​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Jun 18 2021
09:43

Öffentliche Tagung vom 23. bis 25. Juni: Historikerinnen und Historiker der Goethe-Universität über das Zusammenleben von Juden und Christen in Frankfurt bis zur Einrichtung der Judengasse im Jahr 1460

Die verlorene Mitte 

Von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis zur Einrichtung der Judengasse Mitte des 15. Jahrhunderts lebten Juden und Christen gemeinsam mitten in der Stadt. Wie sich dieses Zusammenleben gestaltete, zeichnet vom 23. bis zum 25. Juni eine internationale Tagung der Forschungsgruppe „Polyzentrik und Pluralität vormoderner Christentümer“ unter der Leitung der Historikerin Prof. Dr. Dorothea Weltecke nach.

FRANKFURT. Man sah und hörte einander und begegnete sich im Alltag: Von der Mitte des 12. Jahrhunderts an siedelten Juden in der Mitte der Stadt. Jüdische Ärzte versahen als Stadtärzte ihren Dienst im Frankfurter Hospital zum Heiligen Geist, zentrale jüdische Gebäude standen neben kirchlichen. Zwar war Frankfurt weder ein bedeutendes kirchliches noch ein rabbinisches Zentrum – in dieser Hinsicht war die Stadt das Hinterland von Mainz –, dennoch bündelte es Funktionen. Die Wege von Juden und Christen in der Stadt waren ebenso verwoben wie ihre geschäftlichen Beziehungen. Auch wenn die jüdische Gemeinde in dieser Zeit zweimal, in den Jahren 1241 und 1348, durch Verfolgung ausgelöscht wurde, wurde die Mitte der Stadt jedes Mal erneut ihr Lebensort. Erst mit der Einrichtung der Judengasse an der Staufermauer im Jahr 1460 wurden die Juden von dort vertrieben, die Synagoge abgerissen und das gemeinsame Zentrum zerstört.

Die Etappen dieser Frankfurter Geschichte verfolgt nun eine Konferenz, die vom 23. bis 25. Juni im Haus am Dom und digital stattfindet. Veranstaltet wird die Tagung mit internationaler Beteiligung von POLY, der DFG-Kollegforschungsgruppe „Polyzentrik und Pluralität vormoderner Christentümer“ der Goethe-Universität, in Kooperation mit dem Haus am Dom und dem Jüdischen Museum Frankfurt. Die Tagung, organisiert von Dr. Jörg Feuchter (Berlin), Dr. Jörn Christophersen (Frankfurt) und Prof. Dr. Dorothea Weltecke (Frankfurt), wird am Abend des 23. Juni mit einem Vortrag der Frankfurter Judaistin Prof. Dr. Elisabeth Hollender eröffnet. Das detaillierte Programm ist einsehbar unter:  https://www.tinygu.de/7QHv0; https://www.tinygu.de/Verlorene-Mitte

Die Tagung „Die verlorene Mitte – Juden und Christen in Frankfurt vor der Einrichtung der Judengasse im Jahr 1460“ kann als ein Beitrag zum Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdische Geschichte in Deutschland“ verstanden werden. Veranstaltungen in diesem Festjahr wollen Unwissen und Vorurteile gegenüber jüdischem Leben überwinden helfen. Durch die Erforschung jüdischen Lebens an zahlreichen ihrer Einrichtungen und Professuren leistet die Goethe-Universität dazu wichtige Beiträge (https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/1700-jahre-juedische-geschichte-in-deutschland/).

Die Vorträge der Tagung „Die verlorene Mitte – Juden und Christen in Frankfurt vor der Einrichtung der Judengasse im Jahr 1460“ sind öffentlich online zugänglich; eine Beteiligung an der Diskussion ist möglich.

Um Anmeldung wird gebeten unter: weltecke@em.uni-frankfurt.de

Bild: http://www.uni-frankfurt.de/102353728

Bildtext:
Von der Mitte des 12. Jahrhunderts an siedelten Juden mitten in der Stadt Frankfurt; die Lage ihrer Häuser markiert hier im Plan von Matthäus Merian von 1628 der weiße Kreis, in dem eine Klage über den Mord an den Frankfurter Juden im Jahr 1241 zu sehen ist.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Dorothea Weltecke
Historisches Seminar
Goethe-Universität
weltecke@em.uni-frankfurt.de
https://www.geschichte.uni-frankfurt.de/66156354/Dorothea_Weltecke


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jun 17 2021
12:05

Wirtschaftswissenschaftler der Goethe-Universität und Universität Mannheim entwickeln Luftfilterkalkulator – Online-Rechner hilft beim Modellvergleich

Wie Schulen den passenden Luftfilter finden

Die Inzidenzzahlen sinken, doch der Schutz vor COVID-19 soll bleiben. Mehr Luftfilter für die Schulen lautet deshalb eine Forderung mit Blick auf den Präsenzunterricht der Schulen im Herbst, der sich kürzlich auch das Bundesbildungsministerium angeschlossen hat. Ein an der Goethe-Universität und der Universität Mannheim entwickelter Online-Kalkulator könnte Schulen nun dabei helfen, für ihre Räumlichkeiten passende und kosteneffiziente Luftfiltergeräte zu ermitteln (www.airfiltercalculator.com).

FRANKFURT. In Parlamenten und Gerichtssälen sind sie längst Standard, in Klassenräumen sind sie nur vereinzelt zu finden: mobile Luftfilter, die erheblich dazu beitragen, die Konzentration von Aerosolen und damit wesentlichen Trägern des Coronavirus SARS-CoV-2 in der Luft zu verringern. Nun sollen auch Schulen die mobilen Luftfilter in den Sommerferien installieren, um im kommenden Schuljahr bei vollen Klassenzimmern möglichen Infektionen vorzubeugen – insbesondere vor dem Hintergrund, dass bis dahin keine flächendeckende Impfung aller Schülerinnen und Schüler zu erwarten ist. Zu teuer, zu laut, zu kompliziert in der Wartung, wenden Kritiker ein. Stimmt das?

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Dr. Anna Rohlfing-Bastian an der Goethe-Universität und der Ökonom Dr. Gunter Glenk an der Universität Mannheim haben nun ein Kalkulationstool entwickelt, das die Suche unter den zahlreichen Anbietern von mobilen Luftfiltern nach einem passenden und kostengünstigen Gerät erleichtert. Ein Resultat der Studie: „Für etwa 50 Euro pro Person und Jahr“, sagt Rohlfing-Bastian, „sollte es beispielsweise einer Grundschule möglich sein, Luftfiltergeräte anzuschaffen, sodass regulärer Unterricht stattfinden kann.“ Tragen alle Personen im Raum Masken, reduziere dies die Kosten um die Hälfte. „Die Sommerferien können nun genutzt werden, um flächendeckend mobile Luftfilter anzuschaffen“, so ihr Kollege Glenk. „Solche Filter helfen nicht nur in einer Pandemielage, sondern auch generell gegen Viren wie Grippeviren und gegen Luftverschmutzung.“

In ihrem Online-Kalkulator optimieren Rohlfing-Bastian und Glenk die Lebenszykluskosten der Ausstattung mit mobilen Luftfiltern. Dabei berücksichtigen sie alle Ausgaben, die bei Anschaffung und Betrieb über die Nutzungsdauer der Geräte anfallen. Gleichzeitig wird eine effektive Filterleistung pro Kubikmeter Luft pro Stunde im Klassenraum sichergestellt, damit ein zuvor festgelegtes Infektionsrisiko nicht überschritten wird.

Nutzer des anwenderfreundlichen Kalkulationstools www.airfiltercalculator.com können verschiedene Parameter wie beispielsweise Raumgröße, Belegung, Aufenthaltsdauer und Aktivitäten der Personen im Raum festlegen (Schweigen, Sprechen und Singen verursachen verschiedene Aerosolemissionen). Auch die Eingabe eines Maximalwertes für die Dezibelbelastung ist möglich. Unter Berücksichtigung des maximal tolerablen Infektionsrisikos berechnet das Tool die kosteneffiziente Ausstattung eines Raumes mit mobilen Luftfiltern und die dazugehörigen Kosten pro Person und Jahr.

Die Berechnungen, so Rohlfing-Bastian und Glenk, gingen von gewissen Vereinfachungen aus, wie etwa einer gleichmäßigen Verteilung der Aerosole im Raum. Erste Simulationsstudien zeigten jedoch, dass sich Schwebeteilchen erst allmählich im Raum gleichmäßig verteilen. Rohlfing-Bastian und Glenk weisen außerdem daraufhin, dass die Daten für ihre Berechnung durch eine Umfrage unter Herstellern von mobilen Luftfiltern erhoben wurden; 23 Hersteller haben bisher insgesamt 39 Geräte in die Datenbank eingetragen.

Wissenschaftliche Studien, unter anderem des Atmosphärenforschers Joachim Curtius an der Goethe-Universität, haben nachgewiesen, dass mobile Luftfilter die Aerosolkonzentration in geschlossenen Räumen erheblich reduzieren (https://www.puk.uni-frankfurt.de/92900358/Infektionsrisiko__Luftreiniger_beseitigen_90_Prozent_der_Aerosole_in_Schulklassen). Eine Ansteckungsgefahr wird damit deutlich vermindert. Die Wirksamkeit von Filtergeräten war aber zuletzt in die öffentliche Diskussion geraten; unter anderem wurde befürchtet, dass mobile Luftfilter die Nutzer in falscher Sicherheit wiegen könnten und dadurch aktives Lüften vernachlässigt werden könnte. Filtergeräte ersetzten nicht das Lüften, betonen auch Aerosolforscher, da die mobilen Filtergeräte die Virenlast zwar stark senkten, nicht aber Kohlendioxid und Wasserdampf aus der Atemluft entfernten. Ideal sei daher eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen zur Reduktion des Ansteckungsrisikos.

Das Forschungsprojekt wurde von der Friedrich Flick Förderungsstiftung unterstützt.

Publikation: https://www.tinygu.de/luftfilter

Weitere Informationen
Prof. Dr. Anna Rohlfing-Bastian
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
Professur für Rechnungswesen, insb. Management Accounting
Goethe-Universität Frankfurt
E-Mail: rohlfing-bastian@econ.uni-frankfurt.de
Homepage: https://www.accounting.uni-frankfurt.de/professoren/professur-rohlfing-bastian/startseite.html


Dr. Gunther Glenk
Mannheim Institute for Sustainable Energy Studies
Fakultät für Betriebswirtschaftslehre
Universität Mannheim
E-Mail: glenk@uni-mannheim.de
Web: Mannheim Institute for Sustainable Energy Studies


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jun 17 2021
10:23

Ab Ende Juni: digitale Veranstaltungen zur Studienwahl an der Goethe-Universität

Aufbruch in die Zukunft: MainStudy Reloaded

FRANKFURT. Trotz Kontaktbeschränkungen, Schulausfällen und Homeschooling hat sich eines in diesem Sommer nicht geändert: Tausende von Schülerinnen und Schülern erwerben im Juni ihren Schulabschluss und befinden sich schon in den Startlöchern für einen Studienbeginn im Wintersemester. Um sie beim Aufbruch in ihre Zukunft zu unterstützen, leistet das Studien-Service-Center der Goethe-Universität wie immer Starthilfe durch Veranstaltungen rund um das Thema Studium und Studienwahl: MainStudy Reloaded.

Los geht es Ende Juni mit einem Workshop zu den Basics einer guten Entscheidungsfindung und allgemeinen Online-Vorträgen zu Studienwahl und Bewerbung und Zulassung. Den ganzen Juli über haben Studieninteressierte nach diesem Startschuss die Möglichkeit, sich auf dem Portal „MainStudy Reloaded“ mit Informationen über die unterschiedlichsten Studiengänge der Goethe-Universität in Form von Videos, Voice-over-Präsentationen und Podcasts selbst einzudecken.

Mitte Juli geht es dann live weiter mit digitalen Infovorträgen und Chats zu einzelnen Studiengängen und der Möglichkeit, mit Studierenden der einzelnen Fächer ins Gespräch zu kommen. Den Abschluss bilden schließlich intensive Online-Workshops, mit denen sich die Studieninteressierten gründlicher mit den Anforderungen eines bestimmten Studiengangs auseinandersetzen können.

Auch die Eltern sollen in der Veranstaltungsreihe nicht zu kurz kommen: ein digitaler Live-Vortrag informiert sie darüber, was Studium heutzutage ausmacht, welche Formalien bei einer Studienbewerbung zu beachten sind und wie sie ihre Kinder bei der Studienwahl unterstützen können. Die Frankfurt University of Applied Sciences und die Agentur für Arbeit sind ebenfalls bei der „MainStudy Reloaded“ dabei und bieten im Juli digitale Veranstaltungen rund um Studien- und Berufswahl an.  

Neben dem Informationsportal und den Veranstaltungen stehen die Studienberater und Studienberaterinnen der Zentralen Studienberatung den Studieninteressierten natürlich auch für persönliche Sprechstunden via Telefon oder Videochat zur Verfügung.

Portal MainStudy Reloaded: https://www.uni-frankfurt.de/91709757/MainStudy_2021#a_b76a3ee2-e10e5db7

Kontakt:
Marion Gröger, Medien und Veranstaltungen, Studien-Service-Center, Tel. 0175-6128332, Email: m.groeger@em.uni-frankfurt.de

Elisabeth Kummert, Zentrale Studienberatung, Studien-Service-Center, Tel. 0151-10501560, Email: kummert@em.uni-frankfurt.de  


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 16 2021
14:14

Ethnologin der Goethe-Universität berät das Bundesinnenministerium

Susanne Schröter in Expertenkreis zum politischen Islamismus berufen

FRANKFURT. Susanne Schröter, Professorin im Institut für Ethnologie an der Goethe-Universität, ist zum Mitglied des Expertenkreises „Politischer Islamismus“ berufen worden. Der im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) eingerichtete zehnköpfige Expertenkreis ist am 15. Juni zum ersten Mal zusammengetreten. Der Expertenkreis soll „aktuelle und sich wandelnde Erscheinungen des politischen Islamismus aus wissenschaftlicher Perspektive analysieren und Handlungsempfehlungen entwickeln, die die sicherheitsbehördlichen Maßnahmen um gesellschaftspolitische und wissenschaftliche Ansätze ergänzen sollen“, erklärt das BMI. Außerdem sollen bestehende Lücken in der wissenschaftlichen Bearbeitung identifiziert werden.

Zu den im Expertenkreis „Politischer Islamismus“ vertretenen Fachbereiche gehören die Islamwissenschaften, Islamische Theologie, Öffentliches Recht sowie die Politik- und Sozialwissenschaften.  Teilnehmende sind neben Prof. Dr. Susanne Schröter Prof. Dr. Naika Foroutan, Frau Gülden Hennemann, Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Dr. Michael Kiefer, Prof. Dr. Ruud Koopmans, Prof. Dr. Stefan Korioth, Prof. Dr. Gudrun Krämer, Prof. Dr. Kyrill-Alexander Schwarz sowie je ein Vertreter der Forschungsstellen beim Bundeskriminalamt (BKA) und beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Die Ethnologin Prof. Susanne Schröter bekleidet zahlreiche Mitgliedschaften: Sie ist Vorstandsmitglied des „Deutschen Orient-Instituts“ und Senatsmitglied der „Deutschen Nationalstiftung“. Sie ist im wissenschaftlichen Beirat der „Bundeszentrale für politische Bildung“ sowie im Österreichischen Fonds zur Dokumentation von religiös motiviertem politischen Extremismus (Dokumentationsstelle Politischer Islam). Des Weiteren ist sie Mitglied der „Hessischen Integrationskonferenz“, des „Dialog Forum Islam Hessen“, des „Hessischen Präventionsnetzwerk gegen Salafismus“ und der „Polytechnischen Gesellschaft“. Im November 2014 gründete sie das „Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam“ (FFGI) und ist seitdem Direktorin der Einrichtung.


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 15 2021
15:01

„Eugenische Phantasmen“: Dagmar Herzog rekonstruiert in ihren Adorno-Vorlesungen die moralpolitischen Debatten um den Wert von Leben mit Behinderung

Behinderung, Macht, Moral

FRANKFURT. Die US-amerikanische Historikerin Dagmar Herzog hält die diesjährigen Frankfurter Adorno-Vorlesungen, die das Institut für Sozialforschung in Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag veranstaltet. Die Reihe, die an drei aufeinander folgenden Tagen im Livestream übertragen wird, trägt den Titel „Eugenische Phantasmen: Behinderung, Macht, Moral“ und beginnt

am Mittwoch, 23. Juni, 18:30 bis 20:30 Uhr
im Livestream unter
https://youtu.be/HVFXaU43yns

mit der ersten Vorlesung, die sich mit dem Thema „Liebe, Geld, Mord (1900–1950)“ befasst.

Wie wurden die moralpolitischen Debatten um den Wert von Leben mit Behinderung in Deutschland vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart geführt? In einem Zeitraum, in dessen Mitte der nationalsozialistische Massenmord stand? Die Zeithistorikerin Dagmar Herzog spannt in ihren Vorlesungen einen Bogen von der fürsorglich-paternalistischen Pflege in christlichen Heilanstalten vor 1900 bis zur Abwehr der AfD-Angriffe in den 2010er Jahren. Moderiert werden die drei Vorlesungen von Prof. Dr. Martin Saar, der an der Goethe-Universität politische Philosophie lehrt.

Wie konnte sich ein theologisches Paradigma, dem zufolge sich Gott besonders unter den Allerschwächsten entfaltet, in ein verbrecherisches Denken verkehren? Und wie hängt dies mit der Irritation über eine (angeblich jüdisch forcierte) sexuelle Liberalisierung in der Weimarer Zeit zusammen? Wie haben sich in der Nachkriegszeit doch Argumente für den Wert des Lebens mit Behinderung durchgesetzt, so dass heute Menschen mit Behinderung als Subjekte respektiert und nicht mehr als Objekte der Fürsorge oder der Diskriminierung geringgeschätzt werden? Diesen Fragen geht Herzog nach, sie nimmt dabei drei sich überlappende Zeitspannen in den Blick und zeigt, dass die komplexe Beziehung zwischen Tatsachen und Interpretation bis heute eine zentrale Rolle für den Umgang der gesellschaftlichen Mehrheit mit Behinderung spielt.

Dagmar Herzog ist Distinguished Professor of History am Graduate Center der City University of New York. Sie hat zahlreiche Bücher zur Geschichte der Religion, zur Sexual- und Geschlechtergeschichte in der Moderne geschrieben. Für ihre Forschung wurde sie 2014 mit dem Distinguished Achievement Award der Holocaust Educational Foundation ausgezeichnet.

Die Frankfurter Adorno-Vorlesungen
Seit 2002 veranstaltet das Institut für Sozialforschung in Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag jährlich Vorlesungen, die an drei Abenden an Theodor W. Adorno erinnern sollen. Dabei geht es nicht um eine philologische Ausdeutung seines Werks, sondern darum, seinen Einfluss auf die heutige Theoriebildung in den Humanwissenschaften zu fördern und die lebendigen Spuren seines interdisziplinären Wirkens in den fortgeschrittenen Strömungen von Philosophie sowie Literatur-, Kunst- und Sozialwissenschaften sichtbar zu machen.

Die Termine:

Mittwoch, 23. Juni, 18:30 bis 20:30 Uhr
Liebe, Geld, Mord (1900–1950)
https://youtu.be/HVFXaU43yns

Donnerstag, 24. Juni, 18:30 bis 20:30 Uhr
Wie erkennt man ein Verbrechen? (1940–1990)
https://youtu.be/HC2x8gmrAos

Freitag, 25. Juni, 18:30 bis 20:30 Uhr
Die lang erkämpfte Menschwerdung (1980–2020)
https://youtu.be/qOMWWflNMmo

Ein Bild von Prof. Dr. Dagmar Herzog finden Sie zum Download unter: http://www.uni-frankfurt.de/102361576

Bildtext: Die Zeithistorikerin Prof. Dr. Dagmar Herzog hält in diesem Jahr die Adorno-Vorlesungen. (Foto: privat)

Informationen:
Almut Poppinga
Institut für Sozialforschung
an der Johann Wolfgang Goethe-Universität
Senckenberganlage 26
60325 Frankfurt am Main
E-Mail: poppinga@em.uni-frankfurt.de
www.ifs.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 15 2021
12:41

Deutsche Universitätspsychologie bietet Online-Beratungsplattform

Hilfe für junge Menschen mit Gewalterfahrungen

Auf der Website www.du-auch.de finden Kinder und Jugendliche Informationen zum Thema Trauma nach Gewalterfahrung. Das neue Infoportal geht auf die Initiative eines Verbunds von Psychologinnen und Psychologen an deutschen Universitäten unter der Leitung der Goethe-Universität zurück und soll jungen Menschen mit Gewalterfahrungen helfen, die Folgen der Lockdownzeit zu bekämpfen.

FRANKFURT. Durch die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen hat sich der Alltag der Menschen massiv verändert. Die psychologischen Folgen sind zum Teil gravierend: Familien fühlen sich stark belastet,  Kinder sind nachweislich einer höheren Gefährdung ausgesetzt. Studien zeigen, dass Kinder und Jugendliche verstärkt körperlicher und sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Zugleich hat sich durch die Pandemie die Erreichbarkeit betroffener Kinder, Jugendlicher und ihrer Familien aber verschlechtert. Das neue Online-Angebot www.du-auch.de soll helfen, die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit körperlichen und sexuellen Gewalterfahrungen oder Vernachlässigung zu verbessern.

Das vom BMBF geförderten Forschungsprojektes BESTFORCAN (https://www.ku.de/bestforcan), dessen Gesamtleitung Regina Steil von der Goethe-Universität Frankfurt innehat, hat die Seite www.du-auch.de ins Leben gerufen, um Jugendliche direkt ansprechen zu können. So sollen sie leichter Zugang zu psychotherapeutischen Maßnahmen finden – insbesondere zu einer evidenzbasierten Intervention, der traumafokussierten kognitiven Verhaltenstherapie „LOT – Leben ohne Traumafolgen“. Auf der Seite www.du-auch.de finden Jugendliche – altersgerecht und übersichtlich gegliedert – in kurzen Texten Informationen dazu, was sie tun können, wenn sie selbst –  oder ein Freund oder eine Freundin – Opfer von Gewalt geworden sind.

Die Seite ist vor allem für die Mobilnutzung mit dem Smartphone konzipiert – funktioniert aber auf dem PC. Sie bietet direkte Links zu Hilfsportalen wie der „Nummer gegen Kummer“ und dem „Hilfstelefon sexueller Missbrauch“. Darüber hinaus wird erklärt, wie eine LOT-Therapie helfen kann und warum es einem nicht peinlich sein muss, mit Fremden über schwierige Dinge zu sprechen. Eigens produzierte Filme im Graphic Novel-Stil erzählen die Geschichte der 14-jährigen Sara, die es schafft, sich trotz eines sehr traumatischen Erlebnisses nach einer Therapie wieder besser zu fühlen.

Neu und wichtig: Die Seite bietet eine direkte Kontaktmöglichkeit per WhatsApp oder Telefon zu Kinderpsychologinnen und -psychologen, die Jugendlichen bei der Suche nach einem LOT-Therapieplatz helfen. Deutschlandweit wurden Fachkräfte in dieser besonderen Traumatherapie geschult – und es gibt aktuell noch freie Plätze. „Es wäre schön, wenn das neue Angebot und die Information, dass es in dem Projekt noch freie Therapieplätze gibt, Verbreitung fände“, sagt Regina Steil, Apl.-Professorin an der Goethe-Universität und Leiterin des Frankfurter Teilprojekts. Die betroffenen Kinder und Jugendlichen dürften nicht alleine gelassen werden.

Weitere Informationen
Prof. apl. Dr. Regina Steil
Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie
Varrentrappstraße 40-42
60486 Frankfurt am Main
E-Mail: steil@psych.uni-frankfurt.de 

Ansprechpartnerin:
Anne Fischer, M.Sc.
Telefon +49 (0)69 798-23848
E-Mail: A.Fischer@psych.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de  

 

Jun 14 2021
12:30

Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) an der Goethe-Universität beteiligt sich mit Live-Talk am Digitaltag 2021

„Digital Humanities treffen auf Koranforschung“ 

FRANKFURT. Unter dem Titel „Koranforschung 2.0 - digitale Gegenwart und Zukunftsvisionen“ beteiligt sich die Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) am diesjährigen Digitaltag 2021 und veranstaltet

am 21. Juni um 18 Uhr
https://www.youtube.com/watch?v=QyjfXkVA61k

einen digitalen Live-Talk. Über die Digitalisierung in der Islamwissenschaft und in den islamisch-theologischen Studien spricht Akademiedirektor Prof. Dr. Bekim Agai mit Prof. Dr. Angelika Neuwirth (Freie Universität Berlin) und Prof. Dr. Serdar Kurnaz (Institut für Islamische Theologie an der Humboldt Universität zu Berlin). Das digitale Gespräch wird live auf dem YouTube-Kanal der AIWG übertragen.

Längst hat die Digitalisierung Einzug in die Geisteswissenschaften gehalten. Doch welche neuen Ansätze und Perspektiven ergeben sich für die moderne Koranforschung durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz? Eröffnen Digital Humanities gar neue Deutungsmöglichkeiten für einzelne Koranpassagen, eine neue Perspektive auf die Geschichtsschreibung zur Korangenese? Und welche Methoden der Digital Humanities kommen in der Koranforschung aktuell zum Einsatz?

Sowohl Angelika Neuwirth als auch Serdar Kurnaz forschen in Projekten, die innerhalb der Islamwissenschaft und der Islamischen Theologie als Pionierprojekte auf dem Feld der Digital Humanities gelten dürfen: Corpus Coranicum und Linked Open Tafsir.

Corpus Coranicum
Im Projekt Corpus Coranicum entsteht unter der Leitung von Prof. Angelika Neuwirth seit 2007 eine Dokumentation handschriftlicher und mündlicher Überlieferungen des Korantextes sowie ein ausführlicher Korankommentar. Außerdem werden koranische Passagen mit jüdischen, christlichen und anderen korrespondierenden Texten aus dem Umfeld des Korans verknüpft. Die Digitalisierung und Auswertung des Gotthelf-Bergsträßer-Archivs bilden dabei einen Schwerpunkt. Weitere Informationen zum Projekt der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften finden Sie unter https://corpuscoranicum.de/.

Linked Open Tafsir
Die AIWG Longterm-Forschungsgruppe Linked Open Tafsir erstellt eine Online-Datenbank frühislamischer exegetischer Überlieferungen. Basis hierfür ist der Korankommentar (Tafsīr) des muslimischen Gelehrten at-Tabari (gestorben 310 Jahr der Hicra /923 nach Christus). Die Datenbank soll alle in den exegetischen Überlieferungen erhaltenen Informationen zu historischen Begebenheiten in der Offenbarungszeit sowie die kulturellen, religiösen, sozialen und sprachlichen Rahmenbedingungen der Entstehung des Korans erfassen. Mehr Informationen zum Projekt Linked Open Tafsir finden Sie unter https://aiwg.de/kurzbeschreibung_linked-open-tafsir/.

Termin

Montag, 21.06.2021, 18:00 bis 19:30 Uhr

Das Gespräch wird auf dem YouTube-Kanal der AIWG gestreamt:  https://www.youtube.com/watch?v=QyjfXkVA61k

Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Studierende aus den islamisch-theologischen Studien und Nachbardisziplinen wie der Orientalistik, Arabistik, Islamwissenschaft, der christlichen Theologien und Religionswissenschaften sowie die interessierte Öffentlichkeit sind herzlich eingeladen, an diesem Abend mehr über die innovativen Ansätze auf dem Feld der Digitalisierung zu erfahren.

Über die AIWG
Die AIWG ist eine universitäre Plattform für Forschung und Transfer in islamisch-theologischen Fach- und Gesellschaftsfragen. Sie ermöglicht überregionale Kooperationen und Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der islamisch-theologischen Studien und benachbarter Fächer sowie Akteuren aus der muslimischen Zivilgesellschaft und weiteren gesellschaftlichen Bereichen. Die AIWG wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und durch die Stiftung Mercator.

Über den Digitaltag
Der Digitaltag wird getragen von der Initiative „Digital für alle“, einem Bündnis von mehr als 25 Organisationen aus den Bereichen Zivilgesellschaft, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Wohlfahrt und öffentliche Hand. Erklärtes Ziel ist die Förderung der digitalen Teilhabe. Der Digitaltag bietet eine Plattform, um verschiedenste Aspekte der Digitalisierung zu beleuchten, Chancen und Herausforderungen zu diskutieren und einen breiten gesellschaftlichen Dialog anzustoßen. Der Aktionstag soll die Digitalisierung mit zahlreichen Formaten erklären, erlebbar machen, Wege zu digitaler Teilhabe aufzeigen und auch Raum für kontroverse Debatten schaffen.

Der Flyer zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/102318107

Weitere Informationen
Stefanie Golla
Koordinatorin Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft an der Goethe-Universität
Telefon 069 798-22459
E-Mail: golla@aiwg.de
Homepage https://aiwg.de/


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de 

 

Jun 14 2021
10:24

Bertha Pappenheim Map geht online: Audiowalk auf den Spuren der jüdischen Sozialaktivistin führt ins Frankfurter Stadtleben um 1900 und heute

Eigensinnig ihre Ideen vertreten 

Frankfurter jüdische Geschichte sichtbar machen wollen die digitalen Spaziergänge, die aus einem gemeinsamen Projekt der Judaistik-Professorin Rebekka Voß an der Goethe-Universität, der Bremer Künstlerin Elianna Renner und der Frankfurter Soziologin Dr. Marion Keller entstanden sind: Die Web-App führt an Wirkstätten der sozial engagierten Jüdin, Frauenrechtlerin und Schriftstellerin Bertha Pappenheim (1859-1936). Am 20. Juni geht die App mit dem Titel „Bertha Pappenheim Map“ mit einem Eröffnungsrundgang offiziell online (https://berthapappenheim.com/).

FRANKFURT. Bertha Pappenheim stammt aus dem Frankfurter jüdischen Großbürgertum, das sich im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert für bessere Lebensbedingungen und Bildung der Bevölkerung einsetzte. Obwohl die streitbare Aktivistin mit ihrem Kampf vor allem für Frauen, die durch Prostitution und Mädchenhandel gefährdet waren, ihrer Zeit weit voraus war, spielt sie bislang im Gedächtnis der Stadt kaum eine Rolle. Nun haben Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen ein detailreiches Portrait von Bertha Pappenheim erarbeitet und in einer zweisprachigen App (deutsch/englisch) erlebbar gemacht. Die App versammelt kurze Geschichten, historische Fotos und Videos zu Kunstaktionen über aktuelle Parallelen. Dabei machen die Audio-Walks bewusst: Frauenhandel ist ein bedeutender Teil der Migrations- und Stadtgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

Wer sich mit dem Smartphone auf einen der drei digitalen Rundgänge durch Westend, Bahnhofsviertel und Ostend begibt, bewegt sich zwischen jüdischem Alltag, Antisemitismus, Migration, Menschenhandel und dem Kampf für mehr Rechte für Frauen im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Pogrome in Osteuropa hatten jüdische Familien, unter ihnen auch Frauen, allein oder mit ihren Kindern, in die Flucht gen Westen getrieben. In Frankfurt gestrandet, waren mittellose Frauen Prostitution und Mädchenhandel ausgeliefert. Ihnen wollte Bertha Pappenheim einen schützenden Ort bieten: Ihrer zupackenden, entschiedenen Art ist es zu verdanken, dass Frankfurter soziale Einrichtungen Allianzen schmiedeten, um u. a. ein Wohnheim für alleinstehende Frauen und ihre Kinder zu errichten.

Zum Schutz der Frauen, davon war Pappenheim überzeugt, musste aber vor allem deren rechtliche und soziale Stellung sowie die Bildungs- und Berufssituation verbessert werden. Dafür setzte sich die Sozialaktivistin und Schriftstellerin auf Kongressen und in der Praxis ihr Leben lang ein – und brüskierte damit etliche Zeitgenossen. In ihrem eigenen Nachruf für verschiedenen Zeitschriften formiert sie es nüchtern: „Sie war eine Frau, die jahrzehntelang eigensinnig für ihre Ideen eingetreten ist. (…) Sie tat es oft in Formen und Wegen, die einer Entwicklung vorgreifen wollten, so wie sie auch nicht nach jedermann Sitte und Geschmack waren. Schade!“

Zur Eröffnung der Bertha Pappenheim-Map beginnt ein speziell dafür zusammengestellter Rundgang um 14 Uhr auf dem Vorplatz des Jüdischen Museums Frankfurt mit einem Gespräch von Prof. Dr. Rebekka Voß, Elianna Renner und Dr. Marion Keller mit Linda Kagerbauer (Frauenreferat der Stadt Frankfurt) über den mehr als fünfjährigen Entstehungsprozess ihres Kunst-Wissenschafts-Projekts, an dem auch Studierende der Goethe-Universität beteiligt waren. Daran schließt sich ein ca. einstündiger Spaziergang mit der Bertha Pappenheim Map an (https://berthapappenheim.com/). Er führt zu ausgewählten Stationen der drei digitalen Rundgänge. Gäste aus Frankfurter Sozialinstitutionen ergänzen den Stadtspaziergang mit Berichten aus der gegenwärtigen Arbeit mit Menschen in schwierigen Lebenslagen. Der Rundgang endet auf dem Bertha-Pappenheim-Platz.

Die kostenlosen Rundgänge lassen sich online ohne vorherigen Download als Audiowalks auf Deutsch und Englisch abrufen. Für den digitalen Stadtrundgang ist ein Smartphone mit Internet erforderlich. Um Anmeldung zur Eröffnung wird gebeten unter: besuch.jmf@stadt-frankfurt.de.

Die Veranstaltung des Jüdischen Museums Frankfurt findet statt in Kooperation mit dem Frauenreferat der Stadt Frankfurt und der Gesellschaft zur Förderung judaistischer Studien in Frankfurt a. M.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Rebekka Voß
Professorin für Geschichte des deutschen und europäischen Judentums
voss@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jun 11 2021
12:23

Interdisziplinäres Hochschulstudium in enger Anbindung an die Berufspraxis im Gesundheitswesen

Dualer Masterstudiengang „Sozialethik im Gesundheitswesen“: Start im Wintersemester

Goethe-Universität und Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen bieten gemeinsam einen neuen Studiengang an. Zum kommenden Wintersemester startet das Masterprogramm „Sozialethik im Gesundheitswesen“. Die Einschreibung ist bereits jetzt möglich.  

FRANKFURT. In vielen Bereichen des Gesundheitswesens steigt der Beratungs- und Kommunikationsbedarf zu ethischen Fragen – darauf wollen die Verantwortlichen an den beiden Frankfurter Hochschulen mit dem dualen Masterstudiengang Sozialethik im Gesundheitswesen reagieren. Absolventinnen und Absolventen sollen die Qualifikation für interessante und herausfordernde Tätigkeiten auf Fach- und Führungsebene in diesem gesellschaftlichen Wachstumsbereich mitbringen. „Die demografische Entwicklung und der medizinisch-technische Fortschritt bringen eine große Dynamik ins Gesundheitswesen. Die medizinischen, pflegerischen und sozialen Einrichtungen befinden sich in ständiger Transformation“, sagt Prof. Dr. Christof Mandry, Professor für Sozialethik an der Goethe-Universität. Mandry begleitet die Einführung des neuen Studiengangs intensiv. „Es gibt einen großen Bedarf an ethischer Expertise in den Unternehmen und Institutionen des Gesundheitswesens“, erklärt er. Das reiche von der medizinethischen Fallberatung über organisations- und führungsethische Fragen bis hin zum gerechten Zugang zu medizinischen und pflegerischen Dienstleistungen und zur sozial gerechten Mittelverteilung.

Um mit solchen Themen angemessen umgehen zu können, werden die Studierenden im neuen Studiengang mit sozialethischen, sozialwissenschaftlichen und medizinischen Fragestellungen vertraut gemacht. Das universitäre Studium wird dabei eng mit berufspraktischen Einblicken und Erfahrungen verknüpft. 30 Prozent der Studienleistungen in dem dualen Studiengang werden „on the job“ in Partnereinrichtungen im Medizin- und Pflegebereich erbracht. „Und zwar vom ersten Semester an“, erklärt Studiengangskoordinatorin Julia Westendorff, die die Praxiseinheiten organisiert. „Die Studierenden lernen, wie ein klinisches Ethikkomitee funktioniert oder wie die medizinische Versorgung von Menschen ohne Versicherungsschutz organisiert wird – ganz praktisch, indem sie mit dabei sind. Das kann mitunter sehr herausfordernd sein.“ Die Kurzpraktika und Hospitationen sind fachlich unmittelbar in den Studienzusammenhang integriert. In den „Directed Studies“ werden die Einsichten aus der Praxis, die Inhalte der Lehrveranstaltungen an der Uni und die eigenständige Lektüre zusammengebracht. So werden die Studierenden sowohl fachlich also auch persönlich auf das Praxissemester vorbereitet, das dann das gesamte dritte Semester einnimmt. Im Praxissemester bearbeiten sie bei einem Unternehmen oder in einer öffentlichen Institution eigenständig ein Thema, das an den Fragestellungen der jeweiligen Einrichtung orientiert ist. Im vierten und letzten Semester wird dann die Masterarbeit geschrieben.

Im Hinblick auf die Corona-Pandemie werden Fragen der Verteilungsgerechtigkeit diskutiert, z.B. die medizinethische Problematik der Triage: Wer erhält in einem überlasteten Gesundheitssystem die Behandlung? Wer bekommt den Beatmungsplatz? Wenn es um die Frage der Impfreihenfolge bei knappen Impfressourcen geht, stellt sich die ethische Frage nach Gerechtigkeit. Auch solidaritätsethisch lässt sich die Impfung diskutieren: Lasse ich mich impfen, auch wenn ich mit keinem schwerem Verlauf rechne, um Andere zu schützen?

An dem neuartigen, praxisintegrierenden Masterstudiengang sind mit katholischer Theologie, Soziologie und Medizin ganz unterschiedliche Fachrichtungen beteiligt. So wird ein Kompetenzprofil vermittelt, das sozial- und medizinethische Reflexionsweisen, sozialwissenschaftliche Analysemethoden und Kenntnisse der medizinischen Versorgungsstrukturen umfasst. Hinzu kommen tätigkeitsnahe Fertigkeiten im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, Gesprächsführung oder Organisationsplanung. Als gemeinsamer Studiengang von zwei Frankfurter Hochschulen, der Goethe-Universität und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, steht der Studiengang auch für ein echtes Frankfurter Studienprofil. „Hier kombinieren wir die Stärken unserer beiden Hochschulen in der Sozialethik“, erklärt Rektor Prof. Dr. Thomas Meckel von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen. „Mit dem Nell-Breuning-Institut haben wir in Sankt Georgen einen Schwerpunkt in sozial- und gesellschaftsethischen Fragen der Pflege. Die Arbeitsbedingungen in der Pflege, die gerechte Finanzierung von Pflegedienstleistungen oder auch der Stellenwert von Migration in diesem Bereich werden bei uns erforscht und in der Lehre vermittelt. Die Kollegen am Fachbereich 07 der Goethe-Uni haben ihren Schwerpunkt in der Medizinethik und der Sozialethik des Gesundheitswesens. Das ergänzt sich hervorragend.“ Zudem böten beide Hochschulen mit ihren parkähnlichen Campussen beste Studienbedingungen.

Der Masterstudiengang richtet sich an Studieninteressierte mit einem deutschen oder internationalen BA-Abschluss in Theologie, Sozialwissenschaften, Philosophie, Pflegewissenschaften und einer Reihe weiterer geistes- und sozialwissenschaftlicher Fächer. Zusatzvoraussetzung sind mindestens Grundkenntnisse in Ethik oder Sozialethik, Theologie oder Medizin. Wegen seiner intensiven Praxisverzahnung ist der Studiengang zulassungsbeschränkt. Weitere Informationen zu Bewerbungsvoraussetzungen und der Bewerbungsvorgang sind auf der Website des Masters zu finden. Die Bewerbung für das Wintersemester 2021/2022 ist bis 31. Juli möglich.

Weitere Informationen
Website des Studiengangs: https://www.uni-frankfurt.de/98350933/Master_SozialethikMaster-Portal der Goethe-Universität: https://www.uni-frankfurt.de/100702026/Sozialethik_im_Gesundheitswesen__Master_of_Arts


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 8 2021
10:19

Start-up „WeProfit“ der Goethe-Universität erhält eine Investition von 272.000 Euro

Digitaler Marktplatz für B2B-Softwareentwicklung

Das Gründungszentrum der Universität Unibator hat bereits Starthilfe geleistet, jetzt kommen die drei Gründer ihrem Ziel einen weiteren Schritt näher: Ihr Start-up „WeProfit“ unterstützt Unternehmen auf der Suche nach Anbietern von Softwareentwicklung; dafür erhält es eine Anschubfinanzierung von 330.000 US-Dollar, also rund 272.000 Euro, bei einer Bewertung von 3,1 Millionen US-Dollar.

FRANKFURT. Wenn mittelständische und kleinere Unternehmen Arbeitsprozesse digitalisieren wollen, aber keine eigenen Softwareentwickler beschäftigen, beginnt mitunter ein mühsamer Suchprozess: Wie das passende Softwareunternehmen finden – bei dem die Chemie stimmt, das professionell, zuverlässig und nicht zuletzt auch finanzierbar ist?

Die drei Gründer – Wirtschaftswissenschaftler Sahak Artazyan, 31, Jurastudent Matteo Emmanuello, 22, und Physiker Arsen Abrahamyan, 24 – haben ein innovatives Geschäftsmodell geschaffen, das Unternehmern die Suche erleichtern soll: Auf ihrer globalen Plattform für Softwareentwicklung können sie Softwareanbietern aus aller Welt begegnen und mit ihnen ins Geschäft kommen. „Der digitale Marktplatz funktioniert wie eine Paarbörse für Unternehmen, die Softwareentwicklung suchen und anbieten“, erklärt Geschäftsführer Sahak Artazyan.

Der Vorteil für die suchenden Unternehmen: Das WeProfit-Team filtert Anbieter nach Qualität, Seriosität und Größe (nur Unternehmen, keine Freelancer) und steht, falls erwünscht, im Verhandlungsprozess beratend zur Seite. Auch das Zahlungsverfahren wird, nach erbrachter Leistung, über WeProfit abgewickelt. Anbieter können dagegen ihre Angebote ohne größere Marketing- und Vertriebsbudgets präsentieren und internationale Qualitätsstandards erwerben. Der Marktplatz steht zudem Einzelpersonen offen, die als Netzwerker Kontakte zwischen Suchern und Anbietern herstellen können.

Dass die Gründer in und um Frankfurt in mehreren Kulturen und Sprachen ausgewachsen sind, erweist sich als Vorteil: Sie sind mit der Softwareszene in mehreren Ländern vertraut, was die Auswahl erleichtert. Unterstützt werden sie in ihrem Konzept strategisch und finanziell zudem von den Unternehmern Clemens Bollinger (Infrastruktur-Pionier in der Luftfahrt), Vahe Andonians (Seriengründer & Dozent an der Frankfurt School of Finance) und Armen Kocharyan (Geschäftsführer der Softwareentwicklungsfirma VOLO) sowie den Vertretern des Finanzwesens Dr. Ara Abrahamyan (ehem. Vorstand der Erste Group Bank) und Jörg-Matthias Butzlaff (Leiter Unternehmenskommunikation, Bankhaus Metzler). Sie haben die Anschubfinanzierung von 330.00 US-Dollar geleistet.

WeProfit wurde im Dezember 2020 in das universitären Unibator-Startup Programm aufgenommen. Im Rahmen des Innovationsprogramms profitieren die Gründerinnen und Gründer unter anderem von Büroräumlichkeiten, individuellem Coaching, Zugang zu einem großen Mentorennetzwerk, exklusiven Workshops und Trainings, und der Unterstützung bei der Beantragung von Fördermitteln.

Der Unibator ist das Gründungszentrum der Goethe-Universität Frankfurt am Main, betrieben von Innovectis, der hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Goethe-Universität. Es bietet allen Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen und Alumni tatkräftige Unterstützung bei der Umsetzung ihres Gründungsvorhabens an und dient dabei als Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

Weitere Informationen
Sahak Artazyan
sahak@weprofit.global
https://weprofit.global


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jun 8 2021
09:58

Vortrag von Prof. Dr. em. Jürgen Link über das Griechenland-Bild Hölderlins

Friedrich Hölderlin und die Neugriechen

FRANKFURT / BAD HOMBURG. In einer Zeit, die von revolutionärer Stimmung geprägt war, erschien Friedrich Hölderlins zweibändiger Briefroman Hyperion oder Der Eremit von Griechenland (1797 und 1799). Die zentralen Figuren des Romans, Hyperion, Diotima und Alabanda, situiert er in Neugriechenland ‒ und nicht, wie es damals üblich war, in Altgriechenland. Der Frage, warum Hölderlin genau dieses Bild wählte, geht der Literaturtheoretiker und Hölderlin-Forscher Prof. Dr. em. Jürgen Link in seinem Vortrag „Hyperion und Diotima, die Neugriechen“ nach.

Zum öffentlichen Vortrag mit anschließender Diskussion lädt das Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität

am Samstag, 12. Juni, um 18 Uhr
im Forschungskolleg Humanwissenschaften
(Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe)

herzlich ein. Kollegdirektor Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann begrüßt die Gäste, der Frankfurter Literaturwissenschaftler Prof. Achim Geisenhanslüke führt thematisch in den Abend ein.

Professor Dr. em. Jürgen Link hat Literaturwissenschaft an den Universitäten in Bochum (1980–1992), Paris-VIII St. Denis (1992–1993) und Dortmund (1993–2005) gelehrt. In seiner Forschung beschäftigt er sich intensiv mit neueren literaturtheoretischen Ansätzen, insbesondere mit der Diskursanalyse nach Michel Foucault. Seine Arbeiten über den Normalismus und die Publikation Versuch über den Normalismus. Wie Normalität produziert wird (1996) wurden breit rezipiert. Ein zweiter Schwerpunkt Links ist das Werk Friedrich Hölderlins, über das er zwei Monographien geschrieben hat: 1995 erschien im Westdeutschen Verlag Hölderlin-Rousseau: Inventive Rückkehr, in dem er die Bedeutung Rousseaus im Werk Hölderlins herausarbeitet. Zum 250. Geburtstag des Dichters hat Link die Studie Hölderlins Fluchtlinie Griechenland (Vandenhoeck & Ruprecht 2020) veröffentlicht, in der er Hölderlins Griechenland-Faszination neu deutet. 2008 erschien sein experimenteller Roman Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung im assoverlag.

Der Vortrag beschließt eine Hölderlin-Tagung am Forschungskolleg Humanwissenschaften, die Achim Geisenhanslüke leitet. Unter dem Titel „Hölderlins Homburger Arbeiten oder Die Revolution der poetischen Sprache“ befasst sich eine Gruppe von Hölderlin-Experten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz mit der These, dass sich Hölderlin in der Spätphase seines Schreibens zunehmend als politisch selbstbewusstes Individuum wahrnahm und die revolutionäre Stimmung der Zeit auch in seiner Poetik zum Ausdruck kam. –Tagung und Vortrag werden vom Magistrat der Stadt Bad Homburg v. d. Höhe im Rahmen des langen Hölderlinjahres 2020 gefördert.

Teilnahme und Anmeldung:
Wegen der aktuell im Hochtaunuskreis geltenden Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ist die Teilnahme vor Ort nur nach vorheriger Anmeldung (anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de) und mit dem Nachweis einer vollständigen Impfung oder eines tagesaktuellen negativen Corona-Schnelltests möglich. Weitere Hinweise zur Teilnahme und zur Anfahrt mit dem Auto finden sich auf der Webpage des Forschungskollegs Humanwissenschaften.

Der Vortrag wird live auf dem YouTube Kanal des Forschungskollegs Humanwissenschaften übertragen (https://www.youtube.com/channel/UCl-9Om2GC9-BZh2tMTjVCXQ)

Information
Iris Helene Koban
Geschäftsführung Forschungskolleg Humanwissenschaften
Telefon 06172 13977-10
Email: i.koban@forschungskolleghumanwissenschaften.de

Beate Sutterlüty
Wissenschaftskommunikation Forschungskolleg Humanwissenschaften
Telefon 06172 13977-15
Email: b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 7 2021
10:03

Interdisziplinäre Tagung der Goethe-Universität erforscht Ursachen für Machtmissbrauch von Klerikern

Wie Macht zu Missbrauch führt

Das jahrzehntelang verschwiegene Thema wird inzwischen öffentlich verhandelt: Wie konnte es sein, dass Bischöfe und ihre Mitarbeiter sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen vertuscht, die Aufklärung der Taten verschleppt und die Opfer ignoriert haben? Die interdisziplinäre Tagung „Machtlegitimation, Machtausübung und Machtmissbrauch“ am Fachbereich „Katholische Theologie“ der Goethe-Universität am 10. und 11. Juni 2021 geht nun den theologischen Machtkonstellationen auf den Grund, die Machtmissbrauch begünstigen.

FRANKFURT. Auch wenn noch immer Akten vorenthalten und verweigert werden, die dokumentierte Gewalt von Klerikern gegen Minderjährige und die systematische Vertuschung dieser Gewalt durch leitende kirchliche Verantwortliche lassen keine Zweifel: Es gibt einen systematischen Missbrauch von Macht im kirchlichen Kontext. Wissenschaftliche Untersuchungen von Kindesmissbrauch widmeten sich bislang vor allem Fragen unmittelbar zu den untersuchten Übergriffen, etwa wie viele Beschuldigte und Betroffene es gibt und welche Strategien zur Tatanbahnung und Vertuschung genutzt wurden. Nun stellt die Tagung „Machtlegitimation, Machtausübung und Machtmissbrauch“ am 11. und 12. Juni die strukturellen theologischen Hintergründe und theologischen Denkmodelle des Machtmissbrauchs in den Vordergrund.

Was lässt sich über theologisch begründete Machtausübung von geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern lernen, die soziale Machtverhältnisse bereits seit langem systematisch reflektieren? Hierzu kooperieren die Veranstalter:innen aus dem Fachbereich Katholische Theologie mit renommierten Wissenschaftler:innen der Goethe-Universität, wie etwa der Familien- und Kindheitsforscherin Sabine Andresen, dem Historiker Hartmut Leppin und der Rechtswissenschaftlerin Ute Sacksofsky. Sie sprechen in ihren Beiträgen zur Rolle des Vertrauens bei Missbrauch, zum sexualisierten Umgang mit Kindern im antiken Christentum und zur Legitimation kirchlicher Macht aus staatlicher Perspektive. Über den grundlegenden Begriff der Pastoralmacht sowie aktuelle philosophische Debatten über Foucaults Machtbegriffe informiert darüber hinaus der ausgewiesene Foucault-Kenner und Sozialphilosoph Martin Saar. Das vollständige Programm ist unter https://www.uni-frankfurt.de/101260040.pdf einsehbar.

Die Tagung kann als Livestream über den YouTube-Kanal des Fachbereichs öffentlich verfolgt werden. Zudem gibt es die Möglichkeit, über den YouTube-Livechat oder über Twitter unter dem Hashtag #MuMTagung Fragen zu stellen und direkt in Kontakt zu treten. Der Livestream beginnt am 10. Juni um 9:45 Uhr und am 11. Juni um 10:15 Uhr.

Das Forschungsfeld „Macht und Missbrauch“ gehört zum Forschungsprofil des Fachbereichs „Katholische Theologie“ an der Goethe-Universität. In den vergangenen zwei Jahren haben bereits mehrere Veranstaltungen zu diesem Thema stattgefunden, wie etwa eine Tagung im Juni 2020, deren Beiträge auf dem YouTube Kanal des Fachbereichs abgerufen werden können. Die Beiträge sind inzwischen im Sammelband „Gefährliche Theologien. Wenn theologische Ansätze Machtmissbrauch legitimieren“ veröffentlicht.

Weitere Informationen
Dr. Doris Reiniger
Fachbereich Katholische Theologie
reisinger@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531 p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jun 7 2021
09:36

Programm der 8. Dagmar-Westberg-Vorlesung – Öffentliche Online-Vorträge, Diskussion und Online-Kolloquium

Sianne Ngai über die Ästhetik des Gimmick

FRANKFURT. Die 8. Dagmar-Westberg-Vorlesung, übernimmt in diesem Jahr vom 14. bis 18. Juni die amerikanische Wissenschaftlerin Sianne Ngai. Die Literaturwissenschaftlerin und Philosophin, die sich als eine der weltweit führenden Analytiker*innen der Gegenwartsästhetik etabliert hat, hält drei öffentliche Vorträge und ein Kolloquium zum Thema „Theory of the Gimmick: Aesthetic Judgment and Capitalist Form“.

„Sianne Ngai hat uns neue Begriffe an die Hand gegeben, um über die Alltagsästhetik des Hier und Jetzt zu sprechen. Genauer gesagt hat sie uns mit ihren Büchern erklärt, wie wir alle ständig ästhetische Urteile fällen, einfach indem wir sprechen“, erklärt Prof. Dr. Johannes Völz von der Goethe-Universität. Der Amerikanist mit dem Schwerpunkt „Demokratie und Ästhetik“ war an der Auswahl für die diesjährige Reihe der Westberg-Vorlesung beteiligt. „Am Ausgangspunkt von Sianne Ngais Forschung steht die Frage, welche ästhetischen Formen, Erfahrungen und Urteilskategorien sich unter den Bedingungen des ‚Spätkapitalismus' herausbilden und welches Potential eine solche Ästhetik für die Kritik ihrer eigenen ‚spätkapitalistischen' Bedingungen zur Verfügung stellt“, so Völz.

In ihren Frankfurter Vorlesungen, die sie englischer Sprache halten wird, wird Sianne Ngai ihren Blick, ausgehend von ihrem neuesten Buch Theory of the Gimmick, auf das Gimmick richten. Im Gimmick erkennt Ngai eine ästhetische Form, die uns zugleich anzieht und abstößt, und ein ästhetisches Urteil, durch das wir diese ambivalente Gefühlsmischung zum Ausdruck bringen.

Eröffnet wird die Reihe mit dem Vortrag „An Introduction to Aesthetic Categories (Through the Case of an Unstable One)“

am Montag, 14. Juni 2021, um 19.00 Uhr,

in dessen Rahmen Ngai sich mit dem Begriff der „ästhetischen Kategorie“ auseinandersetzen wird.

Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemielage finden alle Vorlesungen online statt. Die Informationen zum Programm sowie zur Anmeldung sind abrufbar unter

www.uni-frankfurt.de/Dagmar-Westberg-Stiftungsgastprofessur.

Zur Person der Referentin

Sianne Ngai hat an der Brown University sowie in Harvard studiert. Von 2000 bis 2007 war sie Assistant Professor für Englisch und von 2011 bis 2017 Associate Professor für Englisch an der Stanford University. Seit Herbst 2017 ist sie Professor of English an der University of Chicago. Zudem war Ngai Stipendiatin des Wissenschaftskollegs zu Berlin, des American Council of Learned Societies, der Huntington Library und des Stanford Humanities Center. 2015 wurde ihr von der Universität Kopenhagen die Ehrendoktorwürde in Geisteswissenschaften verliehen. Darüber hinaus unterrichtete Ngai an der Cornell School for Criticism and Theory sowie am Southern California Institute for Architecture. Sianne Ngais Forschungsschwerpunkte umfassen Ästhetische Theorie, Kritische Theorie, Amerikanische Literatur, Kulturwissenschaften, Feministische Studien und Queer Studies.

Zur Dagmar-Westberg-Vorlesung

Die Gastprofessur ist nach dem Vorbild amerikanischer Lectures konzipiert. Sie wird aus den Erträgen eines Fonds finanziert, den die Mäzenin Dagmar Westberg (1914-2017) gestiftet hat. Nach dem Willen der Stifterin soll das Geld ausschließlich für die Geisteswissenschaften verwendet werden. So kann die Goethe-Universität jährlich eine weltweit renommierte Forscherpersönlichkeit nach Frankfurt einladen. In den vergangenen Jahren fiel die Wahl auf den Germanisten Peter Strohschneider, der bis Ende 2019 DFG-Präsident war, die amerikanische Philosophin Martha Nussbaum, den deutsch-amerikanischen Archäologen Lothar von Falkenhausen, den Berliner Theologen Christoph Markschies, den Princeton-Historiker Anthony T. Grafton, die US-amerikanische Historikerin Lynn Hunt und den israelischen Wissenschaftshistoriker und Philosophen Menachem Fisch.

Die Termine der 8. Westberg-Vorlesung:

An Introduction to Aesthetic Categories (Through the Case of an Unstable One)
Montag, 14.06.2021, 19 Uhr
Online-Vorlesung via Zoom

Aesthetic Judgment as Verbal Performance
Dienstag, 15.06.2021, 19 Uhr
Online-Vorlesung via Zoom

The Gimmick as Capitalist Form
Donnerstag, 17.06.2021, 19 Uhr
Online-Vorlesung via Zoom

Theory of the Gimmick: Aesthetic Judgment and Capitalist Form
Kolloquium zu den Vorlesungen
Freitag, 18.06.2021, ab 13 Uhr
Online-Kolloquium
(Anmeldung zum Kolloquium unter vatanasomboon@em.uni-frankfurt.de)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann
Institut für Philosophie
Goethe-Universität
Telefon 069 / 798-32779
E-Mail Lutz-Bachmann@em.uni-frankfurt.de
www.uni-frankfurt.de/Dagmar-Westberg-Stiftungsgastprofessur


Redaktion: Michael Thomas, Veranstaltungsmanager, Tel: 069 798-12444, Fax: 069 798-763 12531, mithomas@em.uni-frankfurt.de

 

Jun 4 2021
14:44

Soziologe Sighard Neckel beendet partizipative Vortragsreihe „DenkArt“: Herausforderungen und Funktionsweisen des gesellschaftlichen Zusammenhalts

Wie Emotionen den Zusammenhalt beeinflussen

FRANKFURT. Wie unter einem Brennglas hat die Pandemie Ungleichheiten in unserer Gesellschaft deutlich gemacht. Und sie hat sie noch einmal vertieft. 

Lebenswirklichkeiten spalten sich voneinander ab, wenn etwa von vielen gar nicht wahrgenommen wird, dass das Infektionsrisiko nach Stadtteilen und Regionen verschieden verteilt ist. Umso wichtiger ist es, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Wie aber kann Solidarität in einer Gesellschaft verschiedener Lebensrealitäten funktionieren? Und welche Rolle spielen dabei die Emotionen von Individuen, gesellschaftliche Infrastrukturen und (Verteilungs-)Regeln? 

Zum Abschluss der partizipativen Vortragsreihe DenkArt „Solidarität_Aber wie?“ spricht der Soziologe und Assoziiertes Mitglied des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität, Prof. Dr. Sighard Neckel, am Dienstag, dem 8. Juni 2021, um 19.30 Uhr, über „Solidarität_Welche Rolle spielen Emotionen, Regeln, Infrastrukturen?“ 

Der Vortrag wird online via Livestream auf www.youtube.com/hausamdom zu verfolgen sein. Moderieren wird Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Forschungsverbunds Normative Ordnungen der Goethe-Universität Frankfurt am Main. 

Sighard Neckel ist Professor für Gesellschaftsanalyse und sozialen Wandel im Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Hamburg und Sprecher der dortigen DFG-Kolleg-Forschungsgruppe „Zukünfte der Nachhaltigkeit“. Er ist Assoziiertes Mitglied des mitveranstaltenden Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main und war bis 2017 Mitglied des Kollegiums des Instituts für Sozialforschung (IfS). Seine Forschungsschwerpunkte sind Wirtschaftssoziologie, soziale Ungleichheit, Kultursoziologie, Emotionsforschung und Gesellschaftstheorie. Zu seinen Publikationen (mit Koautoren) gehören „Leistung und Erschöpfung. Burnout in der Wettbewerbsgesellschaft“ (2013), „Sternstunden der Soziologie. Wegweisende Theoriemodelle des soziologischen Denkens“ (2010) und jüngst „Gesellschaftstheorie im Anthropozän“ (2020). 

Ziel der Reihe „DenkArt“ ist es, die öffentliche Debattenkultur zu pflegen und einen Raum für Diskussionen über aktuelle gesellschaftliche Themen zu schaffen. Im Anschluss an die Impulsvorträge werden die Zuschauer*innen deshalb miteinander ins Gespräch gebracht und können sie im Chat zum Livestream Fragen an die Gastredner*innen stellen. 

Veranstalter von DenkArt sind der Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Katholische Akademie Rabanus Maurus, das Haus am Dom, die Heinrich-Böll-Stiftung Hessen e.V. und Prof. Marion Tiedtke (Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und Dramaturgin). Unterstützt wird die Reihe durch die Sebastian-Cobler-Stiftung für Bürgerrechte. 

Weitere Informationen
Anke Harms Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität 069/798-31407 anke.harms@normativeorders.net; www.normativeorders.net

Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jun 4 2021
10:51

Bürgerforum des Instituts für Allgemeinmedizin informiert über den Nutzen des bundeseinheitlichen Medikationsplans 

Medikationsplan: gutes Mittel oder bittere Pille?

FRANKFURT. Alle gesetzlich versicherten Patienten, die mindestens drei Medikamente dauerhaft einnehmen müssen, haben Anspruch auf die Ausstellung eines Medikationsplans durch ihren Arzt. Viele haben diesen schon mal gesehen, einige möchten ihn elektronisch auf ihrer Gesundheitskarte speichern, andere tragen ihn als wichtiges Dokument täglich bei sich. Doch was ist eigentlich ein Medikationsplan genau? Warum, wann und wo ist ein Medikationsplan wichtig? Und warum sollen meine Vitamine und Kräuter da drauf? 

Das Bürgerforum widmet sich im Rahmen des Frankfurter Forums für Multimorbidität und Multimedikation (FM²) diesen wichtigen und aktuellen Fragen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, mit Experten aus Wissenschaft und Praxis ins Gespräch zu kommen und an einer virtuellen Diskussion teilzunehmen. In zwei Kurzvorträgen von Frau Marjan van den Akker (Professorin für Multimedikation und Versorgungsforschung) und Herrn Armin Wunder (Hausarzt in Frankfurt) erfahren die Teilnehmer*innen, wie der Medikationsplan Patient*innen helfen kann ihre Behandlung besser zu verstehen und zu beeinflussen. 

Prof. Marjan van den Akker, Dr. med. Armin Wunder: Frankfurter Forum für Multimorbidität und Multimedikation 8. Juni 2021, 18.00 – 19.00 Uhr 

Die Veranstaltung wird über Zoom mit anschließender Diskussion organisiert. Anmeldung per Mail mit dem Betreff „Anmeldung FFMM“: dieckelmann@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de 

Veranstalter ist das Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität mit Unterstützung der Ernst Max von Grunelius-Stiftung, der Barmer Krankenkasse, dem Frankfurter Forum Multimorbidität und Multimedikation, den Freunden und Förderern der Universität und InsightHealth. 

Kontakt: Mirjam Dieckelmann, M.A., Arbeitsbereich Chronische Krankheit und Versorgungsforschung, Institut für Allgemeinmedizin, Goethe-Universität Frankfurt. Tel.: (069) 6301-80442; dieckelmann@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de www.allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 1 2021
12:30

Wirtschaftswissenschaftler der Goethe-Universität entwickeln KI zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Brokern und Anlageberatern

Wie Fehlverhalten am Kapitalmarkt aufgedeckt werden kann

Seriös oder unseriös? Wenn Broker und Anlageberater in berufsbezogenen sozialen Netzwerken ihr Profil besonders aufpolieren, neigen sie auch im Berufsalltag eher zu betrügerischem Verhalten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Wirtschaftswissenschaftlern der Goethe-Universität, die Machine-Learning-Modelle entwickelt haben, um die Glaubwürdigkeit sozialer Profile von Brokern und Anlageberatern zu überprüfen. Die Studie wurde von der renommierten Fachzeitschrift „Journal of the Association for Information Systems“ mit dem Best Paper Award des Journals für das Jahr 2020 ausgezeichnet. 

FRANKFURT. Privatanleger, die auf dem Finanzmarkt aktiv werden wollen, sind meist auf Broker und Anlageberater angewiesen – und darauf, ihnen zu vertrauen. Doch einige dieser Finanzintermediäre stellen ihren Profit über das Interesse ihrer Kunden und verursachen so für Privatkunden jährlich Schäden in Milliardenhöhe. Diese Schäden schwächen zudem das Vertrauen in das Finanzsystem selbst. 

Privatkunden wie Aufsichtsbehörden haben deshalb ein Interesse daran, die Glaubwürdigkeit von Brokern und Anlageberatern genauer zu ermitteln. Zwar müssen sich Broker und Anlageberater bei ihrer Registrierung den Aufsichtsbehörden gegenüber professionell ausweisen, doch bietet dieser Ausweis offenkundig keinen ausreichenden Schutz vor Fehlverhalten und Betrug. Forscher der Goethe-Universität setzen nun bei der Kontrolle der Finanzintermediäre selbst ein: Auf Basis von Daten US-amerikanischer Broker und Anlageberater zeigen die Forscher, dass von Finanzintermediären selbst veröffentlichte Informationen in beruflichen sozialen Netzwerken dafür genutzt werden können, unseriöse Akteure zu identifizieren. Dabei gehen die Forscher von der in der Psychologie theoretisch begründeten Annahme aus, dass sich vertrauenswürdige Personen kohärent verhalten, das heißt: auch in sozialen Netzwerken vertrauenswürdig agieren. Kurz: Sie bluffen nicht - oder weniger. 

Die Wissenschaftler um den Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. Peter Gomber interessierten sich vor allem für berufliche soziale Netzwerke wie etwa LinkedIn oder Xing; dort veröffentlichen Broker und Anlageberater routinemäßig persönliche Informationen – um sich zu profilieren, Kontakte zu pflegen, ihr Netzwerk weiterzuentwickeln, vor allem aber auch, um potenzielle Kunden zu werben. Diese Profile setzen die Wissenschaftler mittels selbstlernender Algorithmen in Korrelation zu Datenbanken aufgedeckter Betrugsfälle, die von der US-Aufsichtsbehörde öffentlich zur Verfügung stehen. 

Die Ergebnisse der Machine-Learning-Modelle ergeben ein klares Muster: Informationen in beruflichen sozialen Netzwerken sind vor allem dann für die Klassifizierung von fehlverhaltenden und nicht fehlverhaltenden Finanzintermediären von Bedeutung, wenn sie durch andere Netzwerkakteure bestätigt werden – vor allem durch Behörden, die Informationen zum vergangenen Verhalten der Intermediäre offenlegen. Informationen, die für die externe Verifizierung der Profilinformationen genutzt werden können, können nämlich nur schwer manipuliert werden und sind somit besonders aussagekräftig bzw. helfen, Unstimmigkeiten zwischen Profilinformationen und behördlichen Informationen aufzudecken. Das Ergebnis der Studie ist besonders für Finanzmarktkontrolleure von Bedeutung: Sie können die Erkenntnisse etwa nutzen, um eigene Modelle für die Finanzmarktüberwachung zu trainieren oder bereits vorhandene Modelle zu erweitern und damit effizient zu gestalten. Indem sie unseriöse Broker und Anlageberater früher erkennen bzw. besser kontrollieren, können sie Betrugsfällen und anderem Fehlverhalten – und damit auch finanziellen Schäden - vorbeugen. 

Die Studie der Frankfurter Wirtschaftswissenschaftler wurde im renommierten „Journal of the Association for Information Systems" (JAIS) veröffentlicht und mit dem Best Paper Award des Journals für das Jahr 2020 ausgezeichnet. JAIS ist eine führende internationale wissenschaftliche Zeitschrift in Information Systems und im „AIS Senior Scholars' Basket of Journals“ enthalten, das die weltweit acht Top-Information Systems-Journals umfasst. 

Publikation: Jens Lausen, Benjamin Clapham, Michael Siering, Peter Gomber (2020), “Who Is the Next "Wolf of Wall Street"? Detection of Financial Intermediary Misconduct". In: Journal of the Association for Information Systems 21.5, pp. 1153–1190. https://aisel.aisnet.org/jais/vol21/iss5/7. 

Weitere Informationen

Prof. Dr. Peter Gomber
Professur für e-Finance
gomber@wiwi.uni-frankfurt.de 

Dr. Benjamin Clapham
clapham@wiwi.uni-frankfurt.de 

Jens Lausen
lausen@wiwi.uni-frankfurt.de 

Dr. Michael Siering 
siering@wiwi.uni-frankfurt.de

Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 31 2021
14:30

Die UB Frankfurt digitalisiert mit Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft über 550 Bände der beim Frankfurter Bürgertum beliebten Wochenzeitung von 1722 bis 1934. 

DFG fördert die Digitalisierung des „Frankfurter Intelligenzblattes“

FRANKFURT. In der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg ist ein Großteil der seit 1615 in Frankfurt erschienen Zeitungen und Zeitschriften überliefert. Das „Frankfurter Intelligenzblatt“ ist eine der wichtigsten Quellen für die Wirtschafts- und Kulturgeschichte Frankfurts im 18. und 19. Jahrhundert. Das erstmalig 1722 unter dem Titel „Wochentliche Franckfurter Frag- und Anzeigungs-Nachrichten“ erschienene Inseratenblatt entwickelte sich rasch zum alltäglichen und geschätzten Begleiter der hiesigen Bürgerschaft und wurde aufgrund der überregionalen Bedeutung der Stadt auch weit darüber hinaus gelesen. 

Die Zeitung, die unter wechselnden Namen bis 1934 erschien, stellt mit einer Laufzeit von über 200 Jahren eine unersetzliche Ressource für die Erforschung der Alltags-, Medien und Konsumgeschichte eines der bedeutendsten urbanen Zentren Deutschlands dar. Die vielen Werbeanzeigen, privaten und offiziellen Bekanntmachungen sowie literarischen Beilagen sind unmittelbarer Ausdruck der sozio-kulturellen Identitäten des Frankfurter Bürgertums sowie des historischen Gedächtnisses der Stadt. Die Zeitung bietet einen reichen Fundus an Informationen nicht nur für die Wissenschaft, sondern darüber hinaus auch für eine breite interessierte Öffentlichkeit.

In dem von der HeBIS-Verbundzentrale koordinierten DFG-Projekt „Digitalisierung historischer Zeitungen Hessens“ wird das „Frankfurter Intelligenzblatt“ nun mit einem Volumen von insgesamt 700.000 Seiten durch einen externen Dienstleister digitalisiert. Neben der UB Frankfurt sind außerdem auch die HLB Fulda, die UB Gießen, die UB Marburg und die HLB Rhein-Main in Wiesbaden beteiligt. In diesem Vorhaben werden diverse hessische Zeitungen, Intelligenz- und Kreisblätter sowie Zeitungen der Revolutionsjahre 1848/49 digitalisiert, mit Volltexterkennung erschlossen und auf einem gemeinsamen Portal präsentiert. Insgesamt wird durch die DFG die Digitalisierung von 1,2 Millionen Zeitungsseiten gefördert. 

Ein Beispiel für eine bereits digitalisierte Ausgabe der Zeitung in den Digitalen Sammlungen der UB Frankfurt - „Frankfurter Nachrichten und Intelligenzblatt“ (Abendausgabe) vom 11.11.1918: http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/periodika/periodical/pageview/7244195 

Weitere Informationen: Dr. Mathias Jehn, Leiter der Abteilung Bestandserhaltung und Digitalisierung sowie des Archivzentrums, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg. Tel. (069) 798 39007; m.jehn@ub.uni-frankfurt.de

Kontakt für Pressefragen allgemein: Bernhard Wirth, Stabsstelle Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49 (69) 798 39223; Mail: b.wirth@ub.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 28 2021
12:47

Im aktuellen UniReport kommen Studierende zu Wort, die über ihren Umgang mit der Corona-Pandemie berichten. Trotz Reisebeschränkungen sind auch einige internationale Studierende vor Ort in Frankfurt.

An den digitalen Lehrbetrieb gewöhnt: Studis freuen sich aber auf die Präsenzuni

FRANKFURT. Seminare in Präsenz, Treffen mit Kommiliton*innen auf dem Campus, gemeinsame Aktivitäten auch außerhalb des Lehrbetriebs: Studierende an der Goethe-Universität blicken angesichts der Lockerungen nach vorne und freuen sich auf den Präsenzbetrieb im Wintersemester, den die Goethe Universität allmählich vorbereitet.   Im aktuellen UniReport kommen Studis zu Wort, die erst seit wenigen Semestern an der Goethe-Universität studieren. Sie berichten von ganz unterschiedlichen Erfahrungen. Viele können dem Online-Lehrbetrieb viel abgewinnen, genießen die Zeit- und Ortsunabhängigkeit. Andere wiederum tun sich schwer, sich ohne direkte Kontakte zu anderen Studierenden im digitalen Studium zurechtzufinden. Einigen sind die Studentenjobs weggebrochen; auf einen Umzug in eine eigene Bude haben viele erst einmal verzichtet. Nahezu alle Studierenden sind aber neugierig, wie sich ein Studentenleben auf dem Campus anfühlen wird.

Für internationale Studierende oder Gaststudierende stellt die Corona-Pandemie vor allem eine Einschränkung der Mobilität dar. Es gibt derzeit keine wirkliche Planungssicherheit, in den meisten Ländern gelten Reisebeschränkungen, es gibt wenig oder gar keine Visumstermine. Absagen oder Verschiebungen sind die Folge. Internationale Studierende, die sich in Deutschland aufhalten, nutzen schon lange digitale Kommunikationsmedien, um den Kontakt zu Familie und Freunden in der Heimat aufrechtzuerhalten. Aber Vorlesungen und Seminare in Präsenz empfänden die meisten als Bereicherung – man hofft auf eine Rückkehr zum normalen Lehrbetrieb im nächsten Semester.   

Weitere Themen im aktuellen UniReport:

- Wenn Eminenz wichtiger als Evidenz ist: Der diesjährige Goethe-Medienpreis geht an drei SZ-Journalisten, die den spektakulären Fall eines fehlerhaften Papers im Bereich der Hirnforschung aufgeklärt haben.
- Studium der Lebewesen: Im Masterprogramm „Ökologie und Evolution“ wird Diversität großgeschrieben.
- Verdienste auf vielen Feldern: Der Zell-Biologe Jürgen Bereiter-Hahn ist 80 Jahre alt geworden.
- Interessiert am Stadtleben: Susanne Heeg, Humangeographin.
- Die Rückkehr der „Dinge“: Die Soziolog*innen Katharina Hoppe und Thomas Lemke über ihren Einführungsband zu den „Neuen Materialismen“.
- „Wir könnten Gesellschaft auch anders einrichten“: Der Soziologe Stephan Lessenich über seine neuen Aufgaben an der Goethe-Universität und am Institut für Sozialforschung.
- Hirse in Indien, Sparen in Äthiopien, Forschungsgeschichte in Australien: Am Frobenius-Institut gehen drei neue, von der DFG geförderte Projekte an den Start.
- „Der Müll, die Stadt und der Tod“, Erinnerung an einen Theaterskandal: Fragen an den Theaterwissenschaftler Nikolaus Müller-Schöll.
- Wenn die Konjunktion plötzlich gebeugt wird: Der Linguist Günther Grewendorf hat dem sprachlichen Reichtum des Bairischen ein ganzes Buch gewidmet.
- Ein Festakt im virtuellen Raum: 40 Jahre Japanologie am Fachbereich Sprach- und Kulturwissenschaften
- Alfred Landé – Der vergessene Pionier: Vor 100 Jahren löste der Physiker in Frankfurt ein Rätsel der Quantentheorie.
- Harmonie und Verunsicherung: Drei Fragen zur Bundestagswahl an den Politikwissenschaftler Thomas Zittel.
- In Transit|ion: Lesung und Gespräch mit Yann Martel, Autor von „Schiffbruch mit Tiger“.
- Ästhetik unter den Bedingungen des Spätkapitalismus: Westberg-Vorlesungen 2021 mit der Literaturwissenschaftlerin Sianne Ngai (Chicago).
- Feminismus und Islam? Helma Lutz, Marianne Schmidbaur und Meltem Kulaçatan über die Genese der Vorlesungsreihe „Whose Gender? Whose Sex? Zur Polyvalenz der Geschlechterverhältnisse im Islam“.
- Jubiläum: Über 500 000 Literaturnachweise in der „Bibliographie der deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft (BDSL)“.

Der UniReport 3/2021 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 28 2021
12:03

Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität wird Partner des Ausstellungsprojekts „tinyBE • living in a sculpture“ – tinyBE-Info-Box informiert ab dem 28. Mai auf dem Campus Westend

Wissenschaft trifft Kunst zum Wohnen

Welche Orte brauchen wir zum Leben und Arbeiten? Wie groß, wie klein kann der Raum für ein erfülltes und nachhaltiges Leben sein? Die Ausstellung tinyBE – vom 26. Juni bis 26. September im Frankfurter Metzler Park – greift diese Fragen mit bewohnbaren Skulpturen internationaler Künstler:innen auf. Eine digitale Info-Box informiert vorab über das Projekt, das vom Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität wissenschaftlich begleitet wird.

FRANKFURT. Mit einer roten Info-Box geht es los: Auf vier Bildschirmen liefert die tinyBE Info-Box der Architekten schneider+schumacher vor dem Casino-Anbau auf dem Campus Westend vom 28. Mai bis zum 24. Juni 2021 Informationen über die tinyBE-Ausstellung, das wissenschaftlich-künstlerische Rahmenprogramm der tinyMONDAYS und die beteiligten Förderer und Kooperationspartner. Die Ausstellung greift aktuelle Debatten über die Zukunft von Wohnen und Arbeiten auf, über soziokulturelle Herausforderungen und den ressourcenschonenden Umgang mit Lebensräumen in künstlerisch und funktional gestalteten Kleinarchitekturen – Themen, mit denen sich auch die Videobeiträge der Info-Box von Wissenschaftler:innen des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ befassen.

Die zentrale Ausstellung „tinyBE • living in a sculpture“ zeigt anschließend vom 26. Juni bis 26. September im Frankfurter Metzlerpark (mit Satelliten in Darmstadt und Wiesbaden) bewohnbare Skulpturen international renommierter Künstler:innen. Im Metzlerpark wird auch ein Ausstellungspavillon entstehen, der von Studierenden der Hochschule für Gestaltung Offenbach entworfen wird und als Gartentheater und Besucherzentrum dienen soll.

Der Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ ist Partner und Mitgestalter des wissenschaftlich-künstlerischen Rahmenprogramms: Unter anderem veranstaltet der Forschungsverbund am 5. Juli einen Dialognachmittag zum Thema „Von großen und kleinen Räumen. Das Zusammenleben auf globaler Ebene.“ In Podiumsdiskussionen und Impulsen werden Antworten auf die Frage gesucht, wie Individuen und Gesellschaft das zukünftige Zusammenleben mitgestalten können (weitere Informationen in Kürze).

Die Info-Box wird von den Architekten schneider+schumacher als Unterstützung für tinyBE gestaltet. Das Design geht auf das erfolgreiche Kommunikationsprojekt „Rote Info-Box“ des Architekturbüros zurück: ein Informationszentrum, das 1995 für die größte Baustelle Europas am Potsdamer Platz in Berlin entworfen und realisiert wurde.

Die wissenschaftlichen Videobeiträge für die tinyBE-Info-Box stammen von den Mitgliedern des Forschungsverbunds Prof. Dr. Darrel Moellendorf (Professor für Internationale Politische Theorie und Philosophie der Goethe-Universität), Prof. Dr. Indra Spiecker gen. Döhmann, LL.M. (Professorin für Öffentliches Recht, Umweltrecht, Informationsrecht und Verwaltungs­wissenschaften der Goethe-Universität), Dr. Tatjana Sheplyakova (Postdoktorandin des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“) und Jun.-Prof. Dr. Franziska Fay (Juniorprofessorin für Ethnologie mit dem Schwerpunkt Politische Ethnologie der Johannes Gutenberg Universität Mainz und ehemalige Postdoktorandin des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“). Sie richten aus Sicht ihrer aktuellen Forschung einen kommentierenden Blick auf die Skulpturen FIRST von Onur Gökmen, MY-CO SPACE des SciArt Kollektivs MY-CO-X, Alison Knowles The House of Dust und Laure Prouvosts Boobs Hills Burrows.

Das Gesamtprojekt wird gefördert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain und unterstützt von der Stiftung Flughafen Frankfurt/Main für die Region, den Städten Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt, dem Land Hessen und weiteren Stiftungen und Sponsor:innen. Schirmherrin ist Dr. Ina Hartwig, Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt a.M.

Weitere Informationen unter:
https://tinybe.org
www.normativeorders.net

Bilder zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/101742698

Bildtext 1: Die rote Info-Box des Architektenbüros schneider +schuhmacher auf dem Campus Westend informiert über die Kunstausstellung „tinyBE • living in a sculpture“ (© Normative Ordnungen)

Bildtext 2:
MY-CO-SPACE, 2021, von der Künstlergruppe MY-CO-X ist eine der bewohnbaren Skulpturen im Frankfurter Metzlerpark (©Sven Pfeiffer, MY-CO-X)

Weitere Informationen
Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main
anke.harms@normativeorders.net
069/798-31407

Josefine Rauch, Projektkoordinatorin, PR und Kommunikation tinyBE
j.rauch@tinybe.org


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 28 2021
10:12

Neue Projekte am Frobenius-Institut an der Goethe-Universität befassen sich mit der kulturanthropologischen Dimension von Nahrungsressourcen

Die vielfache Bedeutung von Hirse, Reis und Weizen

Reis, Weizen und Hirse stehen im Zentrum zweier neuer DFG-geförderter Forschungsprojekte am Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität. Unter dem Dach des Sonderforschungsbereich (SFB) „RessourcenKulturen“ an der Universität Tübingen erforscht Institutsdirektor Prof. Dr. Roland Hardenberg die religiösen und (agrar-)ökonomischen Dimensionen von Getreide.

FRANKFURT. „Unser tägliches Brot gib uns heute“ – so heißt es im Vaterunser. Ohne Zweifel haben Grundnahrungsmittel wie Getreide für viele Menschen weltweit auch eine religiöse Bedeutung. Damit befasst sich das Teilprojekt „RessourcenKulturen von Reis und Weizen in Süd- und Zentralasien: Religiöse und (agrar-)ökonomische Dimensionen von Getreide“ im Sonderforschungsbereich 1070. Der SFB ist in Tübingen angesiedelt und wurde jetzt verlängert. Mit der Verlängerung einher geht die Förderzusage für das Frankfurter Teilprojekt, das Institutsleiter Prof. Dr. Roland Hardenberg beantragt hat. Kooperationspartner sind die Universität Groningen in den Niederlanden und die Nazarbayev Universität in Kasachstan.

Drei Fallstudien sollen die empirische Basis liefern: Eine widmet sich dem Umgang mit Reis in West-Odisha in Indien, wo die Göttin Lakshmi mit Reis identifiziert wird. Dort hat die so genannte Grüne Revolution mit industriell erzeugtem Saatgut viel Schaden angerichtet. Um die heimischen Reissorten zu stärken, werden auf diese religiösen Vorstellungen zurückgegriffen. Eine zweite Fallstudie blickt auf das Hochland von Odisha, wo eben diese Sorten noch kultiviert werden. Und die dritte Fallstudie wiederum befasst sich mit dem Weizenanbau in Kasachstan, wo es einen spirituellen Patron, Baba Deyqan für das Getreide gibt. Wie hat die industrielle Landwirtschaft dieses religiöse Erbe beeinflusst? Und wie kann es im Sinne von Nachhaltigkeit reaktiviert werden? Alle drei Fallstudien sollen Aufschluss darüber geben, wie Getreide als religiöses Medium Akteure, Idee und Praktiken zusammenbringen und Dynamiken in Gang setzen kann.

Hirse im Fokus eines weiteren DFG-Projekts

Getreidesorten und ihre kulturanthropologische Bedeutung sind einer der Forschungsschwerpunkte von Roland Hardenberg, der früher Stellvertretender Sprecher des Sonderforschungsbereichs „Ressourcenkulturen“ in Tübingen war. Seit mehreren Jahren bereits hat er auch Hirsekulturen in Indien im Blick. Gemeinsam mit der Universität Groningen in den Niederlanden hat er das „Groningen-Frankfurt Millets Network“ gegründet – Millets ist englisch für Hirse. Nach dem Stand der Forschung ist Hirse eine bislang stark unterbewertete Nahrungsquelle. Da sie in Asien und Afrika vor allem von ärmeren Bevölkerungsschichten angebaut und verzehrt wird, gilt sie dort meist als eher „primitives“ Essen. Dabei handelt es sich in Wahrheit um eine Art Wundernahrung, die viele Ernährungsprobleme lösen könnte: Hirse ist nahrhaft, enthält viele Vitamine und Mineralien, ist glutenfrei. Beim Anbau braucht Hirse wenig Wasser, der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden ist nur begrenzt notwendig. Sie wächst schnell und hat einen hohen Ertrag. Und trotz alledem hat die Hirse dieses Imageproblem. Doch das ändert sich gerade.

„Die Regierungen haben erkannt, dass Hirsen helfen könnten, die Millenniumsziele zu erreichen und den Hunger zurückzudrängen“, sagt Hardenberg. In den Städten sei die Hirse, die man je nach Sorte zu unterschiedlichen Produkten verarbeiten kann, bereits im Trend. Und vor kurzem wurde Hirse in das staatliche Verteilungssystem (PDS) für die arme Bevölkerung aufgenommen, so dass immer mehr Bauern nicht mehr nur für den eigenen Bedarf produzieren. Das neue Projekt soll nun am Beispiel der Region Odisha im Osten Indiens Erkenntnisse darüber erbringen, welche Auswirkungen diese Strategie auf diejenigen hat, die Hirsesorten produzieren, verteilen und konsumieren. Eine Fallstudie betrachtet die Situation in der Hauptstadt Bhubaneswar, wo Hirse in immer mehr Geschäften und Restaurants angeboten wird. In einer zweiten geht es um die Auswirkungen des staatlichen Verteilungssystems auf die Anbaupraxis, in einer dritten um die Situation der Schwendbauern im Hochland, die als „Wächter der Hirse“ bezeichnet werden, weil sie mit ihrer nachhaltigen Bewirtschaftung die Vielfalt des Saatguts bewahren helfen. In der Zusammenschau sollen die drei Fallstudien ein Bild ergeben davon, wie Menschen den Status von Hirse definieren, welches Wissen sie darüber haben, wie sie mit den Pflanzen und ihren Produkten umgehen, welche Technologien sie verwenden und welche Verbindungen zwischen Hirsesorten und sozialen Identitäten bestehen. Dabei kooperiert das Frobenius-Institut mit der Archäobotanik an der Goethe-Universität und an der Universität Groningen.

Bilder zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/101742425

Bildtext:
Bild 1: Ähre der "kleinen Hirse" (panicum sumatrense) im Hochland von Odisha, Indien. Ein Forschungsprojekt am Frobenius-Institut befasst sich mit der Bewertung und Verwendung lokaler Hirsesorten. (Foto: Roland Hardenberg)
Bild 2: Opfer für den Nassreis während der Ernterituale im indischen West-Odisha. (Foto: Peter Berger)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Roland Hardenberg
Direktor Frobenius-Institut an der Goethe-Universität
Telefon 069 798-33050
E-Mail: Hardenberg@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation,  Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de