​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​ ​

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Mär 13 2024
10:50

Ausstellung im Museum Giersch der Goethe-Universität wird vom 22. März – 25. August 2024 gezeigt. 

Paris, Königstein, Berlin. Louise Rösler (1907–1993) 

FRANKFURT. Erstmals im Frankfurter Raum stellt das Museum Giersch der Goethe-Universität (MGGU) die Künstlerin Louise Rösler (1907–1993) in einer umfassenden Retrospektive mit über 160 Leihgaben aus. Ihr qualitätsvolles Schaffen zählt zu den interessanten und wichtigen Positionen der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts, die es zu entdecken gilt. Die Ausstellung stellt das reiche und vielseitige Werk der Künstlerin in den Fokus, darunter Gemälde, Collagen, Farb-/Filzstiftarbeiten, Aquarelle, Gouachen, Pastelle und Druckgraphiken. Immer wieder überraschende Techniken und Materialien beeindrucken dabei ebenso wie die kraftvolle Individualität und Eigenständigkeit dieser Künstlerin. 

Einzelne Werke von Rösler waren bereits in den vergangenen Jahren im MGGU zu sehen. Dabei wurde deutlich, dass ihr Werk ein wahrer Schatz ist, dessen Fülle noch nicht vollständig gehoben wurde. Diese Erkenntnis aus den vorherigen Präsentationen im MGGU bildete den Ausgangspunkt für die Planung einer umfassenden Einzelausstellung, initiiert und kuratiert von Susanne Wartenberg. Mit einer beispiellosen Intensität tauchte sie in das Leben und Schaffen der Künstlerin ein, analysierte Fotos, Dokumente und andere archivarische Materialien. Zusätzlich durchforstete sie die erhaltenen Werke und traf schließlich eine Auswahl an Exponaten, die einen umfassenden Einblick in das Gesamtwerk sowie die Schwerpunkte von Louise Rösler bieten. 

Ina Neddermeyer, die neue Direktorin des MGGU, bedankt sich bei allen Beteiligten, die dazu beigetragen haben, dieses Ausstellungsprojekt möglich zu machen. „Es bereitet mir eine außerordentliche Freude, das vielfältige Werk von Louise Rösler hier im MGGU präsentieren zu können“, sagt sie. „Mit dieser Ausstellung leistet das Museum einen weiteren bedeutenden Beitrag dazu, Künstler*innen außerhalb des etablierten kunsthistorischen Kanons einem breiten Publikum zugänglich zu machen.“ 

Kuratorin Susanne Wartenberg sagt: „Das Werk von Louise Rösler überzeugt in seiner sinnlich-künstlerischen Qualität und ist reich an Erfindungsgeist. Es zeugt von einer lebenslangen Neugier an unterschiedlichsten Techniken und Materialien.“ 

„Eine Entdeckung dieser nahezu unbekannten Künstlerin ist lohnenswert. Mit diesem Ausstellungsprojekt bietet das MGGU den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Frankfurt die Möglichkeit, eine interessante und dennoch wenig bekannte Künstlerin des Rhein-Main-Gebietes wissenschaftlich begleitet kennenzulernen“, sagt Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität. 

Zur Künstlerin
Aus einer Künstlerfamilie stammend, durchlief Rösler ihre Ausbildung an der Privatkunstschule Hans Hofmanns in München und an den Berliner Staatschulen für freie und angewandte Kunst, hier in der Klasse von Karl Hofer. Ausgedehnte Studienaufenthalte in Paris, Südfrankreich, Spanien und Italien schlossen sich hieran an. 1933 kehrte sie nach Deutschland zurück und ließ sich in Berlin nieder. Die Großstadt wurde in dieser Zeit zum bestimmenden Motiv in Röslers Malerei und zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Werk. 

1943 wurde Louise Rösler mit ihrer kleinen Tochter nach Königstein im Taunus evakuiert, nachdem die Atelierwohnung der Familie durch einen Bombenangriff komplett zerstört worden war. Ihr Mann Walter Kröhnke war bereits 1939 zur Wehrmacht einberufen worden und galt seit 1944 galt in Russland als vermisst. Trotz der äußerst schwierigen Umstände gelang Rösler in Königstein die Wiederaufnahme ihrer künstlerischen Tätigkeit. Ihre vormals gegenständlich geprägten Malereien wurden nun zunehmend abstrakter, Farbe und Form entfalteten sich autonom. Zudem entdeckte die Künstlerin die Collage als neue Ausdrucksform. Gefundene Materialien des städtischen Alltagslebens, wie z.B. Bonbonpapier, Blisterpackungen sowie plastische Teile aus Holz, Metall und Plastik fanden nun Eingang in ihre Bildkompositionen. 

1959 kehrte Louise Rösler nach 16 Jahren in der Rhein-Main-Region zurück in ihre Heimatstadt Berlin und setzte dort ihre künstlerische Tätigkeit teils in noch freierer Form, teils wieder mehr gegenstandsbezogen fort. Bis kurz vor ihrem Tod 1993 war sie künstlerisch tätig. 

Zur Ausstellung
In chronologisch-thematischer Abfolge widmen sich die einzelnen Ausstellungsräume verschiedene Werkphasen und -gruppen. Zugleich verdeutlicht die Ausstellung durch die parallele Präsentation von Biographie, Werk und Rezeption auch die kunsthistorische Forschung. 

Kuratorin der Ausstellung: Susanne Wartenberg
Co-Kuratorinnen: Laura Domes, Katrin Kolk
 

Pressekonferenz: 20. März 2024, 9.30 Uhr
Bitte um vorherige Anmeldung an presse@mggu.de
 

Einführung und Rundgang durch die Ausstellung mit:
  • Ina Neddermeyer, Direktorin MGGU
  • Laura Domes, Co-Kuratorin der Ausstellung 
  • Anka Kröhnke, Künstlerin, Tochter von Louise Rösler 

Bilder und Texte zum Download unter: https://www.mggu.de/presse/ 

Publikation: Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog. 256 Seiten; einführender Essay sowie umfangreiche Biographie von Susanne Wartenberg, weitere Texte von Laura Domes, Katrin Kolk, Rebecca Leudesdorff. Verlag: Wienand. Kosten: 29 Euro im Museumshop. 

Die Ausstellung wird zudem begleitet von einem vielfältige Bildungs- und Vermittlungsangebot in analoger und digitaler Form. Aktuelle Informationen über alle Veranstaltungen finden Sie immer aktualisiert auf unserer Website: www.mggu.de 

Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main
Eintritt: Erwachsene 7,- € / Ermäßigt 5,- €. Personen unter 18 Jahren haben freien Eintritt. 

Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa, So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr
An Feiertagen 10–18 Uhr geöffnet 

Informationen:
Christine Karmann
Kommunikation und Marketing
Museum Giersch der Goethe-Universität
Tel: 069/138210121
E-Mail: presse@mggu.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mär 7 2024
15:42

Bundesforschungsministerin Stark-Watzinger unterstreicht Bedeutung des Netzwerks für deutsche Forscherinnen und Forscher

Instruct-ERIC-Direktor Harald Schwalbe begrüßt Deutschland als Mitglied im Netzwerk Europäischer Infrastrukturen

Als 17. Partnerin im europäischen Strukturbiologie-Netzwerk ist die Bundesrepublik Deutschland jetzt Instruct-ERIC beigetreten. Dies gab das Netzwerk heute bekannt, dessen Direktor Prof. Harald Schwalbe an der Goethe-Universität forscht und lehrt. Instruct-ERIC ermöglicht auf europäischer Ebene den Aufbau und Betrieb von Forschungsinfrastrukturen zur Analyse molekularer Strukturen zum Beispiel für die biologische Grundlagenforschung und zur Entwicklung medizinischer Wirkstoffe. Das Netzwerk arbeitet auf gemeinnütziger Basis, wird von den Mitgliedsländern finanziert und von Vertretern der Mitgliedsländer geleitet. 

FRANKFURT. Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung (BMBF), betont: „Die schnelle und erfolgreiche Entwicklung von Wirkstoffen gegen das SARS-CoV-2-Virus hat gezeigt, wie wichtig gute und vertrauensvolle internationale Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gerade im Bereich der integrierten Strukturbiologie ist. Vor allem für die Nutzung spezieller Infrastrukturen ist der internationale Austausch unerlässlich. Unsere Mitgliedschaft bei Instruct-ERIC bietet deshalb viele Vorteile und ermöglicht den Zugang unserer Forscherinnen und Forscher zu europäischen Hightech-Einrichtungen. Dies ist zugleich Voraussetzung dafür, dass wir auch künftig herausragende Beiträge zur Strukturbiologie leisten können.“ 

Prof. Harald Schwalbe, seit 2022 Direktor von Instruct-ERIC ist, betont: „Wissenschaftliche Institutionen und Firmen in Deutschland haben in den vergangenen Jahren stark zur Entwicklung und Etablierung strukturbiologischer Verfahren und Technologien beigetragen. So konnten wir zum Beispiel kürzlich an der Goethe-Universität ein Kernspinresonanzspektrometer der neuesten Generation einweihen, mit dem wir auch flexible Regionen in Biomolekülen hochpräzise untersuchen können.“ 

Wichtig seien in der in der Strukturbiologie jedoch nicht einzelne Hightech-Geräte, sondern vielfältige, hoch entwickelte Forschungsanlagen, die sich methodisch ergänzen und integrative Forschungsansätze ermöglichen, so Schwalbe. „In Deutschland werden wir nach europäischem Standard ein Netz von Instruct-Zentren mit angeschlossenen Laboren etablieren, um den standortübergreifenden Zugang zu den Anlagen zu ermöglichen. Neben technologischen Weiterentwicklungen finanziert und organisiert Instruct-ERIC auch Forschungsaufenthalte und Schulungen für die Forschenden und trägt so zur Ausbildung der nächsten Generation von Forschenden bei.“ 

Instruct-ERIC ist eine europaweit verteilte Forschungsinfrastruktur, die den Nutzern High-End-Technologien und -Methoden der Strukturbiologie zur Verfügung stellt. ERIC steht für European Research Infrastructure Consortium und bezeichnet eine spezielle Rechtsform, die den Aufbau und Betrieb von Forschungsinfrastrukturen mit europäischem Interesse auf gemeinnütziger Basis ermöglicht. ERICs werden durch Mitgliedsländer finanziert und von Vertretern der Mitgliedsländer geleitet. Instruct-ERIC besteht aus 17 Mitgliedsländern und Organisationen: Belgien, Tschechische Republik, EMBL, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Israel, Italien, Lettland, Litauen, Niederlande, Portugal, Slowakei, Spanien und Vereinigtes Königreich. Über seine spezialisierten Forschungszentren in Europa finanziert und organisiert Instruct-ERIC Forschungsaufenthalte, Schulungen, Praktika und Preise für Forschung und Entwicklung. Durch die Förderung integrativer Methoden ermöglicht Instruct-ERIC exzellente wissenschaftliche und technologische Entwicklung zum Nutzen aller Lebenswissenschaftler. Mehr auf https://instruct-eric.org/ 

Hintergrund:
Strukturbiologe Harald Schwalbe leitet Netzwerk europäischer Infrastrukturen (2022)
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/strukturbiologe-harald-schwalbe-von-der-goethe-universitaet-leitet-netzwerk-europaeischer-forschungsinfrastrukturen/ 

Ultrahochfeld-Spektrometer: Neu entwickeltes Gerät zur Spitzenforschung an der Goethe-Universität eingeweiht (2023)
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/ultrahochfeld-spektrometer-neu-entwickeltes-geraet-zur-spitzenforschung-an-der-goethe-universitaet-eingeweiht/ 

Internationales Konsortium zur Erforschung von SARS-CoV-2 abgeschlossen (2022)
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/von-fliessbandforschung-und-einzelkaempfern 

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/150603158 

Bildtext: Aufsicht auf das 1,2 Gigahertz-NMR-Spektrometer an der Goethe-Universität, eines der weltweit größten Forschungsgeräte dieser Art. Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität Frankfurt 

Weitere Informationen
Prof. Dr. Harald Schwalbe
Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie
Zentrum für Biomolekulare Magnetische Resonanz
Goethe-Universität Frankfurt
Tel: +49 (0)69 798 29737
schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de
Twitter/X: @Schwalbe_BMRZ @goetheuni


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 6 2024
19:00

Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) und Hessisches Arbeitsministerium informieren zum Equal Pay Day 

Entgeltlücken bei hochqualifizierten Frauen am größten 

Am 6. März ist Equal Pay Day: Bis zu diesem Tag hätten Frauen umsonst gearbeitet – wenn sie denselben Monatslohn hätten wie Männer. Haben sie aber nicht. Obwohl die Lohnlücke insgesamt schrumpft, tut sich in manchen Bereichen wenig. Dies betrifft vor allem hochqualifizierte Frauen. Auf zwei Veranstaltungen haben das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität und das Hessische Arbeitsministerium heute zur Diskussion eingeladen. 

FRANKFURT. Die Lohnlücken zwischen Frauen und Männern in Hessen sind in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt zwar kleiner geworden. Dies zeigt deutlich der Blick in die Daten des Hessischen Lohnatlas, der vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) im Auftrag der Landesregierung fortgeschrieben wird. Diese insgesamt positive Entwicklung speist sich aber vor allem aus der Entwicklung im Bereich der Fachkraftstellen und der Arbeitsplätze für Helferinnen. Die Situation bei hochqualifizierten Tätigkeiten sieht anders aus: Hier bewegt sich wenig. Frauen in Führungsfunktionen haben in Hessen im Schnitt immer noch ein Viertel weniger Einkommen als Männer. 

Diese unterschiedlichen Entwicklungen wurden bei zwei Veranstaltungen am heutigen Equal Pay Day genauer betrachtet, zu der das Arbeitsministerium mit der neuen Ministerin Heike Hofmann und das IWAK gemeinsam eingeladen hatten. Mit Akteurinnen und Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wurden mögliche Lösungen diskutiert. Mit beteiligt waren auch das Gleichstellungsbüro der Goethe-Universität und der Business and Professional Women Germany Club Frankfurt am Main e.V. (BPW). „Die Durchführung des Equal Pay Days 2024 an der Goethe-Universität sensibilisiert dafür, wie wichtig das Thema für uns sowohl bei den Beschäftigten in der Verwaltung als auch bei unseren Absolventinnen und Wissenschaftlerinnen ist“, sagte Dr. Ulrich Breuer, Kanzler der Goethe-Universität, in seinem Grußwort. Auch die zentrale Gleichstellungsbeauftragte der Goethe-Universität Dr. Anja Wolde begrüßte diesen Schulterschluss zur differenzierten Betrachtung des Themas nach Entgeltbereichen. 

„Wir sind stolz, mit dem Hessischen Lohnatlas ein Instrument zur Verfügung zu haben, das uns eine differenzierte Betrachtung der Entgelt-Situation in Hessen ermöglicht. Auf Basis dieses umfassenden und differenzierten Zahlenwerks entwickeln wir zielgenaue Strategien zur Verbesserung der Lage von Frauen“, sagte Arbeitsministerin Heike Hofmann. Am meisten zugunsten der Frauen getan habe sich im Bereich der Fachkräfte, hier hat sich die Lohnlücke seit 2012 mehr als halbiert. „Aber auch hier gibt es noch viel zu tun. Wir werden darauf einwirken, dass sich die Entgeltlage von Frauen mit Berufsabschluss noch stärker verbessern wird“, kündigte die Ministerin an. Denn die meisten Beschäftigten in Hessen seien Fachkräfte mit Berufsausbildung, eine Verbesserung habe hier eine besonders große Wirkung. Dass die Lohnlücken auf Helferstellen seit 2012 ebenfalls deutlich kleiner geworden sind, dafür gibt es eine schlüssige Erklärung: „Dazu trägt maßgeblich die Erhöhung des Mindestlohns bei“, betonte Dr. Christa Larsen vom IWAK. 

Das untere und mittlere Entgeltsegment nimmt auch das Gleichstellungsbüro der Goethe-Universität in den Blick: „Wir möchten Frauen aus unserer Verwaltung dafür sensibilisieren, sich mit ihrer eigenen Entgeltlage zu befassen“, sagte Ulrike Schneider-Gladbach, zentrale Gleichstellungsbeauftragte für die Beschäftigten in der Verwaltung. Die Daten aus dem Hessischen Lohnatlas seien ein wichtiger Ausgangspunkt, es brauche jedoch noch mehr Informationen zu den Ursachen der Entgeltungleichheit und vor allem darüber, wie mit deren Folgen umgegangen werden kann. Viele Frauen können sich wirtschaftlich nicht gut eigenständig absichern, im Falle von Scheidung kann es finanziell schnell eng werden. Auch sind immer mehr Frauen im Rentenalter betroffen. Altersarmut trifft viel häufiger Frauen als Männer. 

Vor allem Frauen, die sich in Führungsfunktionen hineinentwickeln wollen oder diese schon wahrnehmen, sind mit sehr großen Entgeltlücken konfrontiert. Um sie ging es in der Präsenzveranstaltung am Abend. „Als Hochschule sehen wir diese Zahlen mit Sorge. Wir bilden hochqualifiziertes Personal für den Arbeitsmarkt aus und sehen es als selbstverständlich an, dass Frauen und Männer für ihre Arbeit angemessen entlohnt werden. Wir müssen noch mehr Energie daransetzen, als Bildungsstätte auf mehr Gerechtigkeit hinzuwirken“, sagte Prof. Bernhard Brüne, Vizepräsident der Goethe-Universität für Forschung, in seinem Grußwort. 

„Das macht uns Sorgen, aber spornt uns gleichzeitig an“, sagte Monika Diefenbach, die 1. Vorsitzende des Business and Professional Women (BPW) Germany Club Frankfurt am Main. „Die Unterstützung von hochqualifizierten Frauen, beispielsweise durch unser Netzwerk ist wichtig, auch weil immer mehr akademisch qualifizierte Frauen ins Erwerbsleben eintreten und bei gleicher Bildung zurecht auch gleiche Entgelte beanspruchen“, so Diefenbach weiter. Der Lohnatlas zeigt, dass die Lücken auch im Vergleich der Branchen untereinander durchaus verschieden groß sind. Gerade in den MINT-Bereichen erfahren hochqualifizierte Frauen häufig, dass es sehr schwer ist, die „gläserne Decke“ zu durchstoßen. Ideen und Vernetzung untereinander könnten helfen. Wie dies gehen kann, zeigte Veronika Hucke, Mitglied beim BPW Frankfurt, die ein „Gleichstellungspoker“ mit den Teilnehmenden der Abendveranstaltung durchführen wird. Beratung, Vernetzung und Coaching gelten als die Schlüsselfaktoren, die hochqualifizierte Frauen besonders gut unterstützen können. 

Alle Informationen zum Hessischen Lohnatlas können auf der Webseite www.hessischer-lohnatlas.de eingesehen, heruntergeladen oder gedruckt werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eigene Analysen durchzuführen. 

Weitere Informationen und Interviewanfragen
Dr. Christa Larsen
Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität
Telefon 069 798- 22152
E-Mail c.larsen@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mär 6 2024
14:57

Goethe-Universität intensiviert ihre Unterstützung für innovative Start-ups mit einem Accelerator-Programm/Bewerbungen noch bis zum 30. März möglich

Neues Programm: Anschubfinanzierung für Start-ups

Ausgewählte Start-ups bekommen die Möglichkeit, im Anschluss an das bestehende Unibator Start-up-Programm an einem neuen Accelerator-Programm mit einer Anschubfinanzierung von bis zu 25.000 EUR teilzunehmen, um ihre Erfolgs- und Wachstumschancen zu verbessern. 

FRANKFURT. Der Goethe-Unibator, das von Innovectis gemanagte Gründungszentrum der Goethe-Universität, begleitet ausgewählte Start-ups und Spin-offs aus der Goethe-Universität im Rahmen des Unibator-Startup-Programms über einen Zeitraum von etwa 18 Monaten. Um die Attraktivität des Unibators zu erhöhen, wird nach einer Entscheidung des Präsidiums der Goethe-Universität nun das Angebot des Unibators erweitert und ein neues Accelerator-Programm gestartet. 

Mit dem Accelerator-Programm sollen ausgewählte Start-ups die Möglichkeit bekommen, ihre Erfolgs- und Wachstumschancen zu verbessern. Aufgabe des eigens hierfür gegründeten Accelerator-Beirats ist es, Start-ups mit besonderem Potential für das Programm auszuwählen. Vom Präsidium wurden fünf renommierte Persönlichkeiten mit Erfahrung im Bereich Unternehmensbewertung und Investment als Beirats-Mitglieder berufen: Alexandra Burchard Gräfin von Kalnein, Dr. Sönke Bästlein, Dr. Gregor Heinrich, Christian Leikert und Prof. Dr. Jochen Maas. Am 5. März hat der neue Accelerator-Beirat der Goethe-Universität erstmals getagt. 

Die Gründungsteams können ein weiteres Jahr die Büro-Infrastruktur des Unibators nutzen und erhalten ein intensives Coaching zur Beschleunigung ihres Wachstums und Unterstützung bei der Sicherung von Kapital. Hierzu gehören u. a. die Analyse des Finanzbedarfs, Unterstützung bei der Suche nach Investoren und die Begleitung von Finanzierungsrunden durch das Innovectis-Team und falls erforderlich externer Berater*innen. Zudem erhalten die ausgewählten Startups eine Anschubfinanzierung von bis zu 25.000 Euro gegen eine angemessene Beteiligung der Goethe-Universität an den jungen Unternehmen. Neben finanzieller Unterstützung, individuellem Mentoring und Seminaren über Geschäftsmodelle und Teamaufbau soll auch ein erweiterter Zugang zu einem Netzwerk von VCs, CVCs, Family Offices und Business Angels geschaffen werden. 

„Mit dem neuen Accelerator-Programm kann der Unibator sein Angebot zur Unterstützung von Start-ups deutlich erweitern und wir somit noch attraktiver für Gründende“, freut sich Dr. Kirstin Schilling, Geschäftsführerin der Innovectis. „Unser Ziel ist es, den Start-ups in der wichtigen ersten Investmentphase unter die Arme zu greifen“, ergänzt Felipe Macias, Leiter des Goethe-Unibators und Investment Manager des neuen Accelerator-Programms. 

Prof. Dr. Michael Huth, Vizepräsident und Aufsichtsratsvorsitzender der Innovectis, betont: „Das Accelerator-Programm ist ein weiterer Baustein unserer Strategie, die bestehende Infrastruktur des Unibators weiterzuentwickeln und die Gründungsaktivitäten von Studierenden und Forschenden nachhaltig zu befördern.“

Bewerbungen für die nächste Runde des Unibator-Startup-Programs sind bis zum 30. März möglich: Die Vorfreude ist spürbar, und die Uhr tickt – der Selection Day steht vor der Tür. Bis zum 30. März kann man sich noch für einen Platz im Goethe Unibator Startup Programm bewerben. Beim Selection Day werden bis zu acht Teams eingeladen, um bei einer Pitch Night gegeneinander anzutreten. Der Goethe-Unibator bietet eine Infrastruktur mit Büroräumlichkeiten, Zugang zum TechQuartier, ein erfolgreiches Coaching- und Mentoring-Programm sowie eine Gründer*innen-Community für regelmäßigen Austausch. 

Der Goethe Unibator ist das Gründungszentrum der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Betrieben wird es von Innovectis, der hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Goethe-Universität. Es bietet allen Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und Alumni tatkräftige Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Gründungsvorhaben und dient dabei als Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. In den vergangenen Jahren konnten die Quantität und Qualität der Unibator-Angebote, wie zum Beispiel Coaching-Programme und Preisverleihungen, deutlich gesteigert werden. Im Ranking des Startup Monitors erreichte die Goethe-Universität sowohl 2022 als auch 2023 eine Platzierung unter den TOP10 Gründungshochschulen in Deutschland. https://goetheunibator.de/


Redaktion Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mär 6 2024
13:36

Marcel H. Schulz wird Professor für „Deep Scientific Discovery of Personalized Health“ – Finanzierung durch hochschulübergreifendes Zentrum „hessian.AI“

Genomforschung mit Künstlicher Intelligenz: Neue Professur an der Goethe-Universität

Die Goethe-Universität stärkt ihre Forschung und Lehre zur Künstlichen Intelligenz: Marcel H. Schulz, bisher Juniorprofessor für „Computational Biology“ an der Goethe-Universität, tritt zum heutigen Tag eine Professur für Künstliche Intelligenz in der Genomforschung der Goethe-Universität an. Die Professur wird finanziert vom hochschulübergreifenden hessischen Zentrum für Künstliche Intelligenz hessen.AI und verstärkt die KI-Forschung im Life Sciences-Bereich des Zentrums. Darüber hinaus ist Marcel Schulz Mitglied im Exzellenzcluster Cardio-Pulmonary Institute (CPI), deren Sprecherschaft derzeit bei der Goethe-Universität liegt, und dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). 

FRANKFURT. Prof. Bernhard Brüne, Vizepräsident der Goethe-Universität für Forschung, Nachwuchs und Transfer, ist überzeugt: „Künstliche Intelligenz kann uns auch in der biomedizinischen Genomforschung helfen, die Zusammenhänge von komplexen Krankheitsvorgängen besser zu verstehen. Denn in den Zellen wie auch im ganzen Körper eines Patienten oder einer Patientin laufen viele sich gegenseitig beeinflussende Prozesse ab, und wir können heute sehr viele Parameter dieser Prozesse messen. KI kann uns helfen, ein großes Bild aus diesen Einzeldaten zu zeichnen. Marcel Schulz ist ein außergewöhnliches Nachwuchstalent in der KI-Forschung und konnte sich leicht im kompetitiven Auswahlverfahren um die Professur für ,Deep Scientific Discovery of Personalized Health' durchsetzen. Wir freuen uns sehr, dass wir ihm mithilfe von hessian.AI jetzt eine langfristige Perspektive an der Goethe-Universität geben können. Wir unterstützen sein Vorhaben nachdrücklich, die bioinformatische Expertise am Standort Frankfurt zusammenzuführen und weiterzuentwickeln und wichtige Beiträge zum Erfolg unseres Exzellenzclusters Cardiopulmonary Institute (CPI) zu leisten.“ 

Prof. Mira Mezini, Co-Direktorin von hessian.AI, sagt: „Mit Marcel Schulz hat die Goethe-Universität einen vielversprechenden Wissenschaftler halten und ihm eine attraktive Perspektive mit zahlreichen spannenden Vernetzungsmöglichkeiten in unserem gemeinsamen hessischen Zentrum bieten können. Wir freuen uns auf diesen Zuwachs im Bereich der biomedizinischen Forschung, die von der Methodenentwicklung bis zur Anwendung etwa im Bereich der patientendatenbasierten Therapieentscheidung geht.“ 

Prof. Kristian Kersting, ebenfalls Co-Direktor von hessian.AI, erklärt: „Marcel Schulz hat international sichtbare Expertise im Bereich der KI-Methoden für die Analyse großer ‚Omics'-Datensätze zur Generierung von Vorhersagemodellen für die Genregulation. Damit liefert er einen wichtigen Beitrag zur interdisziplinären KI-Forschung in Hessen und darüber hinaus und wird das Zentrum und dessen breit aufgestellte Forschungsexpertise weiter stärken und voranbringen.“ 

Prof. Dr. Marcel Holger Schulz, Jahrgang 1981, studierte Bioinformatik in Berlin und promovierte dort 2010 am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik. Nach einem dreijährigen Postdoc-Aufenthalt an der US-amerikanischen Carnegie Mellon University in Pittsburgh forschte Schulz bis 2018 als unabhängiger Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Informatik und an der Saarland-Universität Saarbrücken, bevor er 2018 zunächst als Gruppenleiter und seit 2019 als Juniorprofessor (W1) an der Goethe-Universität Frankfurt im Institut für Kardiovaskuläre Regeneration tätig war. Schulz entwickelt computergestützte Modelle und Algorithmen für maschinelles Lernen, um etwa die Regulation von Genen bei verschiedenen Herz-Kreislauferkrankungen besser zu verstehen. Er wird ein neues Institut für Computational Genomic Medicine an der Goethe-Universität gründen in dem neue KI-Ansätze für die Genomforschung entwickelt werden. Auf diese Weise will er langfristig zur Entwicklung personalisierter Therapien beitragen. 

Das Hessische Zentrum für Künstliche Intelligenz, hessian.AI, wird gemeinsam von 13 hessischen Hochschulen mit 22 am Zentrum beteiligten Gründungsmitgliedern getragen und um 22 weitere Professuren ausgebaut. 

Drei der neuen Professuren werden an der Goethe-Universität Frankfurt eingerichtet. Nach der Besetzung der ersten hessen.AI-Professur mit Prof. Gemma Roig, die über künstliche Intelligenz und deren Beziehung zur menschlichen Intelligenz forscht, ist die Berufung von Prof. Marcel Schulz nunmehr die zweite hessen.AI-Professur an der Goethe-Universität. Gründungsmitglieder seitens der Goethe-Universität sind Visvanathan Ramesh, Professor für Software Engineering, Oliver Hinz, Professor für Informationssysteme und elektronische Märkte, und Andreas Hackethal, Professor für Finanzen. 

Das Zentrum konzentriert sich auf konkrete praktische Anwendungen, um Antworten auf die wichtigen Herausforderungen unserer Zeit zu finden und transferiert Wissen in Wirtschaft und Gesellschaft. So soll Hessen auch in Zukunft in den Kerntechnologien der Künstlichen Intelligenz international wettbewerbsfähig bleiben. Das Land Hessen fördert Aufbau und Betrieb von hessian.AI für eine zunächst fünfjährige Laufzeit (2020-2024) mit insgesamt 38 Millionen Euro. Hinzu kommen gut 10 Millionen Euro für das KI-Innovationslabor und rund 3,7 Millionen Euro vom Bundeswirtschaftsministerium zur Förderung eines Gründungs- und Transferprojekts. 2022 wählte das Bundesforschungsministerium hessen.AI dazu aus, eines von bundesweit vier KI-Servicezentren zu werden, was mit weiteren rund 17 Millionen Euro Fördergeld verbunden ist. https://hessian.ai/ 

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/150574299 

Bildtext: Prof. Dr. Marcel Holger Schulz, Goethe-Universität. Foto: privat 

Weitere Informationen
Prof. Dr. Marcel Holger Schulz
Institut für Kardiovaskuläre Regeneration
Universitätsklinikum Frankfurt und Goethe-Universität
Tel. +49 69 6301 86203
marcel.schulz@em.uni-frankfurt.de
https://schulzlab.github.io/MS.html 

Twitter/X: @TheMarcelSchulz @InstCardReg_FFM @CPI_ExStra @hessian_AI @goetheuni


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 1 2024
10:31

Schreibzentrum der Goethe-Universität lädt wieder zur hybriden Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten

Starthilfe bei Schreibblockaden

FRANKFURT. „Schreib dich ganzheitlich“ – unter diesem Motto lädt das Schreibzentrum der Goethe-Universität 

am Donnerstag, 7. März, 18 Uhr
(Ende: Freitag, 8. März, 1 Uhr)
ins Q1 des Bibliothekszentrums Geisteswissenschaften
(IG-Farben-Gebäude, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt)
 

zum vierzehnten Mal zur „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ (LNDAH). Nachdem das hybride Format der LNDAH 2023 großen Anklang fand, wird es auch in diesem Jahr mit Angeboten sowohl in Präsenz als auch digital stattfinden. Das Programm lässt den Studierenden damit erneut die Wahl: Sie können entweder bequem von zu Hause aus mitmachen oder sich auf dem Campus Westend von der gemeinschaftlichen Lernatmosphäre inspirieren lassen. 

Das ursprünglich vom Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder ins Leben gerufene Event hat weltweit einen festen Platz im akademischen Kalender: den ersten Donnerstag im März. Ist also zu nächtlicher Stunde noch reges Treiben in den Gängen und Sälen des Bibliothekszentrums Geisteswissenschaften, dann sind das nicht etwa die Heinzelmännchen, sondern fleißige Studierende, die bei Snacks und Kaffee die Nacht zum Tag werden lassen. In dieser Nacht muss niemand über dem Schreiben einer Hausarbeit vereinsamen. 

Das Thema „Schreib dich ganzheitlich“ soll unterstreichen, wie wichtig es beim Schreiben ist, Körper und Geist in Einklang zu bringen – Schreiben gewissermaßen als „missing link“, als fehlendes Bindeglied, zwischen diesen beiden Aktivitäten: Denn wer schreibt, braucht sowohl körperliches Durchhaltevermögen als auch mentales Wohlbefinden. Die diesjährige LNDAH soll diese Verbindung durch ihre Angebote positiv stärken und den Studierenden hierfür konkrete Strategien an die Hand geben. Daher werden neben Workshops in englischer und deutscher Sprache zum Lesen und Schreiben wissenschaftlicher Texte (von der Themenfindung bis hin zur Überarbeitung sowie zur professionellen Nutzung von Textverarbeitungsprogrammen) bei der diesjährigen LNDAH auch Yoga-Einheiten, Meditations- und Achtsamkeitsübungen angeboten. Neu in diesem ist eine offene Strickrunde, die nicht nur der Weiterarbeit an aufgeschobenen Strickprojekten, sondern auch der Kommunikation über die verschiedenen Schreibprojekte dient. Im Anschluss an die LNDAH veranstaltet das Schreibzentrum außerdem noch eine hybride Schreibwoche, um mit der frischen Motivation direkt weiterzuschreiben. Beginn ist Montag, 11. März, 9 Uhr. 

Weitere Informationen zur LNDAH sowie zur digitalen Schreibwoche finden Sie unter:
http://tinygu.de/SZSchreibevents

Die Medien sind herzlich eingeladen, nach Voranmeldung (elstermann@em.uni-frankfurt.de) über die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ und die digitale Schreibwoche zu berichten. 

Kontakt:
Dr. Anna-Katharina Elstermann
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Schreibzentrum
Leitung des SZ: Dr. Nora Hoffmann
Goethe-Universität Frankfurt
elstermann@em.uni-frankfurt.de
https://tinygu.de/SZSchreibevents


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mär 1 2024
10:14

Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur und Arbeitsministerium informieren auf zwei Veranstaltungen zum Equal Pay Day am 6. März 2024

Lohnlücke zwischen Frauen und Männern schrumpft nicht in allen Bereichen  

FRANKFURT. Auch im Jahr 2024 noch verdienen weibliche Arbeitnehmer im Schnitt weniger als ihre männlichen Kollegen, und zwar beträchtlich weniger. Bis zum 6. März hätten Frauen umsonst gearbeitet – ginge man vom selben Monatslohn aus wie bei Männern. Anlässlich dieses „Equal Pay Days“ informieren das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität und das Hessische Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales am Mittwoch, 6. März auf zwei Veranstaltungen über Entgeltlücken und deren Folgen. Das Gleichstellungsbüro der Goethe-Universität und der Business and Professional Women Germany Club Frankfurt am Main e.V. (BPW) zeigen praktische Lösungsperspektiven auf. 

Die Daten des Hessischen Lohnatlas, der vom IWAK im Auftrag der Landesregierung fortgeschrieben wird, zeigen deutlich, dass die Lohnlücken im Schnitt zwar kleiner geworden sind. Dies bezieht sich aber nur auf Fachkraftstellen und auf Frauen, die als Helferinnen tätig sind. Bei hochqualifizierten Tätigkeiten jedoch bewegt sich wenig. Frauen in Führungsfunktionen haben in Hessen im Schnitt immer noch ein Viertel weniger Einkommen als Männer. Diese unterschiedlichen Entwicklungen sollen in zwei separaten Veranstaltungen betrachtet, Lösungen diskutiert werden. IWAK und Arbeitsministerium laden zum Equal Pay Day 

am Mittwoch, 6. März

von 10.30 bis 12 Uhr auf der Online-Plattform Zoom
„Lohngleichheit für Frauen auf Stellen im unteren und mittleren Entgeltsegment“ 

und 

von 18 bis 21 Uhr im IG-Farbenhaus der Goethe-Universität
„Entgeltgleichheit für hochqualifizierte Frauen auf dem Weg in Führungsfunktionen“
 

ein. Die Abendveranstaltung an der Goethe-Universität findet mit der neuen Arbeitsministerin Heike Hofmann statt. 

Alle Informationen zum Hessischen Lohnatlas können auf der Webseite www.hessischer-lohnatlas.de eingesehen, heruntergeladen oder gedruckt werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eigene Analysen durchzuführen. 

Einladung und Programm finden Sie unter https://www.iwak-frankfurt.de/wp-content/uploads/2024/02/Einladung-und-Programm-Equal-Pay-Day-6-Maerz-2024.pdf
Die Teilnahme an der Vormittagsveranstaltung ist per Zoom möglich unter folgendem Link:
https://uni-frankfurt.zoom-x.de/j/69904930791?pwd=cjJNa2tTcVpPeW0rMkg4em9mbEtHQT09
Meeting-ID: 699 0493 0791 Kenncode: 240314 

Die Teilnahme an der Abendveranstaltung erfolgt in Präsenz und nur mit Anmeldung bei c.larsen@em.uni-frankfurt.de

Weitere Informationen und Interviewanfragen
Dr. Christa Larsen
Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität
Telefon 069 798- 22152
E-Mail c.larsen@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Führende europäische Expertinnen und Experten für die akute lymphatische Leukämie (ALL) der Erwachsenen haben nach dreijähriger intensiver Zusammenarbeit Therapieempfehlungen für die ALL veröffentlicht. Eine der weltweit größten Studiengruppen für diese seltene und aggressive Krebserkrankung befindet sich am Universitätsklinikum Frankfurt. Sie konnte mit ihren systematischen Studien bereits dazu beigetragen, die Heilungsrate von Betroffenen deutlich zu steigern. 

FRANKFURT. Die Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) der Erwachsenen ist außerordentlich komplex, langwierig und für die Patientinnen und Patienten sehr belastend. Da die ALL verglichen mit anderen Krebsarten im Erwachsenenalter selten ist, wird die Therapie in Europa seit Jahrzehnten durch multizentrische Studiengruppen organisiert. Das bedeutet, dass in mehreren medizinischen Einrichtungen parallel an der Optimierung und systematischen Entwicklung der Therapie-Algorithmen geforscht wird, um eine möglichst große wissenschaftliche Aussagekraft zu erreichen. Wichtigstes Instrument der Verbesserung von Diagnostik und Therapie sind prospektive akademische Studien, also Studien, die sich mit der Überprüfung einer vor Studienbeginn definierten Fragestellung über die Wirksamkeit einer Behandlungsmethode befassen und unabhängig von der pharmazeutischen Industrie geplant werden. 

In Deutschland übernimmt diese Aufgabe seit Jahrzehnten die German Multicenter Study Group for Adult ALL, kurz GMALL, eine der weltweit größten Studiengruppen für diese Erkrankung mit Sitz am Universitätsklinikum Frankfurt. Unter Leitung von Dr. Nicola Gökbuget, Oberärztin der dortigen Medizinischen Klinik 2, Schwerpunkt Hämatologie/Onkologie, wurden nun Konsensus-Empfehlungen der führenden europäischen Expertinnen und Experten für die ALL des Erwachsenen erstellt. Die Leitlinie bündelt damit erstmals die europäische Expertise. Die Ergebnisse des European LeukemiaNet (ELN) wurden als zweiteiliger Special-Report Ende Januar bzw. Anfang Februar 2024 in dem renommierten US-amerikanischen Fachjournal Blood veröffentlicht. 

Die europäische Perspektive stärken
„Das Wissen über die Krankheitsbiologie und die Therapiemöglichkeiten von ALL bei Erwachsenen nimmt exponentiell zu“, erklärt Dr. Gökbuget, Erstautorin der Referenzempfehlung und seit mehr als zehn Jahren Studienleiterin der GMALL. „Uns war es angesichts spezifischer Konstellationen in den europäischen Gesundheitssystemen wichtig, den aktuellen Stand der Erkenntnisse insbesondere aus europäischer Perspektive zusammenzufassen.“ In den detaillierten ELN-Empfehlungen sollen interessierte Ärztinnen und Ärzte Antworten auf die wichtigsten Fragen des Patientenmanagements finden. Zudem sollen die Leitlinien dazu beitragen, das Reporting klinischer Studien zu standardisieren. 

Zu umfangreich für nur eine Publikation
Aufgrund des großen Umfangs und der Komplexität wurden die Therapieempfehlungen in zwei Teilen veröffentlicht. Teil 1 befasst sich mit Diagnostik, Prognosefaktoren und Verlaufsbeurteilungen bei der ALL. Hier wurden auch Standards für die Klassifikation und Evaluation im Rahmen klinischer Studien definiert. Der zweite Teil umfasst das gesamte Management. Das Spektrum reicht von Induktions- und Konsolidationstherapie über den Einsatz neuer Substanzen, Stammzelltransplantation, Rezidivtherapie, die Behandlung spezieller Subgruppen der ALL bis hin zu Spätfolgen der Therapie und unterstützender Behandlung. Neben der detaillierten Bewertung der Datenlage enthalten die Empfehlungen auch zahlreiche Experteneinschätzungen zu aktuell diskutierten Fragen. 

Arbeitsgruppen aus acht europäischen Ländern haben mit ihrer jahrelangen systematischen Arbeit dazu beigetragen, dass die Prognose auch bei älteren Patientinnen und Patienten mit ALL deutlich verbessert werden konnte. Diesen Weg will das europäische Konsortium zum Wohl der Betroffenen konsequent weiterverfolgen. 

Publikationen:
Nicola Gökbuget, Nicolas Boissel, Sabina Chiaretti, Herve Dombret, Michael Doubek, Adele K. Fielding, Robin Foà, Sebastian Giebel, Dieter Hoelzer, Mathilde Hunault, David I. Marks, Giovanni Martinelli, Oliver G. Ottmann, Anita W. Rijneveld, Philippe Rousselot, Josep-Maria Ribera, Renato Bassan: Diagnosis, Prognostic Factors and Assessment of ALL in Adults: 2023 ELN Recommendations from a European Expert Panel. Blood, January 31, 2024. https://doi.org/10.1182/blood.2023020794 (Teil 1) 

Nicola Gökbuget, Nicolas Boissel, Sabina Chiaretti, Herve Dombret, Michael Doubek, Adele K. Fielding, Robin Foà, Sebastian Giebel, Dieter Hoelzer, Mathilde Hunault, David I. Marks, Giovanni Martinelli, Oliver Ottmann, Anita W. Rijneveld, Philippe Rousselot, Josep-Maria Ribera, Renato Bassan: Management of ALL in Adults: 2023 ELN Recommendations from a European Expert Panel. Blood, February 2, 2024. https://doi.org/10.1182/blood.2023023568 (Teil 2) 

Weitere Informationen
Dr. Nicola Gökbuget
Medizinische Klinik 2, Schwerpunkt Hämatologie/Onkologie
Universitätsklinikum Frankfurt
Tel. +49 (0)69 6301 6365
goekbuget@em.uni-frankfurt.de
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/NGoekbuget
Twitter/X: @UK_Frankfurt @goetheuni


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 23 2024
07:52

Neurobiolog*innen der Goethe-Universität zeigen, dass der Hirnstamm stärker an der Verarbeitung von natürlichen Hörsignalen beteiligt ist als erwartet

Neurobiologie: Wie Fledermäuse verschiedene Laute unterscheiden

Fledermäuse leben in einer Hörwelt. Sie nutzen ihre Stimme sowohl zur Kommunikation mit ihren Artgenossen, als auch zur Orientierung in der Umwelt. Dazu stoßen sie Ortungslaute im Ultraschallbereich aus, aus deren Echos sie ein Abbild ihrer Umgebung formen. Neurowissenschaftlerinnen und Neurowissenschaftler der Goethe-Universität haben nun herausgefunden, wie es der südamerikanischen Brillenblattnase gelingt, aus einer Geräuschkulisse die wichtigen Signale herauszufiltern und dabei insbesondere zwischen Echoortungs- und Kommunikationsrufen zu unterscheiden. 

FRANKFURT. Die Brillenblattnasen-Fledermaus (Carollia perspicillata) lebt in den subtropischen und tropischen Wäldern Mittel- und Südamerikas und ernährt sich dort hauptsächlich von Pfefferfrüchten. Die Tage verbringen die Tiere in Gruppen von 10 bis 100 Individuen in Baumhöhlen und Felsgrotten, nachts gehen sie gemeinsam auf Futtersuche. Dabei verständigen sie sich mit Kommunikationslauten, die in der Kolonie eine ausgeprägte Geräuschkulisse bilden – wie das Stimmengewirr auf einer lebhaften Party. Gleichzeitig nutzen die Fledermäuse ihre Stimme aber auch für die Orientierung in der Umwelt: Für die Echoortung senden sie Ultraschalllaute aus, die von festen Oberflächen zurückgeworfen werden. Aus diesen Echos gewinnen die Tiere ein Abbild ihrer Umgebung. 

Wie aber gelingt es der Brillenblattnase, aus einer permanenten Geräuschkulisse die wichtigen Laute herauszufiltern? Ein gängiges Erklärungsmodell besagt, dass das Gehirn laufend Vorhersagen für das nächste Signal macht und auf ein unerwartetes Signal stärker reagiert als auf ein erwartetes. Die Mechanismen dieser Abweichungserkennung (Deviance Detection) untersuchen Neurowissenschaftler*innen um Johannes Wetekam und Prof. Manfred Kössl aus der Abteilung Neurobiologie und Biosensorik am Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaften der Goethe-Universität. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen konnten sie bereits 2021 zeigen, dass die Verarbeitung der Signale nicht erst in höheren Hirnregionen beginnt, sondern bereits im Hirnstamm, der für die Steuerung wesentlicher Lebensfunktionen wie Atmung und Herzfrequenz zuständig ist. Diese Studien hatten allerdings lediglich künstliche Stimuli verwendet, die für die Tiere keine Bedeutung haben. 

In einer jetzt veröffentlichten Studie hat das Team um Wetekam und Kössl die Experimente mit natürlichen Kommunikations- und Echoortungslauten wiederholt. „Mit unserer Studie wollten wir herausfinden, wie sich die Abweichungserkennung verhält, wenn anstelle von bedeutungslosen Stimuli solche präsentiert werden, die in der Hörwelt der Brillenblattnasen auch wirklich vorkommen“, fasst Wetekam zusammen. 

Dafür wurden den Fledermäusen zwei haarfeine Elektroden unter die Kopfhaut geschoben, um dort die Hirnströme aufzuzeichnen. Obwohl dies für die Tiere schmerzlos ist, werden die Messungen unter Narkose durchgeführt, da Bewegungen die Ergebnisse verfälschen könnten. 

Auf Geräusche reagiert das Fledermausgehirn auch im Narkoseschlaf. Den Tieren wurden dann entweder Echoortungs- oder Kommunikationsrufe vorgespielt, in die mit einer Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent der jeweils andere Laut eingestreut war. 

An den gemessenen Hirnströmen ließ sich dann ablesen, dass der Hirnstamm Echoortungs- und Kommunikationsrufe unterschiedlich verarbeitet. Während seltene Echoortungslaute tatsächlich stärkere Signale hervorriefen als häufige – also Abweichungserkennung zeigten – hatte bei den Kommunikationslauten die Auftrittswahrscheinlichkeit keinen Einfluss auf die Antwortstärke. „Wahrscheinlich werden während der Echoortung schnellere Reaktionszeiten benötigt als bei der Kommunikation mit Artgenossen“, vermutet Manfred Kössl. „Da der Hirnstamm die akustischen Signale als erste Station im Gehirn empfängt, könnte es nötig sein, schon hier die Auftrittswahrscheinlichkeiten von Echoortungsrufen und vor allem deren Echos zu berechnen, damit das Tier Hindernissen rechtzeitig ausweichen kann.“ Die stärkere Antwort auf die seltenen Rufe entsteht vermutlich durch eine bessere Synchronisation der Neuronen. 

Weiterhin zeigte die Studie, dass der Hirnstamm neben Unterschieden in der Tonhöhe auch noch andere Merkmale der Fledermausrufe wie schnelle Frequenz- oder Lautstärkeänderungen für die Abweichungserkennung nutzen kann. „Dies ist erstaunlich, da es sich beim Hirnstamm um ein recht primitives Hirnareal handelt, dem man nicht zugetraut hatte, stark an der Signalverarbeitung beteiligt zu sein“, so Wetekam. „Seine Rolle wurde eher darin gesehen, Signale vom Hörnerv zu empfangen und an höhere Hirnregionen weiterzuleiten.“ 

Diese Erkenntnisse können auch in Bezug auf medizinische Anwendungen beim Menschen von Bedeutung sein. So sollten bei der Untersuchung von Krankheiten wie ADHS oder Schizophrenie, die in Verbindung mit einer gestörten Verarbeitung von Umweltreizen stehen, die niedrigeren Hirnareale einbezogen werden. Die Tatsache, dass verschiedene komplexe akustische Signale im Hirnstamm der Fledermaus unterschiedlich verarbeitet werden, kann auch dabei helfen zu verstehen, wie die Komplexität der menschlichen Sprache im Gehirn entschlüsselt und verarbeitet wird. 

Publikation: Johannes Wetekam, Julio Hechavarria, Luciana López-Jury, Eugenia Gonzáles-Palomares, Manfred Kössl: Deviance detection to natural stimuli in population responses of the brainstem of bats. Journal of Neuroscience (2024) https://doi.org/10.1523/JNEUROSCI.1588-23.2023

Hintergrund:
Hören, was gerade wichtig ist: Wie die Brillenblattnasen-Fledermaus Dauergeräusche ausblendet (UniReport 2022) https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/hoeren-was-gerade-wichtig-ist-wie-die-brillenblattnasen-fledermaus-dauergeraeusche-ausblendet/ 

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/150019112 

Bildtext: Die Brillenblattnasen-Fledermaus (Carollia perspicillata) filtert wichtige Signale aus einer Geräuschkulisse heraus und unterscheidet dabei zwischen Echoortungs- und Kommunikationsrufen. Foto: Julio Hechavarria, Goethe-Universität Frankfurt 

Weitere Informationen
Johannes Wetekam
AK Neurobiologie und Biosensorik
Telefon: +49 69 798-42066
wetekam@bio.uni-frankfurt.de 

Prof. Dr. Manfred Kössl
Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaft
Leitung AK Neurobiologie und Biosensorik
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 798 42052
Koessl@bio.uni-frankfurt.de
https://www.bio.uni-frankfurt.de/36526663/Abt__K%C3%B6ssl___Biowissenschaften 

Twitter/X: @JohannesWetekam @goetheuni


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 20 2024
11:37

Tagung des VW-Projekts „Linking Ages“ am Forschungskolleg Humanwissenschaften

Ganz jung und ganz alt im Fokus der Forschung

FRANKFURT. Von Politik über Stadtplanung, Filme und Medien bis zu Produkten und Dienstleistungen – all das orientiert sich häufig am mittleren Erwachsenenalter. Altersgerechte Smartphones oder kindgerechte Filme müssen extra gekennzeichnet werden. Die Ränder des Lebenslaufs – Kindheit in der Frühphase, Alter am Ende – fungieren somit als das „Andere“ gegenüber dem Normalzustand, dem Erwachsenenstatus. Dabei können wir viel über das Soziale an sich lernen, wenn wir erforschen, wie wir in unserer Gesellschaft mit Kindern und älteren Menschen umgehen, welche Eigenschaften wir ihnen zuschreiben und welche Rechte und Pflichten ihnen zugewiesen werden. Darum geht es bei der Abschlusstagung des Projekts „Linking Ages“ am Mittwoch, 28. Februar, von 13:30 bis 19:30 Uhr im Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg (Am Wingertsberg 4).

Das Projekt mit dem vollständigen Titel „Linking Ages – Ein Dialog zwischen Kindheits- und Alter(n)sforschung“ ist drei Jahre lang in der Förderlinie „Originalitätsverdacht?“ der VolkswagenStiftung gefördert worden. Angesiedelt ist es am Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Goethe-Universität, wo es sowohl Forschung zur Kindheit wie die von Prof. Sabine Andresen als auch solche zum Alter(n) (z.B. um Prof. Frank Oswald) gibt. Im Verlauf des Projekts wurden Gemeinsamkeiten in Theorie und Methodik, Themenwahl und daraus abzuleitenden Praxisimplikationen ausgelotet. 

Ergebnis des Projekts ist ein internationaler Sammelband, der Beiträge aus Kindheits- und Altersforschung zu den diskutierten Themenbereichen, den dabei relevanten Begrifflichkeiten und damit einhergehenden Fragestellungen verbindet. Der Band soll in Bad Homburg vorgestellt und diskutiert werden. In den einzelnen Vorträgen wird thematisiert, wie die Gesellschaft mit Kindern und älteren Menschen umgeht und wie diese sich zu diesen Alterszuschreibungen positionieren – zum Beispiel hinsichtlich des Schutzes vor Gewalt, in der Pflege, in der Stadtplanung oder beim Thema Nachhaltigkeit. 

Neben Persönlichkeiten aus der einschlägigen Wissenschaft ist auch die Stadtgesellschaft vertreten und geht mit den Forschenden der Goethe-Universität in Dialog. 

Die Veranstaltung ist öffentlich. Um Anmeldung wird gebeten unter: mordeja@em.uni-frankfurt.de

Information: Dr. Anna Wanka Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung Goethe-Universität Telefon 069 798-36411 E-Mail Wanka@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Feb 19 2024
11:27

Carolinum bietet neue Ambulanz bei Bulimie und Magersucht

Zähne schützen und erhalten trotz Essstörung 

Essstörungen wie Bulimie und Magersucht werden häufiger, insbesondere bei jungen Menschen. Eine medizinische und psychologische Therapie ist dringend geboten, aber auch die Zahngesundheit sollte man im Blick behalten. Ein neues Angebot des Zentrums der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (Carolinum) der Goethe-Universität bietet Beratung, Prävention und Therapie.

FRANKFURT. Essstörungen wie Magersucht und Bulimie können zu ausgeprägten Zahnschäden führen. Die Ursache: Durch häufiges Erbrechen ist der pH-Wert in der Mundhöhle über einen längeren Zeitraum hinweg sauer; die Zähne verlieren nach und nach ihre Mineralien. Dabei können sich Verfärbungen und Vertiefungen an den Zähnen bilden, die Zähne können empfindlicher werden. Bei dauerhaftem Säureangriff auf die Zahnhartsubstanz verändert sich unter Umständen die Form des Zahns – mögliche Folgen sind Schmerzen und Karies. 

Durch frühzeitiges zahnmedizinisches Eingreifen können Schäden an der Zahnhartsubstanz vorgebeugt, bereits vorhandene Erosionen behandelt werden. Dafür haben Prof. Jan-Frederik Güth, Leiter der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik, und Prof. Stefan Rüttermann, Leiter der Poliklinik für Zahnerhaltung, eine interdisziplinäre Sprechstunde zur zahnmedizinischen Therapie bei Essstörungen ins Leben gerufen. Ein frühzeitiger Fokus auf den Zusammenhang zwischen Essstörung und Zahngesundheit kann sehr umfangreiche Zahnbehandlungen zu einem späteren Zeitpunkt und damit auch hohe Kosten vermeiden helfen. 

Die Zahnärztinnen Miriam Ruhstorfer und Charlène Bamberg beraten Patientinnen und Patienten in zwei Stufen. Zunächst geht es um Diagnostik und Prophylaxe: Hierzu gehört ein Intraoralscan, der die dreidimensionale Analyse der Situation ermöglicht. Ein Mundhygienetraining soll helfen, das Reinigen der Zähne optimal zu gestalten. Und mit Hilfe individuell angefertigter durchsichtiger Schienen können die Zähne geschützt und mit Fluorid gestärkt werden. Die zweite Stufe beinhaltet die Therapie bereits entstandener Schäden an der Zahnsubstanz und falls nötig auch an den Kiefergelenken sowie die zahnmedizinische Kontrolle zur Früherkennung neuer Schäden.

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/149521941 

Bildtext: Schwer beschädigte Zähne einer Bulimie-Patientin vor und nach der Behandlung. (Foto: Carolinum)

Weitere Informationen
Miriam Ruhstorfer/Charlène Bamberg
Poliklinik für Zahnerhaltung
Zentrum der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Fachbereich Medizin
Goethe-Universität
Telefon 069 6301-4247
E-Mail es-zahnmedizin@med.uni-frankfurt.de
www.carolinum.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Feb 16 2024
10:56

Podiumsdiskussion mit der Außenministerin der demokratisch legitimierten Übergangsregierung

Myanmars Weg aus der Diktatur

FRANKFURT. Von der internationalen Gemeinschaft wenig beachtet, kämpfen in Myanmar unterschiedliche ethnische Gruppen seit drei Jahren gemeinsam gegen das Militär dieses südostasiatischen Landes. Am 1. Februar 2021 hatten Generäle mit einem Staatsstreich  die zehnjährige Phase der schrittweisen Öffnung und Demokratisierung des Landes jäh beendet. Daraufhin bildeten die kurz zuvor gewählten Parlamentarier eine Übergangsregierung gemeinsam mit Vertretern ethnischer Minderheiten und anderer demokratiefreundlicher Gruppen. Ziel des National Unity Government (NUG) von Myanmar ist die Abschaffung der Diktatur und die Errichtung einer föderalen demokratischen Union mit Gleichheit und Gerechtigkeit für alle.

Wie die Überwindung der Diktatur gelingen kann und welchen Beitrag Europa und Deutschland dazu leisten können – dies sind Themen der

Podiumsdiskussion
Myanmars Übergang zur föderalen Demokratie
am Dienstag, dem 20. Februar, 15 Uhr (s.t.),
Raum IG 411,
im IG Farben-Haus auf dem Campus Westend.

An der Podiumsdiskussion nehmen teil: die Außenministerin Zin Mar Aung des National Unity Government of Myanmar, die von der der Münchner Sicherheitskonferenz anreisen wird; die Chirurgin, Schriftstellerin und Vorsitzende des Writers-in-Prison-Committee des Verbands Pen International Ma Thida; der politische Aktivist und Mitbegründer der Free Rohingya Coalition Ko Nay San Lwin; der Sinologe und Koordinator der Forschungsgruppe „Regimewettbewerb“ des PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung Dr. Pascal Abb sowie der Leiter des Global Office der Goethe-Universität Dr. Johannes Müller.

Dr. Ulrich Kuch wird die Diskussion moderieren; er ist Leiter der Abteilung Tropenmedizin und Global Health des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Goethe-Universität und Koordinator der Frankfurter Klinik- und Hochschulpartnerschaften mit Myanmar.

Die Veranstaltung wird ausgerichtet vom Global Office und dem Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Goethe-Universität gemeinsam mit dem PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung.

Die Podiumsdiskussion steht im Zusammenhang mit der Fotoausstellung „Poser pour la liberté/Standing for Freedom“, die sich mit dem Problemfeld gefährdeter und geflüchteter Wissenschaftler*innen beschäftigt. Die preisgekrönte Ausstellung ist noch bis zum 17. Februar im Foyer des IG-Farben-Hauses zu sehen.

Die Podiumsdiskussion findet auf Englisch statt. Im Anschluss werden aus Myanmar stammende Gastronomen landestypische Snacks servieren.

Information und Anmeldung:
Dr. Johannes Müller
Head of Global Office
Studium Lehre Internationales  |  Global Affairs Study and Teaching
Phone +49 (0)69 798 13729
Email: jo.mueller@em.uni-frankfurt.de
www.uni-frankfurt.de/sli


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 15 2024
15:36

Tagung in Frankfurt befasst sich mit Reform des Betäubungsmittelgesetzes, die kommende Woche verabschiedet werden soll

„Die Entkriminalisierung ist ein wichtiges Signal“

Aller Voraussicht nach wird in der kommenden Woche das vieldiskutierte Cannabisgesetz im Bundestag verabschiedet. An morgigen Freitag befasst sich an der Goethe-Universität das 2. Frankfurter Symposium zum Betäubungs- und Arzneimittelstrafrecht mit dem Gesetz und den erwartbaren Folgen aus kriminalwissenschaftlicher Sicht. „Goethe-Uni aktuell“ sprach im Vorfeld der Tagung mit den Veranstaltern Prof. Matthias Jahn (Goethe-Universität) und Prof. Mustafa Temmuz Oğlakcıoğlu (Universität des Saarlandes).  

FRANKFURT. „Schwachstellen rechtfertigen kein Festhalten am Status Quo“ – so sehen der Frankfurter Rechtswissenschaftler Prof. Matthias Jahn und sein Kollege Prof. Mustafa Temmuz Oğlakcıoğlu aus dem Saarland die als Cannabisgesetz bekannte Reform des Betäubungsmittelgesetzes. Eine Entkriminalisierung von privater Herstellung und dem Besitz in geringen Mengen lässt aus ihrer Sicht hoffen, dass die Gefahren des Konsums besser in den Blick genommen werden können. Die kriminalrechtlichen Folgen und Schwachstellen des Gesetzes sind Thema des 2. Frankfurter Symposiums zum Betäubungs- und Arzneimittelstrafrecht, das morgen an der Goethe-Universität stattfindet.

Das heftig umstrittene Cannabisgesetz wird aller Voraussicht nach kommende Woche im Bundestag verabschiedet – viel später, als ursprünglich von der Fachwelt erwartet. Dennoch gibt es bereits jetzt aus kriminalrechtlicher Sicht einiges zu besprechen. Den Impulsvortrag bei der Veranstaltung hält der Bundesdrogenbeauftragte Dr. Burkhard Blienert, er spricht über alte und neue Baustellen in der deutschen, europäischen und globalen Drogenpolitik. Die Panels befassen sich u.a. mit den Vor- und Nachteilen des Cannabisgesetzes, mit der derzeitigen Rechtspraxis im Hinblick auf das Betäubungsmittelgesetz und mit rechtlichen Veränderungen bei der Verfolgung und Ahndung härterer Drogen.

Im Vorfeld der Tagung sprach das Online-Magazin „Goethe-Uni aktuell“ mit den Veranstaltern Prof. Matthias Jahn (Goethe-Universität) und Prof. Mustafa Temmuz Oğlakcıoğlu (Universität des Saarlandes). Das vollständige Interview lesen Sie unter: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/gesellschaft/cannabis-gesetz-schwachstellen-rechtfertigen-kein-festhalten-am-status-quo/

Medienvertreter können sich noch kurzfristig anmelden unter: https://www.uni-saarland.de/lehrstuhl/oglakcioglu/symposium.html

Das Plakat und Bilder der beiden Veranstalter zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/149374757

Weitere Informationen
Prof. Dr. Matthias Jahn
Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Rechtstheorie
Telefon 069 798-34336
E-Mail jahn@jur.uni-frankfurt.de
Homepage: http://www.jura.uni-frankfurt.de/44949022/jahn


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Feb 15 2024
13:10

Hybride Tagung an der Goethe-Universität befasst sich mit dem schwelenden Konflikt in Nordwestafrika

Die Zukunft Westsaharas 

FRANKFURT. Ein seit 50 Jahren schwelender Konflikt ist im Jahr 2020 neu angefacht worden: Von Spanien kolonialisiert, von Marokko besetzt, ist das Gebiet Westsahara auf der scheinbar endlosen Suche nach Autonomie. Nun hat die sahrauische Unabhängigkeitsbewegung Frente POLISARIO nach 29 Jahren den Waffenstillstand mit Marokko aufgekündigt. Auf einer Konferenz des Instituts für Ethnologie der Goethe-Universität

am Montag, 26. Februar, 14:30 bis 20 Uhr und
Dienstag, 27. Februar, 9:30 bis 16 Uhr
im Nebengebäude 1.741 B des IG-Farben-Gebäudes,
auf dem Campus Westend

soll unter dem Titel „Westsahara – Siedlerkolonialismus und Widerstand“ die aktuelle Forschung zum Westsahara-Konflikt im deutschsprachigen Raum vorgestellt werden. In Podiumsdiskussionen und Workshops können Forschende und Studierende Forschungserkenntnisse diskutieren, neue Fragen formulieren und sich besser miteinander vernetzen. Im Zentrum steht sowohl die Geschichte des Konflikts als auch die aktuelle Situation. Dabei geht es um koloniale Kontinuitäten, Siedlungspolitik und den sahrauischen Widerstand, also den Widerstand der ursprünglichen Bevölkerung der Westsahara gegen die völkerrechtswidrige Besetzung durch Marokko. Unter dem Aspekt von Klimagerechtigkeit und Entwicklungspolitik wird ein Fenster in die Zukunft der Region geöffnet.

Vor dem eigentlichen Start der Konferenz führt ein Filmabend

am Sonntag, 25. Februar, 17:30-19:30 Uhr
im Uni-Kino Pupille
Mertonstraße 26-28


in die Thematik ein. Gezeigt wird der Dokumentarfilm „Die letzte Kolonie. Das vergessene Volk der Westsahara“ von Christian Gropper, im Anschluss findet eine Diskussion über den Film statt.

Die gesamte Veranstaltung ist öffentlich, eine Anmeldung wird bis Dienstag, 20. Februar, erbeten an Judit Tavakoli, j.tavakoli@em.uni-frankfurt.de. Falls Sie online teilnehmen möchten, erhalten Sie auf diesem Weg auch den entsprechenden Link.

Das Programm finden Sie unter
www.uni-frankfurt.de/42991918/Willkommen_am_Institut_f%C3%BCr_Ethnologie

Das Veranstaltungsplakat zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/149307431

Information:
Dr. Judit Tavakoli
Institut für Ethnologie
Goethe-Universität Frankfurt
Telefon 069 798-33074
j.tavakoli@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Anna Springer, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, E-Mail springer@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 15 2024
10:34

Verbreitungsgebiete der potenziell krankheitsübertragenden Insekten in vier Bundesländern untersucht

Kriebelmücken: Zunahme der Blutsauger in Deutschland erwartet

Forschende der Goethe-Universität und des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums in Frankfurt haben erstmalig die räumlichen Verbreitungsmuster von Kriebelmücken in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen modelliert. In der im renommierten Fachjournal „Science of the Total Environment“ erschienenen Studie zeigt das Forschungsteam, dass in Deutschland Kriebelmücken in drei Gruppen eingeteilt werden können, die sich in ihren Verbreitungsmustern und ökologischen Ansprüchen unterscheiden. Die Forschenden warnen davor, dass insbesondere die medizinisch relevanten Arten durch den voranschreitenden globalen Klima- und Landnutzungswandel vermehrt auftreten könnten.

FRANKFURT. Sie sind nur zwei bis sechs Millimeter groß, ihr Aussehen ähnelt dem harmloser Stubenfliegen, doch ihre Stiche sind sehr unangenehm: Kriebelmücken (Simuliidae). Die flugfähigen und überwiegend schwarzen Insekten gehören zu den „Poolsaugern“: Weibliche Tiere raspeln mit scharfen „Zähnchen“ die Haut des Wirts auf und nehmen anschließend den sich dort bildenden Blutstropfen zu sich. „Durch die von den Mücken in die Wunde eingetragenen gerinnungshemmenden und betäubenden Substanzen können die Stiche schwerwiegende allergische Reaktionen auslösen, oder es kann zu bakteriellen Sekundärinfektionen kommen“, erklärt Prof. Dr. Sven Klimpel vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum, der Goethe-Universität Frankfurt, dem LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik (TBG) und dem Fraunhofer IME Gießen und fährt fort: „Kriebelmücken sind zudem vektorkompetent, also in der Lage, durch ihren Stich Infektionskrankheiten auslösende Erreger zu übertragen.“ Der bekannteste durch Kriebelmücken übertragene Erreger ist der auf dem afrikanischen Kontinent heimische Nematode Onchocerca volvulus, welcher die sogenannte Onchozerkose („Flussblindheit“) auslösen kann. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation erlitten durch die Krankheit weltweit bereits über 1,15 Millionen Menschen einen Sehverlust.

Erstautorin Sarah Cunze von der Goethe-Universität Frankfurt erläutert: „Etwa 98 Prozent der insgesamt 2000 auf allen Kontinenten – mit Ausnahme der Antarktis – vorkommenden Kriebelmückenarten ernähren sich von Blut. Dies ist für die Entwicklung ihrer Eier unerlässlich. In Deutschland wurden bisher 57 Kriebelmückenarten beschrieben. Anhand von 1.526 Datensätzen aus Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen haben wir die zwölf häufigsten dort heimischen Arten in drei biogeografische Gruppen unterteilt: Arten, die an Gewässeroberläufen leben, über verschiedene Landschaften weit verbreitete Arten und Tieflandarten.“

Für die drei Gruppen sagen die Forschenden in ihrer aktuellen Studie unterschiedliche Populationsentwicklungstrends unter dem voranschreitenden globalen Klima- und Landnutzungswandel voraus: Die Gruppe der Arten mit einem Verbreitungsschwerpunkt in den Gewässeroberläufen wird aufgrund steigender Temperaturen und zunehmender chemischer Belastung der Gewässer als potentiell gefährdet eingeschätzt. Arten der dritten Gruppe hingegen, zu denen insbesondere auch veterinär- und humanmedizinisch relevante Kriebelmückenarten zählen, zeichnen sich durch breitere Nischen und somit eine höhere Toleranz gegenüber anthropogenen Veränderungen aus. Diese Arten könnten durch den anthropogenen Wandel gefördert werden und ausgehend von ihrem bisherigen Verbreitungsschwerpunkt in größeren Flüssen des Tieflandes in Zukunft häufiger auftreten. Medizinisch relevante Arten zeichnen sich durch ein besonders aggressives Stechverhalten gegenüber Säugetieren und Menschen aus und treten häufig in sehr hoher Zahl auf. „Nachbarländer wie beispielsweise Polen reagieren auf dieses Massenauftreten, welches durch einen synchronisierten Schlupf der aquatisch lebenden Larven gefördert wird, damit, dass Vieh in Gebieten mit bekanntermaßen hohem Vorkommen während der betreffenden Zeiträume nur im Stall gehalten oder nur nachts auf die Weide gelassen wird. Zukünftige höhere Temperaturen könnten zu verkürzten Entwicklungszeiten, zu mehr Generationen pro Jahr und damit insgesamt zu einem häufigeren Auftreten von Kriebelmücken führen“, fügt Cunze hinzu.

In weiteren Arbeiten möchte das Team seine Ergebnisse mit empirischen Tests untermauern sowie durch Labortests klären, inwieweit Simuliiden-Arten in der Lage sind, bestimmte Infektionskrankheiten auslösende Erreger unter den derzeit in Europa herrschenden Bedingungen zu übertragen. „Die aus den Ergebnissen unserer Studie abgeleiteten Entwicklungstrends für die medizinisch relevanten Kriebelmückenarten sind ein Beispiel dafür, wie vektorübertragene Infektionskrankheiten durch den globalen Wandel gefördert werden können. Unsere Modellierungsansätze und -ergebnisse helfen uns dabei, Monitoring und Maßnahmenprogramme für vektorkompetente Arten effizient zu gestalten und Vorhersagen über zukünftige Entwicklungen abzuleiten“, fasst Klimpel zusammen.

Publikation: 
Sarah Cunze, Jonas Jourdan, Sven Klimpel (2024): Ecologically and medically important black flies of the genus Simulium: Identification of biogeographical groups according to similar larval niches, Science of The Total Environment, Volume 917, 2024, 170454, https://doi.org/10.1016/j.scitotenv.2 024.170454

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/149310328

Bildtext:
(Bild 1)
Die Art Simulium ornatum gehört zu den veterinär- und humanmedizinisch relevanten Kriebelmücken. Foto: Dorian Dörge

(Bild 2)
Kriebelmücken leben semiaquatisch: Im Ei-, Larven- und – wie hier zu sehen – im Puppenstadium sind sie auf Fließgewässer angewiesen. Foto: Dorian Dörge

Weitere Informationen
Prof. Dr. Sven Klimpel
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum Goethe-Universität Frankfurt
Tel. 069 798 42237
sven.klimpel@senckenberg.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 15 2024
09:25

Physiker der Goethe-Universität finden neue Lösung für Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie

Ein Stern wie eine Matrjoschka-Puppe: Neue Theorie für Gravasterne

Korrektur: Das Publikationsjahr der wissenschaftlichen Veröffentlichung ist 2024.

Würde es Gravasterne tatsächlich geben, sähen sie für einen weit entfernten Beobachter ähnlich aus wie Schwarze Löcher. Zwei theoretische Physiker der Goethe-Universität Frankfurt haben jetzt eine neue Lösung der Allgemeinen Relativitätstheorie Albert Einsteins gefunden, derzufolge Gravasterne aufgebaut sein könnten wie eine russische Matrjoschka-Puppe: Im Inneren eines Gravasterns befände sich sein weiterer Gravastern.

FRANKFURT. Das Innere Schwarzer Löcher ist für die Wissenschaft eine harte Nuss: Der deutsche Physiker Karl Schwarzschild fand 1916 eine Lösung für die Gleichungen Albert Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie, derzufolge sich im Zentrum eines schwarzen Lochs eine sogenannte Singularität befindet, ein Punkt, an dem Raum und Zeit nicht mehr existieren. Alle physikalischen Gesetze, also auch Einsteins allgemeine Relativitätstheorie, habe dort keine Gültigkeit mehr, das Prinzip der Kausalität ist aufgehoben. Das ist ein großes Ärgernis für die Wissenschaft, denn jenseits des sogenannten Ereignishorizonts können keine Informationen aus einem Schwarzen Loch nach außen dringen. Wohl auch aus diesem Grund fand Schwarzschilds Lösung lange Zeit außerhalb der Theorie keine größere Beachtung, bis 1971 der erste Kandidat für ein Schwarzes Loch entdeckt, in den 2000er-Jahren das Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße nachgewiesen und schließlich 2019 das erste Bild eines Schwarzen Lochs durch die Event Horizon Telescope Collaboration veröffentlicht wurde.

2001 schlugen die beiden Wissenschaftler Pawel Mazur und Emil Mottola eine andere Lösung für Einsteins Feldgleichungen vor, die zu Objekten führten, die sie Gravasterne nannten. Im Gegensatz zu Schwarzen Löchern haben Gravasterne aus Sicht der theoretischen Astrophysik mehrere Vorteile: Einerseits sind sie sind nahezu so kompakt wie Schwarze Löcher und besitzen ebenso wie diese an ihrer Oberfläche eine Gravitationskraft, die praktisch so stark ist wie die eines Schwarzen Lochs, sodass ihr nicht einmal Licht entkommen kann. Allerdings haben sie keine Grenze, innerhalb der keine Art von Information nach außen dringen kann, den so genannten Ereignishorizont, und in ihrem Inneren gibt es keine Singularität. Vielmehr besitzen Gravasterne einen Kern aus exotischer – dunkler – Energie, die den Gegendruck zur ungeheuren Gravitationskraft hält, die den Stern zusammenpresst. Die Oberfläche von Gravasternen bildet eine hauchdünne Haut aus gewöhnlicher Materie, deren Dicke gegen Null geht.

Die beiden theoretischen Physiker Daniel Jampolski und Prof. Luciano Rezzolla haben jetzt eine Lösung der Feldgleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie vorgestellt, die einen Gravastern im Innern eines weiteren Gravasterns beschreibt. Diesem – hypothetischen – Himmelsobjekt haben sie den Namen „Nestar“ gegeben (von englisch nested = verschachtelt).

Daniel Jampolski, der die Lösung in seiner durch Prof. Luciano Rezzolla betreuten Bachelorarbeit fand, meint: „Der Nestar ist wie eine russische Matrjoschka, und unsere Lösung der Feldgleichungen lässt auch eine ganze Reihe von ineinander geschachtelten Gravasternen zu.“ Während der Gravastern nach Mazur und Mottola eine nahezu unendlich dünne Haut aus normaler Materie habe, hat der Nestar eine etwas dickere Materiehülle: „Man kann sich etwas leichter vorstellen, dass es so etwas geben könnte.“

Luciano Rezzolla, Professor für theoretische Astrophysik an der Goethe-Universität, erläutert: „Es ist toll, dass es auch 100 Jahre nach Schwarzschilds erster Lösung der Einstein'schen Feldgleichungen aus der allgemeinen Relativitätstheorie noch möglich ist, neue Lösungen zu finden. Das ist ein bisschen so, wie wenn man in einer vermeintlich erschöpften Mine auf eine Goldader stößt. Leider haben wir noch keine Vorstellung davon, wie solch ein Gravastern entstehen könnte. Doch selbst wenn Nestare nicht existieren sollten, hilft uns die Erforschung der mathematischen Eigenschaften dieser Lösungen letztlich dabei, Schwarze Löcher besser zu verstehen.“


Publikation:
Daniel Jampolski, Luciano Rezzolla: Nested solutions of gravitational condensate stars. Classical Quantum Gravity (2023) https://doi.org/10.1088/1361-6382/ad2317

Hintergrundinformation: Ligo entdeckte Gravitationswellen von Schwarzen Löchern, nicht von Gravasternen (2016)
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/entdeckte-ligo-schwarze-loecher-oder-gravasterne/

Bild zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/149345988

Bildtext: Ein Gravastern könnte wie eine Matrjoschka-Puppe aussehen. Dies fanden Physiker der Goethe-Universität Frankfurt heraus. Bild: Daniel Jampolski und Luciano Rezzolla, Goethe-Universität

Weitere Informationen
Prof. Dr. Luciano Rezzolla
Institut für Theoretische Physik
Goethe-Universität Frankfurt
Phone: +49 (69) 798-47871
rezzolla@itp.uni-frankfurt.de
https://astro.uni-frankfurt.de/rezzolla/

Twitter/X: @goetheuni


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 14 2024
13:02

Für die stark nachgefragte Tagung am Sigmund-Freud-Institut ist nur noch Onlineteilnahme möglich

Sozialpsychologisch-psychoanalytischer Blick auf Israel, Israel-Palästina-Konflikt und Antisemitismus

FRANKFURT. Der Überfall der Terror-Organisation Hamas am 7. Oktober 2023 auf Israel und seine Folgen, Krieg und Krisen in Zusammenhang mit dem Israel-Palästina-Konflikt, der neu aufflammende und zugleich alte Antisemitismus weltweit: Sie stehen im Mittelpunkt einer Tagung, zu der das Sigmund-Freud-Institut, das Frankfurter Psychoanalytisches Institut und die Forschungsinitiative ConTrust gemeinsam einladen. Die Tagung „Zu den Krisen in Israel, zum Israel-Palästina-Konflikt und zeitgenössischen Formen des Antisemitismus“ findet statt am

Sonntag, 25. Februar, von 14:30 -19:30 Uhr
im Sigmund-Freud-Institut
Myliusstraße 20, 60323 Frankfurt am Main

sowie online auf der Plattform Zoom

Die Vortragenden werden die konfliktreiche Thematik aus sozialpsychologisch-psychoanalytischer Perspektive betrachten und analysieren. Aufgrund der starken Nachfrage ist die Teilnahme bei Neuanmeldung nur noch online möglich.

Zum Programm: Der Psychiater Dr. Eran Rolnik von der Universität Tel Aviv wird „Zeitgemäßes über Demokratie, politische Zäsur und Antisemitismus“ vortragen. Während Gerechtigkeit, Freiheit, Menschenwürde, Gewaltenteilung und Minderheitenrechte grundlegende Werte jeder Demokratie seien, könne man die psychischen und psychosozialen Voraussetzungen dafür keineswegs als selbstverständlich gegeben erachten. Die niedergelassene Psychologin und Psychoanalytikerin Shirin Atili aus Esslingen spricht zum Thema „Die fehlende Freiheit für die Palästinenser:innen und ihre Folgen“ und schildert die Situation der Palästinenserinnen und Palästinenser in Deutschland und Israel.

Über „Sackgassen des Absoluten oder warum der Israel-Palästina-Konflikt so grausam ist“ spricht der Wissenschaftshistoriker Prof. José Brunner, ebenfalls Universität Tel Aviv. Sein Beitrag erklärt die seit Jahrzehnten eskalierende Gewalt durch anhaltende narzisstische Verstrickungen, die zum beiderseitigen Verharren in absoluten Anspruchshaltungen führen. Zur wachsenden Grausamkeit und Unlösbarkeit des Konflikts habe die Vermischung mit religiösen und fundamentalistischen Positionen beigetragen. Dr. Kurt Grünberg, Psychoanalytiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sigmund-Freud-Institut, behandelt das Thema „Leidenschaft und Leiden. Zum Antisemitismus vor und nach dem 7. Oktober 2023“. Ihm geht es dabei im Besonderen um das Versagen jener wissenschaftlichen, auch feministischen oder psychoanalytischen Kontexte, die aus seiner Sicht den Zivilisationsbruch verleugneten und sich vom Antisemitismus anstecken ließen.

Es begrüßen und moderieren Prof. Vera King (Goethe-Universität und Geschäftsführende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts), Željko Čunovic (Frankfurter Psychoanalytisches Institut FPI), Prof. Rainer Forst (Goethe-Universität, Forschungsinitiative ConTrust), Prof. Patrick Meurs (Sigmund-Freud-Institut und Universität Kassel), die Psychoanalytikerin Christiane Schrader (FPI) sowie Prof. Heinz Weiß (Leiter des medizinischen Bereichs am Sigmund-Freud-Institut).

Anmeldung bitte über diesen Link.
Der Zoom-Link zur Tagung wird dann in der Bestätigungsmail mitgeteilt.

Das Veranstaltungsplakat zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/149297191

Information:
Prof. Dr. Vera King
Professur für Soziologie und Psychoanalytische Sozialpsychologie
Goethe-Universität Frankfurt
E-Mail king@soz.uni-frankfurt.de
https://www.fb03.uni-frankfurt.de/148588723.pdf


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Feb 13 2024
12:27

„Buber-Rosenzweig-Vorlesung für jüdische Geistesgeschichte und Philosophie“: Historikerin Karma Ben Johanan spricht zum Thema Antisemitismus

Wie christliche Traditionen antisemitische Denkmuster prägen

FRANKFURT. Warum ist Antisemitismus global verbreitet, weshalb tritt er in unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Bereichen vehement auf, und was genau ist unter ihm zu verstehen? Diese Fragen werden nicht erst seit dem 7. Oktober intensiv diskutiert. Die Rolle christlicher Weltbilder ist dabei in den Hintergrund getreten – zu Unrecht, meint die renommierte israelische Historikerin Dr. Karma Ben Johanan. Ihre Forschungen widmet sie religiösen Motiven des Christentums, die in kollektiven Mentalitäten fortwirken und auch zeitgenössische säkulare Denkmuster des Antisemitismus prägen.   

Über die Zusammenhänge zwischen ambivalenten christlichen Einstellungen gegenüber Jüd*innen und dem Judentum und gegenwärtigen Erscheinungsformen des Antisemitismus spricht Karma Ben Johanan

am Donnerstag, dem 15. Februar 2024, um 18.15 Uhr
in ihrem Vortrag
Christian Ambivalence and the Current Antisemitism Debate
im Casino-Gebäude 1.801 auf dem Campus Westend der Goethe-Universität.

Dabei geht Karma Ben Johanan der Frage nach, ob die zeitgenössischen Debatten nicht auch als neue Formen traditioneller innerchristlicher Spannungen verstanden werden können, die sich auf jüdische Schriften, Geschichte und Kulturen in westlichen Gesellschaften nach 1945 beziehen.

Die Historikerin Dr. Ben Johanan forscht und lehrt am Department of Comparative Religion der Hebräischen Universität Jerusalem. Von 2019 bis 2022 hatte sie eine Professur für jüdisch-christliche Beziehungen an der Theologischen Fakultät der Humboldt Universität zu Berlin inne. Ihr Buch Jacob's Younger Brother: Christian-Jewish Relations after Vatican II erschien 2022 in englischer Sprache. Sie gewann zahlreiche Preise, darunter den renommierten Dan David Preis (2023).

Der Vortrag wird veranstaltet von der Martin Buber-Professur für jüdische Religionsphilosophie und dem Buber-Rosenzweig-Institut für jüdische Geistes- und Kulturgeschichte am Fachbereich Evangelische Theologie. „Das Thema des Vortrags könnte nicht aktueller und bedrängender sein“, erklärt Prof. Christian Wiese, Direktor des Buber-Rosenzweig-Instituts. „Deshalb freuen wir uns, mit Dr. Karma Ben Johanan eine hervorragende Forscherin gewonnen zu haben, die sich innovativ mit den komplexen Beziehungen zwischen den jahrhundertealten Traditionen der christlichen Ambivalenz gegenüber dem Judentum auseinandersetzt, mit Traditionen des christlichen Antisemitismus und anderen Quellen und Formen des Antisemitismus in der Gegenwart.“

Der Vortrag findet in englischer Sprache statt. Eine Anmeldung (unter kramberger@em.uni-frankfurt.de) ist erwünscht, wird aber für die Teilnahme nicht vorausgesetzt.

Anmeldung:
Eva Kramberger
Fachbereich Evangelische Theologie
kramberger@em.uni-frankfurt.de

Weitere Informationen:
https://buber-rosenzweig-institut.de/events/einzelveranstaltung/buber-rosenzweig-vorlesung-fuer-juedische-geistesgeschichte-und-philosophie-2/

Dr. Judith Müller
Buber-Rosenzweig-Institut
jud.mueller@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 9 2024
14:02

Arztsöhne werden zu Ärzte, Arbeiter wählen SPD: „Forschung Frankfurt“ blickt auf die Folgen gesellschaftlichen Wandels 

Vielfalt statt Überschaubarkeit  

Globalisierung, Migration, Bildungsexpansion: Dies alles verändert die Strukturen unserer Gesellschaft. Doch wie sieht dieser Wandel konkret aus? Diesen Fragen geht die DFG-Forschungsgruppe RISS („Reconfiguration and Internalization of Social Structure“) nach – mit welchen Ergebnissen, darüber berichtet die jüngste Ausgabe von „Forschung Frankfurt“, dem Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität.

FRANKFURT. Früher waren Ärzte in Deutschland vor allem weiße Männer, die in die Fußstapfen ihrer Väter traten. Das System reproduzierte sich selbst und damit den Erfolg von Repräsentanten einer bestimmten sozialen Schicht. Die Zugehörigkeit zu einer sozialen Klasse, aber auch zu einer Berufsgruppe oder Religion ging meist auch einher mit bestimmten politischen Überzeugungen. Auch wenn diese Beschreibung schon für damals etwas vergröbernd ist: Man braucht keinen besonderen Scharfblick, um zu erkennen, dass sich gesellschaftliche Status- und Machtverhältnisse verschoben haben. Das Bild auch der prestigeträchtigsten Berufsfelder ist heterogener denn je. Zugrunde liegt eine enorme Expansion im Bildungssystem: Seit den 1960er Jahren besuchen immer mehr Kinder und Jugendliche aus unteren sozialen Schichten und unterschiedlichster ethnischer Herkunft höhere Schulformen. Auch die Studierendenschaft wird Jahr für Jahr heterogener. Und so stellt die neue „Unordnung“ die alte, oft beharrliche „Ordnung“ von Institutionen wie Schule und Universität, aber auch die des Arbeitsmarkts infrage.

„Die Veränderungen, die wir erleben, sind alles andere als marginal. Sie sind so fundamental, dass sie die Sozialstruktur insgesamt verändern“, sagt Daniela Grunow, Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Quantitative Analysen gesellschaftlichen Wandels an der Goethe-Universität. Sie ist Sprecherin der DFG-Forschungsgruppe RISS (FOR5173), die dieser mehrdimensionalen Verschiebung und ihren Auswirkungen auf der Spur ist. Das RISS-Team will mit einer neuen analytischen Strategie die wachsende Heterogenität besser abbilden und verstehen, um dann erkennen zu können, wie sich die soziostrukturellen Verschiebungen auf das Zusammenleben insgesamt auswirken. Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler genau dabei vorgehen, welche Teilfragen sie interessieren, darum geht es im Beitrag von Katja Irle in der jüngsten Ausgabe von „Forschung Frankfurt“, die sich mit dem Schwerpunktthema (Un)Ordnung befasst.

Weitere Artikel von „Forschung Frankfurt“ gehen zum Beispiel der Frage nach, wie Rebellen nach dem Chaos eine eigene Ordnung schaffen, es geht um die Initiation des bundesdeutschen Grundgesetzes, die im I.G. Farben-Bau stattfand (heute Campus Westend), aber auch um die Frage, wie verschwundene Bücher in einer großen Universitätsbibliothek wiedergefunden werden können. Weitere Beiträge handeln davon, wie der Klimawandel die Evolution vorantreibt oder wie eine neue mikroskopische Technologie ein viel genaueres Bild von den dynamischen Strukturen in lebenden Zellen zu vermitteln vermag.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2023) kann von Medienschaffenden kostenlos bestellt werden über: ott@pvw.uni-frankfurt.de

Ein PDF der Ausgabe ist online erhältlich unter www.forschung-frankfurt.de.

Bild zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/147598855

Bildtext: Forschung Frankfurt: (Un)Ordnung (Titelblatt). Bild: Goethe-Universität Frankfurt


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 9 2024
09:48

VolkswagenStiftung fördert Erforschung der Situation pflegender junger Menschen mit 1,2 Millionen Euro

Erst die Oma versorgen, dann in den Hörsaal

Junge Menschen in Ausbildung, die sich um ältere Menschen kümmern: Sie stehen im Mittelpunkt des Forschungsprojekts „InterCare“ am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität. Eines steht bereits fest: Die gesellschaftliche Aufmerksamkeit für diese Gruppe ist weitaus geringer als sie eigentlich sein sollte.  

 FRANKFURT. Ungefähr jeder achte junge Mensch in Ausbildung – also Schüler, Azubi und Studierende – ist (mit)verantwortlich für das Wohlergehen und die Pflege älterer, kranker oder behinderter Angehöriger oder anderer nahestehender Personen. Dies hat eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung ergeben. Damit ist diese Gruppe größer als die der Studierenden mit eigenem Nachwuchs.

Junge Frauen sowie allgemein junge Menschen mit Migrationshintergrund sind eher davon betroffen, Pflege und Ausbildung unter einen Hut bekommen zu müssen. „Eine Riesengruppe, die aber in der öffentlichen Wahrnehmung vollkommen untergeht“, sagt Dr. Anna Wanka, die mit ihrer Forschung herausfinden will, wie der Alltag dieser jungen Menschen aussieht, welche Schwierigkeiten sie meistern müssen und wie man sie dabei unterstützen könnte. Denn häufig beeinflusse die Verantwortung für einen älteren Menschen die Schulleistung sowie die Entscheidung für oder gegen ein Studium oder eine weiterführende Ausbildung, besonders in einer anderen Stadt. Und wer sich doch dafür entscheidet, hat mit einem schlechten Gewissen, Scham gegenüber Peers und Dozierenden, sowie Hürden in der täglichen Vereinbarkeit von Bildung und Pflege zu kämpfen.

Das Projekt „InterCare“ nimmt diese Gruppe als erstes umfangreiches Forschungsvorhaben gründlich in den Blick. Offizieller Start der Forschungen ist im Oktober 2024, von da an fließen über vier Jahre hinweg 1,2 Millionen Euro von der VolkswagenStiftung. Wanka hatte sich im Rahmen der Förderlinie „Herausforderungen und Potenziale für Europa: Intergenerationelle Zukünfte“ bei der Stiftung beworben. Sie leitet an der Goethe-Universität auch die Emmy-Noether-Forschungsgruppe „Linking Ages“, in der es um Alterskonstruktionen im Lebenslauf geht.

Angesichts der in allen europäischen Ländern alternden Bevölkerung sprach die VolkswagenStiftung mit ihrem Förderprogramm vor allem Forschungsgruppen an, die sich mit Fragen zum demografischen Wandel befassen. Die Verantwortlichen sollten aus mindestens drei unterschiedlichen europäischen Ländern stammen. Neben der britischen Anglia Ruskin University und der Jagiellonen-Universität Krakau nimmt auch die Hochschule Niederrhein in Möchengladbach in Person von Moritz Heß, Professor für Gerontologie, teil. In Polen zum Beispiel sei die Situation sehr stark dadurch geprägt, dass professionelle Pflegekräfte im westlichen Ausland, vor allem in Deutschland, arbeiteten, wo sie mehr Geld verdienten. In Polen fehlen diese Fachkräfte dann, was die Angehörigen dort umso stärker in die Pflicht nimmt.

In der ersten Phase der Studie wird es eine quantitative Erhebung in Deutschland geben: Wie viele Betroffene gibt es tatsächlich? Wie stellt sich die Problematik an Bildungseinrichtungen dar? Wo verunmöglichen die Regeln – zum Beispiel Anwesenheitspflichten in Labors und Seminarräumen – die Teilnahme am Ausbildungsgang? Die Ergebnisse sollen dann mit der Situation in Großbritannien und Polen verglichen werden. Für eine zweite Phase sind „dyadische Interviews“ geplant, die sich dadurch auszeichnen, dass ein „Tandem“ aus einem jungen Menschen mit Pflegeverantwortung und der gepflegten Person einzeln und gemeinsam befragt wird. „Die getrennte Befragung ist notwendig, weil auch über schambehaftete Themen, sowie Gewalterfahrungen und Freiheitsbeschränkungen gesprochen werden sollte“, so Wanka. Das Projekt ist zum Teil partizipativ angelegt, das heißt: Die Betroffenen gestalten den Studienablauf selbstständig mit und produzieren gemeinsam mit den Forschenden eine virtuelle Ausstellung sowie eine Podcast-Serie, um Bewusstsein für das Thema zu schaffen.

Hintergrund:

Beitrag ITVNews

Beitrag BBC

Weitere Informationen
Dr. Anna Wanka
Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung
Goethe-Universität
Telefon 069 798-36411

E-Mail Wanka@em.uni-frankfurt.de
Homepage: https://www.uni-frankfurt.de/129313223/Anna_Wanka

Twitter-Handle/Nutzername: WankaAnna

Dr. Wanka kann u.U. auch Interviews mit betroffenen Personen vermitteln.


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de