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Frankfurter Forschungsteam legt erste umfassende Analyse zur Verbreitung des humanpathogenen Parasiten in Europa vor
Der Waschbärspulwurm Baylisascaris procyonis kann beim Menschen schwere Erkrankungen bis hin zu tödlichen Hirnschädigungen auslösen. Ein Frankfurter Forschungsteam des Verbundprojektes ZOWIAC hat nun die erste umfassende Analyse für Europa vorgelegt: Der Parasit ist bereits in neun Ländern etabliert und breitet sich kontinuierlich aus. Die Studie kombiniert neue Untersuchungen von 146 Waschbären aus Deutschland mit einer umfassenden Auswertung aller verfügbaren europäischen Daten und wurde im Fachjournal Parasitology Research publiziert.
FRANKFURT. Während die Ausbreitung des Waschbären in Europa oft diskutiert wird, bleibt sein Begleiter eher unbeachtet: Der Waschbärspulwurm Baylisascaris procyonis reiste bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit den ersten Waschbären aus Nordamerika ein. Seit der Freilassung bzw. dem Entkommen aus Pelztierfarmen hat sich der Waschbär unkontrolliert über weite Teile Mitteleuropas verbreitet – und mit ihm sein Parasit. Deutschland gilt heute als Hauptverbreitungsgebiet für beide Arten in Europa.
Gefährlicher Begleiter des Waschbären
„Dieser Parasit kann auch den Menschen infizieren und eine sog. Larva migrans verursachen, bei der wandernde Larven Gewebe und Organe schädigen können“, erklärt Prof. Dr. Sven Klimpel von der Goethe-Universität Frankfurt und dem Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. Menschen infizieren sich durch das versehentliche Verschlucken infektiöser Eier, die im Boden, in Gewässern oder auf Gegenständen vorkommen, die mit Waschbärkot kontaminiert sind.
Ein Forschungsteam des Verbundforschungsprojektes ZOWIAC (Zoonotische und wildtierökologische Auswirkungen invasiver Carnivoren) hat nun untersucht, wie weit sich der Parasit in Europa bereits verbreitet hat.
Heimtückischer Lebenszyklus
Der Lebenszyklus des Parasiten ist komplex: Erwachsene Spulwürmer leben im Dünndarm des Waschbären. Die Weibchen produzieren täglich bis zu 180.000 Eier, die über den Kot in die Umwelt gelangen. An sogenannten Waschbärlatrinen – bevorzugten Kotstellen – sammeln sich die widerstandsfähigen Eier an. In der Umwelt entwickeln sie sich bei ausreichender Temperatur und Luftfeuchtigkeit innerhalb von zwei Wochen zu infektiösen Larven, die mehrere Jahre überleben können.
Kleinkinder besonders gefährdet
Eine Infektion des Menschen mit dem Waschbärspulwurm wird als Baylisascariose bezeichnet. Anne Steinhoff von der Goethe-Universität Frankfurt und Erstautorin der Studie erklärt: „Gelangen die Larven in das zentrale Nervensystem, kann die Erkrankung schwerwiegende Folgen haben. Aufgrund des häufigen Hand-Mund-Kontakts erkranken vorrangig Kleinkinder.“ Die meisten bekannten Fälle treten in Nordamerika auf, dem natürlichen Verbreitungsgebiet von Waschbär und Spulwurm. Dort führte die Erkrankung in den meisten dokumentierten Fällen zu bleibenden neurologischen Schäden oder gar zum Tod.
„Darüber hinaus wird angenommen, dass viele Fälle aufgrund der unspezifischen Symptome unentdeckt bleiben oder falsch diagnostiziert werden“, ergänzt Klimpel. „In Europa wird die Diagnose beim Menschen durch das Fehlen spezifischer diagnostischer Testmöglichkeiten zusätzlich erschwert.“ Eine definitive Diagnose ist derzeit nur bei den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in den USA und Kanada möglich.
Erste umfassende Europa-Analyse
Ziel der Studie war es, einen aktuellen Überblick über die Verbreitung des Parasiten in Europa zu erstellen und den Forschungsbedarf zu identifizieren. Dazu untersuchte das Team um Klimpel und Steinhoff Waschbären aus Deutschland mittels Sektion und ergänzte diese neuen Daten durch eine umfassende Analyse verfügbarer wissenschaftlicher Studien und Befallsdaten aus Europa.
Von den 146 untersuchten Waschbären waren 66,4 Prozent mit Baylisascaris procyonis infiziert: in Hessen waren 77,4 Prozent, in Thüringen 51,1 Prozent und in Nordrhein-Westfalen 52,9 Prozent. Für Thüringen lieferte die Studie erstmals Prävalenzdaten. „Die Ergebnisse zeigen sowohl eine Ausweitung des Verbreitungsgebiets des Spulwurms sowie eine stabiles Infektionsvorkommen auf hohem Niveau in den deutschen Waschbärpopulationen“, führt Klimpel aus. Die Analyse ergab, dass der Spulwurm in neun europäischen Ländern bei wildlebenden Waschbären vorkommt, vorrangig in Zentraleuropa – teilweise mit extrem hohen Befallszahlen. In drei weiteren Ländern wurden Infektionen bei Waschbären oder anderen Tierarten in Gefangenschaft nachgewiesen.
Ausbreitung gekoppelt an Waschbärpopulationen
„Die Studien zeigen eine stetige Ausdehnung des Verbreitungsgebiets in Europa. Dabei ist die Verbreitung des Spulwurms an die stetige Ausbreitung des Endwirts Waschbär gekoppelt, der inzwischen europaweit vorkommt“, führt Klimpel weiter aus. „Die tatsächliche Verbreitung des Spulwurms wird wahrscheinlich aufgrund unzureichender oder fehlender Datenerhebungen erheblich unterschätzt.“
Besonders besorgniserregend: Die Urbanisierung der Waschbärpopulationen erhöht die Wahrscheinlichkeit von Kontakten zwischen Menschen und kontaminierten Bereichen. Drei dokumentierte Fälle von Baylisascariose in Europa sind bekannt – alle resultierten in dauerhafter Sehbehinderung.
„Die Ergebnisse der vorliegenden Studie machen deutlich, dass weitere Forschung zum Waschbärspulwurm in Europa dringend erforderlich ist – insbesondere vor dem Hintergrund wachsender Waschbärpopulationen und ihrer zunehmenden Anpassung an städtische Lebensräume“, schließt Klimpel.
Publikation: Anne Steinhoff, Robin Stutz, Anna Viktoria Schantz, Norbert Peter, Dorian D. Dörge & Sven Klimpel. Baylisascaris procyonis on the rise in Europe: a comprehensive review and analysis of occurrence data. Parasitology Research (2025). https://doi.org/10.1007/s00436-025-08611-z
Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/181720394
Bildtext:
[Collage] Die in Europa invasiven Waschbären sind in vielen Fällen vom parasitären Waschbärspulwurm Baylisascaris procyonis (Kreis) befallen (Fotos: ZOWIAC/Goethe-Universität).
[Darm] Bei der Sektion im Labor wird deutlich, wie stark der Darm eines einzelnen Waschbären von Baylisascaris procyonis befallen ist (Foto: ZOWIAC/Goethe-Universität)
Weitere Informationen
Prof. Dr. Sven Klimpel
Institut für Ökologie, Evolution und Diversität
Goethe-Universität Frankfurt
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
069 798-42237
klimpel@bio.uni-frankfurt.de
https://zowiac.eu/
Quote für den Öffentlichen Gesundheitsdienst ermöglicht Zulassung abseits des Medizin-Auswahlverfahrens – Begleitung durch fachspezifische Kurse – Studienplätze in Frankfurt, Marburg und Gießen – Bewerbungsstart 1. Februar 2026
Wer sich sowohl um die Gesundheit einzelner Patientinnen und Patienten als auch um die Gesundheit der Bevölkerung als Ganzes kümmern will, kann dies als Fachärztin oder Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen tun. Die hessischen Universitäten bieten dafür im Medizinstudium ein Programm an, das darauf spezifisch vorbereitet, ein sogenanntes Schwerpunktcurriculum. Rund 15 Studienplätze pro Jahr werden an Interessierte vergeben, die sich verpflichten, später zehn Jahre im Öffentlichen Gesundheitsdienst zu arbeiten. Für diese Bewerberinnen und Bewerber sind Abi-Notenschnitt und Medizinertest weniger ausschlaggebend als ihre persönliche und fachspezifische Eignung.
FRANKFURT. Den Öffentlichen Gesundheitsdienst haben angehende Medizinerinnen und Mediziner kaum auf dem Schirm, wenn es um ihre fachliche Spezialisierung geht. Dabei wartet auf angehende Fachärztinnen und Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen eine große Vielfalt an Themen und Tätigkeiten: Neben dem Infektionsschutz – nicht nur in Zeiten von Corona – und der Hygiene etwa im Rettungswesen oder auf Sportplätzen geht es zum Beispiel um die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, um psychische Gesundheit, ärztliche Beratungen, Begutachtungen und Bescheinigungen. Der Öffentlichen Gesundheitsdienst ist in der Prävention und Gesundheitsförderung tätig und berät zum Beispiel dabei, wie sich Städte an den Klimawandel anpassen. Sprechstunden für mittellose und nicht krankenversicherte Menschen, für Prostituierte und für Schwangere und Eltern in besonders schwierigen Lebenssituationen werden ebenso angeboten wie reisemedizinische Beratungen.
„Die Fachärzt*innen für Öffentliches Gesundheitswesen sind Allrounder“, weiß Jon Genuneit, der an der Goethe-Universität seit September Hessens erste Professur für Öffentliches Gesundheitswesen bekleidet und am Fachbereich Medizin das neue Institut für Öffentliches Gesundheitswesen leitet. „Dafür bereiten wir an den medizinführenden Universitäten Hessens – Marburg, Gießen und natürlich hier in Frankfurt – die Medizinstudierenden vom ersten bis zum letzten Semester mit einem fachlichen Schwerpunktcurriculum vor.“ Dieses Programm umfasst regelmäßige Treffen mit Mentor*innen, die den Studierenden helfen, die Herausforderungen des anspruchsvollen Studiums zu meistern. Hier geht es etwa um Zeitmanagement, Stressbewältigung und Professionalisierung. Die theoretischen Grundlagen für die Aufgaben des öffentlichen Gesundheitsdienstes werden in einer Seminarreihe vermittelt, und während Hospitationen erhalten die Studierenden Gelegenheit, verschiedene Tätigkeitsbereiche der Gesundheitsämter in der Praxis kennenzulernen. Erste Hospitationen haben am Gesundheitsamt Frankfurt stattgefunden, unter dessen Mitwirkung das Programm entwickelt wurde. In Zukunft sollen Hospitationen an allen Gesundheitsämtern in Hessen möglich sein.
„Unser Schwerpunktcurriculum ist in dieser strukturierten Form bundesweit einzigartig“, sagt Genuneit. „Hier bekommen die Studierenden nicht einfach nur einen Studienplatz, sondern ein maßgeschneidertes Lehrangebot, das sie gezielt auf die spätere Arbeit im Gesundheitsamt vorbereitet.“ Dabei sei das Schwerpunktcurriculum nicht als zusätzliche Lernbelastung konzipiert, sondern könne auf das ohnehin notwendige Wahlfach angerechnet und als solches absolviert werden. Ferner stehe das Schwerpunktcurriculum auch Studierenden offen, die ihren Studienplatz nicht über die Quote für den Öffentlichen Gesundheitsdienst erhalten haben.
Die Quote für den Öffentlichen Gesundheitsdienst wie auch die Landarztquote wurde durch das Land Hessen für das Wintersemester 2022/2023 eingeführt. Das Bewerbungsverfahren wird durch das Hessische Landesamt für Gesundheit und Pflege gesteuert, Bewerbungen sind vom 1. bis 28. Februar 2026 möglich.
Informationen zur Bewerbung und – ab 1. Februar 2026 – den Link zum Bewerberportal gibt es auf der Seite des Hessischen Landesamts für Gesundheit und Pflege:
https://hlfgp.hessen.de/Themen-A-Z/quote-fuer-den-oeffentlichen-gesundheitsdienst
Informationen zum Schwerpunktcurriculum: https://bevölkerungsmedizin-hessen.de/
Aufgaben zum Beispiel des Gesundheitsamts Frankfurt: https://frankfurt.de/service-und-rathaus/verwaltung/aemter-und-institutionen/gesundheitsamt/unser-service
Weitere Informationen:
Univ.-Prof. Dr. Jon Genuneit
Direktor des Instituts für Öffentliches Gesundheitswesen
Goethe-Universität Frankfurt
genuneit@med.uni-frankfurt.de
Bluesky: @goetheuni.bsky.social
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt @Gesundheitsamt Frankfurt am Main @Justus-Liebig-Universität Gießen
Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de
Bankhaus Metzler spendet 15.000 Euro und ermöglicht damit mehr als acht Stipendien.
FRANKFURT. Großzügiger Auftakt: Für die Förderrunde 2026/27 kann das Fundraising des Deutschlandstipendiums an der Goethe-Universität bereits eine Summe von 15.000 Euro verbuchen, die vom Bankhaus Metzler bereitgestellt wurde. Das Deutschlandstipendium bietet Studierenden eine ausgezeichnete finanzielle Unterstützung, die es ihnen ermöglicht, sich ungehindert auf ihr Studium und ihre wissenschaftliche Entwicklung zu konzentrieren.
Das Bankhaus Metzler spendet bereits seit 2011, von Beginn des Deutschlandstipendiums an. Die Fördersumme beläuft sich mittlerweile auf insgesamt 188.000 Euro – das entspricht 104 Deutschlandstipendien. Christina Machinek-Götz vom Bankhaus Metzler erläutert den Hintergrund des Engagements: „Wir sehen im Deutschlandstipendium mehr als eine finanzielle Unterstützung: Es ist ein Ausdruck von gesellschaftlicher Verantwortung und Vertrauen in junge Menschen, die mit herausragenden Leistungen und Engagement unsere Zukunft mitgestalten wollen. Bildung und Forschung sind ein Motor für Innovationen und sozialen Fortschritt – unsere Förderung setzt dort an, wo aus Potenzial konkrete Zukunft wird.“
Im Jahr 2025 erhielten an der Goethe-Universität 620 Studierende die Gelegenheit, von dem staatlich geförderten Stipendienprogramm zu profitieren. Gleichzeitig wurde erstmals die jährliche Höchstgrenze, die sich nach der Studierendenzahl richtet und im Stipendienprogramm-Gesetz festgelegt ist – für 2025 an der Goethe-Universität 617 Stipendien –, überschritten. Die darüberhinausgehenden Stipendien mussten beim Land beantragt werden und stammten aus den restlichen, anderen hessischen Hochschulen zugeordneten Stipendienkontingenten. „Für die Förderrunde 2026/27 geht es uns darum, die Höchstgrenze erneut zu knacken, die Zahl der Stipendien also möglichst auf dem Niveau von 600 oder mehr zu stabilisieren“, betont Marc Heinbücher, Referent Deutschlandstipendium an der Goethe-Universität.
Die neue Ausschreibungsperiode findet vom 04.05. - 20.05.2026 statt. Weitere Informationen zum Deutschlandstipendium an der Goethe-Universität und zur Bewerbung unter https://tinygu.de/0YehB
Kontakt: Marc Heinbücher, Referent Deutschlandstipendium, Private Hochschulförderung, Goethe-Universität Frankfurt. Telefon +49 (69) 798 12756 | Fax +49 (69) 798 763 12756. E-Mail Heinbuecher@em.uni-frankfurt.de
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Forschende der Universitätsmedizin Frankfurt und der Goethe-Universität identifizieren Achillesferse des Oroya-Erregers Bartonella bacilliformis
Der in Südamerika heimische Infektionserreger Bartonella bacilliformis verursacht eine der gefährlichsten Infektionserkrankungen überhaupt: das sogenannte „Oroya-Fieber“. Ohne antibiotische Behandlung führt es in mehr als 90 Prozent der Fälle zum Tod, denn der Erreger zerstört die roten Blutkörperchen. Forschende der Universitätsmedizin Frankfurt haben aufgeklärt, wie der Erreger die Krankheit auslöst. In Laborexperimenten gelang es ihnen zudem, die Zerstörung der roten Blutkörperchen zu hemmen. Die Ergebnisse eröffnen die Möglichkeit, eine neuartige Therapie gegen diese oft tödliche Infektionskrankheit zu entwickeln.
FRANKFURT. Das Oroya-Fieber ist zwar eine äußerst schwere Infektionskrankheit, gehört aber zu den so genannten vernachlässigten Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases). Denn die Infektion tritt – bisher – ausschließlich in hochgelegenen Tälern der südamerikanischen Anden auf, vor allem in Peru, aber auch in Ecuador und Kolumbien. Von der Forschung und der Arzneimittelentwicklung wurde die Krankheit daher bislang kaum beachtet. Ausgelöst wird das Oroya-Fieber durch das Bakterium Bartonella bacilliformis, das durch den Stich infizierter Sandmücken der Gattung Lutzomyia übertragen wird. Die Erkrankung beginnt meist mit hohem Fieber und einer massiven Zerstörung roter Blutkörperchen (Erythrozyten) und resultiert in einer sogenannten hämolytischen Anämie. Ohne antibiotische Behandlung endet das Oroya-Fieber in bis zu 90 Prozent der Fälle tödlich. Bereits 26 Prozent der Erreger sind resistent gegen das Standardantibiotikum Ciprofloxacin, was eine antibiotische Behandlung deutlich erschwert.
Lutzomyia-Sandmücken kommen bisher nur in Südamerika vor. Als Folge der Klimaerwärmung sowie der zunehmenden Reisefrequenz erwarten Experten jedoch, dass sich das Verbreitungsgebiet dieser Sandfliegen künftig auch auf andere Kontinente und bis nach Europa ausdehnen könnte.
Ein internationales Forschungsteam um Prof. Volkhard Kempf von der Universitätsmedizin Frankfurt und der Goethe-Universität hat jetzt mehr als 1.700 genetische Varianten des Erregers hergestellt und analysiert und so zwei Proteine identifiziert, die Bartonella für die Zerstörung der roten Blutkörperchen benötigt: Ein sogenanntes Porin, das den Austausch zum Beispiel von Ionen mit der Umgebung ermöglicht, sowie ein Enzym namens α/β-Hydrolase, die beide zusammen für die Hämolyse verantwortlich sind. Strukturanalysen und gezielte Punktmutationen zeigten, dass die hämolytische Aktivität von Bartonella bacilliformis strikt von der enzymatischen Intaktheit der α/β-Hydrolase abhängt. „Beide Proteine sind im Zusammenspiel für die Zerstörung humaner Erythrozyten entscheidend und liefern damit eine Erklärung für das charakteristische Krankheitsbild des Oroya-Fiebers“, erklärt Dr. Alexander Dichter, Erstautor der Studie. „Das macht die α/β-Hydrolase zu einem geeigneten Zielprotein für medikamentöse Wirkstoffe.“
In Laborexperimenten konnten die Forschenden denn auch einen Hemmstoff identifizieren, einen Phospholipase-Inhibitor, der die Aktivität der α/β-Hydrolase blockiert und auch die Hämolyse von Erythrozyten verhindern kann. „Wenn es gelänge, auf eine solche Weise auch im menschlichen Körper gezielt die krankmachende Wirkung des Bakteriums auszuschalten, hätte man womöglich eine Therapie, gegen die sich kaum Resistenzen bilden können“, ist Dichter überzeugt.
„Das Oroya-Fieber ist ein ernstes Gesundheitsproblem in Peru und Südamerika, an dem jedes Jahr hunderte Menschen sterben, ohne dass dieses von der restlichen Welt zur Kenntnis genommen wird. Die Krankheit ist armutsbedingt und zählt zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten, die viel zu wenig Beachtung in der Öffentlichkeit erhalten“, erklärt Prof. Volkhard Kempf, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Universitätsmedizin Frankfurt, an dem auch das vom Robert Koch-Institut benannte Konsiliarlabor für Bartonella-Infektionen angesiedelt ist. „Umso mehr freuen wir uns, dass wir das Fundament für die Entwicklung neuartiger Therapiemöglichkeiten gegen das Oroya-Fieber gelegt und damit einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen diese vernachlässigte Tropenerkrankung geleistet haben.“
Nach dem Auslaufen der Förderung für das Projekt bemühe man sich jetzt um Finanzierungsmöglichkeiten, um die Forschung fortzusetzen, so Kempf. „Nachdem wir die Hämolyse aufgeklärt haben, wollen wir als nächstes wissen, wie der Erreger an die Erythrozyten bindet, da ja die Adhärenz von Erregern an Wirtszellen immer den ersten Schritt einer Infektion darstellt. Die Adhärenzmechanismen eines verwandten Erregers, des Bakteriums Bartonella henselae, konnten wir vor einigen Jahren bereits aufklären.“
Hintergrundinformationen:
Nachweis von Bartonella bacilliformis: Auf den Spuren einer gefährlichen Infektionskrankheit (2023)
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/unireport/auf-den-spuren-einer-gefaehrlichen-infektionskrankheit/
Forschungsachse Frankfurt – Lima
Die Publikation stellt einen weiteren Erfolg einer seit 2019 bestehenden Kooperation zwischen dem Universitätsklinikum Frankfurt und der Universidad Peruana Cayetana Heredia in Lima dar und reiht sich in eine Reihe von Veröffentlichungen im Rahmen des deutsch-peruanisches Wissenschaftsnetzwerks ein, in dem mehrere Wissenschaftler aus Lima bereits in Frankfurt tätig waren und die Frankfurter im Jahre 2022 im Rahmen einer Expedition in das Endemiegebiet diagnostische Proben sammelten. Im Zuge eines weiterführenden Projekts analysierte der peruanische Nachwuchswissenschaftler Luis Solis-Cayo im Jahr 2024 und 2025 neue Bartonella bacilliformis-Patientenisolate aus Peru auf ihre krankmachenden Eigenschaften.
Die Forschungsarbeiten wurden durch das Land Hessen im LOEWE-Zentrum DRUID (2018-2024) gefördert. Es hatte zum Ziel, die Forschung der hessischen Universitäten im Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten voranzutreiben. https://www.loewe-druid.de/
Publikation: Alexander A. Dichter, Florian Winklmeier, Diana Munteh, Wibke Ballhorn, Sabrina A. Becker, Beate Averhoff, Halvard Bonig, Adrian Goldman, Meritxell García-Quintanilla, Luis Solis Cayo, Pablo Tsukayama, Volkhard A. J. Kempf: Porin A and α/β-hydrolase are necessary and sufficient for hemolysis induced by Bartonella bacilliformis. Nature Communications (2025). DOI: https://doi.org/10.1038/s41467-025-66781-x
Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/181481095
Bildtext: Bartonella bacilliformis (blau) infiziert einen menschlichen Erythrozyten. Aufnahme: Jürgen Berger, Max-Planck-Institut für Biologie, Tübingen, CC-BY 4.0: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Weitere Informationen
Univ.-Prof. Dr. Volkhard A. J. Kempf
Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene
Universitätsmedizin Frankfurt
Goethe-Universität Frankfurt
Tel: +49 (0)69 6301–5019
volkhard.kempf@unimedizin-ffm.de
Homepage: https://www.unimedizin-ffm.de/einrichtungen/institute/zentrum-der-hygiene/medizinische-mikrobiologie-und-krankenhaushygiene
Bluesky: @goetheuni.bsky.social #BeatNTDs #TropicalDiseases
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt
DFG bewilligt neue Kolleg-Forschungsgruppe an der Goethe-Universität
Die Gegenwart ist geprägt von Krisen, gesellschaftlicher Polarisierung und Fragmentierung. Bei der Stärkung des Zusammenhalts kommt Führungskräften eine besondere Rolle zu: Darauf basiert die Grundidee zur interdisziplinären Kolleg-Forschungsgruppe, die die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) heute bewilligt hat. Das in Psychologie und Wirtschaftswissenschaften angesiedelte Kolleg „Goethe Leadership Centre“ wird zunächst für vier Jahre am Thema forschen. Zudem gab die DFG bekannt, dass die Förderung der Forschungsgruppe QUAST, in der es um die Vorhersage der Eigenschaften von Quantenmaterialien geht, verlängert wurde.
FRANKFURT. Wie können
Führungskräfte das Gemeinschaftsgefühl der Beschäftigten fördern, um so
Kooperationsbereitschaft, Wohlbefinden und Resilienz zu verbessern? Dieser
Frage widmet sich die neue Kolleg-Forschungsgruppe aus Psychologie und
Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität unter dem Titel „Führung
neu denken: Identitätsbasierte Führung als gruppenorientiertes Instrument zur
Analyse und Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit“ bzw. „Goethe
Leadership Centre – Centre of Advanced Studies“. Beantragt wurde das Kolleg
von Rolf van Dick, Professor für Sozialpsychologie, und Michael Kosfeld,
Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Organisation und
Management. Angesiedelt sein wird das Centre am Forschungskolleg
Humanwissenschaften in Bad Homburg.
„Die neue Kolleg-Forschungsgruppe trifft den Nerv unserer Zeit.
Das Auseinanderdriften der Gesellschaft, wie wir es seit einigen Jahren
beobachten müssen, bedarf dringend einer ganzheitlichen Betrachtung. Dass die
Arbeitswelt eine wichtige Rolle für die Gesamtgesellschaft spielt, liegt auf
der Hand. Ich freue mich, dass an der Goethe-Universität die wissenschaftliche
Basis für die richtige Weichenstellung gelegt wird“, sagt Universitätspräsident
Prof. Enrico Schleiff.
„Wir sind sehr stolz darauf, dass unser Antrag bewilligt wurde.
Der Brückenschlag zwischen Psychologie und Wirtschaftswissenschaften war wohl
sehr überzeugend. Wir wollen die Neukonzeption von Führung in einer
polarisierten Welt ermöglichen – mit evidenzbasierten Instrumenten für mehr
gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagt Prof. Rolf van Dick, der zunächst als
Sprecher fungieren wird. Es handele sich um die erste Kolleg-Forschungsgruppe
die die DFG in der Psychologie je bewilligt hat.
Dass die Art und Weise der Führung über die Identifikation einer
Gruppe als solcher entscheidend ist, sei eigentlich trivial, erklärt van Dick.
Es sei ein großer Unterschied, ob eine Person in herausgehobener Stellung für
andere den Kurs vorgebe oder ob es ihr zu vermitteln gelänge: „Ich bin einer
von euch, setze mich für die Gruppe ein, für unsere gemeinsamen Ziele“. Dieses
Konzept von „identity leadership“ sei jedoch ergänzungsbedürftig: Denn das
Hineinwirken in die eigene Gruppe und das Verwirklichen von Gruppeninteressen
allein mache noch keine integrative Führungsfigur, wie das Beispiel von
US-Präsident Trump deutlich macht.
Nun wollen van Dick und Kosfeld gemeinsam ein Konzept entwickeln
für das Forschungsprogramm der nächsten vier Jahre. Dabei soll ein Modell von
identitätsstiftender Führung (weiter)entwickelt werden, das Erkenntnisse aus
beiden Fächern integriert sowie den Gedanken von Allgemeinwohl und von „shared
leadership“. Identitätsstiftende Methoden der Führung sollen auch
kulturvergleichend evaluiert werden. „Hier wollen wir auch qualitativ vorgehen
und offen fragen. Vielleicht gibt es in anderen Kulturen ganz andere Formen der
identitätsstiftenden Führung“, sagt van Dick.
Die Kolleg-Forschungsgruppe kann auf umfangreiche Vorarbeiten der
beiden Hauptantragsteller aufbauen: In der Psychologie hat Rolf van Dick, der
zu den meistzitierten Wissenschaftlern der Goethe-Universität zählt, mit seinem
Team das Konzept der Identity Leadership im Rahmen des globalen GILD-Netzwerks
weltweit untersucht und gezeigt, wie Identifikation mit Innovation, Vertrauen
und reduzierter Erschöpfung zusammenhängt. Während der Corona-Pandemie konnte
er belegen, dass ein identitätsstiftender Führungsstil bei den Beschäftigten
pandemiegerechte Verhaltensweisen stärkte. Auf der
wirtschaftswissenschaftlichen Seite zeigen die Experimente von Michael Kosfeld,
wie sich die Verbundenheit mit einem gemeinsamen Ziel auf die
Kooperationsqualität im Team auswirkt. „Michael Kosfeld und ich wissen, dass
wir gut zusammenarbeiten. Wir haben zwar unterschiedliche Methoden und Ideen,
aber wir untersuchen dieselben Phänomene“, sagt van Dick.
Die neue Kolleg-Forschungsgruppe umfasst ein Fellowship-Programm
mit Rudolf Kerschreiter und Alex Haslam als dauerhaften Fellows, 20 weiteren
Senior- und Juniorfellows sowie 60 Kurzzeitgästen. Im Sinne der
Nachwuchsförderung sind zwei Postdoc-Stellen vorgesehen, eine W1-Professur
(Tenure Track) und eine hälftige Vergabe der Fellowships an Nachwuchskräfte.
Jedes Jahr soll es einen Workshop geben, alle zwei Jahre eine Konferenz. In
einem wöchentlichen Forum tauschen sich die beteiligten Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler zeitnah über aktuelle Fragen und Ergebnisse aus. Im Sommer 2026
will man mit der Besetzung der Stellen beginnen, für Herbst/Winter 2026 werden
die ersten Fellows nach Frankfurt eingeladen.
Für die erste Förderphase stehen etwas mehr als 3 Millionen Euro
zur Verfügung. Auch für eine zweite Förderphase, die nach vier Jahren zu
beantragen wäre, haben van Dick und Kosfeld schon Überlegungen angestellt: „Eingebettet
in Frankfurts Forschungslandschaft mit dem Center for Leadership and Behavior
in Organizations (CLBO) und dem Frankfurt Laboratory for Experimental Economic
Research (FLEX), würden wir das Spektrum um Themen wie KI, Digitalisierung oder
dem demographischen Wandel erweitern“, stellt Rolf van Dick in Aussicht.
Kolleg-Forschungsgruppen sind ein speziell auf geistes- und
sozialwissenschaftliche Arbeitsformen zugeschnittenes Förderangebot. Das Format
ermöglicht ein Zusammenwirken besonders ausgewiesener Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler zur Weiterentwicklung eines geistes- und sozialwissenschaftlichen
Forschungsthemas an einem Ort. Die Beteiligten finden dabei Gelegenheit, selbst
intensiv zu forschen; zudem ist ein Fellow-Programm für Gäste aus dem In- und
Ausland vorgesehen, die für bis zu zwei Jahre eingeladen werden und anschließend
mit der Kolleg-Forschungsgruppe verbunden bleiben. Die Gesamtförderdauer
beträgt bis zu acht Jahre.
Für eine weitere Förderperiode wird die Forschungsgruppe QUAST
um ihre Sprecherin Prof. Maria Roser Valentí von Institut für Theoretische
Physik der Goethe-Universität verlängert. Als Verbund mit Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht
QUAST, wie sich die Eigenschaften neuer Materialien besser vorhersagen lassen.
Die Forschenden beschäftigen sich mit der Entwicklung der sogenannten
Vielteilchentheorie, um zuverlässige quantitative Vorhersagen topologischer und
dynamischer Quantenphänomene in Festkörpern zu erreichen. Die Eigenschaften
vieler neuartiger Quantenmaterialien, wie die vor kurzem entdeckten
Weyl-Kondo-Semimetalle, basieren auf räumlich-zeitlichen elektronischen
Korrelationen, deren Vielteilchen-Natur schwer mathematisch zu beschreiben ist.
QUAST will diese Herausforderung durch koordinierte theoretische
Methodenentwicklungen und konzertierte Experimente angehen. Die
Forschungsgruppe wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gemeinsam
mit dem österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung
(FWF) und dem Schweizerischen Nationalfonds (SFN) im Rahmen der
D-A-CH-Zusammenarbeit gefördert.
Porträts der beiden Sprecher Rolf van
Dick und Michael Kosfeld zum Download unter:
https://www.uni-frankfurt.de/181437536
Bildtext: Michael Kosfeld und Rolf van
Dick haben bei der DFG erfolgreich eine interdisziplinäre
Kolleg-Forschungsgruppe beantragt. (beide Bilder: Uwe Dettmar)
Weitere
Informationen
Prof. Dr.
Rolf van Dick
Institut
für Psychologie
Goethe-Universität
Frankfurt am Main
Telefon
069 798- 35285
E-Mail
van.Dick@psych.uni-frankfurt.de
Prof. Dr. Roser Valentí
Institut für Theoretische Physik
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 69 798 47816
valenti@itp.uni-frankfurt.de
https://for5249.org/
Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de
Private Förderer treiben Nachhaltigkeitsinitiativen an der Goethe-Universität voran / Goethe-Universität sucht neue Unterstützer*innen für weitere Projekte
FRANKFURT. Die Goethe-Universität Frankfurt baut ihr Engagement für Nachhaltigkeit weiter aus – und setzt dabei bewusst auch auf die Unterstützung privater Spenderinnen und Spender. Denn gerade auch private Zuwendungen ermöglichen viele der Projekte, die Umwelt- und Klimaschutz auf den Campi sichtbar und erlebbar machen.
Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür sind die neu entstehenden Tiny Forests – kleine, schnell wachsende Miniwälder, die nicht nur Lebensraum für Tiere schaffen, sondern auch das Mikroklima verbessern. Bereits nach wenigen Jahren können Tiny Forests vergleichbare Mengen CO₂ binden wie herkömmliche, deutlich ältere Waldflächen und sind daher vor allem für urbane Räume mit wenig Platz und Freiflächen geeignet. Sie dienen zudem als Reallabore für Biodiversität, Klimaforschung und partizipative Umweltbildung.
Der Impuls für die ersten vier Tiny Forests auf drei Campi ging von den privaten Förderern Claudia und Hendrik Leber aus. „Deren Unterstützung hat im wahrsten Sinne des Wortes Wurzeln geschlagen. Es zeigt, dass unsere Förderer nicht nur hinter unseren Zielen in Forschung, Lehre und Transfer, sondern auch hinter der Nachhaltigkeit stehen. Gerade in diesem Bereich können wir als Universität Pilotprojekte starten und ihre Wirkung evaluieren, um einfach Lösungen für unsere Gesellschaft vorschlagen zu können“, sagt der Präsident der Universität, Prof. Enrico Schleiff.
Die Tiny Forests stehen exemplarisch für verschiedene Maßnahmen, die die Goethe-Universität im Rahmen ihrer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Diese formuliert die Strategien um Forschung, Transfer, Lehre und Studium, unsere Campus, Strukturen und Kultur kontinuierlich nachhaltiger auszugestalten. Private Förderung ist eine wichtige Unterstützung bei der Umsetzung von wirkungsvollen Projekten.
Unter dem Dach des Goethe-Nachhaltigkeitsfonds (GNF) sollen künftig Mittel bereitstehen, um Initiativen von Beschäftigten und Studierenden zu fördern. Dazu gehören Projekte wie der Einsatz wiederverwendbarer Labormaterialien, bienenfreundliche Bepflanzung auf Institutshöfen oder die Erweiterung der vom AStA betriebenen Fahrradwerkstatt. „Nachhaltigkeit lebt von vielen kleinen Schritten, die zusammen eine große Wirkung entfalten“, so Fabienne Beck, Leiterin des Nachhaltigkeitsbüro der Universität. „Der GNF soll genau diese Bewegungen ermöglichen und sichtbar machen.“
Um diese Projekte voranzubringen, stellt die Goethe-Universität ihr diesjähriges Weihnachtsspenden-Mailing vollständig unter das Motto Nachhaltigkeit. Gesucht werden Unterstützerinnen und Unterstützer, die mit ihrer Spende Miniwälder und weitere ökologische Initiativen auf den Campi ermöglichen – und damit auch neue, kreative Projektideen aus der Universitätsgemeinschaft unterstützen.
Auch hier gibt es einen zusätzlichen Impuls durch die Förderung eines Unternehmens: Merz Lifecare – bekannt durch Marken wie tetesept oder Merz Spezial und ansässig auf dem Riedberg – ist so überzeugt von der Aktion, dass sie einen weiteren Mini-Wald auf dem Campus Riedberg finanzieren, sobald der erste durch private Spenden realisiert wird.
Den Spendenaufruf der Goethe-Universität finden Sie hier: https://tinygu.de/GNF
Bitte teilen Sie ihn auch mit Menschen, denen Nachhaltigkeit am Herzen liegt und die dazu beitragen möchten, dass aus guten Ideen konkrete Maßnahmen für eine nachhaltigere Zukunft entstehen – an der Universität und darüber hinaus.
Mehr zu den Tiny Forests an der Goethe-Universität: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/campus/es-braucht-die-ganze-goethe-community/?highlight=tiny%20forests
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Archäologenteam der Goethe-Universität kehrt mit neuen Erkenntnissen über die Zeit vor 1500 Jahren von Grabung im Irak zurück
In der Region des heutigen Irak haben im fünften Jahrhundert Christen und Zoroastrier mutmaßlich friedlich nebeneinander gelebt: Diese Erkenntnis konnte ein Team von Archäologinnen und Archäologen der Goethe-Universität im Zuge einer dreijährigen Forschung bestätigen.
FRANKFURT. Ohne Funde, aber dafür mit vielen neuen Erkenntnissen ist das Archäologenteam um Dr. Alexander Tamm (Universität Erlangen-Nürnberg) und Prof. Dirk Wicke (Institut für Archäologische Wissenschaften) von ihren Feldforschungen aus dem Nordirak zurückgekehrt. In den vergangenen Monaten hat das zehnköpfige Team einen Gebäudekomplex am Fundplatz Gird-î Kazhaw im kurdischen Gebiet des Irak untersucht. Der schon seit 2015 bekannte Bau wurde wahrscheinlich um 500 nach Christus errichtet. Doch welchem Zweck er gedient hat, war bislang nicht sicher.
Die fünf quadratischen Pfeiler aus Bruchsteinen, teils mit weißem Gips verputzt, hatten vermuten lassen, dass es sich um einen Kirchenbau handeln könnte. Geophysikalische Untersuchungen hatten gezeigt, dass noch weitere Mauerzüge unter der Erde liegen, so dass diese „Kirche“ zunächst als Teil eines größeren Klosterkomplexes gedeutet worden war. Insbesondere auch das Verhältnis zu einem direkt angrenzenden Siedlungshügel mit einer kleinen sasanidischen Befestigungsanlage aus dem 5. bis 6. Jahrhundert nach Christus ist noch ungeklärt. Diese Befestigungsanlage ist überlagert von einem islamischen Friedhof.
Das Team aus Frankfurt setzte mit seinen Grabungen in diesem Spätsommer in zwei Arealen an: einer Flächengrabung um den Pfeilerbau (Areal A) und einer Untersuchung des islamischen Friedhofes (Areal B) mit Schwerpunkt auf der anthropologischen Dokumentation (Abb. 1). Relativ dicht traten in Areal A unter der Oberfläche Ziegelmauern sowie Böden aus Stampflehm und später auch aus Steinen und gebrochenen Ziegeln zu Tage. Eine große Überraschung war die Entdeckung weiterer Steinpfeiler, die die Existenz einer möglicherweise dreischiffigen Anlage mit Mittelschiff in Nordwest-Südöstlicher Richtung nahelegen, wie sie bereits in der frühchristlichen Sakralarchitektur dieser Region belegt sind. Ungewöhnlich ist die Größe des Mittelschiffes von vermutlich 25 auf 5 Metern (Abb. 2). Ob es sich bei den angrenzenden Räumen aber tatsächlich um eine Klosteranlage handelt, wird die Forschung in den nächsten Jahren klären müssen.
Ebenfalls eine große Überraschung in Areal A war die Entdeckung eines Raumes mit einem Boden aus sauber gefugten, gebrannten Ziegeln, an dessen nordöstlichem Kopfende ein Halbrund angedeutet ist (Abb. 3). Hauptindizien für die Nutzung der Gebäude als christlicher Versammlungsort ist bislang neben der Architektur der Fund einer Gefäßscherbe mit der Darstellung eines Malteserkreuzes (Abb. 4). Diese frühe Datierung für ein Kirchengebäude ist in der Region nicht verwunderlich, finden sich doch vergleichbare Anlagen im nordsyrischen und nordmesopotamischen Raum in größerer Zahl. (Zu dieser Thematik fand am 24./25.10.25 ein internationaler Workshop in Frankfurt statt.)
Besonders relevant für die Forschungen zu religiösen Nachbarschaften, wie sie zukünftig im Rahmen des ab 2026 bewilligten LOEWE-Zentrums „Dynamiken des Religiösen“ verfolgt werden, ist die Nähe zur oben beschriebenen sasanidischen Anlage. Sollten die beiden Bauten tatsächlich aus derselben Zeit stammen, würde das bedeuten, dass Zoroastrier, die Anhänger der Religion Zarathustras waren, und Christen damals nebeneinander lebten. Wann genau in Kazhaw die Hinwendung zum Islam geschah, wovon die islamischen Gräber Zeugnis ablegen (s. Abb. 5), ist ebenfalls Teil des Forschungsprogramms.
Die Ausgrabungen in Kazhaw sind Teil eines größer angelegten Forschungsprojektes von Dr. Tamm und Prof. Wicke zu ländlichen Gemeinschaften und Siedlungen in der Shahrizor-Ebene im Nordirak. Ländliche und kleine Orte wurden bislang in der archäologischen Forschung kaum beachtet, das Hauptaugenmerk galt meist den Hauptstädten der antiken Großreiche. Sicher stellten diese die Motoren der kulturellen Entwicklungen in der Antike dar, die wirtschaftliche Basis der Versorgung jedoch wurde im ländlichen Raum geschaffen. Ohne diese Basis wäre das kulturelle Leben in den Metropolen nicht möglich gewesen. Im kommenden Jahr sollen die Arbeiten in Kazhaw mit dem Einsatz archäometrischer Methoden, insbesondere der Archäobotanik, Zoologie und forensischen Anthropologie fortgesetzt werden. Ziel ist zu erforschen, wie sich das Leben in den freigelegten Mauern abgespielt hat.
Bilder zum Download:https://www.uni-frankfurt.de/181309490
Bildtexte:
Abb. 1: Gird-î Kazhaw in der Abenddämmerung.
Abb. 2: Pfeiler aus Bruchsteinen in Areal A.
Abb. 3: Raum mit Backsteinboden.
Abb. 4: Scherbe mit eingeritztem Kreuzdekor.
Abb. 5: Freilegung eines Grabes in Areal B.
Bildnachweise: DFG-Projekt Ländliche Siedlungen der Sasaniden-Zeit, Tamm/Wicke
Publikation (im Vorfeld der Grabung): Dean Mahmoud, Alexander Tamm, Dirk Wicke, Sasaniden im Nordirak. Vorläufiger Bericht zu den Ausgrabungen in Gird-î Qalrakh 2023–2024, in: Mitteilungen der Deutschen Orient Gesellschaft Nr. 157, 2025; 117 bis 159
Weitere Informationen
Prof. Dr. Dirk Wicke
Institut für archäologische Wissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon 069 798-32317
E-Mail wicke@em.uni-frankfurt.de
Eine neue Doku über den aus Offenbach stammenden Rapper ist in aller Munde. Zwei Erziehungswissenschaftler*innen kritisieren im neuen UniReport, dass in Hessen eine Behandlung seiner Raptexte im Unterricht bereits untersagt wurde.
FRANKFURT. Er gilt als Deutschlands erfolgreichster und wohl auch einflussreichster Rapper: Der in Offenbach aufgewachsene Aykut Anhan alias Haftbefehl wird als Sprachrohr vieler migrantischer Jugendlicher gesehen. Der aktuelle Dokumentarfilm „Babo – Die Haftbefehl-Story“ erzählt seine Erfolgsgeschichte, aber auch den verzweifelten Kampf gegen seine Drogensucht. Der Stadtschülerrat Offenbach hat gefordert, Texte und Leben des Rappers im Schulunterricht zu thematisieren. Dies wurde jedoch vom Hessischen Kultusministerium bereits abgelehnt.
Lara Gilgen und Murat Güngör, Erziehungswissenschaftler*innen an der Goethe-Universität, kritisieren das im Gespräch mit dem UniReport. Zwar blieben in der Doku „Babo“ viele Aspekte ausgespart, wie zum Beispiel soziale Realitäten der Migrationsgesellschaft und auch das Verhandeln von Geschlechterrollen. Dennoch böte eine schulische Behandlung der Texte Haftbefehls eine große Chance. Lara Gilgen betont: „Auf den Schulhöfen wird über die Doku viel gesprochen, aber es gibt kein pädagogisches Forum, das auch mal kritisch-reflektierend zu erörtern.“
Die Virtuosität in der Sprache Haftbefehls und anderer Rapper*innen zeige sich darin, argumentiert Murat Güngör, dass Sprachversatzstücke aus vermeintlich randständigen Sprachen wie dem Arabischen, Türkischen, Kurdischen und Romanes auftauchen. Das wäre gutes Material, um eine in der Schule nicht anerkannte Mehrsprachigkeit aus dem Alltag vieler Schüler*innen einmal im Deutschunterricht pädagogisch, grammatikalisch und auch kontextuell aufzugreifen.
Weitere Themen im neuen UniReport:
Aktuelles
- Musikalischer Jahresausklang mit RMU Awards: Rhein-Main-Universitäten feierten Ende November gemeinsam in Mainz.
- Nach 40 Jahren: Zwei Stadtteil-Historiker haben zu Barbara Klemms berühmten großformatigen Uni-Fotos in der U-Bahn-Station Bockenheimer Warte recherchiert.
- Innovectis feiert 25-Jähriges: Auf der Jubiläumsfeier wurden herausragende Forschungsprojekte mit dem Goethe-Innovationspreis ausgezeichnet.
Forschung
- Goethe, Deine Forscher: Severin Irl, Physischer Geograph.
- Der Tanz am absoluten Nullpunkt: Frankfurter Physiker*innen fotografieren erstmals die quantenmechanische Nullpunktbewegung in einzelnen Molekülen.
- Gefahren des digitalen Bezahlens: Die Soziologin Barbara Brandl untersucht finanzielle Teilhabe.
- Erstaunlicher Fund: Verschollen geglaubte Stuckfragmente in der Altorientalischen Sammlung entdeckt.
- Politikberatung neben der Forschung: Politikwissenschaftlerin und Postdoc Iris Reus hat ein Gutachten zu den Corona-Maßnahmen des Landes Sachsen-Anhalt verfasst
- Absterben vieler Korallenriffe nur noch unter größtem Aufwand vermeidbar: Fragen an den Klimaforscher Nico Wunderling zu den Klimakipppunkten und zur Weltklimakonferenz in Belém.
Studium, Lehre und Qualifikation
- #GoetheDataDive/Zahl des Monats Dezember: 69 Kilometer liegen im Schnitt zwischen dem Studienort Frankfurt und dem Ort, an dem die Erstsemester der Goethe-Universität ihre Hochschulzugangsberechtigung (HZB) erworben haben.
- DAAD-Preisverleihung 2025: Isabella Terán Niño aus Venezuela ausgezeichnet.
Campus
- „Bildung ist der Schlüssel zur Integration“: Zehn Jahre Academic Welcome Program an der Goethe-Universität.
- Ein Netzwerk der Vielfalt: Die AG Semitische Sprachen zeigt, wie durch interdisziplinäre Zusammenarbeit nicht nur Forschung, sondern auch Lehre und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses nachhaltig gestärkt werden können.
- „Vom Sport lernen? Antisemitismusprävention in Sportorganisationen – Anregungen für die Universität“: Fachtagung des Instituts für Sportwissenschaften.
- Living Landscapes in Madrid: Studierende erstellen im Workshop Kurzfilme zu (nicht-)urbanen Landschaften.
- Kunstgeschichte und Geschichte (fast) zum Anfassen: Studentische Ausstellung zeigt faszinierende Fragmente aus dem Mittelalter.
- Im Gespräch mit Didier Eribon: Der einflussreiche französische Intellektuelle diskutierte an der Goethe-Universität über das Thema Alter.
- „Der Kompromiss – Eine demokratische Lebensform“: Am Forschungskolleg Humanwissenschaften wurde das neue Buch des Forschungsverbundes „Democratic Vistas“ vorgestellt.
International
- Gallery Walk: Schulpraktika im Ausland.
Kultur
- Wenn Natur- und Landschaftswissen im Museum gefragt ist: Für die Ausstellung „SOLASTALGIE“ im Museum Giersch der Goethe-Universität haben der Landschaftsarchitekt Robert Anton und der Geologe Sascha Staubach ihre Kenntnisse eingebracht.
- Reichtum, Macht, Erfolg und Überleben: In der neuen Produktion setzt sich die Chaincourt Theatre Company mit David Mamets „Glengarry Glen Ross“ auseinander.
Bibliothek
- Würdigung seiner Alma Mater: Jürgen Habermas übergibt zweite Materialsammlung an die Goethe-Universität.
Der UniReport 6/2025 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe
UniReport online - Wie finden Sie unsere Artikel im Netz? Ganz einfach: Schauen Sie doch einmal ins Webmagazin der Goethe-Universität. Auf www.aktuelles.uni-frankfurt.de/unireport können Sie einen Großteil der Artikel aus der Printausgabe auch online lesen.
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert Nachwuchsgruppe CoFoKids an der Goethe-Universität
„Von der ‚Generation Rücksitz' zu den Vorreitern der Mobilitätswende?“ – unter diesem vielsagenden Titel untersucht eine neue Nachwuchsgruppe an der Goethe-Universität, wie Kinder und Jugendliche im öffentlichen Raum unterwegs sind, welche Perspektiven sie zur Gestaltung des Straßenraums mitbringen und mit welchen Formaten sie an verkehrlichen Transformationsprozessen beteiligt werden können. Die jungen Menschen selbst sollen dabei maßgeblich in die Forschung einbezogen werden.
FRANKFURT. Das Projekt, das in diesen Tagen die Arbeit aufnimmt, hat die Mobilität junger Menschen zum Thema, insbesondere die von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen sechs und 15 Jahren. Humangeographin Sina Steele von der Goethe-Universität hat die Nachwuchsgruppe mit dem Titel „Von der ‚Generation Rücksitz' zu den Vorreitern der Mobilitätswende? Mobilitätspraktiken, Raumgestaltung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen als Co-Forscher:innen für eine sozial-ökologische Transformation der Region“ (CoFoKids) gemeinsam mit Heike Marquart vom Institut für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) beim Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) eingeworben. 3,2 Millionen Euro stehen für ihre sozial-ökologische Nachwuchsgruppe CoFoKids für die nächsten fünf Jahre zur Verfügung. Verwendet werden sollen diese Mittel, um im Team bestehend aus drei Promovierenden und zwei Post-Docs der Frage nachzugehen, inwiefern eine auf Kinder und Jugendliche ausgerichtete Mobilitätsforschung und -planung sowie Beteiligung an Transformationsprozessen die Mobilitätswende voranbringen und zu nachhaltigen und resilienten Stadt-Umland-Regionen für alle Bewohnenden beitragen kann. Eine Beteiligung der jungen Menschen als Co-Forscherinnen und -forscher ist im transdisziplinären Reallabor in Zusammenarbeit mit zwei Frankfurter Schulen und verschiedenen lokalen, aber auch überregionalen Praxisakteuren bewusst eingeplant. Schließlich weiß diese Gruppe selbst am besten, was notwendig ist, damit ihre Generation Teil einer sozial-ökologischen Transformation der jeweiligen Region werden kann.
Studium der Geographie, Masterstudium der Humangeographie mit einer Abschlussarbeit über die Mobilität zu Fuß in der Schweizer Straße in Frankfurt und die dortigen Raumkonflikte: Das Thema Mobilität beschäftigt Sina Steele schon seit längerem. Für ihre bereits vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Doktorarbeit erforschte sie autoreduzierte Quartiersentwicklungen und insbesondere die Frage, inwiefern die Planungsvisionen dieser Mobilitätskonzepte sich mit den Erwartungen und Praktiken der Bewohnerinnen und Bewohner übereinbringen ließen. Nun nimmt die inzwischen 34-Jährige die Jüngeren und ihre Bedürfnisse in den Blick. Sie ist überzeugt: „Was sich Kinder und Jugendliche für den öffentlichen Raum wünschen, kommt am Ende allen zugute.“
Bevor es aber ans Formulieren von Wünschen und Vorstellungen geht, soll erforscht werden, wie die komplexe Mobilität von Kindern und deren Familien organisiert ist – oder besser: wie Familien ihre mannigfaltigen Ortswechsel im Alltag bewältigen. Dies geschieht im ersten von drei Schwerpunkten des Projekts mit jeweils einer Doktorandenstelle. Unter dem Titel „Mobilitätspraktiken“ wird untersucht, wie sich der Alltag von Kindern und Jugendlichen verkehrsmäßig gestaltet und wie aktive und selbstständige Mobilität auf dem Schulweg sowie in der Freizeit gefördert werden kann. „Natürlich sind die Entscheidungen nicht frei, sondern abhängig vom verkehrlichen Angebot oder persönlichen Kontexten“, erklärt Sina Steele. Und vom Verhalten der beteiligten Erwachsenen.
Deshalb geht es im zweiten Schwerpunkt „Planungspraktiken“ darum, welche Vorstellungen eigentlich die Kinder und Jugendlichen selbst von der Gestaltung der Wege und Räume haben, in denen sie sich bewegen – und wie man diese Vorstellungen besser ins Planungsgeschehen einbeziehen könnte. Diesen Bereich betreut Projektpartnerin Heike Marquart, die als Verkehrsforscherin am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin tätig ist. In Schwerpunkt drei schließlich mit dem Titel „Partizipationspraktiken“ werden Formate erarbeitet, wie Kinder und Jugendliche besser an Prozessen der Mobilitätswende beteiligt werden könnten.
„Wir wollen verstehen, welchen Einfluss verkehrliche Transformationsprozesse aber auch z.B. Lebensereignisse oder soziale Einflüsse auf die Mobilität von jungen Menschen haben und wie man deren Stimmen bei Prozessen der Mobilitätswende stärken kann“, sagt Sina Steele. Dabei müsse man nicht bei Null anfangen, denn in jüngster Zeit sei in dieser Hinsicht einiges auf den Weg gebracht worden, zum Beispiel eine Beteiligung junger Menschen bei der Erarbeitung der Fußverkehrsstrategie der Stadt Frankfurt oder die Ausweitung von Schulstraßen im Frankfurter Stadtgebiet. Mit solchen und ähnlichen Initiativen hofft Steele Synergieeffekte erzielen zu können. Veranstaltungen wie das Mini-Mobilitätsfestival der Stadt hätten gezeigt: Den Kindern geht es oft um Aufenthaltsqualität: weniger Müll und Verkehr oder sicherere Querungen. Alle Vorschläge ernst zu nehmen und abzuwägen, das wäre laut Sina Steele ein echter Paradigmenwechsel. Die in Frankfurt gewonnenen Ergebnisse schließlich in die Region Rhein-Main und nach Berlin zu transferieren, steht ebenfalls auf der Agenda.
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert dieses Projekt im Rahmen der Strategie „Forschung für Nachhaltigkeit“ (FONA) unter dem Förderkennzeichen 01UU2506A .
Weitere Informationen
Dr. Sina Steele
Institut für Humangeographie
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon 069 798-35174
E-Mail steele@geo.uni-frankfurt.de
Höchste Werte von Schwefelhexafluorid (SF6) in Europa – deutscher Hotspot in der Region um Heilbronn
Ein internationales Team um Forschende der Goethe-Universität hat mit Messungen und komplexen Computermodellen eine Emissionsquelle für das klimaschädliche Gas Schwefelhexafluorid (SF6) in Süddeutschland lokalisiert. Diese regionale Quelle für SF6 ist bislang nicht in der deutschen Klimabilanz berücksichtigt.
FRANKFURT. Schwefelhexafluorid (SF6) ist ein chemisch sehr stabiles, farb- und geruchloses sowie ungiftiges Gas. Es wird weltweit vor allem als Isolier- und Schutzgas in elektrischen Schaltanlagen in der Mittel- und Hochspannungstechnik eingesetzt. Früher wurde es in Deutschland unter anderem als Füllgas für Sportschuhe und als Isoliergas in Schallschutzfenstern verwendet, bis diese Anwendung 2006 verboten wurde.
Denn gleichzeitig ist SF6 das stärkste bekannte Treibhausgas: Ein Kilogramm davon trägt ebenso stark zur Erderwärmung bei wie rund 24 Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2). Aufgrund dieser extremen Klimawirkung zählt SF6 zu den Substanzen, deren Emissionen die Staaten regelmäßig an die Vereinten Nationen melden müssen. Bisher ging man bei der Bilanzierung der Treibhausgasemissionen Deutschlands davon aus, dass heute der größte Teil aus der Entsorgung alter Schallschutzfenster stammt, bei der das Gas in die Atmosphäre entweicht.
Forschende der Goethe-Universität Frankfurt haben nun gemeinsam mit europäischen Partnern erstmals gezeigt, dass die tatsächlichen Emissionen einer Quelle in Südwestdeutschland deutlich höher sein dürften als bisher angenommen. Das Team um Prof. Andreas Engel vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität betreibt seit einigen Jahren die Messstation am Taunus Observatorium, das seit 2023 Teil des internationalen Messnetzwerkes AGAGE (Advanced Global Atmospheric Gas Experiment) ist. „Von allen europäischen Messstationen des Netzwerkes registrieren wir am Taunus Observatorium die höchsten SF6-Konzentrationen“, berichtet Engel. „Das hat uns stutzig gemacht – besonders, weil die höchsten Werte bei südlicher Anströmung auftreten.“ Im Rahmen einer vom Umweltbundesamt angestoßenen und geförderten Studie mit dem Ziel, das Bild der Emissionen mit neuen Daten und Methoden zu verifizieren, wurde dies nun genauer untersucht.
Noch höhere Konzentrationen fanden die Forschenden daraufhin in Luftproben des ICOS - Netzwerkes (Integrated Carbon Observation System) aus Karlsruhe. Mithilfe atmosphärischer Transportmodelle und sogenannter inverser Modellierung konnten sie die Emissionen räumlich zuordnen (sogenannter top-down-Ansatz). Das Ergebnis: Die höchsten Emissionen stammen aus der Region Heilbronn im Südwesten Deutschlands mit rund 30 Tonnen pro Jahr. Das entspricht etwa einem Drittel der gesamten deutschen SF6-Emissionen. Allerdings weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass diese Mengen mit Blick auf die globalen SF6-Emissionen von rund 8000 Tonnen vergleichsweise gering sind – zu denen alleine China mit rund 5000 Tonnen pro Jahr beiträgt.
„Eine solche regionale Verteilung der Emissionen passt nicht zu den bisherigen Annahmen, wonach die Emissionen hauptsächlich aus der Entsorgung alter Schallschutzfenster stammen sollten“, erklärt Katharina Meixner, Hauptautorin der Studie, die im Fachjournal ACS Environmental Science & Technology – Air erschienen ist. „Auffallend ist allerdings, dass sich in diesem Gebiet die einzige uns bekannte Produktions- und Recyclinganlage für SF6 in Europa befindet.“ Meixner weiter: „Nur wenn klar ist, woher die Emissionen in Deutschland kommen, können sie auch richtig bilanziert und gezielt nachgesteuert werden, um die Emissionen von Treibhausgasen zu reduzieren.“ Andreas Engel erläutert: „Es wurde bereits an anderer Stelle wissenschaftlich aufgezeigt, dass Emissionen bei der Herstellung, Nutzung und dem Recycling hochflüchtiger Stoffe oft schwieriger zu vermeiden und damit auch höher sind als bisher angenommen.“
Mit ihren Untersuchungen trägt die Frankfurter Arbeitsgruppe dazu bei, die bislang vor allem auf theoretischen Annahmen basierenden bottom-up-Erfassungen von Emissionen durch top-down- Emissionsabschätzungen basierend auf atmosphärischen Messungen zu validieren und zu ergänzen. Neben SF6 misst die Arbeitsgruppe auch viele andere halogenierte Treibhausgase und ozonzerstörende Substanzen.
Publikation: Katharina Meixner, Thomas Wagenhäuser, Tanja J. Schuck, Sascha Alber, Alistair J. Manning, Alison L. Redington, Kieran M. Stanley, Simon O'Doherty, Dickon Young Joseph Pitt, Angelina Wenger, Arnoud Frumau, Ann R. Stavert, Christopher Rennick, Martin K. Vollmer, Michela Maione, Jgor Arduini, Chris R. Lunder, Cedric Couret, Armin Jordan, Xochilt Gutiérrez Gutiérrez, Dagmar Kubistin, Jennifer Müller-Williams, Matthias Lindauer, Martin Vojta, Andreas Stohl, Andreas Engel: Characterisation of German SF6 emissions. ACS Environmental Science & Technology – Air (2025)https://doi.org/10.1021/acsestair.5c00234
Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/140750923
Bildtext: Messungen des Treibhausgases SF6 im Taunus-Observatorium der Goethe-Universität Frankfurt auf dem Kleinen Feldberg wiesen auf eine Emissionsquelle in Deutschland hin. Foto: Markus Bernards für Goethe-Universität
Weitere Informationen
Prof. Dr. Andreas Engel
Institut für Atmosphäre und Umwelt
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Cornelia Goethe Salon mit Preisverleihung und literarischem Rahmenprogramm / 9. Dezember im Gästehaus der Goethe-Universität
FRANKFURT. Am 9. Dezember 2025 findet anlässlich des 275. Geburtstags von Cornelia Goethe, der Schwester Johann Wolfgang Goethes, der Cornelia Goethe Salon im Gästehaus der Goethe-Universität statt. Dr. Ruth Fühner wird aus den Briefen von Cornelia Goethes lesen. An diesem Abend wird auch der Cornelia Goethe Preis für eine herausragende Arbeit auf dem Gebiet der Frauen- und Geschlechterforschung verliehen. Der Preis wird vom Förderkreis des Cornelia Goethe Centrums für Geschlechterforschung vergeben.
Dieses Jahr wird der Cornelia Goethe Preis an Dr. Sophie Bauer für ihre Dissertation „'Das Natürlichste, was eine Frau haben kann' - Eine Soziologie der Menstruation“ vergeben. Sophie Bauer war von 2020 bis 2023 Promotionsstipendiatin bei der Hans-Böckler-Stiftung und ist Mitglied im GRADE Center Gender. Sie hat ihre Dissertation am Institut für Soziologie an der Goethe-Universität eingereicht. Im Juli 2025 ist die Dissertation beim Campus Verlag als Buch erschienen. Seit Oktober 2023 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin an dem von Prof. Dr. Thomas Lemke geleiteten Arbeitsbereich „Biotechnologie, Natur und Gesellschaft“ des Instituts für Soziologie. Außerdem ist sie Mitglied bei PRiNA, einer interdisziplinären Nachwuchsforscher*innengruppe zu „Politiken der Reproduktion“. Die Laudatio wird Dr. Tamara Schwertel von der Universität zu Köln halten. Musikalisch wird der Abend von Martha Jordan (Mezzosopran) und Lisa Ochsendorf (Klavier) begleitet, die Lieder von Josefine Lang und Luise Greger vortragen. Das Programm endet mit einem Stehempfang.
Für die Teilnahme wird ein Unkostenbeitrag (Abendkasse) von 15 Euro erhoben. Studierende zahlen 10 Euro. Das Programm beginnt um 18:30 Uhr, der Einlass öffnet um 18:00 Uhr. Um Anmeldung unter CGCentrum@soz.uni-frankfurt.de wird gebeten.
Mehr Informationen zum Programm des Abends finden sich auf der Webseite des Cornelia Goethe Centrums: https://cgc.uni-frankfurt.de/centrum
Kontakt:
Dr. Johanna Leinius, Wissenschaftliche Geschäftsführung, Cornelia Goethe Centrum für Geschlechterforschung. Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069) 798-35103; Leinius@em.uni-frankfurt.de.
Homepage:http://www.cgc.uni-frankfurt.de/
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Goethe-Universität lädt zum Science Talk im Kunstverein Familie Montez
FRANKFURT. Wie funktioniert Seelsorge auf Social Media? Und welche Geschichten verstecken sich in Mikrofossilien? Zwei Forscherpersönlichkeiten, eine Moderatorin, Live-Musik: Beim Science Talk „Wissen angezapft“ der Goethe-Universität wird Forschung auf kurzweilige und verständliche Weise erzählt. Dabei geht es um die großen Rätsel der Wissenschaft ebenso wie um kleine Zufälle, um Durchbrüche und Flops – und um die Menschen und ihre Geschichte.
Der nächste Science Talk findet statt
am Dienstag, 9. Dezember, 19.30 Uhr
im Kunstverein Familie Montez, Honsellstraße 7, 60314 Frankfurt.
Moderatorin und Kabarettistin Britta Hoffmann unterhält sich mit dem Mikropaläontologen und Paläozeanographen Prof. Jens Herrle zum Thema „Spuren im Stein – was Ozeane uns über die Erdgeschichte erzählen“ und mit der evangelischen Theologin Prof. Christine Wenona Hoffmann über die Frage, wie „Sinnfluencer:innen“ die Seelsorge und Kirche umbauen. In den Gesprächspausen spielt der Pianist Lorenzo Huthmacher.
Zu den Personen:
Christine Wenona Hoffmann stammt aus einer Medizinerfamilie, hat sich aber für die Theologie als Fach entschieden. Seit 2023 ist sie Professorin für Praktische Theologie am Fachbereich evangelische Theologie der Goethe-Universität. In ihrer Forschung interessiert sie sich für Themen der Diakonie und Seelsorge. Ein Schwerpunkt dabei ist die digitale Seelsorge:
Jens Herrle ist Professor für Paläontologie am Fachbereich Geowissenschaften der Goethe-Universität und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung. In polare Gegenden zieht es ihn immer wieder für seine Forschung. Auf seinen Expeditionen untersucht er, wie sich die Meere im Lauf der Jahrmillionen verändert haben.
Der Science Talk findet statt in Zusammenarbeit mit den Freunden und Förderern der Goethe-Universität.
Weitere Informationen
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/event/science-talk-wissen-angezapft-dezember-2025/
Höchste Werte von Schwefelhexafluorid (SF6) in Europa – deutscher Hotspot in der Region um Heilbronn
Ein internationales Team um Forschende der Goethe-Universität hat mit Messungen und komplexen Computermodellen eine Emissionsquelle für das klimaschädliche Gas Schwefelhexafluorid (SF6) in Süddeutschland lokalisiert. Diese regionale Quelle für SF6 ist bislang nicht in der deutschen Klimabilanz berücksichtigt.
FRANKFURT. Schwefelhexafluorid (SF6) ist ein chemisch sehr stabiles, farb- und geruchloses sowie ungiftiges Gas. Es wird weltweit vor allem als Isolier- und Schutzgas in elektrischen Schaltanlagen in der Mittel- und Hochspannungstechnik eingesetzt. Früher wurde es in Deutschland unter anderem als Füllgas für Sportschuhe und als Isoliergas in Schallschutzfenstern verwendet, bis diese Anwendung 2006 verboten wurde.
Denn gleichzeitig ist SF6 das stärkste bekannte Treibhausgas: Ein Kilogramm davon trägt ebenso stark zur Erderwärmung bei wie rund 24 Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2). Aufgrund dieser extremen Klimawirkung zählt SF6 zu den Substanzen, deren Emissionen die Staaten regelmäßig an die Vereinten Nationen melden müssen. Bisher ging man bei der Bilanzierung der Treibhausgasemissionen Deutschlands davon aus, dass heute der größte Teil aus der Entsorgung alter Schallschutzfenster stammt, bei der das Gas in die Atmosphäre entweicht.
Forschende der Goethe-Universität Frankfurt haben nun gemeinsam mit europäischen Partnern erstmals gezeigt, dass die tatsächlichen Emissionen einer Quelle in Südwestdeutschland deutlich höher sein dürften als bisher angenommen. Das Team um Prof. Andreas Engel vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität betreibt seit einigen Jahren die Messstation am Taunus Observatorium, das seit 2023 Teil des internationalen Messnetzwerkes AGAGE (Advanced Global Atmospheric Gas Experiment) ist. „Von allen europäischen Messstationen des Netzwerkes registrieren wir am Taunus Observatorium die höchsten SF6-Konzentrationen“, berichtet Engel. „Das hat uns stutzig gemacht – besonders, weil die höchsten Werte bei südlicher Anströmung auftreten.“ Im Rahmen einer vom Umweltbundesamt angestoßenen und geförderten Studie mit dem Ziel, das Bild der Emissionen mit neuen Daten und Methoden zu verifizieren, wurde dies nun genauer untersucht.
Noch höhere Konzentrationen fanden die Forschenden daraufhin in Luftproben des ICOS - Netzwerkes (Integrated Carbon Observation System) aus Karlsruhe. Mithilfe atmosphärischer Transportmodelle und sogenannter inverser Modellierung konnten sie die Emissionen räumlich zuordnen (sogenannter top-down-Ansatz). Das Ergebnis: Die höchsten Emissionen stammen aus der Region Heilbronn im Südwesten Deutschlands mit rund 30 Tonnen pro Jahr. Das entspricht etwa einem Drittel der gesamten deutschen SF6-Emissionen. Allerdings weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass diese Mengen mit Blick auf die globalen SF6-Emissionen von rund 8000 Tonnen vergleichsweise gering sind – zu denen alleine China mit rund 5000 Tonnen pro Jahr beiträgt.
„Eine solche regionale Verteilung der Emissionen passt nicht zu den bisherigen Annahmen, wonach die Emissionen hauptsächlich aus der Entsorgung alter Schallschutzfenster stammen sollten“, erklärt Katharina Meixner, Hauptautorin der Studie, die im Fachjournal ACS Environmental Science & Technology – Air erschienen ist. „Auffallend ist allerdings, dass sich in diesem Gebiet die einzige uns bekannte Produktions- und Recyclinganlage für SF6 in Europa befindet.“ Meixner weiter: „Nur wenn klar ist, woher die Emissionen in Deutschland kommen, können sie auch richtig bilanziert und gezielt nachgesteuert werden, um die Emissionen von Treibhausgasen zu reduzieren.“ Andreas Engel erläutert: „Es wurde bereits an anderer Stelle wissenschaftlich aufgezeigt, dass Emissionen bei der Herstellung, Nutzung und dem Recycling hochflüchtiger Stoffe oft schwieriger zu vermeiden und damit auch höher sind als bisher angenommen.“
Mit ihren Untersuchungen trägt die Frankfurter Arbeitsgruppe dazu bei, die bislang vor allem auf theoretischen Annahmen basierenden bottom-up-Erfassungen von Emissionen durch top-down- Emissionsabschätzungen basierend auf atmosphärischen Messungen zu validieren und zu ergänzen. Neben SF6 misst die Arbeitsgruppe auch viele andere halogenierte Treibhausgase und ozonzerstörende Substanzen.
Publikation: Katharina Meixner, Thomas Wagenhäuser, Tanja J. Schuck, Sascha Alber, Alistair J. Manning, Alison L. Redington, Kieran M. Stanley, Simon O'Doherty, Dickon Young Joseph Pitt, Angelina Wenger, Arnoud Frumau, Ann R. Stavert, Christopher Rennick, Martin K. Vollmer, Michela Maione, Jgor Arduini, Chris R. Lunder, Cedric Couret, Armin Jordan, Xochilt Gutiérrez Gutiérrez, Dagmar Kubistin, Jennifer Müller-Williams, Matthias Lindauer, Martin Vojta, Andreas Stohl, Andreas Engel: Characterisation of German SF6 emissions. ACS Environmental Science & Technology – Air (2025) https://doi.org/10.1021/acsestair.5c00234
Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/140750923
Bildtext: Messungen des Treibhausgases SF6 im Taunus-Observatorium der Goethe-Universität Frankfurt auf dem Kleinen Feldberg wiesen auf eine Emissionsquelle in Deutschland hin. Foto: Markus Bernards für Goethe-Universität
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Prof. Dr. Andreas Engel
Institut für Atmosphäre und Umwelt
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Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de
Cornelia Goethe Salon mit Preisverleihung und literarischem Rahmenprogramm / 9. Dezember im Gästehaus der Goethe-Universität
FRANKFURT. Am 9. Dezember 2025 findet anlässlich des 275. Geburtstags von Cornelia Goethe, der Schwester Johann Wolfgang Goethes, der Cornelia Goethe Salon im Gästehaus der Goethe-Universität statt. Dr. Ruth Fühner wird aus den Briefen von Cornelia Goethes lesen. An diesem Abend wird auch der Cornelia Goethe Preis für eine herausragende Arbeit auf dem Gebiet der Frauen- und Geschlechterforschung verliehen. Der Preis wird vom Förderkreis des Cornelia Goethe Centrums für Geschlechterforschung vergeben.
Dieses Jahr wird der Cornelia Goethe Preis an Dr. Sophie Bauer für ihre Dissertation „'Das Natürlichste, was eine Frau haben kann' - Eine Soziologie der Menstruation“ vergeben. Sophie Bauer war von 2020 bis 2023 Promotionsstipendiatin bei der Hans-Böckler-Stiftung und ist Mitglied im GRADE Center Gender. Sie hat ihre Dissertation am Institut für Soziologie an der Goethe-Universität eingereicht. Im Juli 2025 ist die Dissertation beim Campus Verlag als Buch erschienen. Seit Oktober 2023 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin an dem von Prof. Dr. Thomas Lemke geleiteten Arbeitsbereich „Biotechnologie, Natur und Gesellschaft“ des Instituts für Soziologie. Außerdem ist sie Mitglied bei PRiNA, einer interdisziplinären Nachwuchsforscher*innengruppe zu „Politiken der Reproduktion“. Die Laudatio wird Dr. Tamara Schwertel von der Universität zu Köln halten. Musikalisch wird der Abend von Martha Jordan (Mezzosopran) und Lisa Ochsendorf (Klavier) begleitet, die Lieder von Josefine Lang und Luise Greger vortragen. Das Programm endet mit einem Stehempfang.
Für die Teilnahme wird ein Unkostenbeitrag (Abendkasse) von 15 Euro erhoben. Studierende zahlen 10 Euro. Das Programm beginnt um 18:30 Uhr, der Einlass öffnet um 18:00 Uhr. Um Anmeldung unter CGCentrum@soz.uni-frankfurt.de wird gebeten.
Mehr Informationen zum Programm des Abends finden sich auf der Webseite des Cornelia Goethe Centrums: https://cgc.uni-frankfurt.de/centrum
Kontakt: Dr. Johanna Leinius, Wissenschaftliche Geschäftsführung, Cornelia Goethe Centrum für Geschlechterforschung. Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069) 798-35103; Leinius@em.uni-frankfurt.de. Homepage: http://www.cgc.uni-frankfurt.de/
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Langzeitvorhaben der Akademie der Wissenschaften: Kritische Edition und digitale Gesamterschließung der arabischen Handschriften des Alten Testaments und ihrer Paratexte.
FRANKFURT. Das Forschungsvorhaben ›Biblia Arabica: Kritische Edition und digitale Gesamterschließung der arabischen Handschriften des Alten Testaments und ihrer Paratexte‹ wird in das von Bund und Ländern geförderte Akademienprogramm 2026 aufgenommen. Das bewilligte die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) am 28. November 2025. Beim interakademischen Projekt der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften liegt die Projektleitung bei Prof. Dr. Ronny Vollandt (LMU München) und Prof. Dr. Nathan Gibson (Goethe-Universität Frankfurt a.M.). Kooperationspartner sind die LMU München und die Goethe-Universität Frankfurt a.M. Die Laufzeit reicht von 2026-2046, also über 21 Jahre.
Das Projekt Biblia Arabica widmet sich erstmals umfassend der Erforschung der arabischen Übersetzungen der Hebräischen Bibel/des Alten Testaments – einem zentralen Zeugnis des geteilten kulturellen Erbes von jüdischen, christlichen und muslimischen Gemeinschaften des Nahen Ostens. Diese Übersetzungen dokumentieren eine jahrhundertelange religiöse und sprachliche Verflechtung, sind jedoch in unserer Zeit vom Vergessen bedroht. Mithilfe modernster Methoden der Digital Humanities werden rund 8.200 Handschriften identifiziert, beschrieben und in Auswahl anhand von Editionen und englischen Übersetzungen digital zugänglich gemacht. Dabei werden auch historische Kontexte, Übersetzer und Nutzungstraditionen erforscht. Ziel ist es, dieses einzigartige Erbe zu sichern, sichtbar zu machen und weltweit zugänglich zu halten – als historische Spiegelfläche pluraler Kultur und Beitrag zum interreligiösen Dialog.
Prof. Nathan Gibson erläutert die Bedeutung arabischer Übersetzungen der Bibel: „Sie geben aufgrund ihres Zwecks und ihrer Zielgruppe einen Einblick in die Interessen der Gemeinschaften, die sie angefertigt haben, sozusagen in ihre Prioritäten auf spiritueller, intellektueller und sogar materieller Ebene. Wann wurde sehr wörtlich übersetzt, um den Lesern zu helfen, den Originaltext Wort für Wort zu studieren? Wann wurde ein stilvolles, idiomatisches Arabisch angestrebt? Wann wurde eine Terminologie übernommen, die auch im Koran zu finden war, oder hat man sich davor gescheut? Unser Projekt zielt darauf ab, nicht nur diese Übersetzungstechniken zu beleuchten, sondern auch die Art und Weise, wie die physischen Manuskripte, die die Texte enthalten, hergestellt und verwendet wurden.“
Weitere Informationen
Religionswissenschaft an der Goethe-Universität: https://www.uni-frankfurt.de/42495474/Profil
LOEWE-Zentrum Dynamiken des Religiösen: https://dynamiken-des-religioesen.uni-frankfurt.de/
Judaistik an der LMU München: https://www.naher-osten.uni-muenchen.de/institut/judaistik/index.html
Munich Research Centre for Jewish Arabic Cultures: https://www.lmu.de/jewisharabiccultures
Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz: www.adwmainz.de
Bayerische Akademie der Wissenschaften: https://badw.de/die-akademie.html
Kontakt:
Prof. Dr. Nathan Gibson, Professor für Religionswissenschaft mit dem Schwerpunkt auf den Beziehungen zwischen Judentum und Islam in Geschichte und Gegenwart, Goethe-Universität Frankfurt, E-Mail: ngibson@em.uni-frankfurt.de
Redaktion:
Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Studiengalerie 1.357 an der Goethe-Universität zeigt Videoarbeit „Tropenkoller“ (2017) von Marcel Odenbach.
FRANKFURT. Der Begriff Tropenkoller etablierte sich Ende des 19. Jahrhunderts, um deutsche Kolonialverbrechen zu rechtfertigen. Er aktiviert den rassistischen Mythos einer klimatischen Beeinflussung von Geist und Gesundheit in den Tropen Zentral- und Westafrikas. Die physische und sexuelle Gewalt der deutschen Besatzer wurde gezielt als ein durch den Tropenkoller ausgelöster “Kontrollverlust“ relativiert. Marcel Odenbach wählt den Begriff als Titel seiner zwei-Kanal-Videoinstallationen Tropenkoller (2017), die ab dem 3. Dezember in der Studiengalerie 1.357 an der Goethe-Universität zu sehen ist.
Am Beispiel von Togo konfrontiert der Künstler darin koloniales Archivmaterial aus dem Jahre 1913 mit gegenwärtigen Aufnahmen der Hauptstadt Togos, Lomé. Es geht Odenbach um die kritische Auseinandersetzung mit der Kontinuität deutscher Kolonialverbrechen und ihre Verleugnung durch den white gaze (weißer Blick) – die ursprüngliche Funktion des Tropenkollers. Die Collage von Vergangenheit und Gegenwart entsteht in Kollaboration mit dem togolesischen Organisation WoeLab, dass im Kollektiv urbane Projekte in Lomé verwirklicht.
Ausstellungseröffnung Studiengalerie 1.357:
Marcel Odenbach, Tropenkoller – Topical Frenzy, 2017,
Courtesy Galerie Gisela Capitain
3.12.2025, 20.00 Uhr,
IG-Farben-Haus, Raum 1.357
Marcel Odenbach (* 7. Juli 1953 in Köln) ist ein deutscher Videokünstler, Collagist und gelernter Architekt. Seine Arbeit umfasst eine intensive Auseinandersetzung mit der Verdrängung und den Bildpolitiken der deutschen Kolonialgeschichte und NS-Zeit. Odenbach lebt aktuell in der Stadt Biriwa, Ghana, die zeitweise immer wieder zu seiner Wahlheimat wird. Seine Arbeiten befinden sich in zahlreichen Sammlungen wie dem MoMA, New York, dem Centre Pompidou, Paris, dem Hamburger Bahnhof, Berlin, und dem MMK, Frankfurt. Zu Odenbachs jüngsten Ausstellungen zählt die Retrospektive „So oder so“ (2023) im K21, sowie zahlreiche internationale Ausstellungen wie in der National Gallery of Modern Art (Mumbai 2019) und dem MAIIAM- Contemporary Art Museum, Chiang Mai (2022). Im Jahre 2021 wurde der Künstler mit dem Wolfgang Hahn Preis ausgezeichnet.
STUDIENGALERIE 1.357
Öffnungszeiten im Semester: Montag bis Donnerstag 12–17 Uhr, freier Eintritt.
Goethe-Universität, Campus Westend, IG-Farben-Haus, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main.
Die seit 2010 existierende STUDIENGALERIE 1.357 ist ein Lehr- und Lernprojekt an der Goethe-Universität Frankfurt am Main am Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften. Die Studiengalerie versteht sich als Lehr- und Lernort, in dem durch Kunst aktuelle gesellschaftspolitisch relevante Themen in die Universität hineingetragen werden. Studierende lernen komplexe Thematiken international anerkannter Künstler*innen aufzubereiten. Die Studiengalerie 1.357 ist öffentlich zugänglich und richtet sich sowohl an ein universitäres Publikum als auch an die Frankfurter Öffentlichkeit. studiengalerie.uni-frankfurt.de
Kontakt: Emma Tomberger, Studiengalerie 1.357, e.tomberger@web.de
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
300 Teilnehmende gehen auf der länderübergreifenden Konferenz neue Wege in die digitale Zukunft.
FRANKFURT. Rund 300 Teilnehmende aus Hessen und weiteren Bundesländern kamen am 26. November auf der länderübergreifenden Konferenz #EduNext25 zusammen, die zum ersten Mal auf dem Campus Westend der Goethe-Universität stattfand. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, dass Hochschulen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz als zentrale Treiber einer umfassenden Transformation von Studium und Lehre begreifen. Ausgerichtet von studiumdigitale, der zentralen Innovationseinheit für technologiegestütztes Lehren und Lernen an der Goethe-Universität, in Kooperation mit dem Verbundprojekt HessenHub und dem QuiS-Programm stand der Tag ganz im Zeichen von Austausch, Vernetzung und zukunftsweisenden Impulsen.
Wissenschaftsminister Gremmels unterstreicht Bedeutung gemeinsamer Strategien
In ihrem Grußwort betonte die Vizepräsidentin für Studium und Lehre Prof. Dr. Viera Pirker den fortschreitenden Wandel in der Hochschulbildung: „Digitalisierung und KI prägen Lehren und Lernen heute grundlegend. Unsere Aufgabe ist es, Studierende mit Wissen, Urteilsfähigkeit und einem verantwortungsbewussten Umgang mit KI auf die Zukunft vorzubereiten.“ Pirker hob hervor, wie die Goethe-Universität diese Entwicklungen strukturell begleitet – etwa mit der statusgruppenübergreifenden AG Generative KI, dem AI-ToolLab sowie umfassenden Qualifizierungsangeboten für Lehrende und Studierende. studiumdigitale nehme dabei eine zentrale Rolle als Brückenbauer zwischen Technologie und Didaktik ein.
Wissenschaftsminister Timon Gremmels knüpfte an diese Perspektiven an und unterstrich die Bedeutung gemeinsamer strategischer Entwicklungen: „Digitalisierung und KI eröffnen enorme Potenziale für Innovation und Lernqualität. Entscheidend für ihre nachhaltige Wirkung sind stabile Rahmenbedingungen, langfristige Investitionen und die enge Zusammenarbeit aller Akteurinnen und Akteure. Daher unterstützen wir durch unser Förderprogramm ‚Qualität in Studium und Lehre in Hessen' die Studierenden dabei, KI-Systeme zu verstehen, kritisch zu bewerten und kompetent zu nutzen.“ Im Anschluss an die Grußworte leitete Prof. Dr. Hendrik Drachsler, Direktor von studiumdigitale, zum ersten Programmpunkt, der EduConnect, über.
Konkrete Zukunftsszenarien: KI-Agenten, immersive Lernwelten und Gamification
Beim Rundgang durch die Ausstellungsmesse EduConnect erhielt Minister Gremmels Einblicke in Innovationsprojekte aus den Förderprogrammen HessenHub und QuiS. Am Stand der Goethe-Universität präsentierte Dr. David Weiß, Leiter der universitätsweiten AG Generative KI von studiumdigitale, spezialisierte KI-Agenten, die Studierende im Lernprozess unterstützen oder bei der Umsetzung von Barrierefreiheit zum Einsatz kommen. Darauf folgte eine Demo des Verbundprojekts „fuels“, bei der Projektkoordinatorin Dr. Ulrike Mascher (studiumdigitale) immersive Szenarien zu Demokratiebildung und politischer Partizipation zeigte: Der Minister besuchte mithilfe von Virtual Reality (VR) den Plenarsaal des EU-Parlaments. Im Rahmen VR-gestützter Planspiele schlüpfen Studierende in die Rolle von EU-Abgeordneten und verbessern so ihre Argumentations- und Debattierfähigkeiten. Zum Abschluss des Rundgangs demonstrierte Julia Geißler (Hochschule RheinMain) Gamification-Ansätze, die im Rahmen des HessenHub-Verbunds entstanden sind und die Lernmotivation auf spielerische Weise fördern.
Kontroverse Thesen und bundesländerübergreifende Perspektiven
Im Panel „Strategische Allianzen für die Lehre der Zukunft: Wie gehen die Länder mit KI um?“ diskutierten Paulina Rinne (HessenHub, Philipps-Universität Marburg), Prof. Dr. Konrad Faber (Virtueller Campus Rheinland-Pfalz) und Dr. Peter Salden (Zentrum für Wissenschaftsdidaktik, Ruhr-Universität Bochum) zentrale Thesen aus Hochschul- und Landesperspektive. Im Stile einer Oxford-Debatte wurden unterschiedliche Positionen deutlich – etwa zur Frage, wie stark KI-Systeme reguliert werden sollten oder welche Rolle strategische Allianzen für eine erfolgreiche KI-Integration einnehmen können. Interaktive Publikumsabstimmungen zeigten, wie vielschichtig, dynamisch und hoch relevant die Diskussion um KI in der Hochschullehre ist.
Ein didaktischer Kompass für KI-Entscheidungen
Mit ihrer Keynote gab Prof. Dr. Gabi Reinmann (Universität Hamburg) den Teilnehmenden einen didaktischen Orientierungsrahmen an die Hand. Sie zeigte, wie sich das Verhältnis von KI und Didaktik bestimmen lässt, welche Einsatzformen pädagogisch sinnvoll sind und wie sich die überwältigende Zahl an KI-Anwendungen mithilfe einiger idealtypischer Nutzungsmodi systematisieren und besser überblicken lässt. Dabei wurde immer wieder klar: KI sollte nicht technikgetrieben, sondern didaktisch reflektiert in die Lehre integriert werden.
Best-Practices aus ganz Deutschland
Das Konferenzprogramm wurde durch zahlreiche Workshops, Vorträge und Stände im Rahmen der Explore the Future-Sessions ergänzt. Die Themen reichten von KI-Kompetenzmodellen und Reifegradinstrumenten über 3D-Scanning und VR/AR-Anwendungen bis hin zu Barrierefreiheit und digitalen Prüfungen. Die praxisnahen Beiträge verdeutlichten einmal mehr, wie vielfältig und kreativ Hochschulen deutschlandweit an innovativen Lehr- und Lernangeboten arbeiten.
Austausch, Ausklang und Ausblick
Zum Abschluss der #EduNext25 dankte das Leitungsteam von studiumdigitale – Prof. Dr. Alexander Tillmann, Dr. Sarah Voß-Nakkour und Dr. David Weiß – allen Beteiligten für ihr Engagement. Beim gemeinsamen Get-together setzte sich der offene Austausch des Konferenztages fort – verbunden mit einem informellen Anstoßen auf 20 Jahre studiumdigitale, das seit 2005 zentraler Motor digitaler Hochschulentwicklung an der Goethe-Universität ist.
Kontakt:
Franziska Pleßke, studiumdigitale, Tel. +49 (0) 173 320 95 73, plesske@sd.uni-frankfurt.de;
Dr. Ulrike Mascher, studiumdigitale, Tel. +49 (0) 174 269 23 84, mascher@sd.uni-frankfurt.de;
Allgemeine Anfragen: edunext25@studiumdigitale.uni-frankfurt.de
Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/180939541
Bildtexte:
Bild 1: Eröffnung der #EduNext (von links nach rechts): VP Prof. Dr. Stephanie Hanrath (THM), Prof. Dr. Hendrik Drachsler (Direktor studiumdigitale), Minister Timon Gremmels, VP. Prof. Dr. Viera Pirker (Goethe-Universität), VP Prof. Dr. Yvonne Zimmermann (Philipps-Universität Marburg)
Bild 2: Am Stand der Goethe-Universität präsentiert Dr. David Weiß (studiumdigitale) spezialisierte KI-Agenten zur Lernunterstützung.
Bild 3: Minister Gremmels besucht mithilfe von Virtual Reality (VR) den Plenarsaal des EU-Parlaments, der im Rahmen des QuiS-Verbundprojekts fuels zum Einsatz kommt.
Bild 4: Auf der EduConnect präsentieren sich die hessischen Hochschulen, hier z.B. Gamification-Ansätze, die im Rahmen des HessenHub-Verbunds entstanden sind.
Fotos: Uwe Dettmar
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Um die bewährte Zusammenarbeit auch weiterhin auf ein solides Fundament zu stellen, schließen beide Institutionen einen Vertrag, der allen an Weiterbildung Interessierten und insbesondere Senior*innen den aktiven Zugang zu Bildungs- und Forschungsangeboten ermöglichen soll.
FRANKFURT. Die Goethe-Universität arbeitet bereits seit über vier Jahrzehnten eng mit der Universität des 3. Lebensalters zusammen. Als eine der größten Einrichtungen für wissenschaftliche Weiterbildung, vornehmlich von Menschen im Ruhestand, leistet die U3L einen wesentlichen Beitrag dazu, die Goethe-Universität als Zentrum des lebenslangen Lernens zu positionieren, als Bildungsraum für alle Generationen zu gestalten und das Selbstverständnis als Bürgeruniversität zu stärken – als Ort des Dialogs zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Gesellschaft.
Nun wird die Zusammenarbeit von Goethe-Universität und U3L auf eine vertraglich klar geregelte Basis gestellte. Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff und der Vorsitzende der U3L Prof. Markus Wriedt unterzeichneten heute den Kooperationsvertrag. Ebenfalls zugegen waren die Vizepräsidentin für Chancen, Karriereentwicklung, Karriereförderung, Diversität und Gleichstellung, Prof. Sabine Andresen, U3L-Vorstandsmitglied Prof. Frank Oswald sowie die Geschäftsführerin der U3L, Dr. Mayte Zimmermann.
Ziel der Kooperation ist es, allen an Weiterbildung Interessierten und insbesondere Senior*innen den Zugang zu wissenschaftlicher Bildung zu eröffnen, diesen zu sichern und ihre aktive Mitwirkung an Forschungs- und Lehraktivitäten zu gewährleisten. Im Mittelpunkt steht das gemeinschaftliche Engagement der Kooperationspartner für lebenslanges Lernen, realisiert durch eine breite Palette fachübergreifender Bildungsangebote und Programme sowie durch die gezielte Verknüpfung unterschiedlicher Disziplinen. Auf dieser Grundlage schaffen die Partner zusammen ein Lernumfeld, das kontinuierliche Weiterbildung und lebenslanges Lernen unter Berücksichtigung von Diversität ermöglicht. Der Vertrag regelt unter anderem den finanziellen Rahmen für die Überlassung von Räumlichkeiten und digitalen Ressourcen.
Prof. Enrico Schleiff: Wir als Goethe-Universität sind stolz auf die Leistungen der Universität des 3. Lebensalters in den letzten vier Jahrzehnten, in denen sie vielen Menschen aller Generationen mehr als nur Einblicke in die wundervolle Welt des Wissens ermöglichte. Ich freue mich, dass wir als Goethe-Universität die langjährige gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der U3L nun klar und verbindlich vertraglich geregelt haben. Gemeinsam schaffen wir einen Bildungsraum für alle an lebenslangem Lernen Interessierten und leisten damit einen wichtigen Beitrag für eine Gesellschaft, die Zugang zu Wissen als etwas Selbstverständliches erfahren und erleben darf.
Prof. Sabine Andresen: „Mit dem heute unterzeichneten Kooperationsvertrag erneuern und bekräftigen wir unsere gemeinsame Antwort auf die Frage, welchen Wert die Wissenschaft für die Weiterbildung älterer Menschen hat und umgekehrt. Als Goethe-Universität verstehen wir uns als Raum der Interaktion mit und Innovation durch die Gesellschaft – als Ort des lebenslangen Lernens – als Bildungsraum für alle Generationen.
Die U3L eröffnet diese Räume an unserer Uni mithilfe eines Bildungsverständnis, das weder nach Alter, Abschlüssen oder Credit Points fragt, sondern auf Bildung als Form gesellschaftlicher Teilhabe setzt. Wir schätzen Ihr Engagement an unserer Seite sehr hoch und freuen uns, dies nun auch mit diesem Kooperationsvertrag zum Ausdruck zu bringen!“
Prof. Dr. Markus Wriedt: „Wir sind sehr dankbar, nunmehr eine verlässliche und in die gemeinsame Zukunft weisende Vereinbarung mit der Goethe-Universität haben. Die Universität des 3. Lebensalters e.V. ist eine, wenn nicht die größte Einrichtung in Europa, die sich der akademischen Bildung in der nachberuflichen Lebensphase im Sinne des „Lebenslangen Lernens“ zur Aufgabe gemacht hat - pro Jahr studieren hier mehr als 5500 Studierende in etwa 250 Lehrveranstaltungen und erwerben kompetentes Wissen von ca. 90 Lehrenden unterschiedlicher Fachrichtungen.“
Dr. Mayte Zimmermann: „Für uns bedeutet der Vertragsabschluss nicht nur eine Anerkennung der heute und in den letzten 40 Jahren geleisteten Arbeit, sondern auch ein starkes Zeichen der Partnerschaft zwischen der Goethe-Universität und der U3L für die Zukunft. Wir erhoffen uns eine sichtbare und dauerhafte Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität zum beiderseitigen Nutzen. Dazu gehört die wissenschaftliche Ausrichtung unserer Lehre, gemeinsame Veranstaltungen von Regelstudierenden und U3L-Studierenden und das Angebot zukunftsweisender Unterrichtsformate, auch in Zeiten von knappen Ressourcen und Räumen.“
Bild zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/180939276
Bildtext: Bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages (v. l. n. r.): Dr. Mayte Zimmermann, Prof. Dr. Markus Wriedt, Prof. Dr. Enrico Schleiff u. Prof. Dr. Sabine Andresen. Foto: Jürgen Lecher
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Panels zum Generationenwechsel im Fach und zu Strategien der Zukunft
FRANKFURT. „Perspektiven für die Zukunft“ – unter diesem Motto findet die Jahrestagung des Verbunds Archäologie Rhein-Main
am Freitag, 5. Dezember, von 9 bis 19:30 Uhr
im Casino-Gebäude auf dem Campus Westend der Goethe-Universität
statt. In verschiedenen Veranstaltungsformaten – Podiumsdiskussion, Poster-Session, Strategiepanel – werden aktuelle Fragen der Archäologie im Rhein-Main-Gebiet erörtert. Am Abend wird der Eduard-Anthes-Preis für zwei herausragende Dissertationen zur Vor- und Frühgeschichte des deutschen Mittelgebirgsraumes verliehen.
Vor zehn Jahren, also im Jahr 2015, ist der Verbund Archäologie Rhein-Main (VARM) gegründet worden. Er hat die Aufgabe, die vielfältigen archäologischen Aktivitäten im Rhein-Main-Gebiet zusammenzuführen, und bietet Altertumswissenschaftlern und Altertumswissenschaftlerinnen eine Plattform für fachlichen Austausch und gemeinsame Forschung. Außer den drei Rhein-Main-Universitäten (Goethe-Universität Frankfurt, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und TU Darmstadt) gehören ihm an: die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, das Landesamt für Denkmalpflege Hessen, das Leibniz-Zentrum für Archäologie Mainz und die Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts Frankfurt. Im Rahmen der Jahrestagung wird mit dem Beitritt der Stadtarchäologie Frankfurt ein weiteres Mitglied in den Verbund aufgenommen. Für die RMU-Universitäten ergibt sich in der Kooperation mit dem archäologischen Verbund ein reichhaltiges Lehr- und Fortbildungsangebot, welches auch außeruniversitäre Partner umfasst.
Die diesjährige Tagung des VARM fokussiert auf die Zukunft des Faches. „Perspektivwechsel: Archäologie der nächsten Generation“ lautet der Titel der Diskussionsveranstaltung am Vormittag, an der Expertise aus Forschungsinstitutionen, dem Denkmalschutz, aus Museen, Landesbehörden, Universitäten und Studierendenschaft beteiligt sind. Im Strategiepanel am Nachmittag geht es unter dem Titel „Archäologie sichtbar machen: Strategien der Zukunft“ um die Relevanz von Archäologie in der Gesellschaft.
Zudem wird im Rahmen der Tagung gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, der hessenArchäologie und dem Verein von Altertumsfreunden im Regierungsbezirk Darmstadt e.V. der Eduard-Anthes-Preis verliehen. Mit dem mit 7.500 Euro dotierten, ältesten deutschen Archäologiepreis werden herausragende wissenschaftliche Arbeiten ausgezeichnet, die archäologische Themen aus dem deutschen Mittelgebirgsraum zwischen Neckarmündung und Norddeutscher Tiefebene behandeln. Den Preis erhalten in diesem Jahr Dr.-Ing. Birgit Nennstiel für ihre Arbeit über hölzerne Großbauten der frühen Kaiserzeit und Dr. Roman Zabolotnîi für seine Arbeit über die Wüstung von Wetzlar-Dalheim.
Die Veranstaltung ist öffentlich, die Teilnahme kostenlos; um eine Anmeldung wird gebeten und https://www.eventbrite.de/e/varm-2025-tickets-1537347510789.
Das Programm finden Sie unter https://varm.hypotheses.org/files/2025/11/VARM-Programm-2025-8seiter.pdf
Information:
Prof. Dr. Dirk Wicke
Vorderasiatische Archäologie
Institut für Archäologische Wissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
Telefon +49 (0)69 798-32317
E-Mail: wicke@em.uni-frankfurt.de
Auf Instagram: www.instagram.com/goethesarchaeology/
Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de
DFG bewilligt neuen SFB zur Bildungsgerechtigkeit / Förderung dreier naturwissenschaftlicher SFB-Transregios an der Goethe-Universität wird fortgesetzt
Die Goethe-Universität hat einen neuen Sonderforschungsbereich – und zwar einen ganz besonderen: Unter dem Namen [in:just] geht erstmals ein erziehungswissenschaftlicher SFB (SFB 1750) an den Start. Erforscht werden soll, wie es um Gerechtigkeit und Teilhabe im deutschen Bildungs- und Erziehungssystem steht. Außerdem bewilligt wurde die Fortsetzung dreier Transregio-SFB (TRR), an denen Forschende der Goethe-Universität maßgeblich beteiligt sind. Dabei geht es um die mathematische Beschreibung komplizierter geometrischer Räume (TRR 326), um Materie unter Extrembedingungen (TRR 211) und um die Erforschung der Tropopausenregion der Atmosphäre in sieben bis 17 Kilometern Höhe (TRR 301).
FRANKFURT. Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff gratuliert den beteiligten Forscherinnen und Forschern zum erfolgreichen Antrag: „Ein neuer Sonderforschungsbereich ist eine sehr erfreuliche Nachricht für die Goethe-Universität - und in diesem Fall für die Bildungsgerechtigkeit in unserem Land! Mir ist bewusst, wieviel Energie, Kreativität und Ausdauer für ein solches Großprojekt schon im Voraus erforderlich sind. Aber es hat sich gelohnt! Und es muss dringend erforscht werden, warum die Bildungschancen in Deutschland offenbar immer noch nicht gerecht verteilt sind. Für Ihre spannende und wichtige Forschung wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg. Und dass gleich drei Verlängerungen für unsere Transregios bewilligt wurden, bestätigt die Qualität unserer Forschung in den Naturwissenschaften und der Mathematik und stärkt unsere Forschungsmöglichkeiten auch innerhalb der Rhein-Main-Universitäten.“
Die Beteiligungsmöglichkeiten an Bildung nehmen seit 50 Jahren zu. Einerseits. Andererseits bestehen nach wie vor große Ungleichheiten, wer davon auf welche Weise profitiert. Insbesondere Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Elternhäusern, aus migrantischen Familien und solche mit Behinderungen und/oder sonderpädagogischen Förderbedarfen werden oft nicht ausreichend beteiligt. Diese Widersprüchlichkeit im demokratischen Gerechtigkeitsversprechen schwächt das Vertrauen in Bildungseinrichtungen.
Der neue Sonderforschungsbereichs [in:just] 1750 an der Goethe-Universität wird die Ursachen und Hintergründe dieser nach wie vor bestehenden Ungleichheit untersuchen. Dafür erhält der Verbund für die nächsten drei Jahre und neun Monate insgesamt 14 Millionen Euro. 31 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus so unterschiedlichen Disziplinen wie Erziehungswissenschaften, Soziologie, Philosophie, Politik- und Rechtswissenschaft, Humangeographie und Informatik bilden einen interdisziplinären Verbund unter Federführung der Erziehungswissenschaften. Als Sprecherinnen fungieren Prof. Merle Hummrich und Prof. Vera Moser, beide sind am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität tätig. Merle Hummrich hat den Schwerpunkt Jugend und Schule, Vera Moser widmet sich auf der Kathrin- und Stefan-Quandt-Stiftungsprofessur vor allem der Inklusionsforschung.
Aus unterschiedlichen Perspektiven sollen institutionalisierte Teilhabe- und Teilnahmeprozesse von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Erziehungs- und Bildungssystem unter die wissenschaftliche Lupe genommen werden. Dabei geht es etwa um Unterricht vor dem Hintergrund von Mehrsprachigkeit oder angenommener schülerseitiger ‚Verhaltensstörungen', aber auch um das Prozedere von Inobhutnahmen von Kindern und Jugendlichen sowie unbegleiteten Minderjährigen Geflüchteten, um die Auswirkungen von Gentrifizierungen auf die Qualität regionaler Bildungsangebote, um die Einspruchsmacht von Sorgeberechtigten und auch um computergestützte Entscheidungsprozesse, die vergleichend im Erziehungs- und Rechtssystem untersucht werden sollen. Auch international vergleichende Forschungen in Bezug auf die Implementation der UN-Behindertenrechtskonvention, Kinderrechte und intersektionale Differenzierungsprozesse gehören zum Forschungsprogramm.
Der SFB 1750 [in:just] ist der erste im Kern erziehungswissenschaftliche Sonderforschungsbereich, den die DFG fördert. „Angesichts der erheblichen gesellschaftlichen Krisen und Herausforderungen sind wir sehr dankbar für diese große Chance, das Aufwachsen von Kindern und jungen Menschen interdisziplinär und kooperativ beforschen zu können“, sagt Prof. Merle Hummrich. „Mir ist besonders wichtig zu untersuchen, wie menschenrechtliche Normen sich auf den Alltag junger Menschen auswirken“, betont Inklusionsexpertin Prof. Vera Moser.
SFB-Transregios werden fortgesetzt
Außerdem gab die DFG bekannt, dass folgende SFB-Transregios fortgesetzt werden, an denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität maßgeblich beteiligt sind:
Wie lassen sich hochkomplexe geometrische und arithmetische Strukturen durch einfachere Räume beschreiben? Dieser Frage widmet sich der TRR 326 „Geometrie und Arithmetik uniformisierter Strukturen“, der nun mit einem Fördervolumen von 13,7 Millionen Euro in seine zweite Förderphase geht. Die Mathematikerinnen und Mathematiker nutzen das Prinzip der mathematischen „Uniformisierung“, das Ordnung im Komplexen schafft: Schwer greifbare Räume aus der modernen Geometrie und Arithmetik werden durch einfachere Modelle ersetzt, ohne ihre wesentliche Gestalt zu verändern. Ein anschauliches Beispiel bietet die Oberfläche eines Rettungsrings (eine elliptische Kurve): Eine Ameise, die auf dieser Oberfläche lebt, kann entweder längs oder quer auf Rundreise gehen und kommt jeweils zum Ausgangspunkt zurück. Dieses Verhalten findet sich in der Uniformisierung wieder, die durch eine mit einem Gitternetz überzogene Ebene dargestellt wird – die Gitterlinien beschreiben die ins Unendliche verlängerten Reiserouten der Ameise. So transformiert offenbaren sich verborgene Symmetrien, und Fragestellungen an der Schnittstelle von Geometrie und Zahlentheorie werden beherrschbar und beantwortbar.
Beteiligt sind die Goethe-Universität Frankfurt als Sprecheruniversität, die Technische Universität Darmstadt und die Universität Heidelberg. Partner sind die Johannes Gutenberg-Universität Mainz – die zusammen mit Frankfurt und Darmstadt den Verbund der Rhein-Main-Universitäten (RMU) bildet – sowie die Universität Hannover und die Universität Münster.
Sprecher: Prof. Dr. Jakob Stix (Goethe-Universität Frankfurt)
Stv. Sprecher: Prof. Jan Hendrik Bruinier (TU Darmstadt), Prof. Alexander Schmidt (Universität Heidelberg)
Website:https://crc326gaus.de/
Materie unter so extremen Bedingungen, dass sogar Protonen und Neutronen auseinanderbrechen – damit beschäftigt sich der TRR 211 „Stark wechselwirkende Materie unter extremen Bedingungen“, dessen dritte Förderphase bewilligt wurde. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen, was geschieht, wenn Materie so stark erhitzt und komprimiert wird, dass ihre fundamentalen Bausteine – Quarks und Gluonen – freigesetzt werden. Solche Zustände lassen sich für Sekundenbruchteile in Teilchenbeschleunigern erzeugen und treten im All auf, etwa bei der Verschmelzung von Neutronensternen. Die Erkenntnisse helfen, die starke Kernkraft besser zu verstehen, die alles im Innersten zusammenhält. Neben der Goethe-Universität Frankfurt sind die TU Darmstadt und die Universität Bielefeld beteiligt.
Sprecher: Prof. Dr. Sören Schlichting (Universität Bielefeld)
Stv. Sprecher*innen: Prof. Dr. Hannah Elfner (Goethe-Universität Frankfurt), Prof. Dr. Guy Moore (TU Darmstadt)
Website: https://crc-tr211.org/
Die Untersuchung einer Zone in der Atmosphäre, die die untere „Wetterschicht“ (Troposphäre) von der darüber liegenden Stratosphäre trennt, die Tropopausenregion, ist Forschungsthema des TRR 301 „Die Tropopausenregion in einer Atmosphäre im Wandel“. Der Forschungsfokus liegt hier auf den physikalischen und chemischen Prozessen dieser Region und deren Einfluss auf die planetare Zirkulation und das Klima. Im Rahmen des TRR 301 nahmen Forschende der Goethe-Universität zum Beispiel an der Flugzeug-Messkampagne zu den Oxidationsprozessen in der Atmosphäre (CAFE) teil und konnten so aufklären, wie der Amazonas-Regenwald als Wolkenmaschine funktioniert. Hauptstandorte des TRR 301 sind die Johannes Gutenberg-Universität Mainz und die Goethe-Universität Frankfurt. Partner sind ferner die Technische Universität Darmstadt, die Ludwig-Maximilians-Universität München, das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, das Forschungszentrum Jülich sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Weßling.
Sprecher: Prof. Dr. Peter Hoor, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, hoor@uni-mainz.de
Stv. Sprecher: Prof. Dr. Joachim Curtius, Goethe-Universität Frankfurt, curtius@iau.uni-frankfurt.de
Website: https://tpchange.de/
"Amazonas als Wolkenmaschine": https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/der-amazonas-regenwald-als-wolkenmaschine-wie-gewitter-und-pflanzen-ausduenstungen-kondensationskeime-erzeugen/
Prof. Dr. Merle Hummrich (SFB 1750)
Institut für Pädagogik der Sekundarstufe
Goethe-Universität Frankfurt
Telefon: 069 798 -36323
E-Mail: m.hummrich@em.uni-frankfurt.de
Prof. Dr. Vera Moser (SFB 1750)
Institut für Sonderpädagogik
Goethe-Universität Frankfurt
Telefon: 069 798 - 36394
E-Mail:v.moser@em.uni-frankfurt.de
Prof. Dr. Jakob Stix (TRR326)
Institut für Mathematik
Goethe-Universität Frankfurt
Telefon: 069 798 - 22309
E-Mail: stix@math.uni-frankfurt.de
Prof. Dr. Hannah Elfner (TRR211)
Institut für Theoretische Physik
Goethe-Universität Frankfurt
Telefon: 069 798 - 47652
E-Mail: elfner@itp.uni-frankfurt.de
Prof. Dr. Joachim Curtius (TRR301)
Institut für Atmosphäre und Umwelt
Goethe-Universität Frankfurt
Telefon: 069 798 - 40258
E-Mail: curtius@iau.uni-frankfurt.de