​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​ ​

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Pressestelle Goethe-Universität

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Mai 6 2026
14:44

Goethe-Universität bietet zum Wintersemester 2026/27 neuen Masterstudiengang „AI and Digital Technology in Learning and Instruction“ an / Bewerbungen noch bis 30. Juni 2026 möglich.

KI und digitale Technologien für Bildungsprozesse nutzen 

FRANKFURT. KI und digitale Technologien gewinnen zunehmend an Bedeutung für Bildungsprozesse in allen Lebensphasen. Sie ermöglichen individualisierte Lernangebote, unterstützen Lernende und entlasten Lehrende. Gleichzeitig erfordert ihr effektiver Einsatz spezifische Kompetenzen, die bislang nur begrenzt systematisch vermittelt werden. Genau hier setzt der neue Studiengang an der Goethe-Universität an. „AI and Digital Technology in Learning and Instruction“, abgekürzt ALI, verfolgt als interdisziplinärer Masterstudiengang das Ziel, Studierende auf wissenschaftliche, praktische und strategische Aufgaben im Arbeitsfeld der künstlichen Intelligenz und digitalen Technologien für Bildungsprozesse vorbereiten. ALI ist konsekutiv und forschungsorientiert ausgerichtet. 

Der Studiengang richtet sich insbesondere an Absolvent*innen der Psychologie und Informatik. Im Sinne eines interdisziplinären Ansatzes erwerben Studierende zunächst grundlegende Kenntnisse der jeweils anderen Disziplin und vertiefen diese im weiteren Studienverlauf in gemeinsamen Modulen. Damit schafft ALI ein Kompetenzprofil, das technologisches Wissen, pädagogisch-psychologische Expertise sowie fundierte Methodenkenntnisse vereint. 

Interdisziplinär und international
Mit seinem Themenschwerpunkt ist der Studiengang bislang in Deutschland einzigartig. Darüber hinaus zeichnen ihn seine Interdisziplinarität und internationale Ausrichtung aus: Englisch dient als zentrale Kommunikationssprache, um die internationale Anschlussfähigkeit der Absolvent*innen zu gewährleisten und sie auf zukünftige Entwicklungen im globalen Arbeitsmarkt vorzubereiten. Studierende werden ermutigt, auch Erfahrungen im Ausland zu sammeln, etwa bei einem Praktikum bei Kooperationspartner*innen.  

Innovative Lehre und praxisnahe Ausbildung
Eine besondere Stärke des ALI-Studiengangs liegt in der engen Verzahnung von Theorie und Praxis. KI und digitale Technologien sind nicht nur Gegenstand des Studiums, sondern werden auch aktiv in Lehr- und Lernprozesse integriert. Studierende arbeiten mit aktuellen KI-Anwendungen, entwickeln eigene Lösungen und reflektieren deren Einsatz kritisch – auch im Hinblick auf ethische und datenschutzrechtliche Fragestellungen. Didaktisch setzt der Studiengang auf konstruktivistische Lernformen wie problembasiertes Lernen und projektorientierte Zusammenarbeit. Diese fördern insbesondere Kreativität, Problemlösekompetenz, kritisches Denken und Teamfähigkeit – Fähigkeiten, die in zukünftigen Berufsfeldern von zentraler Bedeutung sind.

Vielfältige Karriereperspektiven
Künftige Absolvent*innen des Studiengangs verfügen über ein gefragtes Qualifikationsprofil und sind in der Lage, zentrale Schnittstellenfunktionen zwischen Technologieentwicklung und Bildungsforschung zu übernehmen. Ihnen eröffnen sich vielfältige Karrierewege: in öffentlichen Institutionen, etwa in Ministerien oder Bildungsverwaltungen, aber auch in der Privatwirtschaft, beispielsweise in der Entwicklung von E-Learning-Technologien, im Instruktionsdesign oder im Bereich KI-Produktentwicklung, in der wissenschaftlichen Forschung an Hochschulen und Forschungsinstituten. 

Aufgrund ihrer transdisziplinären Ausbildung können die Absolvent*innen des Studiengangs ALI im akademischen wie auch im wirtschaftlichen Kontext in idealer Weise die Schnittstelle zwischen Informatik und Bildungsforschung ausfüllen. Dies gelingt insbesondere durch die in der psychologischen Ausbildung erworbenen Kompetenzen zum menschlichen Lernen sowie zur Gestaltung und Bewertung sozialwissenschaftlicher Forschungsmethoden, kombiniert mit den informationstechnischen Kenntnissen zu KI.

„Lernen ist die wertvollste Ressource des 21. Jahrhunderts. Mit unserem Studiengang vereinigen wir das Beste aus zwei Welten: die Tiefe der psychologischen Bildungswissenschaften mit der Innovationskraft Informatik im KI-Bereich. Unser Studiengang ist die Antwort auf die Frage, wie wir in einer KI-getriebenen Welt gemeinsam wachsen – technologisch visionär und psychologisch fundiert. Wir warten nicht auf die Zukunft der Bildung – wir bauen sie, indem wir die Wissenschaft der psychischen Prozesse mit der Logik der Computerwissenschaften synergetisch verbinden.“, betont Prof. Dr. Holger Horz, Professor für Pädagogische Psychologie an der Goethe-Universität. 

Starker Forschungsbezug und Einbindung in strategische Entwicklungen
Der Studiengang ALI ist eng an die Forschungsprofile der Goethe-Universität und der beteiligten Fachbereiche angebunden. Er adressiert zentrale gesellschaftliche Herausforderungen im Umgang mit KI und trägt zur wissenschaftlichen Weiterentwicklung dieses Themenfelds bei. Neben technologischen und pädagogisch-psychologischen Aspekten werden auch ethische Fragestellungen systematisch in das Studium integriert.

Der Studiengang beginnt jeweils zum Wintersemester, ist modular aufgebaut und auf vier aufeinanderfolgende Semester angelegt. Die Bewerbungsphase für das Wintersemester 2026/27 läuft noch bis zum 30. Juni 2026. 

Weitere Informationen zum Studiengang: https://www.uni-frankfurt.de/de/studium/studiengaenge/ai-and-digital-technology-in-learning-and-instruction-master

Kontakt
ALI-Studienkoordinationsteam. E-Mail: ali_masterprogram@uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 5 2026
15:34

Studie der Goethe-Universität Frankfurt untersucht erstmals systematisch Diversity und Diskriminierung

Faire Karrieren in der Wissenschaft

Wissenschaftliche Exzellenz lebt von Vielfalt und Freiheit – doch selbstbestimmtes Arbeiten gelingt erst, wenn Institutionen Strukturen schaffen: für gutes Onboarding, für Diversitätssensibilität und für Unterstützung von Wissenschaftler*innen mit unterschiedlichen Karrierewegen und Lebenslagen. Die Goethe-Universität Frankfurt geht hier als Vorreiterin voran: Eine Studie untersucht systematisch die Bedarfe von Wissenschaftler*innen aller Karrierestufen – und zeigt, wo Handlungsbedarf besteht.

FRANKFURT. Wie erleben Wissenschaftler*innen mit Migrationshintergrund, Behinderungen oder aus LGBTQ+-Communities ihre Karrierewege? Welche Strukturen begünstigen oder behindern ihre Teilhabe? Antworten auf diese Fragen fehlen – im Gegensatz zu Ländern wie Kanada, wo Diversity-Monitoring längst Standard ist. Während auf Geschlechterungleichheiten in Hochschule und Wissenschaft datenbasiert mit gezielten Maßnahmen reagiert werden kann, liegt die Erfassung anderer Diversitätsdimensionen im Wissenschaftssystem des deutschsprachigen Raums noch im Dunkeln. Es gibt bisher nur wenig erprobte Instrumente zur Erfassung von Diversität und Diskriminierung im Wissenschaftsbereich. Andererseits gewinnt das Thema in der wissenschaftlichen Diskussion und auch in der Forschungsförderung zunehmend an Bedeutung. 

Die Goethe-Universität hat nun mit einer internen Studie erstmals systematisch Daten zu Diversität, Diskriminierung und Karrierebedingungen von Wissenschaftler*innen erhoben. Die Ergebnisse sollen helfen, die universitären Diversity-Policies bedarfsgerecht weiterzuentwickeln. Die Erhebung stieß auf großes Interesse unter Fachleuten und kann Vorbild für andere Hochschulen sein.

„Die Goethe-Universität will Vorreiterin sein für Chancengerechtigkeit und Vielfalt – nicht nur, weil wir es für unsere Pflicht halten, faire und transparente Arbeits- und Karrierebedingungen für alle Wissenschaftler*innen zu gewährleisten, sondern auch, weil unsere Wissenschaft dann besser wird. Wir brauchen alle Menschen und die Vielfalt von Perspektiven, um innovative und kreative Forschung zu leisten, und können es uns nicht erlauben, dass klugen Köpfen Hindernisse in den Weg gelegt werden“, erläutert Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff. „Mit der Erhebung schaffen wir eine belastbare Grundlage dafür, wie wir solche Hindernisse besser beseitigen und Chancengerechtigkeit gezielter fördern können.“

„Eine wichtige Rückmeldung ist, dass die Wissenschaftler*innen die bisherigen Anstrengungen der Universität in Sachen Diversität und Diskriminierungsschutz ausdrücklich wertschätzen und mit ihrer Arbeitssituation insgesamt zufrieden sind. Zugleich geben Sie uns konkrete Hinweise, was wir verbessern können, um Diskriminierung noch wirksamer zu verhindern“, sagt Prof. Dr. Sabine Andresen, Vizepräsidentin für Chancen, Karriereentwicklung, Karriereförderung, Diversität und Gleichstellung. „Wichtig sind etwa mehr Wissen und Sensibilisierung – denn nur wer Benachteiligungen erkennt, kann sie auch benennen und bekämpfen. Auch eine weitere Stärkung der Unterstützungsangebote und klare Anlaufstellen sind wichtig sowie deutliche Regeln und Grenzen: Wer diskriminiert, soll Konsequenzen erfahren. Und besonders wichtig sind den Befragten, nachhaltige Strukturen und verlässliche Verfahrenswege. Das nehmen wir mit, daran werden wir weiter arbeiten.“

An der Erhebung nahmen im Herbst 2023 insgesamt 726 Wissenschaftler*innen der Goethe-Universität aus allen Fachbereichen teil. Davon sind 72% wissenschaftliche Mitarbeiter*innen und Lehrkräfte für besondere Aufgaben, 18% Professor*innen, 9% Stipendiat*innen, Promovierende und Habilitand*innen ohne Beschäftigungsverhältnis an der Goethe-Universität sowie 1% Lehrbeauftragte.

Die Ergebnisse werden im Rahmen des Diversity-Tags der Goethe-Universität am 19. Mai 2026 vorgestellt und mit den Hochschulangehörigen diskutiert.  Es liegen ein Erhebungsbericht sowie eine Zusammenfassung vor.

Zentrale Einsichten sind:

Hohe Zufriedenheit mit der Arbeitssituation
Die Mehrheit der Wissenschaftler*innen bewertet ihre Arbeitssituation und das Arbeitsumfeld ausgesprochen positiv. Besonders hervorgehoben werden die Freude an Forschung und Lehre, das selbstbestimmte Arbeiten sowie das engagierte Verhältnis zu Studierenden. Die inhaltliche Gestaltungsfreiheit und der Beitrag zum wissenschaftlichen Fortschritt sind ein klares Plus der Arbeit in Forschung und Lehre an der Goethe-Universität.

Eigenverantwortung und Begeisterung ersetzen nicht ein systematisches Onboarding
Deutlich wurde aber auch, dass bei aller Eigenverantwortung und hohen intrinsischen Motivation, die die Wissenschaftler*innen meist mitbringen, ein systematisches, nicht nur von der Hilfsbereitschaft Einzelner abhängendes „Onboarding“ zur positiven Karriereentwicklung und langfristigen Zufriedenheit mit der Arbeitssituation enorm beitragen kann. Hier sehen die Teilnehmenden an der Studie Entwicklungspotenzial für die Goethe-Universität.

Wissen, Sensibilisierung und klare Verfahrenswege stärken Diversität und helfen gegen Diskriminierung
Die Studie der Goethe-Universität zeichnet ein doppeltes Bild: Einerseits zeigt sie die reichen Lebensrealitäten ihrer Wissenschaftler*innen – von unterschiedlichen Hintergründen über verschiedene Karrierewege bis hin zu vielfältigen Perspektiven. Andererseits wird deutlich: Auch eine weltoffene Institution wie die Goethe-Universität ist kein diskriminierungsfreier Raum. Als großes Organisationsgefüge in der Mitte der Gesellschaft spiegelt sie gesellschaftliche Ungleichheiten wider – und muss daher kontinuierlich daran arbeiten, faire Arbeits- und Karrierebedingungen für alle zu schaffen.

Alle Informationen zum Bericht: 


Redaktion: Volker Schmidt, Leiter Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: 069 798-13035, v.schmidt@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 5 2026
13:00

Publikation der Goethe-Universität beleuchtet die Rolle der Chemie für das Verständnis, wie sich Komplexität entwickelt

Wie aus Molekülen Leben entstehen konnte

Viele Eigenschaften von Molekülen lassen sich nicht aus den Eigenschaften der Atome vorhersagen, aus denen sie bestehen: Diese Eigenschaften tauchen erst im Verbund auf - ein Phänomen, das in der Wissenschaft als „Emergenz“ bezeichnet wird. Eine Publikation der Goethe-Universität Frankfurt beleuchtet aus chemischer, biologischer und philosophischer Perspektive, wie Emergenz und Komplexität zusammenhängen. Die Forschenden zeigen, wie aus einfachen Bausteinen über viele Zwischenschritte Systeme entstehen, die Informationen speichern, sich replizieren und schließlich Funktionen ausführen können. Ihre Arbeit wirft einen neuen Blick auf den Übergang von der unbelebten zur belebten Natur.

FRANKFURT.  Bakterien sind Lebewesen, die nur aus einer einzigen Zelle bestehen, und sie steuern erst einmal nur sich selbst. Und dennoch können sich Bakterien vieler Arten zu Kolonien zusammenschließen, die sich wie ein komplexer Organismus verhalten. Darin übernehmen die einzelnen Mikroben plötzlich unterschiedliche Aufgaben: Einige produzieren einen Schleim, der die Kolonie zusammenhält; andere versorgen ihre „Geschwister“ mit Nährstoffen und Energie; wieder andere sind besonders beweglich und sorgen so dafür, dass die Kolonie sich ausbreitet. Zusammen leisten sie also etwas, was jedes einzelne für sich nicht leisten könnte.

Das plötzliche Auftauchen einer neuen, unvorhersagbaren Eigenschaft eines Verbunds ist ein Phänomen, das Forschende als Emergenz bezeichnen. „Emergenz gibt es auch in der Welt der Moleküle“, sagt Prof. Harald Schwalbe vom Institut für organische Chemie und chemische Biologie der Goethe-Universität Frankfurt. „Nehmen Sie beispielsweise Wasser: Es besteht aus zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom. Wenn diese sich zu Wasser zusammenfügen, entsteht ein Molekül mit völlig neuen Eigenschaften, die sich nicht aus den Eigenschaften der einzelnen Atome ableiten lassen.“ 

Wasser prägte die Entstehung des Lebens

So ist Wasser polar: Das Sauerstoffatom ist leicht negativ geladen, die Wasserstoffatome leicht positiv. Ohne die Verbindung dieser Eigenschaften im Wasser gäbe es kein Leben – zumindest nicht in der heutigen Form. Denn die Polarität sorgt dafür, dass zwei Wassermoleküle einander anziehen, ähnlich wie schwache Magneten. Dieser Zusammenhalt ist der Grund, weshalb Wasser zwischen 0 und 100 Grad flüssig ist und nicht gasförmig. Das ist der Temperaturbereich auf der Erde – bedingt durch ihre Entfernung zur Sonne. Unter den physikalischen Bedingungen auf der Erde ist Wasser die Flüssigkeit, in deren Umgebung die Moleküle des Lebens entstehen können und in der chemische Reaktionen in Organismen beschleunigt werden.

„Das ist wiederum eine Voraussetzung dafür, dass DNA Informationen speichern kann und Proteine eine bestimmte Struktur annehmen“, erklärt der Chemiker. So besteht DNA aus unterschiedlichen molekularen Bausteinen, die schon vor der Entstehung des Lebens entstanden sind und von denen einige ebenfalls polar sind, andere dagegen unpolar. Die polaren Bestandteile fühlen sich in Wasser wohl - sie drehen sich daher in wässriger Umgebung nach außen. Die unpolaren kommen dadurch innen zu liegen. Das ist einer der Gründe dafür, warum die DNA unter natürlichen Bedingungen eine Doppelhelix-Struktur annimmt, ähnlich wie eine Wendeltreppe, bei der die polaren Geländer außen liegen und die unpolaren Stufen verdreht übereinandergestapelt sind.

„Die emergenten Eigenschaften des Wassers zwingen also den komplexeren Molekülen eine bestimmte Ordnung auf“, erklärt Schwalbe. „Es ist wie bei einem Dirigenten, der dafür sorgt, dass die Musiker nicht zufällig vor sich hin spielen.“ Diese Ordnung ist dann wiederum eine der Grundlagen dafür, dass diese komplexen Moleküle ebenfalls bestimmte, unvorhersagbare Eigenschaften entwickeln. Sie ist beispielsweise mit dafür verantwortlich, dass DNA aus zwei umeinander verdrehten Strängen besteht. Diese verhalten sich normalerweise komplementär zueinander - wie zwei zueinander passende Puzzleteile. Daher hat DNA etwa die Fähigkeit, sich zu replizieren, also Kopien von sich anzufertigen. Dazu trennen sich die DNA-Stränge, und an jeden Einzelstrang lagern sich aufs Neue passende Puzzleteilchen an. Die Fähigkeit zur Replikation ist für die Entstehung des Lebens zentral.

Evolution komplexer Systeme wird sich nicht exakt wiederholen

Die Publikation nennt insgesamt 13 Merkmale komplexer Systeme. Eines davon ist das Phänomen, dass diese Systeme manchmal kritische Zustände erreichen, an denen sich ihre Eigenschaften durch Emergenz fundamental ändern. Dadurch werden plötzlich neue Funktionen möglich. Wann das genau passiert, lässt sich nicht vorhersagen. Diese Sprünge waren oft wichtige Schritte auf dem Weg zur Entstehung des Lebens. Damit sie stattfinden können, benötigen Systeme einen ständigen Eintrag von Energie – auf der Erde stammt sie von der Sonne.

Ein Treiber dieser Entwicklung sind evolutive Mechanismen, die bereits vor der Entstehung des Lebens bei der Entwicklung der Moleküle ansetzten. Sie haben im Zusammenspiel mit der Emergenz dafür gesorgt, dass sich das Leben zu seinen vielfältigen Formen entwickelt hat, die wir heute auf der Erde vorfinden. Trotz dieser Wirkkräfte sei die genaue Art und Weise dieser Entwicklung aber nicht vorgezeichnet gewesen, betont Schwalbe: Wenn wir die Uhr vier Milliarden Jahre zurückdrehen könnten, würden ganz andere Lebensformen entstehen, als wir heute kennen.

Publikation: Harald Schwalbe, Josef Wachtveitl, Alexander Heckel, Florian Buhr, Sabrina Toews, Thomas M. Schimmer. The Role of Chemistry Across Disciplines From Humanities to Life Sciences in Understanding Complexity and Emergence. Angewandte Chemie International Edition (2026); https://doi.org/10.1002/anie.202523427

Bilder:
https://www.uni-frankfurt.de/185165244

Bildtext: Die polaren Wassermoleküle sorgen dafür, dass sich die DNA als Doppelhelix bildet mit den apolaren Elementen innen und den polaren außen. Bild: Markus Bernards / ChatGPT, Goethe-Universität Frankfurt

Weitere Informationen
Prof. Dr. Harald Schwalbe
Institut für organische Chemie und chemische Biologie
Goethe-Universität Frankfurt
Telefon +49 (0)69 / 798-29737
schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de
Homepage: https://schwalbe-lab.de/team/

Bluesky: @goetheuni.bsky.social @harald-schwalbe.bsky.social @wachtveitl-lab.bsky.social
LinkedIn: @Goethe-Universität Frankfurt @Harald Schwalbe @Josef Wachtveitl @Alexander Heckel @Florian Buhr @Sabrina Töws @Thomas Schimmer


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 4 2026
14:42

Wiederentdecktes und recherchiertes Notenmaterial von verfolgten Frankfurter jüdischen Musiker*innen wird am 10. Mai an der Friedberger Anlage zur Aufführung kommen / Projekt mit Beteiligung Studierender der Goethe-Universität  

Vergessene Musik im Hochbunker

FRANKFURT. Die Kompositionen verfolgter Frankfurter jüdischer Musikerinnen und Musiker werden am 10. Mai im Hochbunker an der Friedberger Anlage, gebaut auf den Grundmauern der von den Nationalsozialisten zerstörten Synagoge, zu hören sein: Das Konzert mit Werken von Bernhard Sekles, Ernst Toch, Max Kowalski, Erich Itor Kahn sowie Liedern von Rosy Geiger-Kullmann und Willy Salomon basiert auf einer Kooperation: Beteiligt sind die Goethe-Universität, die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK), die Initiative 9. November e.V., Musica Judaica e.V. und die Frankfurter Gesellschaft für neue Musik e.V. Ziel des gemeinsamen Projekts „Gegen das Vergessen“ ist es, die Werke Frankfurter jüdischer Musikerinnen und Musiker, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, wieder sichtbar und hörbar werden zu lassen.  

Konzert mit Werken verfolgter Frankfurter jüdischer Musiker*innen
Sonntag, 10. Mai, 18 Uhr, Hochbunker, Friedberger Anlage 5-6, Frankfurt am Main 

Zum Hintergrund: Im Sommersemester 2025 fand an der Goethe-Universität ein musikwissenschaftliches Seminar zum Thema „Jüdische Musiker*innen in Frankfurt bis zum Nationalsozialismus“ statt. Studierende recherchierten die Biografien und Kompositionen jüdischer Musiker*innen aus Frankfurt. Dies findet seinen Niederschlag nicht nur in Konzerten, sondern auch in einer kleinen Wanderausstellung, die zusätzlich am 10. Mai erstmals gezeigt werden wird. 

„Es ist eine schöne Erfahrung, zu sehen, wie Studierende der Musikwissenschaft erlernte Methoden anwenden, um selbständig Quellen zu ermitteln, die von einem weithin vergessenen, aber einstmals lebendigen Musikleben zeugen“, betont Prof. Daniela Philippi, Professorin für Historische Musikwissenschaft an der Goethe-Universität. 

Weitere Informationen zur Initiative 9. November e.V.: www.initiative-neunter-november.de

Kontakt: Jim Igor Kallenberg, Institut für Musikwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt. J.I.Kallenberg@em.uni-frankfurt.de 

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 30 2026
14:12

Goethe-Universität und Eintracht Frankfurt vereinbaren Kooperation / Hochschule stärkt interdisziplinäre Forschung und Lehre zum Sport

Wissenschaft im Zukunftsfeld Sport

Die Goethe-Universität und die Eintracht Frankfurt Fußball AG wollen stärker zusammenarbeiten und haben dazu eine Kooperationserklärung unterzeichnet. Geplant sind unter anderem der Austausch von Wissen und Expert*innen, Zusammenarbeit in der Forschung, gemeinsame öffentliche Veranstaltungen sowie gegenseitige Netzwerk-Unterstützung. Im April 2027 soll ein gemeinsam entwickeltes berufsbegleitendes MBA-Programm starten. Ein Arbeitsbereich der Sportwissenschaften ist im „Sportquartier im Stadtwald“ in der Otto-Fleck-Schneise in der Nähe des Deutsche Bank Parks eingezogen. Die Goethe-Universität will auch insgesamt ihre sportbezogene Expertise interdisziplinär ausbauen.

FRANKFURT. Ziel der Partnerschaft zwischen Universität und Eintracht Frankfurt ist es, Wissenschaft und Praxis im Zukunftsfeld Sport enger miteinander zu verzahnen und gemeinsam neue Impulse für Forschung, Lehre und Gesellschaft zu setzen. Dafür sehen beide den jeweils anderen als idealen Partner. Den Rahmen der Kooperation regelt ein „Memorandum of Understanding“ (MoU), das am Donnerstag im Beisein von Frankfurts Sportdezernent und Oberbürgermeister Mike Josef von Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt, und Axel Hellmann, Vorstandssprecher der Eintracht Frankfurt Fußball AG, in der Otto-Fleck-Schneise unterzeichnet wurde. 

„Frankfurt versteht sich als Sportstadt – nicht nur wegen großer Events und erfolgreicher Vereine, sondern weil der Sport tief in der Stadtgesellschaft verankert ist“, sagt Mike Josef, Oberbürgermeister und Sportdezernent der Stadt Frankfurt am Main. „Dass die Goethe-Universität dieses Feld nun wissenschaftlich stärker erschließt und dafür eine Partnerschaft mit Eintracht Frankfurt eingeht, bedeutet für uns eine Aufwertung des Standortes in der akademischen Landschaft und ist ein wichtiger Baustein für den Aufbau eines interdisziplinären Sportzentrums. Damit wird sich Frankfurt perspektivisch umfassend in der internationalen Sportwelt positionieren.“

Vor kurzem haben Wissenschaftler*innen aus dem Fachbereich Sportwissenschaften der Goethe-Universität Räume im von Eintracht Frankfurt neu konzipierten Sportquartier im Stadtwald bezogen – in direkter Nachbarschaft zum Deutsche Bank Park und zahlreichen Spitzenverbänden des Sports. Dort arbeitet nun Prof. Dr. Karen Zentgraf, in enger Nachbarschaft zu Kooperationspartnern wie Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB), Landessportbund, Olympiastützpunkt und Carl-von-Weinberg-Schule. Sie erforscht, wie Kopf und Körper im Sport zusammenwirken. Und Studierende der Goethe-Universität profitieren bereits seit dem Wintersemester von Ticketkontingenten für Heimspiele der Eintracht, die unter ihnen verlost werden.

„Sport ist ein Zukunftsthema: Er vermittelt Werte, fördert die Gesundheit und ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Die Goethe-Universität will sich in diesem Feld künftig stärker und breiter engagieren“, erläutert Uni-Präsident Schleiff. „Mit Eintracht Frankfurt haben wir dafür einen Partner gewonnen, der ausstrahlt und für höchste Professionalität steht – eine ideale Verbindung von Wissenschaft und Praxis.“ Interessant für die Goethe-Universität sei auch die Expertise des Partners für Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

Ein erstes zentrales Projekt der neuen Partnerschaft ist der berufsbegleitende Studiengang „Sports Management MBA“, der ab dem Sommersemester 2027 an der Goethe Business School starten soll. Das Programm richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus dem Sportökosystem und wird in enger Zusammenarbeit mit der Eintracht durchgeführt. Inhaltlich setzt das gemeinsam entwickelte Programm klare Schwerpunkte auf die Themen Innovation, Technologie und Medien – zentrale Säulen des Sportmanagements der Zukunft.

Axel Hellmann, Vorstandssprecher der Eintracht Frankfurt Fußball AG, sagt: „Die Kooperation mit der Goethe-Universität verbindet Talentförderung, Forschung und Innovation im Sport. Gemeinsam entwickeln wir neue Formate an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis. Der Sports Management MBA ist elementarer Bestandteil davon und für uns ein absolutes Leuchtturmprojekt.“

Die Goethe-Universität will insgesamt ihre sportbezogene Expertise stärker interdisziplinär bündeln, unter dem Dach des Forschungsprofilbereichs „Science for Health“. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Sportwissenschaft, Medizin, Informatik, Rechtswissenschaft und weiteren Disziplinen arbeiten dabei enger zusammen. Auch hier gibt es bereits zahlreiche Anknüpfungspunkte, etwa das vom Fachbereich Jura gemeinsam mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) entwickelte Weiterbildungsprogramm „Konfliktlösung im nationalen und internationalen Sport“. 

Bild zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/185380118

Bildtext: Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff, Oberbürgermeister und Sportdezernent Mike Josef und Axel Hellmann, Vorstandssprecher der Eintracht Frankfurt Fußball AG (v. l. n. r.). Foto: Benjamin Heinrich


Redaktion: Volker Schmidt, Leiter Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: 069 798-13035, v.schmidt@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 29 2026
11:16

Universitäre Sammlungen im Dialog mit Care im Schopenhauer-Studio der Universitätsbibliothek / Einladung zur Vernissage am 7. Mai. 

WHO CARES? Eine Ausstellung über und mit Fürsorge 

FRANKFURT. Wer kümmert sich um dich – und um wen oder was kümmerst du dich? Welche Geschichten erzählen Objekte aus universitären Sammlungen über Care und Fürsorge? Wie lassen sich daraus aktuelle Perspektiven ableiten? Diese Fragen stehen im Zentrum der Ausstellung WHO CARES?, die  

am Donnerstag, 7. Mai, um 19 Uhr

im Foyer der Zentralbibliothek der Universitätsbibliothek Frankfurt

eröffnet wird. Die Ausstellung lädt ein, Care – also Fürsorge, häufig unsichtbare Sorgearbeit und Verantwortung füreinander sowie für menschliche und nichtmenschliche Entitäten – neu zu betrachten. Sei es im Alltag, in der Wissenschaft und in gesellschaftlichen Strukturen, die oft als selbstverständlich erscheinen. 

Ausgehend von Objekten aus universitären Sammlungen der Goethe-Universität werden historische und gegenwärtige Perspektiven auf Fürsorge miteinander in Beziehung gesetzt. Gezeigt werden unter anderem Sammelalben, „Hausfrauen“-Zeitschriften und botanische Präparate. Ergänzt werden diese durch künstlerische Arbeiten von Studierenden, die auf die Objekte reagieren und neue Zugänge zu Care entwickeln.

Die Ausstellung ist in thematische Kapitel gegliedert, darunter Zeit, Tod, Wissensregime, Gender und Inklusion. In diesen entstehen Dialoge zwischen Forschung, Sammlung und künstlerischer Praxis sowie zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Theoretisch bezieht sich die Ausstellung unter anderem auf die Care-Theorie von Joan Tronto und Berenice Fisher, die Care als Tätigkeit beschreiben, die darauf abzielt, die Welt zu erhalten und zu reparieren. Ergänzend erweitert die Kulturtheoretikerin Elke Krasny den Begriff um eine planetare Perspektive: Care wird hier als grundlegende ethische Praxis verstanden, die menschliche und nichtmenschliche Lebenswelten umfasst und in Zeiten von Klimakrise und globalen Krisen besondere Relevanz erhält.

Die Ausstellung fragt damit: Wo begegnet uns Care? Wie wird Fürsorge organisiert, sichtbar gemacht oder vernachlässigt? Und wie verändert sich unser Blick auf Objekte, wenn Care als analytische Perspektive dient? Im Rahmen des Ausstellungsthemas Care versteht sich auch die Vermittlung als eine Form des Sich-Kümmerns um unterschiedliche Perspektiven und Zugänge. Es finden Führungen unter dem Titel „We care“ statt. Sie richten sich an alle Interessierten und eröffnen Raum für Austausch.

Ausstellungszeitraum: 08. Mai bis 31. Juli 2026, Schopenhauer-Studio, Universitätsbibliothek Frankfurt, Freimannplatz 1. Weitere Informationen: https://www.ub.uni-frankfurt.de/ausstellung/who-cares.html 

Poster und Fotos der Ausstellung stehen zum Download bereit unter https://next.hessenbox.de/index.php/s/AZ9Lz4dQSaraYZB 

Förderer und Kooperationspartner: WHO CARES? ist ein Kooperationsprojekt des Arbeitsbereichs Visuelle Kultur am Institut für Kunstpädagogik und des Schopenhauer-Studios in Zusammenarbeit mit Studierenden der Goethe-Universität Frankfurt. Konzipiert wurde die Ausstellung vom Lehr- und Forschungsseminar TAKE CARE, das über drei Semester hinweg stattfand. Das Projekt wurde von der Goethe-Universität gefördert und verbindet Forschung, Lehre sowie künstlerische Praxis miteinander. 

Pressekontakt:
Melanie Baunemann, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Tel. (069)152 023 506 97; E-Mail: kom@ub.uni-frankfurt.de

Redaktion:
Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 29 2026
10:00

Internationales Forschungskonsortium entwickelt neuartigen Wirkstoff zur Stabilisierung von mutiertem p53

Krebsforschung: Mini-Antikörper reaktivieren den Wächter des Genoms

Das Protein p53 ist in vielen Krebszellen mutiert, sodass es seine Schutzfunktion vor der Entstehung von Tumoren nicht mehr erfüllen kann. Einem Wissenschaftsteam der Goethe-Universität Frankfurt sowie der Universitäten Marburg, Köln und Zürich ist es jetzt gelungen, eine Art Mini-Antikörper (sogenannte DARPins) zu entwickeln, die p53 im Labor wieder funktionsfähig machen. Die Mini-Antikörper können viele p53-Mutanten stabilisieren und sind daher ein aussichtsreicher Wirkstoffkandidat für eine ganze Reihe von Krebsformen.

FRANKFURT. Jährlich erhalten 20 Millionen Menschen die Diagnose Krebs. Dabei sind die verschiedensten Organe betroffen, und auch auf zellulärer und molekularer Ebene unterscheiden sich die Krebsformen zuweilen stark voneinander. In etwa der Hälfte aller Fälle ist jedoch das Protein p53 mutiert, das als „Wächter des Genoms“ bekannt ist und eine zentrale Tumorsuppressor-Funktion besitzt: Es sorgt in gesunden Zellen dafür, dass DNA-Schäden erkannt und behoben werden. Falls dies nicht gelingt, wird die betroffene Zelle gezielt durch Apoptose eliminiert - ein wichtiger Schutz vor Krebs. Umgekehrt können sich Zellen daher häufig nur dann zu Tumorzellen entwickeln, wenn das Protein p53 durch eine Mutation inaktiviert ist. In vielen Fällen wird es infolge der Mutation instabil und verliert seine funktionelle Struktur.

Aufgrund der zentralen Bedeutung von p53 wird seit Jahrzehnten nach therapeutischen Ansätzen gesucht, um solche p53-Mutanten wieder zu aktivieren – in der Hoffnung, dass Krebszellen dadurch gezielt absterben. Forschende der Universitätsmedizin Frankfurt etwa testen derzeit, ob sich bei Eierstockkrebs p53 durch eingeschleuste, intakte mRNA-Bauanleitungen wiederherstellen lässt. Die mRNA wird dabei in Lipid-Nanopartikel verpackt, eine Technologie, die ihren Durchbruch bei der Entwicklung von SARS-CoV2-Impfstoffen erlebte.

Andere Vorgehensweisen setzen darauf, das mutierte p53 zu stabilisieren, sodass es seine Funktion wieder erfüllen kann. Ein erster klinischer Erfolg konnte hier kürzlich für die Substanz Rezatapopt vermeldet werden, die eine bestimmte Mutation in p53 reaktiviert und damit das Wachstum von Tumoren mit genau dieser Mutation hemmt. Das Problem: Bislang sind in Tumoren bereits mehr als 2000 verschiedene Mutationen beschrieben worden, und nur ein kleiner Teil ist für kleine Moleküle wie Rezatapopt zugänglich.

Ein Forschungskonsortium aus Arbeitsgruppen der Goethe-Universität Frankfurt, der Philipps-Universität Marburg, der Universität zu Köln und der Universität Zürich hat nun eine neuartige Methode entwickelt, mit der im Labor eine Vielzahl von p53-Mutanten reaktiviert werden kann. Dafür setzt das Konsortium nicht auf die Synthese kleiner Moleküle, sondern auf die Entwicklung kleiner Proteine, sogenannter DARPins, die wie Miniatur-Antikörper sehr selektiv und mit hoher Affinität an p53 binden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten zeigen, dass durch diese Bindung sehr viele p53-Mutanten eine ausreichende Stabilität wiedererlangen und so die Funktionalität von p53 reaktiviert werden kann.

Prof. Volker Dötsch vom Institut für Biophysikalische Chemie der Goethe-Universität erläutert: „Der große Vorteil unseres Ansatzes ist, dass einer dieser Miniatur-Antikörper nicht nur eine bestimmte, sondern viele verschiedene p53-Mutanten stabilisiert, sodass er womöglich gegen verschiedene Tumorarten eingesetzt werden kann. Dies bedeutet auch, dass wahrscheinlich nicht für jede Mutante ein spezifischer Wirkstoff entwickelt werden muss.“

Antikörper werden in der Krebstherapie seit Langem erfolgreich eingesetzt, bislang jedoch ausschließlich für die Bindung an Zielproteine außerhalb der Zelle. Die jetzt vorgestellten Ergebnisse eröffnen einen neuen Ansatz, in dem sie eine Perspektive für den Einsatz von Therapeutika auf der Basis von Proteinen auch innerhalb der Zelle aufzeigen. Der Co-Organisator der Studie, Dr. Andreas Joerger vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität, erklärt: „Unsere p53-reaktivierenden DARPins könnten künftig über entsprechende mRNA-Bauanleitungen, die in Lipid-Nanopartikeln verpackt sind, gezielt in Tumorzellen eingeschleust werden.“ Diese Technologie wollen die Konsortialpartner jetzt für die therapeutische Anwendung von p53-Stabilisatoren weiterentwickeln.

Publikation: Philipp Münick, Dimitrios-Ilias Balourdas, Julianne S. Funk, Büşra Yüksel, Danai Mavridi, Justin Heftel, Birgit Dreier, Jonas V. Schaefer, Birgit Schäfer, Stefan Knapp, Tümay Telatar, Baki Akgül, Andreas Plückthun, Thorsten Stiewe, Andreas C. Joerger, Volker Dötsch: DARPins as pan-reactivators of temperature-sensitive p53 cancer mutants. Proceedings of the National Academy of Sciences, PNAS (2026) https://doi.org/10.1073/pnas.2531747123

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/185240585

Bildtext: Ein DARpin reaktiviert eine p53-Krebsmutante, indem es die DNA-bindende Domäne stabilisiert. Bild: Andreas Joerger, Goethe University Frankfurt

Weitere Informationen
Prof. Dr. Volker Dötsch
Institut für Biophysikalische Chemie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel.: +49 (0)69 798-29631
vdoetsch@em.uni-frankfurt.de
https://doetsch-lab.de/

Dr. Andreas Joerger
Institute für Pharmazeutische Chemie
Goethe-Universität Frankfurt
joerger@pharmchem.uni-frankfurt.de

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Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 27 2026
15:59

Goethe-Universität lädt zum Frühlingsfest auf dem Campus Riedberg

Wissenschaft im Grünen mit Musik, Sport und Kulinarik

FRANKFURT. Wenn der Frühling in der ersten Maihälfte so richtig in Fahrt kommt, lädt die Goethe-Universität alljährlich zum Fest auf den Campus Riedberg. In der vielfältigen Botanik des nach wissenschaftlichen Kriterien angelegten Wissenschaftsgartens können Besucherinnen und Besucher beim Frühlingsfest 

am Sonntag, 10. Mai, von 11 bis 17 Uhr
Campus Riedberg der Goethe-Universität
Max-von-Laue-Straße 13, 60438 Frankfurt am Main

an Führungen teilnehmen, Pflanzen kaufen, das musikalische Programm genießen - und einfach einen schönen Tag verbringen. Nach der Eröffnung durch Vizepräsidentin Prof. Viera Pierker, Biologieprofessorin Meike Piepenbrink und Robert Anton, Leiter des Wissenschaftsgartens, um 11 Uhr informieren zahlreiche Stände über die Forschung an der Goethe-Universität. Die Themen reichen von Astrophysik über Biodiversität im Schulgarten bis hin zu Pflanzen im globalen Wandel. Was geschieht, wenn Biologie von der Erde ins All fliegt? Welche Pflanzen blühten um 1900 auf dem Riedberg? Und warum ist die Ressource Boden gefährdet? Diese und andere Fragen lassen sich direkt mit den Expertinnen und Experten diskutieren. Auch das Nachhaltigkeitsbüro, die AStA-Fahrradwerkstadt und die Zoofreunde Frankfurt sind mit einem Stand vertreten und andere mehr.

Von 11:30 und 15:30 Uhr werden wieder mehr als 20 Führungen angeboten, das Themenspektrum ist groß. Da geht es um Tiny Forests als grüne Inseln in der Stadt, die Flora der Parkplätze, um Arzneipflanzen und die Biologie der Honigbiene; gemeinsam besucht werden aber auch die Kunstwerke auf dem Campus und das Biomolekulare Magnetresonanzzentrum (BMRZ). Um 11:45 Uhr startet ein abwechslungsreiches Musikprogramm mit den Bands „gelinde gesagt“, „NIEMALS“, „The Odd Projekt“ und Feinschmeckerfolk. Sportinteressierte können unter anderem an einer Pilates- oder Yogastunde teilnehmen, die Tänze Zouk und Bachate erlernen. Und es gibt wieder eine Pflanzenbörse – Pflegetipps inklusive –, Kinderbetreuung und ein Kinderprogramm. Und an den kulinarischen Ständen ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Das umfangreiche Programm finden Sie hier: https://tinygu.de/Fruehlingsfest2026


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 24 2026
11:00

Professorin Olena Fedchenko jetzt auch über Lichtenberg-Programm der VolkswagenStiftung gefördert – Erträge des Stiftungskapitals kommen Gisela-und-Wilfried-Eckhardt-Stiftungsprofessur zugute

Quantenmaterialien: VolkswagenStiftung gibt zwei Millionen Euro für Eckhardt-Stiftungsprofessur an Goethe-Universität

Die Physikerin Olena Fedchenko erforscht an der Goethe-Universität neuartige Quantenmaterialien, die der Schlüssel für künftige technologische Durchbrüche sein werden. Seit 2025 bekleidet sie die Gisela-und-Wilfried-Eckhardt-Stiftungsprofessur für Experimentalphysik, die durch Erträge des Gisela-und-Wilfried-Eckhardt-Stiftungsfonds der Goethe-Universität finanziert wird. Diesen Stiftungsfonds unterstützt jetzt die VolkswagenStiftung mit zwei Millionen Euro im Rahmen ihres Lichtenberg-Programms. Olena Fedchenko forscht unter anderem im Sonderforschungsbereich/Transregio ElastoQMat, der Teil der gemeinsamen Aktivitäten der Rhein-Main-Universitäten (RMU) ist.

FRANKFURT. Im Zentrum des Forschungsinteresses von Olena Fedchenko stehen Quantenmaterialien. Ihre Entwicklung gehört zu den zentralen Herausforderungen im Bereich der Informationstechnologie. In Zukunft könnten sie beispielsweise für neuartige Computerhardware, Quantensensoren und Steuerungssysteme sowie für hocheffiziente Solarzellen eingesetzt werden.

Quantenmaterialien zeigen faszinierende Phänomene als Reaktion auf äußere Einflüsse, etwa Supraleitung, spontane magnetische Ordnung und Ladungsordnung. Diese Phänomene haben die Forschungsgemeinschaft dazu inspiriert, noch exotischere Effekte mit Blick auf mögliche Anwendungen zu untersuchen.

Ein tiefes Verständnis der magnetischen, thermischen, optischen und elektrischen Eigenschaften dieser Materialien kann nur durch einen umfassenden Einblick in das Verhalten der Elektronen in diesen Stoffen erreicht werden und dadurch, wie sie die beobachtbaren mikroskopischen Effekte beeinflussen. Die Verteilung der Elektronen innerhalb eines Materials ist einzigartig wie ein Fingerabdruck. Durch das gezielte Einstellen dieser elektronischen Verteilung in Quantenmaterialien ist es möglich, die physikalischen Eigenschaften dieser Materialien drastisch zu verändern oder sogar völlig neue exotische Eigenschaften zu erzeugen, die für die Anforderungen moderner Elektronik genutzt werden können.

Olena Fedchenko untersucht Besonderheiten in der elektronischen Struktur von Quantenmaterialien mithilfe verschiedener Photonenquellen, etwa Laser, Röntgenstrahlen und Entladungslampen, sowohl in Laboren als auch in großen Forschungsanlagen wie Synchrotrons. Photonen mit bestimmten kinetischen Energien führen dazu, dass einzelne Elektronen aus Materialien herausgelöst werden, ein Prozess, der als photoelektrischer Effekt bekannt ist. Die Eigenschaften der herausgelösten Elektronen – zum Beispiel ihre Energie und Winkelverteilung – geben Forschenden Aufschluss darüber, wie sich Elektronen innerhalb des Quantenmaterials verhalten und wie seine Struktur aufgebaut ist.

Zur Messung der Photoelektronen verwendet Fedchenko eine moderne, leistungsfähige Technik: winkelaufgelöste Photoemissionsspektroskopie mit einem effizienten Time-of-Flight-Detektionsschema. Ihr Ziel ist es, ein tiefes Verständnis für die Zusammenhänge zwischen der elektronischen Struktur, den exotischen makroskopischen Eigenschaften und dem Verhalten von Quantenmaterialien zu entwickeln. Die Beantwortung dieser Frage wird die Grundlage dafür schaffen, solche modernen Materialien gezielt herzustellen und zu kontrollieren.

Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität, sagt: „Mit der großartigen Förderung der VolkswagenStiftung für sogenannte Endowed Chairs schafft die Gisela-und-Wilfried-Eckhardt-Stiftungsprofessur für Experimentalphysik auf Dauer optimale Forschungsbedingungen für unsere neuberufene exzellente Kollegin Olena Fedchenko. Mit ihr konnten wir als Goethe-Universität unseren Schwerpunkt der Erforschung von Quantenmaterialien als Schlüssel für wichtige Zukunftstechnologien weiter ausbauen und die Kooperation mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Verbund der Rhein-Main-Universitäten stärken.“

Präsident Schleiff weiter: „Dass wir in Zeiten knapper werdender Mittel für Hochschulen eine so wichtige Professur für Experimentalphysik einrichten konnten, verdanken wir der Großherzigkeit unserer Alumna Gisela Eckhardt, die als Physikerin sehr erfolgreich war und uns ihr Vermögen als Grundstock für diese Stiftungsprofessur stiftete. Mit Frau Olena Fedchenko konnten wir eine Kollegin gewinnen, die dem Innovationsgeist der Stifterin in nichts nachsteht, Frau Eckhardt wäre sicher mehr als stolz!“

Prof. Jens Müller, Geschäftsführender Direktor des Physikalischen Instituts der Goethe-Universität, ist überzeugt: „Als wichtige Stütze unseres Forschungsschwerpunkts ‚Kondensierte Materie und Quantenmaterialien‘ ist die analytische Forschung von Olena Fedchenko Bindeglied zwischen der Herstellung und experimentellen Charakterisierung korrelierter Quantenmaterialien und der theoretischen Festkörperphysik. Zudem wird sie die Photoelektronenspektroskopie im Rahmen eines Service-Centers zur Materialforschung an der Goethe-Universität aufbauen.“

Dr. Georg Schütte, Vorstand der VolkswagenStiftung: „Mit unserer Förderung unterstützen wir eine herausragende Forscherin auf einem wissenschaftlich hoch spannenden und zukunftsträchtigen Gebiet der Grundlagenforschung. Dieses Forschungsfeld ist zugleich mit erheblichem Geräte- und Materialaufwand verbunden - so wissen wir, dass unsere Fördermittel in Frankfurt nicht nur sehr gut angelegt, sondern auch notwendig sind, um diesen Forschungsbereich dort nachhaltig zu verankern. Diese Förderung markiert gleichzeitig den Abschluss unseres sehr erfolgreichen Lichtenberg-Programms, auf dessen Verlauf seit 2002 wir heute mit Stolz zurückblicken können.“

Olena Fedchenko, Jahrgang 1987, studierte Elektronik an der Sumy State University in der Ukraine. 2014 promovierte sie dort in Physik und Mathematik und arbeitete anschließend als Professor assistant im Department für Angewandte Physik. Von 2015 bis 2024 forschte sie im Bereich der experimentellen Festkörperphysik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, wo sie unter anderem zur Entwicklung der Photoemissionstechnik beim Beschleunigerzentrum DESY in Hamburg beitrug. 2025 wurde Olena Fedchenko auf die Gisela-und-Wilfried-Eckhardt-Stiftungsprofessur für Experimentalphysik im Bereich Festkörper-Spektroskopie elektronisch korrelierter Materialien der Goethe-Universität berufen. Zusammen mit französischen Kolleginnen und Kollegen hält sie ein Patent für ein System, das zur Untersuchung der Oberflächen moderner Materialien entwickelt wurde. Dieses System nutzt eine gepulste monochromatische Quelle mit sehr hoher Energieauflösung, die auf einer Falle für kalte Atome basiert („Pulsed electron source and surface analysis system comprising such pulsed source“).

Hintergrund:
Laser-Pionierin stiftet Physik-Professur an Goethe-Universität (2025)
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/laser-pionierin-stiftet-physik-professur-an-goethe-universitaet/

Quantensprünge in der Materialforschung (Forschung Frankfurt 1/2023)
https://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/135970852.pdf

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/184125955

Bildtext: Prof. Dr. Olena Fedchenko, Physikalisches Institut, Goethe-Universität Frankfurt. Foto: Ekaterina Fedorenko

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Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 24 2026
10:31

Das neue Programm der Bürgeruniversität bietet rund 200 Veranstaltungen für die Stadtgesellschaft an

Festivals, Führungen, Vorträge – Goethe-Uni gibt Einblick in die Forschung

Zu welchen Fragen forschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität? Und auf welchen Wegen suchen sie nach Antworten? Mit den Veranstaltungen der Bürger-Universität erhalten interessierte Laien aus Stadt und Region Einblicke in die Forschung. Das aktuelle Programm ist jetzt als gedruckte Broschüre erhältlich – oder als Pdf im Webmagazin der Goethe-Universität.

FRANKFURT. Angst in unserer Demokratie, die Macht der Gefühle, der neue Autoritarismus - zahlreiche Veranstaltungen der aktuellen Bürger-Universität haben Bezug zu aktuellen Debatten und beleuchten sie aus Sicht von Konfliktforschung, Soziologie, Rechts- und Politikwissenschaft. So widmet sich das XXIV. Frankfurter Stadtgespräch im Juni etwa dem Thema „Wehrhafte Demokratie: Über Chancen und Grenzen des Parteiverbots“.

Auch literarisch Interessierte werden in der Bürger-Universität fündig. Prominenteste Veranstaltung ist die Frankfurter Poetikvorlesung: Im Juni hält der junge Autor Joshua Groß drei Vorträge unter dem Titel „Neben sich selbst hergehen. Denken in Avataren“. Das Kolloquium „Neuere deutsche Literatur“ widmet sich der Bedeutung von Literatur für die Gegenwart, eine weitere Reihe behandelt das Thema „Mittelalter und Kinderliteratur“.

Zwei Festivals zeigen die Vielfalt von Wissenschaft an der Goethe-Universität: Die von Studierenden organisierte Night of Science auf dem Campus Riedberg im Juni präsentiert zwölf Stunden lang vor allem naturwissenschaftliche Themen für Menschen jeden Alters, organisiert von Studierenden. Schwerpunktthema zum 25-jährigen Bestehen ist die Informatik. Unter dem Motto „Gude Zukunft“ steht das Science Festival Frankfurt, das von den 16 Wissenschaftsinstitutionen der Frankfurt Alliance im September auf dem Rossmarkt organisiert wird. An den Ständen der Goethe-Universität stellen verschiedene Disziplinen ihre Projekte vor.

In der Gesprächsreihe AU•T•OP•SIEN geht es um besondere Sammlungsbestände der Universitätsbibliothek. Das Fritz Bauer Institut ist u.a. mit der Veranstaltung „Erinnerungen an Micha Brumlik“ vertreten mit Weggefährten wie Daniel Cohn-Bendit, Hauke Brunkhorst und Dan Diner. Und das Museum Giersch der Goethe-Universität bringt in der Ausstellung „Multispezies Members Club. Neue Allianzen zwischen lebendigen und künstlichen Systemen“ Wissenschaftler mit Künstlern zusammen: Wie kann eine technologisierte Gesellschaft auf Fürsorge und Teilhabe statt auf Konkurrenz bauen?

Das Programm der Bürger-Universität liegt an öffentlichen Einrichtungen der Stadt aus und ist im Online-Kalender der Goethe-Universität einsehbar unter: www.buerger.uni-frankfurt.de/

Die Teilnahme an den Veranstaltungen der Bürger-Universität ist in der Regel ohne Anmeldung möglich, der Eintritt ist frei.

Die erste Bürger-Universität startete im Jahr 2008 – in dem Jahr, in dem die Goethe-Universität Stiftungshochschule wurde und damit zu ihren Wurzeln zurückkehrte. 1914 war die Universität Frankfurt als erste deutsche Stiftungsuniversität von Frankfurter Bürgern gegründet worden.

Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de


 

Apr 23 2026
11:00

Internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Goethe-Universität findet potenzielle Biomarker zur Früherkennung und möglichen Ansatzpunkt für Therapie

Wie sich Leukämie bei Kindern mit Down-Syndrom entwickelt

Kinder mit Down-Syndrom besitzen ein hohes Risiko, an myeloischer Leukämie zu erkranken. Ein Forschungsteam der Goethe-Universität Frankfurt, des Wellcome Sanger Institute, des Great Ormond Street Hospital und ihrer Kooperationspartner hat herausgefunden, wie sich einzelne Zellen des blutbildenden Systems der Betroffenen verändern, sodass über eine Krebsvorstufe Leukämie entsteht. Die Forschenden haben so die betroffenen genetischen Programme identifiziert, und einen Ansatzpunkt für eine Therapie der myeloischen Leukämie bei Kindern mit Down-Syndrom gefunden.

FRANKFURT. Kinder mit Down-Syndrom haben ein 150-fach erhöhtes Risiko, an myeloischer Leukämie (ML-DS) zu erkranken. Dies liegt daran, dass 15 bis 30 Prozent der Kinder mit Down-Syndrom als Neugeborene eine vorübergehende Erkrankung des blutbildenden Systems erleiden, das transiente myeloproliferative Syndrom (englisch: transient abnormal myelopoiesis, TAM). In der akuten Phase ist TAM von ML-DS praktisch nicht zu unterscheiden: In beiden Fällen vermehren sich die Vorläuferzellen der weißen Blutzellen oder Leukozyten im Knochenmark unkontrolliert. Dadurch verdrängen sie normale blutbildende Zellen, was zu Blutarmut, mangelhafter Abwehr von Infektionen und erhöhter Blutungsneigung führen kann. Im Gegensatz zur ML-DS bildet sich die TAM wieder zurück. Da sich beide Krankheiten kaum voneinander unterscheiden lassen, erhalten auch TAM-Patientinnen und -Patienten oft eine Krebsbehandlung.

Gleichzeitig stellt die TAM eine Vorstufe für ML-DS dar: Kommen zur Mutation in einem Protein namens GATA1, die die TAM auslöst, in den folgenden Lebensjahren weitere Mutationen in anderen Proteinen hinzu, entwickeln die Kinder mit Down-Syndrom eine myeloische Leukämie. Die einzelnen molekularen Schritte dieser Krebsentstehung hat jetzt ein Forschungsteam um Prof. Jan-Henning Klusmann von der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Jack Bartram vom Great Ormond Street Hospital in London und Prof. Sam Behjati vom Wellcome Sanger Institute im britischen Hinxton erstmals nachgezeichnet.

Dazu untersuchte das Forschungsteam Tumorproben von jungen Patientinnen und Patienten, die an TAM oder ML-DS in unterschiedlichen Formen und Stadien litten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzten ein Verfahren, mit dem sich feststellen lässt, welche Gene in einzelnen TAM- oder Krebszellen aktiv sind, die sogenannte Einzelzell-mRNA-Sequenzierung. Außerdem durchforsteten sie das Erbgut (Genom) solcher Zellen auf Mutationen. Insbesondere richteten sie ihr Augenmerkt auf das GATA1-Protein, dessen Mutation eine TAM auslöst. Es handelt sich um eine Art Schalter-Protein (Transkriptionsfaktor), das die normale Entwicklung der Blutzellen orchestriert und dessen Fehlfunktion in TAM- und ML-DS-Zellen zum raschen und unkontrollierten Wachstum beiträgt.

Das Ergebnis: Zwar sind je nach Entwicklungsstadium von TAM- und ML-DS-Zellen unterschiedliche Gene aktiv, die zum Krankheitsbild beitragen. Auch sind unterschiedliche Mutation etwa für verschiedene Schweregrade oder Stadien der beiden Krankheiten verantwortlich. Ähnlich waren dagegen in allen TAM- und ML-DS-Zellen die Genaktivitäten, die sich auf die Mutation in GATA1 zurückführen ließen.

Prof. Jan-Henning Klusmann erläutert: „Weil die Auswirkungen des mutierten GATA1 nicht von den Folgen anderer Mutationen überlagert wurde, ist die GATA1-Mutation offenbar zentral für die Krankheiten. Daher könnte GATA1 ein Angriffspunkt für künftige ML-DS-Therapien sein.“

Ein weiteres Ergebnis: In den Genaktivitäten von Zellen einer klassischen TAM, die sich spontan innerhalb weniger Wochen oder Monate zurückbildet, und einer wiederkehrenden TAM, die zweimal hintereinander auftritt, zeigten sich Differenzen. Dabei waren die Genaktivitäten der wiederkehrenden TAM einer ML-DS ähnlich. Daher, so folgert das Forschungsteam, könnten solche Genaktivitätsmuster womöglich künftig als Biomarker dienen, um das Risiko für eine ML-DS vorherzusagen.

Prof. Jack Bartram, Co-Seniorautor am Great Ormond Street Hospital, sagte: „Dies ist das erste Mal, dass es möglich war, die gesamte Entwicklung von Krebsvorstufen zu Krebszellen im Zusammenhang mit ML-DS zu untersuchen. Seltene Krebsarten beeinträchtigen das Leben von Kindern und Familien auf der ganzen Welt, und Forschung ist der einzige Weg, um Antworten zu finden, die zu neuen Ansätzen und Behandlungsmethoden beitragen können.“

Prof. Jan-Henning Klusmann, Co-Seniorautor an der Goethe-Universität Frankfurt, sagte: „Wir wissen schon länger, dass Kindern mit Down-Syndrom ein erhöhtes Risiko für myeloische Leukämie haben. Jetzt haben wir die zugrunde liegenden genetischen Programme aufgeschlüsselt und – zunächst im Labor – herausgefunden, welche Zellen der TAM-Krebsvorstufe sich bei Kindern mit Down-Syndrom zu myeloischer Leukämie entwickeln können.“

Prof. Sam Behjati, Co-Seniorautor am Wellcome Sanger Institute, sagte: „Krebs kann unser aller Leben beeinflussen, und um alle verschiedenen Subtypen, egal wie selten sie auch sein mögen, vollständig zu verstehen, müssen wir zusammenarbeiten, um unser kollektives Wissen aufzubauen. Diese internationale Zusammenarbeit ermöglicht ein umfassenderes Verständnis menschlicher Tumorerkrankungen und zeigt, wie verschiedene genetische Veränderungen gemeinsam untersucht werden müssen, um ein vollständiges Bild davon zu erhalten, wie sie interagieren und Erkrankungen wie die myeloische Leukämie beim Down-Syndrom verursachen.“

Publikation: Mi K. Trinh, Konstantin Schuschel, Hasan Issa, Rebecca Thomas, Conor Parks, Agnes Oszlanczi, Toochi Ogbonnah, Di Zhou, Lira Mamanova, Elena Prigmore, Emilia Robertson, Angus Hodder, Anna Wenger, Nathaniel D. Anderson, Holly J. Whitfield, Taryn D. Treger, José Gonçalves-Dias, Karin Straathof, David O'Connor, Matthew D. Young, Laura Jardine, Stuart Adams, Jan-Henning Klusmann, Jack Bartram, Sam Behjati: Single cell transcriptional evolution of myeloid leukaemia of Down syndrome. Nature Communications (2026), https://doi.org/10.1038/s41467-026-71707-2

Bilder zum Download:
[Link]

Bildtext: Blut eines Kindes mit Down-Syndrom, das an einem transienten myeloproliferativen Syndrom (TAM) erkrankt ist. Im Mikroskop sind ähnlich wie bei einer Leukämie fast nur die violett gefärbten unreifen Vorläufer der weißen Blutzellen (Blasten) zu sehen. Foto: Jan-Henning Klusmann, Universitätsmedizin Frankfurt

Weitere Informationen
Prof. Dr. med. Jan-Henning Klusmann
Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Universitätsmedizin Frankfurt/ Goethe Universität Frankfurt
Tel: +49 (0)69 6301-5094
klusmann@em.uni-frankfurt.de
https://www.unimedizin-ffm.de/einrichtungen/kliniken/zentrum-der-kinder-und-jugendmedizin/klinik-fuer-kinder-und-jugendmedizin/portraet-prof-dr-t-klingebiel-3
www.leukemia-research.de

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Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 23 2026
10:58

Der nächste Termin der Reihe „Frankfurter Schule“ widmet sich dem Begriff der Kulturindustrie im Zeitalter digitaler und global vernetzter Medien.

„Kulturindustrie heute?“ – Zur Aktualität eines Begriffs der Kritischen Theorie

Am 29. April wird die Gesprächsreihe „Frankfurter Schule“ im Kino des Deutschen Filminstitut & Filmmuseum (DFF) fortgesetzt. Das Podiumsgespräch mit der Filmwissenschaftlerin Gertrud Koch und dem Journalisten Bert Rebhandl geht der Frage nach, inwiefern der Begriff der „Kulturindustrie“ heute noch aktuell ist und wie er sich im Kontext digitaler und globaler Medienlandschaften interpretieren lässt.

FRANKFURT. Die Diagnose der „Kulturindustrie“, wie sie von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer in der Mitte des 20. Jahrhunderts formuliert wurde, gehört zu den einflussreichsten kritischen Analysen der Kulturproduktion moderner Gesellschaften. Angesichts von Digitalisierung, Plattformökonomien und globalisierten Medienmärkten stellt sich heute jedoch die Frage nach ihrer Reichweite und Aktualität. Zwischen algorithmisch gesteuerten Distributionsformen, neuen Produktionsbedingungen und veränderten Öffentlichkeiten haben sich die Bedingungen kultureller Produktion tiefgreifend gewandelt.

Gerade am Beispiel des Films lässt sich nachvollziehen, wie sich Kunst, Wirtschaft und Öffentlichkeit gegenseitig beeinflussen und verschränken. Vor diesem Hintergrund diskutieren Gertrud Koch und Bert Rebhandl über gegenwärtige Formen kultureller Produktion und Verbreitung. Im Zentrum stehen Fragen nach ästhetischer Gestaltung, politischer Wirkung und ökonomischen Rahmenbedingungen ebenso wie nach Unabhängigkeit, Urheberschaft, Kritikfähigkeit und Öffentlichkeit. Dabei wird ausgelotet, ob und wie sich die klassische Kritik der Kulturindustrie auf heutige Film-, Medien- und Popkulturen anwenden lässt – oder ob sie neu gedacht werden muss.

Die Veranstaltung

„Kulturindustrie heute?“

am Mittwoch, den 29. April 2026, um 19 Uhr

im DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum

widmet sich diesem hochaktuellen Themenfeld. 

Der Eintritt kostet 3 Euro. Karten können an der Abendkasse und über die Website des Deutschen Filminstituts und Filmmuseums erworben werden.

Begrüßen werden der hessische Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Timon Gremmels und die Frankfurter Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Dr. Ina Hartwig.

Staatsminister Timon Gremmels erklärt: „Die Kritische Theorie lehrt uns, dass Demokratie nichts Selbstverständliches ist. Auch moderne und vermeintlich aufgeklärte Gesellschaften können zurückfallen, Fortschritt und Technisierung können umschlagen in neue Formen von Unmenschlichkeit, Gewalt und Zerstörung. So bedeutet es nicht automatisch mehr Demokratie, wenn mehr Menschen die digitalen Massenmedien und Kommunikationskanäle nutzen. Wie hängen Kulturindustrie und neue autoritäre Bewegungen zusammen? Welche Rolle spielen Filmkunst und Kino? Ich bin gespannt, welche Erklärungen und Thesen zu Kulturindustrie und Kulturbetrieb der Gegenwart sich mit dem Instrumentarium der Kritischen Theorie entwickeln lassen.“  

Dr. Ina Hartwig unterstreicht: „Kaum ein gesellschaftlicher Bereich bleibt von dem tiefgreifenden Umbruch der letzten Jahrzehnte durch Digitalisierung, Medienwandel und künstliche Intelligenz unberührt. In der Kultur sind die Einschnitte besonders spürbar. Die Frage nach der Kommerzialisierung der Kultur, die schon die Frankfurter Schule beschäftigt hat, ist heute aktueller denn je: Themen wie Urheberschaft, also das Recht am eigenen Werk, neue ästhetische Gestaltungsformen oder die Frage danach, wie Kreative mit ihrer Arbeit überleben können, beschäftigen den modernen Kulturbetrieb intensiv. Daher begrüße ich es sehr, dass die Neuauflage unserer beliebten Gesprächsreihe sich diesem hochaktuellen Thema widmet.“

Rainer Forst, Direktor des Forschungszentrums „Normative Ordnungen“ und Mitinitiator der Reihe, sagt mit Blick auf den Termin: „Ich freue mich sehr, dass wir mit Gertrud Koch eine der wichtigsten Medientheoretikerinnen in der Tradition der Kritischen Theorie gewinnen konnten, um im Gespräch mit dem Filmkritiker Bert Rebhandl zu überlegen, ob und wie sich die klassische Analyse der Kulturindustrie auf die Gegenwart übertragen lässt.“ 

Gertrud Koch ist eine der renommiertesten Filmwissenschaftlerinnen im deutschsprachigen Raum. Sie war Professorin für Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin und ist Autorin zahlreicher Veröffentlichungen zur Filmtheorie, Kritischen Theorie, Ästhetik und Medienkultur. Ihre Arbeiten verbinden klassische Theorieansätze mit aktuellen Fragen der Bild- und Medienanalyse.

Bert Rebhandl ist Filmkritiker und Publizist. Er schreibt unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Süddeutsche Zeitung. In seinen Arbeiten setzt er sich mit Filmgeschichte, Gegenwartskino und Fragen der Kritik auseinander.

Zur Reihe „Frankfurter Schule“

Die Veranstaltungsreihe „Frankfurter Schule“ stellt die Frage, was die Kritische Theorie heute zur Lage der Gesellschaft zu sagen hat. Zwei Stühle, ein Tisch, ein Gespräch: Im Zentrum stehen Persönlichkeiten, die – geschult am „Frankfurter Denken“ – aktuelle Problemlagen analysieren und einordnen. Präzise formuliert, verständlich erklärt und mit dem Anspruch, die Bedingungen von Freiheit, Macht und Verantwortung sichtbar zu machen. Die Reihe wird in unterschiedlichen Kultureinrichtungen in Frankfurt fortgesetzt.

Sie findet seit März 2023 statt und wird gemeinsam vom Forschungszentrum „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität, dem Dezernat für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main und seit 2026 auch vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur veranstaltet. Kooperationspartner sind das Institut für Sozialforschung, hr2 Kultur sowie – beim aktuellen Termin – das Lichter Filmfestival.

Weitere Informationen
Anke Harms
Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungszentrums „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität 
anke.harms@normativeorders.net
069/798-31407
www.normativeorders.net

Hanna Immich
Pressesprecherin und Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des Dezernats Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main
hanna.immich@stadt-frankfurt.de
069/212-49232
www.kultur-frankfurt.de

Kerstin Scheidecker
Stellvertretende Pressesprecherin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur
Kerstin.scheidecker@hmwk.hessen.de
0611/32161018
www.hmwk.hessen.de

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 22 2026
15:39

Öffentliche Veranstaltungsreihe des Cornelia Goethe Centrums im Sommersemester 2026

„Contact Zones“ - Aushandlung und Übersetzung von Wissen unter Bedingungen von Ungleichheit

FRANKFURT. Wissen ist nicht neutral. Es entsteht in bestimmten gesellschaftlichen Zusammenhängen, wird weitergegeben, verändert und übersetzt – und ist dabei stets von Machtverhältnissen geprägt. In einer Zeit, in der kritisches Wissen und kritische Wissenschaft(en) zunehmend unter politischem Druck stehen, lohnt es sich, genauer auf die Kontaktzonen zu schauen, in denen dominantes und kritisches Wissen aufeinandertreffen: Wer darf in welchen Räumen als Wissende*r auftreten? Welche Erfahrungen finden Gehör, welche werden übersehen oder zum Schweigen gebracht? Diese Fragen sind heute so dringend wie selten zuvor, nicht nur für und in der Wissenschaft. Die Veranstaltungsreihe der Cornelia Goethe Colloquien richtet den Blick daher auch auf Bildung, Literatur und Journalismus.

Im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe steht der Begriff der Übersetzung – nicht nur im sprachlichen Sinne, sondern als Metapher für die Begegnung unterschiedlicher Wissensformen, Körper und Erfahrungen. Übersetzung meint hier auch: Was geht verloren, wenn Wissen den Ort wechselt? Was verschiebt sich beispielsweise, wenn Konzepte aus sozialen Bewegungen in akademische Theorien wandern – oder umgekehrt? Solche Übergänge verlaufen nie reibungslos. Sie finden unter Bedingungen von Ungleichheit statt – und genau darin liegt ihre politische Brisanz. Die Veranstaltungsreihe lädt dazu ein, diese Prozesse gemeinsam aus einer Perspektive zu erkunden, die die Situiertheit von Wissen stark macht. 

Den Auftakt der Reihe bildet am Mittwoch, den 29.04.2026 um 18:15 Uhr, ein Gespräch über James Baldwin – Schriftsteller, Essayist und Aktivist der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, der seit einigen Jahren eine bemerkenswerte Wiederentdeckung erlebt. Seine Zitate kursieren auf Instagram, Postkarten und Stoffbeuteln – doch was bedeutet diese Allgegenwart? Wird eine komplexe politische Stimme lebendig gehalten, oder eingedampft auf eingängige Slogans? Und was sagt es über unsere Gegenwart, dass ein Autor, der über Rassismus, Identität und gesellschaftliche Ausgrenzung geschrieben hat, heute so dringend gebraucht zu werden scheint? 

Über diese Fragen sprechen René Aguigah, der 2024 mit „James Baldwin. Der Zeuge“ die erste deutschsprachige Monografie über Baldwin vorlegte, und Miriam Mandelkow, die Baldwins Werk seit 2018 neu ins Deutsche übersetzt – zuletzt ausgezeichnet mit dem Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Preis für ihr übersetzerisches Gesamtwerk (2025). Das Gespräch wird geführt von Prof. Bettina Kleiner und Prof. Christiane Thompson, die auch die Reihe konzipiert haben. 

Die Veranstaltungsreihe ist offen für alle Interessierten.

Weitere Termine sind: 

13.05.2026 
Juno Grenz: Bildung als Ordnung des Unsagbaren - Epistemische Grenzziehungen in erziehungswissenschaftlicher Theorie und antifeministischer Politik

10.06.2026
Ruth Sonderegger und Marina Martinez Mateo: Philosophie und Rassismus - Debatten und Kontroversen

24.06.2026
Cornelia Möser: Sexuelle Befreiung im feministischen Denken

08.07.2026
Nicolas Engel: Ringen um Erinnerung - Begegnungen mit Wissen

Wintersemester 2025/26 (Termin wird noch bekannt gegeben)
Manon Garcia: Putting Consent Back in Its Place

Das Cornelia Goethe Centrum für Geschlechterforschung der Goethe-Universität Frankfurt lädt herzlich zu dieser öffentlichen Veranstaltungsreihe ein. Der Eintritt ist frei. Alle Termine finden in Präsenz auf dem Campus Westend, üblicherweise im PEG-Gebäude, Raum 1.G191, statt. Ausgenommen davon ist die Eröffnung der Veranstaltungsreihe am 29.04.26, die im Festsaal der Goethe-Universität, Casino, Raum 823, stattfindet. 

Detaillierte Informationen zum Programm finden Sie hier: https://cgc.uni-frankfurt.de/veranstaltungen/cornelia-goethe-colloquien/contact-zones/herstellung-von-unsagbarkeiten-als-antifeministische-strategie 

Kontakt am CGC: Dr. Johanna Leinius, Wissenschaftliche Geschäftsführung, Cornelia Goethe Centrum für Geschlechterforschung, Goethe-Universität Frankfurt. Leinius@em.uni-frankfurt.de

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 22 2026
15:26

Entgelt-Steigerungen und LandesTicket wie für Landesbeschäftigte /  Neue Aufstiegsmöglichkeiten für Mitarbeitende in der Lehre

Einigung über Haustarifvertrag der Goethe-Universität 

Die Goethe-Universität und die Gewerkschaften ver.di und GEW haben sich am Dienstagabend auf einen neuen Tarifvertrag für die Hochschule (TV-G-U) geeinigt. Neben der Übernahme der für die hessischen Landesbeschäftigten erzielten Tarifeinigung enthält der Haustarifvertrag einige teils neue Besonderheiten zugunsten der Beschäftigten und Auszubildenden.

FRANKFURT. Vorgesehen in der Tarifeinigung ist: Die Bezahlung der Mitarbeitenden der Goethe-Universität steigt wie für die hessischen Landesbeschäftigten ab Juli 2026 um 3 Prozent, mindestens jedoch um 110 Euro, und ab Oktober 2027 um weitere 2,8 Prozent. Die Entgelte der Auszubildenden steigen im Juli 2026 um einen Festbetrag in Höhe von 80 Euro und im Oktober 2027 um weitere 70 Euro. Studentische Hilfskräfte erhalten ab Juli 2026 pro Stunde 15,33 Euro, wenn sie keinen Bachelorabschluss haben, und 16,62 Euro mit Bachelor. Ab Oktober 2027 steigt das Stundenentgelt für Hilfskräfte ohne Bachelor auf 15,90 Euro, mit Bachelor auf 17,08 Euro.

Die Nutzungsberechtigung für das LandesTicket Hessen für die Uni-Beschäftigten wird bis zum 31. Dezember 2028 verlängert. Die Goethe-Universität zahlt als Ausbilder tätigen Beschäftigten weiterhin eine Zulage von 100 Euro im Monat für Ausbilder*innen ohne Ausbilderschein, 200 Euro für Ausbilder*innen mit Ausbilderschein. Neu ist, dass Auszubildende pro Kalenderjahr Anspruch auf einen bezahlten Studientag zur Prüfungsvorbereitung erhalten. Laut Vereinbarung sollen Beschäftigte im Bereich der Lehre künftig – wie bisher schon in der Forschung – unter bestimmten Voraussetzungen in die höheren Entgeltgruppen 14 und 15 aufsteigen können. Bereits bisher gab es die Möglichkeit, dass Beschäftigte ihre Jahressonderzahlung reduzieren und dafür zwei zusätzliche Arbeitstage Freizeitausgleich in Anspruch nehmen können; diese Regelung wird bis Ende 2028 verlängert.

Der Kanzler der Goethe-Universität, Dr. Ulrich Breuer, ist zufrieden mit dem Ausgang der Verhandlungen: „Trotz des hohen Kostendrucks und der erheblichen Kürzungen unserer Finanzierung durch das Land präsentieren wir den Mitarbeitenden der Universität ein wirklich gutes Ergebnis: Wir übernehmen nicht nur die hessische Tarifeinigung, sondern stehen mit der Ausbilder-Zulage und dem Studientag für Auszubildende auch zu unserem Anspruch, ein attraktiver Ausbildungsbetrieb zu sein. Das ist wichtig, damit wir auch weiterhin Fachkräfte für uns gewinnen können.“ Der Kanzler nimmt nach Maßgabe der Beschlussfassung des Präsidiums die Haushalts-, Personal- und Rechtsangelegenheiten der Universität wahr.

„Es freut mich sehr, dass diese Einigung gelungen ist“, ergänzt Universitäts-Präsident Prof. Dr. Enrico Schleiff. „Für mich gehört zur Rolle der Universität als gute Arbeitgeberin auch, dass wir Chancengerechtigkeit, Vielfalt und Internationalität weiter voranbringen, ein gesundes Arbeitsklima pflegen und eine transparente Informationskultur leben: Ziele, die wir unter anderem mit den dafür beschlossenen Fachstrategien verfolgen. Faire und transparente Arbeits- und Karrierebedingungen sind nicht nur unser Anspruch, sondern steigern auch die Qualität der gesamten Universität: Wir brauchen kompetente und engagierte Beschäftigte, um innovativ und kreativ Forschung, Lehre und den Dialog mit der Gesellschaft zu leisten.“

Bis zum 10. Juni 2026 steht die Tarifeinigung steht unter dem Vorbehalt der Gremienzustimmungen, nach deren Erteilung tritt sie in Kraft. 

Redaktion: Volker Schmidt, Leiter Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: 069 798-13035, v.schmidt@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 17 2026
10:37

Keynote von Eva Illouz bei Jahresworkshop von Graduiertenkolleg „Ästhetik der Demokratie“ und Forschungsschwerpunkt „Democratic Vistas“ am Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg

Sind Schuldgefühle gut für Demokratien?

BAD HOMBURG. Gefühle prägen die politische Kultur der Demokratie entscheidend mit. Die israelisch-französische Soziologin Eva Illouz hat in vieldiskutierten Werken wie „Undemokratische Emotionen“ und „Explosive Moderne“ herausgearbeitet, wie Furcht, Ressentiment, Angst, Abscheu und Liebe aus gesellschaftlichen Verhältnissen erwachsen und sich auf die Demokratie auswirken. In ihrer Keynote beim gemeinsamen Jahresworkshop des neuen DFG-Graduiertenkollegs „Ästhetik der Demokratie“ und des Forschungsschwerpunkts „Democratic Vistas“ am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität geht sie diesem Thema erneut nach – diesmal mit dem Fokus auf ein Gefühl, das in Deutschland besonders kontrovers diskutiert wird: Schuld. 

In ihrem englischsprachigen Vortrag „Is Guilt Good for Democracy?“ untersucht Illouz die kulturellen und historischen Prozesse, durch die das Schuldgefühl seit den 1980er Jahren zu einer zentralen Emotion im Selbstverständnis liberaler Demokratien geworden ist. Sie beleuchtet die normativen und politischen Implikationen dieser Entwicklung und fragt, inwiefern Schuld produktiv oder hemmend auf demokratische Gesellschaften wirkt.

Der Vortrag findet am Freitag, 24. April, um 19 Uhr, in den Räumen des Forschungskollegs Humanwissenschaften, Am Wingertsberg 4, in Bad Homburg, statt. Ins Thema einführen wird Prof. Johannes Völz, Sprecher des Graduiertenkollegs und Ko-Sprecher von „Democratic Vistas“. 

Eva Illouz ist Professorin für Soziologie an der Hebrew University of Jerusalem und der École des hautes études en sciences sociales (EHESS) in Paris. Sie hat zahlreiche Bücher zur Soziologie der Emotionen, zum Konsumkapitalismus und zur Soziologie der Liebe publiziert. Für ihr Werk erhielt sie u.a. den Frank-Schirrmacher-Preis 2024, den Aby Warburg Preis 2024 und den EMET-Preis für Sozialwissenschaften. Zuletzt erschienen: Undemokratische Emotionen. Das Beispiel Israel (Suhrkamp, 2023), Explosive Moderne (Suhrkamp, 2024) und Der 8. Oktober. Über die Ursprünge des neuen Antisemitismus (Suhrkamp, 2025).

Anmeldung: Anmeldung bis 21. April an anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Ein Porträt von Eva Illouz und das Plakat der Veranstaltung finden Sie zum Download https://www.uni-frankfurt.de/184956955 

Anfahrt: Öffentliche Verkehrsmittel: Die nächsten Haltestellen sind Kaiser-Wilhelms-Bad (Bus 6), Bahnhof Bad Homburg (S 5) und Ober-Eschbach (U 2). PKW: Bitte nutzen Sie die nahegelegenen Parkmöglichkeiten – das Casino-Parkhaus mit Zufahrt über den Weinbergsweg oder den Parkplatz des Tennisclubs und des Kur Royal Aktiv in der Kisseleffstraße 20.

Information: Monika Hellstern, Wissenschaftskommunikation. Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität. Telefon 06172 13977-45; E-Mail hellstern@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Homepage www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de; @FKHbadhomburg

Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 14 2026
16:00

Öffentliche Veranstaltungen anlässlich des wissenschaftlichen Eröffnungssymposiums des Cooperative Brain Imaging Center Frankfurt

Bürgerveranstaltungen: Wie unser Gehirn Musik wahrnimmt – Einblicke in die Studien des Hirnforschungszentrums CoBIC

FRANKFURT. Mit einem wissenschaftlichen Symposium feiert das Cooperative Brain Imaging Center Frankfurt (CoBIC) seine Eröffnung, nachdem das Gebäude vor einem Jahr offiziell in Betrieb genommen wurde. Das CoBIC ist eine Kooperation der Goethe-Universität Frankfurt, des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik und des Ernst Strüngmann Instituts (ESI) der Max-Planck-Gesellschaft. Die enge Zusammenarbeit von grundlagenwissenschaftlichen Instituten und der Universitätsmedizin Frankfurt bietet Forscherinnen und Forschern ein dynamisches Umfeld für innovative Forschungsprojekte.

Im Rahmen des Symposiums werden neben zahlreichen Fachvorträgen zwei Veranstaltungen für interessierte Bürgerinnen und Bürger angeboten, die – in englischer Sprache – Hirnforschung allgemeinverständlich erklären. 

Prof. Robert Turner vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig beschäftigt sich damit, wie Musik in unserem Gehirn wahrgenommen und verarbeitet wird. Wie verändert sich das Gehirn, wenn wir lernen, ein Musikinstrument zu spielen oder Noten zu lesen? Wie unterscheidet sich Musik- von Sprachverarbeitung im Gehirn? Und wie kann es sein, dass musikalische Erinnerungen trotz Demenz bestehen bleiben, dass also zum Teil Menschen, die krankheitsbedingt nicht mehr sprechen können, immer noch in der Lage sind, Lieder zu singen? Im musikalischen Dialog mit Prof. Fredrik Ullén, Direktor des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik, spricht Turner in seinem Vortrag darüber, wie Musik ein „Fenster zu allgemeinen Hirnfunktionen“ ist.

„Imaging Music in Our Brain“
Prof. Robert Turner, MPI Leipzig
moderiert und musikalisch abgerundet von
Prof. Fredrik Ullén, MPI Frankfurt am Main
(in englischer Sprache)

Montag, 20. April 2026, 18:15 Uhr
Festsaal im Casino, Campus Westend
Theodor-W.-Adorno-Platz 1
Goethe-Universität Frankfurt

Welchen Fragestellungen CoBIC-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler bei der Erforschung des menschlichen Gehirns nachgehen, ist Thema einer Reihe interaktiver Sessions im Neubau des CoBIC in Frankfurt-Niederrad. Wie fühlt sich eine Nervenzelle in einem Netzwerk? Wie unterscheiden sich Gedankengänge von Menschen mit und ohne ADHS? Wie kann man mithilfe von Hochfeld-MRT medizinische Diagnosen verbessern oder dem Gehirn beim Arbeiten zusehen? Was passiert im Gehirn, wenn jemand im MRT liegend Klavier spielt? Welchen Einfluss hat Ernährung auf die Hirnleistung? Diesen Fragen spüren die Forschenden allgemeinverständlich und auf unterhaltsame Weise nach.

„Research at CoBIC“
Frankfurter Wissenschaftler*innen
(in englischer Sprache)

Dienstag, 21. April 2026, 15:00 Uhr
Cooperative Brain Imaging Center (CoBIC)
Heinrich-Hoffmann-Straße 9
Campus Niederrad
Goethe-Universität Frankfurt

Information und Anmeldung:
Die beiden Veranstaltung sind öffentlich und kostenlos.
Um Anmeldung bis zum 16.4.2026 wird gebeten über info@cobic.de

Website CoBIC: https://cobic.de/


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 13 2026
16:25

Exzellenzcluster startete im Rahmen der 7. Internationalen Giersch-Konferenz 2026 am Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) / Nachbericht im neuen UniReport

Gelungener Auftakt für SCALE

FRANKFURT. Kick-Off nach Maß: Für den Forschungsverbund SCALE (Sub-Cellular Architecture of LifE) war die 7. Internationale Giersch-Konferenz 2026 am Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) zugleich der Startschuss. SCALE gehört seit diesem Jahr zur Exzellenzstrategie von Bund und Ländern. Forschende der Goethe-Universität, der Max-Planck-Institute für Biophysik und Hirnforschung, der Universität des Saarlandes, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie des Frankfurt Institute for Advanced Studies haben sich zusammengeschlossen, um die Prinzipien der Selbstorganisation in Zellen zu entschlüsseln. Ihr Ziel ist es, zu verstehen, wie sich die zelluläre Architektur herausbildet und wie sie die vielfältigen Funktionen einer Zelle ermöglicht. 

Die Giersch-Konferenz unter dem Leitthema „Towards Digital Twins for Structural Cell Biology – Criteria, Chances and Challenges“ vereinte international führende Forschende aus den Bereichen Computational Science, Struktur- und Systembiologie, um gemeinsam die Chancen und Herausforderungen digitaler Zwillinge in der Zellbiologie zu erörtern. Beispielsweise stellte Samantha Wood von der Indiana University Bloomington vor, dass mithilfe eines digitalen Zwillings untersucht werden kann, wie Küken in einer Umgebung Wahrnehmung, Sozialverhalten und Intelligenz entwickeln.

Wie SCALE-Sprecherin Prof. Michaela Müller-McNicoll und FIAS-Mitarbeiterin Dr. Anja Störiko  im neuen UniReport berichten, standen auf der Konferenz neben innovativen wissenschaftlichen Ansätzen insbesondere Fragen der interdisziplinären Zusammenarbeit im Mittelpunkt, ebenso wie die Integration künstlicher Intelligenz und heterogener Datensätze. Darüber hinaus wurden Konzepte für Open Science und den offenen Austausch von Forschungsdaten diskutiert – zentrale Anliegen des SCALE-Konsortiums. 

Weitere Themen im neuen UniReport:

Aktuelles 
- Nachrufe auf Jürgen Habermas: Von Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff, von Prof. Rainer Forst und Prof. Klaus Günther. 
- „Bewusstsein von dem, was fehlt“: Eine Collage zum Werk von Jürgen Habermas, zusammengestellt von Wolfgang Schopf, Literaturarchiv im Universitätsarchiv.
- Nachts in der Bibliothek: Ein Nachbericht zur „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“. 

Forschung 
- Wie lassen sich hochkomplexe geometrische und arithmetische Strukturen durch einfachere Räume beschreiben? Der Sonderforschungsbereich /Transregion 326 GAUS – ein Projekt der Rhein-Main-Universitäten und deren Partner.
- Lehrforschung mitten im Alltag Kenias: Eine Exkursion nach Mombasa im Rahmen des RMU-Bachelor-Studiengangs „Afrikanische Sprachen, Medien und Kommunikation“.
- Was machen „Standards des Regierens“ mit der Demokratie? Ein Interview mit Ko-Sprecherin Prof. Sandra Seubert zum Graduiertenkolleg der TU Darmstadt und der Goethe-Universität Frankfurt. 
- Goethe, Deine Forscher: Britta Baumert, katholische Theologin, im Porträt. 
- Wie stark wachsen die Einkommen einer Volkswirtschaft? Das Nettoinlandsprodukt (NIP) liefert ein realistischeres Bild als das BIP.

Studium, Lehre und Qualifikation 
- #Goethe DataDive - Zahl des Monats April lautet 75,3: Im Jahr 2025 waren ca. 75,3 % aller (elektronischen) Publikationen Open Access. 
- Auf den Spuren islamischer Handschriften: Exkursion nach Gotha - ein Nachbericht von Fatma Karakaşlı.

Campus 
- Der Biologe Horst Lange-Bertalot hat sich der Erforschung der Kieselalge verschrieben: Der international bekannte Wissenschaftler ist im Februar 90 geworden.
- Der volkswirtschaftliche Blick auf China: Philipp Böing, Professor für Empirische Innovationsforschung, im Porträt. 
- Die Angst vor der Geschichte verlieren: Der US-amerikanische Künstler, Design-Dozent- und Anwalt Ryan Lilienthal wird in seiner Arbeit vom Lehr- und Forschungsforum „Erziehung nach Auschwitz“ unterstützt. 
- Übersetzung als Dichtung: Die Literaturwissenschaftlerinnen Frederike Middelhoff und Judith Kasper über die Schoeller-Dozentur mit Eva Schestag.
- 1922: die Geburt der Quantenphysik in Frankfurt. Ein Seibert-Mikroskop aus Wetzlar war dabei und ersetzte die Hebamme.
- Über Kunst reden und Suppe essen: Prof. Kerstin Gottschalk, Leiterin des Schwerpunkts Malerei und Grafik am Institut für Kunstpädagogik, über eine ungewöhnliche Veranstaltungsreihe.
- Zwischen Gletscher, Gestein und Geopolitik: Lucas Bek, Masterstudent der Geowissenschaften, über die Begeisterung für seine Disziplin. 
- Provenienzforschung als Lehrprojekt: Studierende erforschen Kulturgut und seine Herkunft.

International
- Perspektiven der Demokratie: Drei neue Fellows arbeiten auf Einladung des Schwerpunktes „Democratic Vistas“ am Forschungskolleg Humanwissenschaften.

Kultur  
- „Marie Luise Kaschnitz. Hier.“ Die Poetikdozentin von 1960 und Ehrendoktorin der Goethe-Universität ist die Autorin von Frankfurt liest ein Buch 2026.

Bibliothek
- Open Access erhält neuen Schub: Publikationsfonds der UB Frankfurt wird weiter gefördert.

Der UniReport 1/2026 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe  

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 8 2026
16:43

Frankfurter Kinder-Uni zu Gast im NordWestZentrum

Große Bühne für kleine Forscher*innen

FRANKFURT. Am 11. April 2026 ist die Frankfurter Kinder-Uni zu Gast im NordWestZentrum. Bereits zum zweiten Mal bietet die Veranstaltung Kindern und Familien ein abwechslungsreiches Mitmachprogramm, bei dem Wissenschaft kindgerecht vermittelt wird. Biologieprofessor Paul Dierkes eröffnet spannende Perspektiven auf die Welt der Tiere und erklärt anschaulich ihre Verhaltensweisen. An den Experimentierständen erhalten Kinder und Familien praxisnahe Eindrücke in die Arbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. 

Begleitet wird der Nachmittag von dem Magier Harry Keaton, der durch das Programm führt und mit kleinen Zaubertricks für zusätzliche Überraschungen sorgt. In unterhaltsamen Quizrunden können Kinder spielerisch ihr Wissen testen. Und last not least laden kreative, wissenschaftliche Fotoaccessoires Eltern dazu ein, ihre Nachwuchsforscher in besonderen Momenten festzuhalten:

Frankfurter Kinder-Uni im NordWestZentrum
Samstag, 11. April 2026, von 13.00 bis 17.00 Uhr
NordWestZentrum Frankfurt, Limescorso 8, 
60439 Frankfurt (auf der großen Aktionsbühne)

Medienvertreter*innen sind herzlich eingeladen, die Veranstaltung zu begleiten. Interviewmöglichkeiten mit Vertreter*innen der Goethe-Universität, des NordWestZentrums sowie der Projektkoordination sind gegeben. Vor Ort entstehen lebendige Bildmotive: begeisterte Kinder beim Experimentieren und gemeinsamen Entdecken der Welt der Wissenschaft; magische Bühnenmomente mit Moderator und Zauberer Harry Keaton im Dialog mit (Kinder-Uni-) Professor Dierkes; stolze Kinder, die in die Rolle von kleinen Forscherinnen und Forschern schlüpfen.

Kontakt: Susanne Honnef, Private Hochschulförderung, Goethe-Universität Frankfurt. honnef@pvw.uni-frankfurt.de

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 2 2026
11:51

Groß angelegte Multi-Analysten Studie zur Objektivität statistischer Analysen erschienen. Marketing-Professor Jan Landwehr von der Goethe-Universität sieht dadurch die Bedeutung wissenschaftlicher Zusammenarbeit unterschiedlicher Forschungsgruppen bestätigt.

Schlussfolgerungen weichen oft voneinander ab, wenn Hunderte von Forschenden dieselben Daten erneut analysieren

FRANKFURT. Eine neue Studie, die in Nature unter dem Titel „Investigating the analytical robustness of the social and behavioural sciences" veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass wissenschaftliche Schlussfolgerungen davon abhängen können, wer die statistische Analyse durchführt. Die Ergebnisse stammen aus einer groß angelegten internationalen Zusammenarbeit unter der Leitung von Balázs Aczél und Barnabás Szászi (Eötvös Loránd Universität und Corvinus Universität), die im Rahmen des Programms „Systematizing Confidence in Open Research and Evidence" (SCORE) durchgeführt wurde. Ein Team von 457 unabhängigen Analysten aus Institutionen auf der ganzen Welt, davon etwa 60 aus Deutschland und vier von der Goethe Universität Frankfurt, führte 504 Reanalysen von Daten aus 100 zuvor veröffentlichten Studien aus den Sozial- und Verhaltenswissenschaften durch. Je fünf Analysten erhielten denselben Datensatz und dieselbe zentrale Forschungsfrage, konnten jedoch die Analyse nach eigenem Ermessen durchführen.

Das Projekt knüpft konzeptuell an umfangreiche Reformen der letzten zehn Jahre in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften an, die wissenschaftliche Forschung transparenter, vertrauenswürdiger und zuverlässiger machen sollen. Vorabregistrierung von empirischen Studien, registrierte Berichte („Registered Reports“), Replikationsstudien und Überprüfungen der analytischen Reproduzierbarkeit zielen alle darauf ab, die Häufigkeit von Zufallsbefunden und verzerrten Ergebnissen zu reduzieren. Eine wichtige Frage hat jedoch bislang relativ wenig Beachtung gefunden: Inwieweit hängen Forschungsergebnisse von der spezifischen Art und Weise ab, wie Daten analysiert werden?

In der wissenschaftlichen Standardpraxis wird ein Datensatz in der Regel von einem einzelnen Forscher oder einem Forschungsteam analysiert, und die daraus resultierende Veröffentlichung präsentiert das Ergebnis eines bestimmten Analysepfades. Während Peer-Review Verfahren die methodische Akzeptierbarkeit des gewählten Analysepfads bewerten, decken sie i.d.R. nicht auf, welche Ergebnisse unter alternativen, aber ebenso vertretbaren statistischen Entscheidungen hätten erzielt werden können.

Empirische Forschung beinhaltet jedoch zahlreiche Entscheidungspunkte: wie Daten bereinigt werden, wie Variablen definiert oder transformiert werden, welche statistischen Modelle oder welche Software verwendet werden und wie Ergebnisse interpretiert werden. Zusammen bilden diese Entscheidungen die sogenannte analytische Variabilität – die Flexibilität, die die endgültigen Schlussfolgerungen grundlegend beeinflussen kann.

Wichtigste Ergebnisse

Die aktuelle Nature Publikation zeigt, dass erhebliche Abweichungen in den Ergebnissen unabhängiger Analysen derselben Fragestellung unter Verwendung derselben Daten in 100 Studien auftreten. Obwohl die meisten Reanalysen die Hauptthesen der Originalstudien weitgehend bestätigten, unterschieden sich die Effektgrößen, statistischen Schätzungen und Unsicherheitsgrade oft erheblich. Nur in etwa einem Drittel der Fälle kamen alle Analysten zu dem gleichen Ergebnis wie die ursprünglichen Autoren.

Wichtig ist, dass diese Diskrepanzen nicht auf mangelnde Fachkenntnisse zurückzuführen waren. Erfahrene Forscher mit fundierten statistischen Kenntnissen kamen ebenso häufig zu abweichenden Ergebnissen wie andere. Gleichzeitig erwiesen sich Beobachtungsstudien als weniger robust als experimentelle Studien, was darauf hindeutet, dass komplexere Datenstrukturen eine größere analytische Flexibilität – und damit eine größere Unsicherheit – ermöglichen.

Prof. Dr. Jan Landwehr von der Goethe-Universität Frankfurt, der als Analyst an der Studie beteiligt war, kommentiert das Ergebnis so: „Ebenso wie man wichtige Entscheidungen nicht durch eine einzelne Studie begründen sollte, erscheint es bedeutsam, nicht nur das Ergebnis einer Datenanalyse heranzuziehen. Nur wenn unterschiedliche, gut begründbare Analyseansätze ein konsistentes Muster zeigen, erscheint ein empirisches Ergebnis wirklich belastbar zu sein. Unsere Studie ist damit auch ein Aufruf zu verstärkter wissenschaftlicher Zusammenarbeit unterschiedlicher Forschungsgruppen und zur Intensivierung des wissenschaftlichen Austauschs.“

Die in Nature veröffentlichte Studie ist hier verfügbar: https://www.nature.com/articles/s41586-025-09844-9

Kontakt: Prof. Dr. Jan Landwehr, Professur für Markt- und Konsumentenpsychologie, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069) 798-34631; landwehr@wiwi.uni-frankfurt.de  

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de 


 

Apr 1 2026
16:45

Ausgezeichnet werden 2026 der Philosoph Dr. Kirill Chepurin und die Kunsthistorikerin Dr. Elisabeth Ansel.

Dritte Verleihung des Klaus Heyne-Preis zur Erforschung der Deutschen Romantik

FRANKFURT. ‚Seligkeit' und ‚Ossian': Mit diesen zwei Schlagworten sind die Themenfelder umrissen, mit denen sich die beiden Wissenschaftler*innen beschäftigten, die 2026 mit dem Klaus Heyne-Preis zur Erforschung der Deutschen Romantik an der Goethe-Universität Frankfurt ausgezeichnet werden. Der Philosoph und Theologe Dr. Kirill Chepurin erhält den Preis für seine Monografie „Bliss against the World: Schelling, Theodicy, and the Crisis of Modernity" (2024 bei Oxford University Press erschienen), die Kunsthistorikerin Dr. Elisabeth Ansel erhält den Preis für ihren Aufsatz „Ossianic images and visual translation processes in J.M.W. Turner and Carl Gustav Carus“ (2025 bei Manchester University Press in einem Band mit dem Titel „Picturing the Romantic“ veröffentlicht). 

Das Jahr 2026 markiert die dritte Verleihung des Klaus Heyne-Preises, den der Kinderarzt und Romantikliebhaber Prof. Dr. Klaus Heyne (1937–2017) aus Kiel der Goethe-Universität Frankfurt stiftete. Heynes erklärtes Ziel war die Förderung herausragender Beiträge von Wissenschaftler*innen in der Qualifikationsphase, die zur Epoche der Romantik forschen. 2026 wird der mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Preis erstmalig in zwei Kategorien vergeben: Für eine Monografie, die mit 4.000 Euro Preisgeld und 10.000 Euro für die Organisation einer Tagung an der Goethe-Universität dotiert ist, und für einen Aufsatz oder Essay, der mit 1.000 Euro Preisgeld ausgeschrieben wurde.

Chepurins Monografie, die auf seiner 2022 an der Humboldt-Universität zu Berlin mit summa cum laude verteidigten Dissertationsschrift beruht, beschäftigt sich mit einem bislang vernachlässigten Konzept des wohl bekanntesten Philosophen der Romantik im deutschsprachigen Raum: Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775–1854). „Bliss“ (‚Seligkeit'), so argumentiert Chepurin, nicht „happiness“ (‚Glück-Seligkeit)'), kann als ein Schlüsselbegriff des Schelling'schen Nachdenkens an der konflikt- und krisenbehafteten Schwelle zur Moderne betrachtet werden – und zwar von Schellings frühen naturphilosophischen Texten bis hin zu seinen späten metaphysischen Schriften. Chepurin arbeitet ‚Seligkeit' als ein Konzept heraus, das für Schelling freiheitstheoretisch und naturphilosophisch relevant ist: Im doppelten Antagonismus zu Moderne und Christentum kann mit ‚Seligkeit' eine für die Romantik zentrale Vision der Auflösung der ‚unseligen' Gegenwart entfaltet werden – ein Zustand ungeteilter Immanenz, absoluter Indifferenz, eines Seins in Freiheit, das keine Hierarchien, Besitzverhältnisse, Aneignungen und Imperative kennt.

Chepurins Arbeit, so die Jury des Heyne-Preises, bestehend aus Prof. Dr. Roland Borgards (Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universität), Prof. Dr. Mechthild Fend (Kunstgeschichtliches Institut, Goethe-Universität), Dr. Aurelio Fichter (Benvenuto Cellini Gesellschaft e.V.), Dr. Mareike Hennig (Freies Deutsches Hochstift Frankfurt), Prof. Dr. Heidi Lucja Liedke (Institute of English and American Studies, Goethe-Universität) und Prof. Dr. Frederike Middelhoff (Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universität), beschreitet gleich in mehrfacher Hinsicht Neuland: Erstens wurde hier eine Arbeit vorgelegt, die Schellings jahrzehntelange Auseinandersetzung mit dem Konzept ‚Seligkeit' unter Beweis stellt und damit die in der Schelling-Forschung gängige Periodisierung (‚früher' vs. ‚später' Schelling) in Frage stellt; zweitens arbeitet Chepurin die bisher unbeachtete Salienz von „Schellingian bliss“ für romantische Theorien und Denkformen heraus; drittens befasst sich die Arbeit erstmalig differenziert mit Schellings Reproduktion rassistischer und kolonialistischer Denkgebäude, die mit seiner Vorstellung von ‚Seligkeit' eng verknüpft ist. 

Die Jury betont: „Wir haben es hier mit einer hochoriginellen Arbeit zu tun, die nicht nur eine Neuinterpretation der Romantik vorschlägt, indem sie verdeutlicht, wie stark ‚Seligkeit' – das um 1800 im Bedeutungsumfeld von ‚Segen' und ‚Erlösung' diskutiert wurde – Schellings Philosophie und das Denken der Romantik bewegte. Vielmehr befragt die Studie das Konzept ‚Seligkeit' auch hinsichtlich seiner Anschlussfähigkeit für ethische Fragestellungen und visionäre Entwürfe unserer heutigen Gegenwart.“ Diese Perspektiven und Aktualitätsbezüge möchte Chepurin auch im Rahmen der internationalen Tagung beleuchten, die er 2027 an der Goethe-Universität mithilfe des Heyne-Preises in Frankfurt ausrichten wird.

Chepurin studierte Mathematik und Mathematische Logik in Moskau und trat ebendort 2012 eine Doktorats- und Lecturer-Stelle in Bereich der Philosophiegeschichte an. Im Jahr 2022 wechselte er nach Berlin und wurde im Mai desselben Jahres an der theologischen Fakultät und am Institut der Philosophie der Humboldt-Universität promoviert. Fellowships und Forschungsaufenthalte führten ihn nach Berlin, Hamburg und Berkeley. Derzeit ist er Research Fellow am Institute for Cultural Inquiry in Berlin. Im September 2026 tritt er eine Stelle als Assistant Professor of the Humanities an der Bilkent-Universität in Ankara an.

Dr. Elisabeth Ansels kunstgeschichtlicher Aufsatz, der mit dem Heyne-Preis für herausragende Aufsätze ausgezeichnet wird, untersucht, wie der englische Maler William Turner (1775–1851) und der deutsche Arzt, Naturphilosoph und Maler Carl Gustav Carus (1789–1869) mit ihren Bildern und Zeichnungen den zeitgenössischen ossianischen Mythos mitgestalteten. Der fiktive Ossian und seine altgälischen Liedtexte, die der schottische Schriftsteller James Macpherson in den 1760ern als ‚wiedergefundene' „Fragments of Ancient Poetry“ publizierte, entfalteten Ende des 18. Jahrhunderts eine bislang nur von den Schriften William Shakespeare gekannte internationale Resonanz. Und obwohl schon früh bestritten wurde, dass es sich um authentische Dokumente ‚alter' Lieder handele, riss die Faszinationsgeschichte rund um den schottischen Barden und seine ‚romantischen' Gesänge nicht ab. Ansel geht nun auf Distanz zu einer rezeptions- und einflussgeschichtlichen sowie im Paradigma des Nationalen verhafteten Analyse von Gemälden wie „Staffa, Fingal's Cave“ (Turner, 1831/32) und „Insel Staffa“ (Carus, vor 1846). Statt die Bilder als Beispiele für eine deutsche, respektive britische Romantik zu interpretieren, untersucht Ansel vergleichend, wie der Ossian-Stoff in unterschiedliche kulturelle Kontexte übersetzt und bildkünstlerisch produktiv gemacht wird. Turners und Carus' visuelle Annäherungen an die ‚ossianische' Hebrideninsel Staffa deutet Ansel im Horizont einer transnationalen Romantisierung des Ossian-Mythos bzw. einer ‚ossianischen Kultur'. Ihr Aufsatz, so war sich die Jury des Heyne-Preises einig, zeigt das große Potenzial einer kunstgeschichtlichen Romantikforschung, die sich für Zirkulations-, Übertragungs- und Adaptionsprozesse jenseits der Nationallogiken von ‚Schulen' interessiert. Sichtbar wird hier, was sich erst aus einer transnationalen Perspektive als ‚hybride' oder ‚pluriforme' Romantik beschreiben lässt.

Ansel studierte Klassische Philologie in Dublin, Rechtswissenschaften in Leipzig sowie Kunstgeschichte, Soziologie und Rechtswissenschaft an der Technischen Universität Dresden. 2021 wurde sie ebendort im Fach Kunstgeschichte mit einer Arbeit über Jack. B. Yeats und die irische Moderne promoviert (summa cum laude). Stipendien und Fellowships führten sie nach Cork, Dublin, Greifswald, New Haven und New York. Derzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Forschungsstelle Europäische Romantik der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Beiden Preistragenden wird die Auszeichnung mit dem Klaus Heyne-Preis am 22. Juni 2026 im Rahmen eines Festakts an der Goethe-Universität verliehen.

Weitere Informationen: 
https://romantikforschung.uni-frankfurt.de/klaus-heyne-preis-zur-erforschung-der-deutschen-romantik/  

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/184555229 
Foto Ansel: Frank Pawella

Foto Chepurin: Claudia Peppel (ICI)

Kontakt: Prof. Dr. Frederike Middelhoff, Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universität Frankfurt.  Tel. (069) 798 328 53; middelhoff@em.uni-frankfurt.de;  Website: https://www.uni-frankfurt.de/Middelhoff  

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de