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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Aug 29 2018
15:02

Analog zur Goethe-Uni bildet die University of Jos nun Master in Filmarchivierung und Filmkultur aus

Film-Studiengang wird nach Nigeria exportiert

FRANKFURT. Ein Frankfurter Masterstudiengang wird zum internationalen Prototyp: Mit Unterstützung des DAAD gibt es den praxisorientierten Masterstudiengang „Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation“, den das Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität seit 2013 gemeinsam mit dem Deutschen Filminstitut anbietet, von 2019 an auch in Nigeria.

Was wird aus den Absolventinnen und Absolventen kleiner geisteswissenschaftlicher Fächer wie der Filmwissenschaft? Auf diese Frage gibt der Studiengang „Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation“, der von Goethe-Uni und Deutschem Filminstitut gemeinsam angeboten wird, seit 2013 eine handfeste Antwort. Der Studiengang bildet pro Jahrgang bis zu 20 wissenschaftliche Fachkräfte für Film- und Medienarchive und filmkulturelle Institutionen aus. So gut wie alle, die diesen praxisorientierten Studiengang bisher absolviert haben, konnten direkt ins Berufsleben einsteigen. Das Konzept dieses Studiengangs, der auf Seiten der Goethe-Uni von Junior-Professorin Sonia Campanini und Professor Vinzenz Hediger geleitet wird, dient nun auch Universitäten und Filminstitutionen im Ausland als Inspiration.

Ein Konsortium, in dem das National Film Institute und das National Film, Video and Sound Archive vertreten sind, die zur Nigerian Film Corporation gehören, aber ebenso die University of Jos, wird von Herbst 2019 an den afrikaweit ersten Masterstudiengang für Filmarchivierung und Filmkultur anbieten, der das Frankfurter Erfolgsmodell übernimmt. Nigeria ist laut UNESCO-Statistiken nach Indien das produktivste Filmland der Welt. Rund 1000 Spielfilme pro Jahr erscheinen in Englisch und den drei Hauptsprachen Igbo, Haussa und Yoruba. Verbreitung finden diese Filme auf dem ganzen Kontinent sowie weltweit in der afrikanischen Diaspora.

Die Ausbildung von Fachpersonal für Filmarchivierung und Filmkultur habe in Nigeria eine doppelte Funktion, erklärt Prof. Sonia Campanini: „Es geht um die Etablierung einer Politik und Praxis der Erhaltung des nationalen Filmerbes, zugleich aber auch darum, dieses Erbe in und jenseits von Nigeria zugänglicher und bekannter zu machen.“ Derzeit ist die nigerianische Filmindustrie zwar auf Neuheit fixiert und produziert mehrere neue Filme pro Woche, wird in absehbarer Zeit aber – ähnlich wie die US-Filmindustrie – auch von der längerfristigen Auswertung von beliebten älteren Filmen leben.

Der Studiengang stellt das Know-how und die personellen Ressourcen bereit, die für diesen Übergang erforderlich sind. Für Ellen Harrington, Direktorin des Deutschen Filminstituts, fügt sich die Partnerschaft mit Jos ideal ein in das internationale Profil ihrer Institution: „Der professionelle Austausch mit Partnern in der ganzen Welt gehört fest zum Programm unseres Hauses. Afrika ist ein ungeheuer vielfältiger und produktiver Film-Kontinent, das sehen wir jedes Jahr bei unserem Filmfestival „Africa Alive“ in Frankfurt. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen in Nigeria und auf die wertvollen Impulse und neuen Einsichten, die sich daraus ergeben werden.“

Die Goethe-Universität wird gemeinsam mit dem Deutschen Filminstitut beim Aufbau des Studiengangs eng mit dem National Film Institute und der University of Jos kooperieren. Die Aufbauarbeit ist auf vier Jahre angelegt und umfasst Fellowships für Lehrende aus Jos, die an der Goethe-Universität und am Deutschen Filminstitut sowie bei „Arsenal – Institut für Film und Videokunst“ (Berlin) die Arbeitsweisen im bestehenden Studiengang studieren können, sowie einen intensiven Austausch: Lehrende der Goethe-Universität und Fachleute des Deutschen Filminstituts werden im Co-Teaching mit Lehrenden in Jos die verschiedenen Module des Studiengangs entwickeln und umsetzen. Finanziert wird die Aufbauarbeit vom DAAD im Rahmen des Programms Transnationale Bildung.

Für die Goethe-Universität bestätigt diese Förderung ihr internationales Profil im Bereich Afrikaforschung, von dem auch das in Frankfurt angesiedelte Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung zeugt. Mit der Kooperation mit der University of Jos und der Nigerian Film Corporation baut die Goethe-Universität ihren Schwerpunkt im Bereich Westafrika/Subsahara-Afrika weiter aus, dem in der Außenpolitik der aktuellen Bundesregierung ein besonderes Augenmerk gilt.

Für Dr. Chidia Maduekwe, den Managing Director der Nigerian Film Corporation, ist die Förderentscheidung des DAAD eine eindrucksvolle Bestätigung der bereits bestehenden bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Nigeria. „Mit dem TNB Archival Studies Master-Programm wollen wir ein nachhaltiges und robustes Ausbildungsprogramm auf dem Postgraduate-Level aufbauen“, so Dr. Maduekwe. „Das Ziel ist es, mit hervorragend ausgebildeten Fachkräften die aktuellen und künftigen Herausforderungen anzugehen, die sich im Bereich Archivmanagement und Forschung zum Filmerbe in Nigeria und Afrika stellen.“

Das „Arsenal – Institut für Film und Videokunst“ hat mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes zuvor am Filmarchiv in Jos die technischen Voraussetzungen geschaffen sowie den nigerianischen Spielfilm SHAIHU UMAR (Adamu Halilu, 1976) restauriert und zur Wiederaufführung gebracht. „Wir freuen uns, dass unsere enge Zusammenarbeit mit der Nigerian Film Corporation und dem Masterstudiengang Filmkultur nun in dieser Form langfristig Früchte tragen kann“, so die Co-Direktorin des Arsenal, Stefanie Schulte Strathaus. „Die Kooperation mit den nigerianischen Partnern, die 2015 durch Didi Cheeka, den Begründer der Lagos Film Society, initiiert worden war, hat ‚Arsenal‘ nachhaltig geprägt, und wir wünschen der Frankfurter Filmwissenschaft eine ebenso inspirierende Zusammenarbeit.“

Entstanden ist die Kooperation zwischen der Goethe-Universität und den nigerianischen Partnern im Rahmen des Projekts „Archive außer sich“, das vom „Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V.“ gemeinsam mit dem Haus der Kulturen der Welt durchgeführt wird und als langfristige kollaborative Serie von Forschungs-, Veranstaltungs- und Ausstellungsprojekten zum filmkulturellen Erbe und seinen Archiven angelegt ist. Die Frankfurter Filmwissenschaft ist einer der Partner dieses Projekts und war unter anderem an der Veranstaltung einer Tagung zu Fragen des Filmerbes in Jos im Oktober 2017 beteiligt.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/73510532

Informationen: Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Fachbereich 9, Campus Westend, Junior-Prof. Dr. Sonia Campanini, Telefon 069 798-33278,  Campanini@tfm.uni-frankfurt.de, Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Telefon 069 798-32079, 0151 644 188 35 hediger@tfm.uni-frankfurt.de, Dr. Ines Bayer, Delegierte für Universitätsprojekte, Deutsches Filminstitut, bayer@deutsches-filminstitut.de; Stefanie Schulte Strathaus, Ko-Direktorin, Arsenal Institut für Film und Videokunst Berlin, stss@arsenal-berlin.de; Dr. Chidia Maduekwe, Managing Director, Nigerian Film Corporation, mdnigerianfilms@gmail.com; Didi Cheeka, Direktor, Lagos Film Society, didicheeka@yahoo.com

 

Aug 29 2018
14:54

Vom 4. bis 7. September öffnet die Goethe-Uni ihren größten Hörsaal wieder für wissbegierige Kinder

16. Frankfurter Kinder-Uni: Von Dinosauriern und Gladiatorenkämpfen

FRANKFURT. In der Woche vom 4. bis 7. September lädt die Goethe-Universität Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren wieder zur Kinder-Uni auf dem Campus Westend ein. Jeden Tag erklärt ein anderer Wissenschaftler sein Forschungsgebiet auf anschauliche und unterhaltsame Weise. Ziel ist es, auf Wissenschaft neugierig zu machen und Kindern einen Eindruck vom Uni-Leben zu vermitteln.

Das Programm
Zum Auftakt der Kinder-Uni am Dienstag (4. September) um 9 Uhr erklärt der Sportsoziologe Prof. Robert Gugutzer in seiner Vorlesung „Auf den Thron gekickt“ wie der Fußball in Deutschland zu so einem beliebten Sport wurde und warum „König Fußball“ bis heute so unangefochten auf seinem Thron sitzt.

Ein Tipp für Dino-Expertinnen und Experten ist die Vorlesung von Dr. Bernd Herkner vom Senckenberg-Museum am Mittwoch (5. September). Es geht darum, wie die Riesen der Urzeit so groß werden konnten und was das für Schwierigkeiten mit sich brachte – zum Beispiel, wenn ein schwerer Kopf auf einem langen Hals sitzt. Die Museumspädagogik des Senckenberg-Museums wird am Nachmittag vor und nach der Vorlesung mit einem Experimentiertisch vertreten sein.

Am Donnerstag (6. September) nimmt die Pilzforscherin Prof. Maike Piepenbring die Kinder mit auf eine Fantasiereise nach Hogwarts. Als echter Harry Potter-Fan schlüpft sie in die Rolle der Lehrerin für „magische Pilzkunde“. Was sie über Pilze wie den Hexenring verrät, ist aber keineswegs erfunden.

Um die große Zeit der Römer geht es am Freitag (7. September) in der Vorlesung der Archäologin Prof. Anja Klöckner. Sie entführt ihre jungen Zuhörerinnen und Zuhörer in eine antike Arena. Wie die Kämpfe im heißen Sand abgelaufen sind, stellt die Archäologin mit ihrem studentischen Team originalgetreu nach.

Erstmals in diesem Jahr werden Vertreter des Mathematikums aus Gießen im Foyer des Hörsaalgebäudes mathematische Experimente für Kinder anbieten.

Organisation 
Die Organisatorinnen rechnen in diesem Jahr mit mehr als 10.500 Kindern. Die beiden Vormittagsvorlesungen (jeweils 9 Uhr und 11:30 Uhr) sind für Schulklassen reserviert und komplett ausgebucht: Mehr als 380 Klassen aus dem gesamten südhessischen Raum werden an den acht Vormittagsvorlesungen teilnehmen, weitere 250 Klassen konnten leider nicht berücksichtigt werden.

Nachmittags um 16 Uhr sind alle Kinder von 8 bis 12 Jahren in Begleitung Erwachsener ohne Anmeldung eingeladen. Für Kinder, die keine Möglichkeit haben, die Kinder-Uni zu besuchen, gibt es einen Live-Stream (http://live.uni-frankfurt.de). Die Aufzeichnungen können auch im Nachhinein im Internet angeschaut werden, dort finden sich auch Mitschnitte aller Kinder-Uni-Vorlesungen seit 2011 (http://www.rz.uni-frankfurt.de/68128012/Kinderuni).

Nach beiden Vorlesungen können die Schülerinnen und Schüler sich in der Mensa, den Cafeterien des Studentenwerks oder im Café-Bistro „Sturm und Drang“ im Erdgeschoss des Hörsaalgebäudes stärken. In den Betrieben des Studentenwerks bekommen sie gegen Vorlage ihres „Studentenausweises“ für 3 Euro ein Kinder-Menü oder einen Snack und ein Getränk.

Auch in diesem Jahr gibt es zu jeder Vorlesung ein Quiz. Unter den Teilnehmern, die das Richtige angekreuzt haben, werden Buchpreise und andere tolle Gewinne verlost. Auf der Homepage der Kinder-Uni (www.kinderuni.uni-frankfurt.de) sind die Quizfragen und später die richtigen Antworten einsehbar. Besonders eifrige Besucher der Kinder-Uni, die an mindestens drei Vorlesungen teilgenommen haben, können bei einer weiteren Verlosung mitmachen. Zu gewinnen sind Sach- und Hörbücher, verschiedene Freikarten sowie Kinder-Uni-T-Shirts.

Die Frankfurter Dr. Marschner Stiftung unterstützt die Frankfurter Kinder-Uni seit 2015. „Ich bin davon begeistert, dass es bei der Kinder-Uni gelingt, Frankfurter Schülerinnen und Schülern aller Bildungsschichten einen ersten Kontakt mit der Universität zu ermöglichen“, so Peter Gatzemeier, Vorstand der Dr. Marschner Stiftung.

Medienpartner der Frankfurter Kinder-Uni sind auch in diesem Jahr die Frankfurter Rundschau, die täglich über die Veranstaltungen berichten wird, und das Magazin GEOlino, das redaktionell auf die Kinder-Uni aufmerksam macht.

Das Kinder-Uni-Logo finden Sie zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/68282161.

Informationen: Dr. Anke Sauter und Dr. Anne Hardy, Referentinnen für Wissenschaftskommunikation, Campus Westend, Tel: (069) 798-13066 und 798- 12498; kinderuni@vdv.uni-frankfurt.de 
www.kinderuni.uni-frankfurt.de

 

Aug 27 2018
14:32

Studienpreis der Körber Stiftung für Vergleich der Armutsentwicklung in der Bundesrepublik und im Vereinigten Königreich

Beispielhaftes Großbritannien?

FRANKFURT. In Deutschland ist das Armutsrisiko seit den 1990er-Jahren gestiegen, in Großbritannien gesunken. Den möglichen Gründen dafür ist der Frankfurter Soziologe Jan Brülle in seiner Dissertation nachgegangen – mit einem aufschlussreichen Ergebnis.

Was ist Armut überhaupt? In der Armutsforschung spricht man von „relativer Einkommensarmut“: Wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens in einem Land zur Verfügung hat, ist von Armut bedroht. Er kann sich seltener eine warme Mahlzeit leisten, die Kinder können nicht zu jedem Kindergeburtstag, weil das Geld für ein Geschenk fehlt: Für den Einzelnen ist Armut eine schwere Belastung seiner Lebenssituation. Wie sich Armut aber in einer Gesellschaft entwickelt, das sagt viel aus über deren Verfasstheit und den Wandel, der in dieser Gesellschaft gerade stattfindet. Ein Staat, der allen Mitgliedern ein Mindestmaß an ökonomischer, sozialer und kultureller Teilhabe zugestehen will, muss diese Entwicklung im Auge behalten.

Warum ist das Armutsrisiko in Deutschland seit 1992 kontinuierlich angestiegen, und wie ist die Armut strukturiert? Dieser Ausgangsfrage ist Jan Brülle in seiner Dissertation nachgegangen. Eine für viele naheliegende Hypothese: Es liegt am Rückbau des Wohlfahrtsstaates insbesondere durch die Hartz-Reformen. „Meine Untersuchung hat aber gezeigt: Vor allem der Arbeitsmarkt und die veränderten Familienstrukturen spielen eine Rolle. Danach erst kommen die Veränderungen beim Wohlfahrtsstaat“, erklärt Brülle.

Für seine Studie hat der heute 33-Jährige Datensätze analysiert, die der wissenschaftlichen Forschung vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin zur Verfügung gestellt wurden, das Sozioökonomische Panel (SOEP). So konnte er die Daten von rund 12.000 deutschen Haushalten in seine Untersuchung einbeziehen. Auf britischer Seite nahm er das British Household Panel (BHPS) als Grundlage. Beide Datensätze erlauben, die Situation der Haushalte über mehrere Jahre zu verfolgen.

Sind dieselben Personen von Jahr zu Jahr immer noch arm, oder können sie sich aus der Armut befreien? Wie sieht die Entwicklung hinsichtlich verschiedener Bildungsabschlüsse und Berufsklassen aus? Diese Fragen richtete Brülle sowohl an die Daten aus Deutschland als auch an die aus dem britischen Vergleichspanel. Dabei hat sich gezeigt: In Deutschland wird Armut über den untersuchten Zeitraum immer häufiger, länger und ungleicher verteilt. Je niedriger der Bildungsabschluss, desto stärker ist das Armutsrisiko angestiegen. Auch Arbeiter sind stärker von Armut gefährdet als Angestellte in höheren Positionen. Die Ursachen für diese Entwicklungen zu kennen, das ist nach Brülle die Voraussetzung, um die richtigen politischen Maßnahmen zu ergreifen, die gegen Armut helfen.

In Großbritannien, wo mehr Menschen von Armut betroffen waren als in Deutschland, lässt sich eine umgekehrte Entwicklung beobachten: Gezielte soziale Transfers konnten hier auch hohe Ungleichheiten beim Einkommen entschärfen. Menschen mit geringfügigem Arbeitseinkommen bekommen auch in Deutschland vom Staat etwas hinzu, also so genannte „Aufstocker“. In Großbritannien sei man jedoch großzügiger bei den „Working Tax Credits“, was die Situation der Menschen tatsächlich verbessere, sagt Jan Brülle. Insbesondere wenn Kinder im Haushalt leben, gebe es zusätzliche Zahlungen. In Deutschland sei jedoch klar zu beobachten, dass sich die Situation für ohnehin prekär lebende Personen verfestige, während die Sozialversicherung höhere Einkommen auch bei Arbeitslosigkeit besser absichere als in Großbritannien.

Ursache für das steigende Armutsrisiko ist nach den Erkenntnissen von Jan Brülle vor allem die Polarisierung des Arbeitsmarktes: Immer mehr Menschen können von ihrem Arbeitseinkommen nicht mehr leben. Hinzu kommt, dass es immer mehr Singlehaushalte gibt, das heißt: Immer weniger Personen mit geringen Einkünften können auf die Ressourcen anderer Haushaltsmitglieder zurückgreifen. Und die Reformen beim Wohlfahrtsstaat (Stichwort Hartz IV) haben diese Situation noch verschärft. Das Beispiel Großbritannien zeigt jedoch: Es gibt staatlicherseits durchaus Möglichkeiten, die Entwicklung zum Besseren zu wenden.

Eine ausführliche Zusammenfassung seiner Arbeit hat Jan Brülle für den Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung verfasst. Der Beitrag wurde mit dem mit 5000 Euro dotierten zweiten Preis ausgezeichnet und ist vom 27. August an online auf den Seiten der Stiftung verfügbar. Der Preis wird alljährlich für die neun relevantesten Dissertationen vergeben.

Publikation: unter https://www.koerber-stiftung.de/deutscher-studienpreis/preistraeger/2018

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/73491583

Informationen: Dr. Jan Brülle, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Institut für Soziologie, Theodor-W.-Adorno-Platz 6, Campus Westend, Telefon 069 798-36629, E-Mail bruelle@soz.uni-frankfurt.de

 

Aug 22 2018
12:31

Neue „Science“-Veröffentlichung zur neurovaskulare Kommunikation im Gehirn

Bisher unbekannte Funktion von Blutgefäßen im Gehirn entdeckt

FRANKFURT. Die Funktion und Homöostase (Selbstregulierung) des Gehirns hängt von der Kommunikation innerhalb des komplexen Zellnetzwerks ab, das dieses Organ ausmacht. Dementsprechend muss die Entwicklung der verschiedenen Zellengruppen im Gehirn räumlich und zeitlich koordiniert werden. Die Gruppe um Prof. Dr. Amparo Acker-Palmer vom Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften und dem Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaften der Goethe-Universität berichtet in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift „Science“ über eine bisher unbekannte Funktion von Blutgefäßen bei der Orchestrierung der korrekten Entwicklung von neuronalen Zellnetzwerken im Gehirn.

Dass das Blutgefäßsystem im Gehirn notwendig ist, um Neuronen und Gliazellen (Zellen im Nervengewebe, die sich strukturell und funktionell von den Nervenzellen unterscheiden) mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen, um den Stoffwechsel der neuronalen Netzwerke zu unterstützen, ist bekannt. „Wir wissen seit einigen Jahren, dass das Gefäß- und Nervensystem einen sehr ähnlichen Bausatz verwenden, um sich zu entwickeln und zu funktionieren. Daher sind wir davon ausgegangen, dass solch ein gemeinsamer Bausatz auch dafür verwendet werden könnte, dass sich beide Systeme synchron entwickeln und miteinander kommunizieren, um so eine korrekte Hirnfunktion zu gewährleisteten“, erklärt Acker-Palmer.

Um die Kommunikation zwischen Blutgefäßen und neuronalen Zellen zu untersuchen, hat die Gruppe um Acker-Palmer verschiedene Aspekte der neurovaskulären Entwicklung in den Blick genommen. Die Gefäßentwicklung in der Mäusenetzhaut nutzten die Wissenschaftler dafür als bewährtes Modell, um für das Gefäßwachstum wichtige Moleküle zu untersuchen. Dabei haben sie entdeckt, dass ein Molekül, Reelin, das die neuronale Migration beeinflusst, unabhängig davon auch in der Lage ist, mit einem sehr ähnlichen Signalmechanismus das Wachstum von Gefäßen zu beeinflussen, indem es den ApoER2-Rezeptor und das Dab1-Protein in Endothelzellen aktiviert.

Eine sehr wichtige Struktur im Gehirn ist die Großhirnrinde, die eine Schlüsselrolle bei sämtlichen Grundfunktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Sprache und Bewusstsein spielt. Neuronale Zellen in der Großhirnrinde sind in Schichten organisiert, die sich während der embryonalen Entwicklung bilden. „Wir haben uns dafür entschieden, ausschließlich die Signalkaskade von Reelin aus den Endothelzellen zu eliminieren und dann zu schauen, wie das die Organisation von Neuronen und Gliazellen in der Großhirnrinde beeinflusst“, erklärt Acker-Palmer. Auf diese Weise kamen die Wissenschaftler auf die erstaunliche Erkenntnis, dass Endothelzellen die Neuronen zu ihrer korrekten Position in der Großhirnrinde anleiten. Als Wirkmechanismus konnten die Wissenschaftler zeigen, dass Endothelzellen Laminin sekretieren, das in der extrazellulären Matrix um die Gefäße angesammelt wird, um die Fasern der Gliazellen richtig zu verankern, die für die korrekte neuronale Migration und korrekte Entwicklung der Großhirnrinde notwendig sind.

Im reifen Gehirn umwickeln Gliazellen auch die Kapillargefäße und verhindern, dass schädliche Substanzen aus dem Blutstrom in das Gehirn eindringen können. Diese sogenannte „Blut-Hirn-Schranke“ ist eine wesentliche Struktur, die im Gehirn entwickelt wird, um die Homöostase (Selbstregulierung) aufrechtzuhalten. Bedeutsam ist, dass Acker-Palmer und ihr Team darüber hinaus gezeigt haben, dass die gleichen Signalkaskaden, die Endothelzellen in der Großhirnrinde benutzen, um neuronale Migration zu orchestrieren, auch dafür benutzt werden, die Kommunikation an der Blut-Hirn-Schranke herzustellen. „Einige neuropsychiatrische und neurodegenerative Störungen sind mit einer abnormalen neurovaskulären Kommunikation in Verbindung gebracht worden. Von daher ist es wesentlich, die Signalwege und Mechanismen in dieser Kommunikation zu verstehen, um neue Ansätze für die Behandlung von Demenz und psychische Erkrankungen zu finden“, so die Frankfurter Professorin.

Publikation: Endothelial Dab1 signaling orchestrates neuro-glia-vessel communication in the central nervous system DOI: 10.1126/science.aao2861 Segarra et al., Science 361, eaao2861 (2018).

Bild zum Herunterladen: www.uni-frankfurt.de/73456362

Bildunterschrift: Blood vessels in red in close communication with proliferating neuronal cells in the mouse cortex at embryonic day 10 (Photo: Cecilia Llao-Cid).

Information:  Prof. Amparo Acker-Palmer, Institute of Cellular Biology and Neuroscience, Buchmann Institute of Molecular Life Sciences, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42563, Acker-Palmer@bio.uni-frankfurt.de.

 

Aug 17 2018
11:27

Seltenes Werk über die Lebensweise der Ureinwohner Nordamerikas aus dem Jahre 1855 wurde für die Sammlung Deutscher Drucke erworben

„Indianer in Nordamerika“: Frankfurter Universitätsbibliothek erwirbt bedeutenden Titel

FRANKFURT. Der wertvolle Titel „Indianer in Nordamerika“ von Franz Pierz konnte dank der großzügigen Unterstützung der „Freunde der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main e.V“ für das Langfristvorhaben Sammlung Deutscher Drucke (SDD) erworben werden und ist nun auch als Digitalisat zugänglich. Franz Pierzꞌ Buch über die „Indianer in Nordamerika. Ihre Lebensweise, Sitten, Gebräuche“, erschien 1855 bei Franz Saler & Company in St. Louis (Missouri). Das sehr seltene Werk, eines der frühesten in deutscher Sprache geschriebenen Werke über die Ureinwohner Nordamerikas, ist ansonsten innerhalb Deutschlands, Österreichs und der Schweiz nur in der Erzbischöflichen Bibliothek Paderborn vorhanden.

Die national bedeutsame Sammlung Deutscher Drucke (SDD) wurde 1989 von fünf großen deutschen Bibliotheken, darunter die Universitätsbibliothek Frankfurt, mit der Absicht gegründet, eine umfassende Sammlung der gedruckten Werke des deutschen Sprach- und Kulturraums aufzubauen und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Im Fokus stehen insbesondere jene Titel, die bislang kaum oder gar nicht in deutschen Bibliotheken verfügbar sind.

Zum Verfasser: Franc Pirc, (deutsch: Franz Pierz, 1785-1880), ein aus Slowenien stammender katholischer Geistlicher, verfasste es nach über zwanzigjähriger Missionstätigkeit in den heutigen USA-Staaten Minnesota und Michigan sowie im kanadischen Ontario. Er wirkte insbesondere im Gebiet um die „Großen Seen“ an der Grenze zu Kanada sehr rege. Von den dort beheimateten Ojibwa-Indianern akzeptiert und wertgeschätzt, breitet er darin nicht nur seine kenntnisreichen Beobachtungen indianischer Lebensgewohnheiten aus; er resümiert zudem seine amerikanischen Lebenserfahrungen, vergleicht die Missionsarbeit beider christlichen Konfessionen und versucht in einem Anhang, Werbung für die Besiedlung von Minnesota zu machen. Daher passt dieses schmale Bändchen sehr gut zur Ratgeberliteratur für USA-Auswanderer, die gerade im 19. Jahrhundert populär war und bereits mit mehreren Titeln im Frankfurter Bibliotheksbestand vertreten ist. Nicht minder schillernd wie der Autor ist im Übrigen sein Verleger, der Bauunternehmer und Selfmademan Franz Saler (1808-1893), ein abenteuerlustiger Amerikaauswanderer aus dem Montafon, der nicht nur die Stadt St. Louis wesentlich mit seinen Bauten prägte, sondern in dieser Stadt erfolgreich eine Buchhandlung und Druckerei betrieb.

Das Werk „Indianer in Nordamerika. Ihre Lebensweise, Sitten, Gebräuche“ ist im Rahmen der Digitalen Sammlungen der UB auch online verfügbar unter: http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/urn/urn:nbn:de:hebis:30:4-132654

Weitere Informationen: Dr. Volker Michel, Fachreferent für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Germanistik und Sammlung Deutscher Drucke 1801-1870, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Tel. (069) 798 39786, v.michel@ub.uni-frankfurt.de

Kontakt für Pressefragen allgemein: Bernhard Wirth, Stabsstelle Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit der Bibliothek, Tel. +49 (69) 798 39223; Mail: pr-team@ub.uni-frankfurt.de

 

Aug 13 2018
12:52

Sozialpsychologische Studie belegt: Das Aufwachsen in einer sozialen Klasse ist prägend für das spätere Auftreten, noch mehr aber die Kommunikationssituation

Das Gegenüber entscheidet, wie ich mich verhalte

FRANKFURT. Sind Menschen mit mehr Geld und Bildung dominanter und weniger warmherzig? Eine sozialpsychologische Studie an der Goethe-Universität hinterfragt Stereotypen.

Wie wird unser Verhalten durch unsere soziale Klasse beeinflusst? Diese Frage beschäftigt die Soziologie schon seit jeher. Je nachdem, ob Menschen in einem Arbeitermilieu aufwachsen oder in einem Akademikerhaushalt, übernehmen sie für diese Schicht charakteristische Verhaltensweisen, so die Hypothese. Die Frankfurter Sozialpsychologin Dr. Anna Lisa Aydin hat neue Belege für diese Hypothese gefunden. Ihre gemeinsam mit Forschenden aus Zürich, Hagen, Idaho und Tel Aviv erarbeitete Studie, die im Fachmagazin Social Psychological and Personality Science erschienen ist, zeigt jedoch auch, dass Menschen nicht nur stur ihr klassenspezifisches Verhalten zeigen, sondern flexibel auf ihr Gegenüber aus anderen sozialen Klassen reagieren.

Ein Großteil der Forschung zum Einfluss sozialer Klasse beruht auf den Ideen des Soziologen Pierre Bourdieus. Er beschreibt, wie sich das Umfeld, in dem wir aufwachsen, tief in unsere Identität einschreibt. Sozialpsychologische Autoren argumentieren, dass Menschen aus einer niedrigeren sozialen Klasse über weniger Ressourcen verfügen und ihre Umwelt in geringerem Maße beeinflussen können. Sie seien somit stärker auf gegenseitige Hilfe angewiesen, was dazu führe, dass Zusammenhalt ein wichtiger Wert sei. Die Menschen identifizierten sich mit diesem Wert und verhielten sich dementsprechend kooperativ. Menschen aus einer höheren sozialen Klasse hingegen verfügten über mehr Ressourcen, sie könnten zwischen mehreren Alternativen entscheiden und seien weniger auf gegenseitige Hilfe angewiesen. Dies resultiere in individualistischeren Selbstkonzepten, bei denen es zentral sei, seine Umwelt nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Die unterschiedlichen Verhaltensweisen stellen somit eine Anpassungsleistung an das jeweiliges Lebensumfeld dar.

Diese Theorie ließ sich in den vorliegenden Studien zum Teil stützen. Insgesamt wurden mehr als 2000 Personen in Deutschland befragt. So war den Befragten, die sich einer niedrigeren sozialen Klasse zugehörig fühlten, ein warmherziger und kooperativer Umgang mit anderen Menschen aus ihrer sozialen Klasse wichtiger als jenen, die sich einer höheren sozialen Klasse zugehörig fühlten. Darüber hinaus legten diejenigen, die mehr verdienten und besser gebildet waren, mehr Wert darauf, im Kontakt mit anderen ihre Kompetenz zu zeigen und dominant aufzutreten als die Angehörigen der Gruppe mit geringerem Verdienst und weniger guter Ausbildung.

Die Befürchtung der Autoren: Derartige Verhaltensunterschiede könnten zu einer weiteren Zunahme sozialer Ungleichheit in Deutschland führen. Denn wer dominanter auftritt, hat bessere Chancen auf sozialen Aufstieg. Die beobachteten Verhaltensunterschiede waren jedoch relativ klein. Deutlich grösser war der Einfluss der sozialen Klasse des Gegenübers. Wie verhalten sich Menschen, wenn sie es mit jemandem aus einer niedrigeren oder höheren Klasse zu tun haben? Die Mehrheit der Befragten bezeichnete die sozialen Unterschiede in Deutschland als nicht bzw. weniger gerechtfertigt. Sie fanden es folglich wichtig, sich gegenüber Menschen mit weniger Geld und Bildung warmherzig und kooperativ zu verhalten. Umgekehrt legten sie Wert darauf, gegenüber Menschen mit mehr Geld und Bildung kompetent zu erscheinen und sich zu behaupten.

Diese Befunde sind insbesondere vor dem Hintergrund relevant, dass die soziale Ungleichheit in Deutschland und vielen anderen Teilen der Welt zunimmt, obwohl sie von den meisten Menschen als ungerechtfertigt wahrgenommen wird. Während die auf soziologischen Theorien basierende Forschung erklären kann, wie sich diese Ungleichheit durch die Prägung in den unterschiedlichen sozialen Klassen noch verstärken kann, bietet die aktuelle Studie einen etwas optimistischeren Ausblick: Sobald es nämlich zum Austausch zwischen Personen unterschiedlicher Klassen kommt und die Klassenunterschiede als illegitim empfunden werden, zeigt sich Solidarität gegenüber Armen und ein Selbstbehauptungswille gegenüber Reichen.

Publikation: Aydin, A. L., Ullrich, J., Siem, B., Locke, K. D., & Shnabel, N. (in press). The effect of social class on agency and communion: Reconciling rank-based and identity-based perspectives. Manuscript accepted for publication in Social Psychological and Personality Science. http://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1177/1948550618785162
https://psyarxiv.com/waz8e/

Informationen: Dr. Anna Lisa Aydin, Institut für Psychologie, Theodor-W.-Adorno-Platz 6, PEG, 5.G030, Telefon ++49(0)69 798 35287, E-Mail Aydin@psych.uni-frankfurt.de

 

Aug 7 2018
13:50

Klimaforscher Joachim Curtius von der Goethe-Universität über die zum Teil menschengemachten Effekte dieses Jahrhundertsommers und die Aussichten für die Zukunft

Extreme Hitzeereignisse werden zunehmen

FRANKFURT. Angesichts der extremen Dürre dieses Sommers in Deutschland und anderen Ländern der Nordhalbkugel fragen sich vielen Menschen, ob diese Phänomene bereits Auswirkung des menschengemachten Klimawandels sind und mit welchen Extremwetter-Ereignissen in Zukunft noch zu rechnen ist. Joachim Curtius, Professor für experimentelle Erforschung der Atmosphäre an der Goethe-Universität, beschäftigt sich u.a. mit dem Thema Wolkenbildung.

„Solche extremen Bedingungen könnten ab der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts sogar jedes 2. oder 3. Jahr auftreten, weil sich einerseits die Häufigkeitsverteilung als Ganzes hin zu wärmeren Temperaturen verschiebt, aber auch weil sich die Breite der Verteilung vergrößert und damit die extremen Hitzeereignisse noch zusätzlich zunehmen“, warnt Curtius.

Für Curtius und die meisten seiner Forschungskollegen steht außerdem fest, dass menschengemachte Auswirkungen einen wesentlichen Effekt auf das gegenwärtige Klima haben. „Die Situation ist bei uns ähnlich wie im Sommer 2003, der für West- und Mitteleuropa bereits als Jahrhundert- oder gar Jahrtausendsommer galt. Und bereits nach 2003 haben die Klimaforscher darauf hingewiesen, dass solche Sommer im vom Menschen beeinflussten Klima deutlich häufiger auftreten würden und dadurch immer neue Höchstwerte zu erwarten seien“, erklärt Curtius.

Inzwischen mache die Forschung auch Fortschritte darin, die natürlichen von den vom Menschen verursachten Effekten zu separieren, so Curtius: „In der Klimaforschung zu den Extremwetterereignissen gibt es die neue Forschungsrichtung der "attribution science", die in den vergangenen Jahren riesige Fortschritte gemacht hat. Sie erlaubt es inzwischen, dass wir in Modellrechnungen vergleichen können, wie wahrscheinlich ein bestimmtes Wetterextrem in einer Region ist, einerseits im aktuellen, vom Menschen veränderten Klima und andererseits in einem Klima ohne zusätzliche Treibhausgase.“

Der renommierte Atmosphärenforscher sorgt sich jedoch nicht nur um die zunehmende Erderwärmung, sondern auch die Folgen auf die heimische Pflanzenwelt: An einzelne Trocken- oder Hitzeperioden seien die meisten Pflanzen bei uns durchaus angepasst und erholten sich längerfristig wieder. „Aber eine deutliche Häufung solcher Extremereignisse führt sicherlich auch zu dauerhaften Schäden bei vielen heimischen Pflanzenarten. Es gibt bereits umfassende Untersuchungen, welche Baumarten angepflanzt werden sollen, damit die Wälder bei uns auch in Zukunft mit längeren Phasen von Trockenstress und abnehmender Bodenfeuchte im Sommer zurechtkommen.“ Jedoch sei die Abschätzung, welche Pflanzen nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig für einen Standort passend seien, sehr schwer, „weil sehr viele weitere Faktoren eine Rolle spielen und die Bäume ja für Jahrzehnte bis Jahrhunderte mit ihrem Standort klarkommen müssen. In dieser Zeit können sich die Bedingungen stark verändern. Die Einzelheiten solcher Entwicklungen können wir nicht vorhersehen.“ 

Das ganze Interview mit Joachim Curtius lesen Sie im Webmagazin der Goethe-Universität unter https://aktuelles.uni-frankfurt.de/gesellschaft/extreme-hitzeereignisse-werden-zunehmen-interview-mit-klimaforscher-joachim-curtius/

Ein Foto von Prof. Curtius zum Download finden Sie unter www.uni-frankfurt.de/73235820; Foto: Goethe-Universität / Uwe Dettmar

 

Aug 2 2018
09:39

Nächster Termin der „Goethe Lectures Offenbach“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Stadt Offenbach am 15. August 2018 im Klingspor Museum

Vortrag über die Krise der liberalen Weltordnung

FRANKFURT/OFFENBACH. Lange Zeit wurde die liberale internationale Ordnung von aufstrebenden autoritären Mächten wie China, Indien und Russland in Frage gestellt. Mittlerweile scheint die Weltordnung westlicher Prägung auch zunehmend von innen unter Druck zu geraten, von Staaten, die sich einst für die Ideen des internationalen Liberalismus eingesetzt haben: für internationale Institutionen, Freihandel, Menschenrechte und Demokratie. Diesem fast schon paradoxen, auf jeden Fall komplexen globalen Gefüge widmet sich Christopher Daase in der kommenden „Goethe Lecture Offenbach“. Der Politikprofessor spricht zum Thema

„Die Krise der liberalen Weltordnung“
am Mittwoch, dem 15. August 2018, um 19.00 Uhr
im Klingspor Museum, Herrnstraße 80, 63065 Offenbach am Main.

Die Stichworte reichen von Trump, über den Brexit bis zu nationalistischen und populistischen Bewegungen in Europa. Die Krise der liberalen Weltordnung scheint in hohem Maße eine Krise der liberalen Staatengemeinschaft zu sein. Insofern könnte man sie – zumindest auch – als „homemade“ bezeichnen. Doch im manchen Hinsichten erscheint vor allem Trump nicht als Ursache, sondern eher als Symptom einer Entwicklung, die schon seit einigen Jahren im Gange ist und sich insbesondere in einer Abkehr vom Multilateralismus manifestiert. Dabei scheint der amerikanische Präsident vorhandene Trends zu radikalisieren. So gilt seine Kündigung des Atomabkommens mit dem Iran vom Mai 2018 als „Frontalangriff gegen die multilaterale Friedens- und Sicherheitsordnung“, wie es in dem jetzt erschienenen „Friedensgutachten 2018“ heißt, einer umfangreichen Studie, an der der Politikwissenschaftler Christopher Daase maßgeblich beteiligt ist.

Prof. Christopher Daase ist Professor für Internationale Organisationen an der Goethe-Universität, Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und Stellvertretender Leiter des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). Die HSFK, eine Partnerinstitution des Frankfurter Exzellenzclusters, gehört zu den Herausgebern des jährlich erscheinenden Friedensgutachtens mit Handlungsempfehlungen an die Politik. Christopher Daase war Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Politik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, bevor er 2009 nach Frankfurt kam. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören neben Internationalen Institutionen und Sicherheitspolitik auch normative Aspekte internationaler Politik und Völkerrecht. Im vergangenen Jahr zählte er zu den Organisatoren der viel beachteten Ringvorlesung „Angriff auf die liberale Weltordnung – U.S. Außen- und Sicherheitspolitik unter Trump“ an der Goethe-Universität. Ein Sammelband ist in Vorbereitung.

Veranstalter des Vortragsabends im Klingspor Museum und auch der Gesamtreihe „Goethe Lectures Offenbach“ sind neben dem Exzellenzcluster die Wirtschaftsförderung der Stadt Offenbach, die einen deutlichen Fokus auf die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft legt, und das Klingspor Museum Offenbach, das sich mit seinen Schwerpunkten Schriftkunst und Typografie auch überregional einen Namen gemacht hat. Ziel der Partnerschaft der Institutionen, der bereits mehrere erfolgreiche Kooperationsprojekte in Offenbach vorausgegangen sind, ist der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Stadtgesellschaft. Im Anschluss an den Vortrag besteht auch dieses Mal die Möglichkeit zur Diskussion. Der Eintritt ist frei.

Informationen:Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de
Ria Baumann, Wirtschaftsförderung Stadt Offenbach, Tel.: 069 80652392, kreativwirtschaft@offenbach.de, www.offenbach.de/wirtschaft

 

Jul 31 2018
09:38

Goethe-Universität publiziert Ergebnisse einer universitätsweiten Studierendenbefragung / 87% mit Studium zufrieden

Widerspricht Regelstudienzeit studentischer Lebenssituation?

FRANKFURT. Starre Regelstudienzeiten scheinen immer weniger der Lebenswirklichkeit vieler Studierender an der Goethe-Universität zu entsprechen. Das ist ein Ergebnis einer umfassenden, repräsentativen Befragung, an der sich insgesamt rund 11.000 Studierende (24%) der Goethe-Universität beteiligten:

Zwei Drittel der an der Goethe-Uni Eingeschriebenen sind neben dem Studium erwerbstätig, sieben Prozent leisten familiäre Fürsorgearbeit – mit z.T. gravierenden Folgen für das Studium: So schätzt fast die Hälfte der Studierenden, dass sie gegenüber der Regelstudienzeit in Verzug ist (45 Prozent). Als häufigster Grund hierfür wird Erwerbstätigkeit neben dem Studium (49 Prozent) genannt. Immerhin 32 Prozent finden es belastend, die richtige Balance zwischen Studium und Erwerbsarbeit zu finden. Zur Sicherung ihres Lebensunterhalts müssen sie in einer teuren Stadt wie Frankfurt neben ihrem Studium durchschnittlich 13 Stunden pro Woche arbeiten. „Wir sollten zusammen mit der Politik überlegen, ob die Studienzeit noch ein sinnvoller Parameter für die Hochschulfinanzierung ist, oder ob man nicht besser auf aussagekräftigere Parameter für ein erfolgreiches Studium umsteigen sollte. Ist es wirklich noch sinnvoll, den Hochschulen Anreize zu setzten, die Studierende zu einem schnellen Studium drängen, wenn das weder zu deren überwiegenden Lebenssituation passt noch der Schlüssel zu einem guten Studienerfolg zu sein scheint?“, sagt Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birigtta Wolff.

Der überwiegende Teil der Studierenden der Goethe-Universität ist mit dem Studium zufrieden (87 Prozent). 90% würden die Goethe-Universität einem befreundeten Studieninteressierten weiterempfehlen. Fast 80% der Studierenden beurteilen Aufbau und Struktur ihres Studienfachs als „sehr gut“, „gut“ (54%) oder „befriedigend“ (25%).

Und noch ein interessantes Ergebnis liefert die Befragung: Der Anteil von Studierenden mit Migrationshintergrund ist in der aktuellen Befragung deutlich höher als vor fünf Jahren bei der ersten Studierendenbefragung (32 Prozent vs. 24 Prozent). Auch im bundesweiten Vergleich ist der Anteil von Studierenden mit Migrationshintergrund an der Goethe-Universität damit größer als an anderen Hochschulen.

Diese und viele weitere Ergebnisse helfen der Goethe-Universität, ihre Studienangebote und studienbegleitenden Dienstleistungen noch zielgruppenorientierter zu gestalten: „Die Qualitätskultur der Goethe-Universität setzt auf einen partizipativen, dialogorientierten Prozess, in dem die studentische Perspektive fest verankert ist. Um anhand der Ergebnisse die Weiterentwicklung von Studium und Lehre gezielt anzustoßen, führen wir in regelmäßigen Abständen universitätsweite Studierendenbefragungen durch“, betont Prof. Roger Erb, Vizepräsident für Studium und Lehre.

Neben den allgemeinen Faktoren eines Studiums und seiner Rahmenbedingungen bewerten die Studierenden auch die konkrete Situation ihres eignen Studiengangs. So nannten sie als studienbezogene Belastungsfaktoren vor allem Prüfungsdruck, Termin- und Zeitdruck sowie überfüllte Lehrveranstaltungen. „Insgesamt liefern die fachspezifischen Ergebnisse zur Studiensituation und Studienbedingungen unmittelbare Anhaltspunkte zur Weiterentwicklung der Studiengänge an der Goethe-Universität“, äußert sich Dr. Martin Lommel, Leiter der Abteilung Lehre und Qualitätssicherung.                                                                     

Die Ergebnisse der Studierendenbefragung bieten einen vielfältigen Einblick in die Lebenswirklichkeit und Studiensituation der Studierenden, ihren soziodemographischen und bildungsbiographischen Hintergrund sowie ihre Einschätzung der Studienbedingungen und Lehrqualität. In der nun veröffentlichten Broschüre sind zentrale Ergebnisse dargestellt. Der Gesamtbericht soll im Laufe des Sommers 2018 veröffentlicht werden. Darüber hinaus erhalten die Fachbereiche der Goethe-Universität fachspezifische Auswertungen. Die Broschüre zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/73041837/20180718_Broschuere-zum-Download.pdf

Informationen: Lena Katharina Opitz, Abteilung Lehre und Qualitätssicherung, Campus Westend, Tel: (069) 798-12457, befragung@uni-frankfurt.de

www.studierendenbefragung.uni-frankfurt.de

 

Jul 30 2018
14:56

ERC Starting Grants für Projekte zu Stressantworten in Mitochondrien und jüdische Übersetzungen

3 Millionen Euro für Nachwuchsforscher der Goethe-Universität

FRANKFURT. Erneut ist es Forschern an der Goethe-Universität gelungen, sich im Wettbewerb um die prestigeträchtigen Förderpreise des Europäischen Forschungsrates (ERC) zu behaupten: Dr. Christian Münch vom Institut für Biochemie II im Fachbereich Medizin und Dr. Iris Idelson-Shein vom Seminar für Judaistik und Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie erhalten jeweils einen „ERC Starting Grant“. Mit diesem Programm fördert der Europäische Forschungsrat exzellente Wissenschaftler in den ersten fünf Jahren ihrer Karriere mit insgesamt 1,5 Millionen Euro.

Dr. Christian Münch ist Biochemiker und beschäftigt sich mit den Energielieferanten unserer Zellen, den Mitochondrien. Bis zu 2.000 dieser kleinen Kraftwerke gibt es in jeder Körperzelle. Sie unterliegen einer strengen Qualitätskontrolle, um eine fehlerfreie Funktion zu gewährleisten. Christian Münch interessiert sich insbesondere für einen Mechanismus, der bei falscher Faltung von Proteinen in Mitochondrien angeschaltet wird: die sogenannte „ungefaltete Proteinantwort“. Die molekularen Details dieser Stressantwort werden besonders bei Menschen bislang nur wenig verstanden; welchen Effekt sie z.B. auf die Mitochondrien selbst, auf andere Bereiche einer Zelle oder benachbarte Zellen hat. Ebenso wenig ist bekannt, welche Signale die Stressantwort auslösen und wie diese reguliert wird. Diese offenen Fragen will Christian Münch verfolgen.

Das nun durch den Europäischen Forschungsrat geförderte Projekt ist auch biomedizinisch hoch relevant. „Bei zahlreichen Erkrankungen, darunter so schwerwiegenden wie Krebs oder Neurodegeneration, ist die Funktion der Mitochondrien gestört. In einigen Fällen sind falsch gefaltete mitochondriale Proteine direkt verantwortlich für das Krankheitsbild“, erklärt Christian Münch. Besonders spannend findet der Nachwuchsforscher die Frage, wie eine bereits gestresste Zelle mit ihrer Umgebung kommuniziert. „Ich bin überzeugt, dass es übergeordnete Systeme gibt, die die verschiedenen Qualitätskontroll-Mechanismen koordinieren und benachbarte Zellen vor einer drohenden Gefahr warnen.“ Er hofft, mit seinem ERC-Projekt hier bahnbrechende neue Erkenntnisse gewinnen zu können.

Christian Münch leitet seit Dezember 2016 eine Emmy-Noether-Forschungsgruppe am Institut für Biochemie II am Fachbereich Medizin der Goethe-Universität, zuvor war er als Postdoktorand an der Harvard-Universität in Boston (USA), seine Promotion absolvierte er 2011 an der Universität von Cambridge in England.

Prägende Übersetzungen im jüdischen Gewand

Im Projekt der Historikerin Dr. Iris Idelson-Shein geht es um jüdische Texte, die vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert als Übersetzungen aus anderen Sprachen entstanden sind. Sie trugen wesentlich dazu bei, das Leben, die Kultur, Literatur und Geschichte der Juden in der frühen Neuzeit zu prägen. Denn die meisten Juden in Europa konnten Texte in nicht-jüdischen Sprachen nicht lesen, so dass ihr Zugang zu den kulturellen Entwicklungen Europas fast ausschließlich von solchen Übersetzungen abhing.

Obwohl Übersetzungen in den vergangenen Jahrzehnten großes Interesse bei Historikern der Europäischen Geschichte erweckt haben, sind sie im Kontext der jüdischen Geschichte in der Frühen Neuzeit bisher zumeist vernachlässigt worden. „Bisher ist kein Versuch unternommen worden, sich mit der Gesamtheit der jüdischen Übersetzungen in der Frühen Neuzeit auseinanderzusetzen“, sagt Iris Idelson-Shein, „so dass deren Reichweite, geografische Verbreitung, Entwicklung und Quellen weitgehend unbekannt sind“.

Einer der Gründe für diese Forschungslücke ist die entmutigend große Vielfalt dieser Literatur, die auf Quellen in verschiedenen Sprachen beruht sowie unterschiedliche Genres, Räume und Epochen einschließt. Zusätzlich präsentierten die jüdischen Autoren ihre Übersetzungen oft als eigene Werke, um sie in ein jüdisches Gewand zu hüllen. Tatsächlich gelten bis heute einige Übersetzung auch unter Forschern als jüdische Originalwerke. Um diesen reichen und irreführenden Textcorpus angehen zu können, ist daher eine große Vertrautheit mit verschiedenen literarischen Systemen notwendig (jüdischen und nicht-jüdischen), die Beherrschung mehrerer Sprachen sowie die Kombination von historischen, literarischen, kulturellen und anderen Forschungsmethoden. Iris Idelson-Shein wird dafür eine mehrsprachige, interdisziplinäre Gruppe junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rekrutieren. Ziel ist es, den nicht-jüdischen Textcorpus zu identifizieren, der für die Entstehung des modernen Judentums prägend war.

Iris Idelson-Shein studierte Geschichte an der Universität Tel Aviv und promovierte dort 2011. Nach mehreren Stationen als Postdoktorandin, unter anderem an der University of Pennsylvania in Philadelphia, USA, ist sie seit 2013 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie und Gastdozentin am Seminar für Judaistik der Goethe-Universität.

Informationen: Dr. Christian Münch, Institut für Biochemie 2, Fachbereich Medizin, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301 6599, muench@biochem2.de

Dr. Iris Idelson-Shein, Seminar für Judaistik/ Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie, Fachbereich Evangelische Theologie, Campus Westend, Tel. (069) 798-22677, iris.idelson@gmail.com

 

Jul 27 2018
15:22

Fachtag an der Goethe-Universität für Lehrerinnen und Lehrer aus Grund-, Sekundar- und Förderschulen

Wie umgehen mit Diversität in Schule und Unterricht?

FRANKFURT. Die „Arbeitsstelle für Diversität und Unterrichtsentwicklung-Didaktische Werkstatt“ lädt in der letzten hessischen Ferienwoche rund 230 Lehrerinnen und Lehrer aus Grund-, Sekundar- und Förderschulen ein, sich zur Vorbereitung des neuen Schuljahres mit dem Thema „Umgang mit Diversität in Schule und Unterricht“ zu befassen. In aktuellen erziehungswissenschaftlichen Fachdiskussion um Inklusion gewinnt der Umgang mit Diversität in Schule und Unterricht zunehmend an Bedeutung. Unterschiede zwischen Schülerinnen und Schülern einer Lerngruppe, ob im Alter, der Leistungsfähigkeit oder der ethnischen Herkunft, gelten heute als weitgehend normal und werden als pädagogische Aufgabe und zugleich als Chance und Bereicherung angesehen. Doch wie können Lehrende mit den individuellen Unterschieden umgehen? Welche Lehr-und Lernarrangements sind bei ungleichen Lernvoraussetzungen erfolgreich und wie kann Bildungsgerechtigkeit besser erreicht werden? Um solche und weitere aktuelle Fragen wird es bei der Tagung gehen.

Nach einem einleitenden Impulsvortrag von Prof. Eckhard Klieme können praxisnahen Themen in insgesamt 20 verschiedenen Workshops vertieft werden. Dabei stehen Themen auf dem Programm wie zum Beispiel „Ich übernehme eine 1. Klasse – So gelingt der Einstieg“ oder „Disaster oder Desaster? Das Kreuz mit der Rechtschreibung“.

Die Tagung findet statt

am Dienstag, 31.07.2018, 9 bis 17 Uhr auf dem Campus Westend der Goethe Universität.

Alle weiteren relevanten Informationen enthält der Tagungsflyer:

https://www.uni-frankfurt.de/71614115/Flyer_Version-13_04_18.pdf

Zur Einführung spricht Prof. Dr. Eckhard Klieme, Direktor am Deutschen Instituts für internationale pädagogische Forschung (DIPF). In seinem Vortrag erörtert er u.a., wie sich guter von weniger gutem und wirksamer von weniger wirksamem Unterricht unterscheidet.

 

Jul 27 2018
11:22

Bilder der bekannten Frankfurter Fotografin werden vom 9. August bis 14. Oktober 2018 im Museum Giersch der Goethe-Universität gezeigt

1968: 100 Fotografien von Inge Werth

FRANKFURT. Die Fotografin Inge Werth, 1931 in Stettin geboren, hielt mit ihrer Kamera eine bewegte Zeit gesellschaftlicher Umbrüche fest. Sie arbeitete für Medien wie die „Frankfurter Rundschau“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Die Zeit“ oder „Pardon“ und erfasste mit ihrer Kamera auch die Rebellion der 1968er Generation. Prominente Großereignisse im öffentlichen Raum hielt sie ebenso fest wie interessante Ereignisse und Begebenheiten am Rande. Die Ausstellung mit rund 100 Schwarzweiß-Fotografien legt den Schwerpunkt auf Ereignisse um das Jahr 1968. Die Bilder in ihrer Verbindung von Kunst und Reportage führen den Betrachter an Schauplätze in Paris und Frankfurt am Main, sie zeigen studentische Unruhen und Protestaktionen ebenso wie kulturelle Ereignisse in jenen Aufbruchszeiten. Zu sehen sind beispielsweise Aufnahmen der Frankfurter Buchmesse, der Aufführung von Peter Handkes Theaterstück „Publikumsbeschimpfung“ und des Ostermarsches 1966 unter Beteiligung der Sängerin Joan Baez.

Pressekonferenz: Donnerstag, 9. August 2018, 11 Uhr

  • Dr. Manfred Großkinsky, Museumsleiter
  • PD Dr. Viola Hildebrand-Schat, Kunstgeschichtliches Institut der Goethe-Universität, Kuratorin der Ausstellung
  • Inge Werth, Fotografin (angefragt)

Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 9. August 2018, 18.30 Uhr

  • Begrüßung: Dr. Manfred Großkinsky, Museumsleiter
  • Einführung: PD Dr. Viola Hildebrand-Schat, Kunstgeschichtliches Institut der Goethe-Universität, Kuratorin der Ausstellung

Bilder zum Download unter: http://www.museum-giersch.de/#/Presse.

Weitere Informationen zu Öffnungszeiten, Führungen, Eintritt, Kinderprogramm und Sonderveranstaltungen unter www.museum-giersch.de.

Informationen: Dipl-Kffr. Christine Karmann, Presse und Marketing Museum Giersch der Goethe-Universität, Tel: 069/138210121, E-Mail: presse@museum-giersch.de

Adresse: Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main

 

Jul 24 2018
13:42

Anwendungsbreite von Siliconen nimmt dank modular kombinierbarer Bausteine stetig zu

Siliconbausteine nach Maß

FRANKFURT. Silicone sind weitverbreitete Kunststoffe. Dank der Stabilität der Silicium-Sauerstoff-Bindung sind sie widerstandsfähig gegenüber Chemikalien und Umwelteinflüssen und auch physiologisch unbedenklich. Dementsprechend erleichtern Silicone den Alltag in nahezu allen Lebensbereichen. Chemiker der Goethe-Universität haben in der Fachzeitschrift „Journal of the American Chemical Society“ einen neuen Weg beschrieben, lange gesuchte Silicon-Bausteine nunmehr einfach und effizient herzustellen.

Das breit gefächerte Anwendungsspektrum der Silicone reicht von medizinischen Implantaten und Kosmetikartikeln über Hydraulik-Öle und Dichtmassen, bis hin zum Korrosionsschutz – ein entscheidendes Thema angesichts globaler Korrosionsschäden in Höhe von rund 3.3 Billionen US-Dollar pro Jahr. Um Silicon-Kunststoffe für spezifische Anwendungen optimieren zu können, benötigt man maßgeschneiderte Chlorsilan-Bausteine zur Erzeugung und Vernetzung der langkettigen Polymere. Hierdurch lassen sich beispielsweise Viskosität und Fließeigenschaften des Materials beeinflussen. Gänzlich neue Herausforderungen entstehen auf dem Gebiet des 3D-Drucks, mit dessen Hilfe beispielsweise individualisierte Laufschuhe hergestellt werden.

Seit 1940 bildet der „Direkte Prozess“ nach Müller und Rochow das Rückgrat der Siliconindustrie. Hierbei wird elementares Silicium mit Chlormethan bei hohen Temperaturen und Drücken in Gegenwart eines Kupferkatalysators zu Methylchlorsilanen umgesetzt. Die Arbeitsgruppe um Prof. Matthias Wagner vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Goethe-Universität hat nun ein komplementäres Verfahren erarbeitet, das gegenüber dem Direkten Prozess mehrere Vorteile hat: Als Ausgangsstoffe nutzt es Hexachlordisilan und Chlorkohlenwasserstoffe. „Hexachlordisilan wird bereits großtechnisch für die Halbleiterindustrie hergestellt und das von uns besonders intensiv genutzte Perchlorethylen (PER) ist eine nicht brennbare Flüssigkeit, so kostengünstig, dass sie weltweit als Lösungsmittel für die chemische Reinigung eingesetzt wird“, so Matthias Wagner. Der Prozess läuft zudem bei Raumtemperatur und unter Normaldruck ab. An Stelle eines Katalysators reicht zur Aktivierung eine geringe Menge Chlorid-Ionen aus.

„Unser Verfahren liefert hoch funktionalisierte Organochlorsilane, die ideale Vernetzer sind. Außerdem eröffnet ihre spezielle Struktur beste Möglichkeiten, die mechanische Flexibilität der Siliconketten nach Wunsch einzustellen“, erklärt die Miterfinderin Isabelle Georg, deren Doktorarbeit von der Evonik-Stiftung gefördert wird. Neben ihr war auch Julian Teichmann an dem Projekt beteiligt. Er attestiert insbesondere der engen Kooperation zwischen Goethe-Universität und der Firma Evonik einen prägenden Einfluss auf seine Ausbildung: „Die regelmäßige Diskussion unserer Ergebnisse mit den Industriechemikern hat mir frühzeitig die Augen für ökonomische Zwänge und ökologische Notwendigkeiten geöffnet. Es war faszinierend zu sehen, wie der Weg von einer Laborentdeckung über das Patentverfahren bis zur Umsetzung im technischen Maßstab in der Praxis aussieht“.

Die Frankfurter Chemiker sehen das besondere Potential ihrer Monomere darin, dass diese neben Silicium-Chlor-Bindungen auch Kohlenstoff-Kohlenstoff-Mehrfachbindungen enthalten. Erstere dienen zum Aufbau der anorganischen Silicium-Sauerstoff-Ketten, letztere lassen sich zu organischen Polymeren verknüpfen. Durch diese einzigartige Kombination eröffnen sich neue Wege zu anorganisch-organischen Hybridmaterialien.

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/73088100

Bildtext: Mit diesen modular kombinierbaren Bausteinen lassen sich Silicone für vielfältige praktische Anwendungen bei Raumtemperatur und unter Normaldruck herstellen.

Copyright: AG Wagner, Goethe-Universität

Publikation: I. Georg et al: Exhaustively Trichlorosilylated C1 and C2 Building Blocks: Beyond the Müller-Rochow Direct Process, in: J. Am. Chem. Soc. 2018, DOI: 10.1021/jacs.8b05950

Informationen: Prof. Matthias Wagner, Institut für Anorganische und Analytische Chemie, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-29156, Matthias.Wagner@chemie.uni-frankfurt.de

 

Jul 24 2018
11:45

Judaistik-Professorin plant 2022 großen internationalen Kongress an der Goethe-Universität

Hollender neue Präsidentin der European Association of Jewish Studies

FRANKFURT. Prof. Dr. Elisabeth Hollender ist seit dem 17. Juli 2018 neue Präsidentin der European Association of Jewish Studies (EAJS). Die EAJS ist der europäische Dachverband für Jüdische Studien/Judaistik. Ihre Ziele sind die Stärkung und Unterstützung von Forschung und Lehre von Jüdischen Studien/Judaistik an Universitäten in ganz Europa. Die Vereinigung wurde 1981 gegründet; inzwischen hat sie über 1200 Mitglieder aus mehr als 30 Ländern.

Elisabeth Hollender ist seit 2011 Professorin am Seminar für Judaistik der Goethe Universität und seit 2016 Dekanin des Fachbereichs Sprach- und Kulturwissenschaften. In ihrer Forschung befasst sie sich mit dem mittelalterlichen Judentum im deutschsprachigen Raum, insbesondere am Mittelrhein. Ihr Ehrenamt in der EAJS ist Teil der internationalen Ausrichtung der Frankfurter Judaistik, die Forschung, Lehre und Nachwuchsförderung umfasst. Hollender wird für die Mitglieder der EAJS 2022 einen Kongress in Frankfurt organisieren, zu dem mehr als 800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erwartet werden.

Foto zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/73087168

Bildnachweis: Benjamin André, Goethe-Universität Frankfurt.

 

Jul 20 2018
10:14

Frankfurter Wissenschaftsrunde diskutiert mit Stadtrat Mike Josef unter dem Motto „SMART CITY – SMART EDUCATION“

Frankfurt auf dem Weg zur Smart City

FRANKFURT. Am 12. Juli 2018 hat das zweite formelle Treffen der Frankfurter Wissenschaftsrunde stattgefunden, dem Verbund wissenschaftlicher Einrichtungen, der zur weiteren Profilierung der Stadt Frankfurt als Wissenschafts- und Bildungsstandort beitragen will. Mike Josef, Stadtrat und Dezernent für Planen und Wohnen, war zu Gast; die Diskussion stand unter dem Motto „SMART CITY – SMART EDUCATION“. Auf den Campus der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) hatten Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich, Präsident der Frankfurt UAS, und Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, eingeladen.

Bereits bei der Erarbeitung der Wahlprüfsteine anlässlich der Frankfurter Oberbürgermeister-Wahl im Februar 2018 hat das Thema „Smart City“ die Frankfurter Wissenschaftsrunde bewegt. Nun ging es darum, welchen Beitrag die wissenschaftlichen Einrichtungen Frankfurts auf dem Weg zu einer Smart City leisten könnten. Für Stadtrat Josef gibt es zwei Schwerpunktthemen: die Energiewende und die Mobilitätswende. „Jeder will ‚smart‘ sein, doch was bedeutet dieses Schlagwort, wenn es um die konkrete Umsetzung geht? Wo liegen die Grenzen, beispielsweise im Datenschutz? Inwieweit wird auf Ressourcenschonung geachtet? Für Frankfurt sind eine ganzheitliche Betrachtung und konkrete Zielsetzungen von Bedeutung. Es laufen bereits Projekte zur ‚Smart City‘ in Frankfurter Wissenschaftseinrichtungen, doch ist hier eine noch stärkere interdisziplinäre Vernetzung notwendig – auch der Austausch mit Politik und Wirtschaft muss intensiviert werden“, betont Josef.

„Wir sind dankbar, dass sich die Stadt Frankfurt so intensiv für die Wissenschaft und ihre Beiträge zur Entwicklung der Stadt interessiert. Dieses Interesse freut uns auch bei ihrem Engagement für die Campusmeile“, sagt Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität. Dievernich und Wolff treiben insbesondere die Entwicklung der Campusmeile aktiv voran. „Wir hatten heute die Gelegenheit, in Anwesenheit von Stadtrat Josef die dringendsten Anliegen aus Sicht der Wissenschaft für den Weg Frankfurts zur Smart City zu formulieren“, so Wolff weiter. „Dies beinhaltet sowohl praxisnahe Lösungen für konkrete Problemstellungen als auch kritische Reflexionen der Idee einer vernetzten Stadt.“ „Die Frankfurter Wissenschaftsrunde hat ihren Fokus um eine Vernetzung mit der Politik und der Wirtschaft erweitert. So kann adäquat auf die Bedarfe der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger eingegangen werden. Zu beiden von Stadtrat Josef benannten Themen gibt es bereits Projekte von Frankfurter Wissenschaftseinrichtungen, oft sogar in Kooperation mit Stadt und Land. Darauf lässt sich gut aufbauen“, erklärt Dievernich.

Betont wurde von der Frankfurter Wissenschaftsrunde auch, dass die Kooperation der staatlichen und privaten Hochschulen weiter ausgebaut werden soll. Die Tätigkeitsfelder sind zumeist komplementär, d.h. sie stehen kaum im direkten Wettbewerb. Zugleich müsse die Infrastruktur Frankfurts für ausländische Wissenschaftler/-innen weiterhin attraktiv bleiben, damit sich der Standort bei der Anwerbung gegenüber anderen Städten im Wettbewerb behaupten kann.

Die nächste Frankfurter Wissenschaftsrunde wird sich mit dem Thema „Integration“ befassen, ein drängendes Thema für viele Wissenschaftseinrichtungen; nicht von ungefähr war dies auch ein Wahlprüfstein bei der Frankfurter Oberbürgermeisterwahl.

Die Frankfurter Wissenschaftsrunde hatte im Februar 2018 zu einer Podiumsdiskussion mit den OB-Kandidatinnen und -Kandidaten zur Frankfurter Oberbürgermeisterwahl eingeladen und dort ihre Wahlprüfsteine vorgestellt, die unter www.frankfurt-university.de/FrankfurterWissenschaftsrunde heruntergeladen werden können. Die daraus entwickelte Programmatik wird nun in Zusammenarbeit mit der Stadt verfolgt.

Hintergrund: Zur Frankfurter Wissenschaftsrunde
Die Frankfurter Wissenschaftsrunde ist ein informeller Zusammenschluss aller wissenschaftlichen Institutionen, die in Frankfurt oder im allernächsten Umfeld beheimatet sind. Ihr zentrales Anliegen ist es, zur weiteren Profilierung der Stadt Frankfurt als Wissenschafts- und Bildungsstandort beizutragen. Sie versteht sich als Netzwerk und Sprachrohr, um unabhängig von Einzelinstitutionen zusammen mit Stadtpolitik und Stadtgesellschaft an der Entstehung und Verbesserung eines wissenschaftsfreundlichen Klimas mitzuwirken. Gleichzeitig versteht sie sich als Impulsgeberin für die Politik und Ratgeberin zur Analyse und Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen mit wissenschaftlichen Mitteln. Die Frankfurter Wissenschaftsrunde bietet an, Sparringpartnerin in allen zukunftsorientierten Fragen von Stadt und Region zu sein. Schließlich geht es der Frankfurter Wissenschaftsrunde intern darum, Optionen und konkrete Maßnahmen für die gegenseitige Weiterentwicklung (z.B. gemeinsame Personalentwicklungskonzepte) zu entwerfen. Sie ist 2017 auf Präsidiumsinitiative der Frankfurt University of Applied Sciences, der Goethe-Universität sowie der Frankfurt School of Finance and Management entstanden.

An den ersten Zusammenkünften beteiligten sich neben der Frankfurt University of Applied Sciences, der Goethe-Universität sowie der Frankfurt School of Finance and Management die Leitungen folgender Institutionen: Deutsches Archäologisches Institut – Römisch-Germanische Kommission, Stiftung Georg-Speyer-Haus – Institut für Tumorbiologie und experimentelle Therapie, Freies Deutsches Hochstift –Frankfurter Goethe Museum, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Paul-Ehrlich-Institut, Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Frobenius Institut an der Goethe-Universität Frankfurt, Institut für sozial-ökologische Forschung, Dechema Forschungsinstitut, Provadis School of International Management & Technology, Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte, FOM Hochschule für Ökonomie & Management, Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt Institute for Advanced Studies – FIAS, Zoo Frankfurt, Max-Planck-Institut für Hirnforschung. Inzwischen sind auch die folgenden Einrichtungen Mitglieder der Frankfurter Wissenschaftsrunde: Hessische Berufsakademie, Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main, International School of Management, Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Fritz-Bauer-Institut – Geschichte und Wirkung des Holocaust, Institut für Sozialforschung, Max-Planck-Institut für Biophysik, Staatliche Hochschule für Bildende Künste – Städelschule, Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik.

Kontakt
Frankfurt University of Applied Sciences
, Hochschulleitung, Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich, Telefon: (069) 1533-2415, E-Mail: praesident@fra-uas.de
Goethe-Universität, Hochschulleitung, Prof. Dr. Birgitta Wolff, Telefon: (069) 798-11101, E-Mail: praesidentin@uni-frankfurt.de

 

FRANKFURT. Fast 800 musikalische Handschriften des bedeutenden Barock-Komponisten Georg Philipp Telemann in der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main werden mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) digitalisiert. Das Projekt ist auf anderthalb Jahre angelegt und umfasst die Digitalisierung und Erschließung von rund 48.000 Seiten der Frankfurter Kantatensammlung aus dem 18. Jahrhundert. 

Es handelt sich um knapp 800 Notenhandschriften des Komponisten Georg Philipp Telemann (1681-1767), der von 1712 bis 1721 als städtischer Musikdirektor und Kirchen-Kapellmeister in Frankfurt tätig war. Darunter sind eigenhändige Manuskripte wie auch Abschriften seiner Werke. Zudem werden rund 150 Handschriften der ihm nachfolgenden städtischen Musikdirektoren bis zum Ende des 18. Jahrhundert und einige anonym überlieferte Werke digitalisiert. Die Texte der Kantaten werden zusätzlich in moderner Umschrift angeboten. Die Erfassung der Wasserzeichen wird insbesondere für die Schreiber- und Provenienzforschung hilfreich sein.

Ziel des Projekts ist, die Autographen und Handschriften der Kirchenkantaten sowie einiger weltlicher Werke dieser einzigartigen Sammlung für die wissenschaftliche Forschung, für wissenschaftliche Editionen sowie für Aufführungen in Kirche und Konzertsaal zur Verfügung zu stellen. Es bildet eine sinnvolle Ergänzung zu ähnlichen Musik-Digitalisierungsprojekten in anderen wissenschaftlichen Bibliotheken.

Die Kantaten-Handschriften werden voraussichtlich ab Ende 2019 in den Digitalen Sammlungen der Universitätsbibliothek zu finden sein.

Bildmaterial zum Download: http://www.ub.uni-frankfurt.de/presse/telemann.html

Information: Dr. Ann Kersting-Meuleman, Leiterin der Sammlung Musik, Theater; Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Tel. (069) 798 39245, a.b.kersting-meuleman@ub.uni-frankfurt.de

 

Jul 17 2018
16:45

Thema der diesjährigen Veranstaltung ist die Bedeutung der Translationswissenschaft für die Erschließung der japanischen Literatur

Übersetzerwerkstatt der Japanologie

FRANKFURT. Am 19. und 20. Juli findet die Übersetzerwerkstatt 2018 der Japanologie der Goethe-Universität statt. Der thematische Rahmen der diesjährigen Veranstaltung ist die Translationswissenschaft bzw. die Translatorik und ihre Ansätze, die bislang noch kaum in der japanologischen literarischen Übersetzertätigkeit Anwendung fanden. Unter dem Titel „Translatorische Akteure – Übersetzer, Verlagsleiter, Vermittler: Die Erschließung der japanischen Literatur in den 2000er Jahren“ widmen sich im praktischen Teil des Intensivseminars die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter der Leitung der Übersetzerinnen Ursula Gräfe und Luise Steggewentz einem kurzen Prosatext der zeitgenössischen japanischen Literatur. Im theoretischen Teil führt Prof. Dr. Carsten Sinner (Universität Leipzig) in die Translationswissenschaft ein, Erich Havranek (Universität Wien) erläutert die Rolle japanischer Literatur auf dem deutschsprachigen Buchmarkt und Dr. Mechthild Duppel (Sophia Universität Tôkyô) spricht zum Stellenwert der japanischen Literaturpreise.

Die Veranstaltung kann sowohl von Angehörigen der Goethe-Uni als auch anderer Universitäten besucht werden. Die Teilnehmerzahl ist auf 15 Personen beschränkt.

Anmeldung im Sekretariat der Japanologie bei Volker Paulat, Tel. (069) 798-23287; paulat@em.uni-frankfurt.de.

 

Jul 17 2018
16:44

Einladung zur Führung mit Gärtnermeister Wolfgang Girnus

Honigverkostung im Wissenschaftsgarten

FRANKFURT. Der Wissenschaftsgarten auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität dient nicht nur Lehrzwecken, sondern ist auch ein Ort der Naherholung. Am Freitag lädt Gärtnermeister Wolfgang Girnus alle Interessierten ein, den Sommer in der Natur zu genießen und dabei auch noch etwas zu lernen bei einer

Führung durch den Wissenschaftsgarten am 20. Juli um 16 Uhr (bis ca. 17.30 Uhr), Treffpunkt am Eingang zum Wissenschaftsgarten, Altenhöfer Allee 1.

Bei einem gemütlichen Rundgang geht es dieses Mal um Saatgut. Wolfgang Girnus zeigt, wie man es gewinnt und reinigt. Er erläutert die Aussaatarten und geht auf andere Vermehrungsarten ein. Der zweite Teil der Führung beschäftigt sich mit der Bienenhaltung. Ein Bienenvolk wird geöffnet und das lnnenleben begutachtet. Anschließend gibt es eine Honigverkostung - direkt aus der Wabe.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Georg Zizka, Leiter des Wissenschaftsgarten, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-42176; Georg.Zizka@senckenberg.de

 

Jul 17 2018
15:02

Lebenswissenschaften beim Nature-Index auf Platz 5 von 81

Goethe-Universität punktet bei Top-Forschung

FRANKFURT. Wo steht meine Institution bei der Spitzenforschung im bundesweiten und im internationalen Vergleich? Wie hat sie sich im Vergleich zum vergangenen Jahr entwickelt? Wer sind die häufigsten nationalen und internationalen Kooperationspartner? Diese Fragen beantwortet die von der Fachzeitschrift Nature unterhaltene Datenbank, der „Nature Index“. In dem kürzlich veröffentlichen jährlichen Ranking schneidet die Goethe-Universität besonders in den Lebenswissenschaften gut ab: In Deutschland steht sie auf Platz fünf von 81.

Der Nature Index berücksichtigt nur Publikationen in Spitzen-Journalen. Er listet auf, wie viele Autoren einer Institution insgesamt sowie anteilmäßig an einer Publikation beteiligt sind. Die Lebenswissenschaftler an der Goethe-Universität haben besonders viele Publikationen in den Journalen „Nature Communications“ und den „Proceedings of the National Academy of Sciences“ zu verzeichnen.

Im bundesweiten Vergleich landete die Chemie im oberen Drittel, auf Platz 26 von 77. Sie konnte den Anteil ihrer Autoren in Spitzenjournalen gegenüber dem vergangenen Jahr um 13,7 Prozent steigern. Die Physik steht auf Platz 27 von 83.

Innerhalb Deutschlands hat die Goethe-Universität am häufigsten mit Instituten der Max Planck-Gesellschaft, der TU Darmstadt sowie den Universitäten in Münster und Heidelberg kooperiert. Zwei Drittel aller hochrangigen Publikationen wurden zusammen mit internationalen Kooperationspartnern verfasst, darunter die Universität Edinburgh, der französische CNRS (Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung), die russische und die chinesische Akademie der Wissenschaften.

Informationen: Prof. Dr. Simone Fulda, Vizepräsidentin für Forschung, Goethe-Universität Frankfurt. Tel: (069) 6301-5094; -67866557; fulda@em.uni-frankfurt.de.
https://www.natureindex.com/annual-tables/2018/institution/academic/life-sciences/countries-Germany

 

Jul 13 2018
16:22

Dozenten aus acht Ländern Zentralafrikas im Geozentrum der Goethe-Universität

Sommerschule zum Thema „Wald, Umwelt und Klima“

FRANKFURT. Zu einer achtwöchigen Sommerschule mit dem Thema „Wald, Umwelt und Klima“ treffen sich ab dem 16. Juli 2018 über 20 Dozentinnen und Dozenten aus acht Ländern Zentralafrikas im Geozentrum der Goethe-Universität auf dem Campus Riedberg. Ziel ist es, weitreichende Kompetenzen im Bereich Umwelt, Ressourcenmanagement und Organisationsentwicklung sowie bei der Afrikaforschung gebündelt und zur Weiterbildung der Teilnehmenden zu nutzen.

Organisatoren sind das Zentrum für Interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) an der Goethe-Universität und die AMBERO Consulting GmbH als technischer Partner im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die Teilnehmenden kommen aus den Mitgliedsinstitutionen des Netzwerks der Aus- und Weiterbildungsinstitutionen im Bereich Forst- und Umweltwissenschaft in Zentralafrika (RIFFEAC).

Im Anschluss an die Sommerschule sollen die Teilnehmenden in ihren Heimatländern als Multiplikatoren fungieren und das erworbene Wissen einsetzen und verbreiten. Dies geschieht unter anderem über ein Transferprojekt, das im Rahmen der Sommerschule entwickelt und im Anschluss in der Heimatinstitution mit fachlicher Unterstützung durch das Programm „Regionale Unterstützung der Zentralafrikanischen Waldkommission COMIFAC“ der GIZ umgesetzt wird. Beispielsweise entwickeln die Teilnehmer eine Weiterbildung, aktualisieren einen Studiengang oder erarbeiten eine Marketingstrategie für Bildungsangebote.

Um einen regen fachlich-methodischen Austausch zwischen den Mitgliedsinstitutionen von RIFFEAC und deutschen Institutionen zu initiieren und etablieren, schließt sich an die Sommerschule für Dozenten eine Studienreise unter Einbeziehung zahlreicher Direktorinnen und Direktoren der RIFFEAC-Institutionen in Deutschland und den Niederlanden an. Sie führt unter anderem an die Universitäten Koblenz-Landau, Göttingen und Hamburg sowie das International Training Center (ITC) am „International Institute for Geo-Information Science and Earth Observation“ in Enschede (Niederlande) und dem Nationalpark Kellerwald/Edersee.

Medienvertreter sind herzlich eingeladen, an der Eröffnung der 2. Internationalen Sommerschule teilzunehmen: Montag, 16.07. 2018, 9.30-12.00 Uhr im Geozentrum der Goethe-Universität, Raum 2.101, Campus Riedberg, Altenhöferallee 1.

Weitere Informationen:  Prof. Jürgen Runge, Institut für Physische Geographie und ZIAF, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-40160, -40155, J.Runge@em.uni-frankfurt.de.