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Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt
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Einschüchterung und Zensur: Einschätzungen und Analysen zur Situation im amerikanischen Bildungs- und Wissenschaftssystem im neuen UniReport.
Frankfurt. Bad News aus dem amerikanischen Wissenschaftssystem, und das nahezu täglich: Die Trump-Administration führt regelrecht eine Kampagne gegen einige Universitäten, Forschung und Lehre leiden zunehmend unter der neuen Regierung. Eine kleine Umfrage unter einigen jungen US-Wissenschaftler*innen an der Goethe-Universität zeigt: Die Befürchtungen sind groß, dass die Wissenschaftsfreiheit in den USA noch weiter eingeschränkt werden könnte. Einige von ihnen haben im Gespräch mit dem UniReport deutlich gemacht, dass sie momentan nichts zurück in die Heimat zieht. Man befürchtet, dass die Regierung weiter Einfluss auf Curricula in den Geistes- und Sozialwissenschaften, aber auch zum Beispiel in den Geowissenschaften nehmen werde. Besonders junge Wissenschaftler*innen könnten davon in ihrer weiteren Karriere- und Lebensplanung betroffen sein.
Mit den Eingriffen der amerikanischen Regierung ins Bildungs- und Wissenschaftssystem beschäftigt sich auch die deutsche Amerikanistin Heike Schäfer. Sie beobachtet mit Sorge die Kampagnen rechtskonservativer Kreise für Bücherverbote: „Seit 2021 sind die Verbote in öffentlichen Büchereien und Schulbibliotheken sprunghaft angestiegen. Für das Schuljahr 2023/24 allein hat der Schriftstellerverband Pen America über 10 000 Verbotsverfahren und das
Verbot von über 4200 Einzeltiteln gezählt.“ Die vielfältige Literaturszene der USA reagiert darauf unter anderem mit sogenannten „Erasures“ – mit kreativen Streichungen bekannter Texte, woraus neue Texte entstehen. Die Lücken im Text stehen oft für die Sichtweisen und Stimmen, die im gesellschaftlichen Diskurs unterdrückt, unsichtbar gemacht oder zum Schweigen gebracht werden.
Weitere Themen im neuen UniReport:
Aktuelles
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Studium, Lehre und Qualifikation
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Der UniReport 3/2025 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe
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Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Projektteam „Machbarkeitsstudie ‚Monitor politische Bildung‘ präsentiert die erste Ausgabe eines indikatorengestützten Berichts zur politischen Bildung in Deutschland.
Eine funktionierende Demokratie braucht politische Bildung. In Zeiten fundamentaler Umbrüche gilt dies mehr denn je. Bislang fehlt es jedoch an belastbaren Daten zu Gelegenheitsstrukturen, Prozessen und Ergebnissen. Der Pilotmonitor politische Bildung schlägt vor, wie diese Lücke geschlossen werden kann. Er wurde im Rahmen des von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) geförderten Projekts Machbarkeitsstudie Monitor Politische Bildung erarbeitet. Der Pilotmonitor politische Bildung steht ab sofort zum freien Download bereit.
FRANKFURT. Der Pilotmonitor politische Bildung liefert vergleichbare Indikatoren darüber, wie Lernende politische Bildung erfahren, Organisationen diese umsetzen und Bildungspersonal darauf vorbereitet wird, politische Bildung zu vermitteln. In den vier Bereichen Schule, Hochschule, Lehrkräftebildung der zweiten und dritten Phase sowie außerschulische Bildung analysiert der Pilotmonitor vorliegende und eigens erhobene Daten. Dabei wird klar, wo zentrale Schnittstellen zwischen den untersuchten Bildungsbereichen liegen, und wo weitere Informationen erforderlich sind.
Das Verbundprojekt wird seit 2021 unter gemeinsamer Leitung von Prof. Dr. Hermann Josef Abs (Universität Duisburg-Essen), Prof. Dr. Tim Engartner (Universität zu Köln), Prof. Dr. Reinhold Hedtke (Universität Bielefeld) und Prof. Dr. Monika Oberle (Goethe-Universität Frankfurt am Main) durchgeführt.
Ausgewählte Ergebnisse:
Lernende an allgemein- und berufsbildenden Schulen haben je nach Bundesland und Schulart sehr unterschiedliche Möglichkeiten, politische Bildung zu erfahren. Das politische Wissen von Schüler/-innen hängt stark vom Anforderungsniveau der Schule sowie von Bildungsabschluss, Elternhaus und (internationaler) Herkunft ab. Für sozioökonomisch benachteiligte Gruppen ist der Zugang zu politischer Bildung quantitativ und qualitativ meist reduziert.
Es gibt an Hochschulen bislang kaum institutionalisierte Orte, an denen sich Studierende gezielt für eine Lehrtätigkeit im Bereich der außerschulischen politischen Bildung qualifizieren können. Im Rahmen der Fachlehrkräftebildung konzentrieren sich Hochschulen auf unterrichtliche politische Bildung. Dagegen lernen Lehrkräfte aller Fächer im bildungswissenschaftlichen Studium nur unzureichend, inwiefern sie politisch bildend tätig werden können und müssen.
Angesichts eines außerordentlich hohen Anteils an fachfremd erteiltem Politikunterricht an Schulen kommt der Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften eine besondere Bedeutung zu. Der Pilotmonitor zeigt allerdings, dass die Ausbildung von Quer- und Seiteneinsteiger/-innen sowie die Weiterbildung aktiver Lehrkräfte ohne fachspezifische Lehrbefähigung im Vergleich zur regulären Lehrkräfteausbildung inhaltlich defizitär ist. Darunter leidet die Unterrichtsqualität der politischen Bildung.
Im Bereich der außerschulischen politischen Bildung wurden neben Bundes- und Landeshaushalten auch Kernakteursgruppen analysiert. Die Dichte von Akteur/-innen und Bildungsräumen variiert regional. Die Vergütung der Lehrenden liegt erkennbar unter dem Niveau, das sie aufgrund ihrer formalen Qualifikation und ihrer Aufgaben üblicherweise erreichen können. Obwohl viele Angebote prinzipiell offen zugänglich sind, wird eine annähernd gleiche Bildungsteilhabe aller Bevölkerungsgruppen nicht erreicht.
Die Ergebnisse des Pilotmonitors zeigen die Bedeutung, aber auch die Herausforderungen der politischen Bildung in Deutschland. Aufbauend auf diesen Ergebnissen kann ein regelmäßig wiederkehrendes, datenbasiertes und bereichsübergreifendes Monitoring der politischen Bildung künftig:
■ Herausforderungen für die Entwicklung politischer Bildung frühzeitig identifizieren,
■ die politische Responsivität mit Blick auf Bedarfe der politischen Bildung erhöhen,
■ Datendefizite aufzeigen und eine konsistentere Datengenerierung anstoßen sowie
■ vertiefende Studien im Kontext der nationalen Bildungsberichterstattung initiieren.
Der Pilotmonitor politische Bildung wurde am 10. Juni 2025 in der Leibniz-Gemeinschaft Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt und steht ab sofort zum freien Download bereit:
Weitere Informationen unter bericht-pb.de
Kontakt: monitor@bericht-pb.de
Prof. Dr. Monika Oberle
Goethe-Universität Frankfurt
Fachbereich 03 Gesellschaftswissenschaften
Institut für Politikwissenschaft
Professur für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Didaktik der Sozialwissenschaften
Theodor-W.-Adorno-Platz 6
60323 Frankfurt am Main
Email: oberle@soz.uni-frankfurt.de
Website: https://www.fb03.uni-frankfurt.de/162685879/Prof__Dr__Monika_Oberle
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Archäologe und Schriftexperte Markus Scholz zu Gast am Forschungskolleg
FRANKFURT/BAD HOMBURG. Es war die Forschungsnachricht des ausgehenden Jahres 2024: Ein Schriftröllchen aus dem 3. Jahrhundert nach Christus hatte sich als ältestes Zeugnis des Christentums nördlich der Alpen herausgestellt. Entziffert wurde der Text von einer interdisziplinären Kooperation, geleitet von Markus Scholz, Archäologieprofessor an der Goethe-Universität. Unter dem Titel „Die ‚Frankfurter Silberinschrift' und die Anfänge des Christentums nördlich der Alpen“ wird Professor Scholz
am Montag, 16. Juni, um 19 Uhr
im Forschungskolleg Humanwissenschaften
Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg
über seine Forschung berichten und darüber, wie er mit anderen Experten aus den Geschichtswissenschaften in monatelangem Austausch den lateinischen Text entschlüsselt und übersetzt hat.
Gefunden wurde die „Frankfurter Silberinschrift“, eingerollt in ein eher unscheinbares silbernes Röhrchen, 2018 im Grab eines Mannes im Norden Frankfurts, der im 3. Jahrhundert nach Christus dort bestattet worden war. Der Verstorbene hatte das Amulett um den Hals getragen. 2024 gelang es mithilfe modernster Technik, die Inschrift auf dem zerbrechlichen Silberblech abzubilden, ohne es entrollen zu müssen. Für die historische Forschung stellt der von Scholz und Kollegen im Anschluss entzifferte Text eine Sensation dar: Die 18 Zeilen enthalten eine rein christliche Botschaft ganz ohne Bezug auf andere Götter und Religionen, wie es aus dieser Zeit zu erwarten gewesen wäre. Es handelt sich um das bisher früheste authentische Zeugnis für Christentum nördlich der Alpen.
Markus Scholz ist Professor für Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen an der Goethe-Universität Frankfurt. Nach dem Studium der Provinzialrömischen Archäologie sowie der Ur- und Frühgeschichte und der Alten Geschichte in Frankfurt, Freiburg und Basel wurde er 2001 an der Universität Freiburg mit einer Arbeit zur Keramik des Limeskastells Kapersburg promoviert. Scholz hat umfassende Forschung und Ausgrabungen zu römischen Siedlungsplätzen und Militäranlagen im süddeutschen Raum geleitet, insbesondere im Bereich des Limes und in den Grenzgebieten des Römischen Reiches. Er ist Gründungsmitglied und Vizepräsident der „Association internationale pour l'étude des inscriptions mineures (Ductus)“ mit Hauptsitz an der Universität Lausanne, Schweiz.
Zur besseren Disposition bitten wir um Anmeldung bis 12. Juni unter:
anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.
Ein Bild zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/173756939
Bildtext: Die Umzeichnung der „Frankfurter Silberinschrift“ aus der Feder von Professor Markus Scholz. (Copyright: Scholz)
Information:
Iris Koban
Geschäftsführerin
Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt
E-Mail i.koban@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Homepage www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de
Vortrag von Elinor Carmi über proaktive Bürgerschaft in der KI-Gesellschaft
FRANKFURT. Viele Menschen erleben täglich die Herausforderungen der digitalen Welt: Social-Media-Algorithmen beeinflussen das Wohlbefinden, algorithmische Entscheidungssysteme wirken sich auf Jobchancen aus oder spielen eine Rolle in der politischen Meinungsbildung. Längst ist klar, dass digitale Technologien nicht nur technische, sondern auch gesellschaftliche Dynamiken mit sich bringen – mit Gestaltungsspielräumen, aber auch strukturellen Begrenzungen. Wie begegnen wir diesen Herausforderungen? Wie werden wir zu proaktiv handelnden Bürgerinnen und Bürgern in einer KI-Gesellschaft („How to Be a Proactive Citizen in the AI and Datafied Society? “) Dieser Frage widmet sich Dr. Elinor Carmi von der City University London
am Dienstag, 10. Juni, von 18 bis 20 Uhr,
im Casinogebäude (Raum 1.811) auf dem Campus Westend,
in ihrem Vortrag, zu dem der Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität gemeinsam mit dem Center for Critical Computational Studies (C3S) einlädt. Carmi will zeigen, wie Menschen von der passiven Betroffenheit zu aktiver Mitgestaltung gelangen können – und welche Haltungen dafür zentral sind. Im Anschluss an den Vortrag findet eine Diskussion statt.
Dr. Elinor Carmi ist Senior Lecturer an der City St George's, University of London, und arbeitet als Digitalrechts-Aktivistin, Forscherin und Journalistin zu Themen wie Datenpolitik, Datengerechtigkeit und Internet-Governance. Sie ist seit Mai 2024 Expertin im Technology Advisory Panel des britischen Information Commissioner's Office und berät internationale Organisationen wie UNESCO, Amnesty International und die Weltgesundheitsorganisation.
Der Fachbereich Erziehungswissenschaften erforscht interdisziplinär Bildungs-, Lern- und Sozialisationsprozesse über die gesamte Lebensspanne und verfolgt dabei praxisrelevante Forschungsansätze für den Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen wie z.B. der Digitalisierung. Das Center for Critical Computational Studies (C3S) ist eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung der Goethe-Universität Frankfurt, die kritische Gesellschaftsanalysen mit computergestützten Verfahren verbindet und hierbei die sozialen Auswirkungen digitaler Technologien im Blick behält.
Der Vortrag findet in englischer Sprache statt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Information:
Dr. Friedrich Wolf
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung am Fachbereich Erziehungswissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon 069 798-36411
E-Mail fr.wolf@em.uni-frankfurt.de
Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de
„Das ideologische Gehirn“: Buchvorstellung und Diskussion an der Goethe-Universität
FRANKFURT. Ideologien verändern unser Gehirn nicht nur, sondern eine bestimmte neurobiologische Veranlagung macht es sogar empfänglich für extremistische Glaubenssätze. Diese These des neuen Wissenschaftsfelds der politischen Neurobiologie. beschreibt die vielfach ausgezeichnete Wissenschaftlerin Leor Zmigrod in ihrem Buch „Das ideologische Gehirn“. Was bedeutet es für etablierte Vorstellungen von Radikalisierung, Extremismus und demokratischer Meinungsbildung, wenn politische Einstellungen mit der Biologie unseres Gehirns in Zusammenhang stehen?
Um diese und andere Fragen geht es in der
Buchvorstellung mit Diskussion
„Das ideologische Gehirn. Wie politische Überzeugungen wirklich entstehen“
mit Dr. Leor Zmigrod (Cambridge)
am 10. Juni, um 18 Uhr,
im Renate von Metztler-Saal, Casino 1801,
auf dem Campus Westend der Goethe-Universität.
Die Veranstaltung in englischer Sprache wird moderiert von Martin Saar, Professor für Sozialphilosophie an der Goethe-Universität. Sie wird organisiert vom Institut für Philosophie der Goethe-Universität in Kooperation mit dem Suhrkamp-Verlag.
Leor Zmigrod forscht seit 2019 an der Universität Cambridge, zuvor war sie als Visiting Fellow u. a. in Stanford, Harvard und Paris. Sie gilt als Begründerin des neuen Wissenschaftsfelds der politischen Neurobiologie. Dieses Wissenschaftsfeld geht davon aus, „dass politische Haltung kein Oberflächenphänomen ist“, wie Zmigrod im Prolog ihres Buches schreibt, „sondern uns bis in unsere Zellen hinein prägen kann.“ Das Forbes Magazine listet Leor Zmigrod als eine der 30 einflussreichsten Persönlichkeiten unter 30 („30 under 30“).
Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de
Goethe-Universität mit zwei Projekten an vom Land gefördertem Netzwerk beteiligt
Welche Rolle spielt Antisemitismus für Demokratiefeindlichkeit? Und was kann antisemitismuskritische Bildung bewirken? Diese Fragen greift das Hessische Wissensnetzwerk „Antisemitismus und Demokratiegefährdung“ auf, für das die Goethe-Universität, die Justus-Liebig-Universität Gießen sowie das Institut für Sozialforschung nun bis Mitte 2026 vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK) gefördert werden. Ein zweites gefördertes Projekt, bei dem die Goethe-Universität neben der Frankfurt University of Applied Sciences Co-Sprecherin ist, beschäftigt sich mit Geschlechterverhältnissen und Demokratieforschung.
FRANKFURT. Seit sich Judenfeindschaft nicht mehr nur verschlüsselt, sondern wieder durchaus offen äußert und unter den aktuellen Krisenbedingungen für manche Gruppen auch eine gemeinschaftsstiftende Kraft entfaltet, wird deutlich: Eine antisemitische Haltung kann nicht allein als zu überwindendes Überbleibsel der NS-Ideologie verstanden werden; sie spielt auch als aktuelle antidemokratische Brückenideologie eine entscheidende Rolle. Vor diesem Hintergrund geht das Projekt „Antisemitismus und Demokratiegefährdung“ davon aus, dass Antisemitismus bei der Entwicklung und politischen Mobilisierung antidemokratischer Einstellungen eine Schlüsselrolle zukommt.
Das HMWK unterstützt nun im Rahmen des Förderprogramms „Stärkung der Demokratieforschung Hessen“ ein Wissensnetzwerk zu „Antisemitismus und Demokratiegefährdung“, das an der Goethe-Universität Frankfurt, der Justus-Liebig-Universität Gießen und dem Institut für Sozialforschung angesiedelt ist. Während der zwölfmonatigen Laufzeit des Projekts bis Ende April 2026 soll ein interdisziplinäres Forschungsnetzwerk an der Schnittstelle von Antisemitismus- und Demokratieforschung aufgebaut werden. Dazu wird unter anderem erforscht, welche Rolle Antisemitismus konkret in gegenwärtigen Dynamiken der Demokratiefeindlichkeit spielt. Darüber hinaus geht es darum, wie eine antisemitismuskritische und demokratiepolitisch wirksame (Bildungs-)Praxis darauf reagieren kann.
Sprecher des Forschungsnetzwerks, das mit neun weiteren Partnerinstitutionen zusammenarbeitet, ist Stephan Lessenich, Professor für Gesellschaftstheorie und Sozialforschung an der Goethe-Universität und Direktor des Instituts für Sozialforschung.
Wie sich Geschlechterverhältnisse und Demokratieforschung enger verzahnen und weiterentwickeln lassen, ermittelt das zweite geförderte Forschungsprojekt, an dem die Goethe-Universität Co-Sprecherin ist. Das Wissensnetzwerk „Gendering Democratic Resilience: Geschlechterforschung als zentraler Beitrag zu einer (Re-)Vitalisierung von inklusiveren Demokratien“ (GeViDem) setzt an dieser Stelle an: Es bündelt bestehende hessische Forschungsaktivitäten und Expertisen zum Verhältnis von Demokratie und Geschlechterverhältnissen. Die Universitäten Gießen, Marburg, Frankfurt und Kassel sowie die Frankfurt University of Applied Sciences forschen im Rahmen von vier Schwerpunktthemen, in denen Fragen behandelt werden wie: Inwiefern sind Angriffe auf sexuelle und geschlechtliche Diversität Angriffe auf die Demokratie? Wie fungieren Geschlechterverhältnisse als Schauplatz demokratischer Resilienz? Und welche Rolle spielt eine Umverteilung von Care-Arbeit für eine Demokratisierung von Demokratien?
Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de
Neuerscheinung „Adornos Erben. Eine Geschichte aus der Bundesrepublik“ in den Book Talks an der Goethe-Universität – Autor Jörg Später zu Gast
FRANKFURT. Im Oktober 1949 kehrte Theodor W. Adorno aus dem amerikanischen Exil in seine Geburtsstadt zurück, um wieder an einer deutschen Universität zu lehren. Frankfurt lag in Trümmern, aber die Studierenden kamen in Scharen. Bald war der Philosoph wöchentlich im Radio zu hören und zum Stichwortgeber und „Erzieher“ der jungen Bundesrepublik geworden. Als Adorno 1969 starb, waren das Institut für Sozialforschung und sein Direktor bundesweit bekannt. Die Frankfurter Schule befand sich auf dem Zenit ihrer öffentlichen Wirkung.
Den „Denkraum“ dieser Schule und seine Metamorphosen zwischen Nachkrieg und Wiedervereinigung beschreibt das 2024 erschienene Buch „Adornos Erben: Eine Geschichte aus der Bundesrepublik“ des Historikers Jörg Später. Seine Protagonisten sind zwölf Mitarbeiter Adornos – nach dem Tod des „Meisters“ zerstreuten sie sich von der Stadt am Main nach Gießen, Lüneburg oder Starnberg. Jörg Später folgt ihren Wegen und schildert, wie sie in Wissenschaft, Politik und den neuen sozialen Bewegungen Adornos Erbe annahmen und veränderten. „Adornos Erben“ beschreibt die Geschichte der Kritischen Theorie als große, vielstimmige Erzählung aus der alten Bundesrepublik.
Der Historiker Jörg Später spricht über sein neues Buch
„Adornos Erben. Eine Geschichte aus der Bundesrepublik“
im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Book Talks“
am Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften (FZHG) der Goethe-Universität
am Mittwoch 11. Juni 2025 um 18.15 Uhr
im Casino 1.812, Campus Westend,
Theodor-W.-Adorno-Platz 2, 60323 Frankfurt am Main.
Das Gespräch führt Historiker Til van Rahden (Université de Montréal). Der Eintritt ist kostenlos.
Der Verfasser Jörg Später, geboren 1966, ist promovierter Historiker und freier Autor; an der Universität Freiburg ist er mit der „Forschungsgruppe Zeitgeschichte“ assoziiert. Sein Gesprächspartner Til van Rahden, geboren 1967, ist Professor für Europäische Geschichte an der Université de Montréal, wo er von 2006 bis 2016 den Canada Research Chair in German and European Studies innehatte.
Weitere Informationen über die Veranstaltungsreihe „Book Talks“ sowie weitere Veranstaltungen des FZHG finden Sie auf der Internetseite des Forschungszentrums.
Weitere Informationen
Dr. Nathan Taylor
Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften
n.taylor@em.uni-frankfurt.de
Tel: +49 (0)69 798 32113
https://fzhg.org/
Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de
Studie der Goethe-Uni belegt: Extremwetterereignisse verschärfen die Bedrohung der Amphibienvielfalt weltweit
Amphibien – die am meisten bedrohte Wirbeltierklasse der Erde – stehen unter enormem Druck, da bereits 41 Prozent aller Arten vom Aussterben bedroht sind. Eine neue Studie des Fachbereichs Biowissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt zeigt, dass zunehmende Extremwetterereignisse wie Hitzewellen und Dürren die Krise weiter verschärfen und direkt mit dem Rückgang der Amphibienbestände zusammenhängen. Besonders betroffen sind Regionen wie Europa, das Amazonasgebiet und Madagaskar. Die Ergebnisse verdeutlichen die Dringlichkeit gezielter Schutzmaßnahmen, um die gefährdeten Arten und ihre Lebensräume zu erhalten.
FRANKFURT. Lebensraumverlust, Krankheiten, Umweltverschmutzung und der Klimawandel setzen Amphibien – also Fröschen, Salamandern und den in den Tropen heimischen Schleichenlurchen – schon heute massiv zu. Die neue Studie vom Institut für Ökologie, Evolution und Diversität zeigt, dass Extremwetterereignisse als zusätzlicher Stressfaktor diese Krise weiter verschärfen. Hierfür analysierten die Wissenschaftler*innen globale Wetterdaten der letzten 40 Jahre. Die Regionen mit signifikant erhöhten Hitzewellen, Dürren und Kältewellen verglichen sie mit der geographischen Verbreitung von mehr als 7.000 Amphibienarten und deren Gefährdungsstatus auf der „Roten Liste“. Die Roten Listen werden seit 1964 von der Naturschutzorganisation IUCN (International Union for the Conservation of Nature and Natural Resources) veröffentlicht und gelten als wichtiges Instrument zur Bewertung des Gefährdungsstatus von Tier- und Pflanzen- und Pilzarten weltweit.
Kritisches Zusammenspiel verschiedener Faktoren
Das Ergebnis ist eindeutig: Dort, wo Hitzewellen und Dürren zugenommen haben, verschlechterte sich auch der Bedrohungsstatus der Amphibien auf der Roten Liste seit 2004 signifikant. „Die Abhängigkeit der Amphibien von temporären Feuchtgebieten zur Fortpflanzung macht sie besonders verwundbar gegenüber Dürren und Temperaturverschiebungen, die ihre Brutgebiete vorzeitig austrocknen lassen“, erklärt Dr. Evan Twomey, Erstautor der Studie. „Unsere Analysen zeigen den direkten Zusammenhang zwischen der Zunahme extremer Wetterereignisse und dem Rückgang der Amphibienbestände.“
Regionale Schwerpunkte
Besonders betroffen sind drei Regionen: Europa, das Amazonasgebiet und Madagaskar. Während in Südamerika der Großteil der dort vorkommenden Amphibien – meist Frösche – zunehmenden Hitzewellen ausgesetzt ist, sind es in Europa vor allem Dürren, die den Tieren zu schaffen machen. Hier sind es hauptsächlich Salamander, die unter den veränderten Bedingungen leiden. Die Situation in Mitteleuropa gibt dabei Anlass zur Sorge. Zukünftige Klimaprognosen zeigen, dass Dürreperioden in Zentraleuropa sowohl in Dauer als auch Intensität wahrscheinlich zunehmen werden. Prof. Lisa Schulte, Leiterin der Abteilung Wild- und Zootierbiologie und Systematik warnt: „Bereits die Hälfte der in Mitteleuropa heimischen Echten Salamander ist heute zunehmend Dürreperioden ausgesetzt – und das wird sich in Zukunft wahrscheinlich noch verschärfen.“
Dringender Handlungsbedarf
Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen die Dringlichkeit gezielter Schutzmaßnahmen. Verschiedene Ansätze aus der Amphibienforschung könnten bedrohten Arten helfen. Dazu gehören zum Beispiel die Schaffung kleiner Schutzgebiete, in denen Amphibien Zuflucht finden können, sowie die Verbesserung von Feuchtgebieten, um optimale Lebensbedingungen zu gewährleisten. Auch die Schaffung feuchter Rückzugsorte, etwa durch den Einsatz von Rohren oder Brettern, bietet diesen Tieren Möglichkeiten, sich während trockener Perioden zurückzuziehen.
Die Studie liefert wichtige Grundlagen für angepasste Schutzstrategien in den besonders betroffenen Regionen. Amphibien gelten als Indikatoren für die Gesundheit von Ökosystemen – ihr Schutz ist daher von übergeordneter Bedeutung für den Erhalt der Biodiversität.
Publikation: Twomey, E., Sylvester, F., Jourdan, J., Hollert, H., & Schulte, L. M. (2025). Quantifying exposure of amphibian species to heatwaves, cold spells, and droughts. Conservation Biology, e70074. https://doi.org/10.1111/cobi.70074
Bild zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/173193265
Bildtext: Die bei uns heimischen Feuersalamander sind eine der vielen Arten, die auf ausreichend Feuchtigkeit angewiesen sind (Foto: Daniel Rosengren/Zoologische Gesellschaft Frankfurt).
Weitere Informationen
Dr. Evan Twomey
Abteilung Wild- und Zootierbiologie und Systematik
Fachbereich Biowissenschaften
Goethe-Universität
Telefon: 069 798 42211
E-Mail: Twomey@em.uni-frankfurt.de
Redaktion: Dr. Phyllis Mania, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13001, Fax 069 798-763-12531, mania@physik.uni-frankfurt.de
DFG bewilligt Transregio-Sonderforschungsbereich zur Erforschung der Tumorumgebung – TRR 417 unter Sprecherschaft der Goethe-Universität mit den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Freiburg
Darmkrebs ist heilbar – wenn er früh erkannt wird und vollständig herausoperiert werden kann. In schwierigeren Fällen gelten lmmuntherapien als Hoffnungsträger, die das körpereigene Abwehrsystem in den Kampf gegen den Tumor einbeziehen. Aussichtsreich sind solche Behandlungen bei noch nicht einmal jedem fünften Darmkrebs. Wie das Potenzial von Immuntherapien trotzdem ausgeschöpft werden kann, untersucht jetzt der neue Transregio-Sonderforschungsbereich TRR 417 von Goethe-Universität, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Sein Ziel: Das den Krebs beeinflussende Umfeld, das Tumor-Mikromilieu, von Darmtumoren gezielt zu verändern.
FRANKFURT. Wenn es bei Darmtumoren um die Therapieoptionen jenseits von Operation und Bestrahlung geht, ist in den vergangenen Jahren eine Frage sehr zentral geworden: Ist das DNA-Reparatursystem des Tumors defekt, ist er „mikrosatelliteninstabil“? 15 bis 20 Prozent aller Tumoren haben diese Eigenschaft und dadurch gute Chancen, mit einer Immuntherapie erfolgreich bekämpft werden zu können. Häufig werden sogenannte Immuncheckpoint-Inhibitoren eingesetzt. Sie neutralisieren die „Schutzhülle“ des Tumors, mit der dieser dem Immunsystem vorgaukelt, er bestünde aus harmlosen Körperzellen. Damit können körpereigene Abwehrzellen – T-Zellen – den Tumor dann eliminieren.
Bei vielen Darmkrebserkrankungen aber dringen Immuntherapien, selbst Chemo- und Strahlentherapien nicht zuverlässig durch. Der Grund liegt in der Umgebung des Tumors, erklärt Prof. Florian Greten, Krebsforscher am Georg-Speyer-Haus und der Goethe-Universität Frankfurt und Sprecher des neuen TRR 417: „Tumoren wachsen nicht als Fremdkörper im Darmgewebe, sie beziehen vielmehr ‚normale' Zellen ein, wie Bindegewebszellen – Fibroblasten –, Immunzellen und Gefäßzellen. Diese Körperzellen programmiert der Tumor um und integriert sie zu einem Tumormikromilieu, das zudem noch in enger Wechselwirkung mit den Darmbakterien und weiteren Mikroorganismen steht, dem Mikrobiom.“
Im neuen Sonderforschungsbereich/Transregio TRR 417 „Cellular Communication in the Stroma of Colorectal Cancer: From Pathophysiology to Clinical Translation“ werden nun Wissenschaftler*innen aus Medizin, Biologie und Datenwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg dieses Tumormikromilieu weiter erforschen. Greten erläutert: „Wir bauen auf den Erfahrungen auf, die wir seit 2016 in der Zusammenarbeit in der DFG-Forschungsgruppe 2438 zum Thema gesammelt haben. In dieser Forschungsgruppe konnten wir nicht nur zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen, sondern haben auch gemeinsame Standards, Modelle und Technologien entwickelt.“ Darauf aufbauend werden die Forschenden nun neuartige Therapiekonzepte entwickeln, so Greten: „Wir möchten herausfinden, wie wir das Tumormikromilieu gezielt verändern und therapeutisch nutzen können, um Behandlungen zu verbessern und für Immuntherapien zugänglich machen – insbesondere bei den Darmtumoren, die bislang schlecht auf bestehende Therapien ansprechen.“
Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität, sagte: „Der Erfolg des TRR 417 freut mich besonders, weil er zeigt, dass Prof. Greten und seine Kolleginnen und Kollegen es über viele Jahre hinweg strategisch verstanden haben, herausragende Expertise aus den onkologischen Spitzenzentren Deutschlands – der Deutschen Krebshilfe, des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung, des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung und des Nationalen Zentrums für Tumorerkrankungen – zu einem Team zusammenzuschweißen. Ihr Ansatz, Grundlagenforschung schnell in die klinische Anwendung fließen zu lassen, steht prototypisch für die Wissenschaft im Profilbereich „Science for Health“ der Goethe-Universität. Ich bin sehr gespannt auf den reichen wissenschaftlichen Ertrag und die nächste Generation von Clinician Scientists, die aus diesem Sonderforschungsbereich erwachsen werden.“
Die DFG fördert den TRR 417 für zunächst vier Jahre mit rund 17,7 Millionen Euro. Die Förderung kann zweimal um je vier Jahre verlängert werden.
Hintergrundinformation:
Magazinbeitrag: Gefährliche Nachbarschaft: Entzündungen und Krebs (in: Forschung Frankfurt 1/2024)
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/gefaehrliche-nachbarschaft-entzuendungen-und-krebs/
Meldung: Verlängerung der DFG-Forschungsgruppe zu Darmkrebs (2019)
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/verlaengerung-der-dfg-forschergruppe-zu-darmkrebs/
https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/280163318?context=projekt&task=showDetail&id=280163318&
Weitere Informationen
Prof. Dr. Florian R. Greten
Sprecher des TRR 417 „Cellular Communication in the Stroma of Colorectal Cancer: From Pathophysiology to Clinical Translation"
Georg-Speyer-Haus
Institut für Tumorbiologie und experimentelle Therapie / Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 63395-232
Greten@gsh.uni-frankfurt.de
Bluesky: @goetheuni.bsky.social @FAU.de @uni-freiburg.de
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt
Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de
Land Hessen finanziert die Einrichtung an der Goethe-Universität auf Dauer
Das Kompetenzzentrum für Schulpsychologie an der Goethe-Universität verzahnt seit 2017 Wissenschaft und Praxis der Schulpsychologie auf erfolgreiche Art und Weise. Nun hat das Land Hessen die notwendigen Mittel für die Verstetigung zugesagt.
FRANKFURT. Schulen sind mit immer komplexeren Anforderungen und Aufgaben konfrontiert, bei deren Lösung die Schulpsychologie eine wichtige Rolle spielen kann. Aus diesem Gedanken heraus haben das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen und die Goethe-Universität im Herbst 2017 gemeinsam das Kompetenzzentrum Schulpsychologie Hessen (KSH) ins Leben gerufen – zunächst als Modellprojekt. Das Zentrum sollte die schulpsychologische Beratung bis hin zu Präventions- und Interventionsmaßnahmen für die Schulen in Hessen weiterentwickeln, Fachkräfte qualifizieren und Präventionsprogramme evaluieren. Das zugrundeliegende Konzept der Verzahnung von Wissenschaft und Praxis der Schulpsychologie ist bundesweit einzigartig: Von den Staatlichen Schulämtern abgeordnete Schulpsychologinnen und Schulpsychologen arbeiten mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Goethe-Universität gemeinsam an wegweisenden Themenstellungen der Schulpsychologie. Untergebracht ist das Kompetenzzentrum in Räumen der Universität am Campus Westend. Es ist fachlich und strukturell an den Arbeitsbereich Pädagogische Psychologie am Institut für Psychologie der Goethe-Universität angebunden. Die Förderung wurde bereits zu Beginn des Jahres beschlossen und wurde jetzt in einem Festakt und mit einem Tag der offenen Tür für Schülerinnen und Schüler gefeiert.
Durch die Verstetigung erhält das Kompetenzzentrum Schulpsychologie eine dauerhafte finanzielle Förderung durch das Land Hessen. Die 2017 mit der Gründung aufgesetzten Forschungsprojekte insbesondere zur Wirksamkeit schulpsychologischer Beratung werden fortgeführt und durch Forschungsprojekte zur Förderung der psychischen Gesundheit sowie der selbstregulatorischen und sozial-emotionalen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern erweitert; zusätzlich engagiert sich das Kompetenzzentrum Schulpsychologie im Rahmen der Lehre an der Goethe-Universität dafür, dass das schulpsychologische Praxiswissen stärker im Psychologiestudium berücksichtigt wird.
Das Kompetenzzentrum hat insbesondere die schulpsychologischen Beratungs-, Präventions- und Interventionsangebote für die hessischen Schulen im Blick, evaluiert diese und hilft dabei, sie weiterzuentwickeln. „Ich freue mich sehr darüber, dass das Kompetenzzentrum nun langfristig bestehen und weiterhin eine wertvolle Unterstützung für die hessische Schulpsychologie und unsere Schulen sein kann“, sagt Kultusminister Armin Schwarz. Von der Verstetigung des Kompetenzzentrums werden auch die Studierenden profitieren. Die schulpsychologische Expertise der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Zentrums kommt den Psychologiestudierenden durch ein erweitertes Lehrangebot im Bachelor- und im Masterstudium sowie auch in der Lehramtsausbildung zugute. „Das soziale Miteinander an unseren Schulen ist vor mehrfache Herausforderungen gestellt. Wenn wissenschaftliche Expertise zu Möglichkeiten der Beratung und Hilfe ohne Umwege direkt in die Schulen gelangt, können Probleme möglichst frühzeitig erkannt und gelöst werden – zum Wohl des Einzelnen und der Schulgemeinschaften“, sagt Prof. Viera Pirker, Vizepräsidentin der Goethe-Universität.
„Qualitätssicherung und Professionalisierung sind die richtige Antwort auf die Herausforderungen an den Schulen“, ist Charlotte Dignath überzeugt, die als Professorin für Pädagogische Psychologie an der Goethe-Universität das Kompetenzzentrum gemeinsam mit Dr. Stephan Jeck vom Hessischen Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen leitet.
Kontakt
Prof. Dr. Charlotte Dignath
Institut für Psychologie, Arbeitsbereich Pädagogische Psychologie
Telefon 069 798-35347
E-Mail dignath@psych.uni-frankfurt.de
Goethe-Universität Frankfurt
Kompetenzzentrum Schulpsychologie Hessen
Mail: info@kompetenzzentrum-schulpsychologie-hessen.de
www.kompetenzzentrum-schulpsychologie-hessen.de
Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de
Forschende von „Dynamiken des Religiösen“ der Goethe-Universität und Volkshochschule bieten Workshop mit Fotojournalisten an
FRANKFURT. Frankfurt ist eine religiös vielfältige Stadt. Diese Vielfalt hinterlässt sichtbare Spuren, manche seit Jahrhunderten. Doch reicht das schon, um von religiösen Nachbarschaften zu sprechen? Wie können religiöse Nachbarschaften fotografisch abgebildet werden, ohne dass die Mitglieder religiöser Gemeinschaft auf Stereotype reduziert werden? Ein Workshop an der Volkshochschule Frankfurt geht diesen Fragen gemeinsam mit Forschenden von „Dynamiken des Religiösen" nach; er richtet sich an Interessenten mit viel Erfahrung im Bereich Fotografie ebenso wie an Einsteiger*innen.
Der Workshop „Religiöse Nachbarschaften fotografisch entdecken“ findet statt am
28. und 29. Juni
sowie am
23. und 24. August 2025
in der Volkshochschule Frankfurt,
Sonnemannstraße 13,
60314 Frankfurt + Online.
Der praktische Teil wird durch den Fotojournalisten Julius Matuschik geleitet und vermittelt religionssensible Ansätze in der dokumentarischen Fotografie. Ergänzend dazu erwarten die Teilnehmenden kurze wissenschaftliche Inputs von Forschenden des Forschungsverbunds „Dynamiken des Religiösen“, die insbesondere das Konzept der „religiösen Nachbarschaften“ vorstellen. Ziel des Workshops ist es, ein eigenes, professionell begleitetes Fotoprojekt zu entwickeln.
Mitwirkende Forschende sind Susanne Fehlings (Ethnologie), Albrecht Fuess (Islamwissenschaft), Karoline Müller (Geschichte), Armina Omerika (Islamische Studien) und Xenia von Tippelskirch (Geschichte).
Weitere Informationen zum Fotojournalisten Julius Matuschik finden sich unter https://www.juliusmatuschik.de/
Eine Anmeldung bei der Volkshochschule ist erforderlich: https://vhs.frankfurt.de/de/portal#/search/detail/178428. Der Workshop ist kostenlos.
Veranstalter sind die Volkshochschule Frankfurt und die Goethe-Universität mit der „Schnittstelle Religion“ und dem Forschungsverbund “Dynamiken des Religiösen“.
Kooperationspartner sind die Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG), das Frobenius-Institut und das Institut franco-allemand de sciences historiques et sociales (IFRA/SHS).
Bild zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/173064843
Bildtext:
Dem Fotojournalisten Julius Matuschik geht es darum, Stereotype bei der fotografischen Dokumentation von Religionen zu vermeiden (Foto: Julius Matuschik)
Weitere Informationen
Louise Zbiranski
Dynamiken des Religiösen | Historisches Seminar
Goethe-Universität
L.Zbiranski@em.uni-frankfurt.de
Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de
CGColloquien im Sommersemester 2025 gehen am 4. Juni weiter: Claudia Machold spricht dann mit Saba-Nur Cheema.
FRANKFURT. Die Unwörter der letzten Jahre – „Remigration“ (2023) und „Biodeutsch“ (2024) – signalisieren eine gesellschaftliche Stimmung, in der fremdenfeindliche „Migrationsdebatten“ wie auch ‚alte' und ‚neue' Antisemitismen diskursverschiebend sind. Die Terrorangriffe u.a. von Hanau und Halle haben in erschreckender, aber nicht überraschender Weise das Gewaltpotenzial solcher Diskurse und der damit verbundenen menschenverachtenden Dogmen aufgezeigt. Geschlechtsbezogene, (hetero-)sexistische, sowie homo- und trans*phobe, aber auch homonationalistische Logiken stehen dabei in Zusammenhang mit rassistischer, antisemitischer, kolonialer und migrationsbezogener Gewalt, werden aber selten systematisch zusammengedacht und in ihrer Verflechtung analysiert.
Die CGColloquien im Sommersemester 2025 bringen Ansätze der Geschlechterforschung, der Antisemitismus-, Kolonialismus- sowie der kritischen Migrations- und Rassismusforschung, aber auch Perspektiven aus der (Stadt-)Gesellschaft zusammen, die eben diese Verhältnisse gemeinsam beleuchten.
Nach dem erfolgreichen Start der Reihe am 07.05.2025 mit einem Gespräch zwischen der Literaturwissenschaftlerin Nadia Butt und der Soziologin Paladia Ziss zum Thema „Mobility, migration, and gender: representations that matter“ findet der nächste Termin online statt:
04.06.2025 (online über ZOOM)
Claudia Machold und Saba-Nur Cheema, Differenzkonstruktionen in der Kindheit: Erziehungswissenschaftliche Perspektiven auf Rassismus und Antisemitismus
Claudia Machold, Professorin für erziehungswissenschaftliche Kindheitsforschung an der Goethe-Universität, wird im ersten Teil der Veranstaltung in ihrem Input „Kindheit und Rassismus. Theoretische und empirische Verhältnisbestimmungen“ erläutern, wie Kinder in Rassismus involviert sind. Dabei wird sie Einblicke in ihre ethnographische Forschung geben. Im zweiten Teil wird Saba-Nur Cheema, Diplom-Politologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Goethe-Universität, in ihrem Vortrag „Eine empirische Perspektive auf antisemitische Differenzpraktiken unter Kindern“ darlegen. Im Anschluss an die beiden Vorträge findet eine gemeinsame Diskussion der Referentinnen statt; es wird Raum für Fragen aus dem Publikum geben.
Weitere Termine:
11.06.2025
Menina Ugwuoke und Nazli Aghazadeh-Wegener, Intersektionale Perspektiven aus dem und auf das Recht
25.06.2025 (online über ZOOM)
Astrid Erll und Teresa Koloma Beck, Erinnerungskulturen in der postmigrantischen Gesellschaft
09.07.2025
Hanna Hoa Anh Mai und Marion Keller, Pädagog*innen of Color und jüdische Aktivist*innen: Intersektionale und historische Perspektiven auf positionierte Professionalität
16.07.2025
Encarnación Gutiérrez Rodríguez, Said Etris Hashemi und Newroz Duman, „Erinnern heißt Verändern": Von Solidaritätspraxen und multidirektionalem Erinnern
Das Cornelia Goethe Centrum für Geschlechterforschung lädt in Kooperation mit dem GRADE Center Gender und der Goethe-Universität Frankfurt am Main herzlich zu dieser öffentlichen Veranstaltungsreihe ein. Der Eintritt ist frei. Alle Präsenztermine finden auf dem Campus Westend, PEG Gebäude, Raum 1.G191, statt.
Kontakt am CGC: Johanna Leinius, Leinius@em.uni-frankfurt.de
Detaillierte Informationen zum Programm finden Sie hier: https://goethe.link/RTtHU
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Prähistorischer Raubfisch Otodus megalodon ernährte sich nicht nur von anderen Räubern an der Spitze der Nahrungskette – Zink-Vorkommen in Fossilien gibt Hinweise auf Beutetiere
Der größte Hai, der jemals lebte – Otodus megalodon –, hat entgegen verbreiteter Annahmen Meerestiere verschiedener Stufen der Nahrungspyramide gefressen. Dies hat ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Goethe-Universität Frankfurt herausgefunden. Die Wissenschaftler*innen analysierten dazu das chemische Element Zink in zahlreichen fossilen Megalodon-Zähnen, die vor allem in gleich alten Gesteinsschichten in Sigmaringen und Passau gefunden worden waren, und verglichen sie mit fossilen Zähnen anderer Fundorte und Zähnen heutiger Tiere.
FRANKFURT. Der Megalodon war der größte Raubfisch, den die Erdgeschichte je sah: Mit bis zu 24 Metern war der Otodus megalodon länger als ein Lkw mit Anhänger, seine knapp 100 Tonnen Gewicht machten ihn mehr als doppelt so schwer. Das große Maul war mit handgroßen, dreieckigen Zähnen bestückt und konnte mit der Kraft einer hydraulischen Industriepresse zubeißen. Vor 20 bis 3 Millionen Jahren durchpflügte er die Weltmeere, immer wieder auf der Suche nach Beute, denn gewaltig wie seine Dimensionen war wohl sein Kalorienbedarf: Schätzungen zufolge benötigte er rund 100.000 Kilokalorien pro Tag. Die nahm er – so eine verbreitete wissenschaftliche Annahme – überwiegend in Form von Walen zu sich.
Das tat er zumindest dann, wenn er Wale bekommen konnte, meint Dr. Jeremy McCormack vom Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität. Denn der Megalodon hatte ein deutlich breiteres Beutespektrum als bisher vermutet, fand der Geowissenschaftler gemeinsam mit Wissenschaftler*innen aus Deutschland, Frankreich, Österreich und den USA heraus. Dazu untersuchten die Forschenden fossile Megalodon-Zähne – nahezu das einzige, was von dem Knorpelfisch übriggeblieben ist und dem Hai seinen Namen gab: Megalodon lässt sich mit „Großzahn“ übersetzen.
Aus den fossilen Zähnen extrahierten die Forschenden das Element Zink, das in verschieden schweren Atomvarianten (Isotopen) auftritt. Zink wird mit der Nahrung aufgenommen, wobei in Muskeln und Organen weniger des schwereren Isotops Zink-66 als des leichteren Isotops Zink-64 gespeichert wird. Fisch fressende Fische können demnach deutlich weniger Zink-66 in ihrem Gewebe einbauen, und wer wiederum sie als Beute erlegt, baut noch weniger Zink-66 ein. Otodus megalodon und sein Artverwandter Otodus chubutensis hatten daher an der Spitze der Nahrungskette das niedrigste Verhältnis von Zink-66 zu Zink-64.
„Da wir nicht wissen, wie das Verhältnis der beiden Zink-Isotope an der Basis der Nahrungspyramide aussah, haben wir die Zähne verschiedener prähistorischer und heutiger Hai-Arten miteinander und mit weiteren Tierarten verglichen und konnten so einen Eindruck von den Räuber-Beute-Beziehungen vor 18 Millionen Jahren erhalten“, erläutert McCormack. Die großen Zähne stammten dabei überwiegend aus Fossilienlagerstätten in Sigmaringen und Passau – dort erstreckte sich vor 18 Millionen Jahren entlang der Alpen ein mit weniger als 200 Metern Tiefe verhältnismäßig flacher Meeresarm, in dem sich neben dem Megalodon verschiedene andere Haiarten tummelten.
McCormack erklärt: „Meerbrassen, die sich von Muscheln, Schnecken und Krebsen ernährten, bildeten die niedrigste Stufe der von uns untersuchten Nahrungskette. Dann folgen zunächst kleinere Haiarten wie Requiemhaie sowie Ahnen unserer heutigen Wale, Delfine und weiterer Walarten. Größere Haie wie beispielsweise Sandtigerhaie standen noch weiter oben in der Nahrungspyramide, und die Spitze besetzen große Haie wie Araloselachus cuspidatus und die Otodus-Haie, zu denen Megalodon zählt.“ Scharf abgrenzen von den unteren Stufen der Pyramide lassen sich die Otodus-Haie jedoch nicht, hebt McCormack hervor: „Megalodon war durchaus flexibel genug, um sich von Meeressäugern und großen Fischen zu ernähren – je nach Verfügbarkeit sowohl von der Spitze der Nahrungspyramide als auch von den unteren Stufen.“
Die Vorstellung von einer strikt auf Meeressäuger spezialisierte Ernährungsweise von Otodus-Haien müsse daher revidiert werden, so der Paläontologe: „Unsere Untersuchung zeichnet von Megalodon eher das Bild eines ökologisch vielseitigen Generalisten.“ Vergleiche zwischen den Fossilien von Sigmaringen und Passau etwa hätten etwa gezeigt, dass die Passauer Individuen mehr Beutetiere aus tieferen Etagen der Nahrungspyramide gefressen hätten, was auch auf regionale Unterschiede im Beutespektrum oder zeitlich bedingte Änderungen der Beuteverfügbarkeit hinweise.
Sehr zufrieden ist McCormack mit den übergreifenden Ergebnissen des recht neuen Zink-Analyseverfahrens der Zähne, das nicht nur bei prähistorischen Hai- und Walarten schlüssige Ergebnisse lieferte, sondern auch bei Pflanzen fressenden Ur-Nashörnern und sogar heutigen Haiarten. McCormack: „Die Bestimmung des Verhältnis der Zinkisotope hat sich erneut als wertvolles Instrument für paläoökologische Rekonstruktionen bewährt.“
„Diese Methode kann uns viele weitere spannende Einblicke in die Lebensweise prähistorischer Tiere geben und Hinweise geben, wie sich die Meeresgemeinschaften im Laufe der geologischen Zeit verändert haben. Vor allem aber hat sie uns gezeigt, dass auch ‚Superfresser' nicht vor dem Aussterben gefeit sind“, fügt Kenshu Shimada, Paläobiologe an der DePaul University in Chicago und Mitautor der neuen Studie hinzu. Frühere Studien, darunter eine unter der Leitung von McCormack, hatten gezeigt, dass zumindest teilweise das Auftreten des modernen Weißen Hais für das Aussterben von Otodus megalodon verantwortlich ist.
Publikation: Jeremy McCormack, Iris Feichtinger, Benjamin T. Fuller, Klervia Jaouen, Michael L. Griffiths, Nicolas Bourgon, Harry Maisch IV, Martin A. Becker, Jürgen Pollerspöck, Oliver Hampe, Gertrud E. Rössner, Alexandre Assemat, Wolfgang Müller, Kenshu Shimada: Miocene marine vertebrate trophic ecology reveals megatooth sharks as opportunistic supercarnivores. Earth and Planetary Science Letters (2025) https://doi.org/10.1016/j.epsl.2025.119392
Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/172348475
Bildtext:
1) Dr. Jeremy McCormack mit einem versteinerten Megalodon-Zahn (Otodus megalodon). Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität
2) Dr. Jeremy McCormack am Massenspektrometer, mit dessen Hilfe das Zinkisotopen-Verhältnis bestimmt wird, das Auskunft über die Ernährung von Otodus megalodon gibt. Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität
3) Das Modell eines Megalodon kann man sich zum Beispiel im Schlossmuseum Linz in Österreich ansehen. Foto: OÖ Landes-Kultur GmbH
Weitere Informationen
Dr. Jeremy McCormack
Goethe University Frankfurt
Institut für Geowissenschaften
Tel. +49 (0)69 798-40191
mccormack@em.uni-frankfurt.de
https://www.uni-frankfurt.de/69864318/McCormack___Homepage?
Bluesky: @goetheuni.bsky.social @depauluniversity.bsky.social
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt
Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de
Der Bau am nördlichen Eingang zum Campus Westend ist bislang im Zeitplan
Fast genau ein Jahr nach dem offiziellen ersten Spatenstich feiert die Goethe-Universität Richtfest am künftigen Center for Humanities auf dem Campus Westend. Eine Besonderheit ist, dass die Universität das neue Gebäude in Eigenregie erstellen lässt.
FRANKFURT. 2800 Quadratmeter, alles in allem sieben Stockwerke, 180 Büroarbeitsplätze, vier Seminarräume, eine Probebühne und ein großer Multifunktionsraum – dies alles wird das künftige Center for Humanities zu bieten haben, wenn es im Jahr 2026 in Betrieb gehen wird – viel Raum unter anderem für innovative, zukunftsweisende Forschungsprojekte, die aus Drittmitteln gefördert werden. Sein Standort auf dem Campus Westend in direkter Nachbarschaft zum 2022 fertiggestellten Gebäude der Sprach- und Kulturwissenschaften und zum Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation DIPF ist prominent: An der Ecke von Miquel- und Hansallee wird das Center for Humanities schon von weitem das Erscheinungsbild der Universität prägen. Der Rohbau steht, sogar das Dach ist bereits geschlossen – heute wurde Richtfest gefeiert.
„Ich bin begeistert, wie großartig sich der Bau entwickelt hat. Das ist ein gutes Zeichen für die zukünftige Nutzung durch drittmittelgeförderte Forschungsprojekte“, sagte Universitätspräsident Professor Enrico Schleiff beim Richtfest. „Das Projekt ‚Center for Humanities' ist bislang sowohl zeitlich als auch finanziell im Planungsrahmen geblieben. Daran haben alle Beteiligten mit ihrer exzellenten Arbeit mitgewirkt. Allen Gewerken von Planung bis Ausführung gilt mein großer Dank – man sieht dem Gebäude die Begeisterung der dort Arbeitenden an.“
Tatsächlich handelt es sich um das erste Gebäude, für das die Goethe-Universität die gesamte Objektplanung und Finanzierung übernommen hat. Der Entwurf stammt von Esref Yavuz, Leiter der Abteilung Planung und Bauen, der dabei ganz unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt hat. Von Osten und Westen wird das Gebäude ebenerdig zugänglich sein, man gelangt in das großzügige Foyer und kann in einen zweigeschossigen verglasten Raum schauen, der für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt werden kann. Auf der anderen Seite des Foyers befindet sich die Probebühne, die sich vom Untergeschoss ins Erdgeschoss erstreckt und die auch von außen einsichtig ist. Die Bühne steht für Proben und Aufführungen der Studierenden des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaften zur Verfügung und kann auch vom Universitätsorchester und von der Medientechnik der Universität genutzt werden. „Die Proben von draußen beobachten zu können, das stelle ich mir sehr spannend vor“, sagt Stephanie Köhler-Frank, die als unizugehörige Architektin die Projektleitung innehat. Ein bis zweimal wöchentlich besucht Köhler-Frank die Baustelle, macht sich ein Bild von den Fortschritten, spricht mit der Bauleitung. In ihre Planungsbesprechungen fließen die Erfahrungswerte aus unispezifischer Nutzung ein – ein nicht zu unterschätzender Vorteil bei den vielen Entscheidungen, die zu treffen sind.
Im Erdgeschoss des Center for Humanities befinden sich außerdem ein Seminarraum und ein Büro. Drei weitere Seminarräume sind im ersten Obergeschoss angelegt, außerdem Lernbereiche für Studierende. In den Stockwerken zwei bis fünf werden rund 180 Büroarbeitsplätze vor allem für Drittmittelprojekte eingerichet – zum Teil in Zellen- zum Teil in Gruppenbüros. Mit der Ausführungsplanung ist das Architekturbüro ArGe Architekten beauftragt, die Gesamtkosten sind auf rund 20 Millionen Euro veranschlagt.
„Das Center for Humanities wird ein ‚Schaufenster' für Forschung, Lehre und Kunst, offen für alle Fachbereiche der Goethe-Universität Frankfurt. Mit dem Bau ergänzt die Hochschule ihren geistes- und sozialwissenschaftlichen Campus Westend – und geht einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg, die Einrichtungen des Campus Bockenheim auf den Campus Westend und den Campus Riedberg zu verlagern. Wir als Landesregierung unterstützen diese Standortneuordnung und haben dafür bereits über eine Milliarde Euro aus dem Hochschulbauinvestitionsprogramm HEUREKA investiert. Wir vertrauen auf die Kompetenz der universitätseigenen Bauverwaltung und haben ihr für diesen Bau die projektbezogene Bauherrschaft übertragen, was der Universität die eigenständige Umsetzung dieser Baumaßnahme ermöglicht“, erklärt der Hessische Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Timon Gremmels.
Ein Bild zum Download finden Sie unter: https://www.uni-frankfurt.de/172939115
Bildtext: Der Rohbau ist abgeschlossen, das künftige Center for Humanities ist im Zeitplan. Hier ein Blick vom Baukran. (Foto: Mustafa Omrovic)
Weitere Informationen
Vanessa Fuchs
Assistentin Abteilung Planen und Bauen, Goethe-Universität
Telefon 069 798-13828
Email v.fuchs@em.uni-frankfurt.de
Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de
Mit der ersten Patientin, die ihre Bioproben und klinischen Daten zur Verfügung gestellt hat, ist jetzt der Startschuss für die Arbeit des „Fachnetzwerks Infektionen“ gefallen. Das Fachnetzwerk unterstützt klinische und klinisch-epidemiologische Studien im Bereich der Infektionsmedizin. Es ist das erste Fachnetzwerk im Studiennetzwerk des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM).
Ziel ist es, klinische Studien schneller und effektiver umzusetzen. Dafür werden an mehreren Standorten klinische Daten und Bioproben von Patientinnen und Patienten mit Infektionskrankheiten systematisch erhoben. Die entstehende Kohorte bildet eine wertvolle Grundlage, um die medizinische Forschung in Deutschland gezielt voranzutreiben, neue Therapieansätze zu entwickeln und auf zukünftige pandemische Entwicklungen frühzeitig und fundiert reagieren zu können.
Erste Studie gestartet
Insgesamt sind 15 universitäre Standorte an einer ersten Studie des Fachnetzwerks beteiligt. Die Standorte werden bis 2030 Patientinnen und Patienten in eine Studienkohorte aufnehmen. Am Standort des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf wurde nun die erste Patientin gewonnen; sie ist an einer Infektion mit dem Dengue-Virus erkrankt. Auch die Universitätsmedizin Frankfurt hat mit der Rekrutierung von Patientinnen und Patienten begonnen.
„Der Start dieser Studie ist ein großer Erfolg für die klinische Infektionsforschung in Deutschland. Die erhobenen Daten und Proben werden entscheidend dazu beitragen, die Versorgung und Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Infektionskrankheiten zu verbessern“, sagt Prof. Dr. Marylyn M. Addo, Studienleiterin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Der Zusammenschluss im Netzwerk Universitätsmedizin ermöglicht es uns, im internationalen Wettbewerb in der klinischen Forschung wieder ganz vorne mitspielen zu können. Das NUM Studiennetzwerk mit seinem Fachnetzwerken wird in erheblichen Maßen dazu beitragen“, ergänzt Prof. Dr. Janne Vehreschild, Sprecher der Studie und Direktor des Instituts für Digitale Medizin und Klinische Datenwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Zusammenarbeit als Schlüssel
Die Studie basiert auf einer modularen Struktur, die verschiedene Infektionskrankheiten und ihre spezifischen Subtypen untersucht. Zu Beginn der Studie werden dabei fünf große Bereiche der Infektionsforschung in den Fokus genommen: Atemwegsinfektionen, Blutstrominfektionen, Infektionen des Magen-Darm-Trakts, Infektionen durch neue Erreger und Infektionen des Hirns und des Nervensystems. Um die notwendigen Informationen frühzeitig vorliegen zu haben, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Standorten, aber auch unter den Fachbereichen eines Standortes besonders wichtig.
Masterstudienprotokoll als wichtiger Schritt in der Infektionsforschung
Im Fokus des Fachnetzwerks steht ein „Masterstudienprotokoll“, ein innovatives Konzept, das die Sammlung klinischer Patientendaten und Bioproben in standardisierter und qualitätsgesicherter Weise ermöglicht. Es wurde entwickelt, um eine flexible, jederzeit einsatzbereite Infrastruktur zu schaffen, die sich dynamisch an aktuelle wissenschaftliche Herausforderungen anpassen kann. Damit schafft es auch erstmalig eine wirklich Pandemiebereitschaft: Im Ernstfall ist das Netzwerk so angelegt, dass es ohne weiteren Vorlauf sofort Bioproben und Daten zu neuen Erregern standardisiert und qualitätsgesichert gewinnen und mit der wissenschaftlichen Gemeinschaft teilen kann. Diese hochwertigen Sammlungen, die früh bei auftretenden Gesundheitskrisen zur Verfügung stehen, sind essenziell für die bestmögliche Versorgung der Betroffenen und die Information von politischen Entscheidungen zu notwendigen Maßnahmen. Weiterhin unterstützt das Masterstudienprotokoll dabei, Änderungen der Epidemiologie schwerwiegender Infektionen, also zum Beispiel ein vermehrtes Auftreten von Lungenentzündungen bei einer neuen Grippewelle, frühzeitig zu erkennen.
Ausblick
Das NUM Studiennetzwerk setzt mit seinen Fachnetzwerken neue Maßstäbe der nationalen Zusammenarbeit in der klinischen Forschung. Die gewonnenen Bioproben und Daten stehen nach Prüfung der Anträge der wissenschaftlichen Gemeinschaft frei zur Verfügung und bieten damit eine fundierte Grundlage für weiterführende wissenschaftliche Analysen. Hierdurch können Behandlungsmaßnahmen verbessert und die Gesundheitsvorsorge gestärkt werden. In Zukunft sollen weitere Fachnetzwerke gegründet werden, in konkreter Vorbereitung sind aktuell Maßnahmen für die Intensiv- und Schlaganfallmedizin. Neben der Erhebung von eigenen Bioproben und Daten sollen auch strukturelle Leistungen die Durchführung von klinischen Studien zu neuen Behandlungsmethoden an deutschen Unikliniken vereinfachen und beschleunigen.
Über das NUM Studiennetzwerk und das Fachnetzwerk Infektionen
Das NUM Studiennetzwerk ist eine zentrale Initiative zur Verbesserung der Effizienz und Qualität klinischer und klinisch-epidemiologischer Studien in Deutschland. Ziel ist die Optimierung von Prozessen, die Vernetzung von Akteurinnen und Akteuren und die Beschleunigung der klinischen Forschung, insbesondere in Notfallsituationen wie Pandemien.
Das Fachnetzwerk Infektionen erfasst standardisiert Patientendaten und Bioproben, um Schlüsselerkrankungen in der Infektionsmedizin zu erforschen. Es schafft eine Basis für die Beobachtung von Infektionsgeschehen, unterstützt bestehende Studien und ermöglicht neue Forschungsvorhaben zur Verbesserung von Diagnose und Behandlung.
Über das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM)
Im NUM führen erstmalig alle 37 deutschen Standorte der Universitätsmedizin gemeinsam große interdisziplinäre klinische Forschungsprojekte durch. Gestartet, um die COVID-19-Forschung der deutschen Universitätsmedizin zu koordinieren, liegt der Schwerpunkt heute auf der gemeinsamen Erhebung und Nutzung komplexer medizinischer Forschungsdaten im klinischen Kontext. Dafür hat das Netzwerk spezialisierte Forschungsinfrastrukturen aufgebaut:
https://www.netzwerk-universitaetsmedizin.de/
Herausgeber: Der Vorstand der Universitätsmedizin Frankfurt. Redaktion: Christoph Lunkenheimer, Pressesprecher, Stabsstelle Kommunikation, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt am Main, Telefon: +49 69 63 01 – 86 44 2, E-Mail: christoph.lunkenheimer@unimedizin-ffm.de
Beide Anträge zur Spitzenforschung an der Goethe-Universität erfolgreich im Exzellenzwettbewerb – RMU will Exzellenzverbund werden
Beide antragstellenden Forschungsverbünde erhalten an der Goethe-Universität künftig Förderung aus der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligte den Neuantrag der Clusterinitiative SCALE (Zellstrukturen) auf eine Förderung als Exzellenzcluster ebenso wie den Antrag des bestehenden Exzellenzclusters Cardio-Pulmonary Institute (CPI) für Herz- und Lungenforschung auf weitere Förderung. Auch an der TU Darmstadt und der Gutenberg-Universität Mainz wird es ab 2026 insgesamt drei Exzellenzcluster geben. Damit werden die drei in der Rhein-Main-Universität (RMU) zusammengeschlossenen Hochschulen einen Antrag auf Förderung als Exzellenzverbund stellen.
FRANKFURT. Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität, gratuliert den Forschenden zu ihrem Erfolg: „Die vielen Stunden Arbeit und die klugen Gedanken, die in die Projekte und die Anträge geflossen sind, haben sich voll ausgezahlt – herzlichen Glückwunsch! Es ist großartig, dass sich in diesem intensiven Wettbewerb gleich beide gemeinsam mit unseren Partnern eingereichten interdisziplinären Projekte durchsetzen konnten. Mein Dank geht an dieser Stelle an alle beteiligten Forscher*innen, aber ganz besonders an die Sprecher*innen, die in den vergangenen Monaten die Anträge vorbereitet und verteidigt haben, an Michaela Müller-McNicoll, Inga Hänelt und Martin Beck von SCALE und an das CPI-Leitungsteam Stefanie Dimmeler, Susanne Herold und Thomas Braun! Der Erfolg ermöglicht es uns, die Forschung zu diesen Schwerpunkten in unseren Profilbereichen Structures & Dynamics of Life (SCALE) und Science for Health (CPI) auszubauen und zu intensivieren. Spitzenforschung ist die Grundlage für Erkenntnisse, die uns helfen, Zusammenhänge zu verstehen und Krankheiten zu heilen.“
„Die Ideen der Cluster haben mich von Anfang an begeistert: Der Bau eines digitalen Abbildes menschlicher Zellen wird uns ungeahnte Möglichkeiten eröffnen, die Natur zu verstehen und zukünftig neue Therapien für Krankheiten digital zu testen. Und auch Antworten auf die Frage, wie das Herz, die Lunge, die Gefäße miteinander kommunizieren und wechselwirken und wie sich dies mit dem Alter verändert, werden zu ganz neuen Vorbeugungs- und Behandlungswegen für Herz- und Lungen-Krankheiten führen. Es beflügelt auch die Lehre, wenn Studierende bei diesen Entwicklungen dabei sein und auch die Zusammenarbeit mit Partnern in Wirtschaft und Gesellschaft erleben können.“
„Ich gratuliere auch unseren Kolleg*innen der beiden RMU-Partneruniversitäten in Darmstadt und Mainz, die mit zusammen drei weiteren Anträgen erfolgreich waren. Damit können und werden wir einen gemeinsamen Antrag auf Förderung als Exzellenzverbund stellen“, ergänzt Schleiff. „Wir sind überzeugt, dass sich die drei Universitäten in der starken Wissenschaftsregion in einer Weise ergänzen, deren Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist.“
„Die Forscher*innen beider antragstellenden Cluster, aber auch die vielen weiteren Mitarbeiter*innen der beteiligten Institutionen und der Universität haben die Anträge mit großem und bewundernswertem Engagement vorangetrieben“, sagt Prof. Bernard Brüne, Vizepräsident der Goethe-Universität für Forschung. „Eine Atempause werden viele von ihnen jetzt leider nicht haben können: Wir werden nun gemeinsam die RMU-Bewerbung vorbereiten – mit diesem großartigen Erfolg als Rückenwind.“
SCALE: Subcellular Architecture of Life. Zellen bestehen aus Milliarden von Molekülen, die von Einzelmolekülen über große Molekülkomplexe bis hin zu Organellen organisiert sind. Obwohl die Funktionen vieler einzelner Moleküle inzwischen gut charakterisiert sind, bleibt vielfach unklar, wie die zelluläre Architektur entsteht, funktioniert und wie ihre Bestandteile miteinander interagieren. Die Wissenschaftler*innen von SCALE wollen die Selbstorganisationsprinzipien der Zelle aufdecken und eine räumlich wie zeitlich hochaufgelöste Simulation der Zelle erstellen. So wollen sie besser verstehen, wie Zellen wirklich funktionieren und wie ihre verschiedenen „Maschinen“ zusammenarbeiten.
Mehr unter: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/unireport/zellulaere-architekturen-scale/
Projektpartner:
Goethe-Universität Frankfurt (Antragstellerin)
Max-Planck-Institut für Biophysik (MPIBP), Frankfurt
Max-Planck-Institut für Hirnforschung (MPIBR), Frankfurt
Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS)
Universität des Saarlandes
Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
Website: https://scale-frankfurt.org
CPI: Cardio-Pulmonary Institute.
Herz- und Lungenerkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Eine alternde Bevölkerung und neue Risikofaktoren wie Umweltbelastungen oder Infektionen machen ihre Behandlung zunehmend komplexer. Das Cardio-Pulmonary Institute (CPI) –der Universitäten Gießen und Frankfurt sowie des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung will mit innovativer Forschung neue Wege in der Medizin aufzeigen. Unter dem Motto „Präzisionsbiologie treibt Präzisionsmedizin“ erforscht das CPI, wie Herz und Lunge funktionieren, altern und erkranken – und wie man sie gezielt behandeln kann. Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen und Kliniken arbeiten gemeinsam an neuen Therapien, die individuell auf Patient*innen zugeschnitten sind. Moderne Datenanalyse, klinische Studien und digitale Methoden helfen, Forschungsergebnisse schnell in die medizinische Praxis zu übertragen. Der Cluster wurde erstmals von 2006 bis 2018 als „Excellence Cluster Cardio-Pulmonary System“ gefördert und konnte sich 2019 erneut als Exzellenzcluster Cardio-Pulmonary Institute durchsetzen.
Mehr unter: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/unireport/herz-und-lungenerkrankungen-cardiopulmonary-institute-cpi/
Projektpartner:
Goethe-Universität Frankfurt und Justus-Liebig-Universität Gießen (gemeinsame Antragstellerinnen)
Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung, Bad Nauheim
Derzeitige Förderung als Exzellenzcluster: 2019–2025 (45 Millionen Euro)
Website: https://www.cpi-online.de/
Die Goethe-Universität ist außerdem als Partnerin an folgenden erfolgreichen Anträgen beteiligt:
RAI – Reasonable Artificial Intelligence
Der Cluster erforscht KI-Systeme, die nicht nur lernen, sondern auch neuartige Fakten erfassen und diese mit Formen abstrakten Denkens verknüpfen. So sollen die KI-Systeme logische Schlussfolgerungen ziehen und kontextbezogene Entscheidungen treffen und daraus wieder lernen.
Projektpartner:
TU Darmstadt (Antragstellerin)
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Goethe-Universität Frankfurt
Universität Tübingen
Universität des Saarlandes
Universität Bremen
TAM – The Adaptive Mind
The Adaptive Mind ist ein Forschungscluster, der Wissenschaftler*innen aus der experimentellen Psychologie, der klinischen Psychologie und der KI zusammenbringt, um zu verstehen, wie sich der menschliche Geist erfolgreich an veränderte Bedingungen anpasst und was passiert, wenn diese Anpassungsprozesse versagen.
Projektpartner:
Justus-Liebig-Universität Gießen (Antragstellerin)
Philipps-Universität Marburg (weitere Antragstellerin)
TU Darmstadt (weitere Antragstellerin)
Goethe-Universität Frankfurt
Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS)
Mit der Exzellenzstrategie wollen Bund und Länder wissenschaftliche Spitzenleistungen, Profilbildung und Kooperationen im Wissenschaftssystem unterstützen. Für die Förderlinie „Exzellenzcluster“ wurden insgesamt 143 Antragsskizzen für neue Exzellenzcluster im Sommer 2023 bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingereicht. 41 davon wurden 2024 zu Vollanträgen für die Förderung als Exzellenzcluster zugelassen, zusätzlich zu 57 bestehenden Clustern, die eine Weiterförderung beantragen konnten. Damit hatte die DFG über 98 Anträge zu entscheiden und bewilligte jetzt 70 davon. Förderbeginn ist der 1. Januar 2026. Auf Basis erfolgreicher Exzellenzcluster können sich Universitäten nun für die Förderlinie Exzellenzuniversität bewerben, über die im Herbst 2026 entschieden wird. Einzeluniversitäten müssen dafür über mindestens zwei, Verbünde über mindestens drei Exzellenzcluster verfügen.
Ein Erfolg im Exzellenwettbewerb ist für Universitäten nicht nur wegen der finanziellen Unterstützung aus Bundesmitteln wichtig, die unabhängig vom Landeshaushalt fließen. Er dient auch der nationalen und internationalen Sichtbarkeit, da das Programm international als Elite-Förderprogramm angesehen wird. Exzellenzcluster können fachübergreifende Forschungsfelder mit einer langfristigen Perspektive bearbeiten, Forschung und Infrastrukturen gemeinsam mit außeruniversitären Partnern weiterentwickeln und erhöhen die Attraktivität der Universität als Forschungs- und als Studienort. Die Rhein-Main-Universitäten wollen als Allianz ihre Attraktivität durch vielfältige gemeinsame und komplementäre Angebote in Forschung und Lehre stärken, Wissenschaftler*innen und Beschäftigte besser fördern und Synergien bei Infrastruktur und Transfer heben. Damit wollen sie auch dazu beitragen, die Region als international sichtbares Wissenschaftszentrum zu profilieren. Dafür wäre ein erfolgreicher Antrag als Verbund im Exzellenzuniversität-Wettbewerb eine außerordentliche Stärkung, insbesondere im internationalen Kontext.
Redaktion: Volker Schmidt, Leiter Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: 069 798-13035, v.schmidt@em.uni-frankfurt.de
„Fixing Futures“: Symposium, Buchvorstellung und Dialogführungen im Museum Giersch der Goethe-Universität
FRANKFURT. Im Juni 2025 steht das MGGU - Museum Giersch der Goethe-Universität ganz im Zeichen der Zukünfte. Mit einer Reihe multidisziplinärer Veranstaltungen – vom internationalen Symposium über die Buchvorstellung von Josh Wodak bis zu Dialogführungen und Workshops – lädt das Museum zum Austausch über die Herausforderungen und Chancen von morgen ein.
Symposium „Seeing the Unforeseeable: Art, Science, and the Imagining of Futures“
Samstag, 14. Juni 2025, 14:00–19:00 Uhr
Wie können Kunst und Wissenschaft helfen, Zukünfte zu denken, die noch nicht sichtbar sind? In einem multidisziplinären Symposium bringen Dr. Steven Gonzalez und Dr. Julia Schubert renommierte Künstler*innen und Wissenschaftler*innen zusammen, um über spekulative Visionen, technologische Utopien und die Verantwortung für planetare Zukünfte zu diskutieren. Im Fokus stehen die Wechselwirkungen zwischen Kunst, Wissenschaft und Technologie und neue Perspektiven, die durch ihre Zusammenarbeit entstehen.
Programm:
14:00 Uhr – Podiumsdiskussion mit Q&A
Dr. Steven Gonzalez und Dr. Julia Schubert (Goethe-Universität Frankfurt) im Gespräch mit Jordan Rita Seruya Awori (Künstler*in), Prof. Dr. Bodhisattva Chattopadhyay (Universität Oslo), Prof. Dr. Mi You (Universität Kassel) und Dr. Joshua Wodak (Western Sydney University)
16:00 Uhr – Dialogführung durch die Ausstellung „Fixing Futures“ mit Jordan Rita Seruya Awori und Joshua Wodak
18:00 Uhr – Keynote Lecture
Prof. Dr. Bodhisattva Chattopadhyay (Universität Oslo)
Sprache: Englisch; Eintritt frei, Anmeldung erforderlich: anmeldung@mggu.de
Buchvorstellung: Josh Wodak – „Petrified. Living During a Rupture of Life on Earth“
Sonntag, 15. Juni 2025, 11:00 Uhr
Josh Wodak, Künstler und Wissenschaftler, stellt sein neues Buch „Petrified. Living During a Rupture of Life on Earth“ vor. Das Werk thematisiert die ökologischen wie gesellschaftlichen Krisen der Gegenwart. Wodak verbindet philosophische Reflexionen mit künstlerischen und lyrischen Elementen und lädt ein, neue Denk- und Handlungsmöglichkeiten für globale Umbrüche zu entwickeln. Im Anschluss vertieft eine Diskussion die zentralen Themen des Buches.
Sprache: Englisch; Eintritt frei, ohne Anmeldung
Kooperation mit dem Käte Hamburger Kolleg für Apokalyptische und Postapokalyptische Studien, Universität Heidelberg
Kunst und Wissenschaft im Dialog
Die Ausstellung „Fixing Futures. Planetare Zukünfte zwischen Spekulation und Kontrolle“ zeigt noch bis 31. August 2025 internationale künstlerische und wissenschaftliche Visionen zur aktiven Gestaltung unserer Zukünfte und widmet sich den Herausforderungen einer sich wandelnden Welt. Begleitend bietet das Museum eine Reihe von Dialogführungen und Workshops an, die Besucher*innen einladen, die Themen der Ausstellung zu vertiefen und eigene Zukunftsideen zu entwickeln.
Object Lesson – Gesammelte Zukünfte
Dienstag, 17. Juni 2025, 18:00 Uhr
Eine interaktive Veranstaltung, bei der Objekte aus den Sammlungen der Goethe-Universität neue Perspektiven auf Zukunftsvorstellungen eröffnen.
Eintritt frei, ohne Anmeldung
Dialogführung: Kunst und Wissenschaft im Gespräch
Mittwoch, 25. Juni 2025, 17:00 Uhr
Dr. Manpreet Jattana, Quantenphysiker, führt gemeinsam mit einer Kunstvermittlerin durch die Ausstellung und gibt Einblicke in die Schnittstellen zwischen Kunst, Wissenschaft und Zukunftsforschung.
Preis: 4 € (zzgl. Eintritt) | Anmeldung erforderlich: anmeldung@mggu.de
Direktorinnenführung
Donnerstag, 26. Juni 2025, 18:00 Uhr
Mit Ina Neddermeyer
Preis: 4 € (zzgl. Eintritt) | ohne Anmeldung
MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main. https://www.mggu.de/
Ansprechpartnerin für die Presse: Christine Karmann
Tel. (069) 138210121; E-Mail: presse@mggu.de
Texte und Bilder zum Download für die Presse: www.mggu.de/presse
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Fünfteilige Reihe von Goethe-Universität und Physikalischem Verein macht Mathematik lebendig
FRANKFURT. Mathematik ist weit mehr als Zahlen und Formeln – sie ist eine präzise, elegante Sprache, mit der wir die Welt beschreiben, analysieren und gestalten können. Unter dem Titel „Die Frankfurter Mathematik“ geben Wissenschaftler*innen des Instituts für Mathematik der Goethe-Universität Frankfurt ab dem 28. Mai 2025 spannende Einblicke in ihre aktuellen Forschungsgebiete. Die Vortragsreihe findet im Rahmen des Programms „NaturWissenschaft und Technik“ des Physikalischen Vereins statt.
Ob Optimierung, Geometrie, Stochastik oder die geheimnisvolle p-adische Welt – die Themen sind vielseitig und zeigen, wie lebendig Mathematik sein kann. Die Veranstaltungen richten sich an alle, die sich für Mathematik interessieren – und die es vielleicht noch werden möchten.
28. Mai 2025
19:30 Uhr
Von Optimierungsstrategien zu kollidierenden Partikeln
Prof. Dr. Raman Sanyal
Hörsaal des Physikalischen Vereins
Robert-Mayer-Straße 2, 60325 Frankfurt am Main
Alle Vorträge beginnen um 19:30 Uhr und finden im Hörsaal des Physikalischen Vereins statt. Der Eintritt ist frei.
Die Veranstaltungsreihe wird von der Dr. Senckenbergischen Stiftung gefördert.
Weitere Informationen zur Vortragsreihe finden Sie auf der Website des Physikalischen Vereins: www.physikalischer-verein.de/vortraege/naturwissenschaft-und-technik.html
Weitere Termine und Themen im Überblick:
5. Juni 2025
Bewegte Geometrie
Prof. Dr. Julian Scheuer
11. Juni 2025
Ein Ausflug in die p-adische Welt
Prof'in Dr. Annette Werner
18. Juni 2025
Zufall in epidemiologischen Prozessen
Prof'in Dr. Cornelia Pokalyuk
25. Juni 2025
Stochastische Analyse von Algorithmen
Prof. Dr. Ralph Neininger
Information: Prof. Dr. Raman Sanyal, Geschäftsführender Direktor, Institut für Mathematik, Fachbereich Informatik und Mathematik, sanyal@math.uni-frankfurt.de
Redaktion: Dr. Phyllis Mania, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13001, Fax 069 798-763-12531, mania@physik.uni-frankfurt.de
Mathematik und Biowissenschaften profitieren von DFG-Programm zur Förderung von Wissenschaftler*innen in frühen Karrierephasen
Warum bilden Seifenblasen eine Kugelform? Und woher wissen Fette, wo sie in der Zelle hingehören? Zwei neue Forschungsgruppen an der Goethe-Universität widmen sich fundamentalen Fragen der Analysis und Zellbiologie: Dr. Tobias König erforscht die Stabilität geometrischer Funktionalungleichungen. Prof. Dr. Till Stephan untersucht, wie Lipide an den Kontaktstellen zwischen Zellorganellen hergestellt und verteilt werden. Beide Projekte wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Emmy Noether-Programms bewilligt.
FRANKFURT. Die Goethe-Universität freut sich über zwei Emmy Noether-Förderzusagen der Deutschen Forschungsgemeinschaft: Dr. Tobias König vom Institut für Mathematik und Prof. Dr. Till Stephan vom Institut für Molekulare Biowissenschaften haben sich mit ihren Vorhaben durchgesetzt. Mit der Förderung erhalten sie die Möglichkeit, jeweils eine eigene unabhängige Nachwuchsgruppe aufzubauen. Insgesamt fließen damit mehr als 3,1 Millionen Euro an Fördermitteln an die Goethe-Universität – eine wichtige Stärkung für den Forschungsstandort Frankfurt. Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff würdigt die Bewilligungen als wichtigen Erfolg: „Die Einrichtung zweier Emmy Noether-Projekte an der Goethe-Universität zeigt die herausragende Qualität unserer jungen Wissenschaftler*innen. Ich gratuliere Dr. König und Prof. Stephan herzlich – und wünsche bei der Umsetzung ihrer Projekte viel Erfolg und Spaß.“
Mathematische Stabilität natürlicher Phänomene
Dr. Tobias König wird mit seiner Emmy Noether-Förderung, die bis zu 1,3 Millionen Euro beträgt, das Forschungsprojekt „Geometric functional inequalities and their stability“ aufbauen. Darin geht es um zentrale mathematische Ungleichungen, die natürlichen Phänomenen zugrunde liegen – etwa warum Lichtstrahlen den kürzesten Weg nehmen oder Seifenblasen rund sind. Solche Erscheinungen lassen sich über das Konzept der Energie erklären, aber bislang ist wenig darüber bekannt, wie stabil diese optimalen Zustände gegenüber kleinen Abweichungen sind.
„Wir fragen: Wie sehen fast optimale Lösungen aus, wenn sie nicht genau dem Ideal entsprechen? Und warum können fast optimale Lösungen nicht völlig anders als die optimalen aussehen?“, sagt König. „Ziel ist es, neue mathematische Werkzeuge zu entwickeln, um diese Fragen systematisch zu beantworten. Damit wollen wir nicht nur zur Weiterentwicklung der Analysis beitragen, sondern auch das Verständnis der mathematischen Grundlagen vieler Naturphänomene vertiefen.“
Tobias König studierte Mathematik und Theoretische Physik an der LMU München sowie an der École normale supérieure in Paris. Er promovierte an der LMU mit einer Arbeit zu symmetrischen Lösungen variationeller Probleme. Es folgten Postdoc-Stationen in Paris und Frankfurt.
Wie Zellen ihren Lipidstoffwechsel organisieren
Prof. Dr. Till Stephan, seit dem 1. Mai 2025 Professor an der Goethe-Universität Frankfurt, untersucht in seinem aktuellen Forschungsprojekt einen zentralen, bislang nur unzureichend verstandenen Prozess der Zellbiologie: den Transport und die Synthese von Lipiden – also bestimmten fettähnlichen Molekülen – zwischen verschiedenen Zellorganellen. Im Mittelpunkt stehen dabei Kontaktstellen zwischen dem endoplasmatischen Retikulum, der Hauptproduktionsstätte zellulärer Lipide, und den Mitochondrien, den „Kraftwerken“ der Zelle. An diesen hochspezialisierten Schnittstellen findet ein gezielter Lipidaustausch statt, der für den zellulären Stoffwechsel essenziell ist. Störungen dieses Prozesses werden mit verschiedenen neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer in Verbindung gebracht.
„Zellen organisieren ihre innere Architektur mit erstaunlicher Präzision. Mich interessiert, wie das komplexe Zusammenspiel zweier zentraler Zellorganellen die Lipidhomöostase aufrechterhält – und wie uns dieses Wissen helfen kann, Krankheitsmechanismen besser zu verstehen“, erklärt Stephan. In seinem mit bis zu 1,8 Millionen Euro geförderten Projekt kommen biochemische Verfahren, Massenspektrometrie sowie hochmoderne bildgebende Technologien zum Einsatz, insbesondere die sogenannte Super-Resolution Fluoreszenzmikroskopie. Ein kürzlich für den Campus Riedberg separat bewilligtes STED-Mikroskop – ein spezielles Lichtmikroskop, mit dem sich Strukturen innerhalb lebender Zellen weit unterhalb der klassischen Auflösungsgrenze sichtbar machen lassen – bildet dabei eine zentrale Grundlage der geplanten Forschungsarbeiten.
Till Stephan studierte Biochemie an der Leibniz Universität Hannover sowie an der Medizinischen Hochschule Hannover. 2020 wurde er an der Georg-August-Universität Göttingen mit einer Arbeit zur ultrastrukturellen Organisation von Mitochondrien promoviert. Bis zu seinem Wechsel an die Goethe-Universität Frankfurt forschte er als Postdoktorand am Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften in Göttingen.
Till Stephan ist unter anderem Mitglied im Forschungsverbund SCALE (SubCellular Architecture of LifE), der sich aktuell im Rennen um die Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder befindet.
Über das Emmy Noether-Programm
Das Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet sich an besonders qualifizierte junge Forschende, die durch eine eigene Nachwuchsgruppe frühzeitig wissenschaftliche Selbstständigkeit erlangen sollen. Die Förderung ist mit einer Laufzeit von bis zu sechs Jahren verbunden und gilt als wichtige Qualifikationsstufe für eine Hochschulprofessur.
Bilder zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/172486727
Bildtext: Dr. Tobias König (links, Foto: privat) und Prof. Dr. Till Stephan (Foto: Miriam Merkel).
Weitere Informationen
Dr. Tobias König
Institut für Mathematik
Goethe-Universität Frankfurt
069 798 22502
koenig@math.uni-frankfurt.de
Prof. Dr. Till Stephan
Institut für Molekulare Biowissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
069 798 42716
t.stephan@em.uni-frankfurt.de
Redaktion: Dr. Phyllis Mania, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13001, Fax 069 798-763-12531, mania@physik.uni-frankfurt.de
Im Rahmen der Bürger-Universität informieren Spezialisten des Herzzentrums der Universitätsmedizin Frankfurt rund um das Thema „Herzgesundheit“
FRANKFURT. Was muss ich tun, um mein Herz gesund zu erhalten? Wie werden heute Erkrankungen mit modernen Methoden erkannt und individuell behandelt? Um diese Fragen geht es bei dem dreistündigen Themennachmittag des Herzzentrums der Universitätsmedizin Frankfurt. Erklärt wird etwa die Funktion und Krankheitsbilder des Herzens, wie Ultraschalltechnologie ein detailliertes Bild vom Herzen erstellt, ohne in den Körper einzudringen, wie Herzrhythmusstörungen minimal-invasiv mit hochmodernen medizinischen Verfahren behandelt werden können und welche Möglichkeiten Smartwatches und Smartphones zur Herzüberwachung bieten. Die Vorträge werden zum Teil durch praktische Anwendungen ergänzt.
Der Themennachmittag im Rahmen der Bürger-Universität
„Das Herz im Fokus der modernen digitalen Medizin“
findet statt
am 4. Juni, 17 -20 Uhr
im Universitätsklinikum Frankfurt,
Klinik für Kardiologie und Angiologie, Haus 23A,
Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt,
Die Einführung hält der Direktor des Herzzentrums, Prof. Dr. med. David M. Leistner. Die weiteren Referenten gehören wie Leistner selbst dem Exzellenzcluster Cardio Pulmonary Institute (CPI) der Goethe-Universität an. CPI erforscht molekulare Prozesse im Zusammenspiel von Herz und Lunge und was in Zellen und Geweben passiert, wenn Herz und Lunge erkranken. Um innovative Behandlungsmethoden für Patient*innen zu entwickeln, arbeiten in dem Cluster Grundlagenforscher*innen mit Kolleg*innen aus dem klinischen Bereich zusammen.
Um eine Anmeldung wird gebeten unter https://cpi-online.de/news/anmeldung-buergeruni-2025/
Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de