​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Nov 6 2020
10:53

Der Frankfurter Strafrechtler Matthias Jahn und Kollegen der Universitäten Tübingen und Düsseldorf haben im Auftrag des Bundesjustizministeriums die Realität gerichtlicher Absprachen untersucht

„Deals“ im Praxistest

Um rasch ein Geständnis zu erreichen und damit das Verfahren zu verkürzen, stellt der Richter Straferleichterung in Aussicht – für diese Art von Absprache gibt es seit 2009 einen gesetzlichen Rahmen. Doch wird der auch eingehalten? In einem Gutachten für das Justizministerium weisen die Rechtswissenschaftler Matthias Jahn (Goethe-Uni), Jörg Kinzig (Uni Tübingen) und Karsten Altenhain (Uni Düsseldorf) nach, dass hier viel Luft nach oben ist.
 
FRANKFURT. Absprachen müssen transparent sein, also dokumentiert werden. Geständnisse sind „zwingend“ zu überprüfen. Und die Zusage einer konkreten Straferleichterung ist nicht zulässig, lediglich die Angabe eines „Korridors“, in dem die Strafe liegen wird: Das sind die Regeln der Strafprozessordnung, die seit 2009 für Absprachen vor Gericht gelten, zuvor gab es keine. Schon 2012 jedoch machte eine wissenschaftliche Umfrage deutlich, dass es trotz dieser Regeln nach wie vor „informelle“, also – weniger euphemistisch gesprochen – illegale Deals vor Gericht gibt. 2013 billigte das Bundesverfassungsgericht das Gesetz zwar, formulierte jedoch eine strengere Auslegung der Vorschriften und verpflichtete den Gesetzgeber dazu, die Rechtspraxis fortwährend im Auge zu behalten.
 
Zusammen mit seinen Kollegen Prof. Dr. Jörg Kinzig und Prof. Dr. Karsten Altenhain hat der Frankfurter Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Matthias Jahn von der Goethe-Universität eine umfangreiche Studie erstellt, das zeigen sollte, wie die Realität an den Gerichten aussieht. Richter, Staatsanwälte und Strafverteidiger wurden in unterschiedlichen Modulen daraufhin befragt, ob und in welchem Umfang Absprachen bei ihnen eine Rolle spielen und inwiefern sie sich dabei an die gesetzlichen Vorgaben halten. Selbst Richterinnen und Richter hätten trotz wenig schmeichelhafter Aussagen überraschend ehrlich geantwortet, sagt Matthias Jahn: „Offenbar gab es einen gewissen Gesprächsbedarf.“
 
Es zeigte sich, dass an den Gerichten gegen sämtliche bestehenden Regelungen verstoßen wird. Nicht eingehalten wird der Untersuchung zufolge häufig die Dokumentationspflicht, das heißt, die Verständigung findet inoffiziell statt. Auch über das ausdrückliche Verbot, punktgenaue Angaben zur zu erwartenden Strafe zu machen, setzen sich viele Gerichte glatt hinweg. Und die abgelegten Geständnisse werden oft nicht ausreichend überprüft. Dabei machten die unterschiedlichen Berufsgruppen durchaus unterschiedliche Angaben zur Häufigkeit des Phänomens, aus nachvollziehbaren Gründen. Während 80 Prozent der Rechtanwälte mitteilten, sie seien an „Deals“ beteiligt gewesen, sind es aber immerhin auch fast ein Drittel der Richter, die eingestehen, dass sie sich selten bis häufig nicht an das Gesetz halten. „Das ist aus gleich mehreren Gründen alarmierend“, sagt Jahn: Die Urteilsfindung vollziehe sich ohne Beteiligung des Angeklagten, denn die professionellen Prozessbeteiligten handelten das unter sich aus. Außerdem trete der Aspekt der Schuld in den Hintergrund und werde frei verhandelbar. Insbesondere an Amtsgerichten führe das „Dealen“ zudem zu einer Gerechtigkeitslücke für weniger Begüterte: Nicht jeder Angeklagte habe einen Strafverteidiger, aber Richter und Staatsanwälte verhandeln nur mit Anwälten.
 
Tatsächlich kommen „Deals“ an Amtsgerichten wesentlich häufiger vor als an Landgerichten, was vor allem mit der eng getakteten Arbeitslast zu erklären ist. Richter und Staatsanwälte nannten als Gründe für informelle Absprachen die fehlende Praxistauglichkeit und Unübersichtlichkeit der bestehenden Regelungen. „Hier sollte man in Zukunft ansetzen und das Gesetz wieder praxistauglicher machen“, findet Matthias Jahn. Verständigungen seien unverzichtbar für eine arbeitsfähige Justiz, aber „Deal“-Exzesse müssten vermieden werden.
 
„Vor dem Hintergrund der Ergebnisse werden wir jetzt prüfen, ob weitere gesetzliche Regelungen erforderlich sind, um Defiziten in der gerichtlichen Verständigungspraxis wirksam zu begegnen. Die Erkenntnisse aus der Studie ermöglichen uns dazu eine umfassende rechtspolitische Diskussion“, kommentierte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht die Studie noch am Tag des Erscheinens in einer Pressemitteilung. Ein Projekt für die nächste Legislaturperiode, meint Matthias Jahn. Die Studie ist kostenfrei online nachzulesen.
 
Open-Access-Publikation:
https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/9783748922094
 
Bild zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/93892797
 
Bildtext: Matthias Jahn, Rechtswissenschaftler an der Goethe-Universität, hat mit Kollegen aus Tübingen und Düsseldorf die Praxis der Absprachen an deutschen Gerichten untersucht. (Foto: Dettmar)
 
Weitere Informationen

Prof. Dr. Matthias Jahn

Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Rechtstheorie

Institut für Kriminalwissenschaft und Rechtsphilosophie

Goethe-Universität

Telefon 069 798-34336

E-Mail sekretariat-jahn@jura.uni-frankfurt.de

Homepage https://www.jura.uni-frankfurt.de/jahn

 

Nov 5 2020
10:07

Kultusministerium und Goethe-Universität vereinbaren Kooperation

Mehr wissenschaftliche Forschung für sicheren Unterricht

FRANKFURT/WIESBADEN Das Hessische Kultusministerium und die Goethe-Universität Frankfurt weiten ihre Zusammenarbeit im Hinblick auf Forschungsprojekte an Schulen und die gezielte Verwertung von Studienergebnissen zur Bekämpfung der Pandemie für die weitere Organisation des Schulbetriebs aus. „Bei der Bewertung des Infektionsgeschehens sind wir immer wieder auf die Erkenntnisse der Wissenschaft angewiesen“, erklärte Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz heute in Wiesbaden. „Unter den aktuell sehr anspruchsvollen Rahmenbedingungen der Pandemie freue ich mich, dass uns ein so starker Partner wie die Goethe-Universität jetzt noch mehr mit seiner wissenschaftlichen Expertise unterstützt. Der enge Schulterschluss zeigt unsere Entschlossenheit, in der Verantwortung für unsere Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler rasch und zuverlässig neue wichtige Erkenntnisse zur Eindämmung des Infektionsgeschehens zu gewinnen.“

Die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Dr. Birgitta Wolff, sagte: „Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tragen maßgeblich zur Corona-Forschung bei, zum Beispiel in der Virologie und in der Arbeitsmedizin. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium können unsere neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse direkt im Schulalltag erprobt werden. Wir hoffen, dass wir so unseren Beitrag dazu leisten können, dass Schulen wegen des Infektionsgeschehens nicht schließen müssen.“
 
In einer von Prof. Dr. Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität durchgeführten Testreihe an der Wiesbadener Leibnizschule konnte Mitte September die grundsätzliche Tauglichkeit von Luftreinigungsgeräten zur Filterung von Aerosolen in Klassenräumen nachgewiesen werden. Dies veranlasste die Hessische Landesregierung jüngst dazu, die für die Ausstattung der Schulen zuständigen Schulträger mit bis zu zehn Millionen Euro bei der Anschaffung moderner Luftreinigungsanlagen zu unterstützen, welche das Lüften in den Klassenräumen zwar nicht vollständig ersetzen, aber ergänzen können.

 

Nov 4 2020
15:49

Förderer unterstützen mit insgesamt 1,45 Millionen für klinische Covid-19-Studie zu Schwersterkrankten

Goethe-Corona-Fonds von Universität und Universitätsklinikum steigt auf 4,75 Millionen Euro

FRANKFURT. Mithilfe einer beeindruckenden Fördermittelgabe rücken die Universität Frankfurt und das Universitätsklinikum der angestrebten 5-Millionen-Marke ihres Goethe-Corona-Fonds ganz nah: Nach sorgfältiger wissenschaftlich-klinischer Begutachtung durch hochkarätige Experten hat sich die Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) entschlossen, zusammen mit der Barbara und Wilfried Mohr-Stiftung, der J2xU-Stiftung und dem Unternehmer Stefan Quandt 1,45 Millionen Euro für eine klinische Studie von Patientinnen und Patienten mit schweren Covid-19-Verläufen über den Fonds bereitzustellen, wobei allein die EKFS das Vorhaben mit 700.000 Euro fördert.

Zu einem entscheidenden Zeitpunkt – der sogenannten zweiten Welle der Pandemie - kommt nun die Förderung der Zelltherapiestudie der beiden Mediziner am Universitätsklinikum, Prof. Dr. med. Peter Bader, Leiter des Schwerpunkts Stammzellentransplantation, Immunologie und Intensivmedizin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, und Prof. Dr. Dr. med. Kai-Dieter Zacharowski, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie: Diese Studie setzt bei denjenigen Covid-19-Erkrankten an, bei denen das Virus eine schwere, oft tödlich verlaufende Entzündung auslöst. Ziel der Studie ist nun, die Überlebensraten dieser bereits intubierten und beatmeten Patienten zu verbessern. Dazu sollen schwer erkrankte Covid-19-Patienten mit dem Zelltherapeutikum MSC-FFM behandelt werden.

„Je schneller unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Innovationen auf die Pandemie reagieren können, desto mehr Menschen können sie helfen“, betont Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität. „Ich bin froh und dankbar, dass viele Förderinnen und Förderer das verstehen und uns tatkräftig unterstützen. Deshalb bin ich mir sicher: Wir werden die 5-Millionen-Marke schaffen!“

„Mit den sogenannten ,Mesenchymalen Stromazellen', den MSCs, gibt es im menschlichen Körper interessanterweise einen Zelltyp mit mehreren, für eine Covid-19-Therapie potenziell attraktiven Eigenschaften“, erklärt der Mediziner Bader. Dazu gehören vor allem die antifibrotischen und immunmodulatorischen Eigenschaften der MSCs -  Eigenschaften also, die krankhaften Gewebeveränderungen und überschießenden Reaktionen des Immunsystems entgegenwirken und damit die Verwendung der MSC als entzündungshemmende Therapie bei Covid-19-Patienten nahelegen.

Bader hat MSC-FFM mit seinen Teammitgliedern und Kooperationspartnern ursprünglich zur Therapie von Leukämiepatienten entwickelt, die unter lebensbedrohlichen Komplikationen einer Stammzelltransplantation leiden. MSC-FFM wird mittlerweile von dem deutschen Pharmaunternehmen „medac“ vertrieben. Mit der nun geförderten Covid-19-Studie wird angestrebt, dass das Zelltherapeutikum auch für die Behandlung von Covid-19 zugelassen werden kann.

Die Technologietransfergesellschaft der Goethe-Universität, Innovectis, initiierte die Finanzierung und übernahm die Koordination der Projektanbahnung. „In der Durchführung dieser Studie sehen wir einen wichtigen Frankfurter Beitrag zur Behandlung Covid-19-Erkrankter“, sagt Dr. Martin Raditsch, Geschäftsführer von Innovectis.

Der Goethe-Corona-Fonds wurde im März zur Anschubfinanzierung von Forschungsprojekten zum SARS-CoV-2-Virus an der Goethe-Universität und dem Universitätsklinikum ins Leben gerufen.

Weitere Spenden möglich unter: https://www.betterplace.org/de/projects/78009-goethe-corona-fonds-von-goethe-universitaet-universitaetsklinikum-frankfurt

Bilder unter: http://www.uni-frankfurt.de/93813428

Bild 1: Peter Bader (Foto: Jens Taube); Bild 2: Kai-Dieter Zacharowski (Foto: Christian Heyse/Universitätsklinikum Frankfurt)

Bildtext: Gemeinsame Zelltherapiestudie zu schwer erkrankten Covid-19-Patienten: Prof. Dr. med. Peter Bader, Leiter des Schwerpunkts Stammzellentransplantation, Immunologie und Intensivmedizin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, und Prof. Dr. Dr. med. Kai-Dieter Zacharowski, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie

Weitere Informationen
Prof. Dr. med. Peter Bader
Stellv. Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Frankfurt
Tel. 069/6301-7542
peter.bader@kgu.de
Prof. Dr. Dr. med. Kai-Dieter Zacharowski
Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie
Universitätsklinikum Frankfurt
Haus 23 A, Untergeschoss
T +49 69 6301 - 5868

 

Nov 4 2020
12:28

​Die Ethnologin Lene Faust hat für ihre herausragende Dissertation den Forschungsförderungspreis des Frobenius Instituts erhalten

Faschisten in Rom nach 1945

Faschistische Strömungen haben nach Kriegsende in Italien nie aufgehört zu existieren. Die Ethnologin Lene Faust hat untersucht, wie deren Anhänger leben, wie sie denken, handeln und sich erinnern. Für ihre herausragende Dissertation wurde sie mit dem Forschungsförderpreis des Frobenius Instituts ausgezeichnet.

FRANKFURT. „Im Namen der Toten. Eine ethnographische Studie über die faschistische Nachkriegsszene in Rom“ – so der Titel der preisgekrönten Dissertation von Dr. des. Lene Faust, die das Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität ausgezeichnet hat.

Mehr als 14 Monate lang hat Faust in der neofaschistischen Szene in Rom ethnographisch geforscht. Dabei hat sie sich auch auf persönliche Gespräche mit Tätern – und ihren Erben – eingelassen und zeichnet ein Bild von drei Generationen faschistischer Subkultur und davon, wie diese sich an die Zeit des Faschismus sowie die Gründung der Norditalienischen Sozialrepublik 1943 und vor allem den sich anschließenden blutigen Bürgerkrieg erinnern.

In ihrer Dissertation arbeitet sie heraus, was es heißt, Faschist zu sein, indem sie den Alltag, die familiären und politischen Netzwerke sowie die rituellen Praktiken ihrer Gesprächspartner und -partnerinnen betrachtet. Und so reduziert Faust den Nachkriegsfaschismus weder auf das Erbe eines totalitären Systems noch auf einen politischen Kult; vielmehr tritt er als eine netzwerkartige Subkultur hervor, die religiöse Elemente enthält und in der Politik, Ritual und Familie kaum voneinander zu trennen sind. Dabei reflektiert Faust sensibel ihre eigene Rolle als Forscherin.

Vor dem Hintergrund der Wahlerfolge der Lega-Partei bei den italienischen Parlamentswahlen im März 2018 ist Fausts Arbeit besonders aktuell und könnte helfen, solche Entwicklungen besser zu verstehen. Und so resümiert Prof. Dr. Roland Hardenberg, der Leiter des Frobenius Instituts, in seiner Laudatio: „Es ist das besondere Verdienst dieser Arbeit, so die Kommission, dass sie uns Sichtweisen und Empfindungen näherbringt, einen offenen Blick auf Täter wagt, und damit einige der wichtigsten Aufgaben von ethnologischer Forschung erfüllt: zu übersetzen, zu Kommunikation und Verständnis beizutragen, aber auch zum Zweifeln und Nachdenken anzuregen. Dies gelingt dieser Dissertation auf einzigartige Weise.“


Weitere Informationen:
Yanti Hölzchen
Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität
Telefon 069 798-33058
E-Mail hoelzchen@em.uni-frankfurt.de
Homepage https://www.frobenius-institut.de/aktuelles

 

Nov 4 2020
11:31

​IWAK der Goethe-Universität entwickelt im Auftrag des Hessischen Wirtschaftsministeriums regionale Roadmaps für flexible Angebote

Unterstützung für Personalverantwortliche in kleinen und mittleren Betrieben in Hessen

FRANKFURT. Mehr als 90 Prozent der hessischen Betriebe haben weniger als 250 Beschäftigte. Besonders viele haben sogar weniger als 100 Mitarbeiter. Die Pandemie hat gezeigt: Gerade diese kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) können sich gut und vor allem schnell auf neue Herausforderungen einstellen. Im Auftrag des Hessischen Wirtschaftsministeriums hat das IWAK an der Goethe-Universität ermittelt, wie man diesen wichtigen Pfeiler der hessischen Wirtschaft noch weiter stärken kann.

Ein Trumpf der kleinen und mittelgroßen Betriebe ist ihr Personal. Gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen, an sich zu binden und zu qualifizieren, ist aber nicht immer einfach. Oft fehlt Zeit, Geld und auch das richtige Knowhow dafür. „Kleine und mittlere Unternehmen stehen im Mittelpunkt der hessischen Wirtschaftspolitik, und wir wollen unsere Förderprogramme optimal auf ihren Bedarf abstimmen. Dafür brauchen wir präzise Informationen“, sagt Dr. Phillip Nimmermann, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen. Dazu müsse man aber die Unterstützungsbedarfe genau kennen. Deshalb hat das hessische Wirtschaftsministerium das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität mit der Umsetzung des Projekts KMU.Kompetent beauftragt. Mehr als 100 Interviews mit Personalverantwortlichen aus kleinen und mittleren Betrieben in allen Regionen und Branchen in Hessen sollten die notwendigen Informationen liefern.

„Es zeigt sich, dass viele Personalverantwortliche sich selbst gerne noch besser qualifizieren wollen“, stellt Dr. Christa Larsen, Geschäftsführerin des IWAK fest. Die Interviewpartner haben vielfach ein Bedürfnis nach zeitlich flexiblen und kostengünstigen Schulungen zum Thema Personalarbeit formuliert, jedoch auch zu Spezialthemen wie Arbeitsrecht. Darüber hinaus würden viele Verantwortliche gern ihr betriebliches Personalmanagement im laufenden Betrieb weiterentwickeln. Aber auch Themen wie die effizientesten Rekrutierungskanäle, der Abbau von Kompetenzdefiziten bei Auszubildenden oder die Gewinnung von Studienabbrechern wurden angesprochen. In all diesen Bereichen wünscht man sich Unterstützung, weil die Personalverantwortlichen gerade in kleinen und kleinsten Betrieben oft keine Zeit haben, sich damit zu befassen. Viele Angebote seien zeitlich nicht flexibel genug oder zu weit vom Betrieb entfernt. Personalverantwortliche könnten ihren Betrieb häufig nicht für einen ganzen Tag verlassen, geben Christian Müller und Miriam Fink vom IWAK an, die die Interviews geführt haben.

Jetzt sollen die sich aus der Befragung ergebenden Unterstützungsbedarfe mit den schon vorhandenen Angeboten in den einzelnen Regionen des Landes abgeglichen werden. Dafür werden regionale Roadmaps für Nord-, Mittel- und Südhessen erstellt.  Die Roadmaps sind strategische Instrumente, mit denen Vertreter der Wirtschaft und des Arbeitsmarkts vor Ort jetzt weiterarbeiten können. Die Roadmaps zeigen auch, wo noch Lücken vorhanden sind, diese sollen möglichst schnell geschlossen werden, um die Personalverantwortlichen und damit den Mittelstand in Hessen zu stärken.

Bei einer virtuellen Veranstaltung, die das IWAK organisiert, werden am 5. November 2020 die regionalen Roadmaps für Nord-, Süd- und Mittelhessen vorgestellt und anschließend den Wirtschafts- und Arbeitsmarktakteuren in drei Regionalworkshops zur weiteren Nutzung übergeben. „Dies stellt ein sehr gelungenes Beispiel für den Wissenstransfer von der Hochschule in die Wirtschaft dar“, findet Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, der als Vizepräsident für den Bereich Third Mission der Goethe-Universität zuständig ist.

Bei der Veranstaltung werden zudem zwei regionale Wirtschaftsförderer sowie eine Personalverantwortliche erläutern, wie sie zukünftig die Roadmap für ihre Region nutzen möchten. Das Programm zur Veranstaltung finden Sie unter: http://www.iwak-frankfurt.de/veranstaltungen/kommende-veranstaltungen/

Für Interviews steht IWAK-Leiterin Dr. Christa Larsen ab 15.30 Uhr zur Verfügung. Es wird um Anmeldung unter 069 798-25466 gebeten.  


Informationen:
Dr. Christa Larsen
Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität
Campus Bockenheim
Telefon 069 798-22152
E-Mail: c.larsen@em.uni-frankfurt.de
Homepage: http://www.iwak-frankfurt.de/wp-content/uploads/2015/04/Steckbrief-KMU-kompetent_neu.pdf

 

Nov 3 2020
10:09

Forscher der Goethe-Universität untersuchen zusammen mit italienischen Kollegen vier 40.000 bis 70.000 alte Milchzähne 

Kein Grund fürs Aussterben: Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab 

Als Grund für das Aussterben der Neanderthaler vermuten einige Forscher, dass die damaligen Mütter ihre Säuglinge lange stillten und die Säuglinge so nicht früh genug vielfältige Nährstoffe für eine Höherentwicklung des Gehirns erhielten. Ein internationales Forscherteam hat nun vier Milchzähne auf die Elemente Strontium und Calcium hin untersucht, die auch noch nach 70.000 Jahren zuverlässig Auskunft über die Ernährung der Kinder geben. Das Ergebnis: Die Mütter begannen, wie heute üblich, ihre Kinder nach fünf bis sechs Monaten abzustillen. Das Stillverhalten und die damit zusammenhängenden Geburtsintervalle spielten also keine Rolle für das Aussterben der Neanderthaler.

FRANKFURT/KENT/BOLOGNA/FERRARA. Aus Höhlen in Nordostitalien stammen die Milchzähne, die vier Kinder vor 40.000 bis 70.000 Jahren beim Zahnwechsel verloren hatten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Frankfurt Isotope and Element Research Center (FIERCE) am Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität untersuchten sie mit chemischen Methoden. "Wir betteten die Zähne in Harz ein und schnitten sie dann in hauchdünne Schichten - ein für solch seltene Funde äußerst ungewöhnliches Vorgehen, zumal wir die kostbaren Proben hinterher wieder zusammensetzen mussten“, erklärt Wolfgang Müller, Leiter der Arbeitsgruppe. Jede dieser Lagen ist höchstens 150 Mikrometer dünn, das entspricht etwa der Dicke von zwei Blatt Papier. Anschließend trug ein spezieller Laser das Zahnmaterial ab. Dieses Material untersuchte Müllers Arbeitsgruppe mit moderner Massenspektrometrie auf den Gehalt der natürlichen Elemente Strontium und Kalzium: „Beides ist in Zähnen und Knochen enthalten“, erklärt Müller, „aber Strontium als natürliche Unreinheit von Kalzium scheidet der Körper nach und nach aus, sodass uns das Verhältnis von Strontium zu Kalzium (Sr/Ca) Hinweise auf die Nahrung gibt“. Bei Muttermilch ist dieses Verhältnis anders als etwa bei Körnern, Gemüse, Fleisch oder tierischer Milch.

Der Zahnschmelz bildet tägliche Wachstumsringe

Das Faszinierende: Jeden Tag lagert sich eine messbare Schicht Zahnschmelz ab, sodass jeder Zahn wie die Wachstumsringe eines Baums die Lebenstage widerspiegelt. Schon in der Zahnanlage im Ungeborenen zeigt eine klare Linie den Tag der Geburt an, die „Neonatallinie“. Jeder weitere Lebenstag bei gestillten Kindern ist geprägt von der Kalzium-reichen, Strontium-ärmeren Muttermilch – oder eben mit dem Beginn des Abstillens von höheren Konzentrationen an Strontium. Dank ihrer feinaufgelösten Methoden konnten die Arbeitsgruppen diesen Zeitpunkt anhand der Milchzähne sehr genau auf 3,8 bis 5,3 Monate - je nach Individuum - datieren.

Zähne erzählen auf den Tag genau von Geburt und Ortswechsel

Ein Vergleich mit in den jeweiligen Höhlen gefundenen Nagetierzähnen zeigt zudem, wie lange die Kinder oder ihre Mütter in dieser Umgebung lebten. „Das Strontium-Isotopen-Verhältnis (87Sr/86Sr) liefert uns Informationen über das Gestein und den Boden der Umgebung, in der die Menschen und Nagetiere lebten“, so Müller. Die Zähne erzählen damit Lebensgeschichten: So verbrachte eine der Mütter das Ende der Schwangerschaft sowie die ersten 25 Tage nach Geburt nicht am Fundort, denn die Isotopenzusammensetzung des Milchzahns berichtet von einer anderen Umgebung. Diese Mutter und ihr Kind zählen zu den modernen Menschen des Paläolithikums (40.000 Jahre) und unterscheiden sich deutlich von den früheren Neanderthalern (50.000 Jahre) aus derselben Höhle: Der jüngere Zahn weist – verglichen mit einem Neanderthaler-Zahn vom selben Fundort - auf unterschiedliche Nahrung und größere Migration in einem kälteren Klima hin. Alle drei Neanderthaler-Mütter und -Kinder lebten hingegen die ganze Zeit in derselben Region, waren also anders als bisher vermutet, sehr ortstreu.

Die Erkenntnisse des internationalen Forschungsteams aus Anthropologen, Archäologen, Chemikern, Physikern und Geologen aus den untersuchten vier Milchzähnen weisen darauf hin, dass spätes Abstillen nicht für das Aussterben der Neanderthaler verantwortlich ist. Die täglich angelagerten Zahnschmelzschichten ähneln chemisch jener heutiger Babys – ein Hinweis darauf, dass die Ernährung und Entwicklung erstaunlich ähnlich verliefen.

Publikation: Alessia Nava, Federico Lugli, Matteo Romandini, Federica Badino, David Evans, Angela H. Helbling, Gregorio Oxilia, Simona Arrighi, Eugenio Bortolini, Davide Delpiano, Rossella Duches, Carla Figus, Alessandra Livraghi, Giulia Marciani, Sara Silvestrini, Anna Cipriani, Tommaso Giovanardi, Roberta Pini, Claudio Tuniz, Federico Bernardini, Irene Dori, Alfredo Coppa, Emanuela Cristiani, Christopher Dean, Luca Bondioli, Marco Peresani, Wolfgang Müller, Stefano Benazzi: Early life of Neanderthals. Proceedings of the National Academy of Sciences Oct 2020, DOI: 10.1073/pnas.2011765117

Bilder zum Download:

1. Gotta di Fumane bei Verona (Wikipedia):
Hier wurden mehrere der Milchzähne von Neanderthaler-Kindern gefunden, die Forscher um Prof. Wolfgang Müller an der Goethe-Universität untersucht haben.
https://de.wikipedia.org/wiki/Grotta_di_Fumane#/media/Datei:Grotta_di_Fumane_3.jpg

2. Neanderthaler-Milchzahn:
Vermutlich beim Zahnwechsel verlor ein Neanderthaler-Kind vor 40.000 bis 70.000 Jahren diesen Milchzahn. Foto: ERC project SUCCESS, University of Bologna, Italy
http://www.uni-frankfurt.de/93639226

3. Ultradünnschnitte:
Forscher der Goethe-Universität schneiden papierdünne Scheiben von einem Neanderthaler-Milchzahn ab. Anschließend wurden die Zähne wieder zusammengesetzt und rekonstruiert. Standbild eines Videos: Luca Bondioli and Alessia Nava, Rome, Italy
http://www.uni-frankfurt.de/93639334


Weitere Informationen:
Prof. Dr. Wolfgang Müller
Institut für Geowissenschaften /
Frankfurt Isotope and Element Research Center (FIERCE)
Tel. +49 (0)69 798 40291,
w.muller@em.uni-frankfurt.de
http://www.uni-frankfurt.de/49540288/Homepage-Mueller

 

Nov 3 2020
09:47

Die Ringvorlesung des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“, der Frankfurter Gespräche zum Informationsrecht und des Fachbereichs Rechtswissenschaft der Goethe-Universität untersucht ab dem 11. November 2020 die Auswirkungen der Digitalen Revolution aus soziologischer und rechtswissenschaftlicher Perspektive

Machtverschiebung durch Algorithmen und KI

FRANKFURT. Künstliche Intelligenz (KI), Algorithmen und Technologien zur Verarbeitung und Auswertung großer Datenmengen (Big Data) stehen im Zentrum der Digitalen Revolution. Sie wirken sich im heutigen globalen Zeitalter nicht nur auf die Produktions- und Arbeitswelt, sondern auf nahezu alle Bereiche gesellschaftlichen Lebens aus und verändern gemeinschaftliche Strukturen ebenso wie ökonomische Geschäftsmodelle. Damit eng verwoben sind neben Fragen des Datenschutzes, insbesondere Fragen der Macht(um)verteilung und der rechtlichen Regulierung.

Aspekten dieser Themenkomplexe widmet sich ab dem 11. November 2020 an fünf Terminen die Ringvorlesung

„Machtverschiebung durch Algorithmen und KI“,
jeweils um 18.00 Uhr
online via Zoom.

Veranstalter sind das Forschungsnetzwerk „Die normative Ordnung künstlicher Intelligenz | NO:KI“ am Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ gemeinsam mit den Frankfurter Gesprächen zum Informationsrecht des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Umweltrecht, Informationsrecht und Verwaltungswissenschaften und dem Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Organisiert und konzipiert wurde die Reihe von Prof. Roland Broemel (Professor für Öffentliches Recht, Wirtschafts- und Währungsrecht, Finanzmarktregulierung und Rechtstheorie der Goethe-Universität), Prof. Christoph Burchard (Professor für Straf- und Strafprozessrecht, Internationales und Europäisches Strafrecht, Rechtsvergleichung und Rechtstheorie der Goethe-Universität und Mitglied des Forschungsverbunds „Normative Orders“) und Prof. Indra Spiecker gen. Döhmann (Professorin für Öffentliches Recht, Informationsrecht, Umweltrecht und Verwaltungswissenschaft der Goethe-Universität).

Zu den vortragenden ExpertInnen der Reihe gehören Prof. Mireille Hildebrandt, Prof. Kristian Kersting, Prof. Jörn Lamla, Prof. Antje von Ungern-Sternberg und Prof. Christiane Wendehorst.

Schlagwortartige Beispiele, die im Zentrum ihrer Vorträge stehen werden, reichen von sozialen Netzwerken und Suchmaschinen über die sogenannte Industrie 4.0, das predictive policing, die medizinische Forschung bis hin zum Versicherungs- und Finanzmarktsektor (FinTech). Als Kehrseite birgt dieses innovative, aus statistischen Wahrscheinlichkeiten generierte Wissen nicht nur Risiken von Verzerrungen und Diskriminierungen, sondern begünstigt auch eine Konzentration gesellschaftlicher und ökonomischer Macht. Der Zugang zu Daten und die Analysekompetenz prägen das Gestaltungspotential bestimmter Akteure, insbesondere von Plattformbetreibern – auch dies soll diskutiert werden.

Im Anschluss an eine Einführung in die technischen Grundlagen erörtert die Ringvorlesung die gesellschaftlichen Auswirkungen aus soziologischer Perspektive und diskutiert Optionen rechtlicher Regulierung.

Die einzelnen Termine im Überblick:

11. November 2020, 18.00 Uhr
Legal effect in computational 'law'
Prof. Mireille Hildebrandt (Vrije Universiteit Brussel)

23. November 2020, 18.00 Uhr
Machtverschiebung durch Algorithmen – computerwissenschaftliche Perspektiven
Prof. Kristian Kersting (Technische Universität Darmstadt)

16. Dezember 2020, 18.00 Uhr
Gesellschaft als digitale Sozialmaschine? Zur soziotechnischen Transformation des selbstbestimmten Lebens
Prof. Jörn Lamla (Universität Kassel)

25. Januar 2021, 18.00 Uhr
Haftung für Künstliche Intelligenz – droht ein Verantwortungsvakuum?
Prof. Christiane Wendehorst (Universität Wien)

3. Februar 2021, 18.00 Uhr
Machtverschiebung durch Algorithmen – ein Thema für Datenschutz und Antidiskriminierungsrecht?
Prof. Antje von Ungern-Sternberg (Universität Trier)


Eine Anmeldung an office@normativeorders.net ist erforderlich. Die Logindaten werden nach Anmeldung übermittelt.

Weitere Informationen unter: www.normativeorders.net/ringvorlesungen

Kontakt:
Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, 069/798-31407, anke.harms@normativeorders.net; www.normativeorders.net

 

Nov 2 2020
14:28

Auch im europäischen Vergleich liegt die Frankfurter Rechtsfakultät vorn

Weltweites Hochschulranking: Rechtswissenschaft der Goethe-Universität schneidet gut ab

FRANKFURT. Die Rechtswissenschaftlerinnen und Rechtswissenschaftler der Goethe-Universität belegen in dem weltweiten Hochschulranking „World University Rankings“ unter 224 gelisteten Rechtsfakultäten den 60. Platz und sind damit zweitbeste deutsche Hochschule. Vor ihnen liegt lediglich die Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, gefolgt werden sie von den Fachkolleginnen und -kollegen der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Auch im europäischen Vergleich kann sich das Abschneiden der Frankfurter Rechtswissenschaftlerinnen und Rechtswissenschaftler sehen lassen. Mit Ausnahme der britischen Universitäten wie etwa in Cambridge, Oxford und London, die in Rankings traditionsgemäß mit den amerikanischen Spitzenuniversitäten wie dem diesjährigen Spitzenreiter Stanford University um die vorderen Ränge konkurrieren, liegen nur wenige Rechtsfakultäten europäischer Nachbarländer vor den Fachwissenschaftlern der Goethe-Universität. So nimmt etwa die renommierte Sorbonne Université als beste französische Fakultät den 87. Platz ein.

„Wenn man Hochschulrankings auch mit der gebotenen Zurückhaltung und Skepsis, vor allem mit Blick auf die Erhebungsmethoden, begegnen muss“, sagt der Rechtswissenschaftler und Dekan seines Fachbereichs Prof. Dr. Klaus Günther, „freuen wir uns doch über das relativ gute Abschneiden im internationalen und nationalen Vergleich. Dies auch angesichts der Tatsache, dass es sich bei uns um einen der größten rechtswissenschaftlichen Fachbereiche in Deutschland handelt, also mit einer erheblich ungünstigeren Betreuungsrelation als bei denjenigen an der Spitze. Gleichzeitig bedeutet die Platzierung aber auch, dass es noch viel ,Luft nach oben' gibt.“

„Ich verstehe das gute Abschneiden im World University Ranking als Kompliment für unsere Rechtswissenschaftlerinnen und Rechtswissenschaftler. Und das freut mich natürlich!“, sagt die Präsidentin der Goethe-Universität Prof. Dr. Birgitta Wolff. „Wenn wir solche Ranglisten sportlich nehmen, können sie zugleich Bestätigung und Ansporn sein.“

Die Rechtsfakultäten waren vom „World University Rankings“ u.a. nach den Kriterien Lehre, Forschung, Zitierhäufigkeit der Publikationen und internationales Renommee beurteilt worden. Das vom britischen Magazin Times Higher Education (THE) veröffentlichte Ranking gilt als eines der renommiertesten Hochschulrankings. Da zahlreiche Hochschulranglisten wegen methodischer Schwächen kritisiert werden, ist ihre Aussagekraft mitunter umstritten.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Klaus Günther
Theodor-W.-Adorno-Platz 4
Frankfurt am Main

Telefon: 069/798-34339
E-Mail: K.Guenther@jur.uni-frankfurt.de

 

Okt 29 2020
10:17

​Institut für Kernphysik nimmt an deutschlandweiter „Woche der Teilchenwelt“ vom 2. bis 8. November teil

Ab Jahrgangsstufe 10: Goethe-Universität veranstaltet Online-Masterclass zum ALICE-Experiment am CERN

Am 5. und 6. November können interessierte Schülerinnen und Schüler zusammen mit Wissenschaftlern des Instituts für Kernphysik der Goethe-Universität originale Experiment-Daten des ALICE-Experiments am Teilchenbeschleuniger CERN auswerten, die etwas über den Urknall verraten. Diese ALICE-Masterclass im Online-Format wird gemeinsam mit den Universitäten Münster und Heidelberg, der GSI Darmstadt und dem Netzwerk Teilchenwelt veranstaltet. Die „Woche der Teilchenwelt“ steht mit zahlreichen weiteren Online-Veranstaltungen allen Wissenschaftsinteressierten offen.
 
FRANKFURT. Wie entstand das Universum? Woraus bestehen wir? Was untersucht die „Weltmaschine“ am CERN? Solchen Fragen können Wissenschaftsinteressierte in der Woche der Teilchenwelt vom 2. bis 8. November 2020 nachgehen. In ganz Deutschland laden die Standorte von Netzwerk Teilchenwelt zum Streifzug durch die Forschung auf dem Gebiet der Teilchen- und Astroteilchenphysik ein. Während der Aktionswoche können Groß und Klein zahlreiche Veranstaltungen besuchen – darunter Formate vor Ort, etwa in Schulen, Museen, Kinos oder Sternwarten, aber auch online.
 
Das Institut für Kernphysik an der Goethe Universität ist in der Woche der Teilchenwelt mit einer „ALICE-Masterclass“ dabei. Für physikinteressierte Schülerinnen und Schüler ab der Jahrgangsstufe 10 bietet sich die Möglichkeit, einen tieferen Einblick in die Teilchenphysik und das ALICE-Experiment am CERN zu erhalten.
 
Zusammen mit Forscherinnen und Forschern blicken die Schüler in die Geburtsstunde des Kosmos und erfahren mehr über die Grundbausteine der Materie. Außerdem werden sie zusammen mit den Forschenden Daten selbst auswerten. Der ALICE-Detektor wird sowohl in einer virtuellen Umgebung, als auch mit einer Live-Schaltung zum CERN gezeigt, damit die Schüler sich einen Eindruck zu dem Experiment machen können.
 
30 Wissenschaftsstandorte, darunter auch die Goethe Universität, haben sich 2010 zum Netzwerk Teilchenwelt zusammengeschlossen. Zum zehnten Geburtstag bündeln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der beteiligten Forschungseinrichtungen besonders viele Veranstaltungen und stellen die ganze Bandbreite der Forschung vor - vom Higgs-Teilchen über Neutrinos bis zu Schwarzen Löchern und Supernovae als gigantischen Teilchenschleudern.
 
Im Netzwerk Teilchenwelt sind etwa 200 Forscherinnen und Forscher aktiv. Sie haben sich vorgenommen, vor allem Jugendliche und Lehrkräfte mit ihrer Begeisterung für Teilchenphysik anzustecken und sie für MINT-Fächer zu begeistern. Dazu bieten sie das ganze Jahr über Projekttage in Schulen, Schülerlaboren oder Museen an. Die Jugendlichen können als Teilchenphysikerinnen und Teilchenphysiker für einen Tag echte Daten vom CERN auswerten, Teilchen aus dem Weltall nachspüren oder mit Wissenschaftlern über die Entstehung und den Aufbau des Universums diskutieren. Workshops und Projektwochen für besonders interessierte Schülerinnen und Schüler finden am CERN in Genf sowie an Forschungseinrichtungen in Deutschland statt.
 
Die Woche der Teilchenwelt gehört zum Jubiläumsprogramm der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG). Die weltweit größte physikalische Fachgesellschaft ist Schirmherrin von Netzwerk Teilchenwelt und blickt in diesem Jahr auf ihr 175-jähriges Wirken zurück. Die Woche der Teilchenwelt wird unterstützt von der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung.
 
„Netzwerk Teilchenwelt“ wird im Rahmen des Projekts KONTAKT (Kommunikation, Nachwuchsgewinnung und Teilhabe der Allgemeinheit an Erkenntnissen auf dem Gebiet der kleinsten Teilchen) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die Projektleitung ist an der TU Dresden.
 
ALICE-Masterclass: https://www.wochederteilchenwelt.de/event/alice-masterclasshome-teilchen-zuhause-erforschen/
 
Alle Veranstaltungen: www.wochederteilchenwelt.de
 
Kontakt
Goethe-Universität Frankfurt
Marcus Mikorski
Koordinator für den deutschen ALICE-Forschungsschwerpunkt bei CERN
Tel. 069 798-47099
marcus.mikorski@cern.ch
 
Netzwerk Teilchenwelt
Dr. Uta Bilow
Tel. 0351 463-32956
mail@teilchenwelt.de
www.teilchenwelt.de

 

Okt 28 2020
11:34

Online-Podiumsdiskussion mit den Spitzenfrauen des hessischen Wissenschaftssystems

Geschlechtergerechte Hochschule – Gestaltungsmacht in weiblichen Spitzenpositionen?

FRANKFURT. Mentoring Hessen lädt zu einer Online-Podiumsdiskussion mit den Spitzenfrauen des hessischen Wissenschaftssystems. Mit dabei sind Wissenschaftsministerin Angela Dorn, die Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt Prof. Dr. Birgitta Wolff, die Präsidentin der Technischen Universität Darmstadt Prof. Dr. Tanja Brühl und die Präsidentin der Philipps-Universität Marburg Prof. Dr. Katharina Krause. Die Veranstaltung findet am 5.11.2020 um 18.30 Uhr über das Portal Zoom statt.
 
Geschlechtergerechtigkeit meint den gleichen Zugang zu Führungs- und Leitungspositionen und damit zu Machtpositionen. Es meint aber auch die Etablierung einer geschlechtergerechten Wissenschafts- und Organisationskultur überhaupt. Angela Dorn, hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst sagt dazu: "Frauen sind in den Spitzenpositionen der Wissenschaft angekommen, aber es gibt noch immer viel zu tun. Vor allem in den MINT-Fächern sind sie leider noch immer unterrepräsentiert - bei den Studienanfängerinnen, den Abschlüssen, den Promotionen und den Habilitationen. Wir können es uns nicht leisten, auf talentierte Frauen zu verzichten. Es geht also um die Erhöhung der Attraktivität des Wissenschaftssektors für Frauen, um die Nachwuchsprobleme für Forschung und Wirtschaft zu lösen. Das ist auch eine der Strategien, die wir mit dem Hessischen Hochschulpakt verfolgen: Wir haben mit den Hochschulen vereinbart, dass sie den Anteil von Frauen insbesondere auf Professuren erhöhen. Dafür schaffen sie auch deutlich stärkere finanzielle Anreize als bisher. Dazu beitragen sollen Konzepte wie chancengerechtes Karrieremanagement, Gleichstellungsbüros und Programme für mehr Familienfreundlichkeit."
 
Und auch Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, sieht Handlungsbedarf: „Ich bin davon überzeugt, dass nur durch sichtbare weibliche Vorbilder in Spitzenfunktionen der Wissenschaft und der Hochschulleitungen ein langfristiger kultureller Wandel zur geschlechtergerechten Hochschule des 21. Jahrhunderts gelingen kann. An der Goethe-Universität setze ich mich daher mit Nachdruck für strukturelle und personenbezogene Maßnahmen ein. Wir sind auf einem guten Weg, dennoch bedarf es der Analyse fachspezifischer Barrieren sowie der Entwicklung von Strategien und Instrumenten zur Rekrutierung von Frauen für Spitzenfunktionen. Vom Mentoring Hessen Netzwerktreffen und dem Austausch mit meinen Kolleginnen verspreche ich mir neue, wertvolle Impulse.“
 
Der spannenden Frage welche Gestaltungsmacht für einen kulturellen Wandel Frauen in Spitzenpositionen besitzen, wird mit den drei hessischen Universitätspräsidentinnen und der Ministerin für Wissenschaft und Kunst nachgegangen. Im Rahmen der Veranstaltung wird es Raum für Fragen und Diskussionsbeiträge der Teilnehmer*innen geben.
 
Veranstaltet wird die Podiumsdiskussion von Mentoring Hessen, einem Verbundprojekt der hessischen Hochschulen zur Karriereförderung von Frauen in Wissenschaft und Wirtschaft.
 
Gäste können sich mit einer E-Mail an info@mentoringhessen.de anmelden. Auch Vertreter*innen der Medien sind ausdrücklich eingeladen, die Veranstaltung zu besuchen und darüber zu berichten; es wird um Akkreditierung gebeten: diehl@mentoringhessen.de
 
Die Veranstaltungsdetails in der Übersicht:
 
Moderierte Online-Podiumsdiskussion „Geschlechtergerechte Hochschule – Gestaltungsmacht in weiblichen Spitzenpositionen?“ Donnerstag, 5.11.2020, 18.30-20.30 Uhr
 
Podiumsgäste:
Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn
Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Dr. Birgitta Wolff
Präsidentin der Technischen Universität Darmstadt, Prof. Dr. Tanja Brühl
Präsidentin der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Katharina Krause
Eine vorherige Anmeldung an info@mentoringhessen ist notwendig; Gäste erhalten dann die Zugangsdaten zur Veranstaltung. Alle Details auf www.mentoringhessen.de.

 

Okt 27 2020
14:50

Programmstart am 2. November – Anmeldungen sind noch möglich 

Universität des 3. Lebensalters: auch im digitalen Modus mit vielseitigem Semesterprogramm

FRANKFURT. Es geht wieder los! Die Universität des 3. Lebensalters (U3L) hat die Erfahrungen aus dem digitalen Sommersemester 2020 und die Zeit der Semesterferien genutzt, um die Online-Lehre zu verbessern und das Programmangebot weiter auszubauen. Die Dozent*innen freuen sich darauf, ihre Pläne umzusetzen. Die Vorlesungszeit im zweiten digitalen Semester der U3L beginnt am 2. November. Anmeldungen sind noch bis zum 13. November möglich. Die Universität des 3. Lebensalters ist eine Bildungsinstitution an der Goethe-Universität. Angesprochen sind insbesondere ältere Erwachsene, die sich in Seminaren, Vorlesungen und Arbeitsgruppen innerhalb eines akademischen Rahmens mit Fragen der Wissenschaft und Bildung auseinandersetzen und an der eigenen Weiterbildung arbeiten wollen. Alle Interessierten, unabhängig von Alter und Vorbildung, sind willkommen.

Trotz aller Einschränkungen durch die Corona-Pandemie behält die U3L ihr breites Bildungsangebot bei. Bei Kursen in Echtzeit sitzen die Teilnehmenden zeitgleich vor den Computern an den Orten ihrer Wahl und treffen sich virtuell in Videokonferenzen. Bei asynchronen Kursen können die Kursmaterialien zu einer beliebigen Zeit abgerufen werden. Beide Formen finden Sie im Programm der U3L.

Raum und Zeit – so lautet das Semesterthema, das in vielen Veranstaltungen aufgegriffen wird. Dabei geht es beispielsweise um das „goldene Zeitalter“ im Altertum, aber auch um ganz aktuelle Fragen, wie z.B. Wege zu einer nachhaltigen Gesellschaft oder zur Zukunft moderner Gesellschaften. Die Antworten der Wissenschaft sind spannend und bieten reichlich Stoff für Diskussionen. Wie im vergangenen Semester erprobt werden konnte, bietet auch das Online-Medium ausreichend Möglichkeiten, sich zu beteiligen oder Fragen zu stellen, so dass der Dialog zwischen Lehrenden und Studierenden nicht zu kurz kommt. Auch die sehr beliebte Vortragsreihe mit Berliner Kunsthistoriker*innen wird ab 13. November mit fünf Vorträgen zum Thema „Kunst und Natur“ fortgesetzt. In einem Querschnitt durch die Jahrhunderte wird diesem Verhältnis nachgespürt. Im zweiten Teil der Reihe ab Januar wird es um den Rückbezug der Moderne auf die alten Meister der Bild- und Baukunst gehen. Hat die moderne Architektur noch etwas mit der Antike zu tun? Und wie hat beispielsweise Botticelli einen Nährboden für die Moderne bereitet?

Die meisten, die im vergangenen Semester dabei waren, sind bereits wieder angemeldet, aber es gibt auch viele Erstsemester. Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass die technischen Hürden gar nicht so hoch sind und dass die U3L Hilfestellung dabei bietet, die Kenntnisse im Umgang mit den neuen Medien auszubauen. Ein großer Vorteil ist zudem: Bei den im Internet angebotenen Vorlesungen und Seminaren spielen weder Mobilität, Entfernungen noch Platzprobleme eine Rolle.

Auch wenn das Format der Veranstaltungen neu ist und die Art der Kommunikation ein wenig anders als gewohnt, die U3L bleibt ihrer Linie treu, ein vielseitiges, spannendes und anregendes Semester zu gestalten. Das Studienprogramm kann ganz nach Interesse individuell zusammengestellt werden. Die Teilnahmegebühr für das Wintersemester beträgt 110 Euro. Ein Vorlesungsverzeichnis kann in elektronischer Form auf der Homepage heruntergeladen werden.

Weitere Informationen
Alles Wissenswerte findet sich auf der Website: www.u3l.uni-frankfurt.de und kann über u3l@em.uni-frankfurt.de erfragt werden.
Telefonische Sprechzeiten: Mo-Do 9.30-12.30 Uhr, Mi 13.30-16 Uhr und n.V., Tel. (069) 798-28861. 

 

Okt 23 2020
13:13

​Soziologieprofessor der Goethe-Universität wird Bundesregierung bei Fragen der nachhaltigen, biobasierten Wirtschaft beraten.

Thomas Lemke in den Bioökonomierat berufen

FRANKFURT. Prof. Dr. Thomas Lemke, Soziologe an der Goethe-Universität, ist in den neuen Bioökonomierat berufen wurden. Er wird für den Zeitraum von drei Jahren als Mitglied des Gremiums die Bundesregierung bei der Neuorientierung der Wirtschaft hin zu einer wissensbasierten Bioökonomie beraten. „Ich freue mich sehr auf die vor mir liegende Aufgabe und möchte durch meine soziologische Expertise zu einer Verbreiterung der öffentlichen Debatte bioökonomischer Fragen beitragen“, betont Thomas Lemke.

2020 hatte die Bundesregierung unter der gemeinsamen Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die Nationale Bioökonomiestrategie verabschiedet. Zu den Aufgaben des neu aufgestellten Bioökonomierates zählen unter anderem die Erarbeitung von Empfehlungen und Stellungnahmen sowie die Förderung der öffentlichen Debatten zur Bioökonomie. Die konstituierende Sitzung des neuen Bioökonomierates soll im November stattfinden.

Thomas Lemke hat Politikwissenschaften, Soziologie und Rechtswissenschaften in Frankfurt, Southampton und Paris studiert. Er promovierte am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität, die Habilitation erfolgte am Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Bergischen Universität Wuppertal. Seit 2008 ist er Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt „Biotechnologie, Natur und Gesellschaft“ am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität. Von 2014 bis 2020 war er zudem Honorarprofessor an der University of New South Wales in Sydney. 2018 erhielt er einen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats für das Forschungsprojekt CRYOSOCIETIES. Lemke ist unter anderem Mitherausgeber der Zeitschrift „Distinktion. Journal of Social Theory“, der Zeitschrift „New Genetics and Society“ und der Buchreihe „Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialpsychologie“.
 

Ein Foto von Thomas Lemke steht zum Download bereit unter http://www.uni-frankfurt.de/93474485
Foto: Merielli Mafra

 

Okt 23 2020
11:45

​Frankfurter Film – und Medienwissenschaftler untersuchen die neue Medienwelt der Pandemie

Von Drohnen, Dating-Apps und Trumps COVID-Strategie

Seit dem Ausbruch der aktuellen Pandemie ist unser Alltag digitaler und medialer als je zuvor. Was liegt da näher, als Medienwissenschaftlerinnen und Medienwissenschaftler zu befragen, wie wir diese „neue“ Welt verstehen können? Eine Publikation des Graduiertenkollegs „Konfigurationen des Films“ wirft erste Schlaglichter auf künftige Forschungsfragen.
 
FRANKFURT. Für Film- und Medienwissenschaftlerinnen und –wissenschaftler ist die Pandemie eine besondere Herausforderung. Denn die Pandemie ändert derzeit nicht nur deren Arbeitssituation, sondern auch deren Forschungsgegenstand: die Medien selbst. „Die Medien müssen sich den neuen Formen von Arbeit, Güterzirkulation, Politik und Kultur anpassen und ermöglichen diese zugleich auch“, erklärt Laliv Melamed, Post-Doc-Forscherin im Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ die doppelte Perspektive ihres Fachs auf die Folgen der Pandemie. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Philipp Keidl hat sie federführend an der Publikation „Pandemic Media“ mitgewirkt.
 
„'Pandemic Media' ist ein Versuch, den Herausforderungen der Pandemie in einer ersten Annäherung mit schlaglichtartigen Reflexionen über aktuelle und künftige Forschungsfragen der Medienwissenschaft zu begegnen“, sagt Professor Vinzenz Hediger, Sprecher des Graduiertenkollegs und Mitherausgeber der Publikation. Entsprechend trägt die Publikation auch den Untertitel „Preliminary Notes Towards an Inventory“: „Erste Notizen zu einem möglichen Verzeichnis“.
 
Wie beeinflusst also die neue Medienwelt der Pandemie die Medien? Die Publikation versammelt 37 Beiträge aus dem wissenschaftlichen Netzwerk des Graduiertenkollegs. Und dieses ist nahezu weltumspannend: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen u.a. an Universitäten in New York, Stanford, Toronto oder Seattle, in Oxford oder London, in Lagos, Utrecht, Frankfurt oder Paris. Die Vielfalt der Orte spiegelt sich in der Vielfalt der Perspektiven: Die Texte widmen sich nun häufig zu sehenden Drohnen-Bildern, der Ästhetik der Zoom-Video-Konferenz, den Dating-Apps und Trumps Fernsehstrategie gegen COVID, den Visualisierungen des Virus oder etwa der Entwicklung und Umsetzung der COVID-Tracing-App in Deutschland.
 
Der Umschlag des Bandes greift das aktuelle Werk des französischen Magnum-Photographen Antoine D'Agata auf: Dieser hat seit Beginn der Pandemie Pariser Straßenszenen und Vorgänge in Krankenhäusern der französischen Hauptstadt mit einer wärmempfindlichen Kamera festgehalten. D'Agatas Arbeiten - im Oktober in der Brownstone Foundation in Paris zu sehen - widmet sich auch ein Beitrag des Bandes.
 
Innovativ ist auch das open access-Publikationsverfahren, mit dem die Publikation in außergewöhnlich kurzer Zeit zustande kam: Die Herausgeber organisierten einen zeitlich hoch verdichteten „double blind peer review“-Prozess, in dem alle Beiträge innerhalb weniger Wochen mehrfach wissenschaftliche Überarbeitungsschritte durchliefen. Der Sprecher des Kollegs und Professor Antonio Somaini von der Université Paris-3, der mit der Goethe-Universität auch im Rahmen des International Master Cinema Studies (IMACS, www.imacsite.net) zusammenarbeitet, agiert als Mitherausgeber.
 
Die Texte erscheinen am 27. Oktober 2020 in der Reihe „Configurations of film“ des meson press-Verlags. Die gesamte Publikation ist zugänglich über: https://meson.press/books/pandemic-media/, zunächst im html-Format, später dann als PDFs zum Herunterladen. Bis Weihnachten soll das Buch auch als Band in gedruckter Fassung vorliegen.
 
Meson press ist ein innovativer Verlag, der sich auf open access-Publikationen zur digitalen Medienkultur spezialisiert hat. „Aus Verlagssicht ist ,Pandemic Media' ein hochspannendes Projekt“, kommentiert Verlagsleiter Andreas Kirchner die Zusammenarbeit. „Es passt nicht nur inhaltlich perfekt in das programmatische Profil von meson press, sondern eröffnet uns auch die Möglichkeit, mit zukunftsweisenden Publikationsformaten zu experimentieren.“
 
Das Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ untersucht seit 2017 die digitale Transformation der Filmkultur; in diesem Sommer hat es seine zweite Kohorte von 12 Doktorandinnen und Doktoranden aufgenommen.
 
 
Publikation: „Pandemic Media. Preliminary Notes Towards an Inventory“, hrsg. von Vinzenz Hediger, Philipp Keidl, Laliv Melamed und Antonio Somaini
 
Bild zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/93471401
 
Bildtext: Die Temperatur der Pandemie: Dem Buchcover liegt ein Foto des Magnum-Fotografen Antoine D'Agata zugrunde, der seit April mit einer wärmeempfindlichen Kamera Pariser Straßenszenen und Vorgänge in Krankenhäusern dokumentiert (Foto: Cover (c) meson press/Mathias Bär/Antoine D'Agata)
 
 
Weitere Informationen
 
Dr. Philipp Keidl
Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“
keidl@em.uni-frankfurt.de
 
Dr. Laliv Melamed,
Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“
melamed@tfm.uni-frankfurt.de
 
Prof. Dr. Vinzenz Hediger
Sprecher des Graduiertenkollegs „Konfigurationen des Films“
hediger@tfm.uni-frankfurt.de

 

Okt 23 2020
09:47

Die virtuelle Lehre gelingt besser als erwartet, ist aber kein Ersatz für Campusleben. Im neuen UniReport sprechen Lehrende und Mediendidaktiker über Chancen und Herausforderungen der Online-Lehre und über die Zukunft der Präsenzuniversität.

Universität blickt auf das „Hybridsemester“

FRANKFURT. Die sich wieder verschärfende Pandemie-Lage lässt kaum Spielraum für Veranstaltungen in Präsenz. Lehrende und Mediendidaktiker möchten langfristig nicht auf einen Lehrbetrieb face-to-face verzichten, plädieren aber – Stichwort digital unterstützte Präsenzuniversität – auch dafür, die Möglichkeiten virtueller Lehre nach Maßgabe der Lernziele intensiv zu nutzen. Viele digitale Tools, unterstreichen einige von ihnen im UniReport, können sogar im Präsenzunterricht für mehr Interaktion und Feedback sorgen.

Eine Online-Befragung von Lehrenden und Studierenden zum Sommersemester 2020 hat unter anderem ergeben, dass ein Großteil beider Zielgruppen mit der virtuellen Lehre zufrieden ist. Über die Hälfte der Studierenden beklagt jedoch auch, dass der persönliche Kontakt zu den Kommiliton*innen gefehlt habe. Die Befragung ist Bestandteil des Evaluationskonzepts für das Sommersemester, im November wird es eine zweite Befragung mit dem Schwerpunkt Prüfungen geben. Ziel ist es, Erkenntnisse und Hinweise für die künftige Weiterentwicklung von Studium und Lehre zu erhalten.
 
Am 21. Oktober wurde das Jüdische Museum in Frankfurt nach fünf Jahren Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten wiedereröffnet. Dr. Mirjam Wenzel, Direktorin des Museums, zugleich auch Honorarprofessorin an der Goethe-Universität, spricht im UniReport unter anderem über den aktuellen Antisemitismus. Bewegungen wie QAnon tradierten judenfeindliche Vorstellungen des Mittelalters. Der wachsende Antisemitismus sei aber nicht nur auf einen Rechtsextremismus zurückzuführen, sondern auch ein „Symptom gesellschaftlicher Umbrüche“, sagt Wenzel im UniReport. Die „Judenfeindschaft“ sei nie ganz verschwunden gewesen. Wenzel betont: „Aufgrund der historischen Erfahrung müssen wir uns als Jüdisches Museum für Demokratie und Diversitätssensibilität einsetzen – und machen damit in der gegenwärtigen Situation eine politische Aussage, die die Relevanz unserer Museumsarbeit unterstreicht.“
 
Weitere Themen im aktuellen UniReport:
 
- Wie geht es den Promovierenden der Goethe-Universität? Die Längsschnittstudie NACAPS untersucht Karriereverläufe von Doktorand*innen.
-  Zwischen Botschaften im Notbetrieb, Visahandel und Quarantänepflicht: Viele Studienbewerber müssen um ihr Auslandsstudium an der Goethe-Universität bangen.
- Das Sinnliche im Analytischen: Die Lyrikerin Monika Rinck übernimmt im Wintersemester die Poetikdozentur an der Goethe-Universität.
- Die Abgründe des Niedlichen: Die Ausstellung „#cute – Inseln der Glückseligkeit?“ beleuchtet ein schillerndes Phänomen der Gegenwart in Kunst und Alltag.
- Homeoffice verschärft Ungleichheit: Die Soziologin Prof. Sarah Speck über die Folgen der Corona-Krise für die Arbeitswelt aus geschlechtersoziologischer Sicht.
- Mikroskopie für Fortgeschrittene sucht exzellenten Nachwuchs: Graduiertenkolleg bringt Lebenswissenschaften, Physik und Informatik näher.
- Goethe, Deine Forscher: Prof. Cornelius Krellner, Leiter des Kristall- und Materiallabors des Fachbereichs Physik.
- „Inklusion erfordert multiprofessionelle Perspektiven“: Prof. Vera Moser besetzt die neue „Kathrin und Stefan-Quandt-Stiftungsprofessur für Inklusionsforschung“.
- „Trump ist kein typischer Populist“: Der Politikwissenschaftler Prof. Hans-Jürgen Puhle forscht zu historischen und aktuellen Erscheinungsformen von Populismen.
- „Ein Bruch zwischen den USA und Europa hätte gravierende Auswirkungen“: Fragen an den Politikwissenschaftler Prof. Gunther Hellmann zur Bad Homburg Conference 2020 im Forschungskolleg Humanwissenschaften.
- Literarische Landschaften: Kulisse oder Teil des menschlichen Dramas? Prof. Bernhard Malkmus von der Universität Newcastle ist Humboldt-Fellow an der Goethe-Universität.
- Die afrikanische Perspektive sichtbar machen: Die Frankfurter Afrikanistik engagiert sich am Maria Sibylla Merian Institute in Ghana.
- Jugendliteratur in Zeiten von Umbrüchen und Krisen: Die Schweizer Literaturwissenschaftlerin Dr. Manuela Kalbermatten arbeitet seit April am Institut für Jugendbuchforschung.
- Kaffee für Individualisten: Das Start-up „STIL BRUCH“ bietet Freunden der hochwertigen Bohne spezielle Geschmacksrichtungen, die nachhaltig produziert werden.
 
Der UniReport 5/2020 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe.

 

Okt 22 2020
11:38

Wirtschaftswissenschaftler wollen mit ihrem Gutachten zur Versachlichung der Debatte infolge des Wirecard-Skandals beitragen

Prüfverfahren der BaFin grundsätzlich gebilligt

Ist das bisherige Bilanzprüfverfahren den Aufgaben gewachsen? Dazu haben die Wirtschaftswissenschaftler Hans-Joachim Böcking (Goethe-Universität) und Marius Gros (Hochschule Niederrhein) im Auftrag der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein Gutachten erstellt.

FRANKFURT. Das zweistufige Enforcementsystem („Bilanzkontrolle“) ist 2005 installiert worden, vorausgegangen waren mehrere Bilanzskandale: Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR), ein privatrechtlicher Verein, prüft die vorgelegten Konzernbilanzen als erstes. Die BaFin tritt regelmäßig nur dann als zweite Instanz auf, wenn das Unternehmen nicht kooperationsbereit ist oder die von der DPR beanstandeten Fehler abstreitet.

Dieses System kann durchaus auch im Falle eines Betrugsverdachts funktionieren, dies entspräche der vom Gesetzgeber intendierten Aufgabenverteilung zwischen privater und staatlicher Stelle. Denn die eigenständig und unabhängig von der BaFin agierende Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) sei mit ausreichenden Kompetenzen ausgestattet, auch vertrauliche Informationen anzufordern sowie ggf. die Staatsanwaltschaft einzuschalten, meinen Prof. Dr. Hans-Joachim Böcking und Prof. Dr. Marius Gros. Auch die finanzielle Ausstattung der DPR sei genügend, um bei Bedarf zusätzliche externe Prüfer hinzuziehen. Daher seien die derzeitigen Möglichkeiten der BaFin begrenzt, ein Verfahren an sich zu ziehen. Verbesserungswürdig sei das Verfahren hinsichtlich seiner Transparenz auf der ersten Stufe.

Beauftragt wurden die beiden Wissenschaftler von der BaFin. Hintergrund waren die Vorwürfe gegen die Behörde, sie hätte die Bilanzprüfung bei Wirecard in Anbetracht der Betrugsvorwürfe gegen den Zahlungsdienstleister früher übernehmen müssen, um Schaden abzuwenden. Um die Diskussion zur Reform der Bilanzkontrolle und die Rolle von BaFin und DPR im Rahmen des „Fall Wirecard“ zu versachlichen, haben Böcking und Gros die BaFin gebeten, das Gutachten veröffentlichen zu dürfen.

Das „Gutachten zur Prüfung der Rechtsauffassung der BaFin, dass die DPR nach § 342b Abs. 4 HGB auch dann auf erster Stufe prüfen muss und kann, wenn mögliche Betrugshandlungen (einschließlich möglicher Betrugshandlungen durch das Management) im Raum stehen“ sowie eine gekürzte Zusammenfassung und einen Onepager können Sie unter den folgenden Links herunterladen:
https://www.accounting.uni-frankfurt.de/index.php?id=5827 


Ein Bild von Prof. Hans-Joachim Böcking zum Download unter: http://www.uni-frankfurt.de/93435517

Bildunterschrift: Hans-Joachim Böcking hat an der Goethe-Universität die Professur für BWL, insb. Wirtschaftsprüfung und Corporate Governance, inne. (Foto: Uwe Dettmar).

Weitere Informationen
Prof. Dr. Hans-Joachim Böcking
Professur für BWL, insb. Wirtschaftsprüfung und Corporate Governance
Abteilung für Rechnungswesen
Goethe-Universität
Telefon 069 798-34749
E-Mail hj.boecking@wiwi.uni-frankfurt.de
http://www.accounting.uni-frankfurt.de/professoren/professur-boecking/startseite.html

 

Okt 22 2020
11:11

​Frankfurter Althistoriker folgt Martin Schulze Wessel an der Spitze des renommierten Instituts

Hartmut Leppin übernimmt Vorsitz am Historischen Kolleg

FRANKFURT. Prof. Dr. Hartmut Leppin, Althistoriker an der Goethe-Universität, ist vom Kuratorium des Historischen Kollegs zu seinem neuen Vorsitzenden gewählt worden. Die Amtszeit beträgt zwei Jahre. Leppin folgt in diesem Amt auf Prof. Dr. Martin Schulze Wessel, der satzungsgemäß nach zehn Jahren aus dem Gremium ausgeschieden ist.

Das Historische Kolleg wurde 1980 vom Stiftungsfonds der Deutschen Bank und vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gegründet und hat seinen Sitz in München. Träger ist die Stiftung zur Förderung der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und des Historischen Kollegs. Die Grundausstattung wird seit dem Jahr 2000 vom Freistaat Bayern finanziert, für die Forschungsstipendien werden private Zuwendung eingesetzt. Die Fellowships des Historischen Kollegs erlauben es Forscherinnen und Forschern, ungestört an großen Buchprojekten zu arbeiten. Das Historische Kolleg verleiht für herausragende Historikerinnen und Historiker den Preis des Historischen Kollegs. Zudem ist der Internationale Forschungspreis der Max Weber Stiftung am Institut angesiedelt. „Es ist eine große Ehre, dieses traditionsreiche Institute for Advanced Study zu leiten. Meine wichtigste Aufgabe wird sein, die Freiräume zu bewahren, die Internationalität voranzutreiben und das Kolleg als einen Ort hoher wissenschaftlicher Produktivität und anspruchsvollen wissenschaftlichen Austauschs sichtbar zu machen“, sagt Leppin.

Hartmut Leppin, Jahrgang 1963, hat in Marburg, Heidelberg und Pavia Geschichte, Latein, Griechisch und Erziehungswissenschaften studiert. 1990 wurde er in Marburg promoviert, 1995 folgte die Habilitation an der Freien Universität Berlin. Seit 2001 lehrt Leppin als Professor an der Goethe-Universität Alte Geschichte. Mehrere Rufe an andere Universitäten schlug er aus. Für 2015 wurde ihm der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis zugesprochen, 2019 erhielt er für seine Forschungen zur „Polyphonie des frühen Christentums“ den Erwin-Stein-Preis. Sein aktueller Forschungsschwerpunkt ist die Spätantike und dabei besonders die Christianisierungsprozesse.
 

Ein Bild von Prof. Leppin finden Sie zum Download unter: http://www.uni-frankfurt.de/93435465

Weitere Informationen
Prof. Dr. Hartmut Leppin
h.leppin@em.uni-frankfurt.de

 

Okt 22 2020
10:36

​Internationale virtuelle Konferenz an der Goethe-Universität befasst sich mit dem Verhältnis von Sprache und Architektur

Architecture_Metaphor

Die internationale Konferenz mit dem Titel „Architecture_Metaphor“ betrachtet aus unterschiedlichen Perspektiven das Zusammenspiel zwischen Architektur und Metaphorik.
 

FRANKFURT. Sowohl der allgemeine Sprachgebrauch als auch die unterschiedlichsten Fachsprachen greifen vielfach auf architektonische Metaphern zurück. Die meisten Menschen nehmen es jedoch allenfalls beiläufig wahr, wenn von „Softwarearchitekten“, „Gedankengebäuden“, „Säulen der Gesellschaft“ oder „Gehirnarchitektur“ die Rede ist oder davon gesprochen wird, dass jemand eine Fassade vor sich herträgt. Andererseits sind Metaphern auch in der Architektur und Urbanistik vorzufinden, wo sie für die Entwicklung von Entwurfskonzepten herangezogen werden oder für die Kommunikation über die Besonderheiten bestimmter Entwürfe: Da wird von „kristallinen Gebäuden“ gesprochen, vom „Gewebe einer Stadt“ oder – wie von dem bekannten Architekten Le Corbusier – von Häusern als „Wohnmaschinen“.
 
Die internationale Konferenz „Architecture_Metaphor“
 
von 5. bis 7. November
auf der Online-Plattform Zoom

 
wird das Zusammenspiel zwischen Architektur und Metaphern aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Welche Relevanz Metaphern in und für die Wissensproduktion in den Bereichen Architektur und Urbanistik haben und wie sie sich sowohl auf die Entwurfspraxis als auch auf theoretische Diskurse auswirken, darüber sprechen und diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Europa, Afrika, Asien, den USA und Lateinamerika. Dabei interessieren Metaphern als produktive Mediatoren in Prozessen des Wissenstransfers zwischen architektonischen und alltäglichen Wissensbeständen, genauso wie zwischen Architektur und anderen professionellen Diskursen. Metaphern können helfen, die Bedeutung von Architektur in gesellschaftlichen Ordnungsprozessen näher zu beleuchten. Die Tagung findet in englischer Sprach statt.
 
Organisiert wird die Konferenz von dem interdisziplinären LOEWE-Schwerpunkt „Architekturen des Ordnens“, einem Gemeinschaftsprojekt der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Technischen Universität Darmstadt, sowie dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte und dem Deutschen Architekturmuseum als assoziierte Partner.
 
 
Weitere Informationen:
architecture.metaphor@gmail.com
Programm und Registrierung unter https://www.architecture-metaphor.org/

 

Okt 21 2020
14:44

​Deutsche Gesellschaft für Zellbiologie zeichnet Biochemiker Christian Münch von der Goethe-Universität aus

Wissenschaftspreis für Erforschung von Zellstress

Für seine Forschungsarbeiten zu den Stressantworten von Zellen wurde jetzt Dr. Christian Münch vom Institut für Biochemie II der Goethe-Universität mit dem diesjährigen Binder Innovationspreis der Deutschen Gesellschaft für Zellbiologie ausgezeichnet. Mit neuen, selbst entwickelten Verfahren beobachten Christian Münch und sein Team, wie Zellen auf Stress reagieren, etwa auf die Infektion mit SARS-CoV-2-Viren oder auf Fehlfaltung von Proteinen, die in neurodegenerativer Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer vorkommt. Der Preis wird am 10. November bei einer Online-Veranstaltung der Gesellschaft verliehen.

FRANKFURT. Wenn das SARS-CoV-2-Virus eine menschliche Zelle infiziert, setzt diese verschiedene Abwehrmechanismen in Gang. Gleichzeitig beginnt das Virus, die Zelle auf die Herstellung neuer Virenpartikel hin umzuprogrammieren und dafür zu sorgen, dass die Abwehr der Zelle unterlaufen werden kann. Der Biochemiker Dr. Christian Münch hat zur Beobachtung solch schneller und komplexer Prozesse eine besondere Form der Massenspektrometrie entwickelt, die so genannte mePROD-Methode. Mit ihr lässt sich die Menge und Herstellungsrate von tausenden Proteinen bestimmen, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zelle befinden.

Im Fall von SARS-CoV-2 konnten so potenzielle Angriffspunkte für Wirkstoffe entdeckt werden, die in der Zellkultur auf verschiedenen Wegen die Virusvermehrung reduzierten oder stoppten, darunter 2-Deoxy-D-Glukose, Ribavirin, Sorafenib, Pictilisib, Omipalisib und RO5126766. Mehrere dieser und verwandter Wirkstoffe werden mittlerweile in klinischen Studien getestet.

In weiteren Forschungsarbeiten befassen sich Christian Münch und sein Team mit neurodegenerativen Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer. In den Nervenzellen solcher Patienten sind Proteinfaltungsprozesse gestört, was zu Fehlfunktionen und schließlich zum Absterben der Zellen führt. Münchs Forschungen untersuchen die Zellantwort auf diesen Stress, insbesondere hinsichtlich veränderter Proteinherstellungsraten und der Auswirkungen auf Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle.

Der Binder Innovationspreis wird seit 1998 jährlich von der Deutschen Gesellschaft für hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der Zellbiologie verliehen und ist mit 4.000 Euro dotiert. Das Preisgeld wird von der Binder GmbH gestiftet, einem weltweit aktiven Spezialisten für Simulationsschränke für wissenschaftliche und industrielle Labore.

Dr. Christian Münch studierte Biochemie an der Universität Tübingen und den Max-Planck-Instituten in Martinsried und Tübingen. Er promovierte an der University of Cambridge über defekte Proteinfaltung bei der amyotrophen Lateralsklerose. Danach untersuchte er als Postdoc an der Harvard Medical School die Auswirkungen falsch gefalteter Proteine in Mitochondrien. Seit 2016 arbeitet er als unabhängiger Gruppenleiter im Institut für Biochemie II der Goethe-Universität Frankfurt.


Jüngste Forschungsmeldungen über Dr. Christian Münchs Arbeiten:

Detaillierter Einblick in die gestresste Zelle
https://www.muk.uni-frankfurt.de/83972844/Detaillierter_Einblick_in_die_gestresste_Zelle

Blockade zellulärer Kommunikation stoppt SARS-CoV-2

https://www.muk.uni-frankfurt.de/91312082/Blockade_zellul%C3%A4rer_Kommunikation_stoppt_SARS_CoV_2

Frankfurter Forscher entdecken Ansatzpunkte für COVID-19-Therapie

https://www.muk.uni-frankfurt.de/88372211/Frankfurter_Forscher_entdecken_Ansatzpunkte_f%C3%BCr_COVID_19_Therapie

 
Bilder zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/93374838

Bildtext:
Dr. Christian Münch, Institut für Biochemie, Goethe-Universität Frankfurt. Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität

Wissenschaftlicher Kontakt:

Dr. Christian Münch
Leiter der Forschergruppe Münch
Institut für Biochemie II, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Tel: +49 (0) 69 6301 6599,
ch.muench@em.uni-frankfurt.de
http://pqc.biochem2.de

 

Okt 21 2020
13:59

​Interdisziplinäres Zentrum ICIR an der Goethe-Universität wird bis 2025 weiter gefördert

Rückenstärkung für Versicherungsforschung

FRANKFURT. Die Goethe-Universität wird als Zentrum der Versicherungsforschung weiter gestärkt: Das International Center for Insurance Regulation (ICIR), das seit 2010 als interdisziplinäres Zentrum der Goethe-Universität im House of Finance tätig ist, kann seine Arbeit fortsetzen. Die Geldgeber, der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft und das Land Hessen, haben Fördermittel für weitere fünf Jahre zugesagt.

Was wird aus unserer Altersvorsorge angesichts des demographischen Wandels? Wie wirkt sich die Digitalisierung auf den Versicherungsbereich und dessen Regulierung aus? Mit solchen Fragen wird sich das ICIR in den nächsten fünf Jahren weiter beschäftigen. Seit seiner Gründung im Jahr 2010 steht es für international sichtbare Forschung im Bereich Versicherung und Versicherungsregulierung. Hier wird Grundlagenforschung im Zusammenspiel der beteiligten Disziplinen betrieben, aber auch angewandte Forschung und Politikberatung. Ein wichtiger Teilbereich der ICIR-Forschung ist dabei die wissenschaftliche Begleitung der Versicherungsregulierung „Solvency II“, insbesondere durch die Zusammenarbeit mit der in Frankfurt ansässigen europäischen Versicherungsaufsichtsbehörde EIOPA.

Durch exzellente Lehre im Themenbereich Versicherung und Regulierung in BA- und MA-Programmen werden Nachwuchskräfte für Regulierungs- und Aufsichtsbehörden sowie die Versicherungswirtschaft ausgebildet. Das ICIR fördert zudem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der frühen Berufsphase und setzt sich für den Austausch zwischen Wissenschaft, Regulierungs- und Aufsichtsbehörden, der Versicherungswirtschaft und der Gesellschaft ein – nicht zuletzt mit Hilfe von internationalen Veranstaltungsformaten wie jüngst dem „Digital Policy Forum“ oder der großen internationalen Konferenz zu „Global Insurance Supervision“.

Statements zum ICIR

Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität: „Das ICIR ist ein zentraler Zweig interdisziplinärer Forschung im House of Finance der Goethe-Universität. Durch die Forschung am ICIR und die Vernetzung mit den Regulierungsbehörden und der Praxis werden drängende aktuelle Fragestellungen des Versicherungswesens und der Regulierung schnell und effizient in Angriff genommen.“

Angela Dorn, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst: „Der Finanzplatz Frankfurt ist ein wichtiges Zentrum der europäischen Finanzwelt: Hier sitzen Organisationen wie die Europäische Zentralbank oder die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung EIOPA, die die Finanzmärkte regulieren und beaufsichtigen. Wir als Hessische Landesregierung setzen uns dafür ein, diese Institutionen mit den wissenschaftlichen Einrichtungen Frankfurts zu vernetzen. Das ‚International Center for Insurance Regulation' bereichert mit internationaler Spitzenforschung die Regulierungsdebatte – auch unter dem Aspekt des Klimaschutzes: Angesichts zunehmender Unwetterereignisse wird auch der Klimawandel zum bestimmenden Thema. Das ICIR bringt sich ein, wie Geschäftsmodelle der Versicherungsbranche im Sinne der Nachhaltigkeit weiterentwickelt und zukunftsfester gemacht werden können.“

Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV): „Die Förderung der versicherungswissenschaftlichen Forschung und des wissenschaftlichen Nachwuchses ist den deutschen Versicherern sehr wichtig. Wir leben in einer zunehmend komplexen Welt, in der die Versicherungswirtschaft im Austausch mit der Wissenschaft einen wesentlichen Beitrag zum Umgang mit den neuen Risiken leisten kann. Angesichts zahlreicher Herausforderungen wie der Nachhaltigkeit, der Cybersicherheit, oder der zahlreichen Gefahren für die Finanzstabilität braucht es Grundlagenforschung mit einem klaren Praxisbezug. Hier sehen wir das ICIR weiterhin sehr gut aufgestellt.“

Prof. Dr. Wolfram Wrabetz, Beauftragter der Hessischen Landesregierung für den Versicherungsbereich: „Die wissenschaftliche Begleitung des Versicherungsaufsichts-Regimes Solvency II durch das in der EU einmalige ICIR, dessen Fortbestand jetzt für die nächsten Jahre gesichert werden konnte, ist für Millionen von Versicherten in ganz Europa von großer unmittelbarer Bedeutung und unterstreicht die finanzwissenschaftliche Kompetenz der Goethe-Universität Frankfurt am Sitz der Europäischen Zentralbank und der Europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA.“

Prof. Dr. Helmut Gründl, Managing Director ICIR: „Ich freue mich sehr auf die kommenden fünf Jahre im ICIR. Durch unsere Forschung und den internationalen Austausch wollen wir weiterhin wichtige Themenfelder wie aktuell den Einfluss der Covid-19-Krise auf die Versicherungswirtschaft bearbeiten und nachhaltige Lösungsvorschläge unterbreiten. Den Förderern des ICIR danke ich ganz herzlich für ihr Vertrauen in unsere Arbeit.“

Prof. Dr. Klaus Günther, Dekan des Fachbereichs 01 – Rechtswissenschaft: „Der Fachbereich Rechtswissenschaft freut sich, das ICIR für den wichtigen Bereich des Rechtsrahmens der Versicherungsregulierung, gefördert durch eine halbe Doktorandenstelle, auch zukünftig zu unterstützen.“

Prof. Dr. Raimond Maurer, Fachbereich 02 – Wirtschaftswissenschaften: „Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften und ich persönlich freuen uns sehr darüber, dass die erfolgreiche Arbeit des International Center for Insurance Regulation ICIR auch in den kommenden fünf Jahren fortgeführt werden kann. Am Standort der europäischen Versicherungsaufsichtsbehörde EIOPA wird das ICIR die Fortentwicklung der europäischen Versicherungsregulierung weiterhin wissenschaftlich fundiert begleiten. Ich danke den Sponsoren ganz herzlich für das Vertrauen, das sie mit der Weiterfinanzierung des ICIR der Goethe-Universität entgegenbringen.“


Informationen: Prof. Dr. Helmut Gründl, Managing Director International Center for Insurance Regulation, Fachbereich 02, House of Finance, Telefon +49 69 798 33690, E-Mail gruendl@finance.uni-frankfurt.de

 

Okt 20 2020
13:07

Überwiegend digitale Veranstaltungen für die Bürgerinnen und Bürger aus Stadt und Region

Frankfurter Bürger-Universität startet mit neuem Programm ins Wintersemester

Die Goethe-Universität gibt Impulse an die Menschen in der Stadt. Die Bürgerinnen und Bürger wiederum besuchen die Universität. Diese Idee eines Dialogs zwischen Universität und Stadt ist in Pandemiezeiten schwer umzusetzen. Und dennoch: Die Frankfurter Bürger-Universität bietet für das Wintersemester ein – überwiegend digitales – Programm an.  

FRANKFURT. Sie ist noch etwas schmal, aber sie ist wieder da: die Bürger-Universität, also Veranstaltungen, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für Bürgerinnen und Bürger der Stadt und Region anbieten. Nach einem Semester pandemiebedingt „ohne“ ist sie ein Zeichen dafür, dass die Universität wieder vorsichtig in die Öffentlichkeit zurückkehrt und mit den Bürgerinnen und Bürgern Kontakt aufnimmt.

Vieles geht unter Pandemiebedingungen nicht – und manches geht eben doch. So kann sich das teils prominent besetzte Programm des Wintersemesters sehen lassen. Es spannt einen weiten Bogen von der Gestaltungsmacht in weiblichen Spitzenpositionen zu Perspektiven der Sozialdemokratie, vom Theater und der Krise der Demokratie bis hin zur Poetikvorlesung Monika Rincks, von naturwissenschaftlichen Fragen an das Anthropozän bis zu Campusführungen (in Präsenz!) und Ausstellungen wie etwa im Museum Giersch. Angeboten werden Ringvorlesungen etwa zur deutschen Literaturgeschichte, zur „Intersektionalität“ im feministischen Diskurs und zur „Erblast Mission“ für das Christentum oder Kolloquien zu Ethik und Ethiken im Nationalsozialismus.

Manche Veranstaltungen knüpfen unmittelbar an die gegenwärtige Situation an: Sie fragen etwa, wie wichtig mathematische Modelle für das Verständnis von Viren und Epidemien sind. Andere greifen nicht weniger dringliche Fragen unserer Gesellschaft auf: Sie stellen sozial-ökologische Überlegungen zum „Planet Plastik“ an, fragen nach der Machtverschiebung durch Algorithmen und Künstliche Intelligenz, welches Theater die Stadt braucht und wie bedeutend eine Konfliktkultur für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist.

Die meisten Veranstaltungen sind digital geplant, etwa per Zoom und Youtube, oder sie finden parallel mit einer stark beschränkten Präsenz bei gleichzeitig digitalem Zugang statt. Unter den gegebenen Pandemiebedingungen sind zudem Programmänderungen möglich. Interessierte sollten sich deshalb vorab unter den jeweiligen Kontaktadressen informieren: Findet die Veranstaltung wie geplant statt, und in welcher Weise ist eine Teilnahme möglich?

Das Programm der Frankfurter Bürger-Universität liegt an einschlägigen Stellen in der Stadt aus und ist auf der Webseite der Universität einsehbar unter: https://www.buerger.uni-frankfurt.de/93061156.pdf

Informationen: Abteilung PR & Kommunikation, Pia Barth, Tel. 069/798-12481, p.barth@em.uni-frankfurt.de.