​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​ – 2022

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Jan 14 2022
11:05

Ausstellungs-Präsentation von Götz Aly und Margit Berner an der Goethe-Universität zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus 

„Der kalte Blick: Letzte Bilder jüdischer Familien aus dem Ghetto von Tarnów“

FRANKFURT. Erzwungene Aufnahmen jüdischer Menschen stehen im Zentrum der diesjährigen Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag

Donnerstag, 27. Januar, um 12 Uhr,

zu der das Fritz Bauer Institut und das Präsidium der Goethe-Universität wieder gemeinsam einladen – diesmal online. 

Dr. Margit Berner, Kuratorin am Naturhistorischen Museum Wien, entdeckte im Jahr 1997 im Archiv eine Schachtel mit 565 Porträtaufnahmen. Im Stil von Fahndungsfotos sind darauf Menschen aus dem polnischen Tarnów zu sehen kurz vor ihrer Deportation. Erstellt worden waren die Bilder im Auftrag von Dora Kahlich-Körner und Elfriede Fliethmann, zweier Anthropologinnen. Die Gesichter der Menschen, die die beiden Wissenschaftlerinnen im Dienste der NS-Ideologie auch penibel vermaßen und katalogisierten, bringen vieles zum Ausdruck, zumal Angst und Abscheu. Nur 26 der fotografierten Männer, Frauen und Kinder haben den Holocaust überlebt.

Im Zuge umfangreicher Recherchen gelang es Margit Berner, die Fotos namentlich zuzuordnen und die vielen Schicksale zu dokumentieren. Dabei stieß sie auf eine Veröffentlichung von Götz Aly und Susanne Heim, „Vordenker der Vernichtung“ von 1991. Darin spielen die beiden Anthropologinnen eine Rolle. So entstand die Idee einer gemeinsamen Wanderausstellung. Unter dem Titel „Der kalte Blick. Letzte Bilder jüdischer Familien aus dem Ghetto von Tarnów“ wurde zum einen das ehrgeizige Vorgehen der beiden Wissenschaftlerinnen dokumentiert, zum anderen erzählt die Ausstellung vom Leben der Juden in Tarnów vor 1939 und danach – als Beispiel für Verfolgung und Vernichtung unzähliger jüdischer Gemeinden in dem von Deutschen beherrschten und terrorisierten Polen. Derzeit ist die Ausstellung bis 18. April 2022 als Wiederaufnahme in der Stiftung Topographie des Terrors zu sehen. Zum Ausstellungsteam gehörten außerdem Dr. Stephanie Bohra (Stiftung Topographie des Terrors, Berlin) und Dr. Ulrich Baumann (Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin).

Am 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, werden die Wiener Kuratorin Dr. Margit Berner und der Berliner Historiker Prof. Dr. Götz Aly die Ausstellung online präsentieren.

Seit 2011 kooperieren das Fritz Bauer Institut und das Präsidium der Goethe-Universität, um gemeinsam einen Vortrag oder eine Vorlesung zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz anzubieten. Referent beim Auftakt 2011 war der Rechtshistoriker und Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte Prof. Michael Stolleis, der 2021 verstorben ist.

„Die Goethe-Universität bleibt nicht zuletzt über ihren heutigen Hauptstandort eng mit der Geschichte des Holocaust verbunden: Die IG Farben, die hier ihren Sitz hatte, war ab 1942 über das Buna Werk in Auschwitz-Monowitz verstrickt in die Verbrechen an Zehntausenden Zwangsarbeitern. Über ihre Tochterfirma Degesch verdiente sie am Gas Zyklon B beträchtlich mit, das zur fabrikmäßigen Tötung von Menschen beigetragen hat. Dieser Vergangenheit wollen wir uns stellen, damit sie nicht in Vergessenheit gerät“, sagt Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff.


Information: https://www.fritz-bauer-institut.de/veranstaltungen/veranstaltung/der-kalte-blick

Anmeldung zum Online-Vortrag per E-Mail an anmeldung@fritz-bauer-institut.de, Betreff: „27. Januar 2022“. Die Veranstaltung wird auch als Livestream auf YouTube gezeigt. Hierfür ist keine Anmeldung notwendig.  Link zum YouTube-Livestream: https://youtu.be/bmAyTMDHekQ

Publikation: Der kalte Blick – letzte Bilder jüdischer Familien aus dem Ghetto von Tarnów / The Cold Eye – Final Pictures of Jewish Families from the Tarnów Ghetto. Begleitkatalog zur gleichnamigen Ausstellung (deutsch/englisch), Hg. Naturhistorisches Museum Wien (vertreten durch: Dr. Katrin Vohland), Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas (vertreten durch: Uwe Neumärker), Stiftung Topographie des Terrors (vertreten durch: Dr. Andrea Riedle), Berlin 2020, 272 Seiten, ISBN 978-3-941772-48-9, Euro 18,-

Eine Illustration zum Download finden Sie unter: https://www.uni-frankfurt.de/111359703
(Montage unter Verwendung eines Bildes vom Fotofund aus dem Naturhistorischen Museum Wien „Tarnów Juden 1942“ und zeitgenössischen Messinstrumenten der Anthropologie; Bildautor: Wolfgang Reichmann, Naturhistorisches Museum Wien)


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de 

 

Jan 13 2022
15:00

Wissenschaftsmagazin „Forschung Frankfurt“ der Goethe-Universität zum Thema Bewegung erschienen – Tierökologe Thomas Müller erforscht scheinbar chaotisches Wanderverhalten von Wildtieren in der „Serengeti des Ostens“

Immer in Bewegung: Wie die Mongolische Gazelle den Naturschutz vor Herausforderung stellt

Wenn sich Mongolische Gazellen an grünen Weideplätzen sammeln, können schon mal 100 000 Tiere zusammenkommen. Danach verstreuen sie sich in alle Winde. Warum das so ist und wie diese Tiere angesichts der boomende Wirtschaft der Mongolei geschützt werden können, erklärt der Tierökologe Thomas Müller in der aktuellen Ausgabe von Forschung Frankfurt. Unter dem Titel „bewegt“ fächert das Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität ein facettenreiches Spektrum von Forschungsprojekten, Einschätzungen und Analysen von Forscherinnen und Forschern der Goethe-Universität auf.

FRANKFURT. Noch rund eine Million Gazellen bevölkern eine der letzten intakten Graslandschaften der gemäßigten Zone: die Steppen der östlichen Mongolei. Wenn das Gras in sattem Grün sprießt, sammeln sich riesige Gruppen der Tiere, um es abzuweiden – und verschwinden danach wieder in der ungeheuren Weite der Landschaft. Prof. Thomas Müller, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und Goethe-Universität, untersucht mit seinem Team seit vielen Jahren das scheinbar chaotische Wanderverhalten der Tiere, das weltweit einzigartig ist. Die Zeit drängt, denn die wirtschaftliche Entwicklung in der Mongolei ist auf Konfliktkurs mit diesen Wildtieren: Straßen, Eisenbahnlinien und Ölförderanlagen dringen immer weiter in die Steppe vor. Hier müssen neue Naturschutzkonzepte entwickelt werden, denn selbst die großen Schutzgebiete, die die Mongolei in den vergangenen Jahren eingerichtet hat, werden dem Raumbedarf der Tiere nicht gerecht: Im Laufe ihres Lebens nutzt eine Gazelle ein Gebiet von der Größe Ungarns, schätzt Müller.

In weiteren Beiträgen der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ berichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität über ihre Forschungsprojekte zu verschiedenen Aspekten von Bewegung, zum Beispiel wie sie Computern das Erkennen unterschiedlicher Bewegungen wie „schneiden“ oder „winken“ beibringen, wie die „Zappel-Philipp“-Krankheit ADHS auch noch Erwachsenen zu schaffen macht oder wie sich in der Quantenphysik zwei Bewegungen überlagern, die jeweils nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auftreten. Andere Beiträge wiederum gehen zum Beispiel der Frage nach, wie die fast immer und überall verfügbaren Smartphones das Medium Film verändern oder wie die Integration von Migranten durch Sportvereine gefördert werden kann.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2021) kann von Journalistinnen und Journalisten kostenlos bestellt werden über: ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Alle Beiträge sind online erhältlich unter www.forschung-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 4 2022
15:01

Frankfurter Forscher wird neuer Direktor von Instruct-ERIC

Strukturbiologe Harald Schwalbe von der Goethe-Universität leitet Netzwerk europäischer Forschungsinfrastrukturen

Mit Beginn des Jahres hat das europäische Netzwerk der Forschungsinfrastruktur in der Strukturbiologie, Instruct-ERIC, Professor Harald Schwalbe zu seinem neuen Direktor ernannt. Er tritt damit die Nachfolge von Professor Sir David Stuart von der Universität Oxford an.

OXFORD/FRANKFURT. Die integrierte Strukturbiologie hat in den letzten fünf Jahren ihre Innovationskraft unter Beweis gestellt. Als europaweit verteilte Forschungsinfrastruktur war Instruct-ERIC führend bei dieser technologischen Innovation. Die Großforschungseinrichtungen von Instruct-ERIC bieten die Zugang zu modernster strukturbiologischer Ausrüstung und Techniken.

Die COVID-19-Pandemie hat immer deutlicher gemacht, dass koordinierte Forschung in der Strukturbiologie erforderlich ist, um die Evolution des Virus und die Auswirkungen immer neuer Mutationen in besorgniserregenden Varianten strukturell zu verstehen. Diese koordinierte Forschung wurde in den Instruct-ERIC-Zentren und im Netzwerk Covid19-NMR durchgeführt und hat der Impfstoffentwicklung und Arzneimittelforschung einen enormen Schub gegeben.

Jetzt übernimmt Prof. Harald Schwalbe von der Goethe-Universität Frankfurt als neuer Instruct-ERIC-Direktor das Amt von Prof. Dr. David Stuart von der Oxford University und der Synchrotron-Großforschungseinrichtung Diamond Light Source.

David Stuart kommentierte: „Instruct-ERIC war führend beim Übergang der Strukturbiologie in ein Gebiet, das routinemäßig tiefe Einblicke von der Atomstruktur bis hin zu Zellfunktionen und Krankheiten liefert. Es war ein Privileg, am Aufbau der Infrastruktur beteiligt gewesen zu sein und mit führenden Wissenschaftlern aus ganz Europa zusammenzuarbeiten: Wir haben eine Vision verwirklicht, die heute allgemein akzeptiert wird, aber vor mehr als zehn Jahren weit hergeholt schien. In den kommenden zehn Jahren werden sich die experimentellen Möglichkeiten grundlegend ändern, weil Computertechniken wie KI und Deep Learning helfen werden, die Flut experimenteller Daten besser zu verstehen. Ich freue mich, dass Harald Schwalbe die Leitung von Instruct ERIC übernehmen wird, um diesen spannende Herausforderungen zu begegnen und die Chancen zu nutzen.“

Harald Schwalbe meinte: „Es wird entscheidend sein, die europäische Forschung in der Strukturbiologie zu stärken. In der NMR-Spektroskopie stehen neue 1,2-Gigahertz-Geräte zur Verfügung, die die Grenzen der Festkörper- und Flüssig-NMR-Spektroskopie ausweiten. Technologiefortschritte für Einzelpartikel-Kryo-Elektronenmikroskopie- und Tomographie-Analysen sind beeindruckend. Die Initiativen in der Strukturbiologie wirken sich nicht nur in Europa aus, sondern auch global. Wir müssen den Zugang zu den Technologien bereitstellen, um mit unserer Forschung schnell auf globale Herausforderungen antworten zu können. Angesichts der Pandemie wird es wichtig sein, globale Forschungsanstrengungen zum Nutzen von Grundlagen- und angewandter Forschung zu verknüpfen und schnell auf unmittelbare Bedrohungen und Herausforderungen reagieren zu können. Ich bin sehr dankbar, das Amt von Dave Stuart übernehmen zu dürfen. Dave hat den Weg für eine koordinierte europäische Forschung in der Strukturbiologie geebnet.“

Professor Harald Schwalbe ist durch die Entwicklung von NMR-Methoden und Pulssequenzen und deren Anwendungen auf sehr anspruchsvolle und fundamentale Fragestellungen in Chemie und Biologie international bekannt. Seine Beiträge zur NMR-Forschung haben das Verständnis zahlreicher biologischer Prozesse entscheidend verbessert.

Instruct-ERIC ist eine europaweit verteilte Forschungsinfrastruktur, die den Nutzern High-End-Technologien und -Methoden der Strukturbiologie zur Verfügung stellt. ERIC steht für European Research Infrastructure Consortium und bezeichnet eine spezielle Rechtsform, die den Aufbau und Betrieb von Forschungsinfrastrukturen mit europäischem Interesse auf gemeinnütziger Basis ermöglicht. ERICs werden durch Mitgliedsländer finanziert und von Vertretern der Mitgliedsländer geleitet. Instruct-ERIC besteht aus 15 Mitgliedsländern: Belgien, Tschechische Republik, EMBL, Finnland, Frankreich, Israel, Italien, Lettland, Litauen, Niederlande, Portugal, Slowakei, Spanien und Vereinigtes Königreich. Griechenland hat Beobachterstatus. Über seine spezialisierten Forschungszentren in Europa finanziert und organisiert Instruct-ERIC Forschungsaufenthalte, Schulungen, Praktika und F&E-Preise. Durch die Förderung integrativer Methoden ermöglicht Instruct-ERIC exzellente wissenschaftliche und technologische Entwicklung zum Nutzen aller Lebenswissenschaftler. Mehr auf https://instruct-eric.org/

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/111177368

Bildtext: Prof. Dr. Harald Schwalbe, Goethe-Universität Frankfurt (Foto: Jürgen Lecher für Goethe-Universität)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Harald Schwalbe
Institute for Organic Chemistry and Chemical Biology
Center for Biomolecular Magnetic Resonance (BMRZ)
Goethe University Frankfurt
Tel: +49 69 798-29737
schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de
http://schwalbe.org.chemie.uni-frankfurt.de/

Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de