​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​ ​

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt
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Jan 26 2026
14:19

DFG fördert Forschungsservices an der Universitätsbibliothek Frankfurt mit bis zu 2 Mio. Euro.

Fachinformationsdienst (FID) Jüdische Studien wird weiter ausgebaut

FRANKFURT. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den Fachinformationsdienst (FID) Jüdische Studien für weitere drei Jahre mit bis zu zwei Millionen Euro. So wird die zentrale Informationsinfrastruktur für Forschungen zu Judentum und Israel von der Antike bis in die Gegenwart weiter ausgebaut. Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg verantwortet den FID seit 2016 federführend, unterstützt durch Professor Dr. Kai Eckert, Technische Hochschule Mannheim, als langjährigen Kooperationspartner, sowie seit neuestem durch die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky.

Der FID Jüdische Studien unterstützt Wissenschaftler*innen an Universitäten, Forschungseinrichtungen, Museen, Bibliotheken und Archiven, die zur jüdischen Geschichte, Kultur oder zum Staat Israel forschen mit fachspezifischen Informations- und Serviceangeboten. Dabei berücksichtigt der FID besonders die spezifischen Anforderungen der universitär verankerten Fächer Judaistik, Jüdische Studien, Jüdische Theologie, Jiddistik und Israel-Studien.

Ein Schwerpunkt bildet die Bereitstellung von Fachliteratur, gedruckten Quellen und Datenbanken, wobei der FID auf der national wie international herausragenden Hebraica- und Judaica-Sammlung der Universitätsbibliothek Frankfurt aufbauen kann. Zu den einschlägigen Ressourcen zählt auch eine der bedeutendsten digitalen Sammlungen der Jüdischen Studien, die zentrale Werke zur jüdischen Geschichte und Kultur öffentlich zugänglich macht. Im Rahmen einer neuen Kooperation übernehmen die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg sowie der dort angesiedelte FID Romanistik die Literatur- und Ressourcenversorgung für Forschungen zum Judenspanischen und zur Geschichte und Kultur des sephardischen Judentums.

Darüber hinaus bietet der FID weitere fachlich zugeschnittene Services an – von der Beratung für Forschende und Forschungsprojekte über Veröffentlichungen und Veranstaltungen bis hin zu fachspezifischen Datenservices. In der nun startenden vierten Förderphase (2026–2028) werden diese Angebote in enger Abstimmung mit Fachwissenschaftler*innen weiterentwickelt, um ihre mittel- und langfristige Verstetigung zu sichern. Der FID unterstützt zudem die Vernetzung einer thematisch, methodisch und disziplinär breit aufgestellten Forschungsgemeinschaft. Als zentrale Informationsplattform dient das FID-Portal – www.jewishstudies.de –, das zugleich Zugriff auf weitere Services wie einen spezialisierten Fachkatalog, den Research Navigator Jüdische Studien und JudaicaLink bietet. Der von Prof. Dr. Kai Eckert entwickelte Linked-Open-Data-Service bereitet fachlich relevante Datenbestände als Linked Open Data auf und macht diese über einen Wissensgraphen zugänglich. Dazu zählen die Erschließung hochspezialisierter Ressourcen sowie die Kuratierung von Normdaten, die für digitale Forschungspraktiken zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Kontakt FID Jüdische Studien:
Dr. Kerstin von der Krone, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Tel.: +49 (69) 798 39665, E-Mail: k.vonderkrone@ub.uni-frankfurt.de

Pressekontakt:
Melanie Baunemann, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Tel. +49 (0)152 023 506 97, E-Mail: kom@ub.uni-frankfurt.de

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 26 2026
14:07

Dr. Marschner Ausstellungspreis würdigt kuratorische Leistung.

SOLASTALGIE im Museum Giersch der Goethe-Universität: „Ausgezeichnet Ausgestellt“ 

FRANKFURT. Der Preis „Ausgezeichnet Ausgestellt“ der Dr. Marschner Stiftung würdigt eine herausragend kuratorische Leistung und geht für das Jahr 2025 an die Schau „SOLASTALGIE. Spaziergänge durch veränderte Landschaften“ (noch bis 15. Februar 2026) im MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität. Die in Frankfurt und Offenbach einmalige Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert und hebt die Bedeutung einer ganzheitlichen Arbeit von Kuratorinnen und Kuratoren sowie kulturellen Einrichtungen hervor. Mit Dr. Katrin Kolk und Dr. Tim Pickartz erhält erstmals ein Kuratorenteam diese Anerkennung der unabhängigen, siebenköpfigen Jury.

Am Donnerstag, dem 26. März 2026, wird der Preis zum achten Mal in Folge bei einem Festakt der Stiftung im Frankfurter Literaturhaus überreicht. Es sprechen neben Stiftungsvorstand Peter Gatzemeier, Dr. Andrea Haller, Mitglied der Jury, der Präsident der Goethe-Universität Prof. Dr. Enrico Schleiff, Ina Neddermeyer, Direktorin Museum Giersch der Goethe-Universität, und das Kuratorenteam des Museums Dr. Katrin Kolk und Dr. Tim Pickartz.

Kontakt:
kontakt@marschner-stiftung.de; www.marschner-stiftung.de  
presse@mggu.de; www.mggu.de

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753,frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 23 2026
12:35

Studiengalerie 1.357 an der Goethe-Universität zeigt Videoarbeit „Fala da Terra“ (2022) von Bárbara de Burca und Benjamin Wagner. 

Den Entrechteten in Brasilien eine Stimme geben 

FRANKFURT. In der Videoarbeit „Fala da Terra“ (Voice of the Land) geht es um ein zentrales soziales und politisch brisantes Thema in Brasilien: die Tatsache, dass sich zwei Drittel der Landfläche im Besitz von nur rund drei Prozent der Bevölkerung befinden. Bislang wenig erfolgreich, bemühen sich vertriebene Landarbeiter*innen darum, nicht bewirtschaftetes Land zurückzugewinnen. Die Videokünstler*innen Benjamin Wagner & Bárbara de Burca stellen ihr Kunstschaffen in den Dienst des politischen Aktivismus. „Fala da Terra“ gibt der 1,5 Millionen Anhänger starken brasilianischen Landarbeiter-Bewegung MST (Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra) eine Stimme. Ihr Protest richtet sich gegen die Wirkungslosigkeit der 1988 verabschiedeten Verfassungsreform, die eine Neuordnung der Nutzungsrechte von Agrarflächen gewährleisten sollte, um die Lebensbedingungen der Landarbeiter*innen zu verbessern.

Ausstellung Studiengalerie 1.357:

Bárbara de Burca und Benjamin Wagner, „Fala da Terra“ (2022)
High-definition video, 17:26 min
29. Januar – 21. Februar 2026
Eröffnung: 29. Januar 2026, 17.00 Uhr

IG-Farben-Haus, Raum 1.357

Die hoffnungslose Situation der Betroffenen wird in verschiedenen Filmabschnitten mithilfe von Theaterszenen reflektiert. Diese Darstellungsweise ‚entzeitlicht' die Thematik und betont die Kontinuität der Situation. So wird in einer Szene unerwartet Einblick hinter die Bühne gewährt. Diese Art der Inszenierung ist dem „Theater der Unterdrückten“ Augusto Boals entlehnt. Der Perspektivwechsel zieht die Zuschauer*innen in das Geschehen mit ein. Auch Bertoldt Brechts Prinzip des „aus der Rolle fallen“ der Akteure findet Anwendung. Der Wechsel zwischen Theater und Realität führt zu einer reflektierenden Veranschaulichung und umgeht eine starke Emotionalisierung. Denn auch Wagner & de Burca möchten mit ihrem Werk nicht unterhalten, sondern soziale Veränderungen bewirken.

In einer Schlussszene verkündet eine Regierungsvertreterin, dass in Agrarwirtschaft investiert werden könnte, die Arbeitsplätze schaffe. Doch die indigene Wortführerin besteht auf das gemeinschaftliche Nutzungsrecht. Daraufhin wendet sich die Regierungsgesandte an die Soldaten, die die Waffen zücken. Vor schwarzem Bildhintergrund ist plötzlich nur noch panisches Geschrei zu hören. Die aufgenommene Originaltonspur stammt aus dem Jahr 1996, als eine Demonstration der Aktivist*innengruppe gewaltsam beendet wurde. Das von den regierungsnahen Truppen verursachte Massaker an 21 Landarbeiter*innen wird kommentarlos und dokumentargetreu wiedergegeben und verbindet sich zu einer Reflexion über Besitzverhältnisse und aktivistische Gegenentwürfe.

Bárbara Wagners (geb. 1980 in Brasília) und Benjamin de Burcas (geb. 1975 in München) Videoarbeiten und Installationen entstehen im Dialog mit anderen Künstler*innen und Kollektiven, die außerhalb des etablierten Feldes der Gegenwartskunst arbeiten. Parallel findet in der SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT eine Ausstellung zu den beiden Künstler*innen statt. Im Mittelpunkt steht unter anderem eine eigens entwickelte Neuproduktion zur „Straight Edge“-Szene in Deutschland. Die SCHIRN-Kuratorin Katharina Dohm war an dem Projekt in der Studiengalerie 1.357 beteiligt.

STUDIENGALERIE 1.357
Öffnungszeiten im Semester: Montag bis Donnerstag 12–17 Uhr, freier Eintritt.
Goethe-Universität, Campus Westend, IG-Farben-Haus, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main.

Die seit 2010 existierende STUDIENGALERIE 1.357 ist ein Lehr- und Lernprojekt an der Goethe-Universität Frankfurt am Main am Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften. Die Studiengalerie versteht sich als Lehr- und Lernort, in dem durch Kunst aktuelle gesellschaftspolitisch relevante Themen in die Universität hineingetragen werden. Studierende lernen komplexe Thematiken international anerkannter Künstler*innen aufzubereiten. Die Studiengalerie 1.357 ist öffentlich zugänglich und richtet sich sowohl an ein universitäres Publikum als auch an die Frankfurter Öffentlichkeit. studiengalerie.uni-frankfurt.de    

Kontakt:
Emma Tomberger, Studiengalerie 1.357, tomberger@em.uni-frankfurt.de

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 22 2026
10:13

Neue Methode der Goethe-Universität analysiert Altersentwicklung von Säugetieren 

Alternde Zootiere gefährden langfristige Ziele im Artenschutz moderner Zoos

Viele Säugetierpopulationen in europäischen und nordamerikanischen Zoos sind überaltert. Diese Entwicklung gefährdet die langfristige Stabilität sogenannter Reservepopulationen und damit eine zentrale Aufgabe moderner Zoos im Artenschutz. Das zeigt eine internationale Studie unter Beteiligung der Goethe-Universität Frankfurt, die am Mittwoch in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht wurde.

Gerade Fotos und Videos von neugeborenen Zootieren sorgen medial für Aufmerksamkeit – doch der Eindruck, den die niedlichen Jungtiere dabei hinterlassen, täuscht. Es gibt immer weniger Nachwuchs bei Säugetieren und viele Populationen sind mittlerweile überaltert, wie jetzt eine internationale Studie unter Leitung der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität Frankfurt, der Universität Aarhus, dem Zoo Zürich und dem Zoo Kopenhagen zeigt.

Für die Studie analysierten die Forschenden die demografische Entwicklung von insgesamt 774 Säugetierpopulationen (361 in Nordamerika, 413 in Europa), die zwischen 1970 und 2023 in Zoos gehalten wurden. Grundlage der Untersuchung waren Daten aus der internationalen Datenbank „Species360“, die von über 1200 Institutionen weltweit gepflegt und genutzt wird. In dieser Datenbank werden für jedes einzelne Tier unter anderem Alter, Geschlecht, Abstammung, Herkunft sowie der Reproduktionsstatus erfasst. Diese umfassenden Langzeitdaten erlauben eine systematische Analyse der Altersstruktur von Zoopopulationen über mehrere Jahrzehnte hinweg.

Verzerrte Alterspyramiden
Zur Beurteilung der Stabilität einer Population nutzten die Forschenden sogenannte Alterspyramiden. Hierzu wurde vom Frankfurter Team eine neue Methode zur automatischen Kategorisierung von Populationspyramiden entwickelt, um die Dynamik von Tierpopulationen präziser zu analysieren. Dieser erfolgreich angewendete Ansatz zeigt, dass komplexe demografische Profile in standardisierte Grundformen wie Pyramiden-, Diamant- oder Säulenformen übersetzbar sind. Prof. Paul Dierkes von der Goethe-Universität, der insbesondere bei der Entwicklung dieser methodischen Herangehensweise beteiligt war, erläutert: „Besonders für Zoos und den Artenschutz eröffnet dieser neue methodische Ansatz und die darauf basierenden Ergebnisse Möglichkeiten, demografische Entwicklungen klar zu kommunizieren und fundierte Entscheidungen zu treffen.“

Aber welche Aussagen stecken in den verschiedenen Grundformen? Eine stabile, widerstandsfähige Population weist typischerweise eine pyramidenförmige Altersstruktur auf: Viele junge und fortpflanzungsfähige Individuen bilden die Basis, während der Anteil älterer Tiere nach oben hin abnimmt. Solche Populationen sind besser gegen unerwartete Ereignisse wie Krankheitsausbrüche oder andere Krisen gewappnet. Die Ergebnisse der nun vorliegenden Studie zeigen jedoch für viele Reservepopulationen, dass der Anteil diamant- oder säulenförmiger Populationen zunimmt, bei denen es relativ wenige junge und viele ältere Tiere gibt. Solche Populationen gelten als weniger stabil und weniger resilient.

Die Studie zeigt auch, dass zeitgleich der Anteil der sich aktiv fortpflanzenden Weibchen stark abgenommen hat: um 49 Prozent in den nordamerikanischen und um 68 Prozent in den europäischen Populationen. In einigen der untersuchten Populationen gab es zuletzt gar keine fortpflanzungsfähigen Weibchen mehr. Dies hat nicht nur zur Folge, dass Nachwuchs fehlt, sondern beeinträchtigt auch die Sozialstruktur vieler Tierarten. Die Fortpflanzung und Aufzucht von Jungtieren zählen zu den Grundbedürfnissen von Tieren und sind elementare Bestandteile einer artgerechten Haltung.

Artenschutzziele gefährdet
Die vorliegende Entwicklung beunruhigt die Forschenden und kann die Artenschutzarbeit moderner Zoos gefährden. Zoos übernehmen im globalen Artenschutz eine wichtige, international anerkannte Rolle, insbesondere durch den Erhalt von Reservepopulationen gefährdeter Arten. In einem Positionspapier aus dem Jahr 2023 betont die Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature), dass Zoos, Aquarien und botanische Gärten wichtige Partner im Kampf gegen den weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt sind. Voraussetzung für diese Rolle ist jedoch, dass die gehaltenen Reservepopulationen stabil, reproduktionsfähig und langfristig überlebensfähig sind. Erstautor Prof. Marcus Clauss von der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Zürich erklärt hierzu: „Dieser Trend muss unbedingt gestoppt und umgekehrt werden. Zoos übernehmen eine zentrale Rolle im Artenschutz. Diese Aufgabe können sie aber nur erfüllen, wenn sie tatsächlich stabile und resiliente Reservepopulationen erhalten. Dafür braucht es wieder mehr Jungtiere und weniger alte Tiere.“

Dierkes ergänzt: „Neben dem Erhalt von Reservepopulationen leisten wissenschaftlich geleitete Zoos einen wichtigen Beitrag durch Bildung und Forschung. Jährlich erreichen sie Millionen von Besucher*innen und vermitteln Wissen über bedrohte Arten, Ursachen des Artensterbens und die Bedeutung des Naturschutzes. Zoos sind damit wichtige Lernorte, die das Verständnis und die Unterstützung für den Artenschutz in der Gesellschaft stärken. Zudem ermöglichen Zoos wichtige wissenschaftliche Studien zu Verhalten, Fortpflanzung und Gesundheit gefährdeter Arten. Diese Erkenntnisse helfen, die Haltung in Zoos zu verbessern und Schutzmaßnahmen in der Natur wirksamer zu gestalten. Sinkende Tierzahlen und überalterte Bestände würden daher nicht nur den Artenschutz selbst, sondern auch die Bildungs- und Forschungsarbeit der Zoos erheblich beeinträchtigen. Folglich sollte das Populationsmanagement in Zoos stärker auf demografische Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Nur wenn es gelingt, den aktuellen Trend zur Überalterung umzukehren, können Zoos ihren Beitrag zum internationalen Artenschutz dauerhaft erfüllen.“

Publikationen:
João Pedro Meireles, Max Hahn-Klimroth, Laurie Bingaman Lackey, Nick van Eeuwijk, Mads F. Bertelsen, Severin Dressen, Paul W. Dierkes, Andrew J. Abraham, and Marcus Clauss. Ageing populations threaten conservation goals of zoos, PNAS (2026), doi.org/10.1073/pnas.2522274123

Max Hahn-Klimroth, João Pedro Meireles, Laurie Bingaman Lackey, Nick van Eeuwijk, Mads F. Bertelsen, Paul W. Dierkes, and Marcus Clauss. 2025, A semi-automatic approach to study population dynamics based on population pyramids, MethodsX (2025), doi.org/10.1016/j.mex.2025.103591

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/182265514

Bildtext: Die Analyse von Meireles und Kolleg*innen zeigt, dass die Fortpflanzung, wie hier am Beispiel des vom Aussterben bedrohten Grevyzebras (Equus grevyi) dargestellt, bei den Säugetierpopulationen in Zoos rückläufig ist (Tim Benz/Zoo Zürich).

Weitere Informationen
Prof. Dr. Paul W. Dierkes
Didaktik der Biowissenschaften und Zootierbiologie
Goethe-Universität Frankfurt
+49 (0)69 798-42273
dierkes@bio.uni-frankfurt.de
www.zoobiology-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Phyllis Mania, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13001, Fax 069 798-763-12531, mania@physik.uni-frankfurt.de

 

Jan 20 2026
16:20

Internationalen Forschungsinitiative generiert Open-Source-Daten zur Bindung von Liganden an Proteine und schafft Grundlage für KI-gestützte Wirkstoffforschung

KI in der Wirkstoffforschung: Goethe-Universität ist Teil der internationalen Open-Science-Initiative LIGAND-AI

Künstliche Intelligenz könnte die Wirkstoffforschung erheblich zu verbessern – doch es mangelt an öffentlich zugänglichen Daten zum Training der KI-Modelle. Das internationale Konsortium LIGAND-AI mit Partnerinnen aus Wissenschaft und Industrie wird in großem Maßstab hochwertige, öffentlich zugängliche Daten erzeugen, die beschreiben, wie kleine Moleküle mit menschlichen Proteinen interagieren. Diese Daten werden anschließend zur Entwicklung und zum Training von KI-Modellen in der Wirkstoffforschung genutzt. Die Innovative Health Initiative fördert LIGAND-AI mit mehr als 60 Millionen Euro. Die Goethe-Universität leitet den Bereich der medizinischen Chemie des Projekts.

FRANKFURT. Die frühe Phase der Wirkstoffforschung ist ein langwieriger und kostenintensiver Prozess mit ungewissem Ausgang. Insbesondere bei wenig erforschten Zielstrukturen ist die Identifizierung der ersten validierten Bindungspartner – auch als „Hits“ bezeichnet – häufig zeitaufwendig, fehleranfällig und schwierig. Die Partner des internationalen LIGAND-AI-Konsortiums sind überzeugt, dass KI-Modelle diesen Prozess erheblich beschleunigen können. Bislang fehlten jedoch die notwendigen experimentellen Daten, um solche Lernsysteme zu trainieren.

Das Projekt LIGAND-AI unter der Leitung des Pharmaunternehmens Pfizer und der gemeinnützigen Organisation Structural Genomics Consortium (SGC) will dies ändern: Im Rahmen des Projekts werden Tausende von Interaktionen zwischen kleinen Molekülen und Proteinen charakterisiert, die für verschiedene Krankheiten relevant sind, darunter seltene neurologische und onkologische Erkrankungen. Die erzeugten Daten werden der KI-Community in einer öffentlich zugänglichen Datenbank mit namens AIRCHECK zur Verfügung gestellt.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsknotenpunkts SGC-Frankfurt an der Goethe-Universität haben bei LIGAND-AI eine zentrale Rolle in der Generierung von Daten und leiten den Bereich der medizinischen Chemie des Projekts mit dem Ziel, die identifizierten Bindungspartner rasch zu potenten Inhibitoren weiterzuentwickeln.

Stefan Knapp, Professor für Pharmazeutische Chemie an der Goethe-Universität und Chief Scientific Officer des SGC-Frankfurt, ist überzeugt: „Indem wir die aus experimentellen Beobachtungen gewonnenen Daten mit KI-Modellen verknüpfen, schaffen wir einen gewaltigen Hebel für die pharmakologische Forschung. Zudem wird die Datenbank gemäß unserer Open-Access-Strategie Forschenden weltweit zur Verfügung stehen.“

Über LIGAND-AI:
Die Projektpartner von LIGAND-AI sind: Structural Genomics Consortium, European Molecular Biology Laboratory (EMBL), Goethe-Universität Frankfurt, Universidade Estadual de Campinas, University College London, University Health Network, Vall d'Hebron Institute of Oncology (VHIO), Abcam Limited, AstraZeneca UK Limited, Chemspace LLC, Enamine Germany GmbH, IBM Research Israel – Science and Technology LTD, Novo Nordisk, Nuvisan ICB GmbH, Pfizer Inc, The Hospital for Sick Children in Toronto, Thermo Fisher Scientific GmbH and Vernalis (R&D) Limited.

LIGAND-AI ist ein Leuchtturmprojekt der Initiative Target 2035. Es wird von der Innovative Health Initiative Joint Undertaking (IHI JU) im Rahmen der Fördervereinbarung Nr. 101252959 unterstützt. Die JU wird gefördert durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon Europe der Europäischen Union sowie durch COCIR, EFPIA, EuropaBio, MedTech Europe, Vaccines Europe, Enamine und The Hospital for Sick Children. Die geäußerten Ansichten und Meinungen stammen jedoch ausschließlich von den Autorinnen und Autoren und spiegeln nicht notwendigerweise die der genannten Organisationen wider. Keine der genannten Parteien kann hierfür verantwortlich gemacht werden.


Links:
Structural Genomics Consortium (SGC): https://www.thesgc.org/

Innovative Health Initiative (IHI): https://www.ihi.europa.eu/

Pressemitteilung zum Start von LIGAND-AI: https://www.thesgc.org/news/ihi-project-ligand-ai-launches-advance-artificial-intelligence-ai-driven-drug-discovery

Open-Source-Datenbank AIRCHECK: https://www.aircheck.ai/


Bild zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/182265897

Bildtext: Hochdurchsatzanalyse: Ein Pipettierroboter bereitet in einem pharmazeutischen Labor der Goethe-Universität Proben für die Proteinanalyse vor. Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Stefan Knapp
Institut für Pharmazeutische Chemie
und Chief Scientific Officer des SGC-Frankfurt
Goethe-Universität Frankfurt
knapp@pharmchem.uni-frankfurt.de
https://www.uni-frankfurt.de/53483664/Knapp

Structural Genomics Consortium
Sofia Melliou, Research Communications Specialist
sofia.melliou@thesgc.org

Bluesky: @goetheuni.bsky.social @thesgc.bsky.social @ihieurope.bsky.social
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt @The Structural Genomics Consortium (SGC) @Innovative Health Initiative (IHI)

Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 19 2026
11:21

Jobmesse ENTER_ZUKUNFT_PÄDAGOGIK 2026 an der Goethe-Universität: 29. Januar 2026, Campus Westend 

Die Faszination der digitalen Welt: Auswirkungen, Bedrohungen und Chancen 

FRANKFURT. Zum 13. Mal präsentieren Unternehmen aus dem Sozial- und Bildungsbereich Studierenden, Absolvent*innen, Alumni und pädagogischen Fachkräften die Vielfalt ihrer Jobmöglichkeiten. Die Jobmesse des Fachbereichs Erziehungswissenschaften findet statt am Donnerstag, den 29.01.2026, von 10-16 Uhr im PEG-Gebäude am Campus Westend. 32 Institutionen stellen ihre aktuellen Projekte und Arbeitsschwerpunkte dar und stehen für Fragen zur Verfügung.

Gestartet wird die Jobmesse mit einem Auftakt-Impuls zum Thema: „Die Faszination der digitalen Welt – Auswirkungen, Bedrohungen und Chancen.“ Es geht u.a. um Fragen: Wie kann digitale Bildung gelingen? Wie verändern neue Medien die Beziehung zwischen Fachkräften und Klientel? Welche Kompetenzen brauchen Pädagog*innen in einer zunehmend digitalisierten Welt?

Mitarbeitende aus unterschiedlichen Institutionen vorwiegend aus dem Sozialwesen werden unter der Moderation von Dr. Birte Egloff (Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität) Antworten zu diesen Fragen geben:

•           Dr. Friedrich Wolf - Wissenschaftlicher Mitarbeiter Fachbereich Erziehungs-wissenschaften/Goethe-Universität Frankfurt

•           Bernd Weidner - Studien- und Berufsberater - Bundesagentur für Arbeit

•           Daniel Meinhardt - Geschäftsführer - Robot School

•           Tobias Albers-Heinemann - Referent für digitale Bildung und Öffentlichkeitsarbeit - der Evangelische Kirche Hessen-Nassau

•           Nathalie Niekel & Kerstin Lutz - Fachberatung Ganztagsangebote an Schulen und Kitas - Internationaler Bund Gesellschaft für Beschäftigung, Bildung und soziale Dienste mbH sowie

•           Tatjana Leichsering - VbFF-Verein zur beruflichen Förderung von Frauen e. V.

Die Jobmesse ENTER_ZUKUNFT_PÄDAGOGIK bietet Studierenden, Absolvent*innen und Pädagog*innen die Chance, die Bandbreite der beruflichen Perspektiven im Sozial- und Bildungsbereich kennenzulernen und erste Kontakte zu knüpfen. Veranstaltet wird die Jobmesse vom Fachbereich Erziehungswissenschaften und dem Career Service der Goethe-Universität sowie dem Paritätischen Bildungswerk Hessen e.V.

Weitere Informationen, auch zu den Ausstellenden, unter: www.jobmesse-paedagogik.uni-frankfurt.de  

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de 

 

Jan 16 2026
10:14

In der neuen Produktion setzt sich die Chaincourt Theatre Company mit David Mamets „Glengarry Ross“ auseinander. Premiere ist am 30. Januar, Campus Westend.

Reichtum, Macht, Erfolg und Überleben

FRANKFURT. Wie weit würde der Mensch gehen, um Erfolg und Reichtum zu erlangen? Welche Werte dürfen vernachlässigt werden, welche Taten begangen – nur um in einer geldhungrigen Welt zu überleben? Kann man nur erfolgreich werden, wenn man über eine starke maskuline Präsenz verfügt? Mit diesen Fragen und Themen beschäftigt sich das Theaterstück „Glengarry Glen Ross“, das von dem amerikanischen Schriftsteller und Filmemacher David Mamet geschrieben wurde. In der neuen Produktion der Chaincourt Theatre Company, angesiedelt im Institut für England- und Amerika-Studien der Goethe-Universität (IEAS), wird das Stück auf intelligente Weise adaptiert. 

Zur Handlung: Die vier Immobilienmakler Ricarda Roma, Deidre Moss, Ginny Aaronow und Shelly Levene geraten im Laufe von einer Woche in einen hitzigen Wettstreit. Dieser ist ein Versuch, die Mitarbeiter zu ‚motivieren', um die Verkaufszahlen anzukurbeln. Der Sieger bekommt einen Cadillac, der Zweite immerhin noch ein Steakmesser-Set, aber die letzten zwei werden automatisch gefeuert. Mit Verzweiflung, Ehrgeiz und moralisch fragwürdigen Gedanken reagieren die Immobilienmakler auf die Herausforderung und versuchen, so viel wie möglich zu verkaufen. Wer wird das Rennen um das Überleben gewinnen, wer wird den Wölfen zum Fraß vorgeworfen? Es ist ein Stück, das zum Nachdenken anregt, Moral und Werte hinterfragt. In „Glengarry Glen Ross“ greift Mamet sensible Themen auf, die er mit einem mitunter düsteren, aber ebenso auch entspannten Humor und viel Wortwitz behandelt.

Frische Brise: neue und alte Gesichter auf der Bühne

Dieses Semester wird es moderner in der Chaincourt Theatre Company mit David Mamets Theaterstück aus dem Jahre 1983. Die Theatergruppe besteht aus Studierenden verschiedenster Fakultäten der Goethe-Universität, aber auch aus Alumni, die nach langer Pause auf die Bühne zurückkehren. Gegensätzlich zum Stück erscheinen sowohl männliche als auch weibliche Schauspieler*innen auf der Bühne, welches der Regisseur und Leiter der Chaincourt Theatre Company, James Fisk, Dozent der Anglistik- und Amerikanistik, dementsprechend anpasst und adaptiert. Gespielt wird in Originalsprache Englisch; die Aufführungen finden auf der Bühne im IG-Farben-Haus/Nebengebäude statt.

Vorstellungen: Premiere am 30.01.26; weitere Aufführungen folgen am 31.01.26., 05.,06. und 07.02.26. Vorstellungsbeginn ist um 19:30 Uhr.

Tickets: 10€/5€ (Ermäßigung) – Karten sind an der Abendkasse eine Stunde (18:30 Uhr) vor Vorstellungsbeginn erhältlich (kein Vorverkauf).

Ort: Goethe-Universität, Campus Westend, IG Farbenhaus-Nebengebäude, Raum NG 1.741

Kontakt: James Fisk, künstlerische Leitung Chaincourt Theatre Company, IEAS – Institut für England- und Amerika-Studien. fisk@em.uni-frankfurt.de

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 16 2026
09:38

Eines von wenigen Geräten weltweit ermöglicht Aufnahmen lebender Zellen

Blick ins Innerste des Lebens: Erstes Rasterelektronenmikroskop mit Nanomanipulator in Hessen an der Goethe-Universität eingeweiht

Die Goethe-Universität Frankfurt hat am Donnerstag feierlich ein hochmodernes Cryo Plasma-FIB-Rasterelektronenmikroskop mit Nanomanipulator im Wert von mehr als 5 Millionen Euro in Betrieb genommen. Das von der Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung unterstützte Großgerät ist das erste seiner Art in Hessen und eines von nur wenigen in Deutschland. Es ermöglicht präzise Nanobiopsien biologischer Proben, wie Gewebe oder Zellverbände, und ist eine Schlüsseltechnologie für den Exzellenzcluster SCALE, in dem Forschende die molekularen Grundlagen von Zellen untersuchen.

FRANKFURT. Mit einem sogenannten Cryo Plasma-FIB (engl. Plasma Focused Ion Beam) Rasterelektronenmikroskop mit Nanomanipulator erweitert die Goethe-Universität ihre Forschungsinfrastruktur um ein leistungsstarkes Instrument. Am Buchmann Institute for Molecular Life Sciences auf dem Campus Riedberg wurde das Mikroskop heute eingeweiht – als erstes seiner Art in Hessen und eines von nur wenigen in ganz Deutschland.

Das Großgerät arbeitet mit einem fokussierten Plasma-Ionenstrahl, mit dem winzige Schnitte aus biologischen Zellen präpariert werden können – sogenannte Nanobiopsien mit Abmessungen im Nanometer-Bereich. Der entscheidende Vorteil gegenüber herkömmlichen Ionenstrahl-Mikroskopen: Der Plasmastrahl arbeitet schonender und schneller, was besonders bei empfindlichen biologischen Proben wie wasserhaltigen Zellen von Bedeutung ist. Diese ultradünnen Schnitte können anschließend sowohl im Rasterelektronenmikroskop als auch im Transmissionselektronenmikroskop untersucht werden. So lassen sich etwa Proteinstrukturen in ihrer natürlichen Umgebung sichtbar machen oder zelluläre Veränderungen bei Krankheiten, wie Alzheimer oder Krebs, auf molekularer Ebene nachvollziehen.

„Dieses Mikroskop schafft eine Brücke zwischen Medizin und struktureller Zellbiologie und eröffnet somit völlig neue Möglichkeiten für unsere Forschung“, betont Prof. Achilleas Frangakis, der das Großgerät im Wert von 5,6 Millionen Euro eingeworben hat. „Wir können nun biologische Prozesse im Mikroskop sichtbar machen, die bisher verborgen blieben – etwa wie Proteine in Zellen im immer noch unbekannten physiologischen Kontext zusammenarbeiten oder sogar wie sich Krankheiten auf Nanoebene entwickeln.“

Die gemeinnützige Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung leistete einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung des Mikroskops, wofür sie mit einer Plakette am Gerät gewürdigt wurde. Für die Stiftung ist die Unterstützung qualitativ hochwertiger, medizinischer Forschungsprojekte ein zentrales Anliegen, um einen Beitrag zur Verbesserung von Forschungsbedingungen und zur Weiterentwicklung medizinischer Erkenntnisse zu leisten.

Prof. Bernhard Brüne, Vizepräsident für Forschung an der Goethe-Universität, hob hervor: „Ohne diese großzügige Förderung wäre diese Anschaffung nicht möglich gewesen. Das Gerät ist für die Arbeit im Exzellenzcluster SCALE unverzichtbar – es erlaubt den Forschenden, die Architektur von Zellen in bisher unerreichter Detailgenauigkeit zu untersuchen.“

SCALE (Subcellular Architecture of Life) ist ein gemeinsames Forschungsprojekt von Goethe-Universität und Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Verbund der Rhein-Main-Universitäten (RMU), den Max-Planck-Instituten für Biophysik und Hirnforschung sowie weiteren Partnern. Forschende untersuchen dort, wie zelluläre Strukturen aufgebaut sind und wie Fehler in diesem molekularen Bauplan zu Krankheiten führen. Das neue Mikroskop ermöglicht es, genau diese fehlerhaften Strukturen in Krebszellen oder bei neurodegenerativen Erkrankungen dreidimensional abzubilden und zu analysieren.

Prof. Maike Windbergs, Forschungsdekanin am Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie, verwies darauf, dass das Gerät den Standort Frankfurt für internationale Kooperationen deutlich attraktiver mache. Prof. Martin Pos, Studiendekan am Fachbereich, betonte zudem, dass Studierende und Promovierende hier Zugang zu einer Technologie erhielten, die weltweit nur an wenigen Standorten verfügbar sei – ein wichtiger Baustein für ihre wissenschaftliche Ausbildung und spätere Karriere.
Prof. Inga Hänelt, Sprecherin des Exzellenzclusters SCALE, unterstrich, dass das Mikroskop von Forschenden beider RMU-Partneruniversitäten sowie den weiteren Partnern genutzt werde und neue Einblicke in die subzelluläre Architektur des Lebens erlaube.

Erste Aufnahmen konnten bereits eine Zellstruktur entschlüsseln, die für die menschliche Nierenfunktion entscheidend ist. Das Mikroskop steht nun für vielfältige Forschungsprojekte zur Verfügung.

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Bildtext: Prof. Dr. Achilleas Frangakis zeigt das von der Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung unterstützte Rasterelektronenmikroskop mit Nanomanipulator (Bild: Uwe Dettmar/Goethe-Universität).

Weitere Informationen
Prof. Dr. Achilleas Frangakis
Institut für Biophysik
Buchmann Institute for Molecular Life Sciences
Goethe-Universität
+49 69 / 798 46462
achilleas.frangakis@biophysik.uni-frankfurt.de
https://frangakis.biophysik.org/


Redaktion: Dr. Phyllis Mania, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13001, Fax 069 798-763-12531, mania@physik.uni-frankfurt.de

 

Jan 16 2026
09:09

Eines von wenigen Geräten weltweit ermöglicht Aufnahmen lebender Zellen

Blick ins Innerste des Lebens: Erstes Rasterelektronenmikroskop mit Nanomanipulator in Hessen an der Goethe-Universität eingeweiht

Die Goethe-Universität Frankfurt hat am Donnerstag feierlich ein hochmodernes Cryo Plasma-FIB-Rasterelektronenmikroskop mit Nanomanipulator im Wert von mehr als 5 Millionen Euro in Betrieb genommen. Das von der Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung unterstützte Großgerät ist das erste seiner Art in Hessen und eines von nur wenigen in Deutschland. Es ermöglicht präzise Nanobiopsien biologischer Proben, wie Gewebe oder Zellverbände, und ist eine Schlüsseltechnologie für den Exzellenzcluster SCALE, in dem Forschende die molekularen Grundlagen von Zellen untersuchen.

FRANKFURT. Mit einem sogenannten Cryo Plasma-FIB (engl. Plasma Focused Ion Beam) Rasterelektronenmikroskop mit Nanomanipulator erweitert die Goethe-Universität ihre Forschungsinfrastruktur um ein leistungsstarkes Instrument. Am Buchmann Institute for Molecular Life Sciences auf dem Campus Riedberg wurde das Mikroskop am Donnerstag eingeweiht – als erstes seiner Art in Hessen und eines von nur wenigen in ganz Deutschland.

Das Großgerät arbeitet mit einem fokussierten Plasma-Ionenstrahl, mit dem winzige Schnitte aus biologischen Zellen präpariert werden können – sogenannte Nanobiopsien mit Abmessungen im Nanometer-Bereich. Der entscheidende Vorteil gegenüber herkömmlichen Ionenstrahl-Mikroskopen: Der Plasmastrahl arbeitet schonender und schneller, was besonders bei empfindlichen biologischen Proben wie wasserhaltigen Zellen von Bedeutung ist. Diese ultradünnen Schnitte können anschließend sowohl im Rasterelektronenmikroskop als auch im Transmissionselektronenmikroskop untersucht werden. So lassen sich etwa Proteinstrukturen in ihrer natürlichen Umgebung sichtbar machen oder zelluläre Veränderungen bei Krankheiten, wie Alzheimer oder Krebs, auf molekularer Ebene nachvollziehen.

„Dieses Mikroskop schafft eine Brücke zwischen Medizin und struktureller Zellbiologie und eröffnet somit völlig neue Möglichkeiten für unsere Forschung“, betont Prof. Achilleas Frangakis, der das Großgerät im Wert von 5,6 Millionen Euro eingeworben hat. „Wir können nun biologische Prozesse im Mikroskop sichtbar machen, die bisher verborgen blieben – etwa wie Proteine in Zellen im immer noch unbekannten physiologischen Kontext zusammenarbeiten oder sogar wie sich Krankheiten auf Nanoebene entwickeln.“'

Die gemeinnützige Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung leistete einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung des Mikroskops, wofür sie mit einer Plakette am Gerät gewürdigt wurde. Für die Stiftung ist die Unterstützung qualitativ hochwertiger, medizinischer Forschungsprojekte ein zentrales Anliegen, um einen Beitrag zur Verbesserung von Forschungsbedingungen und zur Weiterentwicklung medizinischer Erkenntnisse zu leisten.

Prof. Bernhard Brüne, Vizepräsident für Forschung an der Goethe-Universität, hob hervor: „Ohne diese großzügige Förderung wäre diese Anschaffung nicht möglich gewesen. Das Gerät ist für die Arbeit im Exzellenzcluster SCALE unverzichtbar – es erlaubt den Forschenden, die Architektur von Zellen in bisher unerreichter Detailgenauigkeit zu untersuchen.“

SCALE (Subcellular Architecture of Life) ist ein gemeinsames Forschungsprojekt von Goethe-Universität und Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Verbund der Rhein-Main-Universitäten (RMU), den Max-Planck-Instituten für Biophysik und Hirnforschung sowie weiteren Partnern. Forschende untersuchen dort, wie zelluläre Strukturen aufgebaut sind und wie Fehler in diesem molekularen Bauplan zu Krankheiten führen. Das neue Mikroskop ermöglicht es, genau diese fehlerhaften Strukturen in Krebszellen oder bei neurodegenerativen Erkrankungen dreidimensional abzubilden und zu analysieren.

Prof. Maike Windbergs, Forschungsdekanin am Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie, verwies darauf, dass das Gerät den Standort Frankfurt für internationale Kooperationen deutlich attraktiver mache. Prof. Martin Pos, Studiendekan am Fachbereich, betonte zudem, dass Studierende und Promovierende hier Zugang zu einer Technologie erhielten, die weltweit nur an wenigen Standorten verfügbar sei – ein wichtiger Baustein für ihre wissenschaftliche Ausbildung und spätere Karriere.
Prof. Inga Hänelt, Sprecherin des Exzellenzclusters SCALE, unterstrich, dass das Mikroskop von Forschenden beider RMU-Partneruniversitäten sowie den weiteren Partnern genutzt werde und neue Einblicke in die subzelluläre Architektur des Lebens erlaube.

Erste Aufnahmen konnten bereits eine Zellstruktur entschlüsseln, die für die menschliche Nierenfunktion entscheidend ist. Das Mikroskop steht nun für vielfältige Forschungsprojekte zur Verfügung.



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Bildtext: Prof. Dr. Achilleas Frangakis zeigt das von der Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung unterstützte Rasterelektronenmikroskop mit Nanomanipulator (Bild: Uwe Dettmar/Goethe-Universität).

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Jan 15 2026
13:52

Kooperationsprojekt mit dem Stadtschulamt Frankfurt startet mit Auftaktveranstaltung

Erfolgreiches Projekt Sprachförderprofis: jetzt auch im schulischen Ganztag und den Horten

FRANKFURT. Das Projekt „Sprachförderprofis“ der Goethe-Universität Frankfurt und des IDeA-Zentrums begleitet seit Herbst 2016 Erzieherinnen und Erzieher sowie Grundschullehrkräfte in gemeinsamen Fortbildungen. Ziel ist es, pädagogische Fachkräfte darin zu schulen, eine sprachwissenschaftlich fundierte Sprachförderung zu entwickeln und flexibel in großen wie kleinen Gruppen umzusetzen, um Kindern mit besonderem Förderbedarf in Sprache gerecht zu werden – beispielsweise im Bereich Deutsch als Zweitsprache. Die neue Reihe „Sprachförderprofis 4.0“ in Kooperation mit der Stadt Frankfurt wird den schulischen Ganztag und die Horte zum Thema haben. Interessierte Pädagog*innen können sich ab sofort für die kostenfreien Fortbildungen anmelden.  

Der Auftakt der neuen Fortbildungsreihe fand am gestrigen Mittwoch im Stadtschulamt Frankfurt statt. Uta Clifton, Leiterin des Stadtschulamtes, hob in ihrem Grußwort die langjährige Zusammenarbeit zwischen Goethe-Universität und dem Stadtschulamt Frankfurt hervor, die nunmehr seit 2016 besteht. Zusätzlich zur Sprachförderung in Kita und Grundschule rücke nun auch der schulische Ganztag und die Horte in den Fokus. Sie freue sich, dieses neue Format mitgestalten zu können.

Prof. Petra Schulz, Projektleiterin vom Institut für Psycholinguistik und Didaktik der deutschen Sprache an der Goethe-Universität, zeigte in ihrem Vortrag, wie Sprachförderung davon profitiert, dass man Erkenntnisse aus Sprachwissenschaft und Spracherwerbsforschung einbezieht. Sie hob hervor, dass sowohl im Ganztag und den Horten als auch in Sprachförderverbünden das Wichtige sei, dass sich eine systematische Sprachförderung am Sprachstand des Kindes orientiert. Außerdem sei es wichtig, dass sich diese Förderung am natürlichen Verlauf des Spracherwerbs orientiert. Ihre Studien zeigten, so Schulz, dass Fortbildungen zu linguistisch fundierter Sprachförderung wirksam sind.

Dr. Rabea Lemmer, Referentin im Projekt „Sprachförderprofis“, erläuterte, dass das Ziel der Fortbildungen sei, die Teilnehmenden in ihren Sprachförderkompetenzen zu stärken – „und zwar so, dass sie selbst und die Kinder davon profitieren.“ Dr. Barbara Voet Cornelli, ebenfalls Fortbildnerin im Projekt, ergänzte, dass die Sprachförderkräfte in den Fortbildungen Sprachfördermethoden kennenlernen und erproben. Diese seien ein gutes Werkzeug für die Arbeit in Kita, Schule, Ganztag und Hort.

Die neue Fortbildungsreihe der „Sprachförderprofis“ wendet sich an Pädagogische Fachkräfte im schulischen Ganztag und den Horten (Raum Frankfurt). Die sprachwissenschaftlich basierten Fortbildungen sollen die Teilnehmenden für eine sprachsensible Arbeit im Ganztag fit machen. Zentrale Themen der Sprachförderung und Sprachbildung, insbesondere für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache, werden praxisnah vermittelt. 
Die Fortbildungen finden in Kleingruppen statt, sind teilnehmerorientiert und werden individuell gestaltet. Wissen und Handeln sind eng verzahnt durch Vermittlungs-, Umsetzungs- und Reflexionsphasen. Darüber hinaus gibt es passgenaue optionale Angebote, beispielsweise Sprachförderung im Team oder Ausbau bildungssprachlicher Fähigkeiten. Der zeitliche Umfang beträgt insgesamt drei Fortbildungstage mit je vier Stunden, verteilt auf ca. vier Monate. Gerne werden auf Anfrage vertiefende Module und ein individuell abgestimmter zeitlicher Umfang angeboten. Dank der Finanzierung durch das Stadtschulamt Frankfurt ist die Teilnahme kostenlos.

Anmeldung 
Interessierte können sich telefonisch unter 069-798 32573 oder per Mail unter sprachfoerderprofis@em.uni-frankfurt.de anmelden. Weitere Informationen unter www.sprachfoerderprofis.de

Kontakt
Dr. Rabea Lemmer, Arbeitseinheit Deutsch als Zweitsprache, Institut für Psycholinguistik und Didaktik der deutschen Sprache, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069) 798 32573 www.fb10.uni-frankfurt.de/DaZ

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 15 2026
12:35

Team der Goethe-Universität Frankfurt klassifiziert alle menschlichen E3-Ligasen – neue Möglichkeiten für gezielte Therapien durch Proteinabbau

Familie der „Makler“ hilft beim Aufräumen in der Zelle

Zellen bilden ständig neue Proteine und bauen nicht mehr benötigte ab. Für den Abbau nutzen die Zellen überwiegend das Ubiquitin-Proteasom-System (UPS), wo Proteine mit Ubiquitin markiert und zu einem „Schredder“ weitergeleitet werden, dem Proteasom. Zentral ist dabei das Enzym E3-Ligase, das als „Makler“ fungiert und die Markierung der abzubauenden Proteine vermittelt. Ein Forschungsteam der Goethe-Universität Frankfurt hat nun erstmals einen systematischen Katalog aller menschlichen E3-Ligasen und ihrer Beziehungen zueinander erstellt und 40 von ihnen als potenzielle Akteure in neu entstehenden Wirkstoffklassen wie den PROTACs identifiziert, die etwa in der Krebstherapie eingesetzt werden.

FRANKFURT. Ordnung zu halten ist eine große logistische Herausforderung für die Zelle: Eine einzelne Säugetierzelle enthält Milliarden von Proteinmolekülen, die präzise gebildet, genutzt und wieder abgebaut werden müssen. Zum Abbau über das Ubiquitin-Proteasom-System (UPS) werden bestimmte Proteine mit Ketten mehrerer Ubiquitin-Moleküle versehen und anschließend von einem Proteasom geschreddert. Der entscheidende Schritt in diesem Prozess ist die Auswahl des spezifischen Zielproteins: E3-Ligasen sind Enzyme, die als molekulare „Makler" an das Zielprotein binden und dann die Übertragung von Ubiquitin von einem E2-Enzym auf das Zielprotein vermitteln.

Da jede E3-Ligase nur eine begrenzte Anzahl von Zielproteinen erkennt, verfügen Zellen über ein großes und vielfältiges Repertoire an E3-Ligasen. Ein Forschungsteam der Goethe-Universität Frankfurt unter der Leitung von Dr. Ramachandra M. Bhaskara vom Institut für Biochemie II hat nun alle Mitglieder dieser „Makler-Familie" in einem Katalog zusammengestellt und erstmals aufgezeigt, wie menschliche E3-Ligasen miteinander in Beziehung stehen und was dies für ihre Funktion, die Erkennung der Zielproteine und die Arzneimittelentwicklung bedeutet.

Eine datengestützte Karte des „E3-Ligoms"

Zur Beschreibung dieser Makler-Sippschaft – des sogenannten „E3-Ligoms“ – verglichen die Forschenden im Computer und mit KI-Unterstützung die E3-Ligase-Merkmale miteinander. Anschließend bestätigten sie die Ergebnisse in Zellkulturexperimenten und konnten so Schlussfolgerungen zur Funktion der E3-Ligasen ziehen. Über diese Funktionen definierten sie 13 Hauptfamilien sowie mehrere Unterfamilien, die die Gemeinsamkeiten zwischen den E3-Ligase-Mitgliedern besser wiedergeben als alleinige Aminosäuresequenz- oder Strukturähnlichkeiten. Bhaskara erklärt: „Unser datengestützter Ansatz auf Basis von maschinellem Lernen zeigt Funktionen, die spezifisch für E3-Ligase-Familien sind. So sind die Mitglieder einer Familie beispielsweise wichtig für DNA-Reparaturprogramme und die Vermeidung von ungewolltem Zelltod, während andere an der antiviralen Abwehr beteiligt sind.“

Über ihre Rolle beim Proteinabbau hinaus sind E3-Ligasen auch an Signalübertragungsprozessen beteiligt. Hierzu wird Ubiquitin eingesetzt, das nicht für den Proteinabbau genutzt wird. Dies zeigt, dass E3-Ligasen für zahlreiche zelluläre Signalwege und Krankheitsmechanismen bedeutsam sind.

Bedeutung für Therapeutika der nächsten Generation

Die neue E3-Ligase-Karte ist besonders für neuartige Wirkstoffe wie PROTACs relevant, die den gezielten Proteinabbau ermöglichen. PROTACs (Proteolysis Targeting Chimeras) sind bifunktionelle Moleküle, die eine E3-Ligase in die Nähe eines krankheitsrelevanten Proteins bringen und so dafür sorgen, dass das Protein mit Ubiquitin markiert und durch ein Proteasom geschreddert wird. Obwohl sich das PROTAC-Forschungsgebiet rasch weiterentwickelt hat, stützen sich die meisten bestehenden PROTACs nur auf eine kleine Anzahl gut charakterisierter E3-Ligasen.

Durch die systematische Analyse des gesamten E3-Ligoms identifizierte das Frankfurter Forschungsteam 40 weitere E3-Ligasen, die sich potenziell für die Entwicklung neuer PROTACs eignen. Besonders wichtig: Die E3-Ligase-Karte ermöglicht es, bereits etablierte Bindungspartner von E3-Ligasen für verwandte E3-Ligasen zu verwenden oder anzupassen und Designprinzipien zu übertragen. Auf diese Weise könnte die Entwicklung neuer PROTACs für weitere Körpergewebe, Zellkonstellationen und Krankheiten beschleunigt werden.

Offene Ressource für die Forschungsgemeinschaft

Da weltweit zahlreiche Forschungsgruppen an Ansätzen zum zielgerichteten Proteinabbau arbeiten, hat das Team der Goethe-Universität das vollständige E3-Ligom über eine spezielle Datenbank öffentlich zugänglich gemacht, sodass andere Forschende auf der Klassifizierung und den funktionalen Erkenntnissen aufbauen können.

Publikation: Arghya Dutta, Alberto Cristiani, Siddhanta V. Nikte, Jonathan Eisert, Yves Matthess, Borna Markusic, Cosmin Tudose, Chiara Becht, Varun Jayeshkumar Shah, Thorsten Mosler, Koraljka Husnjak, Ivan Dikic, Manuel Kaulich, Ramachandra M. Bhaskara: Multi-scale classification decodes the complexity of the human E3 ligome.  Nature Communications (2025) https://doi.org/10.1038/s41467-025-67450-9

Bilder zum Download:
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Bildtexte:
1) Familien-Sonne: Forschende der Goethe-Universität haben die Verwandtschaftsverhältnisse aller 462 E3-Ligasen des Menschen aufgeklärt. Zudem unterstützen E3-Ligasen nicht-degradative Funktionen. Bild: Ramachandra Bhaskara, Goethe-Universität Frankfurt

2) PROTACs und E3-Ligasen: PROTACs verbinden ein Zielprotein (Protein of Interest, POI) mit einer E3-Ligase, die die Ubiquitin-Markierung (gelb) des POI durch ein E2-Enzym vermittelt. Anschließend wird das POI im Proteasom-Schredder (blau) abgebaut. Bild: Institut für Biochemie II, Goethe-Universität Frankfurt

Weitere Informationen
Dr. Ramachandra M. Bhaskara
Gruppenleiter Computational Cell Biology
Institut für Biochemie II
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 7984-2526
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Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de


 

Jan 13 2026
13:05

Bildungsforscherin übernimmt zugleich Professur an der Goethe-Universität. 

Prof. Dr. Yvonne Anders neue Direktorin am DIPF

Mit Prof. Dr. Yvonne Anders gewinnt das DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation eine exzellente Wissenschaftlerin für eine zentrale Leitungsposition: Die Bildungsforscherin ist neue Direktorin an dem Institut, was mit der Leitung einer der fünf Abteilungen und einem Sitz im Vorstand verbunden ist. Zugleich wird sie in Kooperation mit dem DIPF auf die Professur für „Psychologie mit dem Schwerpunkt Bildung und Entwicklung“ an der Goethe-Universität Frankfurt berufen.

FRANKFURT. „Unsere Forschung wird sich weiterhin auf die individuelle kindliche Entwicklung konzentrieren, allerdings die Rolle der Bildungskontexte wie Familie, Kita und Schule stärker beleuchten“, erläutert Yvonne Anders die Ausrichtung ihrer Abteilung am DIPF, die in „Entwicklung in Bildungskontexten“ (EnBi) umbenannt wird. Das Interesse gelte dabei Kindern in den ersten zehn Lebensjahren, einen besonderen Fokus lege sie selbst auf das Alter bis sechs Jahre, so die Forscherin. Schwerpunkte bilden Fragen von Bildungsqualität, Diversität und Chancengerechtigkeit, die professionellen Kompetenzen frühpädagogischer Fachkräfte, der Übergang von der Kita zur Grundschule und die Digitalisierung. Von quantitativen Ansätzen ausgehend wird die Abteilung weiterhin verschiedene Methoden kombinieren. Neben einem hohen theoretischen Anspruch soll der Transfer von Wissen sowie der Austausch zwischen der Forschung auf der einen und Praxis, Politik und Öffentlichkeit auf der anderen Seite eine zentrale Rolle spielen – etwa durch Praxismaterialien, Weiterbildungen, Elternangebote, digitale Programme und bildungspolitische Beratung.

Am DIPF und an der Goethe-Universität Frankfurt ist man hocherfreut über die Neubesetzung: „Mit Yvonne Anders gewinnt das DIPF eine herausragende Wissenschaftlerin, die mit ihrer Forschung maßgebliche Impulse für das Verständnis kindlicher Entwicklung setzt. Ihre Perspektive auf frühkindliche Bildungsprozesse und deren gesellschaftliche Bedeutung ist ein zentraler Baustein, um die strategische Weiterentwicklung des DIPF voranzutreiben und neue Wege für eine chancengerechte Bildung von Anfang an zu eröffnen“, unterstreicht Prof. Dr. Kai Maaz, Geschäftsführender Direktor des DIPF.

„Ich gratuliere Yvonne Anders herzlich zu ihrer Berufung! Als Direktorin am DIPF und gemeinsam berufene Professorin an der Goethe-Universität wird sie entscheidend dazu beitragen, die langjährige und erfolgreiche Kooperation beider Institutionen auf dem Gebiet der Bildungsforschung weiter zu vertiefen“, so Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität.

Werdegang von Yvonne Anders

Yvonne Anders kommt von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, wo sie als Professorin für „Frühkindliche Bildung und Erziehung“ tätig war und auch die wissenschaftliche Ko-Leitung der Säule „Lernumwelten“ des Nationalen Bildungspanels (NEPS) innehatte. Dort verantwortete sie zudem zahlreiche wissenschaftliche Projekte im Bereich der frühkindlichen Entwicklung und der fachlichen Arbeit von Kitas. Ihrer neuen Aufgabe blickt die Wissenschaftlerin mit großer Vorfreude entgegen: „National wie international ist das DIPF für seinen interdisziplinären und gleichermaßen grundlagen- wie anwendungsorientierten Blick auf Bildung bekannt. Mit innovativer Forschung möchte ich dazu beitragen, diesen umfassenden Ansatz weiter voranzubringen.“ Vor ihrer Tätigkeit in Bamberg war Anders Professorin für „Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Frühkindliche Bildung und Erziehung“ an der Freien Universität Berlin. Die promovierte Psychologin habilitierte in den Fächern „Pädagogische Psychologie“ und „Empirische Bildungsforschung“. Sie ist unter anderem Mitglied der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) der KMK und der Expertenkommission der Bundesregierung zu Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt. 

Forschungsvorhaben am DIPF

Professorin Anders gehört zum Leitungskreis des wissenschaftlichen Konsortiums der Bremer Initiative zur Stärkung frühkindlicher Entwicklung (BRISE) und verantwortet zudem ein BRISE-Teilprojekt zur Interaktionsqualität in Familie und Kita. Diese Aktivitäten setzt sie in ihrer neuen Funktion fort und stärkt damit den bereits laufenden Beitrag des DIPF zu der Initiative. Auch die führende Beteiligung von Yvonne Anders an der Evaluation des Landesprogramms „Sprachfit“ in Baden-Württemberg erfolgt nun vom DIPF aus. Als Direktorin an dem Leibniz-Institut folgt die Forscherin auf Prof. Dr. Marcus Hasselhorn, der diese Funktion rund 18 Jahre ausgefüllt und dabei Meilensteine der Institutsentwicklung vorangetrieben hat. Dazu gehörte die Gründung des Forschungszentrums „IDeA“ (Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk), das Entwicklungs- und Lernprozesse bei Kindern mit Bildungsrisiken untersucht. Die Koordination und die Labore von IDeA bleiben als Servicestrukturen unter der neuen Führung eine maßgebliche Aufgabe der DIPF-Abteilung. Marcus Hasselhorn übergibt außerdem seinen Platz im „Scientific Board“ des IDeA-Zentrums an Yvonne Anders. Weitere große Projekte der Abteilung, etwa die Beteiligung am Forschungszentrum DYNAMIC, das neue Wege der Diagnostik und Behandlung psychischer Erkrankungen mithilfe dynamischer Netzwerkmodelle untersucht, werden ebenso fortgeführt.

Kontakt:

Prof. Dr. Yvonne Anders, +49 (0)69 24708-450, y.anders@dipf.de  

Pressekontakt:

Philip Stirm, DIPF, +49 (0)69 24708-123, p.stirm@dipf.de    

Dr. Dirk Frank, Goethe-Universität, +49 (069 798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

Redaktion: Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 12 2026
17:05

Rolf-Sammet-Stiftungsgastprofessur 2025 wird an Genforscher Patrick Cramer verliehen, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft – Vorträge für Bürger*innen, Studierende, Biowissenschaftler*innen und Mediziner*innen

Vortragsreihe mit Bürgervorlesung: MPG-Präsident Cramer zum Zusammenspiel der Gene

International bekannt wurde Patrick Cramer durch die Aufklärung der dreidimensionalen Struktur eines zentralen Enzyms höherer Zellen, der RNA-Polymerase II. Es übersetzt die in der DNA kodierten Gene in RNA, mit deren Hilfe die Zelle Proteine herstellt. Mit der Struktur wurde erstmals der Mechanismus klar, durch den diese Übersetzung (Transkription) vonstattengeht. Wann die Zelle welche Gene aktiviert, ist seitdem zentrales Forschungsthema des heutigen Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft. Im Rahmen seiner Rolf-Sammet-Stiftungsgastprofessur an der Goethe-Universität wird Cramer in sechs Vorträgen über Gentranskription und -regulation sprechen.

FRANKFURT. Die DNA enthält zwar den Bauplan des Lebens, doch damit sich das Leben auch entfalten kann, muss dieser Bauplan gelesen und – in zeitlich wohl koordinierter Weise – in Proteine umgesetzt werden. Einige dieser Proteine sind Teil von Strukturen, die meisten jedoch setzen als Enzyme biochemische Reaktionen in Gang. So sorgen sie zum Beispiel für Stoffwechsel und Kommunikation, für Wachstum und die zahlreichen Spezialaufgaben, die Zellen in höheren Organismen übernehmen.

Nichts weniger als dieses „System Leben“ ist das Forschungsgebiet von Prof. Patrick Cramer, Chemiker und Strukturbiologe, Direktor am Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften und seit 2023 Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. Nach der Aufklärung der dreidimensionalen Struktur der RNA-Polymerase II lieferten er und sein Labor viele grundlegende Beiträge zum Verständnis der Transkription von Genen in höheren – eukaryotischen – Zellen, aus denen Pflanzen, Tiere und auch der Mensch bestehen. Seine Arbeitsgruppe verbindet moderne Strukturbiologie mit der funktionellen Analyse des Zusammenspiels aller Gene, um zu verstehen, wie Gene an- und abgeschaltet werden und wie Störungen dieser Prozesse zu Krankheiten beitragen.

Kurz nach Ausbruch der COVID-19-Pandemie machte sein Team sichtbar, wie das SARS-CoV2-Virus sein Erbgut in menschlichen Zellen vermehrt, indem es die Struktur der SARS-CoV2-Polymerase charakterisierte. Damit schufen Cramer und sein Labor eine Grundlage für die Entwicklung antiviraler Therapien.

Einblicke in die neue Welt der Wissenschaft sowie in die Gentranskription und -regulation wird er in einer öffentlichen Vortragsreihe vom 15. bis 16. Januar und am 12. und 13. Februar an der Goethe Universität und bei Sanofi vorstellen. Besonders hingewiesen sei auf die beiden Vorträge:

Verleihung der Gastprofessur
durch Dekan Prof. Clemens Glaubitz und Prof. Dieter Steinhilber

und Vorlesung „Die neue Welt der Wissenschaft“
Donnerstag, 15. Januar 2026, 17:00 Uhr
Hörsaal Chemie N/H1
Max-von-Laue-Str. 7, 60438 Frankfurt (Campus Riedberg)

Bürgervorlesung
„Wie Gene funktionieren“

Donnerstag, 12. Februar 2026, 18:00 Uhr
Hörsaal 3, Otto-Stern-Zentrum
Ruth-Moufang-Str. 2, 60438 Frankfurt (Campus Riedberg)

Am 16. Januar hält Patrick Cramer zudem auf dem Campus Riedberg je eine Vorlesung für Studierende und für Wissenschaftler*innen sowie am 12. Februar eine Vorlesung auf dem Campus Niederrad für Mediziner*innen. Zum Abschluss der Gastprofessur spricht Patrick Cramer am 13. Februar beim Biopharma-Unternehmen Sanofi im Industriepark Höchst.

Die Rolf Sammet-Gastprofessur, gestiftet von der Aventis Foundation, ist eine der ältesten Stiftungsgastprofessuren an der Goethe-Universität. Sie wurde 1985 von der Hoechst AG gegründet zu Ehren ihres langjährigen Vorstandsvorsitzenden, Prof. Rolf Sammet, der seit 1975 auch Honorarprofessor an der Goethe-Universität war. Seit Januar 2015 wird sie von der Universität in Eigenregie weitergeführt. Die Aventis Foundation hat dafür den Rolf Sammet-Stiftungsfonds an der Goethe-Universität mit einer Million Euro ausgestattet. Jedes Jahr wird ein international renommierter Wissenschaftler auf dem Gebiet der Naturwissenschaften nach Frankfurt eingeladen, um sein Forschungsgebiet und seine aktuellen Arbeitsschwerpunkte in kompakter Form vorzustellen.

Programm der Rolf-Sammet-Stiftungsgastprofessur 2025:
https://www.uni-frankfurt.de/46321548/Rolf_Sammet_Stiftungsgastprofessur

Bilder zum Download:
https://mpg.canto.de/b/HBTKR

Bildtext: Prof. Dr. Patrick Cramer, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. Foto: Katrin Binner / MPG

Weitere Informationen
Prof. Dr. Dieter Steinhilber
Institut für Pharmazeutische Chemie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel.: 069 798-29324
Steinhilber@em.uni-frankfurt.de

Bluesky: @goetheuni.bsky.social @patrick-cramer.maxplanck.de @maxplanck.de
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt @Patrick Cramer @Max Planck Society @Aventis Foundation

Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 12 2026
11:53

Proteinengineering ermöglicht nachhaltige Produktion industriell wichtiger Fettsäuren

Designer-Enzyme statt Palmöl: Frankfurter Forschende programmieren Hefezellen um

Fettsäuren aus Palmöl und Kokosnussöl stecken in zahllosen Produkten des täglichen Bedarfs – ihre Gewinnung befeuert jedoch die Rodung des Regenwalds. Forschende der Goethe-Universität Frankfurt haben das Enzym Fettsäuresynthase so umprogrammiert, dass es maßgeschneiderte Fettsäuren beliebiger Kettenlänge produziert. Durch zwei gezielte Veränderungen des Enzyms können statt der üblichen 16-Kohlenstoff-Ketten nun kürzere Fettsäuren hergestellt werden. In Zusammenarbeit mit einem Partnerlabor in China wurde die veränderte Fettsäuresynthase in Hefestämme eingebracht, um damit industriell begehrte Fettsäure nachhaltig im Bioreaktor zu produzieren.

FRANKFURT. Ob Waschmittel, Wimperntusche oder Weihnachtsschokolade – viele Alltagsprodukte enthalten Fettsäuren aus Palmöl oder Kokosnussöl. Die Gewinnung dieser Rohstoffe geht jedoch mit massiven Umweltproblemen einher: Regenwälder werden gerodet, Lebensräume gefährdeter Tierarten vernichtet und traditionellen Landwirten die Lebensgrundlage entzogen. Das Team um Prof. Martin Grininger von der Goethe-Universität hat nun einen biotechnologischen Ansatz entwickelt, der eine umweltfreundlichere Produktion ermöglichen könnte.

Ein molekulares Fließband mit präziser Kontrolle
Im Zentrum der Arbeiten steht ein Enzym namens Fettsäuresynthase (engl. Fatty Acid Synthase, FAS) – eine Art molekulares Fließband, das in allen Lebewesen Fettsäuren aufbaut. „In dieser Funktion ist die FAS eines der wichtigsten Enzyme des Stoffwechsels einer Zelle und wurde für diese Aufgabe über viele Millionen Jahre optimiert“, erklärt Grininger.

Das Enzym produziert normalerweise Palmitinsäure, eine Fettsäure mit 16 Kohlenstoffatomen, die als Baustein für Zellmembranen und Energiespeicher dient. Die Industrie benötigt jedoch vor allem kürzere Varianten mit 6 bis 14 Kohlenstoffatomen – genau die, die derzeit aus den problematischen Pflanzenölen gewonnen werden. Der entscheidende Vorteil der neuen Methode: „Grundsätzlich liegt unser Vorteil in der sehr präzisen Kontrolle der Kettenlänge. Wir können theoretisch jede Kettenlänge machen und zeigen das am Beispiel der C12 Fettsäure, die man ansonsten nur aus Palmkernen oder Kokosnuss bekommt“, so Grininger.

Verständnis durch Veränderung
Grininger und sein Team haben in den letzten 20 Jahren maßgeblich dazu beigetragen, die molekularen Grundlagen der FAS zu verstehen. Sie fanden heraus, dass die Kettenlänge durch das Zusammenspiel zweier Untereinheiten gesteuert wird: Die Ketosynthase verlängert die Kette wiederholt um zwei Kohlenstoffatome, während die Thioesterase die fertige Kette als Fettsäure abspaltet. „Wir haben uns dann gefragt, ob wir über die Analyse hinausgehen und FAS mit neuer Kettenlängenregulation bauen können“, sagt Grininger. „Wahres Verständnis fängt dann an, wenn man ein Phänomen verändern oder maßschneidern kann.“

Zwei gezielte Eingriffe führen zum Erfolg
Sein Doktorand Damian Ludig griff dieses Konzept auf: „Was können wir erreichen, wenn wir gezielt in das Zusammenspiel der beiden Untereinheiten eingreifen – das war die grundlegende Frage, die wir uns am Beginn meiner Doktorarbeit gestellt haben“, erzählt Ludig. „Und können wir dadurch kontrollieren, mit welcher Kettenlänge die Fettsäuren hergestellt werden?“

Ludig nutzte die Methode des sogenannten Proteinengineerings, bei der einzelne Aminosäuren ausgetauscht oder ganze Proteinbereiche modifiziert werden können. „Zwei Änderungen der FAS mittels Proteinengineering haben schließlich zum Ziel geführt“, sagt Ludig. „In der Ketosynthase-Untereinheit habe ich zunächst eine Aminosäure ausgetauscht, was dazu führte, dass Ketten ab einer bestimmten Länge nur mit geringer Effizienz weiter verlängert werden. Zusätzlich habe ich die Untereinheit Thioesterase gegen ein ähnliches Protein aus Bakterien getauscht, das Aktivität in der Abspaltung kurzer Kettenlängen zeigt.“ Je nach weiterer Justierung konnte Ludig so Fettsäuren kurzer und mittlerer Länge herstellen.

Von Frankfurt nach Dalian
Die Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Prof. Yongjin Zhou vom Dalian Institut für Chemische Physik der Chinesischen Akademie der Wissenschaften brachte schließlich den Durchbruch. Unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der chinesischen National Natural Science Foundation (NSFC) gelang es Zhou und seinem Labor, Hefestämme zu entwickeln, die Fettsäuren mit nur 12 statt 16 Kohlenstoffatomen produzieren. Verschiedene Designer-FAS aus dem Grininger-Labor wurden dafür in die Hefen integriert und optimiert.

Beide Labore haben ihre Technologien bereits zum Patent angemeldet. „Von chinesischer Seite war die Firma Unilever am Projekt beteiligt. Unsere Entwicklung hat bislang ohne Industriebeteiligung stattgefunden, jedoch streben wir eine Zusammenarbeit mit einem Industriepartner an, um die Technologie in die Anwendung zu bringen“, so Grininger.

Weitergedacht: Von Fettsäuren zu Arzneistoffen
In einem zweiten Projekt ging das Labor noch einen Schritt weiter. Felix Lehmann untersuchte in seiner Doktorarbeit, wie universell FAS für maßgeschneiderte Biosynthesen einsetzbar sind. „Diese Frage ist auch von der Notwendigkeit angetrieben, chemische Verfahren immer weiter in Richtung nachhaltiger und grüner Chemie zu entwickeln“, erklärt Grininger.

Die konkrete Fragestellung: Können FAS Styrylpyrone herstellen? Diese Moleküle sind Vorläufer von Substanzen aus der Kava-Pflanze, die als potenziell angstlösende Wirkstoffe medizinisches Interesse wecken. Auch hier gelang Lehmann der Erfolg mit relativ wenigen Änderungen: „Zunächst haben wir den Teil der FAS weggeschnitten, den wir für die angestrebten Produkte nicht brauchen. Anschließend haben wir die Untereinheit Ketosynthase verändert, damit Zimtsäure als Startmolekül genutzt werden kann“, erklärt er. Das Team integrierte sogar ein weiteres Protein in die Struktur der FAS, sodass es Teil des Multienzyms wurde.

„Wir haben in diesem Projekt schließlich noch sehr systematisch betrachtet, wie wir die gesamte Biosynthese ausgehend von leicht verfügbaren Bausteinen realisieren können“, führt Grininger aus. Die Erkenntnisse seien zwar nicht von unmittelbarer Anwendungsrelevanz, helfen aber das Design neuer Synthasen anzuleiten.

An der Schnittstelle von Chemie und Biologie
„Wir haben uns als Labor in den letzten Jahren sehr gut in Richtung Biokatalyse und biotechnologische Anwendungen entwickelt – mit vielen wichtigen Beiträgen aus zahlreichen Projekten von Mitarbeiter*innen und Student*innen. Diesen Weg werden wir weitergehen. Im Rahmen des Exzellenzclusters SCALE werden wir mithilfe dieses Enzyms außerdem maßgeschneiderte Biomembranen erzeugen. Ihre Analyse hilft dabei, zentrale Zellbestandteile wie das endoplasmatische Retikulum oder die Mitochondrien besser zu verstehen“, resümiert Grininger.

Ob die Technologie die Palmöl-Problematik tatsächlich entschärfen kann, hängt nun von der erfolgreichen Skalierung mit Industriepartnern ab. Die wissenschaftliche Grundlage ist jedenfalls gelegt – und das Labor hat noch viele Ideen.


Publikationen:
Damian L. Ludig, Xiaoxin Zhai, Alexander Rittner, Christian Gusenda, Maximilian Heinz, Svenja Berlage, Ning Gao, Adrian J. Jervis, Yongjin J. Zhou & Martin Grininger. Engineering metazoan fatty acid synthase to control chain length applied in yeast. Nature Chemical Biology (2026) https://doi.org/10.1038/s41589-025-02105-w

Felix Lehmann, Nadja Joachim, Carolin Parthun, Martin Grininger. Design of a Multienzyme Derived from Mouse Fatty Acid Synthase for the Compartmentalized Production of 2-Pyrone Polyketides. Angewandte Chemie International Edition (2025). https://doi.org/10.1002/anie.202511726

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/181986485

Bildtext:
1) Datei „Palmoil_Shutterstock“: Die Palmölplantagen erstrecken sich oft über Kilometer und stellen ein Problem für Mensch und Tier dar (Bild: Shutterstock).
2) Datei „Biosynthese_LehmannGrininger_DE“: Schematische Darstellung der Biosynthese in einer Zelle (oben) und im Labor (unten). Durch das Designer-Enzym wird die Kettenlänge der Fettsäure verkürzt (Bild: Felix Lehmann & Martin Grininger/Goethe-Universität).


Weitere Informationen
Prof. Dr. Martin Grininger
Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie
Buchmann Institute for Molecular Life Sciences
Goethe-Universität Frankfurt
Max-von-Laue-Str. 15
60438 Frankfurt am Main
+49 (0)69 798 42705
grininger@chemie.uni-frankfurt.de
https://www.greeninger-chemistry.com/


Redaktion: Dr. Phyllis Mania, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13001, Fax 069 798-763-12531, mania@physik.uni-frankfurt.de

 

Dez 19 2025
09:50

Frankfurter Forschungsteam legt erste umfassende Analyse zur Verbreitung des humanpathogenen Parasiten in Europa vor

Kontinuierliche Ausbreitung: Waschbärspulwurm in neun europäischen Ländern nachgewiesen

Der Waschbärspulwurm Baylisascaris procyonis kann beim Menschen schwere Erkrankungen bis hin zu tödlichen Hirnschädigungen auslösen. Ein Frankfurter Forschungsteam des Verbundprojektes ZOWIAC hat nun die erste umfassende Analyse für Europa vorgelegt: Der Parasit ist bereits in neun Ländern etabliert und breitet sich kontinuierlich aus. Die Studie kombiniert neue Untersuchungen von 146 Waschbären aus Deutschland mit einer umfassenden Auswertung aller verfügbaren europäischen Daten und wurde im Fachjournal Parasitology Research publiziert.

FRANKFURT. Während die Ausbreitung des Waschbären in Europa oft diskutiert wird, bleibt sein Begleiter eher unbeachtet: Der Waschbärspulwurm Baylisascaris procyonis reiste bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit den ersten Waschbären aus Nordamerika ein. Seit der Freilassung bzw. dem Entkommen aus Pelztierfarmen hat sich der Waschbär unkontrolliert über weite Teile Mitteleuropas verbreitet – und mit ihm sein Parasit. Deutschland gilt heute als Hauptverbreitungsgebiet für beide Arten in Europa.

Gefährlicher Begleiter des Waschbären
„Dieser Parasit kann auch den Menschen infizieren und eine sog. Larva migrans verursachen, bei der wandernde Larven Gewebe und Organe schädigen können“, erklärt Prof. Dr. Sven Klimpel von der Goethe-Universität Frankfurt und dem Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. Menschen infizieren sich durch das versehentliche Verschlucken infektiöser Eier, die im Boden, in Gewässern oder auf Gegenständen vorkommen, die mit Waschbärkot kontaminiert sind.
Ein Forschungsteam des Verbundforschungsprojektes ZOWIAC (Zoonotische und wildtierökologische Auswirkungen invasiver Carnivoren) hat nun untersucht, wie weit sich der Parasit in Europa bereits verbreitet hat.

Heimtückischer Lebenszyklus
Der Lebenszyklus des Parasiten ist komplex: Erwachsene Spulwürmer leben im Dünndarm des Waschbären. Die Weibchen produzieren täglich bis zu 180.000 Eier, die über den Kot in die Umwelt gelangen. An sogenannten Waschbärlatrinen – bevorzugten Kotstellen – sammeln sich die widerstandsfähigen Eier an. In der Umwelt entwickeln sie sich bei ausreichender Temperatur und Luftfeuchtigkeit innerhalb von zwei Wochen zu infektiösen Larven, die mehrere Jahre überleben können.

Kleinkinder besonders gefährdet
Eine Infektion des Menschen mit dem Waschbärspulwurm wird als Baylisascariose bezeichnet. Anne Steinhoff von der Goethe-Universität Frankfurt und Erstautorin der Studie erklärt: „Gelangen die Larven in das zentrale Nervensystem, kann die Erkrankung schwerwiegende Folgen haben. Aufgrund des häufigen Hand-Mund-Kontakts erkranken vorrangig Kleinkinder.“ Die meisten bekannten Fälle treten in Nordamerika auf, dem natürlichen Verbreitungsgebiet von Waschbär und Spulwurm. Dort führte die Erkrankung in den meisten dokumentierten Fällen zu bleibenden neurologischen Schäden oder gar zum Tod.
„Darüber hinaus wird angenommen, dass viele Fälle aufgrund der unspezifischen Symptome unentdeckt bleiben oder falsch diagnostiziert werden“, ergänzt Klimpel. „In Europa wird die Diagnose beim Menschen durch das Fehlen spezifischer diagnostischer Testmöglichkeiten zusätzlich erschwert.“ Eine definitive Diagnose ist derzeit nur bei den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in den USA und Kanada möglich.

Erste umfassende Europa-Analyse
Ziel der Studie war es, einen aktuellen Überblick über die Verbreitung des Parasiten in Europa zu erstellen und den Forschungsbedarf zu identifizieren. Dazu untersuchte das Team um Klimpel und Steinhoff Waschbären aus Deutschland mittels Sektion und ergänzte diese neuen Daten durch eine umfassende Analyse verfügbarer wissenschaftlicher Studien und Befallsdaten aus Europa.
Von den 146 untersuchten Waschbären waren 66,4 Prozent mit Baylisascaris procyonis infiziert: in Hessen waren 77,4 Prozent, in Thüringen 51,1 Prozent und in Nordrhein-Westfalen 52,9 Prozent. Für Thüringen lieferte die Studie erstmals Prävalenzdaten. „Die Ergebnisse zeigen sowohl eine Ausweitung des Verbreitungsgebiets des Spulwurms sowie eine stabiles Infektionsvorkommen auf hohem Niveau in den deutschen Waschbärpopulationen“, führt Klimpel aus. Die Analyse ergab, dass der Spulwurm in neun europäischen Ländern bei wildlebenden Waschbären vorkommt, vorrangig in Zentraleuropa – teilweise mit extrem hohen Befallszahlen. In drei weiteren Ländern wurden Infektionen bei Waschbären oder anderen Tierarten in Gefangenschaft nachgewiesen.

Ausbreitung gekoppelt an Waschbärpopulationen
„Die Studien zeigen eine stetige Ausdehnung des Verbreitungsgebiets in Europa. Dabei ist die Verbreitung des Spulwurms an die stetige Ausbreitung des Endwirts Waschbär gekoppelt, der inzwischen europaweit vorkommt“, führt Klimpel weiter aus. „Die tatsächliche Verbreitung des Spulwurms wird wahrscheinlich aufgrund unzureichender oder fehlender Datenerhebungen erheblich unterschätzt.“
Besonders besorgniserregend: Die Urbanisierung der Waschbärpopulationen erhöht die Wahrscheinlichkeit von Kontakten zwischen Menschen und kontaminierten Bereichen. Drei dokumentierte Fälle von Baylisascariose in Europa sind bekannt – alle resultierten in dauerhafter Sehbehinderung.

„Die Ergebnisse der vorliegenden Studie machen deutlich, dass weitere Forschung zum Waschbärspulwurm in Europa dringend erforderlich ist – insbesondere vor dem Hintergrund wachsender Waschbärpopulationen und ihrer zunehmenden Anpassung an städtische Lebensräume“, schließt Klimpel. 

Publikation: Anne Steinhoff, Robin Stutz, Anna Viktoria Schantz, Norbert Peter, Dorian D. Dörge & Sven Klimpel. Baylisascaris procyonis on the rise in Europe: a comprehensive review and analysis of occurrence data. Parasitology Research (2025). https://doi.org/10.1007/s00436-025-08611-z 

Bilder zum Download: 
https://www.uni-frankfurt.de/181720394

Bildtext: 
[Collage] Die in Europa invasiven Waschbären sind in vielen Fällen vom parasitären Waschbärspulwurm Baylisascaris procyonis (Kreis) befallen (Fotos: ZOWIAC/Goethe-Universität).

[Darm] Bei der Sektion im Labor wird deutlich, wie stark der Darm eines einzelnen Waschbären von Baylisascaris procyonis befallen ist (Foto: ZOWIAC/Goethe-Universität)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Sven Klimpel 
Institut für Ökologie, Evolution und Diversität
Goethe-Universität Frankfurt
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
069 798-42237
klimpel@bio.uni-frankfurt.de
https://zowiac.eu/

Redaktion: Dr. Phyllis Mania, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13001, Fax 069 798-763-12531, mania@physik.uni-frankfurt.de 

 

Dez 18 2025
15:10

Quote für den Öffentlichen Gesundheitsdienst ermöglicht Zulassung abseits des Medizin-Auswahlverfahrens – Begleitung durch fachspezifische Kurse – Studienplätze in Frankfurt, Marburg und Gießen – Bewerbungsstart 1. Februar 2026

Medizin studieren ohne NC: Gesundheit der Bevölkerung im Blick

Wer sich sowohl um die Gesundheit einzelner Patientinnen und Patienten als auch um die Gesundheit der Bevölkerung als Ganzes kümmern will, kann dies als Fachärztin oder Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen tun. Die hessischen Universitäten bieten dafür im Medizinstudium ein Programm an, das darauf spezifisch vorbereitet, ein sogenanntes Schwerpunktcurriculum. Rund 15 Studienplätze pro Jahr werden an Interessierte vergeben, die sich verpflichten, später zehn Jahre im Öffentlichen Gesundheitsdienst zu arbeiten. Für diese Bewerberinnen und Bewerber sind Abi-Notenschnitt und Medizinertest weniger ausschlaggebend als ihre persönliche und fachspezifische Eignung.

FRANKFURT. Den Öffentlichen Gesundheitsdienst haben angehende Medizinerinnen und Mediziner kaum auf dem Schirm, wenn es um ihre fachliche Spezialisierung geht. Dabei wartet auf angehende Fachärztinnen und Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen eine große Vielfalt an Themen und Tätigkeiten: Neben dem Infektionsschutz – nicht nur in Zeiten von Corona – und der Hygiene etwa im Rettungswesen oder auf Sportplätzen geht es zum Beispiel um die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, um psychische Gesundheit, ärztliche Beratungen, Begutachtungen und Bescheinigungen. Der Öffentlichen Gesundheitsdienst ist in der Prävention und Gesundheitsförderung tätig und berät zum Beispiel dabei, wie sich Städte an den Klimawandel anpassen. Sprechstunden für mittellose und nicht krankenversicherte Menschen, für Prostituierte und für Schwangere und Eltern in besonders schwierigen Lebenssituationen werden ebenso angeboten wie reisemedizinische Beratungen. 

„Die Fachärzt*innen für Öffentliches Gesundheitswesen sind Allrounder“, weiß Jon Genuneit, der an der Goethe-Universität seit September Hessens erste Professur für Öffentliches Gesundheitswesen bekleidet und am Fachbereich Medizin das neue Institut für Öffentliches Gesundheitswesen leitet. „Dafür bereiten wir an den medizinführenden Universitäten Hessens – Marburg, Gießen und natürlich hier in Frankfurt – die Medizinstudierenden vom ersten bis zum letzten Semester mit einem fachlichen Schwerpunktcurriculum vor.“ Dieses Programm umfasst regelmäßige Treffen mit Mentor*innen, die den Studierenden helfen, die Herausforderungen des anspruchsvollen Studiums zu meistern. Hier geht es etwa um Zeitmanagement, Stressbewältigung und Professionalisierung. Die theoretischen Grundlagen für die Aufgaben des öffentlichen Gesundheitsdienstes werden in einer Seminarreihe vermittelt, und während Hospitationen erhalten die Studierenden Gelegenheit, verschiedene Tätigkeitsbereiche der Gesundheitsämter in der Praxis kennenzulernen. Erste Hospitationen haben am Gesundheitsamt Frankfurt stattgefunden, unter dessen Mitwirkung das Programm entwickelt wurde. In Zukunft sollen Hospitationen an allen Gesundheitsämtern in Hessen möglich sein.

„Unser Schwerpunktcurriculum ist in dieser strukturierten Form bundesweit einzigartig“, sagt Genuneit. „Hier bekommen die Studierenden nicht einfach nur einen Studienplatz, sondern ein maßgeschneidertes Lehrangebot, das sie gezielt auf die spätere Arbeit im Gesundheitsamt vorbereitet.“ Dabei sei das Schwerpunktcurriculum nicht als zusätzliche Lernbelastung konzipiert, sondern könne auf das ohnehin notwendige Wahlfach angerechnet und als solches absolviert werden. Ferner stehe das Schwerpunktcurriculum auch Studierenden offen, die ihren Studienplatz nicht über die Quote für den Öffentlichen Gesundheitsdienst erhalten haben. 

Die Quote für den Öffentlichen Gesundheitsdienst wie auch die Landarztquote wurde durch das Land Hessen für das Wintersemester 2022/2023 eingeführt. Das Bewerbungsverfahren wird durch das Hessische Landesamt für Gesundheit und Pflege gesteuert, Bewerbungen sind vom 1. bis 28. Februar 2026 möglich.

Informationen zur Bewerbung und – ab 1. Februar 2026 – den Link zum Bewerberportal gibt es auf der Seite des Hessischen Landesamts für Gesundheit und Pflege:
https://hlfgp.hessen.de/Themen-A-Z/quote-fuer-den-oeffentlichen-gesundheitsdienst

Informationen zum Schwerpunktcurriculumhttps://bevölkerungsmedizin-hessen.de/

Aufgaben zum Beispiel des Gesundheitsamts Frankfurt: https://frankfurt.de/service-und-rathaus/verwaltung/aemter-und-institutionen/gesundheitsamt/unser-service

Weitere Informationen:
Univ.-Prof. Dr. Jon Genuneit
Direktor des Instituts für Öffentliches Gesundheitswesen
Goethe-Universität Frankfurt
genuneit@med.uni-frankfurt.de

Bluesky: @goetheuni.bsky.social
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt @Gesundheitsamt Frankfurt am Main @Justus-Liebig-Universität Gießen

Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 16 2025
12:35

Bankhaus Metzler spendet 15.000 Euro und ermöglicht damit mehr als acht Stipendien. 

Gelungener Start für neue Runde des Deutschlandstipendiums

FRANKFURT. Großzügiger Auftakt: Für die Förderrunde 2026/27 kann das Fundraising des Deutschlandstipendiums an der Goethe-Universität bereits eine Summe von 15.000 Euro verbuchen, die vom Bankhaus Metzler bereitgestellt wurde. Das Deutschlandstipendium bietet Studierenden eine ausgezeichnete finanzielle Unterstützung, die es ihnen ermöglicht, sich ungehindert auf ihr Studium und ihre wissenschaftliche Entwicklung zu konzentrieren. 

Das Bankhaus Metzler spendet bereits seit 2011, von Beginn des Deutschlandstipendiums an. Die Fördersumme beläuft sich mittlerweile auf insgesamt 188.000 Euro – das entspricht 104 Deutschlandstipendien. Christina Machinek-Götz vom Bankhaus Metzler erläutert den Hintergrund des Engagements: „Wir sehen im Deutschlandstipendium mehr als eine finanzielle Unterstützung: Es ist ein Ausdruck von gesellschaftlicher Verantwortung und Vertrauen in junge Menschen, die mit herausragenden Leistungen und Engagement unsere Zukunft mitgestalten wollen. Bildung und Forschung sind ein Motor für Innovationen und sozialen Fortschritt – unsere Förderung setzt dort an, wo aus Potenzial konkrete Zukunft wird.“

Im Jahr 2025 erhielten an der Goethe-Universität 620 Studierende die Gelegenheit, von dem staatlich geförderten Stipendienprogramm zu profitieren. Gleichzeitig wurde erstmals die jährliche Höchstgrenze, die sich nach der Studierendenzahl richtet und im Stipendienprogramm-Gesetz festgelegt ist – für 2025 an der Goethe-Universität 617 Stipendien –, überschritten. Die darüberhinausgehenden Stipendien mussten beim Land beantragt werden und stammten aus den restlichen, anderen hessischen Hochschulen zugeordneten Stipendienkontingenten. „Für die Förderrunde 2026/27 geht es uns darum, die Höchstgrenze erneut zu knacken, die Zahl der Stipendien also möglichst auf dem Niveau von 600 oder mehr zu stabilisieren“, betont Marc Heinbücher, Referent Deutschlandstipendium an der Goethe-Universität. 

Die neue Ausschreibungsperiode findet vom 04.05. - 20.05.2026 statt. Weitere Informationen zum Deutschlandstipendium an der Goethe-Universität und zur Bewerbung unter https://tinygu.de/0YehB

Kontakt: Marc Heinbücher, Referent Deutschlandstipendium, Private Hochschulförderung, Goethe-Universität Frankfurt. Telefon +49 (69) 798 12756  |  Fax +49 (69) 798 763 12756. E-Mail Heinbuecher@em.uni-frankfurt.de

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 15 2025
14:59

Forschende der Universitätsmedizin Frankfurt und der Goethe-Universität identifizieren Achillesferse des Oroya-Erregers Bartonella bacilliformis

Tropenkrankheit Oroya-Fieber: Aufklärung des Krankheitsmechanismus eröffnet Möglichkeit neuartiger Therapie

Der in Südamerika heimische Infektionserreger Bartonella bacilliformis verursacht eine der gefährlichsten Infektionserkrankungen überhaupt: das sogenannte „Oroya-Fieber“. Ohne antibiotische Behandlung führt es in mehr als 90 Prozent der Fälle zum Tod, denn der Erreger zerstört die roten Blutkörperchen. Forschende der Universitätsmedizin Frankfurt haben aufgeklärt, wie der Erreger die Krankheit auslöst. In Laborexperimenten gelang es ihnen zudem, die Zerstörung der roten Blutkörperchen zu hemmen. Die Ergebnisse eröffnen die Möglichkeit, eine neuartige Therapie gegen diese oft tödliche Infektionskrankheit zu entwickeln.

FRANKFURT. Das Oroya-Fieber ist zwar eine äußerst schwere Infektionskrankheit, gehört aber zu den so genannten vernachlässigten Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases). Denn die Infektion tritt – bisher – ausschließlich in hochgelegenen Tälern der südamerikanischen Anden auf, vor allem in Peru, aber auch in Ecuador und Kolumbien. Von der Forschung und der Arzneimittelentwicklung wurde die Krankheit daher bislang kaum beachtet. Ausgelöst wird das Oroya-Fieber durch das Bakterium Bartonella bacilliformis, das durch den Stich infizierter Sandmücken der Gattung Lutzomyia übertragen wird. Die Erkrankung beginnt meist mit hohem Fieber und einer massiven Zerstörung roter Blutkörperchen (Erythrozyten) und resultiert in einer sogenannten hämolytischen Anämie. Ohne antibiotische Behandlung endet das Oroya-Fieber in bis zu 90 Prozent der Fälle tödlich. Bereits 26 Prozent der Erreger sind resistent gegen das Standardantibiotikum Ciprofloxacin, was eine antibiotische Behandlung deutlich erschwert.

Lutzomyia-Sandmücken kommen bisher nur in Südamerika vor. Als Folge der Klimaerwärmung sowie der zunehmenden Reisefrequenz erwarten Experten jedoch, dass sich das Verbreitungsgebiet dieser Sandfliegen künftig auch auf andere Kontinente und bis nach Europa ausdehnen könnte.

Ein internationales Forschungsteam um Prof. Volkhard Kempf von der Universitätsmedizin Frankfurt und der Goethe-Universität hat jetzt mehr als 1.700 genetische Varianten des Erregers hergestellt und analysiert und so zwei Proteine identifiziert, die Bartonella für die Zerstörung der roten Blutkörperchen benötigt: Ein sogenanntes Porin, das den Austausch zum Beispiel von Ionen mit der Umgebung ermöglicht, sowie ein Enzym namens α/β-Hydrolase, die beide zusammen für die Hämolyse verantwortlich sind. Strukturanalysen und gezielte Punktmutationen zeigten, dass die hämolytische Aktivität von Bartonella bacilliformis strikt von der enzymatischen Intaktheit der α/β-Hydrolase abhängt. „Beide Proteine sind im Zusammenspiel für die Zerstörung humaner Erythrozyten entscheidend und liefern damit eine Erklärung für das charakteristische Krankheitsbild des Oroya-Fiebers“, erklärt Dr. Alexander Dichter, Erstautor der Studie. „Das macht die α/β-Hydrolase zu einem geeigneten Zielprotein für medikamentöse Wirkstoffe.“

In Laborexperimenten konnten die Forschenden denn auch einen Hemmstoff identifizieren, einen Phospholipase-Inhibitor, der die Aktivität der α/β-Hydrolase blockiert und auch die Hämolyse von Erythrozyten verhindern kann. „Wenn es gelänge, auf eine solche Weise auch im menschlichen Körper gezielt die krankmachende Wirkung des Bakteriums auszuschalten, hätte man womöglich eine Therapie, gegen die sich kaum Resistenzen bilden können“, ist Dichter überzeugt.

„Das Oroya-Fieber ist ein ernstes Gesundheitsproblem in Peru und Südamerika, an dem jedes Jahr hunderte Menschen sterben, ohne dass dieses von der restlichen Welt zur Kenntnis genommen wird. Die Krankheit ist armutsbedingt und zählt zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten, die viel zu wenig Beachtung in der Öffentlichkeit erhalten“, erklärt Prof. Volkhard Kempf, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Universitätsmedizin Frankfurt, an dem auch das vom Robert Koch-Institut benannte Konsiliarlabor für Bartonella-Infektionen angesiedelt ist. „Umso mehr freuen wir uns, dass wir das Fundament für die Entwicklung neuartiger Therapiemöglichkeiten gegen das Oroya-Fieber gelegt und damit einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen diese vernachlässigte Tropenerkrankung geleistet haben.“

Nach dem Auslaufen der Förderung für das Projekt bemühe man sich jetzt um Finanzierungsmöglichkeiten, um die Forschung fortzusetzen, so Kempf. „Nachdem wir die Hämolyse aufgeklärt haben, wollen wir als nächstes wissen, wie der Erreger an die Erythrozyten bindet, da ja die Adhärenz von Erregern an Wirtszellen immer den ersten Schritt einer Infektion darstellt. Die Adhärenzmechanismen eines verwandten Erregers, des Bakteriums Bartonella henselae, konnten wir vor einigen Jahren bereits aufklären.“

Hintergrundinformationen:

Nachweis von Bartonella bacilliformis: Auf den Spuren einer gefährlichen Infektionskrankheit (2023)
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/unireport/auf-den-spuren-einer-gefaehrlichen-infektionskrankheit/

Forschungsachse Frankfurt – Lima

Die Publikation stellt einen weiteren Erfolg einer seit 2019 bestehenden Kooperation zwischen dem Universitätsklinikum Frankfurt und der Universidad Peruana Cayetana Heredia in Lima dar und reiht sich in eine Reihe von Veröffentlichungen im Rahmen des deutsch-peruanisches Wissenschaftsnetzwerks ein, in dem mehrere Wissenschaftler aus Lima bereits in Frankfurt tätig waren und die Frankfurter im Jahre 2022 im Rahmen einer Expedition in das Endemiegebiet diagnostische Proben sammelten. Im Zuge eines weiterführenden Projekts analysierte der peruanische Nachwuchswissenschaftler Luis Solis-Cayo im Jahr 2024 und 2025 neue Bartonella bacilliformis-Patientenisolate aus Peru auf ihre krankmachenden Eigenschaften.

Die Forschungsarbeiten wurden durch das Land Hessen im LOEWE-Zentrum DRUID (2018-2024) gefördert. Es hatte zum Ziel, die Forschung der hessischen Universitäten im Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten voranzutreiben. https://www.loewe-druid.de/

Publikation: Alexander A. Dichter, Florian Winklmeier, Diana Munteh, Wibke Ballhorn, Sabrina A. Becker, Beate Averhoff, Halvard Bonig, Adrian Goldman, Meritxell García-Quintanilla, Luis Solis Cayo, Pablo Tsukayama, Volkhard A. J. Kempf: Porin A and α/β-hydrolase are necessary and sufficient for hemolysis induced by Bartonella bacilliformis. Nature Communications (2025). DOI: https://doi.org/10.1038/s41467-025-66781-x

Bilder zum Downloadhttps://www.uni-frankfurt.de/181481095

Bildtext: Bartonella bacilliformis (blau) infiziert einen menschlichen Erythrozyten. Aufnahme: Jürgen Berger, Max-Planck-Institut für Biologie, Tübingen, CC-BY 4.0: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/

Weitere Informationen
Univ.-Prof. Dr. Volkhard A. J. Kempf
Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene
Universitätsmedizin Frankfurt
Goethe-Universität Frankfurt
Tel: +49 (0)69 6301–5019
volkhard.kempf@unimedizin-ffm.de
Homepage: https://www.unimedizin-ffm.de/einrichtungen/institute/zentrum-der-hygiene/medizinische-mikrobiologie-und-krankenhaushygiene 

Bluesky: @goetheuni.bsky.social #BeatNTDs #TropicalDiseases
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 12 2025
13:48

DFG bewilligt neue Kolleg-Forschungsgruppe an der Goethe-Universität

Führungskräfte und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Die Gegenwart ist geprägt von Krisen, gesellschaftlicher Polarisierung und Fragmentierung. Bei der Stärkung des Zusammenhalts kommt Führungskräften eine besondere Rolle zu: Darauf basiert die Grundidee zur interdisziplinären Kolleg-Forschungsgruppe, die die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) heute bewilligt hat.  Das in Psychologie und Wirtschaftswissenschaften angesiedelte Kolleg „Goethe Leadership Centre“ wird zunächst für vier Jahre am Thema forschen. Zudem gab die DFG bekannt, dass die Förderung der Forschungsgruppe QUAST, in der es um die Vorhersage der Eigenschaften von Quantenmaterialien geht, verlängert wurde.

FRANKFURT. Wie können Führungskräfte das Gemeinschaftsgefühl der Beschäftigten fördern, um so Kooperationsbereitschaft, Wohlbefinden und Resilienz zu verbessern? Dieser Frage widmet sich die neue Kolleg-Forschungsgruppe aus Psychologie und Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität unter dem Titel „Führung neu denken: Identitätsbasierte Führung als gruppenorientiertes Instrument zur Analyse und Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit“ bzw. „Goethe Leadership Centre – Centre of Advanced Studies“. Beantragt wurde das Kolleg von Rolf van Dick, Professor für Sozialpsychologie, und Michael Kosfeld, Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Organisation und Management. Angesiedelt sein wird das Centre am Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg.

„Die neue Kolleg-Forschungsgruppe trifft den Nerv unserer Zeit. Das Auseinanderdriften der Gesellschaft, wie wir es seit einigen Jahren beobachten müssen, bedarf dringend einer ganzheitlichen Betrachtung. Dass die Arbeitswelt eine wichtige Rolle für die Gesamtgesellschaft spielt, liegt auf der Hand. Ich freue mich, dass an der Goethe-Universität die wissenschaftliche Basis für die richtige Weichenstellung gelegt wird“, sagt Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff.

„Wir sind sehr stolz darauf, dass unser Antrag bewilligt wurde. Der Brückenschlag zwischen Psychologie und Wirtschaftswissenschaften war wohl sehr überzeugend. Wir wollen die Neukonzeption von Führung in einer polarisierten Welt ermöglichen – mit evidenzbasierten Instrumenten für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagt Prof. Rolf van Dick, der zunächst als Sprecher fungieren wird. Es handele sich um die erste Kolleg-Forschungsgruppe die die DFG in der Psychologie je bewilligt hat. 

Dass die Art und Weise der Führung über die Identifikation einer Gruppe als solcher entscheidend ist, sei eigentlich trivial, erklärt van Dick. Es sei ein großer Unterschied, ob eine Person in herausgehobener Stellung für andere den Kurs vorgebe oder ob es ihr zu vermitteln gelänge: „Ich bin einer von euch, setze mich für die Gruppe ein, für unsere gemeinsamen Ziele“. Dieses Konzept von „identity leadership“ sei jedoch ergänzungsbedürftig: Denn das Hineinwirken in die eigene Gruppe und das Verwirklichen von Gruppeninteressen allein mache noch keine integrative Führungsfigur, wie das Beispiel von US-Präsident Trump deutlich macht.

Nun wollen van Dick und Kosfeld gemeinsam ein Konzept entwickeln für das Forschungsprogramm der nächsten vier Jahre. Dabei soll ein Modell von identitätsstiftender Führung (weiter)entwickelt werden, das Erkenntnisse aus beiden Fächern integriert sowie den Gedanken von Allgemeinwohl und von „shared leadership“. Identitätsstiftende Methoden der Führung sollen auch kulturvergleichend evaluiert werden. „Hier wollen wir auch qualitativ vorgehen und offen fragen. Vielleicht gibt es in anderen Kulturen ganz andere Formen der identitätsstiftenden Führung“, sagt van Dick.

Die Kolleg-Forschungsgruppe kann auf umfangreiche Vorarbeiten der beiden Hauptantragsteller aufbauen: In der Psychologie hat Rolf van Dick, der zu den meistzitierten Wissenschaftlern der Goethe-Universität zählt, mit seinem Team das Konzept der Identity Leadership im Rahmen des globalen GILD-Netzwerks weltweit untersucht und gezeigt, wie Identifikation mit Innovation, Vertrauen und reduzierter Erschöpfung zusammenhängt. Während der Corona-Pandemie konnte er belegen, dass ein identitätsstiftender Führungsstil bei den Beschäftigten pandemiegerechte Verhaltensweisen stärkte. Auf der wirtschaftswissenschaftlichen Seite zeigen die Experimente von Michael Kosfeld, wie sich die Verbundenheit mit einem gemeinsamen Ziel auf die Kooperationsqualität im Team auswirkt. „Michael Kosfeld und ich wissen, dass wir gut zusammenarbeiten. Wir haben zwar unterschiedliche Methoden und Ideen, aber wir untersuchen dieselben Phänomene“, sagt van Dick.

Die neue Kolleg-Forschungsgruppe umfasst ein Fellowship-Programm mit Rudolf Kerschreiter und Alex Haslam als dauerhaften Fellows, 20 weiteren Senior- und Juniorfellows sowie 60 Kurzzeitgästen. Im Sinne der Nachwuchsförderung sind zwei Postdoc-Stellen vorgesehen, eine W1-Professur (Tenure Track) und eine hälftige Vergabe der Fellowships an Nachwuchskräfte. Jedes Jahr soll es einen Workshop geben, alle zwei Jahre eine Konferenz. In einem wöchentlichen Forum tauschen sich die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeitnah über aktuelle Fragen und Ergebnisse aus. Im Sommer 2026 will man mit der Besetzung der Stellen beginnen, für Herbst/Winter 2026 werden die ersten Fellows nach Frankfurt eingeladen.

Für die erste Förderphase stehen etwas mehr als 3 Millionen Euro zur Verfügung. Auch für eine zweite Förderphase, die nach vier Jahren zu beantragen wäre, haben van Dick und Kosfeld schon Überlegungen angestellt: „Eingebettet in Frankfurts Forschungslandschaft mit dem Center for Leadership and Behavior in Organizations (CLBO) und dem Frankfurt Laboratory for Experimental Economic Research (FLEX), würden wir das Spektrum um Themen wie KI, Digitalisierung oder dem demographischen Wandel erweitern“, stellt Rolf van Dick in Aussicht.

Kolleg-Forschungsgruppen sind ein speziell auf geistes- und sozialwissenschaftliche Arbeitsformen zugeschnittenes Förderangebot. Das Format ermöglicht ein Zusammenwirken besonders ausgewiesener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Weiterentwicklung eines geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsthemas an einem Ort. Die Beteiligten finden dabei Gelegenheit, selbst intensiv zu forschen; zudem ist ein Fellow-Programm für Gäste aus dem In- und Ausland vorgesehen, die für bis zu zwei Jahre eingeladen werden und anschließend mit der Kolleg-Forschungsgruppe verbunden bleiben. Die Gesamtförderdauer beträgt bis zu acht Jahre.

Für eine weitere Förderperiode wird die Forschungsgruppe QUAST um ihre Sprecherin Prof. Maria Roser Valentí von Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität verlängert. Als Verbund mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht QUAST, wie sich die Eigenschaften neuer Materialien besser vorhersagen lassen. Die Forschenden beschäftigen sich mit der Entwicklung der sogenannten Vielteilchentheorie, um zuverlässige quantitative Vorhersagen topologischer und dynamischer Quantenphänomene in Festkörpern zu erreichen. Die Eigenschaften vieler neuartiger Quantenmaterialien, wie die vor kurzem entdeckten Weyl-Kondo-Semimetalle, basieren auf räumlich-zeitlichen elektronischen Korrelationen, deren Vielteilchen-Natur schwer mathematisch zu beschreiben ist. QUAST will diese Herausforderung durch koordinierte theoretische Methodenentwicklungen und konzertierte Experimente angehen. Die Forschungsgruppe wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gemeinsam mit dem österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) und dem Schweizerischen Nationalfonds (SFN) im Rahmen der D-A-CH-Zusammenarbeit gefördert.

Porträts der beiden Sprecher Rolf van Dick und Michael Kosfeld zum Download unter:

https://www.uni-frankfurt.de/181437536

Bildtext: Michael Kosfeld und Rolf van Dick haben bei der DFG erfolgreich eine interdisziplinäre Kolleg-Forschungsgruppe beantragt. (beide Bilder: Uwe Dettmar)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Rolf van Dick
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Dez 11 2025
14:30

Private Förderer treiben Nachhaltigkeitsinitiativen an der Goethe-Universität voran / Goethe-Universität sucht neue Unterstützer*innen für weitere Projekte

Spenden schlagen Wurzeln 

FRANKFURT. Die Goethe-Universität Frankfurt baut ihr Engagement für Nachhaltigkeit weiter aus – und setzt dabei bewusst auch auf die Unterstützung privater Spenderinnen und Spender. Denn gerade auch private Zuwendungen ermöglichen viele der Projekte, die Umwelt- und Klimaschutz auf den Campi sichtbar und erlebbar machen.

Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür sind die neu entstehenden Tiny Forests – kleine, schnell wachsende Miniwälder, die nicht nur Lebensraum für Tiere schaffen, sondern auch das Mikroklima verbessern. Bereits nach wenigen Jahren können Tiny Forests vergleichbare Mengen CO₂ binden wie herkömmliche, deutlich ältere Waldflächen und sind daher vor allem für urbane Räume mit wenig Platz und Freiflächen geeignet. Sie dienen zudem als Reallabore für Biodiversität, Klimaforschung und partizipative Umweltbildung. 

Der Impuls für die ersten vier Tiny Forests auf drei Campi ging von den privaten Förderern Claudia und Hendrik Leber aus. „Deren Unterstützung hat im wahrsten Sinne des Wortes Wurzeln geschlagen. Es zeigt, dass unsere Förderer nicht nur hinter unseren Zielen in Forschung, Lehre und Transfer, sondern auch hinter der Nachhaltigkeit stehen. Gerade in diesem Bereich können wir als Universität Pilotprojekte starten und ihre Wirkung evaluieren, um einfach Lösungen für unsere Gesellschaft vorschlagen zu können“, sagt der Präsident der Universität, Prof. Enrico Schleiff.

Die Tiny Forests stehen exemplarisch für verschiedene Maßnahmen, die die Goethe-Universität im Rahmen ihrer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Diese formuliert die Strategien um Forschung, Transfer, Lehre und Studium, unsere Campus, Strukturen und Kultur kontinuierlich nachhaltiger auszugestalten. Private Förderung ist eine wichtige Unterstützung bei der Umsetzung von wirkungsvollen Projekten. 

Unter dem Dach des Goethe-Nachhaltigkeitsfonds (GNF) sollen künftig Mittel bereitstehen, um Initiativen von Beschäftigten und Studierenden zu fördern. Dazu gehören Projekte wie der Einsatz wiederverwendbarer Labormaterialien, bienenfreundliche Bepflanzung auf Institutshöfen oder die Erweiterung der vom AStA betriebenen Fahrradwerkstatt. „Nachhaltigkeit lebt von vielen kleinen Schritten, die zusammen eine große Wirkung entfalten“, so Fabienne Beck, Leiterin des Nachhaltigkeitsbüro der Universität. „Der GNF soll genau diese Bewegungen ermöglichen und sichtbar machen.“

Um diese Projekte voranzubringen, stellt die Goethe-Universität ihr diesjähriges Weihnachtsspenden-Mailing vollständig unter das Motto Nachhaltigkeit. Gesucht werden Unterstützerinnen und Unterstützer, die mit ihrer Spende Miniwälder und weitere ökologische Initiativen auf den Campi ermöglichen – und damit auch neue, kreative Projektideen aus der Universitätsgemeinschaft unterstützen. 

Auch hier gibt es einen zusätzlichen Impuls durch die Förderung eines Unternehmens: Merz Lifecare – bekannt durch Marken wie tetesept oder Merz Spezial und ansässig auf dem Riedberg – ist so überzeugt von der Aktion, dass sie einen weiteren Mini-Wald auf dem Campus Riedberg finanzieren, sobald der erste durch private Spenden realisiert wird. 

Den Spendenaufruf der Goethe-Universität finden Sie hier: https://tinygu.de/GNF 
Bitte teilen Sie ihn auch mit Menschen, denen Nachhaltigkeit am Herzen liegt und die dazu beitragen möchten, dass aus guten Ideen konkrete Maßnahmen für eine nachhaltigere Zukunft entstehen – an der Universität und darüber hinaus.

Mehr zu den Tiny Forests an der Goethe-Universität: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/campus/es-braucht-die-ganze-goethe-community/?highlight=tiny%20forests

Kontakt
Susanne Honnef, Private Hochschulförderung, Referentin Fundraising/Sponsoring, Goethe-Universität Frankfurt. Telefon +49 (0) 69 798 12433  |  Mobil +49 (0) 172 3136781. E-Mail: honnef@pvw.uni-frankfurt.de

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de