalten und zudem wenig spezifisch. Die chemischen Analysen deuten nun darauf hin, dass neben Blättern und anderen noch nicht identifizierten Gemüsen auch suberinhaltiges Pflanzengewebe gekocht wurde – diese Substanz findet man in der Rinde sowohl von oberirdischen als auch unterirdischen Pflanzenorganen – möglicherweise also ein erstes Indiz für die Zubereitung von Yams, wenn auch nicht der erhoffte eindeutige Beweis.

Durch die archäobotanische Untersuchung von verkohlten Resten wusste man bisher von Perlhirse (Cenchrus americanus) und Kuhbohne (Vigna unguiculata), den ölhaltigen Früchten des Canariumbaumes (Canarium schweinfurthii) und von einer Afrikanischer Pfirsich genannten Frucht (Nauclea latifolia), die wegen ihre Vielzahl von Samen an große Feigen erinnert. Die molekulare Untersuchung komplettiert nun das Bild der Nahrungszubereitung an den Fundplätzen der Nok-Kultur. Die Frankfurter Archäobotanikerin Dr. Alexa Höhn erklärt: „Die sichtbaren und unsichtbaren Reste der Nahrungszubereitung im archäologischen Sediment und in der Keramik vermitteln uns ein viel vollständigeres Bild vergangener Ernährungsgewohnheiten. Die neuen Belege lassen nun auf eine beträchtliche zeitliche Tiefe der westafrikanischen Küche schließen."

Publikation: Julie Dunne, Alexa Höhn, Katharina Neumann, Gabriele Franke, Peter Breunig, Louis Champion, Toby Gillard, Caitlin Walton‑Doyle, Richard P. Evershed Making the invisible visible: tracing the origins of plants in West African cuisine through archaeobotanical and organic residue analysis. Archaeological and Anthropological Sciences https://doi.org/10.1007/s12520-021-01476-0

Bild zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/111577824

Bildtext: Ausgrabung eines Nok-Gefäßes am Fundplatz Ifana 3. (Foto: Peter Breunig)

Weitere Informationen
Dr. Alexa Höhn
Archäologie und Archäobotanik Afrikas
Telefon +49 (0)69  798-32089
E-Mail a.hoehn@em.uni-frankfurt.de  


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de  

 

Jan 19 2022
15:53

Wissenschaftsmagazin „Forschung Frankfurt“ der Goethe-Universität zum Thema Bewegung erschienen – Informatikerin Hilde Kühne trainiert Computer mit 100 Millionen Youtube-Videos

Ist es Kochen oder Winken? Künstliche Intelligenzen lernen Bewegungen zu unterscheiden

Gegenstände und Gesichter können Computer schon recht gut erkennen, auch dass sich etwas bewegt und in welche Richtung. Um beispielsweise den häuslichen Notruf zu unterstützen, reicht das nicht. Dafür müssten sie erkennen können, um welche Art von Bewegungen es sich handelt und etwa zwischen einem Sturz und einem Bücken unterscheiden können. Solche Bewegungserkennung trainieren Computer an der Goethe-Universität Frankfurt. Die jüngste Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ gibt einen Einblick, wie ein solches Trainingscamp für Künstliche Intelligenzen funktioniert.

FRANKFURT. Wenn eine ältere Person zuhause in der Küche stürzt, liegt der Handsender des Hausnotrufs womöglich gerade unerreichbar im Badezimmer. Wie eine Videoüberwachung funktionieren könnte, die zwar den Sturz feststellt, aber keine Bilder aus der Privatsphäre an die Hausnotrufzentrale übermittelt, erforscht die Informatikerin Prof. Hilde Kühne von der Goethe-Universität. In der jüngsten Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ zum Thema „bewegt“ erläutert sie, wie sie Computern beibringt, zwischen verschiedenen Bewegungen zu unterscheiden. Dazu sind die Maschinen mit einem künstlichen neuronalen Netz ausgestattet und trainieren an 100 Millionen Youtube-Videos. „Beim Assistant Living könnte Bewegungserkennung unterstützen“, ist Kühne überzeugt, denn die Bilder müssten  nicht an eine Überwachungszentrale übermittelt werden. Und „für den Computer sind Videos schlicht Zahlenkolonnen“.

In weiteren Beiträgen der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ berichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität über ihre Forschungsprojekte zu verschiedenen Aspekten von Bewegung, zum Beispiel mit welchen Tricks es metastasierende Tumorzellen schaffen, ins Gehirn einzudringen, wie die „Zappel-Philipp“-Krankheit ADHS auch noch Erwachsenen zu schaffen macht oder wie sich in der Quantenphysik zwei Bewegungen überlagern, die jeweils nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auftreten. Andere Beiträge wiederum gehen zum Beispiel der Frage nach, wie die fast immer und überall verfügbaren Smartphones das Medium Film verändern oder wie die Integration von Migranten durch Sportvereine gefördert werden kann.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2021) kann von Journalistinnen und Journalisten kostenlos bestellt werden über: ott@pvw.uni-frankfurt.de.


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de  

 

Jan 19 2022
14:21

Bronzeskulptur der Frankfurter Bildhauerin Wanda Pratschke auf dem Campus Westend eingeweiht

Die „Unbesiegbare“, prominent platziert

FRANKFURT. Ob Skulpturen, Wandgemälde, Büsten oder andere Objekte: Auf dem weitläufigen Gelände des Campus Westend haben zahlreiche Kunstwerke ihren Ort. Nun kommt zur Kunst auf dem Campus ein neues Werk hinzu: die Bronzeskulptur „Unbesiegbare“ der renommierten Frankfurter Künstlerin Wanda Pratschke. Die überlebensgroße, dunkle Figur eines liegenden Frauenkörpers hat auf der Wiese zwischen Hörsaalgebäude und Seminarhaus nahe dem Adorno-Arbeitsplatz im Glaskasten einen prominenten Platz gefunden. Die Skulptur wurde heute in Anwesenheit der Künstlerin, des Universitätspräsidenten Prof. Dr. Enrico Schleiff und, stellvertretend für die Stifter, dem Vorstandsvorsitzenden der Vereinigung der Freunde und Förderer der Goethe-Universität Prof. Dr. Wilhelm Bender eingeweiht.

Die Skulptur „Unbesiegbare“ ist Anfang der Corona-Pandemie entstanden. „Immer ist es der Mensch und dessen Ausstrahlung, die mein Interesse erwecken“, erklärte die Künstlerin Wanda Pratschke vor Ort. Es gehe ihr um eingefangenes Leben, Sinnlichkeit und Grazie – ein Prozess, der Zeit brauche. „Wenn es mir dann gelingt, Zeitlosigkeit in der Skulptur zu gestalten, überrascht es mich oder andere Betrachter.“ Die 1939 in Berlin geborene Bildhauerin, die nach einer Ausbildung zur Bühnenbildnerin an der Frankfurter Städelschule studierte, ist durch ihre Plastiken von großen, selbstbewussten, runden Frauen bekannt geworden. Zahlreiche ihrer Werke sind im öffentlichen Raum zu sehen, wie die „Große Stehende Betty (1984)“ in den Frankfurter Wallanlagen, „Die Schöne“ (2001) im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens, die „Große Liegende“ (2016) in der Dienstvilla des Hessischen Ministerpräsidenten in Wiesbaden. „Frauen, an denen niemand vorbeikommt“, heißt es in einem Zeitungsbericht über Pratschkes Skulpturen.

„Wir freuen uns sehr, dass die eindrückliche Plastik ,Unbesiegbare' nun auf unserem Campus steht und dazu einlädt, sich mit ihr auseinandersetzen“, sagte Prof. Dr. Enrico Schleiff bei der Einweihung. An der Stiftungsuniversität Frankfurt habe Kunst und Kultur eine „sehr lange Tradition“. Diese Tradition gebe es jedoch nur dank des Engagements großzügiger Stifter, die Kunst für die Universität erwerben und ihr übereignen, erklärte Schleiff in Bezug auf die Stifter, unter anderen Stefan Quandt, Friedrich von Metzler und Wilhelm Bender. „Hierfür danken wir Ihnen sehr.“ Vor allem dankte Schleiff auch den Freunden und Förderern der Universität, die immer wieder Möglichkeiten eröffneten und Impulse für interessante Projekte und Ideen setzten.

Der Vorstandsvorsitzende der Freundesvereinigung Wilhelm Bender zeigte sich überzeugt: „Wanda Pratschkes ,Unbesiegbare' wird den Campus Westend bereichern.“ Der Entstehungsprozess der Skulptur kann im Video „Unbesiegbare 2021 - Von der Skizze zur Skulptur - Wanda Pratschke“, produziert von der Medienkünstlerin Katja Pratschke, Berlin, in der Webadresse gesehen werden: https://vimeo.com/660884676

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/111581394

Bildtext:
Bild 1: Die Bildhauerin Wanda Pratschke mit ihrer Bronzeskulptur „Unbesiegbare“ auf dem Campus Westend der Goethe-Universität (Foto: Uwe Dettmar/Goethe-Universität)

Bild 2: Die Bildhauerin Wanda Pratschke mit ihrer Bronzeskulptur „Unbesiegbare“, gemeinsam mit einem der Stifter, Prof. Dr. Wilhelm Bender, und Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff auf dem Campus Westend der Goethe-Universität (Foto: Uwe Dettmar/Goethe-Universität)

Weitere Informationen:
www.wanda-pratschke.de/
https://www.uni-frankfurt.de/39005880/Kunst_im_Fokus


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 19 2022
10:09

Hessische Schülerinnen und Schüler erhalten 2022 bundesweit erstmalig die Möglichkeit, an „Safe Place“ teilzunehmen. 

Erfolgreiche Kooperation des Kompetenzzentrums Schulpsychologie Hessen mit NATAL aus Israel mit Hilfe von Löwenstark gestartet

FRANKFURT. Aufgrund der pandemiebedingt gestiegenen psychischen Belastungen von Schülerinnen und Schülern sieht das Landesprogramm „Löwenstark – der BildungsKICK“ auch psychosoziale Unterstützungsmaßnahmen für die hessischen Schulen vor. Eine der Maßnahmen ist das vor kurzem gestartete Programm „Safe Place“ der gemeinnützigen Organisation NATAL (Israel Trauma Center for Victims of Terror and War). Es zielt darauf ab, die Resilienz und Stressbewältigungskompetenz von Schülerinnen und Schülern zu stärken sowie den präventiven Umgang mit Belastungssymptomen zu üben. Umgesetzt wird das Programm von eigens dafür qualifizierten Schulpsychologinnen und Schulpsychologen.

Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz betont, „dass gerade jetzt auch die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in den Schulen in den Blick genommen werden muss. Durch die Zusammenarbeit mit NATAL ist es möglich, ein neues Angebot für unsere hessischen Schülerinnen und Schüler in den entsprechenden Klassen zu realisieren.“

Die Begleitung und Qualifizierung der zuständigen Schulpsychologinnen und Schulpsychologen sowie die wissenschaftliche Evaluation des Einsatzes von Safe Place erfolgt zusammen mit NATAL durch das Kompetenzzentrum Schulpsychologie Hessen (KSH) an der Goethe-Universität Frankfurt. Prof. Dr. Gerhard Büttner als wissenschaftlicher Leiter des KSH erhofft sich „eine große Resonanz seitens der Schulen auf Safe Place, um möglichst viele Klassen intensiv fördern und nachhaltige Erkenntnisse über die Wirksamkeit des Programms gewinnen zu können.“ Eine Teilnahme an Safe Place wird den hessischen Schulen ab dem Frühjahr 2022 ermöglicht.

Hintergrundinformation:
NATAL (Israel Trauma Center for Victims of Terror and War) ist eine gemeinnützige Organisation, deren Ziel es ist, in der Gesellschaft das Bewusstsein für krisenbedingte Traumata zu schärfen. Das Resilienzförderprogramm Safe Place wurde von NATAL entwickelt und vielfach in Israel eingesetzt. Ein pandemiebezogener Einsatz von Safe Place erfolgte unter anderem in New York.  Durch die Kooperation mit NATAL kann Safe Place erstmalig in Deutschland für Schülerinnen und Schüler insbesondere der Klassenstufen 4 bis 7 angeboten werden.

Kontakt:
Prof. Dr. Gerhard Büttner, Institut für Psychologie, Leitung Kompetenzzentrum Schulpsychologie Hessen, Goethe-Universität Frankfurt. Tel: +49-(0)69/798-35347;  buettner@paed.psych.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de  

 

Jan 17 2022
15:31

Wissenschaftsmagazin „Forschung Frankfurt“ der Goethe-Universität zum Thema Bewegung erschienen – Sportmediziner Michael Behringer erforscht die Ursachen von Muskelkrämpfen

Kampf gegen den Krampf

Die meisten Menschen vertrauen bei Muskelkrämpfen auf Magnesium. Aber die wissenschaftliche Beweislage dafür ist dünn – und die Theorie, dass Krämpfe durch einen Elektrolytmangel entstehen, mehr als 100 Jahre alt. Sportmediziner Michael Behringer hat eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Was helfen könnte im Kampf gegen den Krampf, darüber lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ zum Thema „bewegt“.

FRANKFURT. Sie können selbst guttrainierten Sportlern einen Strich durch die Rechnung machen: Wadenkrämpfe sind besonders bei Triathleten und Marathonläufern eine häufige Plage, die schon manchen Sieg vereitelt hat. Aber nicht nur Sportler leiden unter Krämpfen: Auch andere Menschen haben nachts häufige und äußerst schmerzhafte Muskelkrämpfe, die sie schier zur Verzweiflung bringen. »Die Kombination von Schmerz und Schlafmangel führt in schweren Fällen manchmal sogar zu Suizidgedanken«, sagt Prof. Michael Behringer, Sportmediziner an der Goethe-Universität.

Im Breitensport ist Magnesium das beliebteste Mittel gegen Krämpfe, und das schon seit vielen Jahrzehnten. Doch die Evidenz dafür, dass Magnesium Krämpfen vorbeugt oder sie lindert, ist laut einer Metaanalyse von 2020 äußerst gering. Michael Behringer und sein Team verfolgen eine andere Strategie, die insbesondere bei starker Krampfneigung helfen könnte: Mit Hilfe von elektrischer Stimulation wird der Muskel so trainiert, dass die Krampfschwelle ansteigt. Näheres zur Krampfforschung an der Goethe-Universität ist in der neuesten Ausgabe von Forschung Frankfurt, dem Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität, nachzulesen.

In weiteren Beiträgen berichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über ihre Forschungsprojekte zu verschiedenen Aspekten von Bewegung, zum Beispiel wie sie Computern das Erkennen unterschiedlicher Bewegungen wie „schneiden“ oder „winken“ beibringen, wie die „Zappel-Philipp“-Krankheit ADHS auch noch Erwachsenen zu schaffen macht oder wie sich in der Quantenphysik zwei Bewegungen überlagern, die jeweils nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auftreten. Andere Beiträge wiederum gehen zum Beispiel der Frage nach, wie die fast immer und überall verfügbaren Smartphones das Medium Film verändern oder wie die Integration von Migranten durch Sportvereine gefördert werden kann.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2021) kann von Journalistinnen und Journalisten kostenlos bestellt werden über: ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Alle Beiträge sind online erhältlich unter www.forschung-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de 

 

Jan 14 2022
11:05

Ausstellungs-Präsentation von Götz Aly und Margit Berner an der Goethe-Universität zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus 

„Der kalte Blick: Letzte Bilder jüdischer Familien aus dem Ghetto von Tarnów“

FRANKFURT. Erzwungene Aufnahmen jüdischer Menschen stehen im Zentrum der diesjährigen Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag

Donnerstag, 27. Januar, um 12 Uhr,

zu der das Fritz Bauer Institut und das Präsidium der Goethe-Universität wieder gemeinsam einladen – diesmal online. 

Dr. Margit Berner, Kuratorin am Naturhistorischen Museum Wien, entdeckte im Jahr 1997 im Archiv eine Schachtel mit 565 Porträtaufnahmen. Im Stil von Fahndungsfotos sind darauf Menschen aus dem polnischen Tarnów zu sehen kurz vor ihrer Deportation. Erstellt worden waren die Bilder im Auftrag von Dora Kahlich-Körner und Elfriede Fliethmann, zweier Anthropologinnen. Die Gesichter der Menschen, die die beiden Wissenschaftlerinnen im Dienste der NS-Ideologie auch penibel vermaßen und katalogisierten, bringen vieles zum Ausdruck, zumal Angst und Abscheu. Nur 26 der fotografierten Männer, Frauen und Kinder haben den Holocaust überlebt.

Im Zuge umfangreicher Recherchen gelang es Margit Berner, die Fotos namentlich zuzuordnen und die vielen Schicksale zu dokumentieren. Dabei stieß sie auf eine Veröffentlichung von Götz Aly und Susanne Heim, „Vordenker der Vernichtung“ von 1991. Darin spielen die beiden Anthropologinnen eine Rolle. So entstand die Idee einer gemeinsamen Wanderausstellung. Unter dem Titel „Der kalte Blick. Letzte Bilder jüdischer Familien aus dem Ghetto von Tarnów“ wurde zum einen das ehrgeizige Vorgehen der beiden Wissenschaftlerinnen dokumentiert, zum anderen erzählt die Ausstellung vom Leben der Juden in Tarnów vor 1939 und danach – als Beispiel für Verfolgung und Vernichtung unzähliger jüdischer Gemeinden in dem von Deutschen beherrschten und terrorisierten Polen. Derzeit ist die Ausstellung bis 18. April 2022 als Wiederaufnahme in der Stiftung Topographie des Terrors zu sehen. Zum Ausstellungsteam gehörten außerdem Dr. Stephanie Bohra (Stiftung Topographie des Terrors, Berlin) und Dr. Ulrich Baumann (Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin).

Am 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, werden die Wiener Kuratorin Dr. Margit Berner und der Berliner Historiker Prof. Dr. Götz Aly die Ausstellung online präsentieren.

Seit 2011 kooperieren das Fritz Bauer Institut und das Präsidium der Goethe-Universität, um gemeinsam einen Vortrag oder eine Vorlesung zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz anzubieten. Referent beim Auftakt 2011 war der Rechtshistoriker und Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte Prof. Michael Stolleis, der 2021 verstorben ist.

„Die Goethe-Universität bleibt nicht zuletzt über ihren heutigen Hauptstandort eng mit der Geschichte des Holocaust verbunden: Die IG Farben, die hier ihren Sitz hatte, war ab 1942 über das Buna Werk in Auschwitz-Monowitz verstrickt in die Verbrechen an Zehntausenden Zwangsarbeitern. Über ihre Tochterfirma Degesch verdiente sie am Gas Zyklon B beträchtlich mit, das zur fabrikmäßigen Tötung von Menschen beigetragen hat. Dieser Vergangenheit wollen wir uns stellen, damit sie nicht in Vergessenheit gerät“, sagt Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff.


Information: https://www.fritz-bauer-institut.de/veranstaltungen/veranstaltung/der-kalte-blick

Anmeldung zum Online-Vortrag per E-Mail an anmeldung@fritz-bauer-institut.de, Betreff: „27. Januar 2022“. Die Veranstaltung wird auch als Livestream auf YouTube gezeigt. Hierfür ist keine Anmeldung notwendig.  Link zum YouTube-Livestream: https://youtu.be/bmAyTMDHekQ

Publikation: Der kalte Blick – letzte Bilder jüdischer Familien aus dem Ghetto von Tarnów / The Cold Eye – Final Pictures of Jewish Families from the Tarnów Ghetto. Begleitkatalog zur gleichnamigen Ausstellung (deutsch/englisch), Hg. Naturhistorisches Museum Wien (vertreten durch: Dr. Katrin Vohland), Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas (vertreten durch: Uwe Neumärker), Stiftung Topographie des Terrors (vertreten durch: Dr. Andrea Riedle), Berlin 2020, 272 Seiten, ISBN 978-3-941772-48-9, Euro 18,-

Eine Illustration zum Download finden Sie unter: https://www.uni-frankfurt.de/111359703
(Montage unter Verwendung eines Bildes vom Fotofund aus dem Naturhistorischen Museum Wien „Tarnów Juden 1942“ und zeitgenössischen Messinstrumenten der Anthropologie; Bildautor: Wolfgang Reichmann, Naturhistorisches Museum Wien)


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de 

 

Jan 13 2022
15:00

Wissenschaftsmagazin „Forschung Frankfurt“ der Goethe-Universität zum Thema Bewegung erschienen – Tierökologe Thomas Müller erforscht scheinbar chaotisches Wanderverhalten von Wildtieren in der „Serengeti des Ostens“

Immer in Bewegung: Wie die Mongolische Gazelle den Naturschutz vor Herausforderung stellt

Wenn sich Mongolische Gazellen an grünen Weideplätzen sammeln, können schon mal 100 000 Tiere zusammenkommen. Danach verstreuen sie sich in alle Winde. Warum das so ist und wie diese Tiere angesichts der boomende Wirtschaft der Mongolei geschützt werden können, erklärt der Tierökologe Thomas Müller in der aktuellen Ausgabe von Forschung Frankfurt. Unter dem Titel „bewegt“ fächert das Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität ein facettenreiches Spektrum von Forschungsprojekten, Einschätzungen und Analysen von Forscherinnen und Forschern der Goethe-Universität auf.

FRANKFURT. Noch rund eine Million Gazellen bevölkern eine der letzten intakten Graslandschaften der gemäßigten Zone: die Steppen der östlichen Mongolei. Wenn das Gras in sattem Grün sprießt, sammeln sich riesige Gruppen der Tiere, um es abzuweiden – und verschwinden danach wieder in der ungeheuren Weite der Landschaft. Prof. Thomas Müller, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und Goethe-Universität, untersucht mit seinem Team seit vielen Jahren das scheinbar chaotische Wanderverhalten der Tiere, das weltweit einzigartig ist. Die Zeit drängt, denn die wirtschaftliche Entwicklung in der Mongolei ist auf Konfliktkurs mit diesen Wildtieren: Straßen, Eisenbahnlinien und Ölförderanlagen dringen immer weiter in die Steppe vor. Hier müssen neue Naturschutzkonzepte entwickelt werden, denn selbst die großen Schutzgebiete, die die Mongolei in den vergangenen Jahren eingerichtet hat, werden dem Raumbedarf der Tiere nicht gerecht: Im Laufe ihres Lebens nutzt eine Gazelle ein Gebiet von der Größe Ungarns, schätzt Müller.

In weiteren Beiträgen der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ berichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität über ihre Forschungsprojekte zu verschiedenen Aspekten von Bewegung, zum Beispiel wie sie Computern das Erkennen unterschiedlicher Bewegungen wie „schneiden“ oder „winken“ beibringen, wie die „Zappel-Philipp“-Krankheit ADHS auch noch Erwachsenen zu schaffen macht oder wie sich in der Quantenphysik zwei Bewegungen überlagern, die jeweils nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auftreten. Andere Beiträge wiederum gehen zum Beispiel der Frage nach, wie die fast immer und überall verfügbaren Smartphones das Medium Film verändern oder wie die Integration von Migranten durch Sportvereine gefördert werden kann.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2021) kann von Journalistinnen und Journalisten kostenlos bestellt werden über: ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Alle Beiträge sind online erhältlich unter www.forschung-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 4 2022
15:01

Frankfurter Forscher wird neuer Direktor von Instruct-ERIC

Strukturbiologe Harald Schwalbe von der Goethe-Universität leitet Netzwerk europäischer Forschungsinfrastrukturen

Mit Beginn des Jahres hat das europäische Netzwerk der Forschungsinfrastruktur in der Strukturbiologie, Instruct-ERIC, Professor Harald Schwalbe zu seinem neuen Direktor ernannt. Er tritt damit die Nachfolge von Professor Sir David Stuart von der Universität Oxford an.

OXFORD/FRANKFURT. Die integrierte Strukturbiologie hat in den letzten fünf Jahren ihre Innovationskraft unter Beweis gestellt. Als europaweit verteilte Forschungsinfrastruktur war Instruct-ERIC führend bei dieser technologischen Innovation. Die Großforschungseinrichtungen von Instruct-ERIC bieten die Zugang zu modernster strukturbiologischer Ausrüstung und Techniken.

Die COVID-19-Pandemie hat immer deutlicher gemacht, dass koordinierte Forschung in der Strukturbiologie erforderlich ist, um die Evolution des Virus und die Auswirkungen immer neuer Mutationen in besorgniserregenden Varianten strukturell zu verstehen. Diese koordinierte Forschung wurde in den Instruct-ERIC-Zentren und im Netzwerk Covid19-NMR durchgeführt und hat der Impfstoffentwicklung und Arzneimittelforschung einen enormen Schub gegeben.

Jetzt übernimmt Prof. Harald Schwalbe von der Goethe-Universität Frankfurt als neuer Instruct-ERIC-Direktor das Amt von Prof. Dr. David Stuart von der Oxford University und der Synchrotron-Großforschungseinrichtung Diamond Light Source.

David Stuart kommentierte: „Instruct-ERIC war führend beim Übergang der Strukturbiologie in ein Gebiet, das routinemäßig tiefe Einblicke von der Atomstruktur bis hin zu Zellfunktionen und Krankheiten liefert. Es war ein Privileg, am Aufbau der Infrastruktur beteiligt gewesen zu sein und mit führenden Wissenschaftlern aus ganz Europa zusammenzuarbeiten: Wir haben eine Vision verwirklicht, die heute allgemein akzeptiert wird, aber vor mehr als zehn Jahren weit hergeholt schien. In den kommenden zehn Jahren werden sich die experimentellen Möglichkeiten grundlegend ändern, weil Computertechniken wie KI und Deep Learning helfen werden, die Flut experimenteller Daten besser zu verstehen. Ich freue mich, dass Harald Schwalbe die Leitung von Instruct ERIC übernehmen wird, um diesen spannende Herausforderungen zu begegnen und die Chancen zu nutzen.“

Harald Schwalbe meinte: „Es wird entscheidend sein, die europäische Forschung in der Strukturbiologie zu stärken. In der NMR-Spektroskopie stehen neue 1,2-Gigahertz-Geräte zur Verfügung, die die Grenzen der Festkörper- und Flüssig-NMR-Spektroskopie ausweiten. Technologiefortschritte für Einzelpartikel-Kryo-Elektronenmikroskopie- und Tomographie-Analysen sind beeindruckend. Die Initiativen in der Strukturbiologie wirken sich nicht nur in Europa aus, sondern auch global. Wir müssen den Zugang zu den Technologien bereitstellen, um mit unserer Forschung schnell auf globale Herausforderungen antworten zu können. Angesichts der Pandemie wird es wichtig sein, globale Forschungsanstrengungen zum Nutzen von Grundlagen- und angewandter Forschung zu verknüpfen und schnell auf unmittelbare Bedrohungen und Herausforderungen reagieren zu können. Ich bin sehr dankbar, das Amt von Dave Stuart übernehmen zu dürfen. Dave hat den Weg für eine koordinierte europäische Forschung in der Strukturbiologie geebnet.“

Professor Harald Schwalbe ist durch die Entwicklung von NMR-Methoden und Pulssequenzen und deren Anwendungen auf sehr anspruchsvolle und fundamentale Fragestellungen in Chemie und Biologie international bekannt. Seine Beiträge zur NMR-Forschung haben das Verständnis zahlreicher biologischer Prozesse entscheidend verbessert.

Instruct-ERIC ist eine europaweit verteilte Forschungsinfrastruktur, die den Nutzern High-End-Technologien und -Methoden der Strukturbiologie zur Verfügung stellt. ERIC steht für European Research Infrastructure Consortium und bezeichnet eine spezielle Rechtsform, die den Aufbau und Betrieb von Forschungsinfrastrukturen mit europäischem Interesse auf gemeinnütziger Basis ermöglicht. ERICs werden durch Mitgliedsländer finanziert und von Vertretern der Mitgliedsländer geleitet. Instruct-ERIC besteht aus 15 Mitgliedsländern: Belgien, Tschechische Republik, EMBL, Finnland, Frankreich, Israel, Italien, Lettland, Litauen, Niederlande, Portugal, Slowakei, Spanien und Vereinigtes Königreich. Griechenland hat Beobachterstatus. Über seine spezialisierten Forschungszentren in Europa finanziert und organisiert Instruct-ERIC Forschungsaufenthalte, Schulungen, Praktika und F&E-Preise. Durch die Förderung integrativer Methoden ermöglicht Instruct-ERIC exzellente wissenschaftliche und technologische Entwicklung zum Nutzen aller Lebenswissenschaftler. Mehr auf https://instruct-eric.org/

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/111177368

Bildtext: Prof. Dr. Harald Schwalbe, Goethe-Universität Frankfurt (Foto: Jürgen Lecher für Goethe-Universität)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Harald Schwalbe
Institute for Organic Chemistry and Chemical Biology
Center for Biomolecular Magnetic Resonance (BMRZ)
Goethe University Frankfurt
Tel: +49 69 798-29737
schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de
http://schwalbe.org.chemie.uni-frankfurt.de/

Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de 

 

Dez 17 2021
13:09

Studie untersucht, wie Fehlverhalten am Kapitalmarkt aufgedeckt werden kann

Höchster internationaler Publikationspreis in der Wirtschaftsinformatik für Forscher der Goethe-Universität

Die Studie “Who Is the Next 'Wolf of Wall Street'? Detection of Financial Intermediary Misconduct" hat den höchsten internationalen Publikationspreis im Bereich der Wirtschaftsinformatik erhalten. Bereits im Frühjahr 2021 war die Studie mit dem „Best Paper Award“ des renommierten „Journal of the Association for Information Systems“ ausgezeichnet worden.

FRANKFURT. Wie vertrauenswürdig ist ein Broker oder Anlageberater? Das Autorenteam Jens Lausen, Benjamin Clapham, Michael Siering und Peter Gomber der Goethe-Universität hat in einer KI-Studie nachgewiesen, dass von Brokern und Anlageberatern selbst veröffentlichte Informationen in beruflichen sozialen Netzwerken dafür genutzt werden können, unseriöse Akteure zu identifizieren. Dafür haben die Autoren, die gemeinsam an der Professur für e-Finance tätig sind, den höchsten internationalen Publikationspreis im Bereich der Wirtschaftsinformatik erhalten. Ihre Studie wurde von der Association for Information Systems (AIS), dem Weltverband für Wirtschaftsinformatik, als eine der vier besten Veröffentlichungen des Jahres 2020 ausgezeichnet. Der “AIS Best Information Systems Publications Award" wird von hochrangigen Wissenschaftlern seit 2006 jährlich an bis zu fünf Forschungsarbeiten als beste Publikationen im Bereich Information Systems (IS) verliehen.

In ihrer Arbeit zeigen die Wissenschaftler um den Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. Peter Gomber, wie selbstveröffentlichte Informationen von Finanzmarktintermediären in beruflichen sozialen Netzwerken, etwa in LinkedIn oder Xing, genutzt werden können, um Fehlverhalten aufzudecken. Dabei gehen die Wissenschaftler von der Annahme aus: Wenn Broker und Anlageberater in berufsbezogenen sozialen Netzwerken ihr Profil besonders aufpolieren, neigen sie auch im Berufsalltag eher zu betrügerischem Verhalten.

Auf Basis dieser Informationen trainieren und evaluieren die Forscher verschiedene Machine-Learning-Modelle zur Klassifizierung der Akteure. Die Ergebnisse der Modelle ergeben ein klares Muster: Informationen in beruflichen sozialen Netzwerken sind vor allem dann für die Klassifizierung von fehlverhaltenden und nicht fehlverhaltenden Finanzintermediären von Bedeutung, wenn sie durch Dritte bestätigt werden – vor allem durch Behörden, die Informationen zum vergangenen Verhalten der Intermediäre offenlegen. Informationen, die für die externe Verifizierung der Profilinformationen genutzt werden können, können nämlich nur schwer manipuliert werden und sind somit besonders aussagekräftig bzw. helfen, Unstimmigkeiten zwischen Profilinformationen und behördlichen Informationen aufzudecken.

Das Ergebnis der Studie ist besonders für Investoren, Regulatoren und Aufsichtsbehörden von Bedeutung: Sie können damit Betrugsfällen und anderem Fehlverhalten – und damit auch finanziellen Schäden - vorbeugen. 

Die Studie wurde bereits im Frühjahr 2021 mit dem Best Paper Award des renommierten “Journal of the Association for Information Systems" (JAIS) ausgezeichnet, in welchem die Studie veröffentlicht wurde.

Publikation: Jens Lausen, Benjamin Clapham, Michael Siering, Peter Gomber (2020), “Who Is the Next "Wolf of Wall Street"? Detection of Financial Intermediary Misconduct". In: Journal of the Association for Information Systems 21.5, pp. 1153–1190. https://aisel.aisnet.org/jais/vol21/iss5/7

Weitere Informationen
Prof. Dr. Peter Gomber
Professur für e-Finance
gomber@wiwi.uni-frankfurt.de 

Dr. Benjamin Clapham
clapham@wiwi.uni-frankfurt.de

Dr. Jens Lausen
lausen@wiwi.uni-frankfurt.de

Dr. Michael Siering 
siering@wiwi.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 17 2021
11:35

Wissenschaftliche Hebammenausbildung startet im Sommersemester 2022/Bewerbung für dualen Studiengang ab sofort möglich

In Frankfurt Hebammenwissenschaft studieren

FRANKFURT. Mit einem Bachelorabschluss und gleichzeitig der staatlichen Zulassung zur Hebamme die Hochschule verlassen: Zum Sommersemester 2022 startet der duale Kooperationsstudiengang Hebammenwissenschaft der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) und der Goethe-Universität mit 30 Studienplätzen. Eine Bewerbung ist bis 15. Januar 2022 möglich. Die Studierenden schließen gleichzeitig Arbeitsverträge mit Kooperationskrankenhäusern ab. Zu den kooperierenden Praxispartnern zählen: Universitätsklinikum Frankfurt, Bürgerhospital Frankfurt, Klinikum Frankfurt Höchst, Sana Klinikum Offenbach, Klinikum Darmstadt und Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden. Das Bachelor-Studium setzt sich zur Hälfte aus theoriebasierter Lehre (Vorlesungen, Seminare und Skills-Lab) und aus Praxiseinsätzen in den Krankenhäusern zusammen. Der Studiengang schließt mit dem akademischen Grad Bachelor of Science (B.Sc.) und der staatlichen Zulassung zur Hebamme ab.

Der achtsemestrige Studiengang wurde auf der Grundlage des im Jahr 2020 in Kraft getretenen Gesetzes über das Studium und den Beruf von Hebammen - Hebammengesetz (HebG) aufgebaut. Das Studium zielt darauf ab, Absolventinnen und Absolventen in der Entwicklung ihrer professionellen Kompetenz als Hebammen zu unterstützen, mit der sie in ihrer späteren beruflichen Praxis komplexe Situationen bzw. Verläufe begleiten und personenzentrierend gestalten können. Dabei werden hebammenwissenschaftliche Theorien und geburtshilfliche Praxis im Studium verknüpft. Ziel des Bachelorstudiums ist die praktische berufliche Tätigkeit als Hebamme und damit die eigenständige Leitung physiologischer Geburten sowie die Begleitung werdender Familien.

Beide Hochschulen wollen ihre Aktivitäten künftig in einem Zentrum für Hebammenwissenschaft bündeln, um Synergien für ein vielfältiges Studienangebot und spezifische Forschungsvorhaben zu schaffen. So wird eine hohe Qualität der Hebammenausbildung und der geburtshilflichen Versorgung langfristig sichergestellt.

Bewerbungsfrist zum Studienstart im Sommersemester 2022: 15.01.2022 (Bewerbungen werden zentral von der Geschäftsstelle des Studiengangs entgegengenommen). Zum Wintersemester 2022/23 erfolgt die nächste Aufnahme Studierender für ebenfalls 30 Studienplätze. Ab 2023 wird der Studiengang jährlich 55 Studienplätze anbieten.

Weitere Informationen unter: https://www.frankfurt-university.de/ba-hebammenwissenschaft oder https://www.uni-frankfurt.de/105817318/Dualer_Studiengang_Hebammenwissenschaft__B_Sc 

Kontakt zur Studienfachberatung: Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit, Friederike M. Hesse, Telefon: +49 69 1533 2697, E-Mail: hebammenwissenschaft@fb4.fra-uas.de
Goethe-Universität, Fachbereich 16/Hebammenwissenschaft, E-Mail: Dekanat.hebammen@kgu.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 16 2021
16:02

Kryoelektronenmikroskopie und Computersimulationen des mitochondrialen Komplex I

Transferwege für Protonen in einer molekularen Maschine des zellulären Energiestoffwechsels

Ein wichtiger Mechanismus, mit der die Zelle Energie gewinnt, ist die so genannte Atmungskette in den zelleigenen Kraftwerken (Mitochondrien). In einer neuen Studie haben Forscherinnen und Forscher der Goethe-Universität Frankfurt, des Max-Planck-Instituts für Biophysik und der Universität Helsinki eine hochaufgelöste Struktur eines zentralen Biomoleküls der Atmungskette, dem mitochondrialen Komplex I, bestimmt und seine Funktionsweise im Computer simuliert. Die Erkenntnisse helfen sowohl der Grundlagenforschung wie auch beim Verständnis bestimmter neuromuskulärer und neurodegenerativer Erkrankungen, die von Mitochondrien ausgehen.

FRANKFURT. Alle Lebensprozesse erfordern eine ständige Versorgung mit Energie. In der Zelle wird diese Energie hauptsächlich über das chemisch „aufgeladene“ Molekül ATP zur Verfügung gestellt. Erzeugt werden die ATP-Energiepakete unter anderem in spezialisierten kleinen Organen („Organellen“) der Zelle, den Mitochondrien.

Dort läuft die Energiegewinnung ähnlich ab wie in einem Pumpspeicherkraftwerk: Über die Atmungskette werden Wasserstoffionen (Protonen mit positiver Ladung) von einer Seite der inneren Mitochondrien-Membran auf die andere gepumpt (sozusagen bergauf), sodass ein chemisches Konzentrationsgefälle und eine elektrische Spannung entstehen. Entlang dieses elektrochemischen Gradienten „fließen“ die Protonen „bergab“ durch eine Art Turbine, die für die Zelle nutzbare Energie in Form von ATP erzeugt.

Eine der Protonenpumpen im ersten Schritt des Prozesses ist ein großes, L-förmiges Biomolekül, der mitochondriale Komplex I (kurz: Komplex I). Mit seinem waagerechten Arm ist das L in der Membran verankert. Am senkrechten Arm des L bindet er das Elektronenträgermolekül NADH, das aus der Verstoffwechselung beispielsweise von Zucker stammt. Komplex I katalysiert die Übertragung von Elektronen von NADH auf Ubichinon (Q10) und die in dieser Reaktion freiwerdende Energie wird zum Antrieb der Protonenpumpe genutzt.

Dem Forscherteam der Goethe-Universität Frankfurt und des Max-Planck-Instituts für Biophysik in Frankfurt ist es gelungen, die 3D-Struktur von Komplex I über hochauflösende Bildgebungsverfahren (Kryoelektronenmikroskopie) exakt zu vermessen und abzuleiten, auf welchen Wegen die Protonen innerhalb des Komplex I transportiert werden. Hierbei spielen, so konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen, Wassermoleküle in der Proteinstruktur eine wichtige Rolle.

Die hochaufgelösten Strukturdaten ermöglichten umfangreiche Computersimulationen durch Kolleginnen und Kollegen der Universität Helsinki, die zeigten, wie sich die Pumpe während des Protonentransports wahrscheinlich bewegt.

Dr. Janet Vonck vom Max-Planck-Instituts für Biophysik erklärt: „Unsere Studie gibt neue Einblicke in die Funktionsweise einer molekularen Maschine der biologischen Energieumwandlung.“ Prof. Volker Zickermann vom Institut für Biochemie II der Goethe-Universität Frankfurt meint: „Dieses Wissen kann dazu beitragen bestimmte mitochondriale Krankheiten wie zum Beispiel die Augenkrankheit Lebersche hereditäre Optikusneuropathie besser zu verstehen.“


Publikation: Kristian Parey, Jonathan Lasham, Deryck J. Mills, Amina Djurabekova, Outi Haapanen, Etienne Galemou Yoga, Hao Xie, Werner Kühlbrandt, Vivek Sharma, Janet Vonck, Volker Zickermann: High-resolution structure and dynamics of mitochondrial complex I—Insights into the proton pumping mechanism. Sci Adv. 2021 Nov 12;7(46) https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.abj3221

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/109657054

Bildtext: Fast wie ein Stiefel: Die L-förmige Struktur des mitochondrialen Komplex I bei einer Auflösung von 2,1 Ångström (0,00000021 Millimeter), aufgenommen mit einem Kryoelektronenmikroskop. Bild: Janet Vonck, MPI für Biophysik

Weitere Informationen
Prof. Dr. Volker Zickermann
Institut für Biochemie II
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 798-29575
zickermann@med.uni-frankfurt.de

Dr. Janet Vonck
Max-Planck-Institut für Biophysik, Frankfurt am Main
Tel. +49 (0)69 6303-3004
janet.vonck@biophys.mpg.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de 

 

Dez 16 2021
15:39

Absichtserklärung heute in Frankfurt und Israel unterzeichnet – Unipräsident Schleiff: „Start in eine noch intensivere Zusammenarbeit“

Goethe-Universität und Tel Aviv University wollen gemeinsames Zentrum gründen

Die Tel Aviv University und die Goethe-Universität Frankfurt wollen künftig noch enger miteinander kooperieren. Heute Vormittag ist im Rahmen einer hochkarätig besetzten Zoom-Runde eine Absichtserklärung unterzeichnet worden, die auf die Gründung eines gemeinsamen Forschungszentrums für religiöse Studien und interreligiöse Dynamiken abzielt.

FRANKFURT. Seit 1984 bereits besteht zwischen den beiden Hochschulen eine strategische Partnerschaft, die beiden Städte sind sogar schon seit 1980 freundschaftlich verbunden. Nun wollen die Tel Aviv University und die Goethe-Universität Frankfurt ihre Beziehungen noch weiter intensivieren – und das erste deutsch-israelische Forschungsinstitut gründen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beider Universitäten vor allem aus den Geschichts- und Religionswissenschaften arbeiten schon seit vielen Jahren immer wieder zusammen – insbesondere die Martin-Buber-Professur am Fachbereich Evangelische Theologie unterhält intensive Kontakte nach Israel. Das neu gegründete Buber-Rosenzweig-Institut für moderne und zeitgenössische jüdische Geistes- und Kulturgeschichte und das Center for Religious and Interreligious Studies an der Tel Aviv University sind eng miteinander vernetzt in Form gemeinsamer Workshops und Tagungen.

Der Fokus des neuen Zentrums soll auf interdisziplinärer Forschung in religiösen und interreligiösen Studien liegen mit einem Schwerpunkt auf Judentum, Christentum und Islam. Außer den Theologien, der Religionswissenschaft, der Judaistik und den Islamischen Studien werden noch weitere Fächer beteiligt sein, darunter die Geschichte, die Philosophie, die Wissenschaftsphilosophie und die Politologie. Mögliche Forschungsthemen sind im Bereich multikulturelle Gesellschaften, religiöse Konflikte, Migration, Fundamentalismus und interreligiöser Dialog denkbar. Finanziert werden soll das neue Zentrum für die nächsten 3,5 Jahre mit jährlich 50.000 Euro von der Goethe-Universität und jährlich 20.000 Euro von der Tel Aviv University, insbesondere für Summerschools.

Das neue Zentrum soll von einem gemeinsamen Direktorium geleitet werden und sowohl erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als auch Forschende am Beginn ihrer Karriere miteinander verbinden. Geplant sind zudem gemeinsame Lehrveranstaltungen ab dem Sommersemester 2022 und die Schaffung eines gemeinsamen englischsprachigen Masterstudiengangs. Der Initiator des Forschungszentrums, Prof. Christian Wiese, Inhaber der Martin-Buber-Professur an der Goethe-Universität und Direktor des Buber-Rosenzweig-Instituts, setzt große Hoffnungen auf die Zusammenarbeit: „Im Rahmen der deutsch-israelischen Wissenschaftsbeziehungen und der engen Verbindung zwischen den Städten Frankfurt und Tel Aviv entsteht hier etwas ganz Besonderes – ein internationaler Forschungsschwerpunkt im Bereich der interdisziplinären Religionsforschung, der in historischer Perspektive und gegenwartsbezogen Themen in den Blick nimmt, die beide Gesellschaften, die deutsche wie die israelische, auf jeweils unterschiedliche Weise herausfordern“.

Die Vertragsunterzeichnung fand heute in Tel Aviv in Gegenwart der deutschen Botschafterin in Israel, Dr. Susanne Wasum-Rainer, statt. Wegen der Pandemie waren die Frankfurter Beteiligten per Zoom zugeschaltet. Professor Ariel Porat, Präsident der Tel Aviv Universität, leitete die Sitzung auf israelischer Seite.

Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität:
„Worauf wir uns heute einigen, ist meines Wissens zumindest in den Geisteswissenschaften in Deutschland ohne Beispiel: nicht nur eine formale Kooperation zwischen einer deutschen und einer israelischen Universität, sondern die Entwicklung eines gut sichtbaren, gemeinsamen, institutionalisierten, internationalen Forschungszentrums, abteilungsübergreifend auf beiden Seiten, in einem für die deutsche und die israelische Gesellschaft relevanteste Forschungsgebiet: Geschichte und aktuelle Herausforderungen religiöser Vielfalt, Differenz und Konflikt in pluralistischen Gesellschaften. Es wird Fragen zum interreligiösen Dialog in den Blick nehmen, aber auch Themen wie Fundamenalismus und Konflikt, aber auch das reiche kulturelle Erbe und das Potenzial religiöser Traditionen. Dieses Zentrum ist der Start in eine noch intensivere Zusammenarbeit.“

Dr. Susanne Wasum-Rainer, Deutsche Botschafterin in Israel:
„Akademischer Austausch und Kooperation sind nicht nur eine konstitutive Säule der deutsch-israelischen Beziehungen. Sie sind auch ein Beitrag zur Stärkung von Forschung und wissenschaftlichem Fortschritt als globalem Unterfangen, sowohl in den Natur- als auch in den Geisteswissenschaften. Mit der Willenserklärung zur Gründung eines gemeinsamen Zentrums zur Erforschung religiöser und interreligiöser Dynamiken widmen sich die Goethe-Universität Frankfurt am Main und die Universität Tel Aviv einer der drängenden Fragen unserer Zeit, der Rolle religiöser Gemeinschaften in einer sich wandelnden und konfliktreichen Welt.“

Prof. Menachem Fisch, Mitinitiator an der Tel Aviv Universität:
„Ich freue mich sehr, Teil der Gründung eines in dieser Art so einzigartigen Zentrums zu sein, eines Zentrums für das Studium der monotheistischen Glaubensrichtungen und ihrer wechselseitigen Entwicklung. Dies ist eine würdige Initiative und ein weiterer Baustein in der akademischen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern."

Uwe Becker, Präsident der deutschen Freunde der Tel Aviv Universität:
„Diese Absichtserklärung markiert einen neuen Meilenstein in der besonderen Beziehung zwischen den beiden Universitäten und ist eine weitere Brücke der Verständigung zwischen Frankfurt und Tel Aviv. Das neue Zentrum wird sicherlich zu einem besseren interreligiösen Dialog aus verschiedenen Blickwinkeln beitragen. Ich bin stolz, dass wir mit dem Start des neuen Deutschen Freundschaftsfonds auch Studierenden helfen werden, an dieser deutsch-israelischen Erfahrung teilzuhaben und von den Aktivitäten des Deutschen Fördervereins der Universität Tel Aviv zu profitieren.“

Prof. Milette Shamir, Vizepräsidentin (Internationales) der Tel Aviv University:
„Die Universität Tel Aviv verfügt über ein breites Netzwerk der Zusammenarbeit mit deutschen Universitäten, mehr als mit jedem anderen Land in Europa. Diese Zusammenarbeit umfasst Hunderte von gemeinsamen Forschungsprojekten sowie Hunderte von deutschen Studenten, die jedes Jahr auf unseren Campus kommen.  Das gemeinsame Zentrum erweitert diese Zusammenarbeit in eine wichtige neue Richtung und stärkt unsere bestehende Partnerschaft mit der Goethe-Universität Frankfurt, einer der führenden Universitäten in Deutschland. Wir hoffen, dass GU und TAU in naher Zukunft die Zusammenarbeit auf mehrere andere Bereiche mit gemeinsamer Stärke ausweiten werden." 

Ein Bild zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/110103728

Bildtext:
Goethe-Universität und Tel Aviv University wollen gemeinsam ein Forschungszentrum für religiöse Studien und interreligiöse Dynamiken gründen. Die Absichtserklärung wurde in großer Runde unterzeichnet, Uni-Präsident Prof. Schleiff (links) und Prof. Wiese waren per Video zugeschaltet. (Foto: Uwe Dettmar)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Christian Wiese
Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie
Fachbereich Evangelische Theologie
Goethe-Universität
Telefon 069 798-33313
E-Mail c.wiese@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de 

 

Dez 15 2021
15:35

Auch Angehörige von Polizei, Nachbarhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Frankfurt erhalten Impfangebote

Goethe-Universität erweitert Impf- und Boosterangebot

FRANKFURT. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Goethe-Universität sowie Studierende ab dem 30. Lebensjahr können auf dem Campus Westend bereits seit einigen Tagen eine Erst-, Zweit- oder Boosterimpfung erhalten.

Nun hat die Universität ihr Impfangebot auf weitere Gruppen der Stadt ausgedehnt: Auf dem Campus impfen oder boostern lassen können sich nun auch Angehörige der Frankfurter Polizei, von außeruniversitären Forschungsinstituten, der Frankfurt University of Applied Sciences, der Frankfurt School of Finance & Management sowie Familien und Freunde von Universitätsangehörigen. Eine Impfung im Seminarpavillon am Campus Westend, Stralsunder Straße 36, ist derzeit bis zum 22. Dezember möglich; eine Verlängerung ist geplant.

„Wir gehen zurück in die Präsenz – ein unmittelbares Miteinander braucht aber Sicherheit, und die kann nur durch Impfungen erreicht werden können“, begründet Universitätspräsident Enrico Schleiff den Schritt in die außeruniversitäre Öffentlichkeit. „Als eine medizinführende Universität sind wir nicht nur an vorderster Front in der Gesundheitsversorgung und Coronaforschung aktiv: Wir haben auch die Kapazität zu impfen und zu boostern – also wollen wir die Impfung möglichst vielen zukommen lassen. Dafür danke ich dem Direktor des Instituts für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Umweltmedizin, Professor David Groneberg, und seinem Team besonders herzlich.“

Sobald ausreichend BionTech-Impfstoff zur Verfügung stehen wird, mit dem auch jüngere Menschen geimpft werden können, will die Universität weitere Studierende in die Impfkampagne miteinbeziehen. Die Alterseinschränkung ergibt sich aufgrund der STIKO-Vorgaben bezüglich des verwendeten mRNA-Impfstoffs Moderna.

Im September hatte die Goethe-Universität eine öffentlichkeitswirksame Plakatkampagne für das Impfen in der Stadt initiiert. „In unserer Gesundheitsversorgung am Universitätsklinikum erleben wir täglich die möglichen schweren Folgen der Corona-Krankheit“, sagt Universitätspräsident Schleiff. „Wir sahen und sehen es deshalb als unsere Pflicht an, in der Öffentlichkeit für das Impfen zu werben.“

Die Impfung ist kostenfrei. Im Falle einer Boosterimpfung müssen seit der Zweitimpfung fünf Monate vergangen sein. Eine Anmeldung zur Impfung ist erforderlich. Termine können unter dem folgenden Link gebucht werden: https://goethe-termine.as.me

Bild zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/110064052  

Bildtext: Auf dem Campus Westend können sich Universitätsangehörige und Mitarbeiter weiterer Frankfurter Einrichtungen impfen lassen (Foto: Peter Kiefer/Goethe-Universität)

Weitere Informationen
Terminvereinbarung unter dem Link https://goethe-termine.as.me

Corona-Impfambulanz
Seminarpavillon am Campus Westend
Erdgeschoss rechts
Stralsunder Straße 36
60323 Frankfurt


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de 

 

Dez 15 2021
15:06

Wissenschaftler der Goethe-Universität untersuchen, inwiefern Emotionen essentiell für biologische und künstliche Intelligenzen sind

Warum hat uns die Evolution mit Gefühlen ausgestattet?

Gefühle spielen in unserem Leben eine große Rolle. Doch warum gibt es sie? Sind Emotionen eine Laune der Natur, oder war ihre Entstehung aus evolutionärer Sicht unausweichlich? Prof. Claudius Gros vom Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität gibt in einer neuen Studie eine eindeutige Antwort.

FRANKFURT. Von ihrer Funktion her sind Emotionen abstrakte Kriterien, mit deren Hilfe selbst unterschiedliche Tätigkeiten vergleichend bewertet, und damit Ziele und Aufgaben effizient ausgewählt werden können – so das Ergebnis der Studie von Prof. Claudius Gros, die seit heute online zu lesen ist.

Evolutionär ist alles vorteilhaft, was die Anzahl an Nachkommen erhöht. Wenn Verhaltensweisen nicht direkt genetisch gesteuert werden, also nicht durch Instinkte, muss ein Lebewesen in der Lage sein, die Folgen seines Handelns zu berechnen, bzw. zu prognostizieren. Die Realität ist jedoch komplex und damit chaotisch („Schmetterlingseffekt“). Daher können Auswirkungen prinzipiell nur begrenzt berechnet werden, was im Fall sozial organisierter Lebewesen nochmals schwieriger ist: In einer Gemeinschaft muss das Individuum zusätzlich die Absichten der Anderen ausfindig machen. In diesem Zusammenhang wurde die „Theorie des sozialen Gehirns“ formuliert, der zufolge sich das das menschliche Gehirn vor allem deshalb so rasch entwickelt hat, weil es vor der Aufgabe stand, die Komplexität des sozialen Kontexts zu bewältigen.

Kognitive Fähigkeiten, also Intelligenz, erweitern die Palette der Handlungsoptionen. Vom maschinellen Lernen wissen wir, dass die rechnerischen Anforderungen mit der Komplexität der Problemstellung überaus schnell ansteigen. Um Entscheidungen zu treffen, benötigen Lebewesen mit komplexen Handlungsoptionen daher einen Mechanismus, der die rechnerischen, d.h. die kognitiven Anforderungen deutlich reduziert. Das ist es, was Emotionen ermöglichen.

Sehr unterschiedliche Tätigkeiten können ein und dasselbe Gefühl auslösen – zum Beispiel Langeweile, Aufregung, Befriedigung. So kann es genauso befriedigend sein, mit Freunden zu Essen, wie Geige zu spielen oder durch den Ärmelkanal zu schwimmen. Nach materiellen Kriterien ließen sich diese Tätigkeiten kaum auf einen Nenner bringen, etwa danach, wie viel Geld dabei herauskommt. Funktional entsprechen Emotionen folglich abstrakten Bewertungskriterien, auch wenn sie als Empfindungen höchst real sein können. Individuen, die über emotionale Entscheidungsmechanismen verfügen, versuchen ihre Tätigkeiten so auszuwählen, dass diese im Mittel mit ihrem „Charakter“ im Einklang sind. Dabei ist der Charakter mathematisch als eine Menge von Präferenzen definiert: Wie häufig strebt jemand – relativ gesehen – eher bequeme, spannende oder produktive Tätigkeiten an?

Uns ist in der Regel nicht bewusst, wie viele biochemische Prozesse beständig in unserem Gehirn ablaufen. Die biologischen Grundlagen von Emotionen (die ‚neuronalen Korrelate') können wir dagegen in der Form von Gefühlen wahrnehmen. Interessanterweise sind die dafür notwendigen neurobiologischen Strukturen phylogenetisch jung, d.h. erst bei höheren Affen voll ausgebildet. Diese Strukturen erlauben es, Emotionen ihrerseits kognitiv zu regulieren, und somit den kognitiv-emotionalen Regelkreis zu schließen. Im umgekehrten Fall, also wenn uns die Evolution keine Gefühle mitgegeben hätte, könnten wir unsere Emotionen, also die entsprechenden Gehirnprozesse, nicht regulieren. Das würde der wissenschaftlichen Definition von „Zombies“ durch die beiden Neurowissenschaftler Christof Koch and Francis Crick entsprechen. Diese kann man als denkfähigen Wesen ansehen, die Triebe haben, diese aber nicht kontrollieren können, da sie sich ihrer nicht bewusst sind.

Ein emotionales Kontrollsystem ist nicht nur für Menschen und hochentwickelte nicht-menschliche Tiere von essentieller Bedeutung, sondern auch für potentielle künstliche Intelligenzen. Synthetische und biologische Emotionen müssen funktional äquivalente Rollen erfüllen, wogegen sie sich hinsichtlich der spezifischen Ausprägungen unterscheiden können. Roboter-Emotionen werden sich nicht – wie in vielen Filmen dargestellt – sekundär entwickeln. Synthetische Emotionen sind vielmehr eine unabdingbare Voraussetzung für eigenständig agierende universelle Intelligenzen, sofern es diese jemals geben sollte.


Publikation: Claudius Gros, „Emotions as abstract evaluation criteria in biological and artificial intelligences“, Frontiers In Computational Neuroscience Vol. 15, 177 (2021)

https://www.frontiersin.org/article/10.3389/fncom.2021.726247

Informationen: Prof. Dr. Claudius Gros, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, E-Mail gros07@itp.uni-frankfurt.de

Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de  

 

Dez 14 2021
15:38

Psychologen der Goethe-Universität wollen helfendes Verhalten messbar machen

Wenn Altruismus auf Algorithmen trifft  

Wer anderen hilft, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, handelt altruistisch. Inwieweit und warum sind Menschen bereit, etwas zu tun, das anderen mehr nützt als ihnen selbst? Diese Frage beschäftigt zahlreiche wissenschaftliche Fachrichtungen. Psychologen der Goethe-Universität haben nun algorithmisch einen Fragebogen entwickelt, der altruistisches Verhalten messen soll.

FRANKFURT. Jesus, Mutter Teresa oder Mahatma Gandhi – sie gelten als Inbegriff des altruistisch handelnden Menschen, der das Wohl der Anderen über sein eigenes Wohl stellt. Koste es, was es wolle. Systemtheoretisch betrachtet können solche persönlich nachteiligen Handlungen enorme Auswirkungen haben. Evolutionstheorien etwa sehen in altruistischem Verhalten langfristig einen Mechanismus der Gruppenselektion. Auch für das Funktionieren moderner Gesellschaften ist es unerlässlich, einander zu helfen, gerade angesichts globaler Bedrohungen. Wie ließe sich dem Klimawandel oder Massenmigration anders begegnen als durch altruistisches Handeln – ein Handeln, das zukünftige Generationen und unbekannte Fremde im Blick hat?

In welchen Situationen und warum Menschen und menschliche Gruppen altruistisch handeln, wird von verschiedenen wissenschaftlichen Fachrichtungen – von der Biologie über die Anthropologie bis zur Ökonomie - erforscht. Dazu werden oft ökonomische Spiele eingesetzt, die als direkte Probe des interessierenden Verhaltens gelten. Im „Diktatorspiel“ beispielsweise gibt ein Spieler einem Mitspieler aus freien Stücken einen selbstgewählten Anteil eines geschenkten Guthabens ab. Ein solcher Akt des Abgebens von Ressourcen (sei es Geld oder Energie, Information, Blut, Organe…) liegt letztlich jeder Form des Hilfeverhaltens zugrunde. Die Fachliteratur spricht auch von „altruistischem Belohnen“.

Demgegenüber besteht „altruistisches Bestrafen“ in ökonomischen Spielen darin, Kosten auf sich zu nehmen, um unfairen oder unkooperativen Mitspielern deren erzielte Gewinne zumindest teilweise wieder abzunehmen. Auch jenes Verhalten ist altruistisch, insofern die bestrafende Person freiwillig Kosten auf sich nimmt, um Trittbrettfahrer zu läutern und für die Zukunft zu warnen. Davon profitiert die gesamte Gruppe. In der Realität moderner Gesellschaften wird altruistisches Bestrafen oft koordiniert oder institutionalisiert (z.B. bei der Steuerfahndung).  

Studien mit ökonomischen Spielen sind extrem aufschlussreich in Bezug auf belohnenden und bestrafenden Altruismus, basieren jedoch auf relativ teuren und aufwändigen Versuchsanordnungen. Sie erfordern die Bereitstellung von Geld, die Koordination mehrerer Mitspielenden (die einander in der Regel nicht kennen dürfen), und sie erlauben nur bedingte experimentelle Kontrolle und/oder müssen mit unvollständiger Aufklärung arbeiten (Täuschung).

Aus diesem Grund hat die Psychologin Prof. Dr. Sabine Windmann gemeinsam mit ihren Koautor*innen an der Goethe-Universität ein Messinstrument konzipiert, das die beschriebenen Komponenten des Altruismus im Selbstbericht erfasst. Es handelt sich um eine Skala, die Aussagen enthält wie: „Trotz der Kosten für mich unterstütze ich auch mir unbekannte Personen“ (für Hilfeverhalten) und „Ich beobachte genau, ob sich jemand im Team daneben benimmt“ (für Altruistisches Bestrafen). Die Aussagen wurden aus einem großen Aussagen-Pool von einem Algorithmus ausgewählt, der spezifisch für Itemauswahl und Skalenkonstruktion von Juniorprofessor Dr. Martin Schultze, ebenfalls am Institut für Psychologie der Goethe-Universität, entwickelt wurde. Er basiert auf der bewährten Ant Colony Otimization, und erlaubt es verschiedene Qualitätskriterien des Instruments gleichzeitig zu optimieren.  „Das ist extrem gut gelungen“, erläutert Sabine Windmann. „Die Gütekennwerte der Skala sind beeindruckend und haben klassische Verfahren der Skalenkonstruktion deutlich übertroffen“. 

Interessanterweise erfasst die Skala noch eine dritte Facette des Altruismus, die in der verhaltensökonomischen und biologischen Literatur bislang unbekannt ist: die Moralische Courage, kurz MC. Hier geht es darum, in proaktiver Weise ethisch-moralische Werte zu vertreten trotz erwartbarer sozialer Bedrohungen, beispielsweise entgegen einem Macht- oder Autoritätsgefälle. Edward Snowden oder Greta Thunberg sind hierfür prototypische Beispiele. Diesen Personen geht es nicht darum, andere Menschen oder Gruppen zu belohnen oder zu bestrafen in Reaktion auf konkrete soziale Ereignisse oder Beobachtungen. Sondern sie möchten – grundsätzlich und langfristig – die geltenden Regeln der Ressourcenverteilung ändern; Windmann spricht von den „Kontingenzen“. Um dies zu erreichen, nehmen Personen mit Moralischer Courage unkalkulierbare physische und psychische Gefahren in Kauf einschließlich sozialer Ächtung und Ostrazismus, also Ausschluss durch die Gruppe. „Hohe MC-Personen sind Change Agents. Sie drängen nicht auf die Einhaltung, sondern auf die Veränderung sozialer Normen“, sagt Windmann. Selbsteinschätzungen zu Aussagen wie „Wichtige Veränderungen für alle versuche ich auch gegen den erklärten Widerstand der Allgemeinheit durchzusetzen“ oder „Ich hinterfrage offen die Entscheidungen von Autoritäten oder Vorgesetzten“ bilden diese Neigung ab.

Somit steht ein Fragebogen zur Verfügung, der drei konzeptuell und empirisch unterscheidbare Facetten altruistischer Verhaltenstendenzen in wenigen Minuten erfasst, und der sich – zunächst im deutschen Sprachraum – als Alternative zu ökonomischen Spielen einsetzen lässt. Dass der Fragebogen aussagekräftig ist, wurde in ersten Validierungsstudien bestätigt: Die Subskalen weisen die zu erwartenden Korrelationen auf sowohl mit ökonomischen Spielen als auch mit etablierten anderen psychologischen Instrumenten.    

Als nächsten Schritt plant die Arbeitsgruppe um Sabine Windmann mit der Psychologie-Doktorandin Lucie Binder analoge Skalen-Konstruktionen in anderen Ländern, allen voran USA und China. „Das ist nicht ganz trivial. Wir können nicht einfach die Aussagen des Fragebogens übersetzen und dann annehmen, dass sie dort dasselbe messen wie hierzulande.“ Weiterhin werden derzeit unterschiedliche Studierenden- und Berufsgruppen untersucht. Dies überprüft einerseits die mehrdimensionale Konzeption der Skala und ermöglicht andererseits, deren Vorhersagewert für die Berufseignung zu ermitteln. „Hohe Bereitschaft zum Hilfeverhalten brauchen wir beispielsweise in pflegerischen Berufen; hohe Moralische Courage erwarten wir in Führungspositionen und in künstlerischen Berufen, beispielsweise bei Satirikern“, erläutert Sabine Windmann. Altruistische Bestrafung werde vor allem von kohärenten und stark zielgebundenen Gruppen praktiziert wie Militärs – oder auch in Sekten. „In extremer Ausprägung ist keine der Facetten harmlos oder alltäglich, aber interessant ist, dass die drei in unterschiedlicher Weise sozial erwünscht sind und aus diesem Grund differentiell auf die Akteure rückwirken“. So sei gut belegt, dass sich (moderates) Hilfeverhalten positiv auswirke auf soziale Beziehungen, subjektives Wohlergehen und sogar die eigene Gesundheit. Aber wie verhält sich dies mit den beiden konfrontativen Komponenten? „Diese erzeugen zunächst einmal Konflikt und Stress“, erläutert die Professorin. „Doch was wäre die Gemeinschaft ohne sie? Die Egoisten könnten die Hilfsbereiten ausnutzen.“

Aus diesem Grund tritt Sabine Windmann dafür ein, Altruismus nicht allein mit Hilfeverhalten gleichzusetzen. Dieses entfalte seine volle gesellschaftliche Wirkung erst im Verbund mit Altruistischer Bestrafung und Moralischer Courage. „Nur mit allen dreien gemeinsam sind wir stark.“

Publikation: Sabine Windmann, Lucie Binder, Martin Schultze: Constructing the Facets ofAltruistic Behaviors (FAB) Scale | Social Psychology (hogrefe.com)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Sabine Windmann
Institut für Psychologie
Goethe-Universität
E-Mail: s.windmann@psych.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 13 2021
14:30

„Scientist of the Year“-Preis 2021 der Goethe-Universität geht an die theoretische Physikerin Hannah Elfner

Herausragend auch bei der Nachwuchsförderung 

Die Physikerin Prof. Dr. Hannah Elfner erforscht Prozesse zwischen den allerkleinsten Teilchen des Universums, das sogenannte Quark-Gluon-Plasma. Für ihre herausragende Forschung zu Ereignissen kurz nach dem Urknall wird die Physikerin nun von der Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung als „Scientist of the Year“ 2021 ausgezeichnet.

FRANKFURT. Maschinenbauingenieurin, Pilotin oder Physikerin? Dass sich Hannah Elfner nach dem Abitur für das Physikstudium entschieden hat und sie dann bald zielsicher das Quark-Gluon-Plasma erforschen wollte, ist ein Glücksfall für dieses Forschungsgebiet. Denn bereits in ihrer preisgekrönten Dissertation wies die Physikerin daraufhin, dass die Phasenabläufe im Quark-Gluon-Plasma weitaus komplexer sind als damals angenommen. Für weitere Erkenntnisse über den extrem kurzen Moment nach dem Urknall erhielt sie neben anderen Preisen 2016 den renommierten Heinz Maier-Leibnitz-Preis für Nachwuchswissenschaftler.

Zu dieser Zeit erforscht sie schon seit vier Jahren in Frankfurt, wie sich Schwerionenkollisionen, mit denen experimentelle Physiker Prozesse nach dem Urknall simulieren und bei denen das Quark-Gluon-Plasma unter extremer Dichte entsteht, mit mathematischen Modellen beschreiben lassen. Als eine der jüngsten Physikprofessorinnen in Deutschland berufen, besetzt Elfner eine Doppelstelle am Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) an der Goethe-Universität und dem GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung. Inzwischen lehrt und forscht sie auf einer unbefristeten Professur an der Goethe-Universität, wo sie unter anderem in das Cluster-Projekt „Elements“ eingebunden ist. Seit wenigen Monaten koordiniert sie zudem Theorieabteilung am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung, wo sie zuvor mehrere Jahre lang eine Nachwuchsforschungsgruppe leitete.

Ein Glücksfall ist Hannah Elfner aber auch für das Team ihrer Nachwuchswissenschaftler. In der Laudatio zur „Scientist of the Year“-Auszeichnung beschreiben ehemalige und aktuelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eindrücklich die individuelle Zuwendung, die die Physikprofessorin jedem einzelnen ihrer Studierenden und Doktoranden zukommen lässt - was unter anderem ein Grund dafür ist, dass Hannah Elfner nun als „Scientist of the Year“ ausgezeichnet wird. Universitätspräsident Enrico Schleiff sagt: „Frau Elfner ist eine exzellente junge Wissenschaftlerin, die sich sehr für ihr Fach und ihr Team einsetzt und mit ihrer Expertise ideal zu unseren Forschungsschwerpunkten beiträgt. Dass dieses Engagement von der Kassel-Stiftung gewertschätzt und unterstützt wird, freut mich natürlich ganz besonders.“ Den Preis „Scientist oft the Year“ vergibt die Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung alle zwei Jahre an Forschende, die sich ergänzend zur eigenen herausragenden wissenschaftlichen Arbeit auch um die Nachwuchsförderung verdient machen; ein Teil des Preisgeldes in Höhe von 25.000 Euro soll deshalb auch in die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses fließen. Die für Anfang Dezember geplante feierliche Übergabe des Preises wurde pandemiebedingt nun auf das Frühjahr verschoben.

Sehr viel Spaß mache ihr die Arbeit mit den Studierenden, betont die Physikerin. Ein weiteres Motiv für ihr großes Engagement für den Nachwuchs: Sie möchte Studierende für ihr Fachgebiet zwischen theoretischer Grundlagenforschung und Experimentalphysik interessieren. In ihrer Arbeitsgruppe werden realistische dynamische Beschreibungen für Kollisionen von Atomkernen von Gold oder Blei unter Quasi-Lichtgeschwindigkeit entwickelt, die mit Teilchenbeschleunigern wie am CERN ausgelöst werden. 2025 soll der Bau des neuen internationalen Beschleunigerzentrums FAIR bei GSI in Darmstadt abgeschlossen sein. Von den Experimenten, die dort stattfinden sollen, erwarten Hannah Elfner und ihr Team genau auf ihre Fragestellungen passende Daten.

Von ihrem zweijährigen Aufenthalt an der US-amerikanischen Duke-University hat die Physikerin das Wissen mitgebracht, wie sie die mathematischen Berechnungen der Atomkernkollisionen in hoher Qualität visualisieren kann: eben jenen extrem kurzen Moment, bei dem die Protonen und Neutronen des Atomkerns zu kleineren Teilen, den Quarks, zerfallen und diese getrennt von den Gluonen auftreten, mit denen sie sonst „zusammenkleben“. Die faszinierenden Bewegungsbilder des Quark-Gluon-Plasmas dienen den Wissenschaftlern auch als Kontrolle für ihre Berechnungen: Mathematische Fehler werden sofort sichtbar. Die ästhetisch beeindruckenden Visualisierungen, die die extrem kurzen Prozesse bei einer Temperatur von einer Billion Grad darstellen, können aber auch Laien eine Ahnung vom „Big Bang“, dem Urknall, vermitteln.

Hannah Elfner hat die Bilder deshalb immer im Gepäck, wenn sie außerhalb der Universität – bei Vorträgen in Volkshochschulen oder Schülerprojekten beispielsweise – über ihr Forschungsgebiet berichtet. Bei solchen bürgernahen Terminen sagt immer gern zu. Denn Wissenschaftskommunikation ist ihr wichtig. Und außerdem, sagt sie, solle man ruhig sehen, „dass auch Frauen Physikprofessoren sein können.“

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/109806472

Bildtext: Die Physikerin Prof. Dr. Hannah Elfner erforscht Prozesse zwischen den allerkleinsten Teilchen des Universums (Foto: Uwe Dettmar/Goethe-Universität)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Hannah Elfner (geb. Petersen)
Head of Department Hot and Dense QCD Matter
Coordinator of Theory Pillar
GSI, KBW, room 2.14
phone: +49 6159 71 3068
email: h.elfner@gsi.de

Professor for Theoretical Physics
Goethe University
GSC, room 3|29
phone: +49 69 798 47652
email: elfner@itp.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de 

 

Dez 13 2021
11:57

Maria Roser Valentí wird Sprecherin der Forschungsgruppe QUAST – 4,6 Millionen Euro Förderung für vier Jahre 

Goethe-Universität: Neue DFG-Forschungsgruppe zu Quantenphysik

Wie sich die Eigenschaften neuer Materialien besser vorhersagen lassen, wird die neue Forschungsgruppe um Professorin Maria Roser Valentí von Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität im Verbund mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erkunden. Die Forschungsgruppe „QUAST“ wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gemeinsam mit dem österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) und dem Schweizerischen Nationalfonds (SFN) im Rahmen der D-A-CH-Zusammenarbeit gefördert. Die Fördersumme von 4,6 Millionen Euro enthält eine 22-prozentige Programmpauschale für indirekte Kosten aus den Projekten.

FRANKFURT. Der Präsident der Goethe-Universität, Prof. Enrico Schleiff, gratulierte der neuen Forschungsgruppe zum positiven Förderentscheid: „Dies ermöglicht unseren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, im internationalen Verbund einer der zentralen Fragen der Festkörperphysik nachzugehen, der Vielteilchentheorie. Maria Roser Valentí ist zweifellos eine hervorragende Wahl als Sprecherin, nicht zuletzt da sie bereits unserem Transregio-Sonderforschungsbereich 288 zum verwandten Feld der Quantenmaterialien vorsteht. Ich freue mich auf spannende Erkenntnisse aus der neuen Forschungsgruppe.“

Die neue Forschungsgruppe „Qualitative räumlich-zeitliche Modellierung von Materie mit elektronischen Korrelationen (QUAST)“ beschäftigt sich mit der Entwicklung der sogenannten Vielteilchentheorie, um zuverlässige quantitative Vorhersagen topologischer und dynamischer Quantenphänomene in Festkörpern zu erreichen. Die Eigenschaften vieler neuartiger Quantenmaterialien, wie die vor kurzem entdeckt Weyl-Kondo-Semimetalle, basieren auf räumlich-zeitlichen elektronischen Korrelationen, deren Vielteilchen-Natur schwer mathematisch zu beschreiben ist. QUAST will diese Herausforderung durch koordinierte theoretische Methodenentwicklungen und konzertierte Experimente angehen.

QUAST-Sprecherin Prof. Roser Valentí sagt: „Unser zentrales Ziel in QUAST ist die Entwicklung einer Theorie der elektronischen Struktur kondensierter Materie, die die Phänomene in Materialien wie den Weyl-Kondo Halbmetallen erklären kann. Langfristig wollen wir eine übergreifende Computer-basierte Plattform entwickeln, um Quantenmaterialien mit solchen Eigenschaften zuverlässig modellieren und designen zu können.“

QUAST-Website:
https://for5249.org

Weitere Informationen
Prof. Dr. Maria Roser Valentí
Institut für Theoretische Physik
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 69 798 47816
valenti@itp.uni-frankfurt.de
https://itp.uni-frankfurt.de/~valenti/


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de 

 

Dez 10 2021
11:03

Das Interesse an dem Fach Koreastudien nimmt seit Jahren rasant zu. Ein Grund: die Popularität der koreanischen Pop- und Filmkultur. Mehr über das „Kleine Fach“ an der Goethe-Universität im neuen UniReport

Korea goes Pop

FRANKFURT. Klein, aber oho: Das Fach Koreastudien zählt zwar zu den sogenannten „Kleinen Fächern“ an der Goethe-Universität, aber die Zahl der Studierenden ist in den vergangenen zehn Jahren immerhin von 20 auf 400 Studierende gewachsen. Auch wenn viele Studierende in den letzten Jahren den Weg zum Fach über Koreas aktuelle Popmusik, Mode und Film gefunden haben, so erschöpft sich die Themenvielfalt natürlich bei weitem nicht darin: Geschichte, Wirtschaft, Politik, Geographie und Religionen des Landes gilt es im Studium zu erschließen. Interdisziplinarität wird großgeschrieben: Geschichtswissenschaften, Migrationsforschung, Kulturwissenschaft und Frauenforschung liefern die Theorien- und Methodenvielfalt. Auch international ist das Fach gut aufgestellt, insgesamt sechs koreanische Partneruniversitäten kooperieren mit der Goethe-Universität. Zudem ist in Frankfurt das Umfeld sehr günstig, lebt hier doch die mit Abstand größte Anzahl von Auslandskoreaner in Europa; ebenso haben sich hier viele koreanische Firmen angesiedelt.

Ein ganz besonderer Fall von koreanischer Popkultur erregt gerade in Deutschland die Gemüter: Die Netflix-Serie „Squid Game“ sorgt für Debatten vor allem unter Pädagogen und Medienforschern. In der Serie treten hoch verschuldete Menschen in einem Wettbewerb gegeneinander an; wer verliert, zahlt mit seinem Leben. Die äußerst gewalttätige Darstellung eines zynischen Spiels übt anscheinend eine große Faszination vor allem auf junge Zuschauer aus. Prof. Katajun Lindenberg, Professorin für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie an der Goethe-Universität, erklärt im Gespräch mit dem UniReport, warum der Serienhit für Kinder und Jugendliche nicht geeignet ist.

Weitere Themen im aktuellen UniReport:

  • Universitätsleben zurück im „Analogen“: Ein erster Blick zurück auf zwei Monate Präsenzbetrieb.
  • Auch in geistiger Nachbarschaft zum Goethe-Haus: Die Literaturwissenschaftlerin Anne Bohnenkamp-Renken über das neue Frankfurter Romantik-Museum.
  • Wie Schwarze Löcher ihren Jet zünden: Frankfurter Astrophysiker klären den Ursprung der gigantischen Teilchenströme auf.
  • Cave-Syndrom und Long COVID: Psychologen untersuchen, wie sich die Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit auswirkt.
  • Goethe, Deine Forscher: Dem Rechtswissenschaftler David von Mayenburg liegt das Kirchenrecht des Mittelalters und der Frühen Neuzeit besonders am Herzen.
  • Von Haarnadeln und Leitersprossen: Der Biophysiker Jens Bredenbeck untersucht den Energietransport in Proteinen.
  • Geschichten, die weitererzählt werden sollen: Interview mit der neue Poetikdozentin Judith Hermann, deren Vorträge ins Sommersemester 2022 verschoben werden müssen.
  • Illusion des sozialen Aufstiegs: Der Soziologe Lars Meier rezensiert den Film „Contra“, der soziale Ungleichheit und Diskriminierung an der Hochschule behandelt.
  • Der weite Weg zur Traumfabrik: Drei Alumni der Goethe-Universität, die Fuß gefasst haben in der Filmbranche, über ihren Film „Eine Handvoll Wasser“ mit Weltstar Jürgen Prochnow.
  • Die Genschere im künstlerischen Einsatz: Studierende verschiedener Disziplinen arbeiten in einem Lehrforschungsprojekt zusammen.

Der UniReport 6/2021 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/109719953.pdf  


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 9 2021
12:50

Große internationale Tagung über Dokumentarfilm und Medien „Visible Evidence“ der Goethe-Universität vom 14. bis 18. Dezember/ Veranstaltungen teilweise auch im Hybrid-Format zugänglich

Dokumentarfilm und die Krise der Demokratie

Wie reagiert der Dokumentarfilm auf die aktuelle Krise der Demokratie? Mit diesem Thema setzen sich vom 14. bis zum 18. Dezember mehr als 300 internationale Wissenschaftler:innen, Filmemacher:innen und Künstler:innen auseinander. Die Veranstaltung „Visible Evidence“ findet als Hybridveranstaltung im Künstlerhaus Mousonturm und dem DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum statt.  

FRANKFURT. Durch die Geschichte des Dokumentarfilms zieht sich der Begriff der Krise wie ein roter Faden: Schon die ersten Dokumentarfilmemacher:innen in den 1920er und 1930er Jahren reagierten mit ihren Filmen auf kritische Zustände in ihrem Land. Wie geht der Dokumentarfilm heute damit um: mit den Folgen der Globalisierung, dem Klimawandel und der Migration, mit der Gesundheitskrise und der Transformation der Wirtschaft? Prägt er unsere Wahrnehmung und wenn ja, wie? Kann er theoretisch und praktisch dazu beitragen, notwendige Räume und Denkweisen für eine lebendige Demokratie zu verteidigen? Braucht er dazu neue politische, soziale und formale Möglichkeiten?

Um diese Fragen geht es in der fünftägigen internationalen Konferenz mit Diskussionen, Screenings, Workshops und Vorträgen, die das Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft (TFM) der Goethe-Universität Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Forschungsinitiative ConTrust, dem Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ und dem Künstlerhaus Mousonturm und dem DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum vom 14. bis zum 18. Dezember ausrichtet. Die Veranstalter haben die Tagung im Hybrid-Format auch als öffentliche Veranstaltung konzipiert, da sie Dokumentargeschichte als ein Instrument der öffentlichen Meinung verstehen.

Der Blickwinkel der Vorträge ist so weit wie das Feld der mehr als 300 angekündigten Teilnehmer:innen aus Europa, Asien, den USA und Südamerika: Das audiovisuelle Erbe Afrikas und die Kolonisierung gehören ebenso zu den Themen wie Spuren von Traumata in Kolonialarchiven, der Arbeiterfilm, Umwelterzählungen im Dokumentarfilm aus Osteuropa und Amateurfilme von Jugendlichen aus den US-amerikanischen Inner-Cities der 1960er Jahre. Die internationale Ausrichtung ist seit der Gründung von „Visible Evidence“ vor 28 Jahren Programm: „Visible Evidence“ ist ein Netzwerk von Künstler:innen, Kurator:innen, Filmemacher:innen und Wissenschaftler:innen aus über dreißig Ländern, die sich mit aktuellen Fragen des Dokumentarfilms auseinandersetzen und zur nicht-fiktionalen Medienkultur selbst wichtige Beiträge leisten. Seit 1993 findet „Visible Evidence“ jedes Jahr an einem anderen Ort statt, mittlerweile auch jedes Jahr auf einem anderen Kontinent. Nach Montreal, Sao Paulo, Buenos Aires, Stockholm, Los Angeles und Bochum ist „Visible Evidence XVII“ in Frankfurt die zweite deutsche Ausgabe der Tagung. Insgesamt wurde „Visible Evidence“ bereits 26 Mal veranstaltet.

Die Konferenz ist als hybride Veranstaltung (unter 2G-Bedingungen) geplant. Alle Veranstaltungen haben einen Zoom-Raum bzw. sind per Livestream zu besuchen, und die meisten Veranstaltungen werden aufgezeichnet. 

Zu den Förderern der 27. „Visible Evidence“-Konferenz gehört die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), das Graduiertenkolleg „Configurations of Film“, der Forschungsverbund „Normative Orders“, das Clusterprojekt „ConTrust“, die Freunde und Förderer der Goethe-Universität, das Goethe-Institut, das Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, die Hessische Film- und Medienakademie, die Johanna Quandt-Universitäts-Stiftung und die Stadt Frankfurt. 

Das umfangreiche Programm und weitere Informationen sind zu finden unter: https://2021.visibleevidence.org/

Anmeldung unter: https://www.conftool.com/visible-evidence-2021/

Bild: https://www.uni-frankfurt.de/109725190

Bildtext: Amateurfilme von Jugendlichen aus den US-amerikanischen Inner-Cities der 1960er Jahre ist eines der vielen Themen der internationalen Tagung “Visible Evidence“ der Goethe-Universität (Foto © Sol Worth - A Slice of Live | Presbyterian Historical Society, Philadelphia) 


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531p.barth@em.uni-frankfurt.de