​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
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Veranstaltungen

Dez 16 2014
14:49

Wissenschaftsstadtplan: Goethe-Universität präsentiert im Jubiläumsjahr Gedenk-Plaketten für Forschungspioniere an deren ehemaligen Wohnhäusern

Neue Adressen für Frankfurts Wissenschaft

FRANKFURT. Der Wissenschaftsstadtplan soll Frankfurts Ruf als Wissenschaftsstadt stärker in den Fokus rücken. Zu ihrem Jubiläum hat die Goethe-Universität mit Unterstützung der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und der Stadtspitze daher ein besonderes Projekt auf den Weg gebracht: Mit dem Wissenschaftsstadtplan sollen im Lauf der nächsten ein bis zwei Jahre insgesamt bis zu 50 prominente Forscherinnen und Forscher mit Bezug zur Goethe-Universität im Frankfurter Stadtbild präsenter werden. Allein 19 Nobelpreisträger haben an der Goethe Universität studiert, gelehrt oder geforscht. An ihren früheren Wohnorten und denen weiterer Meisterdenker sollen dafür eigens angefertigte Plaketten angebracht werden, auf denen neben einem Bild kurze biografische Texte in Deutsch und Englisch angeboten werden. Ergänzt werden die Plaketten von einer eigenen Webpräsenz mit einem Stadtplan, auf dem die einzelnen Wohnorte verzeichnet sind. Hier sind auch umfassenderes Textmaterial sowie weitere Hintergründe zu den einzelnen Persönlichkeiten hinterlegt. In Zukunft sind zudem Führungen für Gäste und auch Einheimische geplant. Das Projekt wird von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft mit insgesamt 45.000 € unterstützt. Weitere 45.000 € realisiert die Goethe-Universität aus Mitteln des Jubiläums.

Am Dienstag (16. Dezember) fand im Beisein des Oberbürgermeisters der Stadt Frankfurt, Peter Feldmann, des Universitätspräsidenten Prof. Werner Müller-Esterl sowie des Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Dr. Roland Kaehlbrandt, die Enthüllung der ersten beiden Plaketten zu Ehren des Nobelpreisträgers Max von Laue und Erwin Madelung statt. Anlässlich eines Medientermins vor den ehemaligen Wohnorten der beiden Physiker in der Frankfurter Beethovenstraße und Bockenheimer Landstraße hob Oberbürgermeister Peter Feldmann die besondere Bedeutung von Wissenschaft und Forschung für die nationale und internationale Strahlkraft Frankfurts hervor:

„Seit 100 Jahren erhält Frankfurt von der Goethe-Universität und ihren führenden Köpfen viele entscheidende Innovationsimpulse. Was wäre zum Beispiel die Frankfurter Pharmazie, die einmal als Apotheke der Welt bezeichnet wurde, ohne den Nobelpreisträger Paul Ehrlich, den Vater der Chemotherapie? Und ist es nicht großartig, sich vorzustellen, dass weltweit angesehene Forscher und Denker wie Max von Laue, Otto Stern, Ruth Moufang oder auch Theodor W. Adorno, Paul Tillich oder Karl Mannheim hier gleichsam in der Nachbarschaft gewohnt haben? Die Tatsache, dass sie alle an der Goethe-Universität gelehrt und geforscht haben, hat nicht nur das intellektuelle Klima dieser Stadt, sondern sogar das der Bundesrepublik Deutschland geprägt. Und diese Frauen und Männer haben auch eine große Zahl weiterer herausragender Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland angezogen. Es ist bemerkenswert, dass die Goethe-Universität diese große Sogwirkung heute wieder ebenso entfaltet wie in ihrer Gründungszeit. Dank ihres weltweiten Rufes konnte sie im Jahr 2013 40 % ihrer neuen Professuren mit ausländischen Bewerberinnen und Bewerbern besetzen. Als Oberbürgermeister freue ich mich sehr, dass der Wissenschaftsstadtplan dieses große Potenzial stärker ins Bewusstsein der Stadt zu rücken versucht. Frankfurt ist auch eine Stadt der Wissenschaft und Ort wegweisender Forschung.“

Universität Präsident Professor Werner Müller-Esterl sagte, im universitären Jubiläumsjahr sei der Wissenschaftsstadtplan ein Geschenk an die Stadt, sich ihrer eigenen Potenziale in Wissenschaft und Forschung noch besser bewusst zu werden. Die Goethe-Universität sei heute wieder in der Mitte der Stadt angekommen und das intellektuelle Zentrum des Rhein-Main-Gebiets. „Diese besondere Rolle hätte sich nicht entwickeln können ohne das Wirken jener historischen Forscherpersönlichkeiten, von denen wir zwei mit den heutigen Plakettenenthüllungen ehren.“ Der Präsident dankte der Stiftung Polytechnische Gesellschaft für die großzügige Unterstützung des Vorhabens und ebenso dem Oberbürgermeister für sein persönliches Engagement. Dank richtete er auch an die Bürgerinnen und Bürger, die ihre Häuser zur Verfügung stellen: „Die Hausbesitzer reagieren sehr offen, teilweise begeistert auf unser Vorhaben. Ich bin mir sicher, dass wir nach dem schönen Auftakt am heutigen Dienstag sehr bald eine größere Zahl von Plaketten an Frankfurter Gebäuden finden werden. Derzeit liegen bereits 14 weitere Zusagen von Frankfurter Hauseigentümern vor, mit 30 weiteren stehen wir in Kontakt.“

Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Dr. Roland Kaehlbrandt, bemerkte: „Als Stiftung Frankfurter Bürger für ihre Stadt ist es uns ein Anliegen, den Ruf der Mainmetropole als Wissenschaftsstandort zu pflegen und zu stärken. Deswegen haben wir zum Beispiel das MainCampus-Stipendiatenwerk zur Förderung der besten Frankfurter Nachwuchswissenschaftler gegründet oder der Goethe-Universität die Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung gestiftet. Weil wir uns zugleich für die Pflege des kulturellen Erbes unserer Stadt einsetzen, möchten wir aber auch dazu beitragen, dass das Andenken an große Wissenschaftler der Frankfurter Geschichte gewahrt bleibt. Deshalb haben wir mit besonderer Freude der Förderung des Wissenschaftsstadtplans zugestimmt, weil er sichtbar, informativ und originell beide Felder miteinander verbindet. Gemeinsam mit der Unterstützung der Tagung ‚The University and the City‘ im Juni ist dies unser Beitrag zum 100. Geburtstag der Universität, mit der die Polytechnische Gesellschaft seit ihrer Gründung eng verbunden ist.“

Personalia/Preise

Dez 15 2014
16:33

Bernd Skiera, Professor für Electronic Commerce, kommt beim aktuellen BWL-Forschungsranking des Handelsblatts auf den ersten Platz

Forschungsstark: Betriebswirtschaftler der Goethe-Universität führt Ranking an

FRANKFURT. Bernd Skiera, Professor für Electronic Commerce an der Goethe-Universität Frankfurt, belegt im aktuellen BWL-Forschungsranking des Handelsblatts den ersten Platz für die aktuelle Forschungsleistung. Grundlage der Bewertung sind die Veröffentlichungen aller Betriebswirte im deutschsprachigen Raum in den angesehensten internationalen Fachzeitschriften im Verlauf der letzten fünf Jahren.

Skiera hat seit 1999 den damals ersten Lehrstuhl für Electronic Commerce in Deutschland an der Goethe-Universität Frankfurt inne. Er ist außerdem Vorstand des eFinance-Lab, Leiter des Real-Time Advertising Competence Center und Mitwirkender am LOEWE-Zentrum SAFE. Seine Forschungsinteressen umfassen insbesondere die Bereiche Electronic Commerce und Online-Marketing, Kundenwert- und Preismanagement. Dabei befasst er sich unter anderem mit Versandkostenoptimierungen, Real-Time Advertising, Suchmaschinenmarketing, Viralem Marketing und Social Media. Skiera forscht vor allem empirisch und arbeitet bei der Entwicklung seiner Modelle eng mit der Unternehmenspraxis zusammen.

Ebenfalls im aktuellen Forschungsranking platziert sind auf Rang 86 Roman Beck (inzwischen IT University of Copenhagen) und Andreas Eckhardt auf Rang 100. In der Rangliste der besten BWL-Forscher unter 40 Jahren konnten sich Roman Beck (39), Jan Landwehr (48) und Christian Schlereth (83, inzwischen WHU) platzieren. In der Rangliste für das gesamte Lebenswerk, in das alle Publikationen einfließen, die ein Forscher je veröffentlicht hat, befindet sich Bernd Skiera inzwischen auf Rang 9. Weitere Platzierungen Frankfurter BWLer: Martin Natter (109), Wolfgang König (122), Michael Kosfeld (138), Holger Kraft (143), Reinhard H. Schmidt (189), Guido Friebel (191), Günther Gebhardt (197), Roman Beck (242).

Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Jahre ein Forschungsranking unter allen Betriebswirten, die aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz stammen oder dort forschen. Die Wissenschaftler bekommen für jeden Artikel, den sie in einem Fachjournal publiziert haben, Punkte. Die Punkte richten sich zum einen nach dem Renommee des Journals und zum anderen danach, ob der Forscher seine Studie alleine oder mit Koautoren veröffentlicht hat.

Weitere Informationen: Dr. Muriel Büsser, Head of Communication, Research Center SAFE / Center for Financial Studies. Tel. (69) 798 33868; presse@hof.uni-frankfurt.de 

Forschung

Dez 15 2014
12:04

Warum „Citizen Science“ Bürger an der Forschung beteiligt/ Neue Ausgabe von Forschung Frankfurt zu Wandel in den Wissenschaften soeben erschienen

Die Rückkehr der Hobby-Forscher

FRANKFURT. Forschende und sammelnde Bürger legten seinerzeit das Fundament des Senckenberg-Instituts und der Goethe-Universität. Unter dem Label „Citizen Science“ werben Wissenschaftler neuerdings wieder um die Beteiligung von Hobby-Forschern. Das Internet macht es möglich. Die aktuelle Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ (Heft 2/2014) fragt, wie Bürger- und Profi-Wissenschaftler Hand in Hand arbeiten. Dies ist eines der Themen im zweiten Jubiläumsheft, das den Wandel in den Wissenschaften in den Mittelpunkt stellt.

Der pensionierte Mathematik-Lehrer Heinz Kalheber kümmert sich ehrenamtlich um das Herbarium der botanischen Abteilung des Senckenberg-Instituts. Der mittlerweile 80-Jährige wird gerne gerufen, wenn eine Pflanzenart als unbestimmbar gilt. Er ist das, was neuerdings als „Citizen Scientist“ bezeichnet wird. Kein bezahlter Forscher und trotzdem ausgewiesener Experte mit Kontakten zu den Universitäten in Athen, Patras und Berlin.

Für das Senckenberg-Institut sind Kalhebers Fachkenntnisse von unschätzbarem Wert. Sie fließen ein in wissenschaftliche Arbeiten von Studierenden ebenso wie in Forschungsprojekte. „Wir leben davon, dass interessierte Bürger bei unseren naturkundlichen Sammlungen mitarbeiten und zu der Forschung beitragen“, bestätigt Georg Zizka, Leiter der botanischen Abteilung und Kooperationsprofessor an der Goethe-Universität. Er, Zizka, erkenne neidlos die Leistung fähiger Laien an. Manchmal seien sie auf manchen Gebieten sogar besser als er selbst.

Die mehr als 1,2 Millionen Herbar-Belege des Senckenberg-Instituts kann Zizkas Vier-Mann-Team nicht alleine betreuen. Die Etats sind nicht üppig, Drittmittel für die Pflege des Herbariums gibt es nicht. Dieses aber müsste dringend aktualisiert werden. Außerdem ist auch die Biotopkartierung nicht mehr auf dem neuesten Stand. 400 Pflanzen allein im Raum Frankfurt sind verschwunden, andere sind hinzugekommen. Umweltschutz und Klimawandel werfen neue Fragen auf.

Forschende Bürger liegen bundesweit im Trend. Immer mehr Menschen unterstützen freiwillig die Arbeit von Wissenschaftlern. Da helfen Seeleute, Plankton-Populationen zu kartografieren, wühlen sich Kernkraftgegner durch Leukämiestudien, lassen Apotheker historische Persönlichkeiten ihrer Stadt wieder aufleben, astronomisch Interessierte kartieren den Sternenhimmel. Das Internet ist dabei das effektivste Werkzeug der Citizen Science: Interessierte Bürger können orts- und zeitunabhängig an Forschungsprozessen teilhaben. Profis profitieren von der riesigen Datenmenge, deren schiere Summe allein verlässlichere, belastbare Messungen erlauben. Eine große Chance für die Wissenschaft. Und gleichermaßen ein Gewinn für die vielen Freiwilligen.

Eine völlig neue Dimension in der Beziehung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ergibt sich für Prof. Volker Mosbrugger indessen nicht. Der Generaldirektor des Forschungsinstituts und Naturmuseum Senckenberg sieht in der Citizen Science jedoch das Potenzial, die Forschungslandschaft langfristig zu modernisieren. Noch sind keine Qualitätsstandards für Forschungsprojekte definiert, an denen sich Bürger beteiligen. Aber nur von Profiforschern gesteuerte Laien-Aktivitäten, die zentral ausgewertet werden, ergeben wissenschaftlich Sinn, sagt der erfahrene Forscher. Allerdings gibt es derzeit zu wenige Mitarbeiter in den Forschungseinrichtungen, die all die Daten auswerten.

Der Prozess steht noch am Anfang, ist in der Orientierungsphase. Volker Mosbrugger erkennt vor allem bei den Naturwissenschaftlern, vielleicht noch den Sozialwissenschaftlern, Schnittmengen zwischen Bürgerforschern und Profiwissenschaftlern. „Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass ein Kernphysiker einen Laien in seiner Beschleunigerhalle herumschrauben lässt.“ Der größte Teil der Spitzenforschung ist eben doch zu spezialisiert.

Einige weitere Themen aus Forschung Frankfurt 2/2014, das sich im Jubiläumsjahr mit dem Wandel in den Wissenschaften beschäftigt: 

  • Wozu noch Intellektuelle? Für Relevantes auch jenseits der Talkshows
  • „It’s your turn“ – Von den Moden in der Wissenschaft
  • „Der tut nix, der will nur rechnen“ – Über die „empirische Wende“ in den Geisteswissenschaften
  • Mit Hartnäckigkeit zum Erfolg: 100 Jahre Frauen an der Goethe-Universität
  • Der vergessene Retter. Philipp Schwartz und seine Liste
  • Der Freiherr und der Jude: Mediziner im Nationalsozialismus

Mitmachen bei der Leserumfrage:

Wie gefällt Ihnen das neue Konzept von „Forschung Frankfurt“? Beteiligen Sie sich bis zum 20. Januar 2015 an unserer Online-Umfrage. Als Dankeschön verlosen wir einen Gutschein für das Restaurant Sturm&Drang auf dem Campus Westend über 30 Euro. https://ww3.unipark.de/uc/forschungfrankfurt/

Forschung Frankfurt kostenlos bestellen:
Helga Ott, Abteilung Marketing und Kommunikation, Campus Westend, Tel: (069) 798-12472; ott@pvw.uni-frankfurt.de.

www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de

Forschung

Dez 15 2014
10:44

Forscherteam um Prof. Werner Mäntele hat neue Blutzuckermessmethode für Diabetiker gefunden

Zuckermessen ohne Pieks

FRANKFURT. Diabetes mellitus ist nicht heilbar. Man kann jedoch gut mit der Zuckerkrankheit leben – vorausgesetzt, man ernährt sich richtig und setzt immer die richtige Menge Insulin zu. Um die Insulindosis ermitteln zu können, mussten Diabetiker sich bislang mehrmals täglich in den Finger stechen. Das ist schmerzhaft und teuer – und vielleicht bald Vergangenheit: Biophysiker der Goethe-Universität können den Blutzucker seit neuestem mit Licht messen.

Urin? Speichel? Tränenflüssigkeit? In welcher Körperflüssigkeit kann der Zuckergehalt ebenso gut gemessen werden wie im Blut? Diese Frage stand am Anfang der Überlegungen von Prof. Werner Mäntele und seinem Team. Und vor allem sollte diese Substanz ohne Eingriff zugänglich sein. Doch Urin reagiere erst bei sehr hohem Blutzucker, Speichel ist ebenso wenig aussagekräftig wie Tränenflüssigkeit. „So kamen wir auf die so genannte interstitielle Flüssigkeit, die sich sehr nah an der Oberfläche unter den abgestorbenen Hautzellen der obersten Hautschicht befindet“, erzählt Mäntele. Diese Flüssigkeit kennt jeder, der sich schon einmal die Haut aufgeschürft oder beim Wandern eine Wasserblase zugezogen hat, sie ist klar und durchsichtig, und – so der Wissenschaftler – dieses sogenannte Interstitium habe sogar weniger Störfaktoren als das Blut. Will heißen: Ändert sich der Blutzuckergehalt im Blut, ist das hier besonders gut und ohne Verzögerung ablesbar. Die Frage ist nur: Wie?

Mäntele und sein Team beschäftigen sich schon seit längerem mit den Möglichkeiten der Analyse von Flüssigkeiten durch Spektrometrie, also durch den Einsatz von Lichtstrahlen. Dabei wird unter anderem infrarotes Licht, also Wärmestrahlung, verwendet, weil diese besonders spezifisch von Molekülen absorbiert wird. So kommen Entwicklungen aus Mänteles Denkfabrik inzwischen in sehr unterschiedlichen Anwendungsbereichen im Einsatz: zum Beispiel bei der Blutgerinnungsmessung während einer Operation und zur Qualitätskontrolle beim Bierbrauen. Neben nationalen Patenten wurden der Goethe-Universität für die neuen Messmethoden schon vor einigen Jahren mehrere Patente zugesprochen. Dass auch Glukosewerte auf diese Weise gut gemessen werden können, ist seit längerem bekannt. „Glukose hat eine fantastische Signatur, so spezifisch wie ein Fingerabdruck“, schwärmt Professor Mäntele.

Auf dieser Grundlage hat das Team der Biophysik nun auch ein Verfahren zur Blutzuckermessung entwickelt: Gemessen wird zum Beispiel an der gut durchbluteten Fingerkuppe. Sie wird auf ein optisches Element, ähnlich einem Prisma, aufgelegt, ein Infrarot-Laserstrahl wird gezielt auf die Haut gelenkt und dort in der interstitiellen Flüssigkeit von der Glucose absorbiert. Diese Absorption ist mit einer sehr geringen Wärmeentwicklung verbunden und die Wärme geht von der Haut auf das Prisma über. Im Prisma entsteht eine sogenannte thermische Linse, vergleichbar mit dem Mirageeffekt bei der flimmernden Luft auf heißem Asphalt im Sommer. Durch diesen Mirageeffekt im Prisma wird ein zweiter Laser abgelenkt; aus der Ablenkung kann die Glucosekonzentration bestimmt werden.

Für die neue Methode, die von der Arbeitsgruppe in der renommierten Fachzeitschrift „Analyst“ veröffentlicht wurde, hat Mäntele bereits im Sommer ein weiteres Patent eingereicht. „Wir sind überzeugt, dass unsere Methode breite Resonanz finden wird, nicht nur für die Glucosemessung, sondern auch für die Untersuchung von Salben und Kosmetika auf der Haut“, sagt Mäntele.

Aber auch wenn der Markt für solche Methoden sehr groß ist und zahlreiche Firmen an Entwicklungen auf diesem Gebiet interessiert sind, sucht das Team noch nach einer Finanzierung für die Entwicklung eines Prototyps. In drei Jahren könnte dann als Zwischenstufe ein Gerät in der Größe eines Schuhkartons zur Verfügung stehen, das dann auch klinisch erprobt werden kann. Parallel dazu finden erste Studien mit Diabetikern statt, die unter unterschiedlichen Bedingungen immer wieder zum Test vorbeikommen.

Sollte das Verfahren eines Tages mit Hilfe eines industriell gefertigten Geräts Eingang in den Alltag von Diabetikern finden, würde das nicht nur manchen schmerzhaften Pieks überflüssig machen, sondern auch viel Geld sparen: Derzeit zahlen allein die gesetzlichen Krankenkassen jährlich etwa 1,5 Milliarden Euro im Jahr für die notwendigen enzymatischen Blutzucker-Messstreifen. Das möglichst häufige Messen aber wird weiterhin notwendig bleiben, denn ein dauerhaft zu hoher Blutzuckergehalt kann unter Umständen verheerende Folgen haben, ebenso wie eine starke Unterzuckerung. Auch global wird das Interesse an einem besseren Diabetes-Management wachsen: In den USA, in Afrika und China steigen die Diabetikerzahlen weiterhin an.

Informationen: Prof. Dr. Werner Mäntele, Geschäftsführender Direktor
Institut für Biophysik, Goethe-Universität Frankfurt, Tel. ++49 (0) 69 798 46410

Bild zum Download unter: www.muk.uni-frankfurt.de/53440462

Personalia/Preise

Dez 15 2014
09:11

Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl verabschiedet sich und übergibt sein Amt an seine Nachfolgerin Prof. Birgitta Wolff

Wechsel an der Spitze der Goethe-Universität

FRANKFURT. Universitätspräsident Professor Werner Müller-Esterl übergab heute (13. Dezember) bei einem Festakt im Casino auf dem Campus Westend der Goethe-Universität den Stab an die designierte Nachfolgerin, Professor Birgitta Wolff, die am 15. Juli gewählt worden war. Wolff tritt ihr Amt zum Jahresbeginn 2015 an.

In Anwesenheit von 400 Gästen betonte Werner Müller-Esterl, das Amt habe ihm viel Freude bereitet und mannigfaltig neue Einblicke gewährt; es sei aber auch eine große Herausforderung gewesen. So sei ihm die Aufgabe zugefallen, die neu geschaffene Stiftungsuniversität mit Leben auszufüllen. „Ich habe diesen Auftrag angenommen und die Chancen ergriffen, die uns der neue Status der Universität bietet.“ Es sei gelungen, die Forschungsleistung und die wissenschaftliche Reputation der Frankfurter Universität zu steigern. Gleichzeitig galt es, den enormen Aufwuchs an Studierenden zu bewältigen und die Lehrqualität weiter zu verbessern. So gesehen habe die Goethe-Universität in seiner Amtszeit ihren Weg selbstbewusst und verantwortungsvoll fortgesetzt. Anerkennung gab es für wichtige Wegbegleiter, vor allem aber auch für die Regierung in Wiesbaden: „Wir sind dem Land dankbar für die gewährte Autonomie, aber auch für seine großen Anstrengungen zur baulichen Entwicklung der Universität“. Am Ende überreichte der Präsident den Stab an seine Nachfolgerin Birgitta Wolff und sagte: „Ich wünsche Ihnen eine glückliche Hand bei der Führung dieser großartigen Universität.“

Birgitta Wolff hob hervor: „Gerade für Forschung und Lehre gilt: wer sich nicht immer weiter verbessert, stagniert. Deshalb werden die weitere Entwicklung unserer Forschung, die Verbesserung der Studienbedingungen angesichts exorbitant gestiegener Studierendenzahlen und das GEMEINSAME Nachdenken über diese Verbesserungen die ersten Schwerpunkte meiner Arbeit sein. Ich möchte auch das WIR der Universität stärken. Meine persönlichen Ideen werde ich über von mir vorgeschlagene Kommunikationsformate mit der universitären Willensbildung und Strategiefindung verbinden. Ich spüre zu so einem gemeinsamen Prozess eine große Bereitschaft in der Universitätsgemeinschaft.“

„Nach einer erfolgreichen Amtszeit von Prof. Müller-Esterl sind wir gespannt, welche Akzente in der Weiterentwicklung von Hessens größter Universität Sie künftig setzen wollen, sehr verehrte Frau Präsidentin Wolff“, sagte der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein. „Die Stiftungsuniversität hat sich mit Unterstützung des Landes Hessen als Hauptgeldgeber  zu einer anerkannten Hochschule in Deutschland entwickelt. Mit Hilfe der mehr als 330 Millionen Euro, die die Landesregierung allein in diesem Jahr für die Goethe-Universität zur Verfügung stellt sowie den vielen zusätzlichen Millionen aus unserem Forschungsförderungsprogramm LOEWE und insbesondere dem Hochschulbauprogramm HEUREKA aus den vergangenen Jahren, hat die Stiftungsuniversität institutionell und baulich einen großen Schritt gemacht. Auf diese gemeinsame Leistung sind wir stolz. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass die Universität mit Frau Wolff eine Präsidentin gefunden hat, die das Vermögen besitzt, die Tradition dieser Universität - gemeinsam mit der Landesregierung - weiter zu entwickeln. Ich wünsche der neuen Präsidentin für ihre neue Aufgabe eine glückliche Hand.“

Der Staatsminister bei der Bundeskanzlerin, Dr. Helge Braun, lobte: „Die Goethe-Universität hat in den letzten Jahren immer wieder mit bundesweit beachteten Initiativen auf sich aufmerksam gemacht: Führend bei der Einwerbung von Deutschlandstipendien, als Stiftungsuni stark im Einwerben privater Mittel und Forschungsdrittmitteln, maßgeblich beteiligt an der Entwicklung von German U15, Initiator des Frankfurter Manifests für eine bessere Kooperation von Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Daran lässt sich nun unter neuer Leitung gut anknüpfen. Frau Wolff ist als ehemalige Ministerin ein politisches Schwergewicht. Wir freuen uns auf weitere hochschulpolitische Impulse mit bundesweiter Ausstrahlung aus Frankfurt.“

Der Frankfurter Oberbürgermeister, Peter Feldmann, sagte: „Als Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt habe ich Herrn Müller-Esterl als ausgesprochen verlässlichen und inspirierenden Gesprächspartner kennen gelernt. Gemeinsam haben wir in wenigen Jahren viel erreicht und das Band zwischen Stadt und Universität noch enger geknüpft – insbesondere im Jubiläumsjahr der Goethe-Universität. Für diese Offenheit und Zuwendung möchte ich mich im Namen der Stadt Frankfurt bei Ihnen persönlich bedanken. Ich wünsche mir, dass wir den daraus entstandenen Schwung in Zukunft für viele weitere Projekte nutzen können. Die Entwicklung Frankfurts kann – Stichwort Bürgeruniversität – noch stärker von der enormen wissenschaftlichen Expertise der Goethe-Universität profitieren. Dafür freue ich mich auf die künftige Zusammenarbeit mit Frau Wolff.

Der Vorsitzende des Hochschulrates, Dr. Rolf-E. Breuer, hob hervor, dass die Goethe-Universität in den letzten Jahren einen enormen Sprung nach vorn gemacht habe. „Die Goethe-Universität ist heute wieder im In- und Ausland als eine der forschungsstärksten deutschen Hochschulen geachtet. Sie ist zum Magneten für Wissenschaftler aus aller Welt geworden. Ich wünsche mir, dass diese Anziehungskraft künftig noch weiter wächst. Ich danke Herrn Prof. Müller-Esterl persönlich und im Namen des Hochschulrats für die hervorragende Zusammenarbeit, seine erfolgreiche Amtsführung und wünsche zugleich seiner Nachfolgerin, Frau Professor Wolff, für die bevorstehende Amtszeit alles erdenklich Gute. Mit ihr hat die Goethe-Universität eine exzellente Wahl im Hinblick auf eine erfolgreiche Zukunft getroffen.“

Veranstaltungen

Dez 12 2014
13:29

Kunstbeirat des Landes Hessen und Goethe-Universität wählen zwei Kunstobjekte für den Campus Westend aus

Kunst am Campus

FRANKFURT.Ein riesiger Fingerabdruck, der zum Verweilen einlädt. Ein überdimensionaler Hippocampus („Seepferdchen“), der metallisch glänzt: Diese beiden Objekte werden schon bald einen künstlerischen Akzent auf dem Campus Westend der Goethe-Universität setzen. Am Donnerstag hat das Preisgericht die Ergebnisse zweier Auslobungen zum Landesprogramm „Kunst am Bau“ bekannt gegeben.

Nachdem die bauliche Entwicklung der beiden Universitätsstandorte Campus Westend und Campus Riedberg weit fortgeschritten ist, stellt das Land im Zuge der Errichtung der einzelnen Neubauten Mittel in Höhe von rund einem Prozent der Baukosten für „Kunst am Bau“ zur Verfügung. Damit können Kunstobjekte für die beiden Campi angekauft werden.

Seit September liefen die beiden Wettbewerbe, zu denen namhafte deutsche und internationale Künstler eingeladen worden waren. Mit Vorgaben hielt man sich bei den Ausschreibungen zurück: Die Entwürfe sollten einen Bezug zur Universität, zu ihrer Umgebung und zur Geschichte, aber auch zu ihrer Diversität und Internationalität aufweisen, so der Ausschreibungstext. Acht Künstler beteiligten sich mit ambitionierten Entwürfen und Konzepten.

Das Preisgericht bestand aus dem Kunstbeirat des Landes Hessen, dem Universitätspräsidenten Prof. Werner Müller-Esterl, dem Leiter des universitären Immobilienmanagements, Dr. Albrecht Fester, sowie Kunstsachverständigen mit beratender Funktion. Für den Campus Westend konnten sich die Jury-Mitglieder auf den Entwurf der US-amerikanischen Künstlerin Pae White einigen, und auch das Konzept des argentinischen Künstlerpaares Dolores Zinny und Juan Maidagan fand gestern (Donnerstag) einhellige Zustimmung.

White, Jahrgang 1963, wurde Mitte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts mit ihren schwerelos anmutenden Mobiles bekannt. In ihren Arbeiten entwickelte sie Dialoge zwischen bildender Architektur und Design. Das für die Frankfurter Universität ausgedachte Objekt trägt den den Titel „FingerPlinth“ („Finger-Sockel“). Es stellt einen überdimensionalen Fingerabdruck dar, dessen Linien als Sockel unterschiedlicher Höhe ausgebildet sind und somit an ein Labyrinth oder an ein Amphitheater erinnern.

Das oval geformte Kunstwerk, das zwischen den Gebäuden der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und dem House of Finance entstehen soll, wird eine Fläche von rund 1500 Quadratmetern in Anspruch nehmen. Die „Fingerabdrucklinien“ werden nach Whites Konzept aus texanischem Hartkalkstein geschaffen, die aus einem Kiesbett ragen. Manche Sockel ähneln Pflastersteinen, andere „wachsen“ deutlich aus dem Grundniveau heraus. Das Ganze ist von einer goldschimmernden Bahn durchzogen – eine Anspielung auf das nahe gelegene Gebäude des House of Finance. „FingerPlinth“ füge sich ein in das Verhältnis zwischen Mensch und Welt, erklärt die Künstlerin ihr Konzept. Damit passe es gut auf den Campus, auf dem etwa die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, die Geistes- und Sozialwissenschaften sowie die Psychologie zu Hause sind. Es soll ein Objekt mit Funktion sein: FingerPlinth bietet Raum zum Sitzen und Nachdenken, für Bewegung und für zufällige Begegnungen.

Der zweite Siegerentwurf stammt von Dolores Zinny und Juan Maidagan. Beide Künstler stammen aus Argentinien und leben seit 2002 in Berlin. Die Auseinandersetzung mit Architektur und den politischen, psychischen und poetischen Prägungen eines Ortes ist seit jeher in ihrer Kunst spürbar. Ebenso in ihrem Entwurf für den Campus Westend: Die Jury-Mitglieder waren sich in der Diskussion einig, dass Zinny/Maidagans „Hippocampus“ besonders gut ins Umfeld des Poelzig-Baus („IG-Farben-Haus“) am Campus Westend passt. Auch inhaltlich: Steht der Hippocampus, eine Struktur im Mittelhirn, doch für das episodische Gedächtnis, für die Reflektion der Vergangenheit und für die Imagination zukünftiger Ereignisse. Der Entwurf, der in seiner Realisierung fünf Meter hoch sein soll, zeigt eine spiralförmig auseinandergezogene und abstrahierte Version der Hippocampus-Form. Der Bronzeguss mit einer inwendigen Konstruktion aus Edelstahl soll auf einem Betonfundament mit grünen Glas-Einschlüssen stehen. Die Jury kam überein, dass der richtige Standort neben dem Wasserbassin hinter dem IG-Farben-Gebäude wäre.

Zu keinem Ergebnis kamen die Jurymitglieder hinsichtlich eines Kunstwerks für den Campus Riedberg. Die dafür eingereichten Vorschläge erschienen in ihrem Bezug auf den geplanten Standort weniger überzeugend. Nach ausführlicher Würdigung und Diskussion votierte das Preisgericht dafür, die Aufgabe neu auszuloben.

„Ich freue mich, dass wir aus einem hochwertigen Bewerberfeld zwei herausragende Künstler für die neuen Objekte an unserem Standort Westend gewinnen konnten“, sagte Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl nach der Entscheidung. „Gerade Pae Whites ‚FingerPlinth‘ hat mir auf Anhieb gefallen. Der riesige Fingerabdruck ist nicht nur originell und sinnfällig, sondern kann sich auch zu einem Forum der Begegnung am Übergang zwischen Campus Westend und Grüneburgpark entwickeln. ‚Kunst am Bau‘-Maßnahmen helfen uns, künstlerische Akzente zu setzen und damit die Anziehungskraft unserer Universitätscampi weiter zu steigern“, so der Präsident.Dass es für den Campus Riedberg noch kein Projekt gibt, bedauerte der Präsident. „Man sollte eine solche Entscheidung aber nicht herbeizwingen. Ich bin zuversichtlich, dass wir bei einer Neuausschreibung ein anspruchsvolles Werk für unsere ‚Science City‘ finden werden.“

Bilder zum Download: Jury, Modell 1, Modell 2

Veranstaltungen

Dez 11 2014
13:23

Oberbürgermeister, Universitätspräsident und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft enthüllen erste beiden Plaketten des Wissenschaftsstadtplans im Frankfurter Westend

Frankfurt – Stadt der Wissenschaft, Stadt der Vordenker

FRANKFURT. Der Wissenschaftsstadtplan soll Frankfurts Ruf als Wissenschaftsstadt stärker in den Fokus rücken. Zu Ihrem Jubiläum hat die Goethe-Universität mit Unterstützung der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und der Stadtspitze daher ein besonderes Projekt auf den Weg gebracht: Mit dem Wissenschaftsstadtplan sollen im Lauf der nächsten ein bis zwei Jahre insgesamt 50 prominente Forscherinnen und Forscher mit Bezug zur Goethe-Universität im Frankfurter Stadtbild präsenter werden. Allein 19 Nobelpreisträger haben an der Goethe Universität studiert, gelehrt oder geforscht. An ihren früheren Wohnorten und denen weiterer Meisterdenker sollen dafür eigens angefertigte Plaketten angebracht werden, auf denen neben einem Bild kurze biografische Texte in Deutsch und Englisch angeboten werden. Ergänzt werden die Plaketten durch eine eigene Webpräsenz mit einem Stadtplan, auf dem die einzelnen Wohnorte verzeichnet sind. Hier sind auch umfassenderes Textmaterial und weitere Hintergründe zu den einzelnen Persönlichkeiten hinterlegt. In Zukunft sind zudem Führungen für Gäste und auch Einheimische geplant.

Zur Enthüllung der ersten beiden Tafeln des Wissenschaftsstadtplans in der Beethovenstraße im Frankfurter Westend möchten wir Sie als Vertreter der Medien

am Dienstag, den 16. Dezember, 13:00 Uhr,
Ort: Beethovenstraße 33, 60325 Frankfurt a.M. 

herzlich einladen. Neben Oberbürgermeister Peter Feldmann und Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl nimmt auch der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Dr. Roland Kaehlbrandt, an der Enthüllung teil.

Der Medientermin findet im Außenbereich des Anwesens in der Beethovenstraße 33 statt, in dem in den 1920er Jahren der Nobelpreisträger Max von Laue gewohnt hatte; im Anschluss[SH1]  wird dann in der Bockenheimer Landstraße 95 eine weitere Plakette zu Ehren von Erwin Madelung enthüllt, der als Professor für Theoretische Physik von 1921 bis 1949 an der Goethe-Universität lehrte. Er forschte vor allem zur Atomphysik und zur Quantenmechanik. Nach ihm wurde die von ihm abgeleitete Madelung-Konstante für Ionengitter benannt.

Bitte teilen Sie uns mit, ob Sie an dem Termin teilnehmen wollen (Frau Ott, E-Mail: ott@pvw.uni-frankfurt.de)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Olaf Kaltenborn
Pressesprecher

Veranstaltungen

Dez 11 2014
11:48

Veranstaltung am Montag, den 15. Dezember, bringt im Frankfurter Dominikanerkloster prominente Vertreter der Finanzwirtschaft aufs Podium

Lektionen gelernt? Bürgeruniversität widmet sich erneut Finanzmarktkrise

FRANKFURT. Als Rainer Voss im Jahr 2013 zum einsamen Helden eines sehenswerten und vielfach preisgekrönten Dokumentarfilms „Der Banker - Master of the Universe“ von Marc Bauder wurde, hatte er seine Karriere als einer der führenden deutschen Investmentbanker bereits hinter sich. Schonungslos entlarvt der Ex-Banker in diesem Film die Methoden und Rollenmodelle eines Systems, das völlig die Bodenhaftung verloren hatte. (Link zum Film: https://www.youtube.com/watch?v=g6S0s1YQmzs)

Am Montag, den 15. Dezember, 19.30 Uhr, besteht bei der Bürgeruniversität der Goethe-Universität im Frankfurter Dominikanerkloster unter dem Titel „Lektionen gelernt? Dimensionen der Finanzkrise“ Gelegenheit, Rainer Voss als Teilnehmer des Podiums persönlich kennen zu lernen. Voss diskutiert mit weiteren prominenten Vertretern der Finanzwirtschaft

  • Dr. Andreas Dombret, Vorstand für Bankenaufsicht der Deutschen Bundesbank,
  • Daniel Kolter, Leiter des Deutschlandgeschäfts der Ratingagentur Moody´s sowie
  • Prof. Jan Pieter Krahnen vom Lehrstuhl für Kreditwirtschaft der Goethe-Universität

u.a. über die Frage, ob inzwischen genügend Vorkehrungen getroffen wurden, um Finanzkrisen wie 2008 wirkungsvoll zu verhindern.

Im Wintersemester 2012 hatte die Goethe-Universität ein ganzes Wintersemester lang das Thema Finanzmarktkrise an sechs Abenden in den Mittelpunkt der damaligen Bürgeruniversität gestellt. Insofern kann der bevorstehende Abend am 15. Dezember auch als eine Wiederauflage der damaligen Diskussionen angesehen werden, die von insgesamt über 2.500 Menschen verfolgt und mitgestaltet worden waren. In die zum Teil leidenschaftlich geführten Debatten hatten sich im Umfeld der Occupy-Besetzung vor dem Hauptgebäude der Europäischen Zentralbank auch hunderte Frankfurter Bürger mit eigenen Beiträgen eingebracht.

Frankfurter Bürgeruniversität: „Lektionen gelernt? Dimensionen der Finanzkrise“, Dominikanerkloster, Kurt-Schumacher-Str. 23, 60311 Frankfurt am Main, Beginn: 19:30 Uhr, Eintritt frei

Personalia/Preise

Dez 10 2014
16:49

Der Frankfurter Althistoriker erhält Spitzenauszeichnung der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Leibniz-Preis für Hartmut Leppin

FRANKFURT. Der Frankfurter Althistoriker Prof. Hartmut Leppin erhält den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2015, das gab der Hauptschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) am Nachmittag in Bonn bekannt. Prof. Werner Müller-Esterl, Präsident der Universität Frankfurt, gratulierte dem Forscher, der zusammen mit acht Wissenschaftlern ausgewählt wurde. Müller-Esterl bezeichnete den Preis als „Auszeichnung für einen Wissenschaftler, der mit seiner Forschung zur Geschichte der Antike entscheidend zur Profilierung der Geschichtswissenschaften an der Goethe-Universität beigetragen hat. Der Preis ist das ‚i-Tüpfelchen‘ auf dem Jubiläumsjahr der Goethe-Universität.“ Durch seine vielfältigen Publikationen und sein Engagement in international sichtbaren Verbundforschungsprojekten habe sich Leppin ein herausragendes internationales Renommee erworben. „Mit Leppin hat die Goethe-Universität allein seit 2010 fünf Leibniz-Preisträger hervorgebracht. Dies zeigt die enorme Forschungsstärke unserer Hochschule“, freut sich Müller-Esterl. „Und es ist bereits der vierte Preis, der in die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften geht.“

Der 50-jährige Historiker hat seit 2001 die Professur für Alte Geschichte an der Goethe-Universität inne, der er trotz ehrenvoller Rufe nach Hannover, Köln und an die Humboldt-Universität Berlin treu geblieben ist. Seine Forschungsgebiete bilden die politische Ideengeschichte des Klassischen Griechenlands sowie die Geschichte des Christentums in der Antike. In vielen seiner wissenschaftlichen Veröffentlichungen überspringt er die Epochengrenzen zwischen Altertum und Mittelalter. Seine Forschung umfasst eine Zeitspanne von 600 Jahren – von  Christi Geburt bis zum Beginn des Islam.

Leppin sucht den Dialog nicht nur mit Kollegen in den Geschichtswissenschaften, er ist auch bestens mit Geistes- und Sozialwissenschaftlern vernetzt. Davon zeugt der jüngste Erfolg mit der DFG-Bewilligung des Sonderforschungsbereiche „Schwächediskurse und Ressourcenregime“, dessen Sprecher Leppin ist. Außerdem engagiert sich der Althistoriker als Principal Investigator in dem Frankfurter Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Zudem  ist er beteiligt am Graduiertenkolleg zu dem Thema „Theologie als Wissenschaft“. Ferner gehört er zu den Trägern des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften an der Goethe-Universität. Dieses Zentrum bezeichnete die VolkswagenStiftung als „originell, innovativ und beispielgebend“ und stellte für die Zentrumsarbeit über 820.000 Euro zur Verfügung.

Besondere Aufmerksamkeit erweckte Leppins im C.H. Beck Verlag 2011 erschienene, auch von Nicht-Historikern sehr geschätzte Monografie „Das Erbe der Antike“. Darin erläutert Leppin anschaulich, dass das heutige Europa seinen Ursprung im antiken Mittelmeerraum hat. Er illustriert die Geschichte der Antike entlang dreier Begriffe: Freiheit, Reich und wahrer Glaube. Damit deckt er wesentliche Epochen ab: mit „Freiheit“ das klassische Griechenland in der Zeit der attischen Demokratie, mit dem „Reich“ das Römische Reich und schließlich mit „wahrer Glaube“ das spätantike Reich.

Derzeit widmet sich Leppin hauptsächlich seiner Forschung zu „Christianisierungen im Römischen Reich“. Diese Arbeit wird im Rahmen eines Koselleck-Projekts von der Deutschen Forschungsgemeinschaft über fünf Jahre mit 500.000 Euro gefördert. Anders als zur Hellenisierung oder Romanisierung wurde zur Christianisierung bisher wenig geforscht wird. Diese Lücke soll das Projekt schließen, indem es die für die weitere europäische und außereuropäische Geschichte fundamentalen Prozesse in der Kaiserzeit und Spätantike theoretisch und empirisch untersucht. Christianisierung verlief in verschiedenen Regionen und Bereichen wie kaiserliche Selbstdarstellung und Verwendung christlicher Zeichen in der Kunst unterschiedlich schnell und intensiv. Deshalb spricht Leppin auch im Titel bewusst von Christianisierungen. Kurz vor dem Erscheinen ist das von Leppin herausgegebene Buch „Antike Mythologie in christlichen Kontexten der Spätantike, das im de Gruyter Verlag herauskommen wird. Dieses umfassende Projekt verbindet sich gut mit Leppins Forschungen im Rahmen des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Dort beschäftigt er sich mit kaiserlicher Politik und Räumen der Religionen im 3. Jahrhundert. Die Frage, in welchem Umfang das christliche Reich religiöse und kulturelle Vielfalt zuließ oder begrenzte, will Leppin nun mit der Förderung durch den Leibniz-Preis vertiefen. So möchte der Althistoriker eine Brücke zur Erforschung des frühen Islam schlagen und einen Beitrag zu der Frage leisten, wie sich die Ausbreitung drei monotheistischen Religionen historisch ausgewirkt hat.

Zur Biografie des Leibniz-Preisträger: Leppin studierte Geschichte, Latein, Griechisch und Erziehungswissenschaften in Marburg, Heidelberg und Pavia. 1988 erfolgte das Erste Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien in Geschichte und Latein, 1990 wurde er in Marburg mit einer Studie über römische Bühnenkünstler promoviert, 1995 folgte die Habilitation an der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit über die griechischen Kirchenhistoriker des 5. Jahrhunderts n. Chr. Seit 2001 lehrt er an der Goethe-Universität. Er ist Vertrauensdozent der Studienstiftung des deutschen Volkes und Fachkollegiat der DFG. Ferner ist Leppin als Beirat und Mitherausgeber für verschiedene Publikationen tätig: Antike Welt, Centro Ricerche e Documentazione sull’antichità classica, Handwörterbuch der antiken Sklaverei, Historische Zeitschrift, Millennium sowie Reallexikon für Antike und Christentum.

Mit Hartmut Leppin wird bereits der 16 Wissenschaftler der Goethe-Universität ausgezeichnet: 1986 hielten sowohl der Philosoph Jürgen Habermas als auch der spätere Nobelpreisträger und Biochemiker Hartmut Michel den begehrten Preis. Es folgten der Historiker Lothar Gall (1988), der Physiker Reinhard Stock (1989), der Rechtshistoriker Michael Stolleis (1991), der Mathematiker Claus-Peter Schnorr (1993), der Physiker Theo Geisel (1994), der Chemiker Christian Griesinger (1998), der Paläontologe Volker Mosbrugger (1999), die Biologin Stefanie Dimmeler (2005), der Historiker Bernhard Jussen (2007), der Wirtschaftswissenschaftler Roman Inderst (2010), der Philosoph Rainer Forst (2012) der Biochemiker Ivan Dikic (2013) und der Rechtswissenschaftler Armin von Bogdandy (2014).

Weitere Informationen: Prof. Hartmut Leppin, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel: (069) 798-32456, h.leppin@em.uni-frankfurt.de

Link zum Foto des Preisträgers: www.muk.uni-frankfurt.de/53398420

Veranstaltungen

Dez 10 2014
15:32

Weihnachtsvorlesung der Professoren Theo Dingermann und Dieter Steinhilber handelt von der Sucht einer Pop-Ikone

Amy Winehouse: Wenn Alkohol zum (tödlichen) Problem wird

FRANKFURT. Die Pharmazeuten Prof. Theo Dingermann und Prof. Dieter Steinhilber laden auch in diesem Jahr alle Interessierten zu ihrer Weihnachtsvorlesung auf den Campus Riedberg ein. In ihrem Vortrag geht es wieder um eine Ikone der Popmusik - um die 2011 im Alter von gerade einmal 27 Jahren verstorbene britische Sängerin Amy Winehouse. Nach den Vorträgen zur Suchterkrankung von Joe Cocker und der Schlafmittelsucht von Michael Jackson geht es in diesem Jahr um eine Sucht, die durch ein legales Genussmittel verursacht wird - das jedoch verheerend wirkt, wenn die Sucht-relevanten Prozesse wie bei der Sängerin Amy Winehouse einmal ins Rollen kommen.

Dingermann und Steinhilber werden über die physiologischen Veränderungen im Gehirn der Betroffenen unterrichten und deutlich machen, dass diese Prozesse unumkehrbar sind. „Das Gehirn hat keine Löschtaste“ ist dabei eine der zentralen Aussagen. Was über das dopaminerge Belohnungssystem einmal erlernt wurde, ist festgeschrieben in neuronalen, anatomischen Veränderungen, die teils mit bloßem Auge erkennbar sind. Daher bedarf es zu pharmakologischen Ansätzen im Rahmen einer Entwöhnung ganz neuer Strategien. Drogentherapien zielen heute auch darauf ab, zu lernen, das Erlernte zu „überschreiben“. Dies wird mit dem Begriff „Extinktionslernen“ überschrieben, ein langer, mühsamer Prozess, den viele nicht zu beenden in der Lage sind.

Weihnachtsvorlesung von Prof. Dr. Theo Dingermann u. Prof. Dr. Dieter Steinhilber:
„Amy Winehouse: Wenn Alkohol zum (tödlichen) Problem wird“. 
Dienstag, 16. Dezember, 11 Uhr (c.t.), Biozentrum, Hörsaal B1, Campus Riedberg.

Weitere Informationen: Dr. Ilse Zündorf, Institut für Pharmazeutische Biologie
Goethe-Universität Frankfurt a.M., Max-von-Laue-Str. 9, 60438 Frankfurt, Tel. (069) 79829648, zuendorf@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Dez 10 2014
15:31

Jubiläums-Ausstellung zum Bockenheimer Kramer-Bau. Eröffnung am 16. Dezember

50 Jahre Gebäude der Zentralbibliothek

FRANKFURT. Vor genau fünfzig Jahren wurde das zentrale Bibliotheksgebäude für die Universität am Campus Bockenheim fertiggestellt. Die Ausstellung zeigt das für diese Zeit neuartige Konzept und die technischen Innovationen des Gebäudes. Zeitgenössische Fotografien und Baupläne werden durch Zitate der 'Bauherren' Bibliotheksdirektor Clemens Köttelwesch und Ferdinand Kramer, Baudirektor der Universität,  ergänzt. Exponate machen den Bibliotheksalltag der 1960er Jahre wieder erlebbar.

Die Ausstellung wird gezeigt in der Bibliothek Kunstgeschichte/Städelbibliothek und Islamische Studien, Senckenberganlage 31. Sie wird eröffnet am 16. Dezember um 17.00 Uhr und ist bis zum 13. Februar 2015 zu sehen (Mo-Do 10.00-20.00 Uhr, Fr 10.00-17.00 Uhr).

Forschung

Dez 9 2014
12:18

Das Frankfurter Reaktionsmikroskop COLTRIMS liefert neue Erkenntnisse – Aktuelle Veröffentlichung in der renommierten Fachzeitschrift „nature communications“

Wie in einer Wolke – Wo platzieren sich die Helium-Atome im Molekül?

FRANKFURT. Wieder einmal haben Frankfurter Physiker dazu beigetragen, eine Streitfrage der theoretischen Physik zu entscheiden. Zwar ist in der Wissenschaft längst bekannt, dass Helium entgegen der alten Lehrmeinung Moleküle aus zwei, drei oder sogar mehr Helium-Atomen bildet. Wie das aus drei Atomen bestehende He3 allerding genau aussieht, war unter Theoretikern rund 20 Jahre umstritten. Neben der intuitiven Annahme, dass die drei identischen Bestandteile ein gleichseitiges Dreieck bilden, existierte auch die Hypothese, dass die drei Atome linear, also in einer Reihe angeordnet sind. Wie die Wissenschaftler um Prof. Dr. Reinhard Dörner und seinen Doktoranden Jörg Voigtsberger in der heute erschienenen renommierten Fachzeitschrift „nature communications“ berichten, konnten sie mit dem in Frankfurt entwickelten Reaktionsmikroskop COLTRIMS zeigen, dass die Wahrheit dazwischen liegt.

„Die Natur zieht sich hier ziemlich elegant aus der Affäre: Wir haben Helium unter unserem Reaktionsmikroskop angeschaut, und dabei zeigte sich, dass He3 wie eine Wolke ist“, sagt Voigtsberger, aus dessen Dissertation die Resultate der Veröffentlichung stammen. „Egal ob linear oder dreieckig oder eine andere Konfiguration: Alle sind gleich wahrscheinlich, wie das für die Quantenmechanik typisch ist.“ Die Ergebnisse von Voigtsberger und seinen Kollegen machen außerdem Schluss mit einer aus der Schulzeit übernommenen Vorstellung: Das He3-Molekül besteht nicht aus eine festen Struktur, so wie etwa das Wasserstoffmolekül H2 und das Kohlendioxid-Molekül CO2, bei denen die einzelnen Atome quasi direkt aneinander stoßen. Im Gegensatz dazu ist He3 wie eine Wolke – der Abstand zwischen den Atomen ist ungefähr zehnmal so groß wie der Atom-Radius.

Schließlich berichten Voigtsberger und Dörner, dass sich eine Variante der Moleküls He3 ungewöhnlich verhält: Normale Helium-Atome bestehen aus zwei Protonen und zwei Neutronen. Wenn man eines der drei Helium-Atome durch das leichtere Isotop ersetzt, das nur aus zwei Protonen und einem Neutron besteht, dann ist das Molekül im sogenannten Quantenhalo-Zustand: Das leichtere Isotop ist weiter von den beiden anderen Atomen entfernt, als es nach der klassischen Physik dürfte. „Das kann man sich vorstellen wie Tischtennisbälle in einer Suppenschüssel“, erläutert Dörner. „Normale Atome sammeln sich am Boden der Schüssel, in einen Minimum des Potenzials. Wenn sie den Potenzialberg, also die Wand der Schüssel überwunden haben, sind sie völlig vom Molekül getrennt. Das leichtere Helium-Isotop befindet sich also gewissermaßen außerhalb der Schüssel, aber durch den quantenmechanischen Tunneleffekt ‚merkt‘ es immer noch etwas von den Atomen in der Schüssel und kann nicht einfach wegfliegen.“

Das Reaktionsmikroskop COLTRIMS, mit dessen Hilfe die Experimente an den Helium-Molekülen gemacht wurden, hat seine Vielseitigkeit schon mehrfach bewiesen: So konnten Mitglieder der Arbeitsgruppe Dörner im Jahr 2013 schon einmal einen Disput der theoretischen Physik entscheiden. COLTRIMS-Experimente bewiesen damals, dass vor rund 80 Jahren der Standpunkt des dänischen Physikers Niels Bohr in der „Einstein-Bohr-Debatte“ korrekt gewesen war, und kurz zuvor hatten weitere Physiker aus der AG Atomphysik COLTRIMS dazu verwendet, die Zerstörung eines Moleküls durch einen starken Laserpuls zu „filmen“ – diese Reaktion läuft so schnell ab, dass sie von keiner normalen Kamera erfasst werden kann.

Veröffentlichung: J. Voigtsberger et al., Imaging the structure of the trimer systems 4He3 und 3He4He2 in: Nature communications, 5:5765, DOI: 10.1038/ncomms6765

Informationen: Prof. Dr. Reinhard Doerner, Institut für Kernphysik, Campus Riedberg, Telefon (069) 798-47003, doerner@atom.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Dez 9 2014
10:50

Am 8. Dezember empfing das Goethe-Schülerlabor Physik seine/n 1000. Besucher/in

1000 Mal Begeisterung

FRANKFURT. Im Goethe-Schülerlabor Physik können Schülerinnen und Schüler selbstständig spannende Experimente durchführen und so ihr Wissen aus dem Schulunterricht vertiefen und erweitern. Auch Messungen und Simulationen mit dem Computer sind Teil des Angebots. Bereits 11 Monate nach der Einweihung heißt  das Schülerlabor am Campus Riedberg nun seine/n 1000. Besucher/in mit einem kleinen Geschenk willkommen.

Nicht nur Schüler und Lehrer sind von dem breiten Themenangebot des Schülerlabors begeistert. Auch Referendare in der Ausbildung finden hier Inspirationen für einen spannenden Physik-Unterricht. Zurzeit bietet das Goethe-Schülerlabor Physik vor allem Themen für die Sekundarstufen I und II an, zum Beispiel das „Schülerlabor Kriminalistik“. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler den „Mord im Museum“ mit Hilfe kriminaltechnischer Untersuchungen lösen. Für Grundschulkinder wird das “Schülerlabor Grundverständnis Magnetismus“ angeboten, weitere Themen sollen nächstes Jahr folgen.

Gefördert wird der Auf- und Ausbau des Goethe-Schülerlabors Physik von der Adolf Messer Stiftung.

Aktuelle Angebote des Schülerlabors: http://www.uni-frankfurt.de/49209600/Schuelerlabor  

Informationen: Prof. Thomas Wilhelm, Institut für Didaktik der Physik, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-47845; wilhelm@physik.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Dez 9 2014
10:48

Frankfurter Islamwissenschaftlerin Dr. Armina Omerika beleuchtet die Diskussionen in Bosnien

Koran-Übersetzungen als Politikum

FRANKFURT. Die Übersetzung des Korans aus dem Arabischen in eine andere Sprache kann ein Politikum sein. Dies wird die Islamwissenschaftlerin Dr. Armina Omerika von der Goethe-Universität in ihrem Vortrag am Montag (15. Dezember) am Beispiel der Übertragungen des Korans ins Bosnische/Serbische/Kroatische näher beleuchten.

Die Veranstaltung gehört zu der Vorlesungsreihe „Der Koran – Ein Text im Dialog zwischen Osten und Westen“. Sie wird im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG im Wintersemester vom Zentrum für Islamische Studien der Goethe-Universität veranstaltet und wendet sich insbesondere an die Bürger im Rhein-Main-Gebiet. Die Vorlesung beginnt um 18 Uhr im Renate von Metzler-Saal, Casino, Campus Westend.

Trotz der jahrhundertelangen Präsenz des Islam und der Einbindung weiter Teile Südosteuropas in die staatlichen Strukturen des Osmanischen Reiches erfolgte die erste direkte Übertragung des Korans aus dem Arabischen in die Sprache einer der größten muslimischen Bevölkerungsgruppe der Region, der Bosniaken, erst im Jahre 1977 durch den Gelehrten Besim Korkut. Korkuts Übersetzung waren andere vorausgegangen, die allerdings auf Umwegen über andere Sprachen erfolgt waren, etwa über das Französische oder das Türkische. Die Übertragungsakte lösten zum Teil heftige innermuslimische Polemiken über die generelle Übersetzbarkeit des Korans und damit auch über den exegetischen Zugang zum koranischen Text aus.

Anhand von drei Koran-Übersetzungen ins Bosnische/Serbische/Kroatische (Ljubibratić 1895; Pandža/Čaušević 1937 und Korkut 1977) und der Darstellung der sie begleitenden Debatten wird die Wissenschaftlerin zeigen, dass die Frage der Koran-Übersetzungen in einem engen Zusammenhang mit der Neubewertung der islamischen theologischen Traditionen durch die Muslime des Westbalkans stand. Dabei spielten die Bedingungen der Moderne eine entscheidende Rolle. So wurden beispielsweise nicht nur die lexikalischen und grammatikalischen Entscheidungen der Übersetzer kritisiert, sondern auch die bei der Übersetzung zu Hilfe genommenen arabisch-sprachigen Korankommentare und deren theologischen Grundannahmen.

Darüber hinaus standen die Koran-Übersetzungen, ihre Motivationen und auch die ausgelösten Debatten in einem engen Zusammenhang mit den sprach-, wissenschafts- und religionspolitischen Entwicklungen. Sie waren auch nicht frei von vorherrschenden (national)staatlichen Ideologien der jeweiligen Zeit. „Es sind diese Wechselwirkungen, die aus den Übersetzungen des Offenbarungstextes über rein theologische Implikationen hinaus auch ein Politikum machten“, betont Armina Omerika.

Die Frankfurter Islamwissenschaftlerin wurde 1976 in Mülheim an der Ruhr geboren, besuchte die Grundschule in Mostar, Bosnien und Herzegowina, Abitur machte sie 1996 in Mülheim. Armina Omerika studierte Islamwissenschaften, Film- und Fernsehwissenschaften und Anglistik an der  Ruhr-Universität Bochum und an der John Moores University Liverpool. Sie promovierte 2009 in Islamwissenschaften  an der Ruhr-Universität Bochum zum Thema „Jungmuslime in Bosnien und Herzegowina, 1941-1983“. Es folgten Lehr- und Forschungstätigkeiten in Islam- und Geschichtswissenschaften an den Universitäten Bochum, Erfurt, Basel, Frankfurt und an der St. Lawrence University, Canton/NY (USA). Seit Mai 2013 ist sie Leiterin der Postdoc-Gruppe „Wissens- und Methodentransfer in den Islamischen Studien“ am Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam an der Goethe-Universität Frankfurt. Im Sommersemester 2014 hatte sie eine Vertretungsprofessur Islamische Studien/Islamische Theologie an der Universität Hamburg inne.

Sie hat zahlreiche Publikationen zum Themenfeld „Islam auf dem Balkan“ veröffentlicht, u.a. „Muslimische Stimmen aus Bosnien und Herzegowina. Die Entwicklung einer modernen islamischen Denktradition“ (Herder Verlag 2013); „Islam in Bosnien und Herzegowina im 20. Jahrhundert und das Netzwerk der Jungmuslime“ (Harrassowitz Verlag 2014). Armina Omerika war Stipendiatin der Volkswagen-Stiftung und der Gerda-Henkel-Stiftung und von 2010 bis 2012 Mitglied des Plenums der Deutschen Islam Konferenz.

Weitere Vorträge in der Reihe „Der Koran – Ein Text im Dialog zwischen Osten und Westen“ auf einen Blick:

Die Veranstaltungen finden jeweils montags um 18 Uhr im Renate von Metzler-Saal, Casino, Campus Westend statt.

12. Januar 2015
Nicolai Sinai, Universität Oxford
Wie viel Kritik verträgt der Koran? Zum gegenwärtigen Stand der historisch-kritischen Koranforschung

26. Januar 2015
Stefan Wild, Universität Bonn
Viele Wege zum Text? Gespräche zwischen muslimischen Gelehrten und Orientalisten

9. Februar 2015
Podiumsdiskussion
Den Text verstehen. Zeitgenössische Koranhermeneutik in der islamischen Welt
Moderation: Bekim Agai, Goethe-Universität
Sunnitische Zugänge: Rotraud Wielandt, Universität Bamberg
Schiitische Zugänge: Katajun Amirpur, Universität Hamburg

Informationen: Prof. Dr. Bekim Agai, Zentrum für Islamische Studien, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 32751, agai@em.uni-frankfurt.de, www.islamischestudien.uni-frankfurt.de

Forschung

Dez 9 2014
10:46

10 Jahre bürgerschaftliches Engagement

FIAS: 10 Jahre Spitzenforschung

FRANKFURT. Das Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) besteht seit zehn Jahren. Gegründet 2004 als Stiftung der Goethe-Universität gilt das Institut heute als ein international herausragender Ort der interdisziplinären Grundlagenforschung über komplexe Systeme. Getragen wird die Forschung am FIAS vom Land Hessen, anderen öffrentlichen Stellen und vom bürgerschaftlichen Engagement, von Stiftungen und Privatpersonen. Damit ist das FIAS auch ein einzigartiges Beispiel für die Zusammenarbeit von öffentlicher Hand und Privatpersonen für die Grundlagenforschung in Deutschland, der sogenannten Public-Private-Partnership. Mehr als 60 Millionen Euro sind bisher aus Drittmitteln in die FIAS-Forschung geflossen.

Unterstrichen wird die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements am FIAS durch zwei neue Großspenden von je einer Million Euro aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums. Die Johanna-Quandt Universitäts-Stiftung stellt dem FIAS ohne Auflagen eine Million Euro  für die Forschung zur Verfügung. Bisher hat die Stiftung,  unter anderem mit der Johanna-Quandt-Stiftungsprofessur (Prof. Jochen Triesch), das  FIAS mit Zuwendungen und Finanzierungszusagen im Umfang von rund fünf Millionen Euro unterstützt. Der Vorstand der Johanna-Quandt-Stiftung, Dr. Jörg Appelhans, erläuterte das Engagement der Stiftung mit den Worten: „Das FIAS zeigt eindrucksvoll, wie aus privatem Engagement und öffentlicher Förderung wissenschaftliche Spitzenleistungen erwachsen können. Die zweckfreie Forschung am FIAS halten wir für besonders wichtig, um wichtige Zukunftsfragen in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zu  stellen und interdisziplinär nach Antworten zu suchen.“  

Die Stiftung Giersch beabsichtigt mit ihrer Spende, das Stiftungskapital des FIAS aufzustocken und vor allem ein Kulturprogramm für die am FIAS tätigen ausländischen Forscher zu finanzieren.

Beim Festakt zum zehnjährigen FIAS-Jubiläum sagte der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein, „beim FIAS haben wir es mit einer einzigartigen Denkfabrik zur Vernetzung der Naturwissenschaften zu tun. Hier wird Zukunft nicht nur ‚gedacht‘ sondern auch ‚gemacht‘. Es wird dort großartige interdisziplinare Grundlagenforschung betrieben. Daher unterstützen wir das FIAS auch mit einer jährlichen Förderung in Höhe von 410.000 Euro. Ich bin sehr stolz darauf, dass das FIAS eine Teil des Wissenschaftsstandortes Hessen ist.“

Der Präsident der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Werner Müller-Esterl, unterstrich beim Festakt zum zehnjährigen Bestehen die positive Entwicklung der Zusammenarbeit von Universität und FIAS: „Es ist schön zu sehen, in welchem Ausmaß sich das FIAS in den letzten Jahren zu einer der drittmittelstärksten Einrichtungen im Umfeld der Goethe-Universität entwickelt hat. Die wissenschaftlichen Themen, die hier bearbeitet werden, sind relevant und wegweisend. Dank der fruchtbaren Kooperation mit der Goethe-Universität können an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis wichtige Neuerungen realisiert werden, wie in jüngster Zeit der effizienteste Großrechner der Welt.“

Das FIAS wurde 2004 auf Initiative des damaligen Präsidenten der Goethe-Universität, Prof. Rudolf Steinberg, und der beiden langjährigen Gründungsvorstände, dem Physiker Prof. Walter Greiner und dem Hirnforscher Prof. Wolf Singer, als Stiftung der Goethe-Universität ins Leben gerufen. Ziel war es, ein Leuchtturm-Institut der hessischen Forschung zu errichten: Eine international herausragende Forschungsstätte, wo – aufbauend auf den Ergebnissen von Experimenten – für komplexe Systeme der Natur theoretische Modelle entworfen, in Simulationen überprüft und neue Fragestellungen entwickelt werden. Beispiele für derartige Systeme sind die Vorgänge im Atomkern, das Immunsystem oder die Arbeitsweise des Gehirns. Damit wurden attraktive Arbeitsmöglichkeiten für Spitzenforscher und hervorragende Ausbildungsmöglichkeiten für den wissenschaftlichen Nachwuchs geschaffen. Dabei galt das Prinzip: Die Finanzierung der Infrastruktur trägt das Land Hessen, die Finanzierung der Forschung erfolgt durch Drittmittel.

Heute blickt das FIAS auf zahlreiche Erfolge zurück. So arbeiteten FIAS-Forscher daran, Wirkungen und Nebenwirkungen der Schwerionen-Krebstherapie berechenbar zu machen. Außerdem werden wesentliche Experimente des internationalen Beschleunigerzentrums FAIR, das derzeit bei Darmstadt entsteht, am FIAS modelliert und simuliert. Hirnforscher am FIAS entwickelten neue Einsichten, wie – trotz ständiger Veränderungen im Gehirn – das Langzeitgedächtnis des Menschen funktioniert. Ein jüngster, besonders auch international beachteter Erfolg der FIAS-Forscher ist die Entwicklung des weltweit energieeffizientesten Supercomputers für das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt. Da Supercomputer heute eines der wichtigsten Werkzeuge der theoretischen Naturwissenschaften sind, geht es bei den Höchstleistungsrechnern des FIAS darum, sie nicht nur superschnell, sondern auch umweltschonend, sowie energie- und kostensparend zu bauen und zu betreiben.

Am FIAS arbeiten heute rund 140 Wissenschaftler und Doktoranden aus 25 Nationen in den Arbeitsfeldern Physik, Hirnforschung, Lebenswissenschaften & Chemie und Computerwissenschaften. Enge Kooperationen bestehen mit der Goethe-Universität Frankfurt, Forschungsinstituten in der Region sowie mit international führenden Forschungszentren weltweit. Ergebnis einer Kooperation des FIAS mit dem Brookhaven National Laboratory in den USA war beispielsweise die gemeinsame Entdeckung des bisher schwersten Atomkerns der Antimaterie, des Anti-Heliums. In Zukunft will das FIAS in einem weiteren Arbeitsbereich komplexe systemische Risiken erforschen, wie sie in der Natur und auch in der Wirtschaft vorkommen.

Weitere bedeutende Unterstützer des FIAS im privaten Sektor sind die Hertie-Stiftung, der Stiftungsfonds Deutsche Bank, die Alfons und Getrud Kassel-Stiftung und die VolkswagenStiftung. Aber auch zahlreiche Privatpersonen haben das FIAS im Laufe der Jahre mit Zuwendungen unterstützt, etwa der frühere Spitzenmanager Dr. Helmut O. Maucher. Auf die von ihm gespendete Helmut-Maucher-Stiftungsprofessur für systemische Risiken hat vor wenigen Tagen ein junger Wissenschaftler einen Ruf erhalten.

Weitere Informationen: Hildegard Becker-Toussaint, Tel. 069 798 47618, E-Mail: BT@fias.uni-frankfurt.de; Prof. Volker Lindenstruth, Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS), Ruth-Moufang-Str. 1, 60438 Frankfurt am Main, Tel. 069-798 47600, E-Mail: voli@compeng.de, Web: fias.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Dez 9 2014
10:44

Prof. Werner Müller-Esterl übergibt am 13. Dezember Amt des Präsidenten an seine Nachfolgerin , Prof. Birgitta Wolff

Stabwechsel an der Spitze der Goethe-Universität

Medieneinladung

Stabwechsel an der Spitze der Goethe-Universität: Im Beisein des Hessischen Ministers für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein, des Staatsministers bei der Bundeskanzlerin, Dr. Helge Braun, des Oberbürgermeisters der Stadt Frankfurt, Peter Feldmann, sowie 400 weiterer Gäste übergibt Prof. Werner Müller-Esterl am 13. Dezember das Amt des Präsidenten an seine Nachfolgerin, Prof. Birgitta Wolff. Nach einer Bilanz des scheidenden Universitätspräsidenten wird die designierte Präsidentin einen ersten Ausblick geben.

Am 15. Juli 2014 war Wolff zur Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt gewählt worden. Offiziell übernimmt sie die Amtsgeschäfte an Hessens größter und Deutschlands drittgrößter Universität zum 1. Januar 2015.

Wir laden Sie als Medienvertreter herzlich ein, an dem Festakt teilzunehmen. Dieser findet statt am

Samstag, den 13. Dezember, 11-13 Uhr,
Goethe-Universität, Campus Westend, Festsaal Casino, 60323 Frankfurt am Main

Bitte teilen Sie uns mit, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen können (Mitteilung an Frau Ott, Tel.: 069/798-12472, E-Mail: ott@pvw.uni-frankfurt.de

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Olaf Kaltenborn
Pressesprecher
Goethe-Universität Frankfurt

Personalia/Preise

Dez 8 2014
14:38

Die Mäzenin Dagmar Westberg nimmt an ihrem 100. Geburtstag an einem Vortrag des deutsch-amerikanischen Archäologen Lothar von Falkenhausen teil – Die jährlich stattfindende Vorlesungsreihe hat sie gestiftet

»Ich bin so alt wie die Goethe-Universität. Das passt doch gut.“

FRANKFURT. „Ich bin so alt wie die Goethe-Universität. Das passt doch gut zusammen«, freut sich die Mäzenin Dagmar Westberg. Sie ließ es sich heute nicht nehmen, auch an ihrem 100. Geburtstag an einem Vortrag des deutsch-amerikanischen Archäologen Lothar von Falkenhausen teilzunehmen; die nach ihr benannte Vorlesungsreihe findet nun zum dritten Mal statt. Die enge Verbindung zwischen der alten Dame und der Universität besteht seit 2009; inzwischen unterstützt sie die Hochschule mit dem Dagmar Westberg-Universitätsfonds, mit einem nach ihr benannten Preis in der Anglistik, mit der jährlichen Dagmar Westberg-Vorlesung in den Geistes- und Humanwissenschaften und mit der fünfjährigen maßgeblichen Finanzierung des historischen Kollegs am Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg.

Der Präsident der Goethe-Universität, Prof. Werner Müller-Esterl, gratulierte der Jubilarin und dankte ihr für das Engagement: „Wir freuen uns darüber, mit Frau Westberg eine Mäzenatin für unsere Geistes- und Sozialwissenschaften gefunden zu haben und danken Ihr herzlich für Ihr selbstloses Engagement. Förderinnen von Ihrer Art gibt es leider noch viel zu wenige in Deutschland. Wir hoffen daher, dass Sie uns noch lange die Treue hält.“ Der Vize-Präsident der Goethe-Universität, Prof. Matthias Lutz-Bachmann, erklärte. Frau Westberg sei eine „sympathische Kosmopolitin mit weitem Horizont“; und er schätze in Gesprächen mit ihr besonders „ihre scharfsinnigen Bemerkungen und lebendigen Rückfragen“. Die Universität sei dankbar, dass sie als großherzige Stifterin besonders „die Geisteswissenschaften unterstützt, die es in Bezug auf externe Förderung stets schwerer haben als andere Disziplinen“.

Der Dagmar Westberg-Preis wurde erstmals 2010 verliehen, er  honoriert jährlich herausragende geisteswissenschaftliche Abschlussarbeiten, die einen Bezug zu Großbritannien haben. Zusätzlich richtete sie den Dagmar Westberg-Universitätsfonds ein. Mit seiner Hilfe werden wissenschaftliche Studien zur britischen Literatur, Kultur und Geschichte an der Goethe-Universität vorangetrieben. Beides wird von der Deutsch-Britischen-Gesellschaft, deren Ehrenmitglied Dagmar Westberg ist, zusammen mit der Goethe-Universität verantwortet. Seit 2011 gibt es auch einen zusätzlichen Universitätsfonds der Stifterin, der eine Stiftungsgastprofessur ermöglicht. Jährlich wird ein hochkarätiger Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin auf den Campus Westend oder an das Bad Homburger Forschungskolleg Humanwissenschaften als Fellow eingeladen, um Vorträge zu halten und an Kolloquien und Diskussionen teilzunehmen. 2013 kam Martha Nussbaum, Professorin für Recht und Ethik an der University of Chicago, nach Frankfurt; sie gilt als eine der profiliertesten Philosophinnen der Gegenwart. In diesem Jahr nimmt Lothar von Falkenhausen diese Gastprofessur wahr: sein Thema in den drei Vorlesungen „Chinas wirtschaftliche Hochblüte im ersten Jahrtausend vor Christus im Spiegel der archäologischen Entdeckungen“.

Als Dagmar Westberg am 8. Dezember 1914 als Jüngste von sechs Geschwistern in Hamburg zur Welt kam, hatte niemand mit ihr gerechnet. Dazu berichtet die 100-Jährige in einem Porträt in der Dezember-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“: „Nachdem mein Bruder Olaf geboren war, sagte die Hebamme: ‚Da kommt noch eins‘ – und das war ich.“ Ihr Vater, ein Anwalt aus einer baltisch-hamburgischen Unternehmerfamilie, ermunterte sie als 20-Jährige, ein privates College in England zu besuchen. Eigentlich hatte sie an der Lyton School nahe London eine Stelle als Lehrerin in Aussicht, doch aufgrund der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde ihr Visum nicht verlängert.

Zurück in Deutschland wurde ihr erstmalig bewusst, dass ihre Mutter aus einer jüdischen Familie kam und dass sie als Tochter deshalb nach den Nürnberger Rassengesetzen als „Halbjüdin“ galt – mit allen einhergehenden Diskriminierungen. Dagmar Westberg arbeitete unter anderem bis 1941 beim amerikanischen Generalkonsulat in Hamburg, was es ihr erleichterte, 1943 eine Anstellung in der Schutzmachtabteilung der Schweizer Botschaft in Berlin zu bekommen, die zum Ende des Krieges an die Schweizer Grenze verlegt wurde. So genoss sie auch einen gewissen Schutz vor Verfolgung.

Ende 1945 kam sie nach Bad Homburg und meldete sich wieder bei den Amerikanern. Im Januar 1946 nahm sie erneut eine Tätigkeit im amerikanischen Generalkonsulat in Frankfurt auf. Die Main-Metropole wurde für die Hanseatin zur zweiten Heimat. Hier konnte sie ihr selbstbestimmtes Leben fortsetzen. Auch finanziell war Dagmar Westberg durch das Vermögen ihrer Familie unabhängig. Der von ihr noch heute sehr verehrte Großonkel Oscar Troplowitz entwickelte die kleine Pharmafirma, die er von dem Apotheker Carl Paul Beiersdorf aus Altona gekauft hatte, zum weitverzweigten Unternehmen Beiersdorf, das unter anderem Nivea Creme, Hansaplast und Tesafilm auf den Markt gebracht hat. Von ihrem Großonkel hat Dagmar Westberg auch die Tradition und Verpflichtung übernommen, sich philantrophisch für das Gemeinwohl einzusetzen. In Frankfurt betrifft das insbesondere von Bürgern gegründete Institutionen im kulturellen, sozialen und Bildungsbereich.

Bild von Dagmar Westberg zum Download: hier.

Informationen: Vizepräsident Prof. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, Campus Westend, Tel. (069) 798- 12343, Lutz-Bachmann@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Dez 8 2014
14:34

Neues Forschungsprojekt soll herausfinden, warum eine mediterrane Ernährung und ein aktiver Lebensstil vor Alzheimer schützen

Olivenöl und viel Bewegung

FRANKFURT. Wer isst wie am Mittelmeer und sich körperlich und geistig in Bewegung hält, schützt sich zugleich vor der Alterskrankheit Demenz: Dies gilt in der Fachwelt inzwischen als erwiesen. Warum dies so ist und was genau im Gehirn passieren muss, um dem gefürchteten Gedächtnisschwund vorzubeugen, das will der Pharmakologe Dr. Gunter Eckert, Privatdozent an der Goethe-Universität Frankfurt, in einem neuen Forschungsprojekt herausfinden. Finanziert wird das Projekt von der gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative e.V.

Bis jetzt ist Alzheimer unheilbar, umso mehr Bedeutung kommt einer präventiven Lebensweise zu. Gunter Eckert konnte mit seiner Forschungsgruppe „nutritional neuroscience“ bereits zeigen, dass es bei der Alzheimer-Krankheit früh zu einer Veränderung in den Kraftwerken der Nervenzellen (Mitochondrien) kommt. Diese lässt sich nach aktuellem Forschungsstand mit Polyphenolen, beispielsweise aus Oliven oder Trauben als Bestandteil einer mediterran ausgerichteten Ernährung, positiv beeinflussen. Darüber hinaus scheinen auch geistige Stimulation und körperliche Bewegung die Mitochondrien zu stärken.    

All dies haben auch schon vor Jahren epidemiologische Studien gezeigt, die Daten zu Ernährung, Lebensweise und Erkrankung unter die Lupe nahmen. Auch klinische Studien gibt es bereits. Nicht bekannt ist bislang jedoch, was genau im Gehirn, in den Mitochondrien der Nervenzellen, geschieht. „Es soll die These überprüft werden, dass eine polyphenolreiche Diät zusammen mit geistiger und körperlicher Ertüchtigung Alterungsprozesse des Gehirns verlangsamt, die mitochondriale Dysfunktion verbessert und somit Evidenzen für einen Schutz vor Alzheimer liefert“, hat sich Gunter Eckert zum Ziel gesetzt.

Für seine Forschung setzt Eckert genetisch veränderte Mäuse ein, die bereits nach wenigen Monaten alzheimerähnliche Symptome entwickeln. Die Nager erhalten ein polyphenolreiches Futter und leben in größeren Käfigen, die mit Laufrädern und anderen Beschäftigungsmöglichkeiten ausgestattet sind, zum Beispiel mit Lego-Steinen. „Die Ausstattung wird wöchentlich ausgetauscht, damit die Mäuse gefordert sind“, erklärt der Forscher. Sollten diese Maßnahmen den Beginn der Alzheimer-Symptome bei den Mäusen nach hinten verschieben, würde das als Hinweis auf die Wirksamkeit dieses Ansatzes gelten.

Gunter Eckerts Forschungen wurden schon 2002 und 2008 von der Alzheimer Forschung Initiative gefördert, dem größten privaten Förderer öffentlicher Alzheimer-Forschung in Deutschland. Nun wurde der Ernährungs-Experte und Fachpharmakologe mit seinem auf zwei Jahre ausgelegten Projekt erneut von der AFI unterstützt. 74.950 Euro werden für das Frankfurter Projekt zur Verfügung gestellt. Das Forschungsvorhaben ist eines von sieben innovativen Alzheimer-Forschungsprojekten an deutschen Universitäten, welche die AFI ab sofort mit insgesamt 464.220 Euro bis 2016 fördert. Seit ihrer Gründung 1995 hat die AFI insgesamt 155 Wissenschaftler mit rund sieben Millionen Euro unterstützt.

Kostenfreies Foto von PD Dr. Gunter Eckert: hier.

Informationen: Dr. Gunter Eckert, Tel. (069) 798-29378, mailto:g.p.eckert@em.uni-frankfurt.de

Sonstige

Dez 8 2014
14:31

Leiterinnen der Schreibzentrums an der Goethe-Universität veröffentlichen Sammelband

Frankfurter Reader macht internationale Forschung zu Schreibprozessen erstmals zugänglich

FRANKFURT. Die beiden Leiterinnen des Schreibzentrums an der Frankfurter Goethe-Universität, Dr. Stephanie Dreyfürst und Dr. Nadja Sennewald, haben jetzt im UTB-Verlag einen Band mit dem Titel „Schreiben. Grundlagentexte zur Theorie, Didaktik und Beratung“ herausgegeben. Das Spektrum des Readers mit insgesamt 24 Texten reicht von den bedeutendsten nordamerikanischen Modellen zum Schreiben aus den 1980er Jahren bis hin zu den wichtigsten aktuellen Ansätzen in der Schreibberatung.

„In Deutschland gibt es noch immer ein Wissensdefizit über die Forschung zu Schreibprozessen oder Unkenntnis über bewährte Ansätze der Schreibberatung. Mit unserem Band möchten wir das bereits vorhandene Wissen allgemein zugänglich machen“, erklärt Sennewald. Dass zentrale Beiträge zur Theorie und Didaktik rund um das Thema Schreiben nur in schwer zugänglichen Originalversionen vorhanden waren, motivierte die beiden Expertinnen, diesen Band zusammenzustellen. „Viele der Texte liegen hier zum ersten Mal auf Deutsch vor“, so Dreyfürst. Zu einigen Themen – wie zum Beispiel zu verschiedenen Ansätzen der Schreibberatung – gab es noch gar keine Literatur; diese Texte wurden für den vorliegenden Band von Spezialisten neu verfasst.

Der Band richtet sich an alle, die sich theoretisch wie praktisch mit der Vermittlung von Schreibkompetenzen beschäftigen. Die beiden Frankfurter Wissenschaftlerinnen haben in den vergangenen Jahren weitreichende Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt: So ist es ihre Aufgabe an der Goethe-Universität, studentische Schreibberater auszubilden und Schreibworkshops zu halten. Gemeinsam mit Lehrenden aus den jeweiligen Fächern entwickeln sie aber auch Konzepte, wie wissenschaftliches Schreiben in ganz unterschiedlichen Fächern vermittelt werden kann – beispielsweise in der Ethnologie oder den Wirtschaftswissenschaften. Dies geschieht im Rahmen des Programms „Starker Start ins Studium“, in dem sich mehr als 50 Lehrende gezielt mit der Verbesserung der Studieneingangsphase befassen.

Im Zuge des Bologna-Prozesses erkannten viele Hochschulen, dass nicht nur Fachinhalte, sondern auch Schlüsselkompetenzen wie fachliches Schreiben vermittelt werden müssen. Darauf geht auch die Gründung zahlreicher Schreibzentren an deutschen Universitäten in den vergangenen Jahren zurück – eine Entwicklung, die in den USA bereits in den 1980er Jahren stattgefunden hat.

Ein zentrales Thema in den Schreibzentren sind immer wieder die Schreibblockaden: Wie entstehen diese und wie kommt man aus ihnen wieder heraus? Auch dazu bieten die Autoren des neuen Bands Antworten. Typische Ursachen für Schreibblockaden sind zum Beispiel falsche Vorannahmen über das Schreiben. „So nehmen viele Studierende an, sie müssten beim wissenschaftlichen Schreiben erst eine detaillierte Gliederung fertig erstellt haben, bevor sie mit dem Schreiben beginnen“, erläutert Dreyfürst. Für Schreibtypen, die ihre besten Ideen erst während des Schreibens entwickeln, sei diese Herangehensweise kontraproduktiv und könne zu Schreibblockaden führen. „Die Ideen im Schreibfluss zu entwickeln und erst im Nachhinein zu strukturieren, kann ein möglicher Weg aus der Blockade sein“, ergänzt Sennewald.

Stephanie Dreyfürst und Nadja Sennewald (Hrsg.): Schreiben. Grundlagentexte zur Theorie, Didaktik und Beratung, UTB-L 2014. 455 Seiten. 29,99 Euro

Informationen: Dr. Stephanie Dreyfürst und Dr. Nadja Sennewald, Schreibzentrum, Campus Westend, Tel: (069)-798-32845, dreyfuerst@lingua.uni-frankfurt.de,  Sennewald@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Dez 5 2014
14:09

Ausstellung „This Bloodless War“ in der Studiengalerie 1.357

Asiatische Wirtschaftskrise als Thema einer Kunstaktion

FRANKFURT. Der Künstler Manit Sriwanichpoom befasst sich in seiner 1997 entstandenen Arbeit „This Bloodless War“ mit der asiatischen Wirtschaftskrise, die im selben Jahr seine thailändische Heimat erfasste. Für eine Kunstaktion im Geschäftsdistrikt Bangkoks re-inszenierte er berühmte Reportagefotografien aus dem Vietnamkrieg. Anstelle von offener Gewalt und Waffen erscheinen in seinen Bildern Statussymbole der westlichen Konsumgesellschaft. Die implizierte Analogie ist unmissverständlich: Die westliche Konsumkultur und die globalen Finanzmärkte sind unmittelbar mit militärischer Macht verknüpft, setzen mit unblutigen Mitteln die hegemonialen Ziele des Vietnamkriegs fort. Für ihre deutliche Botschaft eignen sich die Fotografien die Ästhetik der Werbung an. Sie wenden, in der Kunstaktion wie Werbeschilder herumgetragen, die Mittel der Konsumkultur in ein kritisches Instrument um. Die Studiengalerie zeigt sechs Arbeiten der Serie und eine Fotografie, die die Kunstaktion dokumentiert. Manit Sriwanichpoom, geb. 1961 in Bangkok, setzte sich als Fotograf und sozialer Aktivist in seinen Arbeiten mit den Krisen seiner Heimat auseinander.

Die Ausstellung rund um Manit Sriwanichpoom und seine Arbeit „This Bloodless War“ startet am Mittwoch, 10. Dezember, in der Studiengalerie 1.357, IG Farben-Haus, Campus Westend. Sie ist von Montag bis Donnerstag zwischen 12 und 17 Uhr geöffnet und läuft bis zum 13. Februar 2015. Die Ausstellung wird gefördert von der DZ-BANK Kunstsammlung.

In der Studiengruppe „Gedächtniskultur und Bildgebrauch“ arbeiten Studierende und Lehrende verschiedener Disziplinen in enger Kooperation mit dem Städel Museum projektorientiert an der Erforschung des bildlichen Umgangs moderner Gesellschaften mit Geschichte. Die Studiengruppe stellt vier Mal im Jahr zeitgenössische Kunst in den Räumen des IG-Farben-Gebäudes aus.

Informationen: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel.: 069/798-32424, jussen@em.uni-frankfurt.de; Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter für Kunst nach 1945 am Städel Museum, Tel.: 069/605098210, engler@staedelmuseum.de; Dr. Henning Engelke, Kunsthistorisches Institut, Campus Bockenheim, Tel 069/798-23470, engelke@kunst.uni-frankfurt.de; Nicole Kreckel, Studentische Mitarbeiterin der Studiengalerie 1.357, frau.n.kreckel@stud.uni-frankfurt.de