​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Dez 6 2017
10:41

22 Millionen Euro für Fraunhofer-Forschungsgebäude

Loewe fördert Neubau auf dem Campus Niederrad

FRANKFURT/WIESBADEN. Wissenschaftsminister Boris Rhein hat heute bekanntgegeben, dass das Land Hessen 22 Millionen Euro zur Errichtung eines neuen Fraunhofer-Forschungsgebäudes auf dem Campus Niederrad bereitgestellt. Der Neubau soll zusammen mit der Fraunhofer-Gesellschaft in den Jahren 2018 bis 2023 realisiert werden und künftig das LOEWE-Zentrum „TMP – Translationale Medizin und Pharmakologie“ beherbergen.

„Der geplante Neubau ist ein wichtiger Schritt für den Ausbau des Loewe-Zentrums TMP zu einem eigenständigen Fraunhofer-Institut in Frankfurt. Das ist ein schöner Erfolg der bisherigen Kooperation zwischen der Goethe-Universität, dem Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME in Aachen und dem Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim“, so Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz. 

Für die zweite Förderperiode des Loewe-Zentrums TMP stellt die Landesregierung rund 19,4 Millionen Euro für den Zeitraum von 2018 bis 2020 bereit. In dem Zentrum arbeiten Wissenschaftler mit der Industrie zusammen, um präklinische und klinische Modelle zu entwickeln und möglichst früh Aussagen über die Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneistoffen treffen zu können. So sollen die Erfolgsraten der klinischen Entwicklung drastisch gesteigert werden.

Eine Förderzusage für 2018 erhielt außerdem der Loewe Forschungsverbund „Medical RNomics – RNA-regulierte Netzwerke bei humanen Erkrankungen“ unter Federführung der Universität Gießen, an dem die Goethe-Universität ebenfalls als Partner beteiligt ist – zusammen mit der Universität Marburg und dem Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim. In diesem Projekt geht es um die Anwendung regulatorischer Ribonukleinsäuren zur Behandlung von insbesondere Tumor-, Infektions- und Herz-Kreislauferkrankungen.

Information: Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität, Tel.: (069) 798-29339; Schubert-Zsilavecz@pharmchem.uni-frankfurt.de.

 

Dez 6 2017
10:38

Am 11. Dezember diskutiert die Bürger-Uni die Folgen von Fake-News für politische und gesellschaftliche Diskurse

Auf der Suche nach der Wahrheit

FRANKFURT. Fake-News, postfaktisch und Lügenpresse – alle drei Begriffe so relevant für den deutschen Sprachgebrauch, dass sie jüngst in den neuen Duden aufgenommen wurden. Dies verdeutlicht, wie sehr das Thema Falschmeldungen in den vergangenen Monaten in den Fokus der politischen und gesellschaftlichen Öffentlichkeit gerückt ist. Die absichtliche manipulative Verbreitung von Fake News kann ganze Diskurse beeinflussen. Wahrheiten gehen dabei zwischen alternativen und realen Fakten verloren. Immer mehr Expertengruppen entstehen, um Nachrichten zu verifizieren. Was ist Lüge? Was ist Wahrheit? Wie werden Lügengeschichten konstruiert? Was sollen sie bewirken und wie lassen sie sich überprüfen?

Diese und weitere Fragen stehen am 11. Dezember 2017 um 19.30 Uhr in der Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt,

im Mittelpunkt bei der „Suche nach der Wahrheit“. Folgende Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis diskutieren auf dem Podium: Prof. Marcus Willaschek, Philosoph der Goethe-Universität, Prof. Vinzenz Hediger, Filmwissenschaftler der Goethe-Universität, Anna-Maria-Wagner, Referentin für Digitale Kommunikation beim Deutschen Journalistenverband, Andreas Platthaus, stellv. Feuilleton-Chef, Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Moderation übernimmt Pitt von Bebenburg von der Frankfurter Rundschau, die Medienpartner der Bürger-Uni-Reihe „Informiert oder manipuliert? Medien und öffentliche Meinung im Wandel“ ist. An insgesamt drei Terminen geht die Reihe der Bedeutung des Journalismus in Zeiten von Falschmeldungen, ihrer Entstehung und deren Folgen für gesellschaftliche und politische Diskurse sowie gängigen Techniken und Praktiken der Manipulation auf den Grund.

Weitere Termine und Themen im Überblick:

15. Januar 2018
„Soziale“ oder „asoziale“ Medien? Technologien der Wahrnehmungsüberwältigung
Podium: Dr. Thorsten Thiel (Politologe, Goethe-Uni), Julia Krüger (Autorin, netzpolitik.org), Karolin Schwarz (Autorin und Gründerin von hoaxmap.org)
Moderation: Hanning Voigts (Frankfurter Rundschau)

Beginn jeweils um 19.30 Uhr, Eintritt frei. Alle Veranstaltungen finden im Foyer der Zentralbibliothek der Stadtbücherei (Hasengasse 4, 60311 Frankfurt am Main) statt.

Die Frankfurter Bürger-Universität ist ein Veranstaltungsformat, in dem Bürgerinnen und Bürger im Sommersemester „deutschen Biografien“ begegnen können und das im Wintersemester wechselnde Themen mit städtischem, gesellschaftsrelevantem Bezug aufgreift. Oft verlässt die Goethe-Uni mit ihren Hauptreihen den Campus und zieht an wechselnde Orte in der Stadt, um dort mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Die Bürger-Universität wird jedes Semester von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet. Dieses beinhaltet neben der eigens konzipierten Vortragsreihe eine vielfältige Auswahl an öffentlichen Veranstaltungen der Goethe-Universität, ihrer Fachbereiche, (An)-Institute und Initiativen. Das Programmheft mit über 100 Veranstaltungen steht unter www.buerger.uni-frankfurt.de zur Verfügung.

Besuchen Sie auch unseren Online-Veranstaltungskalender unter: www.uni-frankfurt.de/kalender

 

Dez 5 2017
14:58

Die produktive Spannung von Visualität und Narrativität im Comic.

Wenn Bilder erzählen

FRANKFURT. Bilder sollten sich auf die Nachahmung von „Körpern“, Literatur hingegen auf die von Handlung konzentrieren, lautete das Diktum des Dichters und Aufklärers Gotthold Ephraim Lessing. Auch wenn dieser starre Gegensatz von Bildender Kunst und Literatur heute wohl kaum noch von jemandem vertreten werden dürfte, stand und steht immer auch die Frage im Raum, welchen Platz der Comic im Spektrum der Künste einzunehmen hat. Werden Comics wie Filme „geschaut“ oder eher „gelesen“?

Dr. Bernd Dolle-Weinkauff, Comic-Experte und Kustos des Instituts für Jugendbuchforschung an der Goethe-Universität, erläutert im Gespräch mit „Forschung Frankfurt“, dem Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität, die besondere Hybridität dieses Genres. Als Literaturwissenschaftler beschäftigt sich Dolle-Weinkauff grundsätzlich mit dem Text, der beim Comic gerade aus der Kombination von Schrift und Bild bestehe. Bilder, so Dolle-Weinkauff, sorgten zwar für Suggestivität und Attraktivität des nicht nur bei jungen Leserinnen und Lesern beliebten Genres, aber Schrift habe eine „direktive“ Funktion, vereindeutige das Dargestellte, könne aber wie im Falle von anspruchsvollen Graphic Novels auch die Bedeutung in Frage stellen. Die Sequenzialität, die Abfolge von mehreren aufeinander folgenden und aufeinander bezogenen statischen Einzelbildern, ermögliche ein besonderes Darstellungs- und Ausdruckspotenzial, das selbst die verwandten Zeichentrickfilme nicht erreichten.

Einst wurden Comics noch als „Schundliteratur“ betrachtet; manche Pädagogen wollten gar dieses Genre bekämpfen, um junge Leser davor zu schützen. Dabei richteten sich die ersten Comics, die um 1900 entstanden, an Erwachsene, betont Dolle-Weinkauff. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurden dann zunehmend Kinder und Jugendliche angesprochen. Erst nach und nach wurde die künstlerische Qualität des Comics anerkannt; seine „Doppelcodierung“, das Zusammenspiel aus Unterhaltung und Tiefendimension, sei sein Spezifikum. „Auch der visual bzw. pictorial turn in den Kulturwissenschaften hat mit der gesteigerten Aufmerksamkeit für das Bild dazu geführt, genauer auf den Comic zu schauen“, erklärt Dolle-Weinkauff. Heute werden Comics wissenschaftlich erforscht und auch gesammelt: Die Comic-Sammlung des Instituts für Jugendbuchforschung umfasst mittlerweile über 70.000 Hefte, Bücher und Alben.

Journalisten können die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen bei Helga Ott, Vertrieb, ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Im Internet: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

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Dez 5 2017
11:03

Design und biotechnologische Produktion neuer Peptid-Wirkstoffe

Neue Wirkstoffe aus dem Baukasten

FRANKFURT. Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine Schlüsselrolle. Biotechnologen der Goethe-Universität ist es jetzt gelungen, diese Enzyme nach eigenen Wünschen zu designen, so dass sie ganz neue Naturstoffe erzeugen können.

Viele wichtige Naturstoffe wie Antibiotika, Immunsuppressiva oder Mittel gegen Krebs stammen aus dem Stoffwechsel von Mikroorganismen. Dabei handelt es sich meistens um kleine Eiweißmoleküle (Peptide), die in der Zelle mit Hilfe der NRPS-Enzyme wie am Fließband in einer modernen Autofabrik entstehen: an jeder Station werden dem Grundgerüst weitere Teile zugefügt, bis am Ende das fertige Auto aus der Fabrik rollt. Im Fall der NRPS findet an jeder Station (genannt Modul) der Einbau und die Prozessierung einer bestimmten Aminosäure statt, so dass am Ende ketten-, ringförmige oder anders modifizierte Peptide entstehen, die auch ungewöhnliche Aminosäuren tragen können.

Obwohl die grundlegenden Prinzipien der NRPS schon lange bekannt sind, war es bisher kaum möglich, diese Enzyme zu modifizieren. In den wenigen Fällen, wo es gelang, einzelne Module auszutauschen, nahm die Produktion des veränderten Naturstoffs deutlich ab. Vollkommen unmöglich schien der Zusammenbau ganz neuer Enzyme, die dementsprechend auch ganz neue Naturstoffe erzeugen können. Dies ist der Arbeitsgruppe von Prof. Helge Bode, Merck Stiftungsprofessur für Molekulare Biotechnologie an der Goethe Universität, nun gelungen.

„Wir nutzen natürliche NRPS-Systeme aus Bakterien im Prinzip nur noch als Bausteine, die wir über von uns identifizierte Schnittstellen neu zusammenfügen“, erläutert Bode den Forschungsansatz. Die Ausbeuten sind dabei vergleichbar mit der natürlichen Produktion dieser Naturstoffe.

Die Methode ist inzwischen so gut ausgearbeitet, dass sie von Anfängern bereits nach kurzer Einarbeitung zur Herstellung neuer Wirkstoffe genutzt werden kann. Allerdings war es bis dahin ein weiter Weg. „Ich hatte Glück, dass mich bei diesem Projekt Mitarbeiter unterstützten, die sich nicht leicht entmutigen ließen, sehr fleißig waren und auch außerhalb etablierter Pfade der Wissenschaft denken konnten“, erklärt Bode. „Die von uns genutzte Schnittstelle zum Zusammenfügen der einzelnen Bausteine liegt so, dass die natürlichen Stationen der Biosynthese nicht mehr eingehalten werden müssen“.

Nun geht es darum, die ersten klinischen Wirkstoffe mit dieser Methode zu modifizieren und biotechnologisch herzustellen. Zudem soll die Methode noch weiter verbessert werden, um auch verwandte Naturstoffklasse modifizieren zu können oder sogar wie in der Natur ganze Bibliotheken von Naturstoffen zu erzeugen. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend.

Publikation: Kenan A. J. Bozhüyük, Florian Fleischhacker, Annabell Linck, Frank Wesche, Andreas Tietze, Claus-Peter Niesert, Helge B. Bode: De novo design and engineering of non-ribosomal peptide synthetases, Nature Chemistry, https://www.nature.com/nchem/, DOI: 10.1038/nchem.2890

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://www.muk.uni-frankfurt.de/69511536

Bildtext: Schematische Darstellung des „Baukastensystems“ der NRPS Enzyme zur Produktion neuer Wirkstoffe. Fragmente aus natürlichen Systemen (grün, magenta, blau) werden neu zusammengesetzt (Mitte) und erzeugen dann einen Naturstoff, der in der Natur so bisher nicht gebildet wurde (rechts).

Information: Prof. Dr. Helge B. Bode, Merck Stiftungsprofessur für Molekulare Biotechnologie, Fachbereich 15, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798- 29557, h.bode@bio.uni-frankfurt.de.

 

Dez 4 2017
13:57

Vortrag am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität am 7. Dezember 2017

Julian Nida-Rümelin über Philosophie und Demokratie

FRANKFURT. Kulturpolitiker, politischer Philosoph und öffentlicher Intellektueller: Julian Nida-Rümelin schlägt immer wieder Brücken zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Nun kommt er auf Einladung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität nach Frankfurt und hält einen Vortrag zum Thema

„Eine Philosophie der Demokratie“ am Donnerstag, 7. Dezember 2017, um 18 Uhr c.t. im Gebäude „Normative Ordnungen“ (Raum EG.01) auf dem Frankfurter Campus Westend.

Die philosophischen Grundlagen der Politik – das Nachdenken über Freiheit, Gerechtigkeit, Toleranz und Partizipation – gehören auch zu den zentralen Gegenständen des geistes- und sozialwissenschaftlichen Exzellenzclusters. Julian Nida-Rümelin ist Professor für Philosophie und Politische Theorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Neben der Politischen Philosophie widmet er sich mit weiteren Forschungsschwerpunkten der Rationalitätstheorie und der Ethik.

Nach Professuren in Tübingen und Göttingen lehrt Nida-Rümelin seit 2004 an der LMU München. Für einige Jahre wechselte er aus der Wissenschaft in die Politik, zunächst als Kulturreferent der Landeshauptstadt München, dann als Kultur-Staatsminister im ersten Kabinett Schröder. Mit Jürgen Habermas gehörte Nida-Rümelin vor einigen Jahren zu den Autoren eines programmatischen Essays über die Zukunft der Europapolitik.

Zu den zahlreichen Büchern, die Julian Nida-Rümelin zu den Themen praktische Philosophie und politische Theorie verfasst hat, zählen: „Demokratie und Wahrheit“ (2006), „Politische Philosophie der Gegenwart“ (2009), die Reclam-Trilogie über Rationalität (2001), Freiheit (2005) und Verantwortung (2011), „Optimierungsfalle. Philosophie einer humanen Ökonomie“ (2011) sowie „Humanistische Reflexionen“ (2016). In jüngster Zeit befasst er sich verstärkt mit der Migrations-Debatte („Über Grenzen denken“, 2017) und mit Bildungspolitik („Der Akademisierungswahn – Zur Krise beruflicher und akademischer Bildung“, 2014).

Die Einladung Julian Nida-Rümelins erfolgt auf Initiative von Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters und Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität.

Der Eintritt zum Vortrag von Prof. Nida-Rümelin ist frei, eine Anmeldung erforderlich – bitte unter: sekretariat.forst@soz.uni-frankfurt.de

Informationen: Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; http://www.normativeorders.net/de

 

Dez 4 2017
11:14

Laura Woltersdorf erhält Auszeichnung für Wasserressourcen-Management in Namibia

Preis für Frankfurter Umweltwissenschaftlerin

FRANKFURT. Der in diesem Jahr erstmals ausgeschriebene Forschungspreis „Transformative Wissenschaft“ geht an Dr. Laura Woltersdorf, Post-Doktorandin am Institut für Physische Geographie der Goethe-Universität. Die Jury prämierte ihre Nachhaltigkeitsbewertung für zwei unterschiedliche Technologien für das Wasserressourcenmanagement in Namibia. Die Umweltwissenschaftlerin nimmt den Preis am 5. Dezember in Berlin entgegen.

Den mit 25.000 Euro dotierten Preis vergeben das Wuppertal Institut und die Zempelin‐Stiftung im Stifterverband für Forschungsarbeiten, die gesellschaftliche Impulse geben und dabei die Zivilgesellschaft in die Forschung einbeziehen. Laura Woltersdorf entwickelte eine Nachhaltigkeitsbewertung im Forschungs- und Entwicklungsprojekt CuveWaters. Damit hat die junge Wissenschaftlerin wesentlich zum Erfolg des BMBF-geförderten und 2015 abgeschlossenen Projektes unter der Leitung des ISOE (Institut für sozial-ökologische Forschung) beigetragen.

Als eine der ersten Absolventinnen des Masterstudiengangs Umweltwissenschaften an der Goethe-Universität erhielt Laura Woltersdorf in den Schwerpunktfächern Soziale Ökologie, Hydrologie und Umweltanalytik eine interdisziplinäre Ausbildung. „Dabei habe ich gelernt,  Probleme aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und gesellschaftliche Probleme mit wissenschaftlichen Fragestellungen zu verbinden“, sagt die Preisträgerin.

Ihre konzeptionelle Arbeit war grundlegend für die Bewertung eines nachhaltigen Wasserressourcenmanagements im Norden Namibias. Dort sind natürliche Wasserquellen seit jeher knapp, und mit fortschreitendem Klimawandel erhöht sich der Druck noch. Um die  Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen zu sichern und die sanitäre Versorgung vor Ort zu verbessern, untersuchte Woltersdorf verschiedene technologisch mögliche Varianten – die Wiederverwendung von geklärtem Abwasser und die Nutzung von Regenwasser – auf ihre Nachhaltigkeit hin. In ihr Bewertungskonzept flossen ökologische Aspekte ebenso ein wie Fragen der Armutsbekämpfung.

Zum integrativen Ansatz von Laura Woltersdorf gehört es, naturwissenschaftliche- und sozialwissenschaftliche Ergebnisse zu integrieren. Insbesondere, um herauszufinden, welche technologischen Optionen  unter den gegebenen klimatischen und institutionellen Bedingungen ökologisch, ökonomisch und sozial am wirksamsten sind. Die Jury lobte CuveWaters als beispielhaft für den Entwurf, die Umsetzung und die Verstetigung eines transdisziplinären Forschungsprojektes in der Entwicklungsarbeit.

Laura Woltersdorf war von 2011 bis 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin am ISOE. Seit Ende 2015 forscht sie in der Arbeitsgruppe Hydrologie des Instituts für Physische Geographie an der Goethe-Universität. Ihr Arbeitsgebiet sind Methoden der transdisziplinären Forschung, insbesondere die Verbindung von natur- und sozialwissenschaftlichem Wissen sowie Praxiswissen. Sie wird das Preisgeld für die Weiterentwicklung ihrer integrativen Methoden einsetzen. Darüber hinaus möchte sie ihre Ergebnisse der internationalen Forschungscommunity näher bringen und ihr Netzwerk entsprechend erweitern.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69494638

Foto: ISOE

Information: Dr. Laura Woltersdorf, Institut für Physische Geographie, Fachbereich 11, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40220, L.Woltersdorf@em.uni-frankfurt.de.

 

Dez 4 2017
11:12

Prof. Johannes Naumann: Digitale Texte erfordern andere Lesekompetenz als gedruckte Texte – Kein direkter Zusammenhang mit der Verfügbarkeit von Computern

Lesen im digitalen Medium geht anders

FRANKFURT. Im Frühjahr 2018 steht mit der nächsten PISA-Erhebung zum dritten Mal ein umfassender Test der Lesekompetenz fünfzehnjähriger Schülerinnen und Schüler weltweit an. Prof. Johannes Naumann von der Goethe-Universität und PD Christine Sälzer (Technische Universität München) weisen im Vorfeld erstmals nach, dass sich die Fähigkeiten deutscher Schülerinnen und Schüler beim Lesen digitaler Texte nicht mit ihren Fähigkeiten beim Lesen gedruckter Texte decken.

Naumann und Sälzer haben den computerbasierten Teil in der PISA-Studie 2012 ausgewertet, als das Lesen digitaler Texte erstmals in Deutschland getestet wurde. Das Ergebnis erscheint im Dezember-Heft der „Zeitschrift für Erziehungswissenschaft“: Danach erfordert das Lesen digitaler Texte zum Teil andere Kompetenzen als das Lesen gedruckter Texte. Dabei handelt es sich in beiden Fällen um „Lesekompetenz“, aber die beiden Formen sind nicht deckungsgleich. Vielmehr stellt das Lesen digitaler Texte eine weitere, im gedruckten Format nicht erfasste Dimension der Lesekompetenz dar: Digitale Texte erfordern häufig in besonderem Maße und in einer für das digitale Medium spezifischen Form die selbstgesteuerte Auswahl und Bewertung von Textinformationen. Diese spezifischen Anforderungen meistern Schülerinnen und Schüler in Deutschland deutlich weniger gut als das Lesen „traditioneller“ gedruckter Texte. Wie beim Lesen gedruckter Texte besitzen Mädchen gegenüber Jungen auch beim Lesen digitaler Texte einen ausgeprägten Vorsprung.

Dabei hängt die Häufigkeit des Umgangs mit Computern und anderen digitalen Medien keineswegs stark damit zusammen, wie gut Jugendliche digitale Texte lesen und verstehen können. Dies war durchaus vermutet worden. Diese Vermutung hat sich jedoch nicht bestätigt: Die Verfügbarkeit digitaler Geräte und deren Gebrauch ist weniger relevant als erwartet; sie hängt sogar negativ mit der Lesekompetenz zusammen. Stattdessen zeigte sich, dass für eine gute digitale Lesekompetenz die Einstellungen der Schülerinnen und Schüler gegenüber Informations- und Kommunikationstechnologien besonders wichtig sind: Je mehr sich die Jugendlichen hier zutrauen, desto besser können sie digitale Texte lesen und verstehen.

Publikation: Naumann, J. & Sälzer, C. (2017). Digital reading proficiency in German 15-year olds: Evidence from PISA 2012. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 20(4), 585-603. doi: 10.1007/s11618-017-0758-y

Informationen: Prof. Dr. Johannes Naumann, Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft, Fachbereich 04 Erziehungswissenschaften, Campus Bockenheim (Juridicum), 069 798 23001, j.naumann@em.uni-frankfurt.de, www.fb04.uni-frankfurt.de/eduquant

 

Dez 4 2017
10:48

Tag der Rechtspolitik 2017 widmet sich in diesem Jahr der Fortpflanzungsmedizin

Väter, Mütter, Kind – Reproduktionsmedizin und Recht

FRANKFURT. Künstliche Befruchtung, Samenspende, Leihmutterschaft oder „Social Freezing“ – die Reproduktionsmedizin eröffnet zahlreiche Möglichkeiten, den Kinderwunsch zu verwirklichen. Für unser Rechtssystem wirft das aber eine Vielzahl von Fragen auf. Um sie geht es beim diesjährigen „Tag der Rechtspolitik“ an der Goethe-Universität.

Mehr als fünf Millionen Kinder wurden bis 2015 weltweit mit Hilfe der Reproduktionsmedizin geboren. Was für viele Menschen eine neue Hoffnung ist, nicht kinderlos bleiben zu müssen, stellt für das Rechtssystem eine große Herausforderung dar. Viele bestehende Regelungen sind für die neuen Familienkonstellationen nicht mehr passend. Zudem müssen die Grenzen für den Einsatz von reproduktionsmedizinischen Techniken ausgelotet werden. Sollte die bisher eher restriktive Haltung des deutschen Rechts zur Reproduktionsmedizin verändert werden?

Der diesjährige Tag der Rechtspolitik wird sich unter dem Titel „Väter, Mütter, Kind – Reproduktionsmedizin und Recht“

am Donnerstag, 7. Dezember, 10 bis 14:30 Uhr im Hörsaal I, Hörsaalgebäude (Campus Westend)

diesen Fragen widmen.

Prof. Ute Sacksofsky, Verfassungsrechtlerin an der Goethe-Universität, wird erörtern, ob es ein Grundrecht darauf gibt, dass Kinderwünsche durch die Reproduktionsmedizin erfüllt werden. Familienrechtlerin Prof. Marina Wellenhofer, ebenfalls Goethe-Universität, nimmt den Aspekt „Reproduktionsmedizin und rechtliche Elternschaft" in den Blick. Und Dr. Renata von Pückler, Richterin am Oberlandesgericht in Frankfurt und derzeit beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz in Berlin, wird aus der familiengerichtlichen Praxis berichten. Auf dem Podium bringt Anne Meier Credner, Verein Spenderkinder, die Sicht der betroffenen Kinder in die Diskussion mit den Vortragenden ein, Lukas Ohly, außerplanmäßiger Professor am Fachbereich 06 die Sicht der evangelischen Kirche.

Der Frankfurter Tag der Rechtspolitik wird seit 1992 jährlich vom Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Ministerium der Justiz veranstaltet.

Information: www.jura.uni-frankfurt.de/68945203/Tag-der-Rechtspolitik-2017

 

Dez 1 2017
11:58

Luft anhalten für ein scharfes Bild - Schonende Diagnostik macht Frühstadien von Herzerkrankungen sichtbar

Tiefer Blick ins Herz

FRANKFURT. Herzerkrankungen sind keinesfalls nur ein Risiko für Senioren. Auch körperlich aktive Menschen können gefährdet sein, etwa wenn eine eigentlich harmlose Erkältungskrankheit auf den Herzmuskel übergreift. Bleibt dies unerkannt und setzt beispielsweise der Handwerker seine aktive Tätigkeit oder der Sportler sein intensives Training fort, kann dies zu chronischen Entzündungen und im schlimmsten Fall zum plötzlichen Tod führen. Wie Untersuchungen mit hochmodernen Bildgebungsgeräte solche Risiken verringern, schildert das Wissenschaftsmagazin „Forschung Frankfurt“ in seiner aktuellen Ausgabe.

Prof. Eike Nagel und seine zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung „Kardiovaskuläre Bildgebung“ der Goethe-Universität Frankfurt entwickeln verbesserte Prognose- und Diagnosemöglichkeiten von Herzerkrankungen. „Mit Hilfe der Magnetresonanztomographie können wir in den Herzmuskel reinschauen“, schildert Nagel die Vorteile eines in der Herzuntersuchung recht neuen Verfahrens, das die Frankfurter in den letzten Jahren federführend mit- und fortentwickelt haben. Es macht den Blutfluss sichtbar und damit mögliche Engstellen. Zudem erkennen die Experten, ob der Herzmuskel vernarbt, entzündet oder anderweitig verändert ist.

Die vergleichsweise schnelle Methode erlaubt es, Patienten frühzeitig zu untersuchen und so möglicherweise eine Herzschwäche bis hin zum Herzinfarkt zu verhindern. „Krankheiten wie HIV, Nierenschäden, Rheuma oder Tumoren strahlen häufig auch auf das Herz aus“, beschreibt Nagel gefährdete Menschen. „Wir können heute so viele Erkrankungen erfolgreich behandeln oder sogar heilen – aber das Herz leidet dabei unentdeckt mit und sollte daher beobachtet werden“, ist der Kardiologe überzeugt.

Die schonende MRT-Untersuchung von außen ist bei geringeren Risiken genauso effizient wie ein klassischer Herzkatheter-Eingriff, bei dem ein feiner Schlauch über eine Ader zum Herzen vorgeschoben wird. Das konnte Nagels Arbeitsgruppe kürzlich in einer international beachteten Studie zeigen.

Auch hochmoderne Computer-Tomographen stehen der Abteilung Kardiovaskuläre Bildgebung für dreidimensionale Bilder des Herzens zu Verfügung. Sie machen insbesondere verkalkte Ablagerungen sichtbar, die in Zukunft platzen und einen plötzlichen Herzinfarkt auslösen könnten. Demnächst reiche ein Herzschlag für eine aussagekräftige Aufnahme aus, prognostiziert Nagel – derzeit müssen die Patienten sechs bis zehn Sekunden lang den Atem anhalten, damit die Lungentätigkeit nicht das Bild verwackelt.

Diese rasanten Fortschritte in der Bildgebung der letzten Jahrzehnte faszinieren Nagel: „Heute können wir feinste Veränderungen erkennen und uns damit tatsächlich ein Bild von der Herzerkrankung machen.“

Viele weitere Beiträge zum Schwerpunkt „Bild und Bildlichkeit“ in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ zeigen faszinierende Facetten von Bildern in der Wissenschaft.

Bilder zum Download einschließlich Bildtexten finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69481709

Informationen: Prof. Dr. med. Eike Nagel, Abteilung für Kardiovaskuläre Bildgebung, Universitätsklinikum Frankfurt, Medizinische Klinik III / Kardiologie (Haus 23 A), Theodor-Stern-Kai 7,  60590 Frankfurt am Main, Te­le­fon: 069 6301-87200, Eike.Nagel@kgu.de

Journalisten können die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen bei Helga Ott, Vertrieb, ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Im Internet: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

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Nov 30 2017
16:04

DFG bewilligt 3. Förderperiode des SFBs "Endotheliale Signaltransduktion und Vaskuläre Reparatur"

Millionenförderung für Herz-Kreislauf-Forschung

FRANKFURT. Nach einer exzellenten Begutachtung hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Förderung des Sonderforschungsbereichs (SFB) "Endotheliale Signaltransduktion und Vaskuläre Reparatur" unter Federführung der Goethe-Universität ein weiteres Mal verlängert. Die Gesamtfördersumme für die nächsten vier Jahre beträgt 8,6 Millionen Euro.

Im Zentrum der Forschung stehen jene Zellen, welche die Blutgefäße im Inneren auskleiden. Diese sogenannten Endothelzellen spielen für die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems eine zentrale Rolle: Sie produzieren Signalmoleküle, die an der Regulation des Blutdrucks und an Entzündungsprozessen beteiligt sind. Ebenso kontrollieren sie die Bildung von Ablagerungen in den Gefäßen und steuern das Wachstum der Blutgefäße.

Seit 2010 untersuchen die Forscher in 14 Teilprojekten unter anderem spezifische Signalmoleküle und molekulare Mechanismen, die für den Erhalt der Gefäßfunktion und Regeneration notwendig sind. Einen weiteren Schwerpunkt bilden translationale Projekte, welche die rasche Umsetzung von Forschungsergebnissen am Krankenbett zum Ziel haben. Sie untersuchen beispielsweise den Zusammenhang zwischen Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht und der Endothelfunktion und sollen die Behandlung von Erkrankungen wie Atherosklerose oder Herzinsuffizienz verbessern.

Am SFB unter Sprecherin Prof. Ingrid Fleming vom Institute for Vascular Signalling sind auch das Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim sowie Forscher aus den Biowissenschaften an der Goethe-Universität beteiligt.

Information: Prof. Dr. Ingrid Fleming, Institute for Vascular Signalling, Fachbereich 16, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-6972; -6052, SFB834@vrc.uni-frankfurt.de.

 

Nov 30 2017
16:03

Studie soll prüfen, wie Expertenwissen sich flächendeckend verbreiten lässt/ Ländliche Gebiete in Hessen sind unterversorgt

Epilepsie-Patienten mit Telemedizin besser versorgen

FRANKFURT. Die Diagnose einer Epilepsie erfordert in vielen Fällen eine spezialisierte, neurologische Expertise. Diese ist in Bundesländern wie Hessen häufig nicht flächendeckend verfügbar. Das Epilepsiezentrum an der Universitätsklinik Frankfurt will deshalb die Möglichkeiten der telemedizinischen Beratung von Krankenhäusern und neurologischen Praxen untersuchen. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und das Hessische Ministerium Soziales und Integration haben für die Studie gemeinsam insgesamt 708 Tausend Euro bewilligt.

In Deutschland sind mehr als 800.000 Menschen von Epilepsie betroffen. Oft erhalten die Betroffenen erst nach Jahren die richtige Diagnose und werden anfänglich falsch behandelt. Verspätete Diagnosen und Fehldiagnosen führen zu psychosozialer Belastung und verlängern die Krankheitszeiten. Dabei könnten die Anfälle in zwei Dritteln der Fälle rascher kontrolliert werden, wenn die mittlerweile 30 zur Verfügung stehenden Antiepileptika frühzeitig und richtig eingesetzt würden.

Bislang ist die Epilepsie-Expertise in Hessen aber nicht flächendeckend verfügbar. Mit ein Grund dafür ist die im Ländervergleich niedrige Dichte an neurologischen Praxen (Platz 13). Für Epilepsiepatienten ist dies problematisch, weil sie aufgrund der Therapie mit Anti-Epileptika nicht Auto fahren dürfen. Zudem sind überdurchschnittlich häufig behinderte und alte Menschen von Epilepsie betroffenen. Auch sie sind weniger mobil als andere Patienten und können deshalb die spezialisierten Zentren nicht gut erreichen.

„Die Telemedizin kann eine wichtige Rolle spielen, um die Kompetenz der spezialisierten Zentren in die Fläche zu bringen. Aber bisher stehen wir damit in unserem Fachgebiet noch ganz am Anfang“, so Prof. Felix Rosenow vom Epilepsiezentrum Frankfurt Rhein-Main. Sein Kollege Prof. Adam Strzelczyk, der mit ihm den Projektantrag stellte, ergänzt: „In einigen Bundesländern, aber nicht in Hessen, gibt es mittlerweile erste Ansätze, einzelne Krankhäuser konsiliarisch mit Expertise zu versorgen, bis hin zu noch sehr kleinen tele-epileptologischen Netzwerken, die aber rein krankenhausbasiert sind.“

In dem nun bewilligten Projekt ist zunächst geplant, ein telemedizinisches Netzwerk für die Epilepsieversorgung in Hessen zu etablieren. Ziel ist es, die am Epilepsiezentrum Frankfurt Rhein-Main vorhandene Expertise zunächst mit je fünf bis zehn Kliniken und neurologischen Praxen zu teilen. Das Epilepsiezentrum Marburg möchte sich ebenfalls beteiligen und wird diesbezüglich einen Ergänzungsantrag an die Ministerien stellen. Begleitend wird mit einer Versorgungsforschungsanalyse geprüft, ob sich mit diesem Ansatz verlängerte Krankenhausaufenthalte, Arbeitslosigkeit sowie Frühberentung vermindern lassen und eine bessere Integration am Arbeitsmarkt ermöglicht wird.

Eine wesentliche technische Innovation, die auch im Rahmen des Projekts vorangetrieben werden soll, ist die Schaffung von standardisierten und zertifizierten Lösungen für die telemedizinische Auswertung von EEG-Daten. Im Vorfeld des Antrags haben Rosenow und Strzelczyk bereits Gespräche mit der Deutsche Telekom Healthcare and Security Solutions (DTHSS) geführt, die u.a. die Anwendung Tele Health Ost-Sachsen (THOS) betreibt. Auch eine Kooperation mit dem Austrian Institute of Technologie wird erwogen.

Information: Prof. Felix Rosenow, Zentrum der Neurologie und Neurochirurgie, Epilepsiezentrum Frankfurt Rhein-Main, Universitätsklinikum Frankfurt, Tel.: (069)-6301-84521, rosenow@med.uni-frankfurt.de.

 

Nov 30 2017
16:02

Podiumsdiskussion im Forschungskolleg Humanwissenschaften

Wenn Imperien untergehen

FRANKFURT/BAD HOMBURG. „Imperien und ihr Ende“ sind das Jahresthema 2017 am Historischen Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität. Eine Podiumsdiskussion fasst die Ergebnisse zurückliegender Veranstaltungen zusammen und sucht nach Antworten auf die Frage, was passiert, wenn Imperien untergehen.

Für die im 20. Jahrhundert Geborenen ist der Nationalstaat die vertrauteste Organisationsform. Das Imperium erscheint fremd, ist jedoch historischer Normalfall: eine Machtstruktur mit multiethnischer Bevölkerung und verschiedenen Religionen, mit einer einheitlichen Außenpolitik, doch ohne vereinheitlichte Rechtsordnung im Inneren, sowie mit dem Anspruch, ein Weltreich zu sein. Der Zusammenbruch eines solchen Reiches hat entsprechend weitreichende Konsequenzen.

Das Jahresthema 2017 am Historischen Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität war und ist den „Imperien und ihrem Ende“ gewidmet. Wann aber endet ein Imperium, woran macht man dieses Ende fest, und welche Folgen hat es? Die Antworten dürften in jedem historischen Fall anders ausfallen. In den vergangenen Monaten ging und geht es in Bad Homburg um so unterschiedliche Fälle wie das Ende des Inkareichs in Südamerika, den Zerfall der iberischen Imperien im Atlantik und Pazifikraum, das Osmanische und das Zarenreich. Die abschließende

Podiumsdiskussion „Imperien und ihr Ende“ am Donnerstag, 7. Dezember, 19 Uhr, im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, Bad Homburg,

soll dazu dienen, Ergebnisse dieser Veranstaltungen zusammenzufassen und nach Unterschieden, aber vielleicht auch Gemeinsamkeiten dieser historisch vielfältigen Prozesse zu fragen. Darüber hinaus werden nochmals die paradox anmutenden langfristigen imperialen Kontinuitätslinien nach dem „Ende der Imperien“ beleuchtet.

Die Programmbeauftragten für das Themenjahr „Imperien und ihr Ende“ sind Christoph Cornelißen, Professor für Neueste Geschichte an der Goethe-Universität, und Thomas Duve, Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte und Professor für vergleichende Rechtsgeschichte an der Goethe-Universität. Sie setzten sich auf dem Podium gemeinsam mit zwei Fellows des Historischen Kollegs, die im Rahmen des Themenjahres „Imperien und ihr Ende“ Gastwissenschaftler am Forschungskolleg Humanwissenschaften sind, mit oben genannten Fragen auseinander. Ulrike von Hirschhausen ist Professorin für Europäische und Neueste Geschichte an der Universität Rostock. Während ihres Fellowships am Forschungskolleg Humanwissenschaften forscht sie zu „Empires – Die Krise der Vielfalt im 19. Jahrhundert“. Massimo Meccarelli ist Professor für Rechtsgeschichte an der Universität von Macerata, Italien. Sein Forschungsaufenthalt ist der räumlichen Dimension von Recht und Fragen der Imperienbildung durch Recht in der Frühen Neuzeit gewidmet. Moderiert wird die Diskussion von Andreas Fahrmeir, Professor für Neuere Geschichte an der Goethe-Universität und wissenschaftlicher Leiter des Historischen Kollegs im Forschungskolleg Humanwissenschaften.

Das Forschungskolleg Humanwissenschaften ist Institute for Advanced Studies der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung. In Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Goethe-Universität hat das Forschungskolleg 2014 das Historische Kolleg ins Leben gerufen. Es dient renommierten Historikern aller Welt als geisteswissenschaftliches Laboratorium und ist lebendiger Ort öffentlicher Debatten. Hauptförderin des Historischen Kollegs ist die Dagmar-Westberg-Stiftung. Das kommende Jahr 2018 widmet sich das Historische Kolleg dem Thema „Christianisierung in der Spätantike“. Federführend dabei ist Hartmut Leppin, Professor für Alte Geschichte an der Goethe-Universität.

Um Anmeldung wird gebeten: info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Informationen: Dr. Ellinor Schweighöfer, Tel.: 06172-13977-14 oder -0, schweighoefer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

 

Nov 29 2017
17:41

Zertifikatsübergabe an die ersten beiden Gruppen der Fortbildungsreihe in der Berta-Jourdan-Schule Frankfurt

Vom Sprachprofi zum Sprachförderprofi

FRANKFURT. Im Projekt „Sprachförderprofis“ werden seit Herbst 2016 Pädagoginnen und Pädagogen geschult für den Umgang mit Kindern, die Sprachförderbedarf in der deutschen Sprache haben. Die erste Schulungsrunde ist heute mit der Übergabe von Teilnahmezertifikaten zu Ende gegangen.

Das Beherrschen der deutschen Bildungssprache ist der Schlüssel für den schulischen Erfolg von Kindern nichtdeutscher Herkunftssprachen und ihre Integration ins soziale Umfeld. Laut PISA 2000 ist „Für Kinder aus Zuwandererfamilien […] die [mangelnde] Sprachkompetenz die entscheidende Hürde in ihrer Bildungskarriere“. Daher ist eine möglichst frühe, abgestimmte Sprachförderung der hessischen Kindertagesstätten und Schulen unverzichtbar.

Um das Angebot in Frankfurter Kindertagesstätten und Grundschulen in Frankfurt und Hessen gerade vor dem Hintergrund des steigenden Anteils von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache zu professionalisieren, wurde im Herbst 2016 an der Goethe-Universität das Projekt „Sprachförderprofis“ ins Leben gerufen, das von Prof. Petra Schulz (Goethe-Universität, Professur für Deutsch als Zweitsprache) geleitet wird und sich zum Ziel gesetzt hat, das pädagogische Personal in der wichtigen Aufgabe der Sprachförderung zu unterstützen und weiter zu qualifizieren.

Im Grunde genommen sind wir natürlich alle Sprachprofis – zumindest in unserer Muttersprache. Wir wissen intuitiv genau, ob ein Satz grammatikalisch richtig oder falsch ist oder ob ein Wort zu unserer Sprache gehört oder nicht. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir alle Sprachförderprofis sind. Dazu muss man wissen, wie das komplexe System Sprache aufgebaut ist und wie Kinder sich Sprache aneignen. Um die Kinder dabei effektiv fördern zu können, braucht es Experten für die Sprache – Sprachförderprofis eben.

Die „Sprachförderprofis“ sind ein gemeinsames Projekt der Goethe-Universität Frankfurt und des IDeA-Zentrums (Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk). Finanziell gefördert wird es seit 2016 vom Stadtschulamt Frankfurt, dem Hessischen Kultusministerium und der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main. „Im Einwanderungsland Deutschland ist die fachgerechte Vermittlung der Landessprache an Zuwanderer eine zentrale Aufgabe. Das Projekt ‚Sprachförderprofis‘ ist ein wichtiger Beitrag dazu“, sagt Prof. Roland Kaehlbrandt, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

Prof. Petra Schulz erklärt das Konzept: „In dem Projekt werden Sprachförderkräfte aus Kindertagesstätten und Grundschulen im zentralen Bereich Sprache gemeinsam systematisch und linguistisch fundiert qualifiziert. Unser Ziel ist es, in den Handlungsbereichen Sprachdiagnostik und Sprachförderung in enger Kooperation mit der Praxis Qualitätsstandards zu entwickeln, die die Kontinuität der Fördermaßnahmen im Elementar- und im Primarbereich sicherstellen.“

Das Besondere am sprachwissenschaftlich basierten Konzept: Erzieherinnen und Erzieher aus Frankfurt und Lehrkräfte werden gemeinsam systematisch für eine sprachsensible Arbeit in Kita und Grundschule geschult. Zudem ist das Projekt ein gelungenes Beispiel hinsichtlich der zielgerichteten Zusammenarbeit gerade im Bereich der immer wichtiger werdenden Integrationsherausforderung zwischen Universität, Land, Kommune und Stiftung. Rabea Lemmer und Alina Lausecker, die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen im Projekt, weisen auf eine weitere Besonderheit des Projekts hin: „Die Fortbildungen finden nicht als isolierte Veranstaltungsreihe statt; Vermittlungsphasen wechseln sich mit Einheiten zur Umsetzung und zur Reflexion der Praxis ab. So wird eine größtmögliche Wirksamkeit und eine enge Verzahnung mit den Erfahrungen der Fachkräfte garantiert.“

Nach der erfolgreichen Teilnahme an der fünftägigen Fortbildung sind am heutigen Mittwoch, 29. November, im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung in den Beruflichen Schulen Berta Jourdan die ersten 28 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Schule und Kita mit dem Sprachförderprofis-Zertifikat ausgezeichnet worden. Höhepunkt der Veranstaltung war der Vortrag der renommierten Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Rosemarie Tracy von der Universität Mannheim zum Thema „Sprachprofis kompetent fördern".

Innerhalb Hessens nimmt Frankfurt in diesem Projekt eine Vorreiterrolle ein: Die Sprachförderprofis-Fortbildungen zur Professionalisierung von Sprachförderkräften, die hier initiiert wurden, sollen noch in diesem Jahr im Bereich der Grundschulen auf andere hessische Regionen ausgeweitet werden. Auch für Frankfurt sind für 2018 und 2019 weitere Fortbildungen geplant.

Ein Bild erhalten Sie auf Anfrage bei Helga Ott, Abteilung PR & Kommunikation, E-Mail ott@pvw.uni-frankfurt.de

Informationen: Prof. Dr. Petra Schulz, Institut für Psycholinguistik und Didaktik der deutschen Sprache, Fachbereich 10, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt, Telefon 069 798-32561, E-Mail p.schulz@em.uni-frankfurt.de; Homepage: www.uni-frankfurt.de/44192743/DaZ; Sprachförderprofis: www.sprachfoerderprofis.de

 

Nov 29 2017
14:12

Wie umgehen mit kinderpornographischen Fotos und Videos vor Gericht?

Verbotene Bilder

FRANKFURT. Im Strafprozess gegen Produzenten, Verbreiter und Besitzer kinderpornographischer Bilder sind Bilder als Beweismittel unverzichtbar. Zugleich verlängern sie das Leiden der Opfer. In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ geht ein Beitrag aus der Rechtswissenschaft der Frage nach, unter welchen Bedingungen wer diese Bilder sehen darf bzw. sehen muss.

Wer als Kind oder Jugendlicher Opfer von Missbrauch wird, hat meist sein Leben lang unter den seelischen Folgen zu leiden. Bilder sind einerseits Teil des Missbrauchs, werden aber andererseits im Strafprozess als Beweismittel benötigt. Ein Dilemma für das Strafprozessrecht, wird das Verbrechen durch diese Bilder doch perpetuiert. Wie damit umzugehen ist, wirft noch etliche Fragen auf. Im Beitrag mit dem Titel „Verbotene Bilder“ erläutern die Rechtswissenschaftler Prof. Matthias Jahn und Dr. Dominik Brodowski die aktuelle Rechtslage und gehen auf den Stand der Debatte ein.

Mit welchen Bildern jeglicher Umgang grundsätzlich verboten ist, das ist im Strafgesetzbuch nachzulesen. Mit den wachsenden technischen Möglichkeiten haben sich auch die gesetzlichen Regelungen immer wieder verändert. Waren in 1970er Jahren vor allem Darstellungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern in Hinblick auf analoge Medien wie Zeitschriften, Fotografien und Videos verboten, macht man sich seit den 90er Jahren schon durch den Besitz strafbar. Und längst bezieht sich das Verbot auch auf Speichermedien und das Internet, die Strafbarkeit wurde ausgeweitet auf Darstellungen von Jugendlichen und auf Posing-Fotos. Schon die Suche danach ist strafbar.

Bei Ermittlungen werden diese verbotenen Bilder gesichert und ausgewertet, die Ermittler haben täglich damit zu tun. So kommen auch Richterinnen und Richter – jedenfalls zeitweise – in den Besitz der verbotenen Darstellungen. Strafbar machen sie sich damit nicht – solange sie nur das tun, wozu sie nach geltendem Recht ja verpflichtet sind. Für ein faires Strafverfahren muss auch der Verteidiger Einblick in die Verfahrensunterlagen bekommen. Doch darf er die Bilder an seinen Mandanten weitergeben? Wie schaut es mit externen Gutachtern aus? Im Einzelfall sind die Grenzen zwischen Erlaubtem und Verbotenen fließend und müssen immer wieder neu verhandelt werden. Dies machen die beiden Autoren in ihrem Beitrag deutlich und zeigen anhand von Beispielen, wie das Dilemma in der Praxis gelöst wurde.

Journalisten können die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen bei Helga Ott, Vertrieb, ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Im Internet: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Forschung Frankfurt abonnieren: http://tinygu.de/ff-abonnieren

 

Nov 27 2017
17:39

Physiker der Goethe-Universität sind mit drei Projekten beteiligt

Neuer SFB entschlüsselt Chiralität von Molekülen

FRANKFURT. Die Spiegelbildlichkeit von Molekülen verstehen und manipulieren – das ist das Ziel eines von der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereichs.  An dem Forschungsverbund „Extreme light for sensing and driving molecular chirality“ (ELCH)unter Federführung der Universität Kassel ist die Goethe-Universität mit drei Einzelprojekten wesentlich beteiligt.

Für die physikalische Grundlagenforschung, aber auch für die Medizin und Lebenswissenschaft ist es wichtig, die „Chiralität“ zu verstehen, also die Tatsache, dass zwei Moleküle aus denselben Atomen spiegelverkehrt aufgebaut sein können. So kann eine Chemikalie in der einen Variante giftig und in der anderen ein Medikament sein. Die Kasseler Forschungsgruppe will chirale Moleküle hochempfindlich analysieren und letztlich ihre Chiralität oder „Händigkeit“ manipulieren und umkehren. Dafür werden die Moleküle mit extremen Lasern beschossen und mit modernsten Nachweistechniken erfasst, unter anderem mit der an der Goethe-Universität entwickelten COLTRIMS Technik, eine Art Supermikroskop, mit dem sich einzelne Moleküle untersuchen lassen. Im Rahmen des Forschungsprojekts soll dabei weltweit erstmals ein Gasphasenlabor für die ausschließlich mit Licht getriebene Physik chiraler Moleküle entstehen.

Die DFG finanziert den Sonderforschungsbereich zunächst für die kommenden vier Jahre mit rund 9 Millionen Euro. Danach sind zwei Verlängerungsperioden auf maximal 12 Jahre möglich. Sprecher ist Prof. Dr. Thomas Baumert, Leiter des Fachgebiets Femtosekundenspetroskopie und ultraschnelle Laserkontrolle. Beteiligt am Sonderforschungsbereich sind sieben Professuren der Universität Kassel, weitere Partner sind das Deutsche Elektronensynchrotron (DESY) Hamburg, die Philipps-Universität Marburg und die Goethe-Universität Frankfurt (Prof. Reinhard Dörner und Dr. Markus Schöffler, Institut für Kernphysik).

Informationen: Prof. Dr. Reinhard Dörner, Institut für Kernphysik, Fachbereich 13, Campus Riedberg, Tel. (069) 798- 47003, doerner@atom.uni-frankfurt.de.

Martin Pitzer, Reinhard Dörner und Markus Schöffler: „Wenn Licht Moleküle in Stücke reißt“ in: Forschung Frankfurt 2/2015 (PDF-Download).

 

Nov 27 2017
17:38

Szenenwissen macht die Verarbeitung von Seheindrücken effizienter

Virtual Reality im Dienst der Psychologie

FRANKFURT. Der Aufbau unserer Umwelt folgt bestimmten Strukturen und Merkmalen, die für uns so selbstverständlich sind, dass wir ihrer kaum bewusst sind. Dieses „Szenenwissen“ untersucht die Psychologin Prof. Melissa Lê-Hoa Võ an der Goethe-Universität – unter anderem im Virtual Reality-Labor. In der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“ berichtet die Journalistin Jessica Klapp über ihren virtuellen Ausflug nach Italien und erklärt, warum wir die Milch nicht unter dem Bett suchen oder das Kissen in der Badewanne.

„Wenn wir einen bestimmten Gegenstand in einer Szene suchen, scheinen wir genaue Vorstellungen darüber entwickelt zu haben, welche Objekte wir wo suchen und finden müssen“, erklärt Melissa Võ. Bei der Erforschung dieser natürlichen Szenen interessiert sie insbesondere, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen. Bei welchen Gegebenheiten merken wir besonders auf? Und an was würden wir uns später erinnern? Um das herauszufinden, setzt die Psychologin in ihrem Labor neben Hirnpotenzialmessungen auch Eye-Tracking und Virtual Reality Szenen ein.

„Mit Eye-Tracking messen wir, welche Teile eines Bildes vom Betrachter als interessant oder wichtig befunden werden, wie schnell der Blick auf bestimmte Objekte in Szenen fällt und wie lange der Blick dort verweilt“, erklärt Dr. Dejan Draschkow aus der Arbeitsgruppe von Võ. Wegen der engen Beziehung von Augenbewegung und kognitiven Prozessen ist das Eye-Tracking von großer Bedeutung. Die videobasierten Systeme, die die Forscher verwenden, erfassen die Augenbewegungen mithilfe einer Kamera. Sowohl kopfgetragene, brillenähnliche Systeme kommen zum Einsatz als auch Remote-Eye-Tracker, die sich mit einer Kamera und Infrarot-LEDs im Computermonitor befinden. Mit dem mobilen System können sich die Versuchspersonen im Raum bewegen, Gegenstände suchen und mit ihnen interagieren.

Mit dem Virtual Reality-Headset wird über den Computer eine virtuelle 3-D-Welt simuliert, durch die sich der Proband bewegt. Mit simulierten Umgebungen wie einer italienischen Piazza, in deren Mitte unterwartet braune Kisten schweben, prüfen die Forscher, ob die Ergebnisse, die sie auf zweidimensionalen Bildschirmen feststellen, auch in einer realitätsnahen, dreidimensionalen Umgebung gelten. Sie wollen Gesetzmäßigkeiten verstehen, mit deren Hilfe Menschen ihre Umwelt aufbauen und mit den Objekten in ihr interagieren.

Die Erforschung von Szenenwissen im Kindesalter ist eines der Felder, mit denen sich die Arbeitsgruppe sehr intensiv auseinandersetzt. Ziel des Projekts „SCESAM“, das mit der Unterstützung von IDeA – einem interdisziplinären Forschungszentrum – initiiert wurde, ist es, eventuelle kognitive Defizite wie eine Lese-Rechtschreib-Schwäche frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Mit einem mobilen Forschungslabor finden die Studien direkt vor der KiTa statt: Die Forscher zeigen den Kindern „ungrammatische“ Bilder, auf denen etwa ein Schuh anstelle eines Topfes auf dem Herd steht, und beobachten die Reaktionen mithilfe einer Eye-Tracking-Kamera. Verhält sich eines unter vielen Kindern anders, interessiert sie, ob ein Zusammenhang zur sprachlichen Entwicklung und dem Aufmerksamkeitsverhalten besteht.

Auch Bereiche wie die Medizin ziehen Nutzen aus den Ergebnissen. So haben die Forscher Blickbewegungen von Radiologen bei der Betrachtung von Röntgenbildern gemessen und untersucht, welche Strategien sie zur Erkennung von Tumoren nutzen und mit welchem Erfolg diese Strategien einhergehen. Ebenso von Bedeutung sind die Forschungsergebnisse bei der Handgepäck-Sicherheitskontrolle an Flughäfen. Wie entscheiden Mitarbeiter, welche Gepäckstücke näher geprüft werden müssen? Warum wurde ein gefährlicher Gegenstand nicht gefunden? Hat der Kontrolleur nicht auf diesen Bereich geschaut? Oder hat er darauf geschaut, diesen Teil aber nicht für wichtig erachtet?

Schließlich könnten auch Menschen mit Demenz von der Erforschung des Szenenwissens profitieren. Denn Võ und ihre Mitarbeiter haben herausgefunden, dass die Gedächtnisleistung für Bilder in einer Szene zunimmt, wenn die Probanden zuvor einzelne Objekte gesucht und gefunden haben. Bei einem überraschenden Gedächtnistest schnitten sie deutlich besser ab als Personen, die sich explizit Objekte merken sollten. „Dies bedeutet für uns, dass bei der visuellen Suche eine starke Auseinandersetzung mit der Szene stattfindet und sich Objekte besser einprägen“, erklärt die Psychologin.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69396691

Bildtext: Ein Bild aus der Datenbank SCEGRAM, die Objekte an ungewöhnlichen Standorten zeigt. Die Arbeitsgruppe von Melissa Võ untersucht, wie das Gehirn darauf reagiert.

Information: Prof. Melissa Le-Hoa Võ, Dr. Dejan Draschkow, Scene Grammar Lab, Institut für Psychologie, Fachbereich 5, Campus Westend, Tel.: (069)798-35342, mlvo@psych.uni-frankfurt.de, Tel.: (069)798-35310, draschkow@psych.uni-frankfurt.de.

 

Nov 24 2017
15:31

„Normative Ordnungen“ ab dem 29. November mit fünf Beiträgen bei der Frankfurter Biennale des bewegten Bildes zum Thema „Desire“

Utopie und Filosofie: Der Cluster auf dem B3-Festival

FRANKFURT. Der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität beteiligt sich auch an der diesjährigen B3 Biennale des bewegten Bildes, aktuell zum Leitthema „On Desire. Über das Begehren“. Der Bogen reicht vom idealen Staat über heißes Rechtsgefühl bis zum Internet als Wunschmaschine der Gegenwart und einer frühen filmischen Versöhnungsutopie von Mensch und Maschine. Hinzu kommt das Begehren nach Weisheit – auf Niederländisch übrigens „Wijsbegeerte“ und dort ein Synonym für „Filosofie“.

Die B3 wird jetzt zum dritten Mal von der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach veranstaltet. 2015 kamen rund 370.000 Besucher. Das Festivalzentrum „FOUR Frankfurt“ der jüngsten Auflage befindet sich in den ehemaligen Vorstandsetagen der Deutschen Bank und im Hermann-Josef-Abs-Saal an der Junghofstraße. Dort und an weiteren Orten Frankfurts und der Rhein-Main-Region präsentieren nationale und internationale Akteure aus Kunst, Medien, Technologie und Wissenschaft ihre Projekte und Ideen. Es geht um Fernsehen, Film und Virtuelle Realität, den Computer und das Internet. Flankierend und den Fokus erweiternd machen sich auch Mitglieder des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes Gedanken über das Begehren. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit normativen Ordnungen kann Prinzipien aufzeigen, Begriffe klären und Orientierung geben. Sie benennt dabei auch Sehnsüchte - und hinterfragt sie zugleich kritisch.

Dass Philosophie auch „Wijsbegeerte“ heißt, kann kaum verwundern. Denn in der Tat gibt es ein Begehren nach Wissen und Weisheit  – was die letzten Dinge betrifft, aber auch in Bezug auf die alltägliche Lebensführung. Doch während die populären Philosophie-Formate im Fernsehen, Radio und in Zeitschriften wohl gerade deshalb Konjunktur haben, weil sie konkrete Relevanz versprechen, zeigt sich die akademisch betriebene „Liebe zur Weisheit“ bei einer direkten Verwertung oft zurückhaltend. „Sehnsucht nach Weisheit: (k)ein Fall für die akademische Philosophie?“ heißt das Podiums- und Publikumsgespräch mit Marcus Willaschek, Philosophie-Professor an der Goethe-Universität und Mitglied des Exzellenzclusters, am 29. November von 17.30 bis 18.30 Uhr. Die Moderation hat Bernd Frye, Pressereferent des Clusters.

Die „Gesetze des Begehrens im Internet“ untersucht der Jurist Matthias C. Kettemann, der sich am Cluster zur normativen Ordnung des Internets habilitiert, in seinem Vortrag am 30. November von 17.30 bis 18.30 Uhr. Im Internet als Wunschmaschine der Gegenwart produzieren und konsumieren wir laufend Inhalte und sehen und erwerben Produkte. Zwischen uns und anderen, zwischen uns und den Produkten stehen Vermittler: die Intermediäre (Plattformen und soziale Medien), die Gesetze des Begehrens im Internet aufstellen. Doch was sind das für Normen, die das Begehren strukturieren?

Rainer Forst referiert am 1. Dezember. Er ist einer der beiden Sprecher des Exzellenzclusters und Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität. Sein Thema von 17.30 bis 18.30 Uhr: „Utopie und Ironie. Eine Kritische Theorie des Nirgendwo“. Das utopische Denken ist umstritten: Es gilt als unabdingbar, um gegebene Ordnungen zu überschreiten, andererseits wird es als sinnlose Träumerei oder totalitäre Produktion des neuen Menschen kritisiert. Im Rückgang auf die 500 Jahre alte „Utopia“ des Thomas Morus aber lässt sich zeigen, dass es gerade dort seinen Sinn hat, wo es uns in eine kritische und ironische Distanz zum Hier und Jetzt und auch zur Idee der perfekten Gesellschaft bringt.

Klaus Günther ist der weitere Cluster-Sprecher und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität. Er widmet sich am 2. Dezember von 17.30 bis 18.30 Uhr dem Thema „Hitze und Kälte im Recht“. Denn eine Funktion, die dem Recht zugeschrieben wird, ist die Abkühlung von heißen Emotionen: Das Recht nötigt dazu, sich auf geregelte Verfahren einzulassen. Doch heften sich Emotionen an das Recht, die umso heißer werden, sobald es nicht dem eigenen Begehren entspricht. Sophokles‘ Drama „Antigone“ oder Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ sind literarische Beispiele dafür.

Ein Vortrag mit Filmbeispielen steht für den 3. Dezember von 14.30 bis 15.30 Uhr auf dem Programm: „L’Homme Machine – Das neue Leben in Dziga Vertovs Enthusiasmus / Sinfonie des Donbass (1930)“, so das Thema von Tatjana Sheplyakova, Philosophin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Exzellenzcluster. In Vertovs Klassiker „Enthusiasmus“, dem ersten sowjetischen Tonfilm überhaupt, wird die Utopie der Versöhnung von Mensch und Maschine real. Menschliche Arbeit ist hier ein Begehren, das sich im Spiel der mechanischen Wiederholungen potenziert. Ihr Antrieb ist kein Mangel, sondern Luxus der Kräfte. Was sagt uns dieser Film heute, in dem das Kino die Kirche ablöst, das Sehen zum Hören wird und das Individuum im Kollektivkörper aufgeht?

Die Termine im Überblick:

Mittwoch, 29. November 2017, 17.30 bis 18.30 Uhr
Prof. Marcus Willaschek: Sehnsucht nach Weisheit: (k)ein Fall für die akademische Philosophie? (Moderation: Bernd Frye); 1. OG, Plenarsaal

Donnerstag, 30. November 2017, 17.30 bis 18.30 Uhr
Dr. Matthias C. Kettemann: Gesetze des Begehrens im Internet; 1. OG, Plenarsaal

Freitag, 1. Dezember 2017, 17.30 bis 18.30 Uhr
Prof. Rainer Forst: Utopie und Ironie. Eine Kritische Theorie des Nirgendwo; 1. OG, Plenarsaal

Samstag, 2. Dezember 2017, 17.30 bis 18.30 Uhr
Prof. Klaus Günther: Hitze und Kälte im Recht; 1. OG, Plenarsaal

Sonntag, 3. Dezember 2017, 14.30 bis 15.30 Uhr
Dr. Tatjana Sheplyakova: L’Homme Machine – Das neue Leben in Dziga Vertovs Enthusiasmus / Sinfonie des Donbass (1930); 2. OG, Congress Raum 1

Festivalzentrum FOUR Frankfurt, Junghofstraße 5-9, 60311 Frankfurt; der Eintritt zu den Veranstaltungen des Exzellenzclusters ist frei

Informationen: Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net
http://www.normativeorders.nethttp://www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/b3-biennale;
http://www.b3biennale.de

 

Nov 22 2017
16:37

Aktuelle Vergütungsstudie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt

Vorstandsvergütung: Unterhalb des Dax ist die Vergütung angestiegen

FRANKFURT. Auch unterhalb des Dax werden Millionengehälter für Vorstände allmählich zur Regel – das zeigt die aktuelle Vergütungsstudie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt. Während die Dax-Vorstände 2016 ähnlich viel verdienten wie im Jahr zuvor, stiegen die Gehälter bei MDax-, SDax-, und TecDax-Unternehmen zum Teil deutlich an. So erhielt der Vorstandschef eines MDax-Konzerns im Median 2,9 Millionen Euro, was einem Gehaltssprung von 17 Prozent entsprach. Die weiteren Vorstandsmitglieder erzielten auch ein Plus von 17 Prozent auf 1,6 Millionen Euro. Im SDax wurden die Vorstandsvorsitzenden im Median mit 1,3 Millionen Euro vergütet (plus 8 Prozent), seine Kollegen mit 1,1 Millionen Euro (plus 28 Prozent). Auch im TecDax ging es deutlich nach oben. Hier kam ein Vorstandschef auf 1,5 Millionen Euro (plus 18 Prozent), die weiteren Vorstandsmitglieder auf 0,8 Millionen Euro (plus 9 Prozent).

„Gehaltssprünge spiegeln die hohe Profitabilität der Unternehmen, aber auch Verschiebungen in den einzelnen Indizes wider“
„Die Entwicklung der Vorstandsgehälter spiegelt die robuste Konjunktur, die gerade bei vielen mittelgroßen Unternehmen höhere Gewinne und steigende Aktienkurse nach sich zieht“, sagt Petra Raspels, Arbeitsdirektorin bei PwC in Deutschland. Zu berücksichtigen ist hier aber auch der Effekt, der durch die Wechselhäufigkeit in der Zusammensetzung der Unternehmen in den betrachteten Indizes entsteht. Je nach Vergütungsniveau in den auf- oder absteigenden Unternehmen haben diese Wechsel entsprechende Auswirkungen auf das Vergütungsniveau des betreffenden Index. Hinzu komme die hohe Bedeutung variabler Gehaltselemente. Ein Beispiel: Die Vorstandschefs von TecDax-Unternehmen bezogen 2016 im Schnitt zwei Drittel ihrer Gesamtvergütung aus erfolgsabhängigen Komponenten. „Insofern würde ich in den steigenden Vorstandsgehältern auch keine ungesunde Entwicklung sehen. Denn durch die variablen Anteile ist sichergestellt, dass – wenn die Gewinne irgendwann zurückgehen sollten – auch die Vergütung wieder sinkt und die Unternehmen dann entsprechend weniger belastet werden“, so Raspels.

Die Langfristperspektive wird immer wichtiger
Unterm Strich fällt auf, dass sich die Vergütungsstrukturen in der deutschen Wirtschaft inzwischen eindeutig an einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung orientieren. So handelte es sich beispielsweise bei zwei Drittel der variablen Gehälter von Dax-Chefs um sogenannte „Long Term Incentives“ – also um Vergütungskomponenten, die nur dann vollständig ausbezahlt werden, wenn das Unternehmen auch langfristig Erfolg hat. „Darüber hinaus wird der Faktor Nachhaltigkeit auch in den maßgeblichen Regelwerken immer stärker betont“, sagt PwC-Vergütungsexpertin Nicole Fischer. „Die Corporate-Governance-Kommission hat ihre Vorgaben in diesem Jahr nochmals genau dahingehend präzisiert. Und auch die nationale Umsetzung der EU-Richtlinie zur Corporate Social Responsibility (in Form des CSR-RUG) forciert eine nachhaltige Unternehmensentwicklung, indem sie die vergleichbare Offenlegung nicht-finanzieller Aspekte fördert.“

Wie sich die Vergütungsmodelle optimieren ließen
Gleichwohl – auch das geht aus der Studie von PwC und der Goethe-Universität hervor – ließen sich die Vergütungsstrukturen bei vielen Unternehmen durchaus noch verbessern. So zahlen die meisten „Long Term Incentives“ immer noch Cash statt Aktien aus – womit sich der Bonus im Moment der Auszahlung von der Geschäftsentwicklung abkoppelt. „Eine Alternative hierzu wären sogenannte Restricted Share Units, kombiniert mit speziellen Bedingungen, die im Fachjargon als Vesting-Klauseln bezeichnet werden“, erläutert PwC-Partnerin Raspels. Dieses Modell läuft darauf hinaus, langfristige Boni in Form von Aktien zu gewähren – und die Vorstände anzuhalten, die Papiere auch tatsächlich über einen längeren Zeitraum zu halten. Eine zusätzliche Komponente einer solchen, strikt nachhaltigen Vergütungsstruktur wären die international üblichen Share Ownership Guidelines. Petra Raspels: „Diese Richtlinien legen fest, dass Vorstände möglichst ein Mehrfaches ihrer Grundvergütung in Aktien des eigenen Unternehmens zu halten haben. Dadurch werden die persönlichen Interessen des Top-Managements endgültig mit den langfristigen Unternehmenszielen in Einklang gebracht.“

Klare Differenzierung in der Aufsichtsratsvergütung:
Im Median erhielt ein Aufsichtsratsvorsitzender im Dax 321.000 Euro – 3 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die Stellvertreter und weiteren Aufsichtsratsmitglieder erhielten mit 249.000 Euro (plus 8 Prozent) bzw. 134.000 Euro (plus 5 Prozent) jeweils mehr als noch 2015. Für die weiteren Indizes ist eine klare Differenzierung entlang der Höhe der Gesamtvergütung erkennbar: Ein Aufsichtsratsvorsitzender im MDax erhielt 2016 199.125 Euro, im SDax waren es 100.000 Euro und im TecDax noch 89.855 Euro. Interessant ist zu beobachten, dass der TecDax der einzige Index ist, der einen Rückgang der Gesamtvergütung für Vorsitzende und weitere Aufsichtsratsmitglieder verzeichnete: 3 Prozent weniger für Aufsichtsratsvorsitzende und sogar 9 Prozent weniger für die weiteren Mitglieder. Ein Grund für diese unterschiedlichen Entwicklungen ist laut Studienautoren die sich geänderte Zusammensetzung der einzelnen Indizes.

Verzicht auf eine variable Aufsichtsratsvergütung zumeist erkennbar:
Zudem ist der Trend, auf ein variables Vergütungssystem zu verzichten, in nahezu allen Indizes beobachtbar: Im Dax bspw. verzichten bereits 77 Prozent der Unternehmen – im Vorjahr waren es nur 70 Prozent. Im SDax hingegen gibt es einen Stillstand: Seit 2014 verzichten 68 Prozent der Unternehmen auf ein variables System. „Es bleibt abzuwarten, ob zukünftig auch hier Anpassungen vorgenommen werden. Ein Umdenken ist jedoch schon heute für alle Indizes erkennbar“, sagt Prof. Dr. Hans-Joachim Böcking, Mitautor der Studie und Professor an der Goethe-Universität Frankfurt.

Hinweis:
Die Studie wird unter folgenden Links abrufbar sein:
Ab dem 22.11.2017, 19:00 Uhr: https://www.pwc.de/de/human-resources/verguetungsstudie-2017.pdf
Ab dem 23.11.2017, 12:00 Uhr: https://www.accounting.uni-frankfurt.de/professoren/professur-boecking/aktuelles.html

Weitere Informationen:
Pressekontakt PwC: Sven Humann, PwC Communications,Tel.: +49 (0)211 981 – 2188, E-Mail: sven.humann@pwc.com
Pressekontakt Goethe-Universität: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR & Kommunikation, Pressesprecher des Präsidiums, Tel.: 069/798-13035, E-Mail: kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

Ergänzung zur Pressemitteilung

  Vorstandsvorsitzende weitere Vorstandsmitglieder
Dax 5,62 Mio. € 3,03 Mio. €
MDax 2,87 Mio. € 1,64 Mio. €
SDax 1,34 Mio. € 1,08 Mio. €
TecDax 1,52 Mio. € 0,80 Mio. €

Gesamtvergütung (Median) des Vorstands in 2016

  AR-Vorsitz stellv. AR-Vorsitz weiteres AR-Mitglied
Dax 321.000 € 249.000 € 134.000 €
MDax 199.125 € 124.750 € 80.000 €
SDax 100.000 € 68.000 € 45.000 €
TecDax 89.855 € 70.000 € 42.0000 €

Gesamtvergütung (Median) des Aufsichtsrats in 2016

 

Nov 22 2017
12:03

Studie an der Goethe-Uni: Bei intelligenteren Menschen arbeiten manche Gehirnregionen besonders eng zusammen, während andere sich abschirmen

Kluge Köpfe haben die besser vernetzten Gehirne

FRANKFURT. Bisher wurden verschiedene Ausprägungen von Intelligenz vor allem mit Unterschieden in einzelnen Hirnregionen erklärt. Sind die Gehirne von intelligenteren Personen jedoch auch anders verschaltet als die Gehirne von weniger intelligenten Personen? Eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern der Goethe-Universität bestätigt diese Vermutung. Bestimmte Gehirnregionen sind bei intelligenteren Personen stärker, andere Regionen hingegen schwächer in den Informationsfluss zwischen und innerhalb von Gehirnmodulen eingebunden.

Die Grundlagen des menschlichen Denkens faszinieren Wissenschaftler und Laien seit jeher. Unterschiede in kognitiven Leistungen – und daraus resultierende Differenzen etwa bei Schulerfolg und Karriere – werden vor allem auf individuell unterschiedlich ausgeprägte Intelligenz zurückgeführt. Dass damit auch Unterschiede in der Vernetzung funktioneller Module im neuronalen Netzwerk des Gehirns einhergehen, zeigt eine Studie, die gerade in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht worden ist. Kirsten Hilger, Christian Fiebach und Ulrike Basten vom Institut für Psychologie der Goethe-Universität Frankfurt nutzten MRT-Hirnscans von mehr als 300 Personen und moderne Verfahren der graphentheoretischen Netzwerkanalyse, um die neurobiologischen Grundlagen menschlicher Intelligenz zu untersuchen.

Schon  2015 hat die Forschergruppe eine Meta-Studie in der Fachzeitschrift „Intelligence“ veröffentlicht, worin sie Hirnregionen identifizierte – darunter den Präfrontalcortex – , in denen Aktivierungsveränderungen während kognitiver Herausforderungen einen zuverlässigen Zusammenhang mit Intelligenz zeigten. Wie diese „Intelligenz-Regionen“ des Gehirns jedoch untereinander vernetzt sind, darüber gab es in der Forschung bis vor wenigen Jahren kaum Einsichten.

Anfang 2017 dann berichtete das Forscherteam der Goethe-Universität, dass bei intelligenteren Personen zwei Hirnregionen, die mit der Verarbeitung aufgabenrelevanter Informationen in Verbindung gebracht werden (vorderer insulärer und cingulärer Cortex), über kürzere und somit effizientere Verbindungen mit dem Rest des Hirnnetzwerks verbunden sind (2017, „Intelligence“). Eine andere Region, die mit dem Ausblenden irrelevanter Informationen in Verbindung gebracht wird (die Übergangsregion zwischen Temporal- und Parietalcortex), ist hingegen weniger stark mit dem Rest des Netzwerks verbunden. „Die unterschiedlich starke Einbettung dieser Regionen ins Gesamtnetzwerk des Gehirns könnte es intelligenteren Personen erleichtern, zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen zu unterscheiden – was bei vielen kognitiven Herausforderungen einen Vorteil darstellen würde“, spekuliert Studienleiterin Ulrike Basten.

In ihrer aktuellen Studie nun berücksichtigten die Wissenschaftler, dass das menschliche Gehirn modular organisiert ist. „Das ist ähnlich wie bei einem sozialen Netzwerk, das sich aus Subnetzwerken (Familien, Cliquen, Freundeskreise) zusammensetzt, in denen die Personen untereinander stärker verbunden sind als zu Personen anderer Subnetzwerke. So ist auch unser Gehirn organisiert. Im Gehirn gibt es Subnetzwerke von Hirnregionen – oder eben Module –, die untereinander eng vernetzt sind, während sie zum Rest des Netzwerks nur schwache Verbindungen haben. In unserer Studie haben wir uns intelligenzabhängige Unterschiede in der Rolle einzelner Hirnregionen für die Kommunikation zwischen und innerhalb von Subnetzwerken angesehen: Unterstützt eine Region eher den Informationsfluss innerhalb der eigenen ‚Clique’ oder ermöglicht sie durch Verbindungen zu anderen Subnetzwerken den Informationsaustausch mit anderen ‚Cliquen’, und wie hängt dies mit Intelligenz zusammen?“

Die Studie zeigt: Bei intelligenteren Personen sind bestimmte Gehirnregionen deutlich stärker am Austausch von Informationen zwischen Subnetzwerken beteiligt, so dass bedeutsame Informationen schneller und effizienter kommuniziert werden können. Auf der anderen Seite konnten die Forscher auch Regionen identifizieren, welche bei intelligenteren Personen stärker vom restlichen Netzwerk abgekoppelt sind, wodurch Gedanken möglicherweise besser gegen störende Einflüsse abgeschirmt sind. „Wir gehen davon aus, dass Netzwerkmerkmale, die wir bei intelligenteren Personen in stärkerer Ausprägung gefunden haben, es den Menschen erleichtern, sich gedanklich auf etwas zu konzentrieren und dabei irrelevante, möglicherweise störende Reize auszublenden“, sagt Basten. Dabei bleibt zunächst offen, wie die Zusammenhänge, die die Autoren in ihren Studien finden, zustande kommen. Ulrike Basten: „Es ist möglich, dass manche Menschen aufgrund einer biologischen Veranlagung Hirnnetzwerke ausbilden, die intelligente Leistungen wahrscheinlicher machen. Genauso gut kann sich aber umgekehrt der häufigere Gebrauch des Gehirns für intelligentere Leistungen positiv auf die Ausformung der Netzwerke im Gehirn auswirken. Bei allem, was wir über den Einfluss von Anlage und Umwelt auf die Intelligenz wissen, erscheint ein Wechselspiel beider Prozesse am wahrscheinlichsten.“ 

Publikation: Hilger, K., Ekman, M., Fiebach, C., & Basten, U. (2017). Intelligence is associated with the modular structure of intrinsic brain networks. Scientific Reports. (DOI:10.1038/s41598-017-15795-7)

Weitere ReferenzenBasten, U., Hilger, K., & Fiebach, C. J. (2015). Where smart brains are different: A quantitative meta-analysis of functional and structural brain imaging studies on intelligence. Intelligence, 51, 10-27 | Hilger, K., Ekman, M., Fiebach, C., & Basten, U. (2017). Efficient hubs in the intelligent brain: Nodal efficiency of hub regions in the salience network is associated with general intelligence. Intelligence, 60, 10-25.

Informationen: Dr. Ulrike Basten, Institut für Psychologie, Fachbereich 05, Theodor-W.-Adorno-
Platz 6 (Campus Westend), 60323 Frankfurt, basten@psych.uni-frankfurt.de, Telefon 0176 23973329; vgl. Arbeitsgruppe für Neurokognitive Psychologie, http://fiebachlab.org

 

Nov 22 2017
12:00

Aus dem Dornröschenschlaf in den Fokus der Wissenschaft: die Felsbildkopien des Frobenius-Instituts

Vergessene Bilder

FRANKFURT. Lange Zeit schlummerten sie in den Archiven des Frobenius-Instituts an der Goethe-Universität. Nun erleben die Kopien prähistorischer Felsbilder, die der Ethnologe und Institutsgründer Leo Frobenius in Afrika und anderen Erdteilen erstellen ließ, ein beeindruckendes Comeback.

Elefanten, Büffel, Hirsche und Antilopen, Menschen, teils mit Tierköpfen, und seltsam organisch wirkende Formen: Die Menschen der Vorgeschichte hatten offenbar das Bedürfnis, ihre Umwelt in Bildern zu verewigen. Im Verhältnis 1:1 dokumentiert wurden diese Gemälde im Auftrag des Ethnologen Leo Frobenius Anfang des 20. Jahrhunderts.

Schon kurz nach ihrem Entstehen waren diese beeindruckenden Kopien in Ausstellungen in Frankfurt zu sehen, in den 30er Jahren gingen sie dann „auf Tournee“. Berlin, Oslo und Brüssel, Paris, Zürich und Wien – die aufwendig von Künstler(innen)hand erstellten Bilder wurden in zahlreichen europäischen Städten gezeigt. 1937 dann in New York. Ein Meilenstein der Kunstgeschichte, wie Sabine Graichens Beitrag in der neuesten Ausgabe von „Forschung Frankfurt“, dem Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität, deutlich macht: Die Ausstellungen der Felsbildkopien sollten zahlreiche Künstler der Klassischen Moderne nachhaltig beeinflussen. Pablo Picasso und Joan Miró, Ernst Ludwig Kirchner, Willi Baumeister und Alberto Giacometti waren nachweislich fasziniert davon.

Jahrzehnte waren die Bilder dann vergessen, die Ethnologie arbeitete lieber mit Fotografien. Seit ihrer Wiederentdeckung haben sie viel Beachtung erhalten. Dr. Richard Kuba, Ethnologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Frobenius-Institut, hat die Sammlungs- und Rezeptionsgeschichte der Bilder aufgearbeitet. Längst ist klar, wie bedeutend sie sind – nicht nur, weil sie bis zu 30.000 Jahre alte Gemälde dokumentiert haben, die inzwischen zum Teil zerstört oder verblasst sind; gleich mehrere Forschungsdisziplinen haben die Felsbildkopien und ihre Entstehungsgeschichte im Blick, neben der Ethnologie die Archäologie, die Kunstgeschichte, aber auch die Genderforschung – und nicht zuletzt die Wissenschaftsgeschichte.

Der Beitrag „Vorgeschichtliche Bilder schreiben (Kunst-)Geschichte“ im Forschung Frankfurt-Heft zum Thema „Bild und Bildlichkeit“ versucht, die vielschichtige Bedeutung der Felsbildkopien, die unter zum Teil abenteuerlichen Bedingungen entstanden sind, zu erfassen und zu erklären. Und er verweist auf das Frühjahr 2019, wenn die Bilder endlich wieder in Frankfurt zu sehen sein werden, in der Stadt, in der Leo Frobenius sein Institut beheimatet hat.

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Im Internet: www.forschung-frankfurt.de

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