​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Jan 29 2021
09:52

Ethnologin an der Goethe-Universität erforscht die Auswirkungen der Pandemie auf informelle Märkte im Kaukasus und Zentralasien

Schwierige Zeiten für reisende Händler

Seit dem Ende der Sowjetunion haben sich im Kaukasus zahlreiche neue, eher informelle Handelswege herausgebildet: Günstige Ware wird in China oder in der Türkei persönlich geordert und in Georgien oder Armenien auf Märkten verkauft. Dazu forscht an der Goethe-Universität seit 2016 die Ethnologin PD Dr. Susanne Fehlings. Was macht Corona mit diesem Geschäftsmodell, das vielen Menschen das Überleben sichert? Dazu startet jetzt ein Zusatzmodul, das wie das gesamte Projekt von der VolkswagenStiftung finanziert wird.

FRANKFURT. Ökonomie im kleinen Maßstab – dafür interessiert sich die Ethnologin PD Dr. Susanne Fehlings vom Frobenius-Institut. Sie ist Initiatorin und Sprecherin des internationalen Forschungsprojekts „Informal Markets and Trade in Central Asia and the Caucasus“, das seit 2016 lokale Basare und die Handelsgepflogenheiten von reisenden Kleinhändlern z.B. zwischen Kaukasus und China unter die Lupe nimmt.  Im Februar startet das Zusatzmodul „The Immediate Consequences and Projected Long-Term Impact of the Corona Crisis on Informal Markets and Trade in Eurasia“. Dafür hat die VolkswagenStiftung für 18 Monate 120.000 Euro bewilligt.

Während zur Zeit der Sowjetunion die staatliche Planwirtschaft Unternehmertum grundsätzlich unterdrückte, boomten nach deren Ende Märkte, die weder erfasst noch reguliert werden und sich insofern auch statistischen Untersuchungen entziehen. Wie diese Märkte funktionieren, wie sich Händler verhalten und wie persönliche Beziehungen zum Tragen kommen, damit befasste sich Fehlings auch in ihrer Habilitationsschrift, die im Rahmen des Projekts entstanden ist. 2020 hat die Stiftung eine Anschlussförderung zur Erforschung der sich verändernden Rolle Chinas bewilligt. 

In diesem halblegalen, vom Staat misstrauisch beäugten Segment sei es nicht leicht, Menschen für eine ethnologische Forschung zu gewinnen, sagt Fehlings. Dennoch konnte sie über drei Jahre hinweg eine umfangreiche Fallstudie erstellen. Sie begleitete eine Händlergruppe in Georgien über mehrere Jahre, flog mit ihnen für drei Wochen nach China, wo es um Schuhe und Kleidung ging. „Für mich waren nicht nur die Abläufe des Handels selbst interessant, sondern vor allem auch das Drumherum“, sagt sie. Gerade Zwischenmenschliches spiele eine große Rolle. Virtuelle Kommunikation werde zwar genutzt, besonders in der Coronazeit. „Den physischen Kontakt ersetzt es aber nicht. Nicht nur, wenn es darum geht, die Ware auszusuchen; auch Geschenke kann man nur in Präsenz überreichen“, so Fehlings. Wie sich die Bedingungen für die Händler in der Pandemiezeit geändert hat und wie sie damit umgehen, darüber soll das neue Modul Aufschluss geben, dass offiziell am 1. Februar startet.

Bilder zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/97101469

Bildtexte:
Bild 1: Straßenhändler in Tbilisi, 2016 (Foto: Susanne Fehlings)
Bild 2: Georgischer Händler in Beijing, 2017 (Foto: Susanne Fehlings)
Bild 3: Bazar in Tbilisi, 2016 (Foto: Susanne Fehlings)

Weitere Informationen
PD Dr. Susanne Fehlings
Projektleiterin
Frobenius Institut
Goethe-Universität
Telefon 0176-31284456
E-Mail Susanne.fehlings@gmx.net
Homepage: https://www.frobenius-institut.de/assoziierte-wissenschaftler/53-assoziiert/711-dr-susanne-fehlings

Weitere Projektmitglieder:
Hasan Karrar, LUMS, Pakistan
Hamlet Melkumyan, Armenische Akademie der Wissenschaften, Armenien
Yulia Antonyan, Staatliche Universität Yerevan, Armenien
Zviad Mirtskhulava, Tbilisi State University, Georgien
Ana Ramazashvili, Tbilisi State University, Georgien
Philippe Rudaz, Schweiz
Ketevan Khutsishvili, Tbilisi State University, Georgien
John Schoeberlein, Nazarbayev University, Kasachstan
Gulniza Taalaibekova, Frobenius Institut, Frankfurt am Main, Deutschland

Nur zeitweise:
Aigerim Sarsenbayeva
Meiiram Baltas
Arman Mussin.

 

Jan 28 2021
13:44

Neuer Schwerpunkt am Forschungskolleg Humanwissenschaften untersucht die Potentiale und die Anfechtungen der Demokratie in der Atlantischen Welt 

„Democratic Vistas. Reflections on the Atlantic World” 

BAD HOMBURG, FRANKFURT. Seit einhundert Jahren sind die Begriffe „Atlantische Welt“ und „Demokratie“ eng miteinander verbunden. Dies geht auf den amerikanischen Publizisten Walter Lippmann zurück, der den Begriff „Atlantic World“ prägte, um eine transatlantische Gemeinschaft zu beschwören, die sich der Verteidigung von Demokratie und Freiheit verpflichtet fühlte. Diese „atlantischen“ Ideale aber wurden von jeher angefochten und bedroht. So zeigen die jüngsten Ereignisse in den USA die Fragilität wie auch die Stärke der Demokratie gleichermaßen: Am 6. Januar stürmte ein Mob das Kapitol, um die Legitimität der demokratischen Macht zu verhöhnen – und nur vierzehn Tage später wurde das Kapitol mit der Feier zur Inauguration des neuen Präsidenten zum Sinnbild für die Stärke und Offenheit der Demokratie in der Gegenwart.

Mit diesen aktuellen Bildern vor Augen startet nun das Forschungskolleg Humanwissenschaften einen neuen Forschungsschwerpunkt „Democratic Vistas. Reflections on the Atlantic World“. „Damit möchte das Kolleg“, wie der Direktor Prof. Matthias Lutz-Bachmann betont, „den Diskurs ‚über den Atlantik hinweg' vertiefen – einen Diskurs, den das Kolleg seit seiner Gründung vor zehn Jahren führt, zuletzt intensiv im Rahmen der Bad Homburg Conference im Oktober 2020, die sich der Zukunft der transatlantischen Beziehungen widmete.“

Das Konzept des Forschungsschwerpunktes wurde federführend von Johannes Völz entwickelt, Professor für Amerikanistik an der Goethe-Universität und seit 2019 Mitglied im Direktorium des Forschungskollegs Humanwissenschaften. „Mit dem Titel des neuen Forschungsschwerpunktes greifen wir Gedanken von Walt Whitman auf, die er 1871 in seinem Essay ‚Democratic Vistas' formulierte. Whitman fasste die Demokratie als ein Experiment im Streben nach Freiheit und Gleichheit auf. Doch Experimente könnten auch scheitern. Das Gespenst der Tyrannei, so Whitman, ist die Kehrseite der kollektiven Selbstgestaltung. Genau das können wir heute beobachten: Auf der einen Seite stehen die Populismen, die Demokratien auf der ganzen Welt bedrohen, auf der anderen die starken und beeindruckenden Befreiungsbewegungen, etwa in Belarus. Whitman wusste noch etwas anderes: ‚Demokratie' bezeichnet nicht den Ist-Zustand eines politischen Systems, sondern eine Aspiration, eben einen Ausblick auf eine andere Zukunft. Die Demokratie zu beschwören, verlangt deshalb, seinen eigenen Blick zu weiten. Das prägt auch unsere Sicht am Forschungskolleg: wir beschränken die ‚Atlantische Welt' nicht auf das Bündnis zwischen Nordamerika und Europa, sondern beziehen sowohl die Nord-Süd-, als auch die Ost-West-Achse bewusst mit ein“.  

Unter der Leitung von Völz und seinem Frankfurter Kollegen Gunther Hellmann, Professor für Politikwissenschaft, bringt „Democratic Vistas“ eine interdisziplinäre Gruppe von Wissenschaftler*innen der Goethe-Universität sowie internationale und regionale Partner aus den Feldern Geschichte, Internationale Beziehungen, Recht, Literatur, Medienwissenschaft, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Philosophie, politische Theorie, Religionswissenschaft, Sozialpsychologie und Soziologie zusammen.

Eröffnet wird der Forschungsschwerpunkt mit einer digitalen Podiumsdiskussion am Donnerstag, dem 18. Februar 2021, um 17.00 Uhr. Masha Gessen (New York), Shalini Randeria (Wien) und Sławomir Sierakowski (Warschau) diskutieren zum Thema „Democratic Vistas, Autocratic Specters: Must We Reinvent Democracy?“

Weitere Informationen über den Forschungsschwerpunkt, seine Mitglieder und über die die Eröffnungsveranstaltung finden sich auf der Webpage des Forschungskollegs Humanwissenschaften: www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Kontakt
Iris Helene Koban, Geschäftsführerin des Forschungskollegs Humanwissenschaften, Tel. (06172) 13977-0; i.koban@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Prof. Dr. Johannes Völz, voelz@em.uni-frankfurt.de.

 

Jan 28 2021
10:41

Mehr als 2000 Groß- und Kleinspender ermöglichen zahlreiche Forschungsprojekte an Goethe-Universität und Universitätsklinikum Frankfurt zur Bewältigung der Pandemie 

Goethe-Corona-Fonds erreicht 5-Millionen-Euro-Marke

Knapp zehn Monate nach dem ersten Spendenaufruf von Goethe-Universität und Universitätsklinikum Frankfurt hat der Goethe-Corona-Fonds die angestrebte 5-Millionen-Euro-Marke überschritten. Die Idee des Goethe-Corona-Fonds stammt aus den ersten Tagen der Pandemie: Sofort und unbürokratisch sollten Forscherinnen und Forscher durch Spenden unterstützt werden, ihren Beitrag zur Bewältigung der Corona-Krise zu leisten. Kräfte bündeln und kompetent helfen – mehr als 2000 Privatpersonen, Stiftungen und Unternehmen haben dieses Ziel inzwischen unterstützt.

FRANKFURT. „Mir hat das Spenden für die Forschung dabei geholfen, mich in den ersten Tagen der Corona-Krise nicht mehr so ohnmächtig zu fühlen. Ich konnte etwas Sinnvolles tun“, erklärt Raina Jockers, eine der mehr als 2000 Spenderinnen und Spender für den Goethe-Corona-Fonds, ihre Initiative. So wie die Absolventin der Goethe-Universität fühlen vermutlich viele. Mehr als die Hälfte der Spender zahlte zwischen 10 und 100 Euro in den Fonds ein. Die kleinste Spende, eine „payback-Spende“, lag bei 2 Cent, die größte umfasste nahezu eine Million Euro.

Die erstmals von der Universität genutzte gemeinnützige Online-Spendenplattform betterplace.org erreichte nicht nur Frankfurter Bürgerinnen und Bürger sowie regionale Stiftungen und Unternehmen. Der Aufruf zog weite Kreise über das Rhein-Main-Gebiet hinaus – aus Hamburg und München trafen ebenso Spenden ein wie aus den USA. Dass auf der Spenden-Plattform regelmäßig über die Arbeit der Wissenschaftler berichtet wird, mag manche motiviert haben, dabei zu bleiben: So speist ein anonymer Spender den Corona-Fonds monatlich mit 20 Euro.

„In der Pandemie wollten wir mit dem helfen, was wir am besten können: mit unserer Forschung“, sagt Prof Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität. „Also sind wir mit unserer Spendenkampagne einfach ins kalte Wasser gesprungen und haben uns ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: 5 Millionen Euro Spendengelder. Dass wir nun, noch nicht einmal ein Jahr nach dem ersten Spendenaufruf, die 5-Millionen-Marke erreicht haben, macht uns tief dankbar. Viele private Spender, aber auch Stiftungen und Unternehmen haben sich großzügig gezeigt. Sie haben Forschung unterstützt, die uns allen hilft, und so andere Menschen in der Pandemie im Blick behalten. Das sollte uns wirklich Mut machen für den langen Weg, der noch vor uns liegt.“

Den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Goethe-Universität und Universitätsklinikum diente der Goethe-Corona-Fonds als Starthilfe. Mittlerweile haben viele zusätzliche Mittel rund um die Erforschung von SARS-CoV-2 eingeworben. Die Virologin Prof. Dr. Sandra Ciesek und die Infektiologin Prof. Dr. Maria Vehreschild beispielsweise sind heute Teil des EU-geförderten CARE-Konsortiums. Sandra Ciesek gehört dank ihrer Erfolge in der Arzneimittelforschung inzwischen zu den prominentesten Corona-Forscherinnen Deutschlands. Maria Vehreschild sammelte als eine der Ersten systematisch klinische Daten und Proben von COVID-19 Patienten und belieferte mit ihren Proben Impf- und Medikamentenforscher in ganz Deutschland; inzwischen ist ihre Datenbank in einer gesamtdeutschen Biobank aufgegangen.

Doch auch Forscherinnen und Forscher aus sozial- und geisteswissenschaftlichen Fachgebieten haben vom Goethe-Corona-Fonds profitiert. Mehr als 40 Projekte werden inzwischen gefördert – darunter auch das Corona-Krisentelefon und Studien des Psychologen Prof. Dr. Ulrich Stagnier zu den psychischen Folgen der Pandemie.

Das jüngste vom Corona-Fonds geförderte Projekt widmet sich der Arbeitssituation der besonders beanspruchten Pflegefachpersonen sowie Ärztinnen und Ärzte in der COVID-19-Versorgung in hessischen Kliniken. Das Kooperationsprojekt von Universitätsklinikum Frankfurt und der Evangelischen Hochschule in Darmstadt überprüft zunächst die Auswirkungen auf die Beschäftigten. Aus den Ergebnissen sollen Empfehlungen für Führungskräfte und Beschäftigte der Pflege sowie konkrete Angebote der betrieblichen Gesundheitsförderung abgeleitet werden. Aktuell startet die Auswertung der ersten Teilstudie des Projektes.

Weitere Spenden möglich unter: https://www.goethe-corona-fonds.betterplace.org und
Spendenkonto: Landesbank Hessen-Thüringen
IBAN: DE95 5005 0000 0001 0064 10
Verwendungszweck: Goethe-Corona-Fonds 

 

Jan 27 2021
12:59

Internationales Forscherteam untersucht die Bindungskinetik von Kinase-Hemmern – Cell Chemical Biology, DOI: 10.1016/j.chembiol.2021.01.003

Pharmaforschung: Wenn sich Wirkstoff und Zielprotein „umarmen“

Wie sich die Passform bestimmter Wirkstoffe optimieren lässt, damit sie länger an ihre Zielproteine binden und damit eine stärkere pharmakologische Wirkung entfalten, haben jetzt Wissenschaftler:innen der Goethe-Universität Frankfurt zusammen mit Kolleg:innen aus Darmstadt, Heidelberg, Oxford und Dundee (UK) am Bespiel so genannter Kinase-Hemmstoffe untersucht. Solche Stoffe werden vielfach in der Krebstherapie eingesetzt. Das Ergebnis: Besonders lange dauert die „Umarmung“ von Hemmstoff und Protein, wenn sich das Protein an den Hemmstoff „anschmiegt“. Künftig wollen die Forscher:innen mit Computersimulationen die Bindedauer von Substanzen vorhersagen.

FRANKFURT. Viele Krebsmedikamente blockieren in Krebszellen Signale, mit deren Hilfe sich entartete Zellen unkontrolliert vermehren und aus dem Gewebeverband herauslösen. So führt zum Beispiel die Blockade des Signalproteins FAK, einer sogenannten Kinase, dazu, dass bestimmte Brustkrebszellen weniger beweglich werden und somit weniger stark metastasieren. Das Problem: Wenn FAK durch einen Hemmstoff blockiert wird, wird das nahe verwandte Signalprotein PYK2 viel aktiver und übernimmt so einen Teil der Aufgaben von FAK. Ideal wäre daher ein Hemmstoff, der in gleicher Weise sowohl FAK wie auch PYK2 möglichst langanhaltend inhibiert.

Ein internationales Team um den Pharmakochemiker Prof. Stefan Knapp von der Goethe-Universität hat eine Reihe eigens synthetisierter FAK-Hemmstoffe untersucht. Alle Hemmstoffe banden ungefähr gleich schnell an das FAK-Signalprotein. Sie unterschieden sich jedoch in der Dauer der Bindung: Der wirksamste Hemmstoff blieb am längsten mit dem FAK-Signalprotein verbunden.

In biochemischen und molekularbiologischen Analysen sowie Computersimulationen fand das Forschungsteam heraus, dass hierfür die Art der Wechselwirkung zwischen FAK-Signalprotein und Hemmstoff verantwortlich ist. Durch die Bindung des Wirkstoffs verändert das FAK-Signalprotein seine Form und bildet an einer der Kontaktstellen eine bestimmte, wasserabweisende Struktur aus. Diese veränderte (induzierte) FAK-Struktur bindet besonders gut an eine ebenfalls wasserabweisende Struktur des Hemmstoffs, vergleichbar einer innigen Umarmung.

Das Schwesterprotein PYK2 hingegen bleibt vergleichsweise steif, und obwohl der wirksamste FAK-Hemmstoff auch PYK2 blockierte, war sein Effekt hier deutlich schwächer.

Den Forscher:innen gelang es, das Bindungsverhalten der Inhibitoren in Computersimulationen zu modellieren und so eine Methode zu entwickeln, mit deren Hilfe sich künftig in der pharmazeutischen Forschung Wirkstoffkandidaten optimieren lassen.

Prof. Stefan Knapp erklärt: „Weil wir jetzt die molekularen Mechanismen der Interaktion von potenten Hemmstoffen dieser zwei Kinasen besser verstanden haben, hoffe wir, künftig anhand von Computersimulationen die Verweildauer potenzieller Wirkstoffe besser vorhersagen zu können. Die Verweildauer von Wirkstoffen wurde bisher nur wenig beachtet. Diese Eigenschaft hat sich jedoch als wichtiger Parameter für die Entwicklung von effektiven Wirkstoffen entpuppt, die nicht nur spezifisch, sondern auch langanhaltend ein oder mehrere Zielproteine – wie im Fall von FAK und PYK2 – hemmen sollen.“


Publikation: Benedict-Tilman Berger, Marta Amaral, Daria B. Kokh, Ariane Nunes-Alves, Djordje Musil, Timo Heinrich, Martin Schröder, Rebecca Neil, Jing Wang, Iva Navratilova, Joerg Bomke, Jonathan M. Elkins, Susanne Müller, Matthias Frech, Rebecca C. Wade, Stefan Knapp: Structure-kinetic relationship reveals the mechanism of selectivity of FAK inhibitors over PYK2. Cell Chemical Biology https://doi.org/10.1016/j.chembiol.2021.01.003

Die Arbeiten sind im Rahmen des Public Private Partnerships K4DD (Kinetics for Drug Discovery) der Innovative Medicinces Initiatives (IMI) entstanden. https://www.k4dd.eu/home/

Bilder zum Download:
Mit und ohne Bildbeschriftung: http://www.uni-frankfurt.de/96999809

Bildtext:
Oben: Lange Bindungsdauer. Ein Inhibitor (links: Stäbchenmodell) bindet an das Signalprotein FAK (rechts: ein Teil des FAK-Proteins dargestellt als Kalottenmodell mit Halbkugeln). Die strukturellen Veränderungen in FAK verursachen wasserabweisende Kontakte (gelb, so genanntes DFG-Motiv) und eine lang anhaltende Bindung.
Unten: Kurze Bindungsdauer. Das PYK2-Signalprotein ändert seine Struktur nicht, was zu einer schnellen Dissoziation des Inhibitors führt. Grafik: Knapp Laboratory, Goethe-Universität Frankfurt

Weitere Informationen
Prof. Dr. Stefan Knapp
Institut für Pharmazeutische Chemie
Goethe-Universität Frankfurt
knapp@pharmchem.uni-frankfurt.de

 

Jan 27 2021
12:01

Elvira Mass erhält renommierte Auszeichnung für Erkenntnisse zur Organentwicklung bei der Maus 

Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis 2021 

Die Weichen für die Gesundheit der Organe werden offensichtlich schon im frühen Embryo gestellt. Die diesjährige Nachwuchspreisträgerin hat gezeigt, dass spezialisierte Immunzellen aus dem Dottersack die Entwicklung der Organe begleiten und zeitlebens zur Gesunderhaltung beitragen. Damit bestimmen diese Zellen mit über das Funktionieren der Organe. Für Elvira Mass liegt in der eingeschränkten Funktion dieser Zellen eine mögliche Ursache für viele Erkrankungen.

FRANKFURT am MAIN. Der mit 60.000 Euro dotierte Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis 2021 geht an die Entwicklungsbiologin Professorin Elvira Mass vom Life and Medical Sciences Institut (LIMES) der Universität Bonn. Die Preisverleihung in der Paulskirche, die traditionell am 14. März, dem Geburtstag von Paul Ehrlich, mit einem Festakt gefeiert wird, fällt in diesem Jahr wegen der Coronavirus-Pandemie aus. Die Ehrung der Nachwuchspreisträgerin wird im kommenden Jahr zusammen mit den Preisträgern 2022 nachgeholt werden.

Damit die Organe gesund und leistungsfähig bleiben, muss das Gewebe ständig nach Auffälligkeiten durchforstet werden. Bis vor wenigen Jahren galt die Auffassung, dass diese Aufgabe von Immunzellen aus dem Knochenmark übernommen wird. Mass hat in einer Reihe eleganter Experimente gezeigt, dass diese Zellen auf Vorläuferzellen im Dottersack zurückgehen, der den Embryo bis zur Ausbildung der Placenta ernährt und dann abgebaut wird. Die Vorläuferzellen wandern aus dem Dottersack in die entstehenden Organe, begleiten deren Entwicklung und bleiben auch nach der Geburt ein Leben lang präsent. Woher sie diese Langlebigkeit nehmen, ist bislang ein Rätsel.

Bei den Immunzellen handelt es sich um sogenannte Gewebe-Makrophagen, also um Fresszellen des angeborenen Immunsystems. Ihre primäre Aufgabe besteht darin, aufzuräumen und alles zu beseitigen, was nicht zu einem gesunden Organ gehört. Allerdings produzieren sie auch Botenstoffe und schaffen Nährstoffe herbei, sodass sie auch dafür sorgen, dass Neues entsteht.

„Die besondere Leistung von Elvira Mass besteht in einem wichtigen Perspektivenwechsel beim Blick auf die Funktion von Organen“, schreibt der Stiftungsrat unter Vorsitz von Professor Thomas Boehm, Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg, in seiner Begründung. „Wer sich für die Frage interessiert, wie sich Organe entwickeln und was sie gesund erhält, schaut jetzt nicht mehr nur auf das Knochenmark, sondern ebenso auf den Dottersack und damit auf eine ganz andere Population von Makrophagen. Das hat auch Konsequenzen für die Medizin, denn Organerkrankungen könnten auch auf eine Fehlfunktion der Makrophagen-Vorläuferzellen aus dem Dottersack zurückgehen“, so der Stiftungsrat weiter.

Dass dies tatsächlich der Fall ist, hat Mass für einige Organe der Maus gezeigt, zum Beispiel für das Gehirn, wo die ansässigen Makrophagen Mikroglia heißen. Der Hinweis auf eine relevante Fehlfunktion kam aus der Medizin. Es gibt eine Form von Krebs, bei dem sich die Gewebe-Makrophagen unkontrolliert vermehren und bei der die Kranken mit der Zeit Anzeichen für eine Neurodegeneration oder eine Bewegungsstörung entwickeln. Diesen als Histiozytosen bezeichneten Tumoren liegt meistens eine spezielle Mutation zugrunde. Mass hat diese Mutation bei Mäusen in die Vorläuferzellen im Dottersack geschleust und verfolgt, wie sich die Tiere entwickelten. Dabei zeigte sich, dass die mutierten Mikroglia-Zellen nicht mehr ihren angestammten Aufgaben nachgehen, sondern die Nervenzellen in ihrer Nachbarschaft attackieren und beseitigen. Das führte bei den Mäusen früher oder später zu Lähmungen und passt damit zum klinischen Bild einer Histiozytose.

Mit der ihr kürzlich zugesprochenen, begehrten Förderung des Europäischen Forschungsrates wird die Nachwuchspreisträgerin in Zukunft untersuchen, welche Umweltfaktoren die epigenetische Prägung in den Vorläuferzellen des Dottersacks derart verändern, dass sich daraus Konsequenzen für die Gesundheit der Organe ergeben. Dafür wird sie unter anderem den Einfluss von Nanoplastik-Partikeln auf die Makrophagen untersuchen. Teilchen, die kleiner als 500 Nanometer sind, gelangen über die Plazenta ins Blut des Embryos und könnten damit auch der Fürsorge-Funktion der Gewebe-Makrophagen schaden.

Kurzbiographie Professorin Dr. Elvira Mass

Elvira Mass (34) studierte Biologie an der Universität Bonn und promovierte am dortigen Life and Medical Sciences Institut (LIMES). 2014 wechselte sie in das Labor von Frederic Geissmann ans King's College in London und folgte ihm wenige Monate später an das Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York. Von dort kehrte sie 2017 als Gruppenleiterin an das LIMES-Institut der Universität Bonn zurück. 2019 wurde sie W2 Professorin für „Integrated Immunology“ an der Universität Erlangen-Nürnberg. 2020 wechselte sie auf eine W2/W3-Professur ans LIMES-Institut. Mass ist mehrfach ausgezeichnet worden. 2020 erhielt sie den Heinz Maier Leibnitz-Preis. Dies ist der bedeutendste Preis zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland.


Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis
Der 2006 erstmals vergebene Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis wird von der Paul Ehrlich-Stiftung einmal jährlich an einen in Deutschland tätigen Nachwuchswissenschaftler oder eine in Deutschland tätige Nachwuchswissenschaftlerin verliehen, und zwar für herausragende Leistungen in der biomedizinischen Forschung. Das Preisgeld von 60.000 Euro muss forschungsbezogen verwendet werden. Vorschlagsberechtigt sind Hochschullehrer und Hochschullehrerinnen sowie leitende Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen an deutschen Forschungseinrichtungen. Die Auswahl der Preisträger erfolgt durch den Stiftungsrat auf Vorschlag einer achtköpfigen Auswahlkommission.

Die Paul Ehrlich-Stiftung
Die Paul Ehrlich-Stiftung ist eine rechtlich unselbstständige Stiftung, die treuhänderisch von der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität verwaltet wird. Ehrenpräsidentin der 1929 von Hedwig Ehrlich eingerichteten Stiftung ist Professorin Dr. Katja Becker, Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die auch die gewählten Mitglieder des Stiftungsrates und des Kuratoriums beruft. Vorsitzender des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung ist Professor Dr. Thomas Boehm, Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg, Vorsitzender des Kuratoriums ist Professor Dr. Jochen Maas, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Prof. Dr. Wilhelm Bender ist in seiner Funktion als Vorsitzender der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität zugleich Mitglied des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung. Der Präsident der Goethe-Universität ist in dieser Funktion zugleich Mitglied des Kuratoriums.

Weitere Informationen
Alle Unterlagen der Pressemappe sowie ein Foto von Professorin Elvira Mass sind unter www.paul-ehrlich-stiftung.de zur Verwendung hinterlegt. Den ausführlichen Lebenslauf, ausgewählte Veröffentlichungen und die Publikationsliste erhalten Sie von Dr. Hildegard Kaulen, Telefon: +49 (0) 6122/52718, E-Mail: h.k@kaulen-wissenschaft.de

Hintergrundinformation zur Verleihung des Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreises 2021 an Professorin Dr. Elvira Mass (PDF)

 

Jan 27 2021
11:46

Michael R. Silverman und Bonnie L. Bassler werden für Entdeckungen zur bakteriellen Kommunikation geehrt

Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2021 

Bakterien sind keine Einzelkämpfer. Die Bildung eines Biofilms zum Schutz vor der Immunattacke des Wirtsorganismus oder die Synthese eines Giftstoffs zum Angriff auf den Wirt gelingen nur im Team, nicht als Einzelleistung eines individuellen Bakteriums. Die Einzeller kommunizieren daher miteinander und handeln erst dann gemeinsam, wenn sie eine Zellzahl erreicht haben, die Aussicht auf Erfolg verspricht. Die nötige Information dazu tauschen Bakterien über die von den Preisträgern entdeckten Sprachmoleküle und deren Übermittlungswege aus. Wer also gegen unerwünschte Bakterien vorgehen will, kann deren Absprachen erlauschen und gezielt durchkreuzen.

FRANKFURT am MAIN. Der mit 120.000 Euro dotierte Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2021 geht in diesem Jahr an die Amerikanerin Bonnie L. Bassler von der Princeton University und dem Howard Hughes Medical Institute und den Amerikaner Michael R. Silverman, Emeritus des Agouron Institute in La Jolla. Die beiden werden für ihre bahnbrechenden Entdeckungen zum „Quorum Sensing“ ausgezeichnet. Dieser Begriff bezeichnet die Strategie der bakteriellen Kommunikation. Die Preisverleihung in der Paulskirche, die traditionell am 14. März, dem Geburtstag von Paul Ehrlich, mit einem Festakt gefeiert wird, fällt in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie aus. Die Ehrung wird im kommenden Jahr zusammen mit den Preisträgern 2022 nachgeholt.

„Silverman und Bassler haben gezeigt, dass kollektives Verhalten nicht nur die Regel unter vielzelligen Organismen ist, sondern auch unter Bakterien“, schreibt der Stiftungsrat der Paul Ehrlich-Stiftung in seiner Begründung. „Auch Bakterien verständigen sich untereinander, belauschen sich gegenseitig, treffen Absprachen und koordinieren damit ihr Verhalten. Die allgegenwärtige Kommunikation unter Bakterien stellt eine erst durch die Preisträger erkannte Achillesferse dar, die neue Ansätze liefert, Mikroben zu bekämpfen. Statt Bakterien mit Antibiotika zu töten, können nun Substanzen entwickelt werden, die die bakterielle Kommunikation unterbinden. Die Forschung der Preisträger hat damit eine erhebliche Relevanz für die Medizin“, so der Stiftungsrat weiter.

Bakterien sind äußerst kommunikativ. Sie senden und empfangen Signale, um herauszufinden, ob sie allein oder mit vielen Artgenossen vor Ort sind. Gleichzeitig interessieren sie sich auch dafür, ob noch andere Arten anwesend sind und wer das Sagen hat: sie oder die anderen. Für diese Kommunikation wurde der Begriff Quorum Sensing geprägt. Um die Zahl an Bakterien in einer bestimmten Umgebung zu messen, sezernieren Bakterien bestimmte Sprachmoleküle, deren Konzentration mit der Anzahl der Bakterien zunimmt. Überschreitet die Konzentration einen bestimmten Schwellenwert, setzt ein gruppenspezifisches Verhalten ein, das einer Bakteriengemeinschaft neue Eigenschaften verleiht. Durch die Arbeit der Preisträger wissen wir heute, dass dieses Phänomen in der gesamten Welt der Bakterien verbreitet ist.

Silverman hat in den 1980er-Jahren das erste Quorum-Sensing-System bei dem marinen Bakterium Vibrio fischeri entdeckt. Es gelang ihm, die Information für Bildung des Sprachmoleküls Autoinducer-1 und dessen Rezeptor auf andere Bakterien zu übertragen und damit genetisch zu definieren. Vibrio fischeri sorgt mit diesem Sprachmolekül dafür, dass ein Zwergtintenfisch nachts blau-grün leuchtet und dadurch im Mondlicht keinen verräterischen Schlagschatten im flachen Meerwasser wirft. Allerdings erzeugt Vibrio fischeri dieses Licht erst bei hoher Zellzahl. Gemessen wird sie über die Freisetzung von Autoinducer-1, dessen Konzentration direkt mit der Zahl der anwesenden Bakterien in dem Leuchtorgan des Zwergtintenfischs korreliert. Wird ein bestimmter Schwellenwert erreicht – und damit ein gewisses Quorum –, machen die Moleküle kehrt, wandern zurück in die Bakterienzelle und sorgen dafür, dass das Licht angeschaltet wird und der Tintenfisch leuchtet. 

Als Bonnie Bassler Anfang der 1990er-Jahre die Existenz des Quorum Sensings bei dem Bakterium Vibrio harveyi nachweisen wollte, stieß sie auf ein völlig neues Sprachmolekül, dass sie Autoinducer-2 nannte. Sie konnte zeigen, dass dieses Molekül einen anderen Nachrichtenwert hat. Es informiert nicht über das eigene Quorum, sondern über das Quorum der Konkurrenz, denn Bakterien leben selten in Reinkultur wie im Leuchtorgan des Zwergtintenfischs, sondern in Gemeinschaften wie im Darm oder auf der Haut. Der Autoinducer-2 unterrichtet die Bakterien darüber, ob andere Arten vor Ort sind und wer in der Überzahl ist. Letzteres ergibt sich aus dem Verhältnis der Autoinducer-Moleküle zueinander. Damit war gezeigt worden, dass Bakterien viele Sprachen beherrschen und sogar zwischen Freund und Feind unterscheiden können – Leistungen, die wir vom Nerven- und Immunsystem her kennen.

Heute weiß man, dass es Hunderte von Sprachmolekülen und Quorum-Sensing-Systemen gibt. Bonnie Bassler hat in den vergangenen Jahren zudem gezeigt, dass sich auch Viren und die Zellen der Wirtsorganismen in dieses allgegenwärtige bakterielle Palaver einklinken und das Quorum Sensing der Bakterien für ihre Zwecke nutzen. Sie entdeckte zum Beispiel, dass der Schleim des menschlichen Darms von den Bakterien des Mikrobioms dazu benutzt wird, ein Sprachmolekül zu bilden, das krankmachende Bakterien auf Distanz hält. Damit verbündet sich der menschliche Darm über den abgegebenen Schleim mit seinen nützlichen Bakterien im Kampf gegen schädliche oder unerwünschte Keime. Es gibt also auch eine Kommunikation über die verschiedenen Domänen des Lebens hinweg.

„Die Bedeutung der Entdeckungen der beiden Laureaten für die Mikrobiologie und Medizin ist erst kürzlich in ihrer ganzen Tragweite erkannt worden“, sagt Professor Thomas Boehm, Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg und Vorsitzender des Stiftungsrates. „Erst nach Jahrzehnten zäher Forschungsarbeit und nach vielen herausragenden Publikationen waren die Kritiker davon überzeugt, dass nicht nur Vibrio fischeri und Vibro harveyi die Kunst der bakteriellen Kommunikation beherrschen, sondern wohl alle Bakterien“, so Boehm weiter. „Das hat nicht nur zu einem fundamentalen Perspektivenwechsel in der Bakteriologie geführt, sondern ebenso zu gänzlich neuen Ansätzen in der Antibiotika-Forschung“.

Kurzbiographie Professor Dr. Bonnie L. Bassler Ph.D. (58)

Bonnie Bassler ist Mikrobiologin. Sie studierte an der University of California in Davis Biochemie und promovierte an der Johns Hopkins University in Baltimore. Dem Labor von Michael Silverman am Agouron Institute in La Jolla schloss sie sich 1990 als Postdoc an. Seit 1994 ist sie an der Princeton University. Bonnie Bassler ist Mitglied der National Academy of Sciences, der National Academy of Medicine und der Royal Society. Sie ist Forscherin am Howard Hughes Medical Institute sowie Inhaberin der Squibb-Professur und Leiterin des Instituts für Molekularbiologie an der Universität Princeton. Präsident Obama berief sie für sechs Jahre ins National Science Board der Vereinigten Staaten. Sie hat über zwanzig nationale und internationale Auszeichnungen erhalten.

Kurzbiographie Professor Michael R. Silverman, Ph.D. (77)

Michael Silverman ist ebenfalls Mikrobiologe. Er studierte Chemie und Bakteriologie an der University of Nebraska in Lincoln und promovierte 1972 an der University of California in San Diego. Zwischen 1972 und 1982 machte er entscheidende Entdeckungen zur Mobilität von Bakterien und zur Chemotaxis. Ab 1982 arbeitete er bis zu seinem Ruhestand am Agouron Institute in La Jolla, dessen Mitbegründer er ist.


Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis
Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis wird traditionell an Paul Ehrlichs Geburtstag, dem 14. März, in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Mit ihm werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geehrt, die sich auf den von Paul Ehrlich vertretenen Forschungsgebieten besondere Verdienste erworben haben, insbesondere in der Immunologie, der Krebsforschung, der Hämatologie, der Mikrobiologie und der Chemotherapie. Finanziert wird der seit 1952 verliehene Preis vom Bundesgesundheitsministerium, dem Land Hessen, dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. und durch zweckgebundene Spenden folgender Unternehmen, Stiftungen und Einrichtungen: Else Kröner-Fresenius-Stiftung, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, C.H. Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, Biotest AG, Hans und Wolfgang Schleussner-Stiftung, Fresenius SE & Co. KGaA, F. Hoffmann-LaRoche Ltd., Grünenthal GmbH, Janssen-Cilag GmbH, Merck KGaA, Bayer AG, Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH, AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG, die Baden-Württembergische Bank, B. Metzler seel. Sohn & Co. und die Goethe-Universität. Die Preisträger werden vom Stiftungsrat der Paul Ehrlich-Stiftung ausgewählt. Eine Liste der Stiftungsratsmitglieder ist auf der Internetseite der Paul Ehrlich-Stiftung hinterlegt.

Die Paul Ehrlich-Stiftung
Die Paul Ehrlich-Stiftung ist eine rechtlich unselbstständige Stiftung, die treuhänderisch von der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität verwaltet wird. Ehrenpräsidentin der 1929 von Hedwig Ehrlich eingerichteten Stiftung ist Professorin Dr. Katja Becker, Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die auch die gewählten Mitglieder des Stiftungsrates und des Kuratoriums beruft. Vorsitzender des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung ist Professor Dr. Thomas Boehm, Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg, Vorsitzender des Kuratoriums ist Professor Dr. Jochen Maas, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Prof. Dr. Wilhelm Bender ist in seiner Funktion als Vorsitzender der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität zugleich Mitglied des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung. Der Präsident der Goethe-Universität ist in dieser Funktion zugleich Mitglied des Kuratoriums.

Weitere Informationen
Sämtliche Unterlagen der Pressemappe und Fotos der Preisträger sind unter www.paul-ehrlich-stiftung.de zur Verwendung hinterlegt. Der Abdruck ist kostenfrei. Die ausführlichen Lebensläufe, ausgewählte Veröffentlichungen und die Publikationsliste erhalten Sie von Dr. Hildegard Kaulen, Telefon: +49 (0) 6122/52718, E-Mail: h.k@kaulen-wissenschaft.de

Hintergrundinformation zur Verleihung des Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preises 2021 an Professor Dr. Michael Silverman und Professorin Dr. Bonnie L. Bassler (PDF)

 

Jan 25 2021
10:31

Goethe-Universität ehrt mit dem Preis den Förderer, Romantikliebhaber und Arzt Klaus Heyne

Neuer Wissenschaftspreis für Romantikforschung

FRANKFURT. Innovative Beiträge zur Erforschung der Romantik können 2021 erstmalig mit dem Klaus Heyne-Preis der Goethe-Universität Frankfurt ausgezeichnet werden. Der neue, mit 15.000 Euro dotierte Preis richtet sich an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus dem In- und Ausland, die sich in ihrer Qualifikationsphase befinden und einen herausragenden wissenschaftlichen Beitrag zur Romantikforschung geleistet haben.

Ermöglicht wird der neue Wissenschaftspreis durch ein großzügiges Vermächtnis des Kinderarztes Prof. Dr. Klaus Heyne (1927–2017), dessen besondere Leidenschaft der Kunst und Literatur der deutschen Romantik galt. Die Frankfurter Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Frederike Middelhoff sagt: „Wir sind sehr dankbar, dass wir mit diesem Preis junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fördern können. Auch für die Romantikforschung an der Goethe-Universität ist der Preis ein besonderer Gewinn.“

Der Klaus Heyne-Preis, der von nun an alle zwei Jahre verliehen werden soll, setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: 5.000 Euro werden nicht-zweckgebunden verliehen; 10.000 Euro werden für die Veranstaltung einer Tagung zur Romantikforschung zur Verfügung gestellt, die im Jahr 2022 an der Goethe-Universität ausgerichtet werden soll und von der Frankfurter Professur für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Romantikforschung unterstützt wird.

Die Preisträgerin bzw. der Preisträger soll im Rahmen eines Festakts im Oktober 2021 (geplant in Präsenz, wenn nötig digital organisiert) ausgezeichnet werden.

Interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wenden sich bitte an:

Prof. Dr. Frederike Middelhoff
W1-Professur für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Romantikforschung
Goethe-Universität
E-Mail middelhoff@em.uni-frankfurt.de
Homepage https://www.uni-frankfurt.de/Middelhoff

 

Jan 19 2021
09:36

Reinhart-Koselleck Projekt über eine Million Euro für Geowissenschaftler der Goethe-Universität

Ein Thermometer für die Erdgeschichte

Wie sich durch die Analyse der Karbonat-Zusammensetzung bestimmter Gesteine exakte Rückschlüsse auf die Temperatur vergangener Erdepochen ziehen lassen, untersuchen die Geowissenschaftler um Prof. Jens Fiebig von der Goethe-Universität. Eine kürzlich von ihnen entwickelte Methode könnte es künftig erlauben, vergangene Erdoberflächentemperaturen viel zuverlässiger zu bestimmen. Diese Methode soll nun zunächst validiert und dann auf vergangene Erdepochen angewendet werden, in denen der Gehalt des Treibhausgases CO2 in der Atmosphäre höher war als heute. Das Forschungsvorhaben wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft als Reinhart-Koselleck-Projekt mit mehr als einer Million Euro gefördert.

FRANKFURT. Kalk besteht aus Kalzium und Karbonatgruppen, die sich wiederum aus den Elementen Sauerstoff (chemisches Symbol: O) und Kohlenstoff (chemisches Symbol: C) zusammensetzen. Sauerstoff und Kohlenstoff kommen in der Natur in verschiedenen Modifikationen vor, die sich in ihrer Masse unterscheiden und als Isotope bezeichnet werden. Wenn sich Kalk in Korallenriffen oder Tropfsteinen bildet, werden mit abnehmender Temperatur zunehmend Karbonatgruppen aus dem Wasser abgeschieden, die ein schweres Sauerstoffisotop (18O) enthalten. Diese Temperaturabhängigkeit wurde - seit ihrer Entdeckung Ende der 40er-Jahre des letzten Jahrhunderts - dazu verwendet, die Entwicklung der Erdoberflächentemperatur im Verlaufe der Erdgeschichte zu rekonstruieren. Oftmals lässt sich mit Hilfe einer solchen Analyse jedoch nicht eindeutig auf den exakten Einfluss der Temperatur während der Kalkentstehung schließen, denn auch die 18O-Menge des Wassers und der Mechanismus der Karbonatentstehung (Mineralisationskinetik) beeinflussen die Häufigkeit dieser Karbonatgruppe.

Ein wesentlicher Fortschritt in der Klimarekonstruktion wurde Anfang der 2000er-Jahre am California Institute of Technology erzielt. Den Wissenschaftlern gelang es, die Häufigkeit von Karbonatgruppen zu bestimmen, die zwei schwere Isotope enthalten, 13C und 18O, sogenannte „clumped isotopes“. Die Häufigkeit dieser Karbonatgruppe ist ebenfalls abhängig von der Kristallisationstemperatur des Karbonats, aber unabhängig vom 18O-Gehalt des Wassers. Eine Fehlerquelle dieses Thermometers bestand aber weiterhin in der Tatsache, dass die Mineralisationskinetik auch die Häufigkeit der „clumped isotopes“ beeinflussen kann.

Prof. Jens Fiebig und seinem Team am Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität ist es im vergangenen Jahr erstmals gelungen, die Häufigkeit einer weiteren Karbonatgruppe zu bestimmen, welche ebenfalls zwei schwere Isotope enthält, nämlich zweimal 18O. Mit der Häufigkeitsanalyse dieser beiden sehr seltenen, jeweils zwei schwere Isotope enthaltenden Karbonatgruppen kann nun erstmals der Einfluss der Mineralisationskinetik sichtbar gemacht und von dem Einfluss der Temperatur getrennt werden. Mit der 'dual clumped isotope'-Methode zur Karbonatanalyse halten die Forscher nun womöglich eine Art Thermometer in den Händen, mit dem sie die Erdoberflächentemperaturen vergangener Erdzeitalter in bislang unerreichter Genauigkeit rekonstruieren könnten.

Prof. Jens Fiebig: „Die Unterstützung der DFG ermöglicht es uns, unser neues Verfahren weiter zu validieren und gegebenenfalls die Erdoberflächentemperaturen vergangener Erdepochen hochgenau zu bestimmen. In einem ersten Schritt werden wir nun die exakte Temperaturabhängigkeit der Häufigkeit der neu messbaren Karbonatgruppe bestimmen, um anschließend sämtliche natürliche Karbonatarchive wie zum Beispiel Korallen, Tropfsteine und Muscheln mit bekannter Entstehungstemperatur auf ihre Mineralisationskinetik zu untersuchen. Auf diese Weise wollen wir Archive identifizieren, die für eine Rekonstruktion vergangener Erdoberflächentemperaturen besonders geeignet sind. In einem letzten Schritt sollen dann die genauen Erdoberflächentemperaturen für verschiedene Hoch-CO2-Intervalle der Vergangenheit ermittelt werden. Durch die exakte Rekonstruktion von Temperaturen der Erdgeschichte zu Zeiten, in denen der CO2-Gehalt der Atmosphäre deutlich höher war als heute, lassen sich eventuell auch moderne Klimamodelle verbessern und die Folgen des menschengemachten Klimawandels präziser vorhersagen.“

Mit Reinhart Koselleck-Projekten eröffnet die Deutsche Forschungsgemeinschaft Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich durch besondere wissenschaftliche Leistungen ausgewiesen haben, die Möglichkeit, in hohem Maße innovative und im positiven Sinn risikobehaftete Projekte durchzuführen. Die Förderung erstreckt sich über einen Zeitraum von fünf Jahren.


Weitere Informationen zur Entwicklung des erdgeschichtlichen Thermometers der Frankfurter Geowissenschaftler: https://www.muk.uni-frankfurt.de/90891704/Exakte_Klimadaten_aus_der_Vergangenheit

Bilder zum Download:
http://www.uni-frankfurt.de/96504537

Bildtext: apl. Prof. Dr. Jens Fiebig, Goethe-Universität Frankfurt. Foto: privat

Kontakt
apl. Prof. Dr. Jens Fiebig
Institut für Geowissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
Tel: +49 (0) 69 798 40182
Jens.Fiebig@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 18 2021
10:25

Wissenschaftsmagazin „Forschung Frankfurt“ der Goethe-Universität zum Thema Klimawandel erschienen

Artensterben im Klimawandel: Die Spezialisten verlieren

Der Artenforscher Matthias Schleuning vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum untersucht, wie ökologische Gemeinschaften aus Pflanzen und Tieren auf Klimawandel und Landnutzung reagieren. Warum dabei die spezialisierten Arten besonders gefährdet sind, erklärt er in der aktuellen Ausgabe von Forschung Frankfurt. Unter dem Titel „Klimakrise“ versammelt das Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität ein facettenreiches Spektrum von Forschungsprojekten, Einschätzungen und Analysen von Forscherinnen und Forschern der Goethe-Universität. Das Heft ist online verfügbar unter www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de und kann (für Journalisten kostenfrei) bestellt werden über presse@uni-frankfurt.de.

FRANKFURT. In einem der artenreichsten Gebiete der Erde erforscht Dr. Matthias Schleuning, Wissenschaftler am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und Privatdozent an der Goethe-Universität Frankfurt, wie Pflanzen- und Tierarten voneinander abhängen. Im Manú-Nationalpark der peruanischen Anden sind beispielsweise 90 Prozent der Bäume und Sträucher auf Tiere als Bestäuber und Samenausbreiter angewiesen.

Ändern sich die Lebensräume durch Rodungen oder höhere Temperaturen, so weichen die Arten aus, häufig in höhere, kühlere Regionen. Das Problem ist das Timing, denn die Samenausbreitung durch fruchtfressende Vögel etwa ist ein komplexer und langfristiger Prozess. Besonders gefährdet sind dabei die Pflanzen, die sich in ihrer Samenausbreitung auf bestimmte Tierarten spezialisiert haben. Arten, dies zeigen Schleunings Arbeiten, können also nicht nur aussterben, wenn sich die Lebensbedingungen für sie selber verschlechtern, sondern auch, wenn ihr ökologisches Umfeld nicht mehr passt.

In weiteren Beiträgen der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ berichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität darüber, wie die knappe Ressource Wasser bereits heute als Waffe in Konflikten eingesetzt wird, wie Klimamodelle von Warmzeiten der Erdgeschichte präzisere Voraussagen unserer Klimazukunft erlauben oder wie Stromspeicher am Grund von Tagebauseen überschüssigen Wind- und Sonnenstrom zwischenspeichern könnten. Andere Beiträge gehen der Frage nach, warum es uns so schwerfällt, unsere Lebensweise zu verändern.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2020) kann von Journalisten kostenlos bestellt werden bei: ott@pvw.uni-frankfurt.de

Alle Beiträge sind online erhältlich unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de

 

Jan 15 2021
11:24

Forschungsprojekt von Ostasienwissenschaftlerinnen unter der Federführung der Goethe-Universität gefördert

Arbeitsmarkt Ostasien: Was die besten Köpfe ins Ausland lockt

Die Volkswirtschaften China und Singapur gehören zu den dynamischsten Migrationsregionen der Welt. Aber auch Japan und Korea sind auf die Zuwanderung von Fachkräften angewiesen. Der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte setzt in der Region jedes Jahr mehrere Millionen Menschen in Bewegung. Welche Rolle die Ausbildung bei der Mobilität spielt, untersuchen nun Ostasienwissenschaftlerinnen der Universitäten Frankfurt und Duisburg-Essen, der Freien Universität Berlin und des Max-Planck-Instituts zur Erforschung multiethnischer und multireligiöser Gesellschaften in Göttingen. Die von der Goethe-Universität koordinierte Nachwuchsgruppe erhält dazu im Rahmen der Förderinitiative „Kleine Fächer“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für die kommenden vier Jahre insgesamt mehr als 2 Millionen Euro.

FRANKFURT. Spezialistinnen und Spezialisten der IT-Branche, innovativer Start-ups oder von Top-Universitäten - überalterte Gesellschaften in Industrienationen brauchen ausländische Fachkräfte. Dies gilt für Deutschland ebenso wie für die ostasiatischen Länder Südkorea, Singapur, China und vor allem Japan. Aufgrund ihrer Lebensqualität sind diese Staaten attraktiv für qualifizierte Bewerber und Bewerberinnen. Doch längst ist nicht ausgemacht, was im Wettstreit um die besten Köpfe Erfolg verspricht: Was lockt etwa gut ausgebildete chinesische Fachkräfte nach Japan, Südkorea oder Singapur? Was fördert, was hemmt die Integration der qualifizierten Zuwanderer und Zuwanderinnen? Welche sozialen Netzwerke entwickeln Arbeitsimmigranten? Welche Rolle spielt ihre Eigeninitiative zur Weiterqualifikation, ihre Ethnie und Nationalität, ihr Geschlecht und ihre Mehrsprachigkeit? Und was veranlasst die Fachkräfte, nach Jahren in ihre Heimatregion zurückzukehren?

„Wenn die Einwanderungspolitik eines Landes zukunftsfähig sein soll“, erklärt Projektleiterin Dr. Ruth Achenbach von der Goethe-Universität, „dann müssen wir die Perspektiven der Migranten und Migrantinnen genau kennen.“ Ziel des nun vom BMBF mit mehr als 2 Millionen Euro geförderten Forschungsprojekts ist, die Rolle der Qualifikation der immigrierten Fachkräfte zu untersuchen. Mit ihren Ergebnissen wollen die Wissenschaftlerinnen einen Betrag zu einer nachhaltigen Einwanderungspolitik von Industrienationen leisten.

Zum wissenschaftlichen Team gehören neben Ruth Achenbach und Dr. Joohyun Justine Park vom Interdisziplinären Zentrum für Ostasienstudien (Goethe Universität) Dr. Helena Hof (MPI Göttingen) sowie Dr. Megha Wadhwa (Freie Universität Berlin) und Dr. Aimi Muranaka (Universität Duisburg-Essen). Darüber hinaus stehen die Wissenschaftlerinnen mit zahlreichen externen regionalen Kooperationspartnern im Austausch.

Das Forschungsprojekt sieht eine dreijährige qualitative Studienphase vor – in diesem Rahmen soll etwa die Situation ostasiatischer Start-ups in Japan und Singapur sowie ostasiatischer Fachkräfte in Südkorea untersucht werden; befragt werden ebenso Chinesinnen und Chinesen in Japan, zurückgekehrte Fachkräfte in China und vietnamesische und indische IT-Fachkräfte in Japan. Das Frankfurter Teilprojekt begleitet darüber hinaus chinesische Absolventinnen und Absolventen der 20 besten japanischen Universitäten vom job-hunting bis in die ersten Jahre auf dem Arbeitsmarkt.

Im letzten Förderjahr sollen die qualitativen Studien quantitativ ausgewertet und nach Ländern verglichen werden. Dabei streben die Wissenschaftlerinnen auch an, die dominierenden westlichen Konzepte der internationalen Migrationsforschung zu korrigieren. Von Erfahrungen der Migration nach Amerika und Europa geprägt gehen diese etwa bislang davon aus, dass sich die ökonomische Situation im Herkunfts- und im Zuwanderungsland erheblich unterscheidet. Dies ist bei der ostasiatischen Arbeitsmigration nicht zwingend der Fall.

Die Ergebnisse der empirischen Forschung sowie der Theorieentwicklung sollen nicht nur wissenschaftlich publiziert, sondern auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden: etwa durch die Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern in den Fächern Politik und Wirtschaft und einen Dokumentarfilm.

Die Wissenschaftlerinnen versprechen sich von ihrem Projekt eine Stärkung der „Kleinen Fächer“, indem das auf Regionen bezogene Wissen der Forscherinnen mit aktuellen Forschungsfragen aus Soziologie, Politik- und Wirtschaftswissenschaften verknüpft und somit die Sichtbarkeit der Kleinen Fächer erhöht wird.


Weitere Informationen
Dr. Ruth Achenbach 
Interdisziplinäres Zentrum für Ostasienstudien
Telefon 069/798-23284
E-Mail: izo@uni-frankfurt.de

 

Jan 15 2021
10:23

DFG bewilligt dritte Förderphase des Fachinformationsdienstes Darstellende Kunst 

Forschungsnahe Services für die Theater- und Tanzwissenschaft 

FRANKFURT. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den Fachinformationsdienst Darstellende Kunst (FID DK) für weitere 3 Jahre. Der FID DK wird seit 2015 an der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt am Main aufgebaut. Mit der neuen Fördersumme in Höhe von 1.036.181 Euro kann der FID DK sein Ziel weiterverfolgen, Wissenschaftler*innen der Theater- und Tanzwissenschaft komfortable Zugänge zu bislang schwer erreichbaren Wissensressourcen über das FID-Portal www.performing-arts.eu zu ermöglichen. Zwischen den Akteuren aus der Wissenschaft sowie den Gedächtnisinstitutionen bildet der Fachinformationsdienst Darstellende Kunst somit eine koordinierende Schnittstelle.

Forschung und Lehre in den Theater- und Tanzwissenschaft beziehen sich auf szenische Praktiken, wie Aufführungen, Performances und Festivals. Das FID-Portal Darstellende Kunst stellt seinen Nutzer*innen aktuell die Daten von 730.000 Objekten (Bücher, Zeitschriften, Digitalisaten, AV-Medien etc.), 82.000 Ereignissen und 74.000 Personen (Schauspieler*innen, Regisseur*innen, Tänzer*innen usw.) aus 19 verschiedenen Gedächtnisinstitutionen für ihre Recherche zur Verfügung. Diese Bereitstellung hochwertiger Daten für die Forschung sowie weitere datenbasierte Dienstleistungen wird der Fachinformationsdienst Darstellende Kunst in seiner dritten Förderphase ausbauen und erweitern: u.a. durch die Community und kollaborativ getriebene Entwicklung einer Ontologie der Domäne Darstellende Kunst oder die Visualisierung in Form einer Kartografie von Theaterbauten.

Der FID DK ist Mitglied im Konsortium NFDI4Culture. Dessen Ziel ist die Entwicklung einer bedarfsorientierten Infrastruktur für Forschungsdaten zu materiellen und immateriellen Kulturgütern. Gemäß der von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) 2018 verabschiedeten Vereinbarung zum Aufbau einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) gilt es, den digitalen Schub für die Fachcommunity zu unterstützen. Mit Workshops, Beratungsangeboten und Best-Practice-Leitfäden werden die Vertreter*innen der Theater- und Tanzwissenschaft im Umgang mit diesen neuen Formaten der Datenerhebung und digitalen Tools geschult und in ihren Forschungsvorhaben und -projekten unterstützt.

Kontakt: Franziska Voß, Fachinformationsdienst Darstellende Kunst, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Bockenheimer Landstraße 134-138, 60325 Frankfurt am Main, Tel.: (069) 798 39574, f.voss@ub.uni-frankfurt.de

Kontakt für Pressefragen allgemein: Bernhard Wirth, Stabsstelle Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49 (69) 798 39223; Mail: b.wirth@ub.uni-frankfurt.de

 

Jan 15 2021
10:16

„Forschung Frankfurt“ zum Thema Klimawandel zeigt die Bandbreite der in der Wissenschaft diskutierten pädagogischen Konzepte 

Bildung und Erziehung in Zeiten der Klimakrise

Welche Rolle sollen Erziehung und Bildung bei der Transformation in eine nachhaltige Gesellschaft spielen? Sollen Kinder und Jugendliche quasi subkutan zum klimafreundlichen Handeln erzogen werden? Damit befasst sich der Beitrag des Erziehungswissenschaftlers Helge Kminek in der jüngsten Ausgabe von „Forschung Frankfurt“, dem Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität.

FRANKFURT. Menschen engagieren sich deutlich weniger für die Umwelt, wenn sie sich den Klimawandel und dessen Folgen nicht vorstellen können. Das haben Wissenschaftler aus Australien und Neuseeland herausgefunden. Folgerichtig fordern sie, Schülerinnen und Schüler über deren Gefühle für das Thema Klimawandel zu gewinnen. Zum Beispiel könnte das Betrachten von Filmaufnahmen des brennenden Regenwaldes sie dafür sensibilisieren, welche Folgen der Konsum von Fertigprodukten mit Palmöl für die Umwelt hat – nämlich die Rodung von Regenwald zugunsten von Monokulturen –, und sie würden ihr Verhalten ändern.

Darf man junge Menschen auf diese Weise jedoch manipulieren, nur weil es zum Besten der Menschheit wäre? Der Philosoph Julian Nida-Rümelin sagt ganz klar: Nein. Die Vorstellung von Mündigkeit sei für unsere politische Ordnung grundlegend.

Pädagogische Konzepte, die beispielsweise die Gefühle von Schülern subtil ansteuern und zu verändern versuchen, stellten das Konzept von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit infrage – und damit die Basis unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Nida-Rümelin plädiert für eine „Bildung zur Autorschaft“.

Der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Dr. Helge Kminek geht in seinem Beitrag in „Forschung Frankfurt“, dem Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität, der Frage nach, wie Umweltbildung vor dem Hintergrund der akuten Bedrohung unseres Planeten aussehen könnte, und skizziert die unterschiedlichen Ansätze aus der Forschung. Mehr darüber lesen Sie in der vor kurzem erschienenen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2020), die sich dem Thema Klimakrise aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven widmet.

Die Ausgabe kann von Journalisten kostenlos bestellt werden bei: ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Im Web: www.forschung-frankfurt.de. unter www.aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung-frankfurt-englisch finden Sie ausgewählte Beiträge in englischer Übersetzung.

Weitere Informationen
Dr. Helge Kminek
Institut für Pädagogik der Sekundarstufe (WE III)
Goethe-Universität
Telefon 069 798-36440
E-Mail kminek@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 12 2021
10:57

Neue Methoden zur Erforschung der Film- und Kinokultur aus Marburg, Mainz und Frankfurt 

Der Film im Reich der Daten 

FRANKFURT. Einst war eine Filmvorführung ein flüchtiges Ereignis, das außer schönen Erinnerungen im Gedächtnis des Publikums keine Spuren hinterließ. Heute, im Zeitalter des Streaming, setzt jeder Film einen digitalen Fußabdruck im Reich der Daten. Und nicht nur das: Der Film selbst hat sich mit der digitalen Transformation grundlegend verändert und neue Formen und Formate entwickelt. Diese Umbrüche stellen das kleine Fach Filmwissenschaft vor große Herausforderungen – und bieten zugleich neue Chancen für Forschung und Lehre. In den kommenden fünf Jahren wird ein Team aus Filmwissenschaftlerinnen und Filmwissenschaftlern der Universitäten Marburg, Mainz und Frankfurt im „Digital Cinema-Hub“ (DiCi-Hub) erforschen, wie diesen Herausforderungen und Chancen begegnet werden kann. Das Projekt wird von der VolkswagenStiftung im Rahmen der Förderlinie „Weltwissen – Strukturelle Stärkung Kleiner Fächer“ mit 1 Million Euro gefördert.

Für die Filmwissenschaft stellt der Übergang zur digitalen Filmproduktion und -distribution in Verbindung mit der Emergenz digitaler Kommunikationsnetzwerke einen bedeutsamen Umbruch dar. Zunehmend erreichen Forscherinnen und Forscher ihre Gegenstände und Quellen in digitaler Datenform, oft verknüpft mit hoch entwickelten Metadaten. Auch das Internet bietet reichhaltige Datenschätze, die mit entsprechenden Werkzeugen geerntet und genutzt werden können. Bisher sind filmwissenschaftliche Daten – ihre Strukturen, Verknüpfungen und Möglichkeiten – von der Forschung wenig bearbeitet worden. Das Verbundprojekt DiCi-Hub der Universitäten Marburg, Mainz und Frankfurt will dies nun ändern.

„Um der zeitgenössischen Vielfalt der Netzwerke, Formate und Märkte von Bewegtbildern, ihrer globalen Herkunft und ihrer globalen Zirkulation angemessen Rechnung zu tragen, muss die Film- und Medienwissenschaft ihr Methodenspektrum, aber auch ihre Arbeitsweise anpassen“, so Prof. Dr. Malte Hagener von der Universität Marburg, einer der Antragsteller. Das kooperativ vorgehende Strategiekonzept zielt auf die Entwicklung neuer konzeptueller Grundlagen und Methoden für das „kleine Fach“ Filmwissenschaft: Etablierte (post-)hermeneutische Methoden sollen mit neuen digitalen Forschungsinstrumenten und Methoden verbunden werden. DiCi-Hub stellt drei Schlüsselbereiche der Filmkultur ins Zentrum - nämlich Netzwerke (Philipps-Universität Marburg), Formate (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) und Märkte (Goethe-Universität Frankfurt am Main).

„Die digitalen Tools und Methoden, die wir in enger Kooperation mit IT-Fachleuten entwickeln, werden dazu beitragen, ein neues Verständnis der Entwicklung und Dynamik von transnationalen Netzwerken der historischen und aktuellen Film- und Kinokultur zu gewinnen“, so Prof. Dr. Yvonne Zimmermann, die in Marburg zusammen mit Hagener für den Teilbereich „Netzwerke“ zuständig ist. Prof. Dr. Alexandra Schneider wird in Mainz den Teilbereich „Formate“ leiten. „Formate haben einen erheblichen Einfluss auf die ästhetischen Eigenschaften eines Films sowie wichtige Konsequenzen für die Modi des Zugangs, der Distribution aber auch für den ökologischen Fußabdruck von Medien – alles Phänomene, zu denen wir mithilfe von digitalen Methoden neue Zugänge gewinnen können“, sagt Schneider. In Frankfurt widmet sich Prof. Dr. Vinzenz Hediger dem Teilbereich Märkte. „Mit digitalen Methoden kann es uns gelingen, ein genaueres Bild von der Zirkulation von Filmen und den Präferenzen des Publikums jenseits der etablierten Institutionen wie Kinos, Festivals und Filmmuseen zu gewinnen“, sagt Hediger.

An allen drei Standorten sollen die entwickelten Methoden in die Lehre implementiert und Infrastrukturen weiterentwickelt werden. Die Universitäten arbeiten darüber hinaus im übergreifenden Modul Data Criticism/Data Literacy zum Thema Verlässlichkeit, Herkunft, Validität, Integrität und Dichte von Forschungsdaten zusammen. Dabei profitiert das Projekt von bereits bestehenden Forschungsprojekten an den drei Standorten und einschlägigen Forschungsverbünden, wie beispielsweise dem kürzlich gegründeten Marburg Center for Digital Culture and Infrastructure (MCDCI) der Philipps-Universität, das den digitalen Wandel aus geistes- und sozialwissenschaftlicher Perspektive erforscht. Die Projektleiterinnen und Projektleiter kooperieren darüber hinaus unter anderem seit 2017 im Rahmen des DFG-Graduiertenkollegs 2279 „Konfigurationen des Films“, dessen Doktorandinnen und Doktoranden von der Kooperation innerhalb von DiCi-Hub ebenfalls profitieren sollen.

Das Projekt wird durch die VolkswagenStiftung mit 1 Million Euro gefördert; dazu kommen Eigenleistungen der drei beteiligten Universitäten, so dass insgesamt 1,3 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Über einen Zeitraum von fünf Jahren wird ein Team aus Filmwissenschaftlerinnen und Filmwissenschaftlern mit IT-Experten Werkzeuge, Module und Tools entwickeln, die ebenso der Lehre wie der Forschung dienen sollen.


Kontakt:
Prof. Dr. Malte Hagener, Professor für Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt Geschichte, Ästhetik und Theorie des Films, Institut für Medienwissenschaft, Philipps-Universität Marburg, E-Mail: hagener@uni-marburg.de

Prof. Dr. Yvonne Zimmermann, Professorin für Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt Geschichte und Pragmatik visueller Medien, Institut für Medienwissenschaft, Philipps-Universität Marburg, E-Mail: yvonne.zimmermann@uni-marburg.de

Prof. Dr. Alexandra Schneider, Professorin für Filmwissenschaft mit Schwerpunkt Mediendramaturgie, Institut für Film-, Theater-, Medien- und Kulturwissenschaft, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, E-Mail: a.schneider@uni-mainz.de

Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Professor für Filmwissenschaft, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt, E-Mail: hediger@tfm.uni-frankfurt.de

 

Jan 11 2021
12:36

Forschung Frankfurt zum Thema Klimakrise: Wie sich Anleger im boomenden Markt Grüner Anleihen orientieren

(Un)glaubwürdig grün?

Immer mehr Anleger wollen in Wertpapiere für explizit klimafreundliche Industrien und Projekte investieren. Ist der Klimaschutz damit in der Finanzwelt angekommen? Oder ist der Verdacht begründet, dass es sich bei Green Bonds lediglich um Green Marketing handelt, wenn nicht gar um „Greenwashing“? „Forschung Frankfurt, das Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität, berichtet über die Arbeit der Wirtschaftswissenschaftlerin Julia Kapraun, die zeigt, wie Anleger beim Kauf Grüner Anleihen nach Orientierung suchen.

FRANKFURT. Wer nicht ökologisch wird, verliert ökonomisch – dieser Gedanke kommt inzwischen auch Unternehmen und Finanzdienstleistern, die mit „grün“ ansonsten nicht viel im Sinn haben. Denn spätestens nach dem Pariser Klimagipfel 2015 steht fest: Die Internationalen Finanzströme sollen umgeleitet werden. Weg von Öl, Gas und Kohle hin zu klimafreundlichen Projekten. Grüne Anleihen gelten als wichtige Katalysatoren, wenn nicht gar als Dreh- und Angelpunkt bei der Umstellung der Weltwirtschaft hin zu weniger Kohlenstoffverbrauch. Doch können sich Anleger sicher sein, dass sie mit einer Grünen Anleihe auch wirklich ein grünes Projekt finanzieren?

Zweifel sind zumindest angebracht, wie Dr. Julia Kapraun in ihrer Studie auf Grundlage aller Green Bonds mit verfügbaren Daten bis Ende 2018 nahelegt. Denn die Lage ist unübersichtlich: Jedes Unternehmen, jede Bank, jedes Land kann die Kriterien für „Green bonds“ selbst bestimmen. Für von China ausgegebene grüne Anleihen gilt etwa, dass die Hälfte des Bond-Volumens in nachhaltige Projekte fließen muss; europäische Green-Bond-Standards schreiben dagegen 95 Prozent vor. Die Wirtschaftswissenschaftlerin der Goethe-Universität hat untersucht, wie Anleger im boomenden Grüne-Anleihen-Markt nach Orientierung suchen. Ihre Studie zeigt, welche Kriterien darüber entscheiden, ob Anleger Grüne Anleihen als glaubwürdig einschätzen, und welchen Preis sie für den Klimaschutz zu zahlen bereit sind. Mehr darüber lesen Sie in der gerade erschienen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2020), die sich dem Thema Klimakrise aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven widmet.

Die Ausgabe kann von Journalisten kostenlos bestellt werden bei: ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Im Web: www.forschung-frankfurt.de. Unter www.aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung-frankfurt-englisch finden Sie ausgewählte Beiträge in englischer Übersetzung.

Weitere Informationen
Dr. Julia Kapraun
Wiss. Mitarbeiterin
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
House of Finance
Goethe-Universität Frankfurt
Theodor-W.-Adorno-Platz 3
60323 Frankfurt | Germany
Tel. +49 (0)69 798 33728
julia.kapraun@hof.uni-frankfurt.de
www.finance.uni-frankfurt.de

 

Jan 11 2021
12:04

AIWG veröffentlicht Expertise zu islamischem Religionsunterricht

Politische Debatten verdecken positive Effekte des Islamunterrichts

Die Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) an der Goethe-Universität hat heute ihre neue Expertise zum islamischen Religionsunterricht in Deutschland veröffentlicht. Die Publikation „Islamischer Religionsunterricht in Deutschland: Qualität, Rahmenbedingungen, Umsetzung“ bietet einen Überblick zu Lehrinhalten und rechtlichen Rahmenbedingungen. Zudem nehmen die Autorinnen und Autoren die konkrete Umsetzung des Schulfachs in ausgewählten Bundesländern in den Blick, darunter Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen.

FRANKFURT. Religionsunterricht ist das einzige Fach, das im deutschen Grundgesetz verankert ist. Der Staat steht also in der Verantwortung, strukturelle Rahmenbedingungen zu schaffen und personelle Ressourcen bereitzustellen, damit Religionsunterricht in deutschen Klassenzimmern stattfinden kann. Trotzdem haben muslimische Kinder bislang nicht in allen Bundesländern die Möglichkeit, an einem „bekenntnisorientierten“ Unterricht in ihrer Religion teilzunehmen. Aktuell nehmen 60.000 Schülerinnen und Schüler in Deutschland am islamischen Religionsunterricht beziehungsweise am islamkundlichen Unterricht teil. Das ist nur ein Bruchteil aller muslimischen Kinder und Jugendlichen an deutschen Schulen insgesamt, deren Anzahl auf 580.000 geschätzt wird.

Politische Aspekte bestimmen Debatten zum islamischen Religionsunterricht

Aus Sicht der Autorinnen und Autoren dominieren in den Diskussionen über den islamischen Religionsunterricht vor allem rechtliche und politische Aspekte: Welche islamischen Organisationen eignen sich als Gegenüber für den Staat? Wie hoch ist das Risiko, dass sich ausländische Einrichtungen in den Unterricht einmischen? Und welche Auswirkungen hätte es, wenn islamische Organisationen als Religionsgemeinschaften anerkannt würden? Bei diesen Debatten kommen Aspekte, die ebenso wichtig sind, oft zu kurz. Den Autorinnen und Autoren zufolge sind das: die Qualität des Unterrichts, die Ausbildung von Standards in der Lehrkräfteausbildung, die fehlende empirische Unterrichtsforschung, der Auf- und Ausbau des islamischen Religionsunterrichts sowie die positiven Effekte, die Religionsunterricht – unabhängig von Konfession oder Glaubensrichtung – für eine Gesellschaft haben kann.

Dazu Dr. Fahimah Ulfat, Professorin für islamische Religionspädagogik an der Universität Tübingen und Mitautorin der Expertise: „Der islamische Religionsunterricht übt eine zentrale Anerkennungsfunktion von religiöser Pluralität in Schule und Gesellschaft aus. Schüler_innen muslimischen Glaubens können sich, ebenso wie ihre Mitschüler_innen christlichen Glaubens, im Unterricht mit ihrer Religion kritisch und reflektiert auseinandersetzen. Ihre Religion wird als Normalität im Kontext Schule anerkannt. Der islamische Religionsunterricht ist in der Schule häufig der einzige Ort, an dem über Islam und Menschen muslimischen Glaubens in einer wertschätzenden Art und Weise gesprochen wird, aber auch an dem über viele religiöse und ethische Fragen, die junge Muslim_innen in Deutschland beschäftigen, offen diskutiert wird. Der Religionsunterricht leistet einen Beitrag zur Bildung, da er zur Aneignung von Wissen, zum Verstehen, zur Perspektivenübernahme und somit zur Handlungsfähigkeit im Sinne von Kommunikation und Partizipation befähigt. Diese Kenntnisse und Fähigkeiten sind Grundlage für Haltungen wie Toleranz, wechselseitiger Respekt und Anerkennung des Anderen. Dies sind entscheidende Argumente für eine Beibehaltung und den Ausbau des islamischen Religionsunterrichts in einer religionspluralen Gesellschaft.“

Warum steht islamischer Religionsunterricht bislang nicht in den Lehrplänen aller Bundesländer?

Ein Grund dafür ist, dass die meisten Bundesländer aufgrund religionspolitischer Bedenken islamische Religionsgemeinschaften bislang nicht als Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannt haben. Deshalb gibt es – mit Ausnahme des Religionsunterrichts der Ahmadiyya-Gemeinschaft in Hessen, an dem allerdings nur wenige Schüler teilnehmen, – in Deutschland keinen islamischen Religionsunterricht, für den eine einzelne islamische Religionsgemeinschaft verantwortlich ist.

Stattdessen werden entweder alternative Modelle praktiziert, in denen mehrere islamische Organisationen in übergreifenden Kommissionen, Beiräten oder über lokale Vertreterinnen und Vertreter eingebunden sind. Dies ist zum Beispiel der Fall in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Oder die Bundesländer erteilen eine in alleiniger staatlicher Verantwortung stehende Islamkunde, wie etwa in Bayern oder Schleswig-Holstein. Beide Modelle werfen jedoch verfassungsrechtliche Probleme auf: „Einerseits sieht das Grundgesetz keinen Religionsunterricht vor, der ohne anerkannte Religionsgemeinschaft erteilt wird. Andererseits ist die Gefahr hoch, dass der Staat durch die Erteilung eines Islamkundeunterrichts gegen seine Verpflichtung verstößt, religiös und weltanschaulich neutral zu sein. Denn hier bestimmen staatliche Akteurinnen und Akteure de facto, welche Inhalte einer Religion gelehrt werden sollen und welche nicht“, sagt Dr. Jan Felix Engelhardt, Geschäftsführer an der AIWG und Mitautor der Expertise.

Die Autorinnen und Autoren:

Dr. Fahimah Ulfat ist Professorin für Islamische Religionspädagogik am Zentrum für Islamische Theologie der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen unter anderem die empirische Erforschung von Glaubens- und Wissenskonzepten muslimischer Kinder und Jugendlicher, die wissenschaftliche Begleitung, Erforschung und Weiterentwicklung des islamischen Religionsunterrichts sowie die Erforschung der theologischen und pädagogischen Professionalität von Lehrkräften für den islamischen Religionsunterricht.

Esra Yavuz hat Islamische Theologie sowie Mathematik, Deutsch und Islamische Religion auf Lehramt studiert. Seit 2018 unterrichtet sie diese Fächer an einer Grundschule in Frankfurt am Main. Sie ist Expertin für islamischen Religionsunterricht in Deutschland mit praktischer Erfahrung in Hessen sowie für interreligiöses Lernen im schulischen Kontext. 

Dr. Jan Felix Engelhardt ist Geschäftsführer an der AIWG. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Akademisierung muslimischer Wissensproduktion in Deutschland und Europa sowie das Verhältnis zwischen Theologie, Gesellschaft und Politik.

Über die Publikationsreihe „AIWG-Expertisen“ und „AIWG in puncto“:

Mit ihren Publikationsreihen „AIWG-Expertisen“ und „AIWG in puncto“ möchte die AIWG Wissensbedarfe zum Islam in Deutschland decken, Debatten versachlichen sowie Erkenntnislagen verbessern. Den von Expertinnen und Experten erarbeiteten Wissensstand, ihre Einschätzung und Diskussionspunkte stellt die AIWG in anschaulicher Form einer breiten Öffentlichkeit bereit. Die „AIWG-Expertisen“ präsentieren eine vertiefte Erörterung des jeweiligen Themas. „AIWG in puncto“ behandelt eine konkrete Fragestellung in Kurzform und stellt thesenartige Einschätzungen zur breiten Diskussion.

Über die AIWG

Die AIWG ist eine universitäre Plattform für Forschung und Transfer in islamisch-theologischen Fach- und Gesellschaftsfragen. Sie ermöglicht überregionale Kooperationen und Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der islamisch-theologischen Studien und benachbarter Fächer sowie Akteurinnen und Akteuren aus der muslimischen Zivilgesellschaft und weiteren gesellschaftlichen Bereichen. Die AIWG wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und durch die Stiftung Mercator.


Publikation: https://aiwg.de/publikationen-expertisen/

Weitere Informationen
Stefanie Golla
Koordinatorin Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft
Goethe-Universität
Telefon 069 79822-459
E-Mail golla@aiwg.de
Homepage https://aiwg.de/

 

Jan 8 2021
14:24

Wissenschaftler:innen von Goethe-Universität und Universität Münster begleiten Modellbau des ALICE-Detektors im Teilchenbeschleuniger in Genf 

CERN-Detektor als Legomodell nachbauen – Einladung an Schüler:innen und Studierende

Das deutsche Netzwerk der ALICE-Kollaboration am CERN lädt Jugendliche ab 16 Jahren und Studierende der ersten Semester ein, den Teilchendetektor ALICE mit Lego nachzubauen. Physiker:innen der Goethe-Universität Frankfurt und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster begleiten das Projekt. Vom 18. Januar an entwerfen die Teilnehmer:innen zunächst das Modell mit Konstruktionsprogrammen, im Juni soll der Lego-Detektor voraussichtlich in Frankfurt zusammengebaut werden. Mitmachen können junge Interessierte aus dem ganzen Bundesgebiet, da die Veranstaltungen online angeboten werden.

FRANKFURT / MÜNSTER (WESTF.) An der großen Teilchenbeschleunigeranlage CERN in Genf gehen Wissenschaftler:innen aus der ganzen Welt grundlegenden Fragen der Physik nach: Was ist Materie? Wie hat sich das Universum entwickelt? Dazu lassen die Forscher:innen Atomkerne mit hohen Geschwindigkeiten aufeinanderprallen und zerlegen sie in ihre elementaren Bestandteile. Vermessen werden diese Materie-Bausteine mithilfe großer Teilchendetektoren. Der ALICE-Detektor misst die Teilchen, die bei der Kollision von Blei-Ionen entstehen – 900 Millionen Teilchen pro Sekunde. Eines der Forschungsziele ist es, den Zustand von Materie kurz nach dem Urknall verstehen zu lernen.

Wie der 26 Meter lange und 16 Meter hohe ALICE-Detektor funktioniert, können Physik-interessierte Schülerinnen und Schüler jetzt in einem Online-Kurs erfahren, indem sie den Detektor nachbauen, maßstäblich und mit Lego-Bausteinen. Ähnliche Detektor-Nachbauten gab es in der Vergangenheit bereits für zwei weitere große CERN-Detektoren; das Modell für ALICE sollen die Teilnehmer:innen jetzt gemeinsam entwickeln und dabei lernen, wie das große ALICE-Original funktioniert und wie mit dem Detektor Forschungsfragen beantwortet werden können.

Unterstützt werden sie dabei von Physiker:innen der Goethe-Universität Frankfurt, der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und weiteren Forschenden aus dem deutschen ALICE-Netzwerk, die Wissen über Teilchenphysik und das ALICE-Experiment, über Detektortechnologie und die Zusammenarbeit in einer Forschungskollaboration vermitteln und auch für Fragen zu Studium und Beruf zur Verfügung stehen.

Start: 18. Januar 2021, 16:00 Uhr
Anmeldung: https://indi.to/ALICE-Lego-Modell

Veranstaltungsposter zum Download:
https://indico.cern.ch/event/980071/attachments/2161765/3647814/Poster_ALICE_LEGO_Workshop_v3.pdf

Bild zum Download:
http://www.uni-frankfurt.de/96043535

Bildtext: Jugendliche ab 16 Jahren und Studierende der ersten Semester können in einem Online-Workshop den Teilchendetektor ALICE mit Lego nachzubauen. Copyright: Fotograf: Julien Ordan/CERN. Montage: WWU

Weitere Informationen
Marcus Mikorski
Koordinator für den Deutschen ALICE-Forschungsschwerpunkt
Goethe-Universität Frankfurt
Tel: 069 798-47099
marcus.mikorski@cern.ch

Prof. Dr. Christian Klein-Bösing
Institut für Kernphysik
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Tel.:  0251 83-34973
Christian.Klein-Boesing@uni-muenster.de

 

Dez 22 2020
10:30

Kooperation von Goethe-Universität mit University of Oklahoma

Erstmals Quantenwelle im Heliumdimer gefilmt

Ein internationales Wissenschaftsteam der Goethe-Universität Frankfurt und der University of Oklahoma hat erstmals Effekte der Quantenphysik an einem auseinanderbrechenden Heliumdimer gefilmt. Der Film zeigt die Überlagerung von Wellen zweier Ereignisse, die mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit gleichzeitig auftreten: Der Fortbestand und das Auseinanderbrechen des Heliumdimers. Die Methode könnte künftig erlauben, das Entstehen und den Zerfall quantenphysikalischer Efimov-Systeme experimentell zu verfolgen. (Nature Physics, DOI 10.1038/s41567-020-01081-3)

FRANKFURT. Wer sich in die Welt der Quantenphysik begibt, muss sich auf Einiges gefasst machen, was in der Alltagswelt unbekannt ist: Edelgase gehen Bindungen ein, Atome verhalten sich gleichzeitig wie Teilchen und wie Wellen, und Ereignisse, die eigentlich einander ausschließen, lassen sich gleichzeitig beobachten.

Reinhard Dörner und sein Team beschäftigen sich in der Quantenwelt mit Molekülen, die es klassischerweise gar nicht geben dürfte: Zweierverbindungen von Helium, sogenannte Heliumdimere. Denn Helium wird ja gerade deshalb zu den Edelgasen gezählt, weil es eigentlich keine Verbindungen eingeht. Wenn man das Gas jedoch auf nur 10 Grad über dem absoluten Nullpunkt von minus 273 Grad Celsius abkühlt und dann durch eine kleine Düse in eine Vakuumkammer strömen lässt, wodurch es noch kälter wird, dann bilden sich – ganz selten – solche Heliumdimere. Es sind sicher die am schwächsten gebundenen Moleküle im Universum, und entsprechend weit sind die beiden Atome im Molekül voneinander entfernt. Während eine chemische Bindung gewöhnlicherweise rund 1 Ångström misst (0,1 Nanometer), sind es beim Heliumdimer im Mittel mehr als 50 Mal so viel, 52 Ångström.

Solche Heliumdimere haben die Frankfurter Wissenschaftler mit einem extrem starken Laserblitz bestrahlt und dadurch die Bindung zwischen den beiden Heliumatomen minimal verdreht – was ausreichte, um die beiden Atome auseinanderfliegen zu lassen. Daraufhin konnten die Wissenschaftler das wegfliegende Heliumatom erstmals als Welle sehen und in einem Film aufzeichnen.

Der Quantenphysik zufolge verhalten sich Objekte gleichzeitig wie ein Teilchen und eine Welle, was der Laie vielleicht von den Lichtteilchen (Photonen) her kennt, die sich einerseits wie Wellen überlagen und damit verstärken oder auslöschen können (Interferenz), andererseits aber als „Sonnenwind“ zum Beispiel Raumsonden über deren Sonnensegel antreiben können.

Dass die Forscher das wegfliegende Heliumatom im Frankfurter Laser-Experiment als eine Welle überhaupt beobachten und filmen konnten, lag daran, dass das Heliumatom nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit wegflog: Mit 98-prozentiger Wahrscheinlichkeit war es noch an seinen zweiten Heliumpartner gebunden, mit 2-prozentiger Wahrscheinlichkeit flog es weg. Diese beiden Heliumatom-Wellen – Vorsicht: Quantenphysik! – überlagerten sich, ihre Interferenz ließ sich messen.

Vorstellen kann man sich das nicht, aber die Vermessung solcher „Quantenwellen“ lässt sich ausdehnen auf Quantensysteme mit mehreren Partnern wie das Heliumtrimer aus drei Helium-Atomen. Das Heliumtrimer ist interessant, da es einen exotischen sogenannten Efimovzustand bilden kann, sagt Maksim Kunitski, Erstautor der Studie: „Solche Drei-Teilchen-Systeme wurden 1970 durch den russischen Theoretiker Vitaly Efimov vorhergesagt und zunächst an Cäsiumatomen nachgewiesen. Vor fünf Jahren haben wir erstmals den Efimovzustand im Heliumtrimer entdeckt. Unsere jetzt entwickelte Methode der Laserpuls-Bestrahlung könnte es uns in Zukunft erlauben, die Entstehung und den Zerfall von Efimov-Systemen zu beobachten und so quantenphysikalische Systeme besser verstehen zu können, die experimentell nur schwer zugänglich sind.“


Publikation: Maksim Kunitski, Qingze Guan, Holger Maschkiwitz, Jörg Hahnenbruch, Sebastian Eckart, Stefan Zeller, Anton Kalinin, Markus Schöffler, Lothar Ph. H. Schmidt, Till Jahnke, Dörte Blume, Reinhard Dörner: Ultrafast manipulation of the weakly bound helium dimer. In: Nature Physics, https://doi.org/10.1038/s41567-020-01081-3

Bilder zum Download: 

http://www.uni-frankfurt.de/95834340
Bildtext: Dr. Maksim Kunitski am COLTRIMS-Reaktionsmikroskop an der Goethe-Universität Frankfurt, mit dessen Hilfe die "Quantenwelle" beobachtet werden konnte. (Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität)

http://www.uni-frankfurt.de/95834284
Bildtext: Prof. Reinhard Dörner (links) und Dr. Maksim Kunitzki vor dem COLTRIMS-Reaktionsmikroskop an der Goethe-Universität Frankfurt, mit dessen Hilfe die "Quantenwelle" beobachtet werden konnte. (Foto: Goethe-Universität Frankfurt)

Video: https://static-content.springer.com/esm/art%3A10.1038%2Fs41567-020-01081-3/MediaObjects/41567_2020_1081_MOESM2_ESM.mp4

Weitere Informationen
Prof. Dr. Reinhard Dörner
Institut für Kernphysik
Tel. +49 (0)69 798-47003
doerner@atom.uni-frankfurt.de
https://www.atom.uni-frankfurt.de/

 

Dez 21 2020
13:49

VolkswagenStiftung fördert Islamische Archäologie und Kunstgeschichte an der Goethe-Universität 

Neue Professur soll islamische Kultur vergangener Jahrhunderte erforschen

Die archäologischen Wissenschaften an der Goethe-Universität erhalten Verstärkung: Mit Mitteln der VolkswagenStiftung wird eine neue Professur für Islamische Archäologie und Kunstgeschichte eingerichtet, zusätzliche Mittel fließen für Gastwissenschaftler, Forschungsprojekte und Infrastruktur.

FRANKFURT. „Die Professur für Islamische Archäologie und Kunstgeschichte an der Goethe-Universität wird eine große Besonderheit sein. Sie ist erst die dritte Professur dieser Art in ganz Deutschland“, freut sich Prof. Dr. Dirk Wicke, der in Frankfurt die Archäologie Vorderasiens lehrt, über die Bewilligung. Wicke hat den zusätzlichen Forschungszweig im Rahmen des Programms „Weltwissen ‒ Strukturelle Stärkung ‚kleiner Fächer'“ der VolkswagenStiftung beantragt, mit dem diese seit 2017 fachunabhängig strukturell unterrepräsentierte Wissensgebiete mit hohem Innovationspotenzial fördert. Der Antrag, der nun bewilligt wurde, umfasst neben der Einrichtung einer Professur für zunächst sechs Jahre ein Programm für Gastwissenschaftler, die Anschubfinanzierung für Forschungsprojekte und auch eine umfangreiche Unterstützung der Infrastruktur am Institut. Für die ersten sechs Jahre stellt die Stiftung knapp eine Million Euro bereit. Der Fortbestand der W2-Professur ist bereits durch Unipräsidium und Fachbereich gesichert.

„Das ist eine sehr gute Nachricht“, freut sich auch Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff. „Die Kleinen Fächer gehören sehr prägend zum Profil der Goethe-Universität, manche von ihnen sind besonders forschungsstark und sehr erfolgreich im Einwerben von Drittmitteln. Gerade die Archäologie hat einen ausgezeichneten Ruf und ist bereits in mehreren auch für Laien faszinierenden Themenfelder sehr gut unterwegs. Dass sie sich im Bereich der islamischen Kunst zusätzlich positioniert, unterstützen wir auch Seitens des Präsidiums gerne“, so Wolff weiter. „Die neue Professur fügt sich nahtlos in den bereits seit Jahren bestehenden Fächerkanon und das Bachelor-Master-Studienprogramm des Institutes ein. Zudem wird es viele Anknüpfungspunkte an andere Disziplinen im Fachbereich und weit über die Goethe-Universität hinaus geben“, ist Wicke überzeugt. Er erwarte einen innovativen Forschungsschub, außerdem würden neue Impulse für eine stärkere Internationalisierung gesetzt. Nach Ansicht des Frankfurter Archäologen gibt es in Deutschland Nachholbedarf auf diesem Gebiet: In anderen Ländern sei der islamischen Archäologie und Kunstgeschichte in den vergangenen Jahren wachsende Aufmerksamkeit zuteilgeworden. Deutschland hinke bislang noch hinterher. An der Goethe-Universität ist die islamische Kunst und Kultur im Rahmen der vorderasiatischen Archäologie schon seit langem erforscht worden, die Arbeiten kamen jedoch durch den Bürgerkrieg in Syrien letztlich zum Erliegen. Das Institut verfügt mittlerweile jedoch über eine kleine altorientalische Studiensammlung.

Das Fach Islamische Archäologie und Kunstgeschichte beschäftigt sich mit den materiellen Zeugnissen der islamischen Welt von etwa dem 7. Jahrhundert nach Christus bis in die heutige Zeit in dem weiten geographischen Rahmen von Marokko bis Indonesien und von Zentralasien bis zur Sahara. Es verfolgt im Wesentlichen kulturhistorische Fragestellungen anhand der materiellen Kultur des Islam und arbeitet eng mit historischen und philologischen Disziplinen wie der Orientalistik oder den Islamischen Studien zusammen. Gerade angesichts der politischen Unruhen im Nahen Osten zählen auch der Erhalt des islamischen kulturellen Erbes und dessen Vermittlung in Gegenwart und Zukunft zu den Aufgaben dieser Wissenschaft.

Bilder zu islamischen Archäologie und Kunstgeschichte zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/95801886

Bildtext:
Abb. 1: Persische Glasmalerei, Qadjaren-Zeit (19. Jahrhundert n.Chr.). (Foto: Birgitta Schödel/Altorientalische Sammlung der Goethe-Universität)

Abb. 2: Glasierte Keramik aus Kharab Sayyar, Syrien (9. Jh. n. Chr.)
(Foto: Ausgrabungsprojekt Kharab Sayyar)

Abb. 3: Qasr al-Kharana, Jordanien (späters 7. Jh. n. Chr.)
(Foto: Jutta Eichholz)

Abb. 4: Badende,Wandmalerei im Qusair `Amra, Jordanien (8. Jh. n. Chr.)
(Foto: Jutta Eichholz)

Abb. 5: Frühislamische Badeanlage von Kharab Sayyar, Syrien (9. Jh. n. Chr.)
(Foto: Ausgrabungsprojekt Kharab Sayyar)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Dirk Wicke
Professur für Vorderasiatische Archäologie
Institut für Archäologische Wissenschaften, Abteilung I,1
Goethe-Universität
wicke@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 21 2020
12:02

Loperamid könnte bei der Behandlung von Glioblastomen helfen

Durchfallmittel treibt Krebszellen in den Tod

Stellungnahme

Forscher der Goethe-Universität Frankfurt hatten kürzlich in einem Artikel und einer Pressemitteilung über den Einfluss des Wirkstoffes Loperamid auf den Zelltod bei Hirntumorzellen berichtet. Es sind daraufhin an den Deutschen Hirntumorzentren zahlreiche Anfragen nach dem therapeutischen Einsatz von Loperamid bei Patienten mit Hirntumorerkrankungen eingegangen. 

Es ist jedoch festzuhalten, dass die zugrundeliegende Forschungsarbeit lediglich auf Zellkulturmodellen basiert. Aus den Ergebnissen können auf keinen Fall Empfehlungen zur Behandlung des Menschen abgeleitet werden. Loperamid kann neben Darmträgheit vor allem bei höher dosiertem oder nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch schwere und lebensbedrohliche Nebenwirkungen verursachen.

Die Autoren des Forschungsartikels und des Schwerpunkts Neuroonkologie des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen (UCT) raten daher dringend von einem Einsatz von Loperamid bei Hirntumorpatienten (außerhalb der Indikation Durchfall) ab.

Prof. Dr. med. Christian Brandts

Direktor Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen Frankfurt (UCT), Universitätsklinikum Frankfurt

Prof. Dr. med. Joachim Steinbach
Direktor des Dr. Senckenbergischen Instituts für Neuroonkologie, UCT, Universitätsklinikum Frankfurt

Sjoerd J. L. van Wijk, Ph.D.

Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie, UCT, Universitätsklinikum Frankfurt

In der Zellkultur wirkt das gängige Durchfallmittel Loperamid gegen Glioblastomzellen. Ein Forschungsteam der Goethe-Universität Frankfurt hat jetzt den Wirkmechanismus des Mittels aufgeklärt und damit gezeigt, wie der Wirkstoff die Behandlung von Hirntumoren unterstützen könnte, die schwer zu therapieren sind.

FRANKFURT. Hinweise darauf, dass das Durchfallmittel Loperamid in der Therapie von Hirntumoren eingesetzt werden könnte, fand die Arbeitsgruppe um Dr. Sjoerd van Wijk vom Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie der Goethe-Universität bereits vor zwei Jahren. Nun entschlüsselte sie den Wirkmechanismus und eröffnet damit Optionen für neue Behandlungsstrategien.

Wenn Zellen sich selbst auffressen

Loperamid führt in bestimmten Tumorzellen zu einer Stressreaktion im Endoplasmatischen Retikulum (ER), dem Zellorganell, das für wesentliche Schritte der Proteinsynthese im Körper verantwortlich ist. Der Stress im ER löst dessen Selbstverdau aus: Es vernichtet sich quasi selbst. Dieser als Autophagie („Selbstverdau“) bezeichnete Mechanismus ist auch im normalen Stoffwechsel manchmal sinnvoll, um aus beschädigten oder überflüssigen Zellbestandteilen die wertvollen Anteile zu recyceln und somit das Überleben der Zelle etwa bei Nährstoffmangel zu sichern. Bestimmte Tumorzellen scheinen über Autophagie jedoch so viel Material abzubauen, dass sie nicht mehr überlebensfähig sind.

„Unsere Experimente mit Zelllinien zeigen, dass Autophagie bei Glioblastom-Hirntumoren die Behandlung unterstützen könnte“, so van Wijk. Das Glioblastom ist eine sehr aggressive und meist tödliche Krebsform bei Kindern und Erwachsenen, die schlecht auf Chemotherapeutika reagiert. Daher werden dringend neue Therapieansätzen gesucht. Die Arbeitsgruppe um van Wijk identifizierte jetzt einen wichtigen Faktor, der die ER-Stressreaktion mit dem Abbau des ER (Retikulophagie) verbindet: Der „Aktivierende Transkriptions-Faktor“ ATF4 wird sowohl bei ER-Stress als auch unter Loperamid-Einfluss vermehrt gebildet. Er löst den Abbau der ER-Membranen und damit des ERs aus.

Durchfallmittel löst Zelltod in Glioblastomzellen aus

„Wenn wir umgekehrt ATF4 blockieren, sterben nach Zugabe von Loperamid deutlich weniger Zellen einer Tumorzellkultur“, beschreibt van Wijk die Kontrollergebnisse. Außerdem konnte die Arbeitsgruppe unter dem Elektronenmikroskop die ER-Trümmer in Abbauzellen des Körpers nachweisen. „Der ER-Abbau, also die Retikulophagie, trägt sichtbar zum Zelltod von Glioblastom-Zellen bei“, so van Wijk. Zudem zeigte die Arbeitsgruppe, dass Loperamid in einer weiteren Zelllinie (embryonalen Maus-Fibroblasten) nur Autophagie, nicht jedoch den Zelltod auslöst. „Diese Autophagie ist in normalen Zellen harmlos - auch für die Einnahme als Durchfallmittel, denn Loperamid wirkt im Darm nur an besonderen Bindestellen und wird nicht wirklich aufgenommen durch Darmzellen", erklärt der Forscher.

Wirkmechanismus auch für andere Krankheiten denkbar

Der Loperamid-induzierte Zelltod von Glioblastomzellen könnte helfen, neue Therapieansätze für die Behandlung dieser schweren Krebserkrankung zu entwickeln. „Unsere Erkenntnisse eröffnen aber auch neue spannende Möglichkeiten für andere Krankheiten, bei denen der ER-Abbau gestört ist, etwa Nervenzell- oder Demenz-Erkrankungen sowie weitere Tumorarten“, so van Wijk. Bevor Loperamid allerdings tatsächlich bei der Behandlung von Glioblastomen oder anderen Erkrankungen eingesetzt werden kann, ist noch einige Arbeit notwendig. So muss beispielsweise untersucht werden, wie Loperamid ins Gehirn transportiert werden und die Blut-Hirn-Schranke durchdringen kann. Hierfür kommen möglicherweise Nanopartikel in Frage. Die Frankfurter Arbeitsgruppe will nun weitere Retikulophagie-auslösende Substanzen identifizieren und untersuchen, wie sich die Wirkung von Loperamid verstärken lässt. 

Die Arbeitsgruppe um Sjoerd van Wijk wird durch die Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder und den DFG-geförderten Sonderforschungsbereich SFB1177 “Molekulare und funktionale Charakterisierung der selektiven Autophagie" finanziell unterstützt. Die Arbeiten entstanden in Zusammenarbeit mit Dr. Muriel Mari, Prof. Dr. Fulvio Reggiori (Universität von Groningen, Niederlande) und Prof. Dr. Donat Kögel (Experimentelle Neurochirurgie, Goethe-Universität Frankfurt).

Publikation: Svenja Zielke, Simon Kardo, Laura Zein, Muriel Mari, Adriana Covarrubias-Pinto, Maximilian N. Kinzler, Nina Meyer, Alexandra Stolz, Simone Fulda, Fulvio Reggiori, Donat Kögel und Sjoerd van Wijk: ATF4 links ER stress with reticulophagy in glioblastoma cells. Taylor & Francis Online https://doi.org/10.1080/15548627.2020.1827780

Bild zum Download:
http://www.uni-frankfurt.de/95797718

Bildtext: In Zellen des Hirntumors Glioblastom löst das Durchfallmittel Loperamid den Abbau des Endoplasmatischen Retikulums aus: Im Normalzustand ist es in diesen Mikroskopie-Aufnahmen gelb gefärbt, den Abbauzustand leuchtet es als rotes Signal (im Ausschnitt mit Pfeilen markiert). Balken linkes Bild: 20 Mikrometer, Balken rechtes Bild („Inset“): 5 Mikrometer. (Fotos: Svenja Zielke et. al.)

Weitere Informationen:
Dr. Sjoerd J. L. van Wijk PhD,
Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 69 67866574
s.wijk@kinderkrebsstiftung-frankfurt.de
https://www.kinderkrebsstiftung-frankfurt.de/

 

Dez 18 2020
14:29

​Im Wissenschaftsmagazin „Forschung Frankfurt“ der Goethe-Universität kommen Volker Mosbrugger und Joachim Curtius zu unterschiedlichen Einschätzungen zum Klimawandel

Zwei Standpunkte: Schaffen wir das 2-Grad-Ziel oder nicht?

Zwar ist der Klimaschutz in aller Munde, aber ist es realistisch, dass wir das Ziel der Pariser Klimakonferenz erreichen? 2015 hatte die Weltgemeinschaft beschlossen, die Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius zu halten und möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. In der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ zum Thema „Klimakrise“ vertreten zwei Experten der Goethe-Universität unterschiedliche Standpunkte: „Ich bin Klima-Optimist“, meint der Atmosphärenforscher Prof. Joachim Curtius, „Nein, wir schaffen es nicht mehr“, glaubt der Paläontologe und Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Prof. Volker Mosbrugger.

FRANKFURT. Seit 30 Jahren steht der Klimawandel auf der Agenda der Weltpolitik, und seit 1960 steigt die atmosphärische CO2-Konzentration kontinuierlich stark an. „Man erkennt keinerlei Trendwechsel als Folge etwa der Reports des Weltklimarats IPCC oder der internationalen Klimakonferenzen in Kopenhagen oder Paris“, meint der Senckenberg-Generaldirektor Prof. Volker Mosbrugger im Wissenschaftsmagazin „Forschung Frankfurt“. Es gebe „unendlich vielen Zielkonflikte“, etwa dass Biodiesel zwar gut für den Klimaschutz, aber schädlich für die Biodiversität sei. Wer beim Klimaschutz vorangehe, hätte zunächst einmal Nachteile, und zudem würde das Zuviel an Treibhausgasemissionen von weniger als der Hälfte der Weltbevölkerung verursacht. Volker Mosbrugger sieht dennoch größten Handlungsbedarf, der sich jedoch über die Reduktion der Treibhausgasemissionen hinaus auch auf Anpassungsmaßnahmen erstrecken sollte.

Der „Klima-Optimist“ Prof. Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität ist dagegen fest überzeugt: „Wir können es schaffen!“ Er verweist auf erste Erfolge bei der Reduktion von Treibhausgasemissionen und die ehrgeizigen Ziele selbst von Schwellenländern wie China. „Das Thema wird nun in allen Schichten der Gesellschaft ernst genommen, nicht nur unter Experten und Umweltaktivisten“, meint der Atmosphärenforscher. Dazu würde auch beitragen, dass die lang vorhergesagten Folgen des Klimawandels bereits spürbar seien. Zudem gäbe es mittlerweile Instrumente wie CO2-Preissysteme, Alternativen zu Kohlekraftwerken und Nachhaltigkeitskonzepte für Verkehr und Landwirtschaft. Joachim Curtius: „Es liegt immer noch ein weiter Weg vor uns und riesige Anstrengungen sind notwendig.“ Daher plädiert er für einen realistischen Optimismus: „Nur mit Optimismus werden wir alle die Tatkraft und den inneren Antrieb aufbringen, allen Barrieren, Sachzwängen, Gewohnheiten, Bequemlichkeiten und inneren Schweinehunden zum Trotz, schnell genug umzusteuern.“

In weiteren Beiträge der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ berichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität über ihre Forschungsprojekte rund um den Klimawandel, wie zum Beispiel die knappe Ressource Wasser bereits heute als Waffe in Konflikten eingesetzt wird, wie der Klimawandel zum dramatischen Artenschwund beiträgt oder wie Klimamodelle von Warmzeiten der Erdgeschichte präzisere Voraussagen unserer Klimazukunft erlauben. Sie gehen aber auch der Frage nach, warum es uns so schwerfällt, unsere Lebensweise zu verändern.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2020) kann von Journalisten kostenlos bestellt werden bei: ott@pvw.uni-frankfurt.de

Alle Beiträge sind online erhältlich unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de


Weitere Informationen
Prof. Dr. Volker Mosbrugger
Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung
Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt
vmosbrugger@senckenberg.de

Prof. Dr. Joachim Curtius
Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität Frankfurt
curtius@iau.uni-frankfurt.de