​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Jun 1 2021
12:30

Wirtschaftswissenschaftler der Goethe-Universität entwickeln KI zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Brokern und Anlageberatern

Wie Fehlverhalten am Kapitalmarkt aufgedeckt werden kann

Seriös oder unseriös? Wenn Broker und Anlageberater in berufsbezogenen sozialen Netzwerken ihr Profil besonders aufpolieren, neigen sie auch im Berufsalltag eher zu betrügerischem Verhalten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Wirtschaftswissenschaftlern der Goethe-Universität, die Machine-Learning-Modelle entwickelt haben, um die Glaubwürdigkeit sozialer Profile von Brokern und Anlageberatern zu überprüfen. Die Studie wurde von der renommierten Fachzeitschrift „Journal of the Association for Information Systems“ mit dem Best Paper Award des Journals für das Jahr 2020 ausgezeichnet. 

FRANKFURT. Privatanleger, die auf dem Finanzmarkt aktiv werden wollen, sind meist auf Broker und Anlageberater angewiesen – und darauf, ihnen zu vertrauen. Doch einige dieser Finanzintermediäre stellen ihren Profit über das Interesse ihrer Kunden und verursachen so für Privatkunden jährlich Schäden in Milliardenhöhe. Diese Schäden schwächen zudem das Vertrauen in das Finanzsystem selbst. 

Privatkunden wie Aufsichtsbehörden haben deshalb ein Interesse daran, die Glaubwürdigkeit von Brokern und Anlageberatern genauer zu ermitteln. Zwar müssen sich Broker und Anlageberater bei ihrer Registrierung den Aufsichtsbehörden gegenüber professionell ausweisen, doch bietet dieser Ausweis offenkundig keinen ausreichenden Schutz vor Fehlverhalten und Betrug. Forscher der Goethe-Universität setzen nun bei der Kontrolle der Finanzintermediäre selbst ein: Auf Basis von Daten US-amerikanischer Broker und Anlageberater zeigen die Forscher, dass von Finanzintermediären selbst veröffentlichte Informationen in beruflichen sozialen Netzwerken dafür genutzt werden können, unseriöse Akteure zu identifizieren. Dabei gehen die Forscher von der in der Psychologie theoretisch begründeten Annahme aus, dass sich vertrauenswürdige Personen kohärent verhalten, das heißt: auch in sozialen Netzwerken vertrauenswürdig agieren. Kurz: Sie bluffen nicht - oder weniger. 

Die Wissenschaftler um den Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. Peter Gomber interessierten sich vor allem für berufliche soziale Netzwerke wie etwa LinkedIn oder Xing; dort veröffentlichen Broker und Anlageberater routinemäßig persönliche Informationen – um sich zu profilieren, Kontakte zu pflegen, ihr Netzwerk weiterzuentwickeln, vor allem aber auch, um potenzielle Kunden zu werben. Diese Profile setzen die Wissenschaftler mittels selbstlernender Algorithmen in Korrelation zu Datenbanken aufgedeckter Betrugsfälle, die von der US-Aufsichtsbehörde öffentlich zur Verfügung stehen. 

Die Ergebnisse der Machine-Learning-Modelle ergeben ein klares Muster: Informationen in beruflichen sozialen Netzwerken sind vor allem dann für die Klassifizierung von fehlverhaltenden und nicht fehlverhaltenden Finanzintermediären von Bedeutung, wenn sie durch andere Netzwerkakteure bestätigt werden – vor allem durch Behörden, die Informationen zum vergangenen Verhalten der Intermediäre offenlegen. Informationen, die für die externe Verifizierung der Profilinformationen genutzt werden können, können nämlich nur schwer manipuliert werden und sind somit besonders aussagekräftig bzw. helfen, Unstimmigkeiten zwischen Profilinformationen und behördlichen Informationen aufzudecken. Das Ergebnis der Studie ist besonders für Finanzmarktkontrolleure von Bedeutung: Sie können die Erkenntnisse etwa nutzen, um eigene Modelle für die Finanzmarktüberwachung zu trainieren oder bereits vorhandene Modelle zu erweitern und damit effizient zu gestalten. Indem sie unseriöse Broker und Anlageberater früher erkennen bzw. besser kontrollieren, können sie Betrugsfällen und anderem Fehlverhalten – und damit auch finanziellen Schäden - vorbeugen. 

Die Studie der Frankfurter Wirtschaftswissenschaftler wurde im renommierten „Journal of the Association for Information Systems" (JAIS) veröffentlicht und mit dem Best Paper Award des Journals für das Jahr 2020 ausgezeichnet. JAIS ist eine führende internationale wissenschaftliche Zeitschrift in Information Systems und im „AIS Senior Scholars' Basket of Journals“ enthalten, das die weltweit acht Top-Information Systems-Journals umfasst. 

Publikation: Jens Lausen, Benjamin Clapham, Michael Siering, Peter Gomber (2020), “Who Is the Next "Wolf of Wall Street"? Detection of Financial Intermediary Misconduct". In: Journal of the Association for Information Systems 21.5, pp. 1153–1190. https://aisel.aisnet.org/jais/vol21/iss5/7. 

Weitere Informationen

Prof. Dr. Peter Gomber
Professur für e-Finance
gomber@wiwi.uni-frankfurt.de 

Dr. Benjamin Clapham
clapham@wiwi.uni-frankfurt.de 

Jens Lausen
lausen@wiwi.uni-frankfurt.de 

Dr. Michael Siering 
siering@wiwi.uni-frankfurt.de

Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 31 2021
14:30

Die UB Frankfurt digitalisiert mit Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft über 550 Bände der beim Frankfurter Bürgertum beliebten Wochenzeitung von 1722 bis 1934. 

DFG fördert die Digitalisierung des „Frankfurter Intelligenzblattes“

FRANKFURT. In der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg ist ein Großteil der seit 1615 in Frankfurt erschienen Zeitungen und Zeitschriften überliefert. Das „Frankfurter Intelligenzblatt“ ist eine der wichtigsten Quellen für die Wirtschafts- und Kulturgeschichte Frankfurts im 18. und 19. Jahrhundert. Das erstmalig 1722 unter dem Titel „Wochentliche Franckfurter Frag- und Anzeigungs-Nachrichten“ erschienene Inseratenblatt entwickelte sich rasch zum alltäglichen und geschätzten Begleiter der hiesigen Bürgerschaft und wurde aufgrund der überregionalen Bedeutung der Stadt auch weit darüber hinaus gelesen. 

Die Zeitung, die unter wechselnden Namen bis 1934 erschien, stellt mit einer Laufzeit von über 200 Jahren eine unersetzliche Ressource für die Erforschung der Alltags-, Medien und Konsumgeschichte eines der bedeutendsten urbanen Zentren Deutschlands dar. Die vielen Werbeanzeigen, privaten und offiziellen Bekanntmachungen sowie literarischen Beilagen sind unmittelbarer Ausdruck der sozio-kulturellen Identitäten des Frankfurter Bürgertums sowie des historischen Gedächtnisses der Stadt. Die Zeitung bietet einen reichen Fundus an Informationen nicht nur für die Wissenschaft, sondern darüber hinaus auch für eine breite interessierte Öffentlichkeit.

In dem von der HeBIS-Verbundzentrale koordinierten DFG-Projekt „Digitalisierung historischer Zeitungen Hessens“ wird das „Frankfurter Intelligenzblatt“ nun mit einem Volumen von insgesamt 700.000 Seiten durch einen externen Dienstleister digitalisiert. Neben der UB Frankfurt sind außerdem auch die HLB Fulda, die UB Gießen, die UB Marburg und die HLB Rhein-Main in Wiesbaden beteiligt. In diesem Vorhaben werden diverse hessische Zeitungen, Intelligenz- und Kreisblätter sowie Zeitungen der Revolutionsjahre 1848/49 digitalisiert, mit Volltexterkennung erschlossen und auf einem gemeinsamen Portal präsentiert. Insgesamt wird durch die DFG die Digitalisierung von 1,2 Millionen Zeitungsseiten gefördert. 

Ein Beispiel für eine bereits digitalisierte Ausgabe der Zeitung in den Digitalen Sammlungen der UB Frankfurt - „Frankfurter Nachrichten und Intelligenzblatt“ (Abendausgabe) vom 11.11.1918: http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/periodika/periodical/pageview/7244195 

Weitere Informationen: Dr. Mathias Jehn, Leiter der Abteilung Bestandserhaltung und Digitalisierung sowie des Archivzentrums, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg. Tel. (069) 798 39007; m.jehn@ub.uni-frankfurt.de

Kontakt für Pressefragen allgemein: Bernhard Wirth, Stabsstelle Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49 (69) 798 39223; Mail: b.wirth@ub.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 28 2021
12:47

Im aktuellen UniReport kommen Studierende zu Wort, die über ihren Umgang mit der Corona-Pandemie berichten. Trotz Reisebeschränkungen sind auch einige internationale Studierende vor Ort in Frankfurt.

An den digitalen Lehrbetrieb gewöhnt: Studis freuen sich aber auf die Präsenzuni

FRANKFURT. Seminare in Präsenz, Treffen mit Kommiliton*innen auf dem Campus, gemeinsame Aktivitäten auch außerhalb des Lehrbetriebs: Studierende an der Goethe-Universität blicken angesichts der Lockerungen nach vorne und freuen sich auf den Präsenzbetrieb im Wintersemester, den die Goethe Universität allmählich vorbereitet.   Im aktuellen UniReport kommen Studis zu Wort, die erst seit wenigen Semestern an der Goethe-Universität studieren. Sie berichten von ganz unterschiedlichen Erfahrungen. Viele können dem Online-Lehrbetrieb viel abgewinnen, genießen die Zeit- und Ortsunabhängigkeit. Andere wiederum tun sich schwer, sich ohne direkte Kontakte zu anderen Studierenden im digitalen Studium zurechtzufinden. Einigen sind die Studentenjobs weggebrochen; auf einen Umzug in eine eigene Bude haben viele erst einmal verzichtet. Nahezu alle Studierenden sind aber neugierig, wie sich ein Studentenleben auf dem Campus anfühlen wird.

Für internationale Studierende oder Gaststudierende stellt die Corona-Pandemie vor allem eine Einschränkung der Mobilität dar. Es gibt derzeit keine wirkliche Planungssicherheit, in den meisten Ländern gelten Reisebeschränkungen, es gibt wenig oder gar keine Visumstermine. Absagen oder Verschiebungen sind die Folge. Internationale Studierende, die sich in Deutschland aufhalten, nutzen schon lange digitale Kommunikationsmedien, um den Kontakt zu Familie und Freunden in der Heimat aufrechtzuerhalten. Aber Vorlesungen und Seminare in Präsenz empfänden die meisten als Bereicherung – man hofft auf eine Rückkehr zum normalen Lehrbetrieb im nächsten Semester.   

Weitere Themen im aktuellen UniReport:

- Wenn Eminenz wichtiger als Evidenz ist: Der diesjährige Goethe-Medienpreis geht an drei SZ-Journalisten, die den spektakulären Fall eines fehlerhaften Papers im Bereich der Hirnforschung aufgeklärt haben.
- Studium der Lebewesen: Im Masterprogramm „Ökologie und Evolution“ wird Diversität großgeschrieben.
- Verdienste auf vielen Feldern: Der Zell-Biologe Jürgen Bereiter-Hahn ist 80 Jahre alt geworden.
- Interessiert am Stadtleben: Susanne Heeg, Humangeographin.
- Die Rückkehr der „Dinge“: Die Soziolog*innen Katharina Hoppe und Thomas Lemke über ihren Einführungsband zu den „Neuen Materialismen“.
- „Wir könnten Gesellschaft auch anders einrichten“: Der Soziologe Stephan Lessenich über seine neuen Aufgaben an der Goethe-Universität und am Institut für Sozialforschung.
- Hirse in Indien, Sparen in Äthiopien, Forschungsgeschichte in Australien: Am Frobenius-Institut gehen drei neue, von der DFG geförderte Projekte an den Start.
- „Der Müll, die Stadt und der Tod“, Erinnerung an einen Theaterskandal: Fragen an den Theaterwissenschaftler Nikolaus Müller-Schöll.
- Wenn die Konjunktion plötzlich gebeugt wird: Der Linguist Günther Grewendorf hat dem sprachlichen Reichtum des Bairischen ein ganzes Buch gewidmet.
- Ein Festakt im virtuellen Raum: 40 Jahre Japanologie am Fachbereich Sprach- und Kulturwissenschaften
- Alfred Landé – Der vergessene Pionier: Vor 100 Jahren löste der Physiker in Frankfurt ein Rätsel der Quantentheorie.
- Harmonie und Verunsicherung: Drei Fragen zur Bundestagswahl an den Politikwissenschaftler Thomas Zittel.
- In Transit|ion: Lesung und Gespräch mit Yann Martel, Autor von „Schiffbruch mit Tiger“.
- Ästhetik unter den Bedingungen des Spätkapitalismus: Westberg-Vorlesungen 2021 mit der Literaturwissenschaftlerin Sianne Ngai (Chicago).
- Feminismus und Islam? Helma Lutz, Marianne Schmidbaur und Meltem Kulaçatan über die Genese der Vorlesungsreihe „Whose Gender? Whose Sex? Zur Polyvalenz der Geschlechterverhältnisse im Islam“.
- Jubiläum: Über 500 000 Literaturnachweise in der „Bibliographie der deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft (BDSL)“.

Der UniReport 3/2021 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 28 2021
12:03

Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität wird Partner des Ausstellungsprojekts „tinyBE • living in a sculpture“ – tinyBE-Info-Box informiert ab dem 28. Mai auf dem Campus Westend

Wissenschaft trifft Kunst zum Wohnen

Welche Orte brauchen wir zum Leben und Arbeiten? Wie groß, wie klein kann der Raum für ein erfülltes und nachhaltiges Leben sein? Die Ausstellung tinyBE – vom 26. Juni bis 26. September im Frankfurter Metzler Park – greift diese Fragen mit bewohnbaren Skulpturen internationaler Künstler:innen auf. Eine digitale Info-Box informiert vorab über das Projekt, das vom Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität wissenschaftlich begleitet wird.

FRANKFURT. Mit einer roten Info-Box geht es los: Auf vier Bildschirmen liefert die tinyBE Info-Box der Architekten schneider+schumacher vor dem Casino-Anbau auf dem Campus Westend vom 28. Mai bis zum 24. Juni 2021 Informationen über die tinyBE-Ausstellung, das wissenschaftlich-künstlerische Rahmenprogramm der tinyMONDAYS und die beteiligten Förderer und Kooperationspartner. Die Ausstellung greift aktuelle Debatten über die Zukunft von Wohnen und Arbeiten auf, über soziokulturelle Herausforderungen und den ressourcenschonenden Umgang mit Lebensräumen in künstlerisch und funktional gestalteten Kleinarchitekturen – Themen, mit denen sich auch die Videobeiträge der Info-Box von Wissenschaftler:innen des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ befassen.

Die zentrale Ausstellung „tinyBE • living in a sculpture“ zeigt anschließend vom 26. Juni bis 26. September im Frankfurter Metzlerpark (mit Satelliten in Darmstadt und Wiesbaden) bewohnbare Skulpturen international renommierter Künstler:innen. Im Metzlerpark wird auch ein Ausstellungspavillon entstehen, der von Studierenden der Hochschule für Gestaltung Offenbach entworfen wird und als Gartentheater und Besucherzentrum dienen soll.

Der Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ ist Partner und Mitgestalter des wissenschaftlich-künstlerischen Rahmenprogramms: Unter anderem veranstaltet der Forschungsverbund am 5. Juli einen Dialognachmittag zum Thema „Von großen und kleinen Räumen. Das Zusammenleben auf globaler Ebene.“ In Podiumsdiskussionen und Impulsen werden Antworten auf die Frage gesucht, wie Individuen und Gesellschaft das zukünftige Zusammenleben mitgestalten können (weitere Informationen in Kürze).

Die Info-Box wird von den Architekten schneider+schumacher als Unterstützung für tinyBE gestaltet. Das Design geht auf das erfolgreiche Kommunikationsprojekt „Rote Info-Box“ des Architekturbüros zurück: ein Informationszentrum, das 1995 für die größte Baustelle Europas am Potsdamer Platz in Berlin entworfen und realisiert wurde.

Die wissenschaftlichen Videobeiträge für die tinyBE-Info-Box stammen von den Mitgliedern des Forschungsverbunds Prof. Dr. Darrel Moellendorf (Professor für Internationale Politische Theorie und Philosophie der Goethe-Universität), Prof. Dr. Indra Spiecker gen. Döhmann, LL.M. (Professorin für Öffentliches Recht, Umweltrecht, Informationsrecht und Verwaltungs­wissenschaften der Goethe-Universität), Dr. Tatjana Sheplyakova (Postdoktorandin des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“) und Jun.-Prof. Dr. Franziska Fay (Juniorprofessorin für Ethnologie mit dem Schwerpunkt Politische Ethnologie der Johannes Gutenberg Universität Mainz und ehemalige Postdoktorandin des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“). Sie richten aus Sicht ihrer aktuellen Forschung einen kommentierenden Blick auf die Skulpturen FIRST von Onur Gökmen, MY-CO SPACE des SciArt Kollektivs MY-CO-X, Alison Knowles The House of Dust und Laure Prouvosts Boobs Hills Burrows.

Das Gesamtprojekt wird gefördert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain und unterstützt von der Stiftung Flughafen Frankfurt/Main für die Region, den Städten Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt, dem Land Hessen und weiteren Stiftungen und Sponsor:innen. Schirmherrin ist Dr. Ina Hartwig, Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt a.M.

Weitere Informationen unter:
https://tinybe.org
www.normativeorders.net

Bilder zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/101742698

Bildtext 1: Die rote Info-Box des Architektenbüros schneider +schuhmacher auf dem Campus Westend informiert über die Kunstausstellung „tinyBE • living in a sculpture“ (© Normative Ordnungen)

Bildtext 2:
MY-CO-SPACE, 2021, von der Künstlergruppe MY-CO-X ist eine der bewohnbaren Skulpturen im Frankfurter Metzlerpark (©Sven Pfeiffer, MY-CO-X)

Weitere Informationen
Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main
anke.harms@normativeorders.net
069/798-31407

Josefine Rauch, Projektkoordinatorin, PR und Kommunikation tinyBE
j.rauch@tinybe.org


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 28 2021
10:12

Neue Projekte am Frobenius-Institut an der Goethe-Universität befassen sich mit der kulturanthropologischen Dimension von Nahrungsressourcen

Die vielfache Bedeutung von Hirse, Reis und Weizen

Reis, Weizen und Hirse stehen im Zentrum zweier neuer DFG-geförderter Forschungsprojekte am Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität. Unter dem Dach des Sonderforschungsbereich (SFB) „RessourcenKulturen“ an der Universität Tübingen erforscht Institutsdirektor Prof. Dr. Roland Hardenberg die religiösen und (agrar-)ökonomischen Dimensionen von Getreide.

FRANKFURT. „Unser tägliches Brot gib uns heute“ – so heißt es im Vaterunser. Ohne Zweifel haben Grundnahrungsmittel wie Getreide für viele Menschen weltweit auch eine religiöse Bedeutung. Damit befasst sich das Teilprojekt „RessourcenKulturen von Reis und Weizen in Süd- und Zentralasien: Religiöse und (agrar-)ökonomische Dimensionen von Getreide“ im Sonderforschungsbereich 1070. Der SFB ist in Tübingen angesiedelt und wurde jetzt verlängert. Mit der Verlängerung einher geht die Förderzusage für das Frankfurter Teilprojekt, das Institutsleiter Prof. Dr. Roland Hardenberg beantragt hat. Kooperationspartner sind die Universität Groningen in den Niederlanden und die Nazarbayev Universität in Kasachstan.

Drei Fallstudien sollen die empirische Basis liefern: Eine widmet sich dem Umgang mit Reis in West-Odisha in Indien, wo die Göttin Lakshmi mit Reis identifiziert wird. Dort hat die so genannte Grüne Revolution mit industriell erzeugtem Saatgut viel Schaden angerichtet. Um die heimischen Reissorten zu stärken, werden auf diese religiösen Vorstellungen zurückgegriffen. Eine zweite Fallstudie blickt auf das Hochland von Odisha, wo eben diese Sorten noch kultiviert werden. Und die dritte Fallstudie wiederum befasst sich mit dem Weizenanbau in Kasachstan, wo es einen spirituellen Patron, Baba Deyqan für das Getreide gibt. Wie hat die industrielle Landwirtschaft dieses religiöse Erbe beeinflusst? Und wie kann es im Sinne von Nachhaltigkeit reaktiviert werden? Alle drei Fallstudien sollen Aufschluss darüber geben, wie Getreide als religiöses Medium Akteure, Idee und Praktiken zusammenbringen und Dynamiken in Gang setzen kann.

Hirse im Fokus eines weiteren DFG-Projekts

Getreidesorten und ihre kulturanthropologische Bedeutung sind einer der Forschungsschwerpunkte von Roland Hardenberg, der früher Stellvertretender Sprecher des Sonderforschungsbereichs „Ressourcenkulturen“ in Tübingen war. Seit mehreren Jahren bereits hat er auch Hirsekulturen in Indien im Blick. Gemeinsam mit der Universität Groningen in den Niederlanden hat er das „Groningen-Frankfurt Millets Network“ gegründet – Millets ist englisch für Hirse. Nach dem Stand der Forschung ist Hirse eine bislang stark unterbewertete Nahrungsquelle. Da sie in Asien und Afrika vor allem von ärmeren Bevölkerungsschichten angebaut und verzehrt wird, gilt sie dort meist als eher „primitives“ Essen. Dabei handelt es sich in Wahrheit um eine Art Wundernahrung, die viele Ernährungsprobleme lösen könnte: Hirse ist nahrhaft, enthält viele Vitamine und Mineralien, ist glutenfrei. Beim Anbau braucht Hirse wenig Wasser, der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden ist nur begrenzt notwendig. Sie wächst schnell und hat einen hohen Ertrag. Und trotz alledem hat die Hirse dieses Imageproblem. Doch das ändert sich gerade.

„Die Regierungen haben erkannt, dass Hirsen helfen könnten, die Millenniumsziele zu erreichen und den Hunger zurückzudrängen“, sagt Hardenberg. In den Städten sei die Hirse, die man je nach Sorte zu unterschiedlichen Produkten verarbeiten kann, bereits im Trend. Und vor kurzem wurde Hirse in das staatliche Verteilungssystem (PDS) für die arme Bevölkerung aufgenommen, so dass immer mehr Bauern nicht mehr nur für den eigenen Bedarf produzieren. Das neue Projekt soll nun am Beispiel der Region Odisha im Osten Indiens Erkenntnisse darüber erbringen, welche Auswirkungen diese Strategie auf diejenigen hat, die Hirsesorten produzieren, verteilen und konsumieren. Eine Fallstudie betrachtet die Situation in der Hauptstadt Bhubaneswar, wo Hirse in immer mehr Geschäften und Restaurants angeboten wird. In einer zweiten geht es um die Auswirkungen des staatlichen Verteilungssystems auf die Anbaupraxis, in einer dritten um die Situation der Schwendbauern im Hochland, die als „Wächter der Hirse“ bezeichnet werden, weil sie mit ihrer nachhaltigen Bewirtschaftung die Vielfalt des Saatguts bewahren helfen. In der Zusammenschau sollen die drei Fallstudien ein Bild ergeben davon, wie Menschen den Status von Hirse definieren, welches Wissen sie darüber haben, wie sie mit den Pflanzen und ihren Produkten umgehen, welche Technologien sie verwenden und welche Verbindungen zwischen Hirsesorten und sozialen Identitäten bestehen. Dabei kooperiert das Frobenius-Institut mit der Archäobotanik an der Goethe-Universität und an der Universität Groningen.

Bilder zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/101742425

Bildtext:
Bild 1: Ähre der "kleinen Hirse" (panicum sumatrense) im Hochland von Odisha, Indien. Ein Forschungsprojekt am Frobenius-Institut befasst sich mit der Bewertung und Verwendung lokaler Hirsesorten. (Foto: Roland Hardenberg)
Bild 2: Opfer für den Nassreis während der Ernterituale im indischen West-Odisha. (Foto: Peter Berger)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Roland Hardenberg
Direktor Frobenius-Institut an der Goethe-Universität
Telefon 069 798-33050
E-Mail: Hardenberg@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation,  Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 27 2021
11:19

Goethe-Universität kann sich mit dem Antrag für das Projekt „Digital Teaching and Learning Lab“ in einem bundesweiten Verfahren durchsetzen.

Innovativ im digitalen Lehren und Lernen

FRANKFURT. Die Goethe-Universität ist mit ihrer Antragstellung in der Förderlinie „Hochschullehre durch Digitalisierung stärken“ der Stiftung "Innovation in der Hochschullehre" erfolgreich: Mit dem Projekt „Digital Teaching and Learning Lab“ sollen neue Konzepte des digitalen Lehrens, Lernens und Prüfens entwickelt, erprobt und nutzbar gemacht werden. Der Antrag der Goethe-Universität wurde in vollem Umfang bewilligt, die Fördersumme beträgt 4,12 Mio. Euro. Die Universität wird nun von der Stiftung "Innovation in der Hochschullehre" zur Einreichung eines definitiven Finanzierungsplanes aufgerufen werden. Dessen Prüfung stellt dann den letzten Schritt vor der formalen Förderzusage dar. Die Förderung des beantragten Projekts „Digital Teaching and Learning Lab“ (DigiTeLL) der Goethe-Universität kann ab dem 1. August 2021 starten.

„Für mich ist das ein schönes Beispiel dafür, dass wir auch an einer so großen und vielfältigen Universität Interessen und Bedarfe zu einem gemeinsamen Projekt zusammenführen können, von dem letztlich die gesamte Lehre profitiert“, betont Prof. Roger Erb, Vizepräsident für Studium und Lehre an der Goethe-Universität bis April 2021. In seiner Amtszeit wurde die Antragstellung konzipiert und koordiniert. Prof. Christiane Thompson, seit Mai 2021 die Nachfolgerin Erbs als Vizepräsidentin für Studium und Lehre, ergänzt: „Ich freue mich, dass die Goethe-Universität auf einem immer wichtiger werdenden Feld wie der Digitalisierung auf Grundlage bereits vorhandener Kompetenzen neue Kommunikations- und Vernetzungsformen entwickeln kann.“ Erb und Thompson danken gemeinsam allen an der Antragstellung Beteiligten für die konstruktive Arbeit.

In dem „Digital Teaching and Learning Lab“ werden erprobte Lehr-, Lern- und Prüfungsszenarien um digitale Instrumente und innovative Learning Designs erweitert werden. Das Lab ist dazu als (virtueller) Kommunikations- und Kollaborationsraum angelegt, der Inkubator- und Akzelerator-Elemente zu einer dauerhaften Innovationsschleife verknüpft. Dabei geht es um „High Teach“, die lernendenzentrierte Verbesserung von Studium und Lehre: In sogenannten Partnerships – dem Herzstück des DigiTeLL – werden sich Lehrende der Fachbereiche untereinander sowie mit zentralen Unterstützungsstrukturen vernetzen, um innovative Entwicklungsprojekte in Lehrveranstaltungen umzusetzen. So werden an der Goethe-Universität zukünftig kontinuierlich neue Konzepte des digitalen Lehrens, Lernens und Prüfens entwickelt, erprobt und nach Evaluation der Ergebnisse in der Breite nutzbar gemacht. Die Querschnittsthemen Diversität und Barrierefreiheit sowie Constructive Alignment stellen sicher, dass die ausdifferenzierten Bedarfslagen der heterogenen Studierendenschaft berücksichtigt werden und die Erhöhung des Studienerfolgs als Ziel der Maßnahmen im Fokus steht.

Der Auswahlausschuss der Förderlinie hat diese Entscheidung in einem wettbewerblichen und wissenschaftsgeleiteten Verfahren sowie unter gleichberechtigter Beteiligung von Studierenden getroffen. Von den insgesamt 264 bei der Stiftung eingereichten Anträgen (216 Einzel- und 48 Verbundvorhaben) wurden 139 Projektvorhaben als förderwürdig eingestuft, darunter 115 Einzel- und 24 Verbundanträge. Das gesamte Fördervolumen für die ausgewählten Projekte beträgt für die maximal dreijährige Förderung bis zu 330 Millionen Euro. Es verteilt sich bundesweit über verschiedene Hochschulformen und Hochschulgrößen. Die bewilligte Fördersumme je Antrag bewegt sich zwischen 381.000 und 5.000.000 EUR.

Die im vergangenen Jahr gegründete Stiftung „Innovation in der Hochschullehre“ ist eine Treuhandstiftung in Trägerschaft der gemeinnützigen Toepfer Stiftung gGmbH. Ihre Aktivitäten dienen dem Ziel, Innovationen im Bereich des Lehrens und Lernens an Hochschulen zu ermöglichen sowie die Erneuerungsfähigkeit der Hochschullehre insgesamt und kontinuierlich zu stärken. Die Stiftung fördert geeignete Projekte, die an einzelnen Hochschulen verankert sind oder im Verbund umgesetzt werden. Zudem schafft sie Vernetzungsangebote für Akteur*innen, unterstützt den Austausch über Projektergebnisse, Erfolge und Herausforderungen und macht gemeinsames Wissen verfügbar. Programm und Förderung der Stiftung kommen der gesamten Breite der deutschen Hochschullandschaft zugute.

Weitere Informationen zur Förderentscheidung sowie zur Förderlinie „Hochschullehre durch Digitalisierung stärken“ finden sich auf den Internetseiten der Stiftung "Innovation in der Hochschullehre" unter https://stiftung-hochschullehre.de/projektfoerderung/foerderentscheidung/  

Kontakt: Vincent Rastädter, Referent für Drittmittelprojekte in der Lehre. Präsidialbereich, Abteilung Lehre und Qualitätssicherung, Goethe-Universität Frankfurt. Telefon +49 (69) 798 12452, E-Mail: rastaedter@em.uni-frankfurt.de www.luq.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 27 2021
09:20

Langfristige Folgen befürchtet - körperliche Aktivität könnte eigentlich helfen, Pandemien besser zu bewältigen

Bewegung und Wohlbefinden sinken weltweit durch Corona-Einschränkungen – Studie unter Leitung der Goethe-Universität

Gut 40 Prozent weniger aktiv waren die Menschen während des ersten Lockdowns, zeigt eine internationale Studie unter Leitung der Goethe-Universität Frankfurt. Auch das psychische Wohlbefinden sank; der Anteil an Menschen mit einem Risiko für Depressionen verdreifachte sich. Das Autorenteam befürchtet langfristige Auswirkungen und fordert, dies künftig zu berücksichtigen.

FRANKFURT. Vor einer versteckten „Pandemie innerhalb der Pandemie“ warnen 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 14 Ländern in zwei aktuellen Veröffentlichungen. Zum einen sei die körperliche Aktivität während der Corona-bedingten Einschränkungen deutlich gesunken, zum anderen habe das psychische Wohlbefinden gelitten. „Regierungen und Verantwortliche für das Gesundheitssystem sollten unsere Erkenntnisse ernst nehmen“, betont das Team unter Leitung von Dr. Jan Wilke vom Institut für Sportwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt.

Rund 15.000 Menschen aus den beteiligten Ländern hatten im Rahmen einer internationalen Erhebung standardisierte Fragebögen beantwortet. Dabei schätzten sie im April/Mai 2020 ihre körperliche Aktivität (13.500 Teilnehmende) sowie ihr psychisches und physisches Wohlbefinden (15.000 Teilnehmende) vor und während der Pandemie-bedingten Einschränkungen ein.

Ältere Menschen besonders betroffen

„Die Ergebnisse zeigen einen drastischen Rückgang der körperlichen Aktivität und des Wohlbefindens“, so Wilke. Mehr als zwei Drittel der Befragten konnten ihr übliches Bewegungsniveau nicht aufrechterhalten. Mäßige sportliche Aktivitäten nahmen nach Eigenangaben durchschnittlich um 41 Prozent ab – dazu zählt alles, was Herzschlag und Atmung erhöht, beispielsweise flottes Gehen, Laufen, Radfahren oder auch anstrengende Gartenarbeit.

Ähnlich stark sank mit 42 Prozent der Anteil intensiver Bewegung, bei der man schwitzt und deutlich außer Atem kommt. Die Effekte waren etwas höher bei Berufssportler:innen und besonders aktiven Menschen sowie vergleichsweise Jungen und Alten. Besonders auffällig war der Aktivitäts-Rückgang bei den über 70-Jährigen, die sich zu 56 bis 67 Prozent weniger bewegten als zuvor. „Dabei wissen wir, dass körperliche Inaktivität gerade bei Älteren schon nach zwei Wochen nur noch schwer reversible Änderungen nach sich ziehen kann – beispielsweise beim Körperfettanteil oder der Insulinsensitivität“, warnen die Studienautor:innen.

Bewegung schützt vor Krankheiten und senkt die Sterblichkeit

Die WHO empfiehlt mindestens 150 Minuten mäßige oder mindestens 75 Minuten intensive körperliche Aktivität pro Woche – das erreichten vor der Pandemie 81 Prozent der Studienteilnehmer:innen, während des Lockdowns nur noch 63 Prozent. Dabei kann ausreichende Bewegung die Sterblichkeit um bis zu 39 Prozent senken, wie eine Studie 2015 zeigte. Daten lassen vermuten, dass zu wenig Bewegung bei etwa jedem zehnten vorzeitigen Todesfall eine Rolle spielt, denn körperliche Aktivität verringert die Wahrscheinlichkeit beispielsweise von Bluthochdruck, Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes sowie Krebs.

Es ist bekannt, dass Bewegung das Immunsystem aktiviert, da sie die Durchblutung fördert und die für die Abwehr wichtigen Lymphozyten und Botenstoffe (Zytokine) aktiviert. So zeigen Studien, dass körperlich aktive Menschen weniger empfänglich sind für Influenza-, Rhino- und Herpesviren sowie Atemwegsinfektionen allgemein. Möglicherweise schützt Bewegung also auch vor schweren COVID-19-Verläufen, indem sie Risikofaktoren wie Übergewicht verringert. Körperliche Gesundheit und Bewegung reduzieren zudem das Risiko psychischer Beschwerden wie Depressionen und Angststörungen.

Drastisch reduziertes mentales Wohlbefinden

In einem weiteren Teil der Studie hatte das Autorenteam das mentale Wohlbefinden während der Pandemie-Einschränkungen erfragt. 73 Prozent der Studienteilnehmer:innen gaben an, dass es sich verschlechtert habe. Der Wohlbefindlichkeits-Index der WHO, der Stimmung, Entspannung, Aktivität, Ausgeruhtheit und Interesse misst, sank durchschnittlich während der ersten Lockdown-Phase von 68 Prozent gefühlter Lebensqualität vor der Pandemie auf 52 Prozent.

Die Menschen empfanden sich vor allem weniger „aktiv und energiegeladen“ und führten ein weniger „mit interessanten Dingen gefülltes Leben“. Der Anteil sehr niedriger Werte, die auf eine Depression hinweisen, verdreifachten sich von 15 auf 45 Prozent. „Diese Effekte waren stärker bei Frauen und Jüngeren “, heißt es in der Studie. „Besonders die Bedürfnisse von Frauen sollten stärker berücksichtigt werden, da sie deutlich gefährdeter sind.“

Immerhin 14 bis 20 Prozent der Befragten gaben aber auch an, dass sich ihr Befinden verbessert habe – mögliche Gründe sehen die Autor:innen in mehr Familienzeit, höherer Arbeitsautonomie, weniger Dienstreisen oder auch einer veränderten Gesundheitswahrnehmung. „Doch ein großer Bevölkerungsteil leidet möglicherweise still an noch kaum sichtbaren gesundheitlichen Auswirkungen der Pandemie“, warnt das Autorenteam.

Relevant für weltweit vier Milliarden Menschen

Das könnte sich auch in steigenden Gesundheitskosten äußern: Laut US-Daten sind die jährlichen Ausgaben für inaktive oder unzureichend aktive Personen um 1200 bzw. 600 Euro erhöht – das würde sich allein für die 3104 Menschen aus der Befragung, die sich während des Lockdowns nicht mehr ausreichend bewegten, nach einem Jahr auf zwei bis vier Millionen Euro summieren.

Die Ergebnisse dieser ersten multinationalen Studien dürften für geschätzt weltweit vier Milliarden Menschen relevant sein, die von den Einschränkungen der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 betroffen waren. Allerdings wurden die Daten überwiegend über elektronische Medien erhoben, sodass Bevölkerungsteile ohne Internet nicht einbezogen wurden. Auch nach Faktoren wie Wohnumfeld, Bildung und Sozialstatus wurde nicht differenziert. Zudem beruhen die Daten auf Eigeneinschätzungen, nicht auf Messungen, was gerade die rückblickende Wahrnehmung verzerren könnte. „Dennoch zeigen unsere Ergebnisse, dass die Themen körperliche Aktivität und Wohlbefinden auf die Agenda der Politik gehören“, betont Wilke.

„Interessenvertreter müssen Strategien entwickeln, um den Verlust der körperlichen Aktivität abzumildern“, schreiben die Autor:innen. Sie schlagen vor, die Öffentlichkeit besser aufzuklären, Aktivitätsmöglichkeiten mit geringer Infektionswahrscheinlichkeit zu schaffen und beispielsweise qualifizierte Sportprogramme für zu Hause anzubieten. Dies würde sich neben zahlreichen weiteren gesundheitlichen Facetten insbesondere positiv auf das mentale Wohlbefinden auswirken.

Ähnlich negative Effekte wie in diesen Studien beobachtet müssten bei künftigen Pandemien unbedingt vermieden werden. „Körperliche Aktivität und Bewegung haben leider keine starke Lobby und werden im öffentlichen Diskurs meist vernachlässigt“, so Wilke. „Dabei können sie uns massiv dabei helfen, die Pandemie besser zu bewältigen.“

Publikationen: Jan Wilke et al. A Pandemic within the Pandemic? Physical Activity Levels Substantially Decreased in Countries Affected by COVID-19. Int. J. Environ. Res. Public Health, Vol. 18, 5 (2021), https://www.mdpi.com/1660-4601/18/5/2235/htm#B11-ijerph-18-02235Jan Wilke et al., Drastic Reductions in Mental Well-Being Observed Globally During the COVID-19 Pandemic: Results from the ASAP Survey. Front. Med. 8:578959 (2021), https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fmed.2021.578959/full

Weitere Informationen
Dr. Jan Wilke
Institut für Sportwissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 (69) 798-24588,
wilke@sport.uni-frankfurt.de
https://www.uni-frankfurt.de/50765300/Arbeitsbereich_Sportmedizin_und_Leistungsphysiologie


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 25 2021
11:59

Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert neuen SFB-Transregio 326 „Geometrie und Arithmetik uniformisierter Strukturen“ – SFB 1039 zu medizinischer Signalwegforschung geht in dritte Förderphase – Goethe-Universität an zwei weiteren SFB-Transregios beteiligt

Förderentscheid zu 4 Sonderforschungsbereichen an der Goethe-Universität: Neuer SFB zu Mathematik-Grundlagenforschung

Die Erforschung komplexer geometrischer und arithmetischer Objekte ist das Ziel des neuen Sonderforschungsbereichs Transregio 326 (TRR 326), der von der Goethe-Universität koordiniert wird. Die DFG gab heute bekannt, dass der TRR 326 in den kommenden vier Jahren mit 9,2 Millionen Euro gefördert wird. Der SFB 1039 „Krankheitsrelevante Signaltransduktion durch Fettsäurederivate und Sphingolipide“, auch unter der Sprecherschaft der Goethe-Universität, wird fortgesetzt und erhält für die dritte Förderphase 9,6 Millionen Euro. Zwei weitere TRR, an denen die Goethe-Universität beteiligt ist, werden ebenfalls durch die DFG gefördert: Beim TRR 211 „Stark wechselwirkende Materie unter extremen Bedingungen“ geht in der zweiten Förderperiode die Sprecherschaft von der Goethe-Universität an die Technische Universität Darmstadt über (9,2 Millionen Euro). Auch am TRR 301 „Die Tropopausenregion in einer Atmosphäre im Wandel“ (Sprecherin: Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 12,3 Millionen Euro) sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität maßgeblich beteiligt.

FRANKFURT. Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt, gratuliert den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu ihrem Erfolg: „Das Engagement der Goethe-Universität insbesondere in den Transregio-Sonderforschungsbereichen zeigt unsere exzellente wissenschaftliche Vernetzung in der Region, gerade in den Naturwissenschaften und in der Medizin. Im Verbund der Rhein-Main-Universitäten Frankfurt, Mainz und Darmstadt haben wir dieser regionalen Zusammenarbeit einen Rahmen gegeben: Mittlerweile gibt es mehr als 30 Forschungsverbünde und Forschungsnetzwerke in dieser strategischen Allianz, und im vergangenen Jahr haben wir das RMU-Studium etabliert, damit auch talentierte Studierende von der RMU profitieren können.“

Die mathematische Erkundung komplizierter geometrischer und arithmetischer Räume mithilfe der Uniformisierung ist das Forschungsthema des TRR 326 „Geometrie und Arithmetik uniformisierter Strukturen – GAUS“. Erfolgreich beantragt haben den TRR 326 neben der koordinierenden Goethe-Universität Frankfurt die Technische Universität Darmstadt und die Universität Heidelberg, assoziierte Institutionen sind die Johannes Gutenberg-Universität Mainz und die Technische Universität München. Das Konzept der Uniformisierung geht auf Ideen von Felix Klein und Henri Poincaré aus dem 19. Jahrhundert zurück und sucht nach einer einheitlichen Beschreibung bestimmter geometrischer Objekte. Ein sehr einfaches Beispiel für einen uniformisierten geometrischen Raum findet sich im Spielzeug Slinky, einer Metallspirale, die in „Purzelbäumen“ eine Treppe hinunter„laufen“ kann. Zusammenpresst hat sie – von oben gesehen – die Geometrie eines Kreises. Dieser Kreis wird uniformisiert, indem wir die Metallspirale auseinanderziehen. Besonders einfach wird es, wenn die Spirale komplett entrollt geometrisch nur noch ein einfacher Draht ist. Damit die Information des Slinky erhalten bleibt, ist jede Spiralwindung auf dem Draht mit einem Farbtupfer markiert, wodurch der Draht eine Verschiebungssymmetrie erhält (man wechselt die Etage in der Spirale). Ein global komplizierter geometrischer Raum (im Beispiel der Kreis des Slinky) wird durch einen deutlich einfacheren Raum ersetzt (hier eine Gerade), ohne die lokale Struktur zu verändern. Die ursprüngliche Komplexität wird dabei durch innere Symmetrien (im Beispiel veranschaulicht durch periodische Markierungen) des einfacheren Raums beschrieben.

Beim TRR 326 GAUS befassen sich Mathematikerinnen und Mathematiker mit der Uniformisierung sehr komplizierter geometrischer Räume – wobei dies moderne geometrische Konzepte umfasst, insbesondere tropische und p-adische Geometrien – und mit analogen Anwendungen der Uniformisierungstechnik auch bei arithmetischen (zahlentheoretischen) Fragegestellungen. Die Forscherinnen und Forscher versuchen hier, grundsätzliche Zusammenhänge zu erkennen, etwa zu Modulräumen, automorphen Formen, Galoisdarstellungen oder kohomologischen Strukturen. Prof. Jakob Stix, Mathematiker an der Goethe-Universität und GAUS-Sprecher, meint: „Mit dem SFB-Transregio GAUS knüpfen wir an die überaus erfolgreiche Zusammenarbeit von TU Darmstadt und Goethe-Universität im LOEWE-Schwerpunkt ‚Uniformisierte Strukturen in Arithmetik und Geometrie' sowie die DFG-Forschergruppe ‚Symmetrie, Geometrie und Arithmetik' der TU Darmstadt und der Universität Heidelberg an. Ich freue mich sehr auf die gemeinsame Forschung mit so vielen herausragenden Kolleginnen und Kollegen.“

In seine dritte Förderperiode geht der Sonderforschungsbereich 1039 „Krankheitsrelevante Signaltransduktion durch Fettsäurederivate und Sphingolipide“, den die Goethe-Universität zusammen mit dem Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim jetzt fortsetzt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befassen sich mit einer Gruppe schlecht wasserlöslicher Biomoleküle, den Lipiden. Sehr prominent bilden diese als Lipiddoppelschicht die Membranen, die unsere Zellen umhüllen und die auch das Innere der Zellen gliedern. In Form von Fetten dienen sie unserem Körper als Energiespeicher.

Im SFB 1039 allerdings wird eine immer noch vergleichsweise wenig erforschte Funktion untersucht: Lipide sind Teil vieler Signalwege, über die die Zellen Wachstum und Stoffwechsel regulieren und mit ihrer Umgebung kommunizieren. Fehlregulierte Lipide sind offenbar bei der Entstehung und im Verlauf von Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes, Krebs, Entzündungen oder neurodegenerativen Erkrankungen entscheidend beteiligt. Nach grundlegenden Arbeiten in den beiden ersten Förderperioden steht in der dritten Förderperiode das Verständnis des Gesamtorganismus im Zentrum der Forschung. Prof. Josef Pfeilschifter, Pharmakologe an der Goethe-Universität und Sprecher des SFB 1039, erläutert: „Wir wollen das Lipid-Signalnetzwerk als Ganzes verstehen und so innovative Wege zur Diagnostik und Therapie verschiedenster Krankheiten entwickeln, die mit fehlregulierten Lipiden zusammenhängen. Dabei können wir uns auf eine langjährige und breite Expertise im ‚Lipid-Signalling' stützen, die auch auf der Etablierung ausgefeilter Analysemethoden auf Basis der Massenspektometrie fußt.“

An zwei weiteren SFB-Transregios sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität maßgeblich beteiligt:

Wie sich Materie unter extremen Druck- und Temperaturbedingungen verhält, bei denen Atome überlappen und miteinander verschmelzen, erforscht der TRR 211 „Stark wechselwirkende Materie unter extremen Bedingungen“, der in seine zweite Förderphase geht. Für extrem kurze Zeiträume können solche Materiezustände in Teilchenbeschleunigern erzeugt werden und etwas über die starke Wechselwirkung verraten, die die Atomkerne zusammenhält. Im Weltall treten solche extremen Materiezustände auf, wenn zum Beispiel Neutronensterne miteinander kollidieren. Neben der Goethe-Universität sind die Technische Universität Darmstadt als neue Sprecheruniversität und die Universität Bielefeld beteiligt.

Im neuen TRR 301 „Die Tropopausenregion in einer Atmosphäre im Wandel“ werden Atmosphärenwissenschaftler:innen die Zone in der Atmosphäre untersuchen, die die untere „Wetterschicht“ (Troposphäre) von der darüber liegenden Stratosphäre trennt: Die Tropopausenregion. Der Forschungsfokus liegt dabei auf den physikalischen und chemischen Prozessen dieser Region und deren Einfluss auf die planetare Zirkulation und das Klima. Hauptstandorte sind die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Sprecherin) und die Goethe-Universität Frankfurt. Beteiligt sind außerdem die Technische Universität Darmstadt, die Ludwig-Maximilians-Universität München, das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, das Forschungszentrum Jülich sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen.

Bilder zum Download:
http://www.uni-frankfurt.de/101626857

Bildtext: Über die mathematische Technik der Uniformisierung können komplizierte geometrische Räume (hier: die j-Invariante als automorphe Funktion auf der Uniformisierung des Modulraums elliptischer Kurven) als hoch symmetrische geometrische Muster dargestellt werden. Bilder: Michaelis Neururer

Weitere Informationen
Prof. Dr. Jakob Stix
Sprecher TRR 326 „GAUS“
Institut für Mathematik
Goethe-Universität Frankfurt
Tel: +49 69 798-28998
stix@math.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Josef Pfeilschifter
Sprecher SFB 1039 „Krankheitsrelevante Signaltransduktion durch Fettsäurederivate und Sphingolipide“
Institut für Allgemeine Pharmakologie und Toxikologie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 69 6301-6950
pfeilschifter@em.uni-frankfurt.de
https://www.lipidsignalling.de/de/home/index.php

TRR 211 „Stark wechselwirkende Materie unter extremen Bedingungen“
https://crc-tr211.org/

TRR 301 „Die Tropopausenregion in einer Atmosphäre im Wandel“
https://www.uni-mainz.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 20 2021
14:48

Baker McKenzie-Preis 2020 für beste wirtschaftsrechtliche Dissertation und Habilitation

Herausragende Werke zum Völkerrecht und zum Versicherungsrecht

Dr. Sahar Moradi Karkaj und Prof. Dr. Jens Gal sind mit dem Baker McKenzie-Preis ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung wird von der Anwaltssozietät für zwei herausragende wirtschaftsrechtliche Arbeiten vergeben.

FRANKFURT. Auch in diesem Jahr zeichnet Baker McKenzie zwei herausragende, im Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität entstandene wirtschaftsrechtliche Arbeiten mit dem Baker McKenzie-Preis aus. Den Preis erhielten Dr. Sahar Moradi Karkaj für ihre Dissertation und Prof. Dr. Jens Gal für seine Habilitationsschrift. Seit 1988 vergibt die Anwaltssozietät den mit 6.000 Euro dotierten Preis für herausragende Dissertationen oder Habilitationen, die im Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität entstanden sind.

Dr. Sahar Moradi Karkaj erhält die Auszeichnung für ihre Dissertation „Die Staatenhaftung im Völkerrecht am Beispiel von informationstechnischen Gefährdungslagen“. In ihrer Arbeit untersucht sie das Verhältnis der Haftungsregime im Völkerrecht zu rechtswidrigem Verhalten der Staaten einerseits sowie rechtmäßigem, aber gefährlichem Verhalten andererseits. „Das hohe Niveau der Dissertation zeigt sich nicht nur in der souveränen Beherrschung der völkerrechtlichen Grundlagen und der Fähigkeit der Verfasserin, komplexe und umstrittene Materien gründlich zu durchdenken und gut nachvollziehbar neu zu ordnen, sondern auch in einem eindrucksvollen Quellen- und Anmerkungsapparat, der höchsten Ansprüchen gerecht wird“, so der Betreuer der Arbeit, Prof. Dr. Stefan Kadelbach, der an der Goethe-Universität Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht lehrt.

Prof. Dr. Jens Gal wird für seine Habilitationsschrift „Die Mitversicherung. Das konsortiale Geschäft in der Versicherungswirtschaft im Spannungsfeld von Privatautonomie, Regulierung und Wettbewerb“ ausgezeichnet. „Die Arbeit bietet eine ganzheitliche Betrachtung der Mitversicherung in allen einschlägigen Rechtsgebieten wie sie in dieser Breite, Tiefe und Aktualität – wohl auch außerhalb des deutschsprachigen Raums – bislang nicht zu finden ist“, führt Prof. Dr. Manfred Wandt aus, der die Professur für Bürgerliches Recht, Handels- und Versicherungsrecht Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung an der Goethe-Universität innehat.

„Die Förderung von Nachwuchsjuristinnen und -juristen spielt für unsere Sozietät seit jeher eine bedeutende Rolle. Der Baker McKenzie-Preis ist bereits seit mehr als 30 Jahren fester Bestandteil unserer Nachwuchsförderung", sagt Baker McKenzie-Partner Prof. Dr. Joachim Scherer, selbst Alumnus der Goethe-Universität und seit 1995 apl. Professor für Öffentliches Recht.

Über Baker McKenzie

Baker McKenzie berät Mandanten, wie sie erfolgreich mit den Herausforderungen der Globalisierung umgehen können. Die Sozietät, die vor mehr als 70 Jahren gegründet wurde, beschäftigt weltweit 13.000 Mitarbeiter. In Deutschland arbeiten rund 200 Anwälte an den Standorten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/Main und München. Als eine der führenden deutschen Anwaltskanzleien berät Baker McKenzie nationale und internationale Unternehmen und Institutionen auf allen Gebieten des Wirtschaftsrechts.

Porträts zum Download: http://uni-frankfurt.de/101529628

Bildtext: Für ihre herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich des Wirtschaftsrechts sind Dr. Sahar Moradi Karkaj und Prof. Dr. Jens Gal mit dem Baker McKenzie-Preis ausgezeichnet worden. (Fotos: privat)

Weitere Informationen
Iris Meinking, Senior Manager, HR Communications, Telefon 069 29908-322, iris.meinking@bakermckenzie.com


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 20 2021
13:11

Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt und der Event Horizon Telescope-Kollaboration werten Daten vom ersten Bild eines schwarzen Lochs aus

Nicht alle Theorien erklären das schwarze Loch M87*

Theoretische Physiker der Goethe-Universität Frankfurt haben im Rahmen der Event-Horizon-Telescope-(EHT)-Kollaboration die Daten vom schwarzen Loch M87* ausgewertet und damit Albert Einsteins Relativitätstheorie überprüft. Den Tests zufolge stimmt die Größe des Schattens von M87* sehr gut überein mit den Eigenschaften eines schwarzen Lochs, wie die allgemeinen Relativitätstheorie erwarten lässt, anderen Theorien hingegen hinsichtlich der Eigenschaften des schwarzen Lochs aber Grenzen setzt. Die EHT-Kollaboration hatte 2019 das erste Bild eines schwarzen Lochs veröffentlicht, das sich im Zentrum der Galaxie M87 befindet.

FRANKFURT. Wie der deutsche Astronom Karl Schwarzschild erstmals aufzeigte, krümmen schwarze Löcher aufgrund ihrer extremen Konzentration an Masse die Raumzeit extrem stark und heizen die Materie in ihrer Umgebung auf, sodass diese anfängt zu leuchten. Der neuseeländische Physiker Roy Kerr konnte zeigen, dass Rotation die Größe eines schwarzen Lochs und den Raum in seiner Umgebung ändert. Den „Rand“ eines schwarzen Lochs stellt der so genannte Ereignishorizont dar, die Grenze um die Massekonzentration herum, jenseits der Licht und Materie nicht entkommen können und die das schwarze Loch schwarz macht. Schwarze Löcher können, so sagen Theorien es voraus, durch eine Reihe von Eigenschaften beschrieben werden, durch ihre Masse, Rotation („Spin“) und eine Vielzahl möglicher Ladungen.

Zusätzlich zur Beschreibung von schwarzen Löchern nach der allgemeinen Relativitätstheorie lassen sich schwarze Löcher etwa mit Theorien beschreiben, die sich aus der String-Theorie herleiten. Diese Art von Theorien nimmt ein zusätzliches skalares Feld in der zugrundeliegenden Physik an, das bei schwarzen Löchern zu beobachtbaren Veränderungen in ihrer Größe wie auch der Krümmung des Raums in ihrer Umgebung führt.

Die Physiker Dr. Prashant Kocherlakota und Prof. Luciano Rezzolla vom Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität Frankfurt haben nun erstmals überprüft, wie die verschiedenen Theorien zu den Beobachtungsdaten des schwarzen Lochs M87* im Zentrum der Galaxie Messier 87 passen. Das Bild von M87*, das 2019 von der weltumspannenden Event Horizon Telescope (EHT)-Kollaboration gemacht wurde, war nach der Messung von Gravitationswellen 2015 der erste experimentelle Beweis für die tatsächliche Existenz von schwarzen Löchern.

Das Ergebnis der Frankfurter Untersuchungen: Die Daten von M87* stimmen vollständig überein mit den auf Einstein basierenden Theorien und zu einem gewissen Teil mit den String-basierten Theorien. Dr. Prashant Kocherlakota erklärt: „Durch die von der EHT-Kollaboration aufgezeichneten Daten können wir nun verschiedene Theorien zu schwarzen Löchern testen. Derzeit können wir noch keine der Theorien zur Beschreibung des Schattens von M87* verwerfen, aber mit unseren Berechnungen schränken wir den Gültigkeitsraum der Modelle von schwarzen Löchern ein.“

Prof. Luciano Rezzolla meint: „Die Idee eines schwarzen Lochs ist für uns theoretische Physiker gleichzeitig eine Quelle von Problemen und der Inspiration. Während wir immer noch mit einigen der Konsequenzen von schwarzen Löchern kämpfen wie zum Beispiel den Phänomenen ‚Ereignishorizont' oder ‚Singularität', freuen wir uns, wenn wir Lösungen zur Beschreibung von schwarzen Löchern in immer weiteren Theorien finden. Ergebnisse wie die jetzt von uns vorgestellten sind daher wichtig um zu bestimmen, welche Theorien plausibel sind und welche nicht. Neue Beobachtungen schwarzer Löcher werden unsere ersten Eingrenzungen der Theorien weiter präzisieren.“

In der Event-Horizon-Telescope-Kollaboration sind Teleskope von Observatorien rund um den Globus zu einem virtuellen Riesenteleskop zusammengeschaltet, dessen Schüssel so groß ist wie die Erde selber. Mit der Präzision dieses Teleskops könnte man von einem Straßencafé in Berlin aus eine Zeitung in New York lesen.

Publikation: Prashant Kocherlakota, Luciano Rezzolla, Heino Falcke, Christian M. Fromm, Michael Kramer,  Yosuke Mizuno, Antonios Nathanail, H´ector Olivares, Ziri Younsi et. al. (The Event Horizon Telescope collaboration), Constraints on black-hole charges with the 2017 EHT observations of M87*. Physical Review D, vol 103, https://journals.aps.org/prd/issues/103/10 PDF: MPIfR Cloud (mpg.de)

Video: Schwarzes Loch M87*: Prüfung verschiedener Gravitationsmodelle
https://youtu.be/dFhdl2sM4OY

Bilder zum Download:
www.uni-frankfurt.de/101531130

Bildtext: Größe des Ereignishorizonts für verschiedene Gravitationstheorien. Die berechneten Schatten schwarzer Löcher unterscheiden sich in der Größe, doch nur die Schatten, die in den grauen Bereich fallen, stimmen mit den Messungen zum schwarzen Loch M87* überein, die 2017 durch die Event Horizon Telescope-Kollaboration gemacht wurden. Das in dieser Abbildung rot dargestellte schwarze Loch ist zu klein, um ein tragfähiges Modell für M87* zu sein. Abbildung: Credit: Prashant Kocherlakota, Luciano Rezzolla (Goethe University Frankfurt and EHT Collaboration/ Fiks Film 2021)

Weitere Informationen
Dr. Prashant Kocherlakota
Institut für Theoretische Physik
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 69 798-47848
kocherlakota@itp.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Luciano Rezzolla
Institut für Theoretische Physik
Goethe-Universität Frankfurt
kocherlakota@itp.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 20 2021
12:23

Goethe-Universität, Universitätsklinikum Frankfurt und Universität Jena erhalten Spende vom Helaba-Konzern

Impfstoff-Forschung und medizinisches Pandemietraining gefördert  

FRANKFURT. mRNA-Botenstoffe bringen Zellen dazu, Virusproteine zu produzieren und aktivieren somit das Immunsystem – auf diesem Verfahren beruhen die beiden Impfstoffe von BioNTech und Moderna. Dennoch gibt es Unterschiede in der genauen Vakzin-Formulierung. „Das medizinische Kochbuch sagt uns: Es funktioniert so und auch so“, sagt Prof. Dr. Harald Schwalbe, Biochemiker an der Goethe-Universität. „Doch wir wissen bislang nicht genau, welche Auswirkungen diese Unterschiede auf der molekularen Ebene haben.“ Die dreidimensionale Struktur der mRNA – gefroren und bei Körpertemperatur – genau zu kennen, könnte nach Ansicht der Wissenschaftler Aufschlüsse über Unterschiede der SARS-CoV-2-Impfstoffe geben und dazu beitragen, Impfstoffe schnell zu identifizieren.

Forscherinnen und Forscher der Goethe-Universität um die Professoren Harald Schwalbe und Clemens Glaubitz können die Struktur und Stabilität des mRNA-Botenstoffs nun dank einer Anschubfinanzierung durch den Helaba-Konzern erforschen. Die 120.000 Euro-Spende für die Covid-19-Forschungsförderung fließt an die Goethe-Universität und an die kooperierende Schiller-Universität Jena; dort forscht seit kurzem Prof. Dr. Ute Hellmich, eine Alumna der Goethe-Universität und ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet der Lipid-basierten biomolekularen Strukturforschung. Am Zentrum für Biomolekulare Magnetische Resonanz (BMRZ), einem Europäischen Großforschungszentrum der Goethe-Universität, kommt bei der Strukturanalyse die strukturbiologische Schlüsseltechnologie Kernspinresonanz-Spektroskopie zum Einsatz, auf die die Wissenschaftler im BMRZ spezialisiert sind.

Eine weitere Helaba-Spende von 30.000 Euro ermöglicht die Ausweitung des erfolgreichen Pandemie-Trainings- und Fortbildungsprogramms für Menschen in medizinischen und pflegerischen Berufen, das die Ärztin Prof. Dr. Miriam Rüsseler am Universitätsklinikum Frankfurt zu Beginn der Pandemie entwickelt hat. Mehr als 900 Ärztinnen, Pfleger, Notfallmediziner:innen haben die praktische Fortbildung im anspruchsvollen Umgang mit infektiösen Patient:innen bereits erhalten. Durch die neuerliche Förderung können mindestens 360 weitere Mediziner:innen und Pfleger:innen qualifiziert werden. Inzwischen sind Teile des vierstufige Intensivtraining mit elearning- und Praxismodulen auch im Medizinstudium an der Goethe-Universität verankert.

„Wir freuen uns sehr, dass der Helaba-Konzern uns großzügig unterstützt“, sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff. „Und das in einem Moment der Pandemie, in dem vielen Menschen bewusst wird, dass uns SARS-CoV-2 trotz wachsender Zuversicht vermutlich noch länger beschäftigen wird. Diese Spende macht uns besonders deutlich, welchen Beitrag wir als Volluniversität gerade jetzt leisten können – Grundlagenforschung zu Impfstoffen zu betreiben und eine hochqualifizierte Ausbildung in der Medizin und Pflege zu garantieren.“

„Gerade in der Krise ist es uns ein großes Anliegen, Projekte zu fördern, die gesamtgesellschaftlichen Nutzen stiften“, erklärt Thomas Groß, Vorstandsvorsitzender der Helaba. „Mit dem Forschungsprojekt der Universitäten in Frankfurt am Main und Jena sowie dem Pandemie-Fortbildungsprogramm fördern wir zwei Projekte, die einen Beitrag leisten, die aktuelle Situation und auch künftige Krisen besser bewältigen zu können.“

Mit rund 6.200 Mitarbeitenden und einer Bilanzsumme von 219 Mrd. Euro gehört der Helaba-Konzern zu den führenden Banken am Finanzplatz Frankfurt. Die Bank engagiert sich über ihre finanzwirtschaftlichen Aufgaben hinaus in mehreren Bereichen des öffentlichen Lebens und fördert Projekte in Bildung, Kultur, Umwelt, Sport und Sozialwesen.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Harald Schwalbe
Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie
Zentrum für Biomolekulare Magnetische Resonanz (BMRZ)
E-Mail: schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Clemens Glaubitz
Institut für Biophysikalische Chemie
Zentrum für Biomolekulare Magnetische Resonanz (BMRZ)
E-Mail: glaubitz@chemie.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Ute Hellmich
Friedrich Schiller Universität Jena
Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie (IOMC)
Exzellenzcluster “Balance of the Microverse"
ute.hellmich@uni-jena.de

Prof. Dr. Miriam Rüsseler
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Klinik für Unfall-, Hand- und Wieder­herstellungs­chirurgie
E-Mail: miriam.ruesseler@kgu.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 19 2021
14:23

Projekt SENSORITHM der Rhein-Main-Universitäten unter Leitung der Goethe-Universität in Konzeptionsphase des BMBF-Programms „Cluster4Future“ aufgenommen

Selbstlernende Sensorsysteme für Natur und Technik

Wie sich mit intelligenten Sensortechnologien an Windrädern Kollisionen mit Vögeln und Fledermäusen vermeiden lassen ist eines der beiden Forschungsziele des von der Goethe-Universität koordinierten Projekts SENSORITHM Rhein-Main. Außerdem wollen die Forscherinnen und Forscher selbstlernende Sensorsysteme zur Überwachung technischer Komponenten und Anlagen entwickeln. Eine Expertenjury wählte das Projekt jetzt im Ideenwettbewerb „Clusters4Future“ des Bundesforschungsministeriums für eine Förderung in der Konzeptionsphase aus – als eines von 15 Projekten aus insgesamt 117 eingereichten Wettbewerbsbeiträgen.

FRANKFURT. Wer Windräder aufstellen will, gelangt leicht in ein Grün-Grün-Dilemma: Einerseits soll die von Windrädern erzeugte erneuerbare Energie den Klimawandel aufhalten und damit letztlich auch die Artenvielfalt sichern, andererseits gefährden die Rotorblätter seltene Vogelarten wie den Roten Milan und verschiedene Fledermausarten. An bestimmten Windradstandorten wird daher über längere Zeit aufgezeichnet, wann typischerweise zum Beispiel Fledermäuse unterwegs sind. Zum Schutz der gefährdeten Arten müssen dann die Windräder anschließend bei bestimmten Temperatur- und Windbedingungen abgeschaltet werden. Andere Standorte kommen derzeit wegen des Artenschutzes gar nicht erst für Windräder infrage.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Projekts SENSORITHM Rhein-Main wollen nun verschiedene, selbstlernende Sensorsysteme entwickeln, die es einmal erlauben sollen, die Betriebszeiten von Windkrafträdern so zu optimieren, dass Fledermausarten und bestimmte Vogelarten wie der Rote Milan nicht gefährdet werden und dass sich zum Beispiel die Windräder abschalten, wenn es eine erhöhte Flugaktivität gibt.

SENSORITHM-Projektkoordinator Dr. Jochen Moll von der Goethe-Universität Frankfurt erklärt: „Wir wollen Sensoren und künstliche Intelligenz dazu nutzen, um Windkraft besser mit Artenschutz vereinbar zu machen. Neben den technischen Aspekten ist auch die Einbindung regionaler Stakeholder aus der Energiewirtschaft und dem Umwelt- und Artenschutz sowie Bürgerinnen und Bürger Teil des Projekts. Eine besondere Stärke von SENSORITHM Rhein-Main liegt darin, dass wir hier die Expertise aus Physik, Biologie, Informatik, Maschinenbau und Sozialwissenschaften verbinden.“

Die zweite Säule von SENSORITHM bildet die Entwicklung innovativer Sensortechnologien und Algorithmen zur technischen Überwachung von Windrädern und anderen industriellen Anlagen. Auch beispielsweise die Flugtauglichkeit von Flugzeugen oder die Stabilität von Brücken können so sichergestellt werden. Dr. Moll: „Mit unserem methodischen Ansatz wollen wir die Betriebssicherheit insbesondere bei Leichtbaustrukturen erhöhen. In der Zukunft sind auch andere Anwendungen vorstellbar, etwa in der Medizintechnik, in der sich selbstlernende Sensorsysteme einsetzen lassen.“

Das Projekt SENSORITHM Rhein-Main wird von der Goethe-Universität Frankfurt koordiniert, weitere Antragsteller sind die Technische Universität Darmstadt und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Rahmen des Verbunds der Rhein-Main-Universitäten, das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF in Darmstadt und das Institut für Tierökologie und Naturbildung in Laubach. Zudem wird SENSORITHM Rhein-Main Netzwerke wie das Hessische Zentrum für Künstliche Intelligenz, (hessian.ai), regionale Industriekooperationen sowie regionale NGOs, Landesbehörden und Schulen der Region in ein Innovationsnetzwerk zusammenführen. In Reallaboren wie zum Beispiel dem Windenergietestfeld des Windforschungsclusters Süd, an Baukränen, Drohnenflotten oder Brücken sollen die Sensorsysteme erprobt und validiert werden. Dabei wird SENSORITHM Rhein-Main unter anderem Bürgerinnen und Bürger als „Citizen Scientists“ einbinden.

Die zweite Runde des „Clusters4Future“-Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums (BMBF) startete im November 2020 als Teil der Hightech-Strategie 2025 der Bundesregierung. Mit „Clusters4Future“ soll in regionalen Spitzenstandorten der Wissens- und Technologietransfer gefördert werden. Zunächst wird SENSORITHM Rhein-Main ein Konzept mit Unterstützung des BMBF ausarbeiten, um von der Wettbewerbsskizze zu einem Umsetzungsszenario zu gelangen. Etwa die Hälfte der eingereichten Konzepte sollen dann ab Sommer 2022 zunächst für die Dauer von drei Jahren mit jährlich 5 Millionen Euro gefördert werden.

Weitere Informationen:
Dr.-Ing. Jochen Moll
Projektkoordinator SENSORITHM Rhein-Main
Physikalisches Institut
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. 069 798-47208
moll@physik.uni-frankfurt.de
www.jochenmoll.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de 

 

Mai 18 2021
14:26

Das Projekt MathCityMap der Goethe-Universität ruft Lehrkräfte und Familien dazu, sich am internationalen „Outdoor Classroom Day“ am 20. Mai zu beteiligen.

Unterricht unter freiem Himmel

FRANKFURT. Der Outdoor Classroom Day ist eine internationale Initiative, um den Unterricht verschiedener Fächer in die Natur und alltägliche Umwelt zu verlagern. Am Donnerstag, den 20. Mai 2021, findet der diesjährige Tag statt. Es sind sämtliche Schulen, Einrichtungen und Familien dazu eingeladen, die bekannte Lernumgebung zu verlassen und die eigene Umwelt mit schulischem Wissen zu erkunden. Das Projekt MathCityMap vom Institut der Didaktik der Mathematik und Informatik der Goethe-Universität ruft Lehrkräfte für das Fach Mathematik, Einrichtungen und Eltern dazu auf, sich an dem Tag zu beteiligen.

Bereits seit 2012 wurde im Rahmen von MathCityMap eine App entwickelt (in den Playstores unter mathcitymap zu finden), mit der mathematische Wanderpfade abgelaufen werden können. Egal ob gezählt, gemessen oder gerechnet wird – Mathematik außer Haus lässt sich an nahezu jedem alltäglichen Objekt entdecken, erklärt Mathematikprofessor Matthias Ludwig, der das Projekt leitet: „Wir laden alle herzlich dazu ein, einen mathematischen Wanderpfad mit Ihren Schülerinnen und Schülern bzw. Ihren Familienangehörigen auszuprobieren. Dafür gibt es bereits eine Vielzahl von uns angelegter Routen.“ Eine Auswahl für das Rhein-Main-Gebiet wurde von Ludwigs Team bereits zusammengestellt. Als ein Highlight des Wanderpfades bieten sich die Skulpturen Herbert Mehlers an, die bis Ende April 2022 auf dem Campus Westend der Goethe-Universität gezeigt werden.

Um einen Spaziergang mit Schülerinnen und Schülern zu organisieren, muss lediglich eine passende Route ausgewählt und den Kindern der entsprechende Code mitgeteilt werden. Das Ablaufen kann entweder zeitgleich mit der ganzen Klasse oder über einen längeren Zeitraum mithilfe der Familien individuell organisiert werden. Wer bei der Vorbereitung Hilfe benötigt, kann sich gerne melden unter info@mathcitymap.eu  

Flyer von MathCityMap (mit Routen um den Goetheplatz und die Alte Oper): http://www.uni-frankfurt.de/101425078

Informationen zum Outdoor Classroom Day: https://outdoorclassroomday.com/  

Informationen zur Freiluftausstellung mit 18 Großskulpturen von Herbert Mehler: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/campus/goethe-uni-und-die-galerie-praesentieren-freiluftausstellung-mit-18-grossskulpturen-von-herbert-mehler/

Kontakt: Prof. Dr. Matthias Ludwig, Institut für Didaktik der Mathematik und Informatik (IDMI), Goethe-Universität Frankfurt am Main, Tel. (069) 798-28695; ludwig@math.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 18 2021
14:22

Der frühere hessische Wissenschaftsminister folgt Prof. Dr. Matthias Kleiner, der von 2014 bis 2021 amtierte

Goethe-Universität: Udo Corts zum Vorsitzenden des Hochschulrats gewählt

FRANKFURT. Die Goethe-Universität hat einen neuen Vorsitzenden des Hochschulrats: Der frühere hessische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Dr. h.c. Udo Corts, wurde am 17. Mai vom Hochschulrat einstimmig mit einer Enthaltung gewählt. Der 66-Jährige tritt sein Amt mit sofortiger Wirkung als Nachfolger von Prof. Dr. Dr. h.c. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, an, dessen Amtszeit im April endete: „Ich freue mich sehr, dass der Hochschulrat mich mit einem so klaren Votum für dieses wichtige Amt ausgestattet hat und danke für das Vertrauen“, sagte Corts nach der Wahl. „Die Goethe-Universität ist eine der größten und forschungsstärksten Hochschulen in Deutschland und Stiftungsuniversität mit einem hohen Maß an Eigenständigkeit. Der Hochschulrat wird alles tun, um die positive Entwicklung der letzten 15 Jahre weiter zu unterstützen und dem neuen Präsidium mit Rat und Tat zur Seite stehen. Dabei hilft mir, dass ich mich bereits als hessischer Wissenschaftsminister ab 2006 für die Umwandlung der Goethe-Universität in eine Stiftung des öffentlichen Rechts einsetzen durfte, die 2008 durch den Landtag vollzogen wurde. Als meinem Vorgänger danke ich insbesondere Matthias Kleiner für die wichtigen Akzente zur universitären Weitentwicklung, die während seiner Amtszeit gesetzt werden konnten und wünsche ihm persönlich alles Gute!“

Die Hessische Wissenschaftsministerin, Angela Dorn: „Ich gratuliere Udo Corts sehr herzlich zu seiner Wahl. Schon aus seiner Zeit als hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst kennt er die Goethe-Universität bis ins Detail, die unter seiner Ägide in eine Stiftung des öffentlichen Rechts umgewandelt wurde. Auch seither ist er der Universität eng verbunden geblieben, etwa durch seine Funktionen im Aufsichtsrat des Uniklinikums oder im Vorstand der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität. Ich bin mir sicher, dass er mit seinem großen hochschulpolitischen Sachverstand und seiner sachorientierten und integrierenden Art eine Bereicherung für das Gremium darstellt. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Herrn Corts. Herrn Professor Kleiner, der die Universität über sechs Jahre in der Funktion des Hochschulratsvorsitzenden sehr engagiert und fachkundig begleitet hat, danke ich sehr herzlich für sein Wirken. Er hat die Entwicklung der Universität in den letzten Jahren sehr positiv mitgeprägt.“

Der Vorsitzende der Leibniz-Gemeinschaft und frühere Hochschulratsvorsitzende, Prof. Dr. Matthias Kleiner: „Udo Corts wünsche ich von Herzen viel Erfolg bei seiner neuen Aufgabe als Vorsitzender des Hochschulrates, die immer bedeutet, das Bestmögliche für die Goethe-Universität zu erreichen. Für die nächste Runde der Exzellenzstrategie wird Verbundforschung in Netzwerken sicherlich ein wesentlicher Erfolgsfaktor sein. Ohne Zweifel ist Herr Corts seinerseits ein exzellenter „Networker“, der mit seinen in der Politik und Wirtschaft gemachten Erfahrungen der mir durch viele Jahre ans Herz gewachsenen Frankfurter Goethe-Universität ein leidenschaftlicher, kritisch-konstruktiver Begleiter und Ratgeber sein wird.“

Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff: „Ich beglückwünsche Herrn Corts zur Wahl als neuen Vorsitzenden des Hochschulrats der Goethe-Universität. Ich bin sehr froh, dass mit ihm ein exzellenter Experte für Wissenschafts- und Hochschulpolitik mit guten Drähten in die Wirtschaft und festen Wurzeln in der Stadt Frankfurt für diese wichtige Position gefunden werden konnte. Ich wünsche Udo Corts für sein Amt alles Gute und freue mich sehr auf die künftige enge Zusammenarbeit.“ 

In seiner Vorstellung betonte Corts, dass die durch Digitalisierung und Pandemie sich verändernde Welt auch vor den Universitäten nicht haltmache. Hier gelte es strategisch die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Auch die Vorbereitung auf die nächste Exzellenzstrategie habe jetzt schon begonnen; hier werde der Hochschulrat mit seinen Möglichkeiten das Präsidium unterstützen. Auch erinnerte er an teilweise hohe Abbruchquoten von Studierenden, dies könne so auf Dauer nicht hingenommen werden, die Studierenden müssten erfolgreich ihre Universität verlassen können. Er wies darauf hin, dass die Goethe Universität und auch die anderen Hochschulen als Standortfaktoren für die Stadt Frankfurt am Main von der Stadtpolitik noch nicht ausreichend anerkannt würden. Die neue Koalition sei hier gefordert.

Udo Corts war von 2003 bis 2008 Wissenschaftsminister in Hessen. In seine Zeit fiel die Umwandlung der Goethe Universität in eine Stiftung des öffentlichen Rechts. Außerdem initiierte er das Hochschulentwicklungs- und Umbauprogramm HEUREKA, auch die Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) und er war Mitgründer der Deutsch-Vietnamesischen Universität in Ho Chi Minh City. Corts wechselte nach seinem Ausscheiden aus der Politik in die Wirtschaft und war von 2008 bis 2020 Vorstand der Deutschen Vermögensberatung AG.

Foto zum Download unter: http://www.uni-frankfurt.de/101417519

Foto: Büro Corts


Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR & Kommunikation, Tel: 069 798-13035, Fax: 069 798-763 12531, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 18 2021
11:26

Universitätsmusikdirektor der Goethe-Universität an Eichstätter Studie beteiligt: Chöre klagen über Austritte, Nachwuchssorgen und Geldnot

Wie Corona die Chormusik aus dem Takt bringt

Schrumpfende Mitgliederzahlen, finanzielle Sorgen, Nachwuchsprobleme: Die Chorlandschaft im deutschsprachigen Raum hat erheblich unter der Coronakrise zu leiden. Dies zeigt eine Studie, an der auch Jan Schumacher, Universitätsmusikdirektor der Goethe-Universität, beteiligt war.  

FRANKFURT/EICHSTÄTT. Bereits nach einem Jahr Pandemie hat die Chorlandschaft im deutschsprachigen Raum offenbar erheblichen Schaden genommen. Die Chöre klagen über rückläufige Mitgliederzahlen, finanzielle Sorgen und Nachwuchsprobleme – und befürchten, dass der Mitgliederschwund sich auch nach der Krise fortsetzen wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter Leitung von Prof. Dr. Kathrin Schlemmer (Professur für Musikwissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt), an der sich binnen kurzer Zeit mehr als 4300 Chöre in Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt haben. Ko-Autoren der Erhebung sind Tobias Brommann (Domkantor am Berliner Dom), Prof. Jan Schumacher (Universitätsmusikdirektor, Goethe-Universität Frankfurt/Main) sowie Ester Petri und Dr. Johannes Graulich, die den im Bereich Chormusik führenden Stuttgarter Carus-Verlag leiten. Prof. Jan Schumacher, Universitätsmusikdirektor an der Goethe-Universität, gilt als profunder Kenner der deutschen und internationalen Chorszene und ist unter anderem Vorsitzender des Beirats Chor im Deutschen Musikrat. Er wurde daher insbesondere zu künstlerischen Fragen bei der Erstellung und Auswertung der Umfrage als Ko-Autor konsultiert. Erste Ergebnisse der Online-Befragung von Chören hat das Projektteam nun in der aktuellen Ausgabe der „neuen musikzeitung“ (nmz) veröffentlicht.

Mit mehr als vier Millionen aktiven Sängerinnen und Sängern allein in Deutschland gehört Chormusik zu den wesentlichen Säulen des Laienmusizierens. Die Studie „Chormusik in Coronazeiten“ (ChoCo) dokumentiert erstmals die kritische Lage in diesem Bereich bezogen auf alle wesentlichen Aspekte von Chorarbeit. „Die Zahl der aktiven Sängerinnen und Sänger bei den befragten Chören ist während der Pandemie deutlich rückläufig. Nur weniger als ein Drittel konnte die Mitgliederzahl beibehalten. Besonders ausgeprägt ist der Verlust bei den mehr als 580 befragten Nachwuchschören. Von diesen existiert de facto fast jeder achte Kinder- und Jugendchor nicht mehr“, berichtet Professorin Schlemmer.

Fast 60 Prozent aller befragten Ensembles erwarten, dass sie auch in der Zeit nach der Pandemie nicht mehr in früherer Besetzungsstärke weiterarbeiten werden. 15 Prozent fürchten sogar einen deutlichen Rückgang des Interesses von Sängerinnen und Sängern durch die lange Zwangspause. Trotz zahlreicher kreativer Ansätze für die coronakonforme Chorarbeit – etwa durch digitale Proben, Singen im Freien oder in größeren Räumen – werde nur ein kleiner Teil der Ensembles erreicht. Gleichzeitig seien die Proben mit einem enormen Mehraufwand für die Verantwortlichen verbunden. Die Auswertung der Fragebogen ergab auch, dass mit reduzierter Mitgliederzahl und stark reduzierten Proben- und Auftrittsmöglichkeiten die Qualität des Ensembles spürbar nachlasse. Die Frage nach der aktuellen musikalischen Verfassung werde für mehr als die Hälfte der Chöre im negativen Bereich beantwortet, ebenso die Frage nach der aktuellen mentalen Verfassung. Weniger besorgniserregend fielen die Antworten aus, was den Zusammenhalt innerhalb der Chöre betrifft: Die Hälfte der Chöre sehe diesen noch im positiven Bereich. Besondere Sorge bereitet dem Projektteam allerdings, dass der Zusammenhalt vor allem bei den Nachwuchschören stark gelitten habe. Diese unterliegen durch Schule oder Ausbildung ohnehin schon einer größeren Fluktuation als Chöre mit erwachsenen Mitgliedern. In Kinder- und Jugendchören muss folglich ständig Nachwuchs gefunden werden. Sie sind gegenüber Unterbrechungen besonders anfällig. Die finanzielle Situation beurteilt jeder dritte befragte Chor als eher oder sogar sehr unsicher, da gängige Einnahmen wie Erlöse aus Konzerten fehlen. Weitere gut 20 Prozent der Chöre erwarten finanzielle Probleme in diesem oder im nächsten Jahr. In der Konsequenz können viele Chöre beispielsweise ihre oft freiberuflichen Leiterinnen und Leiter nicht mehr (voll) finanzieren.

Die ChoCo-Studie soll nicht nur die aktuelle Lage deutlich machen, sondern auch auf Förderbedarfe hinweisen, um weiteren Schaden abzuwenden: „Die teilnehmenden Chöre wünschen Hilfe bei der Finanzierung von Schnelltests, gefolgt von der Unterstützung bei den Honoraren für die Dirigentinnen und Dirigenten, Zuschüsse für Notenmaterial sowie eine Ausfallversicherung bei Konzerten in der aktuell unsicheren Pandemielage, um den Chorbetrieb sicher wieder aufnehmen zu können.“

Aus Sicht des Projektteams sind die Ergebnisse umso beunruhigender, da sie noch vor der dritten Welle im März ermittelt wurden. Zu diesem Zeitpunkt rechneten viele Chöre noch damit, bald wieder proben zu können. Mangels Öffnungsperspektive habe sich die Situation für die Chöre weiter verschlechtert: „Von vielen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens wird sich die Erholung bei den Chören unterscheiden, eine baldige Wiederherstellung des normalen Chorlebens ist zeitnah nicht zu erwarten.“

Über die nun veröffentlichten ersten Ergebnisse hinaus will das Autorenteam die Erhebung noch detaillierter auswerten – etwa im Hinblick auf regionale Unterschiede oder die Art der Chöre. Zudem hatten die Befragten neben einem standardisierten Fragebogen auch Gelegenheit, die Situation mit eigenen Worten zu schildern. Diese qualitativen Daten werden nun noch weiter untersucht.

Publikation: Ein ausführlicher Beitrag zur ChoCo-Studie ist in der „Neuen Musikzeitung“ (nmz) erschienen und unter www.nmz.de/choco abrufbar.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Kathrin Schlemmer
Professur für Musikwissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt
kathrin.schlemmer@ku.de

Prof. Jan Schumacher
Universitätsmusikdirektor
Institut für Musikwissenschaften der Goethe-Universität
J.Schumacher@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 18 2021
10:55

49. Römerberggespräche in Kooperation mit dem Forschungsverbund Normative Ordnungen: Von den Grenzen und Möglichkeiten des Politischen in Krisenzeiten

Die Republik auf allen Viren – wieviel Angst verträgt die Demokratie?

FRANKFURT. Die Pandemie gerät zum Stresstest – nicht nur für das Individuum, sondern auch für das politische System. Grundrechte werden eingeschränkt, Gesetze zu Verordnungen verkürzt. Die Regierung inszeniert sich als effizienter Krisenmanager, der aus wissenschaftlichen Erkenntnissen alternativlose Konsequenzen zieht. Grenzüberschreitend werden angesichts der viralen Bedrohung Rückfälle in autoritär anmutendes Staatshandeln und überwunden geglaubten Nationalismus sichtbar. Bleibt den Bürger*innen also nur noch Angst und Ohnmacht, wenn Experten das Sagen haben?

Im Rahmen der Frankfurter Römerberggespräche debattieren Wissenschaftler*innen über die psychischen und politischen Langzeitfolgen des fortgesetzten Lockdowns. Sie loten das Verhältnis von individueller Freiheit, wechselseitigem Vertrauen und staatsbürgerlicher Souveränität aus. Sie fragen, wie sich das Verhältnis von Staat, Wissenschaft und Gesellschaft verändert, und wie die Zivilgesellschaft wieder zum Ort einer kritischen Öffentlichkeit werden kann – ohne haltlosem Verschwörungsglauben in die Hände zu spielen.

Die Veranstaltung findet statt im Rahmen der

49. Römerberggespräche
Die Republik auf allen Viren – wieviel Angst verträgt die Demokratie?
am Samstag, dem 22. Mai 2021
live übertragen aus dem Chagall Saal des Schauspiel Frankfurt.

Der Livestream wird ab 10 Uhr auf www.roemerberggespraeche-ffm.de zu verfolgen sein.

Zur Begrüßung spricht Angela Dorn, hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst. Moderiert wird die Veranstaltung von der Journalistin Hadija Haruna-Oelker und dem Leiter der Literaturredaktion von hr2-kultur, Alf Mentzer.

Zu den teilnehmenden Wissenschaftlern des kooperierenden geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes gehören Prof. Dr. Klaus Günther (Dekan des Fachbereichs Rechtswissenschaft der Goethe-Universität und Mitglied des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“) und Prof. Dr. Dr. Günter Frankenberg (Professor für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung der Goethe-Universität und Assoziiertes Mitglied des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“).

Weitere Redner*innen und Diskussionsgäste sind Prof. Birgit Aschmann (Historikerin, HU Berlin), Thomas Brussig (Autor), Prof. Nico Dragano (Medizinsoziologe, Universitätsklinikum Düsseldorf), Prof. Christiane Eichenberg (Leiterin des Instituts für Psychosomatik der Sigmund Freud Privatuniversität), Prof. Valentin Groebner (Historiker, Universität Luzern), Dr. Romy Jaster (Lehrstuhl für Theoretische Philosophie an der HU Berlin), Prof. Armin Nassehi (Soziologe, LMU München) und Prof. Rudolf Stichweh (Soziologe, Universität Bonn).

Die Frankfurter Römerberggespräche bestehen seit 1973 in ununterbrochener Folge und sind eine feste Institution der Debattenkultur in Deutschland. Vorsitzender des Trägervereins Römerberggespräche e.V. ist Miloš Vec, Professor für Rechts- und Verfassungsgeschichte an der Universität Wien und seit 2013 assoziiertes Mitglied des Frankfurter Forschungsverbundes Normative Ordnungen.
 
Das Programm am 22. Mai 2021 im Überblick:
 
10:00 Uhr
Begrüßung der hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn

10:15 Uhr
Prof. Armin Nassehi (Soziologe, LMU München): Die infizierte Gesellschaft und ihre Immunreaktionen

11.00 Uhr
Thomas Brussig (Autor) –  Prof. Günter Frankenberg (Jurist, Goethe-Universität, Assoziiertes Mitglied "Normative Orders"): „Mehr Diktatur wagen? Demokratie und Rechtsstaat in der Pandemie“

12.00 Uhr – 13.00 Uhr
Prof. Birgit Aschmann (Historikerin, HU Berlin) – Prof. Valentin Groebner (Historiker, Universität Luzern): „Tod und Krankheit – Politik- und Sozialgeschichte der Pandemie“

14.00 Uhr
Dr. Romy Jaster (Lehrstuhl für Theoretische Philosophie an der HU Berlin) – Prof. Rudolf Stichweh (Soziologe, Universität Bonn): „Wahnsinn und Methode – Was bleibt von der Wahrheit in Corona-Zeiten?“

15.00 Uhr
Prof. Christiane Eichenberg (Leiterin des Instituts für Psychosomatik der Sigmund Freud Privatuniversität) – Prof. Nico Dragano (Medizinsoziologe, Universitätsklinikum Düsseldorf): „Stresstest Pandemie – Psychische Leiden im Lockdown“

16.00 Uhr – 17.00 Uhr
Prof. Klaus Günther (Dekan des Fachbereichs Rechtswissenschaft der Goethe-Universität, "Normative Orders"): „Wandle nur wehrlos fort durchs Leben, und fürchte nichts! – Angst und Vertrauen im demokratischen Rechtsstaat“

Details zum Programm:
www.roemerberggespraeche-ffm.de, www.normativeorders.net

Information und Anmeldung:
Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“, Tel.: 069/798-31407, anke.harms@normativeorders.net


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 17 2021
10:02

Wie neuartige Therapeutika Einblicke in Membrane von Bakterien geben

In Zeitlupe gegen Antibiotikaresistenz

Ob Bakterien gegen Antibiotika resistent sind, entscheidet sich oft an ihrer Zellmembran. Dort können Antibiotika auf dem Weg ins Zellinnere blockiert oder von innen nach außen katapultiert werden. Makrozyklische Peptide, eine neuartige Klasse von Antibiotika, bioaktiver Zellgifte und Hemmstoffe (Inhibitoren), geben Aufschluss darüber, wie dieser Transportprozess an der Membran verläuft, wie er beeinflusst wird und wie er genutzt werden kann, um die Resistenz einer bösartig transformierten Zelle zu umgehen. Die Forschungsergebnisse, die hierzu unter der Leitung von Prof. Dr. Robert Tampé (Goethe-Universität) und von Prof. Dr. Hiroaki Suga (Universität Tokyo) erarbeitet wurden, werden in dem renommierten Journal eLife veröffentlicht (20-02-2021-RA-eLife-67732). 

FRANKFURT. Es gibt zurzeit nur wenige synthetische Wirkstoffe, die an die weit verbreiteten Membrantransportproteine, den ATP-Bindungskassettentransportern (ABC), binden und diese blockieren. Vier dieser makrozyklischen Peptide haben Wissenschaftler der Goethe-Universität und der Universität von Tokyo als Modelle für eine neuartige Generation von Wirkstoffen identifiziert. Dabei kamen Methoden zur Anwendung, für die die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als weltweit führend gelten.  

Dank Deep Sequencing, einem extrem schnellen und effizienten Ausleseverfahren, konnten die gewünschten makrozyklischen Peptide aus einer Billionen Varianten umfassenden “Bibliothek" makrozyklischer Peptide herausgefiltert werden – diese Zahl übersteigt die Anzahl an Sternen in der Milchstraße. Dass überhaupt eine solch enorme Anzahl vorliegt, hängt mit einem neuartigen Verfahren zusammen: Durch Reprogrammierung des genetischen Codes können Aminosäuren gezielt als Wirkstoffbauteile verwendet werden, die sonst in der Zelle nicht genutzt werden. Vor allem durch ihre kreisförmige, geschlossene Struktur unterscheiden sie sich von natürlichen Proteinen. “Weil diese Therapeutika zyklisch sind, werden sie in der Zelle weniger schnell abgebaut", erklärt Robert Tampé, Direktor des Instituts für Biochemie an der Goethe-Universität. “Außerdem sind die ringförmigen Wirkstoffe in ihrer Raumstruktur eingeschränkt, sie binden deshalb ohne große Umlagerungen an das Zielmolekül." Ein drittes Unterscheidungsmerkmal macht die makrozyklischen Peptide ganz besonders attraktiv für die Wissenschaftler:innen: Bei der Herstellung der Wirkstoffe wird ihre Bauanleitung als “Barcode" mitgeliefert. Sucht man in einer Anzahl von Billionen synthetisch erzeugter Therapeutika bestimmte heraus, führen sie ihr “Namensetikett" gleichsam mit sich. 

Welche Rolle spielen nun die synthetischen Therapeutika für die Antibiotikaresistenz in Bakterien oder die Multidrogenresistenz von Tumorzellen? Was geschieht, wenn sie auf das ATP-getriebene Transportmolekül treffen, das für die Resistenz verantwortlich ist, indem es die Chemotherapeutika aus der Zelle befördert? Kurz zusammengefasst: Die Wirkstoffe blockieren den Transporter, indem sie an ihn binden. Dies kann am Anfang oder am Ende eines Transportprozesses geschehen, wenn sich der Transporter im Ruhzustand befindet. Da die Wissenschaftler:innen den Transportprozess aber verlangsamen können, so dass er wie in Zeitlupe abläuft, können die Wirkstoffe identifiziert werden, die mitten im Transportprozess “einsteigen" und das Membranprotein in seiner jeweiligen Position “festhalten“. So erhalten die Forscher:innen einen Einblick in die Choreographie des Transportprozesses wie durch die Bilder eines Filmstreifens. 

Diese Einblicke haben in der Wissenschaft bereits zu einem “Paradigmenwechsel" geführt, wie Tampé erklärt: „Bislang sind wir davon ausgegangen, dass die ATP-Hydrolyse (Anm: ein Energie freisetzender Spaltprozess) die Energie für den Transport durch die Membran liefert. Dies ist aber nur indirekt der Fall. Es ist das Ereignis der Bindung des ATP-Moleküls, das Substanzen aus der Zelle stößt. Die Energie der Hydrolyse wird dagegen dafür eingesetzt, den ABC-Transporter wieder in seinen Ausgangszustand zu versetzen." Diese und andere Einblicke in das Membrangeschehen, so die Überzeugung der Arbeitsgruppen an der Goethe-Universität und der Universität Tokyo, zeigen Wege auf, wie zukünftige Arzneimittel entwickelt werden können. 

Die Grundlagenforschung zu zellulären Membranen und Membranproteinen hat in Frankfurt bereits eine lange Tradition. Robert Tampé klärte wesentliche Mechanismen von ATP-getriebenen Transportproteinen und zellulären Maschinerien der adaptiven Immunantwort und Qualitätskontrolle, die gemeinsam mit der neuen Publikation Ansätze für die angewandte Arzneimittelforschung liefern können. Nachdem Tampé Sprecher des Ende 2020 ausgelaufenen Sonderforschungsbereichs »Transport und Kommunikation über biologische Membranen« (SFB 807) war, befindet sich das Konzept für ein neues Forschungszentrum bereits in der Entwicklung. Dabei sollen hochdynamische Prozesse in Bezug auf Proteinnetzwerke und Maschinerien in zellulären Membranen erforscht werden. Langfristig sollen die Forschungsergebnisse neue Möglichkeiten für die Therapie von molekularen Krankheiten, Infektionen und Krebs aufzeigen.

Publikation:
Erich Stefan, Richard Obexer, Susanne Hofmann, Khanh Vu Huu, Yichao Huang und Nina Morgner, zudem federführend Hiroaki Suga und Robert Tampé: „De novo macrocyclic peptides dissect energy coupling of a heterodimeric ABC transporter by multimode allosteric inhibition“ (20-02-2021-RA-eLife-67732)

Stefan, Hofmann und Tampé forschen am Institut für Biochemie der Goethe-Universität, Vu Huu und Morgner am Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Goethe-Universität und Obexer, Huang und Suga am Department of Chemistry, University of Tokyo.

Bilder zum Download: www.uni-frankfurt.de/101026220
(Grafik: Robert Tampé, Inst. f. Biochemie, Biozentrum, Goethe-Universität Frankfurt)
Bildtext: Synthetische Therapeutika für die Antibiotikaresistenz in Bakterien oder die Multidrogenresistenz von Tumorzellen können das ATP-getriebene Transportmolekül blockieren, das Chemotherapeutika aus der Zelle befördert 

Weitere Informationen
Prof. Dr. Robert Tampé
Institut für Biochemie, Biozentrum
Goethe-Universität Frankfurt
tampe@em.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Hiroaki Suga
Department of Chemistry
Graduate School of Science
The University of Tokyo
hsuga@chem.s.u-tokyo.ac.jp


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 12 2021
16:01

Goethe-Universität und Ausstellungshaus DIE GALERIE präsentieren bis 24. April 2022 auf dem Campus Westend Freiluftausstellung mit 18 Großskulpturen von Herbert Mehler

Beim Wachstum zuschauen

FRANKFURT. Corona hat das Kunst-, Kultur- und Ausstellungsleben in Frankfurt und Deutschland auf ein Minimum reduziert. Ab dem 15. Mai präsentieren die Goethe-Universität und das Frankfurter Ausstellungshaus DIE GALERIE als „Gegenmaßnahme“ eine außergewöhnliche Schau von 18 Cortenstahl-Großskulpturen des Bildhauers Herbert Mehler – auf dem weitläufigen Parkgelände des Campus Westend. Zeit für Freiluft-Kunstgenuss sollte ausreichend bestehen: Die Skulpturen werden fast ein Jahr lang bis Ende April 2022 auf dem Campus Westend gezeigt.

„Wir senden angesichts von Corona damit ein Hoffnungszeichen in die Frankfurter Stadtgesellschaft“, sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff. „Dank hoffentlich jetzt stetig sinkender Corona-Inzidenzen besteht die Chance, dass diese – unter sieben verschiedenen Leitthemen – gruppierte spektakuläre Skulpturen-Schau von immer mehr Universitätsangehörigen und Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Frankfurt und des Rhein-Main Gebietes besucht werden kann und für die Universitätsgemeinschaft eine Inspiration darstellt. Die Ausstellung sei, so Schleiff, auch ein „Vorbote“ für die geplante Öffnung der Goethe-Universität im kommenden Wintersemester mit wieder deutlich mehr Präsenzlehre. „Damit dürften auch wieder mehr Menschen auf dem Campus unterwegs sein, sollte die gegenwärtige positive Entwicklung mit immer mehr Impfungen anhalten.“

„Wir sind glücklich, mit dieser Skulpturenschau unsere langjährige Kooperation mit der Goethe-Universität fortsetzen zu können“, sagt Galerist Peter Femfert, der zusammen mit Universitätspräsident Schleiff die Idee für diese Ausstellung entwickelte. „Herbert Mehler ist ein außergewöhnlicher Künstler, dessen Arbeiten besonders gut mit dem Campus Westend und den dortigen Gebäuden harmonieren.“

Eingebettet in die spektakuläre Kulisse des weitläufigen Parkgeländes rund um das von Hans Poelzig 1928/29 errichtete IG-Farben-Ensemble, präsentieren die Ausstellungsmacher unter dem Titel „Herbert Mehler | Wachstum –Körper –Raum. Dialog mit der Goethe-Universität“ insgesamt sieben thematisch orientierte Figurengruppen. In den Grundideen finden sich einerseits Berührungspunkte zu universitären Entwicklungsthemen (Zielsetzung, Diversität, offenes Denken und Nachhaltigkeit) der kommenden Jahre, andererseits Denkanstöße für das ästhetische Erleben und Reflektieren sowie ein bewusster Blick auf das Keimen und Wachstum in der Natur. 

Ein besonders Kennzeichen der Ausstellung ist auch, dass sieben Mitglieder der Goethe-Universität und befreundeter Einrichtungen wie Senckenberg an den einzelnen Themenstellungen der Skulpturengruppen mitgewirkt haben und sie mit ihren Texten auf sehr individuelle Weise begleiten. So ist die Ausstellung zu einem echten Gemeinschaftswerk geworden und atmet – Stichwort Diversität und Wissenschaft – den Geist ganz unterschiedlicher Zugänge und Herangehensweisen: Mit dabei sind der Philosoph Rainer Forst, der Theologe und Buber-Spezialist Christian Wiese, die Pilzforscherin Meike Piepenbring, Senckenberg-Generaldirektor Klement Tockner, der Neurowissenschaftler David Poeppel, aber auch der Student Emil Unkrig sowie die Gleichstellungsbeauftragte der Goethe-Universität, Anja Wolde. Sie alle gestalten mit ihren Texten den 144-seitigen Katalog und geben mit ihren persönlichen Sichtweisen auf das Werk von Herbert Mehler der Ausstellung einen einzigartigen universitären Bezug.

„Kunst und Wissenschaft kommen hier auf ideale Weise zusammen“, erklärt der Künstler Herbert Mehler. „Die großzügige Parkanlage des Campus Westend gibt den Plastiken den nötigen Raum zum Atmen und stellt sie in den Kontext, den ich mir für sie vorstelle, als Mittler zwischen Natur und Kultur.“ Der 1949 in Steinau bei Fulda geborene Künstler genießt sowohl im deutschsprachigen Raum als auch international ein hohes Ansehen. Seine hochaufragenden, aus gleichmäßigen Lamellen erschaffenen Gebilde aus Cortenstahl erwecken mit ihren teils geometrischen, teils organischen Formen den Anschein gigantischer, pflanzlicher Formationen unterschiedlicher Art; auch der für Cortenstahl typische, braun-rötliche Farbton vermittelt einen besonders naturnahen Eindruck. Durch ihre schlanken, jedoch auch kraftvollen Schäfte erinnern Herbert Mehlers Werke zugleich an tragende Elemente der Baukunst und schlagen somit eine Brücke zwischen Natur und Architektur. Zur Ausstellung erscheint ein umfassender Katalog, welcher neben zahlreichen In Situ-Fotografien der ausgestellten Werke auch Informationen zum Künstler und dessen Arbeit enthält, ebenso wie Beiträge des Präsidenten der Goethe-Universität, Prof. Dr. Enrico Schleiff, und des Galeristen Peter Femfert sowie interdisziplinäre Texte über die unterschiedlichen Skulpturengruppen.

Der Ausstellungskatalog wird am 9. Juni 2021 – anlässlich der Eröffnung des zweiten Teils der Ausstellung in den Räumlichkeiten von DIE GALERIE – offiziell vorgestellt. Hier werden bis zum 25. August 2021 weitere Skulpturen des Künstlers mittleren und kleineren Formats präsentiert.

Link zum Katalog, dem Faltblatt und zu ausgewählten Fotos unter:
http://www.uni-frankfurt.de/101282932
Fotos: Lars Wiedemann

Weitere Informationen
Dr. Olaf Kaltenborn
Leiter PR & Kommunikation
Telefon: 069 / 798 - 13035
E-Mail: kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR & Kommunikation, Tel: 069 798-13035, Fax: 069 798-763 12531, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 12 2021
11:32

Doppelbachelor-Programm der Goethe-Universität und Université Paris-Dauphine in Deutsch-Französische Hochschule aufgenommen

Kreativ kooperiert 

Gemeinsame deutsch-französische Studiengänge zu initiieren und finanziell zu fördern - zu diesem Zweck hat die von den Ländern Deutschland und Frankreich gegründete Deutsch-Französische Hochschule (DFH) Ende der 90er Jahre ihre Arbeit aufgenommen. Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität hat nun mit der Partneruniversität Université Paris-Dauphine PSL ein Doppelbachelor-Programm entwickelt, das vom Universitätenverbund der DFH gefördert wird.

FRANKFURT. International zu studieren, bedeutet für die meisten Studierenden, ein oder zwei Semester an einer ausländischen Universität zu verbringen. International zu studieren, bedeutet für einige wenige zudem, ihr Studium mit einem doppelten Abschluss zu beenden. Nur die allerwenigsten haben dabei aber die Gelegenheit, in einem Doppelprogramm auch ein Semester gemeinsam mit Studierenden der Partneruniversität zu verbringen. Diese Besonderheit zeichnet das neue Doppelbachelor-Programm am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität aus: Die Frankfurter Studierenden studieren nicht nur jeweils zwei Semester in zwei Ländern und beenden ihr Studium mit einem Bachelordiplom beider Hochschulen; sie absolvieren zudem ein Semester gemeinsam mit den französischen Austauschstudierenden an der Goethe-Universität.

Mit diesem Konzept hat das neue Doppelprogramm die Hürde für die Aufnahme in die Deutsch-Französische Hochschule, einen Verbund von 208 Hochschulen, genommen. Das Plus für die Studierenden: Sie können neben ihrer Erasmus-Förderung eine zusätzliche Förderung von 300 Euro für ihren Auslandsaufenthalt erhalten. 25 Studienplätze auf deutscher und auf französischer Seite stehen dafür zur Verfügung.

Die 1992 begonnene Partnerschaft des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften mit der renommierten Université Paris-Dauphine ist eine der ältesten und intensivsten Kooperationen des Fachbereichs, der mit 150 ausländischen Hochschulen kooperiert. Im Jahr 2014 führten beide Seiten ein gemeinsames Doppelbachelor-Programm ein, in dessen Rahmen Studierende und Lehrende zwischen beiden Hochschulen ausgetauscht werden. Was als „Versuchsballon“ startete, beschreibt Lars Pilz, Dekansbeauftragter für Studienangelegenheiten des Fachbereichs, nahm über die Jahre die Form eines gemeinsamen Curriculums an – auch dank des regelmäßigen Feedbacks der Studierenden und der „Kreativität“ aller Beteiligten. Es musste nämlich nicht nur die eine oder andere verwaltungstechnische Hürde überwunden, sondern auch ein gemeinsames Selbstverständnis des neuen Studiengangs entwickelt werden – wie etwa ein mindestens einjähriger Auslandsaufenthalt, gute Sprachkenntnisse und gegenseitig anerkannte Studienabschlüsse. „Anfragen für Doppelprogramme bekommen wir öfter“, berichtet Pilz. „Vor allem angelsächsische Hochschulen sind aber nur an einem kurzen Aufenthalt ihrer Studierenden interessiert; eine Summer University gilt da schon als Auslandsstudium.“

Die gute Kooperation mit der Université Paris-Dauphine hat inzwischen zu einem weiteren Doppelprogramm geführt: Seit 2019 gibt es das gemeinsame Doppelmaster-Programm im Bereich Finanzen. Nun können Studierende des Bachelorprogramms in Wirtschaftswissenschaften auf Bachelor- wie auch auf Masterebene einen Abschluss an beiden Partnerinstitutionen erwerben.

Weitere Informationen
Lars O. Pilz
Dekansbeauftragter für Studienangelegenheiten
lpilz@wiwi.uni-frankfurt.de
https://www.wiwi.uni-frankfurt.de/international/studieren-im-ausland/austauschprogramme/doppelbachelor-paris.html


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 10 2021
14:47

Remdesivir-Metabolit GS-441524 bindet an Protein nsP3 von SARS-CoV-2 – Potenzial für Wirkstoffentwicklung gegen zahlreiche weitere Viren

SARS-CoV-2-Forschung: Zweiter möglicher Wirkmechanismus von Remdesivir entdeckt

Bei der Infektion einer Zelle sorgt SARS-CoV-2 nicht nur dafür, dass die Wirtszelle neue Viruspartikel herstellt. Das Virus unterdrückt auch Abwehrmechanismen der Wirtszelle. Dabei spielt das Virenprotein nsP3 eine zentrale Rolle. Durch Strukturanalysen haben Forscher:innen der Goethe-Universität jetzt in Kooperation mit dem schweizerischen Paul-Scherrer-Institut herausgefunden, dass ein Abbauprodukt des Virostatikums Remdesivir an nsP3 bindet. Dies deutet auf einen weiteren, bislang unbekannten Wirkmechanismus von Remdesivir hin, der wichtig für die Entwicklung neuer Medikamente gegen SARS-CoV-2 und andere RNA-Viren sein könnte.

FRANKFURT. Das Virostatikum Remdesivir wurde zur Störung eines wichtigen Schritts in der Vermehrung von RNA-Viren entwickelt, zu denen auch SARS-CoV-2 gehört: die Vervielfältigung des viruseigenen Erbguts. Es liegt als RNA-Matrize vor, mit der die Wirtszelle direkt Virenproteinen herstellt. Um die Produktion der eigenen Proteine jedoch zu beschleunigen, sorgen RNA-Viren für die Vervielfältigung der RNA-Matrize. Dazu nutzen sie ein bestimmtes, eigenes Protein (eine RNA-Polymerase), die von Remdesivir blockiert wird. Genau genommen erledigt das nicht Remdesivir selber, sondern eine Substanz, die in fünf Schritten aus Remdesivir gebildet wird, wenn Remdesivir in eine Zelle eindringt.

Im zweiten dieser fünf Schritte entsteht aus Remdesivir ein Zwischenprodukt, eine Substanz mit dem etwas sperrigen Namen GS-441524 (wissenschaftlich: ein Remdesivir-Metabolit). Auch GS-441524 ist virostatisch aktiv. Wie jetzt die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Stefan Knapp vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität Frankfurt herausfanden, zielt GS-441524 dabei auf ein Virusprotein von SARS-CoV-2 namens nsP3. nsP3 ist ein Multifunktionsprotein, es hat unter anderem die Aufgabe, die Abwehrreaktion der Wirtszelle zu unterdrücken. Die nämlich ist eigentlich einer Virenattacke nicht wehrlos ausgeliefert, sondern setzt zum Beispiel Entzündungsmechanismen in Gang, um Zellen des körpereigenen Immunsystems zur Hilfe zu rufen. Mithilfe von nsP3 unterdrücken die Viren quasi die Hilferufe der Zelle.

Prof. Stefan Knapp erläutert: „GS-441524 hemmt die Aktivität einer nsP3-Domäne, die für die Vervielfältigung von Viren wichtig ist, und die mit dem menschlichen zellulären Abwehrsystem kommuniziert. Unsere Strukturanalysen zeigen, wie diese Hemmung funktioniert, und wir legen damit eine wichtige Grundlage zur Entwicklung neuer und potenterer antiviraler Medikamente nicht nur gegen SARS-CoV-2. Denn die Zielstruktur von GS-441524 ist bei vielen anderen Coronaviren wie zum Beispiel SARS-CoV und MERS-CoV und auch bei einer Reihe von Alphaviren wie zum Beispiel dem Chikungunya-Virus sehr ähnlich. Daher könnte die Entwicklung entsprechender Medikamente auch helfen, auf künftige Virus-Pandemien vorbereitet zu sein.“

Publikation: Xiaomin Ni, Martin Schröder, Vincent Olieric, May E. Sharpe, Victor Hernandez-Olmos, Ewgenij Proschak, Daniel Merk, Stefan Knapp, Apirat Chaikuad: Structural Insights into Plasticity and Discovery of Remdesivir Metabolite GS-441524 Binding in SARS-CoV‑2 Macrodomain. ACS Med. Chem. Lett. 2021, 12, 603−609 https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acsmedchemlett.0c00684


Weitere Informationen
Prof. Dr. Stefan Knapp
Institut für Pharmazeutische Chemie und
Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
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